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01:25Hey.
01:28Morgen.
01:29Du schon wieder?
01:31Ich hab dir ja gesagt, dass ich wiederkomme.
01:35Ja, anscheinend hast du nichts besseres zu tun, als ständig in der Klinik rumzuhängen.
01:39Wahrscheinlich bin ich einfach süchtig nach diesem Pfefferminzi, den es dir immer gibt.
01:43Ja, das mit dem Teer haben die echt raus.
01:47Wie geht's dir?
01:50Ein bisschen schlapp, aber ich kann nicht meckern, ich lebe.
01:56Du hast Glück.
01:58Glück, naja.
02:00Glück und Unglück.
02:01Das ist ein Herzinfarkt, sie mussten dir drei Stands setzen.
02:04Das war ziemlich knapp.
02:06Ja, Glück.
02:08Vielleicht sind keine Kategorien, mit denen ich was anfangen kann.
02:13Warum nicht?
02:16Ich glaub nicht an Zufall, ich glaub an Naturgesetze.
02:21Gott würfelt nicht, hat Einstein gesagt.
02:24Na ja, wenn es kein Zufall war, dass wir beide uns getroffen haben, was war's dann?
02:31Schicksal?
02:33Eine Abfolge ursächlich verknüpfter Ereignisse.
02:36Dein Vater arbeitet hier und ich bin sein Patient.
02:39Alles eine Frage der Wahrscheinlichkeit.
02:42Wie romantisch.
02:44Sag ja nicht, dass ich nicht froh bin über diese Ereigniskette.
02:48Ich bin sogar sehr froh.
02:52Ich auch.
03:06So.
03:07Und hier ist sie.
03:08Die strahlende Siegerin in der 500 Kubikzentimeter-Klasse.
03:12Im großen Rennen vom Standesamt zum Schleitester See.
03:14Die frisch verheiratete Miss Emma Rücke.
03:18So Frau Rücke, die Frage, die sich alle stellen.
03:21Wie fühlt sich das an?
03:23Ja, unwirklich natürlich.
03:25Also, wir haben ja ewig dafür trainiert.
03:27Ein halbes Jahr küssen, küssen und nochmals küssen.
03:30Ganz genau.
03:31Und Sie, Jens Rücke, Sie sind seit einer Stunde mit der tollsten Frau der Welt verheiratet.
03:37Wie ist das für Sie?
03:39Absolut unbeschreiblich.
03:41Und haben Sie sich das denn auch gut überlegt, so nach kurzer Zeit zu heiraten?
03:45Keine Sekunde.
03:46Ich wusste sofort, sie ist es.
03:55Das war mein Magen.
03:57Heiraten macht ganz schön hungrig.
03:59Und ich weiß auch, wo wir jetzt was zu essen herkriegen.
04:01Ja, ich auch.
04:02Die Currywurstbude.
04:03Ganz genau.
04:04Wie geht's?
04:04Dann Frau Rücke, leave the way.
04:10Lisa.
04:10Hallo Papa.
04:11Bevor du fragst, ich habe nicht geschwänzt, ich habe Freistunde.
04:14Ich habe nicht gedacht, dass du schwänzt.
04:16Warst du bei Nils?
04:18Ja.
04:19Und ich weiß, du denkst, ich bin zu jung, um zu verstehen, worauf ich mich einlasse.
04:22Ich habe nichts gegen Nils, im Gegenteil.
04:24Ich habe mir nur für dich gewünscht, dass du dir einen Freund suchst, der nicht so krank ist.
04:29Achso.
04:30Soll ich mir ab jetzt meine Freundin nach ihrem Gesundheitszustand aussuchen?
04:33So habe ich das nicht gemeint.
04:34Ich weiß, seine Situation ist sehr ernst.
04:36Und ich weiß auch, dass er eine Herztransplantation braucht.
04:39Genauso wie Jakob damals.
04:41Heißt das, Jakob sollte keine Freundin haben?
04:44Nein, aber Jakob geht es glücklicherweise sehr gut.
04:46Und wir können hoffen, dass er mit seinem Transplantat noch lange problemlos leben kann.
04:50Ja.
04:50Und genau das wünsche ich mir für Nils.
04:52Du nicht auch?
04:54Doch, natürlich.
04:55Gut.
04:56Dann sind wir uns ja an allen Punkten einig.
04:58Und jetzt muss ich los, damit ich nicht zu spiel zu Englisch komme.
05:05Jeden Hochzeitstag hier.
05:06So wie heute.
05:07Mit Currywurst und Cola versprochen.
05:09Ja, guck mal du.
05:10Wir haben beide einen Job, ne?
05:12Ich würde vorschlagen, nächstes Jahr können wir ja stattdessen…
05:14Nein!
05:15Nächstes Jahr genau wie heute.
05:16Damit wir immer wissen, wie wir angefangen haben.
05:26Na dann…
05:28Gummibaby.
06:04Hallo, was haben wir?
06:05Motorradunfall, Verdacht auf schweres Schädelhirntrauma. Offene Impressionsfraktur mit Austritt von Liquor. Deutliche Pupillendifferenz. Bei Eintreffen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nach 15
06:14Minuten Reanimation hatte er wieder eine Sinuskurve.
06:16Sichtbare Verletzungen?
06:17Wir bringen ihn in Schockraum 1. Schwester Ulrike, melden Sie ihn zum CT an. Traumaspirale. Sagen Sie ihm OK Bescheid
06:22und rufen Sie Dr. Peters.
06:24Was ist mit ihm?
06:24Jens!
06:25Wer sind Sie?
06:26Ich bin seine Frau. Emma Rücker.
06:30Frau Rücker, wir müssen uns erst um Ihren Mann kümmern und ihn untersuchen, dann können wir Ihnen näheres sagen. Saßen
06:33Sie auch auf dem Motorrad?
06:36Schwester Anja!
06:37Sie steht unter Jean, kümmern Sie sich um sie. Ich sage so schnell wie möglich Bescheid.
06:42Hallo Nils.
06:46So gucken Sie immer, wenn Sie schlechte Nachrichten haben.
06:50Der letzte Ultraschall war nicht so erfreulich. Die Stents, die wir dir eingesetzt haben...
06:55Machen mich nicht wieder gesund, Jean, klar.
06:57Das große Problem ist die fortschreitende Schädigung des Herzmuskels. Dein Herz schafft es nicht mehr, deinen Körper ausreichend zu versorgen.
07:03Also, ist es jetzt soweit letzte Ausfahrt Herztransplantation?
07:07Du stehst schon eine Weile auf der Liste und aufgrund deiner Werte wirst du hochgestuft.
07:12Aber es bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit, die wir verlieren könnten.
07:19Es gibt eine Alternative. Wir haben schon mal drüber gesprochen.
07:25Ein LVAD, weißt du noch? Das ist ein Modell.
07:31Ja, aber damals war das noch so hypothetisch, ein Kunstherz.
07:37Es ersetzt dein Herz nicht komplett, sondern unterstützt es.
07:40Eine mechanische Pumpe, die an die linke Herzkammer angeschlossen wird und von dort das Blut in die Outer pumpt.
07:46Und der Strom kommt von der Batterie?
07:48Wir leiten ein dünnes Kabel von außen die Lifeline hier durch den Bauch.
07:57Dieses Kabel ist mit einer Steuereinheit und zwei Batterien verbunden.
08:03Das heißt, ich muss immer in der Nähe von der Steckdose bleiben?
08:05Was in der Regel ja kein Problem ist.
08:08Nils, es würde dir objektiv viel besser gehen.
08:13Aber wenn es mir besser geht, dann verliere ich doch meinen Status auf der Warteliste bei Neotransplant.
08:17Ja, das ist so. Aber du würdest ganz viel gewinnen.
08:21Wenn es dir mit dem Kunstherz gut geht, können wir dich nach Hause entlassen.
08:24Du könntest Freunde treffen, was unternehmen.
08:26Aber dann bin ich immer noch der kranke Nils, der jetzt halt ein Kunstherz hat.
08:33Ich will ein richtiges Herz. Tun Sie bitte alles, damit ich das schaffe ohne LVAD.
08:42Wie sieht's aus?
08:44Nicht gut. Ich habe ein großes Hämatum ausgeräumt.
08:48Aber es liegt eine massive Hirnschädigung vor.
08:51Schwere Hirnquetschung, diffuse Schwellung.
08:53Ich habe keine Eaktomiert, damit der Druck runter ist.
08:56Aber es sieht sehr schlecht aus.
08:58Ich kann ihn auch kaum noch halten.
09:01Wir tun trotzdem, was wir können.
09:13Herr Doktor, wissen Sie irgendetwas von meinem Freund? Also meinem Mann?
09:18Wie heißt denn Ihr Mann?
09:19Jens Rücker. Wir hatten einen Unfall mit dem Motorrad.
09:23Soweit ich weiß, wird er gerade operiert.
09:26Wie lange kann das dauern?
09:27Das ist schwer zu sagen. Am besten setzen Sie sich. Die Schwester bringt Ihnen was zu trinken.
09:33Das war's. Wir sind fertig.
09:35Kompressen.
09:37Verband vorbereiten.
09:39Dr. Peters?
09:40Ja?
09:42Seine Pupillen.
09:44Sie sind weit und lichtstarr.
09:49Das möchte ich mir selber ansehen. Machen Sie das bitte fertig.
10:18Weite, lichtstarre Pupillen. Ausfall sämtlicher Hirnstammreflexe.
10:22Nulllinien, EEG über 30 Minuten und keine zerebrale Zirkulation.
10:26Irreversibel.
10:27Hirntod, zweifelsfrei.
10:29So ein junger Mann.
10:31Ja.
10:33Sie sagten, seine Frau ist hier in der Klinik?
10:36Ja. Mit einem leichten Schock nach dem Unfall.
10:40Einer von uns sollte mit Ihr sprechen. Wenn Sie nichts dagegen haben, übernehme ich das.
10:43Machen Sie das.
10:58Frau Ulker, wir haben uns vorhin schon gesehen. Mein Name ist Heilmann. Ich bin der Klinikleiter.
11:05Wie geht es Ihnen?
11:07Ich habe keine guten Nachrichten für Sie.
11:13Jens.
11:14Der Mann hat bei dem Unfall schwerste Hirnverletzungen erlitten.
11:19Was heißt das? Sie haben ihn doch operiert.
11:21Ja. Aber wir konnten nichts mehr für ihn tun.
11:25Wann wacht er wieder auf?
11:28Er wacht nicht mehr auf.
11:40Aber er atmet doch.
11:42Ich weiß, das ist schwer zu begreifen. Ihr Mann wird künstlich beatmet.
11:46Sein Herz schlägt, weil es durch eine Maschine mit Sauerstoff versorgt wird.
11:50Alles, was normalerweise das Gehirn steuert, übernehmen jetzt Geräte und Medikamente.
11:57Ihr Mann ist hirntod.
12:01Jens ist noch jung. Er schafft das.
12:05Er wird nur noch technisch am Leben gehalten. In wenigen Tagen hört er auch, sein Herz aufzuschlagen.
12:10Trotz aller Geräte. Es tut mir sehr leid.
12:15Jens, ich bin jetzt hier. Alles wird wieder gut.
12:23Ja, das ist bedauerlicherweise die Situation. Die nächste Angehörige des Patienten ist seine Ehefrau Emma Rücker. Sie ist hier in
12:32der Klinik.
12:33Wir werden dann noch zeitnah mit ihr das Thema der Organspende erörtern müssen.
12:39Sie haben gerade mit ihr gesprochen?
12:40Ja, aber natürlich noch nicht über eine Organspende. Ich habe erst mal versucht, ihr die Situation zu erklären.
12:46Und?
12:46Sie begreift es noch nicht. Kein Wunder.
12:49Aber wir müssen das Gespräch mit ihr suchen.
12:51Ich fände es gut, wenn wir beide mit ihr sprechen morgen früh.
12:53In Ordnung.
12:55Sollte sie zustimmen, muss der Hirntod noch offiziell bestätigt werden.
12:58Falls nicht, müssen wir das akzeptieren.
13:04Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst.
13:07Aber du musst jetzt wieder aufwachen.
13:11Wir wollen doch unsere Hochzeitsreise planen.
13:14Kapstadt.
13:16Dann den Sprung über den Tafelberg.
13:18Wenn du wieder ganz gesund bist, dann geht's los.
13:22Jens, bitte, lass mich jetzt nicht allein. Ich brauch dich doch.
13:30Schwester, hol dir einen Arzt.
13:32Was ist denn?
13:32Er hat seine Hand bewegt.
13:35Ja, er hat seine Hand bewegt.
13:49Also wenn mein Vater sagt, dass das Richtige für ich ist, dann würde ich ihm da vertrauen.
13:53Tue ich ja.
13:54Aber?
13:55Mit so einem Kunstherz bin ich abhängig von so einer Maschine, in der man kaputt geht oder auf einmal der
14:02Akku alle ist.
14:03Also ich glaube, dass diese Dinger ziemlich zuverlässig sind.
14:10Ja, aber...
14:11Dann sieht jeder, dass ich mit so einem Ding rumlaufe und ein Kabel aus meinem Bauch kommt.
14:19Wie so ein...
14:19Wie so ein Zombie, der nur noch lebt, weil er von einer Maschine angetrieben wird.
14:23Du meinst ein Cyborg und kein Zombie und das ist was ganz anderes.
14:28Und außerdem wärst du der Beste aus dem Cyborg, den ich kenne.
14:38Was ist?
14:40Ich...
14:41Ich glaube, dein Vater hat recht.
14:44Was meinst du?
14:46Guck mich doch mal an.
14:48Wie machen wir denn was vor?
14:52Was soll das denn jetzt?
14:54Du und ich...
14:57Hat keinen Sinn.
15:00Ist das dein Ernst?
15:04Ja, das geht nicht.
15:06Das sagst du nur, weil du denkst, dass du mich beschützen musst.
15:08Genauso wie mein Vater. Aber das müsst ihr nicht.
15:13Geh jetzt, bitte.
15:18Lisa, bitte geh.
15:28Du bist so ein Idiot.
15:43Ich kann Ihnen versichern, die Bewegung der Hand, die Sie gesehen haben, weil nur ein Reflex kein Signal aus dem
15:48Gehirn, sondern ein Reflex aus dem Rückenmark.
15:51Sein Gehirn zeigt keinerlei elektrische Aktivität.
15:54Es wird nicht mehr durchblutet.
15:56Es ist abgestorben.
15:59Ihr Mann ist tot.
16:01Dann gibt es keine Rückkehr.
16:09Sind Sie sich ganz sicher?
16:11Ja.
16:19Das ist so unwirklich.
16:23Und was mache ich jetzt?
16:26Wissen Sie, ob Ihr Mann eine Patientenverfügung hat?
16:29Nein.
16:32Hat er nicht.
16:35Wir haben zwar darüber geredet, aber wir dachten ja, wir hätten noch...
16:39Zeit.
16:40Das verstehe ich.
16:43Und jetzt?
16:45Sie müssen als eine nächste Angehörige Entscheidung für ihn treffen.
16:50Ob die Geräte abgeschaltet werden.
16:52Wenn die Diagnose Hirntod gestellt ist, werden alle intensivmedizinischen Maßnahmen zeitnah eingestellt.
16:58Wir machen das nicht sofort. Wir warten, bis Sie soweit sind.
17:01Sie haben Zeit, sich zu verabschieden.
17:20Wir machen das nicht.
17:21Ist alles in Ordnung?
17:29Mein Mann eher.
17:32Sie können ihm nicht mehr helfen.
17:37Das tut mir leid.
17:40Ich verstehe das alles nicht.
17:43Wenn ich irgendwas tun kann.
17:50Weißt du, wir waren heute Morgen noch auf dem Standesamt.
17:59Und das ist mein Hochzeitsoutfit.
18:00Und das ist mein Hochzeitsoutfit.
18:12Und jetzt liegt er da drin und...
18:17Ich soll mich von ihm verabschieden.
18:22Aber wir wollten doch unser ganzes Leben miteinander verbringen.
18:26Verstehst du?
18:31Das soll jetzt alles vorbei sein?
18:37Magst du auch einen Kaffee?
18:39Wenn du schon dabei bist.
18:43Du, ich hab vorhin Lisa gesehen.
18:45Wahrscheinlich war sie bei Nils.
18:47Haben sich die beiden angefreundet?
18:49Wenn's nur das wäre, Lisa hat sich in ihn verliebt.
18:52Oh.
18:52Ja, oh.
18:54Und er auch in sie?
18:55Sieht so aus, ja.
19:01Nils ist ein netter Junge.
19:03Mhm.
19:05Trotzdem wünscht man sich für seine Tochter was anderes.
19:08Keine Beziehung, über der so ein Damoklesschwert hängt.
19:14Ich hab mit Marie auch so einige Geschichten durch.
19:17Damals hast du deine ersten grauen Haare bekommen.
19:20Ich hab keine grauen Haare.
19:23Lisa ist noch so jung, wenn man sich Nils Zustand verschlechtert.
19:27ja sterben sollte.
19:31Dann wirst du für sie da sein.
19:33Danke.
19:35Für meine klugen Ratschläge?
19:37Für den Kaffee.
19:39Ich hab dich vorhin auf der Intensivstation gesehen.
19:42Ja, ähm, nur ein Freund von mir liegt da.
19:48Ein guter Freund?
19:51Ja.
19:52Kennt ihr euch schon lang?
19:54Ja, seit ein paar Tagen, aber es war von Anfang an besonders.
20:00Du bist in ihn verliebt?
20:01Ja.
20:06Wie geht's ihm denn?
20:09Geht so.
20:11Er ist sehr schwer herzkrank und hatte einen Infarkt.
20:16Und jetzt braucht er ein neues Herz.
20:21Er kann froh sein, dass er dich hat.
20:24Hm.
20:25Er hat mich vorhin weggeschickt.
20:28Warum?
20:30Weil er meint, ich hätte was Besseres verdient.
20:35Aber die Entscheidung musst du ja wohl treffen.
20:37Die kann er dir nicht abnehmen.
20:39Ich weiß.
20:41Er versucht mich vor mir selbst zu schützen.
20:45Das zeigt, dass er dich sehr mag.
20:50Du hast recht.
20:53Die Entscheidung kann er nicht alleine treffen.
20:57Und ich sollte ihm das morgen klar machen.
21:00Gut.
21:01Ich drück die Daumen.
21:02Danke.
21:07Ich wünsch dir alles Gute.
21:12Danke.
21:46Danke.
22:13Danke.
22:27Guten Morgen.
22:31Morgen.
22:33Wie geht's Ihnen?
22:36Keine Ahnung.
22:38Ich fühle mich, als wäre ich gar nicht richtig hier.
22:44Sie wissen, dass wir hier im Krankenhaus geschultes Personal haben.
22:47Das Menschen in Krisensituationen unterstützt.
22:51Ja, das hat mir Ihr Kollege auch schon gesagt.
22:54Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, dass Dr. Heilmann Sie gern sprechen möchte.
23:00Gemeinsam mit unserem Chefarzt Dr. Hoffmann.
23:04Wären Sie dazu bereit?
23:17Wären Sie dazu bereit?
23:23Guten Morgen.
23:24Kommen Sie rein.
23:28Das ist Dr. Hoffmann, unser Chefarzt.
23:30Guten Morgen.
23:31Wie fühlen Sie sich?
23:33Ich war die ganze Nacht bei Jens.
23:35Ich wollte Sie fragen, wenn Sie die...
23:39Ich meine, wenn Sie ihn...
23:42Wenn die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt werden.
23:45Ja.
23:48Er spürt das nicht, oder?
23:50Nein. Nehmen Sie Platz.
24:01Und wie läuft das genau ab?
24:04Wir setzen alle Medikamente ab und entfernen den Atmungsschlauch kurze Zeit später.
24:09Würde sein Herz dann aufhören zu schlagen.
24:11Sie können selbstverständlich die ganze Zeit bei ihm sein.
24:18Haben Sie mal mit Ihrem Mann über das Thema Organspende gesprochen?
24:23Nein.
24:26Glauben Sie, dass er dem Thema wohlwollend gegenüberstand?
24:29Ich weiß nicht.
24:32Geht es da um...
24:34Um sein Herz?
24:36Bei einem jungen, gesunden Mann wie Ihrem kommen alle inneren Organe infrage.
24:41Nieren, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse.
24:43So viel.
24:44Ein einzelner Spender kann mit seinen Organen sieben kranken Menschen helfen.
24:49Ja, ich weiß nicht, ob ich das kann.
24:52Sie müssen das nicht sofort entscheiden. Denken Sie in Ruhe drüber nach.
24:55Ja, wenn Sie noch Fragen haben oder Hilfe brauchen, wir sind jederzeit für Sie da.
25:02Danke.
25:12Danke.
25:24Was ist passiert?
25:30Ich hab ihn die ganze Nacht angesehen und...
25:33... irgendwann hab ich gemerkt, dass er nicht mehr da ist.
25:39Stehst du? Wie bei meiner Großmutter damals. Ich war kurz einkaufen und als ich dann zurückkam,
25:48da hatte ich so ein Gefühl, als hätte ihre Seele den Raum verlassen. Und genau das gleiche
25:59Gefühl hatte ich heute Nacht bei Jens.
26:06Und jetzt? Jetzt wollen die Ärzte, dass ich darüber nachdenke, ob seine Organe...
26:14Ob seine Organe gespendet werden sollen. Ja. Ich soll das entscheiden, aber ich kann das nicht.
26:23Ich verstehe das. Aber jemand anderes könnte dadurch weiterleben.
26:30Ja, das weiß ich doch. Und trotzdem, das ist doch der Mann, den ich liebe, mit dem ich mein Leben
26:36verbringen wollte.
26:38Und jetzt soll ich erlauben, dass die Ärzte ihn aufschneiden und ausweiden?
26:48Das ist viel verlangt. Das ist zu viel verlangt. Ich kann das nicht.
26:54Habt ihr denn niemals darüber gesprochen? Ja doch. Irgendwann, so allgemein halt.
26:59Aber er hat nicht nein gesagt. Vielleicht hat er zugestimmt. Ja eben, vielleicht. Vielleicht.
27:12Und ich versuche mir ja die ganze Zeit vorzustellen, was er sagen würde.
27:19Entschuldigung. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll.
27:24Dein Mann hat die Chance noch nach seinem Tod anderen zu helfen, weiterzuleben. Und vielleicht ist sein Tod dann nicht
27:32ganz so umsonst gewesen.
27:34Aber am Ende kannst nur du das entscheiden.
27:42Bevor du was sagst, ich lass mich nicht wieder wegschicken. Ich hab das nochmal nachgelesen. Und du hast recht.
27:49In der klassischen Physik haucht der Zufall nicht auf. Und auch Einstein wollte davon nichts wissen. Deswegen der Satz mit
27:55den Würfeln.
27:55Aber gerade die Entdeckung der Quantenphysik hat gezeigt, dass der Zufall wichtig ist. Und das alles hat angefangen mit den
28:02Gleichgewichtsprinzipien von...
28:05Boltzmann. Boltzmann. Ja.
28:10Was ich eigentlich sagen will, ist, dass...
28:13Auch in der Physik gibt es Zufälle. Und wenn es Zufälle gibt, dann gibt es auch sowas wie Glück.
28:19Ich weiß schon, was du sagen willst.
28:22Ja?
28:25Ich kann mein ganzes Leben nach Wahrscheinlichkeiten berechnen. Ich kann aber auch einfach hoffen, dass ich mal zur Abwechslung Glück
28:33hab.
28:33Und das heißt?
28:34Das heißt, dass...
28:36Dass ich das schaffen will.
28:38Mit meinem Herzen und...
28:41Und mit uns.
28:45Also...
28:46Nur unbedingt mit einem Cyborg zusammen sein.
28:51Nils?
28:53Sag mal, was ich machen soll.
28:55Ja, warte mal.
28:56Nils.
28:58Nils.
28:59Es ist in Ordnung, Nils.
29:00Nein, das weiß ich gar nicht.
29:02Was ist denn mit ihm?
29:03Ich weiß es noch nicht. Geh bitte raus.
29:05Ich brauche hier eine Ampulle, Laromon und Ventalon.
29:07Und sagen Sie, Doktor Heimann ist schallt.
29:09So, Nils. Ganz ruhig atmen.
29:11Ganz ruhig atmen.
29:12Das haben wir gleich im Griff.
29:13Das machst du sehr gut.
29:27Was passiert jetzt mit ihm?
29:30Sein Herz versagt.
29:32Wir bringen Nils in den OP.
29:34Er bekommt jetzt eine LVAD.
29:35Das Kunstherz, von dem er gesprochen hat.
29:37Ja, wir können nie länger warten.
29:40Ich erreiche seine Eltern.
29:41Weißt du irgendwas?
29:42Die sind gerade in Südfrankreich.
29:44Ich habe ihnen eine Nachricht hinterlassen.
29:48Papa, Nils darf nicht sterben.
29:52Lisa, du wartest jetzt in der Cafeteria.
29:55Ich sage dir Bescheid.
29:56Ich warte hier.
29:58Gut.
30:06Das ist dein Vater?
30:09Ja.
30:15Ja.
30:15Ja, verstehe, Doktor Heimann.
30:17Wir besprechen das nach dem Eingriff.
30:19Gut, danke.
30:24Wollten Sie mich für die Zusage zur Organspende weich kochen, indem Sie die Tochter des Klinikleiters vorschicken?
30:29Wie bitte?
30:30Na ja, so von wegen, damit kann doch jemandem geholfen werden und dann war sein Tod vielleicht nicht ganz umsonst.
30:36Entschuldigung?
30:36Diese Lisa, das ist doch die Tochter von Ihrem Kollegen, oder nicht?
30:39Ihr Freund, der wartet auf ein Spenderherz und mein Mann liegt dort griffbereit.
30:43Frau Rücker, das geht weder von der Klinik aus, noch wäre das ein normales Vorgehen, ja?
30:48Meine Zusage bekommen Sie nicht.
30:57Willst du die OP nicht abgehen?
30:59Immerhin ist er der Freund deiner Tochter.
31:01Er ist seit Jahren mein Patient, alles andere spielt keine Rolle.
31:03Ich denke, wir kommen ohne Sternatomie aus.
31:05Ich möchte die Belastung für ihn so gering wie möglich halten.
31:08Okay.
31:17Hallo Lisa.
31:18Hallo.
31:24Sag mal, du hast mit deiner Angehörigen über das Thema Organspende gesprochen? Mit deiner Frau Rücker, ist das richtig?
31:30Ja, ich habe versucht ihr Mut zu machen. Warum?
31:33Na ja, Frau Rücker verweigert jetzt die Zustimmung zur Organentnahme, weil sie glaubt, dass du dir als Tochter des Klinikchefs
31:42einen Vorteil für deinen Freund verschaffen wolltest.
31:44Was?
31:45Ja.
31:46Nein, das habe ich nicht.
31:49Ja, bestimmt nicht absichtlich, das ist mir klar.
31:52Nils bekommt ein Kunstherz.
31:54Selbst wenn es in dieser Klinik ein Spenderherz gäbe, dann wäre das wahrscheinlich nicht einmal geeignet für ihn.
32:00Ich rede nochmal mit Frau Rücker.
32:01Vielleicht ist das keine besonders gute Idee.
32:05Überlass das besser uns, ja?
32:08Ja, gut.
32:14So, ich glaube das war's, die Pumpe sitzt gut.
32:18Dann legen wir jetzt die Driveline.
32:20Saugen, bitte.
32:23Das hört gar nicht mehr auf, wo kommt denn das her?
32:25Ganz ruhig, Holands.
32:26Sowas kann schon mal vorkommen.
32:27Ich bin ruhig, wo kommt plötzlich das Blut her?
32:30Klemme.
32:32Martin.
32:34Noch eine.
32:37So, Blutung steht.
32:39Entspann dich.
32:41Ich habe einen Moment gedacht.
32:43Es ist alles gut.
32:45Jetzt muss es nur noch funktionieren.
32:47Das wird es.
32:55Schon fertig mit der OP?
32:57Ja, ist alles gut gelaufen.
32:59Sehr gut.
33:00Es gibt aber noch etwas, wobei ich gerne mit Ihnen reden möchte.
33:03Es geht um Ihre Tochter.
33:06Was ist mit ihr?
33:07Sie hat sich mit Frau Rücker unterhalten.
33:09Das ist die Frau unseres potenziellen Organspenders.
33:12Und?
33:13Danach hat Frau Rücker die Einwilligung zur Organentnahme zurückgezogen.
33:17Sie hat offenbar den Eindruck, dass wir ihre Tochter vorgeschickt haben, um sie zu manipulieren.
33:20Was ist denn das für ein Quatsch?
33:22Ich habe mit Lisa gesprochen.
33:23Sie hat es nicht absichtlich gemacht.
33:26Natürlich nicht.
33:28Wie kommt sie nur darauf?
33:29Du bist meine Tochter.
33:31Dein Freund braucht ein Herz.
33:32Dann gibt es immer wieder diese Skandale um Transplantationen, Organhandel.
33:39Denkst du, wir können sie noch umstimmen?
33:41Wir können es nur versuchen.
33:55So.
33:56Sorgen Sie bitte für eine engaschige Kontrolle.
33:59Das heißt, alle 30 Minuten eine Blutgasanalyse, alle zwei Stunden die Herzenzyme.
34:03Und bei der kleinsten Unregelmäßigkeit, und wirklich der kleinsten, melden Sie sich bitte sofort.
34:08Ja, mache ich.
34:09Danke.
34:27Darf ich?
34:30Ich möchte mit Ihnen reden.
34:33Egal was Sie jetzt sagen, ich ändere meine Meinung nicht.
34:35Das ist Ihr gutes Recht.
34:37Ich möchte Sie trotzdem bitten, mir zuzuhören.
34:42Meine Tochter Lisa hatte nie im Sinn, dass ihr Freund Nils das Herz ihres Mannes bekommen könnte.
34:49Aber es liegt doch nahe, oder?
34:51Der Junge braucht ein neues Herz, da kommt das von meinem Mann doch gerade recht.
34:54Aber so funktioniert es nicht.
34:56Die Entscheidung, welcher Patient welches Organ bekommt, treffen nicht wir.
35:01Die Zuteilung wird von einer zentralen Stelle vorgenommen.
35:05Die Ärzte, die den Hirntod festgestellt haben, dürfen weder in die Entnahme noch in die Transplantation der Organe involviert sein.
35:12Das ist so geregelt, um Manipulationen oder auch Interessenkonflikte zu vermeiden.
35:16Aber es kommt doch immer wieder vor.
35:18Ja, leider.
35:22Dieser weiß über dieses Thema wahrscheinlich mehr als die meisten anderen 15-Jährigen.
35:28Ihr Bruder hatte vor einigen Jahren eine Herztransplantation.
35:32Das ist beim Fußballspielen einfach zusammengebrochen.
35:36Im Krankenhaus war dann klar, der Herzmuskel ist so stark geschädigt, dass ihm nur ein Spenderherz helfen kann.
35:43Und es hat gedauert. Wir hatten kaum noch Hoffnung.
35:47Und dann hat er doch noch rechtzeitig ein geeignetes Herz erhalten.
35:51Und seitdem kommt er gut damit zurecht.
35:56Es ist ein großes Glück, von jemandem ihm das Leben geschenkt zu bekommen.
36:25Lisa?
36:30Es ist alles so verschwommen. Ich bin froh, dass du da bist.
36:35Das ist alles so wichtig, von jemandem ihm.
36:39Ich bin froh, dass du da bist.
36:40Das ist alles so wichtig.
36:57Ich bin froh, dass du da bist und du da bist.
37:04Dass du das so wichtig hast.
37:04Ich bin froh, dass du das da bist.
37:15UNTERTITELUNG
37:38Ach, hallo. Bitte.
37:46Dr. Heimann, ich wollte Ihnen die Zustimmung zur Organspende geben.
37:51Danke. Ich weiß, das war für Sie keine leichte Entscheidung.
37:57Wir werden alles in die Wege leiten.
38:07Wie wird das genau ablaufen?
38:09Wir werden Ihren Mann noch mal untersuchen.
38:11Zwei Spezialisten werden unabhängig voneinander den Hirntod und die Unumkehrbarkeit des Geschehens bestätigen.
38:17Aber Jens bleibt hier in der Klinik.
38:19Ja, die Entnahme findet hier statt. Sie wird genauso sorgfältig ablaufen wie jede andere OP.
38:24Es werden mehrere Kollegen von anderen Kliniken anwesend sein, die die Organe entnehmen und so schnell wie möglich zu den
38:30Empfängern bringen.
38:31Kann ich mich noch verabschieden?
38:33Natürlich. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen.
38:42Wie geht es dem Freund Ihrer Tochter?
38:44Wir haben ihm gestern ein Kunstherz eingesetzt. Die OP ist gut verlaufen.
38:49Sagen Sie Lisa, dass es mir leid tut, dass ich ihr sowas unterstellt habe?
38:54Lisa versteht das. Machen Sie sich keine Gedanken.
39:22Musik
39:44Ja, glücklich?
39:48Ich auch.
39:50Oh, meine Eltern ringen mich um, wenn die herausfinden, dass wir heimlich geheiratet haben.
39:54Ja, ich weiß, aber wir holen das Fest ja nach.
39:57Mit unseren Familien, mit ganz vielen Freunden.
40:00Aber heute, das ist unser Zeug.
40:04Nur wir zwei.
40:07Nur wir zwei.
40:39Mach's gut.
40:41Musik
40:49Unser Patient heißt Jens Rücker.
40:51Er wurde am 18. März 1994 geboren.
40:55Er zeigt eine primäre Hirnschädigung infolge eines Motorradunfalls.
40:59Der Hirntod wurde unabhängig von zwei Spezialisten festgestellt.
41:03Todeszeitpunkt 10.47 Uhr.
41:06Der Nachweis der Irreversibilität ist erbracht.
41:09Die schriftliche Zustimmung der Ehefrau Emma Rücker zur Spende seiner Organe liegt vor.
41:15Ich bitte um einen Moment des Dankes und des Respekts.
41:27Danke, dann beginnen Sie jetzt mit der Explantation.
41:30Skalpell.
41:31Skalpell.
41:40Musik
42:10Musik
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