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00:04Ein Strand im Süden Frankreichs. Wie ich reisen 35 Prozent der Deutschen in ihren Ferien am liebsten ans Meer.
00:16Sieht aus, als wäre ich im Urlaub, oder? Aber tatsächlich warte ich auf den Tsunami-Alarm,
00:20denn ich werde gleich Teil eines Experiments sein und soll mich so schnell wie möglich hier vom Strand aus in
00:25Sicherheit bringen.
00:28Tsunamis. Riesige Flutwellen, die wie aus dem Nichts auftauchen und alles zerstören.
00:35Vor 20 Jahren werden sie plötzlich weltweit zum Begriff.
00:39Guck mal da hin, wie das hochpäscht, das Wasser. Das ist ja Wahnsinn. Was ist das? Das Boot ist gekentert
00:51dahin.
00:52Die bislang schlimmste bekannte Katastrophe ereignet sich im Dezember 2004.
00:57Ein Tsunami mit bis zu 30 Metern Höhe trifft auf die Küsten rund um den Indischen Ozean.
01:03Mehr als 230.000 Menschen sterben, darunter auch viele Deutsche.
01:10Im März 2011 überfluten mehrere Tsunamiwellen die Küste Japans.
01:14Das Atomkraftwerk in Fukushima wird dabei zerstört. Fast 20.000 Menschen sterben.
01:24Wie ist es am Mittelmeer und den anderen europäischen Küsten? Kann es hier auch zu einer Tsunami-Katastrophe kommen? Und
01:31wie können wir uns schützen?
01:44Ich starte meine Spurensuche an der Côte d'Azur in Cannes.
01:47Boah, ist das laut hier mit dem Wind und den Wellen.
01:53Noch ist aber alles ruhig.
01:55Ich lausche. Will den Testalarm nicht verpassen.
02:00Exercise. Tsunami alert. Quickly evacuate seaside. Walk to the tsunami refuge site by following the site.
02:10Ich glaube, das war's. Los geht's.
02:15Im Ernstfall würde jetzt in wenigen Minuten eine Flutwelle auf den Strand treffen.
02:20Keine Schilder, keine Schilder. Aber da vorne gibt's eine Straße.
02:25Und die Lautsprecher, aus denen der Alarm kommt.
02:32Schließlich finde ich auch ein paar kleine Warnschilder, die auf einen Fluchtweg aufmerksam machen.
02:37Weg vom Wasser.
02:39Bergauf.
02:52Krass. Also mein Instinkt sagt mir, ich muss hier noch weiter hoch. Aber hier steht, das ist der Punkt, um
02:59stehen zu bleiben und auf weitere Instruktionen zu warten.
03:03Dann mach ich das mal.
03:08Ich treffe die beiden Verantwortlichen, die hinter der Tsunami-Evakuierung stecken.
03:17Geowissenschaftler Mathieu Perroche von der Universität Montpellier und Yannick Ferrand von der Stadt Cannes.
03:23Wie lange habe ich gebraucht?
03:24Um hier hochzukommen, fünf Minuten.
03:28Im Rahmen eines Pilotprojekts haben sie den Tsunami-Alarm für die Stadt Cannes entwickelt.
03:34Doch ich hatte während der Übung meine Schwierigkeiten.
03:37Und ich hab die ganze Zeit oben nach Schildern geguckt. Auf Augenhöhe. Ich hab erst ganz, ganz spät gesehen, dass
03:44die auf dem Boden sind.
03:47Das stimmt. Hier steht viel rum und dann die Autos. Auch die Wellen und der Wind machen viel Lärm.
03:53Deshalb werden im Ernstfall neben den Lautsprechern noch weitere Sirenen eingesetzt und man bekommt auch eine Nachricht auf das Smartphone.
04:02Alles zusammen macht dann nachher den Effekt.
04:0675.000 Menschen leben in Cannes. Drei Millionen Touristen kommen jährlich in die Hafenstadt.
04:12Im Fall eines Tsunamis brauchen viele Menschen am Ufer schnell einen sicheren Zufluchtsort.
04:18Entstehen können die Flutwellen vor der Küste Algeriens.
04:22Starke Erdbeben unter Wasser würden einen Tsunami auslösen, der in direkter Linie auch Cannes treffe.
04:29Und auch Seebeben vor der Küste Italiens hätten Tsunami-Potenzial.
04:34Die Flutwellen wären in nur wenigen Minuten an der Côte d'Azur.
04:40Und im schlimmsten Fall bis zu fünf Meter hoch.
04:46Die Altstadt von Cannes würde mehr als einen Meter unter Wasser stehen.
04:50Und die Strömung alles mitreißen. Schiffe, Autos und vieles andere.
04:57In so einem Fall wären wir hier in Lebensgefahr.
05:01Was gibt es vielleicht auch für Dinge, die Menschen immer falsch machen?
05:08Einige reale Ereignisse zeigen, dass Menschen neugierig auf die Naturkatastrophen reagieren.
05:14Sie bleiben stehen und filmen mit ihren Smartphones.
05:19Eine weitere Sorge ist, dass die Menschen zu sehr an ihren Autos hängen.
05:23Wir befürchten, dass sie ihre Autos benutzen, um in höher gelegene Gebiete zu fliegen.
05:29Das könnte die Straßen verstopfen und die Evakuierung für alle anderen verlangsamen.
05:40Cannes setzt deshalb auf eine schnelle Flucht zu Fuß.
05:43Und auf vorsorgende Maßnahmen.
05:45Die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt werden aktiv eingebunden.
05:53Tatsächlich haben alle Geschäftsleute an der Küste von Cannes im Jahr 2019 eine Charta unterschrieben.
05:59Darin erklären sie, dass sie das Tsunami-Risiko kennen, sich für unser Warnsystem Cannalert anmelden.
06:05Im Ernstfall erhalten sie eine SMS.
06:08Und sie verpflichten sich auch, ihre Kunden für das Thema zu sensibilisieren, zu den Fluchtorten zu führen.
06:18Offizielle Fluchtrouten.
06:19Und die Sensibilisierung der einheimischen Bevölkerung für das Thema.
06:23Die Stadt Cannes ist mit diesem Programm Vorreiter in Europa.
06:29Von einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen erhält die Gemeinde 2024 deshalb das Zertifikat Tsunami-Ready-Community.
06:37Das bedeutet, die Menschen in Cannes sind für den Tsunami-Notfall vorbereitet.
06:43Zumindest in der Theorie.
06:48Mathieu Perroche und Yannick Ferrand hoffen, dass andere Städte ihrem Beispiel folgen.
06:57Denn dass es im Mittelmeer zu einer verheerenden Tsunami-Katastrophe kommen kann, zeigt auch ein Blick in die Geschichte.
07:05Etwa 10 Prozent aller Tsunamis weltweit traten bisher im Mittelmeer auf.
07:09Statistisch gesehen bedeutet das, alle 100 Jahre trifft eine katastrophale Welle die Bevölkerung.
07:15Das letzte große Ereignis, 1908 in Süditalien, forderte mehrere tausend Menschenleben.
07:22Dass es hier im Mittelmeer wieder einen großen Tsunami geben kann, darüber sind sich Forschende einig.
07:27Die Frage ist nur, wann?
07:31Ich reise nach Kiel, ans GEOMAR, dem Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.
07:36Hier treffe ich die Professorin für Marinegeodäsie, Heidrun Kopp.
07:43Seit 25 Jahren beschäftigt sie sich mit dem Meeresgrund und leitet heute die Forschungsgruppe zur Dynamik der Ozeanböden.
07:51Von ihr will ich wissen, wie genau Tsunamis entstehen.
07:55So eine Karte habe ich noch nie gesehen. Warum ist diese Karte so wichtig für euch?
07:59Genau, das ist eine Karte des Meeresbodens. Und daraus können wir dann sehr genau erkennen, was es am Meeresboden alles
08:06gibt.
08:06Und dass es eben keine flache, langweilige Region ist, sondern wenn man sich das hier anguckt,
08:11das hier sind alles untermärische Vulkane. Das heißt, wir haben eine riesengroße Vulkanprovinz hier im Westpazifik.
08:19Wir sehen Tiefseegräben, wie hier zum Beispiel entlang von Indonesien. Und das sind die Plattengrenzen.
08:26Und genau diese Plattengrenzen spielen bei etwa 90 Prozent aller Tsunamis eine entscheidende Rolle.
08:33Denn dort treffen sich ozeanische und kontinentale Erdplatten und schieben sich übereinander.
08:39Verhaken sich die beiden Platten, kommt es zu tektonischen Spannungen, die sich durch Erdbeben lösen.
08:45Je stärker das Beben, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Wasser über dem Meeresboden in Schwingung versetzt wird.
08:52Man kann sich vorstellen, wenn man solche Gebirgsketten verschlucken muss unter einen ganzen Kontinent,
08:58dann geht das nicht ohne richtig Rambazamma. Das heißt, ohne Erdbeben, ohne Starkbeben, ohne Seismizität.
09:05Die Folge, ein Tsunami. So auch im Dezember 2004 im Indischen Ozean.
09:13Diese Welt ist heimgesucht worden von der schlimmsten Naturkatastrophe seit Menschengedenken.
09:19Zehntausende sind tot, Millionen sind obdachlos und haben ihre Lebensgrundlagen vollständig verloren.
09:28Was damals den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einer Fernsehansprache bewegte,
09:33war die Folge eines starken Unterseebebens vor der indonesischen Küste.
09:38Die Tsunami-Wellen, die dabei entstanden, fluteten die Küsten von Ländern wie Indonesien, Thailand und Sri Lanka ohne jede Vorwarnung.
09:54Aber auch im Mittelmeer gibt es Starkbebenzonen.
10:02Nur mal angenommen, es gäbe im Mittelmeer ein Erdbeben und es würde ein Tsunami ausgelöst werden.
10:10Wie schnell wäre denn dann der Tsunami wirklich an Land?
10:13Sehr schnell. Insbesondere im Mittelmeer aufgrund der Tatsache, dass die Küsten alle so eng beieinander sind,
10:20ist die Laufzeit einer Tsunami-Welle sehr kurz, bevor sie an die Küsten kommt.
10:25Was heißt kurz?
10:25Kurz bedeutet wirklich Minuten bis Zehnerminuten maximal.
10:31Der Vergleich zeigt, in den Weiten des Indischen Ozeans und Pazifiks brauchen Tsunami-Wellen oft mehrere Stunden, bis sie auf
10:38die Küsten treffen.
10:39Anders als im kleinen Mittelmeer.
10:41Der Faktor Zeit ist besonders wichtig bei der Entwicklung von Frühwarnsystemen.
10:482005 bis 2011 installierten deutsche Wissenschaftler als Reaktion auf die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean ein modernes Frühwarnsystem vor der
10:57Küste Indonesiens.
10:59Mithilfe seismischer Geräte, Pegel und Satelliten können die Behörden damit bis heute einen Tsunami in unter 10 Minuten erkennen.
11:07Seit seiner Einführung hat das System hunderte von Erdbeben überwacht und zahlreiche Tsunami-Warnungen ausgegeben.
11:15Doch wie sieht es im Mittelmeer aus?
11:18Heidrun Kopp erzählt mir, dass es dort nicht das eine Frühwarnsystem gibt.
11:22Die meisten Anrainerstaaten betreiben nationale Warnsysteme.
11:26Am GEOMAR forscht man an Technik, die diese unterstützt.
11:30Unter welchen Bedingungen entstehen Erdbeben?
11:32Wir wissen relativ genau, wo die entstehen, weltweit auch.
11:37Aber wann entstehen sie? Was braucht es, um Erdbeben zu erzeugen?
11:42Und diese Instrumente tragen eben dazu bei, diese Prozesse zu überwachen.
11:46Daraus lernen wir ganz viel.
11:48Und das Ziel ist es dann natürlich, vor einem Ereignis, also vor einem Tsunami zum Beispiel, schon vor Ort zu
11:55sein,
11:55um zu sehen, wie sich die Prozesse aufbauen, bevor dann ein Erdbeben oder ein Tsunami tatsächlich passiert.
12:05Aktuell entwickeln die Forschenden in Kiel eine Plattform, die gleich mehrere Messgeräte enthält,
12:10wie Seismometer, Druck- und Temperaturfühler.
12:14Außerdem kann sie die gesammelten Daten selbstständig auswerten.
12:22Dieses System soll also dafür sorgen, dass man schon vorher Bescheid weiß, dass bald was passieren wird.
12:30Das wäre der Optimalfall, dass wir eben Prognosen dann abgeben können über Prozesse, bevor ein Ereignis überhaupt stattfindet.
12:40Technik zur Erkennung einer Tsunami-Katastrophe, bevor sie eintritt.
12:44Das wäre ein echter Game-Changer in der Frühwarnung.
12:47Gerade dann, wenn Tsunami-Wellen wenige Minuten nach ihrer Entstehung schon auf die Küsten treffen, wie es unter anderem im
12:54Mittelmeer der Fall wäre.
12:56Doch noch ist die Technik in der Entwicklung.
12:59Und dazu kommt, es gibt noch andere Auslöser für Tsunamis als Erdbeben.
13:08Der Ätna im Süden Italiens ist der aktivste Vulkan Europas.
13:14Alle paar Wochen gibt es kleinere Ausbrüche, alle paar Jahre gewaltige Eruptionen.
13:20Und der Vulkan soll auch Tsunamis auslösen können.
13:25Warum das so ist, will ich auf dem deutschen Forschungsschiff Meteor erfahren, das in der Hafenstadt Catania vor Anker liegt.
13:53Die Meteor ist eines der größten Forschungsschiffe Deutschlands.
13:57Seit 1986 steuert sie von Hamburg aus fast alle Weltmeere an.
14:04An Bord Labore und Messinstrumente.
14:07Techniker arbeiten bereits auf Hochtouren.
14:09In nur 24 Stunden wird das Schiff auslaufen.
14:15Aber klar, die sind ja auch richtig lange auf diesem Schiff unterwegs und da macht man sich natürlich auch ein
14:21bisschen gemütlich.
14:27Die wichtigste Fracht des Schiffs, 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Italien und Frankreich.
14:37Morelia Urlaub, Professorin für Marine, Geomechanik und Kollegin von Heidrun Kopp am Geomar, ist verantwortlich für die Reise.
14:45Sie erforscht das Tsunami-Risiko von Vulkanen.
14:50Aufgrund einer Erkältung trägt die Wissenschaftlerin im Schiff eine Maske.
14:54Ihr Zuhause für die kommenden zwei Wochen liegt im Oberdeck.
14:59Das Penthouse.
15:01Das ist 433.
15:04Oh Mensch, hier lässt sich das aber aushalten, oder?
15:07Ja, das ist die Junior Suite unter den Kammern, das stimmt.
15:12Das ist ja einmal hier der Arbeitsbereich und dann gibt es noch den Schlafbereich, die voneinander getrennt sind.
15:19Zwei Wochen wird Morelia Urlaub mit ihrem Team auf dem Schiff verbringen.
15:23Weit raus aufs Meer geht's allerdings nicht.
15:26Das Ziel der Reise ist eine Route entlang der Küste.
15:31Immer im Blick der Ätna.
15:34Denn der Vulkan könnte für das verantwortlich werden, wofür die Japaner das Wort Tsunami erfunden haben.
15:40Eine zerstörerische Welle im Hafen.
15:42Wie muss ich mir denn das vorstellen?
15:44Warum geht denn vom Ätna ein Tsunami-Risiko aus?
15:48Das Vulkangebäude umfasst ja nicht nur das, was wir da sehen,
15:52sondern das Vulkangebäude reicht noch sehr weit ins Wasser rein.
15:58Und zum einen, wenn unter Wasser was abrutscht, dann ist ja klar, dann haben wir das Tsunami-Potenzial auf jeden
16:03Fall da.
16:04Aber auch wenn jetzt ein großer Teil von dem oberen Teil oder ein Stück Überwasser und unter Wasser abrutscht
16:11und die Masse, die sich in Bewegung setzt, dann die Wasseroberfläche erreicht und da eintritt,
16:17verdrängt es auch Wasser und ein Tsunami entsteht.
16:21Durch einen Ausbruch oder aufgrund von Erosion und Schwerkraft brechen Vulkanhänge immer wieder ab.
16:27Tonnenweise Gestein, Erde und Magma gelangen so ins Meer und verdrängen das Wasser.
16:33Dadurch entsteht eine Flutwelle.
16:36Ein Beispiel, der bis zu 15 Meter hohe Tsunami im Pazifik nach dem Ausbruch des Unterwasser-Vulkans Hunga Tonga 2022.
16:45Und auch am italienischen Vulkan Stromboli rutscht immer wieder Magma und Gestein ins Mittelmeer und löst kleine Flutwellen aus.
16:56Und was würde am Ätna passieren?
17:01Der Vulkan ist wirklich die ganze Zeit in Bewegung.
17:04Und einfach, weil er sich mit Magma füllt oder auch dann leert.
17:09Und er gleitet auch so ein bisschen in alle Richtungen.
17:12Was beim Ätna jetzt zum Beispiel nicht normal ist, ist, dass diese eine Seite, diese südöstliche Flanke,
17:17dass die sich einfach sehr viel schneller bewegt als alles andere.
17:22An Land haben Forschende diesen stetigen Hangrutsch bereits gemessen.
17:26Doch wie instabil die Vulkanflanke unter Wasser ist, dazu fehlen Daten.
17:32Helfen kann Technik, die im Labor der Meteor liegt.
17:36Ein letzter Check, ob alles funktioniert.
17:44So, Spannung steigt.
17:45Ja, punkten wir mal den ersten an.
17:51Ein fieses Geräusch.
17:54Aber dich freut's.
17:57Funktioniert.
17:58Wir wollen damit rausfinden, wie sich die Flanke von dem Vulkan unter Wasser bewegt.
18:03Und was immer gut funktioniert im Wasser, ist Schall.
18:05Und darauf basieren diese Messinstrumente.
18:07Und deswegen haben wir das gerade gehört.
18:11Sehr gut.
18:14Mit Hilfe des Schalls will Morelia Urlaub die Hänge des Ätna unter Wasser überwachen.
18:19Dazu setzt sie die Messstäbe in einem genau definierten Abstand auf dem Meeresboden aus.
18:24Anhand eines Modells zeigt sie mir, wie das funktioniert.
18:28Die linke Plattenhälfte stellt den Fuß des Vulkans im Meer dar.
18:32Auf sie kommen drei Messstäbe.
18:34Rechts der feste Boden mit zwei Messstäben.
18:38Alle zwei Stunden schicken sich die Messstäbe Schallwellen zu.
18:41Da sich Schall im Wasser immer gleich schnell ausbreitet,
18:44kann Morelia Urlaub ihn nutzen, um die Entfernung zwischen den Stäben zu messen.
18:50Rutscht die Vulkanflanke plötzlich ab, verändern sich die Messwerte.
18:58Bereits 2016 wurden die ersten Messstäbe ausgesetzt.
19:04Was habt ihr denn bisher schon rausgefunden?
19:06Die Messungen haben gezeigt, dass sich der Meeresboden mit einer ähnlichen Geschwindigkeit bewegt wie an Land.
19:12Das war als erstes wirklich tatsächlich überraschend,
19:15weil man denkt, man ist richtig weit von dem Vulkan entfernt.
19:19Und was soll schon unter Wasser passieren?
19:22Aber da passiert richtig viel.
19:24Durchschnittlich zwei bis drei Zentimeter pro Jahr bewegt sich der Ätna über und unter Wasser.
19:30Im Moment gibt es aber keine Hinweise darauf, dass die Flanke plötzlich ins Meer abrutscht.
19:34Das Problem aber ist, dass wir eigentlich gar nicht genau wissen, was die Anzeichen dafür sind.
19:40Das ist das große Ziel meiner Forschung, dass ich gerne verstehen möchte, was könnten mögliche Anzeichen für eine gefährliche Situation
19:50sein.
19:51Diese Grundlagenforschung ist essentiell.
19:54Denn anders als bei Erdbeben gibt es für Erdrutsche an Vulkanen und darauf folgende Tsunamis noch kein Frühwarnsystem.
20:02Tsunamis entstehen nie einfach so. Sie haben immer einen Auslöser.
20:05Und den müssen wir genau kennen, um ein funktionierendes Frühwarnsystem zu entwickeln und uns vor den zerstörerischen Flutwellen zu schützen.
20:16Doch wie ist es eigentlich an den deutschen Küsten?
20:20Meine Spurensuche führt mich an die Nordsee bei Cuxhaven.
20:24Hier sollen in der Vergangenheit auch Tsunamis aufgetreten sein.
20:30Ich war nun wirklich echt schon oft an der Nordsee, aber dass es hier schon Tsunamis gegeben hat, hatte ich
20:36bisher noch nicht gehört.
20:38Was weiß die Forschung bisher dazu und was, wenn jetzt hier so eine Welle ankommen würde?
20:46Ich treffe mich mit dem Mann, der sich seit seinem Studium mit diesem Phänomen auseinandersetzt.
20:51Professor Jörn Behrens.
20:53Der Mathematiker hat seinen Lehrstuhl an der Universität in Hamburg.
20:57Doch in seiner Freizeit kommt er gerne hierher, ans Wattenmeer.
21:02Was ich immer liebe, ist hier dieser Blick. Das ist einfach genial, finde ich.
21:07Also diese Weite, das ist schon genial.
21:11Befreiend? Sieht so friedlich aus.
21:14Ja, stimmt.
21:18Doch von Zeit zu Zeit wird auch das Wattenmeer von außergewöhnlichen Flutwellen heimgesucht.
21:23Sie kommen ohne Vorwarnung und ihre Strömung ist gewaltig.
21:30Das letzte größere Ereignis, von dem ich gelesen habe, ist 2013 gewesen, nachts.
21:40Da ist niemand zu Schaden gekommen, aber es gibt Augenzeugenberichte davon, wo eben eine Welle plötzlich ankam, eigentlich bei gutem
21:49Sommerwetter.
21:50Und da sind Leute halt nachts irgendwie, hatten Lust noch baden zu gehen und sind ins Wasser.
21:56Und dann sahen sie aber draußen im Meer Wetterleuchten.
22:01Und dann kamen anderthalb Meter Welle sozusagen an den Strand.
22:06Die haben sich retten können, also die haben das früh genug gemerkt.
22:10Gut, aber wenn das tagsüber passiert, kann das natürlich schon auch blöd sein.
22:16Tatsächlich handelt es sich bei diesen außergewöhnlichen Wellen auch um Tsunamis, um sogenannte Meteo-Tsunamis.
22:23Sie entstehen durch das Wetter.
22:27Steigt über dem Meer viel warme Luft auf, kann sich ein großes Tiefdruckgebiet bilden.
22:31Der Luftdruck darunter fällt stark ab, was zu einem leichten Anstieg des Meeresspiegels führt.
22:38Durch die schnelle Druckveränderung kann zusätzlich eine große Welle entstehen, die sich immer höher aufschaukelt,
22:44wenn sich das Tiefdruckgebiet mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Welle bewegt.
22:49Ein Meteo-Tsunami, der sich schließlich von der Sturmfront löst und eigenständig Richtung Strand läuft.
22:55Also wir können jetzt hier sein, weil wir sicher sind, es dauert, bis das Wasser zurückkommt.
23:01Aber das kommt ja dann unerwartet.
23:03Also wie würde das dann uns jetzt hier treffen?
23:05Einfach, das wäre auf einmal da?
23:07Ja, wir würden das sehen.
23:09Also wir würden da hinten so eine weiße Schaumkronenwand sehen, die hier reinläuft.
23:16Und dann würden wir sagen, oh, das ist aber ungewöhnlich.
23:19Und wenn wir nichts wüssten, würden wir denken, ja, mal abwarten, was passiert.
23:22Aber wenn wir wüssten, dass was passiert, dann würden wir unsere Beine unter den Arm nehmen
23:27und so schnell wie möglich auf höheres Gelände gehen.
23:32Eine unheimliche Vorstellung.
23:35Dass es dazu an der Nordsee kommt, beweist dieses Handy-Video.
23:392017 verfolgt ein Mann aus einem Hotelzimmer in den Niederlanden, wie ein Meteo-Tsunami den Strand überspült.
23:45Ein Tsunami.
23:54Ein Tsunami.
23:57Wie hoch war der ungefähr?
23:59Hier an der Küste wird er etwa einen knappen Meter hoch gewesen sein, also ein bisschen über Kniehöhe.
24:06Man sieht ja auf dem Bild auch hier, da werden die Strandkörbe alle durcheinander gewirbelt.
24:15Strandkörbe, die zig Kilo schwer sind, sehen in dieser Welle aus wie Spielzeug.
24:21Am Mittelmeer gibt es bereits ein Frühwarnsystem für Meteo-Tsunamis.
24:25Jön Behrens möchte das auch für die deutschen Küsten entwickeln.
24:30Mithilfe eines Computerprogramms kann er die Entstehung der Tsunamis in Echtzeit berechnen.
24:35Einen kleinen Teil der mathematischen Formel zeigt er mir am Strand.
24:40Also der Tsunami ist unterwegs mit einer Geschwindigkeit c und dann geht die Erdbeschleunigung ein und die Wassertiefe und das
24:50Ganze in der Wurzel.
24:54Und das heißt, wenn ich die Geschwindigkeit kenne, und das kann ich jetzt ausrechnen, 20 Meter ungefähr hat das hier
25:01das Wasser, also ein bisschen weiter draußen,
25:03G ist ungefähr 10, also 200, daraus die Wurzel, müsste irgendwie sowas bei 15 sein, sind also ungefähr 50 Stundenkilometer
25:12bummelig.
25:13Und dann weiß man auch, wie lange das dauert.
25:16Das heißt aber auch, je tiefer, desto schneller?
25:18Je tiefer, desto schneller. Im tiefen Ozean ungefähr 700 Stundenkilometer, hier im flacheren Ozean weniger.
25:25Aber selbst wenn H nur ein Meter ist, sind das 10, Wurzel aus 10, drei Meter pro Sekunde etwas mehr,
25:32das ist schon schnell.
25:33Da muss man schon schnell laufen.
25:34Wenn man das verstanden hat, kann das Leben reichen.
25:40Seit 2020 forscht der Mathematiker an einem Frühwarnsystem. Mit den Behörden des Küstenschutzes steht er bereits in Kontakt.
25:49Jörn Behrens erklärt mir, dass wir hier hinterm Deich sicher sind, denn Meteotunamis werden kaum groß genug, um ihn überspülen
25:56zu können.
25:57Am Strand aber kann es gefährlich werden.
26:05Wichtig ist halt der Schutz der Menschen, die dann außerhalb des Deiches sind und auch der Boote.
26:13Denn die sind den enormen Kräften der Flutwelle ausgesetzt.
26:17Doch wie viel Kraft hat so eine Welle?
26:20Im weltweit größten Wellenkanal in Hannover wage ich den Selbstversuch.
26:25Um herauszufinden, mit welcher Wucht Wellen ans Ufer kommen, steige ich selbst in den Kanal.
26:30300 Meter lang, gefüllt mit rund 7 Millionen Litern Wasser.
26:37Unterstützt werde ich dabei von zwei Mitarbeitern des DLRG-Teams Hannover.
26:45Bastian Walter und Dominik Oppermann.
26:51Wir haben hier drei verschiedene Neoprengrößen für Dich mitgebracht.
26:55Kannst Du Dir ja gleich mal eine aussuchen, anprobieren.
26:58Wichtig ist, dass er schön eng anliegt.
27:01Der ist nass.
27:01Ja, der ist noch ein bisschen nass von gestern.
27:05Das Material ist ja auch dafür da.
27:07Weiß Bescheid, vielen Dank.
27:09Ich zieh mich um.
27:12Das Experiment ist nur mit Schutzausrüstung möglich.
27:15Boden und Wände des Kanals sind aus Beton und entsprechend hart.
27:24Boden und Wände des Kanals sind aus Beton und Wände des Kanals sind aus Beton.
27:49Und dann nach und nach die Höhe nach oben schrauben und mal sehen, wie lange ich hier stehen bleiben kann.
27:58Um mich an die Wassertemperatur zu gewöhnen, tauche ich kurz im Kanal ein.
28:06Boah, ist das geil.
28:10Dann starten wir das Experiment.
28:15Die Wellenmaschine am anderen Ende des Kanals produziert eine einzelne Welle mit 60 Zentimetern Höhe.
28:21Klein für den Start.
28:32Wenn diese Welle so angerauft kommt, das ist schon krass.
28:35Das waren 60 Zentimeter.
28:36Ich bin gut stehen geblieben.
28:38Was ich überraschend fand, war, dass eigentlich das Zurückziehen schwieriger war.
28:46Wellen bewegen sich am Ufer nie nur in eine Richtung.
28:50Das Wasser, das aufs Land trifft, zieht sich wieder zurück ins Meer.
28:54Je höher die Welle, desto stärker der Sog.
29:05Ich fürchte, die nächste Reihe ist dann.
29:18Und tatsächlich, bei 1,40 Meter Welle ist Schluss.
29:29Ja, 1,40 Meter.
29:33Aber ich hatte keine Chance.
29:43Krass, 1,40 Meter.
29:47Klingt ganz wenig, ne?
29:51Die Kraft einer Welle hängt von ihrer Wassermasse und Geschwindigkeit ab.
29:56Je mehr Wasser und je schneller, desto mehr Energie transportiert sie.
30:00Darin liegt auch der Unterschied zwischen einer vom Wind erzeugten Welle und einem Tsunami.
30:06Tsunamis enthalten viel mehr Wasser und sind weitaus schneller als Windwellen.
30:12Im Wellenkanal können Forschende fast alle Wellen künstlich erzeugen.
30:19Das nutzen Dr. Clemens Krautwald und Prof. Nils Goseberg von der Technischen Universität Braunschweig,
30:24um zu erforschen, wie sich Tsunamis auf Gebäude auswirken.
30:32Wie seid ihr denn überhaupt auf dieses Forschungsthema gekommen?
30:35Also ich habe schon eine ganze Weile mich für Tsunamis interessiert.
30:38Und diese zwei großen Ereignisse, 2004 im Indischen Ozean und 2011 in Japan,
30:45die haben mir noch mal vor Augen geführt, was eigentlich die Natur für Kräfte entfällt.
30:51Aufnahmen des Tsunamis an der Küste Japans 2011 zeigen die zerstörerische Kraft der Flutwellen.
30:58Doch einige Häuser blieben erstaunlicherweise stehen.
31:02Sie konnten zu Fluchtpunkten für die Bevölkerung werden.
31:07Doch warum halten einige Gebäude den Wassermassen stand und andere nicht?
31:13Mithilfe von Modellen wollen die beiden Forscher das herausfinden.
31:18Wir haben im Jahr 2020 Versuche gemacht, um erstmalig zu untersuchen, wie Gebäude wirklich kaputt gehen.
31:27Was für Gebäude sind das dann?
31:28Wir haben uns dabei an dem europäischen Maßstab für Bauten orientiert.
31:33Also ein realistisches Gebäude insgesamt.
31:37Natürlich in sehr viel kleinerem Maßstab.
31:39Doch die Aufnahmen zeigen, wie der Tsunami aus dem Wellenkanal auf die Modellhäuser wirkt.
31:49Man sieht dann, dass im Prinzip zuerst das Dach entfernt wird, in diesem Schadenstyp auf jeden Fall.
31:56Und anschließend, da das Dach eine wichtige Wirkung für die Tragfähigkeit hat, das gesamte Gebäude versagt.
32:05Die Flutwelle trifft auf die vordere Wand und staut sich dort auf.
32:10Wird der Druck zu hoch, gibt zuerst das Dach und schließlich das gesamte Gebäude nach.
32:19Wie müssten die Häuser anders gebaut werden, damit das nicht passiert?
32:22Im Prinzip könnte man die Front und die Rückwand als Breakaway-Wall oder herausbrechende Wand gestalten.
32:29Dann würde der Tsunami wenigstens nur durchrauschen.
32:32Und beispielsweise, wenn man oben auf dem Dach sich evakuieren kann, könnte man dort gegebenenfalls stehen bleiben, wenn eben die
32:38Seitenwände herhalten.
32:40Die Seitenwände müssten dafür zusätzlich mit Stahlbeton verstärkt werden.
32:45Front und Rückwand der Häuser sollten dagegen früh herausbrechen, um die Wassermassen durchzulassen und den Druck auf das Haus zu
32:51minimieren.
32:54Man könnte jedes Haus Tsunami sicher machen, aber das ist wirtschaftlich nicht möglich.
33:01Also das ist einfach, kann sich keine Familie leisten, alles aus Stahlbeton zu machen, 50, 60 Zentimeter dicke Wände und
33:08Säulen einzubauen,
33:09nur damit das für den einen Tsunami, der vielleicht einmal in 100 Jahren auftritt, sicher ist.
33:14In der Tsunami-Wissenschaft sagen wir, wir machen das für die kritischen Infrastrukturen.
33:20Das sind die Klassiker Polizei, Krankenhäuser, Feuerwehr, Umspannwerke oder Transformatorenhäuschen.
33:27All diese Dinge, die man braucht, um hinterher auch aus so einer Belastung, Naturkatastrophe wieder rauszukommen.
33:34Die ersten modifizierten Modellhäuser für Tests im Wellenkanal werden gerade entwickelt.
33:39Bis 2029 haben Nils Goseberg und sein Team eine Finanzierung für das Projekt erhalten.
33:47Wichtige Forschung, denn ein großer Tsunami zählt zu den verheerendsten und teuersten Naturkatastrophen der Welt.
33:57Häuser, Straßen, Infrastruktur, die werden oft durch Tsunamiwellen komplett zerstört.
34:02Wer zahlt denn dann für den Wiederaufbau?
34:06Ich habe einen Termin mit dem Geophysiker Dr. Matthias Hackl.
34:09Er arbeitet bei der Rückversicherung Allianz Reh und berechnet mit seinem Team die Sachschäden, die bei einer Tsunami-Katastrophe entstehen
34:16können.
34:17Mal angenommen, im Mittelmeer würde es einen Tsunami geben. Wie hoch wären die Schäden da?
34:23Also es kommt wirklich sehr stark darauf an, wie groß der Tsunami ist und welche Küstengebiete er betrifft.
34:30Also wenn jetzt eine größere Stadt betroffen wäre, zum Beispiel in Süditalien, dann könnte man durchaus davon ausgehen, wenn der
34:37Tsunami stark genug ist, dass der Schaden in die Milliarden gehen würde.
34:43Wer zahlt denn dann für den Wiederaufbau?
34:45Also das Risiko ist zunächst mal mit der Person, deren Sachen kaputt gehen oder die dem Risiko ausgesetzt ist.
34:54In einigen Fällen gibt es dann noch die Möglichkeit, dass der Staat auch einspringt und Teile des Risikos übernimmt.
35:02Und Versicherung spielt natürlich auch eine Rolle.
35:04Man sieht es ja unabhängig von Tsunamis, also bei Naturkatastrophen generell.
35:08In der Regel haben die Leute, die eine Versicherung haben, können viel schneller wieder ihr Leben aufbauen und wieder in
35:15ein geregeltes Leben zurückkommen.
35:18Wogegen, wenn es keine Absicherung gibt und die Betroffenen auf den Kosten sitzen bleiben,
35:24es zum Teil auch Jahrzehnte dauern kann, bis sich die Bevölkerung wieder komplett davon erholt.
35:29So ging es vielen Menschen nach dem Tsunami 2004 in Indonesien, Sri Lanka oder Thailand.
35:35Die Flutwelle verursachte Schäden in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar.
35:40Doch ohne Versicherung waren die meisten Menschen auf Spenden und internationale Hilfe angewiesen.
35:47Anders in Japan.
35:49Mit 210 Milliarden US-Dollar war der Tsunami 2011 für das Industrieland die teuerste Naturkatastrophe.
35:56Doch viele Privatpersonen und Unternehmen hatten Versicherungen.
36:00Rund 40 Milliarden wurden für den Wiederaufbau ausgezahlt.
36:07Weltweit sind aber die wenigsten Küstenbewohner gegen eine solche Naturkatastrophe versichert.
36:12Viele können sich die Polizen schlichtweg nicht leisten.
36:16Doch auch in reichen Mittelmeerländern haben weniger als 10 Prozent einen Versicherungsschutz.
36:21Viele hoffen wohl darauf, dass es sie nie erwischt.
36:25Selbst an Orten, an denen ein Tsunami irgendwann wahrscheinlich ist.
36:30Wie auf Sizilien am Ätna.
36:34Für mich geht es rauf auf den Vulkan.
36:37Gemeinsam mit der Professorin Charlotte Kraftschek und ihrem deutsch-italienischen Forschungsteam.
36:43Hast du auch ein bisschen Sorge?
36:45Ich meine, es ist ja ein aktiver Vulkan.
36:47Es ist ein aktiver Vulkan.
36:49Im Moment ist es relativ ruhig.
36:51Es gibt immer aktive Krater, die sind bekannt.
36:54Und das wird auch überwacht.
36:55Insofern, jetzt im Moment habe ich gar keine Sorge, sondern freue mich drauf, auch an die Bereiche.
37:01Ein bisschen näher heranzurücken, wo es aktiver ist.
37:03Das hat natürlich auch einen ganz besonderen Reiz.
37:10Vulkanismus und Erdbeben prägen die Region.
37:14Die erkalteten Lavaströme seitlich der Straße machen mir die Naturgewalt des Vulkans noch einmal richtig bewusst.
37:26Wie hoch sind wir ungefähr?
37:28Ungefähr 1500 Meter.
37:30Also nicht höher, aber gut über 1000 auf jeden Fall.
37:35Insgesamt ist der Ätna über 3000 Meter hoch.
37:42Charlotte Kraftschek reist zweimal im Jahr auf den Vulkan.
37:45Die Professorin für Geophysik testet hier eine besondere Technik, die sie mir zeigen möchte.
37:56So, da sind wir.
37:58Sieht ja schon mal spektakulär aus.
38:01Schön mit den Hauben obendrauf, aber die Natur drumherum und drinnen absolute Hightech.
38:10Hightech, die versteckt ist.
38:13Mehrere Meter geht es in den Berg hinein.
38:19Oh, das ist es?
38:21Das ist es.
38:22Das ist unser Katakombenbüro sozusagen.
38:27Alles dreht sich um ein gelbes Kabel.
38:30Dieses Kabel ist draußen eingegraben.
38:32Wir sind jetzt sozusagen hier irgendwo unten drunter.
38:35Ja.
38:35Das Kabel geht hier raus, ist dann im Untergrund vergraben.
38:39Und wir klemmen uns hier in den Katakomben sozusagen an dieses Kabel an.
38:43Das heißt, ein Kabel hilft dabei, möglicherweise ein Tsunami vorherzusagen?
38:50Nicht direkt den Tsunami schon vorherzusagen.
38:53Aber was wir machen ist zu merken, was macht der Vulkan gerade?
38:57Atmet er ganz ruhig?
38:59Oder ist da irgendwas, dass er plötzlich unruhiger wird?
39:03Das zu wissen, allein das kann schon ein Hinweis sein.
39:05Und dieses Signal dann in ein generelles Observatorium und Überwachungssystem einzuspeisen, das ist unser Ziel.
39:15Kabel also, um dem Ätna zuzuhören.
39:20Zwei davon haben Schlaute Kraftcheck und ihr Team bereits verlegt.
39:24Um zu verstehen, wie genau diese Kabel hören, bereiten wir einen Test vor.
39:31Was muss ich machen?
39:33Zum Beispiel am Kabel entlanglaufen oder an einer Stelle ein bisschen springen.
39:37So, dass es halt auch wirklich Erschütterungen, Deformationen oder irgendwas gibt.
39:41Okay.
39:51Stampfen und Springen für die Wissenschaft.
39:54Die Erschütterungen, die ich erzeuge, erfasst das Kabel und leitet sie direkt in den Keller.
39:59Dort kann die italienische Wissenschaftlerin Gilda Correnti sie auf Bildern am Computer erkennen.
40:07Jede noch so kleine Bewegung am Kabel wird sichtbar.
40:12Das ist ein ganz normales Glasfaserkabel.
40:15Also all das, was eben in den Städten, das sieht man ja manchmal so auch, verbaut wird,
40:20um zum Beispiel schnelle Leitungen fürs Internet, für Telekommunikation und Ähnliches zu verlegen.
40:25Das ist genau sowas.
40:28Durch das Glasfaserkabel am Ätna wird ein Laserstrahl geschickt.
40:32Das Licht bricht sich in den kleinen Glasfasern im Kabel und erzeugt ein Bild.
40:37Bleiben Erde und Kabel ruhig, ist das Bild immer das Gleiche.
40:41Wackelt die Erde, wie bei einem Erdbeben oder Hangrutsch, verändert sich das Bild und macht eine Gefahrenlage sofort erkennbar.
40:50Diese Glasfaserkabel können wir also so wie hier für ein Experiment selber verlegen.
40:56Aber wir können auch das nutzen, was schon da ist.
40:59Und das ist natürlich besonders toll, dass wir in den Städten, wenn wir das mit den entsprechenden Firmen,
41:05die das Netz betreiben, ausgehandelt bekommen, in den Untergrund lauschen,
41:10ohne selber so wie hier zwei Jahre lang bauen zu müssen.
41:14Wir können aber auch, und das ist insbesondere hier für den Ätna wirklich noch drei Stufen spannender,
41:23wir können auch unter das Meer gehen.
41:2670 Prozent der Erde sind mit Wasser bedeckt.
41:29Die Glasfasertechnik bietet eine vergleichsweise günstige Methode,
41:33große Flächen des Meeresbodens zu überwachen und potenzielle Tsunami-Auslöser in Echtzeit zu erkennen.
41:38Deshalb forschen immer mehr Wissenschaftler weltweit an smarten Kabeln mit Lasertechnik und Sensoren.
41:49Ab 2025 werden zwischen den südeuropäischen und nordafrikanischen Ländern Glasfaserkabel verlegt.
41:57Vorrangig für schnelles Internet, doch mit smarter Kabeltechnik könnte auch ein Tsunami-Frühwarnsystem im Mittelmeer entstehen,
42:04das bereits existierende Systeme unterstützt und erweitert.
42:10Also wenn das wirklich nutzbar gemacht werden kann, dann wäre das ja ein Riesengewinn.
42:16Das ist wirklich das, warum wir da so für brennen und das auch mit Begeisterung vorantreiben,
42:21diese Technologie und das auch entwickeln.
42:23Weil wir denken, dass am Ende, neben dem, was wir über Geowissenschaften lernen,
42:29aber der Nutzen für die Menschheit auch wirklich gut und groß sein kann.
42:39Das sieht so unscheinbar aus, ne? Aber es könnte Leben retten.
42:43Sehr, sehr.
42:45Diese technische Weiterentwicklung auf dem Ätna könnte in der Tsunami-Forschung viel bewirken.
42:52Sie könnte helfen, die Wellen früher zu detektieren und damit auch die Bevölkerung an Land früher zu warnen.
43:04Zeit ist der wichtigste Faktor bei der Tsunami-Evakuierung.
43:08An den großen Ozeanen und vor allem am Mittelmeer.
43:16Denn das habe ich gelernt. Tsunamis können überall vorkommen.
43:21Auch an europäischen Küsten, sogar an der Nordsee.
43:27Noch verstehen wir nicht alle Auslöser für die zerstörerischen Riesenwellen im Detail.
43:31Aber wir wissen weitaus mehr als vor 20 Jahren.
43:36Am Ende müssen vor allem die Küstenbewohner für das Thema sensibilisiert werden.
43:45Auch hier am Mittelmeer kann es Tsunamis geben.
43:48Verhindern können wir die nicht.
43:50Deswegen ist es umso wichtiger, gut vorbereitet zu sein.
43:53Und zum Beispiel an einem Strand wie hier zu wissen, wo kann ich mich im Ernstfall in Sicherheit nehmen.
44:11Untertitelung des ZDF, 2020
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