- vor 6 Wochen
Im Sommer 1990 wurde in einem Wald bei Beeskow ein
bestialischer Mord entdeckt. Das Opfer war eine
Krankenschwester aus Berlin. Die Suche nach dem Täter war sehr
schwierig. Wie es gelang, den Täter nach 14 Jahren zu
überführen, erzählten die Ermittler erstmals vor der Kamera.
bestialischer Mord entdeckt. Das Opfer war eine
Krankenschwester aus Berlin. Die Suche nach dem Täter war sehr
schwierig. Wie es gelang, den Täter nach 14 Jahren zu
überführen, erzählten die Ermittler erstmals vor der Kamera.
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00:16Ja, schön, dass Sie bei uns sind und willkommen zu einem Täter-Opfer-Polizei-Extra mit einem Fall aus Berlin
00:21und Brandenburg.
00:22Und das heute auch im Wortsinn, weil beide Bundesländer eine wichtige Rolle spielen.
00:26Ein sehr berührender Fall. Eine junge Frau, eine Krankenschwester wird auf furchtbare Weise umgebracht.
00:32Sie ist in Ost-Berlin groß geworden. Sie will gerade durchstarten, nach dem Mauerfall die neue Freiheit genießen, nach Frankreich
00:38fahren.
00:39Doch dann trifft sie auf ihren Mörder.
00:4214 Jahre lang bleibt das Verbrechen ungeklärt. Wie es dann doch gelingt, diesen Fall zu lösen, das wollen wir heute
00:48erzählen.
01:03Der Täter hat ja gestochen, mit Knüppel geschlagen. Er hat sie gewürgt. Es hat alle gewurmt, dass wir genau diese
01:11Tat lange nicht aufklären konnten.
01:13Es war alles zertreten und man konnte dann deutlich sehen, also hier ist irgendwas passiert.
01:22Ja, es war mein erstes Tötungstelekt, was ich bearbeitet habe, sodass für mich natürlich wichtig war, jetzt hier keine Fehler
01:28zu machen.
01:29Also ich wollte es nicht nur gut machen, ich wollte es sehr gut machen.
01:33Jörg Tegge ist Staatsanwalt. 1990 war er noch ganz neu in der Abteilung für Mord und Totschlag,
01:40als er an jenem 17. Juni von dem brutalen Verbrechen erfährt, das ihn viele Jahre beschäftigen wird.
01:47Wir konnten im Wald eine Person feststellen, die aber für uns noch nicht klar als Mann oder Frau zu identifizieren
01:57war.
01:57Ein Fund, der in diesem Wald bei Besko gemacht wird. Im Osten Brandenburgs.
02:04Dort ist im Juni 1990 Wolfgang Österreich unter den Ersten am Tatort.
02:10Er ist der Forensikexperte für biologische Spuren und erinnert sich auch Jahrzehnte später noch an jenen Augenblick.
02:20Damals musste man sich bücken, um an den Fundort der Leiche zu kommen.
02:24Die Bäume, die waren vielleicht zwei, drei, vier Meter hoch und besonders war, dass dort sehr viel Blut an der
02:31Bekleidung zu sehen war.
02:34Die Kriminaltechniker sichern 1990 alle Spuren, die sie mit den damaligen Möglichkeiten finden können.
02:42Im Lauf der Untersuchung wird auch klar, das Opfer ist eine Frau, die brutal getötet wurde.
02:50Also wir haben bei der Sektion eine Vierzahl an Gewalthandlungen feststellen können.
02:55So fanden wir zum einen hier diese Stichschnittverletzung.
02:58Wir fanden Hinweise darauf, dass das Opfer am Hals massiv gehirkt wurde.
03:03Wir fanden es weiteren Hinweise dafür, dass mit einem groben Gegenstand in den Gesichtsschälbereich hineingeschlagen wurde.
03:12Auffällig sind vor allem die vielen Stichverletzungen.
03:1533 Mal wurde auf die Frau eingestochen.
03:20Dann stoßen Kriminaltechniker im Wald auf etwas Seltsames, fast 200 Meter von der Leiche entfernt.
03:28Durch die Kriminaltechniker wurden wir dann noch auf einen größeren Baum aufmerksam gemacht.
03:36In dem Umfeld wurden verschiedene Dinge gefunden, unter anderem frisch abgebrochene Kiefernäste und Gurtbänder, die zusammengeknotet waren.
03:51Und direkt am Baum auch Faseranhaftungen und Haare, die augenscheinlich erstmal die Länge des Haares der Geschädigten hatten.
04:03Es lag nahe, dass der Kopf hier in dieser Höhe war und hier unten dann die Geschädigte gesessen hat und
04:11die Hände entweder nach vorne oder nach hinten gefesselt war,
04:15weil das Fesselungswerkzeug hier in der Nähe aufgefunden wurde.
04:21All diese Funde helfen zwar dabei zu rekonstruieren, was passiert ist, aber um den Ablauf besser zu verstehen, entscheidet Jörg
04:30Tegge,
04:30im Wald bei Besko am Tatort wird alles nachgestellt.
04:36Wir haben dann eine Kollegin vom LKA, die etwa genauso groß war wie das Opfer, gebeten, sich an diesen Baum
04:47zu setzen, sich fesseln zu lassen.
04:49Wir haben hier ein entsprechendes Bild dazu. Wir haben daraus rückschlüssen können, in welcher Position sich die Geschichte befunden haben
04:56muss.
04:58Und wo die Frau noch überall gefesselt war.
05:04Wir konnten dann auch die Beschädigung an dem Baum, die knapp oberhalb des Kopfes, der am Boden sitzenden Polizeibeamten zuzuordnen
05:16war,
05:16dann auch einem Tatgeschehen zuordnen.
05:20Jemand muss mit einem Stock zugeschlagen haben, auch gegen den Baum, an dem die Frau gefesselt war.
05:27Direkt über ihren Kopf, dort, wo man das Haar fand.
05:33Aber irgendwie kann sie sich befreien, bricht dabei Äste ab und rennt um ihr Leben.
05:38Doch die Frau wird verfolgt und wieder attackiert.
05:42Schließlich überwältigt und dann getötet, dort, wo sie am 17. Juni 1990 entdeckt wird.
05:49Der Fall erregt viel Aufmerksamkeit in der Region.
05:54Das erste Mal über diesen Mord hatte ich eigentlich erfahren.
05:57Da war ich selbst noch am Wechsel von der 10. zur 11. Klasse. Ich war also noch Schüler.
06:02Für den damals 16-jährigen René Brümmer, in der gerade noch existierenden DDR, ist es der erste Mord, der ihm
06:09in seinem Leben begegnet.
06:11Ich komme ja aus dem Bereich Oderspray und es war ja auch so, bis zur Wende, wo ich über Tötungsdetekte
06:19in der DDR eigentlich kaum irgendwie in den Medien kommuniziert.
06:22Ja, und dass ich dann Jahre später damit mal direkt zu tun hatte, das wusste ich jetzt zu dem Zeitpunkt
06:27noch gar nicht.
06:27Ich wusste ja noch nicht mal, dass ich Polizist werde.
06:30Und zwar der Polizist, der für die Aufklärung des Falles eine entscheidende Rolle spielen wird.
06:40Die zweite Begegnung mit dem Fall hatte ich im Jahr 1994.
06:43Ich war damals Student gewesen für den gehobenen Dienst der Polizei und hatte ein mehrwöchiges Praktikum bei der Mordkommission hier
06:50in Frankfurt-Oder.
06:51Als man mir den Fall auf den Tisch gelegt hatte, wusste ich, das ist der Fall, von dem ich 1990
06:55in der Zeitung gelesen hatte.
06:57Der 20-jährige René Brümmer erlebt so das erste Mal, was ein ungeklärter Mordfall auslösen kann.
07:05Für viele Kollegen, die damals schon mitgearbeitet hatten an diesem Fall, war dieser Fall ja ein Stachel im Fleisch der
07:13Mordkommission.
07:14Und alle wollten im Prinzip diesen Fall auch geklärt haben.
07:17Und deshalb war ja nicht bloß für mich wichtig, sondern auch im Prinzip für unser gesamtes Umfeld in der Mordkommission.
07:24Denn lange war unklar, warum wurde die Frau so brutal getötet.
07:28Mit harten Schlägen und mit 33 Messerstichen.
07:31Und warum findet sich erstmal keine Spur, die auf den Mörder hinweist.
07:37Im Wald finden die Ermittler eine erste Erklärung dafür.
07:44Die Leiche lag ja mit dem Kopf in diese Richtung.
07:47Also wird wahrscheinlich das so gewesen sein, dass er die Leiche unter den Armen gefasst hat und rückwärts durchgegangen ist.
07:56Und bei diesem Ganzen ist ja, da muss man schon sehr schmal sein, wenn man nicht irgendwo aneckt.
08:04Und dort hat man dann natürlich die Bereiche, wo der Kontakt am ehesten ist, in Augenschein genommen.
08:11Wir haben dann alles abgeguckt, aber es war nicht zu finden.
08:17Auch die Blut- und Gewebesporen aus dem Wald, die man im Juni 1990 auswerten kann,
08:23bringen zu dem Zeitpunkt nur den Hinweis, sie stammen von der Toten.
08:29Genauso wie der Schlüsselbund und die Uhr, die bei ihr liegen.
08:34Wir hatten keinerlei Hinweise darauf, um wem es sich bei dieser Person handelt.
08:39Wir haben dann, noch bevor wir die Sektion durchgeführt haben,
08:43durch die Gerichtsmedizin eine Art Leichenkosmetik durchführen lassen
08:48und sind dann mit dem Bild in die Fahndung gegangen.
08:51Mit dem präparierten Bild von der Frau wird öffentlich um Hinweise gebeten.
08:57Und es bringt tatsächlich eine erste heiße Spur.
09:00Bei der Polizei meldet sich ein Mann.
09:02Er war damals Förster in dem dortigen Bereich, war auf dem Weg nach Hause,
09:08ist dann an dieser Lichtung vorbeigegangen, hat einen Einblick in diesen Waldweg erhalten
09:12und hat hier einen Pkw stehen sehen und eine männliche Person, die sich für ihn sehr auffällig verhielt,
09:19die den Eindruck vermittelt hat, wenn sie sich verstecken wollte hinter dem Pkw.
09:24Der Förster denkt deshalb, dieser Mann will im Wald vielleicht austreten und geht weiter.
09:29Was er nicht weiß, wahrscheinlich stört er den Täter dabei, die Leiche zu beseitigen.
09:33Ermittlernd fällt aber etwas auf.
09:36Als ich direkt an der Leiche war, kam ein Geruch in meine Nase, wo ich jetzt erstmal lange ein bisschen
09:45überlegen musste,
09:46irgendwas war es Besonderes, bis es mir dann dämmerte, dass das Benzin ist.
09:54Vermutlich wollte der Täter die Leiche verbrennen, wurde dann aber vom Förster gestört.
10:00Der Förster kann den Mann mit dem Auto beschreiben, so entsteht dieses Phantombild.
10:06Allerdings ist es so vage, dass es erstmal nicht weiterführt.
10:12Dafür aber klärt sich sechs Tage nach dem Leichenfund, am 23. Juni 1990, die Identität der Toten.
10:20Denn jetzt kommt eine Information aus Berlin.
10:24Dass dort eine junge Krankenschwester vermisst wird.
10:28Wir wussten dann, dass die in Berlin vermisste Uta S. unser aufgefundenes Opfer ist.
10:37Es ist die 24-jährige Uta S., eine Krankenschwester aus dem Hedwig-Krankenhaus, die von ihrer Schwester vermisst wurde.
10:46Am 16. Juni war die junge Frau nach der Abendschicht noch mit ihrem Rad unterwegs.
10:52So wurde sie das letzte Mal lebend gesehen.
10:55Sie wollte mit jemandem in Frankreich telefonieren, was 1990 in der DDR noch ein Problem war.
11:01Wir wussten, dass sie beabsichtigt, ihren Freund anzurufen.
11:05Die einzige Möglichkeit, Auslandsgespräche zu führen, zum damaligen Zeitpunkt war es, die Telefonzellen in der des damaligen Hauptbahnhofes aufzusuchen.
11:16Dort sind an jenem Abend die Telefonzellen aber geschlossen.
11:20Wahrscheinlich trifft Uta S. hier auf den Täter, der vielleicht Hilfe anbietet.
11:25Und sie deshalb mitgeht und ins Auto steigt.
11:34Die entscheidende Frage für uns, wer war der Täter?
11:37Und wie und mit wem kamen die Geschädigte an den Aufwindort, 90 Kilometer entfernt von Berlin.
11:45Wo sie am 17. Juni 1990 von Spaziergängern entdeckt wird.
11:51Also insgesamt haben wir, glaube ich, anderthalb Jahre, zwei Jahre ermittelt in der Sache, bis wir dann an unsere Grenzen
11:58zum damaligen Zeitpunkt gestoßen sind.
12:01Wir waren uns zum damaligen Zeitpunkt natürlich auch bewusst, dass wir jederzeit die Ermittlungen wieder aufnehmen werden.
12:05Und insoweit war der Optimismus, die Tat aufzuklären, natürlich immer vorhanden.
12:14Es kommt dann wieder Bewegung in den Fall.
12:1713 Jahre nach der Tat werden die Ermittlungsakten wieder zur Mordkommission gebracht.
12:22Dort arbeitet inzwischen René Brümmer.
12:25Meine dritte Begegnung war dann im Jahr 2003 in etwa mit dem Fall.
12:30Die Mutter von der Uta ist, sie hatte sich an die Polizei gewandt mit der Bitte, dass wir nochmal Nachforschung
12:39anstellen.
12:40Insbesondere vielleicht auch hinsichtlich der neuen Entwicklung mit DNA, Kriminaltechnik und solchen Dingen.
12:47Und ich bin dann der verantwortliche Sachbearbeiter geworden für diesen Fall und hatte ihn dann im Prinzip in meiner eigenen
12:54Hand.
12:56René Brümmer arbeitet sich von da an durch die Akten.
13:00Durch 15 Bände mit über 1900 Seiten.
13:04Und das nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals.
13:09Einmal, um überhaupt so einen Überblick zu bekommen nochmal über den gesamten Sachverhalt.
13:14Dann halt nochmal vertiefend gelesen und dann schon angefangen aufzuschreiben, wo man vielleicht Widersprüche sieht oder Auffälligkeiten.
13:21Dann hatte ich den Vorgang einmal gelesen, komplett aus Sicht des Opfers.
13:25Ich hatte also versucht, mich jetzt in die Uta reinzuversetzen, wie das alles abgelaufen ist damals.
13:30Um da vielleicht nochmal eine Idee zu haben, was man ermittlungsmäßig machen kann.
13:35Und das selber auch nochmal aus der Sicht eines potenziellen Täters.
13:41Dazu gehört für die Mordermittler auch, an den Ort des Verbrechens zurückzukehren.
13:47Sich also den Tatort im Wald bei Biskow selbst anzuschauen.
14:01Wir kannten es ja von damals nicht. Wir kannten nur die Protokolle und wollten einfach mal gesehen haben, wie es
14:06hier aussieht,
14:06dass man doch mal so die Örtlichkeit ins Verhältnis setzen kann.
14:12Naja, wir sind ja auch bloß Menschen als Mordermittler.
14:16Und wenn wir mit bestimmten Fällen zu tun haben, mit bestimmten Konstellationen, lässt einen das ja auch nicht kalt.
14:21Und das war ja halt so ein Fall.
14:22Und deswegen war das Bestreben auch von den ganzen Kollegen, die sich damit beschäftigt haben, diesen Fall auch aufzuklären.
14:27Und uns hat dieser Fall auch bewegt.
14:30Und deswegen waren wir natürlich auch hier, um an diesem Ort gewesen zu sein, wo diese Tat vollzogen wurde, diese
14:36grausame Tat.
14:41Für mich war immer so ein Motto, wenn mir die Fälle egal sind, wenn sie mich nicht mehr berühren,
14:46dann sollte ich mir vielleicht was anderes suchen bei der Polizei, wo ich damit Dienst verrichte.
14:49Aber nicht mehr in der Mordkommission.
14:53René Brümer will herausfinden, warum Uta S. hier ermordet wurde.
14:58Bei seinen neuen Ermittlungen stößt er auf eine interessante Information zur Tatwaffe.
15:04Uta S. besaß so ein Messer und hatte es immer bei sich. Es wurde aber nie gefunden.
15:10Die Mutter von Uta S. erklärt nun, sie hat genau das gleiche Messer.
15:16So, jetzt hatten wir die Aussage der Mutter dazu und hatten das Messer auch der Rechtsmedizin vorgelegt,
15:21ob das Messer von der Größe her, von der Klingengröße geeignet wäre,
15:27die Verletzungen, die später bei Uta festgestellt worden sind, auch zu verursachen.
15:31Und die Rechtsmedizin kam zu dem Schluss, dass dieses Messer sehr wohl geeignet ist.
15:36Für uns war dann der Rückschluss, dass die Variante im Raum stand, dass Uta durch ihr eigenes Taschenmesser getötet worden
15:43ist.
15:45Doch von wem? Und wo ließ der Mörder das Taschenmesser von Uta S. dann verschwinden?
15:53Bei der Polizei sucht auch Wolfgang Österreich weiterhin nach Antworten.
15:581990 hatte er die Spuren ausgewertet und setzt 2004 auf neue Erkenntnisse durch verbesserte Methoden.
16:06Jahre danach erinnern sich die beiden Ermittler an die entscheidenden Momente dieser langen Spurensuche.
16:14Was ist das jetzt hier?
16:16Das war doch das Gurtband hier, ne?
16:19Das ist jetzt die Stelle, wo Uta gefesselt worden ist, dann?
16:24Ja.
16:25Und das passt ja dann ganz gut jetzt hier, ne?
16:27Ja, das ist das, was die Ermittler denn gemacht haben als Rekonstruktion, um das nachzustellen.
16:32Und das erklärt er zumindest von der Höhe der Anhaftung der Haare am Stamm auch die sitzende Position.
16:41Noch eins fehlt, das ist das G2-G2-Satz.
16:46Und das ist jetzt hier nochmal das Unterhemd, ne?
16:49Das ist das Unterhemd, was ich 2004 dann untersucht hatte und wo wir als erstes die sekretverdächtigen Anhaftung hier unten
17:05auf der Vorderseite festgestellt haben.
17:09Und wo ein gewisser Hoffnungsschimmer aufkam, dass wir möglicherweise sogar noch mehr finden können.
17:16Denn seit dem Fund vom 17. Juni 1990 hat sich die Spurenauswertung revolutioniert.
17:23Da damals alle Funde in der Asservatenkammer der Polizei gesichert wurden, können ab 2004 die alten Asservate wie die Kleidung
17:31von Uta S. zum Beispiel neu ausgewertet werden.
17:37Alles landet wieder bei ihm, bei Wolfgang Österreich.
17:41Versehen mit zwei Zielen.
17:43Mit neuer Technik Spuren des Täters entdecken, die 1990 noch nicht zu finden waren.
17:48Und die dann mit neuesten Methoden analysieren.
17:55Die Fragestellung war in erster Linie, DNA-Spuren jeglicher Art an dem Untersuchungsmaterial, das heißt Jeanshose, Jacke, Slip und Unterhemd,
18:08auf Fremdanhaftungen zu untersuchen.
18:12Die Ermittler beginnen mit dem Unterhemd von Uta S.
18:19Und es zeigte sich, dass an einer Stelle des Unterhemdes, obwohl es so durchblutet war, hier eine positive Vorprobe auf
18:30Spermasekret ergab.
18:33Also der erste Hinweis auf den Mann, der mit Uta S. am Tatort bei Besko war und sie dort auch
18:40sexuell misshandelte.
18:42An einer Vielzahl von Proben sind Merkmalsgemische festgestellt worden, das heißt von der geschädigten und einer männlichen Person.
18:51Und an einer Spur haben wir ein vollständiges DNA-Profil einer männlichen Person festgestellt.
18:58Und dieses war so intensiv, dass wir hier ein vollständiges DNA-Profil der männlichen Person generieren konnten, das dann auch
19:09geeignet war für die Einstellung in die bundesweite DNA-Datenbank.
19:14Dort gibt es 2004 tatsächlich einen Treffer.
19:19Also mit dem Eingang der Treffermeldung vom LKA war für uns jetzt klar, es ist hier eine Tür aufgegangen, wo
19:26wir das erste Mal eine Chance haben, diesen Fall wirklich richtig zu klären.
19:32Und dessen waren wir uns bewusst und natürlich war man auch emotional dann auch so eingestellt.
19:38Wir hatten jetzt die Chance und jetzt wollten wir natürlich auch.
19:44Die Informationen führen nach Rathenow und in die Umgebung der Stadt.
19:48Hier lebte der gesuchte Mann, ein Gebrauchtwarenhändler, der damals 40 Jahre alt ist.
19:53Und die Treffermeldung war der Olaf H., der bereits in einem Tötungsdelikt in polizeilichen Erscheinung getreten ist, weswegen er auch
20:02in der DNA-Datenbank einlade.
20:04Denn Olaf H. hatte 1993 in Schwedt, in dieser Wohnung, eine 19-jährige Schülerin getötet.
20:12Der für diesen Fall zuständige Staatsanwalt war Jörg Tecge, der Olaf H. zum Mord in Schwedt befragte.
20:19Letztlich erzählte er uns dann die Geschichte, dass er Kontakt hatte.
20:24Man hätte Geschlechtsverkehr miteinander gehabt, und zwar freiwillig.
20:29Und dass es dann in den Morgenstunden zu einer kleineren Auseinandersetzung gekommen sei.
20:37Er schilderte das als Unfallgeschehen.
20:40Ja, aber sie trösten wollen und das sei dann wohl ein bisschen heftiger geworden und er hätte das aber nicht
20:45gewollt.
20:45Allerdings schafft er 1993 die Leiche der Schülerin auf diese 100 Kilometer entfernte Mülldeponie und verbrennt sie dort.
20:55Jörg Tecge glaubt damals nicht an einen Unfall.
20:58Also ich habe ihn wegen Mordes angeklagt.
21:00So als ich davon ausgegangen bin, dass hier möglicherweise ein Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Geschirchen stattgefunden hat.
21:07Und um diesen Geschlechtsverkehr zu verdecken, entschloss er sich dann aus Sicht der Staatsanwaltschaft, die Geschädigte zu töten.
21:16Doch an der verbrannten Leiche der Schwedter Schülerin lässt sich 1993 die Vergewaltigung und damit das Mordmotiv nicht mehr nachweisen.
21:26Olaf H. wird trotzdem verurteilt.
21:28Zu acht Jahren Haft wegen Totschlags.
21:33Was die Tötung anbetraf, war natürlich für uns wichtig, gibt es jetzt Parallelen zu der Tötung von Uta.
21:40Und hier war ganz auffällig halt das Verbrennen der Leiche.
21:48Also Olaf H. hat wohl die Tendenz, Leichen verschwinden zu lassen, mit Benzin übergossen und angezündet.
21:54Auch Uta S. wird 1990 im Wald bei Besko mit Benzin übergossen.
22:00Olaf H. wird dann wohl vom Förster gestört, bevor er die Leiche anzünden kann.
22:06Wir wussten auch, dass er zu Sexualdelikten neigt, dass er gewalttätig werden kann.
22:12Das waren alles so Punkte, die dafür sprachen, dass wir jetzt hier tatsächlich den richtigen Täter haben.
22:19René Brümmer setzt 2004 ein Spezialeinsatzkommando in Bewegung, das Olaf H. morgens um 5.30 Uhr festnimmt und direkt zur
22:28Vernehmung bringt.
22:30Natürlich hat man gehofft, er wird früh festgenommen durch das SEK, er kommt bei uns in die Vernehmung und bricht
22:38zusammen, dass hier etwas passiert ist.
22:40Doch Olaf H. gesteht nicht.
22:45Er beschränkte sich darauf zu sagen, er hätte mit vielen Frauen Sex gehabt und möglicherweise kam damit auch Spurenmaterial zustande.
22:52Und wir hatten ihm ja noch ein Bild von Uta vorgelegt, ein Lebenfoto, wo er sagte, er kennt die Frau
22:57nicht, aber er kannte halt damals so viele Frauen.
22:59Wir haben auch noch ein Leichenfoto vorgelegt und auch hier sagt er, kennt ihr nicht.
23:08Olaf H. bleibt dabei. 14 Stunden lang wird er befragt.
23:14Für uns war auffällig, dass alles, was so die Tötung von Uta betraf, dieses Thema ließ ihn eigentlich kalt. Völlig
23:23gefühlskalt.
23:24Und das Einzige, wo er Emotionen zeigte, war, wenn es um ihn selbst ging. Das war ihm wichtig, er selbst
23:30war sich wichtig.
23:31Aber alles andere spielte für ihn überhaupt keine Rolle.
23:36Doch die DNA-Spuren an der Leiche von Uta S. stammen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 753 Billionen von
23:44Olaf H.
23:46Damit konfrontiert bricht er am nächsten Tag zusammen.
23:50Hast du dir überhaupt eine Vorstellung, wenn es 753 Billionen Mal heißt?
23:56Und ja, letztendlich fing er dann irgendwann auch an zu weinen.
24:03Und fing dann an, dass es damals eine Sache gab, seiner Erinnerung nach, mal einem Mädchen sehr wehgetan hat.
24:10Und das war dann für uns der Einstieg ins Geständnis.
24:17Ein Geständnis, das Olaf H. danach nie mehr wiederholen, teilweise sogar wiederrufen wird.
24:23Er gibt später nur zu, dass er in Berlin tatsächlich Uta S. getroffen hat.
24:28Dort, wo die 24-Jährige eigentlich telefonieren wollte.
24:32Er bot Hilfe an und sie ging mit ihm mit.
24:35Dann sei es zwar zu einer Auseinandersetzung gekommen, als er sich aber von ihr trennte, habe sie noch gelebt.
24:45In Wirklichkeit verschleppt er die junge Krankenschwester in den Wald bei Besko.
24:50Dort schlägt und sticht er immer wieder auf sie ein.
24:55Bis sie sich nicht mehr rührt.
25:00In Frankfurt-Oder wird Olaf H. 2005 mit den vielen Beweisen zu 15 Jahren Haft verurteilt, wegen Totschlags.
25:12Seitdem sind Jahre vergangen.
25:14Doch an Uta S. wird sich Kommissar René Brümmer immer erinnern.
25:20Nachdem die Verurteilung gewesen ist, von dem Olaf H., hat mir die Mutter von der Uta eine Kerze geschenkt, oder
25:30ein Kerzenlicht, als kleines Dankeschön dafür, dass wir die Sache aufgeklärt haben.
25:38Ist nicht so normal, dass man dann so ein Dankeschön bekommt. Das war mir auch persönlich dann wichtig.
25:43Und egal, in welchem Büro ich in der Polizei gearbeitet habe, also dieses Licht steht immer in diesem Büro, dann
25:51auf dem Fensterbrett.
25:53Genau so wie jetzt hier auch immer.
25:55Ich würde so hohe mal bleiben.
26:02Für ihre Familie bleibt die Gewissheit, 15 Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod wurde der Täter endgültig überführt.
26:13Ja, und auch für Staatsanwalt Jörg Tegge ist die Aufklärung dieses Verbrechens unglaublich wichtig.
26:19Denn so bleibt der erste Fall seiner inzwischen sehr langen Karriere kein ungelöster Fall, kein Cold Case.
26:25Und das bedeutet ihm sehr viel, hat er uns erzählt.
26:28Das war's für heute bei Täter-Opfer-Polizei-Extra.
26:32Danke fürs Zuschauen. Bis zum nächsten Mal. Alles Gute.