- vor 18 Stunden
Ein Werkzeugmacher wird erstochen in seiner Wohnung
aufgefunden. Sein Auto, persönliche Gegenstände und Bargeld
sind verschwunden. Erste Spuren führen ins Kölner
Bahnhofsmilieu.
aufgefunden. Sein Auto, persönliche Gegenstände und Bargeld
sind verschwunden. Erste Spuren führen ins Kölner
Bahnhofsmilieu.
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TVTranskript
00:01Ihr habt mich mein Leben lang belogen.
00:05Warum?
00:07Was mache ich denn jetzt ohne euch?
00:32Dieser Fall führt uns ins Jahr 1989. Es geht um den Mord an Dejan Kotnik, so nennen wir ihn im
00:39Film.
00:40Der 61-Jährige wird in seiner Wohnung brutal getötet.
00:44Die ersten Spuren führen hierher, an den Hauptbahnhof in Köln, in ein Milieu, in dem Drogen und Prostitution zum Alltag
00:52gehören.
00:53Die aufwendigen Ermittlungen laufen ins Leere. Erst zwei Jahrzehnte später kann der Fall geklärt werden.
01:00Besonders wichtig dabei, ein Phantombild.
01:04Abend.
01:06Hey, Dian. Alles klar?
01:09Alles klar.
01:10Bert, gestern, war da nicht dein Geburtstag?
01:14Das stimmt.
01:16Da. Von mir.
01:19Ein Geschenk? Wow.
01:24Edelstahl. Hab ich selbst gemacht. Davon gibt nur dein Stück.
01:28Auf der ganzen Welt. Du fährst doch gerne auf Tour.
01:32Dian Kotnik ist vor 25 Jahren nach Deutschland gekommen und von Beruf Dreher. Er arbeitet in Köln.
01:38Heute schon gerissen, ne? Tolle Maloche.
01:42Den Feierabend verbringt er häufig in seiner Stammkneipe an seinem Wohnort, einer Kleinstadt 35 Kilometer südwestlich von Köln.
01:52Kaum ist es jetzt Herbst, plant meine Frau schon wieder den nächsten Badeurlaub.
01:56Ja. Sie will mal runter, nach Jugoslawien, ans Meer. Du bist doch von da, oder?
02:05Ich komme aus Slowenien. Sie will ans Meer?
02:11Na, besser Chorvatska. Kroatien hat sie viel mehr.
02:16Na ja. Also ich wollte ja lieber nach Mallorca wieder. Aber meine Frau, die hat bei uns die Hosen an.
02:24Nicht in der Beziehung.
02:27Ja, ja. Unser guter Dian. Der ist schlau. Keine Frau, keine Kinder, keine Sorge. Da bleibt ihm viel Ärger erspart.
02:38Habe ich nicht recht.
02:39Ich hatte eine Frau. Ich war verheiratet. Aber dann ist sie weg. Wir sind geschieden.
02:56Echt? Das wusste ja gar nicht.
03:00Tut mir leid, Kumpel.
03:05Alleinsam macht keinen Spaß. Ist nicht gut.
03:19Dian Kotnik ist bei allen, die ihn kennen, sehr beliebt. Trotzdem fühlt er sich oft einsam. Vor allem abends.
03:39Er leidet unter der Trennung von seiner Frau und hätte gerne eine neue Beziehung.
03:49Dian Kotnik hat neun Geschwister. Vier davon leben in Deutschland. Eine Schwester und ein Bruder sogar ganz in seiner Nähe.
03:57Zu ihnen hat er einen liebevollen und intensiven Kontakt.
04:00Sie machen sich gut. Wir suchen uns doch mal wieder. Sie fragen immer, wie der macht ihr.
04:07Ah, hey, da ist die Katja. Ich komme gleich wieder, ja?
04:11Hey, bitte.
04:13Und bei dir? Gibt's was Neues?
04:16Immer das Gleiche. Arbeit, abends in die Kneipe, schlafen, wieder in die Arbeit.
04:25Dann, Bruder, du gehst manchmal zu solchen Frauen, wie sagt man, was du tätig, ja?
04:33Ja und? Meine Sache.
04:36Lass das besser. Bringt du Ärger.
04:39Danke. Ich weiß schon, was Sie machen.
04:43Wenn's dir schlecht geht, dann ruf an. Wir sind doch deine Familie.
04:47Ich kann schon auf mich aufpassen. Aber danke, Bruder.
04:52Trinken wir noch irgendwo einen Kaffee?
04:54Ja, ganz gut.
04:57Sehr gut.
05:00Wenn ihm am Wochenende in seiner Wohnung die Decke auf den Kopf fällt, dann sucht Dejan Kotnik nach Ablenkung.
05:07Er steigt in sein Auto und fährt hierher nach Köln, zum Hauptbahnhof.
05:11Interessant ist für ihn aber weniger der Platz vor dem Bahnhof mit dem weltberühmten Dom und der Domplatte, sondern der
05:19Platz hinter dem Bahnhof.
05:41Nichts, ich bin nicht mehr.
05:43Hier ist der Platz beim Geflotten.
05:44Ich bin nicht mehr auf meiner Tumente.
05:49Das ist für die Gesellschaft.
05:52Zur gleichen Zeit dreht auch Polizeimeister Uwe Döpking am Bahnhof seine Runden.
05:57Herr Döpking, damals 1989 waren Sie als junger Polizeimeister hier rund um den Hauptbahnhof im Einsatz.
06:05Was waren hier für Leute? Was war hier für eine Szene?
06:08Die Szene bestand hier aus Drogensüchtigen, Prostituierten, Obdachlosen, gerade auf der Rückseite des Bahnhofs,
06:16die ja zum Teil ihr Lager aufgeschlagen haben oder sich auch mal in Schuss gesetzt haben mit Heroin. So war
06:24das früher, ne?
06:27Hey, hast du mal eine Kippe für mich?
06:30Was wird das hier?
06:32Nix.
06:34Ihre Ausweise bitte.
06:39Rund um den Bahnhof werden immer Leute angeschlaucht um Geld.
06:43Es waren Taschendiebstähle da. Es gab hier in der Obdachlosen-Szene, die sich meistens hier in diesem Bereich aufgehalten hat,
06:53Körperverletzungsdelikte. Also die ganze Palette der Kleinkriminalität. Alles, was auch mit der Prostitution zusammenhängt.
07:03Es wurde sich prostitutiert auf der Rückseite des Bahnhofs, hier an den Ecken, wo die Freier dann meistens hier langgegangen
07:09sind.
07:09Und das ging dann weiter Richtung Eigelsteinviertel. Das war halt unsere Aufgabe zu kontrollieren.
07:14Und auch die Prostitution im Sperrbezirk zu unterbinden. Es gab richtige Sperrbezirk.
07:18Und dieses Milieu, das Herr Döpking gerade beschreibt, rund um den Kölner Hauptbahnhof 1989,
07:24das sollte in den Ermittlungen noch eine wichtige Rolle spielen.
07:29Ja, Gottnick?
07:31Hey, Dejan, ich bin's.
07:33Ah, hallo, Schwesterchen.
07:36Die Kinder und ich, wir wollen dich zum Mittagessen einladen.
07:40Ah.
07:40Wenn du magst.
07:42Danke. Wirklich. Aber...
07:45Die Kinder würden sich freuen. Sehr.
07:50Vielleicht ein anderes Mal. Heute...
07:54Heute bin ich nicht so gut drauf.
07:56Aber gerade dann, vielleicht...
07:58Nein, heute nicht.
08:02Vielleicht kommt ein Sonntag, ja?
08:04Na gut. Wir hören uns.
08:07Ja.
08:08Dann trotzdem einen schönen Tag.
08:11Danke.
08:12Danke. Euch auch.
08:15Bis bald.
08:18Dejan Kottnick wird das Treffen seiner Schwester schuldig bleiben.
08:23Die Tat war ja übers Wochenende passiert.
08:26Und bereits am Montag haben sich Kollegen von ihm Sorgen gemacht, weil er nicht zur Arbeit erschienen ist,
08:30weil er war ein sehr zuverlässiger Mensch.
08:33Und sein Bruder ist dann zusammen mit der Vermieterin, die einen Zweitschlüssel hatte, in die Wohnung gegangen.
08:39Ich verstehe das nicht.
08:41Der meldet sich sonst immer. Er ist bei der Arbeit immer zuverlässig.
08:46Verstehen Sie?
08:48Eigentlich darf ich da nicht einfach so rein.
08:51Bitte machen Sie auf. Ich stehe dafür.
09:00Dejan?
09:11Dejan, bist du da?
09:17Wer ist nicht da?
09:20Vielleicht Schlafzimmer.
09:26Dejan?
09:28Die Tür ist zu.
09:31Kein Schlüssel im Schloss, aber ich kann nichts sehen.
09:33Ich habe noch alte Zimmerschlüssel.
09:35Vielleicht passt einer?
09:36Ja, geben Sie her.
09:37Herr.
09:51Dejan?
09:53Nein!
09:55Dejan!
09:57Ich glaube, er ist tot.
09:59Was?
10:00Hältst mich?
10:02Er ist tot.
10:02Ich rufe die Polizei.
10:06Der Mord ist ja 1989 passiert. Ich selbst bin dann in diesem Fall eingestiegen im Jahr 2008.
10:13Da war ich dann schon bei dieser Dienststelle KK11.
10:15Es war damals so, dass wir uns auch damals schon um alte, ungeklärte Tötungsdelikte gekümmert haben.
10:23Der damalige Ermittler, Kriminalhauptkommissar Robert Lötsch, leitet die anschließend eingerichtete Soko.
10:29Hallo, Sie sind der Bruder?
10:33Lötsch, Kripoachen, ich leite die Ermittlungen. Sie haben ihn gefunden?
10:38Ja, ich habe ihn telefonisch nicht erreicht. Und dann wollte ich nachschauen.
10:44Blanka!
10:46Hey.
10:49Das ist meine Schwester, das ist der Herr...
10:51Lötsch, Kripoachen, mein Beileid.
10:55Was ist denn passiert?
10:56Das kann ich noch nicht sagen. Wann haben Sie denn Ihren Bruder das letzte Mal gesehen?
11:00Ich habe am Sonntagmorgen noch mit ihm telefoniert und am Montag ist er nicht zur Arbeit erschienen.
11:06Aber was ist passiert?
11:08Das, äh, grüß dich.
11:11Lassen Sie uns später nochmal sprechen, dann kann ich Ihnen vielleicht schon mehr sagen.
11:14Das tut mir leid.
11:15Ja, aber...
11:16Ich bin noch aufgehalten worden.
11:18Kein Problem.
11:19Hast du vielleicht einen Aufruhrer, fändisch? Kannst du mich einweisen?
11:21Ja.
11:26Ich habe natürlich nur die Fotos gesehen. Ich war selber nicht am Tatort.
11:29Aber aufgrund der Fotos muss man sagen, das war eine, ähm, recht auffällige Situation.
11:39Der Körper ist völlig entkleidet. Aber Hinweis auf ein Sexualdelikt sehe ich nicht.
11:46Hm. Aber was ist mit den Fesseln?
11:49Mit dem Kabel hier hat er die Hände fixiert. Ein anderes Kabel hat er um den Hals gelegt. Vermutlich um
11:56ihn zu strangulieren. Das hat aber nicht zum Tod geführt.
11:59Wir haben feine Schnittverletzungen am Hals, oberflächlich, auch die nicht tödlich. Das Taschentuch steckte im Mund. Wahrscheinlich als Knebel.
12:10Und was hat zum Tod geführt?
12:12Diese beiden Messerstiche hier in Brust und Bauch. Das kann ich auch ohne Obduktion schon sagen. Er ist innerlich verblutet,
12:20innerhalb von wenigen Minuten.
12:22Ja.
12:23Ähm, was wir auch noch haben, ist ein Messerstich am rechten Unterarm.
12:28Sind das Abwehrspuren?
12:30Sieht ganz danach aus, ja.
12:32Und der Todeszeitpunkt?
12:33Vor zwei Tagen, also am Sonntag. Gegen Abend, schätze ich.
12:39Das passt zu dem, was seine Schwester gesagt hat.
12:42Danke. Und das hilft dann schon mal. Das gibt uns zumindest eine Richtung.
12:47Die deutete halt darauf hin, dass möglicherweise da etliche Zeit an dem Herrn Kottnick gearbeitet wurde, sag ich jetzt mal
12:56so, um ihn zu bedrohen, ihn dazu zu bringen, zu bestehen, ob er Wertgegenstände in der Wohnung hat oder, oder,
13:01oder.
13:02Also, einen Brustspuren gibt es keinen. So wie es aussieht, hat das Opfer seine Täter reingelassen, sogar bewirtet. Und wenn
13:09ich sage, die Täter, dann meine ich mindestens zwei. Das heißt, zusammen machen sie mindestens zu dritt.
13:15Woraus schließt du das?
13:17Hier.
13:17Hier. Die Gläser, drei Stück.
13:20Herr Stefan, die Kippen, da wird DNA dran sein. Das wird später noch wichtig sein. Wissen wir, ob was fehlt?
13:28Die Geschwister machen uns eine Liste, sobald wir hier raus sind.
13:31Sehr gut.
13:31Die Sonderkommission der Kripo in Aachen beginnt am nächsten Morgen mit einer Lagerbesprechung.
13:38Tag zusammen.
13:39Tag.
13:40Hört ihr bitte mal alle her?
13:44So, danke. Also, gleich mal vorweg. Ich denke, wir haben es mit einem Raubmord zu tun. Warum?
13:52Vlado, der Bruder von Dejan Kottnick, hat erzählt, dass Dejan sich immer wieder Prostituierte aus dem Kölner Bahnhofsmilieu nach Hause
13:59geholt hat.
14:00So auch am Sonntag. Da hat er sich wohl zwei Prostituierte in die Wohnung geholt. Er wollte Sex. Die Leiche
14:06ist ja nackt.
14:07Aber die Damen hatten wohl was anderes im Sinn. Wertsachen und Geld. Dafür sprechen zwei Dinge. Katrin?
14:14Erstens, hier die Liste mit den Sachen, die laut der Geschwister fehlen.
14:19Neben ein paar kleinen belanglosen Gegenständen fehlt unter anderem auch das Auto des Opfers. Ein silberner Opel Vectra.
14:27Außerdem Bargeld. 1500 D-Mark. Geld, das das Opfer für eine Feier zu seinem 61. Geburtstag in der Wohnung aufbewahrt
14:34hatte.
14:35Zweitens, die offene Situation der Leiche. Die Täterinnen haben ihr Opfer gefesselt und mit einem Kabel stranguliert.
14:43Außerdem haben sie ihm feine oberflächliche Schnittverletzungen am Hals zugefügt.
14:48Und das sind keine Kampfspuren. Wir gehen davon aus, dass sie Dejan Kotnik gefoltert haben.
14:53Warum das denn? Wahrscheinlich, weil er ihnen nicht verraten wollte, wo sein Geld versteckt ist.
14:57Aber als wir das Geld hatten, warum haben sie ihn dann trotzdem getötet?
15:00Damit er nicht um Hilfe rufen und sie nicht verpfeifen kann.
15:04Das Messer, mit dem sie ihn erstochen haben, das haben wir nicht gefunden.
15:07Also gehen wir davon aus, dass sie es wahrscheinlich mitgenommen haben.
15:10Fingerabdrücke?
15:12Die Auswertung der Fingerspuren läuft noch.
15:14Gut. Also, wer schreibt den Wagen zur Fahndung aus?
15:19Alles klar. Ansonsten gehen wir so weiter wie immer.
15:22Befragung der Nachbarn, Kollegen, Bekannten, Öffentlichkeitsarbeit etc.
15:27Eine Sache noch. Wir haben ein Dutzend Kippen aus zwei Aschenbechern und Fingernagelendstücke des Opfers.
15:33Darunter könnten sich Hautpartikel von den Täterinnen befinden.
15:36Ich schicke das Ganze ans LKA ins Labor. Dann soll ich mal sehen, was Sie damit anfangen.
15:40Okay.
15:44Die DNA-Analyse steckt damals noch in den Anfängen.
15:47Eine nähere Untersuchung der Zigarettenkippen und Fingernagelendstücke ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.
15:53Auch die Auswertung der Fingerspuren am Tatort führt zu keinem Ergebnis.
15:59Kriminaltechnisch ist die Kripo 1989 schnell am Ende.
16:03Auch weil die Befragungen und die Öffentlichkeitsarbeit zu nichts führen.
16:07Doch dann kommt ein Anruf.
16:09Alles klar.
16:11Super.
16:12Ja.
16:13Dankeschön.
16:19Robert.
16:20Anruf aus Köln.
16:22Sie haben das Auto gefunden.
16:23Sehr gut.
16:26Ein Mann, der seine Hund Gasse geführt hat, sagt, er hätte gesehen, wie ein Auto auf den Rasen vor einem
16:31Wohnblock gefahren ist.
16:33Dann seien wohl zwei Leute ausgestiegen. Ein junger Mann und eine junge Frau.
16:38Sie sind dann wohl weggegangen, ohne das Auto abzusperren. Der Zeuge fand das alles sehr seltsam und hat es der
16:44Polizei gemeldet.
16:45Das war genau an dem Abend, an dem Dejan Kotnik umgebracht wurde.
16:49Die Kollegen aus Köln haben dann erstmal eine Verwarnung wegen Falschparkens unter den Scheibenwäscher geklemmt, da sie ja nicht wussten,
16:56was es mit dem Auto auf sich hatte.
16:58Bis sie unsere Fahndung gelesen haben.
17:00Ja, dann sind das unsere Täter.
17:02Vermutlich schon. Also keine zwei Frauen, sondern eine Frau und ein Mann.
17:07Sie prostituiert sich und er ist ihr ständiger Begleiter, Zuhälter, Freund, was auch immer.
17:12Solche Konstellationen gibt es ja häufiger in der Szene.
17:14Ja, und die Geschichte geht sogar noch weiter.
17:17Der Zeuge hat dann im Abend zwei Freunde zu Besuch, die kurz davor aufgebrochen waren.
17:22Er hat ihm von der ganzen Sache erzählt und die wiederum haben ihm erzählt, dass das Pärchen mit ihnen ganz
17:27in der Nähe in einem Bus gestiegen ist.
17:29Wo das Pärchen wieder ausgestiegen ist, das wissen Sie wohl nicht mehr.
17:33Drei Zeugen. Sehr gut.
17:35Ja, Sie haben das Pärchen wie folgt beschrieben.
17:39Er, Anfang 20, 1,75 bis 1,80 Meter groß.
17:43Dunkelblondes Haar, Lederjacke, dunkle Jeans.
17:47Sie, circa 20, 1,65 bis 1,70 Meter groß.
17:53Ebenfalls dunkelblondes Haar.
17:55Mit ein bisschen Glück kriegen wir sogar Phantombilder.
17:58Hier im LKA Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf treffe ich jetzt den Phantombildzeichner Ingo von Westphal.
18:05Herr von Westphal, wie starten Sie so eine Phantombilderstellung?
18:09Ja, das sind drei Phasen, mit denen wir arbeiten.
18:12Die erste Phase ist die Aufwärmphase, wo wir natürlich erstmal unseren Zeugen kennenlernen, irgendwo eine gewisse Vertrauensbasis schaffen.
18:18Wir müssen immer eins bedenken, das sind keine Tatverdächtigen oder so, das sind und bleiben immer nur Zeugen.
18:25Die zweite Phase ist die Experimentierphase, beziehungsweise das Aussuchen.
18:30Und die letzte Phase ist eben halt das Erstellen des Bildes.
18:34Dann lassen Sie uns doch mal losgelöst von unserem Fall mal ein fiktives Phantombild erstellen.
18:39Sehr gerne.
18:40Ja?
18:41Wo ist mein Platz?
18:42Der Platz ist hier bei Ihnen und ich sitze Ihnen gegenüber.
18:47Herr von Westphal, wir würden diese erste Phase jetzt mal überspringen.
18:50Ja.
18:50Und im nächsten Moment zeigen Sie mir solche Bilder.
18:53Was sind das für Menschen? Was ist das für eine Kartei?
18:56Das sind Referenzbilder, mit denen wir arbeiten. Das ist wie so ein Ersatzteillager für uns.
19:03Natürlich, wo wir aus dem einen Bild die Augen rausnehmen, aus dem anderen Bild nehmen wir die Haare, von den
19:09anderen nur die Gesichtsform.
19:11Das heißt so viel wie etwas zu sehen, etwas zu zeigen, was man meint, ist einfacher, als wenn Sie mir
19:18das mit Worten beschreiben müssten.
19:20Was ist Ihre erste Frage, die Sie dann stellen?
19:22Die erste Frage ist nach dem Alter der ethnischen Gruppe, männlich und weiblich.
19:27Dann sage ich jetzt mal Mitteleuropäer, 35 Jahre alt, schätze ich.
19:33Ja, da gehen wir doch mal in den Bereich dann ganz einfach schnell rein.
19:37Mitteleuropäer und das Alter ist...
19:40Dann habe ich schon mal hier vorab schon mal gewisse Referenzbilder rausgesucht.
19:47Können wir uns jetzt mal an die Augen ran tragen?
19:49Ja, wir nehmen einfach mal jetzt ein Augenpaar von ihm hier.
19:53Dann sehen Sie auch gleich, wie sich natürlich auch so ein Gesicht dann verändert.
19:58So, dann kann ich das dementsprechend vielleicht größer machen.
20:03Und ich muss das dann eben halt alles noch so ein bisschen angleichen.
20:08Das sieht schon mal gut aus.
20:10Und die Tatsache, dass das schwarz-weiß ist, ist das etwas, was mit Absicht gemacht wird?
20:15Ja, schwarz-weiß ist es a für den Zeugen einfacher.
20:19Er muss nur mit hell und dunkel arbeiten.
20:22Auf der anderen Seite, wir müssen immer die anderen auch betrachten, die später so ein Bild sehen.
20:27Farbe grenzt unheimlich ein in der Betrachtung.
20:29Haben wir schwarz-weiß, kann er selber Farbe rein interpretieren.
20:32Was unser fiktives Phantombild betrifft, er trug doch eine Sonnenbrille, ist mir gerade eingefallen.
20:38Eine Sonnenbrille? Da muss ich jetzt mal ganz woanders reingehen erst mal.
20:43So, da haben wir verschiedenste Sonnenbrillen hier natürlich von Modellen hier drin.
20:48Wir nehmen sie jetzt einfach mal.
20:51Dementsprechend aufsetzen.
20:53Na, aber ich konnte seine Augen noch sehen.
20:57Dann machen wir mit einem ganz kurzen Weichton, holen wir dann so ein bisschen die ursprünglichen Augen wieder hervor.
21:09Vielen, vielen Dank, Herr von Westphal. Sehr interessant.
21:12Sehr gerne.
21:13Und auch im Fall Dejan Kotnik konnte ein Phantombild des Mannes erstellt werden.
21:18Damit, und mit den Aussagen der übrigen Zeugen, macht sich dann die Soko im Kölner Bahnhofsmilieu auf die Suche nach
21:25dem tatverdächtigen Pärchen.
21:27Die da drüben. Das könnten sie sein.
21:31Aber langsam.
21:33Wer weiß, wie die auf die Polizei reagieren.
21:41Guten Tag.
21:42Hallo.
21:43Polizeikontrolle. Ihre Ausweise bitte.
21:52Also, wenn man genau einen sieht, so richtig ähnlich ist er ihm nicht.
21:55Also, auf den ersten Blick schon.
21:58Aber, naja.
22:00Aber nach den Zeugenaussagen stimmt's.
22:03Sie prostituiert sich und er ist ihr ständiger Begleiter.
22:06Und außerdem haben sie schon mal einen Freier ausgenommen.
22:09Hm.
22:11Guck hier.
22:12Hm?
22:13Er wohnt im Haus seiner Eltern.
22:15Ganz in der Nähe der Stelle, wo man das Auto gefunden hat.
22:19Und trotzdem sind sie's vielleicht nicht.
22:22Und man hat auf dem Fahrer- und Beifahrersitz eine grün-gelbliche Wollfaser gefunden damals.
22:29Und diese Faser hat man dann auch damals verglichen mit Kleidungsstücken, die man bei diesem Pärchen abgeklebt hatte.
22:38Die passten aber nicht. Insofern konnte man diese Faser diesem Pärchen damals nicht zuordnen. Das ging nicht.
22:45Wochen und Monate vergehen. Aber die Ermittlungen bleiben ohne Ergebnis.
22:50Weißt du, was mir keine Ruhe lässt?
22:53Sag.
22:56Warum ist er zu Prostituierten gegangen?
22:59Und warum hast du mir nichts gesagt?
23:03Das ist doch gefährlich.
23:06Das habe ich ihm auch gesagt, aber er wollte nichts davon wissen.
23:09Und hier habe ich nichts gesagt, weil er das nicht wollte.
23:12Ich konnte ihm nichts in den Rücken fallen.
23:19Ein halbes Jahr nach der Tat sind alle Spuren abgearbeitet.
23:24Neue Ermittlungsansätze gibt es keine.
23:26Die letzte Hoffnung für die Kripo und die Angehörigen ist Aktenzeichen XY ungelöst.
23:32Und Menschen, die unter Einsamkeit leiden, sind nach den Erfahrungen der Polizei leider auch in Sachen Kriminalität besonders gefährdet.
23:39Sie werden öfter als andere Opfer von Betrügern, von Trägtiden, von Räubern und auch von Tötungsdelikten.
23:46Die Kripo Aachen bearbeitet seit einem halben Jahr einen Mordfall, der diese Erkenntnis wieder einmal bestätigt.
23:53Das Opfer...
23:54Ich habe also diesen Beitrag von Aktenzeichen XY im Fernsehen gesehen.
23:59Und es ging nochmal um ein Tötungsdelikt, wo der Ausgang der Kölner Hauptbahnhof war.
24:04Und in dem Bereich war ich ja nun tätig, schon mehrere Jahre.
24:08Und kannte natürlich auch viele Leute, weil ich da streif gegangen bin, die Leute überprüft habe.
24:13Ja, und dann hat man natürlich ein besonderes Interesse an so einer Sache.
24:17Wo das Paar aus dem Bus gestiegen ist, konnte die Aachener Mordkommission von den Zeugen leider nicht erfahren.
24:23Sie haben aber eine Beschreibung der beiden abgeben können.
24:26Der Mann, der aus dem Opel ausgestiegen ist, wird wie folgt beschrieben.
24:30Anfang 20, 1,75 bis 1,80 groß, bunkelblonde Haare, er trug Jeans mit einer dazu passenden Jacke.
24:38Von der Frau konnte keine Zeichnung angefertigt werden.
24:41Das sind doch die beiden.
24:41Sie soll etwa 20 Jahre alt sein, 1,65 bis 1,70 groß.
24:46Willkommen in Köln!
24:47Haben Sie vielleicht eine Mark für uns?
24:49Oder zwei, oder drei vielleicht.
24:51Was passiert hier gerade?
24:53Nichts.
24:56Bei Ihnen alles in Ordnung?
24:57Ja, die beiden wollten Geld von mir.
25:01Sie haben Ihre Geldbörse?
25:03Ja.
25:04Gut, vielen Dank. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.
25:06Danke Ihnen auch.
25:09Wir kennen uns auch schon.
25:11Frau Henschel und Herr Faber, richtig?
25:15Die Ausweise.
25:17Ich sag, mit diesem Pärchen hast du doch zu tun und die kennst du doch irgendwo her und es könnte
25:21sein.
25:22Zumindest kannst du mal einen Hinweis geben an die Kollegen, dass es sich um so ein Pärchen handeln könnte,
25:28die du im Rahmen deiner Tätigkeit als Schutzmann da unten schon öfters hattest.
25:33Was ist, wenn ich jetzt diesen Bericht schreibe und es stellt sich raus, Sie sind es gar nicht?
25:37Dann habe ich völlig umsonst die Pferde scheu gemacht.
25:39Hm, ich glaube, ich würde...
25:42Schau, da vorne.
25:51Hallo zusammen.
25:54Was ist mit Ihren Haaren passiert?
25:57Sie haben sich die Locken abrasiert. Warum?
26:00Ich hatte nie Locken.
26:02So, so.
26:03Ich kenne Ihre Namen.
26:05Claudia Henschel und Carsten Faber.
26:07Ich heiße Carola.
26:09Was soll das jetzt?
26:10Komm, Ausweise bitte.
26:13Herr Döpking, diese bemerkenswerte Kontrolle fand zwei Tage nach der XY-Sendung statt.
26:18Sind Sie gezielt mit Ihrer Kollegin schon hier an den Hauptbahnhof gekommen?
26:22Ja, ich bin schon gezielter hingegangen.
26:24Und ich wusste ja, dass Sie sich hier in diesem Milieu rumtreiben am Hauptbahnhof, im Drogenprostituiertenmilieu.
26:29Also die beiden haben sich verdächtig gemacht, aber es ging ja hier um Mord oder um den Tatvorwurf Mord.
26:35Das ist richtig.
26:36Haben Sie den beiden das zugetraut?
26:37Nein, habe ich nicht.
26:38Muss ich ganz ehrlich sagen.
26:39Für mich waren das Kleinkriminelle, die im Drogenprostituiertenmilieu unterwegs waren.
26:44Die haben vielleicht mal Leute angeschnurrt.
26:46Die haben vielleicht mal kleinere Diebstähle begangen, um ihre Drogensucht zu finanzieren.
26:50Aber so ein Tötungsdelikt ist ja schon eine erhebliche Sache.
26:53Für mich waren es halt Kleinkriminelle.
26:55Und Sie haben das alles in Ihren Bericht geschrieben.
26:57Insgesamt muss man sagen, ist das schon sehr ungewöhnlich, dass man nach einer XY-Sendung als Polizist selbst zum Hinweisgeber
27:04wird.
27:05Ihr schreibt von einem Pärchen, Claudia Henschel und Carsten Farber.
27:12Ihr kennt die beiden von seinen Streifengängen am Hauptbahnhof.
27:14Und sie passen genau auf das Tierterprofil.
27:17Nur, dass die Frau 15 und nicht 20 Jahre alt ist.
27:20Noch ein verdächtiges Pärchen.
27:23Warten wir die beiden nicht schon auf den Schirm?
27:25Bis jetzt nicht.
27:26Na dann, hoffentlich sind es die Richtigen. Wäre höchste Zeit.
27:30Stimmt. Aber ich bin nicht besonders optimistisch.
27:32Nach dem Reihenfall mit dem letzten Pärchen...
27:35Dann lass uns die beiden ansehen.
27:39Die Beamten gehen dem Hinweis nach und suchen das Pärchen an seiner Meldeadresse auf.
27:45Schön.
27:46Tja.
27:48Hoffentlich sind Sie da.
27:50Sonst fahren wir jetzt zum Bahnhof.
27:52Jo.
28:06Guten Tag. Mein Name ist Lötzsch, Kripo Aachen. Das ist meine Kollegin Frau Steiger.
28:11Sie sind Claudia Henschel?
28:13Ja.
28:14Ihr Freund heißt Carsten Farber?
28:17Ja, der ist aber nicht da.
28:18Dürfen wir einkommen?
28:20Worum geht's?
28:21Das sagen wir in drinnen.
28:25Wenn's sein muss.
28:38Ich geh nicht auf den Strich.
28:39Und mit dem Herrn Kotnik, oder wie der heißt, hab ich noch nie was zu tun gehabt.
28:44Kenn ich nicht.
28:46Carsten und ich, wir sind immer mal wieder getrennt.
28:50Im Dezember, da waren wir definitiv auseinander.
28:52Also auch nicht zusammen auf Platte.
28:55Ja, gut. Danke.
28:57Ich hab noch eine Frage.
28:58Dürften wir von Ihrer Kleidung und der Ihres Freundes ein paar Faserspuren nehmen?
29:02Keine Sorge. Wir machen nichts kaputt. Wir ziehen nur mit etwas Klebeband ein paar Fasern von der Kleidung ab.
29:08Ja. Meinetwegen. Machen Sie.
29:11Danke.
29:22Man hat diese Faserproben genommen. Die waren negativ. Aber da man den Mann nicht angetroffen hatte, hat man einige Wochen
29:28später nochmal einen Versuch gemacht, um ihn auch anzutreffen.
29:32Hat ihn wieder nicht angetroffen, hat aber nochmal Proben genommen. Und dann letztendlich hat man sich ein Bild besorgt.
29:39Er sieht dem Phantombild ja schon sehr ähnlich.
29:44Komisch.
29:46Keiner der Zeugen hat ihn auf dem Foto wiedererkannt.
29:52Dann können wir also auch diese beiden abhaken.
29:56Und damit sind wir endgültig am Ende.
30:00Unser Täterpärchen läuft frei herum.
30:02Und wir können absolut nichts dagegen tun.
30:11Rund sieben Monate später schließt die Polizei die Akte Dejan Kotnik.
30:16Sage und schreibe 18 Jahre später kommen Sie ins Spiel, Herr Fritsch Hörmann.
30:20Sie waren 2008 bei der Kripo Aachen zuständig für Tötungsdelikte.
30:25Warum haben Sie diesen Fall wieder aufgenommen?
30:27Wir hatten im Keller ein Archiv, was diese ganzen vielen ungeklärten Tötungsdelikte aus den letzten 20, 30 Jahren beinhaltete.
30:35Und als Ermittler will man diese Delikte aufklären.
30:39Wir waren 20 Jahre weiter, die Technik hatte sich weiterentwickelt.
30:43Das heißt, die Straftat sollte aufgeklärt werden.
30:45Und natürlich will man auch den Angehörigen irgendwie Sicherheit verschaffen,
30:49dass man alles, auch erstens alles tut, um den Täter zu ermitteln und möglicherweise den Täter auch zu fassen.
30:53Dann ist für die Angehörigen häufig auch so eine Tat dann endgültig abgeschlossen.
30:58Das heißt, man nimmt die Akte, was ja eher zufällig ist, wenn ich sie richtig verstehe,
31:02und schon auf den ersten Seiten merkt man, da gibt es einen Ansatz?
31:06Ja, auf den ersten Seiten noch nicht.
31:08Man sieht natürlich, wie ist die Tat möglicherweise passiert.
31:10Das heißt, wenn es zu einer intensiven Kontaktsituation gekommen ist, wie in diesem Fall,
31:14dann weiß man schon oder ahnt schon, da können DNA-Spuren damals übertragen worden sein.
31:19Das ist dann schon sehr wahrscheinlich.
31:20Dann hat man relativ gute Chancen, zumindest erstmal eine DNA-Spur zu finden mit der neuen Technik.
31:26Und dann ist man einen Schritt weiter.
31:28Man hat immer noch nicht den dazugehörigen Menschen, aber man ist ein gehöriges Schritt weitergekommen.
31:33Eine neue Soko wird 2008 nicht eingerichtet.
31:36Herr Fritsch Hörmann war alleine für den alten Fall zuständig.
31:40Ja, bitte?
31:43Gehen wir im Mittagessen?
31:45Du, heute nicht. Ich habe mir was schon zu Hause mitgebracht.
31:49Wo bist du gerade dran?
31:51Ich lese mich in meinen Cold Case ein.
31:54Okay.
31:56Ja.
31:57Woran ist das damals gescheitert?
31:59Hauptsächlich daran, dass aus den Spuren vom Tatort keine DNA extrahiert werden konnte.
32:04Und was waren das für Spuren?
32:08Zigarettenkippen und Fingernägel.
32:10Verstehe.
32:12Na, hoffentlich ist überhaupt noch was da.
32:14Sonst kannst du deine Ordner hier gleich wieder zuklappen.
32:17Tja, hoffentlich, du.
32:21Guten Appetit.
32:22Danke.
32:23Also es ist generell so, wenn die Ermittlungen sozusagen abgeschlossen sind und man hat die Tat nicht geklärt, dann geht
32:30die gesamte Akte mit allen Asservaten zur Staatsanwaltschaft und wird dort eingelagert.
32:34So. Es ist allerdings so, das haben wir in den letzten Jahren festgestellt, das muss man leider so sagen, dass
32:40Asservate auch schon mal verschwinden.
32:42Wir reden hier von 20 Jahren, also Umzugskartons 20 Jahre da eingetragen, da eingetragen. Sollte nicht passieren, passiert aber. Das
32:50sind so menschliche Dinge, die passieren einfach.
32:52In diesem Fall war das aber anders. Also in diesem Fall war alles da.
32:56Na, hast du deine Mittaggäste wieder dabei?
32:59Ne, da sind die Asservate drin. Alle noch da.
33:03Das ist gut.
33:04Wir haben dann diese Asservate zum Landeskriminalamt geschickt, wie es üblich ist, und haben dann ein Ergebnis bekommen, nämlich unter
33:10den Fingernägeln und an den Zigarettenkippen war die gleiche männliche DNA.
33:16Das war schon mal ein gutes Ergebnis, aber gleichzeitig wieder nicht ganz erfolgreich, wie man sich das so vorstellt, nämlich
33:22diese DNA war nicht in der Datenbank.
33:25Die Ermittler gehen den nächsten Schritt. Eine DNA-Reihenuntersuchung.
33:3029 Männer kommen als Täter in Frage. Männer, die noch gefunden werden können.
33:36Zehn von ihnen leben in Köln. Sie sind die Ersten, die eine Speichelprobe im Präsidium abgeben sollen.
33:47Jetzt weiß ich nur noch nicht, welches Obertal ich heute Abend zur Party anziehen soll.
33:51Das mit den roten Streifen oder vielleicht auch die Bluse. Weißt du, die mit den blauen Mustern?
33:59Nee, das habe ich ständig an. Gut. Wartet! Okay, ich freue mich. Bis heute Abend.
34:10Patricia? Ja? Wir müssen mal mit dir reden.
34:13Was ist denn?
34:14Es ist leider sehr ernst.
34:16Das hier auch?
34:17Patricia, bitte.
34:19Was ist denn los?
34:22Wir haben einen Brief bekommen.
34:24Besser gesagt, dein Vater hat einen Brief bekommen.
34:27Einen wichtigen, wirklich sehr wichtigen Brief.
34:31Er wird das Leben von deinem Vater an mir verändern.
34:34Und deines auch.
34:44Es geht um etwas, das wir schon seit einer halben Ewigkeit mit uns herumtragen.
34:50Was ist passiert? Ihr macht mir Angst.
35:01Fast 20 Jahre nach dem Tod von Dian Kotnik.
35:04Am 4. Juni 2009 sind die Ermittler aus Aachen bei den Kollegen in Köln zu Gast, um die erste DNA
35:11-Reihenuntersuchung durchzuführen.
35:13Braucht ihr noch was?
35:14Nee, aber vielen Dank, dass wir diesen Raum nutzen dürfen.
35:17Ja, gerne doch.
35:18Ja, der erste sollte auch gleich kommen, so um neun.
35:22Und die anderen haben wir dann im 20-Minuten-Tag einbestellt.
35:24Und wenn alles gut läuft, dann sind wir so in dreieinhalb, vier Stunden wieder weg.
35:27Ja, kein Stress. Und wie gesagt, bedient euch gerne.
35:30Kaffee und Kekse gibt es in der Küche nebenan.
35:33Perfekt. Bis später.
35:34Bis später, vielen Dank.
35:35Dankeschön.
35:36Vielleicht kommt er um den Sammern. Wer weiß.
35:40Freiwillig.
35:41Warum nicht?
35:42Und wenn einer nicht kommt, dann kriegt er eine zweite Vorladung und wir besuchen ihn zu Hause.
35:47Entwischen lasse ich keinen.
35:48Für uns stand sozusagen im Mittelpunkt, es kommen jetzt gleich Menschen.
35:52Wir nehmen die DNA-Proben.
35:54Das wird ein ganz normaler Ablauf.
35:56Wir wussten ja, wie das so abläuft, so eine Geschichte.
35:59Also reine Routine, nichts Besonderes.
36:02Und haben da gesessen.
36:05Und haben da gesessen, tatsächlich, und gesessen, weil es kam niemand.
36:09Der erste kam nicht, der zweite kam nicht, der dritte kam nicht.
36:11Und wir saßen da im Präsidium und haben schon gedacht, naja, das kann ja spannend werden.
36:17Wir müssen da uns schon mal direkt was überlegen, wie wir mit der Sache umgehen.
36:21Das ist mir noch nie passiert, dass keiner kommt.
36:26Da ist ein Anruf für euch.
36:27Bei mir im Büro.
36:29Lass mal.
36:30Ich mach schon.
36:33Dann hol ich mir noch einen Kaffee.
36:35Ja klar.
36:36In dem Moment war das frustrierend.
36:38Ja, natürlich.
36:38Also wenn Sie sozusagen warten und es kommt, also dass ein oder zwei nicht kommen, das ist irgendwie, muss man
36:47einpreisen.
36:48Das ist vollkommen klar.
36:49Aber es kam überhaupt niemand.
36:54Peter.
36:55Was?
36:56Du wirst es nicht glauben.
36:57Das war gerade ein Rechtsanwalt.
37:00Er will gleich mit einer Mandantin vorbeikommen.
37:02Und Sie werden gestimmt, ist er blinkt.
37:04In 20 Minuten.
37:05Meine Frau?
37:05Ja.
37:06Wir haben doch nur meiner Frau geläumt.
37:08Ja, jetzt komm.
37:14Carsten und ich sind jetzt verheiratet.
37:16Wir arbeiten beide und leben in geregelten Verhältnissen.
37:19Und wir haben eine Tochter.
37:21Sie geht noch zur Schule.
37:30Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, dass mein Mann und ich...
37:34...dass wir gemeinsam am 10. Dezember 1989 der Jan Kotnik umgebracht haben.
37:43An dem Tag, das war ein Sonntag, waren Carsten und ich wieder zusammen auf Platte, hinter dem Hauptbahnhof.
37:53Dann ist dieser Mann zu uns gekommen und hat uns angesprochen.
38:00Er hat uns auf ein Bier in eine Gaststätte in der Nähe eingeladen.
38:03haben wir uns unterhalten und ich habe ihm erzählt, dass ich von zu Hause ausgerissen bin und gerade keine Bleibe
38:08habe.
38:10Da hat er angeboten, dass wir ein paar Nächte bei ihm schlafen können.
38:13Wir haben damals öfters bei anderen Leuten übernachtet.
38:15Und zwar ohne irgendwelche Hintergedanken.
38:18Hier.
38:21Schinken.
38:22Käse.
38:23Paprika.
38:24Frische Brot.
38:26Wollt ihr noch was anderes?
38:28Danke, reicht schon.
38:29Ich habe den ganzen Kehlschrank voll.
38:31Komm, setz dich mal hin jetzt.
38:33Wir haben also was gegessen, was getrunken.
38:36Da hat er mir angeboten, dass ich bei ihm ein Bad nehmen kann.
38:39Und das Angebot habe ich natürlich gerne angenommen.
38:44Ich habe also gebadet, mich abgetrocknet und plötzlich stand er in der Badezimmertür.
38:51Er war nackt.
38:53Er stand spitternackt vor mir und dann hat er versucht, mich anzufassen.
39:00Da war mir klar, was hier läuft und ich bin in Panik geraten.
39:03Ich habe versucht, ihn abzuwehren.
39:06Er hat gesagt, ihr habt doch nicht geglaubt, ihr könnt umsonst hier schlafen.
39:10Ich habe geschrien, lass mich in Ruhe.
39:13Dann kam Carsten ins Bad und hat geschrien, lass die Finger von ihr.
39:19Carsten hat Kotnik dann vor mir weggezogen und es ist zu einem Gerangel gekommen.
39:23Das ist schnell mehr heftiger geworden, bis es ein richtiger Kampf war.
39:27Der sich dann irgendwie ins Schlafzimmer verlagert hat.
39:31Der Kotnik hat Carsten gewirkt und die wild um sich getreten.
39:36Carsten wollte mir helfen und ich hatte Angst um ihn.
39:40Und da musste ich ihm natürlich auch helfen.
39:57Und dann habe ich zugestochen.
40:08Einmal in die Brust, einmal in den Bauch, einmal in den rechten Unterarm.
40:17Sie haben ihr Opfer gefesselt, stranguliert und geknebelt.
40:23Warum?
40:26Ich kann mich nicht erinnern.
40:29Und Sie haben 1500 Mark aus der Wohnung entwendet.
40:33Daran kann ich mich auch nicht erinnern.
40:38Wo ist Ihr Mann?
40:39Eigentlich hätte er hier sein sollen.
40:44Ist daheim auf gepackten Koffern und wartet, dass Sie ihn abholen.
40:49Ja.
40:50Das machen wir auch.
40:51Herr Fritz Schoermann, dieses Geständnis war ja wirklich ein Paukenschlag.
40:55Haben Sie sowas irgendwann noch mal in Ihrer Laufbahn erlebt?
40:58Nee, das habe ich weder vorher noch nachher noch mal erlebt.
41:01Und dass man nach Köln fährt, um ein paar Speichelproben zu nehmen
41:04und anschließend mit zwei Tätern nach Aachen zurückfährt,
41:08das ist wirklich das Spektakuläre an dieser Geschichte.
41:10Wobei Sie haben natürlich arge Zweifel an den Aussagen von Claudia H.
41:15Was hat Sie gestört?
41:16Ja, das ist richtig.
41:17Also zum einen stand sie ja im Verdacht damals,
41:21im Kölner Bahnhofsmilieu auch der Prostitution nachgegangen zu sein.
41:24Und wenn man dann von einem Menschen mitgenommen wird zu seiner Wohnanschrift
41:28und dieser Mensch dann plötzlich Sex mit ihr haben will
41:31und sie davon total überrascht ist,
41:34das ist sicherlich verwunderlich.
41:35Und dass es dann zu einem Kampf kommt mit ihrem Lebensgefährten
41:39und sie hat dann ja gestanden, dass sie ein Messer gewohnt hat,
41:42um ihrem Lebensgefährten zu helfen.
41:43Ja.
41:43Aber dann fragt man sich natürlich, wieso wird dieses Opfer noch stranguliert?
41:47Wieso hat dieses Opfer ein Kabel um die Hände geschlungen,
41:51also ist gefesselt worden?
41:51Und wieso gibt es diese feinen Schnitte am Hals,
41:55die eher darauf hindeuteten,
41:56dass man ihn mit einem Messer am Hals zu irgendetwas zwingen wollte?
41:59Es gab ja viele Momente in der Aufklärung des Falles, die wichtig waren.
42:04Das Phantombild spielte eine wichtige Rolle,
42:06aber auch der Einsatz und die Aussagen des Polizeimeisters Döpking.
42:11Zum Glück hat er damals die Aktenzeichensendung gesehen
42:14und hat sich dann auch aufgerufen gefühlt, sofort was dazu zu sagen.
42:18Ich meine, er war hier szenekundiger Beamter, wenn man das so will.
42:21Und wenn er das damals nicht mitgeteilt hätte,
42:23dann wären sie nicht in der Akte aufgetaucht, das muss man ganz klar sagen.
42:27Und dann wären sie auch 20 Jahre später nicht in den Fokus einer DNA-Reihenuntersuchung gekommen.
42:32Und damit wäre der Fall nicht geklärt worden. Das ist eindeutig so.
42:36Claudia H. und Carsten F. haben ihr Leben nach der Tat am 10. Dezember 1989 komplett neu sortiert.
42:43Sie haben sich sozusagen selbst resozialisiert.
42:46Fest steht aber, diese Nacht hat viele Opfer gefordert.
42:52Zuallererst natürlich Dejan Kotnik und seine Angehörigen.
42:56Aber auch die Tochter von Claudia H. und Carsten F.
43:00Die Tat ihrer Eltern wird sie ein Leben lang begleiten.
43:07Noch am selben Tag, an dem Claudia H. die Tat gesteht,
43:11wird auch ihr Lebensgefährte Carsten F. festgenommen und nach Aachen gebracht.
43:16Angaben zur Sache macht er keine.
43:19Gut.
43:31Mehr als 20 Jahre nach dem Tod von Dejan Kotnik am 18. Januar 2010 fällt das Urteil.
43:38Aufgrund ihres Alters zur Tatzeit werden die beiden nach Jugendstrafrecht verurteilt.
43:43Claudia H. wird zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt
43:47und Carsten F. zu fünf Jahren wegen gemeinschaftlichen Totschlags, nicht wegen Mordes.
43:53Das Gericht folgte den Aussagen von Claudia H.
43:56Nach so langer Zeit sei eine genaue Rekonstruktion der Tat nicht mehr möglich
44:00und deswegen auch kein Mord nachzuweisen.
44:03Das war XY gelöst.
44:05Mein Name ist Sven Voss.