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00:00Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:04Blumen schmücken den Alltag und sie erzeugen natürlich auch Sympathie.
00:09Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie einem Menschen begegnen, der Blumen verschenkt.
00:13Man hält ihn doch rein gefühlsmäßig gleich für einen guten Menschen.
00:16Man gibt ihm also einen gewissen Vertrauensvorschuss.
00:21Es ist mir zwar nicht sehr angenehm, aber es gehört leider zu den Aufgaben meiner solchen Sendung,
00:25an diesem Stimmungsbild ein bisschen zu kratzen.
00:28Denn es gibt auch Gauner, die sich mit Blumen tarnen und mit böser Absicht sich in die Gruppe der Menschen
00:35einreihen, die Blumen verschenken.
00:38Einer von ihnen hat sich eine besonders fantasiereiche Masche einfallen lassen.
00:44Vielen Dank, wiedersehen.
00:50Blumenhaus Bering, guten Tag.
00:52Ja, guten Tag, hier Dr. Winter.
00:53Ich habe einem etwas ausgefallenen Wunsch und wollte mal fragen, ob Sie mir den erfüllen können.
00:57Und welchen?
00:59Ja, meine drei Nichten. Die haben am Wochenende Geburtstag und ich möchte nicht nur Blumen, sondern auch ein bisschen Geld
01:04schenken.
01:04Die jungen Leute können ja immer ein paar Mark gut gebrauchen.
01:08Natürlich.
01:09Wissen Sie, ich habe mir gedacht, dass man zwischen die Blüten ein paar Geldscheine steckt, so zusammengerollt.
01:15Das müsste doch ganz gut aussehen.
01:17Eine originelle Idee.
01:18Okay. Das haben wir zwar noch nie gemacht, aber vorstellen kann ich mir das schon, dass sowas ankommt.
01:23Ich habe etwas Ähnliches mal in der Zeitschrift gesehen.
01:25Es ist dann auch nicht so unpersönlich, als wenn man den Mädchen einfach Geld in die Hand drückt.
01:29Da haben Sie schon recht, Herr Doktor.
01:30Sie müssen mir nur sagen, welche Blumen Sie möchten und wie viel Geld es sein soll.
01:35Ja, ich dachte, drei schöne Sträuße.
01:37Gerbera vielleicht. So für 50 Mark etwa pro Strauß.
01:41Und dann in jedem Strauß für 200 Mark Geldscheine zu 10 und 20 Mark.
01:47Und ein bisschen nett drapiert.
01:48Das geht schon in Ordnung, Herr Doktor.
01:51Wann brauchen Sie die Blumen denn?
01:53Ja, am Freitag. Ich würde sie dann alle zusammen abholen und auch gleich bezahlen.
01:58Das kommt erledigt.
01:59Ja, gut. Dann bis Freitag. Sei nett von Ihnen. Wiederhören.
02:28Ja, guten Tag. Hier, Doktor Winter.
02:30Ich hatte vorgestern drei Blumensträuße für heute bestellt.
02:34Ach ja, die mit der Gelddekoration.
02:36Ja, genau. Die mit den Geldscheinen dran.
02:38Ich kann sie leider nicht selber abholen. Mir ist ein wichtiger Termin dazwischen gekommen.
02:42Aber ich würde meinen Fahrer vorbeischicken. Mit dem Scheck.
02:45Was macht denn das zusammen?
02:46Dreimal 250 sind 750 Mark.
02:49Genau 750 Mark. Ja, in Ordnung.
02:52Ja, also dann nochmal danke für Ihre Mühe.
02:54Und wie gesagt, mein Fahrer kommt nachher vorbei und holt Sie ab.
02:56Ist recht. Auf Wiederhören.
02:57Ja, auf Wiederhören.
03:16Guten Tag. Was darf denn sein, bitte?
03:18Ach, ich komme von Herrn Doktor Winter. Ich soll hier drei Blumensträuße abholen.
03:21Ach, Sie sind der Fahrer?
03:22Ja.
03:23Moment, bitte.
03:36So, bitteschön.
03:38Es wäre gut, wenn Sie Sie möglichst bald wieder ins Wasser stellen würden.
03:41Ja, steht in Ordnung.
03:44Ja, und hier ist der Scheck, den mir der Doktor mitgegeben hat.
03:47750 Mark. Ganz genau.
03:48Und wir stellen Sie einen schönen Gruß an Ihren Chef.
03:51Sagen Sie, das war eine tolle Idee.
03:53Dann werde ich ausrichten.
03:55Wiedersehen.
03:56Wiedersehen.
03:58Sie haben es sicher inzwischen erraten.
04:00Der Mann, der sich zunächst als Doktor Winter und dann als dessen Fahrer ausgab,
04:05hatte es nur auf das Geld abgesehen, das in den Blumensträußen steckte.
04:08Der Scheck, mit dem er bezahlt hat, stellte sich später als ungedeckt heraus.
04:16Mehrere Blumengeschäfte sind auf diesen Betrüger hereingefallen.
04:19Die Geschädigten haben ihm vertraut, aufgrund seines erfundenen Doktortitels.
04:24Und sicher nicht zuletzt auch, weil man einem Menschen, der auf so fantasievolle Weise Blumen sprechen lässt,
04:30zunächst einmal nichts Schlechtes zutraut.
04:35In einer Woche, meine Damen und Herren, ist Frühlingsanfang.
04:39Und damit beginnt unter anderem auch die Konjunktur im Gebrauchtwagenhandel.
04:44Jedermann, der sich ein neues Fahrzeug zulegen und seinen alten Wagen verkaufen will,
04:48weiß, dass er in dieser Jahreszeit dafür die besten Preise erzielen kann.
04:53Insbesondere auf den seit einigen Jahren üblichen Wochenendautomärkten floriert in den kommenden Monaten das Geschäft.
05:00Und dort wartet nach den Erkenntnissen der Kriminalpolizei neuerdings eine ganz besondere Gefahr.
05:07Der Schaden, den man dabei nehmen kann, ist nicht in erster Linie materieller Art.
05:11Man kann sich vielmehr ganz unversehens recht nachhaltig im Ärger mit der Polizei einhandeln.
05:46Guten Tag, sind Sie Herr Bernhard?
05:49Ja, schon.
05:51Kriminalpolizei.
05:52Dürfen wir Sie mal kurz sprechen?
05:54Tja, warum?
05:55Was ist denn?
05:56Wir haben hier einen Durchsuchungsbeschluss.
06:02Durchsuchungsbeschluss?
06:04Tja, wieso denn? Was wollen Sie denn?
06:07Dürfen wir erst mal reinkommen?
06:09Ja, natürlich, bitteschön.
06:23Was ist denn da los?
06:26Ich weiß auch nicht.
06:28Ich glaube, die suchen was.
06:32Wir ermitteln Ihnen eine Einbruchssache, Herr Bernhardt.
06:35Ja, und was habe ich damit zu tun?
06:36Sie sind doch der Halter eines Opel-Rekords mit dem Kennzeichen EB-526.
06:42Ja, aber...
06:43Dieser Wagen ist heute Nacht beim Einbruch benutzt worden.
06:45Wieso?
06:46Den Wagen habe ich doch verkauft.
06:48Wie?
06:49An wen?
06:50Schon vor drei Wochen.
06:51Auf dem Automarkt.
06:53Können Sie das belegen?
06:54Was heißt belegen?
06:56Ach ja, ich habe hier einen Kaufvertrag.
06:59Moment.
07:11Hier.
07:12Da ist er.
07:15Aber umgemeldet worden ist er nicht.
07:17Bei der Zulassungsstelle sind Sie immer noch als Halter eingetragen.
07:20Das wollten doch die Männer machen, die den Wagen gekauft haben.
07:23Tja, das haben die dann wohl vergessen.
07:26Da kann ich doch nichts dafür.
07:28Doch, doch, Herr Bernhardt.
07:29Wenn Sie die Zulassungsstelle nicht verständigen von dem Verkauf,
07:31dann sind Sie immer noch dafür verantwortlich,
07:33was mit dem Wagen passiert.
07:35Der Käufer heißt Werner Neumann.
07:37Ja.
07:38Haben Sie sich denn wenigstens vergewissert, ob der Name stimmt?
07:41Wie soll ich denn das machen?
07:43Die Männer haben mir einen Zettel mit dem Namen und der Adresse gegeben
07:46und das habe ich dann in den Kaufvertrag eingesetzt.
07:48Na, hoffentlich stimmt das alles.
07:50Der Geschichte müssen wir natürlich nachgehen.
07:52Sie hören dann nochmal von uns.
07:54Die Zweifel der Beamten an der Echtheit des Käufernamens
07:57erweisen sich sehr bald als begründet.
07:59Die Kripo stellt fest, dass es unter der angegebenen Anschrift
08:02eine Person dieses Namens nicht gibt.
08:03Ulrich Bernhardt, mit dessen Wagen vermutlich sogar mehrere Straftaten verübt worden sind,
08:09bekommt somit noch weitere Unannehmlichkeiten.
08:18Ja, wir mussten Sie herbestellen, weil...
08:20Wenige Tage nach dem Besuch der Polizei wird er zu einer Vernehmung ins Präsidium vorgeladen.
08:26Also, Herr Bernhardt, die Sache sieht nicht besonders gut aus.
08:29Ich muss Sie jetzt fragen, wo Sie Donnerstagnacht zwischen 10 und 2 Uhr morgens gewesen sind.
08:35Wieso?
08:37Da muss ich erst mal nachdenken.
08:38Am Donnerstag, sagen Sie.
08:40Mhm.
08:41Da habe ich wahrscheinlich erst ferngeguckt und dann bin ich ins Bett gegangen.
08:45Können Sie das beweisen?
08:47Wieso?
08:48Muss ich das?
08:50Das wäre gut, weil Ihr Wagen bei einem Einbruch verwendet worden ist.
08:54Dafür gibt es eindeutige Zeugen.
08:57Und der Käufer, den Sie uns angegeben haben, nicht existiert.
09:02Donnerstag, sagen Sie.
09:05Ja, da hat mich kurz vor 10 noch eine Bekannte zu Hause angerufen.
09:10Mit der habe ich mich dann ziemlich lange unterhalten.
09:12Und wie heißt die?
09:13Ich weiß nicht, ob ich die da reinziehen soll.
09:17Das hätten Sie sich alles ersparen können, wenn Sie die Zulassungsstelle vom Verkauf Ihres Wagens gleich verständigt hätten.
09:22Aber ich hatte doch keine Ahnung, dass man das tun muss.
09:25Im Kaufvertrag heißt es doch, dass sich der Käufer dazu verpflichtet.
09:28Aber darauf dürfen Sie sich nicht verlassen.
09:30Habe ich aber leider.
09:31Tja, Herr Bernhardt, das ist nur...
09:33Tja, meine Damen und Herren, viele von Ihnen werden es vielleicht auch nicht wissen.
09:36Auf diese übliche Klausel im Kaufvertrag darf man sich nicht verlassen.
09:42Nach § 27 der Straßenverkehrszulassungsordnung ist der Halter eines Fahrzeuges verpflichtet,
09:48den Verkauf und die Personalien des Käufers unverzüglich der Zulassungsstelle zu melden.
09:55Dieser Bestimmung kommt besondere Bedeutung zu, seit dem Rechtsbrecher der unterschiedlichsten Acht,
10:01von Einbrechern bis zu Terroristen, sich ihre Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt besorgen.
10:08Die Personalien eines Käufers prüft man am besten, indem man sich den Personalausweis zeigen lässt.
10:14Wenn ein Fahrzeug angeblich für eine nicht anwesende Person, also für einen Freund oder Verwandten,
10:19der sich logischerweise nicht ausweisen kann, gekauft werden soll, dann ist in aller Regel Vorsicht geboten.
10:27Wenn Sie also in der nächsten Zeit einen Wagen verkaufen wollen,
10:31empfiehlt es sich in Ihrem eigenen Interesse, an diesen Ratschlag zu denken.
10:36In diesem Zusammenhang im Übrigen noch eine ganz aktuelle Warnung.
10:42In neuerer Zeit treten besonders in Nord- und Nordwestdeutschland wieder verstärkt Betrüger auf,
10:48die beim Autoverkauf meist eine kleine Anzahlung anbieten und den Rest per Scheck bezahlen wollen.
10:53Diese Schecks erweisen sich dann später als gestohlen, gefälscht oder ungedeckt.
11:00Da es sich bei diesen Betrügern um routinierte Profis handelt, weisen sie sich von vornherein mit gefälschten Papieren aus.
11:07Es nützt in diesen Fällen also nichts, sich nur den Pass zeigen zu lassen.
11:12Man sollte deshalb bei Gebrauchtwagengeschäften eigentlich immer auf Barzahlung bestehen.
11:17Und wenn schon Scheck, dann denken Sie daran, dass einfache Schecks gar nicht und selbst Euro- und Postchecks
11:24nur bis zu einer Summe von höchstens 400 Mark abgesichert sind.
11:30Und ganz kurz noch eine Warnung.
11:34Sie zeigt, dass der Erfindungsgeist der Gauner schier unerschöpflich ist.
11:38Da bietet zum Beispiel ein zwielichtiger Zeitgenosse per Inserat schwangeren Frauen eine treffsichere Vorhersage an,
11:47auf die immer wieder wichtige Frage, Junge oder Mädchen.
11:51Ablesen will er die Antwort, sage und schreibe aus der Handschrift der werdenden Mutter.
11:56Deshalb ist auf einem Testbogen eine Schriftprobe einzuschicken und natürlich das Honorar in Höhe von 100 Mark.
12:04Sollte die Vorhersage nicht stimmen, so verspricht der gewitzte Prophet, dann gibt es das Geld zurück.
12:11Wir haben zwar noch keine Mutter gefunden, die ihre 100 Mark zurückbekommen hat,
12:16aber selbst wenn sich der Mann an dieses Versprechen halten sollte,
12:19ist er bei den zwei bekannten Möglichkeiten, Junge oder Mädchen, bei jedem zweiten 100 Mark Schein dabei.
12:25Und sogar rechtlich einigermaßen aus dem Schneider.
12:30Und nun wieder zu einem, wie ich meine, recht ernsten Thema,
12:33von dem zwei sehr unterschiedliche Gruppen als Geschädigte betroffen sind.
12:37Einmal diejenigen, um deren Geld es geht, und zum anderen, Sie werden es nicht glauben, die Polizei.
12:44Sie wird nämlich von einer ganzen Reihe unseriöser Geschäftemacher um ihren guten Ruf gebracht.
12:50Opfer im engeren Sinne sind meist kleine Geschäftsleute,
12:54die die Arbeit der Polizei durchaus zu schätzen wissen.
13:22Horst Wagner betreibt zusammen mit seiner Frau eine recht gut gehende Fahrschule.
13:30Tschüss.
13:33Daneben ist er noch ehrenamtlich im Fahrlehrerverband und in der örtlichen Verkehrsfach tätig.
13:39Während er sich vor allem um die Ausbildung der Fahrschüler kümmert,
13:44erledigt seine Frau die Arbeiten im Büro.
13:49Gut, dass du da bist. Der Herr kommt von einem Verlag und möchte, dass wir ihn serieren.
13:54Guten Tag, Herr Wagner. Mein Name ist Schulz vom Verlag Polizei und wir.
13:59Ja, guten Tag. Bitte nehmen Sie doch Platz.
14:01Danke.
14:02Wir geben im Auftrag der Polizei im Jahr sechs Hefte zum Thema Verkehrssicherheit heraus.
14:07Nicht schlecht. Dafür kann man nicht genug tun.
14:10Und dazu brauchen wir natürlich Anzeigen, denn die Hefte werden aus Inseraten finanziert und von der Polizei werden wir eben
14:18nur redaktionell unterstützt.
14:20Ah, ich verstehe. Und da wollen Sie uns auch einfangen.
14:22Ja.
14:23Ich finde, dass Ihre Fahrschule da gut hineinpassen würde.
14:27Ja, vielleicht. Aber hier, wie sieht es damit aus?
14:29Na, unsere Preise sind sehr kulant. Ich habe hier ein Inserat von Ihnen. Das war in der Festschrift zum Feuerwehrjubiläum.
14:41Hier.
14:42Ach ja, zur 100-Jahr-Feier im letzten Jahr.
14:44Ja, wenn Sie keine anderen Vorlagen haben, dann würden wir gerade diesen Text übernehmen und auf unsere Spaltenbreite bringen.
14:50Ja, gut. Aber Sie haben mir immer noch nicht gesagt, was es kosten soll.
14:53Ja, richtig. Moment, das haben wir gleich.
14:56Das wären 40 mal 90 Millimeter. Das kostet 200 Mark, nein, 280 Mark plus Mehrwertsteuer.
15:03Naja, Geld ist das auch.
15:06Ja, das macht Sie doch für Sie bezahlt, gerade in Ihrem Gewerbe.
15:08Vor allem, wenn man sieht, dass Sie sich für die Polizei und den Verkehr engagieren.
15:12Das schon. Wer bekommt denn die Zeitalterung?
15:15Die werden bei Behörden ausgelegt und gehen auch an alle Polizeibeamten.
15:19Und die beobachten natürlich ziemlich genau, wer Ihre Freunde sind.
15:23Da haben wir keine Probleme.
15:25Naja, also, Schaden bringt Ihnen so ein Inserat auf alle Fälle nicht.
15:29Na gut. 280 Mark, sagten Sie.
15:32Tja, Sie kriegen selbstverständlich vor der Veröffentlichung noch einen Korrekturabzug.
15:36Wir müssen das Inserat ja neu setzen und Sie müssen dann hier noch Ihr Okay geben.
15:41In Ordnung.
15:42Dann machen wir das so.
15:44Horst Wagner hat zwar keinen Mangel an Fahrschülern, aber er weiß natürlich, dass es nicht verkehrt ist,
15:49sich auch in Kreisen der Polizei gelegentlich in Erinnerung zu bringen.
15:52Deshalb erteilt er den angebotenen Auftrag.
15:54Er geht davon aus, dass es sich um ein einmaliges Inserat handelt
15:58und dass die Zeitschrift wirklich an alle Polizeidienststellen geliefert wird.
16:01Danke.
16:16Kleinen Moment.
16:17Ich bin gleich wieder da.
16:20In den folgenden Tagen nimmt ihn der Fahrschulbetrieb wie immer voll in Anspruch.
16:24Deshalb ist er, als der angekündigte Korrekturabzug kommt, wieder einmal in Eile.
16:28Du Schatz, hast du irgendwo meinen Termin gut gesehen?
16:31Nein.
16:32Du, aber schau mal, da ist das Inserat für das Polizeibrevier.
16:35Was für ein Polizeibrevier?
16:37Na, für die Zeitschrift.
16:38Da war doch neulich diese Anzeigenfritze da.
16:40Ach so, zeig mal hier.
16:43Wir haben doch tatsächlich den Namen falsch geschrieben.
16:45Das habe ich noch gar nicht gesehen.
16:47Ein E zu viel.
16:49Bloß gut, dass man vorher einen Korrekturabzug kriegt.
16:52Ich verbessere das.
16:54Unterschreiben muss man es auch.
16:55Und dann schicke ich es gleich wieder zurück.
16:57Ein adressierter Umschlag liegt bei.
16:58Ja, mach das.
16:59Ich muss weiter.
17:00Vielleicht habe ich das Buch auch im anderen Wagen liegen lassen.
17:02Also, tschüss, bis später.
17:03Tschüss.
17:05Frau Wagner weiß nicht, dass der Druckfehler ganz bewusst in das Inserat aufgenommen worden ist,
17:09um vom kleingedruckten Text des Korrekturabzugs abzulenken.
17:13Aus diesem Text ergibt sich nämlich,
17:15dass mit der Unterschrift ein Inserat in einer zweiten Zeitschrift in Auftrag gegeben wird.
17:19Und zwar nicht nur für eine, sondern für sechs Ausgaben.
17:26Die Überraschung ist deshalb perfekt,
17:29als etwa zwei Wochen später der Briefträger die Rechnungen bringt.
17:36Tja, da wäre heute nichts mehr, Frau Wagner.
17:38Nein, danke schön, Herr Breiter.
17:39Auf Wiedersehen.
17:40Auf Wiedersehen.
17:49Tag, Herr Breiter.
17:50Guten Morgen.
17:51Haben Sie jetzt viel Arbeit mitgebracht?
17:52Na, also heute ging es eigentlich.
17:53Es war nicht zu viel.
17:54Na prima, vielen Dank.
17:55Wiedersehen.
17:56Tschüss, bis morgen.
18:00Na, Schatz, was Wichtiges dabei?
18:03Du, ich weiß nicht.
18:04Hier sind zwei verschiedene Rechnungen von Polizeizeitschriften.
18:08Wie?
18:09Wegen des Inserats?
18:10Ja, aber gleich zwei.
18:13Wir haben doch nur eins bestellt.
18:14Die eine verstehe ich ja auch.
18:16Von Polizei und vier, 280 plus Mehrwertsteuer.
18:19Das ist richtig, haben wir doch so bestellt.
18:21Aber hier, hier ist eine zweite Rechnung über sechs Inserate für fast 2000 Mark von Polizeibrevier.
18:29Das muss ein Irrläufer sein.
18:30Nein, da steht doch unsere Adresse drauf.
18:33Das verstehe ich nicht.
18:37Polizeibrevier.
18:38Sag mal, so hieß das doch, wo ich neulich unterschrieben habe.
18:41Ach, da, wo der Druckfehler drin war?
18:43Ja.
18:44Du, sag mal, haben die uns vielleicht reingelegt?
18:47Ich weiß nicht, aber das wäre ja ein Ding.
18:50Hast du das Schreiben noch?
18:51Nein, das habe ich doch gleich wieder zurückgeschickt.
18:55Ihr Auftrag vom 13. Januar...
18:5813. Januar.
18:59Das war Montag voriger Woche.
19:01Warte mal, das kommt genau hin.
19:02Das war der Tag, an dem ich so lange nach meinem Terminbuch gesucht habe.
19:05Mir schwand Böses.
19:07Das wäre ja eine schöne Schweinerei, wenn die Polizei jetzt auch schon mit solchen Methoden anfängt.
19:10Für sechs Ausgaben des Jahres 86.
19:14Die sollen mich kennenlernen.
19:16Heute Nachmittag fahre ich mein Präsidium vorbei.
19:18Und die Rechnung nehme ich gleich mit.
19:23Horst Wagner ist nur einer von vielen tausend Geprellten, denen es ähnlicher erinnert ist.
19:28Seit Jahren sind die Vertreter solcher dubioser Verlagsunternehmen unterwegs
19:32und sammeln mit ihren Tricks Inserate für Zeitschriften,
19:35die oft nur in ganz geringer Stückzahl gedruckt werden,
19:38so dass die Auflage praktisch nur für die Belegexemplare der Inserenten reicht.
19:44Die Polizei hat mit diesen Verlagen überhaupt nichts zu tun.
19:48Im Gegenteil.
19:50Sie hat mehrfach vor den dubiosen Praktiken gewarnt.
19:54Warum sie nicht mehr dagegen ausrichten kann,
19:56diese Frage möchten wir heute einem Mann vorlegen,
19:59der sich ebenfalls zu den Geschädigten zählt.
20:02Dem Landespolizeipräsidenten von Baden-Württemberg, Dr. Alfred Stümper.
20:06Ja, wir fühlen uns geschädigt, weil einfach die verärgerten Interessenten nicht wissen,
20:11dass wir schon seit Jahren einen vergeblichen Kampf gegen diese rund 50 Polizeiverlage,
20:17sogenannten Polizeiverlage in der Bundesrepublik führen.
20:20Auch die In-Mister-Konferenz war schon eingeschaltet, aber alles ohne durchgreifenden Erfolg.
20:24Also ehrlich gesagt, der Normalbürger versteht das nicht.
20:27Warum können Sie nichts gegen den Missbrauch Ihres Namens und auch gegen den Missbrauch des Polizeisterns tun?
20:31Der Grund liegt sehr einfach darin, dass der Namen Polizei und auch der Polizeistand
20:36nicht urheberrechtlich geschützt sind.
20:38Und es ist sehr schwer gegen Missbrauch vorzugehen,
20:41es sei denn, dass der Betreffende sich als Amtsperson ausgibt oder einen Betrug begeht.
20:46Aber auch der Betrugstatbestand ist gerade in Polizeiverlagen schwer nachweisbar,
20:51dass sie die meist selbstständig agierenden Akquisiteure zu dubiosen Werbemethoden veranlasst hätten,
20:57so dass allenfalls die Verurteilung eines einzelnen Inseratenwerbers bleibt.
21:02Und schließlich müssen sich die Gebrellten vor Gericht eben oft vorhalten lassen,
21:06dass sie das Kleingedruckte nicht gelesen haben.
21:08Nun behaupten die Vertreter bei ihren Werbegesprächen doch immer,
21:11dass der redaktionelle Teil dieser Hefte von der Polizei kommt.
21:15Und wenn man sich den Inhalt solcher Hefte anschaut,
21:18dann sieht man in der Tat praktisch nur polizeibezogene Themen.
21:22Also wir unterstützen diese Hefte überhaupt nicht.
21:25Bloß haben sie es nicht in der Hand, dass irgendein Jahresbericht eines Landeskriminalamts abgedruckt wird
21:30oder dass man unter der Überschrift polizeilicher Schusswaffengebrauch
21:33irgendeine Gebrauchsanweisung für eine Faustfeuerwaffe bringt.
21:36Aus ihrer Sicht ist also der redaktionelle Teil dieser Hefte völlig wertlos?
21:41Absolut wertlos.
21:42Und nun gibt es aber doch auch seriöse Polizeizeitschriften.
21:45Die enthalten auch Inserate.
21:48Und wie kann der Normalbürger die von den schwarzen Schafen,
21:52um die es ja in dieser Sendung immer nur geht, nun eigentlich unterscheiden?
21:55In der Tat, es ist schwierig, weil diese seriösen Fachzeitschriften,
21:58auch wie sie die Berufsvertretungen herausgeben,
22:01in der Aufmachung, in der Titelgebung ähnlich sind.
22:04Im Zweifelsfall ist das Beste, man ruft bei dem Öffentlichkeitssachbearbeiter
22:08der zuständigen Polizeitinstelle an.
22:10Und dann wäre es natürlich in der Tat wichtig und gut,
22:14dass der Gesetzgeber endlich Klarheit schafft mit dem Begriff Polizei.
22:17Genau.
22:18Vielen Dank, Herr Dr. Stimper.
22:22In unserem heutigen Experiment, meine Damen und Herren,
22:25möchten wir Ihnen zum Abschluss der Sendung noch eine recht aktuelle Masche zeigen.
22:30Unser Mitarbeiter Bernd Schröder hat sie, wie immer, vor Ort erprobt.
22:34Seine ahnungslosen Opfer, Hausbesitzer, die, so wie es ratsam ist,
22:39ihre Häuser mit Blitzableitern ausgerüstet haben.
22:42Das Zielgebiet, eine ländliche Gegend mit Einfamilienhäusern.
22:46Die Blitzerbleiter sind deutlich zu sehen.
22:48Die Hilfsmittel, ein vorgefertigter Prüfbericht
22:51und eine selbst gebastelte Ausweiskarte.
22:53Außerdem ein Fernglas und ein eindrucksvolles, aber untaugliches Messgerät.
23:02Guten Tag.
23:04Beißt der eventuell?
23:06Beißt der eventuell?
23:08Komm mal hier rein jetzt, aber schnell.
23:11Wir kommen von der Brandschutzinspektion in Darmstadt.
23:14Da müssen wir nach den Blitzschutzanlagen schauen bei ihm.
23:18Ich sehe gerade, der kommt ja runter.
23:19Wir schauen es uns gerade mal an.
23:20Ich habe ein Messgerät dabei.
23:21Da brauchen Sie nicht unbedingt weißer eins.
23:22Also kalt in Ordnung.
23:23Wir machen das von hier.
23:24Wir messen den Widerstand.
23:25Brauchst du an der Erde?
23:26Ja?
23:27Das Messgerät tritt in Aktion.
23:29Und per verstecktem Knopfdruck löst Bernd Schröder sogar einen respektablen Signalton aus.
23:36Aber das ist in Ordnung.
23:38Ich kriege für die 22-mal Gebühren.
23:42Und Sie könnten es praktisch zu Ihren Unterlagen nehmen.
23:45Da müssten Sie was im Hause haben, bei den Bauunterlagen wahrscheinlich von der...
23:47Ja, danke.
23:50Der Auftritt war wohl so überzeugend, dass die Hausfrau nicht nur bezahlt, was verlangt wird,
23:55sie legt sogar noch ein Trinkgeld drauf.
24:00Das stimmt so.
24:01Okay, herzlichen Dank.
24:02Danke, Wiederschauen.
24:05Im nächsten Fall geriet unser Blitzschutzprüfer an eine zuerst recht kritische Hausbesitzerin.
24:12So, ich schreibe Ihnen gerade den Bericht nochmal aus.
24:14Alles in Ordnung.
24:20Das haben wir hier gerade schon gemerkt bei den Nachbarn überall.
24:24Offenbar ist die Inspektion hier in diesem Bereich mit Außendienst schlecht dran gewesen in der letzten Zeit.
24:30Also es muss, wie lange sind Sie jetzt hier?
24:33Das geht jetzt ins achte Jahr.
24:34Es muss im Prinzip alle fünf Jahre gemacht werden.
24:37Die Anlage als solche sieht sehr gut aus, muss ich sagen.
24:39Also da haben Sie keine Probleme.
24:41Da kriege ich 30 Mark von Ihnen.
24:44So.
24:45Ich will da ein bisschen vertreten.
24:47Ja, ja.
24:47Ne, haben Sie auch recht im Prinzip, aber das muss ja sein.
24:50Dankeschön.
24:51Wiederschauen.
24:51Wiederschauen.
24:54Einzig darauf kam es uns ja an, aufs Kassieren.
25:00Ein weiterer Versuch.
25:01Bernd Schröder und Kameramann Michael Kurt treffen auf eine Mieterin, die mitten in Umzugsvorbereitungen steckt.
25:08So, ich habe Ihnen das gerade mal aufgeschrieben.
25:10Bei Anstandungen sind keine.
25:11Wir haben sie also durchgemessen mit dem Gerät.
25:13Das misst also den Erdwiderstand.
25:14Der muss möglichst niedrig sein, weil sonst ist der Blitz ja nicht abgeleitet werden kann.
25:17Ich würde Sie bitten, dass es dem Hausbesitzer praktisch geben, dass der es zu den Blitzschutzunterlagen dazu nimmt.
25:22Ja.
25:22Diesen Prüfbericht.
25:23Ist eine Gebühr von 20 Mark zu entrichten.
25:27Ja, den würde ich von Ihnen bekommen dann.
25:31Und tatsächlich, die junge Frau legt sogar das Geld für die Hauswirtin aus.
25:38So, haben Sie ja passend.
25:39Wunderbar.
25:39Schönen Dank.
25:40Wiederschauen.
25:40Alles gut am Umzug, gell?
25:41Tau, tau, tau.
25:42Tschüss.
25:43Per Fernglas werden die Leitungen auf dem Dach geprüft und beurteilt.
25:47Das hat er ordentlich gemacht.
25:4920 Mark, ja.
25:50Haben Sie es klein zu für dich?
25:54Also, es ist völlig in Ordnung, die Anlage, soweit ich das sehen kann.
25:57Kann man nicht meckern, ne.
26:00Das Ergebnis gibt's sofort schriftlich per Prüfbericht.
26:06Ja, ja, wir haben es einen kalten Tag ausgesucht, wirklich, ja.
26:08Also, es ist klein.
26:09Okay, gut.
26:09Ja, schönen Dank.
26:10Und den Bericht halt dazunehmen zu den Unterlagen.
26:13Und auch im letzten Fall kommt unser falscher Blitzableiterprüfer ans Ziel.
26:16Da krieg ich eine Gebühr von 20 Mark von Ihnen.
26:19Ich quittiere Ihnen das.
26:2020 Mark?
26:2020 Mark, ja.
26:21Wer schickt Sie eigentlich?
26:22Das ist die Brandschutzinspektion in Darmstadt.
26:25Wir überprüfen das also im Auftrag der Inspektion.
26:27Weil die Brandschutzkasse Interesse hat natürlich, dass das in Ordnung ist, die Anlagen.
26:35So.
26:36Moment, da muss ich gucken, ob ich Ihnen das rauskomme.
26:38Ich habe keinen Aufstand.
26:39Aha, Brandschutz.
26:43So, das sind 20.
26:46Und 10 für Sie.
26:48Gut.
26:49Schönen Dank, wiedersehen.
26:50Danke, wiedersehen.
26:52Tja, was tun, meine Damen und Herren, wenn auch bei Ihnen ein Prüfer an der Tür klingelt?
26:57Ja, könnte ja echt sein.
26:59Also, wenn Sie ihn nicht bestellt haben, brauchen Sie ihn auch nicht aufs Grundstück zu lassen.
27:04Und bezahlen müssen Sie schon gar nicht.
27:06Denn die Kontrolle des Blitzableiters an einem Privathaus ist genauso freiwillig,
27:11wie die Installation einer Blitzschutzanlage überhaupt.
27:14Anders liegt der Fall natürlich, wenn Sie mit einer seriösen Fachfirma einen Wartungsvertrag abgeschlossen haben.
27:20Aber so etwas weiß man ja.
27:22Und solche Prüfer kündigen Ihren Besuch auch vorher an.
27:26Denn Sie möchten ja nicht vor verschlossener Tür stehen.
27:29Also, meine Damen und Herren, das war's für heute.
27:32Ich darf mich verabschieden.
27:33Bis zum nächsten Mal.
27:34Bei Vorsicht Falle.
27:35Guten Abend.
27:39Iätzenhofer Kundze