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00:23I'm very excited.
00:28So, he is angry, but also happy.
00:32So, we take the left arm and form the Penoid from there, with the Harnröhre.
00:39And then it is free transplanted here.
00:43So, we take it from the arm and bring it to the point, to the genital area, where a penis,
00:51it is of course a Penis-Nachbildung, so it is also Penoid, where a penis or a Penoid has to
00:57sit.
01:13My name is Leon, I am 21 years old and I am a trans man,
01:17d.h. ich bin ein Mann, geboren im Körper einer Frau.
01:35Merz 2021. Wir treffen Leon zum ersten Mal. Er hat einen Termin in der Transgender-Ambulanz für Kinder und Jugendliche
01:43an der Homburger Uniklinik.
01:45Das ist ein bisschen Rest-Schwellung, oder? Ja, das ist ein Hanno-Ultrascherbild gemacht beim Hausarzt.
01:49Und das sind halt alles noch von der Blutdunger, vom Atom, aber das wird alles so weit abschwellen.
01:55Also das war auch viel dicker geworden. Ja, bist erst erschrocken wahrscheinlich. Ja, das war auf jeden Fall erschrocken, ja.
02:02Leon ist 17. Die Brustentfernung, seine erste geschlechtsangleichende Operation, liegt drei Wochen zurück.
02:09Sein Psychotherapeut hatte diesen Schritt befürwortet.
02:13Es geht darum, diese Kinder zu begleiten und gemeinsam mit den Kindern zu entscheiden, was ist der richtige Weg.
02:20Internationell empfohlen werden geschlechtsangleichende Operationen erst ab 18.
02:25Das bezieht sich vor allen Dingen aber auf genitalangleichende Operationen.
02:30Und gerade eine Brustentfernung wird immer wieder auch durchaus schon mit 16 oder 17 durchgeführt.
02:35Auch das ist eine Einzelfallentscheidung.
02:39Mit 15 ist Leon das erste Mal in dieser Sprechstunde erschienen.
02:43Der Leidensdruck damals ist groß, die weibliche Pubertät fortgeschritten.
02:48Mit 16 bekommt er Hormonblocker, ein halbes Jahr später Testosteron.
02:53Seitdem sind Gebärmutter und Eierstöcke quasi kaltgestellt.
02:56Aber Leon will auch sie jetzt möglichst bald entfernen lassen, um das Restrisiko einer Regelblutung gänzlich auszuschließen.
03:03Diese zweite OP soll in wenigen Wochen im Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern erfolgen.
03:12Ich ziehe das komplett durch.
03:15Weil ich finde, dass es meine Liebe ist.
03:20Und ich weiß, dass ich eine starke Persönlichkeit habe und dass ich das hinkriege irgendwie.
03:24Und es gibt immer einen Weg und ich mache das alles dafür, dass ich irgendwann endlich sein kann, dass ich
03:31glücklich so mit mir bin.
03:32Und mich auch endlich wohl fühle, endlich mal zu Hause ankomme, weil ich das mein Leben lang eigentlich schon suche.
03:40Wann hat Leon das erste Mal diese Dysphorie empfunden? Gespürt, dass er irgendwie kein Mädchen ist?
03:46So ein diffuses Gefühl der Unstimmigkeit habe er schon sehr früh gehabt. Überdeutlich wird das dann Ende der Grundschulzeit.
03:55Ich habe mit elf mein erstes Handy bekommen und habe mich dann so ein bisschen in der Welt von YouTube
04:00hingefunden.
04:02Und habe da auch sehr viele Reportage über ziemlich viele verschiedene Dinge gesehen.
04:06Und ich habe durch Zufall dann die Reportage von Benjamin Melzer von Galileo gesehen.
04:11Und da ist es mir dann aufgefallen.
04:15Als ich das dann gesehen habe, dachte ich mir so, okay, ich bin doch nicht krank oder so.
04:21Weil das war schon so der erste Gedanke von mir, dass ich irgendwie anders glaube ich als andere und dass
04:25irgendwas mit mir nicht stimmt.
04:27Und dass ich irgendwie falsch bin. Und das stimmt ja nicht so.
04:32Weil ich wusste, okay, das ist genau das, was auf dich zutrifft. Das ist genau das, was dich beschreibt.
04:38Und was du fühlst. Nur ich wusste halt, ich kann das jetzt nicht direkt so laut so aussprechen, weil ich
04:44war nur elf.
04:48Ich habe da nie mit Jürgen jemandem drüber gesprochen, ganz lang nicht.
04:52Und hat das Geheimnis irgendwie immer mit mir selbst rumgetrauen, mit mir selbst ausgemacht.
04:56Ich hatte auch teilweise dann Probleme mit dem Duschen gehen. Das war ganz schwer, weil ich dann halt meinen Körper
05:03so gesehen habe, so wie er ist.
05:05Und das mich extrem belastet.
05:06Und traurig gemacht hat, wütend, eigentlich alles. Also das ist so Mischmasch.
05:15Damals wohnt Leon mit seiner Mutter über Luisas Familie.
05:18Die beiden freunden sich an und rutschen gleichzeitig in die Pubertät.
05:21Aber auch Luisa verrät er lange nichts von seinem Geheimnis.
05:28Ich habe mehrere Phasen gehabt, in denen ich mich versucht habe, wie ein normales Mädchen in meinem Alter zu verhalle.
05:35Dass ich nicht so anecke. Nur, dass das nicht so ganz funktioniert hat, weil ich mich extrem unwohl damit gefühlt
05:39habe.
05:39Als Leon sich mit 14 endlich bei Luisa ausspricht, signalisiert sie volle Unterstützung.
05:46Und überzeugt ihn, sich auch seiner Mutter gegenüber zu outen. Was schief geht.
05:52Das Outing-Gespräch ist not good for love. Hat sehr schlecht reagiert, geweint und war wütend. Hat mich gefraut, was
06:01sie daran verschuldet hat.
06:02Weil sie nicht so ganz verstanden hat, wie das überhaupt Sinn kann, wie das passiert.
06:08Ob das vielleicht die Ursache hat von der Erziehung her oder so.
06:13Und dann haben wir uns auch riesengroß gestritt und sie hat auch gesagt, sie unterstützt das nicht, sie wird das
06:18nicht akzeptieren.
06:20Und dann war erstmal der Hauswegen im Haus schief.
06:25Ich habe mich direkt zurückgezogen, weil mich das sehr verlässt hat.
06:29Ich wusste zwar, dass ich mich dort nicht unterstütze wird, aber das hat sich dann so ins Gesicht gesagt zu
06:36können.
06:37Das war dann mal eine andere Erfahrung, die ich glaube ich niemals vergessen werde.
06:42Weil die Eltern eigentlich so diejenige sind, von denen man die Unterstützung auf jeden Fall braucht.
06:48Um das einigermaßen so durchzustehen.
06:51Weil das ist kein leichter Weg, das hat viel, viel auf sich.
06:55Das dauert ziemlich lang.
06:56Und man wird oft irgendwie an den Punkt kommen, wo man sagt, ich breche das Ganze einfach komplett ab, ich
07:01habe gar keine Lust mehr.
07:04Und da wäre es dann schon gut, eigentlich Eltern hintendran stehen zu haben.
07:08Leon bricht den Kontakt zu seiner Mutter ab.
07:10Er zieht in eine Jugendwohngruppe.
07:12Und sucht Hilfe in der Transgender-Ambulanz.
07:16Das Gefühl, als ich mit Testosteron angefangen habe, das war auch ein Befreiungsschlag.
07:21Dass ich jetzt wusste, okay, jetzt geht es zumindest ein bisschen in die richtige Richtung.
07:24Und zumindest die Stimme wird sich jetzt ändern, wird dunkel erkennen.
07:28Dass wenn ich irgendwie im Geschäft stehen oder im Bus bin oder so, das bestimmt dann auch zu meinem Aussehen
07:33passt.
07:34Weil mein Aussehen war ja schon ganz lang sehr männlich.
07:39Im Sommer 2021 sind die Narben nach der Brustentfernung vollständig abgeheilt.
07:45Ein ganz neues Gefühl der Freiheit.
07:48Vor allem der Sommermoment, endlich wieder schwimmen gehen zu können, das konnte ich ja ganz, ganz lang nicht.
07:52Und meine Freunde sagen immer, ich bin zu stolz darauf, weil ich das irgendwie immer so präsentiere.
07:58So, ja, der Leon, der mag das, sein Oberkörper zu zeige.
08:02Aber ich denke mir halt so, ja, jetzt wo ich es kann, nach den ganzen Jahren, warum soll ich es
08:07nicht machen?
08:12In dem Sommer hat Leon auch die zweite geschlechtsangleichende Operation bereits hinter sich.
08:17Gebärmutter und Eierstücke sind entfernt. Das hat er nicht so leicht weggesteckt, wie erwartet.
08:24Im Nachhinein habe ich ein bisschen Probleme gehabt so mit mir selbst, weil ich mich selbst in Frage gestellt habe,
08:32ob das vielleicht richtig war, das jetzt schon zu machen, weil ich quasi jetzt sehr unfähig bin, Kinder zu zeuge.
08:40Und das eigentlich schon ein relativ großes Thema meines Lebens gewesen wäre.
08:44Aber im Endeffekt habe ich mich halt schon damit abgefunden und finde, der Weg zum Beispiel zur Adoption oder so
08:53kann genauso glücklich machen.
08:56Für Leon steht fest, er will alle möglichen Operationen in Richtung männlichem Körper durchziehen.
09:02Er hat jetzt noch vier weitere Eingriffe vor sich.
09:05Um für diesen Weg stabil genug zu sein, ist er von Anfang an in regelmäßiger psychologischer Behandlung.
09:14Es ist so, dass nach jeder Operation macht man quasi so Prozess durch.
09:19Man findet irgendwie immer mehr zu sich selbst oder zu diesem Ich, was man halt in diesem Moment ist.
09:26Und da passieren ganz viele Denkanstöße.
09:34Und die Entwicklung, die geht halt auch einfach weiter und das ist auch sehr kräfteraubend.
09:41Wir treffen Leon im Herbst wieder. Er ist jetzt 18.
09:45Noch bekommt er Unterstützung von der Jugendhilfe.
09:48Zum Beispiel kann er hier den PC nutzen.
09:51Leon treibt seine Namens- und Personenstandsänderung voran,
09:54was zu diesem Zeitpunkt, drei Jahre vor Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes, noch umständlich ist.
10:00Wie schon für den Start der Hormonbehandlung muss Leon erneut zwei psychologische Gutachten einholen.
10:09Also die Namensänderung ist ganz wichtig für mich, weil es sehr oft Situationen im sozialen Leben gibt,
10:15in denen mal durch die Namensänderung, die eben noch nicht passiert ist, halt einfach auch diskriminiert gehen kann.
10:23Und das ist auch schon des Öfteren passiert.
10:27Und durch die Namensänderung bin ich einfach Leon und gut ist.
10:30Und dann braucht auch niemand irgendwie zu einer Frage so, ja, aber du hast doch einen weiblichen Vornamen oder sowas.
10:34Das ist einfach Leon und Punkt.
10:37Noch trifft sich Leon regelmäßig mit seiner Jugendhelferin Marina.
10:41Etwa um zu besprechen, wie es bei ihm beruflich weitergehen könnte.
10:45Die Schule hat Leon mit mittlerer Reife beendet.
10:48Er startet in ein freiwilliges soziales Jahr.
10:50Aber was dann kommen könnte, ist offen.
10:53Wie ich mich zur Vorhalle habe mit solchen Händeln.
10:57Wie Marina ist halt, das ist halt quasi ihr Arbeit mit mir zu gucken, dass ich das eigenständige Leben halt
11:06auf die Reihe kriege.
11:07Sie verwaltet mit mir auch mein Geld für den Monat und guckt halt auch danach, dass ich halt relativ oft
11:15aufräume oder Ordnung habe, dass ich zur Schule gehe oder generell tätig bin und dass ich nicht so untergehe.
11:24Leon wohnt allein in dieser Wohnung der Jugendhilfe, eine Art betreutes Wohnen.
11:29Er macht in diesem Herbst viel Sport, um Muskeln aufzubauen. Sein Körper soll männlicher aussehen.
11:38Die Transition ist so lang, bis ich mit allen Schritten fertig bin, Hauptteil meines Lebens.
11:44Und ich verbringe sehr viel Zeit damit, das in die Wege zu leitet, damit ich damit irgendwann endlich abschließen kann.
11:51Auch für die nächste Genital-OP will er fit sein.
11:55Die nächste Operation ist die Callback to me in Glitpen.
12:00Kurz erläutert ist das die Schließung der Scheide und die Verlängerung der Klitoris.
12:06Dafür steht Leon in der Uniklinik Mannheim auf der Warteliste.
12:09Wegen Corona werden aber gerade alle planbaren Eingriffe verschoben.
12:16Es gab ja ganz lange Zeit, wo Leute gesagt haben, Transition ist Trend.
12:21Und dazu denke ich mir halt so, niemand wird sich freiwillig so viele Operationen und alle drei Monate spritzen und
12:26sowas unerzählt, wenn es nur Trend wäre.
12:29Man quält sich so freiwillig nicht.
12:34Ein halbes Jahr später das nächste Wiedersehen.
12:37Wir begleiten Leon Ende Mai nach Mannheim in die Uniklinik.
12:40Die dritte, vierstündige Frau-zu-Mann-Operation hat Anfang April stattgefunden.
12:45Wir konnten wegen Corona nicht dabei sein.
12:47Aber zur Nachuntersuchung bei seinem Operateur dürfen wir mit.
12:55Das ist alles soweit sehr gut verheilt und ich bin zufrieden so, ja.
13:00Ich weiß, ich werde sowieso noch weitere Operationen machen.
13:04Und für mich ist das deswegen eher so ein Zwischenschritt, bei dem es irgendwie auch nicht so ganz wichtig ist,
13:10wie jetzt das Ergebnis aussieht.
13:12Was Leon hier nicht erzählt, der Heilungsprozess war nicht ganz unkompliziert.
13:17An der OP-Narbe hatte sich eine Nekrose gebildet, heißt, Zellgewebe drohte abzusterben, was nur medikamentös in den Griff zu
13:24bekommen war.
13:26Herr Jakobi, bitte. Hallo.
13:31Und Leon gesteht auch, dass er die Schmerzen nach diesem Eingriff unterschätzt hatte.
13:36Er erzählt von tagelanger kompletter Unbeweglichkeit, weil die gesamte Körpermitte in Mitleidenschaft gezogen war.
13:42Wir lassen uns deshalb erklären, wie wir uns die Kolpektomie, die Verschließung der Vagina, mit Bildung eines Glitoris-Penoids vorstellen
13:49müssen.
13:50Was passiert bei so einer OP, wie Leon sie gerade hinter sich hat?
13:53Wir verlängern die natürliche Harnröhre, indem wir ungefähr fünf Zentimeter der Harnröhre mit dem Gewebe der kleinen Schamlippen verlängern und
14:10neu basteln.
14:12Zusätzlich ist es so, dass die Klitoris, die unter einer Testosteroneinnahme einfach groß wird, aussieht wie eine Eichel und auch
14:22zur Eichel wird, indem wir die aus ihrem Halteapparat lösen,
14:26dann strecken können und somit letztendlich einen kleinen Penis formen können, der einem ermöglichen soll, im Stehen Wasser zu lassen,
14:37dann zum Beispiel in Verbindung mit hohen Prothesen ein sehr optisch ansprechendes Ergebnis bringen soll
14:45und eben ein anhärend normales, männliches Genitale darstellen soll.
14:51Ich komme dem, was ich mir so vorstelle, was mich zufrieden stellt, immer näher.
14:57Jetzt in der Kolpektomie und Klitpen ist es ja quasi eigentlich wie ein kleiner Penis, was mich schon mal zufrieden
15:03stellt
15:04und was ich halt einfach so sehe, dass das schon mal so Vorstufe ist, um mich so ein bisschen daran
15:08zu tasten,
15:09weil das ja auch dann in der nächsten Operation auch erstmal ungewohnt sind wird.
15:14Eine mögliche Folge dieser Operation sind Blasenreizungen und Entzündungen.
15:19Position und Länge der Harnröhre sind für die Blase ungewohnt.
15:23Der Arzt kontrolliert, ob sie vollständig entleert werden kann.
15:27Das soll Leon künftig einmal jährlich überprüfen lassen.
15:32Eine große Änderung? Mit dem neuen Klitpen könnte er jetzt theoretisch im Stehen Wasser lassen.
15:38Das war ungewohnt, also mir war bewusst, das kommt jetzt aus der Spitze raus.
15:42Aber trotzdem musste ich da schon irgendwie, mich da erstmal so rindfühle, weil ich musste ein bisschen ziele.
15:47Ich habe beim ersten Mal fast die Toilettebrille angepinkelt, aber mit ein bisschen Übung klappt das dann auch, ja.
15:53Und macht Spaß? Ja.
15:57Leon nutzt die Gelegenheit, um sich die nächste Testosteronspritze verabreichen zu lassen, die alle drei Monate fällig ist.
16:03Und wir nutzen die Gelegenheit, den Leiter des Mannheimer Zentrums für Transgender-Medizin auch zu fragen,
16:08ob denn das sexuelle Empfinden durch diese Genital-OP nicht auf dem Spiel steht.
16:15Das Gefühl in diesem Klitoris-Penoid soll voll erhalten bleiben.
16:20Wie gesagt, wir benutzen ja Gewebe, was vor Ort vorhanden ist.
16:24Das bedeutet, all die Blutgefäße, all die Nerven aus der Umgebung versorgen das Gebiet noch.
16:30Und auch die neu geschaffene Eichel ist letztendlich noch mit ihren ursprünglichen Nerven, mit dem Rückenmark, mit dem Körpersystem verbunden,
16:40sodass auch ein volles sexuelles Empfinden möglich sein soll.
16:45Die erste Zeit war ich vorsichtig, weil ich wollte im Operationsgebiet nichts kaputt machen oder irgendwie mit meinen Fingern Bakterien
16:54reiben oder sonst was.
16:57Aber nach vier Wochen war ich dann irgendwann so weit, dass ich dann gesagt habe, okay, mal probiere es mal,
17:02mal gucken mal.
17:02Das ist alles so wie vorher, also intensiver auf jeden Fall. Die Orgasmusfähigkeit ist auch vorhanden.
17:10Intensiver als vorher, es fühlt sich einfach irgendwie besser an.
17:13Und das ist für mich dann nochmal jetzt die Bestätigung, dass es in die richtige Richtung geht.
17:19Elf Monate später. Leon macht eine schwierige Zeit durch.
17:23Zerwürfnisse im Freundeskreis, erneuter Kontaktabbruch zu seiner Mutter, da hatte es zwischendurch eine Annäherung gegeben.
17:30Zudem zieht er gerade in eine eigene Wohnung um. Die Unterstützung durch die Jugendhilfe neigt sich dem Ende.
17:36Und beruflich weiß Leon auch nicht recht, wohin die Reise gehen soll.
17:40Aber er hat sich in einer Münchner Klinik vorgestellt, die die nächste und schwierigste Frau-zu-Mann-Operation durchführen würde,
17:46den sogenannten großen Aufbau. Nur wann die OP stattfinden kann, ist wegen Corona noch unklar.
17:55Da so anderweitig in meinem Leben ziemlich viel passiert, fällt mir das manchmal gar nicht so schwer, das zu vergessen,
18:02dass ich überhaupt auf der Warteliste stehe und eigentlich warte.
18:07Manchmal, wenn ich dann zum Beispiel noch gefreut gebe, wie sieht es jetzt aus, steht jetzt der Termin, wann ist
18:12der Termin,
18:13dann fällt es mir immer ein bisschen mehr auf, dass es da eigentlich noch ein riesengroßes Ding gibt, was ich
18:18gerade warte.
18:19Aber es ist halt so dieses Passivwarte, ja.
18:22Da ist es wieder, das Thema Geduld. Leon hat viel Zeit, sich darin zu üben.
18:27Und er kann dabei seine Entwicklung Richtung Mann genauestens beobachten.
18:31Etwa in puncto Bartwuchs. Der kommt nach drei Jahren Testosteron jetzt deutlich in Gang. Mit etwas Nachhilfe.
18:39Also es ist jetzt seit knapp fünf Wochen. Also ich benutze halt einen Bartroller, der halt quasi die Pore so
18:49öffnet und macht da dann Minoxidil drauf.
18:53Das ist halt eigentlich gegen Haarausfall, aber das ist unter der Transcommunity sehr bewährtes Mittel, um den Bartwuchs zu fördern.
19:04Und das funktioniert ganz gut.
19:07Für die Wartezeit auf die Operation in München hat Leon eine Aufgabe.
19:12Da für die Penis-Nachbildung Haut- und Unterhautfettgewebe aus einem seiner Unterarme transplantiert wird,
19:18müssen diese Hautpartien gezielt darauf vorbereitet werden.
19:24Ich habe mich ja dafür entschieden, den linken Arm als Entnahmestelle zu benutzen, weil ich ja auf dem rechten Arm
19:33ja schon tätowiert bin.
19:34Und da wird halt quasi die Haare entfernt, der Haarwuchs wird weggelasert. Das braucht halt mehrere Sitzungen.
19:44Leon lässt den Unterarm in einer Hautarztpraxis lasern. Die Krankenkasse übernimmt einen Großteil der Kosten.
19:50Zehn Sitzungen sind anberaumt, alle vier Wochen eine.
19:54Die Behandlung dauert immer nur wenige Minuten. Leon beschreibt das Gefühl als heißes Piksen.
20:00Und ist froh, dass er nur sieben Mal zum Lasern muss, bis keine Haare mehr nachwachsen und auch diese Etappe
20:07geschafft ist.
20:14Wir treffen ihn Ende 2023 in München wieder, am Vortag der vierten Operation.
20:20Mit angereist ist seine Freundin Paula. Die beiden sind seit wenigen Monaten ein Paar.
20:27Diese Klinik in Bogenhausen ist spezialisiert auf Transgender-Medizin.
20:32Geschlechtsangleichende Operationen in beide Richtungen sind hier Routine.
20:36Was Leon Sicherheit gibt. Er fühlt sich gut vorbereitet.
20:43Also ich behaupte, dass die Arbeit schon da beginnt, sich überhaupt für die Operation zu entscheiden.
20:50Und dann kommt es auch darauf an, findet man eine Klinik, die einem gefällt.
20:54Dann muss man ja auch noch ein Vorgespräch ausmachen, das sowieso.
20:57Um dann eben zu beurteilen, gefällt einem die Klinik oder halt nicht.
21:03Und danach muss man ja dann mit dem Brief, den man vom Vorgespräch bekommt, mit dem kann man ja dann
21:08den Antrag bei der Krankenkaststelle.
21:10Wenn man jetzt bei mir davon ausgeht, von Vorgespräch bis jetzt zum Termin der Operations, war es jetzt zweieinhalb Jahre.
21:18Für den Operateur ist der direkte Kontakt zum Patienten schon im Vorfeld solcher Eingriffe das A und O.
21:24Es sollte keine offenen Fragen geben. Und Leon muss psychisch stabil sein.
21:30Er darf die Entscheidung zu dieser OP keinesfalls bereuen. Da will der Arzt sicher gehen.
21:35Ich gucke mir nochmal kurz die Unterlagen durch.
21:38Ich als Operateur muss auch wissen, dass von dem, was ich von Patienten oder von der Patientin weiß,
21:44von dem, was ich von den Kollegen und Kolleginnen aus dem psychologisch-psychotherapeutischen Bereich weiß
21:48und das, was ich selbst gesehen und gesprochen habe mit den Patienten, das muss ein stimmiges Bild ergeben, was keine
21:53Garantie ist.
21:55Aber es funktioniert so, wie die Handhabung und wie dieser Weg sich etabliert hat in den letzten Jahren, relativ sicher,
22:05sodass es wenig Regretter gibt.
22:08Aber geben tut es Sinn.
22:10Ab dem Mittag steigt die Nervosität. Eigentlich sollte Leon jetzt noch was essen. Später darf er nicht mehr, aber er
22:17hat keinen Hunger.
22:18Nach Möglichkeit sollte Leon auch früh schlafen gehen, denn seine Operation steht auf der Liste für den Folgetag ganz oben.
22:24Okay, Handy.
22:31Sieben Uhr am nächsten Morgen.
22:34Ich habe ganz okay geschlafen. Vor allem nicht ausreichend, aber ich schlafe jetzt genug.
22:42Guter Dinge, oder?
22:44Ja, guter Dinge. Aber auch ein bisschen Angst.
22:48Weil das liegt ja jetzt dann schon in meiner Macht jetzt.
22:53Das ist jetzt der größte Schritt von allen. Wenn ich den jetzt geschafft habe, dann sind es nur zwei kleinere
22:58Schritte.
23:00Wenn ich das jetzt das große geschafft habe, locker schlafen.
23:04Hier wird der Penoid-Aufbau rund dreimal pro Woche durchgeführt.
23:08Sechs bis neun Stunden sind dafür angesetzt.
23:11Das ist ein freies Transplantat. Man formt aus dem Gewebe, das da ist, aus der Haut, aus dem Unterhautfettgewebe und
23:20aus der Muskelhaut formt man das Penoid
23:23und trennt es dann an den Blutgefäßen in der Ellbeuge ab, nimmt Blutgefäße und Nerven mit
23:28und muss diese Blutgefäße und Nerven an Blutgefäße und Nerven im unteren Bauchbereich wieder verbinden.
23:36Die Operationstechnik, die wir machen, nennt sich Tube in Tube oder Tube within a Tube, also Röhre in Röhre.
23:43Die äußere Röhre ist das Penoid und innen drin gibt es noch eine Röhre und das ist die Harnröhre.
23:50Die Harnröhre machen wir aus einem Streifen, der hier liegt und wir haben zwei Schnittränder und wir rollen das Gewebe
23:59außenrum zusammen
24:00und nähen es an diesen Schnitträndern zusammen und innen drin liegt dann Haut auf Haut und die wächst nicht zusammen.
24:09Zum Verschluss der Entnahmestelle am Arm wird Haut aus dem unteren Bauch entnommen, die Haut dort wird zusammengerafft.
24:16Eine dritte Stelle am Körper, die nach dem großen Aufbau heilen muss.
24:22Größere Komplikationen während der OP sind selten, aber im weiteren Verlauf können an der Harnröhre Fisteln oder Engstellen entstehen, die
24:30sich entzünden.
24:31Dann müsste nachoperiert werden.
24:33Um den Heilungsprozess zu beschleunigen, bleibt am neu geschaffenen Harnröhrenbett eine Stelle offen, durch die Leon dann Wasser lässt.
24:42Diese wird erst Monate später verschlossen, nach vollständigem Abheilen des Penoids. Das wäre dann die nächste Operation.
24:52An die denkt Leon sicher noch nicht, als wir ihn mit Paula zusammen am nächsten Vormittag besuchen.
24:57Zehn Stunden hat die OP gedauert, außergewöhnlich lange, obwohl es keine Komplikationen gab.
25:03Der Anschluss der in Mannheim gebildeten Harnröhre an die neue war wohl schwierig.
25:08Leon soll jetzt ganz still liegen und weder den Unterleib noch die Finger am linken Arm bewegen, was gar nicht
25:14so einfach ist.
25:15Eine große Erleichterung wegen überstandener OP zeigt sich gerade noch nicht.
25:20Das ist auch alles gut.
25:22Also ich spüre meinen Arm, dass er die ganze Zeit extrem kribbelt.
25:27Also fühlt sich so ein bisschen an, wie wenn er eng geschlafen ist und nochmal wach wird.
25:31Nur die ganze Zeit so.
25:34Und ich merke die Narb an meinem Bauch entlang.
25:38Es ist gerade alles so voll anstrengend, dass es wieder verheilt ist.
25:43Und wenn es dann verheilt ist, dann ist die Erleichterung, glaube ich, zu 100 Prozent klar.
25:48Die gute Nachricht, das Penoid wird vollständig durchblutet.
25:52Das Risiko, dass es abstirbt, ein Worst-Case-Szenario, besteht nicht mehr.
25:57Leon hat für die nächsten Tage einen Katheter, damit alles gut verheilen kann.
26:05Wir verabschieden uns und wollen Leon zu Hause im Saarland wieder treffen.
26:12Bis dahin vergeht allerdings mehr als ein Jahr.
26:15Noch einmal begleiten wir ihn in die Transgender-Ambulanz der Uniklinik Homburg.
26:19Leons Abschiedsbesuch, er ist jetzt 21 und wechselt zu einer Endokrinologin in Saarbrücken.
26:26So, der Leon, bitte.
26:28Hallo.
26:30Sechs Jahre war Leon hier wegen seiner Transidentität in Behandlung.
26:34Das Vertrauensverhältnis ist groß.
26:36Er ist ein besonderer Fall.
26:38Nicht viele der jungen Patienten ziehen diesen Operationsweg so früh, so stringent durch.
26:44Oft bekommt die Kindergynäkologin diese Narben nicht zu sehen.
26:47Das ist die Haut, die dorthin verlagert wurde.
26:50Die an den Arm.
26:51Genau.
26:52Und das befindet sich jetzt woanders.
26:54Genau.
26:55In der goldenen Mitte.
26:56Genau. Hast du Probleme damit?
26:58Also die rechte Seite, die ist ja schlechter verheilt, weil über die Seite habe ich ja auch nochmal angefangen aufzustehen.
27:04Und deswegen ist die so ein bisschen aufgequellt, aber an sich jetzt Schmerze oder so habe ich jetzt nicht unbedingt.
27:10Darf ich dich einmal drücken zum Arzt?
27:11Ja, gerne.
27:12Alles bitte Leon.
27:13Leon versichert, er ist mit seinem Penoid grundsätzlich zufrieden.
27:19Ja, er baumelt.
27:20Also ich glaube so für die Grundgewöhnung generell, wie lagert man ihn, das waren Sachen, die habe ich vorher ja
27:26nie bedacht.
27:27Also warum auch?
27:29War schon eine Umstellung, auch wie man jetzt manchmal sitzt oder so, dass man da so ein bisschen anders darauf
27:34achten muss.
27:36Schon anders, als wenn man keinen Penoid hat, aber ja, die funktionalen Sachen, die kommen jetzt.
27:44Zwei kleinere Operationen stehen noch aus. Die Schließung der Harnröhre und dann die Erektionsprothese.
27:52Aber Leon lässt sich im Moment damit Zeit.
27:55Es war, glaube ich, ein bisschen zu optimistisch von mir vorher, nur ein halbes Jahr da einzurechnen und zu sagen,
28:01ja, nach einem halben Jahr geht es dann weiter.
28:03Weil bis das ganze Gefühl im Penoid dann wieder zurückkommt, die ganzen Nerven, die sich angeschossen haben, dauert es bis
28:10jetzt noch nicht so zu 100 Prozent, würde ich sagen, aber schon so zu 30, 40 Prozent.
28:15Und ich glaube, da ist dann auch wichtig, dem Körper diese Ruhe auch zu geben, zu heile und nicht direkt
28:22nochmal ohne Ersmeißerle quasi sich zu legen.
28:26Leon will diesen Weg weitergehen, sobald wieder Energie genug da ist. Der bisherige Erfolg gibt ihm Antrieb.
28:33Diese Dysphorie, die ich so mir gegenüber habe, die wird von Operationen zu Operationen immer weniger.
28:38Ja, das Gefühl, so eine Beule dann zum Beispiel in der Hose zu sehen. Ja, dass da halt alles so
28:43normal ist wie bei jedem anderen Mann auch.
28:46Das war schon ein sehr, sehr großer Push für mich. Also das hat mir, mein Ego hat das schon ein
28:53bisschen geboostet.
28:54Aber gerade haben andere Baustellen in Leons Leben Priorität. Wir beenden unsere Dreharbeiten nach insgesamt vier Jahren.
29:04Also meine Botschaft ist auf jeden Fall, ehrlich zu sich selbst zu sein. Egal, was irgendwelche anderen Menschen sagen, ob
29:12es die eigenen Eltern sind, ob es in der Schule jemand ist, ob es auf der Arbeit ist oder sonst
29:16irgendwo.
29:17Man sollte da nicht so viel Wert drauf geben, weil am Ende des Tages ist eigentlich am wichtigsten, dass man
29:23selber glücklich ist.
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