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  • vor 4 Monaten

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Transkript
00:24Love Is Enough
00:51Ich ruf an wegen einer Beratung.
00:5414.
00:55Ich hätt gern drei Stück, bitte.
00:57Geht es nicht anonym?
01:01Nur mein Vater.
01:02Er weiß nichts.
01:04Ach so.
01:06Okay.
01:07Okay.
01:09Ich ruf dann nochmal an.
01:22Alles okay bei Ihnen?
01:26Können wir Ihnen helfen?
01:27Hey.
01:29Hörst du mich?
01:33Rufen Sie bitte einen Rettungs-Zahn, ja?
01:35112.
01:46So, ein Zimmer extra nur für Sie.
01:50Heißt ja extra, dafür zahle ich auch höhere Beiträge.
01:53Na sehen Sie, da hat sich das doch richtig gelohnt.
01:55Ach, das wird sich zeigen.
02:04Nicht so, was machen Sie denn?
02:06Ich wollte Sie unter der Schulter fassen.
02:15Wie blöd sind Sie eigentlich?
02:16Entschuldigung.
02:17Ja, Entschuldigung.
02:18Riecht mir hier noch die Schulter.
02:19Alles in Ordnung?
02:20Ach, ja, ja.
02:22Riecht mir hier noch zum Versuchskaninchen für Anfänger.
02:25Wie heißen Sie?
02:26Schwester Miriam.
02:27Und ich mach den Job schon ein bisschen länger.
02:29Ach ja?
02:30Und nichts gelernt?
02:31Soll ich Ihnen noch beim Ausziehen helfen?
02:32Lassen Sie mich, ich mach das allein.
02:34Dann bringen Sie mir lieber was zu trinken.
02:36Tee, schwarz.
02:38Wenn Sie mich so nett bitten.
02:48Oh Mann, was für ein Kotzbrocken.
02:49Zimmer 19, Neuzugang.
02:51Ich hatte noch gar nichts gemacht, da hat er sich schon beschwert.
02:54Warum ist er hier?
02:56Auffälligkeiten im EKG.
02:58Intermittierende Herzrhythmusstörungen.
02:59So ein fieser Typ, der seinen Frust an anderen auslässt.
03:01So eine Patienten gibt es doch immer.
03:03Es gehört zum Job.
03:06Das sagt ausgerechnet unser Azubi zur entspanntesten Krankenschwester der Welt.
03:10Aber der ist wirklich ein harter Brocken.
03:12Du musst dir ja nicht alles gefallen lassen.
03:15Naja, ist ja nicht dein Problem.
03:17Konzentrier du dich mal lieber auf deine praktische Prüfung morgen.
03:20Du schaffst das, Chris.
03:23Ja, ja, danke. Alles klar. Danke.
03:26Bei Ihnen ist wirklich alles in Ordnung?
03:28Ja, ja, mir geht's gut.
03:29Ja?
03:30Kümmern Sie sich um den Jungen, ja?
03:31Könnten Sie mal nachsehen, wie er heißt?
03:33Versicherungskarte wäre gut?
03:35Ja.
04:03Das ist ja gar keine Junge.
04:05Sie ist ja Svenja, Svenja Krause.
04:14Sie sitzen im Rollstuhl, im Bett.
04:20Dieses Herzrasen, wie häufig haben Sie das denn?
04:24Vielleicht drei, viermal am Tag.
04:26Aber heute war das erste Mal, dass Sie bewusstlos wurden.
04:29Atemnot, Druckgefühl auf der Brust?
04:32Sagen Sie mal Assistenzarzt.
04:37Und Sie?
04:41Ich bin der Urologe hier im Haus.
04:43Ja, also keiner Chefarzt.
04:46Ich habe ein Anrecht auf Chefarztbehandlung.
04:48Unser Chefarzt ist noch nicht im Haus.
04:51Er wird Ihnen genau dieselben Fragen stellen.
04:54Nur, dass wir so alle sehr viel Zeit sparen.
04:57Ja, ja, Zeit sparen.
04:59Immer alles schnell, schnell.
05:01Abfertigen, abschieben oder abkassieren.
05:03Ja, da zahlt man jahrelang horrende Beiträge
05:05und dann wird man hier mit dem Personal abgespeist.
05:07Ich bin Assistenzarzt.
05:09Ah, sieh.
05:10Viel besser.
05:11Und die Schwester, die mir gerade beinahe die Schulter zertrümmert hat,
05:14wie kann man denn so jemanden auf Patienten loslassen?
05:16Sprechen Sie von Schwester Miriam.
05:18Aber arbeitet hier überhaupt irgendjemand, der qualifiziert ist?
05:20Schwester Miriam ist eine sehr gute Fachkraft.
05:22Ach, dann bin ich wohl ein schlechter Patient, oder was?
05:26Ach, das war eine ernst gemeinte Frage.
05:29Es gibt keine schlechten Patienten.
05:31Es gibt nur Patienten mit schlechten Manieren.
05:40Sie lief direkt vor die Straßenbahn.
05:42Keine Ahnung, ob sie die nicht gesehen hat.
05:44Sie waren zufällig da?
05:45Ja, ich hatte schon so eine böse Vorahnung.
05:47Gut reagiert.
05:48Bin in der Beileidung auf sie draufgefallen.
05:50Sie haben sich verletzt.
05:51Ich hab nichts.
05:51Sie humpeln doch.
05:52Nicht der Rede wert.
05:53Ich seh mir das gleich mal an.
05:55Das ist absolut unnötig.
05:57Mein Dienst wird gleich an.
05:58Jetzt nicht mehr.
05:59Das ist lächerlich.
06:00Dr. Hoffmann, bitte.
06:06Können Sie sich an den Unfall erinnern?
06:09War das heute Vormittag?
06:12Wie lange war ich weg?
06:15Nun, nur etwa zehn Minuten.
06:16Ist Ihnen übel?
06:17Schwindelig?
06:18Ein bisschen.
06:19Tut Ihnen sonst noch etwas weh?
06:20Nur Schmerzen beim Atmen.
06:22Hier.
06:25Ah.
06:28Mir ist schlecht.
06:32Vermutlich eine Rippenfraktur durch den Aufprall von Dr. Hoffmann.
06:35Unser Chefarzt hat Ihnen das Leben gerettet.
06:37Wie war der Blutdruck?
06:3890 zu 60, kurz 86.
06:40Gut, dann können Sie jetzt zum CT.
06:42Muss ich hierbleiben?
06:43Sie haben eine heftige Gehirnerschütterung.
06:45Das heißt, Sie bleiben auf jeden Fall eine Nacht zur Überwachung hier.
06:48Alles Weitere entscheiden wir nach dem CT.
06:51Bis später.
06:52Traumaspirale.
06:54Ihr Vater wurde bereits informiert.
06:56Er ist auf dem Weg.
06:57Wo ist mein Rucksack?
07:01Hier.
07:06Die Reihenfolge der Verbandswechsel innerhalb einer Station?
07:10Als erstes aseptische Wunden, dann infizierte Wunden und als letztes MRSA-Patienten.
07:15Warum?
07:17Um einer Verbreitung von Keimen aus infizierten Wunden in nicht infizierte Wunden vorzubeugen.
07:23Was heißt MRSA?
07:27Multiresistenta Staphylococcus aureus.
07:30Au.
07:31Das tut echt weh.
07:33Ja, tut mir leid.
07:33Wir haben es gleich, ja?
07:34Das war aber auch echt ein scharfes Messer.
07:36Ja, ich habe es mir gestern erst neu gekauft.
07:38Au!
07:39Au!
07:39Die Leute kochen sich neue Messer und zack, ist der Daumen ab.
07:41Au, ah!
07:42Aber glauben Sie mir, in vier Wochen spielen Sie wieder Klavier.
07:45Au!
07:45Au!
07:45Was ist passiert?
07:47Ach, Schwester Miriam hat sich einfach den Daumen abgeschnitten.
07:49Um Himmels Willen, hat sich das schon ein Arzt angesehen?
07:51Ja, kann Arzt auch nicht mehr viel machen.
07:52Der Daumen ist ab.
07:53Sind Sie noch ganz bei Trost?
07:54Abmachen aber schnell!
07:55Nee, ich habe den Verband gratis schön dran bekommen.
07:57Das reicht, Chris.
07:58Wir üben nur für seine Prüfung.
08:01Sie haben ja einen Riesenschrecken eingejagt.
08:03Ich verbitte mir solche Scherze!
08:05Es tut mir leid, aber es hat sich so schön angeboten.
08:07Sie haben ein Gut bei mir.
08:10Sie haben morgen Prüfung?
08:11Und albern hier so rum?
08:13Nehmen Sie den Beruf gefälligst ernst!
08:15Das mache ich!
08:17Das mache ich wirklich!
08:21Und?
08:221A.
08:23Gut.
08:24Wie wäre es mit Frau Kramer?
08:27Hüftendoprothese.
08:27Gut.
08:28Da könnte der Prüfling gleich Mobilisation und Verbandswechsel demonstrieren.
08:31Wie viele Patienten brauchen wir?
08:33In der Prüfungsordnung steht Patientengruppe.
08:35Ich denke, drei sollten reichen.
08:36Gut, dann drei.
08:37Soll ja auch nicht so einfach werden für ihn.
08:39Geht's um die Prüfung von Chris Haas?
08:41Ja.
08:41Wir suchen geeignete Patienten.
08:43Hm.
08:44Da wüsste ich noch jemanden.
08:47Verstaurung der rechten Hand.
08:49Dazu kleine Schürfwunden und Prellungen im Hüft- und Schulterbereich.
08:53Sag ich doch.
08:54Alles Pille-Palle.
08:55Tetanus?
08:56Vor zwei Monaten aufgefrischt.
08:58Ich schreibe Sie erst mal für zwei Tage krank.
09:01Das ist ein Witz.
09:03Keineswegs.
09:04Ich bin sogar geneigt, Ihnen eine Bandage zu verordnen.
09:07Wie können Sie sich...
09:08Ja?
09:11Was wollten Sie gerade sagen?
09:13Schreiben Sie mich, meinetwegen krank.
09:16Ich kann jederzeit an meinen Arbeitsplatz zurückkehren.
09:18Das muss ich sogar, wenn ich arbeitsfähig bin.
09:21Wenn Sie arbeitsfähig sind.
09:22Mit dieser Hand sind Sie es nicht.
09:24Ich bin der Chef und überstehe mir hier mit die Oberärztin.
09:28Eine für die Kasse, eine für den Arbeitgeber.
09:35Hi, wie bist du?
09:37Ich bin Kai.
09:38Ich habe vorhin deine nähere Bekanntschaft mit deiner Straßenbahn verhindert.
09:41Oh, Sie waren das.
09:43Ja.
09:43Danke.
09:44Bitte.
09:46Kurz.
09:48Und was ist dabei rausgekommen?
09:50Gehirnerschütterung, Prellung, Rippenbrüche?
09:52Ja, wahrscheinlich.
09:53War gerade beim CT.
09:54Das war sicher mein Elbogen.
09:55Es tut mir leid.
09:56Nein, nein.
09:57Das war sehr nett von Ihnen.
09:58Mich zu retten, meine ich.
10:01Hast du denn die Straßenbahn nicht kommen sehen?
10:03Nein.
10:04Du hast mir deinen Gedanken woanders, oder?
10:07Ich habe vorhin gedacht, du wärst ein Junge.
10:10Ich habe deine Sachen aufgesammelt und einen Zettel gefunden von einer Beratungsstelle.
10:18Keine Sorge, ich bin Arzt.
10:19Schweigepflicht.
10:20Svenja!
10:22Papa!
10:23Prinzesschen, was machst du denn für Sachen?
10:26Nicht, bitte.
10:27Das tut weh.
10:28Entschuldige.
10:29Weißt du, was ich für einen Schreck bekommen habe?
10:30Weil sie mich anriefen und sagten, du seist hier?
10:32Ja, das wäre ich.
10:33Ach, dann haben Sie meine Tochter gerettet.
10:35Vielen Dank.
10:36Ich war nur zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.
10:39Wie ist denn das überhaupt passiert?
10:41Ich habe nicht aufgepasst.
10:42Ja, klar.
10:43Sie sind sicher der Vater.
10:44Hallo.
10:45Hallo.
10:46Was machen Sie denn jetzt mit ihr?
10:48Ich bringe Sie jetzt zur Auswertung der Untersuchungsergebnisse.
10:51Wollen Sie vielleicht mit?
10:52Ja, klar.
10:52Ich schaffe das schon allein.
10:54Dann warten Sie doch bitte kurz im Wartebereich.
10:56Könnten Sie den Rucksack bitte an sich nehmen?
10:58Danke.
11:13Sie haben bei dem Sturz innere Verletzungen erlitten.
11:16Ein Bluterguss an der Leber.
11:18Klingt schlimm.
11:19Muss ich operiert werden?
11:20Ja, und das machen wir am besten gleich.
11:22Ich brauche nur noch das Einverständnis Ihres Vaters.
11:24Das Hämatum ist zwar noch abgekapselt, aber es könnte jederzeit platzen.
11:28Wir sollten kein Risiko eingehen.
11:30Keine Angst, das wird schon.
11:31Ich spreche gleich mit Ihrem Vater.
11:33Schwester Asu bringt Sie jetzt zur OP-Vorbereitung, ja?
11:39Den Eingriff würde ich gern machen.
11:42Einverstanden.
11:43Darf ich dir assistieren?
11:44Gern.
11:57Und, was sollen die Ärzte?
11:59Der behandelnde Arzt kommt gleich zu Ihnen, um alles zu besprechen.
12:02Du solltest der Asu?
12:03Ich bin sofort wieder da.
12:07Ich muss operiert werden.
12:09Was?
12:10Jetzt gleich.
12:11Warum denn?
12:12Die Leber ist verletzt.
12:14So krass, aber.
12:16Mit einer verletzten Leber ist nicht zu spaßen.
12:19Willst du mir Angst machen?
12:20Nein.
12:22Gibst du mir meinen Rucksack?
12:23Ja.
12:25Sag mal, was sind denn da für Sachen drin?
12:26Das sind doch gar nicht deine.
12:27Das sind doch Jungs-Klamotten.
12:29Machst du da dran?
12:30Entschuldige bitte, dein Handy hat geklingelt.
12:32Ach so.
12:34Also, eigentlich gehören sie mir.
12:37Mhm.
12:37Habe ich dir das nicht erzählt?
12:39Ich bin doch in dieser Theatergruppe in der Kulturfabrik.
12:41Ach so, davon höre ich zum ersten Mal.
12:43Doch, das habe ich dir erzählt.
12:45Nur einen.
12:47Jedenfalls, wir proben da Leons und Lena.
12:50Von Büchner.
12:52Und ich spiele einen Mann.
12:54Du?
12:55Hatten die keine Frauenrollen?
12:57In diesen Theatergruppen herrscht immer Jungsmangel.
12:59Und außerdem ist es nur eine ganz kleine Rolle.
13:01Du?
13:03Du solltest die weibliche Hauptrolle spielen.
13:07Da sind die Ärzte.
13:09Hallo.
13:09Hallo, mein Vater.
13:11Ja.
13:13Guten Tag, Herr Beck.
13:14Ich würde Ihnen gern ein Langzeit-EKG anlegen.
13:19Das ist ja schon wieder nur so ein Azubi.
13:21Werde ich ja eigentlich nur von Amateuren behandelt.
13:23Ich habe bald meine Abschlussprüfung.
13:24Das interessiert mich überhaupt nicht.
13:27Sie bekommen ein tragbares Gerät,
13:28das 24 Stunden lang Ihre Herzaktivitäten aufzeichnet.
13:31Das ist dieser kleine Kasten hier.
13:32Das hier wird Ihr neues Tagebuch.
13:34Da schreiben Sie einfach alles rein,
13:35was Sie machen.
13:36Essen, schlafen.
13:37Oder auch, wenn Sie irgendwelche Beschwerden haben.
13:40Gut.
13:40Dann würde ich Sie jetzt bitten,
13:41Ihren Oberkörper freizumachen.
13:42Ja, wenn Sie mich da so nett drum bitten,
13:44selbstverständlich.
13:48Soll ich Ihnen helfen?
13:49Nee, dann müssen Sie jetzt eben mal warten.
13:55Gut.
13:57Dann lege ich jetzt mal die Elektroden an.
14:00Das könnte ein bisschen ziehen.
14:01Sie müssen mir das nicht alles erklären.
14:02Ich sehe das ja selber.
14:07Gut so?
14:07Ja, ja.
14:11Das ist tat weh.
14:13Entschuldigung.
14:18Zu fest.
14:19Es tut mir leid, aber ich muss ein bisschen festdrücken,
14:20sonst fällt das alles gleich wieder ab.
14:26Ich sage Ihnen doch,
14:27Sie tun mir weh.
14:28Sie sind ja in Ungeschicklichkeit,
14:29wirklich nicht zu überbieten.
14:30Und Sie sind ein sehr schwieriger Patient.
14:33Was ist denn das für eine Unverschämtheit?
14:35Nennen Sie das in Ihrer Ausbildung?
14:36Ist das moderne Krankenpflege,
14:38Misshandlungen und Beschimpfungen?
14:39Sie beschimpfen mich,
14:40ich mache Ihnen nur meinen Job.
14:40Ja, und den machen Sie saumäßig.
14:43Ja, Sie mich auch.
14:46Albers Standardprozedere hier.
14:46Da bringt doch alles nichts.
14:53Das ist logisch.
14:55Ich war vorhin ein bisschen in der Kappe.
14:57Natürlich liegt die Entscheidung bei Ihnen.
14:59Gut.
15:01Allerdings habe ich gerade von Herrn Brenner erfahren,
15:03dass einer der Patienten Ärger macht,
15:04weil er recht auf Chefarztbehandlung hat.
15:07Da wäre es doch das Beste,
15:09ich könnte wieder arbeiten.
15:10Sie sind krankgeschrieben?
15:11Spontanheilung.
15:12Lisa, willst du zu deinem Vater?
15:15Ähm, nein.
15:15Ich möchte gerne einen Freund besuchen,
15:17der hier eingeliefert wurde.
15:18Er hat einen Unfall mit der Straßenbahn.
15:20Luca Krause.
15:21Hatten wir noch einen Straßenbahnunfall?
15:23Woher kennst du Luca?
15:24Wir spielen zusammen in einer Theatergruppe.
15:27Könnte ich Sie mal kurz unter vier Augen sprechen?
15:30Bauchtuch.
15:33Saugen.
15:36Hier ist es, Klemme?
15:38Mhm, ist doch ausgedient,
15:40als im CT zu erkennen war.
15:42Noch eine Klemme?
15:46So, Blutung steht.
15:48Wir sollten eine Segmentresektion machen.
15:50Traust du dir das zu?
15:51Dafür bin ich hier.
15:53Gut, deine OP.
15:55Wie geht's ihr?
15:56Potschabier, 115.
15:58Lassen Sie auf jeden Fall noch zwei Konserven einkürzen.
16:01Bipo?
16:04Übrigens, Lisa war vorn hier.
16:06Ach.
16:07Sie wollte ihren Freund Luca besuchen.
16:10Luca?
16:11Aus ihrer Theatergruppe.
16:13Wie gesagt, von ihm erzählt,
16:14liegt er bei uns in der Klinik?
16:15Mhm.
16:17Nur, dass Luca eine Sie ist.
16:18Und Svenja heißt.
16:23Duffa?
16:35Darf ich?
16:36Ja.
16:44Das passiert mir auch nicht oft.
16:47Hier zu sitzen.
16:49Normalerweise würde ich da drin stehen.
16:51Und warum tun Sie es nicht?
16:56Darf ich Sie was Persönliches fragen?
16:59Svenjas Mutter.
17:01Kann sie nicht kommen?
17:03Meine Frau ist vor acht Jahren gestorben.
17:06Es tut mir leid.
17:09Jetzt bin ich für Svenja, Papa und Mama.
17:12Mir das gelingt, ich weiß es nicht.
17:15Ich glaube, das fragen Sie wohl alle Eltern.
17:18Auf jeden Fall habe ich ein sehr enges, vertrauensvolles Verhältnis.
17:24Sie denkt und redet wie ihre Mutter.
17:31Als meine Frau starb, war ich völlig fertig.
17:36Ohne meine Tochter hätte ich das nicht überstanden.
17:44Das hier sind Ihre Prüfungspatienten.
17:46Sie haben ab jetzt zwei Stunden Zeit für den Pflegeplan.
17:50Morgen Vormittag werden wir Sie dann drei Stunden bei diesen Patienten begleiten.
17:53Und im Anschluss führen wir das Fachgespräch mit Ihnen.
17:55Okay.
17:56Noch irgendwelche Fragen?
17:58Nein, alles klar.
17:59Na dann, legen Sie mal los.
18:01Und Sie nehmen den Pflegeplan nachher in Empfang.
18:04Bis morgen.
18:05Bis morgen.
18:08Toi, toi, toi.
18:09Danke.
18:24Oh nein.
18:27Was machen Sie denn noch hier?
18:28Wie lief die OP?
18:30Die Ruptur war ausgedehnter als erwartet.
18:32Ich musste eine Segmentresektion haben.
18:34Jetzt ist sie erst mal stabil.
18:36Oder eher.
18:37Ein Junge in einem Mädchenkörper.
18:40Sie war schon in Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe.
18:42Leben im falschen Körper.
18:44Aha.
18:46Ja, ich habe versucht, mit ihr darüber zu reden, aber sie blockt noch.
18:49Wieso interessiert Sie das Mädchen eigentlich so?
18:51Wir hatten zusammen einen Unfall.
18:52Das verbindet.
18:54Außerdem bin ich gar nicht sicher, ob er so eine Unfall ist.
18:56Sie glauben, das war ein Selbstmordversuch?
18:59Das will ich noch rausfinden.
19:00Dann sollten wir unbedingt einen Psychologen hinzuziehen.
19:02Ja, aber ich würde gerne vorhin auch mal mit dir drüber reden.
19:05Haben Sie Erfahrungen auf diesem Gebiet?
19:07Nein.
19:08Aber ich glaube, ich könnte Sie dazu bringen, mir zu vertrauen.
19:11Davon kann ich Sie sowieso nicht abhalten.
19:13Aber ich werde das auf alle Fälle mit Dr. Herrmann besprechen.
19:15Ich hätte ihn sowieso informiert.
19:24Stopp!
19:27Haben Sie meine Prüfungspatienten vorgeschlagen?
19:30Ja, ich hatte da einen guten Vorschlag.
19:34Ja, toll, Herr Ritu, Kutscher.
19:35Gratulation.
19:36Jetzt sind wir quitt.
19:37Falls Sie immer noch glauben, dass ich meine Prüfung nicht ernst nehme.
19:39Ich mache mir deswegen fast in die Hosen.
19:41Herr Beck ist vielleicht ein bisschen schwierig.
19:43Aber wie heißt es so schön?
19:45Viel Feind, viel Ehr.
19:47Jetzt haben Sie die Gelegenheit zu glänzen.
19:49Er hasst mich.
19:52Na, so schlimm wird es schon nicht sein.
19:54Sie haben gar keine Ahnung.
19:54Er wird alles dafür tun, um mir die Prüfung zu versauen.
19:57Das wusste ich nicht.
19:59Danke.
20:02Komm, Valerio.
20:04Wir müssen was treiben.
20:05Was treiben!
20:07Wir wollen uns mit tiefen Gedanken abgeben.
20:10Wir wollen untersuchen, wie es kommt,
20:12dass der Stuhl auf drei Beinen steht und nicht auf zwei.
20:15Dass man sich die Nase mit Hilfe der Hände putzt
20:18und nicht wie die Fliegen mit den Füßen.
20:19Komm.
20:20Wir wollen Ameisen zergliedern.
20:24Staubfäden zählen!
20:27Was ist denn das?
20:29Ist das euer Stück?
20:31Zeig doch mal.
20:32Das ist aber nur eine Probe.
20:34Ach, ist das schon im Netz?
20:35Nur auf der Website vom Theater.
20:37Aber guck es dir bitte noch nicht an, Papa.
20:39Versprich mir das.
20:41Na gut, versprochen.
20:43Wenn ich zur Premiere kommen darf.
20:46Ich habe was für dich.
20:48Damit du dich nicht langweilst.
20:50Eine Empfehlung von Frau Fritsche mit TZ.
20:55Und?
20:58Tada!
21:00Falls nicht mal deine Freundinnen besuchen kommen.
21:04Gefällt es dir nicht?
21:06Ich kann es auch umtäuschen.
21:07Nein.
21:08Hast du gut ausgesucht.
21:10Alles.
21:15Na, mein Schatz.
21:16Die Woche geht so schnell rum.
21:19Ich besuche dich jeden Tag, oder?
21:26Fertig werden, bitte.
21:27Nur noch den einen Satz, bitte.
21:28Chris, Schluss jetzt.
21:31Die Zeit ist viel zu kurz.
21:35Dafür haben Sie ganz schön viel geschrieben.
21:37Ja, also für die Menge müsste ich nur eins kriegen.
21:39Am besten, Sie gehen jetzt nach Hause und ruhen sich aus.
21:41Ich muss nur noch was für morgen recherchieren.
21:44Übertreiben Sie es nicht.
21:58Hey, alles gut überstanden?
22:06Deine Freundin Lisa war vorhin hier.
22:08Sie wollte Luca besuchen.
22:13Das bist du doch, oder?
22:16Ich habe sie nach Hause geschickt.
22:20Von deinem Vater.
22:24Seit wann bist du denn Svenja und Luca?
22:30Meine Tante hat mir mal erzählt,
22:32dass ich mit fünf Jahren mit Autos spielen wollte.
22:35Nicht mit Puppen.
22:37Und mit acht habe ich angefangen, Fußball zu spielen.
22:41Das fand dein Vater nicht so lustig, oder?
22:44Daran kann ich mich nicht erinnern.
22:47Aber dann starb Mama.
22:50Und ich war für Papa nur noch seine Prinzessin.
22:54Hast du nie mit ihm darüber geredet?
22:56Das geht nicht.
22:59Das ist unmöglich.
23:02Das würde ihn viel zu sehr...
23:05Enttäuschen.
23:08Also spielst du deinem Vater das Mädchen vor
23:10und deinen Freunden den Jungen?
23:12Nein, nur der Theater AG.
23:15In der Schule bin ich ganz normal, Svenja.
23:17Bestimmt ein gutes Gefühl, als Junge auf der Bühne zu stehen.
23:21Wahnsinnig.
23:23Am liebsten würde ich Schauspieler werden.
23:29Aber ich glaube nicht, dass Papa das so gut finden würde.
23:32Ist es nicht viel wichtiger, was du gut findest?
23:36Ich habe einfach Angst, dass er...
23:43Aber gleichzeitig habe ich auch das Gefühl,
23:46er kann mich doch gar nicht lieben.
23:48Weil das bin ich doch gar nicht.
23:51Okay.
23:54Wie ich das hasse.
23:56Diese blöde Pubertät.
23:59Am liebsten würde ich ein Messer nehmen
24:00und das alles wegschneiden.
24:02Hier und hier.
24:07Ich will nicht, dass das wächst.
24:11Aber es geht immer weiter.
24:15Ich komme mir vor wie ein Freak.
24:21Aber ich kann nichts dagegen tun.
24:29Bist du deswegen vor die Straßenbahn gelaufen?
24:31Sie glauben, ich wollte mich umbringen.
24:35Nein.
24:37Gut.
24:48Findest du es denn wichtig,
24:49ob du es mit Luca oder mit Sven ja zu tun hast?
24:53Ja.
24:54Ja, doch.
24:56Mit einem Jungen redet man doch ganz anders
24:58als mit einem Mädchen.
24:59Und man macht auch ganz andere Sachen.
25:02Ich hätte mit Luca niemals
25:03über Klamotten und sowas geredet.
25:05Worüber dann?
25:06Über unser Stück.
25:07Die Rollen?
25:09Das geht doch immer noch, oder nicht?
25:11Ja.
25:12Warte hier.
25:13Ich muss erst mal sehen,
25:13wie es ihr geht
25:14und ob sie Besuch haben will.
25:16Weiß sie...
25:17Dass ich Bescheid weiß?
25:18Nein.
25:20Was soll ich denn jetzt zu ihr sagen?
25:23Svenja oder Luca?
25:25Frag sie doch einfach.
25:26Bis gleich.
25:29Wir machen nachher noch
25:30ein Kontroll-CT bei Ihnen.
25:32Und wie sieht es mit den Schmerzen aus?
25:34Okay.
25:35Also wenn die Blutwerte in Ordnung sind,
25:36dann können Sie in einer Woche nach Hause.
25:39Aber Sie müssen sich mindestens noch sechs Wochen schonen,
25:41damit die Wunde in Ruhe heilen kann.
25:43Gut, dass die Premiere erst in sechs Wochen ist.
25:46Woher ich das weiß?
25:46Ich bin der Vater von Lisa, Lisa Schroth.
25:49Sie lässt Sie herzlich grüßen.
25:52Danke.
25:52Lisa fragt, ob sie Sie besuchen kann.
25:54Sie ist unten im Foyer.
25:57Kein Problem.
25:58Es ist Ihre Entscheidung.
25:59Sie sollen sich wohlfühlen.
26:00Weiter gute Besserung.
26:14Hallo, Chris.
26:15Hallo.
26:16Ihren Pflegeplan haben wir uns angesehen.
26:18Der ist soweit in Ordnung.
26:20Nur bei Frau Kramer haben Sie vergessen,
26:21die neue Infusion einzutragen.
26:23Da habe ich keine Zeit mehr.
26:24Was ist alles hier drin?
26:25Gut.
26:26Wir halten uns im Hintergrund.
26:27Am besten Sie wachen uns gar nicht.
26:28Okay.
26:30Sie sagt nein.
26:31Dann solltest du Sie auch nicht stören.
26:33Ab in die Schule.
26:35Bis heute Abend.
26:36Ja, bis dann.
27:02Ich weiß, du willst eigentlich keinen Besuch,
27:06aber ich habe erst eine zweite Stunde
27:07und ich weiß echt nicht,
27:08was ich so lange machen soll.
27:13Das habe ich dir mitgebracht.
27:19Soll ich jetzt eigentlich Svenja zu dir sagen?
27:26Ich sage einfach weiter Luca.
27:30Was ist das denn?
27:33Das hat mir mein Vater gebracht.
27:37Kann ich die haben?
27:39Ich meine, du liest sie ja sowieso nicht, oder?
27:45Oh mein Gott, so sieht sie doch niemals aus in echt.
27:51Weiß schon jemand in der Theatergruppe?
27:54Von dem Unfall?
27:55Ja, und das andere.
27:59Nein, nicht von mir.
28:03Soll das geheim bleiben?
28:08Ist das nicht ätzend,
28:11immer jemand anderes sein zu müssen?
28:15Ich meine, bei uns kannst du ja du selbst sein.
28:18Eigentlich.
28:20Aber dann noch wieder nicht,
28:22weil ja niemand die Wahrheit erfahren soll.
28:26Ätzendriff ist nicht mal annähernd.
28:33Im Internet habe ich gelesen,
28:35dass Menschen,
28:36die im Fall zum Körper leben,
28:37sich wie eingesperrt fühlen.
28:40Hast du darüber gelesen?
28:42Ja, natürlich.
28:44Ich wollte ja gerne wissen,
28:46wie das für dich ist.
28:47Ja.
28:51Ich
28:54bin ich nur hier.
28:57Und das
29:01ist wie eine andere Person.
29:04Wie in einem Albtraum.
29:07Nur, dass der Albtraum beginnt,
29:08wenn ich aufwache.
29:10Wenn ich träume,
29:11bin ich immer ein Junge.
29:14Ist ja scheiße.
29:17Ich sag natürlich niemandem was.
29:21Aber du solltest.
29:23Oder?
29:32Ich bleib noch ein bisschen, okay?
29:35Okay.
29:50Guten Morgen, Herr Beck.
29:51Sie schon wieder.
29:52Sie haben wohl immer Dienst.
29:53Guten Morgen.
29:54Guten Morgen.
29:55Was soll das?
29:56Haben Sie Verstärkung mitgebracht?
29:57Trauen Sie sich nicht mehr alleine zu mir?
29:59Am besten Sie beachten uns gar nicht, Herr Rick.
30:01Chris hat heute seine praktische Prüfung.
30:03Wir sehen nur zu.
30:04Ach, Prüfung.
30:07Schau an.
30:08Ja.
30:09Ich würde jetzt gerne
30:10Ihre Temperatur im Ohr messen, bitte.
30:11Wenn Sie das schon können.
30:13Gestern hat mir eine Pflegerin
30:14hier fast den Arm verrenkt.
30:16Aber nur fast.
30:17Darf ich mal kurz?
30:20Okay, sitzt noch alles.
30:22Dann Ihr Ohr, bitte.
30:2736,8.
30:28Das ist gut.
30:30Wie fühlen Sie sich?
30:31Ganz toll.
30:31Wollen wir tauschen?
30:33Obwohl, vielleicht besser nicht.
30:33Da müsste ich ja Sie pflegen.
30:36Gut, dann würde ich Sie jetzt gerne waschen.
30:38Ach, Kind, ist das auch noch?
30:41Sie sagte gestern,
30:42es wäre kein Suizidversuch gewesen.
30:44Und das glaube ich ihr auch.
30:45Und Ihre gespaltene Geschlechtsidentität
30:47ist keine kurzzeitige pubertäre Versuchung?
30:50Das sieht nicht danach aus.
30:51Sie wirkte auf mich,
30:52als hätte sie die Psychonation.
30:54Da sollten wir auf alle Fälle
30:55nochmal einen Fachmann hinzuziehen.
30:56Dann müsste der Vater zustimmen.
30:59Das heißt, sie müsste sich outen
31:00und das will sie im Moment nicht.
31:01Sind wir eventuell verpflichtet,
31:03den Vater über unseren Verdacht zu informieren?
31:05Ich frage nur.
31:06Ich finde, damit würden wir
31:07unsere Kompetenzen überschreiten.
31:08Sie ist ja auch nicht deswegen hier,
31:10sondern wegen eines Unfalls.
31:11Aber sie hat offensichtlich ein Problem.
31:14Ja, aber kein medizinisches.
31:19Aber wo ist da die Grenze?
31:20Ihr Identitätskonflikt kann durchaus
31:22irgendwann zu einem psychischen Problem werden.
31:24Wäre es da nicht besser,
31:25dem vorzubeugen?
31:26Sie verlässt sich darauf,
31:27dass ich meine Schweigepflicht einhalte.
31:29Sie hätte sich mir sonst nicht anvertraut.
31:31Sehen Sie eine Möglichkeit,
31:32das Mädchen in Richtung eines Outings
31:34gegenüber dem Vater zu bewegen?
31:36Können Sie mir noch ein wenig Zeit geben?
31:38Ich sehe keinen Anlass zur Eile.
31:39Sie sind sowieso noch einige Tage hierbleiben.
31:42Dann überlasse ich Ihnen die Angelegenheit.
31:44Danke.
31:46Ach, ähm,
31:48Globisch,
31:48sie hatte mich offiziell krankgeschrieben.
31:51Dabei bleibt es.
31:55Ich wusste,
31:56dass er mir Schwierigkeiten macht.
31:58Du hast im Prinzip gut reagiert.
32:00Bist ruhig geblieben.
32:01Trotzdem,
32:02ich habe es nicht geschafft,
32:02ihn fertig zu waschen,
32:03also Aufgabe nicht erfüllt.
32:04Wir haben gesehen,
32:05dass er ein problematischer Patient ist.
32:07Er ist wahnsinnig empfindlich.
32:08Man kann ihn gar nicht anfassen,
32:09ohne dass er gleich anfängt rumzuschreien.
32:11Aber beim Waschen
32:11muss man nur mal ein bisschen Druck ausüben können.
32:13Du hast das völlig richtig gemacht.
32:16Steht es jetzt im Protokoll,
32:17dass er mich rausgeworfen hat?
32:19Lass dich jetzt nicht verunsichern.
32:20Die Prüfung ist noch nicht zu Ende.
32:22Mach einfach ganz normal weiter.
32:28Irgendwie hat sich sein Bauch komisch angefühlt.
32:31Als hätte er eine Abwehrsprung.
32:42Herr Becken, ganz ruhig.
32:43Gut, last.
32:44Holen Sie sofort einen Arzt.
32:46Ab, wenn Sie ganz ruhig,
32:47es kommen gleich Hilfe.
32:49Herzinfarkt?
32:49Tasten Sie mal seinen Bauch ab,
32:50der war vorhin ganz hart.
32:52Traum!
32:53Rettante Abwehrspannung.
32:54Zum CT-Anmelden.
32:55Rufen Sie eine OP an,
32:56akutes Abdomen, los geht's.
32:58Riss, gut beobachtet.
33:07Hey, wie geht's?
33:09Ganz gut.
33:12Die Svenja kenne ich ja gar nicht.
33:14Lisa war eben hier.
33:16Sie war überhaupt nicht komisch oder so.
33:19Wer muss unterhalten, wie immer.
33:21Schön.
33:24Für Sie bin ich Luca.
33:25Und das bleibt auch so, sagt sie.
33:27Das finde ich gut.
33:28Ich hatte echt Schiss vor Ihrer Reaktion.
33:30Ja, das verstehe ich.
33:32Aber weißt du,
33:33wer darauf blöd reagiert,
33:35um den machst du in Zukunft einfach einen Bogen.
33:38Irgendwann müsste es deinem Papa sagen müssen.
33:41Soll ich das machen?
33:42Nur mit deiner Zustimmung natürlich.
33:45Sag mal, was ist denn hier eigentlich los?
33:48Ich hab gerade mit dem Leiter deiner Theatergruppe gesprochen.
33:51Und ich wollte ihm sagen,
33:51dass du eine Weile nicht kommen kannst.
33:54Aber der kennt gar keine Svenja Krause,
33:56sondern nur einen Luca Krause.
33:57Und der spielt keine kleine Nebenrolle,
33:59sondern die männliche Hauptrolle.
34:01Was soll denn das bedeuten?
34:03Oder können Sie mir das erklären?
34:19Das läuft, dann läuft.
34:20Saugen, schnell.
34:21Bauchtuch?
34:22Wir brauchen noch mindestens sechs Konserven.
34:23Klemme.
34:25Noch eine.
34:27Das war ziemlich knapp.
34:28Das schuldet der Chris aber ein riesiges Dankeschön.
34:30Ich glaube, der gehört nicht zu den Patienten,
34:32die Danke sagen.
34:32Und wenn er erfährt,
34:34dass er nicht vom Chefarzt operiert wurde.
34:35Dann sollten wir am besten gleich aufhören.
34:39Sie kann man ja leicht auf den Arm nehmen.
34:41Wieso?
34:42Der kleine Scherz von Herrn Haas hat die Runde gemacht.
34:44Was dachten Sie denn?
34:45Das finden Sie natürlich komisch.
34:47Jetzt sagen Sie mal nicht so zünderlich.
34:48Der Blutdruck fällt.
34:49Ich hänge noch eine Konserve an und spritze ihm was.
34:51Wir haben's gleich.
34:53Wir haben's gleich.
35:07Ich weiß, ich bin Ihnen zu großem Dank verpflichtet.
35:10Ich möchte Sie bitten, sich von nun an von meiner Tochter fernzuhalten, ja?
35:13Sie glauben, ich hätte Sie dazu überredet?
35:15Ja, meine Tochter will sich zu einem Mann machen lassen.
35:17Und Sie unterstützen sie dabei.
35:20Eine Geschlechtsumwandlung.
35:21Darüber haben wir gar nicht gesprochen.
35:23Das hätte Ihnen doch klar sein müssen, dass das darauf hinausläuft.
35:26Sie ist 14.
35:28In diesem Alter suchen Jugendliche nach ihrer sexuellen Identität.
35:31Da kann es schon mal Verwirrung geben.
35:33Das heißt doch nicht, dass sie wirklich eine Transsexuelle ist.
35:35Also sie fühlt sich nicht erst seit kurzem als Junge?
35:37Aber das sind doch Hirngespinste.
35:39Sie ist doch noch ein Kind.
35:40Sie hat viel Fantasie.
35:42Sie kennen sie doch gar nicht.
35:43Sie hat sich mir anvertraut.
35:45Ach ja?
35:46Und ich bin ihr Vater.
35:47Sie haben doch überhaupt keine Ahnung.
35:50Lassen Sie sie einfach in Ruhe, ja?
35:52Oder ich beschwere mich bei der Klinikleitung über Sie.
36:13Wenn die sich so lange beraten müssen, bin ich bestimmt durchgefallen.
36:16Ach Quatsch. Garantiert.
36:18Bis auf den einen kleinen Aussetzer bei dem Blödmann liegt doch alles super.
36:21Super?
36:23Ich habe mir beim Verbandswechsel von Frau Kramer fast die Handschuhe in Stereo gemacht.
36:26Ja, aber nur fast.
36:28Ja, weil Asu mich darauf hingewiesen hat.
36:29Und beim Fachgespräch habe ich auch diese eine Frage falsch verstanden.
36:39Herr Haas, Sie wollen sicher Ihr Prüfungsergebnis wissen.
36:41Ja, bitte.
36:42Also, nach eingehender Beratung sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass Sie Ihre praktische Prüfung mit einer 2 Plus bestanden
36:56haben.
36:57Oh ja.
36:58Nicht zuletzt, weil Sie bei Herrn Wechsel umsichtig reagiert haben.
37:01Gratuliere.
37:03Also, zusammen mit der mündlichen und der schriftlichen Prüfung kommen wir zu einem Gesangtergebnis von gut.
37:10Sie haben Ihre Prüfung bestanden.
37:12Ich bin so froh, dass ich das jetzt alles hinter mir habe.
37:16Alles Gute.
37:17Dankeschön.
37:17Tschüss.
37:18Tschüss.
37:19Herzlichen Glückwunsch.
37:23Wenn Sie wollen, können Sie jetzt auch Feierabend machen.
37:25Okay.
37:27Gratuliere.
37:28Dankeschön.
37:29Wie geht's denn, Herrn Beck?
37:30Es war mehr als knapp, aber wir konnten ihn retten.
37:33Nicht zuletzt dank Ihnen.
37:34Übrigens, er möchte Sie sehen.
37:36Ach, nö, das muss jetzt nicht sein.
37:38Genau wie ich gestern sagte.
37:39Durch ihn konnten Sie glänzen.
37:45Ja, los.
37:46Komm.
37:54Komm, Marlene.
37:55Wir müssen was treiben.
37:57Was treiben.
37:58Wir wollen uns mit tiefen Gedanken abgeben.
38:01Wir wollen untersuchen, wie es kommt, dass der Stuhl auf drei Beinen steht und nicht auf zwei.
38:07Dass man sich die Nase mit Hilfe der Hände putzt und nicht wie die Fliegen mit den Füßen.
38:11Komm.
38:12Wir wollen Ameisen zergliedern.
38:16Staubfäden zählen.
38:17Ich werde es doch noch zu irgendeiner fürstlichen Liebhaberei bringen.
38:21Ich werde doch noch eine Kinderrassel finden, die mir erst aus der Hand fällt, wenn ich Flocken lese und an
38:27der Decke zupfe.
38:52Bitte, du darfst nicht denken, dass ich einen Jungen weniger lieben werde.
38:56Oder ein Problem mit Transsexualität hätte.
38:59Ich meine nur.
39:00Aber?
39:02Es sind nicht alle so aufgeklärt, liberal und tolerant wie die Ärzte hier.
39:06Oder wie diese Lisa.
39:09Für die da draußen bist du.
39:11Abartig.
39:14Nein.
39:16Seltsam.
39:17Nicht normal.
39:18Was heißt denn das?
39:20Normal.
39:22Die Leute denken einfach so.
39:24Wer anders ist, ist nicht normal.
39:26Und wer nicht normal ist, der wird bekämpft, ausgegrenzt.
39:31Ich möchte nicht, dass du dein Leben lang ein Außenseiter bist.
39:35Darauf habe ich Angst.
39:38Alles besser als ein Außenseiter im eigenen Körper.
39:43Ich weiß, dass ich letztlich die Entscheidung dir überlassen muss.
39:50Ich habe mich bereits entschieden, Papa.
39:56Dann bist du jetzt eben mein Prinz.
39:59Papa, wirklich.
40:00Ich bin 14.
40:03Schon kurz.
40:05Ich versuche es mir abzugewöhnen.
40:31Prüfung bestanden.
40:37Und war das jetzt so schwer?
40:40Vielleicht war es nicht.
40:43Die Ärzte sagen,
40:47sie haben mir das Leben gerettet.
40:49Das ist ein bisschen übertrieben.
40:50Die Ärzte haben ihr Leben gerettet.
40:52Trotzdem.
40:55Ich muss mich dann wohl entschuldigen.
40:58Sie sind als Pfleger doch nicht so
41:02schlecht offensichtlich.
41:07Als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger
41:10gehöre ich zum medizinischen Personal der Klinik.
41:12Ich habe einfach nur meinen Job gemacht.
41:15Kann ich sonst noch irgendwas für Sie tun?
41:18Nee.
41:20Gut.
41:22Und Chris?
41:27Danke.
41:31Jetzt machen Sie die Tür gefälligst leise zu.
41:33Beim letzten Mal bin ich ja fast aus dem Bett gefallen.
41:38Also dann, Herr Beck.
41:40Gute Besserung.
41:55Also als erstes muss jetzt zweifelsfrei festgestellt werden,
41:58dass bei dir wirklich eine Trans-Identität vorliegt.
42:01Also man gewinnt Zeit.
42:02Zeit, um sich in dieser neuen Rolle auszuprobieren.
42:05Das heißt Alltagserprobung, Papa.
42:07Ich müsste mindestens ein Jahr als Junge leben,
42:09damit ich dann auch sonst ein Junge werden kann.
42:11Ja, ja.
42:12Richtig.
42:13Und erst dann kann über eine vermännlichende Hormontherapie nachgedacht werden.
42:17Dann würde meine Stimme tief,
42:18Bartwuchs, Muskeln.
42:19Ganz genau.
42:21Und wenn das dann mindestens ein Jahr lang gut funktioniert hat,
42:23dann könnte man über eine geschlechtsangleichende Operation nachdenken.
42:26Ich glaube, wir haben erst mal genug gehört.
42:28Wir reden später.
42:29Bitte, Papa.
42:30Ich will das wissen.
42:33Also wenn du das wirklich willst,
42:35dann steht dir eine ganze reine Operation bevor.
42:38Das muss dir klar sein.
42:54Der Papa ist auf einem guten Weg.
42:58Und warum machen Sie denn so ein Gesicht?
43:01Ich denke einfach nur daran,
43:02wie schwierig es trotzdem für sie wird.
43:03Für beide.
43:04Wahrscheinlich ihr Leben lang.
43:06Wenigstens muss sie nicht mehr mit einer Lüge leben.
43:08Ja, absolut.
43:10Das ist auf jeden Fall ein Riesenschritt für sie.
43:14Und den hat sie Ihnen zu verdanken.
43:16Ich habe sie nur dabei unterstützt.
43:17Das klingt etwas zu bescheiden, finde ich.
43:20Höre ich da sowas wie ein Kompliment?
43:22So viel psychologisches Feingefühl hätte ich Ihnen jedenfalls nicht zugetraut.
43:25Aber da lag ich wohl falsch.
43:27Vielleicht wären Sie unter diesen Umständen bereit,
43:28meine Krankenschreibung zu vergessen.
43:31Ich muss leider los.
43:33Ich muss leider los.
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