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00:02I am Tobi Krell and I make 12 years TV and films for children.
00:08I try to explain with my work how our world works.
00:17But in the last time I am often ratless, when I see what happens to us.
00:22What happens to us?
00:27I ask myself, and I ask myself,
00:30with which world are our children actually confronted?
00:36There is so much Aggressivität and so much hate.
00:39Or here, that's the comments on my Facebook page.
00:44Hetzer.
00:45Shame should be someone like you.
00:47You piece of shit.
00:49What's going on with the people?
00:50And it's harmless.
00:51And other people get a lot of crazy stuff in their Timelines,
00:56in their Commentarspalten,
00:57and also in their face.
01:00Why is Hassen for many young people so attraktive?
01:04I say extra.
01:06Because I was in a school in Berlin
01:08and found something surprising.
01:14I was at a workshop for children.
01:16It was about the issue of Gefühle.
01:20To give them a chance to be a part of the time.
01:24Und da hat mir der Kinderpsychologe Dominik Aigner
01:27etwas erzählt,
01:29das ich erstmal kaum glauben konnte.
01:33Kinder können noch nicht hassen.
01:35Aber guck mal, wie die da teilweise aufeinander einprügeln.
01:37Das hat nichts mit Hass zu tun.
01:39Die sind wütend, die sind zornig, die sind sauer, aggressiv.
01:41Aber Hass ist mehr als nur dieses Gefühl.
01:45Hass beinhaltet neben diesen Effekten, dieser Wut usw.
01:50Dinge, die im Gehirn passieren, die Kinder noch nicht so können.
01:54Dominik hat mir das genauer erklärt.
01:56Hass ist kein Gefühl, sondern etwas Kompliziertes.
02:00Hass ist eine Strategie, um unangenehme Gefühle zu verarbeiten.
02:05Und Kinder können solche komplexen Strategien noch gar nicht ausbilden.
02:08Das geht erst ab etwa der Pubertät.
02:12Und als ich das erfahren habe, da habe ich mich gefragt,
02:14wie kann das dann sein, dass aus Kindern, die nicht mal Hass empfinden können,
02:18Erwachsene werden, die hassen? Was muss passieren?
02:22Ich glaube, da müssen wir dringend genauer hinschauen.
02:26Wie rutscht man in den Hass? Und vor allem, wie kann man wieder rauskommen?
02:30Und eins kann ich schon mal sagen, dieser Film wird kein Film für Kinder.
02:35Ich werde eine Reise machen, die führt mich von Kanada über Bosnien bis nach Mexiko.
02:41Und ich treffe in diesen Ländern Menschen, deren Leben vom Hass fast zerstört worden wäre.
03:03Eine von diesen Menschen ist Lauren, Mitte 30.
03:07Sie lebt in Kanada, in der Nähe von Toronto, und arbeitet für Life After Hate, also Leben nach dem Hass.
03:14Eine Organisation, die Menschen hilft, aus der rechten Szene auszusteigen.
03:21Ich betreue einige Aussteiger. Wir beraten aber auch Freunde und Familie. Oft fühlen die sich auch sehr hilflos.
03:40Es ist schwer, sich selbst im Spiegel anzusehen.
03:43Und warum ist das so schwer?
03:47Naja, ich erinnere mich daran, wie schwer es mir damals gefallen ist, zuzugeben.
03:58Und Lauren weiß, wovon sie spricht. Aber eins nach dem anderen. Lauren hat mich eingeladen in ihr Elternhaus in Whitby,
04:07einer Stadt in der Nähe von Toronto.
04:10Auf den ersten Blick wirkt hier alles sehr bürgerlich und geordnet auf mich. Hier ist Lauren aufgewachsen.
04:21Oh ja, das war lustig. Papa und ich haben die Brücke zum Wackeln gebracht, um die anderen zu erschrecken.
04:31Meinen aufmüpfigen Charakter habe ich von Papa.
04:34Klingt, als wärt ihr eine fröhliche kleine Familie.
04:39Und du wirkst wie ein ganz normaler Teenager, der halt nicht ständig fotografiert werden will.
04:43Was auch immer normal heißt, nahezu perfekt, auch wenn es das nicht gibt.
04:47Aber bei den Mannings war es nicht nur nicht perfekt.
04:51Es gab eine Zeit, da war das Leben der Familie ein richtiger Albtraum.
04:57Lauren war als Teenagerin selbst ein Neonazi.
05:01Sechs Jahre lang war ihr Alltag bestimmt von Gewalt, Alkohol und Hass.
05:07Wie kann das passieren?
05:11Was hat Lauren, eine, wenn man das so sagen kann, ganz normale Teenagerin, so aus der Bahn geworfen?
05:19Wir waren glücklich miteinander. Wir hatten Spaß.
05:22Für meinen Mann war es besonders schön, weil wir da schon wussten, dass er krank war.
05:27Die Kinder wussten das nicht?
05:29Nein, mein Mann wollte das nicht.
05:31Die Ärzte haben ihm damals nur noch ein bis zwei Jahre gegeben. Tatsächlich waren es zehn.
05:36Aber er wollte einfach nicht, dass die Kinder sich Sorgen machten.
05:41Naja, wir haben das schon mitbekommen.
05:43Kinder sind ja nicht dumm. Das waren wir auch nicht.
05:47Er wollte euch ja nur schützen.
05:51Aber vor seinem Tod konnte er sie nicht beschützen.
05:55Laurens Vater starb an seiner Leukämie, als Lauren 16 Jahre alt war.
06:00Für sie war es ein riesiger Schock.
06:06Welches ist es?
06:09Das da, mit dem lila-weißen Kranz.
06:13Freunde hatte sie damals kaum.
06:15Ihr bester Freund war eigentlich ihr Vater.
06:21In der 9. und 10. Klasse wurde ich in der Schule wegen blöder Sachen gehänselt.
06:26Und da habe ich meinen Vater gefragt, bin ich hässlich?
06:30Seine Antwort war, nein, das Verhalten der anderen Kinder aus der Schule ist hässlich.
06:39Jetzt waren sie nur noch zu dritt.
06:41Mutter Janett wollte die ganze Zeit über Laurens Vater sprechen.
06:44Seine Erinnerung unbedingt präsent halten.
06:48Aber Lauren war das alles zu viel.
06:51Sie hat sich zurückgezogen.
06:55Das war mein Zimmer, seit ich etwa vier war.
06:59Wie man sieht, wurde es inzwischen gestrichen.
07:04Ich habe eigentlich nie wirklich aus dem Fenster geschaut.
07:10Meistens habe ich die zugemacht.
07:14Und damit habe ich mich wohl gefühlt.
07:17So konnte mir keiner was.
07:20Hast du oft geweint?
07:25Nein, das konnte ich irgendwie nie.
07:27Da war mehr Wut.
07:29Ich dachte oft, was soll das alles?
07:32Ich habe sogar ein paar Löcher in die Wand und die Tür geschlagen.
07:36Hier sind noch Narben.
07:37Naja, hier und hier.
07:39Narben gehen nie wirklich weg.
07:41Sie bleiben eigentlich für immer.
07:47Lauren hat wirklich mit ihren Fäusten Löcher in die Wände geschlagen.
07:51Sie war einfach unendlich wütend.
07:53Und hatte nicht das Gefühl, dass ihre Mutter das verstanden hat.
07:58Und dann hat sie im Internet National Socialist Black Metal entdeckt.
08:03Nationalsozialistischer Black Metal.
08:06Neonazi-Musik.
08:08Ich mochte das laute, intensive daran.
08:11Ich habe die Musik gleich morgens nach dem Aufstehen angemacht.
08:14Ich bin echt keine Frühaufsteherin.
08:16Ich war Fan einer Band.
08:18Und auf deren Facebook-Seite hatte dieser Typ, wir nennen ihn den Rekrutierer,
08:23der hat so eine Nachricht an zehn Leute geschickt.
08:25Aber ich war die Einzige, die geantwortet hat.
08:29Darin stand, bist du Nationalsozialistin oder hörst du nur die Musik?
08:34Ich dachte mir kurz, was will der eigentlich? Wer ist das?
08:39Aber ich fand ihn lustig.
08:41Wir haben telefoniert.
08:42Und während des Gesprächs hat er die ganze Zeit seinen Nachbarn angeschrien.
08:46Und du fandst es lustig, oder?
08:48Mit 17 fand ich das witzig, klar.
08:51Gerade weil ich ziemlich brav aufgewachsen bin.
08:53Ich fand's toll.
08:56Ein paar Wochen später trafen sich die beiden in echt.
08:59Die Neonazis sagten ihr, wie besonders sie sei.
09:03Lauren fühlte sich endlich wertgeschätzt, gesehen.
09:06Und als Teil einer Gemeinschaft.
09:10Wo war denn das Tattoo genau?
09:13Genau hier auf meinem Hals.
09:16Musst du genau hinschauen.
09:18Ich sehe so ein paar kleine Narben, aber ...
09:20Ich hab's weglesern lassen.
09:22Wofür steht denn 1488?
09:2414 steht für die 14 Worte, wir müssen die Existenz unserer Rasse und auch eine Zukunft für weiße Kinder sichern.
09:30Und der achte Buchstabe im Alphabet ist H.
09:3388, HH, Heil Hitler.
09:37Also ein richtig radikales Tattoo mit rechtsradikalen Codes.
09:46Ich wollte einfach nicht mehr wie ein unsicherer Teenager wirken, obwohl ich das natürlich war.
09:57Lauren rutschte immer tiefer in die Neonazi-Szene ab, war Mitglied verschiedener Gruppen und landete schließlich sogar bei den Hammerskins.
10:04Die Hammerskins sind eine der radikalsten rechtsextremen Gruppen, sehr gewaltbereit.
10:10Sie sind weltweit vernetzt und verstehen sich als Nazi-Elite.
10:14Sie verherrlichen das Dritte Reich, idealisieren Kriege, verbreiten Hass.
10:24Wir fahren ins 40 Minuten entfernte Toronto.
10:30Mit Toronto verbinde ich viel. Ein paar schöne Erinnerungen sind auch dabei, aber an sich war es die dunkelste Zeit
10:36meines Lebens.
10:38Warum stehen die da oben rum?
10:40Guck mal, da sitzen Leute auf der Brücke und schwenken Kanada-Fahn.
10:44Das ist eine Demo von Rechtsextremen.
10:47Rechtsextreme?
10:47Ja, ich habe nur das Banner gesehen. Es war eine Demo gegen Migranten. Davon gibt es gerade eine Menge.
10:56Tatsächlich nimmt der Rechtsextremismus in Kanada, wie in einigen Ländern auf der Welt, zu.
11:01Aber das wollen viele im Land nicht wahrhaben.
11:06Das ist auch ein Grund, warum Lauren ihre Geschichte öffentlich erzählt.
11:10Also hier warst du mit deinen Leuten, mit deinen Freunden immer?
11:15Ja, da weiter hinten habe ich oft geschlafen.
11:20Hier hast du geschlafen?
11:22Ja, manchmal.
11:23Sogar im Winter?
11:25Ja, bis es extrem kalt wurde. Aber es war sehr kalt, ja.
11:30Und wie? Hattest du einen Schlafsack?
11:33Nein, meistens habe ich einfach gar nicht geschlafen. Ich war im Überlebensmodus. Und der Boden war so hart. Ehrlich gesagt
11:43war ich oft einfach im Vollrausch.
11:54Meine Mutter hat gesagt, entweder deine Freunde oder deine Familie. Also die Freunde.
12:00Irgendwie ein falsches Gefühl von Dazugehörigkeit und Sicherheit.
12:09Bei Hass geht es in Wahrheit ganz oft um Verbindung und Zugehörigkeit. Darüber hatte auch der Kinderpsychologe Dominik gesprochen.
12:17Er sagte, Menschen sind soziale Wesen und brauchen Gruppen. Das gibt uns Sicherheit und Identität.
12:25Und die wird durch Abgrenzung zu anderen sogar noch stärker.
12:30Man kann aus solchen toxischen Umgebungen auch wieder rauskommen.
12:33Wichtig ist dann aber, dass man woanders andocken kann. Dass man eine andere, emotionale Heimat sehen kann.
12:48Ich wusste nicht, wie ich an sie rankommen konnte. Ihr Vater war immer der, der die Verbindung zu ihr hatte.
12:55Ich nicht.
12:58Und dann waren wir irgendwann so weit weg voneinander, wir konnten gar nicht mehr sprechen.
13:05Heute arbeite ich mit Eltern, die in der gleichen Situation sind. Und ich weiß, du darfst nie aufhören, zu deinem
13:11Kind zu sagen, erzähl mir von dir.
13:14Jeannette hat sich so geschämt, dass sie niemandem von ihrer radikalisierten Tochter erzählen wollte.
13:20Heute weiß sie, wie sehr das Reden hilft und berät auch selbst andere Eltern, die Ähnliches durchmachen.
13:28Gab es denn Momente, in denen du Lauren gehasst hast? Für das, was sie mit euch und auch mit sich
13:34selbst gemacht hat?
13:36Da kommen mir gleich die Tränen.
13:43Nein, ich hätte Lauren niemals hassen können.
13:48Aber ich war so tief von ihr enttäuscht. Ich hatte Angst um ihr Leben. Oder dass ich sie nie wieder
13:54bei mir haben würde.
13:56Es war schlimm für uns alle. Ich wollte sie ja lieben. Und ich wollte die Tür für sie offen halten.
14:08Aber bis Lauren durch diese offene Tür durchgehen konnte, hat es noch eine ganze Weile gedauert.
14:13Sie blieb bei den Neonazis, grölte mit ihnen Hassparolen, tätowierte sich mehr und mehr kurz auf den Körper,
14:19trank sich ins Koma und wäre am Ende fast gestorben.
14:29Hier haben sie mich angegriffen und krankenhausreif getreten.
14:36Ein paar von meinen Leuten haben ein Graffiti gemacht und das im Internet gepostet.
14:43Dann wurden sie natürlich erwischt. Obwohl das ihre eigene Dummheit war, haben sie behauptet, ich hätte sie verraten.
14:50Was ist denn genau passiert?
14:53Der Rest ist etwas verschwommen. Ich habe versucht wegzurennen. Sie sind mir hinterher.
15:01Dann habe ich mich dummerweise so vor eine Wand gestellt.
15:07Da habe ich sofort Hände an meinem Nacken und Kopf gespürt.
15:11Die haben mich mit voller Wucht in die Wand gerammt.
15:16Das hat mich für eine Minute ausgenockt. Was ich noch weiß, Tritte. Immer wieder. In die Kniekehlen, den Kopf, die
15:25Rippen, höllische Schmerzen.
15:28Irgendwie habe ich es geschafft, wieder aufzustehen und dem einen das Messer aus der Hand zu schlagen. Aus purer Selbstverteidigung.
15:35Das Ganze hat mich echt aus der Bahn geworfen. Und zum ersten Mal wurde mir klar, diese Leute haben ganz
15:40sicher nicht mein Bestes im Sinn.
15:42Fühlst du dich eigentlich als Opfer? Weil unschuldig warst du ja auch nicht. Du warst ja Teil der Gruppe.
15:50Meine schlechten Entscheidungen haben dazu geführt. Hätte ich nicht mitgemacht, hätte ich keine Gehirnerschütterung erlitten.
15:56Bis heute habe ich nur noch etwa 90 Prozent meiner früheren Leistungsfähigkeit.
16:00Übrigens, der Arzt, der mich behandelt hat, war nicht weiß. Aber er hat mich genauso behandelt wie alle anderen.
16:05Ich erinnere mich noch, dass er sagte, schon irgendwie ironisch, oder? Deine eigenen Leute haben dich verprügelt und ich helfe
16:12dir jetzt.
16:14Lauren wollte aussteigen. Sie war Anfang 20 und hatte niemanden mehr.
16:20Und hat es dann doch geschafft, wieder vorsichtig bei Jeannette anzuklopfen. Die hatte kaum noch dran geglaubt.
16:30Mit Laurens Geschichte habe ich verstanden, Hass kann eine Heimat bieten.
16:35Und manchmal verläuft der Weg in den Hass so schnell, dass man es von außen kaum mitbekommt.
16:40Man kann aber auch wieder rausfinden, wenn man eine Alternative sieht.
16:47Aber was ist eigentlich, wenn es scheinbar gar keine Alternativen gibt?
16:52Wenn da gar keine offenen Türen mehr sind? So wie im Krieg.
16:59Ich fliege nach Bosnien. Ein Vielvölkerstaat auf dem Balkan.
17:05Hier leben Bosniaken, Kroaten und Serben. Sie lebten viele Jahre friedlich zusammen.
17:11Bis Anfang der 1990er Jahre mit dem Zerfall von Jugoslawien der Bosnienkrieg ausbrach.
17:19Damals sind aus Nachbarn Feinde geworden. Das ist jetzt 30 Jahre her.
17:24Der Krieg ist zwar vorbei, aber der Hass, der damals entstanden ist, der ist geblieben.
17:31In der Hauptstadt Sarajevo treffe ich Adnan. Er ist Stadtführer.
17:40Journalisten haben die Straße Sniper Alley genannt.
17:44Ja, Scharfschützenstraße.
17:46Adnan zeigt den Touristen nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Altstadt.
17:49Er erzählt die Geschichte des Krieges.
17:52Denn das ist auch seine eigene Geschichte.
17:55Als 19-Jähriger wurde Adnan Soldat.
17:59Genau hier war die Front.
18:02Und das hier war die bosnische Seite?
18:04Ja.
18:06Und du warst auf dieser Seite?
18:08Da drüben war die serbische Armee. Sie haben die Stadt rundherum belagert.
18:14Das heißt, genau hier, wo wir jetzt sind, sind Menschen gestorben?
18:19Ja. Hier war die Todeszone.
18:23Und mit diesen hohen Gebäuden, das war sehr gefährlich.
18:26Da oben konnten überall Feinde sein.
18:33Fast vier Jahre belagerten und beschossen die serbischen Truppen Sarajevo.
18:38Jeden Tag fielen hunderte Granaten auf die Stadt.
18:42Heckenschützen schossen wahllos auf Fahrzeuge und Passanten.
18:45Sie töteten Männer, Frauen und Kinder.
18:49Die Menschen hatten kaum Strom, keine Heizung, wenig zu essen.
18:53Keiner kam mehr raus.
18:55Und Tausende wurden verletzt oder getötet.
19:02Adnan war fest entschlossen, seine Stadt zu verteidigen.
19:05Aber er hatte keine Ahnung, wie das geht.
19:08Soldat zu sein.
19:10Oder was es wirklich bedeutet.
19:13Er will mir Orte zeigen, an denen er damals gekämpft hat.
19:17In den Kellern dieser Häuser habe ich einige Tage verbracht.
19:27Das war damals ein Cut für mich.
19:30Für fast alle.
19:32Als hätte jemand 1992 einfach den Kanal gewechselt, weißt du?
19:37Von einem recht normalen Leben mit Freunden, Bars, Clubs.
19:41Plötzlich an die Front.
19:43Mit einer Kalaschnikow.
19:45Verrückt.
19:58Nach dem Krieg, als meine Tochter fünf oder sechs Jahre alt war, hat sie mich gefragt, hast du jemanden getötet?
20:07Oh, wow.
20:08Ja, dann habe ich gesagt, ich weiß es nicht.
20:14Aber du wolltest töten?
20:15Ich habe gesagt, ja, aber lass uns später drüber sprechen.
20:20Ich habe versucht, ihr zu erklären, ja, ich wollte töten, ich war Soldat.
20:25Es war meine Aufgabe, zu töten.
20:32Im Krieg ist Hass politisch gewollt.
20:37Viele Serben und Bosnier können bis heute kaum miteinander sprechen.
20:42Das Land ist geteilt, sogar ganz offiziell.
20:45Das ist die Serbische Republik, so heißt dieses Gebiet.
20:52Links ist die Föderation, rechts die Republika Serbska.
20:57Wir fahren genau dazwischen durch.
21:09Und hier oben warst du auch stationiert?
21:12Ja.
21:15Also da unten.
21:16Unten in den Büschen?
21:20Ja, da unten zwischen den Felsen und Bäumen waren die bosnischen Schützengräben.
21:26Wir haben einige Bombenteppiche dort überlebt.
21:31Das dauerte stundenlang.
21:34Das zerstört einen psychisch.
21:37Ich weiß noch, als ein Freund aus meiner Truppe von einem Scharfschützen mitten in den Kopf getroffen wurde.
21:45Er lag direkt neben dem Schützengraben.
21:50Ich dachte, er wäre tot.
21:53Aber plötzlich stand er auf mit diesem Loch im Kopf.
21:59Das war so erschreckend.
22:02Er lebte doch noch.
22:05Die Kugel hat sein Gehirn nicht komplett zerstört.
22:08Aber später ist er im Krankenhaus gestorben.
22:11Diese Bilder, die kommen immer wieder hoch.
22:23Ich habe versucht, meine Feinde zu verstehen.
22:29Was sie wohl gedacht haben.
22:33Hat dich das nicht wütend gemacht?
22:35Auf alle Serben?
22:40Oh ja, ich war wütend.
22:42Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum ich überhaupt Soldat sein konnte.
22:56In ruhigen Nächten an der Front haben wir manchmal miteinander gesprochen.
23:02Wir waren so nah, dass wir uns hören konnten.
23:07Meistens war es einfach nur, hey Serbe, fuck you.
23:11Wir waren quasi direkt nebeneinander.
23:18Im Krieg versuchen sie dich in eine Gruppe rein zu zwingen.
23:22Und die anderen sind Feinde, legitime Ziele.
23:25Das ist Nationalismus.
23:31Wenn ich den Soldaten, der hier gegen mich gekämpft hat, je treffen würde, hätte ich kein Problem mit ihm.
23:39Jemanden, der im Kampf versucht hat, mich zu töten, dem kann ich leicht vergeben.
23:43Das gehört irgendwie dazu.
23:46Aber jemandem, der ein Kind getötet hat oder Menschen gefoltert hat, das kann ich nicht verzeihen.
24:07Direkt nach dem Krieg haben mich Freunde überredet.
24:11Wir haben uns ins Auto gesetzt und sind rüber zu den Serben gefahren.
24:14Wir haben uns mit ihnen hingesetzt.
24:17Einfach so.
24:18Es fühlte sich irgendwie seltsam an.
24:21Gefährlich vielleicht.
24:22Aber es war ein tiefes Bedürfnis.
24:32Adnan hat sich damals einfach ins Auto gesetzt und Serben getroffen.
24:36Und er hat gemerkt, das sind Menschen wie er.
24:39Genauso traurig, verletzt, von der Politik ausgenutzt.
24:42Die sind nicht alle böse.
24:46Aber in Bosnien halten bis heute viele Menschen an ihren Vorurteilen fest.
24:51Und viele geben den alten Hass an ihre Kinder weiter.
24:56Ich fahre nach Mostar, eine Stadt im Süden des Landes, wo sich diese Spaltung besonders deutlich zeigt.
25:02In Mostar kämpften nicht die Serben, sondern die Kroaten gegen die Bosniaken.
25:07Auch heute noch leben beide Gruppen in der Stadt.
25:10Aber jede auf ihrer Seite des Flusses.
25:16Auf der Seite leben die muslimischen Bosniaken, auf der Seite die katholischen Kroaten.
25:20Im Krieg wurde um die Stadt gekämpft und die Brücke wurde auch zerstört.
25:25Und es gibt wirklich bis heute, die wurde wieder aufgebaut, bis heute Leute, die überqueren diese Brücke nicht, um nicht
25:30auf die Seite der anderen zu kommen.
25:33Ganz schön symbolisch, so eine Brücke, die Menschen zwar verbinden soll, aber die Menschen wollen nicht drüber gehen.
25:39Hier in Mostar lebt ein Mann, der auch versucht Brücken zu bauen. Auf kultureller Ebene.
25:45Ist hier der Eingang zur Rockschool?
25:48Da drüben?
25:52Oha Maslow ist Musiker. Er war gerade 13 Jahre alt, als der Krieg begann.
25:57Ihm hat es damals schon geholfen, Musik zu machen, um mit all dem irgendwie klar zu kommen.
26:02Und heute wird er das an die Jugend weitergeben.
26:06Warte mal, wenn du hier stehst, dann sind wir fast gleich groß.
26:11Wie groß bist du eigentlich?
26:132 Meter. Und du?
26:141,70?
26:151,70 an einem guten Tag. Heute ist ein guter Tag.
26:21Oha hat vor 12 Jahren die Mostar Rockschool gegründet. Eine Musikschule für Kinder und Jugendliche.
26:27Gerade ist es noch ruhig hier an diesem Vormittag, aber bald kommen sie, die jungen Musiker.
26:34Mindestens 30 Prozent der jungen Menschen hier in Mostar haben nur Freunde mit der gleichen Nationalität.
26:43Sie würden nie auf die andere Seite der Brücke gehen oder mit jemandem sprechen von der anderen Seite.
26:51Hast du das Gefühl, dass die Kinder in deiner Schule noch viel diese Bilder im Kopf haben?
26:59Sicher werden sie damit zugeschüttet. In den Schulen hier in Mostar haben wir immer noch dieses System der 2 Schulen
27:06unter einem Dach.
27:08Ein dummes System.
27:10Wie läuft das?
27:13Das bedeutet, dass zum Beispiel kroatische Kinder morgens zur Schule gehen und nach einer Pause am Nachmittag kommen die bosniakischen
27:21Kinder.
27:25So, dass sie sich ja nicht begegnen. Lächerlich.
27:31Das System in Bosnien-Herzegowina legt immer noch viel Wert auf diese nationale und religiöse Unterscheidung.
27:42Aber hier, bei uns, spielt das gar keine Rolle.
27:48In der Rockschool können Kinder und Jugendliche Instrumente und Gesang lernen.
27:54Das ist Dominant-Mix. Lass ruhig los.
27:59Sie kommen aus allen möglichen Familien. Arm, reich, muslimisch, christlich. Und zwar von beiden Seiten des Flusses.
28:16Wenn wir Teil einer sozialen Gruppe sind, übernehmen wir deren Vorstellungen und Werte ganz automatisch und oft unhinterfragt.
28:24Was manche als Gruppenzwang bezeichnen, ist im Grunde wieder nur der Wunsch nach Zugehörigkeit.
28:30So verbreiten und verfestigen sich aber auch Vorurteile und Hass.
28:34Diese Dynamiken kann man aber brechen. Durch echte Begegnungen in der echten Welt.
28:41Denn die ermöglichen Empathie.
28:43Und die wiederum kann die Vorurteile im Gehirn überschreiben.
28:58Je bunter man ist und je verschiedener die Hintergründe der Menschen, desto besser ist auch am Ende das Team.
29:05Und die sich in der Natur befinden, in der sich zurückschreiben.
29:21Die Nachbuseile sind in Höhe.
29:21Die Nachbuseile sind in Höhe.
29:29Ich bin in Höhe.
29:33A message, the Adnan gave me here in Bosnien, is still in my head, but it will be in the
29:41presence of the world.
29:46A message, the Adnan gave me here in Bosnien, is still in my head.
29:55When you're a victim of violence, it's normal to hate.
29:58But at the same time, you must go forward. It's better for your soul.
30:07If they could hate them, they could hate them, and stay in their lives.
30:15Hass als Gefängnis. Ein Gefängnis, das man sich selbst gebaut hat.
30:21Wie kann man es schaffen, da wieder auszubrechen, gerade wenn man grausame Dinge erleben musste?
30:29Ich bin in Mexiko, in Monterrey. Das ist im Norden des Landes, nicht weit von der Grenze zu den USA.
30:40Plötzlich stehen wir auf einem Bahnübergang.
31:02In Monterrey haben viele Menschen Schlimmes erlebt. Von 2008 bis 2012 tobte hier ein heftiger Drogenkrieg.
31:14Hunderte wurden entführt und ermordet. Oft auch Unschuldige. Sogar Kinder, die mit dem Konflikt gar nichts zu tun hatten.
31:27Gewalt ist hier in Mexiko generell ein großes Problem. Auf den Straßen und auch in den Familien.
31:39Ich bin mit einer Frau verabredet, die zu dem Thema eine Menge erzählen kann.
31:43Hallo!
31:45Hola!
31:46Mit Anni.
31:47Hallo!
31:48Hi, Robin!
31:49Hallo Anni!
31:51Nice to meet you!
31:52Very welcome!
31:53Thank you!
31:57Würdest du sagen, wenn Menschen auf den Straßen und in ihrem Alltag so viel Gewalt erleben, das macht was mit
32:03der Gesellschaft in Mexiko?
32:10Die Menschen, die diese Erfahrungen machen, werden oft aggressiv. Sehr wütend gegen andere Menschen generell.
32:21Wenn man Gewalt erlebt, wird man selbst aggressiv und es hört nie auf. Wie ein Virus.
32:28Wie ein Virus.
32:31Dieser Hass, der von diesen Erfahrungen kommt, wird zu einem Virus, den man dann an andere Menschen weitergibt.
32:41Auch Anis Eltern haben dieses Virus an sie weitergegeben.
32:46Sie ist 34 Jahre alt und Gewalt hat den Großteil ihres Lebens bestimmt.
32:59Ich habe so gut wie keine schönen Erinnerungen an meine Kindheit. Meine Mutter hat meinen Vater verlassen, weil er Alkoholiker
33:08war.
33:12Und er hat meine Mutter oft geschlagen. Als meine Mutter mit mir schwanger war, hat mein Vater immer gesagt, das
33:22Kind ist doch nicht von mir. Sie ist doch nicht mein Kind.
33:29Einmal schlug mein Vater meine Mutter sogar in ihren ...
33:33In den Bauch.
33:38So hat meine Geschichte angefangen.
33:42Ich habe auch viel Gewalt von meiner Mutter mit angesehen.
33:47Auch sie war gewalttätig. Sie war unglaublich aggressiv. Sie war oft betrunken.
33:54Und dann hat sie mich beschimpft und mir gesagt, du warst so hässlich, als du zur Welt gekommen bist.
33:59Keiner wollte dich haben.
34:04Mein Bruder fängt immer an zu weinen, wenn er davon erzählt.
34:08Er musste sich schon früh um mich kümmern.
34:12Er hat mir erzählt, ich weiß noch, wie du im Winter da gesessen hast.
34:16Nur mit einer Windel, aber sonst nichts. Keine Schuhe, nichts zu essen.
34:22Du hast in der Garage gesessen und warst immer ganz alleine.
34:35Anni erzählt mir noch von vielen anderen Situationen.
34:38Es sind unglaublich traurige Geschichten.
34:41Von Ablehnung und Erniedrigung durch die eigenen Eltern.
34:45Von körperlicher Gewalt und auch von sexuellem Missbrauch.
34:50Irgendwann konnte Anni sich selbst und ihr Leben einfach nur noch hassen.
34:56Mit Anfang 20 bekam Anni dann eine Tochter.
34:59Sie liebte ihr Kind, aber gleichzeitig kamen jetzt ihre eigenen Traumata immer stärker wieder hoch.
35:06Anni war überfordert und gab ihre Tochter vor drei Jahren sogar zu ihrer eigenen Mutter.
35:11Ihr Leben erschien ihr komplett leer.
35:16Und dann hatte sie hier im Park einen totalen Zusammenbruch.
35:23Ist das der Baum?
35:24Ja, der hier.
35:28Ich habe hier das Fahrrad hingeschmissen und mich hierher gesetzt.
35:32So.
35:34Und dann habe ich angefangen zu weinen.
35:38Ich habe die Leute beobachtet und mir gedacht, warum leben die überhaupt?
35:42Warum sind die so glücklich?
35:43Das Leben macht keinen Sinn für mich.
35:49Und in mir kam unglaublich viel Schmerz und Traurigkeit hoch.
35:56Und dann dachte ich, eigentlich war ich doch immer stark.
36:02Sogar als ich diese Gewalt und diese schlimmen Dinge erlebt habe.
36:09Vielleicht muss ich einfach einen Weg finden, wie ich diesen inneren Kampf gewinne.
36:14Und ich wusste, ich musste etwas tun.
36:17Irgendetwas tun.
36:25Anni war ihre gesamte Kindheit und Jugend über Gewalt ausgesetzt.
36:30So etwas kann verletzen und schwer traumatisieren.
36:35Wenn man übermäßig viel Gewalt erleben muss, können innere Spannungen entstehen, die irgendwann nicht mehr auszuhalten sind.
36:43Dann kann es sich wie eine Lösung anfühlen, andere oder sich selbst zu hassen oder sogar zu verletzen.
36:51Die Psychotherapie versucht andere Lösungen anzubieten.
36:54Ein erfolgreicher Weg ist, das Geschehene als einen Teil der eigenen Geschichte zu akzeptieren.
37:01Wer sich selbst und anderen vergibt, hat eine Chance, sich damit aus dem Gefängnis des Hasses zu befreien.
37:09Hier gibt es eine ganz besondere Schule.
37:12Das ist auch der Ort, an dem Anni gelernt hat, mit dem Hass und mit der Gewalt, die sie erlebt
37:16hat, umzugehen.
37:19Hallo!
37:20Hallo, wie geht's?
37:25Tobi?
37:26Reit mich.
37:28Ich bin Soko.
37:29Herzlich willkommen bei Esperre, der Schule der Vergebung und Versöhnung in Mexiko.
37:34Wir machen heute einen Workshop.
37:36Schön, dass du heute Nachmittag dabei bist.
37:39Hier ist dein Namensschild, damit du mitmachen kannst.
37:42Oh, jetzt bin ich ja richtig mit.
37:44Tobi!
37:44Super!
37:47Esperre, die Schule der Vergebung und Versöhnung.
37:51Wie kann man das denn lernen?
37:56Alle Teilnehmenden hier haben schlimme Gewalt erlebt.
38:00Und hier erzählen die allermeisten zum ersten Mal anderen Menschen von diesen Erlebnissen.
38:07Das Projekt ist so erfolgreich, dass es die Esperre-Schulen inzwischen in ganz Mittel- und Südamerika gibt.
38:14In diesen Ländern ist Psychotherapie eher ein Tabu.
38:17Das Esperre-Programm ist für viele eine annehmbare Alternative.
38:24Nehmt das ruhig ernst. Es ist eine sehr befreiende Übung, wenn ihr euch darauf einlasst.
38:32Die Teilnehmenden machen verschiedene Übungen.
38:35Sie versuchen so, ihre Traumata zu akzeptieren.
38:39So können sie das, was ihnen passiert ist, in ihr eigenes Leben integrieren.
38:44Und am Ende vielleicht sogar denen, die ihnen das angetan haben, vergeben.
38:49Zumindest hier im Rollenspiel.
38:54Ich verstehe es nicht, aber ich möchte nicht urteilen.
39:01Ich werde an meinen Gefühlen arbeiten.
39:05Ich, Alex, schließe einen Pakt mit dir, David.
39:08Ich lass dich gehen. Du sollst beruflich wachsen.
39:11Und wir werden nie mehr Feinde sein.
39:16Ich schließe einen Pakt mit meiner Mutter.
39:20Ich werde dich in liebender Erinnerung behalten.
39:29Ich mache diesen Kurs zum zweiten Mal.
39:31Das erste Mal war vor fünf Jahren.
39:34Damals ging es mir sehr schlecht wegen meines Sohnes.
39:38Mein Sohn wurde entführt, eingesperrt und gefoltert.
39:45Es war so schrecklich für mich.
39:48Als ich zu Espere kam, war ich in einem schlechten Zustand.
39:52Mehr tot als lebendig.
39:54Ich wollte nicht mehr leben.
39:56Und dann war das hier wie ein Neubeginn.
39:58Es hat mir so sehr geholfen.
40:00Wenn ich mich ändere, ändert sich auch alles drum herum.
40:06Meiner Erfahrung nach haben wir alle die Fähigkeit,
40:08die schlimme Fähigkeit zu hassen.
40:11Aber wenn wir uns früh genug damit befassen,
40:13können wir großartige Dinge erreichen in dieser Welt.
40:15Wir bräuchten so ein Programm überall.
40:18Von den Grundschulen bis zu den Gefängnissen.
40:30Das fand ich jetzt gerade sehr beeindruckend,
40:32diese Menschen zu treffen, die es geschafft haben,
40:35mit Hilfe von Espere, von dieser Schule,
40:37aus ihrem eigenen Kreislauf auszubrechen,
40:41aus Hass und Gewalt und irgendwie negativen Gefühlen.
40:43Und dann mitzukriegen, was das mit diesen Menschen macht.
40:48Also wie sie darüber sprechen, wie befreit die wirken
40:51und das auch ausdrücken können.
40:52Und ich habe so das Gefühl, ganz viele haben wirklich so,
40:54konnten wieder atmen plötzlich.
41:04Auch Anni sagt, Espere hat für sie alles verändert.
41:08Sie habe es sogar geschafft, ihrer Mutter zu vergeben.
41:11Wir wollen ordentlich
41:36Seit ein paar Monaten lebt ihre Tochter Ali wieder bei ihr.
41:44Wie fühlt es sich denn an, dass du und Ali wieder zusammen seid?
41:49Ich fühle mich viel stärker.
41:55Mir geht es viel besser.
41:59Ich habe mich schuldig gefühlt, weil sie nicht bei mir gelebt hat.
42:06Ali, wenn ich darf, begleite ich dich zur Schule.
42:13Ich kann dein Essen tragen. Ich bin der Essensträger.
42:16Es gibt Tacos mit Ei und Pilzen.
42:18Und Mushrooms.
42:32Wo meine Reise jetzt so langsam Richtung Ende geht, merke ich, dass so ein paar Sachen schon so langsam irgendwie
42:39klar werden.
42:40Und zwar erstens mal, dass der Hass bei allen in einem Alter ins Leben getreten ist, wo die Leute noch
42:48gar nicht so das Werkzeug hatten, um damit klar zu kommen.
42:51Nämlich in der Kindheit oder in der Jugend.
42:54Und da fehlt ja so ein bisschen das Rüstzeug quasi, um dem was entgegenzusetzen oder um sich zu wehren.
43:00Und umso beeindruckender finde ich es auch, dass es allen gelungen ist, da wieder rauszukommen.
43:08Anni, die unsagbar schreckliche Dinge erlebt hat.
43:12Jetzt schafft sie es aber trotzdem, ihrer Tochter eben nicht Ablehnung, Gewalt und Hass weiterzugeben, sondern Liebe.
43:20Adnan, der Soldat, der im Krieg auf Serben geschossen hat und später in der Begegnung mit ihnen gemerkt hat, das
43:26sind auch Menschen, keine Monster.
43:29Und Lauren, die als Teenagerin dachte, dass Hass ihr eine Heimat bieten könnte, dann aber gemerkt hat, dass sie die
43:36auch woanders finden kann.
43:39Und was ich auch ganz viel gehört habe und gespürt habe auch, ist so, wie alle das Gefühl haben, das
43:46ist wie so ein Schneeball, der zu einer Lawine wird.
43:48Weil eine Person schafft es, den Hass hinter sich zu lassen, steckt damit wieder andere an und es werden immer
43:55mehr und immer mehr und immer mehr.
43:56Und das finde ich ist ein Gedanke, der total Mut macht.
44:01Dominik hat zu Beginn Hass als eine Strategie bezeichnet.
44:05Aber die gute Nachricht ist, man kann diese Strategie auch wieder verlernen.
44:15Der beste Weg wäre aber doch, wenn wir Menschen diese Strategie gar nicht erst brauchen, weil wir einen anderen Umgang
44:22mit unseren Gefühlen gelernt haben.
44:24Und zwar von Anfang an.
44:31Nur so eine Idee.
44:57Die Volksfunktion
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