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00:00:00gerade dort zum Erfolg führt, wo die klassischen Methoden der Kriminalistik und die technischen
00:00:05Hilfsmittel der Polizei ihre natürliche Grenze finden. Am 20. März war der Solinger Verleger
00:00:11Dr. Bernhard Boll von einem Unbekannten erschlagen worden. Nahezu drei Monate hatte die Wuppertaler
00:00:17Mordkommission unter Aufbietung aller Kräfte an der Aufklärung dieses Verbrechens gearbeitet.
00:00:23Bis zu 40 Beamte waren Tag und Nacht im Einsatz. Sie verfolgten nicht weniger als 713
00:00:29Spuren, fast 1000 Vernehmungen wurden protokolliert, 3300 Plakate und 50.000 Handzettel wurden
00:00:38gedruckt und verteilt. Die Ermittlungen endeten immer wieder bei zwei offenen Fragen. Dem Verbleib
00:00:44einer geraubten Armbanduhr und der Herkunft eines blutbefleckten Anzugs. Diese Fragen wurden dann
00:00:49in der letzten Sendung an unsere Zuschauer weitergegeben. 13 Stunden später war der Fall
00:00:55für die Krypo klar. Noch in der Nacht lag die Uhr auf einem Schreibtisch der Polizei in
00:01:00Gelsenkirchen. Ein Mann namens Manfred Sillack wurde festgenommen. Unter der Last der sichergestellten
00:01:06Beweise legte er ein Geständnis ab. Drei Wochen später wurde ein zweiter Mann festgenommen,
00:01:11von dem in der letzten Sendung die Rede war. Heinrich Schmidt. Er wurde im Zusammenhang mit einem
00:01:16großen Einbruch in einem Pelzgeschäft in Köln gesucht. Ein Zuschauer hat die Kölner Polizei auf
00:01:20ihn aufmerksam gemacht. In einem anderen Fall, bei der Fahndung nach Klaus Feller und Christa
00:01:25Eckleben, hat sich wieder einmal die Zusammenarbeit mit der Presse bewährt. Ein Zuschauer hatte nicht
00:01:30nur bei uns, sondern auch in seiner örtlichen Zeitung das Autokennzeichen gesehen und es sich
00:01:34eingeprägt. Aufgrund seines Hinweises konnte die Polizei die beiden Gesuchten vor einer Woche in
00:01:39der Gegend von Hannover festnehmen. Die ausgesetzten Belohnungen sind angewiesen. Wolfgang Schiller,
00:01:45gegen den in Österreich, in der Schweiz und der Bundesrepublik zahlreiche Strafverfahren
00:01:49anhängig sind, befand sich am Abend unserer Sendung im Raum Saarbrücken. Er ist jetzt in
00:01:54Ländern tätig, wo er offensichtlich glaubt, nicht auf österreichische oder deutsche Fernsehzuschauer
00:01:59zu stoßen. Wie Interpol feststellen konnte, hat er sich nach unserer Sendung zuerst nach
00:02:04Schweden und Dänemark und dann in die Schweiz begeben. Abraham Finkel, der mit einem weißen
00:02:09Mercedes unterwegs war, hat das Sendegebiet in Richtung Süden verlassen. Wahrscheinlich besitzt
00:02:14er inzwischen ein anderes Auto. Hermann Stern hat die Kripo inzwischen erneut beschäftigt.
00:02:20Ein Tresoreinbruch am 15. Juni 1968 in München, bei dem 70.000 Mark gestohlen wurden, trägt
00:02:27wieder einmal seine Handschrift. Die Spuren, die mithilfe der Zuschauer aufgenommen werden
00:02:32konnten, zeigen ziemlich eindeutig, dass Hermann Stern nach wie vor bayerischen und österreichischen
00:02:37Boden bevorzugt. Aus Österreich ist auch ein anderer Vorfall zu berichten, der in diese
00:02:43kurze Bilanz unserer letzten Sendung hineingehört. Am Rande der Sendung hat es einen tragischen
00:02:48Todesfall gegeben. Die näheren Einzelheiten wird Ihnen Teddy Brotkowski berichten. Herr
00:02:52Brotkowski, Sie konnten die Vorgänge von Wien aus ja genauer betrachten.
00:02:56Ja, also bei uns in Österreich hat sich Folgendes abgespielt. In der Nähe von Mayerhofen in Tirol
00:03:02wurde ein Mann angehalten, damit auf dem Gendarmerie-Posten seine Personalangaben überprüft werden
00:03:09könnten. Dafür hat es zwei Gründe gegeben. Erstens hatte er eine frappante Ähnlichkeit
00:03:16mit dem von uns gesuchten Hubertus von Schlenter und zweitens war er in seinem Hotel unter einem
00:03:22falschen Namen gemeldet. Tragischerweise hat dieser Mann auf dem Gendarmerie-Posten noch
00:03:30in der Nacht desselben Tages Selbstmord verübt mit einer Überdosis eines Medikaments, das
00:03:36er bei sich trug. Allerdings, und das muss festgestellt werden, hatte dieser Mann schon
00:03:42vor seiner Festnahme einige Abschiedsbriefe geschrieben, aus denen ganz klar hervorging,
00:03:48dass er sich mit Selbstmordabsichten getragen hatte. Nun, meine Damen und Herren, über die
00:03:54Tragik eines solchen Falles brauchen wir sicher kein Wort zu verlieren. Wer aber jetzt
00:03:58der österreichischen Polizei pauschale Vorwürfe macht und in Wirklichkeit nur billige Schadenfreude
00:04:03erkennen lässt, wird den Beamten, die diesen Mann festgenommen haben, nicht gerecht. Bei
00:04:08jeder Personenüberprüfung, bei der sich eine Situation wie diese ergibt, müssen die Personalien
00:04:14mit Sicherheit festgestellt werden und wenn es nicht anders geht, am nächsten Morgen. Bevor
00:04:19wir uns heute nun einem neuen Fall zuwenden, möchte ich noch auf eine Sendung zurückkommen,
00:04:25und zwar auf unsere erste Sendung vom 20. Oktober vergangenen Jahres. Es ging damals
00:04:30um den Mord an einer unbekannten Frau in einem lindgrünen Münikleid. In diesem Fall gibt
00:04:35es wichtige Neuigkeiten. Wir möchten Ihnen deshalb die näheren Umstände noch einmal kurz
00:04:41in Erinnerung zurückrufen.
00:04:43Der Schmied Eberhard Saller aus Roth am Fuße des Westerwaldes sucht am Freitag, dem 21.
00:04:50April 1967, am Rande eines Tümpels nach seltenen faren Kräutern für seinen Garten.
00:04:56Eberhard Saller kommt an diesen Tagen ohne Gräser nach Hause, denn er macht einen grausigen
00:05:21Pfund. Am darauf folgenden Morgen ist der Steinbruch von Feuerwehrmännern, Polizisten,
00:05:40Beamten der Gemeinde und der Staatsanwaltschaft bevölkert. Der Tümpel wird leer gepumpt.
00:06:02Es kommt eine Frauenleiche zutage, die mit zwei großen Steinen beschwert unter der Wasseroberfläche
00:06:07gelegen hat. Die Frau ist etwa 25 bis 30 Jahre alt. Sie ist durch zwei Schüsse in die linke
00:06:15Kopfseite getötet worden. Sie trägt ein grünes Minikleid, darüber einen schwarzen Mantel
00:06:20mit Pelzbesatz.
00:06:20In der Nähe der Leiche werden weitere Kleidungsstücke gefunden. Vor allem ein karierter Rock, der von
00:06:32der Besitzerin nachträglich gekürzt worden ist und der an der Schrittfalte eine auffällige
00:06:37Reparaturstelle hat.
00:06:38Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergibt, dass die Frau Mitte Februar erschossen worden
00:06:52ist. Die Identifizierung der Toten erweist sich jedoch als außerordentlich schwierig.
00:06:56In dieser Sache sind damals nach der ersten Sendung bei der zuständigen Kriminalpolizei
00:07:07etwa 200 Hinweise eingegangen. Die Tote konnte aber trotzdem bis heute nicht identifiziert
00:07:12werden. In den vergangenen Monaten haben die Männer der Kripo nun alle Spuren verfolgt.
00:07:18Dabei stießen sie vor wenigen Wochen auch auf neue Ansatzpunkte, die vielleicht heute in diesem
00:07:22Fall weiterhelfen können. Es meldete sich bei der Kripo unter anderem ein leitender
00:07:26Angestellter einer Gummifabrik, dessen Aussage wir für Sie hier in einem kurzen Film zusammengefasst
00:07:33haben.
00:07:35Ich fuhr, so sagt der Mann aus, am 16. Februar 1967 morgens gegen 9 Uhr durch Dillenburg und
00:07:41wollte nach Wetzlar. Am Straßenrand winkte eine Frau Ende 20. Ich bin sicher, dass es sich
00:07:47um die im Fernsehen gezeigte Frau handelt.
00:07:51Fahren Sie nach Wetzlar?
00:07:53Ja.
00:07:53Können Sie mich vielleicht mitnehmen?
00:07:54Ja, bitte steigen Sie ein.
00:07:57Der Fahrer merkt erst zu spät, dass die junge Anhalterin nicht allein ist. Ohne um Erlaubnis
00:08:02zu fragen, steigt ein Mann von etwa 35 Jahren mit in den Wagen.
00:08:10Das ist mein Freund. Der ist Amerikaner. Wir wollen zurück nach Baumholde.
00:08:14Der Angestellte der Gummifabrik macht gute Miene zum bösen Spiel.
00:08:24Er ist mit dem zweiten Fahrgast hinter seinem Rücken eigentlich nicht einverstanden, gibt
00:08:29das jedoch nicht zu erkennen.
00:08:30Die junge Frau erzählt ihm während der Fahrt, dass sie aus der Ostzone stamme, zurzeit in Baumholder
00:08:39lebe und zusammen mit ihrem amerikanischen Freund Eltern oder Verwandte in einer Baracke
00:08:44im Raum Dillenburg-Biedenkopf besucht habe. Dort sei sie jedoch auf wenig Gegenliebe gestoßen
00:08:49und von der Tür gewiesen worden.
00:08:55Dem Fahrer fällt bei dieser Unterhaltung auf, dass die junge Frau sehr stark geschminkt ist
00:09:01und einen karierten Rock trägt, den auch seine Frau besitzt.
00:09:08Nach etwa zwölf Kilometern hält der Fahrer in der Ortschaft Sinn bei Herborn und bittet die
00:09:13ihm nicht ganz geheuren Fahrgäste unter dem Vorwand, dass er hier eine geschäftliche
00:09:17Besprechung habe, auszusteigen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist das Pärchen hier von
00:09:21anderen Autofahrern in Richtung Wetzlar mitgenommen worden.
00:09:26Die Aussage des Autofahrers ist von der Kriminalpolizei in vielfältiger Weise überprüft worden und
00:09:31wird als absolut zuverlässig eingestuft. Kriminaloberrat Konrad Gaulke ist, wie Sie
00:09:36sich vielleicht erinnern werden, für diesen Fall zuständig. Welche neuen Fragen kann man
00:09:40denn nun heute an unsere Zuschauer stellen, Herr Gaulke?
00:09:42Es ist zunächst die Frage nach den Angehörigen des Opfers. Und wir müssen, Herr Zimmermann,
00:09:47davon ausgehen, dass es diese Angehörigen tatsächlich im Raum Dillenburg-Biebenkopf
00:09:52gibt. Und dass Sie wahrscheinlich auch wissen, dass das junge Mädchen oder die junge Frau
00:09:56im grünen Minikleid ermordet worden ist. Leider haben Sie sich aber bis heute vielleicht
00:10:01aus falscher Scham nicht gemeldet.
00:10:03Es deutet einiges darauf hin, meine Damen und Herren, dass die Angehörigen der Toten mit
00:10:08dem Lebenswandel der jungen Dame nicht einverstanden waren. Aber ein schlechter Lebenswandel ist
00:10:13natürlich kein Grund, um einen Menschen umzubringen. Und der Mörder kann nur überführt werden,
00:10:17wenn es gelingt, die Tote zu identifizieren.
00:10:20Deshalb bitten wir Sie dringend, alle Bedenken zurückzustellen und sich an uns zu wenden, wenn
00:10:26Sie wissen, wer das Opfer ist. Wir zeigen Ihnen nun noch einmal das Foto der Toten, wie sie
00:10:33gefunden worden ist. Und ich darf noch einmal versichern, dass wir selbstverständlich alle
00:10:37Hinweise mit größter Vertraulichkeit und mit der größtmöglichen Schonung behandeln
00:10:42werden. Sie war 24 bis 30 Jahre alt, 1,66 groß, Kleidergröße 40. Sie trug eine Oberkiefer-Teilprothese
00:10:50und hatte keine, das betone ich besonders, keine Operationsnarben.
00:10:54Wichtig wäre nach Angaben darüber, ob die junge Frau mit ihrem amerikanischen Begleiter
00:11:00in der fraglichen Zeit, also am 16. Februar 1967, in der Gegend von Wetzlar von einem
00:11:06anderen Autofahrer noch mitgenommen worden ist.
00:11:09Vielleicht weiß auch jemand etwas von dem kurzen Aufenthalt dieses Pärchens bei den
00:11:13Eltern oder Angehörigen im Raum Dillenburg und Biedenkopf. In einer Baracke kann es gewesen
00:11:20sein. Die Auswertung der Hinweise nach unserer letzten Sendung haben aber noch eine weitere
00:11:25wichtige Spur ergeben. Obwohl das Opfer, wie gesagt, noch nicht identifiziert ist, gibt
00:11:30es einen Mann, dem die Kripo als Täter verdächtigt. Er befindet sich wegen anderer Straftaten in
00:11:35Haft. In der Mordsache macht er die widersprüchlichsten Angaben.
00:11:39Dieser Mann heißt Ernst Weingart. Er ist 30 Jahre alt und hat zeitweise als Vertreter für
00:11:45eine Wiesbadener Firma gearbeitet. Wir wissen, dass kurz nach der Tat etwa im April 1967 die
00:11:52Inhaberin einer Pension in oder bei Wetzlar bei dieser Firma in Wiesbaden angerufen hat
00:11:58und die Frau beklagte sich darüber, dass Weingart in ihrer Pension gewohnt, aber die Rechnung
00:12:03nicht bezahlt habe.
00:12:05Diese Pensionswürttin konnte bisher leider nicht ermittelt werden. Es wäre nun sehr wichtig
00:12:09für die Kriminalpolizei zu erfahren, wann und in welcher Pension Ernst Weingart in der
00:12:14genannten Weise aufgefallen ist. Und wo er sich in der fraglichen Zeit, also im Frühjahr
00:12:181967, überhaupt aufgehalten hat. Er fuhr damals einen hellen Opel-Rekord mit einem Düsseldorfer
00:12:25Kennzeichen.
00:12:26Weingart war auch im Besitz eines Briefes vom 24.02.1967 gerichtet an eine liebe Tante Fiene,
00:12:34die gebeten wurde, dem Überbringer 700 D-Mark zu übergeben. Unterschrift Marlis. Unsere
00:12:40Frage, wer war Tante Fiene oder wer ist sie und wer ist dieses Mädchen oder diese Frau
00:12:44Marlis? Hinweise erbitten wir an die Kriminalpolizei in Limburg, Telefon 06431 2021, an jede andere
00:12:55Polizeidienststelle oder eines der Aufnahmestudios. Für Hinweise, und darauf darf ich besonders
00:13:01hinweisen, die zur Erklärung des Verbrechens oder auch zur Identifizierung der Toten führen,
00:13:06ist eine Belohnung von 3000 D-Mark ausgesetzt.
00:13:10Und nun zu einem neuen Fall, meine Damen und Herren. Es geht noch einmal um Mord, um den
00:13:15Mord an einem Kind, an dem 13-jährigen Mädchen Lülia Schürmann. Der Fall liegt sechs Jahre
00:13:20zurück und wenn die Kriminalpolizei sie jetzt um ihre Aufmerksamkeit bittet, dann spielt sie
00:13:25damit gewissermaßen ihren letzten Trumpf aus. Übrigens gewinnt der Fall jetzt zu Beginn
00:13:30der Reisezeit, in der wieder tausende von jungen Menschen an den Autobahnen und an den Straßen
00:13:35stehen, eine besonders aktuelle Bedeutung. Es geht in diesem Fall nämlich auch um die
00:13:39Gefahren an der Autobahn.
00:13:41Der 19. August 1962 ist ein strahlend schöner Sonntag. Kriminalkommissar Reinecke, Chef der
00:13:48Bielefelder Mordkommission, ist zum Bereitschaftsdienst eingeteilt. Er kann sich zwar seinem Garten
00:13:53widmen, muss jedoch für die Kriminalwache ständig zu erreichen sein.
00:13:56Kommissar Reinecke war zu optimistisch. Zur selben Zeit nämlich, zu der er die Routinefrage einer Tageszeitung beantwortet,
00:14:09Er eignet sich wenige Kilometer von seinem Haus entfernt doch noch etwas an diesem Wochenende.
00:14:26In der Wistighauser Senne, einem spärlich bewaldeten Ödlandstrich, finden Pilzsammler die vergrabene
00:14:40Leiche eines jungen Mädchens. Ein Fuchs hatte an der Stelle, an der die Tote im Sand lag, ein
00:14:48Loch gescharrt und dabei den Arm des Mädchens freigelegt. Sonst wäre die Leiche vermutlich nie
00:14:53gefunden worden. Kurz nach 19 Uhr erscheint Kommissar Reinecke mit der Mordkommission am Fundort.
00:15:10Guten Tag. Guten Tag. Sie sind also Herr Baxter? Herr Baxter. Sie haben uns angerufen, ja? Jawohl.
00:15:15Was haben Sie denn erdenken? Ja, wir haben hier Pilze gesammelt. Die Beamten beginnen mit ihrer unerfreulichen Arbeit.
00:15:23Vorsicht. Muss schon ziemlich lang hier liegen. Der Stoff ist schon recht morsch. Das hier ist
00:15:35was Blaues und das so ein rot-blau kariertes Muster. Sag mal, wobei war denn das? Wo habe ich denn in der
00:15:47letzten Zeit was für den rot-blauen Karo-Muster gelesen? Vielleicht bei den Vermissten? Ach ja, richtig, Mensch.
00:15:56Dieses 13-jährige Mädchen aus der Gegend von Wiedenbrück, ja? Wie hieß die denn gleich?
00:16:01Ähm, Lydia Schürmer. Meinen Sie die? Richtig. Die hatte doch bei ihm verschwindenden blauen Anorak
00:16:08und rot-blau karierten Rock an. Schon am nächsten Tag bestätigt sich die Vermutung der Beamten. Die Eltern
00:16:20des vermissten Mädchens Lydia Schürmer erkennen Kleider und Schuhe ihrer Tochter wieder, die vor
00:16:25dreieinhalb Monaten verschwunden ist. Die Kripo hatte die Spur des Kindes damals bis zu einem
00:16:30Autobahnrastplatz verfolgen können. Die vermissten Akta hatte in diesen dreieinhalb Monaten beachtlichen
00:16:35Umfang angenommen. Also, wie weit sind wir denn damals in der Sache überhaupt gekommen?
00:16:41Die vermissten Anzeige ist am 26. April gegen 20.30 Uhr eingegangen. Am selben Tag ist das
00:16:51Mädchen verschwunden. Und weiter? Das ist zunächst die Aussage der ersten Zeugin.
00:16:57Die Zeugin, die im Elternhaus des Mädchens wohnt, hat auf dem Hof Wäsche aufgehängt und dabei
00:17:10beobachtet, wie Lydia aus einem Mansardenfenster geklettert ist. Danach balancierte das Mädchen
00:17:16auf der Dachrinne entlang. Die Frau hat sich nichts weiter dabei gedacht. Lydia und ihre beiden
00:17:24kleineren Brüder waren auch früher schon auf dem Dach herumgeklettert. Die Mutter des Mädchens
00:17:30sagte später aus, dass Lydia Stubenarrest hatte und in ihrem Zimmer eingeschlossen war. Lydia wurde
00:17:39auch noch von einer zweiten Frau gesehen. Sie hat beobachtet, wie Lydia auf das Garagendach
00:17:44gesprungen ist. Das Mädchen trug einen blauen Anorak, einen weiten rot-blau karierten Rock und
00:17:49schwarze Halbschuhe. Außerdem hatte sie eine rote Ledertasche bei sich, in der ein paar Holzsandalen
00:17:54steckten. Das Kind ist nach Angaben der Zeugin in Richtung Autobahn verschwunden.
00:18:03Ein Straßenarbeiter hat Lydia dort gegen 16.15 Uhr beobachtet und gesehen, wie sie versucht
00:18:09hat, Autos anzuhalten.
00:18:19Die nächste und vielleicht wichtigste Aussage kam von einem LKW-Fahrer. Er heißt Wilfried
00:18:24Bayer. Er ist an dem Mädchen vorbeigefahren. Sein Chef hatte den Fahrern ausdrücklich untersagt,
00:18:30Anhalter in Firmenwagen mitzunehmen. Wilfried Bayer hat dann im Rückspiegel gesehen, wie hinter
00:18:35ihm ein roter Sattelschlepper angehalten hat. Ob das Mädchen wirklich eingestiegen ist,
00:18:46konnte er nicht mehr feststellen, weil der Wagen aus dem Blickfeld des Rückspiegels geriet.
00:18:53Jetzt war der Mann neugierig geworden. Er hielt auf den nächsten Parkplatz an und wartete
00:18:58auf den roten LKW. Der Sattelschlepper passierte kurz darauf den Parkplatz. Wilfried Bayer hat
00:19:09deutlich erkannt, dass das Mädchen neben dem Fahrer saß und dass der Wagen unbeladen war.
00:19:19Der Sattelschlepper hatte vermutlich ein belgisches Kennzeichen. Auf jeden Fall erinnert
00:19:24sich Bayer daran, dass es ein weißes Schild mit roten Ziffern war. Tja, das wär's.
00:19:30Naja, das ist ja nicht besonders viel. Sag mal, diese rote Tasche mit den Zandalen,
00:19:36die ist doch nicht wieder aufgetaucht. Nein, das ist sie nicht. Da fällt mir ein,
00:19:40die schwarzen Schuhe, die sie zuletzt anhatte, die lagen neben der Leiche. Offensichtlich
00:19:45sind sie absichtlich in die Grube geworfen worden. Das heißt doch, dass der Täter die Tasche
00:19:49wahrscheinlich gar nicht gehabt hat. Sonst hätte ich sie dort wohl auch vergraben. Ben
00:19:53er doch sicher damit gerechnet, dass wir die Leiche nie finden. Irgendetwas stimmt doch
00:19:57noch nicht an der Sache. Ist denn die Aussage des Lastwagenfahrers, wie hieß er, Bayer,
00:20:02ist die denn zuverlässig? Na, ich meine schon. Der Mann hat genaue Einzelheiten angegeben.
00:20:07Die Farbe des LKW, das Nummernschild und er war ganz sicher, dass der Wagen unbeladen war.
00:20:12Im Übrigen decken sich seine Angaben teilweise mit denen des Straßenarbeiters.
00:20:15Nein, stopp. Er hat ganz recht. Nach der Aussage des LKW-Fahrers ist sie an die Verkehrnerichtung
00:20:21gefahren. Seht mal hier. In St. Witt ist sie den roten Sattelschlepper eingestiegen und
00:20:28nach Westen Richtung Ruhrgebiet gefahren. Die Leiche haben aber jetzt hier 30 Kilometer
00:20:33östlich in der Senne gefunden. Wenn also die Aussage des LKW-Fahrers stimmt, dann fehlt
00:20:39doch auf alle Fälle noch ein Glied in der Kette. Ja, es sieht so aus, als ob sie vielleicht
00:20:44schon auf dem Rückweg war, nach Hause, zu ihrer Mutter. Gut möglich. Viele Kinder kriegen
00:20:49mal einen Rappel und laufen weg und dann bekommen sie Heimweh. Es ist natürlich auch möglich,
00:20:53dass sie auf der Fahrt zurück schon tot war. Na, wie auch immer, auf jeden Fall müssen
00:20:57wir den Fahrer dieses belgischen Sattelschleppers finden.
00:20:59Die Suche beginnt an den Grenzübergängen nach Belgien. Es stellt sich heraus, dass nur
00:21:08beladene Fahrzeuge registriert werden, unbeladene nicht. Es bleibt den Beamten also nichts weiter
00:21:15übrig, als alle Wagen festzustellen, die kurz vor dem 26. April mit Fracht in die Bundesrepublik
00:21:20gekommen sind. Einer von ihnen müsste an dem fraglichen Tag leer zurückgefahren sein.
00:21:25Das Ergebnis dieser Prüfungen schlägt sich in einer langen Liste nieder, die in Bielefeld
00:21:29aus dem Fernschreiber tickt. Zulassungsnummern und Anschriften von 253 belgischen LKWs.
00:21:38Die Liste geht über Interpol an die belgische Polizei. Dort kann festgestellt werden, welche
00:21:44Zulassungsnummern zu Sattelschleppern gehören. Es sind etwa 20, deren Fahrtenbücher daraufhin
00:21:50von den belgischen Beamten überprüft werden. Auf diese Weise wird der Fahrer, der Lydia
00:22:05Schürmann mitgenommen hat, tatsächlich gefunden. Er heißt Valery van Routen und ist bei einer
00:22:11Holzhandlung in der Nähe von Ghent beschäftigt. Er erinnert sich genau an das Mädchen, das
00:22:16am 26. April in Deutschland in seinen Wagen gestiegen ist. Kommissar Reinecke erhält von
00:22:21den belgischen Behörden die Genehmigung, den Mann selbst zu vernehmen.
00:22:25Wie das Mädchen hieß, weiß ich nicht. Man fragt doch nicht. Aber an diesen, diesen blauen
00:22:33Anorak kann ich mich erinnern. Erzählen Sie doch mal von vorne beim Raupen. Wohin haben
00:22:39Sie denn das Mädchen mitgenommen? Tja, das war so. Sie ist dicht zu mir ein und ich habe
00:22:51sie zuerst bis Bottrop mitgenommen. Da ist eine Rastzette. Da haben wir Erbsensuppe gegessen.
00:23:02Ich weiß es noch genau. Sie hatte nämlich kein Geld dabei und ich musste
00:23:07ihre Suppe mitbezahlen. Dann sind wir weitergefahren. Das Mädchen hat erzählt, dass es nach Frankreich
00:23:16wollte, zu einer Tante. Sonst war sie ja ziemlich still. Sie sagte noch, dass sie von zu Hause
00:23:24Weckenlofe ist, weil sie Streit hatte mit ihrer Mutter. Sie hat auch ein paar Mal
00:23:30geweint. Vor der Grenze bei Elmt habe ich sie gefragt, ob sie überhaupt einen Ausweis hat.
00:23:38Ausweis mit? Sie hatte keinen. Nein. Geht es denn nicht ohne Ausweis?
00:23:41Wollte, dass ich sie schwarz über die Grenze bringe. Aber sowas, wissen Sie, ist mir
00:23:47zu vertraglich. Warum? Dann ist sie vor der Grenze ausgespiegelt. Wohin sie gegangen ist,
00:23:58weiß ich nicht. Ich habe darauf nicht mehr geachtet.
00:24:02Seither habe ich sie nie wieder gesehen. Und das mit der Tasche, dass ihr die wieder
00:24:20mitgenommen habt, das wissen Sie genau? Ja, ganz bestimmt. Sonst hätte ich sie ja
00:24:26hinterher gefunden. Und wann sind Sie dann das nächste Mal die Autobahnstrecke Hannover-Holgebiet
00:24:32gefahren? Nie wieder. Ich musste seitdem immer nach Suddeutschland. Meistens nach Bayern.
00:24:39Ja, das wäre ja alles. Vielen Dank, Herr Van Rauten. Ich fahre jetzt wieder zurück nach
00:24:45Deutschland. Und wenn Ihnen in der Sache noch was einfallen sollte, dann sagen Sie es
00:24:49bitte meinen Kollegen. Auf Wiedersehen.
00:24:58Kommissar Reinecke lässt die Angaben des belgischen Kraftfahrers überprüfen.
00:25:01Die kontrollierten Fahrtenbücher belegen, dass der Mann tatsächlich nicht mehr im Raum
00:25:06Bielefeld gewesen sein konnte. Er scheidet als Täter also aus. Es gibt auch keinen Grund
00:25:11an seiner Schilderung zu zweifeln. Für die Männer der Bielefelder Mordkommission ist deshalb
00:25:16die Frage immer noch offen, wie Lydia Schürmann von der belgischen Grenze zurückgekommen
00:25:21in den Bielefelder Raum.
00:25:22Diese Frage, die Frage nach dem Rückweg des Mädchens Lydia Schürmann von der belgischen
00:25:37Grenze in den Bielefelder Raum. Diese Frage, meine Damen und Herren, wollen wir versuchen,
00:25:41heute Abend mit ihrer Hilfe vielleicht zu klären. Hauptkommissar Ernst Reker ist heute hier
00:25:46zuständig für diesen Fall.
00:25:48Herr Zimmermann, ich glaube, das Wichtigste ist, glaube ich, zunächst mal, den Zuschauern
00:25:52zu zeigen, wie Lydia Schürmann damals ausgesehen hat. Sie war 1962, 13 Jahre alt, wirkte aber
00:25:58wie eine 15-Jährige.
00:26:00Lydia Schürmann war 1,63 groß, hatte dunkelblondes, glattes Haar und blaugraue Augen. Sie trug,
00:26:07wie gesagt, einen blauen Anorak und einen rot-blau karierten Rock. Und sie hatte, wie mehrfach
00:26:12erwähnt, eine auffällige rote Ledertasche mit ein paar Holzsandalen bei sich.
00:26:16Ja, so sahen diese sogenannten Gesundheitssandalen aus. Sie hatten eine Holzsohle mit einem dunklen
00:26:22Lederrieben, waren allerdings älter und schon abgetragen. Und hier haben wir eine gleiche Tasche.
00:26:28Ein rotes Leder mit Beutelform und marokkanischem Prägemuster. Aber ich glaube, das Muster kommt
00:26:35besonders deutlich auf der Fotografie zutage.
00:26:39Diese Tasche, in der vermutlich die Sandalen steckten, ist meines Erachtens die wichtigste
00:26:44Erinnerungsstütze für einen Autofahrer oder eine Autofahrerin an Lydia Schürmann. Denn
00:26:49diese Tasche hat sie vermutlich in einem Auto, in dem sie mitgenommen worden ist, vergessen.
00:26:56Wir nehmen an, dass Lydia Schürmann die 250 Kilometer von der holländischen Grenze bis in den
00:27:01Bielefelder Raum in mehrere Etappen zurückgelegt hat. Sie wird also etwa gefahren sein von
00:27:07Elmend, Mönchengladbach in den Raum Düsseldorf und konnte dann über die Bundesautobahn nach
00:27:11Oberhausen, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Wiedenbrück, Bielefeld fahren. Oder aber auch von
00:27:17Düsseldorf durchs Ruhrgebiet, vielleicht Essen, Bochum, Dortmund in den Bielefelder Raum.
00:27:22Und meine Damen und Herren, es kommt also darauf an festzustellen, wer in der Woche nach
00:27:28Ostern 1962 dieses Mädchen, das ihr abgebildet ist und damals einen blauen Anorak und einen
00:27:35karierten Rocktuch mitgenommen hat. Vielleicht hat sie auch erzählt, dass sie von zu Hause
00:27:40weggelaufen ist. Und ich weise nochmals besonders auf die auffallend rote Tasche hin.
00:27:47Das Jahr 1962, meine Damen und Herren, und das zur besseren Erinnerung, war das Jahr der
00:27:52Flutkatastrophe in Hamburg. In Chile wurde in diesem Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft
00:27:56ausgetragen. Konrad Adenauer war noch Bundeskanzler. Und einen Tag vor Lüdias Verschwinden begann
00:28:02in München der aufsehenerregende erste Prozess gegen Vera Brüne. Ja, und ich möchte noch
00:28:08besonders die Kraftfahrer und insbesondere Lkw-Fahrer ansprechen, denen es verboten ist,
00:28:13Anhalterinnen mitzunehmen. Es geht hier um einen Mordfall. Und das versteht sie eigentlich
00:28:18von selbst, dass die Polizei bei der Überprüfung die notwendige Diskussion wahrt. Für Hinweise,
00:28:24die zur Klärung des Verbrechens führen, ist eine Belohnung von 4.000 Mark ausgesetzt.
00:28:29Hinweise bitte an die Polizeidienststelle Kriminalpolizei Bielefeld. Telefon 0521 545424 an
00:28:39jede andere Polizeidienststelle oder an eines unserer Aufnahmestudios in Wien oder Wiesbaden.
00:28:44Ich darf vielleicht die Nummer noch einmal bekannt geben. Hier in Wiesbaden 36 001 und in Wien die Nummer
00:28:5282 36 21 in Serie bis 25. Ja, ich möchte noch darauf hinweisen, dass Personen, die sich
00:29:02früher schon bei uns gemeldet haben, es nicht noch einmal zu tun brauchen. Wir haben alle
00:29:08Spuren sehr sorgfältig überprüft und schriftlich festgehalten, sodass eine erneute Meldung bei der
00:29:13Polizei nicht erforderlich ist. Inzwischen haben hier mehrmals die Telefone geklingelt.
00:29:20Peter Hohl, wie sieht es aus? Kann man schon etwas sagen?
00:29:23Die Angehörigen haben sich bisher noch nicht gemeldet. Das vorweg. Aber es gibt einen
00:29:28interessanten Hinweis auf eine Marlies, die eine Tante Fiene hat. Das muss natürlich
00:29:33noch überprüft werden, da es möglicherweise mehrere solche Zusammenstellungen gibt. Aber
00:29:37es ist immerhin eine Hoffnung, ein Stück weiter zu kommen. Und es gibt einen interessanten
00:29:42Hinweis auf eine verschwundene Frau, die einmal im Raum Dillenburg gewohnt hat und die aus
00:29:47der Ostzone kommt. Auch das könnte möglicherweise passen. Auch da wollen wir im Moment noch
00:29:52etwas zurückhaltend sein mit Einzelheiten.
00:29:54Nun, das könnte uns ja weiterbringen und wir können vielleicht im Laufe des Abends dann
00:29:57noch Näheres erfahren. Jetzt möchten wir, meine Damen und Herren, Sie zuerst einmal mit einem
00:30:01Fall bekannt machen, an der in erster Linie die Münchner und die Österreicher Polizei, an
00:30:07dem die Münchner und die Österreicher Polizei interessiert ist. Gesucht ist Karl Wunder und
00:30:14Else Rosa Wunder. Nach beiden fahndet die Kripo seit über einem Jahr. Sie reisen viel umher
00:30:23und halten sich heute mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Hotel oder in einer Pension auf.
00:30:28Beiden wird vorgeworfen, viele Menschen um ihre Ersparnisse gebracht zu haben, allein
00:30:32in München einen Betrag von 90.000 Mark, mehrere tausend Mark im übrigen bayerischen Raum und
00:30:37auch in Österreich viele tausend Schilling. Diese Bilder von Karl und Else Wunder sind zwölf Jahre alt.
00:30:43Aber die beiden dürften sich in der letzten Zeit nicht sehr verändert haben, sodass man sie auch
00:30:47heute hier noch darauf erkennen kann. Hier ist ein neueres Foto von Karl Wunder. Er ist 49 Jahre alt,
00:30:551,79 groß und von schlanker aber kräftiger Gestalt. Auffallend die gerade straffe Haltung. Karl Wunder
00:31:03hat braune Augen, Entschuldigung, braune Haare und eine zurückweichende Stirn. Er spricht Nürnberger Mundart.
00:31:11Else Wunder ist 52 Jahre alt, 1,63 groß und hat eine kräftige Figur. Auch sie spricht Nürnberger
00:31:21Mundart. Für Hinweise, die zur Festnahme der beiden Gesuchten führen, sind Belohnungen von
00:31:251000 Mark ausgesetzt. Hinweise bitte an die Kripo München. Telefon 2141. Die Vorwahl von München ist 0811. An
00:31:35jede andere Polizeidienststelle oder an eines unserer Aufnahmestudios in Wien. Im nächsten Fall, meine Damen und
00:31:43Herren, geht es um einen Mann, der von fünf Staatsanwaltschaften gesucht ist. Er ist österreichischer
00:31:47Staatsbürger und hat in der Bundesrepublik seit 14 Jahren Aufenthaltsverbot. Trotzdem kommt er immer
00:31:52wieder nach Deutschland. Er lebt ganz offensichtlich von einer sehr spezialisierten Diebstahlsmasche.
00:31:57Er heißt Leo Margreiter. Er ist 38 Jahre alt, spricht Deutsch mit österreichischem Akzent und hält sich in der
00:32:06Regel wohl auch in Österreich auf. Die ausgefallene Arbeitsweise, mit der er bei seinen Besuchen in der
00:32:12Bundesrepublik nahezu 200.000 Mark erbeutet haben dürfte, zeigen wir Ihnen nun in einem kurzen Film. Aber
00:32:19Sie wissen, meine Damen und Herren, der Mann im Film ist ein Schauspieler, auch wenn er Herrn Margreiter
00:32:24sehr ähnlich sieht. Die Fotos des echten Täters und die dazugehörende Personenbeschreibung zeigen wir
00:32:29Ihnen nach dem Film dann noch einmal. Ein NATO-Flugplatz in Baden-Württemberg. Es ist der 13. Dezember 1966. Der Flugbetrieb
00:32:41kennt keine Nachtruhe.
00:32:49Düsenjäger fegen über die Startbahn.
00:33:01Andere Flugzeuge werden für den Start vorbereitet.
00:33:04Auf dem Flugplatz sind zwei kanadische Geschwader stationiert.
00:33:07Das Militärgelände ist von einem hohen Zaun umgeben und wird außerdem von Wachposten gesichert.
00:33:25Korporal McDonald glaubt bei seinem Rundgang an diesem Abend gegen 22 Uhr am Zaun ein leises Knacken gehört zu haben.
00:33:40Aber auf einem Flugplatz gibt es viele Geräusche.
00:33:43Korporal McDonald patrouilliert weiter.
00:33:50Der Wachposten hatte richtig gehört.
00:33:52Ein Mann, der später als Leo Margreiter identifiziert wird, verschafft sich auf recht und konventionelle Weise
00:33:58Zutritt zu dem militärischen Sperrgebiet des Flughafens.
00:34:01Leo Margreiter kennt sich auf kanadischen und amerikanischen Flugplätzen gut aus. Überall in Europa.
00:34:14Seit zehn Jahren hat er sich auf nächtliche Besuche in NATO-Stützpunkten und Militärunterkünften spezialisiert.
00:34:20Er spricht perfekt Englisch und ist mit den Verhältnissen auf militärischem Boden vertraut.
00:34:40Zielsicher findet er die Einzelunterkünfte für alleinstehende und durchreisende Offiziere.
00:34:45Unvorhergesehene Zwischenfälle überspielt er kaltblütig.
00:34:53Die Frage nach den Unteroffiziersunterkünften hat Leo Margreiter schon aus mancher prekären Situation herausgeholfen.
00:35:12Mrs. Bradford, die ihm bereitwillig Auskunft erteilt hat, ist Lehrerin.
00:35:18Sie unterrichtet in einer Schule auf dem Flughafengelände die Kinder der kanadischen Soldaten.
00:35:23Heute Abend hat sie ein Weihnachtspaket für ihre Nichte in Montreal gepackt und dann auf dem Flur zurechtgelegt.
00:35:29Hier soll es am nächsten Morgen vom Postkurier abgeholt werden.
00:35:32Aber die Nichte in Kanada bekommt ihr Weihnachtspaket aus Deutschland nicht, denn Leo Margreiter kommt zurück.
00:35:38Nachdem er das Licht gelöscht hat, sucht er sich zuerst einmal ein geeignetes Standquartier für den Fischzug dieser Nacht.
00:35:54An den Lichtstreifen, die unter den Türen aus den Zimmern dringen, erkennt er, welche Zimmer bewohnt sind.
00:36:02Nach einem mit leichter Hand korrigierten Missgriff findet er ein tatsächlich unbewohntes Zimmer.
00:36:22Hier geht Margreiter für mehrere Stunden in Wartestellung.
00:36:41Er macht es sich gemütlich.
00:36:43Das Leuchtfeuer, das regelmäßig durch das Zimmer geistert, stört ihn nicht.
00:36:52Die mitgebrachten Hausschuhe entsprechen nicht nur seinem Sinn für Gemütlichkeit, sie gehören zu seiner Ausrüstung.
00:37:14Bedenkenlos öffnet er das fremde Weihnachtspaket und verzehrt den essbaren Teil der liebevoll zusammengestellten Geschenke.
00:37:22Während Margreiter sich häuslich niedergelassen hat, geht draußen der Flugbetrieb langsam zu Ende.
00:37:50Die letzten Maschinen rollen auf ihre Positionen zurück.
00:38:02Bald brennen nur noch wenige Sicherheitslampen auf dem riesigen Fluggelände.
00:38:12Gegen zwei Uhr früh verlässt Margreiter seinen Schlupfwinkel und schleicht zuerst zum Sicherungskasten.
00:38:14Gegen zwei Uhr früh verlässt Margreiter seinen Schlupfwinkel und schleicht zuerst zum Sicherungskasten.
00:38:34Markreiter hat es nicht etwa auf militärische Geheimnisse, sondern auf die Brieftaschen und Geldbörsen der Hausbewohner abgesehen.
00:38:50In jahrelangem Umgang mit schlafenden Armeeangehörigen hat er es zu erstaunlicher Routine gebracht.
00:39:10Er geht bei seinen Beutezügen mit beispielloser Selbstsicherheit vor.
00:39:29Der Reihe nach sucht er von seinem Schlupfwinkel aus alle erreichbaren Zimmer in den verschiedenen Flurenheimen, um dann getrost zurückzukehren und die Beute zu sortieren.
00:39:38Mehrfach stand er wegen Diebstählen dieser Art vor dem Richter.
00:39:54Bei der letzten Gerichtsverhandlung im März 1963 ging es um 64 nachgewiesene Streifzüge mit einer Gesamtbeute von 110.000 Mark.
00:40:16Auch seit seiner letzten Haftentlassung ist Leo Markreiter nicht untätig geblieben.
00:40:27Unzählige Male konnten seine Spuren nach Diebstahlserien, wie der am 13. Dezember 1966, gesichert werden.
00:40:57Oft waren vorher Kameraden der Bestohlenen oder Zivilangestellte peinlichen Verdächtigungen ausgesetzt.
00:41:08Denn die Diebstähle müssen, so stellt die Polizei am nächsten Morgen immer wieder fest, von jemandem verübt worden sein, der sich in den Räumlichkeiten genau auskennt.
00:41:27Heute wissen die meisten Behörden, wie der Mann heißt, der sich auf den Flugplätzen zwischen der Eifel und den Bayerischen Bergen immer noch wie zu Hause fühlt.
00:41:57Die Tatsache, dass Leo Markreiter seinen Schlupfwinkel mit peinlicher Sorgfalt aufräumt, gehört zu den Eigenheiten, an denen seine Besuche zu erkennen sind.
00:42:27Wenn die Diebstähle entdeckt werden, ist der Mann längst über alle Berge.
00:42:53Der Mann, der inzwischen von vielen Staatsanwaltschaften gesucht wird, heißt, wie gesagt, Leo Markreiter.
00:43:14Eines der zahlreichen Strafverfahren bearbeitet Staatsanwalt Uwe Nissen.
00:43:17Sagen Sie, Herr Nissen, wo, wann ist Markreiter zum letzten Mal aufgetreten?
00:43:22Ja, mit Sicherheit haben wir Markreiter Ende 1967 als Täter identifizieren können.
00:43:29Wir glauben allerdings, dass auch noch für eine ganze Reihe weiterer Einschleichdiebstähle in Frage kommt.
00:43:34Aber da fehlen uns gegenwärtig die Beweise dafür.
00:43:36Sicherlich ist auch bei einer ganzen Reihe von ähnlichen Diebstahl in jüngerer Zeit der Verdacht statt auf Markreiter auf die Soldaten und die Angestellten der jeweiligen Flugplätze gefallen.
00:43:48Was wissen Sie denn nun über diesen Mann?
00:43:49Leider wissen wir nicht sehr viel, obwohl Markreiter durchaus zu unseren alten Bekannten zählt.
00:43:55Er ist im Alter von 15 Jahren als Boy zu einer amerikanischen Luftwaffeneinheit gekommen und in der Folgezeit bei den Soldaten mitgezogen.
00:44:04Und daher stammen ja auch seine speziellen Fachkenntnisse.
00:44:07Und heute, was wissen Sie über sein heutiges Leben?
00:44:10Ja, wir wissen, dass Markreiter unverheiratet ist, ein unstetiges Leben führt und dass er für seine Fahrten von Flugplatz zu Flugplatz stets die Bundesbahn benutzt.
00:44:20Das ist also gewissermaßen eine Ausnahme, denn Kriminelle bevorzugen ja sonst eigentlich das Auto.
00:44:25Ja, durchaus. Und wir wissen noch weiter, dass Markreiter helle Schuhe liebt, dass er jedenfalls in Deutschland Zigaretten der Marke Oberstolz raucht
00:44:35und schließlich auffallend sein gutes Englisch mit amerikanischem Akzent.
00:44:40Hier sehen Sie noch einmal das Bild des gesuchten Leo Markreiter.
00:44:44Er ist wie gesagt 38 Jahre alt und relativ klein, 1,65.
00:44:49Er hat dunkelblonde Haare, graublaue Augen und eine Warze rechts am Hals.
00:44:55Für die Festnahme Markreiters ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
00:44:59Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen, insbesondere die Kriminalpolizei Baden-Baden.
00:45:04Telefon 22222, also fünfmal die zwei.
00:45:08Sie Vorwahl von Baden-Baden 07-221.
00:45:12Selbstverständlich können Sie auch unsere Aufnahmestudios anrufen oder jede andere Polizeidienststelle.
00:45:18In unserem Aufnahmestudio tickt inzwischen der Fernschreiber, wie ich höre.
00:45:21Peter Hohl, kann man etwas Neues schon sagen? Hat sich etwas mit der Tante bestätigt?
00:45:25Ja, es gibt also einige Hinweise, auch in anderen Polizeidienststellen, die es als möglich erscheinen lassen, dass vielleicht das Opfer Marlies hieß.
00:45:34Es werden jetzt also besonders alle älteren Damen, die Tante Fiene genannt wurden, von einer Nichte Marlies, die es jetzt nicht mehr gibt, aufgerufen, sich zu melden.
00:45:43Außerdem ist ein interessanter Hinweis da zum Fall Lydia Schürmann.
00:45:47Es gibt jetzt hier die Beschreibung eines Autos, die ein anderer Anhalter abgegeben hat, der damals ein Mädchen mit einer roten Tasche in diese Richtung hat fahren sehen.
00:45:56Also ein ähnliches Verhältnis wie zwischen den beiden Lastwagenfahrern.
00:45:59Ganz ähnlich, ja. Und die rote Tasche wurde also recht genau beschrieben.
00:46:03Ah ja, das wäre ja ein sehr guter Erfolg, wenn es nach diesen vielen Jahren noch gelänge, da weiterzukommt.
00:46:08Auf das Ehepaar Wunder ist nichts Aktuelles gekommen.
00:46:11Möglicherweise könnten beide ja doch in Österreich stecken, wo sie auch Straftaten begangen haben.
00:46:15Österreich, das ist das Stichwort. Wir wollen mal fragen, Teddy Podkowski, können Sie uns irgendetwas sagen, wie es gibt es in Wien zu berichten?
00:46:21Ja, es ist also folgendes. Wir haben naturgemäß sehr wenig Hinweise oder so gut wie keine Hinweise in den beiden Mordfällen.
00:46:28Die sind wohl zu sehr auf Deutschland beschränkt, wohl aber im Fall Wunder.
00:46:34Angeblich soll das Ehepaar Wunder gestern im Prater gesehen worden sein und zwar auf einem Ringelspiel oder auf Deutsch Karussell, ich glaube so heißt das.
00:46:43Und ein anderer Hinweis besagt, dass die beiden in einer Wiener Pension abgestiegen sein sollen.
00:46:52Aber die Telefone läuten weiter und ich hoffe, dass ich Ihnen gegen Ende der Sendung schon mehr sagen kann, Herr Zimmermann.
00:46:57Vielen Dank, Teddy Podkowski. Auch unser nächster Fall, meine Damen und Herren, begann vor zwei Monaten in Österreich.
00:47:03Ein Mann und eine Frau reisten kreuz und quer durch das Land und setzten an vielen Orten falsche 50-Dollar-Scheine ab.
00:47:10Meist in Juweliergeschäften, Pelzhäusern oder auch in Parfümerien.
00:47:14Inzwischen gelang es der Polizei, das Pärchen zu identifizieren.
00:47:17Es handelt sich um die Österreicher Ernst Hirmeier und Irma Suchi.
00:47:23Ernst Hirmeier ist 30 Jahre alt, 1,84 groß und von kräftiger Gestalt.
00:47:29Er hat braune Haare und graue Augen.
00:47:32Hirmeier ist der, der gelegentlich einen Backenbart trägt, sprich Deutsch mit österreichischem Tonfall und Russisch.
00:47:38Irma Suchi ist 33 Jahre alt, 1,63 groß und untersetzt.
00:47:45Sie hat graue Augen und einen großen Mund mit wulstigen Lippen.
00:47:48Bitte achten Sie vor allem auf das Gesicht.
00:47:50Wahrscheinlich sind die Haare jetzt etwas kürzer noch und anders gefärbt.
00:47:55Für einen der falschen 50-Dollar-Scheine hat sie in einer österreichischen Parfümerie verschiedene Haarfärbemittel gekauft.
00:48:01In einem anderen Fall hat sie versucht, ihr Gesicht durch aufgeschminkte Narben zu verändern.
00:48:06Beide haben sich wahrscheinlich in eines der Nachbarländer Österreichs abgesetzt,
00:48:10also in die Bundesrepublik, in die Schweiz oder unter Umständen auch nach Jugoslawien.
00:48:14Sie benutzen zur Zeit entweder einen Jaguar mit dem Wiener Kennzeichen 403299,
00:48:21und zwar einen blau-grünen Jaguar, oder einen grauen Rover Typ 75 mit dem Kennzeichen 402820,
00:48:32ebenfalls ein Wiener Kennzeichen.
00:48:35Bei dem Rover handelt es sich um ein sehr seltenes Fahrzeug aus dem Jahre 1955.
00:48:40In der Bundesrepublik sind beispielsweise nur drei Wagen dieses Typs zugelassen.
00:48:44Für Hinweise, die zur Festnahme der beiden führen, ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
00:48:49Hinweise bitte an jede Polizeidienststelle oder an eines unserer Aufnahmestudios in Wiesbaden oder Wien.
00:48:58Für den nächsten Fall hat hier inzwischen Kommissar Schulz von der Kripo Köln Platz genommen.
00:49:06Es geht jetzt noch einmal um ein Kapitalverbrechen.
00:49:09Ja, jetzt immer mal.
00:49:10Bei diesem Raubüberfall ist der Täter besonders dreist vorgegangen
00:49:14und der hat blitzschnell zugeschlagen, wie in einem knallharten Gangsterfilm.
00:49:19Nur mit der Aufklärung, da haben wir es nicht so leicht, wie der berühmte Meisterdetektiv im Kino.
00:49:25Und hier wurde auch nicht mit Platzpatronen geschossen, meine Damen und Herren.
00:49:28Um ein Haar hätte ein Unschuldiger sein Leben lassen müssen bei diesem Fall.
00:49:31Freitag, 5. Mai 1967.
00:49:39Das sonnige Frühlingswetter hat in Köln viele Menschen zu einem Einkaufsbummel aus den Häusern gelockt.
00:49:44Die Schaufenster des Hauptgeschäftsviertels in der Innenstadt finden zahlreiche Interessenten.
00:49:49Es sind nicht zuletzt die Auslagen eines eleganten Juweliergeschäftes,
00:49:55die die Bewunderung mancher Passanten wecken.
00:50:04Hinter einer relativ bescheidenen Fassade verbirgt sich ein Verkaufsraum von bestechender Großzügigkeit.
00:50:10In den Glasvitrinen glitzern erlesene Kostbarkeiten.
00:50:23Gegen 10.30 Uhr begrüßt der Geschäftsführer ein Ehepaar, das zu den Stammkunden des Hauses gehört.
00:50:28Ja, bitte schauen Sie, ich habe bitte die Glitsch noch mal in der Förderung.
00:50:32Ja, da ist ein kleines Malheur. Ich glaube, der eine Urklip, der sitzt nicht ganz fest.
00:50:36Vielleicht liegt das hier an der Feder und vielleicht können Sie das doch...
00:50:39Zur selben Zeit geht ein Mann mit dunkler Sonnenbrille durch die belebte hohe Straße in Richtung Domkloster.
00:50:51Der Mann ist etwa 30 bis 35 Jahre alt, 1,80 bis 1,85 Meter groß.
00:50:56Er hat ein schlankes, beinahe schmales Gesicht und trägt eine dunkle Seglermütze,
00:51:02ein blaugraues Sportsakko und eine graue Hose.
00:51:06In beiden Jackentaschen zeichnet sich ein schwerer Gegenstand.
00:51:09Beim Juwelier am Dom bemüht sich der Geschäftsführer indessen um die Kunden.
00:51:17Ist es sehr schwierig?
00:51:18Das ist kein Problem, Neffaar. Das macht unsere Werkstatt sehr schnell.
00:51:22Und wann kann ich Sie wieder haben?
00:51:24Mittwoch, nächste Woche. Ist das recht nett, Neffaar?
00:51:26Ja gut, dann kann ich vom Büro aus direkt hier vorbeikommen.
00:51:29Das ist nett von dir.
00:51:30Der Mann mit der Sonnenbrille ist inzwischen nur noch wenige hundert Meter vom Juwelier entfernt.
00:51:36Spätere Zeugen erinnern sich daran, dass er für die Jahreszeit ungewöhnlich braun gebrannt war und einen auffallenden roten Schlips trug.
00:51:44Sie können sich drauf verlassen, Herr Kiffenck.
00:51:49Mittwoch.
00:51:51Der kleine Reparaturauftrag ist notiert.
00:51:53Ja, Dankeschön. Ich kann nicht klaren. Ich darf Ihnen außen zeigen.
00:51:56Na, Frau, da haben Sie selbst. Dankeschön.
00:51:57Der Mann mit der Sonnenbrille hat das Juweliergeschäft erreicht.
00:52:16Sieh doch mal her, Emil.
00:52:17Die Türglocke ruft die Verkäuferin Eva Simon aus den hinteren Räumen.
00:52:22Das Mädchen wendet sich dem vermeintlichen Kunden zu.
00:52:27Bleiben Sie alle stehen. Oder ich schieße.
00:52:31Ich bediene mich schon selbst.
00:52:35Der unheimliche Besucher erweist sich als sachkundig und gut orientiert.
00:52:40Obwohl in keinem der Fenster Preisangaben sind, steuert er zielbewusst auf das sogenannte Juwelenfenster zu,
00:52:45in dem nur wenige, aber besonders kostbare Stücke ausgestellt sind.
00:52:49Gesamtwert 596.000 Mark.
00:52:53Das Schaufenster ist jedoch von innen verschlossen.
00:52:57Eva Simon überwindet als Erste den Schock.
00:53:04Ihr Blick sucht einen der im Raum verteilten Alarmknöpfe,
00:53:07die direkt mit der nächsten Polizeiwache verbunden sind.
00:53:10Das Schloss am Schaufenster gibt nach.
00:53:11Die drohende Waffe verbreitet lähmende Hilflosigkeit.
00:53:39Nur Eva Simon lässt sich nicht einschüchtern.
00:53:46Stehen bleiben, habe ich gesagt.
00:53:48Mit dem Schuss hat sich der Täter erneut Respekt verschafft.
00:54:09Das Geschoss aus dem Revolver ging nur um Haaresbreite an dem Geschäftsführer und dem Kunden vorbei.
00:54:13Die Ladehemmung der Pistole, mit der er als offensichtlicher Rechtshänder zuerst schießen wollte,
00:54:18hat Eva Simon wahrscheinlich das Leben gerettet.
00:54:21Keine Aufregung.
00:54:23Bezahlt alles die Versicherung.
00:54:24Nachdem der Mann mit der Sonnenbrille verschwunden ist,
00:54:30drücken sowohl die Verkäuferin als auch der Geschäftsführer die Alarmknöpfe.
00:54:33Automatisch schließen sich die Eingänge.
00:54:38Aus den hinteren Werkstatträumen kommen mehrere Angestellte und diskutieren erregt über den Überfall.
00:54:42Der Hausmeister Erwin Karger versucht als erster, dem flüchtenden Verbrecher zu folgen.
00:54:47Als einziger kommt er noch unter dem Gitter hindurch.
00:54:52Die Mühen des Hausmeisters sind vergebens.
00:54:55Der Täter hat einen zu großen Vorsprung.
00:54:57Es gelingt ihm, in der Menge zu verschwinden.
00:54:59Bis heute weiß die Kripo von dem Täter nicht mehr, als dass es sich um einen Mann handelt,
00:55:18der etwa 30 bis 35 Jahre alt, 1,80 bis 1,85 groß und mit schmalem Gesicht.
00:55:24Diese Täterbeschreibung dürfte für uns natürlich erst im Zusammenhang
00:55:28mit den verschwundenen Juwelen interessant werden.
00:55:31Der Täter hat ja mit erstaunlicher Sachkenntnis
00:55:34acht der wertvollsten Stücke aus dem Schaufenster geraubt,
00:55:38die einen Gesamtwert von weit mehr als eine halbe Million Mark repräsentieren.
00:55:44Da ist in erster Linie dieser Ohranhänger
00:55:46mit vielen Brillanten und auffallend dieser Perle.
00:55:52Als zweites haben wir dieses Collier,
00:55:54das alleine einen Wert von 223.000 Mark repräsentiert,
00:56:03also beinahe eine Viertelmillion.
00:56:05Auch diese beiden Brillantringe haben einen enormen Wert.
00:56:10Hier ist ein Brillantring mit einem Stein von 7,44 Karat
00:56:14in einem rechteckigen Smaragd-Schliff.
00:56:17Er hat einen Wert von 110.000 Mark.
00:56:20Auch der zweite Brillantring ist leicht wiederzuerkennen.
00:56:23Dieser Stein hat eine Karatzahl von 4,95
00:56:27und auf dem Reif sind vier rechteckig geschliffene kleine Brillanten eingesetzt.
00:56:34Dieser Ring hat einen Wert von 80.000 Mark.
00:56:36Ich sollte vielleicht noch sagen, meine Damen und Herren,
00:56:39dass die Schmuckstücke alle Handarbeit sind
00:56:41und der Wert dieser Schmuckstücke insbesondere in der Verarbeitung,
00:56:45in der besonderen, in der kunstvollen Verarbeitung liegt
00:56:48und dass sie deshalb nicht umgearbeitet worden sind vermutlich
00:56:53und dass sie also auch heute noch so getragen werden,
00:56:57dass sie so vermutlich neue Besitzer gefunden haben.
00:56:59Besonders auffällig ist dieses Armband hier.
00:57:02In seiner äußeren Form, es trägt 215 Brillanten
00:57:08in der Form eines kleinen Teppichs angeordnet,
00:57:11sodass man praktisch nur glitzernde Steine sieht,
00:57:14aufgelockert von fünf grünen Smaragden.
00:57:19Gesamtwert des Kleinorts 71.000 Mark.
00:57:23Mit großer Wahrscheinlichkeit wissen die Besitzer,
00:57:25die neuen Besitzer dieser Schmuckstücke nicht,
00:57:27die diese Schmuckstücke vielleicht bis heute in aller Öffentlichkeit getragen haben,
00:57:31dass sie Diebesgut erworben haben.
00:57:33Mit dieser Sendung haben wir Ihnen vielleicht nun einen begreiflichen Schock versetzt.
00:57:37Sie sollten sich aber trotzdem vertrauensvoll an die Polizei wenden.
00:57:41Die Schmuckstücke haben im Übrigen alle geheime Zeichen,
00:57:44Arbeitszeichen, an denen man sie einwandfrei identifizieren kann.
00:57:48Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Köln, 2751.
00:57:54Die Vorwahl von Köln ist 0211 oder an eines unserer Aufnahmestudios.
00:57:59Nun, meine Damen und Herren, es ist nichts Außergewöhnliches,
00:58:04dass kleine Dinge gelegentlich verschwinden,
00:58:06noch zumal, wenn es sich um Schmuckstücke dieser Art handelt,
00:58:08wie Sie sie soeben gesehen haben.
00:58:10Aber auch größere Gegenstände kommen bisweilen abhanden.
00:58:14Spurlos verschwunden zum Beispiel ist seit Januar dieser Lastwagen.
00:58:19Mitsamt einer Ladung im Wert von 100.000 Mark.
00:58:22Der Lastzug wurde in der Nacht vom 11. zum 12. Januar 1968 in Frankfurt Sachsenhausen gestohlen.
00:58:29Der Anhänger wurde vor zehn Tagen mit einem Teil der Ladung wieder aufgefunden.
00:58:33Der Motorwagen, Marke Mercedes-Benz 334 mit dem größeren Teil der Ladung,
00:58:38scheint sich jedoch in Luft aufgelöst zu haben.
00:58:41Er trug das Kennzeichen Dill-Dillenburg-KR76.
00:58:45Aufbau und Plan waren einheitlich blau.
00:58:48Die Türen trugen Namen und Anschrift der Firma König und Friedel Frankfurt.
00:58:53Frage an Sie, meine Damen und Herren,
00:58:55wo ist dieser Wagen mit oder ohne Hänger in der letzten Zeit
00:58:58unter verdächtigen Umständen vielleicht gesehen worden?
00:59:02Er steht vielleicht unbeobachtet, unbeachtet auf einem Abstellplatz.
00:59:06Es gibt Hinweise, dass der Raum München in diesem Zusammenhang besonders interessant ist.
00:59:10Auf dem Wagen befindet sich vielleicht noch ein Teil der Ware
00:59:14und auf die Wiederbeschaffung dieser Ware ist eine hohe Belohnung ausgesetzt.
00:59:18Insgesamt bis zu 5000 Mark.
00:59:20Auf die Festnahme der Täter ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
00:59:24Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Frankfurt unter der Nummer 230541
00:59:31oder an jede andere Polizeidienststelle oder eines unserer Aufnahmestudios.
00:59:37Das, meine Damen und Herren, war der letzte Fall unserer heutigen Sendung,
00:59:40bevor wir Ihnen nun noch einmal alle Fahndungsfotos zeigen,
00:59:43wollen wir hören, welche Meldungen sich inzwischen in Wien
00:59:46und in unserem Aufnahmestudio angesammelt haben.
00:59:49Teddy Podkowski, können Sie uns jetzt etwas mehr berichten als vorhin?
00:59:53Ja, es ist also folgendes.
00:59:54Wir haben eine große Zahl von Hinweisen,
00:59:56die die österreichischen Fälle betreffen
00:59:58und die Polizeibeamten sind gerade dabei,
01:00:01die Spreu von Weizen zu sondern.
01:00:03Nun, das Ehepaar Wunder.
01:00:06Es ist anzunehmen, nach den Anrufern und nach der Zahl der Anrufe zu schließen,
01:00:12dass sich dieses Paar mit ziemlicher Sicherheit in Wien aufhält.
01:00:15Was die Verbreiter der falschen Dollarnoten anlangt,
01:00:19so hat die Fahndung durch diese Sendung, glaube ich, einen großen Auftrieb erhalten.
01:00:23Die Polizei hofft, mit Hilfe unserer Sendung jetzt auf die Spur zu kommen,
01:00:28denn es ist sehr wichtig für die Polizei, die Verhaftung vornehmen zu können,
01:00:33um auf die Quelle dieser falschen Dollarnoten zu stoßen.
01:00:36Immerhin haben die beiden nicht weniger als 80 falsche 50-Dollarnoten an den Mann bringen können.
01:00:44Der letzte Hinweis kam von einem Seher, der betont hat,
01:00:49dass Hiermeier ihn erst vor kurzer Zeit um 10.000 Schilling betrogen hat.
01:00:55Vielen Dank, Ted. Das wäre vorläufig alles.
01:00:58Dankeschön, Teddy Podgorski.
01:00:59Und in unserem Aufnahmestudio hat sich hier auch Neueres herausgestellt.
01:01:02Ja, ich kann Teddy Podgorski insofern ergänzen,
01:01:06dass also Karl Wunder höchstwahrscheinlich einen blauen BMW V8 fährt,
01:01:11möglicherweise mit Münchner Nummer.
01:01:13Das ist nicht ganz sicher, aber der blaue BMW V8 dürfte sehr sicher sein,
01:01:17denn der Hinweiser wusste einige Dinge über Karl Wunder,
01:01:20die wir in der Sendung nicht gesagt hatten, die aber nachprüfbar sind und die stimmen.
01:01:24Und demnach war er vorgestern in Karlsruhe,
01:01:26was natürlich durchaus nicht ausschließt, dass er heute in Wien war.
01:01:29Sie haben es gehört, Herr Podgorski, einen blauen BMW.
01:01:32Das sollten Sie vielleicht Ihren Beamten nochmal einmal extra sagen.
01:01:35Wie besprochen, meine Damen und Herren,
01:01:36zeigen wir Ihnen jetzt noch einmal alle Fahndungsfotos
01:01:38und melden uns dann in circa anderthalb Stunden wieder,
01:01:41um Sie über weitere Ergebnisse unserer Sendung zu unterrichten.
01:01:44Hier in der Bundesrepublik gegen 22.15 Uhr und in Österreich gegen 22.30 Uhr.
01:01:50Und bis dahin, guten Abend.