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  • vor 16 Minuten

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Transkript
00:20Love Is Enough
00:39Ich finde es prima, dass ihr das jetzt mit der Therapie macht.
00:42Eigentlich war es Philipps Idee.
00:43Es gibt ja auch so Geschichten von Paaren, die sich nach so einer Therapie getrennt haben.
00:47Ach, ihr doch nicht.
00:50Hey, den kenne ich doch.
00:53Ja? Wer soll das sein?
00:55Er nennt sich der Partyflüsterer und er hat eine megawitzige Show im Netz über die deutsche Club-Szene.
00:59Und sowas guckst du dir an? Bist du dafür nicht etwas zu alt?
01:03Danke, sehr schambant.
01:05Entschuldigung, kann ich ihm irgendwie helfen?
01:08Schwester, ich glaube, ich sterbe gerade.
01:10Mein Herz spielt verrückt.
01:12Ein Rollstuhl.
01:13Wir kümmern uns um Sie.
01:16Wir bringen Ihnen die Eins.
01:28Das EKG ist erstmal unauffällig.
01:31Also kein Infarkt?
01:33Um das sicher ausschließen zu können, müssen wir noch einen Herz-Ultraschall machen.
01:36Außerdem wird Ihr Blut auf die sogenannten Herz-Enzyme untersucht.
01:40Ich gebe es gleich ins Labor.
01:42Haben die Brustschmerzen inzwischen nachgelassen?
01:45Ja.
01:47Aber mein linker Arm ist immer noch ein bisschen schlapp.
01:52Darf ich?
01:53Geben Sie mal die Hand.
01:56Drücken Sie mal.
01:58Kräftig.
01:59Danke.
02:00Heben Sie mal die Beine.
02:03Wieder hinlegen.
02:05Hatten Sie früher schon mal eben eine Form von Herzbeschwerden?
02:09Ja, na klar.
02:10Aber immer nur aus Liebeskummer.
02:12Ach ja, richtig.
02:13Sie sind ja so eine Art Komiker.
02:15Keine Beleidigung, bitte.
02:16Ich bin Influencer.
02:18Ich kenne nur Influencer.
02:20Wäre aber gar nicht so schlecht.
02:23Influencer sind Leute, die in sozialen Netzwerken aktiv sind und deren Inhalte besonders viele Menschen ansehen.
02:28Und damit kann man richtig Kohle machen.
02:30Aber eigentlich bin ich ja Schauspieler.
02:32Ach was.
02:33Das wusste ich ja gar nicht.
02:35Kann man sie irgendwo sehen?
02:36Ja, demnächst auf der großen Leinwand.
02:38Die Dreharbeiten beginnen in einer Woche.
02:41Gut, also meldest du ihn bitte zur Sono an.
02:44Außerdem ein Neuroconceal und ein ENG, bitte.
02:49Worum geht es denn in dem Film?
02:50Bestimmt eine Komödie, oder?
02:52Warum halten mich eigentlich immer alle für einen Komiker?
02:55So, dann lasse ich ihn mal alleine mit dem Herrn Influencer.
03:01Arm und sexy war gestern.
03:02Heute gibt es nur noch lausige Line-Ups und miese Drinks.
03:05Und darf überteuern.
03:05Aber die Stimmung ist trotzdem natürlich geil.
03:09Ich habe mich heute mit von Ladies aus Glaskund an.
03:12Die fanden es auf jeden Fall amazing.
03:14Sind das in Berlin, wa?
03:18Herr Brenner, könnten Sie Ihren bizarren Musikgeschmack freundlicherweise mit Kopfhörern frönen?
03:25Ja, zugegeben, das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig.
03:29Es gibt Dinge, an die will ich mich gar nicht gewöhnen.
03:31Lassen Sie außerhalb der Hochkultur eigentlich überhaupt irgendetwas gelten?
03:35Warum sollte ich?
03:36Ihr Enkel tut mir leid.
03:38Tatsächlich.
03:39Naja, statt des kleinen Maulwurfs lesen Sie ihm wahrscheinlich Nietzsche-Aphorismen vor.
03:44Und als Schlaflied gibt es Wagners Götterdämmerung.
03:49Chapeau, Herr Brenner.
03:51Sie haben in der Zusammenarbeit mit mir einen Humor entwickelt, der langsam anfängt, mir zu gefallen.
03:57Das muss jetzt wirklich nochmal sein.
03:59Ja.
04:02Tag, Frau Marquardt.
04:04Tag, Dr. Stein.
04:05Zahlt das Ihre Kasse etwa, dass Sie der Klinikchef durch die Gegend fährt?
04:08Wir fahren ja nicht spazieren, sondern ins CT.
04:11Und ich mache denen einen guten Preis.
04:13Also über den Service in der Sachsenklinik können Sie sich aber nicht beschweren.
04:16Dabei tut er den ganzen Tag nichts an, sich zu beschweren.
04:19Ja, was soll ich sonst auch machen?
04:21Gute Tierdokus gucken.
04:22Oder einfach mal ein gutes Buch lesen.
04:24Wie lange willst du mich noch wund liegen lassen?
04:26Eine Woche mindestens.
04:28Da reden wir nochmal drüber.
04:29Geduld war nie deine Stärke.
04:31Worum geht es denn nun in dem Film, den Sie da demnächst drehen?
04:35Gedenfalls keine Komödie.
04:36Sondern?
04:37Ein Thriller.
04:38Dabei muss ich eine Verschwörung aufdecken.
04:40Aber ich werde schwer krank und bin ans Bett gefesselt.
04:43Die einzige Unterstützung bekomme ich von einer wunderschönen Krankenschwester.
04:46Die sich natürlich in Sie verliebt.
04:48Das ist ja wohl klar.
04:50Also ich weiß nicht.
04:51Ausgerechnet Sie in einer ernsten Rolle.
04:54Ja klar, das traut mir keiner zu.
04:56Aber ich habe mehr drauf, als die ganze Zeit den Internetkasper zu spielen.
05:01Wir drehen übrigens hier in Leipzig.
05:03Wenn Sie wollen, kann ich Sie unterbringen.
05:05Kleine Komparsenrolle.
05:06Danke.
05:07Aber das wäre nichts für mich.
05:12Brauchen Sie noch was?
05:13Ach nee.
05:14Sobald die Befunde da sind, wird sich Herr Brenner bei Ihnen melden.
05:19Meine Schwester.
05:20Gehen Sie ruhig ran.
05:21Ich bin hier erst mal fertig.
05:28Hey, Anja.
05:31Danke.
05:31Danke.
05:33Ich bin gespannt, was uns jetzt gleich erwartet.
05:35Ich auch.
05:36Ich finde es gut, dass du dich um den Termin gekümmert hast.
05:39Wenn es schief geht, haben wir es wenigstens versucht.
05:44Wird schon nicht schief gehen.
05:46Wir kriegen das hin.
05:47Das hoffe ich.
05:50Ich habe echt viel Gutes über diesen Therapeuten gelesen.
05:53Wenn der uns nicht helfen kann, kann uns keiner helfen.
05:59Das klang jetzt irgendwie nicht richtig.
06:01Ach, du weißt schon, was ich meine.
06:02Ach ja?
06:04Ja.
06:04Wir beide starten jetzt beziehungstechnisch nochmal richtig neu durch.
06:15Das hat ja schon mal super geklappt mit dem Durchstarten.
06:27Die Paare, die zu mir kommen, sind ja zumeist durch das Beharren auf dem Ideal
06:32immerwährender gegenseitiger Anziehung an ihre Grenzen gekommen.
06:37Wahrscheinlich hängen sie auch dieser Illusion nach, oder?
06:43Ich denke ja, dass eine gute Ehe in erster Linie auf der Fähigkeit zur Freundschaft beruht.
06:50Klingt gut, aber ich glaube, das reicht uns nicht.
06:53Nee, sollte schon ein bisschen mehr sein.
06:55Gut.
06:56Wer von Ihnen ist denn auf die Idee gekommen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen?
07:01Eigentlich wir beide.
07:02Aber Philipp hat sich letztlich drum gekümmert.
07:04Und was erhoffen Sie sich?
07:06Na, dass es wieder so wird wie am ersten Tag.
07:10Natürlich.
07:11Und es ist schon bewusst, dass das hier auch gründlich nach hinten losgehen kann.
07:14Das ist schon mal eine gute Voraussetzung.
07:17Wann hatten Sie denn zum letzten Mal Sex?
07:22Na ja, vor drei oder vier Wochen vielleicht, oder?
07:27Ja, kann sein.
07:29Aus Ihrer Antwort spricht eine gewisse Gleichgültigkeit?
07:33Ähm, irgendwie haben wir uns im alltäglichen Trott verloren.
07:39Aber solche Geschichten hören Sie ja hier sicher zur Genüge.
07:44Ja, Alltag ist eben unsexy.
07:46Tja, aber zwei intelligente, aufgeschlossene Menschen, die das auch erkennen, sollten noch
07:52was dagegen tun können.
07:53Ja, natürlich.
07:55Soweit Sie bereit sind, Lügen als solche zu erkennen und dann auch zu benennen.
07:58Und damit meine ich nicht die lässlichen kleinen Alltagslügen.
08:01Sondern?
08:02Ich meine damit die großen Lügen des modernen Lebens.
08:05Wo Menschen sich dem Traum von der totalen Selbstverwirklichung unterwerfen.
08:09Und dabei die Kompromisse und Bindungen, die sie am Boden halten, wie Kinder, Ehe, Haushalt,
08:16Arbeit, Eltern, Krankheit, einfach weglügen.
08:41Hey, das ist ein ganz schöner Schreck, Eigerjagd, Brüderchen.
08:45Ich mache das nur, um dich zu ärgern.
08:47Keine schlechten Witze jetzt, ja?
08:50Jetzt erzähl mal, was passiert.
08:52Ich hatte auf einmal so Schmerzen.
08:54In der Brust.
08:56Mein linker Arm tat weh.
08:58Und mir war ganz schwindelig.
09:00Da dachte ich, ich gehe mal auf Nummer sicher.
09:02Ich war doch damals dabei, als unser Alter einen Infarkt hatte.
09:06Und, EKG, Herzentzüge?
09:08Alles normal.
09:11Die Werte steigen oft erst zeitverzögert an.
09:13Sie haben mir mehrfach Blut abgenommen.
09:15Jemand hat mit einem Hammer auf mir rumgeklopft.
09:17Sie haben mir Elektronen an die Beine geklebt, um irgendwelche Ströme zu messen.
09:20Ich bin einmal durch die ganze Klinik, war echt spitze.
09:23Und jetzt, wie geht's dir?
09:25Ja, gut ist was anderes.
09:30Eigentlich kann ich Philipp überhaupt nichts vorwerfen.
09:33Er ist ein liebevoller Vater.
09:35Ein toller Partner.
09:37Klingt wie die Tätigkeitsbeschreibung in einer Stellenanzeige.
09:41Fehlt nur noch Teamfähigkeit.
09:43Tja.
09:44Dann liegt es wahrscheinlich an meiner Einfallslosigkeit,
09:47dass bei uns die Luft raus ist.
09:49Quatsch.
09:49Wenn ich die Sache mit Franzi nicht einfach so hätte laufen lassen.
09:54Franzi war unsere Babysitterin.
09:56Verstehe.
09:57Der Klassiker.
09:59Nee, nicht ganz.
10:02Es kam nicht zum Vollzug.
10:06Bedauern Sie das?
10:08Was?
10:10Natürlich nicht.
10:11Was ich bedauere, ist, dass ich meiner Frau in der Sache lange Zeit unehrlich gegenüber war.
10:19Asu hat nichts falsch gemacht.
10:20Sie ist eine tolle Frau, die enorm viel leistet.
10:24Wunderbare Mutter, großartige Partnerin.
10:27Merken Sie eigentlich, dass Sie beide die gleichen abgedroschenen Floskeln benutzen, wenn Sie übereinander reden?
10:32Was heißt denn hier abgedroschen?
10:33Toll, wunderbar, großartig.
10:36Wenn das so wäre, wenn das so wäre, warum sind Sie dann hier?
10:40Ich schlage vor, dass Sie mal zulassen, dass es auch Dinge gibt, die Sie am anderen stören.
10:45Und das bekommen Sie jetzt als Aufgabe, das mal unzensiert aufzuschreiben.
10:50Lassen Sie mal alles raus.
10:52Ist gut für die eigene Seelenhygiene.
10:56Vielleicht ist es ja auch psychosomatisch.
10:58Ich meine, bei dem Stress, den du dir da machst.
11:01Hast du dem Arzt von deinen Panikattacken erzählt?
11:05Nee.
11:06Sonst denkt er noch, ich bin ein Psycho.
11:09Du hast aber nicht wieder irgendwas genommen, oder?
11:13Wenn mit irgendwas Drogen gemeint sind, dann nein.
11:16Das ist vorbei.
11:17Vertrau mir doch mal.
11:19Ja, ich mache mir wirklich Sorgen.
11:21Du siehst echt fertig aus.
11:24Echt?
11:25Geil.
11:26Also habe ich dich auch überzeugt, ja?
11:29Wovon überzeugt?
11:30Na, ich meine, du dachtest, dass ich wirklich krank bin.
11:32Das glaube ich jetzt nicht.
11:33Bist du irre?
11:33Das ist Method Acting.
11:35Man spielt eine Rolle, nicht nur, man wird eins mit ihr.
11:38Man wird zu der Person, die man darstellt.
11:40Verstehst du?
11:43Irgendwie hat er was von Kaminski.
11:45Stimmt.
11:47Er ist recht direkt, aber ich finde das gut.
11:50Aber Hausaufgaben, ich bitte dich, das ist ja wie Schule.
11:53So eine Therapie ist nun mal Arbeit.
11:55Ja, aber wofür soll es gut sein, sich aufs Negative zu konzentrieren?
11:59Wir wollen doch, dass es zwischen uns wieder gut wird.
12:01Du hast selbst gesagt, der Mann hat einen super Ruf.
12:03Und wir haben Glück, dass wir überhaupt einen Termin bei ihm bekommen haben.
12:07Er wird schon wissen, was er da mit uns macht.
12:09Ja, will ich hoffen, so teuer wie der ist.
12:11Wir geben dem Ganzen eine Chance.
12:13Für uns.
12:14Na gut.
12:19Entschuldige.
12:21Wenn jetzt kann ich dich noch zum Lachen bringen.
12:23Na, da habe ich ja schon was für meine Mängelliste.
12:26Ach ja?
12:28Schadenfreude.
12:29Das ist unfair.
12:31Also von Fairness hat unser Therapeut nichts gesagt.
12:34Eins mit der Rolle werden.
12:36Ich glaube, ich spinne.
12:38Mann, das ist meine Chance, aus dieser Clowns Nummer rauszukommen.
12:40Ich darf das jetzt nicht vermasseln.
12:42Indem du Leute verarscht.
12:43Du hast doch mal gesagt, ich bin zu oberflächlich.
12:45Und jetzt knie ich mich halt richtig rein.
12:46Das ist hier ein Krankenhaus und keine Schauspielschule.
12:48Mann, das ist das wahre Leben.
12:49Wenn ich es schaffe, echt der Erste davon zu überzeugen, dass ich krank bin, dann kriege ich das Kinopublikum noch
12:54locker.
12:55Wer ist dein behandelnder Arzt?
12:57Keine Ahnung, Brenner.
12:58So ein Dicker mit Brille.
13:00Wieso?
13:00Weil ich jetzt zu ihm gehen werde und sage, was los ist.
13:03Komm, lass mich wenigstens gucken, wie weit ich komme.
13:05Zwischendurch habe ich mich echt krank gefühlt.
13:07Ja, du bist doch krank, aber hier oben.
13:08Weißt du was, wenn du mit deinem Dreh fertig bist, fährst du am besten zurück nach Berlin.
13:11Da kannst du bei deiner Clique wieder einen Dicken machen.
13:17Dr. Brenner?
13:19Ja, aber ohne Doktor.
13:21Was kann ich für Sie tun?
13:22Anja Roth, die Schwester von Boris Roth.
13:25Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen.
13:27Mein Bruder hat Ihnen die Zeit gestohlen, er simuliert.
13:29Wieso, weshalb, weswegen, das soll er Ihnen selber erklären.
13:32Wir wollten gerade zu dem Bruder, um seine Befunde zu besprechen.
13:35Ja, aber da gibt es nichts zu besprechen.
13:37Ich möchte doch.
13:38Hat er jetzt doch was Kardiologisches?
13:39Er sagt, EKG und Labor waren ohne Befund und die Vitalwerte sahen auch gut aus.
13:44Ach so, ich bin Fachschwester für Intensivmedizin.
13:46Ich kann nur so viel sagen, das Herz ist es nicht.
13:52Oh, was ist denn da los?
13:57Oh, was ist passiert?
14:00Warte aufstehen.
14:01Ich hatte keine Füße mehr an den Beinen.
14:02Ist doch nicht.
14:04Ich ziehe jetzt hier nicht schon wieder so eine Show ab.
14:06Ich denke, das ist keine Show.
14:07Als ich Sie untersucht habe, ist mir eine Kraftminderung in Ihren Armen und Beinen aufgefallen.
14:12Doch sowas ist für uns immer ein Alarmsignal.
14:14Deshalb habe ich eine neurologische Abklärung machen lassen.
14:18Ihre Reflexe sind abgeschwächt.
14:19Die Nervenleitgeschwindigkeit ist stark verlangsamt.
14:22Das, was Sie eben erlebt haben, diese Lähmungserscheinungen, passt dazu.
14:29Alles klar.
14:30Es ist jetzt die Retour-Coache für meine Show-Einlage gefallen, ja?
14:33Ich habe es verstanden.
14:34Ich habe Mist gebaut.
14:35Sorry.
14:35Nee, darüber reden wir später.
14:39Wie Sie meinen, ich bin wirklich krank?
14:41Es sieht danach aus.
14:43Und was machen wir da jetzt?
14:45Das können Sie doch behandeln, oder?
14:46Erstmal müssen wir die Ursache für Ihre Probleme herausfinden.
14:49Wir verlegen sie auf die Intensivstation.
14:50Dort können wir sie besser überwachen.
14:52Außerdem werden wir eine Liquor-Punktion durchführen.
14:57Gehirn und Rückenmarks sind von Nervenwasser umgeben.
15:00Man geht dann mit der Nadel zwischen die Lendenwirbel in ein paar Milliliter
15:03und untersucht es dann im Labor.
15:05Besser hätte ich es nicht sagen können.
15:07Wir sehen uns gleich bei der Funktion.
15:15So, die Betäubung sitzt.
15:17Ich taste sie nochmal ab.
15:18Dann geht's los.
15:22Okay, Moment.
15:24Wenn das eine Lektion für mich sein soll, dann habe ich es erst verstanden.
15:26Sie können aufhören.
15:28Was bitte?
15:29Ich habe so ein Horror verspritzen.
15:31Die Betäubung war schon schlimm.
15:33Und das Ding ist riesig.
15:34Als Kind hast du immer gesungen, wenn du Angst hattest.
15:36Stimmt.
15:37Es hat sogar funktioniert.
15:39Warum auch immer.
15:40Weil Musik die Aktivität der Amygdala hemmt.
15:42Amy was?
15:44Es sitzt im Gehirn.
15:44Das Teil des limbischen Systems.
15:46Zuständig für die Verarbeitung von Emotionen und die Entstehung des Triebverhaltens.
15:50Beides bei dir stark ausgeprägt.
15:51Dem limbischen System werden aber auch intellektuelle Leistungen zugesprochen.
15:56Na immerhin.
15:57Sie stehen ja gut im Stoff.
16:00Wenn es Ihnen irgendwie hilft, sägen Sie ruhig.
16:04Mir fällt gar nichts ein.
16:05Höchstens die Nationalhülle.
16:07Wenn Sie dafür nicht aufstehen müssen.
16:10Also, schön locker lassen.
16:18So, Rasselbande schläft.
16:25Schreibst du noch?
16:27Ich mach die Hausaufgaben.
16:37Scheint ja eine Menge zu sein, was dich an mir stört.
16:40Wir sollen alles aufschreiben.
16:41Egal, ob es unsinnig ist oder nicht.
16:47Mir fällt nichts ein.
16:48String dich an.
16:49Du wirst sehen.
16:52Wenn man sich drauf einlässt und einmal angefangen hat.
16:56Na gut.
16:57Gut.
17:10Ja.
17:18Huh.
17:20Ja.
17:30Sag mal was.
17:34Ich weiß nicht.
17:37Wie wär's mit sowas kommt von sowas?
17:41So denke ich nicht und das weißt du auch.
17:46Das mit dem Film kann ich mir jetzt abschminken.
17:50Mal abwarten.
17:53Die werden doch nicht meinetwegen den Dreh verschieben.
17:56Ist doch noch eine Woche bis dahin.
18:00Willst du dir ein paar Sachen von zu Hause holen?
18:11Anja?
18:15Kannst du auch über Nacht hierbleiben?
18:21Vergesst es, bist du ja mit Tim verabredet.
18:25Ich hol jetzt erstmal deine Sachen.
18:36Ja, ich hab mich auch auf den Abend mit dir gefreut.
18:39Ich weiß, dass du den extra freigehalten hast.
18:43Genau.
18:43Wegen dieses arroganten Klugscheißers, der aber nur bei meinem Bruder und gerade schwer krank ist.
18:48Ja, wenn du das nicht kapierst, dann tut es mir leid.
18:50Ja, du mich auch.
18:51Ach, ich tscho dir.
18:54Okay.
18:58Okay.
19:08Okay.
19:19Musik
20:03Anja
20:05Ich kann mich nicht mehr bewegen
20:10Ganz ruhig
20:12Einatmen
20:14Oh Gott
20:24Ich möchte kein Müsli
20:27Ich auch nicht
20:29Nix da
20:30Rein damit
20:43Papa
20:44Hast du schon mein Fahrrad repariert?
20:48Nee, noch nicht
20:49Hab ich am Wochenende
20:52Guten Morgen, Jungs
20:54Guten Morgen
20:55Guten Morgen
20:57Pauline schläft noch
21:00Und, gut geschlafen?
21:02Nein
21:03Die Therapiesitzung gestern hat mich schon beschäftigt
21:07Ach, tatsächlich
21:11Dich nicht?
21:12Ähm, doch
21:14Schon
21:16Ich muss los
21:18Wir sehen uns in der Klinik
21:20Tschüss, Jungs
21:21Tschüss, Papa
21:23Tschüss, Papa
21:31So
21:32Schnell aufessen
21:39Kommt der so öfter vor?
21:41Mhm, Panikattacken
21:46Geht's wieder?
21:47Aha
21:51Was ist denn jetzt mit mir, hä?
21:53Kann nicht normal sein, dass ich mich kaum bewegen kann?
21:56Ich warte noch auf den Befund der Liquid-Untersuchung
21:58Sie vermuten noch irgendwas
21:59Reden Sie mit mir, Mann
22:01Boris
22:02Ich verstehe, dass Sie beunruhigt sind
22:05Beunruhigt?
22:06Alter, ich dreh gleich durch
22:14Wir liegen gut in der Zeit heute, Brenner
22:16Nicht mehr lange und Sie sind fit für den Halbmarathon
22:19Wenn Sie das sagen
22:20Wir sollten das Pensum erhöhen, Brenner
22:23Wie sieht's denn aus heute in der Feierabend?
22:25Lust auf ne zweite Runde?
22:26Bitte nicht
22:27Morgen
22:28Guten Morgen
22:28Guten Morgen
22:29Na, ob das so gut ist, sich vor Dienstbeginn schon so auszupowern?
22:33Der Kollege Brenner verkraftet es schon
22:36Ein bisschen Training würde Ihnen auch nicht schaden
22:44Findest du auch, dass ich mich gehen lasse?
22:46Wie kommst du denn da rauf?
22:48Der Asu wirft mir das vor
22:49Ach
22:50Unter anderem auch, weil ich nicht mehr mit dir jobben gehe
22:52Das wirft sie dir vor?
22:54Ja
22:55Ich hatte keine Ausdauer
22:56Ich würde alles zwei-, dreimal machen und dann wieder sein lassen
22:59Hat das irgendwas mit dem gestrigen Therapiegespräch zu tun?
23:02Der Typ hat uns so ne bescheuerte Aufgabe gegeben
23:05Wir sollen frei von der Leber weg aufschreiben, was uns so am anderen stört
23:09Wozu soll das gut sein?
23:11Ja
23:11Du findest das auch blöd, oder?
23:15Morgen
23:15Morgen
23:16Gibt's schon die Befunde von Herrn Roth?
23:18Ja
23:18Sehr unerfreuliche
23:20Inwiefern?
23:21GBS
23:22Es sind doch schon Lähmungserscheinungen in allen vier Extremitäten eingetreten
23:26Weiß das schon?
23:27Nein, ich werde die Jobsbotschaft gleich überbringen
23:29Soll ich mitkommen?
23:31Nein, danke
23:34Wir müssen in den OP
23:38Wir könnten doch mal wieder joggen gehen
23:40Ach, bloß nicht
23:42Was soll ich denn das verstehen?
23:43Dann ist das alles viel zu viel mit dem Laufen
23:45Lass uns lieber mal wieder gemütliches trinken gehen
23:47Dann wirft Asu mir wieder vor, dass ich mich gehen lasse
23:51Da gibt's doch das schöne Red
23:52Du lässt dich gehen
23:55Soweit ich weiß, singt das ein Mann über seine Frau
23:58Stimmt
23:58Aber auf Asu trifft das ganz und gar nicht zu
24:02Aber auf mich, oder was?
24:04So hab ich das nicht gemeint
24:06Ja, ja
24:10Was hat denn Asu noch so an dir auszusetzen?
24:15Das weiß ich nicht mehr
24:16Ach, das glaub ich dir nicht
24:17Ach, das glaub ich dir nicht
24:26Äh
24:27Es sieht aus, als müsste sie jetzt ganz stark sein
24:32Sie sind am sogenannten Guillain-Barré-Syndrom erkrankt
24:36Was?
24:39Hallo, Leute
24:40Was ist das, hä?
24:41Eine zündliche Veränderung des Nervensystems
24:44Es entwickelt sich innerhalb von Stunden bis Tagen aus scheinbar völliger Gesundheit
24:48Und wie kommt das?
24:52Das wissen wir nicht
24:52Manchmal geht eine Infektionskrankheit voraus
24:55Stress kann eine Rolle spielen
24:57Und was machen wir da?
25:00Es kommt zu aufsteigender Lähmung bis hin zu Ausfall der Atemmuskulatur
25:05Moment
25:05Eine Lähmung?
25:06Ich kann nicht mehr atmen?
25:08Ja, da können Sie doch irgendwas gegen machen, oder?
25:09Es gibt keine ursächliche Therapie
25:12Wir überwachen Sie weiter auf der Intensivstation
25:14Wir geben Ihnen Immunglobuline
25:16Unterstützende Plasmapherese Physiotherapie
25:19Mhm
25:21Womit muss ich im schlimmsten Fall rechnen?
25:22Wenn es zur Atemlähmung kommt, werden Sie künstlich beatmet
25:26Das heißt, ich liege hier einfach hilflos rum und hoffe, dass es irgendwann aufhört?
25:28In den meisten Fällen bilden sich die Lähmungen zurück
25:31Allerdings lässt sich das zeitlich nicht eingrenzen
25:33Es kann Tage, aber auch Monate andauern
25:38Monate?
25:43Der war jetzt wirklich gut
25:52Oh Gott!
25:54Oh Gott!
26:05Hier die Unterlagen von Herrn Zech
26:07Danke
26:08Sag mal, hast du meinen Mann heute schon mal gesehen?
26:10Ja, wir haben vorhin operiert
26:11Warum?
26:12Ich glaube, er ist sauer auf mich
26:14Ach ja?
26:15Ja, dabei hätte ich einen Grund dazu
26:19Ich habe nämlich gelesen, was er alles an mir auszusetzen hat
26:22Und das war eine ganze Menge
26:24Unser Therapeut hat uns eine Aufgabe gestellt
26:26Ich weiß
26:27Ach, das hat dir Philipp erzählt?
26:29Ja, und wenn du mich fragst, solltet ihr lieber offen miteinander reden
26:32als heimlich die Notizen des anderen zu lesen und dann beleidigt zu sein
26:36Wie?
26:38Er hat meine Liste gelesen?
26:39Du seine ja offenbar auch
26:41Also reg dich mal nicht auf
26:43Entschuldigung
26:43Frau Roth, ist etwas mit Ihrem Bruder?
26:46Nein, ich wollte Sie eigentlich fragen, ob Sie vielleicht eine Kopfschmerztablette für mich haben
26:49Natürlich, kommen Sie
26:50Bis später
26:53Wie geht es Ihrem Bruder?
26:56Na ja, die Diagnose war auf jeden Fall ein Schock
26:59Gila und Barré Syndrom
27:00Oh nein
27:03Es tut mir wirklich leid wie ein Bruder
27:12Ja
27:12Ich bin ein Fan von ihm
27:15Und seine Show ist schon ziemlich witzig
27:18Hätte ich nicht gedacht, dass auch Erwachsene Frau noch seine Show aufkam
27:22Auch wenn ich nicht mehr so oft ausgehe
27:24Es interessiert mich schon, was in den Clubs passiert
27:36Na, wie sieht's aus, Brenner?
27:38Bereit zur zweiten Runde?
27:40Was?
27:42Na ja, noch mal Joggen
27:43Heute noch Feierabend
27:45Da hatten wir doch heute Morgen drüber gesprochen
27:47Ach ja, ja, ja
27:48Ja, ähm, ich wollte sagen, dass das mit dem Joggen nichts für mich ist
27:53Das habe ich jetzt gemerkt
27:56Joggen, jetzt ist es raus
27:57Ach was, das reden Sie sich doch nur ein
28:00Ich glaube nicht
28:02Herr Brenner, was Ihnen fehlt, ist gar nicht so sehr die Kondition
28:07Sondern die Motivation
28:09Aber
28:11Nicht aufgehen
28:12Weitermachen
28:29Bitte
28:30Danke
28:33Angehörigenbetreuung
28:34Das war als Krankenschwester nie meine große Stärke
28:36Wo arbeiten Sie denn?
28:38Zu letzter in der Uniklinik
28:39Aber ich hab ihm vor einem halben Jahr eine Auszeit genommen
28:42Mein Freund will dich wollen auswandern
28:44Klingt toll
28:46Ja
28:48Aber dann gab's Probleme mit Boris, der war in Berlin ganz schön unter die Räder gekommen
28:52Zu viel Drogen und zu viel Partys
28:55Sie scheinen ja sehr eng miteinander zu sein
28:57Unsere Eltern sind früh gestorben
28:59Zuerst der Vater, der Mama
29:00Da war Boris Zähl und da musste ich ran
29:03Sagst du, dass er demnächst in einem Film mitspielt?
29:05Ja, das sollte so eine Art Neustart werden
29:07Ein guter Bekannter von mir ist Agent
29:09Und der hat es sogar geschafft, ihn für eine seriöse Rolle zu vermitteln
29:11Und das war alles super
29:15Er war wieder in der Spur
29:16Ich wollte jetzt eigentlich nur noch den Dreh abwarten
29:18Und dann wollte ich mich wieder ein bisschen um mich kümmern
29:24Danke für den Tee
29:26Danke für den Tee
29:33Er sollt den Schwerkranken spüren
29:52Ich hab' grad mit der Oberschwester gesprochen
29:54Sie ist ja ein riesen Fan von dir
29:57Ja, ich weiß
29:59Hoffentlich will der jetzt kein Autogramm von mir
30:05Ich pack' das nicht
30:07Doch
30:08Aufgeben verboten
30:12Es werden jetzt ein paar verdammt anstrengende Wochen werden und dir wird's beschissen gehen
30:16Aber ich bin ja da
30:18Ich versau dir dein Leben
30:21Ohne mich wär's doch schon längst mit Tim in Thailand
30:24Also
30:26So wie's grad mit ihm und mir läuft, ist es vielleicht ganz gut, dass wir nicht da unten sind
30:29Es läuft doch nur beschissen zwischen euch, weil ich der Grund bin, warum ihr noch hier seid
30:32Und weil er mich nicht ausstehen kann
30:34Klar, ich bin ja noch die Pest
30:37Künstler eben
30:40Wir wissen beide, dass das, was ich mache, keine Kunst ist
30:44Ja, du bist die Pest
30:45Manchmal zumindest
30:48Zufrieden?
30:50Und was Tim betrifft
30:51So ein Mann, der kindisch eifersüchtig auf meinen kleinen Bruder ist
30:55Ist vielleicht auch nicht der Richtige
31:01Ich möchte nicht, dass du meinetwegen hier bleibst
31:05Schon gar nicht aus Mitleid
31:06Das ist kein Thema
31:07Und außerdem, was du Mitleid nennst, nenn ich Verantwortung
31:11Ist mir noch schlimmer
31:13Du musst auch keine Verantwortung für mich übernehmen
31:16Und wer dann?
31:17Na, ich
31:18Ja, klar
31:20Ich weiß, du traust mir nicht zu
31:21Du denkst, ich brauch für alles deine Hilfe
31:24Ist ja auch schön, wenn man immer so gebraucht wird
31:26Was soll das jetzt?
31:28Hör doch mal auf, dich immer hinter mir zu verstecken
31:32Wie meinst du denn das?
31:33Für alles, was in deinem Leben schiefgelaufen ist, hattest du immer die perfekte Ausrede parat
31:38Du musstest dich um dein kleines Brüderchen kümmern
31:41All dieses ständige mich bemuttern, das machst du auch hauptsächlich für dich
31:44Okay, hör zu, du bist grad ziemlich durch den Wind
31:46Ich versteh das, aber wenn
31:47Du verstehst überhaupt nicht
31:48Anja, ich möchte, dass du gehst
31:51Hau ab!
31:53Lebe doch endlich mal dein Leben, hm?
31:56Da gibt's doch schon genug Baustellen
32:16Willst du zu mir?
32:18Ich war grad bei Herrn Gröhe, seine Infusion ist seit einer halben Stunde durch
32:22Jawohl, Herr Doktor, ich kümmere mich sofort
32:24Was bist du denn so stinkig?
32:26Ich könnte genauso sauer sein nach dem, was du über mich geschrieben hast
32:30Ach, dann hast du also auch?
32:32Stell dir vor
32:34Wie hast du das denn angestellt? Ich hab den Zettel mitgenommen
32:37Tja, wenn du den Durchschlag einfach so auf dem Kühlschrank rumliegen lässt
32:40Aber du hast ja offenbar richtig in meinem Notizbuch rumgeschnüffelt
32:45Ja, das lag ja auch so rum
32:46Das ist aber schon ein Unterschied
32:48Ich weiß ja nicht, wie du die Aufgabe angegangen bist
32:50Ich hab mir jedenfalls nur irgendwas aus den Fingern gesaugt
32:52Für diesen Therapeuten-Unsinn
32:54Ach, erzähl mir nichts
32:55Sowas schreibt man nicht einfach so mal hin
33:00Gibt's ein Problem?
33:01Nein, alles gut
33:02Tun Sie meinen Gefallen
33:04Wenn Sie sich streiten wollen, dann tun Sie das lieber zu Hause
33:10Gut, wenn man Single ist
33:34Herr Wagenmuth, Aso-Ritter hier
33:36Ich brauch umgehend einen Termin
33:41Nächste Woche ist zu spät
33:42Ihr Therapieansatz, um unsere Ehe zu retten
33:44Geht leider völlig nach hinten los
33:49Danke, ich warte
33:52Wir haben heute Abend einen Termin
33:54Um 18 Uhr
33:55Was denn für ein Termin?
33:57Bei Herrn Wagenmuth
33:58Was denkst du denn?
34:00Heute? Muss das sein?
34:03Ich dachte, wenn wir bis zur nächsten Sitzung in einer Woche abwarten müssen
34:06Dann hat einer von uns bis dahin wahrscheinlich schon die Scheidung eingereicht
34:09Ach komm, jetzt übertreib dich
34:11Ich hab auch keine Lust auf weitere Szenen in der Öffentlichkeit
34:15Inklusive Amanda vom Chefarzt
34:17Und wer kümmert sich um die Kinder?
34:19Keine Sorge, das hab ich schon organisiert
34:22Ich weiß auch nicht, ob ich heute hier pünktlich rauskomme
34:25String dich an
34:26Ich will doch nur, dass wir das zusammen hinkriegen
34:30Bitte
34:31Wir brauchen wirklich Hilfe
34:33Ich weiß
34:35Aber ist Wagenmuth wirklich der Richtige dafür?
34:38Keine Ahnung
34:39Aber wir dürfen nicht schon bei der ersten Schwierigkeit die Flinte ins Korn werfen, oder?
34:44Ich bräuchte eine Narzisstelle für 17 Uhr
34:47Wirbelkörperfraktur, hätten Sie Zeit?
34:50Ähm, ja, hab ich
34:51Gut
34:53Danke fürs Gespräch
34:56Hätte ich Ihre Frau zuerst um Erlaubnis fragen sollen?
35:03Na, wenn der Chef ruft, was soll er denn da auch machen?
35:06Ach was, Dr. Hoffmann hat ganz normal gefragt und Philip hätte einfach Nein sagen können
35:09Aber so kann er sich ja prima drücken
35:11Also, bis gestern war ich ja noch der Meinung, dass das mit eurer Therapie eine gute Idee ist
35:16Ist es auch
35:17Aber dazu gehören nur mal zwei
35:20Bis später
35:27Frau Roth?
35:30Was ist denn los?
35:34Boris hat mich rausgeschmissen
35:37Und das Schlimme ist
35:39Hätte wahrscheinlich sogar recht
35:41Was ist denn passiert?
35:45Passen Sie bitte auf ihn auf
35:53Komm jetzt!
35:54Colin!
35:55Mensch, wir müssen!
35:57Beeil dich mal!
35:58Ich will nicht!
36:00Dann geh ich jetzt weiter
36:02So!
36:03Komm jetzt!
36:04Los!
36:05Komm Colin!
36:07Wir können doch dann zusammen spielen!
36:08Komm!
36:09Komm!
36:10Na gut!
36:26Danke!
36:26Wie geht es Ihnen?
36:27Ach!
36:29Inzwischen kann ich meine Arme kaum noch heben
36:31Gerade wurde mir ein Blasenkatheter gelegt
36:33Jetzt war ich ganz entspannt darauf, dass auch noch die Atmung aufhört
36:37Vor ein, zwei Jahren hatte ich hier schon mal einen Patienten mit GBS betreut
36:40Ein Sportler
36:42Nach einem Jahr hat er wieder an Wettkämpfen teilgenommen
36:45Also geben Sie die Hoffnung nicht auf
36:49Aber was mache ich gegen diese scheiß Angst, ha?
36:53Auf jeden Fall nicht den nahestehenden Menschen vertrauen
36:57Hat Anja sie geschickt?
36:59Hat sie dich bei Ihnen über mich beschwert?
37:01Nein, sie war nur sehr traurig
37:04Wir haben auch nicht weiter gesprochen
37:07Aber ich habe schon den Eindruck, dass ihre Schwester sie sehr liebt
37:10und nur das Beste für sie will
37:13Tja, der Weg zur Halle ist ja bekanntlich mit guten Absichten gepflastert
37:16Sie haben offenbar für alles den passenden Spruch parat
37:23Ich möchte mit Ihnen über die weitere Behandlung sprechen
37:25Und so, wenn ich danach wieder selbstständig pinkeln kann?
37:29Dass Sie Ihren Humor nicht verloren haben, ist eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie
37:35Ich habe übrigens Ihre Anregungen aufgegriffen
37:38Welche Anregungen?
37:39Meinem Enkel mal Wagner vorzuspielen
37:41Der Ärmste
37:42Er war begeistert und hat kräftig mitdirigiert
37:45Da bin ich wohl jetzt mitverantwortlich für eventuelle frühkindliche Traumata
37:49Ich halte Sie auf dem Laufenden
37:51Hans-Peter
37:52Was gibt's?
37:53Das geht in Ordnung so
37:54Ich weiß, du hast gleich Feierabend
37:56Ja, ich freue mich drauf
37:57Ja, du musst mir einen Gefallen tun
38:22Was ist mit der Wirbelkörperfraktur?
38:24Hans-Peter braucht noch chirurgische Praxis
38:26Ach, du hast ihn angesprochen
38:28Ja, natürlich, was sonst?
38:31Erst wollte er nicht so richtig ran, aber
38:35Danke
38:37Wofür?
38:38Naja, ich dachte vorhin wirklich
38:42Dass es dir offenbar alles egal ist und dass du uns
39:06Ich verstehe nicht, warum du dich ausgerechnet über dieses Gehen lassen so aufregst
39:10Jetzt, weil abgesehen davon, dass es ja stimmt, ist es mir in Wahrheit eigentlich ziemlich egal
39:13Viel schlimmer finde ich, dass du immer dann plötzlich müde bist, wenn ich mit dir noch reden will
39:18Und dass du nach dem bis glückten Tanzabend keinen Versuch mehr gestartet hast
39:21Als ob du in den letzten Monaten so gesteigerten Wert auf Beziehungspflege gelegt hast
39:26Du hast so ein riesen Drama gemacht, nur weil dein Mann deine Babysitterin geküsst hat
39:30Eigentlich war es ja umgekehrt
39:32Warum sprechen Sie jetzt von sich selber in der dritten Person?
39:36Tue ich das?
39:37Um Distanz aufzubauen?
39:40Nein, warum sollte ich?
39:41Um sich abzugrenzen von den Vorwürfen Ihrer Frau?
39:45Vorwürfe?
39:46Was ich hier aufgezählt habe, sind einfach nur Tatsachen
39:49Und es geht doch gar nicht um den Kuss, sondern darum, dass du ihn mir verschwiegen hast
39:53Ich habe dir deswegen nichts erzählt, weil ich genau das vermeiden wollte
39:56Weil du wegen einer Kleinigkeit gleich alles in Frage stellst
39:59Für mich war das keine Kleinigkeit
40:01Ich dachte, da wären wir uns einig
40:03Oder warum sitzen wir dann hier?
40:17So geht das nicht
40:18Eine Ampulle Gläpol
40:22Die Lähmung steigt auf, das ist keine Panikattacke
40:24Das ist eine Atemlähmung
40:26Entubieren, Bett runter
40:29Spatel
40:34Tubus
40:37Schwester
40:45Eigentlich ist alles ganz einfach
40:47Ach, tatsächlich
40:50Na dann?
40:51Sie haben es verlernt, einander mit Liebe zu betrachten
40:55Sie sehen nicht mehr richtig hin
40:56Und wenn, dann sehen Sie nur noch die Dinge, die Sie stören
40:59oder die Sie abstoßen
41:01Dinge, die Sie früher, als Sie frisch verliebt waren, vielleicht sogar mal aneinander mochten
41:05oder die Sie amüsiert haben
41:07Da ist schon was dran, oder?
41:10Das führt natürlich dazu, dass Sie sich beide immer weniger gesehen und gewertschätzt fühlen
41:15Sie sollten Räume für Zweisamkeit schaffen
41:18Auch außerhalb des gewohnten Umfeldes
41:20Und ich sage Ihnen, Sie werden erstaunt sein, wie inspirierend das sein kann
41:24Wow, das sind ja ganz neue Erkenntnisse, dass wir mehr Zeit miteinander verbringen müssen
41:29Wann haben Sie sich denn das letzte Mal wirklich aufeinander eingelassen?
41:32Sich die Mühe gemacht, aneinander zu sehen, zu berühren, aneinander zu begegnen
41:37Sie sind hier, weil Ihnen Ihre Ehe wichtig ist
41:40Und Sie sollten endlich anfangen, mehr in Ihre Beziehung zu investieren
41:43Auf emotionaler, als auch auf erotischer Ebene
41:47Bevor Sie jetzt gehen, möchte ich gerne noch eine Übung mit Ihnen machen
41:52Drehen Sie sich doch mal zueinander
41:55So soll das gut sein
41:58Das werden Sie gleich sehen
42:00So, jetzt fassen Sie sich an den Händen
42:06Und sehen Sie sich an
42:08Und das Wichtigste an der ganzen Sache ist, es wird kein Wort gesprochen
42:15So, jetzt gehen Sie sich an den Händen
42:17Und dann gehen Sie an den Händen
42:21Und dann gehen Sie an den Händen
42:46Und dann gehen Sie an den Händen
42:46Ist das bescheuert?
42:48Wage ich doch
42:53Los, komm
42:54Danke.
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