- vor 7 Wochen
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00:24Love Is Enough
00:37Love Is Enough
00:42Papa, hast du irgendwas gehört?
00:44Nein, und ich rechne auch nicht damit.
00:50Also wenn er sich doch mal melden sollte, dann...
00:53Lass ich es dich lassen.
00:55Das war's, Tü.
00:56Ja.
00:58Hallo, Morgen.
01:04Herzlichen Glückwunsch nochmal.
01:06Vielen Dank.
01:07Sie ist, oder?
01:13Na ja, muss dann auch gehen, ja?
01:16Wir sehen uns.
01:20Sein Vater zuliebe ist Moritz nach Leipzig gezogen.
01:23Und ich hab mich drauf eingelassen, weil Alexander mir seine volle Unterstützung zugesichert hat.
01:27Und dann haut er einfach ab, ohne irgendwas zu sagen.
01:31Entschuldigung.
01:32Ich...
01:33Sie sind ja noch viel stärker betroffen.
01:35Ich wusste immer einen Bescheid im Gegensatz zu Ihnen.
01:40Wenn Sie irgendwelche Unterstützung brauchen.
01:44Also wenn ich vorerst keine Nachtdienste machen müsste, wäre mir schon geholfen.
01:49Ich kümmere mich drum.
01:50Wir kriegen da hin.
01:52Danke.
01:54Wunderbar, das ist ja super.
01:56Ich freu mich.
01:57Ja.
01:58Danke.
01:58Wiederhören.
02:00Ich muss sofort einen Zug buchen.
02:03Fährst du weg?
02:04Ja, ich hab dir doch von dieser Agentur in Hamburg erzählt, die diese innovativen Teamführungsseminare anbietet.
02:11Nö.
02:13Ach so, dann war es Roland.
02:15Naja, jedenfalls, dieses Seminar ist wahnsinnig begehrt und über mehrere Monate ausgebucht.
02:23Und jetzt hab ich noch einen Platz bekommen.
02:27Cool.
02:29Wann ist das?
02:30Dieses Wochenende.
02:36Du hast es vergessen.
02:37Was?
02:40Vergiss es.
02:42Ja?
02:43Ähm, guten Morgen.
02:44Äh, stirre ich?
02:45Nein, nein, ich bin sofort für Sie da.
02:46Alles klar.
02:47Ich muss dann auch.
02:49Ja, bis später.
02:50Mhm.
02:53Und buchen.
02:57Ich mag mich täuschen, aber mir schien unser Sonntagskind ein wenig frustriert zu sein.
03:03Nein.
03:04Haben Sie mal einen Stift, bitte?
03:07So.
03:13Das Turnier.
03:15Tango.
03:17Nein, Tennis.
03:19Ich hab sein Tennisturnier vergessen.
03:23Meine Tibia-Kopf-Fraktur also.
03:25Genau.
03:27Das Knie wurde vor einem halben Jahr operiert und ich dachte, eigentlich damit ist es erledigt.
04:00Oh, ich bin wirklich kein Weicher.
04:00Gründlich untersucht werden.
04:01Es fühlt sich an, als hätten sich die Schrauben gelockert und ich spüre eine deutliche Reibung.
04:05In dem Fall werden Sie um eine erneute Operation leider nicht herumkommen.
04:08Hören Sie, ich bin in zwei Wochen zurück und ich lasse dann alles machen, was nötig ist.
04:11Und haben Sie die ganze Zeit Schmerzen?
04:13Dann wird Ihr Sohn nicht viel Spaß mit Ihnen haben.
04:16Meine Kasse zahlt Chef als Behandlung.
04:23Ist das Ihr Sohn?
04:24Was?
04:25Ja, das ist kein was.
04:27Das ist süß.
04:35Ich würde jetzt sehr gerne Ihren Chef sprechen.
04:37Wenn er sagt, dass ich nicht fliegen kann, dann bleibe ich nicht zu ungut.
04:44Das ist kein Problem.
04:45Aber gestatten Sie, dass ich schon mal die Diagnostik veranlasse.
04:47Das spart uns allen nämlich viel Zeit.
04:49Ja, von mir aus.
04:50Gut.
04:51Dann wird Schwester Miriam Sie jetzt in die Radiologie bringen.
04:53Röntgen auf zwei Ebenen und ein CT, bitte.
04:56Und ich schaue mal, dass ich den Chef für Sie rankriege, ja?
04:58Danke.
05:02Ich nehme an, dass der Akku beschädigt ist.
05:04Mit dem neuen sollte alles wieder funktionieren.
05:07Bitte.
05:09Ja, super, danke.
05:11Prima.
05:16Ja, guten Morgen.
05:17Morgen.
05:19Hallo, Prinzessin.
05:20Meine Frau gar nicht hier.
05:21Nee, die musste noch mal hoch in die Verwaltung.
05:23Oh, Mist.
05:25Stimmt was nicht.
05:27Ich war heute Morgen mit Pauline beim Babyschwimmen und eigentlich wollte Asu sie nach ihrer Nachtschicht mit nach Hause nehmen.
05:32Die ist bestimmt gleich wieder zurück.
05:35Ja, nur muss ich in 20 Minuten im OP sein.
05:40Ja, wenn Sie wollen, kann ich die Kleine so lange nehmen.
05:42Ich meine, ich muss ohnehin noch mal in die Verwaltung, darauf bringe ich sie, ihre Frau.
05:45Will das gehen?
05:46Ja, sicher.
05:47Ich meine, wir zwei kommen doch super miteinander aus, oder?
05:50Hi.
05:52Na dann?
05:52Ja, dann komm her.
05:55Ja.
05:56Hallo.
05:57Vielen Dank.
05:59Tschüss, bis später.
06:00Ja, hi.
06:03Ola, ich bin's noch mal.
06:04Ruf doch bitte zurück, wenn du das abgehört hast.
06:12Herr Najas, das ist Dr. Heilmann.
06:14Er wird Ihre Behandlung übernehmen.
06:16Guten Tag.
06:17Ich habe mir Ihre Bilder angesehen.
06:18Wie Dr. Weber vermutet hat, haben sich die Schrauben in ihrem Knie gelockert und der Bruch ist wieder abgerutscht.
06:25Gut.
06:26Aber was bedeutet das jetzt?
06:27Wir müssen die Platte entfernen und den Bruch neu richten und stabilisieren.
06:32Und wann muss das gemacht werden?
06:33So schnell wie möglich.
06:34Das lässt sich nicht verschieben.
06:36Nicht, wenn wir die Mobilität Ihres Knies erhalten wollen.
06:39Die lockeren Schrauben schädigen die Gelenke.
06:42Wie lange muss es hier bleiben?
06:44Nach der OP circa fünf bis sieben Tage, aber diesmal wird es mindestens ein Jahr dauern, bis Sie wieder richtig
06:49loslegen können.
06:50Ja, meine Karriere ist inzwischen beendet.
06:52Gut, dann beginnen wir gleich mit den Vorbereitungen und setzen Sie schon mal für morgen auf den OP-Plan.
06:58Möchten Sie, dass wir jemanden für Sie verständigen?
07:01Nein, das mache ich selbst.
07:20Bist du schon mal aufzugefahren?
07:22Hörst du mal?
07:24Macht Spaß, oder?
07:28Was machst du denn?
07:31Was ist denn das für ein Baby?
07:33Ja.
07:34Da gibt es was, was ich dir schon lange erzählen wollte.
07:40Das ist ein Scherz.
07:43Ja, ich habe innerlich auch sehr gelacht.
07:44Das ist die Kleine von der Oberschwester.
07:46Ich bringe sie gerade zu ihr.
07:47Ach so, natürlich.
07:49Pauline.
07:50Frau Ritter, die ist schon wieder runter auf Station.
07:52Ja, hast du das gehört?
07:53Dann fahren wir zwei nochmal Aufzug.
07:55Ja.
07:56Was wolltest du?
07:57So, wegen des Wochenendes.
07:58Es tut mir so leid, dass ich das mit dem Tennisturnier vergessen habe.
08:01Ja.
08:01Ja, du wolltest mitkommen.
08:02Es tut mir so leid.
08:04Lass uns beim Mittag drüber reden.
08:05Ich bringe die Kleine erstmal weg.
08:07Okay.
08:08Und, was meinst du?
08:09Steht mir ganz gut so ein Baby, oder?
08:19Deine Mutter kommt gleich, soll ich dir ausrichten.
08:21Sie ist nochmal kurz auf die Station.
08:23Ja, ja.
08:23Soll ich dir irgendwas mitbringen?
08:24Nee, danke.
08:28Sind das Wohnungsanzeigen?
08:31Ja.
08:33Ich habe überlegt, nach der Reha wieder nach München zu gehen.
08:35Also, mein Abi fertig machen.
08:37Außerdem haben Anka und ich jetzt noch wieder Kontakt.
08:40Weißt deine Mutter schon davon?
08:42Nein.
08:43Nein, das ist auch wirklich noch nicht spruchreif.
08:45Verstehe.
08:50Entschuldige.
08:51Alles gut.
08:52Jetzt können wir?
08:53Ja.
08:54Gut.
08:54Trinkst du das noch aus?
08:56Nee, nee.
08:58Sag mal, habt ihr den John Nyers als Patient?
09:01Ja, wieso?
09:02Kennst du den?
09:02Klar.
09:03Im Gegensatz zu dir lese ich ja die Sportseiten in der Zeitung.
09:06Der war einer der vielversprechendsten Triathleten Deutschlands.
09:09Aha.
09:10Ein super Typ, oder?
09:12Wo ist der dir denn hier begegnet?
09:14Im Flur.
09:14War da mit einer Schwester unterwegs.
09:16Im Rollstuhl.
09:18Hm.
09:18Was hat er denn?
09:20Das darf ich dir natürlich nicht sagen.
09:22Aber sag du mal, worüber hast du denn eben mit Dr. Globesch geredet?
09:26Das sag ich dir auch nicht.
09:32Ja, bitte.
09:40Guten Tag.
09:42Hallo.
09:43Na, ist der Babyblues schon angekommen?
09:47Wo ist denn der Kronprinz?
09:49Spazieren mit seinem Vater.
09:51Mhm.
09:54Tja.
09:55Spannende Lektüre.
09:58Ja, ich, ich taste mich ran.
10:02Falls Sie mal eine Auszeit von der Alltagsprosa brauchen, ich hab hier etwas Poesie für Sie.
10:09Wenn's Ihnen nicht gefällt, bitte nicht wegwerfen.
10:11Das ist eine Rilke Erstausgabe, die hätte ich gern zurück.
10:13Mhm.
10:14Mit Gedichten hatte ich tatsächlich noch nie was am Hut.
10:17Mit Mutterschaft bisher auch nicht.
10:20Seite 18, die letzten Zeilen.
10:29Die großen Worte aus den Zeiten, da Geschehen noch sichtbar war, sind nicht für uns.
10:35Wer spricht von Siegen?
10:38Überstehen ist alles.
10:44In diesem Sinne.
10:55Musst du mich bitte zurück, wenn du das abgehört hast.
10:58Bitte.
11:02Hier kommt das Mittagessen.
11:05Danke.
11:11Und?
11:12Haben Sie Ihren Sohn schon erreicht?
11:14Nein.
11:16Vermutlich sind Sie schon auf dem Weg zum Flughafen.
11:18Immerhin haben Sie eine gute Entschuldigung.
11:22Hätte ich nach der letzten OP nicht alles getan, um an dieser EM teilzunehmen, dann läge ich jetzt nicht hier.
11:26Im Nachhinein stellen sich scheinbar gute Entscheidungen oft als idiotisch heraus.
11:31Aber jammern Hälfte auch nicht.
11:32Klar.
11:34Lassen Sie es sich trotzdem schmecken.
11:44Carlos?
11:46Danke, dass du zurückgehst.
11:48Hast du meine Nachrichten abgehört?
11:52Laura, ich...
11:53Ja, ich weiß, dass Carlos enttäuscht sein wird.
11:56Jetzt gib ihn mir doch mal, dann rede ich selbst mit ihm.
12:00Widerwill nicht.
12:02Laura, bitte.
12:02Jetzt...
12:04hat er in der silly school Drive.
12:04Wo war's, wenn du ja?
12:08Jetzt geht's für miel.
12:09Früher gab's zwei Sorten Weiß, Mart und glänzend.
12:12Jetzt sieht er da so an.
12:15Elfenbein, Carrara Weiß, Alabaster, Segeltuch.
12:19Um sowas hat sich Pia gekümmert.
12:22Was ist denn hier mit Candy White?
12:24Ja, das ist echt kein Unterschied.
12:28Hey, grün fürs Bad. Das ist doch schön erfrischend.
12:32Das hat Lisa auch gesagt.
12:35Reseda-Grün, Ferte, Papyrus, Tierra Verde, Steingrün, Viridian, Junge, Olive, Olive. Du ahnst mein Problem.
12:44Dann frag doch mal Katrin. Die kennt sich mit sowas bestimmt besser aus.
12:50Die könnte ein bisschen Abwechslung gebrauchen.
12:52Hast du heute Abendzeit?
12:54Ja, na dann.
12:58Heilmann?
13:00Ich komme sofort. Wir sprechen nachher weiter.
13:02Okay.
13:07Als ich reinkam, lag er bewusstlos am Boden.
13:10Ich habe gerade mit meiner Ex-Frau telefoniert.
13:13Und dann auf einmal dieses Stechen in der Brust.
13:18Sie haben einen sehr niedrigen Ruhepuls, aber das passt zu Ihrer sportlichen Belastung.
13:24Das EKG ist insgesamt unauffällig. Wie fühlen Sie sich?
13:27Geht so. War das jetzt sowas wie ein Infarkt?
13:31Der Laborbericht ist jetzt da.
13:36Also die Herzenzyme sind in Ordnung. Wir nehmen in zwei Stunden nochmal Blut ab.
13:41Also ich denke einen Infarkt können wir ausschließen.
13:43Ich mache trotzdem noch eine Ultraschall.
13:47Hatten Sie schon mal ähnliche Symptome? Unklare Bewusstlosigkeit, spürbare Rhythmusstörungen, Herzstolpern?
13:53Nein, mit dem Herzen war eigentlich nie was. Sonst hätte ich auch kaum Hochleistungssport machen können.
13:58Wie kommt man eigentlich auf die Idee Triathlet zu werden?
14:02Man muss einfach nur irre genug und bereit sein dem alles unterzuordnen.
14:05Ich bin ja auch schon mal einen Marathon gelaufen. Aber das hat gereicht, wenn ich davor noch hätte schwimmen und
14:10Rad fahren müssen.
14:11Wie gesagt, man muss nur verrückt genug sein. Und? Wie sieht die Pumpe aus?
14:18Das Herz ist schon auffällig vergrößert.
14:22Das heißt?
14:24Erstmal noch nichts. Intensives sportliches Training führt nur mal zu einer Vermehrung der Muskelmasse, auch beim Herzmuskel.
14:30Diese Hypertrophie ist gewissermaßen die physiologische Antwort auf eine vermehrte Belastung.
14:35Ist das alles okay?
14:38Soweit ich das bisher überblicke, ja, eine durch Sport herbeigeführte Herzvergrößerung birgt eigentlich kein gesundheitliches Risiko.
14:46Aber mit dem Knie konnten Sie eine Weile nicht richtig trainieren? Haben Sie in irgendeiner Form abtrainiert?
14:53Eher nicht.
15:00Mittagessen?
15:01Oh, perfekt.
15:04Ich habe uns was beim Asiaten geholt.
15:08Toll, danke.
15:10Mh, das duftet.
15:16Das mit dem Wochenende, ne? Das hat mir einfach keine Ruhe gelassen. Ich habe jetzt alle Hebel in Bewegung gesetzt
15:23und...
15:25Hier.
15:26Was ist das?
15:27Mach's auf.
15:30Und ich habe für dich noch einen Platz bei dem Seminar bekommen.
15:34Wir fahren zusammen nach Hamburg. Was sagst du?
15:41Ähm...
15:41Ehrlich gesagt, hätte ich gedacht, du würdest mir jetzt erzählen, dass du das Seminar verschoben hast und mit mir zum
15:47Turnier kommst.
15:48Ja, aber das geht ja nicht. Du weißt ja, wie schwer es ist, da reinzukommen.
15:50Ja, klar. Darum konntest du jetzt auch eine zweite Karte besorgen.
15:57Du, wie hast du das eigentlich vorhin gemeint, als du gefragt hast, ob dir das Baby steht?
16:04Was?
16:06Na ja, dir ist schon klar, dass du mit mir keine Kinder kriegen wirst.
16:12Ich habe keinen Hunger mehr.
16:15Na ja.
16:42Na ja.
16:43Na ja.
16:45Kann man sich eigentlich an Ihren Humor gewöhnen?
16:49Ich hoffe nicht.
16:58Ja, bitte.
17:03Sie haben meine Unterschrift vergessen.
17:05Ah.
17:09Wussten Sie, dass ich mich in meiner Jugend dazu berufen fühlte, in die Fußstapfen eines gewissen Sir Arthur Conan Doyle
17:18zu treten?
17:18Keine Zitate, bitte.
17:21Sir Arthur ist besser bekannt als der Schöpfer von Sherlock Holmes.
17:25Und wenn ich die Zeichen richtig deute, ein unangerührtes Essen, ein überstürzter Aufbruch,
17:33dann folgt daraus, dass Mr. Sunday Ihre Wiedergutmachung für ein abgesagtes Wochenende nicht besonders freudig aufgenommen hat.
17:45Ich glaube, das Problem liegt nicht nur an dem abgesagten Wochenende.
17:54Den dürfen Sie behalten.
18:00Cardiomegalie.
18:01Ein typisches Sportlerherz.
18:03Die Frage wäre, welche Auswirkungen der radikale Trainingsabbruch hat.
18:07Könnte auf jeden Fall Kreislaufprobleme verursachen.
18:09Ich habe ihn gefragt, ob er früher schon Beschwerden hatte. Das hat er verneint.
18:14Wie geht es ihm denn jetzt?
18:15Gut. Seine Werte sind stabil. Ich habe ihn trotzdem auf die ETS verlegt zur Überwachung.
18:19Finde ich gut. Besonders im Hinblick auf die morgige Knie-OP.
18:23Nicht, dass wir plötzlich einen Herzpatienten auf dem Tisch haben.
18:26Wenn Sie ihn noch mal nach ihm sehen, ich habe gleich einen Auswärtstermin.
18:30Mach ich gern. Aber er hat Chefarztbehandlung.
18:32Das habe ich schon mit ihm geklärt. Ich habe Sie einfach als die Herzspezialisten schlechthin präsentiert.
18:38Das gefällt mir. Na dann.
18:46Bis später dann.
18:51Guten Tag.
18:52Hallo.
18:54Die Werte Ihrer letzten Blutuntersuchung sind in Ordnung.
18:58Ich möchte Sie jetzt gerne abklopfen.
19:00Richten Sie sich bitte mal auf.
19:07Mein Sohn ist übrigens ein Fan von Ihnen. Sie scheinen ja eine richtige Berühmtheit zu sein.
19:11Klar. Ein leuchtendes Vorbild für die Jugend.
19:16Na für Ihren Sohn doch zumindest bestimmt.
19:19Carlos wird übermorgen sechs.
19:21Und ich werde nicht bei ihm sein, weil ich es wieder einmal vermasselt habe.
19:25Wieso denn? Was ist passiert?
19:29Ich bin so etwas wie ein Universal-Dilettant. Ich kann alles ein bisschen, aber nichts richtig gut.
19:34Außer beim Sport. Das dachte ich zumindest. Aber für den ganz großen Sieg hat es ja leider nie gereicht.
19:39Ich wusste, die EM ist meine letzte Chance. Ich habe vier Jahre, habe ich mich vorbereitet. Trainiert wie ein Bekloppter.
19:47Da blieb nicht viel Zeit für anderes, auch nicht für die Familie.
19:50Mein Sohn wuchs heran, während ich in Sportzentren und auf Wettkämpfen meine Werte um Zehntelsekunden optimierte.
19:57Als Vater war ich also alles andere als ein Vorbild.
20:02Ja und von einem Jahr, als meiner Frau dann gereicht, ne?
20:06Sie ist mit dem Jungen wieder zurück nach Lanzerroute und führt dort jetzt das Hotel ihrer Eltern.
20:10Ach. Wo denn da?
20:13El Goifo.
20:16Sie kennen die Insel?
20:17Ja, ziemlich gut. Ich war da oft. Auch in El Goifo.
20:20Ja, dann kennen Sie doch bestimmt auch das Hotel Matador.
20:23Es ist gleich das erste Haus, wenn Sie von Yaisa kommt, in den Ort reinfahren.
20:28Ach ja. Das kenne ich tatsächlich.
20:31Weiß Ihre Frau denn schon, dass Sie nicht kommen können?
20:33Ja. Aber das hilft jetzt auch nichts mehr.
20:37Für meine Ex-Frau ist das noch wieder ein weiteres Zeichen meiner Unzuverlässigkeit.
20:41Na wieso? Sie sind im Krankenhaus, da können Sie ja nur nichts dafür.
20:44Sicher? Nein.
20:47Ich habe vor langer Zeit die falsche Entscheidung getroffen und jetzt zahle ich dafür.
20:51Haben Sie denn schon weitere Pläne? Ich meine, beruflich?
20:53Ja, ich könnte als Trainer arbeiten.
20:55Aber das berufliche ist mir momentan noch ziemlich egal.
20:57Wie wichtig ist der Kontakt zu meinem Jungen?
21:02Alles andere wird sich finden.
21:10Hast du dich verirrt?
21:11Ich habe versucht, dich anzurufen, aber ich glaube, dein Handy ist aus.
21:15Nee, der Empfang ist einfach schlecht hier.
21:18Felix, was ist denn los?
21:20Was soll es sein?
21:21Ich finde, du verhältst dich echt seltsam.
21:23Ja, wundert dich das?
21:25Ehrlich gesagt schon.
21:27Bisher habe ich gedacht, ich habe es mit einer halbwegs sensiblen Frau zu tun.
21:30Also jetzt mal Tachlis.
21:34Sarah, mir ist völlig klar, dass das Kinderthema für dich wahrscheinlich durch ist.
21:38Ja, ich habe ja auch schon eins.
21:39Aber klar, und deshalb kommst du auch nicht auf die Idee, mich mal zu fragen, wie es für mich ist.
21:43Dass ich vielleicht welche will, das spielt für dich überhaupt keine Rolle.
21:46Nur weil ich keine Kinder mehr will, heißt das doch nicht, dass du nicht welche haben kannst.
21:48Mit wem dann?
21:50Keine Ahnung, du bist ja noch jung.
21:53Es macht echt keinen Sinn, weiterzureden. Ich muss arbeiten.
21:59Ich würde sagen, Herr Neyers hat den klassischen Burnout.
22:02Erfolgloses Karriereende, gescheiterte Ehe.
22:04Er macht sich große Sorgen um die Beziehung zu seinem Sohn.
22:07Da kommt einiges zusammen.
22:08Die Befunde sind ja soweit in Ordnung, oder haben Sie Bedenken?
22:12Spricht nichts gegen die Knie-OP morgen.
22:14Er wird als Erster operierend.
22:17Bis dahin verlegen Sie ihn bitte auf die Normalstation.
22:20Sonst noch was?
22:21Nein. Oder doch, wie geht's dem Sohn inzwischen?
22:27Moritz macht Fortschritte, wenn auch langsam.
22:29Er hat noch Anlaufschmerzen und die Hüftbeugung macht Probleme.
22:32Und, naja, die Sache mit seinem Vater macht das Ganze für ihn natürlich auch nicht leichter.
22:38Für mich im Übrigen auch nicht.
22:40Wenn Sie Hilfe brauchen?
22:42Danke, ich habe mit Dr. Globes schon darüber gesprochen, mich vorerst aus den Nachtdiensten rauszuhalten,
22:47weil Moritz hat nachts oft Schmerzen und da möchte ich für ihn da sein.
22:52Ich höre soweit.
22:53Na dann, schönen Feierabend.
22:55Ihnen auch.
23:01Sieht ja nicht gerade glücklich aus, Frau Kollegin.
23:04Einmal darfst du atmen, warum?
23:06Auch eine Weber-Geschädigte.
23:09Sozusagen.
23:11Komm, wir müssen noch einen Wein laden.
23:21Da Sie morgen operiert werden, gibt es ab jetzt nur noch Wasser oder Tee.
23:24Ich habe hier keinen Appetit.
23:27Hat das Ihr Sohn gemalt?
23:29Mhm.
23:30Da findet sich jemand aber ganz schön toll.
23:33Das ist aber leer.
23:36Können Sie noch irgendwas brauchen?
23:38Die letzten vier Jahre, um ein paar Dinge anders zu machen?
23:42Tut mir leid.
23:46Das war ein dufer Spruch.
23:48Ich habe alles, danke.
23:50Dann gute Nacht.
24:12Steingrün?
24:13Oder Terra Verde?
24:14Was anderes kommt nicht in Frage?
24:15Sag ich's doch.
24:15Na wunderbar, dann ist das entschieden.
24:18Schön, dass ihr da seid.
24:20Setzen.
24:23Ich habe übrigens mal recherchiert, in welche Länder man so abhauen kann,
24:27wenn man hier strafrechtlich verfolgt wird.
24:29Welche wären das?
24:31Na, die GUS-Staaten zum Beispiel.
24:33Obwohl das gerade ein Abkommen benarbeitet.
24:35Und?
24:37Iran, Mongolei, Kuba, da gibt's Möglichkeiten.
24:40Dann doch lieber Havanna statt Iran.
24:43Hast du eigentlich nochmal von ihm gehört?
24:47Nein, werde ich wohl auch nicht.
24:51Wenn er sich seiner Verantwortung gestellt hätte, könnte ich ihn jetzt wenigstens besuchen.
24:55Und in ein paar Jahren?
24:59Aber was soll's, er hat sich entschieden.
25:02Ja, falsch.
25:04Vielleicht.
25:07Hab ich euch eigentlich schon von der Senioren-WG erzählt, die bei uns ins Haus gezogen ist?
25:12Nein.
25:12Mhm.
25:13Eine Frau, zwei Männer, alle um die 70.
25:16Und ziemlich gut drauf.
25:18Was?
25:19Und?
25:20Ach du meinst, wir sollten auch eine WG hier aufmachen?
25:23Das finde ich eine lustige Idee.
25:24Finde ich eben auch.
25:25Du bist zum Todlachen, ich bin gerade umgezogen.
25:27Naja, du bist ja auch noch nicht in Rente.
25:30Also ich könnte mir das mit euch Jungs irgendwie vorstellen.
25:34Irgendwann.
25:34Ich kann mir das mit euch eben auch gut vorstellen.
25:37Er sagt ausgerechnet der, der als Einziger hier in einer festen Beziehung lebt.
25:42Aufwärts.
25:54Guten Morgen.
25:56Hallo.
25:58Wollen wir mal reden?
26:00Klar.
26:01Vielleicht nicht hier auf der Straße?
26:05Zu dir oder zu mir?
26:07Zu mir.
26:15Willst du einen Kaffee?
26:16Mhm.
26:20Du wolltest reden.
26:23Richtig.
26:29Ich hab die ganze Nacht kein Auge zugemacht.
26:32Dann haben wir doch noch was gemeinsam.
26:36Ach zu.
26:40Ich sehe wirklich nicht ein, warum ich mich schlecht fühlen soll.
26:44Dir muss doch irgendwie klar sein, dass es mit mir in meinem Alter keine Kinder mehr gibt.
26:49Warum?
26:52Warum was?
26:53Warum sollte mir das klar sein? Ich meine, wir haben nie darüber gesprochen.
26:56Weil das nie ein Thema war und weil ich davon ausgegangen bin, dass das auch nie eins sein wird.
26:59Okay. Also, dass ich eine Familie vielleicht irgendwann haben möchte, ist für dich kein Thema.
27:03Du hast immer gesagt, keine Beziehung, nur Spaß.
27:06Ja. Weil dich alles abschreckt, was auch nur nach einer Verbindlichkeit riecht.
27:14Also, wenn eine Familie das ist, was du willst, dann...
27:22Dann musst du dir eine andere Frau suchen.
27:26Boah, das nervt mich echt, dass ich hier jedes Mal ewig warten muss, bis ich endlich zur Physio kann.
27:30Ich weiß das, Moritz, aber wenn ich hier Dienst habe, kann ich nicht einfach zwischendurch weg, um dich abzuholen.
27:35Ja, ich weiß. Entschuldigung.
27:38Komm, jetzt setz dich.
27:40Ja.
27:41Ich hole uns mal was.
27:42Ja.
27:46Nimm den.
27:49Guten Morgen, Herr Nayas.
27:51Morgen.
27:52Gut geschlafen?
27:53Eher nicht. Zu viel Kopfkino.
27:56Haben Sie noch Fragen?
27:58Dann geht's gleich los.
28:01So.
28:02Danke.
28:04Sag mal, wie geht's denn mit Nayas?
28:05Er wird gleich operiert.
28:07Seit wann interessierst du dich eigentlich für Triathlon?
28:10So interessieren ist jetzt ein bisschen viel gesagt.
28:13Naja, es wurde ihm viel über ihn geschrieben.
28:15Auf den Sportseiten, die ich nicht lese.
28:17Ganz genau.
28:19Seine Geschichte ist schon wahnsinnig interessant.
28:21Ich meine, wie er sich damals nach dieser schweren Verletzung wieder ganz nach oben gekämpft hat.
28:25Und sich sogar für die EM qualifiziert hat.
28:27Das hat mir schon imponiert.
28:29Das hat mir außerdem auch Kraft gegeben.
28:32Irgendwie.
28:33Es geht los.
28:34Bitte ganz normal Luft holen.
28:43Dann bei der EM fällt er einfach vom Rad.
28:48Wie jetzt?
28:49Er ist ohnmächtig geworden.
28:51Einfach so?
28:53Ja, also es gab erstmal einen Verdacht auf Doping und er hat sich dann nicht bestätigt.
29:09Skalpell?
29:13Rennst du irgendwo?
29:14Ich hoffe noch nicht.
29:16Was soll denn das?
29:17Sehen Sie nach was da los ist.
29:19Entschuldigung.
29:25Sie müssen die OP abbrechen. Er ist möglicherweise doch schwer herzkrank. Ich habe einen Verdacht auf Hypertrophe, Kardiomyopathie.
29:30Wo kommt denn das plötzlich her?
29:32Mein Sohn hat mir erzählt, dass er bei einem Bettkampf eine Synkope hatte.
29:34Woher weiß er das?
29:36Aus der Zeitung.
29:39Wir brechen ab. Lassen Sie ihn bitte wieder aufwarten.
29:45Das heißt, er hatte diese Probleme schon früher.
29:47Offenbar, ja.
29:48Aber ich habe ihn direkt gefragt, ob er schon mal umgekippt ist.
29:50Ich weiß, bei der Anamnese hat er auch nichts gesagt.
29:52Aber warum?
29:53Verstehe ich das richtig?
29:54Wir haben eine Kardiomyopathie als ein Arm, das ist Sportlerherz klassifiziert.
29:59Ja, vielleicht mache ich hier auch umsonst die Pferdescheu, aber es ist ein Verdacht.
30:02Begründeter. Wir machen sofort eine Doppler-Sono und sehen uns die Durchblutung ganz genau an.
30:07Du solltest auch noch ein Herz im Herzen machen.
30:09Ja.
30:10Und wir müssen jetzt unseren Patienten.
30:12Ich würde auch gerne noch mal kurz in die Cafeteria. Ich bin da eben so Hals über Kopf. Moritz sitzt
30:16da noch.
30:16Lassen Sie sich ruhig Zeit und danken Sie ihm für die Informationen.
30:20Das mache ich ja. Wir sehen uns dann im Aufwachraum.
30:37Einen schönen Gruß von meinem Chef.
30:40Danke. Was war denn?
30:41Du hast uns mit deinem Hinweis zu Herrn Naya ist wahrscheinlich sehr geholfen.
30:45Wow. Echt?
30:46Mhm.
30:47Warum setzt du dich nicht? Du hast noch nicht mal aufgegessen.
30:49Ich kann nicht. Ich muss gleich wieder zu ihm. Er kommt gleich aus dem OP.
30:51Ah.
30:52Und bei dir? Alles klar?
30:54Ja, logisch.
30:56Was machst du denn da? Ach so.
30:59Na dann. Bis später.
31:01Bis später.
31:12Ich bin also nicht operiert worden.
31:14Der Abbruch erfolgte zu Ihrer eigenen Sicherheit. Es gibt inzwischen Hinweis auf eine schwerwiegende Herzkrankheit.
31:20Wir müssen das jetzt abklären.
31:22Sie haben doch erst dann die ganze Zeit an mir herumgedockt. Ich denke, Sie sind die Herz-Spezialistin.
31:26Ich bin bei meiner Arbeit aber auch auf die Kooperation des Patienten angewiesen.
31:29Was soll das denn heißen?
31:30Das heißt, dass ich Sie nicht optimal behandeln kann, wenn Sie bei der Anamnese medizinisch relevante Informationen verschweigen.
31:36Oder falsche Angaben machen. Sie haben mehrmals unsere Fragen nach vorausgegangenen Ohnmachten verneint.
31:41Sie wissen hoffentlich, wie sehr Sie sich damit gefährdet haben.
31:44Ich hatte es einfach vergessen, okay? Wie kommen Sie da jetzt überhaupt drauf?
31:48Mein Sohn hat einen Bericht über Ihren Unfall bei der EM in der Zeitung gelesen.
31:51Sie sind ohnmächtig vom Rad gefallen. Sowas vergisst man nicht einfach.
31:55Nein, sowas vergisst du nicht.
31:59Du kannst nur versuchen, uns zu verdrängen, indem du nicht darüber sprichst.
32:07Felix?
32:08Ich bin aber auf dem Sprung und in der Kinderstation ist ein Rechner ausgefallen.
32:12Gut, ich mach's kurz.
32:14Wir können doch nicht immer so zwischen Tür und Angel miteinander reden.
32:17Wir müssen uns mal in Ruhe aussprechen, nicht hier in der Klinik.
32:21Lass uns doch heute Abend essen gehen. Ich lade dich ein, hm?
32:25Das ist lieb gemeint, aber ich brauche jetzt ein bisschen Abstand.
32:30Ich bin 20 Jahre älter als du. Für mich ist das Kinderthema echt durch.
32:34Denkst du, dass es mir nur darum geht? Um Kinder?
32:36Ich weiß doch nicht mal, ob ich welche haben will.
32:38Aber worüber streiten wir denn dann?
32:40Darüber, dass du ständig Entscheidungen triffst, ohne mich einzubeziehen.
32:43Du wolltest mich zum Turnier begleiten, aber das Seminar ist dir wichtiger.
32:46Du fragst mich nicht, wie ich über Kinder denke, entscheidest aber, dass wir keine haben werden.
32:49Du entscheidest, wann wir uns sehen. Du entscheidest, wann ich bei dir übernachte.
32:54Sarah, das ist doch alles nur eine Episode für dich, für die man keine Kompromisse macht.
33:00Würdest du jetzt bitte gehen? Ich will nicht der sein, der dich stehen lässt.
33:05Ich bin wirklich schlecht darin, Kompromisse zu machen.
33:09Oh ja.
33:12Dann leidet der Patient tatsächlich unter einer hypertrophen Kardiomyopathie. Der Befund ist eindeutig.
33:18Meine Diagnose gestern war wirklich keine Sternstunde. Ich hätte sofort eine Doppler-Sonographie machen müssen.
33:23Aber wir waren beide überzeugt davon, dass die Vergrößerung des Herzens vom Leistungssport kommt.
33:27Das Versäumnis liegt also genauso gut bei mir. Ich hätte darauf kommen müssen, die Durchblutung besser zu kontrollieren.
33:31Immerhin haben Sie vorhin eine mögliche Katastrophe auf dem OP-Tisch verhindert. Nein, nein, das geht auf meine Kappe.
33:38Wird das jetzt ein Wettbewerb der Schuldbekenntnisse?
33:42Wenn der Patient richtig kooperiert hätte, dann wäre eine entsprechende Diagnostik erfolgt.
33:47Aber so können wir das Ganze abkürzen. Sprechen wir lieber mal darüber, wie es weitergeht.
33:52Also ich denke, in seinem Fall ist eine Myoptomie nach Moro die beste Vorgehensweise.
33:58Als Lungenmaschine. Ein sehr invasives Verfahren.
34:02Ja, aber wir eröffnen nicht die Herzkammer, sondern gehen durch die Aorta in den Ventrikel.
34:06Wir reden erst mal mit dem Patienten.
34:23Bestellt und nicht abgeholt?
34:26Ich muss mal fünf Minuten durchatmen.
34:28Ich dachte schon, Ihr Freundchen hätte Sie versetzt.
34:31Das auch.
34:34Ausgerechnet an so einem lauen Abend, der ja geradezu für die Liebe gemacht ist.
34:44Wie wäre es mit einem Whisky so als Absacker?
34:52Es geht um kindliche Befindlichkeiten.
34:55Im echten Manne wohnt ein Kind und das will spielen?
34:59Ich habe von mir gesprochen.
35:00Ach so.
35:01Er meint es ziemlich ernst.
35:03Soll Menschen geben, die sich darüber freuen. Wieso haben Sie Angst?
35:06Ich habe doch keine Angst.
35:07Natürlich haben Sie die. Angst, dass jemand in Ihr Leben, in dem Sie sich ja ziemlich gut eingerichtet haben,
35:13so tief eindringt, dass er es am Ende vielleicht völlig auf den Kopf stellt.
35:18Ich habe einfach Schwierigkeiten mit diesen Kompromissen.
35:20Darum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.
35:26Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
35:32Na, kommen Sie. Gehen wir eintrinken.
35:38Es handelt sich bei Ihnen um eine erbliche Erkrankung, basierend auf einem genetischen Defekt.
35:43Charakteristisch dafür ist eine Verdickung der linken Herzmuskulatur. Hier sehen Sie.
35:46Und was bedeutet das jetzt für mich?
35:48Diese Veränderungen hätten jederzeit zum plötzlichen Herztod führen können.
35:52Wäre ja vielleicht auch das Beste gewesen.
35:56Na, bevor Sie jetzt Ihr Leben hier wegwerfen, denken Sie aber schon nochmal an Ihren kleinen Sohn, oder?
36:00Carlos, richtig?
36:02Wissen Sie, es gibt Väter, die lassen ihre Kinder im Stich, weil sie in erster Linie an sich selbst denken.
36:06Und es gibt Mütter, die versuchen ihre Kinder davor zu schützen, immer aufs Neue enttäuscht zu werden.
36:12Glauben Sie, ich weiß, wovon ich rede.
36:14Ich hab's doch kapiert. Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe.
36:16Ja, jetzt, wo Ihre Karriere beendet ist.
36:18Dr. Weber, bitte.
36:19Nein, Sie hatte recht. Ich weiß, was für eine Enttäuschung ich bin in jeder Hinsicht.
36:23Aber glauben Sie mir, es gibt für mich nichts Wichtigeres als meinen Jungen.
36:25Ja? Sind Sie ganz sicher?
36:30Ja.
36:31Und reden dann davon, dass es das Beste wäre, tot zu sein?
36:34Glauben Sie wirklich, das wäre das Beste für Carlos?
36:38Herr Neyers.
36:40Egal, wie oft Sie Ihren Sohn enttäuscht haben, er liebt Sie.
36:45Und diese Liebe, die ist doch das Wichtigste, oder?
36:52Katrin, wir haben uns jetzt doch für die offene OP entschieden.
36:55Gut. Der Patient ist umfassend aufgeklärt?
36:58Ja.
37:00Soll ich dich nach Hause fahren?
37:03Das sage ich nicht deinen.
37:06Ich wollte mich noch für den gestrigen Abend bedanken.
37:10Schön, dass es euch gibt.
37:11Jetzt wird man nicht pathetisch.
37:13Wieso? Nur weil du das nicht aushältst? Genauso wie die WG-Idee?
37:16Danach kannst du mich in 100 Jahren noch mal fragen.
37:19Schönen Feierabend dann.
37:21Ja, Ihnen auch. Bis morgen.
37:40Sie kriegen das hin, oder?
37:42Klar.
37:43Ja.
37:44Sind Sie bereit?
37:45Ja, wenn Sie es sind.
38:04Felix.
38:07Guten Morgen.
38:08Guten Morgen.
38:08Bitte, nur ganz kurz.
38:11Ich weiß, das ist jetzt überhaupt nicht der richtige Ort hier, aber es muss raus.
38:17Du hast recht.
38:19Ich habe recht.
38:20Vielleicht bin ich wirklich nicht bereit, Kompromisse zu machen in meinem Leben, weil das ja bedeuten könnte, dass ich mich
38:27auf jemanden einlasse.
38:28Und den könnte ich ja dann auch verlieren.
38:31Und das habe ich schon mal erlebt und das war wirklich schrecklich.
38:34Vielleicht ist du mir leid.
38:35Ich habe einfach Angst davor, mich an dich zu gewöhnen, aber das ist mein Wohnungsschiesel.
38:55Das habe ich noch nie gemacht.
38:56Es geht nicht damit.
39:01Okay.
39:02Morgen.
39:12Wir dürfen mit dir zusammen sein.
39:20Küssen im Fahrstuhl, heimlich und geschwind, führt nach der Regel meistens zu Mutter-Mit-Kind.
39:31Der war schon besser.
39:32Danke.
39:36Er hat einen guten Humor, der Doktor.
39:38Ja, ne?
39:46Na, wie fühlen Sie sich?
39:49Ja, geht's doch.
39:51Aber ich hatte angenehme Träume unter der Narkose, das war toll.
39:55Nach den ständigen Albträumen seit einem Jahr.
40:00Die OP ist auch soweit sehr gut verlaufen, aber Sie müssen noch eine Beide bei uns bleiben.
40:03Wenn Sie wieder richtig fit sind, dann geht Doktor Heimann Ihre Kniesache an.
40:10Dr. Weber?
40:12Hm?
40:13Ich hab darüber nachgedacht, was Sie gestern gesagt haben.
40:16Ich hab einfach nur Angst, dass es doch zu spät ist.
40:19Dass Carlos mich nicht mehr sehen will.
40:22Das kann natürlich sein.
40:25Vertrauen wächst nicht an einem Tag.
40:27Aber Sie haben trotz einer schweren Herzerkrankung Karriere als Sportler gemacht.
40:31Sie sind ein Kämpfer.
40:33Also kämpfen Sie jetzt um Ihren Sohn.
40:35Ja.
40:35Tag für Tag.
40:37Wie im Training.
40:38Na, vielleicht ist es auch egal, ob man gewöhnt oder verliert.
40:42Vielleicht kommt es einfach nur darauf an, weiter zu machen und nicht aufzugeben.
40:45Mhm.
40:47Geben Sie nicht auf.
40:48Ja.
40:52Besuch?
40:57Hallo.
40:59Papa!
41:07Oh mein Schiss.
41:21Hey, Mama!
41:23Ah!
41:24Also, die Physiotherapeutin ist total zufrieden.
41:27Die Hüftbeugung hat sich deutlich verbessert. Guck mal.
41:31Das ist ja toll!
41:32Ach!
41:33Oh ja!
41:35Oh!
41:36Hey, Moritz!
41:37Du machst Fortschritte. Gratuliere!
41:39Ja, ich freue mich auch sehr.
41:41Wunderbar.
41:43Ähm, jetzt wo es mir immer besser geht, dachte ich, ich könnte vielleicht den Rest der Behandlung woanders machen.
41:48Und wo?
41:53München.
41:55Ich habe lange drüber nachgedacht und ich könnte da meine Schule fertig machen und für dich wäre das doch auch
42:00viel besser.
42:00Dann musst du dich nicht mehr so um mich kümmern.
42:04Das kommt aber jetzt überraschend.
42:10Lass uns da in Ruhe immer drüber reden, ja?
42:13Ja, klar. Ich wollte auch nicht gleich morgen abhauen.
42:17Ich gehe schon mal vor. Bis gleich, ja?
42:20Sicher.
42:25Das muss das Weber-Gen sein.
42:28Erst sorgen Sie dafür, dass man sein ganzes Leben nach Ihnen ausrichtet.
42:32Und dann machen Sie Ihr eigenes Ding und lassen einen zurück?
42:34Vielen Dank!
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