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00:00:00Good evening, I'm glad you are here. Welcome to our show,
00:00:04which is very exciting to be expected, because, and there is a look
00:00:07first to Kerstin Münstermann, because the German politics
00:00:10has a little bit of a heart attack on the Liga-Spitze.
00:00:14After the election is before the election.
00:00:17All the tactics, says she, in the SPD,
00:00:20are at least since Baden-Württemberg,
00:00:23a full-of-the-Makulatur.
00:00:25You could also say, just before the match.
00:00:27But, says she, it's not very much better.
00:00:31The CDU, says she,
00:00:33has now to go to Baden-Württemberg in Rheinland-Pfalz
00:00:35the next communicative disaster.
00:00:39Because in both Wahlen, says she,
00:00:41are they so ongetreten, as they had already won.
00:00:44Welcome, I'm glad you're here.
00:00:46Yes, the Stichwort Kommunikation
00:00:47comes this man in the game, Ole von Beust,
00:00:50who could give the CDU a few satchdiennes
00:00:53and show you how to do it with Wahlen and winning.
00:00:57And so, he has just a very interesting book
00:01:00about Politiker-Blabla
00:01:02with the beautiful title
00:01:04Am Ende des Tages.
00:01:06A book full of beautiful Floskeln
00:01:08for every opportunity,
00:01:10which will guarantee
00:01:11every political career will destroy.
00:01:13We will soon hear a few examples
00:01:15and learn,
00:01:16that there is no reason to breathe,
00:01:18when the Kanzler
00:01:20once again something to the Chefsache makes.
00:01:22And the question is,
00:01:24why do Politiker speak so?
00:01:25Welcome, I'm glad you're here.
00:01:27A good question
00:01:28for the Prime Minister of Tübingen,
00:01:31for Boris Palmer,
00:01:32who is today our guest.
00:01:34And we also want to ask,
00:01:35why this CDU-Chief-Chief
00:01:37in Baden-Württemberg
00:01:39is so old to work,
00:01:40as Manuel Hagel
00:01:41can actually never become.
00:01:43He believes,
00:01:44Politiker fluechten
00:01:45in Phrasen,
00:01:46because they believe,
00:01:47it's not to say to the Wähler,
00:01:48it's not to say to the Wähler,
00:01:49it's not to say to the Wähler,
00:01:50it's not to say to the Wähler,
00:01:50it's not to say to the Wähler,
00:01:51what they think
00:01:51and what they want
00:01:52and what they want.
00:01:54Is that the reason,
00:01:55why only 4-5% of the Arbeiter
00:01:58the Arbeiterpartei SPD
00:02:00voted for?
00:02:01And what he means,
00:02:02when he says,
00:02:03we are with regard to the
00:02:04The elections in Ostdeutschland
00:02:06at the point,
00:02:07that the CDU
00:02:08must be able to think,
00:02:10if she does the AfD
00:02:11not to a coalition
00:02:13and to a certain extent
00:02:16and to a certain extent
00:02:17which could that be?
00:02:18Herzlich willkommen,
00:02:19I'm going to say that.
00:02:20And he is the
00:02:22many-faces
00:02:22Bestseller-Autor
00:02:23and the
00:02:24political scientist
00:02:24in the Rune,
00:02:25Herfried Münkler,
00:02:27the genau
00:02:27davor
00:02:28warnt.
00:02:29Of course
00:02:29he said,
00:02:30he would
00:02:30that the
00:02:31CDU
00:02:31a lot
00:02:32of new
00:02:32options
00:02:33to open
00:02:33but
00:02:34he must
00:02:35then know,
00:02:35that would
00:02:36be the
00:02:36so-called
00:02:37fascistist
00:02:37coalition,
00:02:38also the
00:02:39conservative
00:02:40Mitte,
00:02:40the
00:02:40with the
00:02:41Rechtsnationalists
00:02:42koaliert,
00:02:43genau
00:02:43that,
00:02:44what in the
00:02:44frühen
00:02:451930er-Jahren
00:02:46in Thüringen
00:02:47schon mal
00:02:48ausprobiert
00:02:48worden
00:02:48ist.
00:02:49Darüber
00:02:50müssen wir
00:02:50reden
00:02:50und auch
00:02:51über die
00:02:51Frage,
00:02:52was er mit
00:02:52Blick auf
00:02:53Baden-Württemberg
00:02:54meint,
00:02:54wenn er
00:02:54sagt,
00:02:55den
00:02:56Gerechtigkeitsbegriff
00:02:57zum zentralen
00:02:58Thema zu machen,
00:02:59ist eine ganz besondere
00:03:01Form von
00:03:01politischer
00:03:02Dummheit.
00:03:03Wie meint er das?
00:03:04Herzlich willkommen,
00:03:05freue mich sehr.
00:03:06Schön, dass Sie
00:03:06bei uns sind.
00:03:07Schönen guten Abend
00:03:08in die Runde.
00:03:08Herr Palmer,
00:03:09vielleicht die erste
00:03:09Frage an Sie.
00:03:10Sie haben am Montag,
00:03:11glaube ich,
00:03:11verkündet,
00:03:12dass Sie keinen
00:03:14Ministerposten
00:03:14unter Jim Östemier
00:03:16annehmen werden
00:03:17und wollen.
00:03:18Dabei waren Sie doch
00:03:19der Mann,
00:03:19der die Wahl
00:03:20entscheidend
00:03:20mit entschieden hat.
00:03:21Warum nicht?
00:03:22Ich habe es nicht
00:03:23am Montag verkündet,
00:03:24sondern ich habe
00:03:25am Wochenende
00:03:26mit Jim Östemier
00:03:27gesprochen.
00:03:27Wir hatten vorher
00:03:28einfach keine Gelegenheit
00:03:29dazu und habe ihm
00:03:30gesagt, dass er
00:03:31für seine weiteren
00:03:32Planungen einfach
00:03:34bitte berücksichtigt,
00:03:35dass ich Oberbürgermeister
00:03:36in Tübingen bleiben will.
00:03:37Was hat er Ihnen
00:03:37denn angeboten?
00:03:38Nichts.
00:03:39Wie?
00:03:40Nichts.
00:03:41Aber Sie hätten
00:03:41doch da was werden können.
00:03:43Das war aber nicht
00:03:44mein Bedürfnis.
00:03:44Mir ging es darum,
00:03:46mitzuwirken an diesem
00:03:47Wahlkampf, weil ich ihn
00:03:48schon mal allein von
00:03:49seiner Biografie einfach
00:03:51einen absolut
00:03:51imponierenden Menschen
00:03:52finde, sich aus quasi
00:03:54nichts hochzuarbeiten
00:03:55bis zum möglichen
00:03:57Ministerpräsidenten,
00:03:57auch Rückschläge
00:03:58hinzunehmen.
00:03:59Und weil ich glaube,
00:04:00dass er einfach für
00:04:01das Land jetzt der
00:04:02Richtige war.
00:04:02Deswegen habe ich,
00:04:03als er gesagt hat,
00:04:04würdest du mit mir
00:04:05aufträgen, gesagt,
00:04:06ja, mache ich gerne.
00:04:06Mehr war nicht.
00:04:07Okay, aber wenn es
00:04:08gerade ums Land geht,
00:04:09einen wie Sie könnte man
00:04:10doch da gut gebrauchen
00:04:11in diesem Kabinett.
00:04:12Ich freue mich jetzt
00:04:13über diese journalistische
00:04:14Bewertung, die weiß ich
00:04:15nicht zurück.
00:04:15Ja, das ist ja auch der
00:04:16Versuch, Sie ein bisschen
00:04:17in die Falle zu locken.
00:04:17Er hat Ihnen nichts
00:04:18angeboten, ja?
00:04:19Nein, hat er nicht.
00:04:20Wir haben vor der Wahl
00:04:21nicht über eine...
00:04:22Hätten Sie was angenommen?
00:04:23Nein.
00:04:24Das habe ich ihm ja auch
00:04:25jetzt nochmal persönlich
00:04:26gesagt.
00:04:26Aber warum führten Sie
00:04:27dieses Bedürfnis,
00:04:28ihn anzurufen,
00:04:30ihm zu sagen,
00:04:30dass Sie nichts werden
00:04:31wollen, obwohl er Ihnen
00:04:31gar nichts angeboten hat?
00:04:33Das wird mir jetzt
00:04:33dialektisch fest
00:04:34zu kommunizieren.
00:04:35Ja, das ist fast schon
00:04:37philosophisch.
00:04:37Wir hatten auch andere
00:04:38Themen zu besprechen,
00:04:39inhaltlicher Natur,
00:04:40da könnte ich Ihnen jetzt
00:04:41gerne drauf antworten.
00:04:42Aber alle Journalisten
00:04:43haben eine ganze Woche lang
00:04:44immer nur nach mir
00:04:45und möglichen Ämtern gefragt.
00:04:47Und dann war es vielleicht
00:04:48sinnvoll, dass die beiden,
00:04:49die da gemeint sind,
00:04:50auch einmal drüber reden,
00:04:51wie es jetzt weitergeht.
00:04:52Aber in der Bundeszentrale
00:04:53der Grünen sind ganz viele
00:04:55Steine vom Herzen gefallen,
00:04:57dass Sie das von sich aus
00:04:59kommuniziert haben
00:04:59und Cem Özdemir damit
00:05:00erspart haben,
00:05:02zwischen Ihnen
00:05:03und seiner grünen Jugend
00:05:04oder überhaupt
00:05:05seiner Partei zu entscheiden.
00:05:07Den Punkt finde ich
00:05:07viel wichtiger,
00:05:07Frau Münstermann.
00:05:08Also ich wollte immer schon
00:05:11Oberbürgermeister von Tübingen
00:05:12bleiben.
00:05:12Ich bin das 19 Jahre
00:05:13mit Leib und Selig.
00:05:14Und kommen Sie mal vorbei,
00:05:15machen Sie eine Reportage
00:05:16über Energiewende vor Ort,
00:05:18dann werden Sie verstehen,
00:05:19warum das so toll ist
00:05:20in dieser Stadt
00:05:20und ich da bleiben will.
00:05:21Naja, also wären Sie
00:05:23nicht aus der Partei ausgetreten,
00:05:25dann wären Sie vielleicht
00:05:26doch jetzt gerne
00:05:26Minister geworden.
00:05:27Nein, wäre ich nicht.
00:05:28Kommen Sie und machen Sie
00:05:29die Reportage.
00:05:30Ich glaube, Sie haben
00:05:30alle keine Vorstellung
00:05:31über die Qualität des Amtes
00:05:32eines Oberbürgermeisters.
00:05:33Doch, doch, doch.
00:05:35Ich will da nicht weg.
00:05:36Aber was ich viel relevanter
00:05:38finde als mich,
00:05:39ist die politische Frage,
00:05:40ob jemand mit meinem
00:05:41politischen Profil,
00:05:43also erfolgreich, pragmatisch,
00:05:45bei den Bürgern beliebt,
00:05:46nicht ideologisch,
00:05:47der anti-woke Grüne,
00:05:49bei den Grünen was werden könnte.
00:05:50Und die Diskussion darüber
00:05:52fand ich schon etwas ernüchternd,
00:05:54dass man mir selbst die Teilnahme
00:05:56an der Wahlparty streitig machen wollte
00:05:58und gesagt hat,
00:05:59wir wollen nicht,
00:05:59dass sich der mit uns freut.
00:06:03Was ist da passiert?
00:06:04Erste Mir hatte mich eingeladen,
00:06:05bin hingegangen zur Wahlparty
00:06:06und werde am Eingang abgefangen
00:06:09von zwei jungen Leuten,
00:06:10Grüne Jugend, denke ich jedenfalls.
00:06:12Abgefangen heißt was?
00:06:13Die haben sich vor mir hingestellt
00:06:14und haben ja gesagt...
00:06:15Den Eingang blockiert, oder wie?
00:06:17Ja, jedenfalls so,
00:06:18dass ich nicht weiter konnte.
00:06:19Dann habe ich gesagt,
00:06:19wir möchten, dass du gehst,
00:06:21du störst hier diese Party
00:06:22und du schadest Cem,
00:06:23wenn du da bist.
00:06:24Dann habe ich gesagt,
00:06:25er hat mich eingeladen
00:06:26und bevor die Diskussion
00:06:27dann eskalieren konnte,
00:06:29kam der Syrische...
00:06:30Das schadet der Party,
00:06:31aber den Wahlkampf nicht,
00:06:32wenn Sie dabei sind, ja?
00:06:33Das ist auch so eine Frage,
00:06:34wenn man akzeptiert,
00:06:35dass jemand im Wahlkampf dabei ist,
00:06:37um politische Aussagen
00:06:39zu dokumentieren,
00:06:40zu grundieren,
00:06:40weil das war der Zweck.
00:06:41Es ging nicht darum zu sagen,
00:06:42Palmer wird Minister,
00:06:43sondern Cem Özdemir
00:06:44macht einen pragmatischen Kurs
00:06:46in der Mitte,
00:06:47kümmert sich um die Probleme
00:06:48des Landes,
00:06:48die Wirtschaft,
00:06:49die flott gemacht werden.
00:06:50Und muss erfolgreich so tun,
00:06:51als wäre er nicht bei den Grünen.
00:06:53Ja, von mir aus auch das,
00:06:54aber das kann man ja
00:06:55mit dem Ex-Grün gut machen.
00:06:56Das kann man mit dem Ex-Grün
00:06:56besonders gut machen,
00:06:57ist nicht mein Thema,
00:06:59aber das war das Versprechen,
00:07:00da bin ich sicher,
00:07:00das würde er auch einlösen.
00:07:01Und wenn man das vor der Wahl duldet,
00:07:03dann kann man nicht nach der Wahl
00:07:04demjenigen,
00:07:05der dafür wesentlich steht,
00:07:07sagen, hier ist die Türke raus.
00:07:08Das ist auch nicht meine Vorstellung
00:07:09von Toleranz,
00:07:12Weltoffenheit, Pluralität.
00:07:13Aber zeigt das Problem
00:07:14der grünen Bundespartei,
00:07:15die sie hat.
00:07:17Also wenn man das nicht vereinen kann,
00:07:19am Abend eines Wahlsiegs,
00:07:21nämlich...
00:07:21Genau, Sie sagen es.
00:07:23Dann würde ich mir wünschen,
00:07:24dass die Grünen sich da
00:07:25ein bisschen offen erzeugen.
00:07:25Zeigt aber,
00:07:25dass Cem Özdemir gewonnen hat
00:07:27und aufpassen muss,
00:07:28dass kein Pyrus-Sieg wird für ihn,
00:07:30wo er ununterbrochen beschäftigt ist,
00:07:31als grüner Ministerpräsident,
00:07:33sich von der eigenen Partei zu distanzieren.
00:07:35Winfried Kretschmann
00:07:35ist das jahrelang super gelungen,
00:07:37aber Cem Özdemir,
00:07:38der ja auch mal Agrarminister
00:07:40in der Ampelregierung war,
00:07:41der einfach doch eine Verbindung
00:07:42zu den Berliner Grünen hat,
00:07:44die groß ist,
00:07:44also zu den Bundesgrünen.
00:07:46Das wird, glaube ich,
00:07:47nicht ganz einfach werden.
00:07:48Hat Sie das verletzt, Herr Palmer?
00:07:50Nein, die Verletzungen sind alt
00:07:52und die waren früher schlimm,
00:07:53weil das war für mich Familie,
00:07:54die Grünen.
00:07:55Ich war da 27 Jahre Mitglied.
00:07:56Aber ich kenne diese
00:07:57ritualisierten Auseinandersetzungen
00:07:59jetzt schon.
00:08:00Ich weiß, dass die mich ablehnen.
00:08:02Ich war nur erstaunt,
00:08:03wie weit es geht.
00:08:04Also die Anwesenheit bei einer Wahlparty
00:08:05schon zum Problem zu machen
00:08:07und dann am gleichen Wahlabend
00:08:09von Osnabrück, glaube ich auch,
00:08:11von einem 23-jährigen Studenten,
00:08:14der Vorsitzende der Grünen Jugend,
00:08:15ist zu verkünden,
00:08:16Özdemir darf den nicht zum Minister machen,
00:08:19obwohl in der Landesverfassung steht,
00:08:20dass das nur der Ministerpräsident macht.
00:08:23Nicht mal der Landtag redet damit,
00:08:24aber die grüne Jugend,
00:08:26das sind irgendwie schon
00:08:26verkehrte Vorstellungen von Wirklichkeiten,
00:08:28mit denen ich nicht gut klarkomme.
00:08:29Das ist derselbe Sprecher der grünen Jugend,
00:08:31der doch auch eine Stunde
00:08:32nach dem Wahlerfolg
00:08:33in Frage gestellt hat,
00:08:35ob Cem Özdemir überhaupt ein Grüner ist.
00:08:37Das ist natürlich noch schlimmer.
00:08:38Also zu sagen,
00:08:39der, der die Wahl gerade gewonnen hat,
00:08:41ist vielleicht gar kein richtiger Grüner.
00:08:43Wer bestimmt dann,
00:08:43wer ein Grüner ist?
00:08:44Die grüne Jugend,
00:08:45kann ich nicht viel mit anfangen,
00:08:46das muss ich einruhen.
00:08:47Gott bewahre mich
00:08:48von den eigenen Freunden,
00:08:49kann man nur sagen.
00:08:50Ja, ist das Feind, Tod, Feind, Parteifreund.
00:08:52Das war doch immer die Steigerung.
00:08:54Wobei, wenn ich das was Ketzerisches sagen darf,
00:08:58wenn ich Özdemir wäre,
00:08:59jetzt ganz theoretisch,
00:09:00ich glaube,
00:09:01ich hätte sie doch nicht gefragt,
00:09:02weil wenn sie so lange
00:09:04Oberbürgermeister waren,
00:09:05sind sie gewohnt,
00:09:05unabhängig und frei zu agieren,
00:09:07nicht mit Kabinettsdisziplin
00:09:09und dann noch jemanden zu haben,
00:09:10der, wie soll ich sagen,
00:09:11einen gewissen Geltungstrieb hatte,
00:09:12weil es ja völlig in Ordnung ist
00:09:13und auch gerne provoziert,
00:09:15was sie ja tun,
00:09:15was auch in Ordnung ist,
00:09:17auch beliebt ist.
00:09:18Den als Regierungschef
00:09:19ins Boot zu holen,
00:09:20wo ich neu bin,
00:09:21das wäre schon eine Herkulesarbeit,
00:09:22ehrlich gesagt.
00:09:23Oder den alle alleine zu halten,
00:09:24und darum, glaube ich,
00:09:25ist das auch der Grund,
00:09:26warum man sie gar nicht gefragt hat.
00:09:27Das finde ich ein total plausibles Argument
00:09:28und es ist wichtig,
00:09:29dass ein Ministerpräsident
00:09:33solche Überlegungen anstellt
00:09:35und weise Entscheidungen trifft
00:09:36und das wird der Macher,
00:09:37da bin ich total zuversichtlich.
00:09:38Man muss ja ja nicht,
00:09:38weil Sie Nein gesagt haben,
00:09:39aber trotzdem.
00:09:40Ich will das Gespräch
00:09:41zwischen den zwei Oberbürgermeistern
00:09:42hier gar nicht groß stören,
00:09:43aber deswegen gehe ich jetzt
00:09:45zu Herrn Friedmünckler.
00:09:45Herr Münckler,
00:09:46ist das eigentlich,
00:09:47Sie als Politikwissenschaftler,
00:09:48wie schauen Sie darauf,
00:09:49diese Verhärtung wirklich im Diskurs,
00:09:51dass du nicht mal am Wahlabend
00:09:53in der Lage bist zu sagen,
00:09:54komm jetzt,
00:09:56der hat sich da eingebracht,
00:09:57war offenbar maßgeblich
00:09:58auch mitverantwortlich für den Erfolg,
00:10:01aber zur Party kommst du bitte nicht.
00:10:03Diese,
00:10:06dieses Gnadenlose,
00:10:07was da drin ist.
00:10:08Na ja,
00:10:09wenn man sich die politische Entwicklung
00:10:11der letzten Jahre anguckt,
00:10:12kann man sagen,
00:10:13die Betrachtung und Beschreibung
00:10:15von politischen Konstellationen
00:10:17wird immer schwieriger.
00:10:19Und dass das Wort komplex
00:10:22eine solche Karriere gemacht hat,
00:10:24hat damit auch was zu tun.
00:10:26Komplex heißt ja eigentlich
00:10:27nicht viel mehr als das,
00:10:28was ich beabsichtige,
00:10:30in keinem Verhältnis zu dem,
00:10:32was dabei herauskommt, steht.
00:10:34Und wenn das richtig ist,
00:10:36dann muss man überlegen,
00:10:37wie kann man Komplexität reduzieren.
00:10:39Und da würde ich sagen,
00:10:40gibt es zwei Angebote,
00:10:41nämlich erstens über Personen,
00:10:43die pragmatisch,
00:10:45vielleicht charismatisch agieren.
00:10:47Also der klassische Landesvater
00:10:50oder Oberbürgermeister
00:10:51oder was es in dieser Weise gibt.
00:10:53Und das andere ist
00:10:54ideologische Angebote,
00:10:56die entsprechend binden,
00:11:00Identifikationen auslösen
00:11:02und vieles andere mehr.
00:11:03Und die beiden stehen gegeneinander
00:11:04und wahrscheinlich in keiner Partei
00:11:07so ausgeprägt wie bei den Grünen,
00:11:09die ja in vieler Hinsicht
00:11:10die politischen Auseinandersetzungen,
00:11:13die in Deutschland so führen waren,
00:11:15stellvertretend getragen haben.
00:11:16Aber ich habe da so eine komische,
00:11:18wie nennt man das,
00:11:19kognitive Dissonanz.
00:11:20Ja, okay.
00:11:20Sie sehen, was ich meine.
00:11:21Da ist auf der einen Seite
00:11:22diese Erbarmungslosigkeit
00:11:24und auf der anderen Seite
00:11:26das große Mantra von Weltoffenheit,
00:11:30Toleranz, Multikulti,
00:11:31alle Brüder und Schwestern.
00:11:32Verstehen Sie,
00:11:33das kriege ich nicht zusammen.
00:11:34Warum ist er dann kein Bruder?
00:11:37Na ja, gut.
00:11:38Ich meine, es gibt mir doch den Satz,
00:11:39und willst du nicht mein Bruder sein,
00:11:40dann schlage ich dir den Schädel ein.
00:11:42Ja, okay.
00:11:42Also das mit den Brüdern ist so eine Sache.
00:11:46Brüderlichkeit ist eigentlich ein Begriff,
00:11:49der es in die Dreierkonstellation
00:11:52der französischen Revolution
00:11:53von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
00:11:56nicht so gut geschafft hat.
00:11:57In Deutschland ist er durch den Begriff
00:11:59der Solidarität sinnvollerweise ersetzt worden.
00:12:02Weil Brüderlichkeit,
00:12:04das hat so eine wirkliche Ambivalenz.
00:12:07Und ich glaube,
00:12:08dass man die klassischen Parteien
00:12:11ganz gut beobachten kann
00:12:13zwischen denjenigen,
00:12:14die auf Programmatik
00:12:16bis hin zur Ideologie setzen
00:12:18als Komplexitätsreduzierer
00:12:20und diejenigen, die sagen,
00:12:23da kommen wir aber nicht mit durch,
00:12:25weil wir ja grundsätzlich
00:12:26Koalitionen bilden müssen,
00:12:28vielleicht nicht in Tübingen,
00:12:29aber sonst überall in der Republik.
00:12:32Und man uns hinterher sagen kann,
00:12:34wir seien eigentlich Wortbrecher
00:12:36und würden das nicht halten,
00:12:38was wir versprochen haben.
00:12:40Also Diskussion,
00:12:40die eigentlich schon in 25
00:12:42um die amtierende Regierung ausgebrochen ist.
00:12:46Und sozusagen,
00:12:47wenn diese beiden Konzepte
00:12:48unversöhnlich nebeneinander stehen,
00:12:51dann führt das permanent
00:12:53zu solchen Misstönen.
00:12:54Das ist so.
00:12:55Das wird sich auch nicht ändern.
00:12:57Und das Interessante ist,
00:12:58dass das die CDU erreicht hat,
00:13:01die eigentlich immer
00:13:02klassisch dafür gefragt hat,
00:13:04dass sie einen Vorsitzenden hat,
00:13:06der das Programm verkörpert.
00:13:08Da gab es schon Entwicklung.
00:13:09Ich habe die im eigenen Leib erlebt.
00:13:10Also wie gesagt,
00:13:1027 Jahre Mitglied der Grünen.
00:13:12Ich habe in den 90ern
00:13:13noch Parteitage verfolgt.
00:13:15Da haben Farbbeutel
00:13:16den Joschka Fischer getroffen.
00:13:19Da haben Trittin und Fischer
00:13:20gestritten,
00:13:21der offener Grünen.
00:13:22Aber es war immer klar,
00:13:23wir sind eine Partei.
00:13:24Gibt es mal nicht.
00:13:25Und ich hätte mir nie vorstellen können,
00:13:27dass ich mir in eine Situation komme,
00:13:28wo mir über ein Ausschlussverfahren gesagt wird,
00:13:30du gehörst nicht mehr dazu,
00:13:31wegen Abweichungen
00:13:32in inhaltlichen Fragen.
00:13:34Und es hat sich halt herausgestellt,
00:13:35dass bei den Grünen
00:13:36Abweichungen in bestimmten Themen
00:13:38nicht mehr toleriert wird.
00:13:40Und das ist Migration insbesondere
00:13:41und Identitätspolitik.
00:13:43Und wir haben insgesamt
00:13:44als Gesellschaft
00:13:46einen Schwenk gemacht,
00:13:47weg von Habermas,
00:13:49das sanfte Zwang
00:13:50des besseren Arguments,
00:13:51den ich immer befürworten würde,
00:13:53hin zu der starke Zwang
00:13:55der stärkeren Diffamierung.
00:13:56Also wir sind weg
00:13:57von Argument
00:13:58hin zur Diffamierung.
00:13:59Wenn du den Gegner still machen kannst,
00:14:01zum Schweigen bringen kannst,
00:14:02ist das viel einfacher,
00:14:03als ihn mit einem Argument,
00:14:04was kompliziert ist,
00:14:06in irgendeiner Weise zu überzeugen.
00:14:08Dafür steht leider
00:14:09die Entwicklung
00:14:10meiner Partei symbolisch,
00:14:11meiner alten Partei symbolisch,
00:14:13weil dort diese Theorien
00:14:14ganz besonders stark entwickelt
00:14:17und vertreten wurden.
00:14:18Man gemerkt hat,
00:14:18wie weit man damit kommt,
00:14:20dass man die anderen
00:14:20vom Diskurs damit ausgrenzen
00:14:22und zurücktreten kann,
00:14:23mit der leider blöden Nebenfolge,
00:14:25dass es in der Wahlkabine
00:14:27nicht mehr möglich ist
00:14:28und die Leute dann,
00:14:29Reaktanz heißt das Phänomen,
00:14:31erst recht in die extreme
00:14:32andere Richtung ausweichen.
00:14:34Das ist kein Problem der Grünen.
00:14:35Entschuldigung.
00:14:35Das ist ein gesellschaftliches Problem.
00:14:38Ja, ist es.
00:14:39Die Diskussion liegt sicherlich
00:14:41an den sogenannten sozialen Netzwerken
00:14:43und so weiter,
00:14:44dass die Diskussion
00:14:44unglaublich boshaft,
00:14:46polarisierend geworden ist
00:14:47und wer Aufmerksamkeit haben will,
00:14:49muss immer noch einen drauflegen
00:14:50und das eskaliert immer mehr.
00:14:51Und das, was in der Gesellschaft ist,
00:14:53ist in der Partei vermutlich genauso.
00:14:54Aber interessant ist doch
00:14:55bei dieser Wahl,
00:14:56dass jetzt mal abgesehen
00:14:57von angeblichen Schmutzkampagnen,
00:14:59die ja ein altes Video waren,
00:15:01aber dass es ja jemand geschafft hat,
00:15:02nämlich Jim Özdemir,
00:15:03mit einer Persönlichkeit
00:15:04einen Wahlkampf zu bestimmen.
00:15:05Man sieht die Wahlplakate.
00:15:07Das ist das Charisma,
00:15:08von dem Herr Münkler gerade gesprochen hat.
00:15:09Sie wurden nicht erwähnt.
00:15:11Der Bundestrend der Grünen
00:15:12ist seit der Wahl
00:15:13und der Ampel sehr schlecht.
00:15:16Deswegen war ja auch Manuel Hagel
00:15:18so siegessicher,
00:15:19die CDU so siegessicher,
00:15:20dass man es auf jeden Fall schaffen wird,
00:15:22den beliebten grünen Ministerpräsidenten
00:15:23Kretschmann abzulösen
00:15:25und die Staatskanzlei
00:15:26für sich zu gewinnen.
00:15:27Und dann hat einer
00:15:28mit Integrität, Empathie,
00:15:31ohne Parteipopanz sozusagen
00:15:33angefangen,
00:15:35tatsächlich zu Deloitte.
00:15:37Das spielt bei der SPD
00:15:38ja auch immer eine große Rolle.
00:15:39Wir müssen da hingehen.
00:15:41Entschuldige,
00:15:41wenn man dieses Plakat da sieht,
00:15:43liegt Özdemir ungefähr so parteilos
00:15:45wie Boris Palmer gerade.
00:15:47Ungefähr so.
00:15:48Und Interessantes aber.
00:15:49Auch farblich,
00:15:50sagen wir mal,
00:15:51aufeinander abgestimmt.
00:15:52Ich meine,
00:15:52wenn ich heute
00:15:52dieses sanfte,
00:15:53verträumte Grün sehe,
00:15:55dieses Mildgrün.
00:15:56Aber für die Union
00:15:56und das finde ich so interessant.
00:15:58Westgrün.
00:15:59Das ist auch auf dem Plakat zu sehen.
00:16:01Mehr ist es nicht.
00:16:01Genau.
00:16:02Aber die Union hat
00:16:03rund um die MSC,
00:16:05also die Münchner Sicherheitskonferenz
00:16:06war ja so,
00:16:07ich würde sagen,
00:16:07drei Wochen vorher,
00:16:09wurde die ganz nervös.
00:16:10Warum?
00:16:11Weil kluge Unionsstrategen,
00:16:13zumindest die,
00:16:13die ich dafür halte,
00:16:14auf einmal sagten,
00:16:15verdammt noch mal
00:16:16diese Valentinstagsgeschichte.
00:16:18Sie wissen,
00:16:18was ich meine.
00:16:19Also Tim Özdemir
00:16:20hat seine Partnerin geheiratet.
00:16:22Wunderschön.
00:16:22Sie waren der,
00:16:23der das Paar trauen durfte.
00:16:25Das ist an und für sich
00:16:27eine private Sache.
00:16:28Die kommt dann,
00:16:28auf irgendwelchen Wegen
00:16:29wird sie doch publik.
00:16:30Also sprich,
00:16:31es war schon auch nicht
00:16:32so ganz unbewusst gesetzt,
00:16:34dass er das Publik machen wollte.
00:16:36Das war Wahlkampf.
00:16:37Und da wurde,
00:16:38ab diesem Zeitpunkt,
00:16:39bestreiten Sie jetzt nicht.
00:16:41Ab diesem Zeitpunkt
00:16:41wurde die CDU,
00:16:43das war ganz bewusst gesetzt,
00:16:45ab diesem Zeitpunkt nämlich,
00:16:46wurde man in der Union
00:16:47und in der CDU
00:16:48unglaublich nervös.
00:16:49Warum?
00:16:50Weil man gesagt hat,
00:16:51von außen,
00:16:52shit,
00:16:53der schafft es jetzt sozusagen,
00:16:55dieses Anti-Woke,
00:16:57das man ihnen unterstellt einfach,
00:16:59ehemals Grün.
00:17:00Zu Recht würde ich sagen.
00:17:01Und sozusagen,
00:17:02ja, würde ich auch sagen,
00:17:04und den,
00:17:05doch die grüne Partei,
00:17:07für die er nun mal angetreten ist,
00:17:08in Baden-Württemberg zu verbinden.
00:17:10Und ab diesem Zeitpunkt
00:17:11war man in der Union
00:17:13so sehr nervös
00:17:14und ja,
00:17:15dann hat es auch nicht gelangt.
00:17:16Denn der Parteitag in Stuttgart,
00:17:18wo man alle inhaltlichen Debatten
00:17:19unterbannt,
00:17:20nur damit Manuel Hagel
00:17:21die Stuttgarter Staatskanzlei bekommt,
00:17:24hat also auch nicht gefruchtet.
00:17:26War auch nicht erfolgreich.
00:17:27Und deswegen setzt ja die SPD
00:17:29am Wahlabend,
00:17:30Lars Klingbeil zuhörend,
00:17:325,5 Prozent bei der SPD,
00:17:34der sich mit Baden-Württemberg,
00:17:35ich glaube,
00:17:36einen Satz sehr bedauerlich aufhielt
00:17:37und sofort sagte,
00:17:38wir blicken nach Rheinland-Pfalz,
00:17:40dort haben wir persönlich
00:17:41einen Ministerpräsidenten,
00:17:43der für uns eine Persönlichkeit ist
00:17:44und der wird das für uns
00:17:45hoffentlich wieder richten.
00:17:46Deswegen,
00:17:47diese Wahlen jetzt
00:17:48sind für, glaube ich,
00:17:49die deutsche Politik
00:17:50schon sehr prägend,
00:17:52weil es weg von Parteibindungen
00:17:54hin zu Persönlichkeiten geht.
00:17:56Was das mit der AfD bedeutet,
00:17:59können wir nochmal anders diskutieren.
00:18:00Ich kann Ihnen gerne noch aufklären
00:18:01mit der Hochzeit.
00:18:01Mit der Hochzeit.
00:18:02Also wenn Sie so überzeugt sind,
00:18:03dass das Wahlkampf ist.
00:18:04Nein, nein,
00:18:04also es ist natürlich bestimmt.
00:18:06Ich kann Ihnen erklären,
00:18:06wie es dazu kam.
00:18:07Das war die deutsche Bürokratie.
00:18:09Die beiden waren schon mal verheiratet,
00:18:11mussten sich scheiden lassen,
00:18:12brauchten eine gerichtliche Erlaubnis
00:18:14und die ist erst im Februar gekommen.
00:18:16Die hatten geplant,
00:18:16im November zu heiraten,
00:18:18aber es ging halt nicht.
00:18:19Und dann wollten sie nicht länger warten.
00:18:21Das kann ich jetzt wirklich
00:18:22authentisch berichten,
00:18:22weil die Anmeldung zur Ehe
00:18:24im Standes am Tübingen
00:18:25schon Anfang November erfolgt ist.
00:18:26Okay, das heißt,
00:18:28ähnliche Situation
00:18:28wie mit der grünen Kollegin,
00:18:30die auch nicht länger warten konnte
00:18:31mit dem Video.
00:18:32Man könnte sagen,
00:18:33sie hätten noch warten können
00:18:34bis nach der Wahl.
00:18:35Aber geplant war es schon im November
00:18:36und das, was Sie gerade beschrieben hat,
00:18:38dass das im November
00:18:39dann so passiert wäre,
00:18:40ist wahrscheinlich gar nicht der Fall.
00:18:42Also von daher,
00:18:43ist halt Wirkung nicht.
00:18:44Ist ja auch alles in Ordnung,
00:18:45aber die haben geheiratet,
00:18:46weil sie sich lieben
00:18:46und nicht weil Wahlkampf war.
00:18:48Über dieses Video
00:18:48müssen wir einmal sprechen.
00:18:49Wer, weil wir vorhin gerade gesagt haben,
00:18:51oder Boris Palmer sagte gerade,
00:18:53Herr von Weiß,
00:18:55persönliches Diffamieren.
00:18:56War das das?
00:18:58Das spielt heute
00:18:59mehr denn eher eine Rolle.
00:19:00Das Video habe ich nicht
00:19:01als Diffamieren empfunden.
00:19:02Das war ja,
00:19:03ist ja nicht gekünstelt,
00:19:04ist ja nicht gefaked,
00:19:05sondern das war ja...
00:19:06Nee, es hat so stattgefunden.
00:19:06Hat so stattgefunden.
00:19:07Und was so stattgefunden hat,
00:19:09kann ja nicht irgendwie
00:19:10was Unfaires sein.
00:19:12Vielleicht war die Argumente
00:19:13hinterher sehr scharf oder unfair,
00:19:15aber das ist auch Wahlkampf
00:19:16auf der anderen Seite.
00:19:16Wenn Sie so etwas gehabt hätten
00:19:18zu Ihrer Zeit,
00:19:19hätten Sie das benutzt?
00:19:21Kann sein, ja.
00:19:22Würde ich nicht ausschließen.
00:19:23Ja, ganz ehrlich.
00:19:24Ja, vermutlich.
00:19:25Sehr ehrlich.
00:19:27Oder ich hätte jemanden gefunden,
00:19:28der es nutzt.
00:19:29Also nicht selber vermutlich,
00:19:30sondern man hätte es gespielt.
00:19:31Noch ehrlich.
00:19:32Finde ich auch gar nicht so dramatisch.
00:19:34Es ist ja nichts irgendwie,
00:19:36wo jemand in der privaten Umgebung
00:19:37gefilmt wurde
00:19:38und das dann kontra Gesetz
00:19:40öffentlich gemacht wurde.
00:19:42Und die Reaktion fand ich
00:19:44auch gar nicht so schlimm,
00:19:45die er gemacht hat.
00:19:45Ich glaube nebenbei auch nicht,
00:19:47dass das Video irgendwie
00:19:48wahlentscheidend war.
00:19:48Das waren ganz andere Gründe.
00:19:49Sondern wir haben das ja gesagt,
00:19:51die Leute wollten
00:19:51eine Landesvaterperson
00:19:52mit Erfahrung,
00:19:54jemanden, der auch gegen
00:19:55die eigene Partei ist,
00:19:56finden Leute gut,
00:19:57also gegen die eigene Partei
00:19:58profilieren,
00:19:59kommt immer gut an,
00:20:00der hat Bundeserfahrung
00:20:01und ist ein integrativer Typ.
00:20:03Und dagegen der arme Manuel Hagel,
00:20:05ich habe das,
00:20:05das haben wir nicht mal erlebt,
00:20:06gegen Henning Foscherau
00:20:07bin ich mal angetreten.
00:20:08Manche werden es erinnern.
00:20:09Da war der große
00:20:09Henning Foscherau,
00:20:11der große Henning Foscherau
00:20:12und ich war der kleine Ole
00:20:13mit den kurzen Hosen.
00:20:14Da konnte ich machen,
00:20:15was ich wollte.
00:20:15Keine Chance.
00:20:16Und das ist relativ
00:20:18vergleichbar gewesen.
00:20:19Das ist keine neue Situation.
00:20:20Und die kann man auch
00:20:21weder im Hagel vorwerfen,
00:20:22aber auch der anderen Seite
00:20:23nicht,
00:20:23dass sie einen guten
00:20:24Wahlkampf gemacht hat.
00:20:25Das gehört doch dazu.
00:20:26Und eine klare Sprache gefunden.
00:20:27Wenn ich eins noch sagen darf,
00:20:29das ist ein Grundproblem
00:20:30aus meiner Sicht
00:20:30von CDU-Wahlkämpfen.
00:20:32Die CDU ist im Marketing
00:20:33und werblich
00:20:35ein bisschen stehen geblieben
00:20:37in den 90er Jahren.
00:20:38Deswegen habe ich vorhin gesagt,
00:20:39dass die Kampagne wirkte
00:20:40so alt wie Hagel
00:20:41wie die werden kann.
00:20:42Ja, die ist so.
00:20:42Helden im Hintergrund,
00:20:43am besten eine deutsche
00:20:44und die Landesfahne stilisiert
00:20:45und ein lächelnder Kandidat.
00:20:47Das ist nicht nur Manu Hagel,
00:20:48das ist überall so.
00:20:49Mit einem Spruch
00:20:50Neue Kraft fürs Land.
00:20:52Oder ein mehr ein Plus.
00:20:53Oder eine völlig
00:20:55nichtsagende Formulierung.
00:20:57Eine Sicherheit für alle.
00:20:58Ein mehr ein Plus ist schön.
00:20:59Die SPD hat mal plakatiert
00:21:00und stimmig heute schon
00:21:01Gerechtigkeit für alle.
00:21:02Das ist ähnlich.
00:21:03Also diese völligen
00:21:05inhaltslosen Dinge,
00:21:06die auch keiner glaubt,
00:21:07mit einer werblichen Attitüde,
00:21:10die in den 90er Jahren
00:21:11letztes Jahrhundert ist.
00:21:12Das ist ja,
00:21:14wie soll ich es sagen,
00:21:14liebenswert Hausbacken irgendwo
00:21:16und wirkt ja auch sehr aufrichtig
00:21:17und ehrlich.
00:21:18Aber werblich ist es
00:21:19eine ziemliche Katastrophe
00:21:20im Verlauf.
00:21:21Ich hätte das Video,
00:21:22die Frage war ja,
00:21:23was ich gemacht hätte,
00:21:24ich hätte es nicht platziert
00:21:26vor der Wahl.
00:21:26Ach Gott.
00:21:27Ich sage, warum?
00:21:29Weil ich auch die These teile,
00:21:30dass es zum Wahlerfolg
00:21:31eher nicht beigetragen hat,
00:21:33weil es auf der CDU-Seite
00:21:34stark mobilisiert hat.
00:21:35Geld ist das, glaube ich auch.
00:21:36Die CDU hat nämlich 30 Prozent
00:21:38in den Umfragen
00:21:39in den Tagen vorher nicht gehabt.
00:21:41Und ich war auf einer Obstbaumwesen.
00:21:43Ich gebe auch Baumschnittkurse
00:21:44im Stil meines Vaters mit 100.
00:21:46Das sind meistens Männer,
00:21:47die Bäume schneiden wollen
00:21:48im Württembergischen.
00:21:49Als das rauskam,
00:21:50haben alle gesagt,
00:21:52das ist eine Sauerei.
00:21:53Was soll das?
00:21:54Also das hat auch CDU-Fähler
00:21:55mobilisiert,
00:21:56zur Urne zu gehen.
00:21:56So wie es auch Leute,
00:21:58die vielleicht sonst links
00:21:59oder SPD gewählt hätten,
00:22:01zu Östem und den Grünen gewählt.
00:22:02Aber beides.
00:22:03Und was da stärker war,
00:22:04kann man nicht sagen.
00:22:06Aber was sicher ist,
00:22:07und das erleben wir jetzt
00:22:07eine ganze Woche,
00:22:09dass die Verärgerung,
00:22:10die Wut,
00:22:10die Kränkung bei der Union,
00:22:11auf die man als Koalitionspartner
00:22:14angewiesen ist,
00:22:14weil es gar keinen anderen gibt,
00:22:15dass die riesig ist.
00:22:16Das heißt,
00:22:17der Preis dieses Videos
00:22:18in politischer Handlungsfähigkeit
00:22:20ist groß.
00:22:20Und nur deswegen, glaube ich,
00:22:22wäre es besser gewesen,
00:22:23es nicht vor der Wahl zu bringen.
00:22:24Und es war eine Einzelaktion
00:22:26einer Bundestagsabgeordneten,
00:22:28die Cem Özdemir dazu
00:22:29auch nicht befragt hat.
00:22:31Und das ist das,
00:22:32was die CDU halt nicht glauben möchte,
00:22:33dass so etwas bei den Grünen
00:22:35passieren kann,
00:22:36ohne dass er eingebunden ist.
00:22:37Zwei Tage bevor das Ding...
00:22:39War er dort.
00:22:39Gibt es ein Foto.
00:22:40Ich weiß das alles.
00:22:41Es gibt auch ein Video sogar.
00:22:42Die Treffen sich.
00:22:43Ist ja auch in Ordnung
00:22:44bei einer Wahlkampfveranstaltung.
00:22:45Sie glauben es vielleicht nicht,
00:22:46aber ich weiß,
00:22:47dass sie ihn einfach
00:22:48nicht einbezogen hat.
00:22:49Sie hat es als Einzelaktion
00:22:51aus Überzeugung gemacht.
00:22:52Aber so dramatisch
00:22:53ist es ja auch alles nicht.
00:22:54Kann man auszusehen,
00:22:54aber für die CDU
00:22:55in Baden-Württemberg
00:22:56wird es dramatisch interpretiert.
00:22:57Aber ich glaube,
00:22:58Herr Palmer,
00:22:59der Grund,
00:22:59warum die so gekränkt reagieren,
00:23:00ist nicht das Video,
00:23:01sondern irgendwie das Gefühl,
00:23:03um einen sicheren Sieg
00:23:05gebracht worden zu sein.
00:23:06Und man muss sich
00:23:07in einen Wahlkampf
00:23:07reinversetzen,
00:23:08egal wer das macht.
00:23:09Da sind die Monate unterwegs
00:23:10bei Wind und Wetter
00:23:11mit allen Leuten,
00:23:12mit Hoffnungen,
00:23:13mit Träumen,
00:23:13mit Illusionen,
00:23:14Enttäuschung ist eine irre Zeit.
00:23:16Und dann haben sie diesen Druck
00:23:17und hoffen drauf
00:23:17und dann wird es ganz knapp nichts.
00:23:19Und das ist einfach
00:23:19die Enttäuschung groß.
00:23:20Das wird sich ja widerlegen.
00:23:22Wie der Hamburger sagt,
00:23:23das bleibt sich ernst recht.
00:23:25Er hat ja das Ergebnis
00:23:26auch verbessert.
00:23:27Ja, erheblich sogar.
00:23:28Die Kommunikation am Wahlabend
00:23:29Und er hat ja auch
00:23:30ganz souverän reagiert,
00:23:31finde ich.
00:23:31Das waren ja mehr andere
00:23:32Entscheidungen.
00:23:32Ja, ja, genau.
00:23:33Exakt.
00:23:33Manuel Hage hat da
00:23:34sehr souverän reagiert.
00:23:35Jens Spahn hat
00:23:35und die Bundespartei hat
00:23:37in diesen Sound gefahren.
00:23:38Wollen wir mal kurz reinschauen,
00:23:39wie die reagiert haben.
00:23:40Das war wirklich verhärtet.
00:23:42Ich glaube,
00:23:42wir haben es vorliegen.
00:23:43Schau mal.
00:23:44Da ist auch
00:23:45ein Schmutzwahlkampf
00:23:46geführt worden,
00:23:47deutlich unter der Gürtellinie.
00:23:48Und es gab auch
00:23:49eine Schmutzkampagne
00:23:50gegen den Spitzenkandidaten
00:23:51der CDU,
00:23:52wie man ihn in der weiteren
00:23:53politischen Mitte
00:23:54jedenfalls noch selten gesehen hat.
00:23:56Schmutzkampagne.
00:23:57Kampagne aus dem Kreis der Grünen.
00:23:59Die CDU ist eine bürgerliche Partei
00:24:01und damit sind wir
00:24:02eine anständige Partei.
00:24:03Wir kämpfen entschlossen
00:24:04um den Sieg bei Wahlen,
00:24:06aber wir tun das
00:24:07mit Anstand
00:24:08und nicht andersherum.
00:24:12Es gab keine Schmutzkampagne.
00:24:15Das Interessante ist,
00:24:17dass in dem Maße,
00:24:18in dem der Wahlkampf
00:24:19personalisiert wird
00:24:20oder die Bedeutung der Person
00:24:22ins Zentrum rückt
00:24:24und man das Gefühl hat,
00:24:25das wird wahlentscheidend sein,
00:24:27ob der Hagel
00:24:28oder der Ötze mehr
00:24:29die größeren Sympathien
00:24:31für sich mobilisieren,
00:24:32dann wird natürlich auch
00:24:34versucht werden,
00:24:35den am Zeug zu flicken.
00:24:37Das ist eine normale
00:24:39Begleiterscheinung.
00:24:40Dort, wo es eher um
00:24:41ideologische oder
00:24:42programmatische Formierungen geht,
00:24:44versucht man dann
00:24:45eher über
00:24:47eine ausgeprägte Programmatik
00:24:49deren Kickpunkte herauszufinden
00:24:51und sagen,
00:24:51wo die ins Gegenteil umschlägt
00:24:53und derlei mehr.
00:24:54Das sind dann die
00:24:55genuinen politischen Debatten
00:24:57und in dem Maße,
00:24:58in dem Personen
00:24:59eine zunehmende Bedeutung haben,
00:25:02wird das gespielt.
00:25:04Und zwar
00:25:05erstens das Video,
00:25:07aber zweitens dann
00:25:08die heftige Bezeichnung,
00:25:10die wir eben gerade gesehen haben,
00:25:11das ist eine Schmutzkampagne.
00:25:13Dabei war es ja eigentlich
00:25:14nicht viel anderes,
00:25:16wie Sie gesagt haben,
00:25:18als die Wiederholung
00:25:20eines Videos,
00:25:21das mal gedreht worden ist
00:25:22und das längst
00:25:23in Vergessenheit geraten ist
00:25:24und eigentlich auch
00:25:26so etwas Furchtbares
00:25:28über Hagel
00:25:28gar nicht ausgesagt hat,
00:25:30sondern halt so eine Situation.
00:25:31Also wenn ich mal
00:25:32ein Beispiel nenne,
00:25:33was ich es auch mal erlebt habe
00:25:34in einem Wahlkampf,
00:25:35wo ich Spitzenkandidat war.
00:25:36Da hat der SPD-Kandidat
00:25:38oder die SPD gesagt,
00:25:38da ging es um Kita und Schulen.
00:25:40Naja, Herr von Beuys
00:25:41kann das ja auch nicht beurteilen.
00:25:42Der hat ja,
00:25:43wie wir wissen,
00:25:43keine Kinder.
00:25:44Und der Gegenkandidat
00:25:45hat sich dann mit einem
00:25:46so einem Bobbycar,
00:25:47so einem Kinderspielzeug
00:25:47auf dem Plakat abbilden lassen,
00:25:49um zu zeigen,
00:25:50der hat aus Erfahrung
00:25:51Kinder und ich,
00:25:52man weiß dann,
00:25:53der hat keine Kinder.
00:25:54Da hätte ich mich auch
00:25:55riesig empören können,
00:25:57aber komm,
00:25:57komm, leck mich, Entschuldigung.
00:25:59So what?
00:25:59Hat auch keiner
00:26:00weiter ernst genommen.
00:26:01Da hätte ich auch
00:26:01eine Sportkampagne und so weiter.
00:26:02Das gehört zum Wahlkampf dazu.
00:26:04Also wie heißt das so schön,
00:26:06wer in die Küche geht,
00:26:06darf verhitze keine Angst haben.
00:26:08Oder wenn du den Gürtel hier trägst,
00:26:10ist alles unter der Gürtellinie.
00:26:13Ja, und es ist auch,
00:26:14Frau Münzler,
00:26:15man ist es auch
00:26:15ein bisschen wohlfeil.
00:26:17Also wenn Friedrich Merz sagt,
00:26:18ich habe das gerade noch im Kopf,
00:26:19wir sind eine anständige Partei.
00:26:21Ich meine,
00:26:22das, was zwei Jahre gelaufen ist
00:26:24an Kampagne
00:26:25gegen den Satan
00:26:26mit der Wärmepumpe,
00:26:27Robert Habeck.
00:26:28Also,
00:26:29ich glaube,
00:26:30Friedrich Merz war auch
00:26:31unter dem Eindruck
00:26:33einer schon sicher
00:26:33geglaubten Wahlsiegs.
00:26:35So,
00:26:35lass uns darüber mal reden.
00:26:36Er war Präsidenten
00:26:36in diesem Jahr
00:26:37und hat dann am Montag
00:26:38auch dazu gegriffen.
00:26:40Ich finde es auch,
00:26:41ich finde es letztlich
00:26:42jetzt albern.
00:26:43Also es gibt fast
00:26:45einen Gleichstand
00:26:46an Mandaten
00:26:47im Stuttgarter Landtag.
00:26:48Das ist ein Problem
00:26:49für jeden,
00:26:50der jetzt verhandeln muss,
00:26:51völlig klar.
00:26:52Das ist ein Erfolg
00:26:52für die CDU.
00:26:53Sie haben sich verbessert.
00:26:54Wir stellen jetzt nicht
00:26:55den Ministerpräsidenten,
00:26:56der ist total jung,
00:26:57der Manuel Hagel.
00:26:58Wenn der es klug anstellt,
00:26:59kann er dem
00:27:00Cem Özdemir ganz viel abbringen
00:27:01und dann ist gut jetzt.
00:27:03Aber das merkt,
00:27:04daran sieht man
00:27:04und das meine ich ja auch
00:27:05mit Blick auf Rheinland-Pfalz,
00:27:07dass es auch für Friedrich Merz
00:27:09um ganz viel geht.
00:27:10Weil wir reden jetzt nicht
00:27:11von der Wahl
00:27:11in Sachsen-Anhalt,
00:27:12wo schon eingepreist ist,
00:27:14oh, das wird knapp
00:27:15mit der AfD,
00:27:16sondern wir reden davon,
00:27:17dass die CDU
00:27:17noch Wahlen gewinnen kann,
00:27:19überzeugend gewinnen kann,
00:27:20Landesvater sein.
00:27:21Das hat auch was
00:27:22mit der Kern-DNA
00:27:24der CDU zu tun,
00:27:25würde ich sagen.
00:27:26Und da punktet er
00:27:28mit seiner Regierungskoalition
00:27:30gerade nicht
00:27:31und die Landesverbände
00:27:32schwächeln auch.
00:27:32Und das ist am Ende
00:27:33auch ein Problem
00:27:34für seinen Rückhalt
00:27:35in der Partei
00:27:36und das kann interessant werden
00:27:37für seine Kanzlerschaft,
00:27:39die ist noch ganz jung,
00:27:40zehn Monate.
00:27:41Das kann interessant werden
00:27:42für,
00:27:43wer kommt nach ihm
00:27:44in der CDU?
00:27:45Hendrik Wüst,
00:27:46der nordrhein-westfälische
00:27:48Ministerpräsident,
00:27:49schickt sich an,
00:27:50ein gutes Landtagswahlergebnis
00:27:52im nächsten Jahr
00:27:52zu bekommen,
00:27:53laut Umfragen.
00:27:54Das ist eine Gemengelage
00:27:55und ich glaube,
00:27:56das hat den
00:27:56sauertöpfischen Blick
00:27:57und diese Schmutzkampagne
00:27:59und wir sind doch
00:27:59anständig erklärt.
00:28:01Welche Rolle spielt dabei,
00:28:02weil wir heute auch ein bisschen
00:28:03über Sprache sprechen,
00:28:04Floskel da hinten,
00:28:05jetzt gilt's,
00:28:06der Richtige für Rheinland-Pfalz
00:28:08und so weiter,
00:28:08was war es?
00:28:09Mehr plus vom mehr
00:28:09und so.
00:28:11Welche Rolle spielt das,
00:28:12die Ansprache,
00:28:13die offensichtlicher Münkler
00:28:14nicht mehr funktioniert,
00:28:15wenn man mitkriegt,
00:28:17dass die
00:28:18selbst erklärte
00:28:19Arbeiterpartei,
00:28:20SPD,
00:28:21keine Arbeiter mehr hat,
00:28:22die sie wählt
00:28:23oder wählen,
00:28:24ähnlich bei der Linkspartei,
00:28:26die sich auch sozusagen
00:28:27als Vertreter der Arbeiter
00:28:29auf,
00:28:31nicht aufspielen,
00:28:32aber gerieren.
00:28:33Und es funktioniert nicht mehr.
00:28:34Die sich schon
00:28:35auf der Zielgerade
00:28:36wähnen,
00:28:37und zwar vorne,
00:28:38dass die versuchen,
00:28:39nichts falsch zu machen.
00:28:41Und sehr zurückhaltend
00:28:43sind mit pointierten Äußerungen.
00:28:45Pointierte Äußerungen
00:28:46sind für die einen
00:28:48wunderbar
00:28:48und für die anderen
00:28:49haben sie eher
00:28:50eine abschreckende Funktion,
00:28:52nicht?
00:28:52Der Richtige
00:28:53für Rheinland-Pfalz,
00:28:54na gut,
00:28:54das ist eigentlich
00:28:55eine Aussage,
00:28:56die gar nichts sagt
00:28:57und bei dem anderen
00:28:58jetzt gilt's
00:28:59sagt genauso wenig,
00:29:01nicht?
00:29:01Das sozusagen,
00:29:01die beiden
00:29:02sind im Prinzip
00:29:05personifizierte Angst
00:29:05mit den Sprüchen,
00:29:07die unterstehen.
00:29:08Ja, genau.
00:29:09Und das hat etwas zu tun,
00:29:11was sehr viel grundsätzlicher ist
00:29:13als das,
00:29:14was wir bislang besprochen haben,
00:29:15nämlich der fundamentale
00:29:17Krise des
00:29:18Parteiensystems,
00:29:18in die wir hineingegangen sind.
00:29:20Wir haben bislang
00:29:21sozusagen das Aufregnis
00:29:23der Ergebnisse
00:29:24in Baden-Württemberg,
00:29:25nämlich das Verschwinden
00:29:26der FDP
00:29:26in ihrem eigentlichen
00:29:28Stammland
00:29:29nicht besprochen.
00:29:31Und wenn man sich
00:29:32überlegt,
00:29:33welche Funktion
00:29:34die FDP mal
00:29:35in der Geschichte
00:29:35der Bundesrepublik
00:29:37bis zum ersten Kabinett
00:29:38Schröder-Fischer
00:29:39gehabt hat,
00:29:40nämlich dass alle
00:29:41Koalitionswechsel
00:29:42Ergebnis
00:29:43eines geänderten
00:29:45Koalitionsverhaltens
00:29:46der FDP
00:29:47gewesen sind,
00:29:48sodass man fast
00:29:49sagen konnte,
00:29:50naja,
00:29:50der FDP
00:29:50konnte es ja gleich sein,
00:29:51wer unter ihr
00:29:52Kanzler gewesen ist,
00:29:53um das etwas zu übertreiben.
00:29:55Und auf einmal
00:29:56sind sie nicht mehr da.
00:29:57Und wir haben
00:29:58ein völlig anderes
00:29:59Parteiensystem.
00:30:00Und die kommen nicht wieder.
00:30:02Und die Volksparteien
00:30:04schwächeln
00:30:04auf der ganzen Linie.
00:30:07Ich meine,
00:30:08wir leben in Deutschland...
00:30:09Entschuldigung,
00:30:09ganz kurz,
00:30:10Herr Mückler,
00:30:10der Blick auf diesen Balken da,
00:30:11die SPD ist jetzt,
00:30:13Sie reden von der FDP.
00:30:15Ja.
00:30:15Die SPD ist ganz kurz davor.
00:30:17Ist völlig richtig.
00:30:19Ist völlig richtig.
00:30:20Nur wahrscheinlich haben
00:30:22diejenigen,
00:30:23die noch SPD wählen wollten,
00:30:25in der Situation
00:30:25zu denen gehört,
00:30:27die gesagt haben,
00:30:27wir wählen aber den Cem.
00:30:29Weil das für uns
00:30:30die bessere Lösung ist.
00:30:32Sie kommt unseren
00:30:32Vorstellungen näher.
00:30:34Und oft sind ja
00:30:35bei solchen Wahlen
00:30:36nicht unbedingt
00:30:37die Ergebnisse,
00:30:38die dann in den Balken
00:30:39dastehen,
00:30:39sondern die Wählerwanderungen.
00:30:41Das Spannendere
00:30:42und Interessantere.
00:30:44Und dass also von den
00:30:46wenigen SPD-Wählern
00:30:47dann doch noch mal
00:30:48relativ viele
00:30:49zu den Grünen gegangen sind
00:30:51und auch relativ viele
00:30:52zur AfD,
00:30:53das zeigt das Problem,
00:30:54dass die Sozialdemokraten
00:30:56nicht mehr in der Lage sind,
00:30:58die Vorstellung,
00:31:00die sie mal stark gemacht hat,
00:31:01nämlich nicht an einzelne
00:31:02Gerechtigkeit zu adressieren,
00:31:04sondern die Idee zu vertreten,
00:31:06dass die untere Hälfte
00:31:07der Gesellschaft
00:31:08in einem kollektiven Aufstieg
00:31:09nach oben kommt.
00:31:11Da muss man gar nicht
00:31:13so viel an die Einzelnen sagen,
00:31:14sondern solange das gewirkt hat,
00:31:17war man in der Lage,
00:31:17in die Nähe von 45
00:31:20und mehr Prozent zu kommen.
00:31:22Das ist vorbei.
00:31:23Und das, glaube ich,
00:31:24sind so fundamentale Veränderungen
00:31:27im Sinne einer Fragmentierung,
00:31:29die halt durch entweder
00:31:30starke Ideologisierung
00:31:31oder starke Personalisierung
00:31:33konterkariert wird,
00:31:34die aber bleibt.
00:31:36Und das ist kein deutsches Phänomen.
00:31:39Das begann in Italien,
00:31:40mit der Krise des Parteiensystems,
00:31:42dem Aufstieg von Berlusconi.
00:31:44Wir können das vor allen Dingen
00:31:45in Ost-Mitteleuropa beobachten.
00:31:47Und das ist jetzt auch bei uns
00:31:49in Deutschland angekommen,
00:31:51vermutlich eigentlich fast als Letztem
00:31:53innerhalb Europas.
00:31:54Herr von Beuys.
00:31:55Ich möchte noch mal einen Punkt sagen,
00:31:56Ihre Anfangsthese,
00:31:58dass es ein Phänomen heute so sei,
00:32:01das teile ich nicht.
00:32:02Wenn Sie sich mal Wahlkämpfe in Ruhe angucken,
00:32:04bis ins letzte Jahrhundert rein.
00:32:06Also ich erinnere noch,
00:32:07Willy Brandt,
00:32:08wer morgen sicher leben will,
00:32:10muss heute für Reformen kämpfen.
00:32:11Oder die CDU,
00:32:13wir bauen den Fortschritt auf Stabilität.
00:32:15Das ist das Gleiche.
00:32:16Also das ist mehr
00:32:17an dem Mangel der Fähigkeit
00:32:19politischer Kommunikation,
00:32:20die da eine Rolle spielt.
00:32:21Und nicht der Phrasologie.
00:32:22Aber Herr von Beuys,
00:32:23was darin eine Rolle spielte,
00:32:25waren sozusagen die Leitbegriffe.
00:32:27Fortschritt und Stabilität.
00:32:28Und die einen sagen mehr,
00:32:30stärker Fortschritt,
00:32:32weil sie gewissermaßen
00:32:33die Bewegung des kollektiven Aufstiegs,
00:32:35der unteren Mitte im Auge haben.
00:32:37Und die anderen sagen stärker Stabilität,
00:32:39weil sie sagen,
00:32:39ihr habt mehr zu verlieren.
00:32:41Aber wo Herr Mönkler noch recht hat,
00:32:43ist die Sprache.
00:32:45Wenn man sich so einen Trump
00:32:45zum Beispiel anschaut,
00:32:47also man kann ihm ja viel vorwerfen,
00:32:49aber nicht,
00:32:50dass er verklausuliert
00:32:51in Floskeln phrasenhaft redet.
00:32:53Er sagt exakt das,
00:32:54was ihm gerade durch den Kopf geht.
00:32:55Genau, sie sagen,
00:32:55deswegen wird er gewählt.
00:32:57Wollen wir mal anschauen,
00:32:58weil Sie dieses sehr
00:32:59unterhaltsame Buch gemacht haben.
00:33:00So ein paar Floskeln.
00:33:01Nur mal so einfach,
00:33:02was so üblich ist mittlerweile
00:33:04in der Politik.
00:33:05So redet Politik heute.
00:33:06Wir schauen mal kurz rein.
00:33:092026 wird das Jahr,
00:33:11wie ich immer sage,
00:33:11des Anpackens.
00:33:12Dass wir jetzt anpacken.
00:33:14Anpacken ist jetzt
00:33:15das Gebot der Stunde.
00:33:16Wenn wir es jetzt anpacken,
00:33:18dann wird es nach dem 8. März gut werden.
00:33:21Ich glaube,
00:33:21das ist ein historisches Zeitfenster,
00:33:23was wir in diesen Tagen
00:33:25und Monaten erleben.
00:33:26Sehr kurzes Zeitfenster.
00:33:28Das Zeitfenster.
00:33:29Die nächsten Jahre
00:33:30sind unsere Reformfenster.
00:33:32Und es steht nicht ewig offen.
00:33:34Bei all den Fragen,
00:33:35die unser Land gerade bewegen,
00:33:37ich uns dringend rate,
00:33:39dass wir nicht im Status Quo verharren.
00:33:41Der Status Quo ist unser Gegner.
00:33:43Status Quo ist unser Gegner.
00:33:44Deswegen ist der Status Quo
00:33:46unser Gegner.
00:33:47Nicht umsonst,
00:33:48hat Ludwig R. schon gesagt,
00:33:50es ist entscheidend,
00:33:51ob das Glas halb voll
00:33:52oder halb leer ist.
00:33:53Ich würde sogar sagen,
00:33:54es ist drei Viertel voll.
00:33:57Ist das, was Sie meinen?
00:33:58Ja.
00:34:00Es sind teilweise Worte,
00:34:03zum Beispiel das Wort Zeitfenster.
00:34:04Ich kann auch sagen Zeitraum.
00:34:06Es ist ein völliges Kunstwort,
00:34:07was aber irgendwie so ein bisschen
00:34:09klingt als irgendeine Strategie dahinter.
00:34:12Und so gibt es unglaublich viele Worte.
00:34:14Ein paar haben Sie ja ausgewählt.
00:34:16Chefsache ist auch schon schön.
00:34:17Chefsache ist so ein Wort,
00:34:18wenn Sie ein Problem haben,
00:34:20was langsam größer wird,
00:34:21die Öffentlichkeit drängt,
00:34:22es muss was passieren,
00:34:24Sie haben aber gar keine Lösung,
00:34:25im Moment in der Hand oder parat,
00:34:26bekommt meistens die Forderung,
00:34:28das muss jetzt Chefsache werden.
00:34:29Und der Chef sagt dann,
00:34:30ja, ich mache das für Chefsache.
00:34:32Passieren tut es meistens überhaupt nichts,
00:34:33weil er gar nicht alleine entscheiden kann.
00:34:35Chefsache.
00:34:36Sondern das muss ein bisschen
00:34:37mittelbewilligt werden,
00:34:38das muss durch Ausschüsse,
00:34:39Gremien und so weiter.
00:34:40Nur der Effekt ist,
00:34:41in dem gesagt wird,
00:34:42es ist Chefsache,
00:34:43wird der Eindruck erweckt,
00:34:44das Problem ist gelöst.
00:34:46Nächstes Thema.
00:34:47Man gewinnt Zeit damit.
00:34:48Und so gibt es eine Reihe von Dingen.
00:34:49Also ein Wort,
00:34:50das mich zum Beispiel
00:34:51unglaublich immer nervt,
00:34:52wenn etwas Schreckliches passiert,
00:34:54das Wort,
00:34:54ich bin ein Stück weit betroffen.
00:34:56Warum ist jemand nicht traurig?
00:34:58Oder ich fühle mit jemandem.
00:35:00Warum nur ein Stück weit?
00:35:01Warum nicht ganz?
00:35:02Ja, und allein nur ein Stück weit.
00:35:04Oder ein bisschen.
00:35:05Aber es ist ein Stück weit betroffen.
00:35:07Aber ich glaube,
00:35:08also ich erlebe das jeden Tag.
00:35:10Sie sprechen mir ja,
00:35:11die Baggerrollen,
00:35:13die runden Tische,
00:35:15Prävention,
00:35:17Resilienz ist jetzt gerade das,
00:35:18womit man so vieles sagt.
00:35:20Aus meiner Sicht,
00:35:21Politik lange begleitend,
00:35:23ist es immer eine Unsicherheit,
00:35:25die dahinter steckt.
00:35:26Und die Angst,
00:35:27und da sind wir bei Ihnen vielleicht auch,
00:35:29und bei Ihnen und bei Ihnen,
00:35:32einfach mal die Wahrheit oder das,
00:35:34was demjenigen wirklich auf dem Herzen liegt,
00:35:36geradeaus zu sagen.
00:35:37Das ist das, was Herr Friedrich Lünler sagt.
00:35:39Das ist das, was Herr Friedrich Lünler sagt,
00:35:39dass alle danach über ihn oder sie herfallen.
00:35:43Das hat sich in Zeiten von sozialen Medien noch verstärkt.
00:35:46Angela Merkel hat immer sehr wenig gesagt.
00:35:48Die hat auch ganz viele Floskeln geprägt.
00:35:52Aber sie ist dann auch oft einfach abgetreten
00:35:55und hat sich gar nicht mehr der Diskussion
00:35:56auch mit Journalisten gestellt,
00:35:58sondern sie hat eine PK gemacht,
00:36:00eine Pressekonferenz,
00:36:01zehn Minuten und ging.
00:36:02In der Zeit aber hat sie dann geantwortet.
00:36:06Mittlerweile haben wir stundenlange Podcasts,
00:36:10die ich sehr schätze.
00:36:10Wir haben ganz lange Pressekonferenzen.
00:36:13Und man denkt sich immer irgendwann,
00:36:15ihr redet euch so in Floskeln rein
00:36:18oder um Kopf und Kragen.
00:36:19Diese Mitte, dass man mal ehrlich sagt,
00:36:22das ist jetzt auch mein Gefühl.
00:36:24Also Lars Klingbeil hätte auch an dem Abend
00:36:26der Baden-Württemberg-Wahl sagen können,
00:36:28das ist so beschissen,
00:36:30dass ich gar nicht weiß,
00:36:31ob ich eigentlich weitermachen will oder nicht.
00:36:34Aber irgendwie habe ich das Gefühl,
00:36:35es lohnt sich zu kämpfen.
00:36:36Vielleicht wäre das besser gewesen.
00:36:37Darf ich nur mal eins dazu sagen?
00:36:39Also es meint sich das zwei Ursachen.
00:36:40Die eine, die beide richtig gesagt haben,
00:36:42ist Unsicherheit.
00:36:42Ich mache zumindest nichts falsch,
00:36:44wenn ich die Floskeln wähle
00:36:45und setze wenig am Shitstorm oder wem muss immer aus.
00:36:48Das eine.
00:36:48Das zweite ist aber auch,
00:36:50dass politische Prozesse oft sehr lange dauern
00:36:52und die Probleme groß sind.
00:36:54Und mit einer übertriebenen Wortwahl
00:36:56ich den Eindruck entwickle,
00:36:58da passiert was.
00:36:59Wumms, Doppelwumms.
00:37:00Wumms, Doppelwumms,
00:37:02brutalstmögliche Aufklärung.
00:37:04Ohne ansehende Person.
00:37:05Ich mache ein Zehn-Punkte-Programm,
00:37:07ein Maßnahmenbündel.
00:37:08Diese ganzen Worte,
00:37:09die Aktionismus und Tat vortäuschen,
00:37:11in Wirklichkeit dauert,
00:37:12aber wenn die Tat überhaupt kommt,
00:37:14der Prozess sehr lange.
00:37:15Das Problem ist aber da.
00:37:16Und bei den Leuten erwecke ich den Eindruck,
00:37:18jetzt passiert sofort was,
00:37:20was aber nicht der Fall ist,
00:37:21was aber im Effekt nachher Enttäuschung auslöst.
00:37:23Und dann zum Protestwahlverhalten.
00:37:26Chefsache.
00:37:27Kollegen haben sich große Mühe gemacht,
00:37:29wobei so lange muss man da gar nicht suchen.
00:37:31Aber so ganz besondere Perlen haben wir gefunden
00:37:33zum Thema Chefsache.
00:37:34Schauen Sie mal,
00:37:35was schon alles Chefsache war.
00:37:36Bitte schön.
00:37:37Der Bundeskanzler muss die Migrationskrise
00:37:40endlich zur Chefsache machen.
00:37:41Deswegen fordern wir,
00:37:43stellvertretend für alle Menschen,
00:37:44die draußen an diesem System gerade verzweifeln,
00:37:47vom Bundeskanzler Scholz,
00:37:48dass Kitas endlich Chefsache werden müssen.
00:37:50Schon Chefsache, keine Spur.
00:37:52Und das Allerschlimmste,
00:37:53mehr Kursur.
00:37:54Damit sich da was tut.
00:37:55Ich habe das zur Chefsache erklärt.
00:37:57Das ist Super-Sache.
00:37:58Das ist Chefsache.
00:37:59Das muss man akzeptieren.
00:38:01Das ist wie im Fußball.
00:38:02Der Nationaltrainer stellt die Mannschaft auf
00:38:04und nicht andere.
00:38:05Wir kennen Anträge,
00:38:06was Sie alles Mögliche zur Chefsache machen wollen.
00:38:09Demnächst kommt der Antrag.
00:38:10Chefsache zur Chefsache machen.
00:38:12Das kann ja nicht zielführend sein.
00:38:15Guter Mann, müssen wir uns merken.
00:38:17Sie sagen, Herr Münkler,
00:38:18es ist die Feigheit der Politik,
00:38:20der Wirklichkeit ins Auge zu schauen.
00:38:22Ja.
00:38:23Ja.
00:38:24Ich meine,
00:38:25das ist auch das,
00:38:26was viele Leute merken,
00:38:28dass diese Floskeln
00:38:30eigentlich
00:38:32Verdeckungsbegriffe sind.
00:38:34Dass Politiker
00:38:36davor Angst haben,
00:38:37das zu benennen,
00:38:38was die Herausforderung ist.
00:38:40Ab und zu tun sie das mal,
00:38:42aber eher kursorisch,
00:38:44indem sie sozusagen
00:38:46aus der Oppositionsrolle
00:38:47Reformbedarf anmahnen,
00:38:50den die Regierung
00:38:51nicht durchsetzt.
00:38:53Vermutlich ist das
00:38:55auf der kommunalen Ebene,
00:38:56Herr Palmer, anders.
00:38:58Weil da gewissermaßen
00:39:00der Bürgermeister,
00:39:02der Oberbürgermeister
00:39:03gezwungen ist,
00:39:05alles zur Chefsache zu machen.
00:39:06Permanent der Chef zu sein.
00:39:08Ja, doch.
00:39:09Die Probleme auch zu beschreiben,
00:39:11so dass sie
00:39:12die Leute überzeugen,
00:39:14ja, genau,
00:39:14ähnlich sehe ich das auch.
00:39:17Um gewissermaßen
00:39:18dieses Gefühl aufzubringen,
00:39:20das ist mein Mann.
00:39:22Weil der die Probleme
00:39:23sieht
00:39:24und beschreibt
00:39:25und das die Voraussetzung
00:39:28dafür ist,
00:39:28dass was passiert.
00:39:30Weil auf der kommunalen Ebene
00:39:31hat man ja
00:39:32einen sehr viel genaueren Blick
00:39:33auf Beschreibung des Problems,
00:39:35Bearbeitung des Problems,
00:39:36Problem gelöst
00:39:37oder nicht gelöst.
00:39:39Das ist auf der Ebene,
00:39:41je höher man kommt,
00:39:42dramatisch bei der Europäischen Union,
00:39:45aber schon auch
00:39:46auf der nationalen Ebene anders,
00:39:48und da treten gewissermaßen
00:39:50Worte
00:39:51an die Stelle von Handeln.
00:39:53Selbst das Wort,
00:39:54wir müssen
00:39:54die Sache anpacken,
00:39:56ja, gewissermaßen.
00:39:58Das Anpacken
00:39:59findet nicht statt,
00:40:00aber das Wort
00:40:00ist gleichsam
00:40:01der Stellvertreter
00:40:02des Nicht-Stattfindens.
00:40:04Das ist
00:40:05so,
00:40:06ab und zu glaube ich,
00:40:08das war jetzt
00:40:08bei dem Zusammenschnitt
00:40:09sehr schön,
00:40:10die haben alle
00:40:11denselben Sprachtherapeuten,
00:40:13egal bei welcher Partei
00:40:14sie sind.
00:40:15Und die kriegen das dann gesagt,
00:40:17ihr müsst das sagen,
00:40:17ihr müsst das sagen oder so.
00:40:19Eine Zeit lang
00:40:20war ja mal
00:40:20der Begriff
00:40:21in der Tat
00:40:23Politikersprech,
00:40:24in der Tat,
00:40:25sollte sozusagen
00:40:27mit dem Mund
00:40:28komme ich zur Tat
00:40:30darstellen.
00:40:33Ja,
00:40:33das
00:40:35verschärft
00:40:36letzten Endes
00:40:37die Krise
00:40:37des Parteiensystems,
00:40:39weil natürlich
00:40:40ganz viele Leute
00:40:41das Gefühl haben,
00:40:42die reden nur herum
00:40:44um die Sache
00:40:44und das fördert
00:40:45dann den Weg
00:40:46zu,
00:40:46sagen wir mal,
00:40:48rechtspopulistischen,
00:40:49linkspopulistischen Parteien,
00:40:50ja auch.
00:40:51Ich fand auch vorhin,
00:40:52als sie gesagt hat,
00:40:54die Linke
00:40:55habe allgemeine Floskeln
00:40:57gebraucht,
00:40:58ja nee,
00:40:59die haben eigentlich
00:40:59einen sehr geschickten
00:41:00Wahlkampf mit
00:41:03zuspitzenden Begriffen
00:41:03geführt,
00:41:04der Bundestagswahlkampf,
00:41:06nicht?
00:41:06Ja,
00:41:06was weiß ich.
00:41:07Wenn dir das Wasser
00:41:08bis zum Halse steht,
00:41:09dann fährt der Besitzer
00:41:10mit seinem Boot
00:41:11davon oder sonst irgendwas.
00:41:12Die Bilder,
00:41:13sehr geschickte Sprachspiele,
00:41:15die da eine Rolle gespielt haben.
00:41:16Darf ich Sie mal fragen,
00:41:17jetzt wirklich in Klammern,
00:41:19aber es würde mich sehr interessieren,
00:41:21gestern hatten wir das Thema hier,
00:41:24weil es bei der Linkspartei
00:41:25gerade das Thema
00:41:26rund um Antisemitismus gibt.
00:41:30Mit dem Begriff Antisemitismus
00:41:32geht da keiner nach vorne.
00:41:33Das ist auch die Angst,
00:41:34das klar zu benennen.
00:41:36Warum ist das so?
00:41:38Ja, weil,
00:41:39wenn Sie sagen würden,
00:41:41das Wort Antisemitismus
00:41:43kam mir nicht über die Lippen.
00:41:44Ja,
00:41:45antisemitische Konnotationen haben,
00:41:47um es vorsichtig auszudrücken,
00:41:49dann würden Sie ja
00:41:50die Grundlage Ihrer Kritik
00:41:53an Israel
00:41:55als Staat
00:41:56agieren in Gaza,
00:41:58agieren im Westjordanland
00:42:01infrage stellen.
00:42:02Nicht Antisemitismus,
00:42:06muss unbedingt
00:42:07vermieden werden,
00:42:08um zu sagen,
00:42:08wir sind aber
00:42:09antiimperial,
00:42:10antikolonial
00:42:11und derlei mehr,
00:42:12was die Leitideen sind.
00:42:17Also werden Sie sich hüten,
00:42:19dieses Wort in den Mund zu nehmen,
00:42:21denn sobald Sie es
00:42:22in den Mund genommen haben,
00:42:24hängt es an Ihnen.
00:42:25Und Sie haben die
00:42:27vielleicht von mir aus
00:42:27magische Vorstellung,
00:42:29wenn Sie das Wort vermeiden,
00:42:31dann vermeiden Sie auch,
00:42:33dass darüber gesprochen wird,
00:42:34dass Sie im Prinzip
00:42:35von der Sache her
00:42:36teilweise so argumentieren.
00:42:38Naja, aber wenn man sich
00:42:40dieses Video
00:42:40des Niedersächsischen Landesverbandes
00:42:42anschaut,
00:42:43der jetzt stolz darauf ist,
00:42:45der erste
00:42:47antizionistische
00:42:48Landesverband zu sein.
00:42:49Das ist nicht DDR-Deutsch,
00:42:50mit Verlaub,
00:42:51nicht?
00:42:51Ja, genau.
00:42:52Tradition bei denen, ja.
00:42:53Von der Vorstellung
00:42:56über die Juden, nicht?
00:42:57Und da muss ich mir
00:42:57den Amis gutstellen,
00:42:59weil dort die Juden
00:43:00so eine Rolle spielen.
00:43:01Und er kommt bei den Amis
00:43:01nur rein, wenn er mit Israel
00:43:04eine etwas freundlichere Politik macht.
00:43:06Also Vorstellungen,
00:43:08die gewissermaßen so etwas
00:43:09wie ein umgedrehter NS sind.
00:43:11Ich kenne es natürlich
00:43:12von der anderen Seite.
00:43:13Ich habe ja auch so meine
00:43:14Erfahrungen mit Sprache gemacht.
00:43:16Und mir wird immer vorgehalten,
00:43:18dass ich über die Stränge
00:43:19schlage, entgleise.
00:43:21Das sind jetzt Zuschreibungen
00:43:22von Journalisten häufig.
00:43:24Ich habe letzte Woche
00:43:24über mich gelesen,
00:43:25in der Taz als Begründung,
00:43:27warum Östemir mich
00:43:28auf keinen Fall
00:43:28zum Minister machen dürfe.
00:43:30Ich sei ein Menschenfeind,
00:43:32ein Rassist
00:43:33und ein Holocaust-Verharmloser.
00:43:36Wieso das?
00:43:37Weil ich Sätze gesagt habe,
00:43:39die, wenn man aus dem Kontext reißt,
00:43:40ein Zerrbild erlauben,
00:43:41das am Ende
00:43:42zu diesem Urteil führt.
00:43:44Und das ist natürlich
00:43:44auch Teil der Wirklichkeit,
00:43:46dass es nicht so stark belohnt wird,
00:43:49wenn man sich dieser Floskelhaftigkeit
00:43:51und dem Absichern
00:43:52in alle Richtungen entzieht.
00:43:53Sondern es gibt dann auch
00:43:55sehr, sehr viel harte Kritik.
00:43:57Und viele wollen die
00:43:58auch nicht aushalten.
00:43:59Das ist nämlich tatsächlich nicht schön.
00:44:00Im Shitstorm seien der Woche
00:44:01ist nicht schön.
00:44:02Das ist keine schöne Erfahrung.
00:44:03Kann ich auch mit Manuel Hagel mitfüllen,
00:44:05dass der wahrscheinlich
00:44:06seelisch harte Tage hatte.
00:44:08Und sich dem nicht aussetzen zu wollen,
00:44:10finde ich menschlich nachvollziehbar.
00:44:11Das heißt,
00:44:12wenn wir das ändern wollen,
00:44:13dann braucht es von beiden Seiten
00:44:14eine Veränderung.
00:44:15Da muss es die Selbsterkenntnis geben,
00:44:17dass man sich mit dem Politiker-Sprech
00:44:19von den Bürgern entfernt.
00:44:20Weil die Bürger,
00:44:21ich verstehe gar nicht,
00:44:22was die mir sagen wollen.
00:44:24Und die wollen ja oft auch gar nichts sagen,
00:44:26damit sie nicht festgenagelt werden können.
00:44:28Aber andererseits
00:44:28vielleicht auch wieder
00:44:30mehr Akzeptanz
00:44:31und mehr Duldsamkeit
00:44:32gegenüber klarer Sprache.
00:44:34Die merke ich nämlich auch nicht mehr
00:44:35in unserer Gesellschaft.
00:44:36Das Beispiel Donald Trump
00:44:37ist ja interessant.
00:44:39Sie haben gesagt,
00:44:40er hat,
00:44:40weil er so redet,
00:44:41wie er redet,
00:44:42eine Wahlen gewonnen.
00:44:44Aber weil er so redet,
00:44:45wie er redet
00:44:46und dann so handelt,
00:44:47wie er redet,
00:44:47steht die Welt
00:44:48vor großen Problemen.
00:44:50Also dieses ganz Erratische
00:44:52und ich würde,
00:44:54ich habe Journalisten vor mir
00:44:55im Flugzeug
00:44:55und erkläre irgendwie
00:44:57zwei Ländern den Krieg.
00:44:58Das kann es nicht sein.
00:45:00Also das ist natürlich,
00:45:01das hat aber mit Floskel
00:45:02nichts zu tun,
00:45:03sondern mit einem gewissen Wahnwitz.
00:45:06Ich glaube,
00:45:07die Mischung zwischen
00:45:08ich rede nicht in Floskeln.
00:45:10Also wir haben uns neulich
00:45:11mit Journalistenkollegen,
00:45:12man spricht ja viel mit Diplomaten
00:45:14und haben uns dann mal gefragt,
00:45:15ob die eigentlich dem Kanzler
00:45:16auch so wie uns versuchen,
00:45:18irgendwas darzulegen.
00:45:20Dann braucht Friedrich Merz viel Zeit,
00:45:22weil man irgendwann sagen muss,
00:45:23also das mit dem
00:45:24Weißen Hausbesuch in Washington,
00:45:26lieber Herr Bundeskanzler,
00:45:27wird ganz schwierig für dich.
00:45:28Und das kann man sehr klar äußern
00:45:30und da brauchst du jetzt nicht
00:45:3214 schöne Runden.
00:45:36Aber diese Erwartung,
00:45:37dass man klar auch das sagt,
00:45:39was man empathisch ist,
00:45:40dass man sagt,
00:45:41was man selbst empfindet,
00:45:43dass man sagt,
00:45:43was man vorhat,
00:45:44dass man auch dieser Reformbegriff,
00:45:46das ist für mich
00:45:46die größte Floskel
00:45:47dieser Regierung bislang.
00:45:49Was ist denn eine Reform?
00:45:51Wo, warum, für wie viele?
00:45:54Also es ist,
00:45:54man kann das,
00:45:55Herbst der Reform,
00:45:56wir brauchen jetzt
00:45:56ein Reformzeitfenster.
00:46:00Das stößt Leute ab
00:46:01und das stößt mich
00:46:01auch beim Schreiben ab,
00:46:02weil ich gar nicht,
00:46:03irgendwann,
00:46:03man sucht immer
00:46:04Synonym Reform.
00:46:07Findet man auch mit KI,
00:46:09es gibt es nicht.
00:46:10Also was meint ihr wirklich?
00:46:12Aber wie haben Sie kommentiert,
00:46:13als der Kanzler gesagt hat,
00:46:14wir haben da ein Problem
00:46:15im Stadtbild?
00:46:16Das war eine Aussage,
00:46:17die die meisten Menschen
00:46:18durchaus verstanden haben.
00:46:19Ja.
00:46:19Wahrscheinlich haben Sie gesagt,
00:46:20das geht gar nicht, oder?
00:46:21Nee.
00:46:22Können Sie nachlesen.
00:46:23Ich habe gesagt,
00:46:24ich fand,
00:46:25das war sehr ehrlich.
00:46:26Ja.
00:46:26In der ersten Äußerung,
00:46:29die ist ja erst mal
00:46:29auch gar niemandem aufgestoßen,
00:46:31die zweite Äußerung
00:46:32im Konrad-Adenauer-Haus stehend
00:46:34und das in so eine Dunkelkammer,
00:46:36also Stadtbild
00:46:37und ich habe auch Töchter
00:46:38und das fand ich problematisch.
00:46:40Die, mit dem Stadtbild,
00:46:42was er gemeint hat,
00:46:43nämlich,
00:46:43dass es irgendwie
00:46:45um jeden Hauptbahnhof
00:46:46in diesem Land
00:46:47grauenhaft aussieht,
00:46:48das war ehrlich
00:46:49und dafür stimmt.
00:46:50Haben Sie recht?
00:46:51Hat er viel auf die...
00:46:52Voll, frontal,
00:46:54wochenlanges Cornering,
00:46:56immer weiter,
00:46:56bis er noch einen Fehler macht.
00:46:57In der eigenen Partei
00:46:59hat ihm nicht geschadet.
00:46:59Das ist ja so interessant.
00:47:00Er hätte normal dabei bleiben sollen
00:47:02und schadet es nicht.
00:47:04Das ist auch meine Erfahrung.
00:47:05Es gibt jetzt sogar Umfrage.
00:47:06Und ehrlich,
00:47:06ich werde jahrelang als Rassist
00:47:08und sonst was abgestempelt
00:47:10und bei den Befragungen
00:47:11kommt raus in Baden-Württemberg,
00:47:13ist die Zustimmung zu mir
00:47:14viel, viel größer
00:47:15als zum Beispiel zu Hagel
00:47:16in der Region von Kretschmann,
00:47:17weil ich es durchgehalten habe.
00:47:19Aber das ist anstrengend,
00:47:20ganz ehrlich.
00:47:21Dann müssen wir halt aufhören,
00:47:22Leute wegen einzelner Sätze
00:47:23zu schlachten.
00:47:24Darf ich noch mal
00:47:25eins zu Trump sagen?
00:47:27Also ich teile Ihre Wertung,
00:47:28dass es das nicht sein kann.
00:47:30Nur es ist es ja leider.
00:47:31Und warum ist es so?
00:47:32Das ist ein guter Punkt.
00:47:33Weil ich glaube,
00:47:34dass in Amerika
00:47:35ist es ja nicht anders als hier.
00:47:38Diese Allgemeinplätze
00:47:39und diese unverständliche Sprache
00:47:41es jemanden einfach macht,
00:47:43der, sagen wir mal,
00:47:43einfach Dinge so raushaut.
00:47:45Und das Problem ist ja,
00:47:46ich habe mich oft gefragt,
00:47:47wie kann jemand gewählt werden,
00:47:49wodurch alle wissen,
00:47:50der lügt andauernd.
00:47:50Das ist ja nicht so,
00:47:51dass das eine große
00:47:52intellektuelle Erkenntnis ist.
00:47:53Und ich glaube,
00:47:54ich darf von den Leuten wissen,
00:47:55so zum großen Teil,
00:47:56dass er lügt.
00:47:57Aber der lügt aus ihrer Sicht ehrlich,
00:47:59weil es so klar ist,
00:48:00dass er lügt.
00:48:00Die gehen davon aus,
00:48:01die Politiker lügen ohnehin alle.
00:48:03Aber dem her hat man immerhin
00:48:04anders erlügt.
00:48:05Darum ist es gar nicht so schlimm.
00:48:06Das ist zwar gruselig,
00:48:08dass es die Analyse
00:48:09vieler Menschen ist,
00:48:10aber die Erwartungshaltung ist so.
00:48:12Und das führt im Reflex dazu,
00:48:14dass sie sagen,
00:48:15jetzt sehen wir mal den,
00:48:15der schön was raushaut.
00:48:16Wir sind vielleicht gar nicht
00:48:17seiner Meinung,
00:48:18aber immerhin haut was raus.
00:48:19Das ist das eine.
00:48:20Aber das andere ist ja auch dann
00:48:21die Taten,
00:48:23die Konsequenz,
00:48:23die daraus folgt.
00:48:25Und wenn man sich mal,
00:48:26vielleicht schauen wir uns das
00:48:27noch mal kurz an,
00:48:29die Tatenlosigkeit sozusagen
00:48:30auf der anderen Seite,
00:48:32wenn wir nach Baden-Württemberg schauen,
00:48:34wenn wir nach Rheinland-Pfalz,
00:48:35wenn wir uns das ganze Land
00:48:35uns anschauen,
00:48:37Arbeitskosten runter,
00:48:39Steuerreformen,
00:48:39ich meine,
00:48:40das sind doch die Dinge,
00:48:41über die wir wirklich
00:48:42nicht mehr reden müssen,
00:48:44sondern die müssen wir endlich tun.
00:48:45Aber schauen Sie sich mal an,
00:48:46wie darüber geredet wird
00:48:47und wie lange schon.
00:48:49Es ist zum Zweiten die Frage,
00:48:51tatsächlich eine Steuerreform zu machen,
00:48:53die weder neue Haushaltslöcher reißt
00:48:56oder das durch Mehrwertsteuererhöhungen bezahlt.
00:48:59Und wir werden die Kfz-Steuer reformieren,
00:49:02um Anreize für die Automobilkonjunktur zu schaffen.
00:49:06Das steht jetzt an,
00:49:07Genossinnen und Genossen.
00:49:08Das ist der Grund,
00:49:10warum wir unser Steuersystem
00:49:12spürbar vereinfachen wollen.
00:49:14Deshalb steht die FDP
00:49:15für diese Steuerreform,
00:49:16für eine Steuerentlastung.
00:49:18Wir kämpfen dafür.
00:49:20Mit diesen Eckpunkten,
00:49:21meine Damen und Herren,
00:49:22legen wir den Entwurf
00:49:23für die erste echte Steuerreform
00:49:25seit 2002 vor.
00:49:27Wir bringen eine Steuerreform
00:49:29auf den Weg,
00:49:30die auch die Familien
00:49:31in diesem Lande wieder entlastet
00:49:34und die die Fleißigen
00:49:35in unserem Lande belohnt,
00:49:37meine Damen und Herren.
00:49:40So.
00:49:41Aber an dem Punkt kommen wir nie.
00:49:43Dass wir es dann tun, Herr Münkler.
00:49:45Warum ist das so?
00:49:47Ich meine, ich nehme das jedem Einzelnen ab.
00:49:49Die haben ja beste Absichten.
00:49:50Das wollen die ja wirklich in der Sekunde.
00:49:52Aber es kommt dann nicht dazu.
00:49:54Ist das was Systemisches?
00:49:57Na ja, wenn wir noch mal sozusagen
00:49:59die frühe Bundesrepublik angucken,
00:50:01könnte man sagen,
00:50:02eine große Volkspartei und die FDP.
00:50:05Und da ließ sich relativ viel
00:50:09Handlungsfähigkeit aufbauen.
00:50:11In dem Maße, in dem das nicht mehr funktioniert
00:50:15und sagen wir mal,
00:50:17große Koalitionen,
00:50:18die inzwischen gar keine großen Koalitionen mehr sind,
00:50:23da verstehen beide Seiten
00:50:24unter Steuerreformen sehr Unterschiedliches.
00:50:27Und dann wird überlegt,
00:50:28wie man im Prinzip die Klientel
00:50:30beider Parteien angemessen bedienen kann.
00:50:33Denn das kommt ja sozusagen
00:50:34bei jedem, was der einzelne sagt,
00:50:37entsprechend rüber,
00:50:37adressiert an die eigentliche Klientel der Partei.
00:50:42Und dann stellt sich heraus,
00:50:44man hat aber nicht mehr das Geld,
00:50:46sozusagen den Aufwuchs der Steuereinnahmen,
00:50:49um alle bedienen zu können.
00:50:51Man müsste also einschneiden,
00:50:54verändern, tiefgreifend verändern.
00:50:56Und dann wird klar,
00:50:58dass sie sich wechselseitig blockieren.
00:51:00Also die CDU wird sicherlich
00:51:03bestimmte Vorstellungen,
00:51:04die Sozialdemokraten im Hinblick
00:51:06auf Besteuerung der mit den breiten Schultern,
00:51:10das ist ja auch so eine Formulierung,
00:51:12blockieren.
00:51:13Und umgekehrt
00:51:14wird die CDU nicht bereit sein,
00:51:18weiteren Ausbau der Umverteilungsstrukturen,
00:51:21sprich des Sozialstaates, mitzutragen.
00:51:24Da aber die Erwartungen da sind,
00:51:26wird gewissermaßen sprechen über
00:51:28zur Ersatzhandlung für Tun von.
00:51:31Und das ist die Situation,
00:51:33in der wir uns befinden
00:51:35und in der natürlich Parteien wie die AfD
00:51:38als die Dagegenpartei profitiert davon.
00:51:44Und deswegen ist das eine eigentlich
00:51:47ziemlich deprimierende Situation.
00:51:49Ja, was ja auch auffällt,
00:51:50Frau Münzermann ist,
00:51:52sozusagen der Verweis,
00:51:53der mittlerweile eben öfter kommt,
00:51:55auf ja anstehende Wahlen,
00:51:57Landtagswahlen meistens.
00:51:58So nach dem Motto,
00:52:00können wir nicht machen,
00:52:01weil dann verschrecken wir nur die Leute.
00:52:02Nur ich denke dann immer,
00:52:03das gab es doch früher auch.
00:52:04Es gab doch früher auch Wahlen.
00:52:05Und man hat dann einfach trotzdem gemacht.
00:52:07Also war da mehr Mut?
00:52:09Oder müssen wir jetzt nach Sonntag
00:52:11spätestens am Montag Wunden lecken,
00:52:14wer auch immer?
00:52:15Und am Dienstag geht es los
00:52:16mit den krüppelharten Reformen?
00:52:17Also das ist das,
00:52:18was in Berlin angekündigt wird.
00:52:20Ist das so?
00:52:20Das war von beiden Seiten, ja.
00:52:22Sowohl von der Union
00:52:24als auch von der SPD, ganz klar.
00:52:27Egal, ich gebe das jetzt mal wieder.
00:52:29Allein meine Zweifel habe ich daran.
00:52:31Aber egal, wie es ausgeht,
00:52:33wer gewinnt.
00:52:34Ab Montag sozusagen treten
00:52:37Kanzler, Vizekanzler, Koalitionsausschuss
00:52:39plus CSU sozusagen
00:52:41in einen, sage ich selbst,
00:52:45Reformprozess ein,
00:52:46sodass man,
00:52:47und natürlich,
00:52:49das ist jetzt nicht nur lustig,
00:52:51weil es braucht einen Haushalt 27.
00:52:53Das Wort ist lustig.
00:52:54Genau.
00:52:55Ich meinte das für mich.
00:52:56Wir sind wieder bei den Phrasen.
00:52:59Genau.
00:52:59Es braucht einen Haushalt 27.
00:53:02Es gibt kein Geld mehr
00:53:03in den Sozialkassen.
00:53:05Das ist in dem Fall keine Formel,
00:53:08sondern das ist so.
00:53:08Also es braucht tatsächlich einfach etwas,
00:53:11was Geld spart,
00:53:12wie man das auch immer zustande bringt.
00:53:13Und Sie sagen,
00:53:14das ist das,
00:53:16was uns angekündigt wird in Berlin.
00:53:18Da wird es jetzt rund um Ostern
00:53:20bis Zeitfenster,
00:53:23Ende April, Anfang Mai,
00:53:25Entscheidungen geben.
00:53:26Allein mir fehlt der Glaube.
00:53:29Denn aus meiner Sicht
00:53:30wird entweder die CDU,
00:53:33die Union oder die SPD
00:53:34am Sonntagabend um 18.10 Uhr
00:53:37ein parteiinternes Problem haben.
00:53:39Und zwar mit der eigenen Klientel,
00:53:41aber vor allem auch
00:53:42mit den eigenen Funktionären.
00:53:43Und das wiederum ist etwas,
00:53:46das haben Sie gesagt,
00:53:47früher gab es Mehrheiten.
00:53:48Man musste immer Mehrheiten suchen,
00:53:49aber es gab das größere Grundvertrauen.
00:53:51Die CDU ist getrieben von der AfD.
00:53:54Die sind schon auch in der Art und Weise panisch.
00:53:58Im Kanzleramt ist man auch nicht so ganz ruhig.
00:54:00Ja, und bei der SPD geht es ja darum,
00:54:04halten die noch ruhig
00:54:06bei den vielen Wahlniederlagen?
00:54:08Oder aber hat es der Schweizer
00:54:10in Rheinland-Pfalz noch mal geschafft,
00:54:13sozusagen eine gewisse Zeit
00:54:15der Parteispitze Erleichterung zu verschaffen?
00:54:18Ja, nur hypothetisch,
00:54:19ohne jetzt in irgendeiner Form
00:54:20die Wahl beeinflussen zu wollen.
00:54:22Aber angenommen,
00:54:23das geht für Alexander Schweizer nicht gut.
00:54:26Was passiert denn in der SPD?
00:54:28Ich glaube, dass am Wahlabend jetzt nichts passiert.
00:54:31Da wird keiner seinen Rücktritt erklären.
00:54:32Aber die, die jetzt ruhig halten
00:54:34und aber gerne mit Journalisten reden wollen,
00:54:36mit Blick auf den Sonntag,
00:54:37aber sagen, ich sage jetzt doch erst mal nichts,
00:54:40die werden sich dann äußern.
00:54:42Und das wird für Lars Klingmeil,
00:54:44der für mich schon der starke Mann der Partei ist,
00:54:47Bärbel Bas ist auch mit an der Spitze.
00:54:49Aber zum einen hat die schon abgewinkt,
00:54:50dass sie nichts weiter werden möchte.
00:54:52Sie hat gesagt,
00:54:52ich werde keine Kanzlerkandidatin sein.
00:54:54Und irgendwie ist sie nicht so die Projektionsfläche
00:54:58wie der Vizekanzler,
00:54:59dem das ja auch übel genommen wird,
00:55:00dass er sich da die Macht sozusagen genommen hat.
00:55:03Aber am Ende ist er der Einzige,
00:55:04aus meiner Sicht,
00:55:05der in der SPD noch genug Macht hat,
00:55:08die SPD in dieser Regierung auch zu führen.
00:55:10Boris Pistorius,
00:55:11der sehr, sehr beliebte Verteidigungsminister,
00:55:14hat sich aber auch irgendwie rausgenommen.
00:55:16Und für Lars Klingmeil wird es um alles gehen,
00:55:18wenn Alexander Schweizer die Wahl
00:55:21nicht für sich gewinnt.
00:55:22Und für Merz wird es auch ungemütlich,
00:55:23wenn Gordon Schnieder das verliert.
00:55:26Also wenn Gordon Schnieder das nicht wird,
00:55:28kann Friedrich Merz,
00:55:29und das wird auch Herr Schnieder
00:55:30an dem Abend sofort tun,
00:55:31darauf verweisen,
00:55:32dass man dann wahrscheinlich
00:55:34eine Regierungsbeteiligung gewonnen hat.
00:55:36Denn doch regiert in Mainz eine Ampel.
00:55:38Aus meiner Sicht wird die FDP es sehr schwer haben,
00:55:41in den Landtag zu kommen.
00:55:42Dann ist die Partei endgültig zunächst mal
00:55:45zumindest nicht mehr präsent.
00:55:48Und Friedrich Merz würde aber,
00:55:50und der hat auch parteiintern Themen,
00:55:52wenn es jetzt auch nicht klappt in Mainz,
00:55:54dann kriegt auch der Kanzler ein Problem.
00:55:56Denn die Partei wirft ihm vor,
00:55:59nicht umzusetzen das,
00:56:00was er im Wahlkampf versprochen hat.
00:56:01Und da gibt es an der Basis,
00:56:04also wenn man so in die Kreisverbände geht,
00:56:07so ein Unbill gegenüber dem eigenen Kanzler,
00:56:09der es nicht schafft,
00:56:10bisher die Wirtschaft zum Laufen zu bringen,
00:56:11so die Sicht von vielen.
00:56:13Das wird für ihn auch schwer.
00:56:14Aber die CDU ist strukturell eher führungstreu.
00:56:18Es sei denn, sie haben eine Person...
00:56:19Das war eine sehr schöne Formulierung.
00:56:21Die CDU ist strukturell eher führungstreu.
00:56:24Das mag ich.
00:56:25Vielleicht die Schützeflosstel des Amts.
00:56:29Also gut, die CDU ist führungstreu
00:56:31und bestraft ihren Vorsitzenden oder die Vorsitzende
00:56:35nur dann, wenn sie einen ernsthaften
00:56:39Christenversionspunkt als Gegner haben.
00:56:41So eine abstrakte Abstrafung.
00:56:42Sonst wird es Chefsache, ja.
00:56:44Abstrakt wird vielleicht gemeckert und so weiter.
00:56:46Aber solange keiner da ist,
00:56:48dann sagt, ich gehe jetzt in die Konkurrenz,
00:56:50passiert ja auch nichts.
00:56:51Es gibt viele Debatten,
00:56:52aber es wird nichts passieren.
00:56:53Wenn ich nur zwei Dinge sagen darf.
00:56:55Einmal eine sprachliche Geschichte.
00:56:57Eine sprachliche Geschichte,
00:56:58die ganz witzig finde,
00:56:59nach den Wahlen.
00:57:00Was bestimmt gesagt wird,
00:57:02stimmt auch in meinem Büchlein,
00:57:03am Wahlabend,
00:57:04wir werden das Ergebnis in den Gremien
00:57:07in Ruhe analysieren.
00:57:08Ich verzichtfache in solchen Gremien.
00:57:10Es wird nie ehrlich analysiert.
00:57:12Und ich kann Ihnen auch sagen, warum nicht?
00:57:13Weil diejenigen, die da drin sitzen,
00:57:15den Wahlkampf verantwortet haben.
00:57:16Die haben das Programm geschrieben,
00:57:18die haben die Strategie gemacht,
00:57:19die haben die Spitzenkandidaten nominiert.
00:57:20Die sollen sich jetzt hinstellen
00:57:21und sagen, wir haben lauter Fehler gemacht.
00:57:23Sie haben viel verlangt, ehrlich gesagt.
00:57:25Klappt also selten.
00:57:26Und das fahrt ihr mit dem Sparen.
00:57:28Mit dem Sparen.
00:57:29Ich kann aus einer Erfahrung nur eins sagen,
00:57:31warum Sie vielleicht anders sagen,
00:57:32wenn solche Situation da ist.
00:57:34Zu sagen, wir gehen punktuell vor
00:57:36und gucken, wo kann man was sparen,
00:57:38geht immer schief.
00:57:39Sondern Sie müssten sagen,
00:57:40Verteilung außen vor.
00:57:42Und sonst generell 4, 5 Prozent macht Vorschläge.
00:57:45Wie kriegt ihr die Quote?
00:57:46Das ist zwar ungerecht,
00:57:47weil auch wichtige Sachen damit über den Wuppe gehen.
00:57:49Aber Sie kriegen, das heißt auch immer ein Buch,
00:57:52die Heckenschere- oder Rasenmäher-Prinzip.
00:57:54Ist aber das Wirksamste,
00:57:55weil keiner einen Gesichtsverlust hat.
00:57:57Denn jeder muss die gleiche Quote erbringen.
00:57:59Und ein, zwei Bereiche können Sie ausnehmen.
00:58:01Vermutlich Verteidigung,
00:58:02vielleicht Klimaschutz, was auch immer.
00:58:03Da wird nichts gemacht.
00:58:05Und so kriegt man das hin.
00:58:06Das klingt jetzt ja klusscheißend.
00:58:07Aber das kann klappen.
00:58:09Und andere haben es auch so schon gemacht
00:58:10in der Vergangenheit.
00:58:11Ist aber, Boris Palmer,
00:58:12mit Blick auf die Situation Baden-Württemberg,
00:58:16Stuttgart hat die Hälfte, ne?
00:58:18Die Hälfte der Gewerbesteuer verloren.
00:58:20Die Hälfte.
00:58:20Die Hälfte, ganz ähnlich.
00:58:21Der Automobilcluster.
00:58:22Da muss man sich mal klarmachen,
00:58:23was das heißt, ne?
00:58:24Also, wenn ich Sie da mal mitnehmen darf
00:58:26in die Befindlichkeit
00:58:26eines schwäbischen Oberbürgermeisters,
00:58:29weil das beschäftigt mich noch mehr
00:58:30als die Floskeln,
00:58:31die sind auch interessant.
00:58:33Wir waren gewohnt,
00:58:34das Musterländle zu sein.
00:58:36Das ist das,
00:58:36was wir verinnerlicht haben.
00:58:38Wir haben zwar gesagt,
00:58:39wir haben kein Geld,
00:58:40aber wir waren sehr beleidigt,
00:58:41wenn man uns das geglaubt hat.
00:58:44Und dieser Stolz,
00:58:46der ist in jeder Fabrik,
00:58:48in jeder kleineren Stadt,
00:58:49überall ein Weltmarktführer.
00:58:50Und jetzt lesen wir in der Zeitung,
00:58:52Porsche,
00:58:54Porsche schmeißen Leute raus,
00:58:55verdienen kein Geld mehr.
00:58:56Mercedes schwierig.
00:58:57Mercedes,
00:58:58die Mittelständler,
00:58:59die Zulieferer gehen in Insolvenz.
00:59:01Die Gewerbesteuer sackt zusammen.
00:59:03Die Kommunen streichen reihenweise
00:59:05ihre Angebote für die Leute zusammen.
00:59:08Auch wir in Tübingen
00:59:09müssen das natürlich machen.
00:59:10Unser Bildungserfolg.
00:59:12Wir haben immer mit Bayern
00:59:13in der Spitzenliga gespielt.
00:59:15Baden-Württemberg ist weit zurückgefallen.
00:59:16Wir haben mittlerweile
00:59:17ein halbes Jahr Verlust
00:59:18an Lernerfolgen
00:59:20bei unseren Schülern
00:59:21gegenüber dem Stand von 2011.
00:59:23Warum?
00:59:23Und da gab es ein SPD,
00:59:25ein CDU
00:59:25und ein grünen Kultusminister.
00:59:27Keiner hat diesen Prozess aufgehalten.
00:59:29Warum ist es schwierig?
00:59:30Weil dann kommen wir wieder
00:59:31Integration, Inklusion,
00:59:32Überforderung von Schulen.
00:59:34Machen wir heute Abend nicht auf.
00:59:35Aber darüber reden wir.
00:59:36Das hat damit auch zu tun.
00:59:38Aber Sie wären doch gern Minister geworden.
00:59:39Nein, ich kann das viel besser beschreiben
00:59:41aus meinem Rathaus raus,
00:59:42weil man es mir dann glaubt.
00:59:43Aber da ändert man es halt nicht.
00:59:43Doch, in Tübingen kann ich auch was machen.
00:59:45Und dann haben wir also
00:59:46diese Bildungsmiserie,
00:59:48die sich jetzt immer mehr durchschlägt.
00:59:50Und zum Schluss fräsen uns
00:59:51in den Kommunen noch die Sozialausgaben
00:59:53die letzten Haare vom Kopf,
00:59:54weil wir bei
00:59:57dem Bundesteilhabegesetz,
00:59:58bei Jugendhilfe,
00:59:59bei Krankenhausfinanzierung
01:00:01und bei Flüchtlingen
01:00:02so viel draufzahlen,
01:00:03dass für Gestaltung
01:00:04nichts mehr übrig bleibt.
01:00:05Und das jetzt
01:00:05in den wohlhabenden Kommunen
01:00:07des Südens.
01:00:07Wir waren stolz,
01:00:08dass wir was machen konnten.
01:00:09Und jetzt
01:00:10bricht es plötzlich alles weg.
01:00:12Das ist eine tiefe
01:00:13Verunsicherung der Leute
01:00:14bei uns im Südwesten.
01:00:15Was wird aus uns?
01:00:16Detroit, Ruhrgebiet.
01:00:18Das sind Fragen,
01:00:18die Leute...
01:00:19Ein deutsches Phänomen, genau.
01:00:20Die Leute echt bewegen uns halt
01:00:22im Brennglas,
01:00:23weil wir die stärkste
01:00:25Exportregion Europas sind.
01:00:27Und wenn wir nicht mehr
01:00:27wettbewerbsfähig sind,
01:00:29was passiert dann mit uns?
01:00:30Dass dann aber
01:00:31die Regierung
01:00:32mit 60 Prozent
01:00:33wiedergewählt wird,
01:00:34wollen wir auch mal bitte erwähnen.
01:00:35Die gleiche Regierung
01:00:37bekommt noch mal
01:00:3860 Prozent
01:00:38und zwar ein Zuwachs
01:00:39des Vertrauens
01:00:41der Menschen.
01:00:41Das ist ein Riesengeschenk
01:00:43und deswegen dürfen die
01:00:44jetzt auch keine
01:00:44Streitkoalition machen.
01:00:45Die CDU muss wieder
01:00:46runter vom Baum.
01:00:48Die müssen dem
01:00:48Östwinn eine faire Chance geben.
01:00:50Und ich glaube,
01:00:51sie könnten auch was
01:00:51abgucken in Schleswig-Holstein.
01:00:53Ich finde,
01:00:53der Daniel Günther
01:00:54hat eine total richtige Strategie
01:00:56für die Zusammenarbeit
01:00:57von Grünen und Schwarzen formuliert.
01:01:00Der sagt,
01:01:01wenn zwei sich erst mal
01:01:02so weit,
01:01:03die so weit auseinander sind,
01:01:05zusammenraufen müssen,
01:01:06dann darf ich nicht
01:01:07diese Politik
01:01:08des kleinsten Linners
01:01:09machen,
01:01:09da ein Kompromiss
01:01:10und da was abschmelzen,
01:01:11bis nichts von dem,
01:01:12was man ändern will,
01:01:13noch funktioniert.
01:01:14Sondern sage ich drei Sachen,
01:01:15die sind für mich total wichtig
01:01:16und die werden eins zu eins
01:01:17umgesetzt,
01:01:18da wird nicht dran rumgemacht.
01:01:19Und dafür kriegt ihr auch
01:01:21drei Sachen,
01:01:21die euch total wichtig sind
01:01:23und da wird auch
01:01:23nicht dran rumgemacht,
01:01:24um wieder Veränderungen
01:01:26für die Leute sichtbar zu machen.
01:01:28Ich glaube,
01:01:28das ist elementar,
01:01:29dass wir uns nicht
01:01:29in einer Lethargie
01:01:30jetzt da
01:01:31in so einer Umbruchssituation
01:01:33abfinden müssen.
01:01:33Sie haben gerade
01:01:34auf die 60 Prozent hingewiesen,
01:01:36aber natürlich
01:01:37darf man auch
01:01:38den Aufwuchs,
01:01:38ich meine jetzt auch
01:01:39landesweit,
01:01:40der AfD
01:01:42nicht unter den Tisch
01:01:43fallen lassen.
01:01:44Mit Blick auf die
01:01:45Landtagswahlen,
01:01:46vor allem in Ostdeutschland,
01:01:47Sachsen, Anhalt,
01:01:48kommen Sie und sagen,
01:01:49wir werden durch
01:01:50diese fragmentierte
01:01:50Parteienlandschaft
01:01:51in eine Situation kommen,
01:01:53dass die CDU
01:01:55möglicherweise
01:01:56unter ganz bestimmten
01:01:57Umständen
01:01:59das Ding aufmachen muss
01:02:00und sagen,
01:02:01okay,
01:02:01dann arrangieren wir uns,
01:02:03dann gehen wir
01:02:03in eine Koalition mit euch.
01:02:05Wie könnten Sie sich
01:02:06das vorstellen?
01:02:07Vorneweg,
01:02:08ich rate nicht dazu.
01:02:09Wenn Sie sagen,
01:02:10es könnte eine Situation kommen.
01:02:11Ich habe meine Meinung,
01:02:12dass man Alternativen
01:02:14argumentativ abwägen sollte.
01:02:16Und die Perspektive
01:02:17einer Regierung,
01:02:18die zusammengeschweißt wird,
01:02:20ohne irgendeine
01:02:20Gemeinsamkeit
01:02:21aus BSW vielleicht noch,
01:02:23Linke,
01:02:23CDU und SPD,
01:02:24weil die alle
01:02:25zusammengehen müssen,
01:02:26um noch eine
01:02:27Mehrheit zu kriegen
01:02:27gegen die AfD,
01:02:28ist jetzt nicht so rosig.
01:02:30Also würde ich nicht sagen,
01:02:30das ist die Traumregierung,
01:02:32die ich mir wünsche
01:02:32als Ostdeutscher.
01:02:34Und dann kann man
01:02:34natürlich schon
01:02:35die Frage stellen,
01:02:36sind wir trotzdem
01:02:36verdammt,
01:02:37das zu machen
01:02:37oder könnte es
01:02:38auch anders gehen.
01:02:39Und ich habe mir
01:02:39die Frage gestellt,
01:02:40wenn die Sorge ist,
01:02:41dass die die
01:02:42Verfassung umstürzen wollen,
01:02:44kann man dann sagen,
01:02:45da kriegen sie halt
01:02:46keinen Zugriff.
01:02:47Kein Ministerpräsident,
01:02:48kein Justizminister,
01:02:49kein Innenminister,
01:02:50dann kann da eigentlich
01:02:51nicht viel passieren.
01:02:52Und dann probiert man mal aus,
01:02:54wenn die tatsächlich
01:02:55mitwirken müssen,
01:02:56was sie machen.
01:02:56Vielleicht geht es
01:02:57wie mit den Grünen,
01:02:58da waren auch mal
01:02:58viele Kommunisten dabei
01:03:00und Steinewerfer
01:03:00und die sind wieder
01:03:02resozialisiert worden.
01:03:03Vielleicht kann man sie
01:03:03auf die Art und Weise
01:03:05erfolgreicher,
01:03:05kleiner kriegen,
01:03:06Regierende ist nämlich
01:03:07anstrengend,
01:03:07als sie hinter der
01:03:08Brandmauer wachsen zu lassen.
01:03:10Ich sage nicht,
01:03:11dass es funktioniert,
01:03:12aber ich finde,
01:03:12wir müssen die Offenheit,
01:03:14Strategien zu besprechen,
01:03:15zurückgewinnen,
01:03:16weil bisher wird es
01:03:17arg moralisiert
01:03:18und ich glaube nicht,
01:03:19dass wir damit
01:03:20bisher so gut gefahren sind.
01:03:21Ich bin ganz klar,
01:03:21dass Sie die These
01:03:22in den Augen hatten.
01:03:23Herr Münkler?
01:03:23Wenn die CDU
01:03:24der Juniorpartner ist,
01:03:25wird sie nicht
01:03:25den Ministerpräsidenten
01:03:26Das wäre dann halt
01:03:27die Bedingung dafür,
01:03:28dass eine Partei,
01:03:28die sonst nie eine Chance
01:03:29hat, in die Macht zu kommen,
01:03:31dann doch mitmachen darf.
01:03:32Das wäre die Bedingung.
01:03:33Dann könnte die gegebenenfalls
01:03:34darüber zerbrechen.
01:03:36Diejenigen,
01:03:36die unbedingt mitmachen wollen
01:03:37und diejenigen,
01:03:38die eine harte Oppositionslinie fahren.
01:03:40Ich glaube,
01:03:41es würde die CDU zerstören
01:03:42und das Problem,
01:03:43wir probieren das mal aus,
01:03:44ist echt schwierig.
01:03:45Die CDU wird darunter leiden,
01:03:46weil die Merkel-Wähler
01:03:47weggehen.
01:03:48Und wenn sie das schon vorher
01:03:49als Möglichkeit
01:03:50ins Gespräch bringen,
01:03:52werden sie sie schon vorher
01:03:53verlieren.
01:03:54Und es ist dann
01:03:54ziemlich sicher,
01:03:56dass die AfD mit,
01:03:57na was haben wir da,
01:03:5839 Prozent
01:03:59oder so etwas
01:04:01durchmarschiert
01:04:02und die CDU
01:04:02ist gewissermaßen
01:04:03der Juniorpartner dabei.
01:04:05Und das ist genau
01:04:06die Situation,
01:04:08von der man in Deutschland
01:04:10mal geglaubt hat,
01:04:11also Papen und Konsorten,
01:04:13wir können die einbinden,
01:04:15bis sie quietschen.
01:04:16Das glaube ich nicht,
01:04:17dass das funktioniert.
01:04:19Das ist natürlich
01:04:20eine verlockende Vorstellung,
01:04:21dass sie sozusagen
01:04:22in der Regierung
01:04:23dekoufriert werden
01:04:24und zeigen,
01:04:25was sie alles nicht können.
01:04:27Aber in Thüringen
01:04:28unter dem Innenminister Frick
01:04:30haben sie ausprobiert,
01:04:31weil sie hinterher
01:04:32dann im Gesamt,
01:04:33also Thüringen
01:04:34haben sie 31, 32
01:04:36eine Koalition gehabt
01:04:38und der Frick
01:04:39hat alles durchgezogen,
01:04:42die Verfassung gedehnt
01:04:43bis zum Gehtnichtmehr.
01:04:45Man könnte auch sagen,
01:04:46sozusagen fast im Sinne
01:04:47von Donald Trump agiert.
01:04:49Ja, da habe ich halt
01:04:50Gerichtsurteile,
01:04:51dass mir das oder jenes
01:04:53nicht möglich macht.
01:04:54Ich mache es aber einfach.
01:04:55Und bis die das
01:04:56zurückgenommen haben,
01:04:57wirkt das.
01:04:59Und derlei mehr.
01:05:00Also ich denke,
01:05:01man darf da auch
01:05:02die strategischen Fähigkeiten
01:05:03dieser Partei
01:05:04nicht unterschätzen.
01:05:05Und das wird sozusagen
01:05:07dazu führen,
01:05:08dass die CDU
01:05:08die Probleme hat,
01:05:09die die Sozialdemokratie
01:05:10zurzeit hat.
01:05:11Und deswegen sollte
01:05:12sie die Finger davon lassen.
01:05:14Okay, bin sehr gespannt.
01:05:15Herr Walmer,
01:05:16Siehst du,
01:05:16also die Frage ist,
01:05:17was dann?
01:05:18Das sind auch valide Argumente.
01:05:20Ich verstehe das gar nicht.
01:05:21Aber die Frage nochmal
01:05:22an Herrn Münkler,
01:05:22was dann?
01:05:24Naja gut,
01:05:24da muss man halt versuchen,
01:05:27eine Koalition
01:05:28aus denjenigen,
01:05:30die der Rest sind
01:05:31und die die AfD
01:05:32verhindern können,
01:05:33zu bilden.
01:05:35In der Hoffnung,
01:05:36was wäre das dann?
01:05:37CDU,
01:05:37Linke?
01:05:39Ja.
01:05:39Da muss der
01:05:40Unvereinbarkeitsbeschluss
01:05:41aber weg.
01:05:41Der muss weg, ja.
01:05:42Richtig.
01:05:44Und die Sozialdemokraten
01:05:45sind dann vielleicht
01:05:46auch noch dabei.
01:05:49Die müssen dabei sein,
01:05:50weil sonst reicht es nicht.
01:05:51Aber wenn die SPD
01:05:52mit der 5%-Hürde kämpft,
01:05:54dann funktioniert das nicht.
01:05:55Glaube ich nicht,
01:05:55nicht in die Parlamente kommen.
01:05:57Das ist die Partei,
01:05:58die ist gewissermaßen
01:06:00aufgebraucht,
01:06:01so wie die FDP
01:06:02aufgebraucht ist.
01:06:02Aber Sie müssen noch
01:06:02zwei Dinge sehen.
01:06:04Diese Diskussion führen,
01:06:05finde ich immer gut.
01:06:06Also wenn man immer
01:06:06einen moralischen
01:06:07Tribus sich bewegt,
01:06:08könnte man nicht voran.
01:06:09Das finde ich auch noch.
01:06:10Ich glaube nur zwei Dinge.
01:06:11Einmal wird jetzt
01:06:12die CDU zerreißen,
01:06:14weil ich selber viele Leute
01:06:15kenne, die sagen,
01:06:15wenn das der Fall ist,
01:06:16ist nicht mehr meine Partei.
01:06:17Es ist objektiv so.
01:06:19Sie persönlich,
01:06:20Herr von Beuys,
01:06:20als jemand, der da angeht.
01:06:21Ich würde es mal auch überlegen.
01:06:22Und aus vorderem Grunde,
01:06:24das ist der zweite Punkt,
01:06:26wenn die AfD
01:06:27eine rechtspopulistische Partei wäre,
01:06:29wie damals in Hamburg Schill,
01:06:30würde ich sagen,
01:06:30das kann man machen.
01:06:31Nur da waren keine
01:06:32völkischen Leute,
01:06:33da war ein Rechtspopulist,
01:06:35aber sein Stellvertreter
01:06:36war jemand,
01:06:36der sich munter
01:06:37als Zigeuner bezeichnete
01:06:38und ein anderer war
01:06:39ein ehemaliger Türsteher
01:06:40von St. Pauli,
01:06:41war eine illustre Truppe,
01:06:42aber die hatten mit,
01:06:43sagen wir mal,
01:06:43mit völkischen Gedanken
01:06:45nicht zu tun.
01:06:46Aber wenn Sie sich
01:06:47die AfD-Jugend-Signation
01:06:48angucken oder was Völker
01:06:49und andere sagen,
01:06:50das ist zutiefst,
01:06:51also völkisch durchdrängend
01:06:53und ekelhaft.
01:06:54Und mit solchen Leuten
01:06:55kann man einfach
01:06:56keine Absprachen machen.
01:06:57Man kann überlegen,
01:06:58in einer Minderheitsregierung,
01:06:59wenn die einem Projekt
01:07:00von mir zustimmen,
01:07:01ohne Absprache,
01:07:02dann stimmen sie zu.
01:07:03Oder wenn die einen Antrag
01:07:04machen, wo sie sagen,
01:07:04na gut, das ist vernünftig.
01:07:06Aber das wäre doch
01:07:06nach geltender Definition
01:07:08ein Verstoß gegen
01:07:08die Brandmauer, oder?
01:07:09Nein.
01:07:10Nein, Brandmauer heißt nur,
01:07:13dass ich keine Absprache treffe.
01:07:15Weder Koalition,
01:07:16noch Einzelabsprachen,
01:07:17Das hat doch Friedrich Merz
01:07:18damals im Bundestag
01:07:19auch nicht gemacht.
01:07:20Das ist ausgeschlossen.
01:07:21Nein, das war ja auch kein Verstoß.
01:07:23Und akzeptiert,
01:07:23dass die AfD zustimmen.
01:07:24Ja, er sagt ja auch selber,
01:07:25das war kein Verstoß
01:07:26gegen die Brandmauer.
01:07:26Und ich finde,
01:07:27die sind ja nun mal gewählt,
01:07:28so furchtbar, dass sie sind.
01:07:29Und wenn die am Antrag von mir,
01:07:30der meiner Politik entspricht,
01:07:32zustimmen,
01:07:32kann ich sagen,
01:07:33Gott will nicht ändern.
01:07:34Also da muss ich mir
01:07:35in der Minderheitsregierung gucken.
01:07:36Die Hand heben,
01:07:36aber nicht mitreden.
01:07:37Ja, so ist es.
01:07:39Aber das ist ja,
01:07:40aber auch schon neu, glaube ich.
01:07:41Aber sie haben ja
01:07:41in vielen anderen Ländern
01:07:43auch Minderheitsregierungen,
01:07:44die auch irgendwie
01:07:44über die Runden kommen.
01:07:45Die Tradition haben wir ja nicht.
01:07:47Aber ich,
01:07:47nur die Alternative,
01:07:48ich habe auch mal gedacht,
01:07:50mit den anderen,
01:07:50wenn ich jetzt die Linken angucke,
01:07:52ich habe immer gesagt,
01:07:52müsste man eigentlich mal enden,
01:07:53was die jetzt mit Israel machen.
01:07:55Wurde den Gizi angehen
01:07:57und ihm Vorwürfe machen,
01:07:58er würde rassistisch sein,
01:07:59mit völlig absurden Begründungen
01:08:01und von der Parteispitze gedeckt,
01:08:03mit solchen Leuten bei aller Liebe,
01:08:04kann man ja auch nicht koalieren.
01:08:06Also muss ich gucken,
01:08:06wie ich von Fall zu Fall
01:08:07Mehrheiten hinkriege
01:08:08und Absprachen nur mit denen treffe,
01:08:10die, sagen wir mal,
01:08:11im inneren demokratischen Spektrum sind.
01:08:13So what?
01:08:15Minderheitsregierungen.
01:08:15Ja, ich sehe keine andere Möglichkeit.
01:08:17Nur gucken, was rauskommt nachher.
01:08:18Mal machen, weiß man ja auch nicht.
01:08:19Nur mit diesen völkischen Hanseln
01:08:21mich einzulassen,
01:08:22das ist völlig indiskutabel.
01:08:25Wie war das damals auch mal mit Schill?
01:08:27Also das war ja auch,
01:08:28das war ja auch hart diskutiert,
01:08:33umstritten und so weiter.
01:08:34Und da gab es ja sozusagen genau
01:08:35und den Vorwurf gab es da ja auch.
01:08:37Sie sagen, mir war von Anfang an klar,
01:08:39das ist eigentlich nicht der Kern der Geschichte,
01:08:41nicht der Kern dieser Partei.
01:08:43Also ich hatte einmal vor den Wahlen gesagt,
01:08:45dass ich es machen würde.
01:08:46Also es war nicht irgendwie Kamouflage,
01:08:47dann habe ich es angekündigt.
01:08:48Und zum Zweiten,
01:08:50die waren nicht völkisch
01:08:54oder hatten kein faschistisches Gedankengut.
01:08:56Die waren Populisten, auch Rechtspopulisten.
01:08:58Die haben Dinge gesagt,
01:08:59die damals massiv vorgeworfen wurden.
01:09:02Zum Beispiel bei der Hauptangriffspunkt,
01:09:03da Schill gesagt hat,
01:09:04wenn hier meinetwegen Drogendealer,
01:09:06Schwarzafrikaner erwischt werden
01:09:08und ich weiß, wie vorher sie kommen,
01:09:09weil sie keinen Pass haben,
01:09:11dann mache ich ein Abkommen mit Burkina Faso,
01:09:13setze sie ins Flugzeug
01:09:14und die werden in Burkina Faso
01:09:15erst mal zusammengefasst,
01:09:17bis ich das geklärt habe.
01:09:18Heute wird doch überall überlegt,
01:09:19ob man außerhalb der EU auch Zentren macht,
01:09:21wo man Leute unterbringt.
01:09:23Das war damals ein Riesenskandal.
01:09:25Also das war,
01:09:26sagen wir mal,
01:09:26in diesem Bereich bewegte sich das.
01:09:27Aber es war nichts Völkisches
01:09:29oder nicht,
01:09:31wenn Sie die Höcke reden,
01:09:32sich angucken,
01:09:33wenn wir erst einmal die Macht haben,
01:09:34dann werden die Leute erst mal
01:09:35sich warm anziehen müssen.
01:09:37Wir werden mit jedem Einzelnen,
01:09:38also sinngemäß jetzt nicht,
01:09:39das Gegendarstellen oder andere,
01:09:40abrechnen.
01:09:41Das ist brutalst.
01:09:42Und der wird geduldet.
01:09:43Und mit dem wird gespielt,
01:09:45also mit dessen Argumentation.
01:09:47Und mit solchen Leuten
01:09:47kann man nicht koalieren.
01:09:49Das geht einfach nicht.
01:09:50Herr Müller,
01:09:50wie haben Sie das damals
01:09:51mit der Schill-Partei wahrgenommen?
01:09:53Naja gut,
01:09:54ich meine,
01:09:55ich glaube,
01:09:55ich war damals schon in Berlin.
01:09:57Man hat das sozusagen
01:09:58als eine Hamburger Kuriosität
01:10:01aus der unmittelbaren Betrachtung.
01:10:04Und die hat ja auch
01:10:05nicht so lange gedauert.
01:10:06Und der Schill hat sie
01:10:07ja gewissermaßen
01:10:08auch auf seine Weite ruiniert.
01:10:10Aber andererseits
01:10:12war sie ein interessantes Beispiel dafür,
01:10:15dass wir mit einer Entwicklung
01:10:16zu tun hatten,
01:10:17dass Parteien eigentlich
01:10:19sich um Personen,
01:10:20einzelne Personen
01:10:21zunehmend gruppiert haben.
01:10:23Das konnte man
01:10:24in Osteuropa,
01:10:26in Ostmitteleuropa
01:10:27ja beobachten.
01:10:28Italien war das erste Beispiel dafür.
01:10:31Bündnis Sarah Wagenknecht
01:10:33ist was ähnliches.
01:10:35Trump in Amerika
01:10:37oder so hieß das mal
01:10:38in Österreich.
01:10:41Und wenn die das nicht schaffen,
01:10:44sich nach einiger Zeit
01:10:45gewissermaßen
01:10:46von dem autoritären Anführer
01:10:48zu emanzipieren,
01:10:50dann zerfallen sie.
01:10:51Relativ schnell.
01:10:52Oder weil sie regieren mussten.
01:10:53Könnte ja auch sein.
01:10:54Bitte?
01:10:54Oder weil sie regieren mussten.
01:10:56Könnte es nicht auch sein,
01:10:56dass es Regierungen
01:10:57für solche inhaltlich
01:10:58eigentlich nicht solide
01:11:00aufgestellten
01:11:01populistischen Strömungen
01:11:02problemisch?
01:11:04Regieren,
01:11:05das kann durchaus sein.
01:11:07Weil sie dann
01:11:08unter Beweis stellen müssen,
01:11:09inwieweit sie in der Lage sind,
01:11:11sagen wir mal,
01:11:12bei der AfD
01:11:1270 Prozent
01:11:13des Rentenniveaus.
01:11:15Ja, aber entsaubern
01:11:15durch Regieren
01:11:16ist etwas,
01:11:18was schon mal
01:11:19nicht funktioniert hat.
01:11:20Was wird denn
01:11:21da hinter den Kulissen
01:11:22in Berlin tatsächlich geredet?
01:11:24Was wir heute mal
01:11:24vor den Kulissen erzählen können?
01:11:26Zur Brandmauer.
01:11:28Ja, zur Brandmauer,
01:11:28zur Frage,
01:11:29wie es weitergeht,
01:11:29zum Unvereinbarkeitsbeschluss
01:11:31mit der Linkspartei
01:11:32und Ähnlichem?
01:11:34Also,
01:11:34bei dem Thema
01:11:35Brandmauer
01:11:36oder der Nichtzusammenarbeit
01:11:38mit der AfD
01:11:40ist Friedrich Merz
01:11:41so klar
01:11:41wie bei fast
01:11:42keinem anderen Punkt.
01:11:44Das
01:11:44nehme ich
01:11:45ihm,
01:11:46das nehmen
01:11:46ihm die CDU-Wähler
01:11:48komplett ab.
01:11:49Da hat er auch
01:11:50Lehrgeld bezahlt
01:11:50bei der
01:11:51einen Abstimmung
01:11:52im Bundestag,
01:11:53wo er die AfD
01:11:54mit in Kauf nahm,
01:11:55als er noch
01:11:55Oppositionschef war.
01:11:56Ja, und gilt das
01:11:57für alle in der Fraktion?
01:11:58Nein,
01:11:59das gilt nicht
01:11:59für die,
01:12:00also für Friedrich Merz
01:12:02wird das Problem
01:12:03im Sachsen-Anhalt
01:12:04ganz groß werden,
01:12:06wenn das so weitergeht,
01:12:07wie jetzt Umfragen sind,
01:12:08dort in den Kreisverbänden,
01:12:10auch im Landesverband
01:12:11gibt es Stimmen,
01:12:12die das anders sehen,
01:12:13die das ähnlich sehen
01:12:14wie Sie,
01:12:15die auch dafür
01:12:16gute Argumente haben.
01:12:17Ich will das jetzt
01:12:18gar nicht als dort
01:12:19lebend,
01:12:20heißt es,
01:12:21warum denn nicht?
01:12:22Wir können,
01:12:23wir können nicht
01:12:24uns irgendwie
01:12:25mit der Linken
01:12:25zusammentun.
01:12:27Da gibt es ja auch
01:12:28eine historische Erfahrung.
01:12:29Und die,
01:12:30die uns sozusagen
01:12:30politisch in Teilen
01:12:32näher stehen,
01:12:34in dem Fall rechts
01:12:35liegen lassen,
01:12:36das wird die CDU
01:12:38sehr, sehr zerreiben,
01:12:40da bin ich ganz sicher.
01:12:41Und da hat bisher
01:12:42weder das Adenauerhaus
01:12:43noch das Kanzleramt
01:12:44eine Antwort drauf.
01:12:45Bei der SPD geht es darum,
01:12:46ob sie dort überhaupt
01:12:47noch in Parlamente
01:12:49einziehen kann.
01:12:49Das ist also
01:12:50die noch viel größere
01:12:51Dramatik.
01:12:53Aber wahrscheinlich
01:12:54wird man sich
01:12:55etwas einfallen lassen müssen,
01:12:56wie man tatsächlich
01:12:57den Unvereinbarkeitsbeschluss
01:12:59mit der Linken
01:13:00so ausmanövriert,
01:13:02dass man zumindest
01:13:03bei Sachabstimmungen
01:13:05zusammenkommt.
01:13:06Also ich glaube,
01:13:06die Minderheitsregierung
01:13:08und wie ich die definiere
01:13:09und wie die arbeiten wird,
01:13:10wird noch mal
01:13:11sehr wichtig werden
01:13:13im Sommer
01:13:14oder im Frühjahr.
01:13:14Aber es ist ja,
01:13:15Boris Palmer,
01:13:16also
01:13:18Demokratie theoretisch
01:13:19auch so ein schlimmes Wort,
01:13:20schon eine Frage,
01:13:22was du zur AfD sagst,
01:13:24sagst du auch
01:13:25zu ihren Wählern
01:13:25letzten Endes.
01:13:27Das heißt,
01:13:28du respektierst
01:13:29dann letzten Endes
01:13:30im Zweifel,
01:13:31naja,
01:13:3240 Prozent
01:13:33der Wählerschaft
01:13:33sagst du,
01:13:34was ihr wollt,
01:13:35was euch treibt,
01:13:36ist für uns nicht relevant.
01:13:37Ist doch das,
01:13:38was man macht.
01:13:39Ja,
01:13:39die Frage ist,
01:13:41glaube ich,
01:13:41nicht wirklich zu beantworten,
01:13:43was dann passieren würde.
01:13:44Die Theorien
01:13:45von Herrn Münkler
01:13:46haben was für sich,
01:13:47aber es ist nicht zwingend,
01:13:49dass es schief geht.
01:13:50Deswegen komme ich ja
01:13:51auf den Gedanken,
01:13:51wenn man den AfD-Wählern,
01:13:53wenn das 40 Prozent sind,
01:13:54dann sind das nicht alles Nazis.
01:13:56Darauf können wir uns einigen.
01:13:57Wenn man denen irgendwann mal
01:13:59ein Angebot machen wollte,
01:14:01eure Stimme wird gehört.
01:14:03Wie könnte das auch sein?
01:14:04Und dann komme ich auf den Gedanken,
01:14:05dann muss es gegen
01:14:07verfassungsrechtliche Risiken
01:14:08abgesichert sein.
01:14:09Deswegen dürfen diese
01:14:09drei Schlüsselämter
01:14:10niemals an die AfD fallen.
01:14:12Das wäre der Preis.
01:14:13Ob das dann funktioniert?
01:14:15Ich weiß es nicht.
01:14:16Aber im Moment verhalten wir uns
01:14:17so ein bisschen wie,
01:14:18wenn wir ins Moor gehen,
01:14:19dann werden wir auf jeden Fall
01:14:21drinnen ertrinken
01:14:22und nie wieder rauskommen.
01:14:23Und das ist vielleicht auf Dauer
01:14:25auch nicht die beste Lösung.
01:14:26Wobei,
01:14:26wenn ich über die AfD rede,
01:14:28wie ich es Ihnen getan habe,
01:14:30das sind nicht die Wähler.
01:14:31Also Sie haben in Deutschland
01:14:32immer zehn Prozent
01:14:33rechtsradikale Wähler gehabt.
01:14:34DVU, Republikaner,
01:14:35NPD um die zehn Prozent.
01:14:37Und dazu kommt ein großer Teil,
01:14:39die ich selber auch kenne,
01:14:40auf einem ganz bürgerlichen Milieu,
01:14:41ein bisschen Sozialdemokraten
01:14:42oder Leute in Hamburg
01:14:43von der Elbstosserie,
01:14:44die viel Geld haben.
01:14:45Ein bisschen Unternehmertum hinein.
01:14:47Die wählen AfD
01:14:48wirklich aus Protestwahl,
01:14:49weil die sagen,
01:14:50die der anderen kriegen es ja nicht hin.
01:14:51Die reden und reden und reden,
01:14:53es passiert nichts.
01:14:54Und darum die Hoffnung,
01:14:55was Sie gesagt haben,
01:14:55wenn es jetzt gelingen sollte,
01:14:57hoffen wir es mal,
01:14:58nach diesen Landtagswahlen
01:15:01zusammen Dinge hinzukriegen,
01:15:02die auch unpopulär sind,
01:15:03das wirklich zu machen,
01:15:04ist, glaube ich,
01:15:05eine Chance,
01:15:06Leute relativ schnell
01:15:07wieder zurückzukriegen,
01:15:07weil das gemacht wird.
01:15:08Die wählen nicht programmatisch AfD.
01:15:10Die Hälfte zumindest nicht,
01:15:12sondern aus ganz anderen Gründen.
01:15:13Und ich glaube,
01:15:14die kriegt man auch wieder zurück.
01:15:15Aber die beruhigt doch
01:15:16eine Koalition mit der AfD
01:15:18und wo gar nicht,
01:15:18will die gar nicht
01:15:19aus Gründen der AfD AfD wählen,
01:15:20sondern weil sie auf Protest
01:15:22verziehen.
01:15:22Aber Sie wollen schon
01:15:23eine Richtungsänderung.
01:15:24Das ist doch eines
01:15:24der großen Probleme.
01:15:26Aber sehr unterschiedlich.
01:15:27Dass es in einigen Bundesländern
01:15:28klar rechts der Mitte
01:15:29Mehrheiten gibt
01:15:30und dass die Brandmauer
01:15:32dafür sorgt,
01:15:33dass dann die CDU
01:15:34im schlimmsten Fall
01:15:35jetzt in Axtrech
01:15:36mit der Linken
01:15:37koalieren muss,
01:15:38mit der sie
01:15:38den Unverkehrbarkeitsbeschluss hat.
01:15:40Das ist schon eine strategische
01:15:41Veränderung,
01:15:41die die Arbeiter wollen,
01:15:43die AfD wählen,
01:15:43ist eine ganz andere
01:15:44Richtungsänderung
01:15:45als die Mittelständler,
01:15:46die AfD wählen.
01:15:47Das ist keine
01:15:48einheitliche Ideologierichtung,
01:15:49sondern jeder hat
01:15:50sein Eidschokal.
01:15:51Aber man kann die Richtung
01:15:52nicht ändern als Wähler
01:15:53und das früstet die Leute.
01:15:55Ja gut,
01:15:56das liegt dann taglich
01:15:56an dem Politionssystem
01:15:57natürlich auch.
01:15:59Alles wird gut.
01:16:01Alles wird gut.
01:16:02Das ist die
01:16:03allerschlimmste,
01:16:04allerflosse.
01:16:06Es war auch
01:16:06ironisch gemeint,
01:16:07bitte um Gnade.
01:16:10Am Sonntag
01:16:11wird es noch besser.
01:16:12Danke ganz herzlich.
01:16:13Das hat
01:16:15Spaß gemacht,
01:16:16viel Erkenntnis gebracht.
01:16:17Jetzt die Kollegen
01:16:17vom heute-journal-Update
01:16:19und wir sind am Dienstag
01:16:20wieder für Sie da.
01:16:21Bis dahin.
01:16:22Dankeschön.
01:16:22Tschüss.
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