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  • vor 16 Stunden
Auf einem kurzen Regionalflug in Neuseeland stehen die Piloten von Eagle-Airways-Flug 2300 plötzlich vor einem ernsten Problem: Das Fahrwerk ihres Turboprop-Flugzeugs lässt sich nicht ausfahren. Während sie über dem Flughafen kreisen und versuchen, den Defekt zu beheben, wird der Treibstoff knapp. Schließlich bleibt keine Wahl: Die Crew entscheidet sich für eine Landung ohne Fahrwerk. Vor den Augen der Einsatzkräfte setzt das Flugzeug kontrolliert auf, rutscht über die Startbahn und kommt ohne Verletzte zum Stillstand. Die Erleichterung ist groß, doch die Untersuchung zeigt, wie nah die Katastrophe war.

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Transkript
00:06Die Piloten eines Eagle Air-Flugs können die Räder nicht absenken.
00:12Nicht gut.
00:14Wenn man sieht, dass ein Pilot ins Handbuch schaut, dann stimmt irgendwas nicht.
00:20Wir müssen ohne runter.
00:21Und der Treibstoff wird knapp.
00:24Die einzige Chance ist eine Bauchlandung.
00:27Es ging nicht anders.
00:29Eine Landung ohne Fahrwerk ist eine große Herausforderung für jeden Pilot.
00:35Ich hatte Angst.
00:39Bei der Suche nach der Ursache stoßen die Ermittler auf einen Serienfehler.
00:45Was soll das heißt?
00:46Zwölf Fälle plus die zwei Bekannten.
00:49Ein Fehler im System. Nicht nur bei Air New Zealand, sondern weltweit.
01:10Das ist eine wahre Geschichte, basierend auf offiziellen und Augenzeugenberichten.
01:15Früher Morgen am Flughafen Timaru auf der Südinsel vor Neuseeland.
01:20Die Piloten von Eagle Airways Flug 2300 führen die Checks vor dem Flug durch.
01:31Morgen. Geht's gut?
01:3215 Passagiere besteigen die Maschine, die um 7.10 Uhr starten soll.
01:39Unter ihnen ist der 50-jährige Geschäftsmann Lyle Richards.
01:44Ich bin die Strecke regelmäßig geflogen.
01:48Das letzte Mal in der Woche davor.
01:51Eagle Airways fliegt regional.
01:54Sie ist eine Tochter von Air New Zealand.
01:59Eagle Air sollte vor allem die Menschen im ländlichen Neuseeland mit den Zentren des Landes verbinden.
02:08Der 42-jährige Kapitän Miles Goumet fliegt die Maschine.
02:13Er ist seit knapp zwölf Jahren bei Eagle Air.
02:18Die Tür ist zu.
02:22Sein erster Offizier überwacht den Flug.
02:26Er ist im Jahr zuvor zu der Airline gekommen.
02:31Bei mir.
02:35Kann losgehen.
02:36Na dann.
02:40Eagle 300 rollt zum Start nach Wellington.
02:44Um 10 nach 7 macht sich die Maschine auf den Weg zur Startbahn.
02:50Für uns war das ein routinemäßiger Passagierflug.
02:54Ich habe ihn wohl 700 oder 800 Mal gemacht.
03:00Anzeige funktioniert 80 Knoten.
03:02Die Piloten fliegen eine Beechcraft 1900D.
03:07Eine zweimotorige Tiefdecker Turboprop.
03:10Sie kann 19 Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder transportieren.
03:15Die Beechcraft war ein angenehmes, stabiles Flugzeug.
03:19Sie war ein gutes Arbeitspferd.
03:39Der Flug dauert eine Stunde.
03:41Von Timaru nach Wellington auf der Nordinsel.
03:48Die Maschine erreicht ihre endgültige Höhe von 6400 Metern.
03:53Die Passagiere machen es sich bequem.
03:57Ich war geschäftlich unterwegs.
04:00Ich arbeitete für eine Grillfabrik und wir eröffneten eine neue Niederlassung nördlich von Wellington.
04:13Kannst du mir den Bericht für Wellington besorgen?
04:18Die Piloten prüfen das Wetter am Ziel.
04:22Wind aus 210 mit 19 Kilometern pro Stunde.
04:28Sicht 20 Kilometer in Regenschauern 10.
04:31Wir haben uns die Wetteransage vom Zielflughafen angehört.
04:36Wir wollten vor dem Anflug die aktuellen Bedingungen an der Landebahn kennen.
04:41So konnten wir unsere Ankunft planen.
04:45Wenig Wind für die Stadt.
04:47Aber nass und tiefe Wolken.
04:50Ja.
04:51Und Woodburn?
04:54Woodburn.
04:55Wind aus 260 mit 15 Kilometern pro Stunde.
04:59Sicht 50 Kilometer.
05:01Klarer Himmel.
05:03Sieht gut aus.
05:05Keine Wolke am Himmel.
05:07Werden wir einen tollen Tag haben.
05:14Wir haben unseren Anflug begonnen.
05:16Bitte vergewissern Sie sich, dass Ihre Gurte geschlossen und Ihre Tische nach oben geklappt sind.
05:21Verstauen Sie alle Gegenstände unter dem Sitz vor Ihnen.
05:28Ich hatte gute Laune.
05:30In ein paar Tagen würden wir die neue Niederlassung eröffnen.
05:33Ich hab mich drauf gefreut.
05:37Um 8.12 Uhr beginnen die Piloten mit dem Anflug auf Wellington.
05:43Leeren und Landebahn 1.6.
05:46Propeller 15.50.
05:48Eingestellt.
05:50Klappen 17.
05:52Klappen 17.
05:55Streitweg erreicht.
05:57Fahrwerk runter.
05:59315 Kilometer pro Stunde.
06:01Fahrwerk runter.
06:05Alles läuft wie gewohnt.
06:07Doch das ändert sich schnell.
06:12Nicht gut.
06:15Gar nicht gut.
06:18Das Fahrwerk lässt sich nicht ausfahren.
06:22Wir berechnen ab.
06:24Das hatte ich noch nicht erlebt.
06:26Wir konnten den Anflug auf überlenken nicht fortsetzen.
06:31Tower, hier Eagle 3.0.
06:33Was gibt's, Eagle 3.0?
06:37Wellington, Landungsabbruch.
06:38900 Meter Höhe.
06:40Ein Problem mit dem Fahrwerk.
06:45Eagle 3.0.
06:46Freigabe für 900 Meter.
06:48Fliegen Sie Kurs 270.
06:50270, bestätigt.
06:53Wir mussten raus aus dem Verkehr und dann nachdenken.
06:59Klappier's nochmal von vorn.
07:03Die Piloten suchen nach dem Problem.
07:08Nichts.
07:11Klappen wieder rein.
07:14Wir haben nochmal versucht, das Fahrwerk auszufahren.
07:18Erfolglos.
07:20Also sind wir raus aus dem Landemodus, haben die Klappen eingefahren und genauer nachgesehen.
07:26Eagle 3.0.
07:28Steigen Sie auf 1800 Meter.
07:30Kurs 270 über die Cookstraße.
07:32Da ist Platz.
07:37In der Kabine ahnen die Passagiere inzwischen, dass etwas nicht stimmt.
07:43Wir waren ja schon im Landeanflug.
07:45Aber dann gingen die Triebwerke plötzlich auf volle Leistung und wir flogen wieder hoch in den Himmel.
07:54Flug 2300 steigt höher.
07:57Flug 2300 steigt höher.
07:57Dort ist weniger verkehrt.
08:01Fahrwerk.
08:02Noch mal.
08:07Fahrwerk.
08:08Weiter.
08:11Nichts.
08:12Gut.
08:13Checken wir die Elektrik.
08:19Wir dachten, vielleicht ist was mit der Stromversorgung.
08:25Gut. Sicherungsrelais-Fahrwerk.
08:32Alles in Ordnung.
08:35Die Elektrik sieht gut aus.
08:39Auf normale Art konnten wir das Fahrwerk nicht rauskriegen.
08:43Es gibt noch eine Option.
08:45Wir fahren es manuell aus.
08:50Rechts vom Kapitän gibt es einen Hebel.
08:53Den zieht man raus und dann pumpt man, damit das System Druck bekommt.
08:57Dann sollte das Fahrwerk rauskommen.
09:01Wir sollten weg von Wellington.
09:04Hier gibt es viel Verkehr und Regen.
09:06Die Bedingungen sind zu schlecht.
09:09Bevor sie weitere Versuche machen,
09:11denken die Piloten darüber nach,
09:13auf einen anderen Flughafen auszuweichen.
09:17In Woodburn ist der Himmel klar und wir können auf Sicht fliegen.
09:21Stimmt.
09:21Also fliegen wir nach Woodburn?
09:24Ja.
09:27Woodburn, wir haben ein Problem und bitten darum, zu euch ausweichen zu dürfen.
09:31Wir müssen das Fahrwerk von Hand ausfahren.
09:34Erbitten Alarmbereitschaft.
09:38Ich sag's durch.
09:41Meine Damen und Herren, hier ist der Kapitän.
09:43Wir haben ein Problem mit dem Unterbau des Flugzeugs.
09:46Wir weichen nach Woodburn aus.
09:48Dort wollen wir das Fahrwerk manuell absenken.
09:51Wir halten sie auf dem Laufenden, aber wir erwarten keine Probleme.
09:58Man denkt sich, na gut, am Fahrwerk ist irgendwas kaputt.
10:01Und dann mal sehen, wie schlimm das wohl wird.
10:06Die Maschine fliegt dem besseren Wetter entgegen.
10:12Gut.
10:14Versuchen wir es manuell.
10:15Du fliegst.
10:18Ich fliege.
10:22Der Kapitän sieht nach, was er jetzt tun muss.
10:27Ich hab mich in den Gang gelehnt und ins Cockpit geschaut.
10:30Ich sah, dass der Pilot in so einer Art Handbuch las.
10:37Wenn man sieht, dass ein Pilot im Handbuch nachliest,
10:40dann ist das überhaupt nicht gut.
10:46Fahrwerkskontrollhebel unten.
10:49Verlängerungshebel ausziehen.
10:52Und pumpen.
10:54Griff nach oben und unten bewegen, bis drei grüne Anzeigen leuchten.
11:06Nichts.
11:11Dieses Reservesystem für das Fahrwerk,
11:13das soll bei der Beechcraft auf jeden Fall funktionieren.
11:18Das tat es nicht.
11:20Das war nicht gut.
11:26Weder automatisch noch manuell
11:28lassen sich die Räder von Eagle Air Flug 2300 ausfahren.
11:35Die Passagiere wundern sich.
11:38Ich gehe.
11:41Die Sprechanlage in der Maschine war nicht die beste.
11:44Es war leichter, den ersten Offizier loszuschicken,
11:47um mit den Fluggästen zu reden.
11:50Sie sollten wissen, was wir taten und was los war.
11:56Meine Damen und Herren,
11:57wir haben immer noch ein kleines Problem mit dem Fahrwerk.
12:00Es ist nichts Schlimmes,
12:01aber wir drehen noch ein paar Runden,
12:03während wir daran arbeiten.
12:04Wir halten Sie auf dem Laufenden.
12:07Danke.
12:09Als ich das hörte,
12:10dachte ich, wir könnten in echten Schwierigkeiten sein.
12:13Ich dachte an meine Frau und meine Kinder
12:15und an all die verschiedenen Dinge,
12:18die jetzt möglicherweise passieren könnten.
12:24Die Piloten versuchen weiter,
12:26das Fahrwerk auszufahren.
12:28Aber sie haben nicht unbegrenzt Zeit.
12:31Der Treibstoff reicht nur noch für gut eine Stunde.
12:35Wir sagen Bescheid.
12:40Blenheim, hier Eagle 3-0-0.
12:42Eagle 3-0-0, sprechen Sie.
12:45Wir haben ein Problem mit dem Fahrwerk.
12:49Wir haben mehrfach versucht, es auszufahren,
12:51auf die normale Art und auch manuell.
12:54Es passiert nichts.
12:56Eagle 3-0-0, wir holen einen Techniker.
13:01Das Wetter war gut, der Himmel war klar.
13:05Wir konnten eine Rechtskurve fliegen
13:06und währenddessen gemeinsam mit den Technikern
13:09unten in Woodburn den Fehler suchen.
13:13Nachdem sie 15 Minuten im Kreis geflogen sind,
13:16kommt ein Update aus dem Kontrollzentrum.
13:20Eagle 3-0-0, versuchen Sie, den Motor stromlos zu machen.
13:24Das ist ein Landgear-Motor.
13:34Wir haben nichts.
13:36Warum geht das nicht?
13:41Wir hatten keinen erklärbaren Grund dafür,
13:44warum die Räder nicht ausfahren sollten.
13:46Sie blieben einfach drin.
13:50Wir müssen weitersuchen.
13:52Schalten Sie den Strom ab.
13:56Alles.
13:58Falls das Fahrwerk bei abgeschaltetem Bordstrom herauskommt,
14:02ist die Ursache ein Elektrikproblem.
14:10Aber wieder nichts.
14:13Die Räder müssten ausgefahren sein.
14:15Nein.
14:17Nichts.
14:20Uns gingen so langsam die Optionen aus.
14:25Nur noch 45 Minuten.
14:28Wir müssen ohne landen.
14:32Sehe ich auch so.
14:34Der Crew steht eine der denkbar schwierigsten Landungen bevor.
14:39Eine Landung ohne Fahrwerk ist nichts Alltägliches.
14:42Ihr Problem ließ sich in der Luft nicht lösen.
14:46Wir brauchen die Feuerwehr.
14:50Die Piloten informieren die Lotsin in Woodburn.
14:54Woodburn, hier Eagle 3-0-0.
14:56Wir können das Fahrwerk weiter nicht ausfahren.
14:59Das ist ein Notfall.
15:02Verstanden.
15:03Eagle 3-0-0.
15:04Notfallmaßnahmen wurden eingeleitet.
15:10Meine Damen und Herren, leider lässt sich das Fahrwerk nicht absenken.
15:15Wir müssen mit eingefahrenen Rädern landen.
15:19Natürlich stieg die Anspannung.
15:21Jeder hat große Angst vor einer Bruchlandung.
15:25Die Landung wird hart sein und es wird ein bisschen laut werden.
15:29Kontrollieren Sie Ihre Gurte und nehmen Sie die vorgebeugte Haltung ein, wenn ich es sage.
15:36Sehen Sie sich bitte das Informationsblatt an.
15:39Jeder nahm sich das Informationsblatt, das sonst niemand beachtet.
15:43Plötzlich wurde es wichtig.
15:45Alle griffen danach.
15:47Und jeder hat es sich durchgelesen.
15:51Ma'am, könnten Sie sich umsetzen?
15:54Danke.
15:54Der Erste Offizier platziert eine schwangere Frau weg vom Notausgang.
16:00Sir, können Sie nach der Landung die Tür öffnen?
16:04Ja, mache ich.
16:06Gut, danke.
16:16Wenn das Flugzeug zum Stehen gekommen ist, ziehen Sie den roten Griff zu sich und drücken die Tür heraus.
16:22Dann schnell raus mit ihnen und so weit weg wie möglich.
16:26Der Adrenalinspiegel begann jetzt echt zu steigen.
16:31Bitte folgen Sie alle diesem Herren aus dem Flugzeug.
16:34Verstanden?
16:35Klar.
16:36Danke an alle.
16:42Ich hatte Angst um mein Leben.
16:44Wenn man bedenkt, was alles hätte passieren können.
16:50Gut.
16:51Gehen wir die Bauchlandung durch.
16:59Briefing für das Verhalten bei Notlandungen.
17:04Landen Sie auf der längsten verfügbaren Bahn.
17:08Bei einer Landung ohne Fahrwerk ist das Timing entscheidend.
17:16Wir mussten Treibstoff verbrauchen, aber nicht so viel, dass unsere Triebwerke versagen.
17:23Nach 45 Minuten Kreisen müssen Sie zur Landung ansetzen.
17:29Das gilt.
17:32Woodburn hier Eagle 300.
17:35Wir müssen eine Landung ohne Fahrwerk durchführen.
17:39Verstanden, landen Sie auf Bahn 24.
17:44Die Crew bereitet sich auf die Bauchlandung vor.
17:49Wir schalten alles Unnötige ab.
17:54Fluginstrumente aus.
17:59Sicherung Fahrwerk.
18:00Raus.
18:02Alle nicht notwendigen elektrischen Systeme werden abgeschaltet, um Kurzschlüsse und Feuer zu vermeiden.
18:09Auch die Sicherung des Fahrwerks wird ausgeschaltet, damit die Räder nicht während der Landung ungeplant ausfahren.
18:18In der Kabine steigt die Spannung.
18:22Es würde das passieren, was angekündigt war.
18:25Und es würde jetzt passieren.
18:27Ja, es wurde ernst.
18:31Hier, Eagle 300.
18:33Können wir landen?
18:35Freigabe erteilt.
18:36Rettungskräfte sind bereit.
18:39Was übersehen?
18:44Nein.
18:45Gut.
18:47Dann mal los.
18:51In 150 Metern Höhe richten die Piloten die Maschine auf die Landebahn aus.
18:57Wir werden beim Aufsetzen nur ein bisschen tiefer liegen als sonst.
19:03Knapp zwei Stunden nach dem Start in Timaru ist Flug 2300 bereit für eine Landung ohne Fahrwerk.
19:11Wir haben uns beide nur auf unsere Aufgaben konzentriert.
19:16Ich musste fliegen und der erste Offizier musste darauf achten, dass alles passt.
19:26Gut, Sicherheitshaltung einnehmen.
19:31Kurz vor dem Aufsetzen habe ich rausgeschaut und sah das Gras immer näher kommen.
19:36Es war komplett still.
19:37Hätte jemand eine Stecknadel fallen lassen, man hätte es gehört.
19:47Eagle Airways Flug 2300 ist Sekunden vor der Landung in Woodburn.
19:53Das Fahrwerk ist nicht ausgefahren.
19:59Wenn die Maschine nicht gerade aufsetzt, könnte ein Flügel den Boden berühren und abbrechen.
20:28Es rumpelte und es quietschte laut, als wir die Landebahn entlang schlitterten.
20:34Diese Rutschfahrtie schien ewig zu dauern.
20:39Das Flugzeug darf auf keinen Fall über die Bahn hinausrutschen.
20:45Im Gras könnte es sich in den Boden eingraben und überschlagen.
21:00Knapp 15 Sekunden nach der Notlandung ist Eagle Airways Flug 2300 zum Stehen gekommen.
21:07Ich weiß nicht, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Wir mussten unsere Arbeit machen.
21:15Ich habe da gesessen und mich umgesehen. Ich dachte, wir sind tatsächlich gelandet.
21:21Es qualmt, aber es brennt nichts. Und all meine Gliedmaßen sind noch dran.
21:29Alle raus.
21:31Die Gefahr ist noch nicht vorbei. Ein Feuer könnte ausbrechen, deshalb muss schnell evakuiert werden.
21:42Ich habe die Tür geöffnet und sie nach draußen geworfen.
21:45Draußen hörte ich so ein lautes, spritzendes Geräusch. Das hat mir ziemlich Angst gemacht.
21:51Ich wusste nicht, was das war. Aber es war nur die Feuerwehr, die die Maschine mit Löschschaum einsprühte.
22:02Alle 15 Passagiere und die Piloten sind in Sicherheit.
22:09Als wir rauskamen, war ich wieder ganz bei mir.
22:12Jeder verfügbare Feuerwehr und Krankenwagen stand an der Seite der Landebahn.
22:16Und mehrere Polizeiautos.
22:23Als ich ins Terminal kam, da holte mich der Schock so richtig ein. Ich habe gezittert.
22:29Aber es war gut, dass ich meine Frau anrufen und ihr sagen konnte, dass alles in Ordnung ist.
22:39Die Katastrophe ist verhindert worden. Alle 17 Menschen bleiben unverletzt.
22:47Die Neuseeländische Untersuchungskommission für Transportunfälle leitet die Suche nach der Ursache für das Versagen des Fahrwerks.
22:58Die erste Frage war natürlich, warum?
23:01Die Airline betrieb das Flugzeug zu dieser Zeit seit fünf Jahren.
23:05Bis dahin war es ziemlich zuverlässig gewesen.
23:10Warum könnte das Fahrwerk versagt haben?
23:16Hätte schlimmer ausgehen können.
23:19Hier sind die Berichte.
23:22Die Ermittler studieren die Instandhaltungsunterlagen.
23:28Sieht alles korrekt aus.
23:32Die Maschine wurde nur sechs Tage vor dem Unfall gewartet.
23:37Aber etwas anderes fällt auf.
23:41Im Januar war schon etwas mit dem Fahrwerk.
23:44Drei Wochen später hat er ein Hydraulikleck unter dem linken Flügel gefunden.
23:50Und jetzt wieder?
23:53Die Hydraulikflüssigkeit ist wie das Blut des Fahrwerks.
23:56Ohne sie kann man die Räder nicht aus- oder einfahren.
24:02Die Maschine wird zur Untersuchung in einen Hangar gebracht.
24:12Die Ermittler prüfen den Hydraulikbehälter.
24:15Es ist trocken.
24:17Da ist keine Flüssigkeit drin.
24:25Bei der ersten Untersuchung sahen wir, dass der Behälter leer war.
24:29Wir fragten uns also, wo war die Flüssigkeit hin und warum?
24:36Wann wurde das System undicht?
24:38Vor oder nach dem Start?
24:41Die Ermittler bitten darum, dass Fotos vom Boden auf dem Flughafen von Timaru gemacht werden,
24:46von dort, wo die Maschine vor dem Start geparkt war.
24:50Sie wollen wissen, ob sich dort Spuren von ausgelaufener Hydraulikflüssigkeit finden.
24:57Bei der Beechcraft werden die Räder durch Hydraulikdruck gehalten.
25:02Und wenn man die nicht steuern kann, bleiben sie oben.
25:06Da ist nichts auf dem Brunnen.
25:08Also ist das Leck während des Fluges entstanden.
25:12Wahrscheinlich ist das System undicht geworden, als wir nach dem Start das Fahrwerk eingefahren haben.
25:21Aber hätte es bei einem Leck während des Fluges nicht eine Warnung geben müssen?
25:27Die Beech hat ein System, das den Piloten anzeigt, wenn zu wenig Flüssigkeit da ist.
25:35Wenn der Flüssigkeitsstand unter eine bestimmte Marke sinkt,
25:39dann soll im Cockpit eine gelbe Warnung aufleuchten.
25:45Die Ermittler fragen den Kapitän, ob es Anzeichen dafür gab,
25:49dass zu wenig Flüssigkeit im System war.
25:52Sie sind die Beech schon am Vorabend geflogen.
25:56Gab es da Probleme?
25:58Nein, nichts.
26:01Und was war mit den Checks vor dem Flug?
26:04War da was?
26:05Come on?
26:06Nein.
26:07Richie hat draußen geschaut und drinnen haben wir alles zusammen geprüft.
26:12Es war alles top.
26:14Aber das war mit der Warnung für die Flüssigkeit.
26:19Zum Check vor dem Flug gehört auch die Überprüfung des Warnsystems für die Hydraulik.
26:26Wenn es in Ordnung ist, leuchtet die Warnung mit vier Sekunden Verzögerung auf.
26:32Wie ging?
26:34Kam die Warnung danach nochmal?
26:39Nein.
26:40Da kam nichts.
26:43Wir wussten, dass der Behälter leer war, aber die Lampe hat trotzdem nicht geleuchtet.
26:48Aber es war nicht.
26:52Der Kapitän hat gesagt, dass die Warnung vor dem Start noch funktioniert hat.
26:59Wenn das später so gewesen wäre, wäre klar gewesen, warum das Fahrwerk nicht ausfuhr.
27:06Wir wussten, dass die Räder nicht ausgefahren werden konnten und der Behälter leer war.
27:11Wir mussten also klären, warum die Hydraulikflüssigkeit ausgelaufen war.
27:18Die Ermittler suchen die Undichtigkeit, die für das Versagen des Fahrwerks verantwortlich ist.
27:32Sie füllen ein bisschen Hydraulikflüssigkeit in das System und lassen die Räder manuell ab.
27:38Dadurch soll sich das Leck zeigen.
27:48Gut, stopp.
27:51Rechts am Hauptfahrwerk ist es und nicht.
27:55Sieht aus wie der Aktuator.
27:58Wird das Fahrwerk betätigt, dann wird Hydraulikflüssigkeit aus einem Reservoir in den Aktuator gepumpt.
28:05Der sorgt dann dafür, dass die Räder ausfahren und arretiert werden.
28:12Wenn man bei den Tests feststellt, dass die Flüssigkeit aus diesem Teil austritt,
28:18dann ist man der Ursache des Lecks schon einen Schritt näher.
28:24Der Aktuator wird ausgebaut und untersucht.
28:31Ein Riss in der Kappe.
28:35Um den Befund zu bestätigen, haben wir einen anderen Aktuator eingebaut.
28:42Danach haben wir das Fahrwerk einige Male aus- und wieder eingefahren.
28:46Das hat uns gezeigt, dass der alte Aktuator tatsächlich defekt war.
28:53Das undichte Teil wird für eine metallurgische Untersuchung zur US-Transportsicherheitsbehörde geschickt.
29:02Sowohl die Beechcraft als auch der Aktuator waren in den USA hergestellt worden.
29:07Die dortige Behörde hatte kurze Wege zu den beiden Herstellerfirmen und konnte somit dort recherchieren.
29:15Während man auf Ergebnisse wartet, werden auch die Aktuatoren der anderen Maschinen der Airline überprüft.
29:24Wir mussten herausfinden, ob es sich um einen einzelnen Defekt handelte oder um etwas Größeres.
29:30Es werden keine weiteren Schäden entdeckt.
29:39Doch drei Monate nach dem Versagen des Fahrwerks von Flug 2300
29:44bemerkt die Crew einer anderen Beechcraft eine Lacherhydraulikflüssigkeit beim rechten Hauptfahrwerk.
29:54Auch hier wird der Aktuator ausgebaut.
29:58Er hat einen Riss an der gleichen Stelle wie der von Flug 2300.
30:04Jetzt musste man befürchten, dass dieses Problem die ganze Flotte betreffen könnte.
30:11Auch dieses Teil wird eingeschickt.
30:14Eagle Airways prüft die verbleibenden Aktuatoren seiner Flugzeuge sogar noch genauer.
30:20Mit Ultraschall kann man solche Komponenten zerstörungsfrei testen.
30:24Schallwellen mit hoher Frequenz durchdringen das Material.
30:27So erkennt man Risse in der Oberfläche und auch darunter.
30:32Die Tests zeigen das Ausmaß des Problems.
30:37Okay, danke.
30:40Noch einer.
30:43Wie viele bis jetzt?
30:45Zwölf haben Risse.
30:47Plus die beiden ersten.
30:5014 Mal Risse.
30:52Alle an der gleichen Stelle.
30:54Ja.
30:55Immer an den Endkappen.
30:57Es tauchten zwölf weitere Aktuatoren auf, die hätten versagen können.
31:02Das hieß, wir hatten einen ernsten Serienfehler.
31:06Mit Auswirkungen nicht nur für Neuseeland, sondern weltweit.
31:13Danke.
31:15Die Ergebnisse sind da.
31:18Warum sind die Aktuatoren an zwei Eagle-Air-Flugzeugen undicht geworden?
31:25Die Teile wurden zweimal metallurgisch untersucht.
31:29Einmal in den USA und einmal von uns.
31:32Wir hofften dadurch zu klären, was die Risse verursachte und zu welchem Zeitpunkt die Aktuatoren versagten.
31:42Links ist der von Flug 2300.
31:45Der, der später entdeckt wurde, ist rechts.
31:49Die Untersuchung zeigt, dass die Risse an den inneren Ecken der Endkappen entstanden sind.
31:58Hier sind Bearbeitungssporen.
32:00Da auch.
32:01Dort haben die meisten Risse ihren Ursprung.
32:06Die Teile waren offenbar aus einem einzigen Stück Metall hergestellt.
32:11Damit sie in die Endkappen passten, hatte man sie mit Werkzeugen in die richtige Form gebracht.
32:17Solche Werkzeuge können bei der Bearbeitung Spuren im Werkstück hinterlassen.
32:22Für sich allein ist das kein Problem.
32:26Aber die Ermittler stellen an den Kappen noch etwas fest.
32:29Die Innenseiten der Kappen sind anodisiert.
32:35Beim Anodisieren wird das Metall in ein Elektrolytbad getaucht und eine elektrische Spannung angelegt.
32:44Das Anodisieren erzeugt eine gehärtete Oberfläche, die widerstandsfähiger gegen Verschleiß ist.
32:50Aber sie wird auch spröder und anfälliger für Risse.
32:55Was gefunden wurde, waren nur kleine Schwachstellen.
32:59Aber insgesamt machten sie es wahrscheinlicher, dass Ermüdungsrisse auftraten.
33:06Eine Untersuchung des zweiten Aktuators zeigt, dass es gleich nach Entstehen des Risses 12.000 Betätigungszyklen brauchte,
33:14bis er so groß war, dass das Bauteil versagte.
33:24Für wie viele Zyklen sind die Teile ausgelegt?
33:28Ich besorge das Lastenheft.
33:31Die Ermittler konzentrieren sich auf das Lastenheft, das für das fragliche Flugzeugmodell erstellt wurde.
33:40So ein Lastenheft beschreibt, unter welchen Bedingungen ein Bauteil eingesetzt werden soll
33:45und wie viele Arbeitszyklen es schaffen soll.
33:48Darin steht, welche Belastungen für den Aktuator erwartet werden.
33:53Diese Teile sind 50.000 Zyklen lang getestet worden.
33:59Ein Zyklus besteht aus einem kompletten Aus- und Einfahren des Fahrwerks.
34:06Wie viele hatten die schadhaften Teile?
34:09Im Durchschnitt 18.000 Zyklen. Nicht mal halb so viel wie geplant.
34:15Liegt das Problem in der Konstruktion oder in der Herstellung?
34:23Nach der metallurgischen Untersuchung mussten wir klären, ob die Teile auch so gefertigt worden waren,
34:27wie es die Konstrukteure vorgegeben hatten.
34:32Ein Besuch beim Hersteller der Aktuatoren soll Klarheit bringen.
34:36Also, wie wurden die Teile ausgelegt?
34:41Wir sind dem Lastenheft gefolgt.
34:45Die sollten 50.000 Zyklen überstehen.
34:49Ja.
34:50Aber vor zehn Jahren haben wir drei Stück zum Überholen bekommen.
34:55Diese Aktuatoren hatten Risse.
34:58Die Konstruktion wurde geändert.
35:02Wenn Sie die Sache 1997 korrigiert haben, wieso gibt es dann immer noch Schäden?
35:08Ähm, naja, diese Risse waren am anderen Ende.
35:12Die Informationen des Flugzeugherstellers waren anscheinend nicht korrekt.
35:19Der Hersteller der Aktuatoren war der Meinung, dass die Daten von Beechcraft nicht stimmten.
35:26Zyklen, Belastungen, Drücke, die Werte schienen anders zu sein, als vorher berechnet.
35:33Haben Sie denen das gesagt?
35:35Ja, sie wollten es testen.
35:38Die Lasten, die auf das Teil wirkten, sollten während eines Flugs gemessen werden.
35:44Na gut.
35:46Was kam da raus?
35:48Es zeigte sich, dass auf die Endkappe pro Zyklus nicht nur eine Lastspitze wirkte, sondern zwei.
35:58Der Aktuator wurde während eines Aus- und Einfahrens des Fahrwerks doppelt so stark belastet wie vorberechnet.
36:05Er wurde zwar für 50.000 Zyklen ausgelegt, schaffte aber nur 25.000 Zyklen.
36:11Und haben Sie daraufhin irgendwas geändert?
36:15Nein, wir haben es zu spät erfahren.
36:20So ein Mangel an Kommunikation zwischen Flugzeug und Teilehersteller ist selten, kommt aber trotzdem vor.
36:28Jetzt ist klar. Es waren mehrere Faktoren, die dazu führten, dass das Fahrwerk der Beechcraft nicht ausfuhr.
36:36Anzeige funktioniert. 80 Knoten.
36:40Nach tausenden Arbeitszyklen ist ein Aktuator des Fahrwerks am Ende seines Lebens angelangt.
36:46Doppelt so schnell wie erwartet.
36:48Steigflug.
36:51Fahrwerk rein.
36:53Fahrwerk rein?
37:01Bearbeitungsspuren und Schwächen im Material der Endkappe sorgen für einen Ermüdungsriss.
37:07Die Kappe wird undicht.
37:11Der Aktuator war nicht für diese Belastungen ausgelegt.
37:15Das war nur eine Frage der Zeit.
37:20Aber wie haben Sie so eine tolle Landung geschafft?
37:27Die Ermittler gehen durch, was die Piloten der Beechcraft im Einzelnen taten, sodass bei der Notlandung niemand zu Schaden kam.
37:38Sie machten sich einen Plan für die Landung.
37:42Wir lassen es.
37:48Sie brachen den Anflug ab.
37:51Dann versuchten sie weiter oben, das Problem zu lösen.
37:55Erfolglos. Sie suchten weiter nach einer Lösung.
37:59In Woodburn ist der Himmel klar und wir können auf Sicht fliegen.
38:04Das war eine gute Idee. Dort konnten sie besser eine Lösung suchen und eine Notlandung vorbereiten.
38:10Dann haben sie versucht, das Fahrwerk manuell auszufahren.
38:15Im Rahmen meiner Ausbildung hatte ich die Räder des Flugzeugs schon einmal von Hand rausgepumpt.
38:21Die Checkliste aus dem Handbuch hatte ich deswegen noch im Hinterkopf.
38:27Den Griff nach oben und unten bewegen, bis drei grüne Anzeigen leuchten.
38:34Sie haben so gehandelt, wie es im Handbuch steht.
38:37Sie haben die Passagiere informiert.
38:43Meine Damen und Herren, wir haben immer noch ein kleines Problem mit dem Fahrwerk.
38:48Der erste Offizier war toll.
38:50Wir haben sehr gut zusammengearbeitet.
38:53Er hat nie angespannt oder panisch gewirkt.
38:58Das hat es mir wohl auch leichter gemacht, dass so ein guter Mann neben mir saß.
39:05Ich habe gesehen, dass die Piloten sehr fokussiert waren.
39:08Sie konnten sich auf ihre Ausbildung verlassen, sie wussten, was sie taten.
39:13Unser Leben war abhängig von ihnen und sie haben es hingekriegt.
39:19Sie sind ruhig geblieben und haben keine Angst verbreitet.
39:22Und als der Treibstoff knapp wurde, kam die Bauchlandung.
39:27Sie taten alles, um das Risiko zu minimieren.
39:33Sicherung, Fahrwerk, raus.
39:38Wir wollten beide gute Arbeit machen und das Flugzeug auf möglichst schnelle Weise nach unten bringen.
39:45Gut, Sicherheitshaltung einnehmen.
39:57Auf dem Boden haben sie das Flugzeug mit viel Gefühl kontrolliert.
40:02Sie haben wirklich tolle Arbeit geleistet.
40:07Das war alles andere als normal.
40:10Die Situation war ernst.
40:12Aber das waren Profis.
40:16Man musste sich konzentrieren, um die Maschine auf der Bahn zu halten und nicht im Gras zu landen.
40:33Zum Glück brannte die Maschine nicht.
40:35Sie ist nicht auf dem Dach gelandet und sie ist nicht zerbrochen.
40:41Das Glück war auf unserer Seite.
40:45Sie haben alles richtig gemacht.
40:48Keine Verletzten.
40:50Wenig Schaden.
40:53Dem Piloten sei Dank.
40:58Die Piloten haben tolle Arbeit geleistet.
41:01Es ist vorbildlich, wie sie die Bauchlandung ausgeführt und dabei die Kontrolle behalten haben.
41:06Das ist exemplarisch.
41:12Nach der Havarie von Flug 2300 werden Sicherheitschecks für das Warnsystem für die Hydraulikflüssigkeit vorgeschrieben.
41:21Diese Tests sollen auch die Sensoren für den Flüssigkeitsstand umfassen.
41:29Außerdem müssen die Aktuatoren aller Beechcraft-Maschinen sofort überprüft werden.
41:34Bis perfekt funktionierende Teile verfügbar sind, werden strenge Kontrollen vorgeschrieben.
41:41Eagle Airways prüft die Komponenten alle 1000 Zyklen per Ultraschall.
41:46Alle 10.000 Zyklen werden die Aktuatoren ersetzt.
41:53Die Untersuchung hat das Fliegen sicherer gemacht.
41:57Die neuen Vorschriften führten dazu, dass so etwas nicht mehr passieren konnte.
42:05Wenn man mit einem Flugzeug abhebt, dann erwartet man keine Probleme.
42:10Aber an diesem Tag gab es welche.
42:12Zum Glück konnten der erste Offizier und ich sie lösen.

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