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  • vor 9 Stunden
Prostituierte sind besonders gefährdet: Sie werden häufig
Opfer von Gewalt, da sie ihre Kundschaft oft anonym und allein
empfangen.

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Transkript
00:00Heute bei XY Spuren des Verbrechens. Prostituierte im Fokus von Gewalt. Zufall oder Muster?
00:12Das Schicksal der Frauen zählt für manche offenbar wenig.
00:19Im Schutz der Anonymität bleibt vieles im Verborgenen und Täter häufig unerkannt.
00:37Bei Prostitution denkt man vielleicht zuerst an ein Bordell oder den Straßenstrich.
00:42Aber sie findet auch zum Beispiel in Wohnhäusern statt oder in Hotels, also an ganz gewöhnlichen Orten.
00:48Und genau dort kommt es mitunter zu schweren Verbrechen, die oft im Verborgenen bleiben.
00:54Herzlich willkommen zu XY Spuren des Verbrechens.
00:57Ich bin Helene Reiner und ich möchte herausfinden, warum Prostituierte so häufig Opfer von Gewaltverbrechen werden.
01:05Und ob sie tatsächlich in einem besonders gefährlichen Umfeld arbeiten.
01:09In unserem ersten Fall aus dem Aktenzeichen XY Ungelöst Archiv besucht 2007 ein Freier eine Prostituierte.
01:17Er gibt sich erst ganz freundlich und harmlos, aber nur wenige Stunden später ringt die junge Frau um ihr Leben.
01:26Es ist das Jahr 2006 im Kölner Stadtteil Eigelstein.
01:31Das heutzutage sehr beliebte Wohn- und Ausgehviertel war vor seinem Wandel eher als Arbeiter- und Rotlichtviertel bekannt.
01:38Es gab dort eine ganze Reihe sogenannter Stundenhotels.
01:43Auch die 20-jährige Katharina mietet sich tageweise in einem dieser Etablissements ein.
01:49Wo ist das los?
01:51Sehr laut, wenig los.
01:54Ist das ruhig?
01:55Nicht so viel.
01:56Auch nicht so viel.
01:58Als Katharina am 14. Oktober 2006 zur Arbeit kommt, ist es früher Nachmittag.
02:04Hey, ist schon da?
02:09Katharina arbeitet für gewöhnlich bis kurz vor Mitternacht, solange wie auch das Haus geöffnet ist.
02:15Am späten Abend will sie nach ihrer Schicht mit ihrem Verlobten noch auf eine Party gehen.
02:32Um potenzielle Kunden nicht abzuschrecken, gibt es keinen Türsteher.
02:36Das Haus ist durchgehend geöffnet und Freier können unkontrolliert das Haus betreten.
02:41Das Risiko, an einen Falschen zu geraten, ist dadurch sehr hoch.
03:03Was kann ich für dich tun?
03:05Wie viel?
03:0715 Minuten mit Komi 30 Euro.
03:11Ihr gebt dir 50.
03:14Dann komm rein.
03:16Nach der bezahlten Viertelstunde verlängert der Freier um eine weitere Stunde und bezahlt großzügig 150 Euro.
03:22Doch auch dabei soll es nicht bleiben.
03:25Wie lange habt ihr hier auch?
03:29Bis halb zwölf, zwölf.
03:31Kann ich bis zum Schluss verlängern?
03:35Ja klar.
03:36Kostet aber eine Stange.
03:38Wie viel?
03:41700 Euro.
03:43Mit dem, was du schon bezahlt hast.
03:47Okay.
03:55Die junge Frau empfindet den Freier zwar als etwas ungewöhnlich, zugleich aber sehr nett.
04:00Sie freut sich über die guten Einnahmen.
04:03Davon berichtet sie dann auch ihrem Verlobten am Telefon.
04:06Da beide später noch verabredet sind, bittet sie ihn, sich um ihre Abholung zu kümmern.
04:27Was der unbekannte Mann der Frau in den folgenden Stunden erzählt, wird später für die Ermittler von zentraler Bedeutung sein.
04:57Der Freier telefoniert sogar mit seiner Mutter, spricht mit ihr offensichtlich auf Russisch.
05:04Ich liebe dich auch sehr, sehr viel.
05:07Bis zum nächsten Mal.
05:13Meine Mutter wollen jetzt hier in Köln.
05:16In Ports.
05:17Ich bezühe die Gräte.
05:30Schon spät.
05:32Hast du was dagegen, wenn ich dusche?
05:35Mach nur.
05:39Die arglose Frau hat keine Ahnung, dass ihr Freier längst einen perfiden Plan verfolgt.
05:45Mithilfe von K.O.-Tropfen will er sein Opfer betäuben.
05:48K.O.-Tropfen muss sein.
06:00Enkel, wir nach Heinen!
06:17Was?
06:35Die Wirkung der Tropfen ist verheerend. Katharina wird ohnmächtig und der Täter kann sie ungehindert berauben.
06:52Dass sich sein Opfer in akuter Lebensgefahr befindet, scheint dem Täter egal zu sein.
07:09Hallo, das Taxi ist da. Was ist los? Die macht nicht auf.
07:14Katharina! Kathi!
07:25Katharina!
07:26Der Täter konnte das Stundenhotel unerkannt verlassen, mit einer Beute von gut 700 Euro.
07:32Für die junge Frau hatte das fatale Folgen.
07:35Sie wäre durch die K.O.-Tropfen und einen Kaugummi, den sie noch im Mund hatte, fast erstickt und fiel ins
07:41Koma.
07:42Wir können an der Stelle vorwegnehmen, dass sie überlebt hat und sie konnte den Ermittlern später sogar eine ziemlich genaue
07:49Beschreibung von dem Täter geben.
07:51Ob er damit aber wirklich gefasst werden konnte, dazu später mehr.
07:56In diesem Fall hat eine Prostituierte viel Bargeld bei sich. Außerdem ist sie alleine.
08:01Sie ist also ein vergleichsweise leichtes Opfer.
08:04Beratungsstellen berichten immer wieder von Raub, Bedrohungen und Gewalt an Prostituierten. Und eine dieser Stellen konnte ich besuchen.
08:21Hallo!
08:22Hallo!
08:24Helene Rainer!
08:25Edda Grieshaber!
08:26Freut mich!
08:26Mich auch!
08:27Wollen wir hintergehen?
08:28Gerne!
08:30Frau Grieshaber, Sie sind Sozialarbeiterin bei PINK. Das ist eine Fachberatungsstelle, die Prostituierten Hilfe anbietet.
08:37Ganz praktisch, wie und bei was können Sie Frauen helfen?
08:42Die Sexarbeitenden kommen mit ganz unterschiedlichen Themen zu uns. Das können sein gesundheitliche Fragen oder Schulden oder auch mal Krisen,
08:52zu denen zum Beispiel auch Gewalterfahrungen gehören.
08:55Um welche Formen von Gewalt geht es da?
08:58Es ist sehr unterschiedlich. Eine Form von Gewalt, die eigentlich alle Klientinnen, die zu uns kommen, erleben, ist strukturelle Gewalt
09:04in Form von Stigmatisierung und Diskriminierung.
09:06Was per se auch Gewalt ist. Das heißt, sie erleben Ausgrenzung, Abwertung, wenn sie irgendwo thematisieren, womit sie ihr Geld
09:15verdienen.
09:16Und dazu kommt dann noch diverse Arten von physischer Gewalt, sage ich mal. Also sexuelle Gewalt, körperliche Gewalt.
09:25Da fallen Dinge drunter, wie, dass sich nicht an Absprachen gehalten wird, dass sexuelle Praktiken erzwungen werden.
09:30Das zählt rechtlich als Vergewaltigung. Das nimmt leider immer mehr zu.
09:34Um das auch noch mal klar zu sagen. Also man spricht auch bei Prostituierten von Vergewaltigung.
09:41Können Sie das erklären? Wo ist da sozusagen die Grenze von einer Absprache, die man im Vorfeld getroffen hat, und
09:48einer möglichen Straftat?
09:49Bei der Sexarbeit ist es so, es wird vorab zwischen sexarbeitender Person und Kunde ganz klar abgesprochen.
09:58Welche Dienstleistung wird angeboten, zu welchem Preis, auch der Zeitraum wird bestimmt, wie lange man sich trifft.
10:05Und wenn sich an diese Absprachen eben nicht gehalten wird, sondern Dinge erzwungen werden oder sich einfach darüber hinweggesetzt wird,
10:13beispielsweise indem das Kondom einfach abgezogen wird, dann ist es sexualisierte Gewalt und eine Straftat.
10:19In welchen Situationen sind Prostituierte besonders gefährdet? Was würden Sie da sagen?
10:25Ich würde sagen, umso mehr Faktoren zusammenkommen, die eine gefährliche Situation herstellen.
10:32Also umso versteckter, umso verborgener, umso isolierter ein Treffen stattfindet, umso gefährlicher ist es.
10:38Und dazu kommt noch die individuelle Situation der Sexarbeiterin.
10:43Also ist sie darauf angewiesen, unbedingt jeden Kunden zu nehmen?
10:47Ist sie gefährdeter, wie wenn sie vielleicht auch mal einen Kunden ablehnen kann?
10:54Was bringt sie selbst mit? Welche Ressourcen? Weiß sie, was ihre Rechte sind?
11:00Weiß sie, wo sie vielleicht auch Hilfe bekommt im Zweifelsfall?
11:03Und wie sie sich schützen kann, das sind alles Faktoren, die wichtig sind.
11:07Inwieweit spielen da die Bedingungen eine Rolle, unter denen die Frauen arbeiten?
11:12Also ob das jetzt auf der Straße ist oder in einer Wohnung oder im Escort?
11:17Umso isolierter ich arbeite und umso versteckter, umso gefährlicher ist es.
11:21Also das bedeutet zum Beispiel auf dem Straßenstrich oder in einem sogenannten Laufmobil,
11:25also in Wohnwägen, die zum Beispiel irgendwo alleine abseits stehen,
11:29ist die Gefahr natürlich deutlich größer, wie wenn ich in einem Bordell oder in einem Club arbeite,
11:34wo es Sicherheitspersonal gibt, Überwachungskameras, Kolleginnen und auch ein Alarmsystem.
11:40Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern, damit es für Prostituierte sicherer wird?
11:46Vor allem muss sich der gesellschaftliche Blick auf Sexarbeit ändern.
11:49Wir müssen differenzierter hinschauen, was Sexarbeit ist und was es nicht ist.
11:53Wir müssen versuchen, die Stigmatisierung und die Diskriminierung abzubauen,
11:57die die Sexarbeitenden wirklich Tag für Tag erleben in allen Bereichen.
12:02Diese Stigmatisierung führt dazu, dass sie im Verborgenen arbeiten müssen,
12:06dass sie nicht öffentlich dazu stehen können, womit sie ihr Geld verdienen und zwingt zu einem Doppelleben.
12:11Das macht sie erpressbar, das können Kunden und potenzielle Täter ausnutzen,
12:15in dem immer damit gedroht werden kann.
12:18Wenn du nicht das tust, was ich möchte, dann erzähle ich allen, womit du dein Geld verdienst.
12:23Vielen Dank, Frau Grieshaber, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben.
12:27Dankeschön.
12:28Sehr gerne.
12:30Was nach dem Gespräch mit Ella Grieshaber bleibt, ist, dass viele dieser Frauen mit einem Risiko leben müssen,
12:36das für andere komplett unvorstellbar wäre.
12:39Das zeigt auch unser nächster Fall, in dem der Arbeitsalltag einer Prostituierten in tödlicher Gewalt endet.
12:50Ulrike Hoffmann arbeitet im Frühjahr 1996 unter dem Pseudonym Lisa im Ruhrgebiet in einem Sexstudio.
12:58Das sind meist kleinere Wohnungen, in denen ein oder zwei Frauen der Prostitution nachgehen.
13:03Die Besetzung dieser Studios wird von Zeit zu Zeit ausgewechselt.
13:08Ulrike Hoffmann ist 34 Jahre alt, geschieden und lebt allein.
13:12Ihrem Gewerbe geht sie seit etwa zehn Jahren nach.
13:21Hausmalodie, Lisa am Apparat. Was kann ich für dich tun?
13:25Natürlich. Wann möchtest du kommen?
13:27Jetzt gleich?
13:29Gut. Um zwei. Bis dann. Tschüss.
13:33Ihre Kunden findet Ulrike über Kontaktanzeigen, die von der Managerin des Studios in Magazinen und Boulevardzeitungen aufgegeben werden.
13:42Ende Mai 1996 gab es für Ulrike eine überraschende, entscheidende Veränderung.
13:48Sie verabredet sich mit ihrer besten Freundin, um ihr von den spannenden Neuigkeiten zu berichten.
13:55Ich habe eine ganz tolle Chance gekriegt.
13:57Was denn für eine Chance?
13:58Arbeit in einem besseren Studium. Ich gehe nach Münster.
14:00Nach Münster? Wieso das denn? Befehl von deinem Boss?
14:06Befehl nicht gerade, aber bei dem Angebot da konnte ich nicht Nein sagen. Echt ein super Angebot.
14:12Hm. Und was ist daran so super?
14:16Sechstausend im Monat fix. Sechstausend. Und dazu Provisionen. Ist das nicht toll?
14:22Viel Geld. Schätzchen, das ist eine Menge. Das ist klasse. In Duisburg arbeite ich nur auf Provisionen.
14:28Verstehe. Endlich mal richtig Geld machen. Man ist ja nicht mehr die Jüngste, ne?
14:34Na dann gratuliere ich. Ich freue mich für dich.
14:39Allerdings, wenn ich dich so angucke, also so richtig happy siehst du eigentlich nicht aus.
14:44Weißt du, blöd ist nur, dass das alles so knall auf Fall kommt. Wann soll es denn losgehen in Münster?
14:50Ja, morgen. Aber irgendwie habe ich auch Bammel davor.
14:53Warum?
14:54Ja, alles neu. Keinen Menschen kennst du. Ich glaube, ich kriege Heimweh.
14:59Ach komm, das läuft schon. Gib mir mal deine Adresse.
15:03Weiß ich jetzt nicht auswendig. Ich ruf dich an.
15:10So, da wären wir.
15:20Du wirst sehen, Kleines. Ich habe dir nicht zu viel versprochen.
15:25Noch am Abend des selben Tages, am 28. Mai 1996, zieht Ulrike Hoffmann in das Sexstudio nach Münster um.
15:33Ihre neue Chefin, die das Studio führt, hilft ihr dabei.
15:39Guck dich ruhig schon mal um. Das wird dir gefallen.
15:43In der Küche habe ich uns Priegelokalt bestellt.
15:45Fein.
15:47Na geh schon. Ich mach das schon.
15:49Danke. Das ist echt nett.
15:56Super, du hast ja schon alles gefunden. War nicht schwer. Und, was sagst du? Gefällst dir hier?
16:02Doch, ist hübsch hier.
16:03Also dann, du schaffst das schon, Kleines. Prost. Prost.
16:09Der erste Tag in Münster verläuft für Ulrike recht erfolgreich. Ihre Angst ist verflogen. Sie ist in guter Stimmung.
16:17Kompliment, Kleines. Der Anfang kann sich wirklich sehen lassen.
16:22Schon am nächsten Tag zeigt sich aber, welchen Risiken Prostituierte ausgesetzt sind.
16:31Atelier Venus. Lies am Apparat.
16:35Wann hast du denn Zeit für mich?
16:37Immer. Wenn du kannst. Ich kann immer. Und du bei mir auch.
16:42Was brauchst du dir Spaß?
16:43100 Mark Standard. Über extra, wenn du da bist. Na?
16:48Wie sieht's aus? Du wirst viel Spaß haben, das verspreche ich dir.
16:52Okay. Hast mich überredet. In einer Stunde bin ich bei dir.
16:55Gut. Aber lass mich nicht warten.
16:59Keine Bange. Ich bin pünktlich.
17:18Hallo. Schön, dass du da bist. Einfach gerade erst durch.
17:40Zunächst scheint die Begegnung mit dem unbekannten Freier im üblichen Rahmen verlaufen zu sein.
17:55Doch plötzlich hält der Mann ein Messer in der Hand.
17:59Ulrike Hoffmann wehrt sich verzweifelt, aber sie hat keine Chance.
18:0278 Mal sticht der Täter auf sie ein.
18:26Olrike Hoffmann verblutet.
18:28Am Tatort findet die Kripo später ein ledernes Schlüsseletui.
18:37Das Schlüsseletui wird später noch eine entscheidende Rolle spielen.
18:40Der Täter betritt also als Kunde das Studio, er zahlt wie vereinbart, alles wirkt normal und dann tötet er sie.
18:48Für die Kripo sind Verbrechen an Frauen in der Prostitution häufig schwerer aufzuklären als andere Verbrechen.
18:54Warum eigentlich? Das kann uns Fabian Puchelt erklären. Er ist vom LKA Bayern und Kriminaloberkommissar.
19:01Hallo Herr Puchelt.
19:02Hallo Frau Renner.
19:03Es gibt einen Bericht der Bundesregierung.
19:05Laut dem sind 30 Prozent der befragten Prostituierten im Laufe eines Jahres Opfer einer Straftat geworden.
19:12Können Sie das so bestätigen?
19:14Also ich spreche es jetzt mal auf die polizeilichen Ermittlungen runter.
19:17Wenn man sich jetzt da mal den Bereich rausschaut, Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung,
19:22dann stellen wir ganz klar fest, dass bei guter Hälfte aller Ermittlungsverfahren, die polizeilicher
19:26Seite geführt wurden, Gewaltdelikte mit dabei waren und wo auch aktiv wirklich Gewalt ausgeübt wurde.
19:32Wir sprechen später noch ausführlicher über Menschenhandel und Zwangsprostitution.
19:37Können Sie denn erklären, warum ausgerechnet Frauen in der Prostitution so häufig Opfer von Gewaltverbrechen werden?
19:44Also einerseits rechnen die Täter natürlich mit äußerst wenig Widerstand.
19:48Das Ganze findet in irgendwelchen abgeschlossenen Räumen statt.
19:50Sie rechnen nicht damit, dass es großartig Zeugen für irgendetwas gibt.
19:53Und das senkt natürlich die Hemmschwelle für Straftaten immens.
19:57Welche Rolle spielen da Macht und Dominanz?
20:00Also genau die beiden Punkte, die Sie angesprochen haben, spielen eine ganz, ganz treibende Rolle.
20:04Man hat regelrecht in dieser Situation, in dieser intimen Situationen, Machtgefälle.
20:08In dem Fall habe ich den Freier, der bezahlt, der hier mehr oder weniger Erwartungen anstellt.
20:15Und da kann es durchaus vorkommen, wenn er glaubt, dass diese Erwartungen nicht erfüllt sind,
20:18dass genau dieses Dominanzgefüge jetzt auf einmal diesen Konflikt natürlich weiter anheizt.
20:23Ich habe es ja am Anfang schon angedeutet, für die Kripo sind solche Verbrechen häufig schwerer aufzuklären in diesem Umfeld.
20:31Können Sie uns da noch ein bisschen mehr zu erzählen?
20:33Ja, also generell, das Rotlichtmilieu ist jetzt nicht unbedingt dafür bekannt,
20:36dass sie besonders gerne mit uns als Polizei zusammenarbeiten.
20:39Das hat die unterschiedlichsten Faktoren und wir haben hier natürlich keine großartigen Zeugen,
20:43die wir fragen können, der uns sagt, ja, habe ich mitbekommen, kenne ich, wie auch immer.
20:47Das fehlt uns hier einfach.
20:48Und natürlich auch die Geschädigten selber sind in der Regel nicht besonders anzeigenfreudig
20:52und kommen zu uns oder kommen proaktiv auf uns zu und teilen uns das Ganze mit.
20:56Das fehlt uns.
20:57Und genau diese Faktoren führen dazu, dass wir natürlich wahnsinnig wenig Ermittlungsansätze haben,
21:02wo wir dann mit unseren klassischen kriminalpolizeilichen Maßnahmen weiter ansetzen können.
21:06Danke für diese Einblick, Herr Pult.
21:08Sehr gerne.
21:10Anonymität im Milieu, das erschwert also die Ermittlungen.
21:14Deswegen kommt jedem noch so kleinen Detail eine große Bedeutung zu.
21:18Wie in unserem ersten Fall in Köln, da hat ein Freier eine Prostituierte betäubt und ausgeraubt.
21:25Davor hat der Täter dem Opfer aber ein paar Dinge über sich erzählt.
21:28Und deswegen konnte sich die Polizei ein ziemlich genaues Bild vom Täter machen
21:33und ging damit zu Aktenzeichen XY ungelöst.
21:36Mit traurer Regelmäßigkeit müssen wir in XY hier ja über Verbrechen an Prostituierten berichten.
21:42Es gibt Männer, in deren Augen das Leben dieser Frauen nicht viel wert ist.
21:46In unserem Fall gerade mal 720 Euro.
21:50Die Aktenzeichen XY-Sendung vom 10. Mai 2007 sehen auch zwei Justizvollzugsbeamte der JVA München.
21:58Der gesuchte Mann kommt ihnen bekannt vor.
22:02Die Täterbeschreibung passt auf einen Häftling, der sich wegen eines Drogendelikts in Untersuchungshaft befindet.
22:07Die Beamten informieren die Ermittler. Im Rahmen der weiteren Befragungen gesteht der Mann die Tat.
22:14Es handelt sich um einen damals 20-jährigen russischen Staatsangehörigen.
22:19Das Urteil, fünf Jahre und zwei Monate Gefängnis.
22:23In diesem Fall konnte der Täter also identifiziert und auch verurteilt werden.
22:28Im Mordfall von Münster, da gab es zunächst nur eine Spur am Tatort.
22:34Ein Schlüsseletrie, aber ob das auch zum Täter führen konnte, dazu später mehr.
22:40Viele Frauen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, haben die Hoffnung auf einen höheren Verdienst.
22:45Aber nicht alle von ihnen treffen die Entscheidung, ihren Körper zu verkaufen, freiwillig.
22:50Stichwort Zwangsprostitution.
22:53Wie schnell aus einem Versprechen ein Albtraum werden kann, dafür steht der Fall einer jungen Rumänin.
23:01Ein kleiner Ort, nicht weit von der Stadt Alba in Rumänien.
23:06Hier lebt die 20-jährige Avida Ladorescu mit ihrer Familie.
23:10Sie hat zwei Brüder und eine kleine Schwester.
23:12Avida, hi Lamas.
23:14Hey, ein Kide.
23:17Avida und ihre Familie leben ziemlich beengt in einer Zwei-Zimmer-Wohnung.
23:21Ihre Mutter ist die einzige in der Familie, die Arbeit hat, in einer Holzfabrik für umgerechnet 100 Euro im Monat.
23:35Erst vor kurzem war Avida von ihrem Freund schwanger.
23:38Doch mit dem Wissen, ihr Kind nicht ernähren zu können, hatte sie sich zu einer Abtreibung entschlossen.
23:50Avida teilt sich mit ihrer Cousine einen Zugang zu einem sozialen Netzwerk im Internet.
23:55Hier kann sie ihr Herz ausschütten, aber auch neue Kontakte knüpfen.
23:59So wie zu einem Mann mit dem Pseudonym Boss.
24:03Der Unbekannte macht Avida schließlich ein für sie grandioses Angebot.
24:08Er will sie als Tellerwäscherin nach Deutschland holen, für 1000 Euro im Monat.
24:17Ein Angebot, über das sich auch Avidas Eltern freuen.
24:20Sie sehen endlich eine Perspektive für ihre Tochter.
24:24Außerdem werden sie damit künftig eine Person weniger durchbringen müssen.
24:48Avida ist fest entschlossen. Sie will nach Deutschland gehen.
24:52Und da sie sicher ist, dass sie dort bleiben wird, trennt sie sich schließlich auch von ihrem Freund.
24:56Ein Schritt, der ihr schwerfällt.
25:00Am 2. April 2013 verlässt Avida ihre Heimat Rumänien mit dem Ziel Frankfurt am Main.
25:07Dort will der Unbekannte sie abholen.
25:10Und warum?
25:15In der Nähe ist es nicht so, wie viele Leute auf ihr?
25:20Aber die sind so.
25:22Die sind so.
25:23Wie ist das denn?
25:25Die sind dann sehr undタren.
25:34Aber die schärfen können.
25:38Auf dem Weg zur Wohnung des Mannes gehen sie eine Weile zu Fuß.
26:06Azi încă nu. E prea obusită. Mâine, vine și ea.
26:40Câte frumoasă ești.
26:43Nu, eu nu vreau. Am un prieten.
26:48De nâine, merg și tu în club.
26:51Să spăl farfurii?
26:53Nu, drăguțul.
26:56Ai să bei ceva cu bărbați? Și după aia, ai să faci puțin sex cu ei.
27:01Orice doresc ei.
27:03Nu, eu nu fac asta!
27:04Nu, eu nu faci.
27:06Nu faci.
27:06Nu faci.
27:08Der Mann, der sich immer nur Boss nennt, vergewaltigt Avida.
27:14Da, vărba. Da, vine să lăscă vă.
27:18Mâ?
27:19În cântă ceva măscu. Da. Da vine. Hai. Ciao.
27:39Vărba.
27:51Aus einer Mischung aus Rumänisch, Spanisch und Englisch versucht sich Avida verständlich zu machen.
27:58Doch es gelingt ihr nicht mitzuteilen, was passiert ist und vor allem wo sie ist.
28:23Musik
28:23Nein, keine Polizei.
28:28Aber vielleicht kommen sie erstmal rein.
28:34Auch der Nachbar scheint nicht zu verstehen, dass Avida Opfer eines Verbrechens geworden ist
28:39und dass sie dringend Hilfe braucht.
28:57Musik
29:11Es dauert fast eine Stunde, bis die Polizei mit Hilfe von einem Passanten, der zufällig ihre Sprache spricht, Avida lokalisieren
29:18kann.
29:19Avida Ladourescu konnte gerettet werden.
29:22Aber nicht alle Frauen, die verschleppt werden, können ihren Peinigern entkommen.
29:26Es ist schwer, aus solchen Strukturen wieder rauszukommen, wenn man einmal drin ist.
29:31Die Täter in diesem Fall konnten bis heute nicht gefasst werden.
29:35Warum ist es so schwierig, diese Straftaten aufzuklären?
29:38Darüber kann ich mit Oberstaatsanwalt Stefan Willkomm aus Düsseldorf sprechen.
29:42Er sitzt in der Expertenkommission der Bundesregierung zum Schutz von Prostituierten.
29:47Hallo, Herr Willkomm.
29:49Ja, hallo Frau Reiner.
29:50Sie haben ja auch mit organisierter Kriminalität zu tun.
29:53Und wir gehen heute der Frage nach, warum Frauen in der Prostitution besonders häufig Opfer von Verbrechen werden.
29:59Aber in vielen Fällen, wie auch in unserem Film, da beginnt das Verbrechen ja eigentlich schon viel früher.
30:05Das ist absolut richtig.
30:08Das strafbare Verhalten ist deutlich der Ausbeutung vorgelagert.
30:12Da ist insbesondere die Zwangsprostitution zu erwähnen.
30:16Das ist das Veranlassen, das unmittelbare Veranlassen der Prostitution mit unlauteren Mitteln.
30:21In dem Bereich ist das Höchstunrecht angesiedelt.
30:23Da werden auch vor den Gerichten die höchsten Strafen für ausgeurteilt.
30:27Was ist denn über die Täter bekannt?
30:29Es gibt verschiedene Täterstrukturen, die in dem Bereich immer wieder auffallen.
30:33Die sind teilweise kulturell bedingt.
30:36Da ist es dann häufig so, dass Opfer aus einem bestimmten Kulturkreis auch durch Täter aus dem gleichen Kulturkreis ausgenutzt
30:46werden.
30:47Momentan ist das zum Beispiel sehr, sehr stark feststellbar im Bereich des chinesischen Menschenhandels.
30:53Im ostdeutschen Bereich sind es häufig eher südosteuropäische Geschädigte, die dann auch von südosteuropäischen Tätern ausgenutzt werden.
31:02In Westdeutschland sind es teilweise Rockerstrukturen, die eine Rolle spielen.
31:06Aber es gibt auch ganz, ganz viele Einzeltäter oder kleinere Täterstrukturen, die man nicht fest schematisch zusortieren kann.
31:14Welche Rolle spielen denn Angst und Abhängigkeit und wie gezielt nutzen das Täter auch aus?
31:19Insbesondere bei ausländischen Geschädigten spielt Druck eine Rolle, der dann im Ausland auf Familien ausgeübt wird.
31:27Es gibt aber auch Opfer, die einfach aufgrund ihrer Herkunft aus bestimmten Ländern keine guten Erfahrungen mit Strafverfolgungsbehörden haben.
31:34Die haben einfach Angst vor der Polizei. Die werden auch dahin noch von den Tätern beeinflusst, dass diese Angst noch
31:42gesteigert wird.
31:43In Teilen ist es aber auch eher Manipulationsstrategie, zum Beispiel die sogenannte Loverboy-Methode.
31:48Da werden junge Frauen aus ihrem familiären sozialen Umfeld gelöst, auf den Täter fixiert und sind nachher in einer Form
31:57isoliert,
31:58dass der Täter das für sich ausnutzen kann, um die Geschädigten in die Prostitution zu bringen.
32:04In der Überzeugung, dass sie das selber wollen, um dann die finanzielle Ausbeutung davon zu haben.
32:11Das verschafft ja dann letzten Endes den Tätern noch mehr Macht über die Opfer.
32:15Das ist absolut richtig. Die Frauen merken gar nicht, dass sie Opfer einer derartigen schweren Straftat geworden sind.
32:23Und aufgrund der Manipulation können die Täter Ort, Zeit, Ausmaß der Prostitution bestimmen, ohne dass eine Gegenwehr der Frauen zu
32:32erwarten ist.
32:33Damit die Täter bestraft werden können, sind die Aussagen der Opfer ja essentiell.
32:38Aber warum werden so viele Straftaten gar nicht erst angezeigt?
32:40Da spielt Scham eine Rolle, da spielen aber auch die Einwirkungen der Täter eine Rolle.
32:46Und was da auch eine Rolle spielt, ist, dass ein Strafverfahren, ein Ermittlungsverfahren mit anschließender Hauptverhandlung eine große Belastung für
32:54die vorherigen Opfer ist,
32:55zu einer Retraumatisierung in psychologischer Hinsicht führen kann und häufig führt.
32:59Und dass die Opfer da auch Begleitung durch Fachberatungsstellen brauchen, um möglichst unbeschadet aus diesem Bereich wieder herauszukommen.
33:09Vielen Dank für die Einordnung, Herr Willkommen.
33:12Sehr gerne.
33:13Also, die Aussagen der Opfer sind essentiell, um den Täter zu ermitteln.
33:18Aber auch Hinweise von Zeugen und Spuren am Tatort spielen eine wichtige Rolle.
33:24Wie in unserem Fall aus Münster. Da hat der Täter nach dem brutalen Mord einen Schlüsseletwi verloren.
33:29Und wir erfahren jetzt, ob ihm das zum Verhängnis wurde.
33:34Das Schlüsseletwi bringt die Ermittler auf eine erste heiße Spur. Denn einer der Schlüssel passt zu einem seltenen Motorroller.
33:42Mehrere Halter werden überprüft. Doch zunächst ohne Erfolg.
33:46Gleichzeitig können die Beamten fremde Blutspuren am Tatort sichern. Offenbar hat sich der Täter selbst verletzt.
33:53Ein erster Ermittlungserfolg. Die DNA des mutmaßlichen Mörders kann extrahiert werden.
33:59Im September 1998, zweieinhalb Jahre nach dem Mord, wird das DNA-Profil in die neu eingerichtete DNA-Analyse-Datei des
34:08Bundeskriminalamtes eingestellt.
34:11Wieder vergehen zweieinhalb Jahre. Anfang 2001 dann der Durchbruch.
34:17In der DNA-Datenbank gibt es einen Treffer.
34:20Die DNA stimmt mit der eines Mannes überein, der sich zu diesem Zeitpunkt wegen eines anderen Delikts in einer psychiatrischen
34:27Klinik befindet.
34:28Er wird unmittelbar vernommen und gesteht nach kurzer Zeit den Mord.
34:34Erst drei Tage vor dem Mord an Ulrike Hoffmann war der Mann wegen versuchter Vergewaltigung aus der Haft entlassen worden.
34:42Er wurde später zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt und kam außerdem in ein psychiatrisches Krankenhaus.
34:49Dieses schreckliche Gewaltverbrechen an einer Prostituierten konnte also aufgeklärt werden.
34:54Anders ist es bei unserem nächsten Fall, für den wir noch ein bisschen weiter im Archiv zurückschauen müssen.
35:00In das Jahr 1994.
35:03Bis heute stehen die Ermittler vor einem großen Rätsel.
35:07Vielleicht kennen manche das Buch Christiane F., Wir Kinder vom Bahnhof Zoo.
35:13Darin geht es um die Geschichte einer Jugendlichen, die über ihre Drogensucht in der Prostitution landet.
35:19Unser nächster Fall spielt in diesem Umfeld.
35:22Es geht um die Geschichte einer jungen Frau, gerade mal 19 Jahre alt.
35:30Samstag, 5. November 1994. Am Rastplatz Barnetztal, in der Nähe von Bad Oldesloe.
35:38Während einer kurzen Rast macht ein Handelsvertreter aus Hamburg im Müll eine grausame Entdeckung.
35:53Das gibt's ja nicht.
36:00Sie haben den Funk. Sie müssen sofort die Polizei rufen.
36:03Wieso? Was ist denn los?
36:04Ich hab einen Kopf gefunden. Da drin in der Mülltonne.
36:07Polizei kriege ich damit nicht, aber warten Sie mal.
36:11Vor der Einführung von Mobiltelefonen waren vor allem Lkw-Fahrer mit sogenanntem CB-Funk ausgestattet.
36:18Für viele Fahrer das wichtigste Kommunikationsmittel.
36:21Was gibt's denn?
36:22Hallo Joe, hier Charlie.
36:24Ich hab hier einen, der hat in der Mülltonne einen Kopf gefunden.
36:26Den Funkspruch erreicht nicht nur die Polizei.
36:29Ihn empfängt auch ein junger Zeitungsreporter.
36:32Sofort wittert er eine heiße Spur.
36:36Tag, Uli, hier Axel. Du, ich hab hier eine ganz heiße Nummer.
36:39Sag dem Harry, er muss mir eine Zweispalte auf der ersten frei halten.
36:43Mensch, quatsch nicht so lange. Das ist die Story.
36:45Ich bleib jetzt dran und fahr die anderen Rastplätze ab.
36:48Ja, vielleicht liegt da noch mehr rum.
36:50Okay, ich melde mich dann wieder. Ja, ciao.
37:01Wahnsinn.
37:02Der Journalist entdeckt tatsächlich noch weitere menschliche Überreste an einem nahegelegenen Parkplatz.
37:08Er übergibt sie der Polizei.
37:15Die für den grausigen Fund zuständige Kripo Bad Oldesloe startet eine gründliche Suchaktion auf allen umliegenden Autobahnparkplätzen.
37:24Ohne Erfolg.
37:26Auch die Identifizierung des Mordopfers gelingt zunächst nicht.
37:30Immerhin können die Gerichtsmediziner aber feststellen, dass es sich um eine junge Frau handelt.
37:35Also mir wird das nicht in den Kopf.
37:39Wie kann so eine junge Frau verschwinden, ohne dass sich jemand als vermisst meldet?
37:43Mein Gott, es gibt viele Leute, die ständig unterwegs sind.
37:46Da denkt an die Penner, da geht keiner zur Polizei.
37:49Wenn man wenigstens feststellen könnte, wie lange diese Leichenteile eingefroren waren,
37:52dann wüsste man auch ungefähr, wann sie verschwunden sein muss.
37:56Tja, wenn?
37:58Ich meine, theoretisch kann ich schon vor einem Jahr umgebracht worden sein.
38:03Es hilft alles nichts. Wir müssen mit dem Foto in die Presse.
38:10Frauenkopf in Mülltonne, Körper zerstückelt und auf Rastplätzen an der Autobahn versteckt.
38:16Wie? Das ist ja eklig.
38:19Zeig doch mal das Bild.
38:20Was ist das dran?
38:22Könnt du die Sabrina sein?
38:24Also Leute, das ist nie.
38:25Wie soll der denn nach Hamburg kommen?
38:27Klar ist es das. Einwandfrei.
38:30Ey, der hat ihn ja kalt gemacht, sonst wäre es doch hier logisch.
38:33Ihr könnt ja mal den Opa fragen, bei denen sie wohnt.
38:35Der ruft zu uns auch mal hier rum und sucht sie.
38:37Ja, genau.
38:38Hast du mal eine Fluppe?
38:40Danke.
38:41Ey, da kommt er ja natürlich.
38:46Hey, Opa, komm mal her. Ich hab was für dir.
38:50Ey, sag mal, suchst du Sabrina immer noch?
38:52Ja, natürlich. Weißt du was von ihr?
38:55Ja, guck mal hier.
38:57Ja, ich habe gestern aus Hamburg mitgebracht.
39:01Nein, gut. Die Sabrina.
39:04Da muss der Polizei hin, Opa.
39:08Wer will zu dir mitkommen?
39:10Nee, lass mir lieber wissen.
39:12Ich hab's nicht so mit den Bullen.
39:17Rentner Erwin Lohmann geht besorgt zur Polizei.
39:21Die tote Frau könnte die 19-jährige Sabrina sein,
39:23die er vor einigen Monaten bei sich aufgenommen hat.
39:26Er kümmert sich um die junge Frau,
39:28die am Drogenstrich anschaffen geht, wie um eine eigene Tochter.
39:31Doch seit kurzem ist sie verschwunden.
39:34Als sie die Sabrina das letzte Mal gesehen haben.
39:37Wie war das?
39:42Gehst du?
39:43Ja, ich muss nur mal los.
39:47Darf ich deinen Fotoapparat mitnehmen?
39:49Was willst du denn damit?
39:51Kumpels fotografieren am Zoo macht total Laune.
39:53Ach, das kann man nicht.
39:54Also gut, mit dem Mittag.
39:56Danke.
39:58Ich geh dann.
40:00Und wann kommst du wieder nach Hause?
40:02Keine Ahnung.
40:03Wie immer, denke ich.
40:04Tschüss dann.
40:05Ja, tschüss, Sabrina.
40:08Die weiteren Ermittlungen der Polizei ergeben dann,
40:11dass sich Sabrina an diesem Abend zunächst tatsächlich
40:14am Bahnhof Zoo aufgehalten hat.
40:19Ui.
40:20Pfanne?
40:22Pass auf.
40:24Oh Mann, so dumm ist die Sichtpfanne.
40:26Die zerreißen ja einen Kasten.
40:30Hey, mach doch mal einer ein Foto von uns.
40:32Hey, war alle los.
40:33Ja, okay, Baby.
40:36Hi.
40:38Danke.
40:39Danke.
40:44Gegen 22 Uhr dürfte Sabrina dann in die nahegelegene Kurfürstenstraße aufgebrochen sein.
40:50Dort wird die 19-Jährige an diesem Abend, des 24. Oktober 1994, zum letzten Mal gesehen.
40:59Hier verliert sich auch ihre Spur.
41:02Bis zwei Wochen später Teile ihrer Leiche an der Autobahn bei Bad Oldesloe gefunden werden.
41:12Ein Verbrechen, das wirklich sprachlos macht.
41:15Und das die Ermittler bis heute beschäftigt.
41:17Die große Frage, wer war der Täter?
41:20Und was bei den Nachforschungen noch ans Licht kommt, ist kaum zu fassen.
41:25Die Ermittler im Fall Sabrina Baum werden hellhörig,
41:29als im März 1996 in Brasilien ein Deutscher festgenommen wird.
41:33Der Vorwurf, schwere Sexualdelikte und Folter von Frauen.
41:37Es handelt sich um den Arzt Jürgen M., der im Zuge weiterer Ermittlungen unter Verdacht gerät,
41:42mehrere Frauen getötet und ihre Leichen zerstückelt zu haben.
41:45Zu den mutmaßlichen Opfern zählt unter anderem die Prostituierte Jana W.,
41:50deren Leichenteile im Oder-Havel-Kanal gefunden wurden.
41:54Belastendes Beweismaterial, darunter private Videoaufnahmen, deuten auf ihn als möglichen Täter.
42:00In der Presse wird er fortan als der Havel-Ripper bezeichnet.
42:06Die Berliner Staatsanwaltschaft bereitet im Fall Jana W. eine Anklage vor.
42:11Auch der Mord an Sabrina Baum wird auf einen Zusammenhang mit dem Arzt geprüft.
42:16Jedoch, kurz vor seiner Auslieferung nach Deutschland,
42:19nimmt sich der Tatverdächtige Jürgen M. in einer brasilianischen Gefängniszelle das Leben.
42:24Mehrere Verbrechen bleiben damit offiziell ungeklärt.
42:311997 geriet noch ein anderer Arzt aus Deutschland in den Fokus der Ermittler.
42:35Man wusste, dass auch er eine Prostituierte umgebracht hatte und überprüfte deshalb,
42:40ob er auch für den Mord an Sabrina Baum verantwortlich sein könnte.
42:44Man konnte es ihm aber nicht nachweisen.
42:47Und deswegen bleiben in diesem Fall mehr Fragen als Antworten.
42:50Und ein Schicksal, das bis heute nicht geklärt ist.
43:17Das war XY, Spuren des Verbrechens.
43:22Vielen Dank fürs Zuschauen.

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