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  • vor 6 Wochen
8. Februar 1988: Auf dem Nürnberger-Flugdienst-Flug 108 von Hannover nach Düsseldorf zerbricht ein Metroliner beim Landeanflug auf den Flughafen Düsseldorf – alle Menschen an Bord sterben. Ermittler sammeln die Trümmerteile, um die Ursache des Absturzes herauszufinden. Bei der Rekonstruktion des Unglücks wird schnell klar: Nach einem Blitzeinschlag gelangte der Stromstoß vom Rumpf der Maschine ins elektrische System, legte wichtige Instrumente lahm und ließ das Cockpit in völliger Dunkelheit zurück, so dass die Piloten die Kontrolle verloren und eine Katastrophe unausweichlich war.

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Transkript
00:04Das Flugzeug kam rasend schnell aus den Wolken.
00:08Hoch!
00:09Flug 108 des Nürnberger Flugdienstes.
00:12Während des Anflugs auf den Düsseldorfer Flughafen bricht die Maschine auseinander.
00:18Alle an Bord sterben.
00:23Wegen der Größe des Areals haben wir ein Raster über die Absturzstelle gelegt.
00:27So haben wir die Positionen aller Teile festgehalten.
00:32Um die Ursache zu klären, wird das Flugzeug rekonstruiert.
00:37Das sind tausend Teile.
00:43Es gibt Hinweise auf ein seltenes Ereignis, aber das hätte nicht sein müssen.
00:49Die Piloten konnten die Maschine nicht mehr kontrollieren.
00:52Meiner Meinung nach konnten sie in dieser Situation nichts tun.
01:15Das ist eine wahre Geschichte, basierend auf offiziellen und Augenzeugenberichten.
01:22Der Flughafen Hannover, eine Stunde vor Sonnenaufgang.
01:29Die Crew von Flug 108 des Nürnberger Flugdienstes bereitet sich auf den Start vor.
01:40Im Cockpit sitzen der 36-jährige Pilot Ralf Borsdorf
01:44und die 28-jährige Erste Offizierin Sibylle Heilmann.
01:51Beide haben bereits zweieinhalbtausend Flugstunden hinter sich.
01:54Sieht gut aus.
01:57Eine typische Crew für so einen kurzen Inlandsflug.
02:00Beide standen noch am Anfang und wollten beruflich weiterkommen.
02:05Laut Vorhersage soll es ruhiges Wetter geben.
02:08Mit einer kleinen Chance auf Unwetter in der Nähe des Ziels.
02:13Es könnte Turbulenzen geben, vielleicht ein Gewitter.
02:16Die Chance liegt bei 10%.
02:2310% Gewitterwahrscheinlichkeit.
02:26Man will das wissen, aber man denkt nicht zu viel darüber nach.
02:30Bevor Flug 108 startet, werden noch Schnee und Eis von der Maschine entfernt.
02:40Der Flug war ausgebucht. 19 Passagiere, alles Geschäftsleute.
02:46Es sind 40 Minuten von Hannover nach Düsseldorf, der wirtschaftlich wichtigen Stadt am Rhein.
02:54Wir bedienten diese Route seit 1987, sechs Monate vor Flug 108.
02:59Zwischen Ost und West waren die Bahnverbindungen schlecht.
03:03Deshalb hatten wir von Anfang an volle Flugzeuge.
03:08Der Flug startet in Hannover um 7.15 Uhr, eine Viertelstunde später als geplant.
03:23Das Flugzeug ist eine Fairchild-Sweringen Metroliner 3.
03:28Eine kräftige Turboprop für Kurzstreckenflüge.
03:33Sie ist eine perfekte kleine Maschine.
03:37Sie transportiert 19 Menschen, schnell, wirtschaftlich und komfortabel.
03:43Mich hat das Flugzeug vom ersten Moment an beeindruckt.
03:46Es war extrem gut konstruiert.
03:49Es war vielseitig und schnell mit einer guten Druckkabine.
03:53Diese Maschine hatte alles, was Piloten läden.
04:00Innerhalb von 10 Minuten erreicht Flug 108 seine Reiseflughöhe von 4.300 Metern.
04:08Sie soll für 15 Minuten beibehalten werden.
04:14Gut, Pausen gibt's nicht.
04:17Die Checkliste für die Landung.
04:21Regionalflüge dauern anderthalb Stunden oder weniger.
04:24Während man in der Luft ist, hat man gut zu tun.
04:33Der Kapitän entdeckt Wetterechos.
04:46Der sogenannte ATIS sendet ununterbrochen das Wetter am Zielflughafen.
04:54Höhen 2 bis 4, Sicht 10, Wolken mit Aufheiterungen auf 460 Meter.
05:01Das hört sich nicht nach Gewitter an.
05:03Alles gut.
05:05Gut.
05:07Weiter nach Plan.
05:09Sie glaubten, dass sich das Wetter bessern würde.
05:12Es würde sich kein Gewitter bilden.
05:15Guten Morgen, hier ist Ihr Käpt'n.
05:17Wir haben unseren Anflug auf Düsseldorf begonnen.
05:20Bitte legen Sie die Gurte an.
05:22Wir landen in 15 Minuten.
05:31Knapp 50 Kilometer vor dem Ziel.
05:36Düsseldorf, erbitten Erlaubnis, auf 900 Meter gehen zu dürfen.
05:41Kontaktiert Heilmann, den Lotsen im Flughafen Düsseldorf.
05:44Wegen der Landung.
05:46NFT 108 sinken auf 900 Meter.
05:49Es sind zwei Maschinen vor ihm.
05:54Verstanden, wir sind Nummer 3.
05:58Es hilft einem, wenn der Lotse einem sagt, wo man auf der Liste ist.
06:02Man weiß dann, wann man die Klappen ausfährt und langsamer wird.
06:06Drei Minuten später.
06:11Bodenfunksender abgefangen.
06:14Richtet sich Flug 108 zur Landebahn aus.
06:23Bodenfunksender Signal passt.
06:26Heilmann prüft das Wetter.
06:31Da ist doch ein Gewitter gleich vor uns.
06:36Nicht so gut.
06:40Vor so etwas sollte man Respekt haben.
06:42Es könnte Hagel geben oder Rücken- oder Fallwinde, die das Flugzeug überfordern.
06:49Der Kapitän beschließt, das Unwetter zu umfliegen.
06:59Das Problem war das schwere Gewitter auf dem Weg zur Landebahn in Düsseldorf.
07:03Durch sowas sollte man besser nicht durchfliegen.
07:08Im Düsseldorfer Kontrollzentrum.
07:11Bitte schalten Sie auf Towerfrequenz.
07:141,1,8,3,0.
07:16Übergibt der Lotse Flug 108 an den Tower.
07:22Bestätigen Wechsel auf Towerfrequenz.
07:251,1,8,3,0.
07:32Sekunden später verschwindet die Maschine vom Radarschirm.
07:42Elf Kilometer östlich des Düsseldorfer Flughafens
07:46hört ein Arbeiter einer Kläranlage ein herannahendes Flugzeug.
07:52Flug 108 bricht im Sinkflug durch die Wolken.
07:57150, 120, 90, hoch!
08:05Im letzten Moment steigt die Maschine wieder.
08:10Sie verlor pro Minute 1200 Meter an Höhe.
08:13Wenn man da die Nase wieder hochzieht, sind die Kräfte brutal.
08:19Das Motorengeräusch verschwindet in der Ferne.
08:23Der reine Horror für die Leute da drin.
08:26Zuerst sah aus den Fenstern alles gut aus.
08:29Und dann wieder nur Wolken.
08:34Eine Minute später kommt das Flugzeug wieder.
08:38Diesmal gerät es außer Kontrolle.
08:42Und zerbricht.
08:44Nein!
08:46Ein schrecklicher Anblick.
08:48Ich kann mir das nicht ausmalen.
08:51Kurz vor Sonnenaufgang prallt die Maschine auf eine freie Fläche am Ufer der Ruhr.
09:05Die Trümmer sind über ein weites Gebiet verstreut.
09:10Rettungskräfte machen sich auf den Weg zur Absturzstelle.
09:15Alle 19 Passagiere und die beiden Piloten sind tot.
09:19Der Metroliner ist in tausend Stücke zerbrochen.
09:25Man sieht diese Teile überall herumliegen.
09:28Man fängt an, sie einzusammeln.
09:30Man vermerkt ihre Lage und versucht, dieses Puzzle wieder zusammenzufügen.
09:42Ermittler der Deutschen Flugunfalluntersuchungsstelle beginnen, die Wrackteile zu kartografieren.
09:48Daraus erhofft man sich Erkenntnisse über die Ursache des Absturzes.
09:54Unser erster Schritt war es, die Position von jedem Teil des Wracks zu identifizieren.
10:01Weil die Trümmer soweit verstreut lagen, haben wir das Gebiet mit einem Raster überzogen.
10:06So konnten wir vermerken, wo jedes Wrackteil an der Absturzstelle zum Liegen gekommen war.
10:13Die meisten Teile sind schwer beschädigt.
10:16Auch die Flugdatenschreiber.
10:20Das waren noch keine digitalen Geräte, die drei, vierhundert Parameter aufzeichnen.
10:25Es waren noch die alten, die mit Bändern arbeiteten.
10:28Sie speicherten Höhe, Geschwindigkeit, Kurs, Beschleunigungskräfte und noch etwas mehr.
10:34Aber bei weitem nicht so viel wie die heutigen.
10:39Datenschreiber und Wrackteile werden in eine Halle transportiert.
10:42Die Analyse beginnt.
10:47Wenn die Stücke erst einmal geborgen und an einen passenden Ort gebracht worden sind,
10:51kann man sie säubern und sehen, wo die Bruchstellen sind, wo etwas kaputt gegangen ist.
11:00Die Flügel, die Motoren, der Heckbereich.
11:04Das ist abgetrennt.
11:06Zeugen haben berichtet, die Maschine sei in der Luft zerbrochen.
11:11Die Ermittler suchen Belege.
11:14Das sieht gestaucht aus, wie durch große Energieeinwirkung.
11:22Aber das ist heil.
11:25Das spricht dafür, dass das intakte Teil nicht mit dem Rest des Flugzeugs auf den Boden gestürzt ist.
11:34Und der Luft zerstört.
11:36Die Ermittler sind überzeugt, dass die Maschine schon während des Flugs zerbrochen ist.
11:43Die Frage ist, warum?
11:45Gab es schon vorher etwas, das das bewirkt haben könnte?
11:51Kannst du das mal hier rüberbringen?
11:55Kam es durch Konstruktions- oder andere Fehler zu Materialermüdung?
12:00Sind deshalb die Flügel abgebrochen?
12:07Auch wenn die Maschine recht neu war, man schließt nichts aus.
12:11Ein Fehler bei der Produktion?
12:13Hat jemand ein Loch an eine falsche Stelle gebohrt?
12:15War da etwas anderes, das einen Schaden verursacht hat, der dann größer geworden ist?
12:20Wirkt nicht wie Materialermüdung.
12:25Es bleibt nur noch eins.
12:29Überlastung.
12:31Ja.
12:35Schäden durch Überlastung können entstehen, wenn das Flugzeug zu schnell war oder wenn zu heftige Manöver geflogen wurden.
12:42Auch Turbulenzen können ein Grund sein.
12:45Und manchmal kommt alles zusammen.
12:49Mach mal aus.
12:51Was hat das Material zum Brechen gebracht?
12:55Die Ermittler sehen sich die Route des Fluges an.
13:03Nichts Ungewöhnliches.
13:07Vom Abflug bis zur geplanten Landung schien auf dem Weg alles normal zu sein.
13:14Was war da am Ende?
13:22Sieh dir das an.
13:25Vor dem Absturz hat das Flugzeug einen unberechenbaren Weg genommen.
13:31Das hat die Struktur überlastet.
13:34Stimmt.
13:36Die Piloten waren im Landeanflug.
13:39Und plötzlich fliegen sie ein paar sehr enge Manöver.
13:43Das bringt man mit den Wrackteilen zusammen und dem Ort, wo sie lagen.
13:46Und man bekommt eine bessere Vorstellung davon, was das Unglück verursacht hat.
13:54Die Ermittler befragen den Lotsen, der den Anflug koordiniert hat.
13:58Sie wollen einen Grund für die seltsame Flugroute finden.
14:03Tell me, erzählen Sie mir davon.
14:06An diesem Tag gab es ein Gewitter, zwischen 7.40 Uhr bis kurz nach 8 Uhr morgens.
14:16Hatten andere Probleme?
14:18Es wurden Vereisungen und Turbulenzen gemeldet.
14:21Aber alle sind sicher gelandet.
14:24Gut.
14:25Kein Durchstarten, keine Abbrüche?
14:28Nein.
14:29Alles klar.
14:31Aber etwas entfernt wurde eine Boeing von einem Blitz getroffen.
14:39Düsseldorf, hier Lufthansa 1354.
14:42Wir haben einen Blitzeinschlag auf 900 Meter.
14:45Zehn Kilometer entfernt.
14:47Momentan keine Probleme.
14:50Lufthansa 1354, hier Düsseldorf.
14:52Geben Sie Bescheid, wenn Sie Hilfe brauchen.
14:55Bei Gewittern macht man sich selten Sorgen wegen der Blitze.
14:58Es geht mehr um die Winde.
15:00Die können so stark sein, dass sie die Maschine auf den Boden drücken.
15:05Flugzeuge bestehen aus Aluminium, das Strom leitet.
15:08Die meisten Blitzeinschläge werden über die Außenhaut Richtung Heck abgeleitet.
15:15Ich habe es einmal erlebt, dass ein Flugzeug vom Blitz getroffen wurde.
15:19Es gab einen Lichtblitz außen am Rumpf.
15:21Man hat etwas gehört und die Maschine flog weiter.
15:27Es gab keine Schäden.
15:29Wir setzten unsere Reise fort.
15:32Wusste Flug 108 Bescheid?
15:34Ja.
15:36108, die Maschine vor Ihnen wurde vom Blitz getroffen.
15:39Zehn Kilometer entfernt.
15:42Düsseldorf verstanden.
15:43Wir passen auf.
15:44Hier 108.
15:48Für das Flugpersonal sind Gewitter nichts Besonderes und auch nicht ein möglicher Blitzeinschlag.
15:55Dieser Flug war sehr normal.
15:58Gut, schön.
16:00Vielen Dank.
16:02Wenn nicht das Wetter die Piloten dazu brachte, ihr Flugzeug zu überlasten, was dann?
16:12Können die Datenschreiber von Flug 108 Hinweise darauf liefern, warum die Maschine zerbrach?
16:21Es war wohl nicht gut.
16:23Wieso?
16:27Die Aufzeichnung von Flugdaten und Stimmen aus dem Cockpit bricht zwei Minuten vor dem Aufprall ab.
16:34In dem Moment, in dem der Kurs komisch wird.
16:39Ein Stromausfall?
16:43Daten und Stimmrekorder bekamen Strom aus zwei getrennten Quellen.
16:47Sie waren gleichzeitig ausgefallen.
16:49Was auch immer passiert war, es hat offenbar beide elektrische Systeme betroffen.
16:56Im Metroliner bilden zwei Generatoren die Stromversorgung.
17:00Falls sie ausfallen, gibt es noch zwei Batterien als Reserve.
17:07Aber ein Totalausfall heißt, dass auch die Ersatzsysteme versagt haben.
17:13Wie geht das?
17:17Aus den Erklärungen des Herstellers ging hervor, dass die Wahrscheinlichkeit eines kompletten Stromausfalls sehr gering war.
17:24Aber während der Ermittlungen wurde immer wahrscheinlicher, dass die Crew einen totalen Ausfall erlebt haben könnte.
17:34Die Ermittler machen sich klar, was das bedeuten würde.
17:39Die meisten Instrumente wären weg.
17:41Außer der Vertikalgeschwindigkeitsanzeige, dem Höhenmesser und der dritten Lageranzeige.
17:50Unsere Metroliner waren mit einem dritten künstlichen Horizont ausgestattet, der unabhängig von den anderen war.
17:56Er arbeitete mit Luft aus dem Motor.
17:59Solange der Motor lief, arbeitete auch die Anzeige.
18:02Sie war komplett unabhängig vom Strom.
18:09Die Piloten hätten diesen Reservehorizont verwenden können, um die Maschine waagerecht und gerade zu halten.
18:19Also lautete die Frage jetzt, warum hatte die Crew das Instrument nicht genutzt?
18:25Wer sagt denn, dass sie das wirklich sehen konnten?
18:30Sehr gut. Die Beleuchtung war vielleicht nicht mehr da.
18:37Ohne Anzeigen weiß man nicht, ob man oben oder unten ist. Man fliegt blind.
18:54Um zu klären, ob der Strom wirklich komplett ausgefallen war, untersuchen die Ermittler die Glühbirnen der Instrumentenbeleuchtung.
19:04Hätte die Birne beim Aufprall gebrannt, dann hätte sich der heiße, elastische Glühfaden gedehnt.
19:12Wenn nicht, wäre der Faden kalt gewesen und beim Aufschlag kaputt gegangen.
19:20Alle Fäden defekt.
19:26Das Ergebnis war, wir stellten fest, dass keine Glühbirne während des Absturzes des Flugzeugs mit Strom versorgt war.
19:35Die Ermittler haben jetzt den Beleg für einen plötzlichen totalen Stromausfall.
19:42Aber was könnte ihn verursacht haben?
19:46Der Lotse meinte, eine andere Maschine sei vom Blitz getroffen worden.
19:52Die vielleicht auch.
19:56Ein Blitzeinschlag außerhalb des Flugzeugs kann zu einem Problem mit den elektrischen Komponenten im Flugzeug führen.
20:02Wenn das elektrische Feld dieses Blitzes sehr, sehr groß ist, Kurt, dann kann es in die Maschine induziert werden.
20:12Die Ermittler suchen nach Hinweisen auf einen solchen Einschlag an der Außenhaut des Metroliners.
20:20Das sind tausend Stücke.
20:24Eine mühsame Arbeit. Die Spur könnte überall sein.
20:29Marken von Blitzeinschlägen sehen aus wie ein Kreis.
20:33Man sieht verbrannten Lack und manchmal erkennt man auch geschmolzenes Metall.
20:49Was ist?
20:51Ich hab's.
20:55Wenn man das Stück Metall mit der Spur gefunden hat, fragt man sich, wo gehört das ans Flugzeug?
21:01Was ist da in der Nähe? Ist da Elektronik? Hydraulik? Wo ist dieser Blitz eingeschlagen?
21:08Um zu klären, wo das Stück mit der Spur hingehört, müssen Teile der Maschine rekonstruiert werden.
21:17Nein.
21:19Zur Zeit dieses Unfalls waren Rekonstruktionen ziemlich üblich.
21:23Man hatte damals nicht so viele Daten wie heute. Es ergab also Sinn.
21:37Ich glaub hier.
21:39Das Teil passt an die linke Seite des Rumpfs, in den Bereich vor der Tragfläche.
21:44Dort ist der Blitz eingeschlagen.
21:47Ja.
21:48Aber könnte ein Blitzeinschlag für einen totalen Ausfall der Elektrik sorgen?
21:56Direkt hinter der Einschlagstelle sind Leitungen.
21:59Das kann kein Zufall sein.
22:03War es möglich, dass der Blitz in die Leitungen im Inneren gekrochen war und so den Stromausfall verursacht hatte?
22:10Das musste jetzt im Zentrum der Untersuchung stehen.
22:21Die Ermittler untersuchen das, was von der Verkabelung noch übrig ist.
22:26Sie suchen Anzeichen dafür, dass der Blitz auf die Elektrik des Flugzeugs übergesprungen ist.
22:35Man guckt, ob die Isolierung auf der Außenseite weggebrannt ist.
22:38Und ob es Stellen gibt, an denen die inneren Leitungen geschmolzen sind.
22:43Nach Belegen dafür, dass elektrische Energie durch die Isolierung in die Leiter vorgedrungen ist und die Kabel hat schmelzen lassen.
22:54Komisch.
22:55Das ist eine Anzeichen.
23:00Wir haben die Leitungen und die elektronischen Komponenten aus dem Wrack, die wir hatten, auf Anzeichen für Überlastung geprüft.
23:16Hast du Schäden entdeckt?
23:18Noch nicht.
23:20Es ist gut möglich, dass man da, wo der Blitz eingedrungen ist, gar keine direkten Spuren entdeckt.
23:25Der Strom fließt durchs Flugzeug.
23:28Deshalb können selbst Leitungen nahe beim Einschlag unbeschädigt wirken.
23:32Aber diese Riesenmenge Energie war im Flugzeug.
23:35Die Frage ist, wo ist sie hin?
23:40Vielleicht ist hier drin was.
23:44An den Kabeln haben wir keine Belege dafür gefunden, dass der Blitz einschlag dort Schäden hinterlassen hatte.
23:50Also mussten wir mit unserer Untersuchung mehr in die Tiefe gehen.
23:55Wir mussten nach Hinweisen in den technischen Komponenten des Flugzeugs suchen.
24:04Dabei konzentriert sich das Team auf kleine elektrische Teile.
24:08Die Dioden.
24:10Mal sehen.
24:16Eine Diode ist ein Bauteil, das den Strom in eine Richtung fließen lässt und in die andere den Durchfluss sperrt.
24:23So verhindert sie Schäden und Fehlfunktionen.
24:29Wenn eine Diode korrekt arbeitet, müsste sich in die eine Richtung ein hoher Widerstand messen lassen, in die andere nicht.
24:4250 Ohm. Fast nichts.
24:45Andersrum.
24:53Auch 50.
24:56Doch die Ermittler finden heraus, dass der Strom fast ungehindert in beide Richtungen fließen kann.
25:03Kurzschluss.
25:09Das Ergebnis unserer Untersuchung war, dass alle Dioden in beide Richtungen leitfähig waren.
25:15Das heißt, die Dioden waren kurzgeschlossen.
25:18Die Frage war jetzt, warum?
25:23Wir beschlossen, sie einem Hersteller solcher Teile zu schicken und ihn um eine genauere Prüfung zu bitten.
25:32Das Ergebnis.
25:33Die Testergebnisse des Herstellers sollen verraten, warum die Dioden kurzgeschlossen sind.
25:43Interessant.
25:45Sieht nach Rissen innen drin aus.
25:51Wenn man weiß, dass eine Diode ausgefallen ist, kann man an einer Funktionierenden ausprobieren, wie viel Energie es braucht, um
25:58die zu grillen.
26:02Spannung wird angelegt.
26:04So will man sehen, ob die Risse in der Diode von einem Blitzeinschlag verursacht sind.
26:13Bei mehr als 1000 Volt Spannung zeigt das Teil die gleichen Schäden.
26:18Die Spannung eines Blitzes kann bei 100 Millionen Volt liegen.
26:22Mehr als genug, um die Diode zu zerstören.
26:25Es war ein Blitz.
26:29Die Schäden an den Dioden konnten nur von einer hohen Spannung verursacht worden sein.
26:36War es denkbar, dass solch eine Spannung im Flugzeug selbst entstanden war?
26:42Die Antwort war nein.
26:44Sie konnte nur von dem Blitz erzeugt worden sein.
26:50Der Blitz traf das Flugzeug.
26:52Die Energie floss durchs System.
26:54Sie grillte die Dioden, sie ließ sie reißen, sie sorgte dafür, dass sie versagten.
26:59Und dadurch fiel die Elektrik aus.
27:06Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blitz die komplette Elektrik ausschaltet, ist fast gleich null.
27:12Aber es ist passiert.
27:16Aber warum sind die Piloten überhaupt in das Unwetter hineingeflogen?
27:24Die erste Regel lautet, wenn man ein Gewitter erkennt, egal wie groß, dann weicht man aus.
27:30Man fliegt drumrum, man wartet, man tut das, was möglich ist.
27:34Man fliegt nicht in ein Gewitter.
27:44Die Ermittler sehen sich das Handbuch für die Crews des Nürnberger Flugdienstes an.
27:49Sie wollen wissen, warum die Piloten so gehandelt haben.
27:54Ich verstehe es nicht.
27:56Da steht, Flüge in Gewitternähe vermeiden.
28:00Warum wurde das Unwetter nicht umflogen?
28:05Sie hatten mehrere Möglichkeiten in dieser Situation.
28:09Eine war es, sich zu fragen, was ihnen im Gewitter passieren konnte, worauf sie sich vorbereiten und was sie tun
28:15mussten, wenn sie hindurchflogen.
28:17Eine andere war, auf einen anderen Flughafen auszuweichen.
28:23Hören wir uns an, was sie gesagt haben.
28:35Mitten im Flug bemerken die Piloten, dass sie in eine Schlechtwetterfront fliegen.
28:40Vielleicht.
28:42Das sieht nicht so schlimm aus.
28:47Okay, ich höre nach.
28:49Die beiden hören den Wetterbericht.
28:51Düsseldorf Airport, Information auf 070.
28:55Es wird kein Unwetter angesagt.
28:58Danach glaubten sie, dass das Wetter besser wird.
29:03Wolkig mit Aufheiterungen.
29:06Sieht nicht nach Gewitter aus, alles gut.
29:08Der Kapitän trifft aufgrund dieser Informationen seine Entscheidung.
29:14Gut.
29:16Weiter nach Plan.
29:19Sie hoffen auf das Beste und bereiten sich nicht vor.
29:24Als Pilot plant man mit dem anderen immer für den schlechtesten Fall.
29:28Man weiß nicht, ob so ein Gewitter kommt.
29:30Aber wenn doch, dann ist es zu spät zum Reden.
29:32Es ist zu late, you don't have time to brief it.
29:38Flug 108.
29:39Elf Minuten später wird die Situation kritischer.
29:43Die Maschine vor Ihnen wurde vom Blitz getroffen.
29:48Wenn ich von so einem Blitzschlag hören würde, würde ich den Landeanflug abbrechen, umdrehen und erstmal überlegen, was ich mache.
29:55Wenn ein Unwetter in die Anflugroute zieht, dann muss man das ernst nehmen.
30:01Nicht so Flug 108.
30:04Verstanden?
30:05Wir passen auf.
30:06NFD 108.
30:13Hast du von Walter gehört?
30:15Ja.
30:16Ja.
30:16Kein Wunder.
30:18Moment.
30:20Sie sollten über Ausweichen oder Abbruch reden.
30:23Nichts Privates.
30:25Sie hätten sich einen Plan überlegen müssen.
30:27Aber beide dachten, der andere macht sich keine Sorgen, also mache ich mir auch keine.
30:33Auf der Aufzeichnung hört man, was während der Vorbereitung auf die Landung gesprochen wird.
30:38Wir sind schon zu nah am Ziel.
31:11Klingt, als wenn er doch ausweichen will.
31:13Aber die erste Offizierin will nicht.
31:17Es ist nicht gut, so spät noch etwas zu ändern.
31:20Man sollte dann durchstarten.
31:28Okay, gut.
31:30Verstanden.
31:34Wieder.
31:35Sie reden nicht drüber.
31:37Es gab Spannungen im Cockpit.
31:40Kapitän und erste Offizierin hatten irgendein Problem miteinander.
31:44Wir wissen nicht genau, was los war.
31:47Aber es ist klar, dass es für die Zusammenarbeit der beiden und für die Suche nach dem besten Ausweg nicht
31:53förderlich war.
31:57Jetzt steuert der Kapitän das Flugzeug direkt ins Unwetter.
32:04Es geht los.
32:13Sie wussten nicht, was der andere tut.
32:16Sie hatten sich und ihr Flugzeug nicht auf ein Gewitter vorbereitet.
32:19Sie haben einfach weitergemacht.
32:28Warum waren sie sich nicht einig?
32:37Wir alle fanden, dass die Kommunikation zwischen den beiden Piloten nicht so war, wie sie hätte sein sollen.
32:49Die Ermittler gehen die Personalakten der Piloten durch, um die Hintergründe zu ermitteln.
32:57Der Kapitän hatte 2.473 Flugstunden, aber davon nur 277 Stunden in der Metro 3.
33:08Das ist nicht besonders viel.
33:11Nein.
33:12Die erste Offizierin hatte insgesamt ähnlich viele Flugstunden, aber davon mehr als 1300 auf dem Typ.
33:26Die erste Offizierin hatte auf dem Metro Liner deutlich mehr Erfahrung als der Kapitän.
33:35Bei so einem Ungleichgewicht hat die erste Offizierin das Gefühl, dass sie der Kapitän sein könnte und die Route, das
33:42Flugzeug und die Airline besser kennt.
33:48Sie hat seinem Können wohl nicht vertraut.
33:51Nicht gut im Cockpit.
33:55Die erste Offizierin war erfahrener als der Kapitän.
33:59Sorgte das für Probleme?
34:06Der Sinkflug begann hier.
34:10Die Ermittler sehen sich an, welche Flugmanöver die Piloten genau ausführten.
34:16Dann, kurz vor dem Stromausfall, fliegen sie wieder hoch.
34:20Warum?
34:23Hören wir mal.
34:35Gleitwinkel passt.
34:38Quarterflappen.
34:42Ausgefahren.
34:45Drei Minuten vor dem Ziel macht der Kapitän die Maschine landefertig.
34:50And half and half.
34:55Half flaps, please.
34:57Während des Anflugs lässt er sehr früh die Klappen ausfahren.
35:01Die Maschine steigt wieder, statt zu sinken.
35:06Der Kapitän kommandierte, klappen halb ausfahren.
35:11Die Maschine stieg daraufhin auf.
35:13Sie gewann gut 100 Meter an Höhe.
35:16Ob das gut war?
35:18Der Kapitän trimmt die Nase nach unten, um wieder in den Sinkflug zu kommen.
35:24Als Reaktion verändert er die Trimmung deutlich.
35:28Er justiert nicht nur minimal, sondern drückt die Nase ziemlich weit runter.
35:35Und er steigert diesen Effekt sogar noch.
35:42Immer noch zu hoch.
35:51Singflug.
35:54So viel Trimmung.
35:56Die Maschine ist stark nach vorne gemeint, als der Blitz sie trifft.
36:11Und er kann jetzt nicht mehr korrigieren.
36:16Der Blitzschlag sorgt für einen Stromausfall.
36:19Die Bedienkräfte sind jetzt viel höher, als er es gewohnt ist.
36:24Und die Instrumentenbeleuchtung fällt aus.
36:27Man kann die Anzeigen nicht mehr ablesen.
36:32Im Handbuch für den Metro Liner steht nicht, was man tun soll, wenn alle Batterien ausfallen.
36:37Dann kann man nur noch seine Erfahrungen nutzen.
36:41Die Person, die nicht fliegt, hätte zum Beispiel eine Taschenlampe nehmen können, um damit die Instrumente zu beleuchten.
36:48Doch es wurden keine Taschenlampen gefunden.
36:51Wir wissen nicht, ob welche im Flugzeug waren.
36:54Durch den Stromausfall können die Piloten nichts mehr sehen und auch nicht mehr kommunizieren.
36:59Sie hörten sich nicht.
37:08Die Sprechanlage funktionierte nicht mehr.
37:10Da war es ziemlich laut.
37:12Man hörte nicht, was der andere sagt.
37:15Sie konnten weder die Instrumente sehen noch miteinander kommunizieren.
37:19War es so überhaupt möglich, das Flugzeug noch zu steuern?
37:23Quer- und Seitenruder sind nicht elektrisch.
37:27Die Triebwerke liefen.
37:30Die Rundebahn war elf Kilometer entfernt.
37:34Eigentlich hätte es noch möglich sein müssen, das Flugzeug zu landen.
37:38Sie hatten noch Quer- und Seitenruder.
37:40Es war schwierig, aber technisch möglich.
37:44Aber ohne Instrumente hatten sie keine Ahnung, wo sie waren.
37:53Sekunden später rast die Maschine dem Boden entgegen.
38:00Die Piloten hatten keine Chance, die Maschine vernünftig zu steuern.
38:05Der künstliche Horizont war nicht beleuchtet und den Boden konnten sie wegen der Dunkelheit auch nicht sehen.
38:11Ich glaube, unter diesen Umständen ist es fast unmöglich, ein Flugzeug unter Kontrolle zu halten.
38:19Den Ermittlern ist nun klar, wie ein Blitzschlag zum Absturz führen konnte.
38:35Die Crew arbeitet nicht optimal zusammen.
38:38Wir sind zu weit links, du musst nach rechts.
38:40Ich will drum rumfliegen.
38:42Wir sind schon zu nahem Ziel.
38:47Verstanden.
38:47In einem Team hilft man sich, man gibt sich Ratschläge.
38:52Aber die erste Offizierin hat nur gesagt, was sie sagen musste.
38:56Das war keine große Hilfe.
39:00Halbe Klappe.
39:05Die Maschine fliegt mit schwerer Nase in das Gewitter.
39:14Ein Blitzschlag
39:15Der Strom ist aus.
39:19Lässt die Elektrik ausfallen.
39:21Wir haben alles aus.
39:23Die orientierungslose Crew
39:24Wo sind wir?
39:27Weiß ich nicht.
39:28Verliert die Kontrolle.
39:32150
39:33120
39:3690
39:42Nach dem Blitzschlag kamen von überall her Windböwen.
39:45Es wurde sehr schnell heftig.
39:48Die Turbulenzen und die Aktionen des Piloten im Blindflug
39:52lassen die Maschine Kurven fliegen und in Schräglage geraten.
40:00Kippen wir?
40:01Ich weiß nicht.
40:02Wie schnell sind wir?
40:03Egal, zieh hoch.
40:04Man kann seinen Sinnen nicht trauen.
40:06Man weiß nicht, ob man schräg liegt.
40:08Man weiß nicht, ob man steigt oder sinkt.
40:11Man kann sich auf sein Gefühl verlassen.
40:13Aber dann wird man falsch liegen.
40:18Diese Flugmanöver haben die Maschine so überlastet,
40:23dass sie zerbrach.
40:25Ja.
40:39Kräfte haben die Triebwerke von den Tragflächen abgerissen.
40:42Sie haben die Flügel wie Zahnstocher zerbrochen.
40:45Die stabilsten Teile.
40:46Das war viel zu viel für die Konstruktion.
41:06Die deutschen Ermittler kommen zu einem eindeutigen Ergebnis,
41:09was die Ursache angeht.
41:11Die Piloten sind in ein Gewitter hineingeflogen,
41:14obwohl sie das hätten vermeiden können.
41:18Die Crew hätte niemals in diese Situation geraten dürfen.
41:23Es gab jede Menge Vorwarnungen.
41:25Man darf auf keinen Fall zulassen,
41:27dass der andere fahrlässig einen Absturz in Kauf nimmt.
41:34Die Flugunfalluntersuchungsstelle betont ein weiteres Mal,
41:36dass es Handbücher und Schulungen
41:38für den Umgang mit solchen Unwettern geben muss.
41:43Die Besatzungen von heute sind anders.
41:46Sie arbeiten im Team.
41:48Und sie sind gut ausgebildet,
41:50was den Umgang mit den Ressourcen angeht.
41:52System und Flugzeuge sind besser geworden.
41:56Der Nürnberger Flugdienst
41:58entfernt bald nach dem Unglück
41:59die restlichen Metroliner aus der Flotte.
42:04Ich war bei einem der letzten Flüge dabei.
42:06Ich hatte Tränen in den Augen.
42:08Für mich lag es nicht am Flugzeug.
42:10Dieses Wort.

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