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Transkript
00:00Und wir können, womit wir gar nicht mehr gerechnet hatten, sogar pünktlich anfangen.
00:05Sie wissen es vielleicht aus den Programmankündigungen, unsere heutige Sendung ist die 25. in dieser Reihe.
00:11Die erste Sendung vor zweieinhalb Jahren, am 20. Oktober 1967, war noch ein Experiment.
00:18Inzwischen hat Aktenzeichen XY ungelöst seinen festen Platz im Programm und das nicht nur in der Bundesrepublik.
00:25Das österreichische Fernsehen hat schon im März 1968 in Wien ein Aufnahmestudio eingerichtet.
00:32Dort überwacht Teddy Brotkowski die eingehenden Nachrichten.
00:34Tja, seit diese Sendung auch bei uns läuft, haben wir insgesamt 1924 Anrufe bekommen.
00:41Und es ist anzunehmen, dass es nach der heutigen 2000 sein werden.
00:45Viele von diesen Anrufen haben dazu geführt, dass der eine oder andere Täter verhaftet werden konnte
00:52oder dass ein Fall ganz noch am selben Abend aufgeklärt werden konnte.
00:57Was die Popularität unserer Telefonnummer anlangt, so ist sie fast schon so groß wie der Notruf.
01:04Unser Schweizer Kollege Werner Vetterli steht mit seinem Team, wie immer, im Gebäude der Kantonspolizei in Zürich.
01:11Richtig. Wir sind ja ein bisschen später in diese Eurovision-Sendung eingestiegen.
01:16Für uns ist es heute die ominöse 13. Aktenzeichen XY-Sendung.
01:21Wir sind in der Schweiz, im Touristenland Schweiz, wo doch auch einiges passiert, sehr glücklich,
01:26dass wir schon eine ganze Reihe von Fällen hier in XY auflegen durften.
01:32Und das darf ich vielleicht vorwegnehmen, auch heute werden wir in XY einen Schweizer Fall behandeln,
01:38der die Schweizer Behörden und natürlich vor allem auch die Schweizer Öffentlichkeit außerordentlich interessiert.
01:45Zur 25. Sendung, meine Damen und Herren, sind wir Ihnen, glaube ich, eine kleine Bilanz schuldig.
01:52Insgesamt haben wir in den zweieinhalb Jahren 158 ungelöste Kriminalfälle behandelt.
01:59Genau 77, also fast jeder zweite Fall, konnten durch die Hinweise der Zuschauer gelöst werden.
02:05So viel zur positiven Seite.
02:08Die Negative entpuppt sich bei genauerer Betrachtung weit weniger gefährlich und viel harmloser,
02:15als vereinzelte Kritiker es mitunter wahrhaben wollen.
02:19Nach 24 Sendungen sind insgesamt nur etwa 15 Personen, nicht gesuchte, also unbeteiligte Personen,
02:27für kurze Zeit zu einer Überprüfung auf die Polizeiwache gebeten worden.
02:31In der Regel, weil sie sich an Ort und Stelle nicht ausweisen konnten.
02:35Das sind in zweieinhalb Jahren wenige derartige persönliche Überprüfungen,
02:40als zum Beispiel in einer Großstadt wie München an einem einzigen Tag ohne jeglichen Zusammenhang mit der XY-Sendung anfallen.
02:49Um Missverständnissen nun vorzubeugen, meine Damen und Herren, ich habe nichts gegen faire und sachliche Kritik.
02:55Im Gegenteil, ich halte sie sogar für sehr notwendig.
02:58Aber ich finde, sie sollte nicht von böswilligen Erfindungen und falschen Unterstellungen ausgehen,
03:04wie beispielsweise dieser Bericht einer Münchner Zeitung über die Erlebnisse eines angeblichen XY-Opfers.
03:13Eine Notärztin, so ist da zu lesen, sei am Abend unserer letzten Sendung in ein Haus gerufen worden,
03:19dort sei sie aber dann von anderen Bewohnern gepackt und in eine Wohnung gezerrt worden,
03:24da man sie für eine Betrügerin gehalten habe, die in unserer Sendung gesucht worden sei.
03:29Wie die Polizei inzwischen festgestellt hat, ist so ziemlich alles an diesem Artikel,
03:33jedenfalls soweit ein Zusammenhang mit unserer Sendung konstruiert wird, schlicht und ergreifend erfunden.
03:40Es gab in unserer letzten Sendung noch nicht einmal eine Frau, die gesucht worden war.
03:44Ähnlich verhält es sich mit einer Hörfunksendung über unsere Sendereihe,
03:48die vor einem Monat hier in der Bundesrepublik produziert wurde.
03:52Auch dort sind eine ganze Reihe längst widerlegter Behauptungen und Halbwahrheiten wiederholt
03:58und als Tatsachen ausgegeben worden.
04:01Derartige Kritiken, die sich durch ihre Unsachlichkeit eigentlich selbst entwerten,
04:07sind natürlich Einzelfälle.
04:09Die meisten Zeitungen und auch einige Rundfunkanstalten unterstützen unsere Bemühungen.
04:14Und ich glaube, nach 25 Sendungen ist es angebracht, auch dafür wieder einmal ein deutliches Dankeschön zu sagen.
04:23So, und nun aber genug mit der Vorrede und wie immer ein kurzer Rückblick auf die neuen Ergebnisse aus früheren
04:30Sendungen.
04:31Drei Personenverhandlungen haben sich in den letzten Wochen erledigt.
04:35Vor wenigen Tagen wurde Gisela Reichmann gesucht wegen zahlreicher Wohnungseinbrüche festgenommen.
04:43Ein Fernsehzuschauer hat sie erkannt, obwohl ihr Bild bereits vor einem Jahr ausgestrahlt worden ist.
04:49Andere Zuschauerhinweise führten weit außerhalb des Sendegebietes zur Festnahme von weiteren Personen.
04:55Am 6. März ging in Madrid für Karel Jaksa Bobowski die Flucht zu Ende.
05:01Er war in Zusammenhang mit der Münchner Gemäldeaffäre gesucht worden.
05:06Am 28. März nahm die spanische Polizei auf der Mittelmeerinsel Ibiza Gerhard Nikodem fest.
05:15Ihm werden mehrere schwere Raubüberfälle vorgeworfen.
05:20Jetzt aber, meine Damen und Herren, zu unseren neuen Fällen.
05:24Gleich der erste berührt alle drei Länder des Sendegebietes.
05:28Es geht um einen der rätselhaftesten Mordfälle der letzten Zeit.
05:32Das Opfer stammt aus Deutschland.
05:35Entdeckt wurde das Verbrechen in der Schweiz.
05:39Und der Schlüssel zur Lösung liegt möglicherweise in Österreich.
05:43Besonders rätselhaft an diesem Fall ist auch der Umstand,
05:48dass es keinerlei plausibles Motiv gibt bisher und dass sich kein Motiv bisher hat finden lassen.
05:55Montag, 22. September 1969, 17.20 Uhr.
06:01In der Nähe von Diesenhofen im Schweizer Kanton Thurgau
06:04wird zwischen Konstanz und Schaffhausen eine männliche Leiche aus dem Hochrhein geborgen.
06:09Der Tote ist etwa 55 Jahre alt.
06:11Er ist vollständig und korrekt bekleidet.
06:14Verletzungen sind nicht erkennbar.
06:15Alles deutet auf einen Unglücksfall hin.
06:33Der Tote wird ins Leichenschauhaus gebracht.
06:44In Anwesenheit von zwei Kriminalbeamten wird die Leichenschau vorgenommen.
06:49Sie bestätigt zunächst den ersten Eindruck der Polizei.
06:52In den Taschen des Toten werden 120 Mark,
06:56der Schlüssel für ein Schließfach der Deutschen Bundesbahn in Konstanz
06:59und eine Schiffsrückfahrkarte von Konstanz nach Stein am Rhein gefunden.
07:08Da bitte.
07:10Der ist bestimmt vom Schiff gefallen und ertrunken.
07:12Die Karte ist nämlich nur auf der Hinfahrt gelocht worden am 16.
07:18Die ist auch am 16. stehen geblieben.
07:21Jetzt läuft sie wieder.
07:23Er muss also tatsächlich am 16. vom Schiff gefallen sein.
07:28Moment mal, das ist doch eine Automatik-Huhe.
07:31Als wir den Mann aus dem Wasser gezogen haben,
07:34ist sie doch gestanden.
07:36Und jetzt läuft sie wieder.
07:39Ja, und?
07:40Das heißt, sie ist wasserdicht.
07:44Und Automatik-Huhen haben gewöhnlich eine Laufreserve von 24 Stunden.
07:49Sie muss also noch einen Tag gelaufen sein,
07:51nachdem der Mann tot war und sich nicht mehr bewegt hat.
07:54Das würde ja bedeuten, dass er schon seit dem 15. tot ist.
08:00Die Karte ist aber doch erst am 16. gelocht.
08:05Der kann doch nicht als Leiche vom Schiff gefallen sein.
08:09Genau.
08:10Also stimmt doch was nicht an der Geschichte.
08:14Hat er denn gar keine Ausweispapiere in der Tasche?
08:17Nein, Herr Oberleutnant, das ist alles.
08:20Aber im Markt geht.
08:25Hier ist ein Etikett von einem Geschäft in Zürich.
08:28Ja, das ist nicht viel.
08:30Vielleicht ist er ein Selbstmörder.
08:32Er hat vorher die Papiere weggeworfen,
08:34damit man ihn nicht weit identifiziert.
08:37Gibt's ja oft.
08:38Und die Uhr?
08:41Vielleicht hat er das Datum nicht richtig eingesteckt, ja.
08:45Gibt's ja auch.
08:46Oder an der Uhr erst hinterher.
08:49Nach seinem Tod.
08:51Noch manipuliert worden.
08:54Hier, meine Herren.
08:55Fällen Sie mal her.
08:58Selbstmord scheitert wohl aus.
09:02Wir haben auch versucht, Feststellungen darüber zu treffen, wo sich Ihr Mann tagsüber...
09:06Mit Hilfe des Gepäcks aus dem Schließfach und dem in Zürich gekauften Mantel gelingt es der Polizei sehr schnell, den
09:12Toten zu identifizieren.
09:13Es ist der 56-jährige Friseurmeister Josef Löw aus Selwitz bei Hof, unweit der Zonengrenze.
09:21Ein Beamter der Kantonspolizei Thurgau besucht zusammen mit einem Kollegen der Kripo Konstanz die Witwe des Ermordeten.
09:27Sie kann den Beamten jedoch kaum weiterhelfen.
09:29Ja, ich kann das immer noch nicht begreifen.
09:34Hier haben wir gesessen und haben Fernsehen geschaut.
09:39Auf einmal steht der Josef auf.
09:42Es war schon sehr spät, halb elf ungefähr.
09:46Und sagt, ich fahre jetzt in die Schweiz.
09:50So ganz ohne Anlass?
09:53Ohne Vorbereitung?
09:54Ja, wir hatten noch 14 Tage Betriebsferien.
09:58Aber er hat nie vorher was gesagt, dass er wegfahren will.
10:02Meine Tochter hatte uns sogar unser Enkelkind hergebracht und ist mit ihrem Mann zusammen in Urlaub gefahren.
10:08Wir wollten mit dem Kind hier Urlaub machen.
10:11Und plötzlich steht der Josef auf, packt den Koffer und geht.
10:19Aber ihr Mann war doch schon einmal in der Schweiz, zu Pfingsten, als er den Mantel in Zürich gekauft hat.
10:24Was hat er denn damals da gemacht?
10:26Das weiß ich auch nicht.
10:29Damals ist er auch allein gefahren.
10:31Nur so zwei, drei Tage.
10:34Und jetzt, im August?
10:36Wie ist er denn da nachts noch weggekommen?
10:39Er wird wohl mit dem letzten Bus nach Hof gefahren sein.
10:43Und dann weiter mit der Bahn.
10:46Aber er hat doch gesagt, dass er in die Schweiz will.
10:50Ja, das hat er gesagt.
10:57Auch die Rückfrage der Bundesbahn bringt die Beamten nicht viel weiter.
11:01Rückfahrtkarte?
11:01Na, da schau es her.
11:03Wir haben am 3. August überhaupt keine Karten für den Schweizer Zielbahnhof verkauft.
11:07Die einzige Auslandsfahrtkarten war nach Innsbruck.
11:11Rückfahrtkarte?
11:11Na, einfach.
11:13Innsbruck?
11:14Einfach?
11:18In Innsbruck ist Josef Löw nicht eingetroffen.
11:25Zumindest ist er in keinem Hotel der Stadt unter seinem Namen abgestiegen.
11:32Drei Tage nach seiner Abreise in Selwitz aber, so kann die Polizei später feststellen,
11:37mietet er im Hotel Stoller in Zürich ein Einzelzimmer.
11:40Er legt bei der Anmeldung seinen deutschen Pass vor und hält sich drei Tage in der Stadt auf.
11:50Dem Hotelpersonal fällt auf, dass Josef Löw ständig plissierte Smokinghemden und eine Fliege zu einem hellgrauen Anzug trägt.
12:00Auch an seine auffälligen schwarz-weißen Schuhe erinnert man sich später.
12:04Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?
12:06Danke, ich gehe erstmal aufs Zimmer.
12:08Bitte schön.
12:11Was Josef Löw tagsüber unternommen hat, ist unbekannt.
12:14Er wird als ruhiger und zurückhaltender Gast empfunden.
12:20Nach drei Tagen in Zürich kehrt Josef Löw nach Deutschland zurück.
12:24Nach Lindau am Bodensee.
12:25Für weitere vier Tage wohnt er hier im Hotel Seegarten, einem der besten Häuser der Stadt.
12:33Ohne erkennbaren Grund wechselt er danach in die kleine und einfache Pension Ruf in derselben Stadt über.
12:41Hier ist er plötzlich sehr darauf bedacht, ein besonders billiges Zimmer zu bekommen.
12:45Und was kostet das Zimmer?
12:47Fünf Mark ohne Frühstück.
12:49Ja, ist gut. Dann nehme ich es.
12:51Für wie lange denn?
12:53Ungefähr für eine Woche, denke ich.
12:55Gut.
12:58Auch hier verlässt Josef Löw jeden Morgen sehr früh das Haus und kehrt erst spät abends wieder zurück.
13:04Was er tagsüber unternommen hat, ist bis heute ein Rätsel.
13:14Einmal während dieser Woche in Lindau begegnet er auf der Uferpromenade einer bekannten Familie aus seinem Heimatort, die dort Urlaub
13:22macht.
13:25Josef Löw geht an den Leuten, die er gut kennt, vorbei, ohne sie zu grüßen.
13:29Auch dafür gibt es bis heute keine plausible Erklärung.
13:35Von Lindau aus begibt sich Josef Löw am 19. August 1969 an das andere Ende des Bodensees, nach Konstanz.
13:43Hier bezieht er wieder in einem Hotel der gehobenen Preisklasse Quartier, im Deutschen Haus.
13:48Zehn Tage hält er sich hier auf.
13:51Auch hier fällt auf, dass er morgens bereits sehr zeitig das Hotel ohne Frühstück verlässt.
14:06Die späteren Ermittlungen der Polizei ergeben, dass er fast täglich auf die nahe Insel Reichenau fährt und sich dort häufig
14:13im Hotel Schloss Königseck aufhält.
14:23Obwohl er zweifellos bis zu seinem Tod über genügend Bargeld verfügt hat,
14:27versucht er auf der Insel Reichenau in zwei Friseurgeschäften zwei Haarscheren aus seinem Besitz für 18 Mark zu verkaufen.
14:33Ohne Erfolg.
14:34Wiedersehen.
14:42Nach zehn Tagen fährt er von Konstanz wieder zurück nach Lindau.
14:46Diesmal mietet er sich im Gasthof zum Stift ein, ebenfalls für zehn Tage.
14:55Und schließlich zieht es ihn wieder zurück nach Konstanz.
14:58Etwa eine Woche vor seinem Tod bezieht er ein Zimmer im Hotel Krone.
15:07Wieder verlässt er jeden Morgen das Haus und begibt sich gewöhnlich auf die Insel Reichenau,
15:11wo er meist im Hotel Schloss Königseck frühstückt.
15:19An einem dieser Abende erhält er bei seiner Rückkehr ins Hotel Krone vom Nachtportier einen Brief ausgehändigt.
15:25Guten Abend, Herr Löw.
15:26Mein Schlüssel bitte.
15:27Bitte sehr.
15:32Der ist auch ein Brief für Sie.
15:34Die Herkunft des Briefes ist bis heute eine der wichtigsten ungeklärten Fragen im Mordfall Löw.
15:39Niemand von seinen Verwandten oder Freunden wusste zu dieser Zeit, dass sich Josef Löw in Konstanz aufhielt.
15:46Möglicherweise stammt der Brief vom späteren Mörder.
15:56Am 13. September, einem Samstag, verabschiedet sich Josef Löw beim Ober des Hotels Schloss Königseck auf der Insel Reichenau,
16:03in dem er mittlerweile gut bekannt ist.
16:06So, das war das letzte Mal, dass ich bei Ihnen war.
16:09Wenn ich wieder mal in die Gegend komme, schaue ich bestimmt wieder rein.
16:12Das hat mir immer gut gefallen bei Ihnen.
16:13Das ist nett, wir würden uns freuen.
16:15Wiedersehen, Herr Löw.
16:15Wiedersehen.
16:16Die Polizei weiß bis heute nicht, ob Josef Löw mit dieser Verabschiedung bewusst ablenken wollte.
16:23Auf jeden Fall kauft er wenige Minuten später an der Dampferanlegestelle eine Rückfahrkarte.
16:30Einmal Konstanz zurück.
16:35Zwei mal 60.
16:36Und er kommt trotz seines Abschieds am folgenden Tag noch einmal auf die Insel Reichenau zurück.
16:47Bitte sehr, Herr Löw. Das macht 150 Mark 50.
16:50Am nächsten Morgen, es ist der 15. September, verlässt Josef Löw gegen 9.30 Uhr mit seinem Gepäck das Hotel
16:56Krone in Konstanz.
16:58Zum ersten Mal trägt er unter einem braunen Mantel einen dunkelblauen Anzug und eine Krawatte.
17:04Auch die auffälligen schwarz-weißen Schuhe sind im Koffer verpackt.
17:11Ob Josef Löw sein Gepäck selbst im Schließfach am Bahnhof eingestellt hat, kann später nicht mehr mit Sicherheit ermittelt werden.
17:18Der mysteriöse Brief wird nach seinem Tod weder in seiner Kleidung noch in seinem Gepäck gefunden.
17:23Stattdessen findet die Polizei in seinem Koffer aber einen feuchten Waschlappen, der weder ihm gehört noch aus einem der Hotels
17:29stammt.
17:32Das ist nicht das letzte Rätsel, das den Schweizer und deutschen Kriminalbeamten, die den Fall bearbeiten, aufgegeben wird.
17:38Das Gerichtlich-Medizinische Institut in Zürich hat für die Beamten aus dem Kanton Thurgau und aus Konstanz noch eine weitere
17:45Überraschung parat.
17:48Herr Doktor, hier kommen die Herren aus Konstanz und Franzi.
17:51Danke.
17:53Danke.
17:55Sehr lieb.
17:56Bitte schön.
17:57Ich habe Sie hergebeten, meine Herren, damit ich Ihren Sinn selbst schonend beibringen kann.
18:03Die Sache verhält sich nämlich ganz anders, als wir alle bisher angenommen haben.
18:07Ja, wie sollen wir denn das verstehen?
18:10Unsere genauen Untersuchungen haben ergeben, dass der Mann nicht nur erdrosselt wurde, sondern auch ertrunken ist.
18:16Das heißt, dass er ins Wasser gekommen ist, als er noch nicht ganz tot war.
18:21Ja, wäre das schon ungewöhnlich? Immerhin wurde er im Rhein gefunden.
18:25Ja, das haben wir zuerst auch gedacht.
18:27Aber die chemische Analyse des Wassers in der Lunge und im Herzkammerblut hat ergeben, dass es kein Rheinwasser sein kann.
18:33Es fehlen nämlich die Kiesel und Grünalgen, die im Rheinwasser stets nachgewiesen werden können.
18:39Ja, aber was kann denn das für Wasser sein?
18:43Vermutlich klares Leitungswasser.
18:46Es sprechen im Übrigen auch eine Reihe weiterer Gründe dafür, dass der Mann in einem geschlossenen Raum erdrosselt und ertränkt
18:54wurde.
18:56Ja, um Gottes willen.
18:57Haben Sie etwa noch mehr Überraschungen?
19:01Der Mann ist innerhalb der letzten Stunde vor seinem Tode eine gefährliche Verletzung am Geschlechtsteil zugefügt worden.
19:08Er dürfte mehrere Stunden stark geblutet haben, auch nach seinem Tode noch.
19:13Wir haben aber nicht die geringsten Blutspuren in seiner Wäsche gefunden.
19:16Auch nach einer Woche Liegezeit im Rhein müssten sich solche Blutspuren doch feststellen lassen.
19:23Ja, da müsste er praktisch erst nach dem Tod und nach Ende der Blutung abgewaschen, angezogen und zum Rhein transportiert
19:32worden sein.
19:34Naja, aber auf einem Rheindampf weiß doch so etwas kaum zu machen.
19:38Und wie kommt er dann zu der gelochten Schiffsfahrkarte?
19:41Wer weiß, vielleicht ist ihm die in die Tasche gestellt worden.
19:45Um uns abzulenken.
19:49Es ist also ziemlich unwahrscheinlich, dass Josef Löw am 16. September vorigen Jahres tatsächlich in Konstanz das Motorschiff Turgau betreten
19:58hat.
19:58Aber ganz ausschließend lässt sich diese Möglichkeit natürlich nicht.
20:03So sah Josef Löw aus zu Lebzeiten.
20:08Wir müssen jetzt den Versuch machen, mit Ihrer Hilfe, meine Damen und Herren,
20:11die noch fehlenden Stationen auf der letzten Reise des Ermordeten festzustellen.
20:17In der Schweiz wird der Fall bearbeitet von Oberleutnant Pflanzer aus Frauenfeld.
20:21Er ist heute Abend zu Werner Vetterli in unser Züricher Studio gekommen.
20:25Wir danken Ihnen für den Besuch, Herr Pflanzer.
20:28Von besonderer Bedeutung in diesem Fall Löw muss ja die Gegend rund um den Bodensee gewesen sein.
20:36Denn in den letzten sechs Wochen vor seinem Tod hat sich Josef Löw ja vor allem hier in Lindau, in
20:44Konstanz und auf der Insel Reichenau aufgehalten.
20:48Ja, Herr Vetterli, in den ersten drei Tagen nach seiner Wegreise in Selbitz, also vom 3. bis zum 6. August
20:591969,
21:01könnte er möglicherweise in Österreich gewesen sein.
21:05Sie wissen, dass am Tage seiner Abreise im Hof an der Saale keine Fahrkarte nach der Schweiz,
21:13sondern lediglich eine solche nach Innsbruck gekauft wurde.
21:18Die Zeitspanne vom 3. bis zum 6. August 1969 ist im Übrigen die grösste Lücke in unseren bisherigen Ermittlungen.
21:29Von allen anderen Tagen wissen wir immerhin, wo er übernachtet stand.
21:36Wir zeigen Ihnen nochmals die Fotografie von Josef Löw.
21:40Er war 56 Jahre alt und 1,68 Meter groß.
21:46Besonders auffällig an ihm war, er trug, soweit bekannt, fast immer eine sogenannte Fliege, also einen Querbinder
21:55und außerdem plisierte Smokinghemden und diese schwarz-weißen Schuhe,
22:02die seinerzeit den Zeugen schon besonders aufgefallen sind.
22:07Sie haben im Film gesehen, meine Damen und Herren, Josef Löw hat in der letzten Woche vor seinem Tode
22:16im Hotel Krone in Konstanz einen Brief erhalten.
22:20Es wäre für uns sehr wichtig zu wissen, wer zu diesem Zeitpunkt vom Aufenthalt Löw in Konstanz wusste
22:29und wer vielleicht sogar ihm diesen Brief geschrieben hat.
22:34Es wäre ja denkbar, Herr Planzer, dass sich dieser Brief später als sehr harmlos herausstellen würde,
22:41aber vor der Hand muss doch die Polizei diesen Brief noch recht große Bedeutung zumessen.
22:46Ja. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Josef Löw noch kurz vor seinem Tod einen Arzt,
22:53vielleicht einen Hautarzt aufgesucht hat. Es könnte dies uns sehr wahrscheinlich entscheidend weiterhelfen,
23:02wenn wir wüssten, ob diese Vermutung zutrifft.
23:06Auch das Rätsel um diesen Waschlappen ist immer noch nicht gelöst.
23:11Es ist ein sogenannter Waschhandschuh aus Frotte-Tuch mit eingewobenen geometrischem Muster,
23:21und zwar Weiß, Kanariengelb, Gelb, Orange.
23:28Dieser Waschhandschuh wurde im Gepäck von Löw gefunden.
23:34Er stammt aber weder aus dem Besitzer Löws noch aus dem Besitzer eines von Löws besuchten Hotels.
23:42Verschwunden ist bis heute auch Löws Brieftasche mit seinen Ausweispapieren.
23:47Josef Löws besaß einen sogenannten Familienpass, also keinen Einzelpass.
23:53In diesem Familienpass war sowohl sein eigenes Bild als auch das Bild seiner Frau eingearbeitet.
24:02Außerdem eine sogenannte Handwerkskarte,
24:08ausgestellt von der Handwerkskammer Bayreuth.
24:14Die Originalgröße dieser Handwerkskarte ist identisch mit der Größe eines Passes.
24:21Für Hinweise, die zur Klärung dieses Verbrechens führen, sind mehrere Belohnungen ausgesetzt.
24:27Insgesamt 2000 D-Mark und 1000 Schweizer Franken.
24:31Hinweise bitte hier in der Bundesrepublik an die Kriminalpolizei Konstanz.
24:37Telefon 2401.
24:40In der Schweiz an das Polizeikommando Thurgau in Frauenfeld.
24:45Telefon Frauenfeld 73061.
24:50Selbstverständlich nehmen auch alle anderen Polizeidienststellen und unsere Aufnahmestudios in München, Wien und Zürich Hinweise entgegen.
25:00Im nächsten Fall, meine Damen und Herren, geht es um einen Mann,
25:04der die Polizei und die Staatsanwaltschaften überall in der Bundesrepublik seit Jahren mit einer speziellen Betrugsmethode beschäftigt.
25:12Er heißt Eduard Schuster, ist 35 Jahre alt und stammt aus dem Ruhrgebiet.
25:18Schuster wird beschuldigt, immer wieder von Privatleuten gebrauchte Autos aufzukaufen
25:22und dabei mit ungedeckten Schecks zu bezahlen.
25:25Die Adressen seiner Opfer sucht er sich aus den Gebrauchtwageninseraten der Samstagszeitungen.
25:30Da er die Verkäufer prinzipiell nur an den Wochenenden aufsucht, können sie seine Schecks nicht gleich überprüfen.
25:37Die so ergaunerten Autos verschwinden dann auf nimmerwiedersehen, zum Teil im benachbarten Ausland.
25:43Eduard Schuster ist wie gesagt 35 Jahre alt,
25:461,70 groß und schlank.
25:48Er hat grau-grüne Augen und dunkelblonde Haare.
25:51Die Stirnglatze verbirgt er gelegentlich unter einem Toupet.
25:56Besonders auffallend, zwei Narben,
25:59eine unter dem linken Auge und die andere an der Stirn.
26:04Und zwei Warzen an der rechten Wange,
26:07die auf diesem dritten Foto sehr deutlich zu sehen sind.
26:13Für Hinweise, die zur Festnahme des Gesuchten führen,
26:16ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
26:19Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Essen,
26:22Telefon, Vorwahl 02141,
26:25Rufnummer 772021,
26:29an jede andere Polizeidienststelle oder an eines unserer Aufnahmestudios.
26:34Hier noch einmal die Rufnummern der Aufnahmestudios.
26:36Wien 823621,
26:42Zürich 235650
26:44und München 484941.
26:50Auch im nächsten Fall, meine Damen und Herren,
26:52geht es um einen alten Polizeikunden.
26:55Er gilt als typisch internationaler Rechtsbrecher.
26:59Der Mann heißt Jürgen Manter und stammt aus Wuppertal.
27:02Er nennt sich neuerdings auch Helmut Steidinger.
27:05Er ist sowohl schon aus deutschen wie auch aus Schweizer Gefängnissen ausgebrochen.
27:10Manter ist 26 Jahre alt und 1,72 groß.
27:14Er beschäftigt die Polizei seit mehreren Jahren.
27:17Einer der bemerkenswertesten Straftaten,
27:19die auf seinem Konto noch offen stehen,
27:21wurde vor fast zwei Jahren in Wuppertal verübt.
27:2819. Mai 1968.
27:31Ein Sonntag.
27:32Es ist kurz vor Mitternacht.
27:34Der letzte Zug der Wuppertaler Schwebebahn ist nur schwach besetzt.
27:39Im Stadtteil Elberfeld kommt Helga Sperber
27:42von einer kleinen Feier bei Freunden nach Hause.
27:46Es ist spät geworden und die Frau ist ziemlich müde.
27:49Sie will gleich zu Bett gehen.
27:54Noch bevor sie ihre Wohnung im dritten Stock des Hauses erreicht,
27:58fällt ihr ein anhaltendes Klopfgeräusch auf.
28:14Das ist ja unerhört.
28:23Elga Sperber will sich über den späten Lärm beschweren.
28:26Es gelingt ihr jedoch nicht festzustellen, woher die Geräusche kommen.
28:31In keiner einzigen Wohnung, nur im Treppenhaus brennt Licht.
28:36Auf der Straße merkt die Frau dann, dass das merkwürdige Klopfen aufgehört hat.
28:40Sie beruhigt sich schließlich und geht zurück ins Haus.
28:51Eine Stunde später ist das mysteriöse Klopfen wieder deutlich zu hören.
28:56Helga Sperber kann nicht mehr schlafen.
28:59Das darf doch einfach nicht wahr sein.
29:02Wütend steht sie noch einmal auf, um den Ruhestörer ausfindig zu machen.
29:10Das ist ja eine Unverschämtheit.
29:12Mitten in der Nacht so ein Krach, als ob hier keiner seinen Schlaf bräuchte.
29:17Wieder hört das penetrante Klopfen auf.
29:20Aber auch diesmal kann Helga Sperber nicht feststellen, woher es gekommen ist.
29:24Sie hofft, dass nach ihrem lautstarken Protest nun Ruhe sein wird und geht erneut zu Bett.
29:30Aber Helga Sperber findet vorerst noch immer keinen Schlaf in dieser Nacht.
29:35Unmittelbar nachdem sie das Licht gelöscht hat, ist das mysteriöse Klopfen wieder da.
29:43Nach einiger Zeit versucht die Frau noch einmal, der Ruhestörung auf den Grund zu gehen.
29:54So eine Unverschämtheit, das ist doch nicht zu fassen.
30:05Hallo? Ist da jemand?
30:09Hören Sie endlich mit dem Hämmern auf.
30:11Dekorieren Sie Ihr Schaufenster gefälligst am Tag.
30:14Wenn das Klopfen nicht aufhört, hole ich die Polizei.
30:19Anzeigen sollte man sowas.
30:22Wieder ist das Klopfgeräusch verstummt.
30:24Frau Sperber glaubt, dass im Pelzhaus Menke dekoriert wird.
30:27Und der Lärm dahergekommen ist.
30:29Einem dunklen Mercedes 230 S, der vor dem Pelzgeschäft steht,
30:33schenkt sie keine Beachtung, obwohl der Wagen keinem der Hausbewohner gehört.
30:37Frau Sperber hat sich geirrt.
30:39Der Lärm kam nicht aus dem Pelzgeschäft.
30:41Sie ist wieder weg. Los, mach weiter.
30:44Hinter einem an das Pelzgeschäft angrenzenden Bauzaun
30:47arbeiten seit drei Stunden zwei Männer an der Außenmauer des Hauses.
30:52Sie wissen, dass hinter dieser Mauer wertvolle Pelze und Rohfälle liegen.
31:22Sie finden Pelzmäntel, Jacken und Rohfälle im Gesamtfeld.
31:27Der Pelzwert von über 200.000 Mark.
31:32Die Einbrecher haben sich eines der renommiertesten Pelzateliers der Bundesrepublik ausgesucht.
31:40Einige besonders erlesene Modelle
31:42sind erst vor wenigen Wochen von einer internationalen Modejury prämiert worden.
31:59Die Männer lassen nicht ein einziges Stück zurück.
32:07Die Kripo findet am nächsten Morgen nur wenige Anhaltspunkte,
32:10die nicht ausreichen, die unbekannten Väter zu ermitteln.
32:13Nach acht Wochen müssen die Akten vorläufig geschlossen werden.
32:30Dann aber, nach einem weiteren Monat, am 9. August 1968,
32:35findet ein Angestellter des bestohlenen Kirschners zufällig eine entscheidende Spur.
32:41Auf einem kleinen Spaziergang während der Mittagspause
32:43kommt der Kirschner Hubert Bender an einem Pelzgeschäft in der Friedrich-Ebert-Straße vorbei.
32:48Das Schaufenster wird gerade neu dekoriert.
32:55Hubert Bender glaubt seinen Augen nicht zu trauen.
32:57Die Dekorateurin legt einen Breitschwanzmantel in die Auslage,
33:01den er selbst genäht hat
33:02und der vor drei Monaten im Pelz-Atelier Menke bei dem Einbruch gestohlen worden ist.
33:10Hubert Bender alarmiert sofort seinen Chef.
33:12Er ist sich seiner Sache sicher.
33:14Wirklich, Herr Menke?
33:15Ihr kennt doch meine Arbeit.
33:17Das ist garantiert der schwarze Breitschwanz,
33:19der im Modellwettbewerb in Frankfurt prämiert worden ist.
33:22Ja, ja, Bender, aber ich kann mir kaum vorstellen,
33:24dass ein Kollege ein geklautes Modell ins Fenster stellt.
33:26Noch dazu ein Wuppertal.
33:27Schon, aber der Mantel ist das.
33:30Am besten, Sie kommen schnell mal mit.
33:32Ist ja fast um die Ecke.
33:33Sie werden es selbst sehen.
33:36Am Pelzgeschäft erwartet die beiden Männer jedoch eine Überraschung.
33:41Na, Bender, wo?
33:43Ja, das ist ja...
33:46Also wirklich, Chef, ich schwöre Sie,
33:47vor 20 Minuten war er noch da.
33:49Ob Sie mir das glauben oder nicht.
33:50Das will ich Ihnen ja glauben, aber...
33:52Wo ist er denn?
33:54Weißer Kuckuck.
33:55Vorhin war er noch da.
33:57Und das war mein Breitschwanzmantel.
33:59Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.
34:00Sie sind sich absolut sicher?
34:02Absolut.
34:03Na gut, Bender.
34:04Dann hole ich die Polizei.
34:13Hubert Benders Entdeckung bringt die festgefahrenen Ermittlungen wieder in Gang.
34:17In dem Geschäft in der Friedrich-Ebert-Straße
34:19findet die herbeigerufene Polizei tatsächlich den von Bender entdeckten Breitschwanzmantel.
34:24Eine anschließende Durchsuchung der Lager- und Privaträume des Geschäftsinhabers fördert schließlich auch alle übrigen Pelze zutage,
34:31die im Pelzatelier Menke gestohlen worden sind.
34:35Auch die Frage, weshalb der Mantel aus der Auslage entfernt worden ist, kann geklärt werden.
34:40Aber weshalb haben Sie denn den Breitschwanzmantel gleich wieder rausgenommen aus dem Fenster?
34:44Sie hatten ihn doch gerade erst hineingelegt.
34:46Der Chef hatte ja gar nichts davon gewusst.
34:49Ich war gerade fertig mit dem Dekorieren.
34:51Da kam er vom Mittagessen zurück.
34:52Und wie er dann den Breitschwanzmantel im Fenster sieht, richtig erschrocken ist er.
34:57Und dann hat er gesagt, ich müsste ihn sofort wieder rausnehmen.
35:00Direkt angefahren hat er mich.
35:05Hat er denn gesagt, warum?
35:07Er hat gesagt, so ein teures Stück kann man nicht ins Fenster legen,
35:10sonst müsste man damit rechnen, dass deswegen vielleicht mal eingebrochen wird.
35:14Mehr hat er nicht gesagt.
35:16Die Beamten interessieren sich natürlich auch für die Frage,
35:19auf welche Weise die Pelze in das Geschäft in der Friedrich-Ebert-Straße gekommen sind.
35:24Herr Barelli, machen Sie sich doch nichts vor.
35:26Sie können sich doch jetzt nur selbst helfen, wenn Sie klar am Tisch machen.
35:29Oder glauben Sie, dass die anderen in der umgekehrten Situation Sie decken würden?
35:33Das Märchen vom großen Unbekannten nimmt Ihnen doch keiner ab.
35:37Also, wie heißen die Männer, von denen Sie die Pelze gekauft haben?
35:40Wenn ich es Ihnen doch sage, Herr Kommissar, ich kenne Sie nicht.
35:43Von dem einen weiß ich, dass er Hans heißt.
35:46Und der andere, der fuhr ein Mercedes und ich glaube, Jürgen heißt er.
35:50Mehr weiß ich nicht, Herr Kommissar, ehrlich nicht.
35:53Als die beiden zu mir gekommen sind, da habe ich mir gesagt,
35:55wer viel fragt, der kriegt auch viele Antworten.
35:59Naja, Herr Barelli, Sie müssen ja heute sowieso bei uns übernachten.
36:02Vielleicht fällt Ihnen dann noch was Vernünftiges ein.
36:05Gehen wir.
36:06Der zwielichtige Pelzhändler Barelli bleibt dabei, die beiden Einbrecher nicht zu kennen.
36:11Trotzdem gelingt es der Polizei, die Männer zu ermitteln, die die Pelze gestohlen und an Barelli verkauft haben.
36:18Einer von ihnen wird am nächsten Tag festgenommen.
36:21Er gibt den Einbruch in das Pelzatelier Menke zu und wird später, da er erheblich vorbestraft ist, zu sechs Jahren
36:28Zuchthaus verurteilt.
36:29Sein Komplize ist bis heute flüchtig.
36:32Er heißt Jürgen Manter.
36:37Der gesuchte Jürgen Manter ist in der letzten Zeit sehr viel umhergereist.
36:41Die Polizei konnte seine Spuren in verschiedenen Städten der Bundesrepublik, aber auch in der Schweiz, in Südfrankreich und sogar in
36:48Spanien feststellen.
36:49Hauptkommissar Otto Schmieler aus Wuppertal betreut die Akte Manter seit vielen Jahren.
36:54Ja, und nach den letzten Meldungen von Interpol können wir annehmen, dass Jürgen Manter sich wieder im Sendegebiet,
37:01das heißt in der Bundesrepublik, in Österreich oder in der Schweiz aufhält.
37:06Vor wenigen Wochen hatte er in Barcelona mit der spanischen Polizei Ärger und er dürfte dieses Land mit Sicherheit verlassen
37:14haben.
37:15Dies sind die neuesten Fotos von Jürgen Manter.
37:19In letzter Zeit hat er sich auch Helmut Steidinger genannt.
37:22Auf diesen Namen besitzt er im Übrigen auch falsche Papiere.
37:26Der Gesuchte ist 26 Jahre alt, 1,72 groß und schlank.
37:32Er hat blaugraue Augen und mittelblonde Haare.
37:38Möglicherweise hält er sich wie in früheren Jahren in Zuhälterkreisen auf.
37:43Für Hinweise, die zur Festnahme des Gesuchten führen, ist eine Belohnung von 1.000 Mark ausgesetzt.
37:51Hinweise bitte an die Kriminalpolizei in Wuppertal, Vorwahl 02121, Rufnummer 5671, an jede andere Polizeidienststelle oder an eines der Aufnahmestudios.
38:07Vielen Dank, Herr Schmiedler.
38:10Um die nächste Fahndung, meine Damen und Herren, hat uns Interpol Wien gebeten.
38:15Die österreichischen Behörden suchen einen Mann, der zu einer internationalen Autodiebesbande gehört und auch bereits zu drei Jahren schweren Kerkers
38:24recht kräftig verurteilt ist.
38:25Er heißt Erich Grünes und stammt aus Wien.
38:30Er ist 37 Jahre alt, 1,73 groß und hat mittelbraune Haare.
38:36Grünes hat zwei besondere Kennzeichen.
38:38An der linken Hand fehlt der Daumen.
38:41Am rechten Unterarm trägt er eine Tätowierung, Pferdekopf und Hufeisen.
38:46Grünes wird seit über drei Jahren gesucht.
38:48Er hat sich in dieser Zeit auch vorübergehend in München aufgehalten.
38:54Für Hinweise, die zur Festnahme des Gesuchten führen, ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
38:59Hinweise bitte an jede Polizeidienststelle oder an eines unserer Aufnahmestudios.
39:06Und jetzt, meine Damen und Herren, geht es um eine Art von Verbrechen, für das sich in den letzten zwei
39:11Jahrzehnten ein ganz spezielles Schlagwort eingebürgert hat.
39:15Taximord.
39:15Vor sechs Jahren, am 29. August 1963, wurde in der Nähe von Heidelberg die Mietwagenfahrerin Anneliese Steigleder neben ihrem Auto
39:26niedergeschlagen und mit 14 Messerstichen getötet.
39:31Verbrechen dieser Art haben meist immer dasselbe, das gleiche Motiv.
39:35Raub.
39:36Den Tätern geht es gewöhnlich um die Kasse des Fahrers oder um den Wagen selbst.
39:42Im Fall Steigleder liegen die Dinge aber ganz offensichtlich anders.
39:45Das Motiv für die Ermordung der 46-jährigen Frau liegt aber bis heute im Dunkeln.
39:51Die mutmaßlichen Mörder haben eine Menge mysteriöser Vorbereitungen getroffen, um Spuren zu vermeiden.
39:58Eine Woche vor dem Mord sind sie ganz gezielt von weit her angereist.
40:06Morgen, die Herrschaften.
40:07Morgen.
40:07Haben Sie wohl geschlagen?
40:19Guten Tag.
40:20Guten Tag.
40:21Guten Tag.
40:22Guten Tag.
40:22Wir hatten zwei Zimmer bestellt aus Hamburg.
40:24Ah ja, beim Nordreisebüro.
40:25Wenn Sie sich hier bitte eintreiben wollen.
40:29Freitag, 23. August 1963.
40:33In der Stiftsmühle, einem renommierten Hotel bei Heidelberg, treffen morgens gegen 9.30 Uhr zwei Gäste aus Hamburg ein.
40:39Sie nennen sich Wolfgang Vogt und Gerd Kretschmar.
40:43Sowohl die Namen als auch die angegebenen Adressen in Lübeck und Hamburg erweisen sich später als falsch.
40:51Von Beruf sind die neuen Gäste angeblich Monteure.
40:55Diese Berufsbezeichnung und auch die einfache Kleidung sind etwas ungewöhnlich in einem exklusiven Haus wie der Stiftsmühle.
41:01Die beiden Männer bewegen sich jedoch auffallend sicher in dem eleganten Rahmen.
41:25Am selben Abend im Speisesaal erweisen sich die neuen Gäste als anspruchsvolle Musikliebhaber.
41:30Haben die denn sonst noch einen Wunsch?
41:32Ja, wenn die Kapelle vielleicht etwas von Schubert spielen könnte.
41:35Und für mich im Anschluss den Blumenweiser von Tchaikovsky.
41:38Sehr wohl, meine Herren, ich werde das gleich bestellen.
41:40Und für die Kapelle eine Runde.
41:43Sehr wohl.
41:44An den Männern fällt eine gewisse Großzügigkeit auf und die Tatsache, dass einer von ihnen, der Größere, stets nur Apfelsaft
41:50trinkt.
41:58In den nächsten Tagen unternehmen sie mehrere Fahrten mit verschiedenen Taxis.
42:02Niemand kann später sagen, wohin.
42:12Mitunter kommen sie zu Fuß zum Hotel zurück, das seinen Namen, dem benachbarten Kloster, Stift Neuburg verdankt.
42:22Vier Tage lang nehmen die Männer keinen Kontakt auf mit Anneliese Steigleder.
42:28Ja?
42:29Die Frau betreibt in Schönau, einem kleinen Städtchen, 17 Kilometer von der Stiftsmühle entfernt, ein Mietwagenunternehmen.
42:36Ich hab's aufgeschrieben. Donnerstag, 10 Uhr, Orthopätsche Klinisch.
42:41Ja, natürlich.
42:42Frau Steigleder besitzt nur ein Fahrzeug, das sie selbst fährt.
42:46Einen Teil ihrer Aufträge erhält sie von Ärzten und Krankenkassen.
42:50Seit Jahren befördert sie Patienten aus Schönau und Umgebung in die Heidelberger Kliniken.
42:55Anneliese Steigleder hat zwei Söhne von 13 und 14 Jahren.
42:58Ihr Mann arbeitet in Karlsruhe und kommt in der Regel nur übers Wochenende nach Hause.
43:03Ja, ich muss jetzt in Schuhen, der Schreiber aus der Arbeit.
43:06Gott sei Dank.
43:07Ja, nicht?
43:08Was gibt's mir halt zu essen?
43:10Sei nicht so neigierig.
43:11Wirst schon sehen, was Oma macht.
43:13So, ja.
43:14Also los jetzt.
43:19Passt sie auf?
43:21Wir essen.
43:23Frau Steigleders Mutter, eine 69-jährige Frau, wohnt bei ihrer Tochter im Haus.
43:28Mutter, ich muss jetzt auch los.
43:30Ich muss um 8.00 Uhr mehr sein.
43:32Da will noch ein Gast nach Heidelberg fahren.
43:34Dann tun sie die das.
43:35Ach, ich denke in so eineinhalb Stunden.
43:37Also dann bis nachher.
43:39Wiedersehen.
43:41So.
43:51Montag früh am 26. August hat Frau Steigleder eine Fahrt nach Heidelberg.
44:06Am Morgen dieses Tages gegen 8.15 Uhr taucht auch einer der beiden Fremden aus der Stiftsmühle zum ersten Mal
44:12in Schönau auf.
44:13In einem Schreibwarengeschäft, an einem Kiosk und in der Bahnhofsgaststätte.
44:23Hallo Wirtschaft, ist denn hier niemand?
44:29Ja, ja, wo brengt's denn?
44:33Morgen, schöne Frau.
44:35Kann man denn hier mal einen Kaffee kriegen?
44:37Ich hab selber noch kein getrunken.
44:40Was gibt's denn sonst?
44:41Ein paar Würstchen.
44:44Na gut.
44:45Aber dann geben Sie mir noch einen Apfelsaft.
44:48Ah, bitte.
44:59Das Benehmen der beiden Männer aus der Stiftsmühle, das die Polizei in minutiöser Kleinarbeit rekonstruiert, wird immer undurchsichtiger.
45:08Am nächsten Tag, am Dienstag, dem 27. August, gibt einer von ihnen um 15.55 Uhr am Bahnhofspostamt in Heidelberg
45:16ein Telegramm auf.
45:18Adressiert an sich selbst.
45:21Wolfgang Vogt, Hotel Stiftsmühle.
45:27Bei seiner Rückkehr ins Hotel nimmt er das Telegramm mit gespielter Ahnungslosigkeit in Empfang.
45:37Den Herrschaften wird es zu teuer.
45:40Wir müssen morgen wieder abreisen.
45:42Wann wird das bitte sein?
45:43Brauchen Sie das Zimmer morgen Nachmittag noch?
45:45Ja, eigentlich schon.
45:47Wir müssen uns dann am Nachmittag noch ein wenig hinlegen.
45:50Es wird dann am Abend ein langer Tritt.
45:51Nun, wir werden es wohl einrichten können.
45:53Aha, ist gut.
45:59Und könnten Sie mir noch einen Apfelsaft aufs Zimmer schicken?
46:01Ja, aber selbstverständlich.
46:02Gerne.
46:05Am nächsten Nachmittag, noch bevor Sie in der Stiftsmühle endgültig ausgezogen sind, erscheinen die beiden Männer erneut in Schönau.
46:12Gegen 14.30 Uhr betritt zuerst der Größere der beiden, der sich Wolfgang Vogt nennt, das Postamt.
46:17Bitte?
46:18Ich hätte gerne mal ein Verangespräch.
46:19Willst du Sie die Nummer?
46:20Ja.
46:21Können Sie selbst wählen?
46:23Danke.
46:25Danke.
46:46Hallo, schon fertig?
46:47Ja.
46:48Was macht es denn?
46:504 Einheiten, 64 Pfennig.
46:54Ach, ich habe Sie noch gar nicht nach der Nummer gefragt.
46:57Wohin war das denn?
46:59Äh, Neckargemünd.
47:01Und die Nummer?
47:0322.02.
47:06Wie die Polizei später feststellt, hat der ominöse Postkunde eine falsche Nummer aufschreiben lassen.
47:12Er hat nicht mit diesem Anschluss in Neckargemünd telefoniert, sondern mit einem bis heute unbekannten, vermutlich weiter entfernten Teilnehmer.
47:24Zu diesem Zeitpunkt betritt auch der zweite Mann aus der Stiftsmühle, der angebliche Gerd Kretschmer, das Postamt in Schönau.
47:31Er geht an dem anderen Mann vorbei, als ob er ihn nicht kenne.
47:35Ich möchte ein Ortsgespräch.
47:38Welche Nummer bitte?
47:40293.
47:41Sie können es selbst wählen.
47:47Die Nummer 293 in Schönau gehört Anneliese Steigleder.
48:01Steigleder?
48:02Hier ist Berling.
48:04Sie machen doch Taxifahrten?
48:06Ja.
48:07Könnten Sie mich denn gleich jetzt mal zum Stift Neuburg fahren?
48:10Selbstverständlich.
48:11Wo sind Sie denn jetzt?
48:12Ich bin jetzt hier bei der Post, in Schönau.
48:15Ja, ist gut.
48:16Ich komme gleich.
48:17In ein paar Minuten bin ich da.
48:19In Ordnung.
48:20Nicht der Anrufer selbst, sondern der angebliche Wolfgang Vogt steigt wenige Minuten später zu Frau Steigleder in das Auto.
48:37Die Fahrt muss jedoch schon vor dem Kloster geendet haben, denn Frau Steigleder trägt, als sie später wieder zu Hause
48:43ankommt, nur 22 Kilometer in das Fahrtenbuch ein.
48:47Zum Stift Neuburg und zurück wären es aber 34 Kilometer gewesen.
48:55Unterwegs stellt der Fremde für die kommende Nacht eine größere Fahrt in Aussicht.
48:59Für sich und einen zweiten Mann, namens Schrader.
49:02Vom Stift Neuburg über Kirlach nach Speyer.
49:05Hin und zurück rund 160 Kilometer.
49:09Ja, das geht nicht auch.
49:10Der Fahrgast verspricht, sich auf jeden Fall noch einmal telefonisch zu melden.
49:25Steigleder?
49:27Tatsächlich ruft einer der beiden Männer, die in der Stiftsmühle endgültig ausgezogen sind, gegen 21 Uhr bei Frau Steigleder an.
49:35Woher das Gespräch kommt, ist nicht bekannt.
49:38Der Anrufer bittet Frau Steigleder, sie nachts gegen 3 Uhr am Portal des Stiftes Neuburg abzuholen.
49:45Schon am Nachmittag hat er der Frau erzählt, dass er im kirchlichen Auftrag unterwegs sei.
49:52Auf einem alten Briefumschlag hält Anneliese Steigleder neben dem Reiseweg auch noch einmal die beiden Namen fest.
49:58Schrader und Berling.
50:05Kind, wirst du die Fahrt jetzt wirklich machen?
50:08Natürlich, Mutter. Ist doch nicht dabei.
50:10Aber du fährst doch sonst mit in der Nacht.
50:13Ja, aber das ist doch ganz was anderes.
50:15Das sind ernsthafte Leute.
50:18Kirchenkuriere.
50:19Sie müssen morgen nach Speyer zum Bischof und ihr Auto ist kaputt gegangen.
50:23Ich weiß nicht. Ich hab kein gutes Gefühl.
50:28Ach, Mutter, du süß Gespenster.
50:31Ich muss jetzt ins Bett, sonst bin ich heute Nacht zum Miet.
50:54Frau Steigleders Mutter hat keine Gespenster gesehen.
50:58Um 3.15 Uhr in dieser Nacht schreckt in unmittelbarer Nähe des Klosters Neuburg ein 16-jähriges Mädchen aus dem
51:05Schlaf.
51:07Sie hört einen erregten Bordwechsel in der Nähe des Hauses.
51:15Auf dem schmalen Weg, der zum Stift führt, steht ein Auto mit eingeschalteten Scheinwerfern.
51:22Das Mädchen kann keine Einzelheiten erkennen, aber sie wird Ohrenzeuge eines verzweifelten Todeskampfes.
51:29Hilfe! Hilfe! Hilfe!
51:38Anneliese Steigleder ist tot.
51:40Mit elf Hieben mit einem Totschläger und 14 Messerstichen bestialisch ermordet.
51:46Ihre Leiche liegt im Gras neben dem Stiftsweg.
51:49Im fahlen Nachtlicht erkennt das Mädchen den abfahrenden Wagen, den Mercedes-Diesel der ermordeten Frau.
52:01Der Wagen, den die Täter mitgenommen haben, wurde am nächsten Morgen etwa sieben Kilometer vom Tatort entfernt gefunden.
52:08In der Nähe des Autos lag auch dieses Messer, mit dem Frau Steigleder erstochen worden ist.
52:14Der Kriminalrat Wilhelm Berg ist aus Heidelberg zu uns gekommen und er hat neben diesem Messer auch noch eine Reihe
52:21anderer interessanter Dinge mitgebracht,
52:22die heute Abend vielleicht auf die Spur der Täter führen können.
52:26Ja, immerhin sind seit der Tat nahezu sieben Jahre vergangen.
52:33Daran müssen wir denken bei der Würdigung unserer Anhaltspunkte.
52:38Vor allem bei den Personenbeschreibungen der Täter.
52:41In einem Falle ist die Personenbeschreibung zwar sehr genau, sie zeichnet aber den Mann natürlich so, wie er 1963 ausgesehen
52:53hat.
52:54Dieser Mann nannte sich im Hotel Wolfgang Vogt.
52:59Er fiel durch mehrere Besonderheiten auf.
53:01Er verlangte erstens ständig Apfelsaft, er hatte eine Vorliebe für Tchaikovsky und er bezahlte einmal auch mit amerikanischen Dollarnoten.
53:10Der Mann war circa 1,80 groß, 25 bis 35 Jahre alt und hatte mittelblonde, für die damalige Zeit ungewöhnlich
53:20lange Haare.
53:21Die Zeugen erinnern sich auch an seine hochgezogenen Schultern und an seinen schleppenden, vielleicht sogar etwas hinkenden Gang.
53:30Insgesamt machte er einen etwas ungepflegten Eindruck.
53:34Dieser Mann ist den Zeugen nicht so gut in Erinnerung geblieben.
53:40Diese Zeichnung skizziert deshalb nur in ungefähr den Typ dieses Mannes.
53:47Des zweiten Mannes also.
53:48Des zweiten Mannes.
53:49Er nannte sich seinerzeit Gerd Kretschmer.
53:53Er war circa 25 Jahre alt, etwa 1,65 bis 1,70 groß und hatte dunkle, kurzgeschnittene Haare.
54:03Insgesamt wurde er im Gegensatz zu dem ersten Mann als gepflegte Erscheinung bezeichnet.
54:10Die beiden Männer haben in der Stiftsmühle diese Meldeformulare ausgefüllt, die wir hier in der Vergrößerung haben.
54:18Obwohl die Angaben auf diesen Formularen natürlich alle falsch sind, sind sie für den Kriminalisten sehr nützlich und in diesem
54:25Fall vielleicht sogar auch besonders erfolgversprechend.
54:27Die Täter haben als Heimatadressen Straßen angegeben, die es in Hamburg und Lüneburg nicht gibt.
54:34Die Straßennamen Pottgasse und Große Reichstraße sind aber recht ungewöhnlich, sodass sie vielleicht nicht frei erfunden sind.
54:42Es ist vielmehr denkbar, dass die Täter an irgendeinem anderen Ort Beziehungen zu Straßen mit diesen Namen haben.
54:49Frage also, wo gibt es oder gab es eine Pottgasse und eine Große Reichstraße?
54:56Große Reichstraße, Pottgasse.
54:58Wir haben selbst schon versucht, diese Fragen zu klären, allerdings ohne Erfolg.
55:05Es ist sehr gut möglich, dass diese Straßen in den ehemaligen deutschen Ostgebieten diese Namen tragen.
55:15Einer der Männer gab als Geburtsort nämlich den Ort Arnsdorf im Kreis Lignitz an.
55:23Diese Angabe ist überprüft.
55:27Der Mann ist unter diesem Namen und an diesem Tage in Arnsdorf nicht geboren.
55:34Aber es ist doch immerhin sehr bemerkenswert, dass er diesen kleinen Ort in Schlesien im Kreise Lignitz mit rund 2000
55:44Einwohnern, der seit Kriegsende einen anderen Namen trägt, überhaupt kannte.
55:51Noch bemerkenswerter, meine Damen und Herren, erscheint diese Tatsache, wenn man weiß, dass Anneliese Steigleder von 1941 bis 1945 an
56:02einem schlesischen Theater als Gewandmeisterin tätig war.
56:05Und zwar in Lignitz.
56:07Vielleicht gibt es in dieser Zeit irgendeine Verbindung aus dieser Zeit zwischen Anneliese Steigleder und ihren späteren Mördern.
56:16Eine Verbindung, die bis heute nicht aufgedeckt worden ist.
56:19Frau Steigleder war damals noch nicht verheiratet.
56:22Sie trug also ihren Mädchennamen Anneliese Weber.
56:26Dieses Foto stammt übrigens aus dem Jahre 1961.
56:30In Lignitz war Anneliese Weber also etwa 20 Jahre jünger.
56:34Vielleicht können uns auch die Falschnamen, die die Täter führten, weiterhelfen.
56:41Es wäre nicht der erste Fall in der Kriminalgeschichte.
56:45So nannten sich diese beiden Männer im Hotel Vogt und Kretschmar.
56:53Bei Frau Steigleder stellten sie sich mit den Namen Schrader und Berling vor.
57:00Das Telegramm, mit dem sie sich im Hotel selbst abberiefen, trug die Unterschrift Lindemann.
57:10Frage, wo haben zwei Männer, auf die die Beschreibung zutrifft, diesen Namen schon einmal verwendet?
57:21Unmittelbar am Tatort, meine Damen und Herren, hat die Polizei den Teil eines Manschettenknopfes gefunden,
57:27der ganz offensichtlich von den Tätern stammt und der wahrscheinlich beim Kampf verloren worden ist.
57:32Und zwar eine solche dreieckige Perlmutt-Einlage aus einem solchen Knopf.
57:38Hier, diese Einlage ist gefunden und dieser Knopf gehört dazu.
57:42Es wäre denkbar, dass nach dem August 1963 irgendwo das Fehlen eines solchen Knopfes,
57:49das Fehlen einer Einlage in einem solchen Knopf gemerkt worden ist.
57:53Für Hinweise, die zur Aufklärung dieses Verbrechens führen,
57:59sind Belohnungen von insgesamt D-Mark 5000 ausgesetzt.
58:05Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Heidelberg, Telefonvorwahl 06-221,
58:15Rufnummer 27251, an jede andere Polizeidienststelle oder eines der Aufnahmestudios.
58:25Vielen Dank, Herr Berg.
58:27Meine Damen und Herren, wir haben jetzt noch eine wichtige Personenverhandlung.
58:31Zuerst wollen wir aber in unseren Aufnahmestudios anfragen,
58:34was es dort möglicherweise an ersten Ergebnissen gibt.
58:38Unser erster heutiger Fall spielte ja sehr stark in die Schweiz.
58:41Deshalb zuerst nach Zürich.
58:43Werner Vetterli, wie sieht es aus? Können Sie uns etwas sagen?
58:45Ja, leider nichts Positives.
58:47Entweder hat Apollo 13 oder in der Schweiz die 13. XY-Sendung,
58:53die Leute derart strapaziert in Bezug auf Spannung,
58:56dass die Leute einfach schlicht einfach müde sind.
58:59Oder dann, und darauf hoffen wir, ist es die Ruhe vor dem großen Sturm.
59:04Wir haben ja oft die Erfahrung gemacht, dass die Leute erst nach der Sendung uns anrufen.
59:08Und wir haben doppelte Hoffnung, weil, soviel ich informiert bin,
59:12ja auch der letzte Fall noch in die Schweiz hineinspielt.
59:16Ja, vielen Dank, Herr Vetterli.
59:18Ja, vielen Dank.

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