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Transkript
00:00:00Auch unsere dritte Sendung, Aktenzeichen XY ungelöst, muss wieder mit einem Dankeschön beginnen.
00:00:05Mit einem Dank an Sie, meine Damen und Herren, für Ihre überaus sachliche, tatkräftige und, wie Sie gleich merken werden, auch erfolgreiche Mitarbeit.
00:00:13Mit einem Dank auch an die Kollegen bei den Zeitungen und Zeitschriften, die sich an dieser Verhandlung beteiligt haben,
00:00:19indem sie Bilder der Gesuchten und Berichte darüber veröffentlicht haben.
00:00:23Polizei, Presse, Publikum und Fernsehen ziehen also an einem Strang.
00:00:27Und diesen gemeinsamen Bemühungen ist es zu danken, dass wenige Tage nach der letzten Sendung in Istanbul, also in der Türkei,
00:00:34der 25-jährige Kraftpfarrer Wolf-Dieter Vogt festgenommen werden konnte.
00:00:38Sie erinnern sich vielleicht, meine Damen und Herren, er wird beschuldigt, auf einem Autobahnrastplatz bei Wuppertal
00:00:44einen Rechtspfleger aus Braunschweig erschossen und beraubt zu haben.
00:00:48Gleichzeitig mit unserer Sendung erschienen mehrere Zeitungen mit Berichten über die Fahndung nach Vogt,
00:00:54eine Leserin, deren Mann zurzeit als Techniker in der Türkei arbeitet, hatte durch einen Brief aus Istanbul gerade erfahren,
00:01:00dass sich der gesuchte Vogt, den das Ehepaar persönlich kannte, in der Türkei um Arbeit bemühte und sogar vorübergehend bei ihrem Mann wohnte.
00:01:08Sofort schickte die Frau einen Zeitungsausschnitt nach Istanbul.
00:01:11Der Ehemann holte die Polizei. Wolf-Dieter Vogt konnte festgenommen werden.
00:01:15Er wartet jetzt in einem türkischen Gefängnis auf seine Auslieferung.
00:01:18Ein zweiter in unserer letzten Sendung gesuchter Mann wurde, wie Sie vielleicht aus den Zeitungen wissen,
00:01:23noch am gleichen Abend in Greinau bei Garmisch-Bachtenkirchen festgenommen.
00:01:27Horst Bouclier, dem ein Raubüberfall auf eine alleinstehende ältere Frau und mehrere andere Straftaten vorgeworfen werden.
00:01:35Belohnungen von insgesamt 2000 Mark sind bereits an den Zuschauern in Garmisch-Bachtenkirchen und an das Ehepaar im Rheinland ausbezahlt.
00:01:42Bei der Fahndung nach Werner Müller, dem Mann, den nach den Ermittlungen der Polizei mit den gestohlenen Pässen auf fremde Leute Rechnungen überall in Europa Scheckbetrübereien begehen und andere Straftaten,
00:01:53ist die Polizei inzwischen einen guten Schritt weitergekommen.
00:01:57Werner Müller hielt sich noch vor wenigen Wochen in den Touristenzentren Spaniens auf.
00:02:01Ein Zuschauer aus Mannheim hat ihn dort fotografiert und der Kripo dieses neue Foto zur Verfügung gestellt.
00:02:06Es ist allerdings möglich, dass Werner Müller Spanien inzwischen wieder verlassen hat und sich, wie oft um diese Jahreszeit, in den Wintersportgebieten Österreichs oder der Schweiz aufhielt.
00:02:17Von den beiden übrigen in der Novembersendung behandelten Fällen, dem Überfall auf einen Düsseldorfer Juwelenhändler und dem Mord an einen Schüler in Baden-Baden,
00:02:25können konkrete Ergebnisse im Augenblick nicht bekannt gegeben werden.
00:02:29Die Polizei verfolgt in beiden Fällen mehrere Spuren.
00:02:33Soviel zu unserer letzten Sendung.
00:02:35Auch heute werden wir Ihnen wieder fünf ungeklärte Verbrechen vorführen.
00:02:39Für die Beantwortung der gestellten Verfragen bzw. für Hinweise, die zur Festnahme der gesuchten Personen führen,
00:02:46sind Belohnungen von insgesamt 6.000 Macht ausgesetzt.
00:02:50Alle Polizeidienststellen des Bundesgebietes stehen in Bereitschaft, heute und auch in den nächsten Tagen, um ihre Hinweise entgegenzunehmen.
00:02:56Wie bisher können Sie aber auch die Sachbearbeiter der bearbeitenden Dienststellen bei uns im Studio erreichen.
00:03:02Sie wissen, dass wir alle Anrufe auf Tonband aufnehmen wollen.
00:03:21Die jungen Damen werden Sie jeweils fragen, ob Sie damit einverstanden sind.
00:03:24Selbstverständlich werden trotzdem alle Hinweise auf Wunsch vertraulich behandelt.
00:03:30So, und nun gleich zu unserem ersten Fall.
00:03:32Es handelt sich um den Mord an Helga Müller, einer Hausfrau aus Köln.
00:03:36Sachbearbeiter ist Hauptkommissar Herkenrath von der Kripo in Köln.
00:03:40Der Fall liegt sechs Jahre zurück.
00:03:42Und der Täter ist nicht bekannt, aber sagen Sie, Herr Herkenrath, Sie glauben ja, dass wir vielleicht doch eine Chance haben,
00:03:48dass heute wir zumindest ein Stück weiterkommen mit dieser Sinne.
00:03:51Ja, die Zuschauer sind hier in diesem Falle wirklich so etwas wie unsere letzte Hoffnung.
00:03:57Und es gibt Spuren, die uns vielleicht helfen, diese sechs Jahre zu überbrücken.
00:04:01Nun wollen wir es versuchen.
00:04:03Und Sie, liebe Zuschauer, dürfen wir bitten, sich das Ermittlungsergebnis erst einmal anzusehen,
00:04:07das wir für Sie in einem Film zusammengefasst haben.
00:04:12Köln, 16. September 1961, drei Uhr morgens.
00:04:20Eines der letzten Trümmergrundstücke in der Jahnstraße, unweit des Zülpicher Platzes.
00:04:25Die Gegend gehört zum Vergnügungsviertel der Stadt.
00:04:28Aus mehreren Nachtlokalen wehen Fetzen von Tanzmusik und Gaststättenlärm über das öde Gelände.
00:04:34Hallo Sie! Hallo Sie!
00:04:37Da hinten liegt jemand. Ich glaube eine Frau.
00:04:40Soll Sie mal ruhig ausschlagen.
00:04:41Ach, reden Sie doch, kein Unsinn.
00:04:43Ich glaube, mit der ist was nicht in Ordnung.
00:04:45Die, die liegt da so komisch.
00:04:47Was heißt denn komisch?
00:04:49Dann rufen wir doch gleich mal die Polizei.
00:04:51Da vorne ist doch so eine komische Zapfsäule.
00:04:53Ja, kommen Sie. Kommen Sie bitte.
00:04:54Polizei Notruf.
00:05:06Ja, in der Jahnstraße liegt eine so eine leblose Frau.
00:05:11Ich glaube, da muss was passiert sein.
00:05:13Jahnstraße. Wo dort genau?
00:05:17In der Nähe des Zülpicher Platzes, auf dem Zülpiger Grundstück, der der Gastwirtschaft zum Elefanten.
00:05:25Bitte warten Sie dort. Wir schicken sofort einen Wagen.
00:05:27Das ist das, was sie sich ansprechen.
00:05:50Ruf die Mordkommission an.
00:06:04Über Funk werden die Kollegen von der Kripo verständigt.
00:06:09Eine Viertelstunde später trifft Oberkommissar Walter Reinhardt,
00:06:13Leiter des ersten Kommissariats Mord- und Gewaltverbrechen,
00:06:16an dem Trümmergrundstück ein, das inzwischen zum Tatort geworden ist.
00:06:21Mehrere Beamte suchen die Umgebung des Fundortes nach Spuren ab.
00:06:24Der Gerichtssatz hat verständigt. Er ist bereits unterwegs.
00:06:33Der Fotograf hält die Lage der gefundenen Frau in verschiedenen Aufnahmen fest.
00:06:37Der Polizeiarzt stellt den Tod der Frau und die Todesursache fest.
00:06:53Die Frau wurde vermutlich erwürgt. Sie ist offensichtlich auch beraubt worden.
00:07:11Hier das Kettchen. Der Anhänger fehlt. Der Täter dürfte ihn abgerissen haben.
00:07:17Am Hals hat sich die Kette deutlich eingeschnitten.
00:07:19Die Kriminalbeamten beginnen mit den ersten Vernehmungen am Fundort und in den umliegenden Gastwirtschaften.
00:07:28Bei der Toten könnte es sich, so sagt den Männern ihre Erfahrung,
00:07:31um einen Gast aus diesem lokalen Handeln,
00:07:34der nach dem Verlassen der Gastwirtschaft in einen Streit geraten ist.
00:07:37Draußen graut inzwischen der Morgen herauf.
00:07:52Die Spuren sind gesichert, die Leiche wird abtransportiert.
00:07:56Zu dieser Stunde erhalten die Beamten den ersten wichtigen Hinweis.
00:08:12Herr Kommissar, oben schaut meine Frau so auffällig runter.
00:08:15Wenn ich hingucke, versteckt sie sich immer.
00:08:16Reinhards Männer gehen dem Hinweis nach.
00:08:24Das Fenster, hinter dem sich die Frau so auffällig benommen hat, gehört zu einem kleinen Hotel.
00:08:32Die Neugier der Frau entpuppt sich jedoch als ganz natürlich.
00:08:36Sie ist die Wirtin und hat die Tote an der Kleidung als einen ihrer Gäste erkannt.
00:08:41Die Kripo kann die erste heiße Spur aufnehmen.
00:08:43Ja, wenn ich es Ihnen doch sage, es ist die Frau.
00:08:47Und wann haben Sie die Tote zum letzten Mal gesehen?
00:08:50Wissen Sie, wie sie heißt?
00:08:51Nein, keine Ahnung. Sie hatte sich noch nicht eingetragen. Das wollte sie später tun.
00:08:56Gesehen habe ich sie zuletzt so gegen ein Uhr heute Nacht.
00:08:59Wo? Ja, oben im Hotel?
00:09:01Ja, sie kam mit einem Herrn.
00:09:03Wohnte sie mit dem Herrn zusammen hier?
00:09:05Nein, die beiden haben zwei Zimmer gemietet. Nummer acht und neun.
00:09:09Und wissen Sie genau, dass es gegen ein Uhr war?
00:09:11Ja, ich habe nämlich gerade mein Radio ausgemacht und dabei auf die Uhr gesehen, als die beiden klingelten.
00:09:17Dann habe ich Ihnen Ihre Zimmer gezeigt. Bitte hier.
00:09:23Hier ist das eine Zimmer.
00:09:29Hier ist das andere, bitte sehr.
00:09:31Aber Sie sind da nicht lange geblieben?
00:09:38Nein, nur ein paar Minuten.
00:09:40Sie wollten noch vor dem Schlafen gehen ein bisschen frische Luft schnappen, sagten Sie.
00:09:44Und dann sind Sie nicht mehr wiedergekommen.
00:09:46Haben Sie den Mann schon vorher einmal gesehen?
00:09:49Können Sie ihn beschreiben?
00:09:49Ja, warten Sie mal, er wird so 35, 40 Jahre alt gewesen sein.
00:09:55Und er war ganz gepflegt und sah recht intelligent aus.
00:09:59Wie groß? Können Sie das sagen?
00:10:02Ja, etwa 1,70 würde ich sagen.
00:10:05Er hat einen dunklen Anzug an und ein helles Hemd.
00:10:08Das hatte er so als Schillerkragen übers Jackett gelegt.
00:10:11Wissen Sie sonst noch etwas über den Mann?
00:10:15Haarfarbe, Narben oder andere besondere Kennzeichen.
00:10:20Hat der vielleicht ein Dialekt geschwommen?
00:10:22Dialekt? Nein, ich glaube nicht.
00:10:24Er sprach richtig Hochdeutsch.
00:10:27Narben und dergleichen ist mir nicht aufgefallen.
00:10:30Und wie war es mit der Haarfarbe?
00:10:33Können Sie sich daran erinnern?
00:10:34Ja, warten Sie mal.
00:10:36Ich würde sagen dunkelbraun.
00:10:38Ein bisschen gewellt, aber nur hinten.
00:10:41Vorne war es schon ziemlich dünn.
00:10:43Und sonst wissen Sie nichts.
00:10:45Überlegen Sie doch mal.
00:10:47Ja, doch.
00:10:49Beinahe hätte ich es vergessen.
00:10:51Er hat hier ein Taschentuch verloren.
00:10:55Ich habe es gleich gesehen, als ich hier ins Zimmer kam.
00:10:58Und da ich annehmen musste, dass er wiederkommt,
00:11:00habe ich es hier in den Nachtschrank gelegt.
00:11:02Oh ja, zeigen Sie doch mal.
00:11:05Das trägt ja ein Monogramm.
00:11:11Der Zeitungsbericht über den Mord führt zur Identifizierung der Toten.
00:11:21Es handelt sich um die Hausfrau Helga Müller.
00:11:27Sie hinterlässt zwei Kinder.
00:11:29Sie hat am Abend vor der Tat gegen 22 Uhr das Haus verlassen,
00:11:33um sich in den Gaststätten in der Nähe des Zülpicher Platzes zu vergnügen.
00:11:38Der Lebenswandel der Toten wird von ihren Bekannten nicht sehr günstig beurteilt.
00:11:41Für die Kriminalbeamten hat das jedoch nicht von Bedeutung zu sein.
00:11:46Es geht um Mord.
00:11:49Die Vernehmung des Ehemannes bestätigt die bisher gewonnenen Erkenntnisse.
00:11:54Helga Müller hatte ihrem Mann gesagt, sie wolle ihre Mutter besuchen,
00:11:57als sie am Abend vor dem Mord das Haus verließ.
00:12:00Der Mann war in der Wohnung geblieben.
00:12:02Herr Müller kann der Polizei einen wichtigen Hilfsdienst leisten.
00:12:09Er besitzt den Katalog eines Versandhauses, in dem eine Uhr abgebildet ist,
00:12:14die seine Frau an der vorgefundenen Halskette getragen hat.
00:12:19Helga Müller hatte die Uhr zusammen mit einer Handtasche nach dem Katalog bestellt.
00:12:24Auch die Handtasche hatte sie an dem fraglichen Abend mitgenommen.
00:12:27Offensichtlich hat der Mörder sie ebenfalls entwendet.
00:12:32Inzwischen sind die Beamten der Mordkommission nicht untätig.
00:12:38In den Lokalen der Altstadt, rund um den Zülpicher Platz,
00:12:42sprechen sie mit Kellnern, Wirten und Gästen.
00:12:44Es gibt viele Hinweise.
00:12:46Nur wenige bieten jedoch einen echten Ansatz für weitere Ermittlungen.
00:12:51Eine der interessantesten Aussagen kommt von einem Kellner.
00:12:54Ich war gerade mal draußen, um ein bisschen frische Luft zu schnappen.
00:12:58Das war so um die Zeit, wo es draußen passiert sein muss.
00:13:00Und da habe ich da drüben einen zweifarbigen Ford 12M gesehen,
00:13:05der einem Mann gehört, der Rudi heißt.
00:13:07Der verkehrt öfters in der bunten Kuh an der Ecke.
00:13:16Reinhards Männer haben Glück.
00:13:18Schon am nächsten Abend steht das fragliche Auto wieder in der Nähe der bunten Kuh.
00:13:22Die beiden Beamten, die den Wagen nach der Beschreibung erkennen,
00:13:26kommen nicht mehr dazu, Verstärkung herbeizuholen.
00:13:29Hey, was macht ihr denn mit unserem schönen Auto?
00:13:39Ihr habt wohl lange keine Prügel mehr bezogen, was?
00:13:43Kriminalpolizei, dürfen wir mal bitte Ihre Ausweise sehen?
00:13:46Schmierer?
00:13:47Dass ich nicht lache, lass dir nichts erzählen, hau mir in die Schnauze.
00:13:51Mach ihr Kind putz, zeig dir Ausweise.
00:13:53Hier, hast du meinen Ausweis.
00:14:13Einer der Beamten verständigt die Zentrale
00:14:16und gibt die Fahrzeugnummer an die Kollegen im Präsidium weiter.
00:14:21So beginnt, wenige Minuten nach dem Überfall,
00:14:24eine wilde Verfolgungsjagd in den Straßen der Domstadt.
00:14:27Achtung, alle von Arnold, eine Fahndung.
00:14:29Fahndung nach PKW, Ford 12M.
00:14:34Kennzeichen KW Köln Strich Richard Ludwig 928.
00:14:39Ich wiederhole das Kennzeichen.
00:14:41KW Köln Strich Richard Ludwig 928.
00:14:46Farbe Beig-Gelb.
00:14:48Die Insassen, vier unbekannte Täter,
00:14:51haben soeben in der Jahnstraße zwei Kriminalbeamte überfallen.
00:14:56Vorsicht bei Festnahme.
00:14:59Täter können Schusswaffe mit sich führen.
00:15:02Arnold 14, kurz vor dem Tatort,
00:15:05nehmen Verfolgung auf.
00:15:07Volle Pulle.
00:15:08Komm ab!
00:15:08Arnold 14, der gesuchte PKW, Ford 12M.
00:15:20Wurde soeben in der Domstraße gesehen,
00:15:23blockieren sie von Norden die Domstraße.
00:15:25Anord 14, der gesuchte PKW,
00:15:35hat die Kreuzung Domstraße-Türmschenswall passiert.
00:15:39Fahren Sie die Abkürzung über Hebertplatz.
00:15:43Verstanden, Ende.
00:15:43Pass auf, da ist er.
00:16:09Stand oben!
00:16:09Autobesitzer Rudi hat sich durch seine Flucht besonders verdächtig gemacht.
00:16:37Im Laufe der jetzt einsetzenden Vernehmungen zeigt sich jedoch,
00:16:41dass er die Polizei wegen einer anderen Straftat gefürchtet hat.
00:16:45Rudi bleibt zwar in Haft.
00:16:47Als Täter für den Mord an Helga Müller scheidet er aber sehr bald aus.
00:16:52Trotzdem müssen alle seine Angaben überprüft werden.
00:16:55Das beansprucht mehrere Beamte und dauert einige Tage.
00:17:00Während die Mordkommission noch mit dieser Überprüfung beschäftigt ist,
00:17:03tut sich im Präsidium eine neue Spur auf.
00:17:05Sie stammt von einem Taxifahrer,
00:17:07der sich aufgrund des Zeitungsberichtes bei der Polizei meldet.
00:17:10Ja, also da lege ich meine Hand für ins Feuer.
00:17:12Das ist die Frau, die ich gesehen habe.
00:17:14Die kam um 20.01 aus dem Lido mit einem Mann,
00:17:18aber der sah anders aus als der, den Sie mir beschrieben haben.
00:17:22Der Fall Müller wird immer verworrener.
00:17:24Wenn die Aussage des Taxifahrers stimmt,
00:17:26könnte der Mann, der das Taschentuch verloren hat,
00:17:28als Mörder ebenfalls ausscheiden.
00:17:30Der Taxifahrer kann sich aber auch täuschen.
00:17:33Während die Beamten noch die auftauchenden Zweifel auszuräumen versuchen,
00:17:37werden sie durch eine Veröffentlichung im Bundeskriminalblatt
00:17:39auf zwei ähnlich gelagerte Mordfälle in anderen Städten aufmerksam gemacht.
00:17:43Zusammenhänge sind nicht ausgeschlossen.
00:17:48Fragen über Fragen.
00:17:51Schließlich trifft in Köln ein Fernschreiben der Kripo Heidelberg ein.
00:17:55Es wird darin von einem abartigen Kindesmörder berichtet,
00:17:58der sich im Laufe der psychiatrischen Untersuchung
00:18:00durch einen Zettel verdächtig gemacht hatte.
00:18:03Scheinbar zusammenhanglos hatte er darauf mehrere Städte geschrieben
00:18:06und jeweils einen Buchstaben dahinter gesetzt,
00:18:09der als Abkürzung für eine begangene Straftat gewertet werden könnte.
00:18:13V für Vergewaltigung, R für Raub und M für Mord.
00:18:21Das M stand hinter dem Ortsnamen Köln.
00:18:29Auch diese Spur wird verfolgt.
00:18:33Reinhard reist nach Heidelberg.
00:18:36Der verdächtige Mann erweist sich als schwachsinniger Psychopath.
00:18:39Er verwickelt sich in viele Widersprüche.
00:18:43Die Vernehmung gestaltet sich als besonders schwierig,
00:18:50denn der labile junge Mann leidet vor allem unter der Angstvorstellung,
00:18:53wieder in eine Nervenheilanstalt eingeliefert zu werden.
00:18:56Also,
00:18:58wann warst du in Köln?
00:19:03Hast du dort auch Mädchen getroffen, mit denen du gesprochen hast?
00:19:09Ich habe dich gefragt, wann du in Köln warst.
00:19:11Ihr wollt mir nur wieder was anhängen.
00:19:14Ich sag überhaupt nichts mehr.
00:19:16Ich will nicht mehr die Anstalt zurück.
00:19:18Jetzt hör mal zu, mit der Anstalt haben wir gar nichts zu tun.
00:19:21Wir wollen nur wissen, wie das in Köln mit den Mädchen war.
00:19:25Wenn Sie es schon wissen,
00:19:27warum fragen Sie mich dann noch?
00:19:29Ja, mein Junge, das wollten wir doch gerade von dir wissen.
00:19:31Oder verstehst du das nicht?
00:19:34Natürlich war ich in Köln.
00:19:36Und Mädchen habe ich auch gehabt.
00:19:38Ist doch klar.
00:19:39Was waren das für Mädchen?
00:19:41Was hast du mit ihnen gemacht?
00:19:42Da war so eine schöne Junge.
00:19:47Die war blond.
00:19:48Und mit der bin ich in eine Bar gegangen.
00:19:51Dann ist sie mir weggelaufen.
00:19:53Aber ich habe ihr die Tasche abgenommen.
00:19:56Die hat sie nicht wiedergekriegt.
00:19:58Ich habe sie ins große Wasser geschmissen.
00:20:01Hast du vielleicht auch schon mal Mädchen ins Wasser geschmissen?
00:20:05Antwortel.
00:20:06Jetzt wollen Sie mir wieder was anhängen.
00:20:09Jetzt sage ich überhaupt nichts mehr.
00:20:10Auch diese Spur verläuft im Sande.
00:20:15Es wird festgestellt,
00:20:16dass sich der Heidelberger Kindesmörder
00:20:18am 15. und 16. September 1961 nicht in Köln,
00:20:22sondern an einem anderen Ort der Bundesrepublik aufgehalten hat.
00:20:36In den nächsten Monaten wiederholt sich dieses Spiel noch einige Male.
00:20:41Mehrere Verdächtige tauchen auf,
00:20:43kommen aber nach langwierigen Ermittlungen
00:20:45als Mörder im Falle Helga Müller
00:20:47dann doch nicht in Betracht.
00:20:51Oberkommissar Reinhardt besucht den Tatort
00:20:53und die umliegenden Wirtschaften noch recht oft.
00:20:55Bis heute vergeblich.
00:20:57Die Jahnstraße in Köln hat einen Mord gesehen,
00:21:07aber den Mörder bis heute nicht preisgegeben.
00:21:09Die Akte Mord zum Nachteil der Hausfrau Helga Müller
00:21:17liegt unter dem Aktenzeichen 16 J.S. 1126-61
00:21:23ohne Lösung in den Archiven des Kölner Landgerichtes
00:21:26und des Polizeipräsidiums.
00:21:28In den sechs Jahren, die seit dem Mord vergangen sind,
00:21:35ist die Kripo praktisch keinen Schritt weitergekommen.
00:21:37Was glauben Sie, Herr Herkenrath, was müsste man unternehmen,
00:21:39wo müsste man ansetzen, um in diesem Fall
00:21:41vielleicht doch noch weiterzukommen?
00:21:42Zuallererst bei diesem Taschentuch.
00:21:45Es ist in der Grundfarbe beige.
00:21:48Die breiten Streifen reichen von hellbraun bis dunkelbraun.
00:21:51Können Sie es mal ausbreiten vielleicht?
00:21:54Bemerkenswert erscheinen mir zwei Dinge an diesem Taschentuch.
00:21:59Und zwar einmal eine Stopfstelle.
00:22:00Das ist ja sehr ungewöhnlich, dass man Taschentücher stopft.
00:22:03Ja, das denke ich doch.
00:22:04Allgemein stopft man ein Taschentuch ja nicht.
00:22:06Die Stopfstelle ist ausgeführt mit einem weißen Garn
00:22:09und zum anderen befindet sich auf dem Taschentuch
00:22:12ein handgesticktes Monogramm mit den Buchstaben RS.
00:22:15Schön, wir werden das nachher noch sehen.
00:22:17Aber nun haben wir doch im Film vorhin gesehen,
00:22:19an der Aussage des Taxifahrers,
00:22:21dass der Besitzer dieses Taschentuchs
00:22:22nicht zwingend der Täter zu sein braucht.
00:22:24Das stimmt zwar.
00:22:25Wenn aber der Mann, dem dieses Taschentuch gehörte,
00:22:28nicht der Täter ist,
00:22:30dann ist er für uns ein ganz besonders wichtiger Zeuge,
00:22:34denn er war ja einer der letzten Kontaktpersonen
00:22:37der Helga Müller vor der Tat.
00:22:39Weit wichtiger für uns ist aber diese Uhr,
00:22:43die Helga Müller am Tatabend getragen hat,
00:22:45an einer Kette um den Hals.
00:22:47Der Täter hat ihr diese Uhr abgerissen
00:22:49und wenn wir diese Uhr finden,
00:22:52dann wird von dort uns wahrscheinlich auch
00:22:54eine Spur zu dem bisher noch unbekannten Mörder führen.
00:22:57Wir haben diese Uhr noch einmal besorgt,
00:22:59meine Damen und Herren,
00:23:00und hier eine fotografische Vergrößerung
00:23:02an der Demonstrationswand für Sie vorbereitet.
00:23:05Das Bild ist ein klein wenig dunkel ausgefallen.
00:23:07Denn dieser Ring rund um das Zifferblatt ist Gold
00:23:10und nicht wie es schwarz, wie es hier vielleicht scheinen möchte.
00:23:14Der Besitz dieser Uhr allein ist nun natürlich noch kein sehr wichtiger Hinweis.
00:23:18Die Uhr stammt, wie gesagt, aus einem Warenhaus.
00:23:20Sie existiert in mehreren tausend Exemplaren.
00:23:23Sehr interessant für die Kölner Kripo wäre allerdings zu wissen,
00:23:26wer eine solche Uhr besitzt,
00:23:27mit einer anderen Kette als dieser hier.
00:23:30Diese Kette ist die Normalausführung von dem Warenhaus.
00:23:33Sie sehen die einzelnen relativ langen Glieder.
00:23:37Und diese Originalkette ist, wie Sie im Film gesehen haben,
00:23:41bei der Toten gefunden worden.
00:23:43Es erhebt sich also auch die Frage
00:23:44an alle Juweliere, Schmuckhändler und dergleichen,
00:23:47ob Sie vielleicht zu einer solchen Uhr
00:23:50eine neue Kette verkauft haben
00:23:52oder ob Sie an einer solchen Uhr
00:23:54eine andere Kette befestigt haben.
00:23:56Wir sollten aber über der Uhr das Taschentuch nicht vergessen.
00:24:00Die Stopfstelle ist sehr ungewöhnlich.
00:24:03Und zwar ist sie in einer recht groben Art ausgeführt,
00:24:06die vielleicht darauf schließen lässt,
00:24:08dass ein Ungeübter diese Stelle gestopft hat.
00:24:12Und das Monogramm ist, wie gesagt, handgestickt.
00:24:15Ich könnte mir denken, meine Damen und Herren,
00:24:19dass eine Frau, die dieses Monogramm gestickt hat,
00:24:22und selbst wenn es Jahre her ist,
00:24:24die Arbeit zeigt sehr deutlich individuelle Spuren,
00:24:27ich könnte mir also denken,
00:24:28dass eine Frau, die dieses Monogramm gestickt hat,
00:24:30es auch heute nach Jahren noch wiedererkennt.
00:24:33Und wie gesagt, es geht um Mord.
00:24:35Hinweise in diesem Fall bitte ich zu richten
00:24:39an die Kriminalpolizei Köln,
00:24:41Telefon 2751,
00:24:44die Vorwahl von Köln ist 0221.
00:24:48Oder, wie gesagt, an jede andere Polizeidienststelle.
00:24:51Sie können selbstverständlich auch unsere telefonische Aufnahme hier anrufen.
00:24:55Für Hinweise, die zur Klärung des Verbrechens führen,
00:24:57sind Belohnungen von insgesamt 2000 Macht ausgesetzt.
00:25:01So viel zum Mordfall in Köln.
00:25:03Der Fall ist, wie gesagt, sechs Jahre alt.
00:25:07Dieser Mann hier,
00:25:08dieser Mann wird erst seit einigen Wochen gesucht.
00:25:14Er heißt Egon Rademacher
00:25:15und wird beschuldigt,
00:25:16in der Bundesrepublik Falschgeld zu verbreiten.
00:25:21Nach den Informationen der Düsseldorfer Kripo
00:25:23ist er bis gestern mit einem blauen Ford 17M unterwegs gewesen
00:25:28und hat in Kaufhäusern und Einzelhandelsgeschäften
00:25:31laufend falsche 50 Park Scheine abgesetzt.
00:25:34In einem Abfalleimer an der Autobahn
00:25:36wurde eine größere Menge solcher falschen Geldscheine gefunden,
00:25:39die offensichtlich aus Rademachers Besitz stammen.
00:25:42Wie viel Geld Rademacher heute noch im Besitz hat,
00:25:45ist nicht bekannt.
00:25:46Bekannt war bis gestern,
00:25:47welches Fahrzeug er benutzte.
00:25:49Er hatte aber dieses Fahrzeug,
00:25:50wie gesagt,
00:25:51diesen Ford 17M,
00:25:52gestern abgesetzt
00:25:53und er ist also in Bremerhaven gefunden worden.
00:25:57Es besteht die Möglichkeit
00:25:58oder die große Wahrscheinlichkeit sogar,
00:26:00dass sich Rademacher gestern,
00:26:02heute oder in den nächsten Tagen
00:26:03ein neues Fahrzeug beschaffen will.
00:26:05Deshalb eine Warnung an alle Autoverleiher,
00:26:08achten Sie auf diesen Mann,
00:26:09wenn er bei Ihnen ein Auto leihen möchte.
00:26:12Egon Rademacher ist 49 Jahre alt
00:26:15und 1,81 groß.
00:26:17Er ist schlank,
00:26:19er hat mittelblondes Haar,
00:26:22eine leichte Stirnglatze
00:26:23und grau-braune Augen.
00:26:25Ein besonderes Kennzeichen,
00:26:28in der unteren Zahnreihe
00:26:29fehlen vorn zwei Schneidezähne.
00:26:31Beim Sprechen ergibt sich also eine Zahnlücke.
00:26:33Hinweise bitte an die Kripo Düsseldorf
00:26:35unter der Telefonnummer Düsseldorf 8701,
00:26:39die Vorwahl von Düsseldorf ist 0211.
00:26:42Für die Festnahme des Gesuchten
00:26:47ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
00:26:56So, und nun zu unserem nächsten Fall.
00:26:59Für diesen Fall haben wir wieder
00:27:00einen Film vorbereitet.
00:27:03Der Fall spielt in Hamburg
00:27:04und wir haben einen Beamten aus Hamburg
00:27:05hier bei uns im Studio.
00:27:08Sagen Sie, in diesem Fall spielt auch wieder
00:27:10eine Uhr eine Rolle.
00:27:12Aber es ist etwas anders geachtet, ja?
00:27:14Ja, diesmal ist es eine Armbanduhr
00:27:16und sie gehört jedoch nicht dem Opfer,
00:27:19wie im anderen Fall,
00:27:20im Film, wie wir vorhin gesehen haben,
00:27:22sondern dem Täter.
00:27:23Entschuldigen Sie,
00:27:24aber Sie vorgestellt haben,
00:27:25Herr Kartleister von der Hamburger Polizei.
00:27:27Und welche Rolle diese Uhr nun spielt,
00:27:29meine Damen und Herren,
00:27:30das wollen wir uns zunächst einmal ansehen.
00:27:32Wir haben den Hergang der Tat
00:27:33für diese Sendung für Sie konstruiert.
00:27:35Donnerstag, 18. Mai 1967.
00:27:44Wenige Minuten nach 13 Uhr
00:27:46beendet der Uhrmachermeister Willi Kreuzer
00:27:48die Reparatur an einem Küchenwecker.
00:27:51Der Mann besitzt ein kleines Uhren-
00:27:52und Goldwarengeschäft
00:27:53am Zeughausmarkt 42 in Hamburg
00:27:56am Rande von St. Pauli.
00:27:57Um diese Zeit kommt nur selten ein Kunde.
00:28:12Willi Kreuzer ist deshalb überrascht,
00:28:14als er hört,
00:28:14dass jemand den Laden betritt.
00:28:17Guten Tag.
00:28:18Womit kann ich dienen?
00:28:20Ich hätte gern ein neues Armband
00:28:21für meine Uhr.
00:28:23Das hat es schon ziemlich ausgeleiert.
00:28:27Was soll es denn sein?
00:28:29Leder oder wieder Metall?
00:28:31Das ist eine echte Schweizer Uhr.
00:28:33War ziemlich teuer.
00:28:34Und dann nehme ich wohl am besten
00:28:35wieder eins aus Metall.
00:28:36Ist ja auch haltbarer.
00:28:41Hier habe ich zwei sehr schöne Stücke.
00:28:44Die Auswahl,
00:28:45die Willi Kreuzer dem jungen Mann
00:28:46vorzulegen hat,
00:28:47ist nicht sehr groß.
00:28:49Reparaturen dieser Art
00:28:50kommen in dieser Gegend
00:28:51nicht häufig vor.
00:28:52Zwei sehr gute
00:28:53und recht widerstandsfähige Bänder.
00:28:55Gute Qualität.
00:28:59Der Kunde entschließt sich
00:29:00nach kurzer Wahl
00:29:00für eines der Armbänder
00:29:01und bittet den Meister,
00:29:03es gleich an seiner Uhr festzumachen.
00:29:05Ich nehme das hier.
00:29:06Gut.
00:29:07Können Sie mich es gleich dran machen?
00:29:08Ja, natürlich.
00:29:09Einen Augenblick, bitte.
00:29:13Willi Kreuzer
00:29:13muss zu diesem Zweck
00:29:14in die Werkstatt
00:29:15und lässt den Kunden
00:29:16im Ladenraum warten.
00:29:17und in die Werkstatt
00:29:38die Himmels
00:29:39wiedergtuzen
00:29:43Die Geldfächer im Tresor sind verschlossen.
00:30:12Wahllos rafft der Täter einige Schmuckstücke und Uhren zusammen und beraubt danach die Ladenkasse.
00:30:19Er erbeutet etwa 300 Mark.
00:30:23In diesem Augenblick wird der Mann gestört.
00:30:27Nachbarn haben den Lärm des Kampfes gehört und eilen herbei, um nach dem Rechten zu sehen.
00:30:32Herr Kreuzer?
00:30:36Herr Kreuzer?
00:30:42Hilfe, Polizei! Dem Kreuz ist was passiert. Ich rufe die Polizei an.
00:30:52Keiner der beiden Nachbarn ahnt, dass sich der Täter zu diesem Zeitpunkt noch in der Werkstatt verbirgt.
00:30:59Er schlägt sich den Weg zur Tür frei, steht draußen aber plötzlich und unerwartet drei späteren Zeugen gegenüber.
00:31:06Ehe sie jedoch begreifen, um was es geht, gewinnt der Verbrecher das Weite.
00:31:12Der Täter ist entkommen. Der Uhrmacher am Zeughausmarkt konnte ihn nicht mehr beschreiben.
00:31:29Er starb wenige Tage nach dem Überfall an den Folgen seiner Verletzungen.
00:31:33Dennoch gibt es Ansatzpunkte, um diesen Fall vielleicht zu klären oder zumindest weiterzubringen.
00:31:37Der Mann ist, wie Sie im Film gesehen haben, von drei Zeugen beobachtet worden.
00:31:41Und diese Zeugen haben eine übereinstimmende Täterbeschreibung abgegeben.
00:31:44Das ist richtig, Herr Zimmermann.
00:31:46Und zwar eine weitgehende übereinstimmende Beschreibung wurde von dem Täter gegeben, und zwar von den Zeugen.
00:31:51Und danach soll der Mann ungefähr 25 Jahre alt sein, 1,80 groß, insgesamt eine kräftige Gestalt haben.
00:31:59Er hat ein volles Gesicht und einen unreinen Ton.
00:32:03Dunkelblonde, lange und etwas gewählte Haare, die vorne etwas gelichtet sind.
00:32:09Als besonderes und wichtiges Merkmal fiel den Zeugen eine feine, aber gut sichtbare Narbe auf,
00:32:16die von der Nasenwurzel bis unter das Auge hin verläuft.
00:32:21Leider konnte nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden, auf welcher Seite diese Narbe entlangläuft.
00:32:27Die Polizei hat deshalb zwei Zeichnungen für Sie vorbereitet.
00:32:30Diese Zeichnungen, sie enthalten keine Augen, denn es sollen keine Rückschlüsse auf das Aussehen des Täters möglich sein.
00:32:36Diese Zeichnungen sollen Ihnen nur zeigen, wie die Narben liegen.
00:32:40Einmal liegen können, einmal hier rechts und zum anderen hier links.
00:32:45Nach den Zeugenaussagen steht mit ziemlicher Sicherheit fest, dass der Täter bei der Tatausführung solche ähnliche Windjagge trug.
00:32:56Und zwar handelt es sich um ein dunkelblaues Blouson.
00:32:59Und an diesem Blouson, meine Damen und Herren, ergibt sich nun eine sehr interessante kriminalistische Frage.
00:33:06In der Werkstatt des Uhrmachermeisters sind nämlich drei Knöpfe gefunden worden, die zu diesem Blouson passen,
00:33:14beziehungsweise, genauer gesagt, die vom Blouson des Täters stammen müssen, dass die beim Kampf abgeplatzt sind.
00:33:20Wir haben hier eine fotografische Vergrößerung dieser drei Knöpfe.
00:33:25Zwei dieser Knöpfe sind blau und passen genau zur Farbe der Jacke.
00:33:31Ein, der dritte Knopf, und nun wird es ziemlich interessant,
00:33:34dieser dritte Knopf stimmt zwar in der Farbe, in der Gestalt und in der Größe mit den anderen überein,
00:33:41aber nicht in der Farbe.
00:33:43Er ist braun.
00:33:44Man kann also vermuten, dass in Ermangelung eines blauen Knopfes vor der Tat ein brauner Knopf an dieses Blouson angenäht worden ist.
00:33:54Daraus ergibt sich also die Frage, wer hat vor dem 18. Mai 1967 an eine solche Jacke einen braunen Knopf,
00:34:04also einen nicht passenden Knopf, angenäht.
00:34:07Oder wer hat nach dem 18. Mai 1967 an eine solche Jacke drei Knöpfe angenäht,
00:34:14an eine Jacke, die vermutlich auch mit Blut beschmutzt war.
00:34:18Zusätzlich zur Personenbeschreibung und zu dem Kleidungsstück
00:34:23kann uns eventuell diese Uhr hier auf die Spur des Täters führen.
00:34:28Er hat sie bei der Tatausführung in der Werkstatt zurückgelassen.
00:34:31Und zwar handelt es sich um eine Schweizer Uhr, Marke Tissot, mit der Bezeichnung Visodate Automatic C-Star.
00:34:40Die Uhr hat ein Armband und dieses Armband war ebenfalls gekennzeichnet mit dem Zeichen der Herstellerfirma.
00:34:49Es käme also darauf an, meine Damen und Herren, zu wissen, ob ein Mann, auf den die Täterbeschreibung passen muss,
00:34:58eine solche Uhr in der Zeit zwischen 1965 und zwischen dem 18. Mai 1967 besessen und getragen hat.
00:35:06Der Täter hat auch wahrscheinlich so ein Armband in dieser Art und Form geraubt.
00:35:12Dieses Armband wird er vermutlich später verkauft oder vielleicht auch verschenkt haben.
00:35:18Dieses Armband trägt hier am Verschluss auf der Innenseite den Goldstempel 333 und dieses Firmenzeichen.
00:35:26Es ist hier sehr stark vergrößert.
00:35:27In Wirklichkeit ist es sehr winzig und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, sondern nur mit einer sehr starken Lupe.
00:35:34Wenn Sie also eine der gestellten Fragen beantworten können, meine Damen und Herren,
00:35:37dann wenden Sie sich an die nächste Polizeidienststelle oder die Kriminalpolizei Hamburg mit der Telefonnummer 24 8201.
00:35:47Die Vorwahl von Hamburg ist 0411.
00:35:51Selbstverständlich können Sie auch uns hier im Studio selbst anrufen.
00:35:55So, und nun zum nächsten Fall.
00:35:58Oh nein, Entschuldigung, Peter Hohl kommt aus der Nachrichtenkabine. Gibt es Neuigkeiten schon?
00:36:01Ja, es sind bisher nur sehr wenige Hinweise gekommen heute.
00:36:05Aber es sind einige recht konkrete Dinge dabei.
00:36:07Die müssen allerdings noch überprüft werden zum Mordfall in Köln und auch zu Radermacher.
00:36:11Zu Radermacher auch schon?
00:36:12Ja.
00:36:13Meine Damen und Herren, aber lassen Sie es uns in Ruhe prüfen.
00:36:15Wir werden Ihnen im Laufe der Sendung noch weitere Hinweise, weitere Nachrichten aus der Kabine geben können.
00:36:21Aber wir werden Ihnen auch nach der Sendung, und zwar anderthalb Stunden nach Schluss etwa,
00:36:26nach der Spätersgabe von heute, noch einmal in einer Zwischenbilanz sagen können,
00:36:31was bis dahin bei uns eingetroffen ist.
00:36:33Aber nun, wie gesagt, zum nächsten Fall.
00:36:35Es handelt sich um die Fahndung nach diesem Mann.
00:36:38Er heißt Werner Mühlke.
00:36:42Im Bundeskriminalamt häufen sich seit anderthalb Jahren Anzeigen gegen Werner Mühlke,
00:36:48aus denen sich immer wieder die gleiche Arbeitsweise ergibt.
00:36:52Danach mietet Werner Mühlke PKWs, in erster Linie VWs, und verkauft diese PKWs mit gefälschten Papieren und mit gefälschten Kennzeichnen.
00:37:05In seiner Wohnung ist eine ganze Druckerei vorgefunden worden.
00:37:08Werner Mühlke ist 55 Jahre alt und 1,68 groß.
00:37:19Er hat eine untersetzte Gestalt, graublaue Augen, weißgrau meliertes Haar mit Stirnglatze.
00:37:25Besonders auffällig ist eine sehr dicke Nase mit einer kleinen Narbe und kurze, dicke, gewöhnlich ungepflegte Finger.
00:37:32Werner Mühlke spricht Hochdeutsch mit singendem Tonfall.
00:37:35Dabei fällt sein pfeifender, asthmatischer Atem auf.
00:37:38Er benutzt möglicherweise einen unterschlagenen, perlweißen VW 1600 mit schwarzen Polstern,
00:37:44und zwar in VW nicht mit Fließheck, sondern mit Stufenheck.
00:37:48Die Polizei erhielt vor kurzem ein neueres Bild von Werner Mühlke.
00:37:51Das ist dieses Bild, dieses also das ältere.
00:37:54Dieses neuere Bild haben wir noch in einer Fotomontage mit einem Homburg versehen,
00:37:58einer bevorzugten Kopfbedeckung des Gesuchten.
00:38:01Hinweise, die zur Festnahme Werner Mühlkes führen können, bitte an die Kriminalpolizei Homburg,
00:38:10die Telefonnummer Homburg 22075, die Vorwahl von Homburg 06172.
00:38:18Für die Festnahme des Gesuchten ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
00:38:25So, und nun zu unserem nächsten Fall, für den wir Ihnen wieder einen Film vorbereitet haben.
00:38:30Meine Damen und Herren, in diesen Filmen spielen selbstverständlich Schauspieler und logischerweise nicht die echten Täter.
00:38:36Soweit wir Personen suchen, müssen wir natürlich die echten Namen verwenden.
00:38:42Es kann sein, dass Angehörige oder Familienmitglieder davon etwas benachteiligt sind.
00:38:49Deshalb möchte ich einmal besonders darauf hinweisen, dass Familienmitglieder oder Angehörige von gesuchten Personen
00:38:55normalerweise nichts mit den in Frage stehenden Verbrechen zu tun haben.
00:38:59Und nun, wie gesagt, das ist ganz besonders auch in dem nächsten Fall der Fall,
00:39:03den ich Ihnen nun ohne weiteres und ohne lange Vorrede vorstellen möchte.
00:39:08Donnerstag, 9. Juli 1964.
00:39:12In Starnberg, Oberbayern, geht für den Bauunternehmer Rudolf Ammann ein arbeitsreicher Tag zu Ende.
00:39:18Während er noch die neuesten Ausschreibungen in seinem Fachblatt studiert, kämpft er bereits mit dem Schlaf.
00:39:23Irgendwo im Haus knarrt eine Tür.
00:39:31Das Geräusch kommt aus dem Erdgeschoss, wo auch die Büros der kleinen Firma liegen.
00:39:36Rudolf Ammann horcht kurz auf, gibt sich dann aber mit einem unwilligen Gedanken an seine Sekretärin,
00:39:41die, wie er meint, eine Tür offen gelassen hat, zufrieden.
00:39:53Die Arglosigkeit des Bauunternehmers kommt einem Mann zugute,
00:40:02der sich in diesem Augenblick im Büro der Firma Ammann zu schaffen macht.
00:40:06Der Fremde, der durch ein Kellerfenster in das Haus eingedrungen ist,
00:40:09achtet seinerseits sehr genau auf alle verdächtigen Geräusche.
00:40:12Der nächtliche Besucher ist kein Allerweltseinbrecher.
00:40:36Er arbeitet nach einem besonders ausgeklügelten System.
00:40:38Spuren von Gewaltanwendung, wie sie andere Einbrecher bedenkenlos hinterlassen,
00:40:44versucht er sorgfältig zu vermeiden.
00:40:55In der Schreibtischschublade findet er, was er sucht.
00:40:59Ein Scheckheft.
00:40:59Nach einer Vorlage für die Unterschrift des Bauunternehmers braucht er nicht lange zu suchen.
00:41:17Sorgfältig trennt er einige Formulare aus dem Scheckheft
00:41:26und kopiert mit erstaunlichem Geschick Ammanns Unterschrift.
00:41:29Der Stempel der Firma hängt griffbereit.
00:41:54Er soll kleine Unebenheiten in der gefälschten Unterschrift möglichst unkenntlich machen.
00:41:59Mit nahezu pedantischer Sorgfalt legt er sämtliche benutzten Gegenstände wieder auf ihren Platz.
00:42:19Niemand soll am nächsten Morgen bemerken, dass sich ein Fremder aus dem Scheckheft der Firma bedient hat.
00:42:25Noch sind die gefälschten Papiere nicht zu Geld gemacht.
00:42:34Guten Morgen.
00:42:36Der nächste Tag ist ein Freitag.
00:42:38In der Schalterhalle der Sparkasse, bei der der Bauunternehmer Ammann sein Konto unterhält,
00:42:43herrscht gegen 10 Uhr bereits reger Publikumsverkehr.
00:42:46Den Andrang an der Kasse hat der Dieb einkalkuliert.
00:42:48Denn die Einlösung der gestohlenen Schecks birgt für den routinierten Einbrecher größere Gefahren
00:42:54als die nächtlichen Besuche in fremden Häusern.
00:42:569100.
00:43:00Ach ja, geriert haben Sie sie ja schon.
00:43:06Ihre Nummer wird an der Kasse ausgerufen.
00:43:08Die zur Schau getragene Ruhe täuscht.
00:43:17In dieser Minute, in der Unterschrift und Kontostand geprüft werden,
00:43:21ist der Einbrecher in jeder Sekunde zur Flucht bereit.
00:43:24Guten Morgen.
00:43:25Guten Morgen.
00:43:27Kleinen Moment bitte.
00:43:2936.300 Mark.
00:43:32Das Konto des Bauunternehmers ist mit dieser Auszahlung sogar um einige Tausend Mark überzogen.
00:43:36Der Fremde kassiert das Geld, ohne eine Spur zu hinterlassen.
00:43:41Lediglich die Unterschrift auf der Rückseite der gestohlenen Schecks.
00:43:44Der benutzte Name ist natürlich erfunden.
00:43:47Wird später dem Schriftsachverständigen des Bundeskriminalamtes einige charakteristische Merkmale liefern.
00:43:52100, 200, 336.300.
00:43:56Bitte schön.
00:43:58Danke.
00:43:59Die Personenbeschreibung des Bankkassierers passt auf mehrere hunderttausend Menschen.
00:44:041,75 bis 1,80 m groß, kräftige Figur, starker Augenbrauenansatz, vermutlich blaue Augen.
00:44:12Der Bauunternehmer bemerkt die Auszahlung erst, als er den Kontoauszug erhält.
00:44:23Ja, ich sage Ihnen, das muss ein Irrtum sein.
00:44:29Ich habe die Schecks nicht ausgestellt.
00:44:31Ja, aber Entschuldigung, Sie haben doch Ihre Schecks unterzeichnet von Ihnen vorliegen.
00:44:34Da haben wir es doch auszahmet.
00:44:36Ja, das kann ja alles sein, aber ich sage Ihnen, die Nummern sind noch längst nicht dran.
00:44:41Die müssten ja mitten aus dem Checkheft sein.
00:44:44Ein Moment mal.
00:44:45Das Rätsel um die noch nicht fälligen Checknummern löst sich schnell.
00:45:00Der mysteriöse Checkdieb ist an jenem Freitag nicht zum ersten Mal aufgetreten.
00:45:04Für die Diebstahlexperten im Bundeskriminalamt ist der Mann bereits ein unbekannter Serientäter.
00:45:14An zahlreichen Orten ist er mit der immer gleichen Arbeitsweise registriert worden.
00:45:22Stets trennt er die Schecks aus der Mitte der vorgefundenen Hälfte heraus, damit der Diebstahl nicht so früh entdeckt wird.
00:45:27Im Bundeskriminalamt erhält jeder neue Diebstahl eine Markierung.
00:45:37Fast immer bricht der Unbekannte in der Nacht zum Freitag ein, um während des Andranges am Wochenende das Geld an den Bankschaltern abheben zu können.
00:45:47Mit wachsender Routine wird der Mann immer frecher.
00:45:50Seine Spur führt durch die ganze Bundesrepublik.
00:45:57Am 6. November 1964 kassiert er in Karlsruhe an einem einzigen Tag 65.500 Mark.
00:46:09Die Männer im Bundeskriminalamt verfolgen jede Spur, jedoch ohne Erfolg.
00:46:15Wenn es wirklich immer derselbe Bursche ist, dann hat er in einem Jahr mehr als 200.000 Mark gemacht.
00:46:20Tja, und wir haben bisher von ihm nicht viel mehr als seine Handschrift.
00:46:24Na immerhin, dass er was vom bargeldlosen Zahlungsverkehr versteht, ist auch ein Merkmal.
00:46:28Außerdem scheint er aus dem Baugewerbe zu kommen.
00:46:30Denn er bricht meistens bei Bauunternehmern ein.
00:46:32Offenbar liegt ihm diese Branche.
00:46:33Sag mal, wir hatten doch bei drei Einbrüchen einen übereinstimmenden Schuhabdruck von einer Gummisohle, die nur unter Schweiz verkauft wird.
00:46:39Tja, das hat leider auch nichts gebracht.
00:46:42Die Schweizer haben uns die Personalien von 57 Verdächtigen rübergeschickt, die nach der Arbeitsweise in Frage kommen könnten.
00:46:47Ich habe alles überprüfen lassen.
00:46:48Handschriften, Lichtbilder, Alibis und so weiter.
00:46:51Aber kein einziger kommt in Frage.
00:46:52Tja, was ich sage.
00:46:54Wir sind praktisch genauso schlau wie vor drei Monaten.
00:46:56Und außerdem sieht es so aus, als hätte der Bursche noch lange nicht genug.
00:47:00Wenn das so weitergeht, kann er bald selbst eine Bank aufmachen.
00:47:02Also irgendetwas muss ja nun passieren.
00:47:11Nach einigen Wochen geschieht tatsächlich etwas.
00:47:15Am 30. April 1965, wieder ein Freitag, tritt der unbekannte Einbrecher etwa gegen 10.30 Uhr an einen Bankschalter in Augsburg.
00:47:23Er präsentiert zwei Schecks einer stadtbekannten Baufirma.
00:47:27Zusammen 20.200 Mark.
00:47:32Bitte schön, nehmen Sie Platz. Sie werden an der Kasse aufgerufen.
00:47:37Danke.
00:47:38Danke.
00:47:51Der Bankbeamte hat Verdacht geschöpft.
00:47:54Er vergleicht die Unterschriften auf den Schecks mit der vorliegenden Unterschriftenprobe.
00:47:58Er stellt einige geringe, aber für sein geschultes Auge doch bedeutsame Abweichungen fest.
00:48:10Unauffällig alarmiert er die Polizei.
00:48:11Die Beamten im Präsidium schalten blitzschnell.
00:48:25Fahren Sie bitte sofort zur Sparkasse Halterstraße.
00:48:30Dort soll ein verdächtiger Mann vermutlich gefälschte Schecks einlösen.
00:48:34Die ungewöhnlich lange Wartezeit macht den Mann nervös.
00:49:00Er wittert Gefahren.
00:49:01Die Jagd ist aus.
00:49:18Die Beamten nehmen den mutmaßlichen Scheckbetrüger fest und fahren mit ihm zu den Kollegen von der Kripo.
00:49:23Bei der Vernehmung durch die Kriminalpolizei behauptet der Festgenommene, die gefälschten Schecks von einem nicht näher bekannten Südländer erhalten zu haben.
00:49:35Ja und dann, dann wurde ich von zwei Beamten an der Türe festgenommen.
00:49:38Der Bauunternehmer, aus dessen Scheckheft die benutzten Formulare stammen, kann sich nicht erklären, auf welche Weise ihm die Schecks abhandengekommen sind.
00:49:47Keinerlei Spuren deuten auf einen Einbruch hin.
00:49:49Die Beamten müssen sich also fürs Erste mit der fadenscheinigen Ausrede des Festgenommenen zufriedengeben.
00:49:54So, vergleichen wir nochmal die Personalien.
00:50:01Vorname Hans Herrmann, geboren am 8.03.1937 in Freiburg.
00:50:06Ja, das stimmt.
00:50:09Dann unterschreiben Sie bitte das Protokoll.
00:50:11Haben Sie einen festen Wohnsitz?
00:50:28Ja, in München. Das steht doch in meinem Ausweis.
00:50:33Geh mal bitte her.
00:50:34Die Frage nach dem festen Wohnsitz ist zu diesem Zeitpunkt bei allen vorläufigen Festnahmen von besonderer Bedeutung.
00:50:41Überprüf mal die Adresse.
00:50:44Vier Wochen vor Steiers Festnahme sind nämlich mit der sogenannten kleinen Strafprozessnovelle neue Haftbestimmungen in Kraft getreten,
00:50:52die es der Polizei sehr schwer machen, gegen einen Verdächtigen mit festem Wohnsitz einen Haftbefehl zu erwirken.
00:50:59Ich habe Ihnen alles erzählt. Mehr war nicht.
00:51:02So.
00:51:03Ja?
00:51:05Die Adresse stimmt also.
00:51:08Ja, wundert er auch wirklich oder ist er da nur gemeldet?
00:51:12Ja, er wohnt dort auch.
00:51:14Ja, schön.
00:51:14Gut.
00:51:16Vielen Dank, ja.
00:51:17Auf Wiederhören.
00:51:17Dankeschön.
00:51:18Die Münchner Polizei bestätigt, dass Steiert unter der angegebenen Adresse tatsächlich wohnt und dort bisher auch zu erreichen war.
00:51:29Die Augsburger Beamten wissen, dass ihnen kein Richter unter diesen Umständen gegen einen Betrugsverdächtigen einen Haftbefehl ausstellen wird.
00:51:36Dass sie mit Steiert den lange gesuchten mysteriösen Büroeinbrecher gefangen haben, können sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.
00:51:44Das stellt nach einigen Tagen erst der Schriftsachverständige des Bundeskriminalamtes fest, nachdem er die gefälschten Schecks erhalten und untersucht hat.
00:51:51Sie müssen sich aber unter Ihrer Münchner Adresse zur Verfügung halten, Herr Steiert.
00:51:56Aber sehr gern.
00:51:59Wenn Sie noch irgendwelche Fragen haben, Postkarte genügt.
00:52:04Hans-Hermann Steiert verlässt das Vernehmungszimmer als freier Mann.
00:52:13Als die Kripo drei Tage später wegen einer Rückfrage in München vorspricht, muss sie feststellen, dass Steiert direkt nach seiner Freilassung mit unbekanntem Ziel verzogen ist.
00:52:23Jetzt bekommen die Beamten einen Haftbefehl.
00:52:26Aber der Gesuchte ist verschwunden.
00:52:28Immerhin, jetzt weiß die Polizei wenigstens nach wem sie suchen soll.
00:52:34Freiburg im Breisgau, 5. Mai 1965.
00:52:39Hier in Steiertz Geburts- und Heimatstadt haben die Suchmeldungen bei allen Polizeibeamten naturgemäß besondere Beachtung gefunden.
00:52:47Auch die Besatzung des Funkwagens Breisgau 14, die sich gegen 23 Uhr auf einer Routinestreife befindet, weiß von der Fahndung nach Hans-Hermann Steiert.
00:52:59Geh, fahr doch mal den Waldweg durch.
00:53:04Da, schau her.
00:53:17Hat wieder mal einer das Verbotsschild nicht gesehen.
00:53:19Guten Abend.
00:53:37Haben Sie nicht gesehen, dass dieser Weg für Kraftfahrzeuge gesperrt ist?
00:53:40Doch, natürlich, Herr Wachmeister.
00:53:41Aber mir war auf einmal so komisch und da wollte ich vorsichtshalber mal von der belebten Straße herunter.
00:53:48Darf ich mal Ihre Papiere sehen?
00:53:50Sind Sie das hier?
00:54:05Hans-Hermann Steiert?
00:54:07Ja, natürlich.
00:54:08Stimmt etwas nicht?
00:54:10Tja, ich weiß nicht recht.
00:54:11Sie müssen bitte mal mit zur Wache kommen.
00:54:13Fahren Sie Ihren Wagen doch rechts ran und steigen Sie dann bei uns ein.
00:54:15Der Fahrer des Polizeiwagens rettet sich nur durch einen Sprung zur Seite, bleibt aber mit seiner Uniform am Rückspiegel hängen.
00:54:37Anhalten!
00:54:38Anhalten!
00:54:41Halten Sie an!
00:54:43Anhalten!
00:54:51Anhalten!
00:55:01Anhalten!
00:55:03Anhalten!
00:55:05Hans-Hermann Steiert ist seit seiner Flucht aus dem Waldweg verschwunden.
00:55:14Der Freiburger Polizeibeamte, der mitgeschleift worden ist, ist zum Glück nur leicht verletzt worden.
00:55:19Aus Freiburg kommt auch der Sachbearbeiter für diesen Fall, Hauptkommissar Hinin.
00:55:23Sagen Sie, Herr Hinin, Sie haben doch nach diesem Vorfall noch mit Steiert korrespondiert, nicht?
00:55:26Ja, Steiert hat uns geschrieben, er habe nichts davon bemerkt, dass er den Beamten mitgeschleift hat.
00:55:31Er versprach uns auch, er würde sich stellen, falls wir auf die Verfolgung dieses versuchten Totschlags verzichteten.
00:55:38Nun, solche Geschäfte kann die Polizei und die Justiz natürlich nicht machen.
00:55:41Falls uns heute Abend aber jemand zuschauen sollte, meine Damen und Herren, der mit Steiert in Verbindung steht,
00:55:46so sollte er ihm ruhig Folgendes sagen.
00:55:49Der zuständige Staatsanwalt ist der Ansicht, dass der Vorwurf des versuchten Totschlages bei einer eingehenden Prüfung
00:55:54möglicherweise nicht aufrechtzuerhalten ist.
00:55:57Diese Überprüfung ist aber erst möglich, wenn Steiert selbst gehört wird.
00:56:00Er selbst wäre, so wie die Dinge liegen, sicher sein einziger und zweifellos auch sein bester Entlastungszeuge.
00:56:06Solange Steiert sich nicht selbst meldet, müssen wir natürlich mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln nach ihm suchen.
00:56:14Denn seine Aktivität hat inzwischen so beängstigte Formen angenommen, dass er bereits über eine halbe Million erbeutet hat.
00:56:24Wir zeigen Ihnen nun, wie Hans Hermann Steiert aussieht.
00:56:26Der Mann im Film war selbstverständlich ein Schauspieler.
00:56:28Steiert ist 30 Jahre alt und 1,77 groß.
00:56:34Dies ist ein etwas älteres Bild, das wurde damals in Augsburg gemacht, als er festgenommen war.
00:56:38Dieses Bild stammt von Anfang 1967.
00:56:42Er hat eine kräftige Gestalt, blaue Augen und braunes, gewähltes, nahezu gekraustes Haar.
00:56:48Regelmäßig besucht er Spielcasinos und fährt meist große und schnelle Sportwagen.
00:56:53Zuletzt ist er gesehen worden mit einem Jaguar mit Züricher Kennzeichen.
00:56:58Nach unseren Erkenntnissen hält sich Steier in letzter Zeit häufig in Österreich und auch in der Schweiz auf.
00:57:04Allerdings seine Beutezüge macht er ausschließlich nur in der Bundesrepublik.
00:57:09Das wird vielleicht die Zuschauer in Österreich und in der Schweiz interessieren.
00:57:12Hinweise über den Aufenthalt, dort an die nächste Polizei.
00:57:15Und sonst hier bei uns auch an die nächste Polizeidienststelle und an die Kripo Freiburg.
00:57:20Die Telefonnummer Freiburg 36 084.
00:57:23Die Vorwahl von Freiburg ist 0761.
00:57:26Oder wie gesagt, Sie können uns auch selbst anrufen.
00:57:28Auf die Festnahme Steierts ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
00:57:32Für die Bankangestellten unter Ihnen, meine Damen und Herren, wollen wir Ihnen jetzt noch einmal kurz die charakteristischen Schriftzüge Steierts zeigen.
00:57:39Denn es ist immerhin ja denkbar, dass er in den nächsten Tagen irgendwo an einem Kassenschalter steht und einen Scheck vorlegt.
00:57:45Auffällig bei diesen Unterschriften, bei denen er natürlich ständig falsche Namen verwendet, ist die Tatsache, dass er den Titel Ingenieur offensichtlich so als eine Art Vorname oder Titel in die Unterschrift mitverarbeitet, sehr häufig.
00:58:02Und dass er eine besondere Vorliebe hat für Doppelbuchstaben.
00:58:05Bo, Bosse, Keller, Bos und so weiter.
00:58:10Ich bin im Zusammenhang mit dem Fall Steiert mehrfach gefragt worden, meine Damen und Herren, wie man sich denn nun eigentlich besser schützen könne gegen den Diebstahl von Scheckheften und anderen wichtigen Papieren, wenn man sich nicht gleich einen Tresor anschaffen will.
00:58:25Bei einer kriminalpolizeilichen Beratungsstelle fand ich eine Antwort.
00:58:29Scheckhefte gehören einfach nicht in den Schreibtisch, sondern zumindest in so eine Kassette.
00:58:34Diese Kassette hier hat den Vorteil, dass sie von einem gewöhnlichen Einbrecher praktisch nicht zu überwinden ist.
00:58:40Passen Sie auf, wie das funktioniert.
00:58:42Also abends gehören Scheckhefte und andere wertvolle Sachen in die Kassette.
00:58:47Wenn man sie zumacht und dann abschließt.
00:58:53Entschuldigung, das ist zu schnell gegangen.
00:58:55Wenn man dann abschließt und wenn dann ein Dieb kommt, erlebt er diese Überraschung, dass nämlich...
00:59:02Moment, das hat nicht funktioniert.
00:59:04Entschuldigung.
00:59:06Entschuldigung.
00:59:07So, wenn er sie also mitnimmt und sie nehmen will, dann fängt sie an zu heulen.
00:59:13Hier, das nächste.
00:59:14Die Sirene heult vier Stunden und ist nur mit dem Schlüssel wieder abzustellen.
00:59:22Hier kommt Peter Hohl aus der Nachrichtenkabine.
00:59:24Ja, in einem Fall ist die Polizei inzwischen also tatsächlich unterwegs.
00:59:28Ich will mich jetzt aber ganz kurz fassen, es ist schon 21 Uhr vorbei.
00:59:31Wir wollen uns nicht bei den Dörpritsch-Anhängern unbeliebt machen.
00:59:33Das wollen wir natürlich nicht, meine Damen und Herren.
00:59:35Wir werden um etwa um halb elf noch einmal auf den Sender kommen und werden Ihnen weitere Ergebnisse aus der Nachrichtenkabine mitteilen.
00:59:43Und jetzt wollen wir es also schnell machen.
00:59:45Sie sehen noch einmal die Bilder und auf mehrfachen Wunsch von Anrufern auch das Bild noch einmal von Wagner,
00:59:51dem Mann, der des Kindesmordes in Baden-Baden verdächtig war aus der letzten Sendung.
00:59:55Bis um halb elf etwa.
00:59:57Guten Abend.
01:00:05Guten Abend.
01:00:35Guten Abend.
01:01:05Guten Abend.
01:01:35Guten Abend.
01:01:38Guten Abend.
01:01:40Untertitelung des ZDF, 2020
01:02:10Untertitelung des ZDF, 2020

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