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00:01Who is in movement, is fit and healthy.
00:06The science is überzeugt.
00:08Sport is like pure medicine.
00:10And it is a disease.
00:13Man wins per seven minutes,
00:15which is about a minute of life.
00:19Studies show that Sport as a part of therapies
00:22can reduce the effects of medicines
00:25and support the healing process.
00:30I didn't think,
00:32when I started the study,
00:34that this was actually a success for me.
00:38Why Sport is so effective
00:40and how can Bewegung Krankheiten lindern,
00:43will Forscher diverser Fachrichtungen
00:45on decken.
00:47I'm not moving for my figure,
00:50I'm always moving for my brain.
00:53How does Sport affect our life?
00:57What happens when we're on Hochtouren?
01:10In the University Magdeburg
01:14tanzen Menschen gegen das Vergessen.
01:16Forscher wollen herausfinden,
01:18ob Tanztraining Menschen vor einer potenziellen Demenz schützen kann.
01:27Und lösen. Hoch, tief. Ganz groß.
01:32Die Tänzer sind über 60 und haben leichte kognitive Einschränkungen.
01:37In zwei bis fünf Jahren könnten einige von ihnen an Demenz erkranken.
01:42Der Magdeburger Manfred Vorwerk beobachtet bei sich Veränderungen,
01:46seitdem er in Rente ist.
01:47Ich hab gestern Abend ein Buch gelesen und da hab ich von Kästner ein Zitat da drin gelesen
01:54und da suche ich jetzt heute den ganzen Tag nach.
01:57Ich weiß noch, die letzte Passage, wer das Schlechte vergisst, wird dumm.
02:03Aber wer das Gute vergisst, was der wird,
02:06dann muss ich erst mal nachsuchen.
02:07Das fällt mir heute wieder ein.
02:09Aber vor Jahren hätte ich solche Sprüche leicht behalten.
02:14Nicole Halfpap, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Studie,
02:17trainiert die Gruppe.
02:19Sie fordert die Senioren zweimal wöchentlich
02:21mit immer komplexeren Bewegungsabläufen.
02:29Die Herausforderung ist erst mal die Kombination auch.
02:31Also, dass man überhaupt Arme und Beine irgendwann kombinieren lernt.
02:34Und dass man sich natürlich die Reihenfolge merkt.
02:36Und dass man weiß, wenn diese Musik angeht,
02:39muss ich das und das tanzen.
02:40Ja, also diese Reihenfolge sich abzuspeichern,
02:43sodass das große Ziel ist, dass ich irgendwann nur noch zuschaue.
02:46Und sie das eben von alleine tanzen.
02:49Am Anfang des sechsmonatigen Programms
02:51lässt sich Manfred Vorwerk auf Herz und Nieren prüfen.
02:55Die Forscher messen seine Muskelkraft und Reaktion
02:58sowie seine Balance.
03:00Er muss Rechenaufgaben lösen und seine Merkleistung unter Beweis stellen.
03:10Einmal Platz nehmen, Herr Funger.
03:13Eine anfängliche Demenzerkrankung kann man auch am Gangbild erkennen,
03:17wenn der Proband kleine Schritte setzt,
03:19um das Gleichgewicht besser zu halten.
03:22Die Bewegungsmuster von Senioren hat die Leiterin der Studie,
03:26Professorin Anita Hökelmann, in mehreren Langzeitstudien untersucht.
03:32Ältere Menschen bleiben stehen, wenn sie ein Taschentuch aus der Tasche nehmen,
03:35um sich dann entsprechend die Nase zu putzen.
03:37Das heißt, diese zusätzliche Aufgabe, die zweite Aufgabe,
03:41hat einen Einfluss auf den Gang
03:43und genau den Effekt der zusätzlichen Aufgabe auf das Gangbild,
03:48auf das Gangverhalten wollen wir hier untersuchen.
03:50Dann bitte gehen und von 853 rückwärts rechnen.
04:02Aus vergangenen Studien mit gesunden Senioren,
04:05die entweder tanzten oder Kraftausdauersport trieben,
04:08konnten die Forscher nachweisen,
04:10dass sich die Tänzer nach sechs Monaten deutlich mehr merken konnten.
04:13Zudem ertanzten sie sich im Vergleich zur Kraftausdauergruppe
04:18ein besseres Gleichgewicht.
04:22696, 693, 690, 687, 681 ...
04:32Natürlich verschlechtert sich mit dem Verlauf der Jahre
04:35die körperliche Leistungsfähigkeit.
04:37Sie tut dies vor allen Dingen auf der Basis der Veranlagung,
04:41aber durch die abnehmende Bewegung.
04:44Bewegungsmangel ist zum Beispiel ein zentraler Faktor
04:47für die Entstehung der Demenz.
04:49Man spricht diesem Faktor ungefähr 20% Relevanz zu.
04:53Das heißt also, mehr Bewegung kann dann auf der anderen Seite
04:56natürlich auch die geistige Beweglichkeit
04:58und die geistige Präsenz erhalten.
05:01Ob Tanzen nicht nur vorbeugend wirkt,
05:03sondern die Vorstufe zur Demenz noch zurückdrehen kann?
05:06Wollen die Forscher nun herausfinden.
05:09Und nochmal in die Dehnung hineingehen.
05:14Bewegung tut gut, bereits in jungen Jahren.
05:17Aber welche Prozesse im Körper lösen wir dabei aus?
05:21Sobald das Nervensystem unsere Muskulatur aktiviert,
05:24setzen wir uns in Bewegung.
05:26Wie ein Motor im Auto, der bei erhöhter Geschwindigkeit
05:29mehr Kraftstoff verbraucht, benötigt auch unser Körper mehr Energie.
05:33Dazu müssen Zucker und Fette bereitgestellt und verarbeitet werden.
05:38Um den angeregten Stoffwechsel mit genügend Sauerstoff zu versorgen,
05:42atmen wir schneller.
05:43Das vom Herzen gepumpte Blut kann um das Vier- bis Fünffache zunehmen.
05:48Der Blutkreislauf ist die Straße, welche Nährstoffe in sämtliche Zellen des Körpers schleust.
05:54Botenstoffe und Hormone wie Adrenalin aktivieren uns.
05:57Cortisol ist unser Treibstoff für Energie.
06:00All diese Prozesse machen unseren Körper leistungsfähig.
06:06Am Uniklinikum in Halle suchen Wissenschaftler nach dem Geheimrezept für ein langes, gesundes Leben.
06:11Was hält unseren Körper am Laufen?
06:14Warum bauen wir mit den Lebensjahren immer weiter ab?
06:17Prof. Andreas Simm ist Alternsforscher und Leiter des Zentrums für medizinische Grundlagenforschung.
06:25Meine Gene selber kann ich nicht beeinflussen.
06:28Durch mein Verhalten, also durch die Ernährung und durch meine Bewegung kann ich den gesamten Rest beantworten.
06:35Das ist aber sehr viel.
06:36Nur zwischen 10 und 20 Prozent des Alterungsprozesses werden durch die Gene beeinflusst
06:42und die restlichen 80 bis 90 Prozent durch Umwelt und Verhalten.
06:48Und das ist beides modifizierbar.
06:50Um den Prozess des Alterns besser zu verstehen, beschäftigt sich der Molekularbiologe mit den kleinsten Einheiten unseres Körpers.
06:58Den Zellen.
06:59Die DNA in jeder unserer Zelle ist täglich schädlichen Einflüssen ausgesetzt.
07:05Zwar haben Zellen die Fähigkeit, sich selbst zu reparieren.
07:08Doch es passieren Fehler.
07:10Und diese häufen sich im Laufe der Zeit.
07:14Wir altern durch die Anreicherung von molekularen Schäden.
07:19Was nicht repariert wird, reichert sich an.
07:23Und diese Akkumulation von Schäden ist das, was wir unter Altern verstehen.
07:28Mit zunehmendem Alter sammeln sich zudem Abfallprodukte in unserem Körper.
07:34Ablagerungen, die durch zu viel Zucker in Verbindung mit Eiweißen und Fetten entstehen.
07:40Im Körper können diese Abfallprodukte Zellen schädigen.
07:44Sie greifen die Gefäßinnenschicht an, das sogenannte Endothel.
07:48Es wird porös und anfälliger für Ablagerungen.
07:53Dadurch können Arterien verkalken und versteifen.
07:57Wie kann Sport da helfen?
08:00Es gibt den Spruch, Sport ist smart.
08:03Sport stresst das System.
08:05Also Sport macht oxidativen Stress.
08:07Sport stresst die Muskeln.
08:09Auf der anderen Seite, wenn ich Sport mache und es nicht übertreibe,
08:15dann kommt eben die Reaktion zustande.
08:17Dass Sport letztendlich dazu führt, dass der Körper besser präpariert ist auf folgenden Stress.
08:23Und damit langfristig den Körper schützt.
08:27Wie uns Sport widerstandsfähiger macht, wollen die Forscher mit einem Zellexperiment nachstellen.
08:33Zunächst erhält die erste Zellkolonie eine Substanz, die leichten oxidativen Stress auslöst.
08:40Die Zellen reagieren, indem sie schützende Enzyme auslösen.
08:4524 Stunden später bekommen die behandelten sowie bis dato unbehandelte Zellen
08:50eine hohe Dosis derselben stressenden Substanz.
08:53Wenn wir diese Zellen behandeln, sehen wir, dass diese Zellen immer noch lebend intakt sind.
09:00Sie sehen hier die sehr schönen Zellkerne.
09:02Man sieht auch, dass dieses leichte Leuchten an den Zellrändern, dass diese Zellen reagiert haben.
09:07Aber sie sind noch lebend und intakt.
09:10Im Vergleich trainingslose Zellen, die direkt gestresst worden sind.
09:15Sie sehen hier die Population.
09:17Wir haben hier fast keine Zell-Zell-Kontakte mehr.
09:21Ganz viele Zellen, das sind diese runden, hellen, schwimmen im Überstand, sind schon tot.
09:26Und auch die Zellen, die noch am Boden sind, sieht man hier fragmentierte Zellkörper.
09:30Dieser Stress hat die Zellen abgetötet.
09:32Wenn wir wollen, dass unsere Muskelzellen nicht absterben, müssen wir versuchen, diese Muskelzellen zu trainieren.
09:39Das heißt, wenn ich Sport mache als Training, wenn ich das als Training verwende,
09:44dann muss ich mit geringer Intensität beginnen zu trainieren.
09:48Und man sollte immer nach einem Training einen Tag Ruhe einführen, damit der Muskel regenerieren kann.
09:57Sprich, dass der Muskel auf diesen Stress reagieren kann.
09:59Wenn man direkt Sport immer weiter betreibt, ohne Pause, hat der Muskel gar keine Zeit, seine schützenden Enzyme zu induzieren
10:09und damit sich selbst zu schützen.
10:11Sport in Maaßen ist sicherlich ein Allheilmittel für jeder Mann oder jede Frau.
10:17Auch die Menschen, die sich vorher nicht so damit beschäftigt haben, auch da sind schon kleinere Spaziergänge, kleinere Aktivitäten sehr
10:29zielführend.
10:31Zu viel Sport ist auch nicht gut, wenn man jetzt den Patienten, der vorher nie Sport gemacht hat, plötzlich ein
10:37großes Sportprogramm aufdrängt.
10:40Das kann auch kontraproduktiv sein, also es muss immer individuell dem Patienten angepasst sein.
10:47Dass ihm plötzlich bei der kleinsten Anstrengung schwindelig wurde, bemerkte Andreas Mohr vor zehn Jahren.
10:53Nach vielen Untersuchungen erfuhr er, was mit ihm nicht stimmte.
10:57Seine Herzleistung betrug nur noch 15 Prozent.
11:01Diagnose? Herzinsuffizienz.
11:04Kardiologin Ulrike Schönauer am Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Leipzig untersucht ihn regelmäßig.
11:12... Zustand wie vorher.
11:13Luftnot gehabt bei Belastungen?
11:14Atemnot bei Treppensteigen.
11:17Ab welcher Etage so ungefähr?
11:18Ein bis anderthalb Etagen merkt man das dann schon, dass die Knie anfangen mit Zittern und dass man sich wieder
11:24hinsetzen muss oder an den Türpfosten festhalten.
11:27Manchmal ist das sehr hart.
11:28Früher war Andreas Mohr Qualitätsmanager im Kranbau. Wegen der Krankheit musste er in Frührente gehen.
11:34Also Pumpfunktion ist immer noch eingeschränkt, aber hat sich visuell schon ein bisschen verbessert im Vergleich zum letzten Mal. Sehr
11:44schön.
11:45Das Herz von Andreas Mohr ist nicht in der Lage, den Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen.
11:51Um sich im Alltag bewegen zu können, muss er einige Medikamente einnehmen, wie auch Blutdrucksenker.
11:56Als ich angefangen habe mit dem Studium in den 90er Jahren, da war es noch so, dass Herzinsuffizienzpatienten wie rohe
12:03Eier behandelt wurden, auf keinen Fall bewegen und die Sterblichkeit lag recht hoch.
12:08Im Laufe der Jahre haben dann doch Studien gezeigt, dass körperliche Bewegung auf mittlerem Niveau sowohl für den Skelettmuskel gut
12:16und in dem Fall auch für das Herz-Kreislauf-System und auch für das Herz.
12:19Also da hat auch Untersuchungen gezeigt, dass das sogar lebensverlängernd wirkt und die Herzpumpfunktion sich sogar verbessern könnte.
12:29Andreas Mohr gehört zu 1800 Teilnehmern einer großen deutschen Herzstudie.
12:34Über ein Bewegungstraining wollen die Forscher verhindern, dass Herzpatienten durch Schonung abbauen.
12:40Um sicherzustellen, dass sich Probanden beim Hometraining nicht übernehmen,
12:44führt das Team um Studienleiter Prof. Martin Busse regelmäßig Maximalbelastungstests durch.
12:50Wir möchten natürlich auch gerne feststellen, ob das Herz angemessen auf die Belastung reagiert.
12:55Wir messen auch das Volumen in Litern, das das Herz pro Minute auswirft.
12:59Das sind in Ruhe ungefähr fünf Liter pro Minute und unter Belastung steigt das jetzt an.
13:05Wir sind jetzt bei 11,7 Liter pro Minute. Das ist das, was man grundsätzlich natürlich sehen möchte.
13:10Mit den Daten können die Wissenschaftler den Trainingserfolg und den Effekt auf seine Herz-Kreislauf-Funktion nach zwölf Monaten auswerten.
13:19Hier wird nochmal manuell notiert, wie die aktuelle Herzfrequenz pro Leistungsstufe ist,
13:25zusammen mit dem Blutdruck und der subjektiven Einschätzung des Patienten.
13:29Und auf dieser Skala zwischen 1 und 10, wie würden Sie jetzt einschätzen, wie schwer es ist im Moment?
13:33Nein.
13:35Seitdem Andreas Mohr in der Sportmedizinischen Ambulanz einmal die Woche Cardiotraining betreibt,
13:41konnte er die Pumpleistung seines Herzens bereits auf 30 Prozent verdoppeln.
13:45Von 1 bis 10, wo sind wir?
13:47Nein.
13:48Neun?
13:48Wollen Sie weiterträgen, weiterträgen.
13:50So machen Sie Ihre Messungen jetzt schnell, weil er jetzt gleich abbricht.
13:52Ja, ja, ja.
13:53Gut, Herr Mohr noch.
13:55Zehn Sekunden.
13:57Ja, wir stellen jetzt runter, er braucht keine Zehn Sekunden.
14:10Ohne Bewegung kann Herzinsuffizienz tödlich enden.
14:14Einmal diagnostiziert, versterben 50 Prozent der Patienten innerhalb von fünf Jahren.
14:20Sport hilft.
14:21Wenn wir trainieren, haben wir sehr kurze und zum Teil eben geschickt gemachte Phasen der
14:27Mehrbelastung, die das Herz aber wenig belasten.
14:30Tun wir das nicht, haben wir eine andauernde, erhöhte Belastung des Herzens einfach dadurch,
14:35weil die Muskulatur unangemessen viel Sauerstoff anfordert.
14:40Ruhe in Anführungsstrichen überlastet das Herz, weil jede Alltagsbelastung immer schwerer
14:45wird.
14:45Training entlastet das Herz, weil der Muskel wesentlich weniger Blut anfordert und mit seinen Aufgaben
14:51sehr viel leichter klarkommt.
14:53Training wirkt sich auch auf die Blutbahnen positiv aus.
14:57Beim Sport pumpt das Herz ein höheres Blutvolumen durch die Gefäße und drückt auf die Gefäßinnenwand.
15:03Die mechanischen Reize aktivieren die Selbstheilungsmechanismen und führen zur Regeneration von porösen
15:10Gefäßinnenwänden.
15:11Außerdem werden kleine Gefäße neu gebildet, was die Durchblutung der Gewebe verbessert.
15:17Sport wirkt also wie ein Gefäßputzer.
15:25Für Heranwachsende kann es nicht genug Bewegung sein.
15:28An der Leipziger Schule in der Karl-Heine-Straße sollen sich die Schüler in nahezu jeder Schulstunde bewegen.
15:35Erdkundeunterricht unter freiem Himmel.
15:41Aufgabe, nehmt bitte mit Hilfe der Hütchen die Hauptstädte aller Bundesländer und stellt diese an die richtige Position.
15:53München ist hier.
15:55Ich bin Hannover.
15:59Ich bin Hamburg.
16:02De facto ist es so, dass ein Kind in Deutschland ungefähr ca. 50 Minuten Bewegung hat.
16:09Den Rest seiner Tageszeit verbringt es entweder liegend, dann sitzend oder stehend.
16:15Und von diesen ganzen 24 Stunden bleiben tatsächlich ca. 50 Minuten an Bewegung.
16:22Diese Bewegung ist dabei noch nicht mal sportbezogen.
16:25Das heißt also, die Bewegung der Kinder und Jugendlichen im Alltag ist extrem gering.
16:32Deshalb hat der Sport- und Erziehungswissenschaftler Christian André sich zur Aufgabe gemacht,
16:37bewegtes Lernen in Sachsen populärer zu machen.
16:41In der Schule haben wir oft dieses Hören und Sehen, das Audiovisuelle.
16:46Über Bewegung schaffen wir dort mehr Möglichkeiten, das zu begreifen, zu verinnerlichen.
16:51Wir sehen das hier ganz gut an Deutschland, dass man sagt, okay, ich spüre ja, wenn ich auf dem Seil
16:57stehe, wo bin ich, wo sind die anderen.
17:01Also ich habe dort schon eine Körper-Lage-Beziehung.
17:03Ich muss gestalten den Fluss mit diesem Hütchen. Das heißt, das ist eine Verbindung zwischen dem blauen Fluss Elbe
17:09mit der Verbindung mit dem Hütchen mit der Stadt Dresden.
17:13Das sind Beziehungen, die ich dadurch aufbaue, indem ich dort den Bewegungssinn mit nutze, auch das Fühlen.
17:19Und das ist für die Kinder sehr, sehr förderlich.
17:22Wenn Kinder regelmäßig Sport treiben, führt dies Studien zufolge in sieben von zehn Fällen zu Aufmerksamkeitssteigerungen.
17:28In dem Gymnasium springen die Schüler trotz bewegten Lernens nicht über Schulbänke.
17:34Schon bewegliche Sitzunterlagen können die Konzentration anregen.
17:42Wir beginnen mit unserer Einstiegsphase. Dazu werde ich euch einen Lückentext anschreiben.
17:48Das Konzept wird mittlerweile an über 200 Schulen in Sachsen angewendet.
17:58Das bewegte Lernen zielt darauf ab, im Unterricht den Lernen mit Bewegung zu verknüpfen.
18:05Auflagerungsminuten wiederum sind einfach Minuten, die ich mir nehme, um die Kinder zu aktivieren.
18:11Zwei, drei Minuten, um zu sagen, okay, mein Fokus liegt jetzt nicht auf dem Lernprozess,
18:15sondern ich möchte beste Voraussetzungen schaffen, dass wir uns danach wieder gut konzentrieren können.
18:20Ich bitte euch immer aufzustehen und euch so zu strecken, wenn das Wort groß geschrieben wird, dann wieder hinzusetzen.
18:30Wenn das Wort klein geschrieben wird, wird das Wort wieder groß geschrieben, wieder richtig strecken in die Höhe und dann
18:36wieder runter.
18:36Im Wechsel, in Dicken, Glocken, Türms, sich, Baumwolle, auf, Fliesigen, Plantagen.
18:56Bewegung ist auch deshalb so wichtig, weil sich der Körper in dieser Zeit noch formt und sich jede Zelle einprägt,
19:02dass ihr Bewegung gut tut.
19:03Auf dieses Gedächtnis greift der Körper im Erwachsenenalter schneller wieder zurück.
19:14In deren Dingen bei Solotouren lebt die Schweizerin Marianne Guggenbühl.
19:19Vor kurzem hat sie das Nordic Walking für sich entdeckt.
19:23Für mich ist Laufen eigentlich auch wie eine Meditation.
19:26Ich habe innere Gespräche, ich kann die Natur bewundern, mich an dem erfreuen und das hilft mir sehr für mein
19:36psychisches Wohlbefinden.
19:44Mit 17 Jahren wurde sie Mutter.
19:47Als alleinerziehende Krankenpflegerin litt sie viele Jahre unter Existenzängsten.
19:56Daraus wurden Depressionen und dann kam der Burnout.
20:04Ich hatte sehr genug vom Leben. Ich wollte keine Kämpfe mehr kämpfen.
20:13Dann kamen die suizidalen Gedanken. Ich habe mich wirklich in meine Wohnung zurückgezogen.
20:18Ich wollte niemanden sehen oder nicht lange sehen.
20:22In einer psychiatrischen Klinik kam Marianne Guggenbühl das erste Mal mit Sport in Berührung.
20:32Als ich in der Klinik war, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass diese Sportstudie durchgeführt wird.
20:40Und sie denken, dass mir das gut tun würde.
20:43Und als ich gehört habe, Sportstudie, habe ich mal wirklich gelacht, weil ich bin sowas von gar nicht sportlich.
20:50Und habe mich dann aber entschieden, doch, das könnte mir helfen, weil ich ein Mensch bin, der eigentlich gerne in
20:56Bewegung ist.
20:58Hallo Reto, hoi.
21:00Hallo, hoi.
21:02Alle zwei Wochen hat sie Kontakt mit ihrem Coach Reto Maurer von der Sportstudie der Uni Basel.
21:08Ja, sonst kann ich nicht schlafen.
21:09Wie sind Sie bei den letzten beiden Wochen gelaufen, Marianne?
21:12Ich war täglich draussen mit dem Hund. Aber einfach so, wie man mit dem Hund spaziert.
21:17Was hast du dir regelmässig gemacht?
21:19Zweimal am Tag. Immer am Morgen und am Abend.
21:23Stark, super.
21:24Bei den Gesprächen fragt der Coach die selbst gesteckten Ziele ab und unterstützt bei Problemen.
21:32Am Anfang brauchte ich wirklich auch den Schubs, weil es gibt viele, viele Ausreden, warum man dann eben am 14
21:41.00 Uhr nicht rausgehen möchte.
21:43Das Wetter ist gerade nicht gut oder ich will zuerst einen Kaffee trinken oder nein, ich warte jetzt noch fünf
21:52Minuten und die fünf Minuten werden länger.
21:56Marianne Guggenbühl hat erkannt, dass das Sport- und Coaching-Programm eine Chance ist, endlich etwas für sich zu tun.
22:11In Magdeburg sind die tanzenden Senioren in der Demenzpräventionsstudie weiter hoch motiviert, einer beginnenden Erkrankung die Stirn zu bieten.
22:19Legen wir los.
22:21In den 90-minütigen Einheiten erfassen Sensoren die Herzfrequenz der Teilnehmer und zeigen an, wie sich über sechs Monate ihre
22:29Ausdauer entwickelt.
22:35Manfred Fuhrwerk war bis dato ein Tanzmuffel. Sich zu Musik zu bewegen, eine ganz neue Erfahrung.
22:41Die sportliche Leitforderung ist eigentlich normal, aber die Koordination der Bein- und Armtechnik, wenn man das jahrelang nicht mehr
22:51gemacht hat oder nicht mehr geübt hat, ist natürlich sehr schwierig, das hinzukriegen.
22:55Also Schritte zu merken, Takte zu merken und dann im Rhythmus zu bleiben.
23:01Das Risiko, ab einem Alter von 65 Jahren an einer leichten kognitiven Störung zu erkranken, die zu Demenz führen kann,
23:08beträgt 10 bis 20 Prozent und steigt mit zunehmendem Alter.
23:12Anita Hökelmann hält Tanzen für die beste Prävention gegen Demenz.
23:17Tanzen stellt die Einheit von Kognition und Bewegung dar.
23:23Denn gerade beim Tanzen hat man einen ständigen Lernprozess, den man sich stellen muss.
23:31Und das Erlernen von neuen Bewegungsabfolgen bedeutet immer, neu produzierte Gehirnzellen abzurufen und sie in neue Netzwerke einzubinden.
23:45Sport stimuliert die Entstehung neuronaler Stammzellen im Gehirn.
23:49Bei Bewegung wird der Wachstumsfaktor BDNF angekurbelt.
23:54Dieser wirkt wie ein Power-Riegel auf Neuronen und ihre Verbindungen.
23:58Sport lässt also Nerven wachsen.
24:01Werden Neuronen stimuliert, verdichten und verstärken sich die Netzwerke untereinander, ruhen sie, können sie sich zurückbilden.
24:08Unser Gehirn ist plastisch, also formbar, je nachdem welche Anforderungen wir ihm stellen.
24:18Am Forschungszentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Magdeburg untersuchen Neurowissenschaftler diese Phänomene vor und nach der sechsmonatigen Tanzintervention im Gehirn des
24:29Probanden.
24:32Wir untersuchen hier jetzt mit der Magnetresonanztomographie, wie sich Sport, insbesondere das sportive Tanzen, auf das Gehirn auswirkt, auf Regionen,
24:42die insbesondere vom Alterungsprozess betroffen sind.
24:45Unsere Hypothese ist dabei, dass nach sechsmonatiger Tanzintervention signifikante Volumenzunahmen im Hippocampus zu detektieren sind.
24:57Alles, was wir lernen, wird im Hippocampus vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis überführt.
25:04Ab dem 50. Lebensjahr schrumpft der Hippocampus jedes Jahr um ein bis zwei Prozent.
25:11Durch regelmäßige Bewegung können wir den Abbauprozess aufhalten und eventuell sogar umkehren.
25:22Erste Zwischenergebnisse des Interventionsprojekts bestätigen, die tanzende Gruppe hat eine höhere Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit entwickelt.
25:31Was auf Veränderungen im Gehirn trotz der bereits vorhandenen kognitiven Einschränkungen hindeuten könnte.
25:38Diese Veränderungen bleiben dann auch für lange Zeit. Sie können übrigens auch in praktisch jedem Alter und unter fast allen
25:44Krankheitsbedingungen neu gewonnen werden.
25:49Stufenweise ist auch die Aktivität von Andreas Mohr gestiegen. Durch die Herzstudie trainiert er neuerdings viel zu Hause.
25:57Früher war es dann insgesamt die Woche eine Stunde Herzsport und jetzt sind wir ja bei anderthalb Stunden mindestens, was
26:06ich hier Sport mache mit dem Video.
26:09Zusätzlich motiviert mich das ja, dass ich mehr gehe oder mehr Fahrrad fahre oder eben mehr Treppen steige mit der
26:17Uhr.
26:18Sodass vom Prinzip das Trainingspensum, was ich jetzt zur Zeit mache, mehr ist als vor der Studie.
26:27Seine Ehefrau unterstützt ihn. Nicht nur mental.
26:31Die Spitzen sind am Boden festgeklebt. Somit mobilisieren wir hier...
26:34...das Home-Training soll Andreas Mohr für ein besseres Körpergefühl schulen.
26:39Die Geräte melden, wenn er die Pulsgrenze von 117 überschritten hat.
26:44Genau. Perfekt. Die Arme nimmst du locker mit.
26:46Mein Puls ist jetzt in den roten Bereich gekommen.
26:49Da habe ich jetzt die Möglichkeit, den wieder runterzukriegen, indem ich eine niedrigere Frequenz mache oder die Seitschritte angenommen weglasse
26:59und bloß ein bisschen hin und her gehe und dann kann ich wieder einsteigen voll in das Programm.
27:07Früher musste Heike Mohr Botengänge selbst im eigenen Haus übernehmen.
27:11Durch den Schrittzähler erkennt sie ihren Gatten kaum wieder.
27:14Ja, dass er sagt, ich gehe jetzt nochmal hoch, ich halte nochmal die Heizung an.
27:18Ich sage, das kann ich doch machen. Nein, ich brauche noch zwei Etagen.
27:22Die Forscher der Herzstudie haben Zugriff auf seine Aktivität und Fitnessparameter wie Gewicht und Blutdruck.
27:30Die Daten werden über Geräte automatisiert übermittelt, sodass auch in Zukunft behandelnde Ärzte die Gesundheit ihrer Patienten verfolgen können.
27:45Ziel der Studie ist es, ein landesweites heimbasiertes Sportprogramm als Bestandteil von Therapien für Herzpatienten zu entwickeln.
27:54Dadurch sollen Erkrankte auf Dauer und in gewohnter Umgebung aktiv bleiben.
28:01Doch häufig verschluckt der Alltag unsere sportlichen Ambitionen.
28:05Leistungsdruck, Stress und hohe Erwartungen an sich selbst erlebte auch die Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia.
28:14Ich habe vor circa zehn Jahren eine Gedächtnisstörung gehabt.
28:19Und meine Kollegin hat mir gesagt, mein Hippocampus sei im Eimer und ich soll mich bewegen.
28:27Und seitdem jogge ich so oft es geht und bewege mich auch so häufig wie möglich.
28:33Sport war ihre Rettung. Sie fing an täglich Fahrrad zu fahren und ausgiebig zu laufen.
28:39Wir wollen die Muskeln entwickeln und wir gehen ins Studio, aber für das Gehirn tun wir zu wenig.
28:45Aber dass Bewegung das Gehirn unterstützt in seinen Funktionen und es auch fit hält, das heißt auch unsere geistigen Fähigkeiten
28:53pflegt, das wissen wir leider zu wenig.
28:56Und ich mache das so, ich bewege mich nicht für meine Figur, ich bewege mich immer für mein Gehirn.
29:08In einem Experiment mit Leipziger Sportstudenten will Manuela Macedonia demonstrieren, inwieweit Bewegung zu besseren geistigen Fähigkeiten führt.
29:17Die gebürtige Italienerin hatte am Anfang ihrer Karriere eine Italienischklasse zu unterrichten.
29:23Sie suchte nach Wegen, das Sprachenlernen aktiver zu gestalten.
29:27Ich habe alles Mögliche versucht, damit meine Studierenden auch zu einer gesprochenen Sprache kommen.
29:35Also eines Tages habe ich angefangen zu gestikulieren und die Studierenden waren sehr amüsiert.
29:40Und dann haben wir angefangen, so richtig uns zu bewegen.
29:43Und ich habe beobachtet eben, dass dieses bewegte Lernen die Behaltensleistung steigert.
29:50Bald brauchten ihre Studenten gar keine Vokabellisten mehr.
29:54Dass das mit jeder Sprache funktioniert, macht die Neurowissenschaftlerin auf Japanisch vor.
30:00Für jede Vokabel gibt es eine Bewegung.
30:03Also wenn man sich begrüßt, da sagt man Konnichiwa.
30:08Und dieses O ist ein Respekt-Wort.
30:13Machen wir zusammen.
30:15Ganz groß.
30:17O.
30:19Respekt.
30:20Entschuldigung.
30:23Michelle.
30:26Deutsch.
30:27DIN.
30:31DES.
30:33DES.
30:34K.
30:37Das war jetzt tatsächlich das erste Mal, dass ich so was gemacht habe und so bewegt auch Vokabeln gelernt habe.
30:43Und das war am Anfang natürlich ein bisschen komisch auch, weil es halt sehr ungewohnt ist.
30:47Und auch so mit den Bewegungen, weil man das ja auch nicht so kennt.
30:51Aber dann habe ich gemerkt, dass man sich das tatsächlich sehr gut merkt, weil man es einfach mit der Bewegung
30:55gut verknüpfen kann.
30:57Aus vergangenen wissenschaftlichen Experimenten mit bewegten und unbewegten Gruppen weiß Macedonia, 40% der Wörter bleiben bei denjenigen, die mit
31:07Bewegung lernen, selbst nach über drei Monaten im Gedächtnis.
31:10Bei der unbewegten Kontrollgruppe sinkt die Merkleistung auf 5%.
31:17Wenn wir Wörter in einer Sprache lernen möchten, speichern wir sie normalerweise im sogenannten deklarativen Gedächtnis.
31:26Das ist das Gedächtnis, das wir benutzen, wenn wir zum Beispiel Listen lernen, Wortlisten, auch eine Einkaufsliste zum Beispiel.
31:35Wenn wir aber Bewegung mit dem Wort verknüpfen, können wir das prozedurale Gedächtnis, das heißt das Gedächtnis für Prozeduren, involvieren.
31:46Und das führt dazu, dass auch sozusagen die Power dieses Systems das Abrufen und das Speichern und Abrufen unterstützt.
31:58Einer der Gründe, warum die Neurowissenschaftlerin unermüdlich dafür wirbt, mehr Bewegung in das Leben ihrer Mitmenschen zu bringen.
32:10In deren Dingen in der Schweiz geht Marianne Guggenbühl inzwischen zweimal die Woche zur Physiotherapie.
32:17Ja, bist du kurz vor dem Ende, ja? Mach kurz mal vielleicht etwas weniger, weil ich sehe, dass du deinen
32:24Puls schon sehr hoch hoch gehst.
32:27Jetzt bist du auf Pause.
32:28Jetzt bist du auf Pause.
32:29Oh, okay.
32:32Gut, kurz und schnell auf Pause.
32:35Nicht, dass du noch umkippst.
32:38Also, du kannst weniger anstrengen.
32:41Ja, eindeutig, das ist schon klar.
32:42Ich finde, das machst du eigentlich super.
32:46Marianne Guggenbühl hat neben ihrer Psyche auch noch mit Übergewicht, zu hohen Blutfett und Cortisolwerten zu kämpfen.
32:54Studien zufolge leben Menschen mit Depressionen 10 bis 15 Jahre kürzer als der Durchschnitt.
33:00Wehe Marianne, haben sie oft auch körperliche Leiden.
33:03Ich nahm meinen Körper nur noch wahr, wenn ich Schmerzen hatte.
33:08Und sonst existierte für mich eigentlich Körper nicht.
33:13Ja, nur Schmerzen.
33:15Und mit der Sportstudie und vor allem auch jetzt mit der Physiotherapie habe ich meinen, ich lerne meinen Körper neu
33:25kennen.
33:26Es gibt neue Grenzen, die ich erreichen kann.
33:31Und meine Achtsamkeit meinem Körper gegenüber ist viel höher geworden.
33:36Die Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Basel hat neben Marianne Guggenbühl rund 300 Menschen für die Studie gewinnen können.
33:46Zu Beginn fiel es ihr schwer, das Haus zu verlassen.
33:49Doch inzwischen konnte sie sich von anfänglich 15 Minuten auf täglich zwei Stunden Spazierengehen steigern.
33:56Nach zwölf Monaten geht die Intervention für Marianne Guggenbühl zu Ende.
34:01Dass mehr Menschen wie sie Sport für sich entdecken, dafür setzt sich der Leiter der Studie, Professor Markus Gerber, ein.
34:08Ab jetzt sechs Minuten. Das stimmt ziemlich genau von der Herzfrequenz her.
34:14Sie sollten ja in einem Bereich zwischen 120 und 140 sein.
34:19Bei Sporteinheiten sollen Menschen mit Depressionen ein bestimmtes Leistungslevel, die sogenannte aerobische Schwelle, nicht überschreiten.
34:27Sonst sorgen sie für Stress, statt für Erfolgserlebnisse mit positiven biochemischen Effekten.
34:35Es gibt Studien, die belegen, dass Patienten mit depressiven Störungen körperliche Aktivität tatsächlich gleich wirksam sein kann,
34:44wie eine Behandlung mit Antidepressiva.
34:50Allerdings, denke ich, sollte man so von dieser Entweder-oder-Mentalität ein bisschen wegkommen.
34:56Markus Gerber will Medikamente durch Sport nicht ersetzen, gerade im Hinblick auf Menschen, die suizidgefährdet sind.
35:06In der Bewegung sieht er aber eine sinnvolle Ergänzung zur konventionellen Therapie.
35:12Man weiß, dass Medikamente auch bestimmte negative Nebeneffekte haben können,
35:19beispielsweise zu einer Gewichtszunahme führen
35:22und auf der anderen Seite regelmäßige körperliche Aktivität genau diesen negativen Nebeneffekten entgegenwirken können.
35:32Ich glaube, dass man Sport als Co-Therapeutikum bei vielen Erkrankungen einsetzen kann.
35:39Wenn wir allein einen Teil dieser Medikamente reduzieren können, indem wir die Sportprogramme in verschiedene Therapieprogramme integrieren,
35:47wäre das schon mal, glaube ich, ein sehr positiver, aber auch letztendlich ein sehr kostengünstiger Effekt.
35:54Sport kann negative Gedankenkreise durchbrechen.
35:57Das liegt laut Sportwissenschaftler Sebastian Ludiger an der Lenkung der Gehirnaktivität.
36:02Sport befeuert die motorischen und sensorischen Bereiche im Gehirn
36:07und schickt den präfrontalen Kortex, der kognitive Prozesse steuert, in den Urlaub.
36:13Damit hat das Gehirn keine Kapazität mehr zum Grübeln.
36:17Irgendwann sagt dann das Gehirn, okay, ich kann den präfrontalen Bereich abriegeln,
36:21weil jetzt brauche ich meine kognitive Leistung nicht und dafür habe ich mehr Ressourcen für den motorischen Bereich.
36:27Und das ist dieser Mechanismus, der erklärt, warum dann bei intensiver Belastung die Gehirnaktivität etwas sinkt.
36:34Langfristig wirkt Sport wie ein Reset fürs Gehirn, wovon wir alle profitieren können.
36:38Es gelingt uns besser, den Tag zu planen, schneller zu reagieren und leichter Entscheidungen zu treffen.
36:47Wir können insgesamt sagen, dass wir so gut wie alle Medikamente,
36:52die gegen Stoffwechselstörungen, gegen Bluthochdruck und auch gegen Depressionen gegeben werden können,
37:02in gewissem Rahmen bei systematischem Training reduzieren können.
37:07Es gibt natürlich Erkrankungen, bei denen wir überhaupt gar nicht an die Medikation rühren sollten.
37:14Hierbei handelt es sich zum Beispiel um die Krebsbehandlung, um die Krebstherapie.
37:22Bei Cornelia Tiefenbach aus Löbnitz war vor einem Jahr ein Tumor im Dickdarm entdeckt worden.
37:29Von ihrer Erkrankung hatte sie nichts gemerkt.
37:32Nach der Operation war es für die Leiterin einer Pflegeeinrichtung ein mühevoller Weg zurück in ihr altes Leben.
37:42Meine Psyche war ziemlich am Ende. Ich war psychisch sehr belastet und ich konnte auch darüber nicht sprechen richtig.
37:48Ich habe Glück und Unglück gehabt. Der Tumor sah so, dass man ihn eben halt entfernen konnte.
37:54Und ich habe auch keine gestreuten Metastasen gehabt.
37:57Also das ist erst mal was Positives. Und ich musste dann halt selber mit mir trainieren, mich daran zu erfreuen,
38:05dass das eben positiv ist.
38:06Und das ist mir sehr schwer gefallen.
38:09So, ich starte jetzt das Laufband. Wir fangen mit 3 kmh an. Also ganz gemütliches Laufen.
38:16Und wir werden jetzt sukzessive dann die Steigung und die Geschwindigkeit leicht erhöhen.
38:23Am Universitätsklinikum Leipzig hat die dort leitende Bauchchirurgin Ines Gockel sie für eine Studie gewinnen können.
38:33Wie haben Sie sich denn nach der OP erholt?
38:36Oh ja, ich hatte ja einen langen Krankenhaus auf dem Halt und danach bin ich immer gelaufen.
38:42Also erst mal kleine Schritte, also kleine Runden.
38:45Viele kleine Schritte am Anfang.
38:46Viele kleine Schritte.
38:49Bei Darmkrebspatienten senkt Sport das Risiko erneut zu erkranken um 30 Prozent.
38:54Individuell angepasste Bewegungsprogramme vor, während und nach der Behandlung wirken sich positiv auf die körperliche wie seelische Verfassung der Krebspatienten
39:03aus.
39:04Das ist durch viele Studien belegt.
39:07Die genauen Prozesse, wie der erhöhte Kreislauf bei Bewegung Tumore und Metastasen beeinflusst, müssen noch weiter erforscht werden.
39:17Sport führt ja erstmal zu einer vermehrten Durchblutung der Muskulatur, aber auch der inneren Organe.
39:25Und allein das kann möglicherweise über viele Umwege, die wir noch nicht kennen, dazu beitragen, dass der Krebs nicht wiederkommt.
39:34Und Sport verhindert die Inflammation, also die Entzündung im Körper.
39:40Und wir wissen, dass Entzündungen sehr häufig den Krebsentstehungen vorausgehen.
39:47Diesen Wirkungsmechanismen wollen die Wissenschaftler der Universität Leipzig auf den Grund gehen.
39:53Der Biochemiker Dr. René Thieme wertet auf der zellulären und molekularen Ebene Daten von Krebspatienten aus.
40:01Spezielle DNA-Marker im Blut sollen die Effekte von Sport entschlüsseln.
40:07Wir entnehmen den Patienten viermal während der Studie Blut. Und in diesem Blut untersuchen wir eine ganze Reihe von Parametern.
40:15Wir untersuchen auch die weißen Blutzellen der Patienten, um dort eben auch zu sehen, ob die Sportintervention dort zu einer
40:23Verbesserung der Kapazität dieser weißen Blutzellen führt.
40:26Und wir untersuchen dann natürlich auch letztendlich Tumormarker, um halt zu sehen, ob die Patienten diese tragen.
40:33Hier dieser Patient ist wohl Träger dieser Mutation. Und hier ist es höchstwahrscheinlich, dass hier eben noch Resttumor oder eine
40:41Metastase verfügbar ist.
40:42Wir erhoffen uns, dass wir natürlich das Wiederaufkehren des Tumors nach einer Operation senken können und mit unseren Analysen auch
40:51früheste Formen, also kleinste DNA-Bestandteile im Blut nachweisen können,
40:56bevor das überhaupt in der Bildgebung sichtbar wird, weil das ganz entscheidend ist für das Überleben unserer Patienten.
41:03Da die Forscher mit Brust-, Prostata- und Darmkrebs die häufigsten Krebsarten untersuchen, könnten die Ergebnisse Ende 2022 vielen Betroffenen
41:13helfen.
41:19Vier Monate nach dem ersten Belastungstest untersucht das Team am Leipziger Institut für Sportmedizin und Prävention, wie das Herz von
41:27Andreas Mohr auf das erhöhte Trainingslevel reagiert.
41:30Jetzt sind wir so bei 50, noch ein bisschen schneller werden.
41:32Noch ein bisschen.
41:34Jetzt sind wir bei 60 Umdrehungen.
41:35Ja, noch ein bisschen. Ich hätte es gerne 70.
41:37Geht so vom Treten? Passt es?
41:39Okay.
41:39Wenn was ist, einfach Bescheid sagen, ja? Schlecht, schwindelig, Druck auf der Brust.
41:46Beim Maximalbelastungstest zeigt sich, Andreas Mohr kann bei körperlicher Belastung mehr Sauerstoff aufnehmen.
41:53Auch seine Leistungsfähigkeit ist gestiegen. Diese wird in Watt über seine Trittkraft gemessen.
42:08Seine Maximalleistung hat sich erkennbar verbessert. Letztes Mal hatten wir 155 Watt, heute sind es 170.
42:15Entscheidend ist, dass seine klinischen Parameter gut sind. Und das kann ich bestätigen.
42:19Das EKG ist top, das Herz-Zeit-Volumen ist perfekt. Also seine klinischen Parameter, die Krankheitsindikatoren, die sind alle sehr,
42:27sehr gut.
42:30Für sportlich aktive Herzpatienten sieht Martin Busse die Chance, dass sie unter ärztlicher Aufsicht Medikamente wie Blutdrucksenker verringern können.
42:42Durch den Sport reduziert sich die Herzfrequenz.
42:46Diese Ruhewerte lassen erkennen, dass einer der Hauptfaktoren, der den Blutdruck erhöht, nämlich der Sympathikus-Tonus, also die Stresshormone, sich
42:55absenken.
42:55Training hat also die Eigenschaft, Stresshormone zu senken und damit zugleich die Herzbelastung über eine Frequenzabsenkung und über eine Druckabsenkung
43:06zu erniedrigen.
43:07Das liegt ja dann im Training. Es lief ja dann immer auch unter konstanter EKG-Kontrolle.
43:11Nicht mehr so schnell aus der Puste zu sein, gibt Andreas Mohr wieder Zuversicht und Lebensfreude.
43:16Der fasste sich immer so ein Arme irgendwas.
43:18Die 150, wenn ich das vergleiche, gegenüber von vor vier Monaten, war das irgendwie leichter.
43:24Ich hatte auch nicht gedacht, damals, wo ich die Studie hier angefangen habe, dass das nach den vier Monaten schon
43:30so ein Erfolg eigentlich für mich ist.
43:31Und die Ohr hier, ich hatte nie gedacht, dass man so eine Ohr motivieren kann.
43:36Da geht man eben noch mal zwei Etagen hoch, nur um diesen grünen Haken dort zu kriegen.
43:40Sport kann viel bewegen, vor allem, wenn die Motivation stimmt.
43:47Wenn man einen gesunden Lebensstil führt mit einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßiger Bewegung, Sport und möglichst Abbau von den sogenannten Stressoren,
44:02dann wissen wir, dass wir viele von unseren sogenannten Zivilisationskrankheiten reduzieren können.
44:09Es gibt natürlich immer genetische Risikofaktoren, die können wir nicht vermeiden.
44:14Aber es gibt diese Umweltfaktoren, die können wir reduzieren oder vielleicht sogar ganz vermeiden.
44:19Und dadurch können wir nicht nur Lebensjahre gewinnen, sondern auch Lebensqualität.
44:24Das ist eine gute Sorte.
44:28Das ist eine gute Sorte.
44:36Das ist eine gute Sorte.
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