Evian 1938: Ein Blick in die Vergangenheit, der erschreckend aktuell ist! Vor 87 Jahren scheiterte die internationale Staatengemeinschaft in Evian daran, gemeinsame Lösungen für die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge zu finden. Doch welche Parallelen gibt es zu heutigen Flüchtlingskrisen? Entdecke, wie Argumente und politische Reflexe von damals bis heute die Debatten prägen. Ein Video, das dich zum Nachdenken anregen wird! #refugees #flüchtlinge #flüchtlingspolitik #flüchtlingskrise #flucht #wirsindmehr #geschichte #history #jewishhistory #mutzurwahrheit
Online-Ausstellung zu Konferenz:
https://evian1938.de/
Video von EinfachSchule:
https://www.youtube.com/watch?v=1oQYoQ3Nijk
Beitrag aus der Holocaust Enzyclopedia:
https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/the-evian-conference
Beitrag des Deutschlandfunk:
https://www.deutschlandfunk.de/fluechtlingskonferenz-von-evian-1938-juden-waren-nirgends-100.html
Das sind meine Themen:
00:00 Intro
00:29 Die Flüchtlingskonferenz von Evian
02:42 Einwanderungspolitik der USA
04:59 Kanadas Einwanderungspolitik
05:23 Lateinamerikanische Länder
06:53 Einwanderungspolitik von England
08:08 Einwanderungspolitik Frankreichs
09:18 Problem der Okkupation & Kollaboration
09:41 Einwanderungspolitik von Australien
10:24 Einwanderung in Palästina
10:51 Auswandern nach Shanghai
11:30 Bürokratische Anforderungen & hohe Kosten
13:30 Reichsfluchtsteuer & Bittgesuche an den Papst
16:00 Entzug der Staatsbürgerschaft
16:57 Ausbruch des Krieges & Verbot der Auswanderung
17:31 Vergleich zur heutigen Flüchtlingskrise
18:26 Genfer Flüchtlingskonvention
Online-Ausstellung zu Konferenz:
https://evian1938.de/
Video von EinfachSchule:
https://www.youtube.com/watch?v=1oQYoQ3Nijk
Beitrag aus der Holocaust Enzyclopedia:
https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/the-evian-conference
Beitrag des Deutschlandfunk:
https://www.deutschlandfunk.de/fluechtlingskonferenz-von-evian-1938-juden-waren-nirgends-100.html
Das sind meine Themen:
00:00 Intro
00:29 Die Flüchtlingskonferenz von Evian
02:42 Einwanderungspolitik der USA
04:59 Kanadas Einwanderungspolitik
05:23 Lateinamerikanische Länder
06:53 Einwanderungspolitik von England
08:08 Einwanderungspolitik Frankreichs
09:18 Problem der Okkupation & Kollaboration
09:41 Einwanderungspolitik von Australien
10:24 Einwanderung in Palästina
10:51 Auswandern nach Shanghai
11:30 Bürokratische Anforderungen & hohe Kosten
13:30 Reichsfluchtsteuer & Bittgesuche an den Papst
16:00 Entzug der Staatsbürgerschaft
16:57 Ausbruch des Krieges & Verbot der Auswanderung
17:31 Vergleich zur heutigen Flüchtlingskrise
18:26 Genfer Flüchtlingskonvention
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LernenTranskript
00:00Heute vor 87 Jahren begann die Flüchtlingskonferenz von Evian.
00:05Dies möchte ich zum Anlass nehmen, um einmal die Situation der Kriegsflüchtlinge von damals und heute zu vergleichen.
00:11Denn schon damals, im letzten Friedensjahr vor dem Zweiten Weltkrieg, scheiterte die internationale Staatengemeinschaft daran,
00:19gemeinsame und vor allem verbindliche Regelungen für die Aufnahmen politisch verfolgter Flüchtlinge und Asylsuchender auf den Weg zu bringen.
00:27Die nach dem Ort in Frankreich benannte Flüchtlingskonferenz von Evian fand zwischen dem 6. und 15. Juli 1938 auf Initiative
00:36des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt statt.
00:41Im Fokus stand die von Nazi-Deutschland ausgelöste Flüchtlingskrise wegen der Eskalation ihrer antisemitischen Politik und der Annexion Österreichs.
00:50Delegierte von 32 Ländern und verschiedene Hilfsorganisationen nahmen an der Konferenz teil.
00:56Hauptproblem war die Weigerung westlicher Industrienationen wie der USA und Großbritannien, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.
01:04Zwar wurde Sympathie und Mitleid für die Situation der verfolgten Jüdinnen und Juden geäußert,
01:09aber mit dem Hinweis auf die schwierige wirtschaftliche Situation und eine schon bereits bestehende Übersättigung mit Flüchtlingen
01:16wurden verbindliche Regelungen zur vermehrten Aufnahme deutscher und österreichischer Flüchtlinge abgelehnt.
01:22Diese Argumentation kommt euch sicher bekannt vor.
01:26Evian scheint ein Muster aufzuzeigen, das auch für heutige Reaktionen der Staaten auf Flüchtlingskrisen gilt.
01:33Es gibt viel Gerede, aber es fehlt an entschlossenen, einheitlichen und vor allem rechtzeitigem Handeln.
01:39Dies deutet darauf hin, dass Evian kein isoliertes historisches Ereignis war,
01:43sondern ein wiederkehrendes Muster der internationalen Gemeinschaft auf große humanitäre Krisen etablierte,
01:50insbesondere wenn es um unerwünschte Bevölkerungsgruppen geht.
01:53Rücksicht auf die öffentliche Meinung gab es damals schon,
01:57denn mehr als 80 Prozent lehnten die Aufnahme weiterer Juden ab.
02:01Das Scheitern der Konferenz sendete leider besonders schlechte Signale an die Naziführung in Deutschland.
02:06Sie stellte mit großem Vergnügen fest, wie erstaunlich es sei,
02:11dass andere Länder Deutschland für die Behandlung der Juden kritisierten,
02:14aber keines von ihnen bereit war, ihnen die Türen zu öffnen.
02:18Es war letztlich schwer behaupten, dass der Ausgang der Konferenz Hitler ermutigte
02:23und die Radikalisierung der Judenverfolgung im Dritten Reich vorantrieb,
02:27aber eine Hilfe für die immer stärkere Verfolgung ausgesetzten Judinnen und Juden war sie sicher nicht,
02:33denn es signalisierte den Dazis, dass seine Verfolgung der Juden
02:38keine signifikante internationale Opposition erfahren würde.
02:42Schlimmer noch, selbst die USA, Hauptinitiator der Konferenz,
02:46änderten nichts an ihrer restriktiven Einwanderungspolitik,
02:50die an bestimmte Quoten gebunden war.
02:52Damit kommen wir zum zweiten Teil des Videos,
02:55den verschiedenen Regelungen und Verpflichtungen,
02:57denen Flüchtlinge vor und während des Zweiten Weltkriegs unterlagen.
03:00Die 1930er Jahre waren von den Ausführungen der Weltwirtschaftskrise geprägt
03:05und veranlasste viele Länder, ihre Einwanderungspolitik besonders restriktiv zu gestalten.
03:11Das heißt, sie ziehte darauf ab, möglichst wenige Flüchtlinge ins Land zu lassen.
03:16Die USA hatten strikte nationale Quoten für die Einwanderung,
03:20die seit den 1920er Jahren gehalten.
03:23Die Quote für deutsche Bürger betrug 1939 beispielsweise 27.370 Personen im Jahr.
03:31Erschwerend kam die Regelung hinzu,
03:33dass Immigranten möglichst keine öffentliche Last werden sollten.
03:37Sie mussten also irgendwie nachweisen,
03:39dass sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten.
03:42Ein schwieriges Unterfangen,
03:44da viele jüdische Flüchtlinge durch die Nazis alles verloren hatten.
03:48Das US-Außenministerium widersetzte sich Vorschlägen,
03:51Flüchtlingen aus rassistischer oder religiöser Verfolgung Priorität einzuräumen,
03:56aus Angst, die Beziehungen zu Deutschland zu verschlechtern
03:59und arbeitslose Amerikaner zu verärgern.
04:02Ein Gesetzentwurf, Wagner-Rogers-Bill,
04:06zur Aufnahme von 20.000 deutschen Flüchtlingskindern außerhalb der regulären Quoten,
04:11wurde 1939 im Kongress abgelehnt,
04:14da die öffentliche Meinung stark dagegen war.
04:16Das Schicksal des Passagierschiffs St. Louis im Mai 1939,
04:21nur vier Monate vor Beginn des Krieges,
04:23dem die Einreise in Kuba und den USA verweigert wurde,
04:27symbolisiert die restriktive Politik.
04:30Während des Krieges wurden die Visabestimmungen
04:32aufgrund von Spionageängsten noch strenger.
04:35Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang
04:38auch die Praxis der Amerikaner,
04:39deutsche und japanische Flüchtlinge in speziellen Camps zu internieren.
04:44Erst 1944 wurde das War Refugee Board eingerichtet.
04:50Es rettete 10.000 das Leben,
04:52was im Vergleich zum millionenfachen Mord an den Juden
04:55aber letztlich nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirkt.
04:58Kanadas Einwanderungspolitik orientierte sich an dem Grundsatz,
05:02keiner ist zu viel, aber im negativen Sinn.
05:04Während der zwölf Jahre, in denen Hitler Deutschland regierte,
05:08wurden nur etwa 5000 jüdische Flüchtlinge ins Land gelassen.
05:12Und zwischen 1940 und 1943 wurden fast 2300 jüdische Flüchtlinge
05:18aus Österreich und Deutschland als feindliche Ausländer
05:21in Internierungslagern festgehalten.
05:23Zwischen 1933 und 1945 erlaubten lateinamerikanische Regierungen
05:29offiziell nur etwa 84.000 jüdischen Flüchtlingen die Einwanderung.
05:33Weniger als die Hälfte der Zahl der vorherigen 15 Jahre.
05:37Viele weitere gelangten illegal ins Land.
05:40Zunehmender Antisemitismus und die Angst vor wirtschaftlicher Konkurrenz
05:44führten Ende der 1930er Jahre zu immer strengeren Einwanderungsgesetzen.
05:50Argentinien nahm offiziell 24.000 Juden auf, Brasilien 12.000.
05:55Die Dominikanische Republik war das einzige Land,
05:58das auf der Evian-Konferenz zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen sollte.
06:03Interessante Sidenote, das war den rassistischen Einsichten
06:06des Präsidenten Raphael Leonidas Trujillo Molina zu verdanken.
06:11Denn er versprach sich von den europäischen Flüchtlingen,
06:14seine Bevölkerung aufhellen zu können.
06:16Anders als Haiti sollte die Bevölkerung der Dominikanischen Republik
06:20nämlich weniger schwarz sein.
06:22Aber nur 645 Juden wurden tatsächlich aufgenommen,
06:26obwohl etwa 5000 Visa ausgestellt wurden.
06:30Bolivien war eine bemerkenswerte Ausnahme
06:32und nahm zwischen 38 und 41 über 20.000 jüdische Flüchtlinge auf.
06:38Immerhin, nach 1941, als die Massenmorde begangen,
06:42stellten einige lateinamerikanische Regierungen,
06:45zum Beispiel El Salvador und Mexiko,
06:47durch Diplomaten, Pässe und Visa aus,
06:50die tausenden Juden die Flucht ermöglichten.
06:53Großbritannien hatte kein Quotensystem wie Amerika,
06:57was einzelnen Einwanderungsbeamten mehr Ermessensspielraum gab.
07:01Nach der Einführung eines Visa-Systems im April 1938
07:05gab es einen starken Anstieg der Einwanderung.
07:0860.000 in 18 Monaten verglichen mit 10.000 in den fünf Jahren zuvor.
07:13Die Aufnahme war oft an die Bedingung getrüpft,
07:17dass Flüchtlinge keine Beschäftigung
07:19ohne Erlaubnis des Arbeitsministeriums stufen durften.
07:22Es sei denn, sie konnten unternehmend verlagern
07:25oder als Hausangestellte arbeiten.
07:27Nach dem Novemberprogramm 1938
07:29lockerte Großbritannien seine Politik,
07:32was zur Kindertransportinitiative führte,
07:35die fast 10.000 jüdische Kinder ohne ihre Eltern aufnahm.
07:39Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939
07:42wurden alle ausstehenden Visa storniert
07:45und die Häfen für feindliche Staatsangehörige geschlossen.
07:48Jüdische Flüchtlinge wurden als Enemy Alliance eingestuft,
07:52was zu Bewegungseinschränkungen und Internierungen führte.
07:55Eine perverse Verkehrung der tatsächlichen Verhältnisse.
07:59Denn wer, wenn nicht die jüdischen Flüchtlinge,
08:01waren weniger bereit, den Nazis zu helfen,
08:03die ihre Familien und Freunde verschleppten
08:06und auf greisame Weise ermordet.
08:08Ab 1934 erlaubte die französische Regierung
08:12die Einreise nur noch für Flüchtlinge,
08:14die physisch angegriffen wurden
08:15oder deren Leben in Gefahr war,
08:18was die Zahl der illegalen Einreisen erhöhte.
08:21Zwischen 1933 und 1939
08:23fanden etwa 30.000 Juden in Frankreich Schutz
08:27mit geschätzten 15.000 bis 20.000 illegalen Flüchtlingen.
08:31Die französische Politik lehnte es ab,
08:34ein Auffangbecken für Nazi-Flüchtlinge,
08:37insbesondere Juden zu sein.
08:39Die Politik schwankte zwischen humanitären Lösungen
08:42und der Inhaftierung von Flüchtlingen als Kriminelle.
08:46Im Mai und November 1938 wurden Dekrete erlassen,
08:50die die Einreise von Ausländern behinderten
08:52und die Abschiebung illegaler Flüchtlinge ermöglichten.
08:56Ab Oktober 1940,
08:58vier Monate nach dem Beginn deutscher Besatzung,
09:00wurden 50.000 jüdische Flüchtlinge
09:03und französische Juden
09:05in Internierungslagern festgehalten.
09:07Mindestens 3.000 unter ihnen starben
09:09und viele wurden von diesen Durchgangslagern
09:12in die Vernichtungslager nach Osteuropa deportiert.
09:14Was auf ein weiteres Problem
09:16der jüdischen Flüchtlinge hinweist.
09:18Viele Länder Europas waren im besten Fall
09:20nur wenige Jahre ein sicherer Hafen,
09:23weil sie im Laufe des Krieges
09:24von deutschen Truppen okkupiert wurden.
09:26Andere Länder wie die Diktaturen
09:28in Italien und Spanien
09:30kooperierten sogar mit dem Deutschen Reich
09:32und deportierten sowohl Flüchtlinge
09:34als auch ihre eigene jüdische Bevölkerung
09:37und erließen ähnliche Rassegesetze
09:39wie die Nazi-Diktatur.
09:40Die australische Regierung war zunächst zögerlich,
09:43die Einreise vieler Juden zu erlauben.
09:45Aber wie für viele andere Länder ab,
09:48war auch für Australien
09:49der November-Programm 1938 ein Wendepunkt.
09:52Australien änderte seine Politik
09:54und stellte über drei Jahre 15.000 Visa
09:57für Opfer der Unterdrückung zur Verfügung.
10:00Rund 7.000 Juden konnten diese Visa
10:02vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nutzen.
10:05Die Bedingungen umfassten eine Landungsgebühr
10:07von 200 Pfund,
10:09die das durchschnittliche Jahresgehalt überstieg
10:11und anfänglich die Beschränkung
10:13auf abhängige Kinder
10:14und alleinstehende Frauen.
10:16Auch in Australien wurden jüdische Flüchtlinge
10:19mit deutschen Pässen
10:20als feindliche Ausländer eingestuft und ingeniert.
10:23Eine besondere Rolle spielte Palästina,
10:26das damals noch unter britischem Mandat stand.
10:28Ab 1939 versuchten die Briten,
10:31die Einwanderung wieder stärker einzustecken,
10:33nachdem 1933 mit der Machtergreifung Hitlers
10:36viele Zionisten nach Palästina kamen.
10:39Das führte zu einer größeren Zahl
10:41illegaler Einwanderer,
10:43die interniert wurden.
10:44Insgesamt fanden in Palästina
10:46rund 60.000 Juden
10:48vor Ende des Zweiten Weltkriegs Zuflucht.
10:50Die chinesische Stadt Shanghai
10:52war ein attraktives Ziel
10:54für Jüdinnen und Juden,
10:55die kein Visum für andere Länder bekommen konnten.
10:58Denn hier galt keine Visapflicht.
11:00Über 18.000 Juden
11:02aus dem Deutschen Reich
11:03fanden Zugrück
11:03im japanisch besetzten Shanghai,
11:06obwohl das Kaiserreich
11:07mit Hitler-Deutschland verbündet war.
11:09Einziger Wermutstropfen,
11:111943 zwangen die Japaner
11:13alle Juden,
11:14die seit 1938
11:15als Flüchtlinge in Shanghai war,
11:17in spezielle Ghettos
11:19und schränkte ihre Bewegungsfreiheit ein.
11:21Dafür waren die Juden
11:22hier vor Verfolgung
11:23und einer Abschiebung
11:25nach Deutschland,
11:25die den sicheren Tod
11:26für sie bedeutet hätten,
11:28geschützt.
11:29Wie in der Übersicht schon anklang,
11:31ähnelten sich
11:31die bürokratischen Anforderungen.
11:33Die vielen Papiere
11:34die Jüdinnen und Juden
11:35beibringen mussten,
11:37ähneln Papieren
11:38den bürokratischen Vorschriften,
11:39denen Flüchtlinge
11:40heute unterworfen sind.
11:42Neben langen Wartelisten
11:43für Visa
11:44für ein Visum in die USA
11:46mussten Flüchtlinge
11:47bis zu zwei Jahre warten,
11:49mussten zahlreiche Dokumente
11:50beschafft werden,
11:52darunter
11:52Geburtsurkunden,
11:53Steuerbescheide,
11:54medizinische Gutachten,
11:56polizeiliche Zeugnisse
11:57und Militärentlassungspapiere.
12:00Viele Dokumente
12:01hatten zudem
12:02ein Ablaufdatum
12:03und mussten
12:03nach Ablauf der Gültigkeit
12:05erneut beschafft werden,
12:06was Ausreise
12:07nicht nur verzögert wird.
12:09In einigen
12:09unbefliehen Fällen,
12:10wenn zum Beispiel
12:11schon eine
12:11Schusspassage
12:12gebucht worden war,
12:14machten sie
12:14einen erneuten
12:15Ausreiseversuch
12:16unmöglich.
12:17Da schlicht das Geld
12:18für eine weitere
12:19Passage fehlte.
12:20Zu den teuren
12:21Schiffstickets
12:22fahrten noch
12:22Transitvisa,
12:23die gegen hohe
12:25Gebühren
12:25beschafft werden mussten.
12:26Denn für jedes Land,
12:28das die Flüchtlinge
12:28auf ihrer Reisewüte
12:29durchquerten,
12:31oftmals mussten sie
12:31durch halb Europa
12:32reisen,
12:33wurde ein solches
12:34Reisevisum benötigt.
12:36Um das Ganze
12:37noch komplizierter
12:38zu machen,
12:38waren die Reisevisa
12:40auch in einer
12:40bestimmten Reihenfolge
12:41zu besorgen,
12:42sodass die ganze
12:43Reiseplanung
12:44bei jedem Schritt
12:45wie ein Kartenhaus
12:46in sich zusammenfallen
12:47konnte.
12:48Manche Länder
12:49wie die USA
12:50forderten zusätzlich
12:52sogenannte
12:53Affidavits,
12:55eine staatliche
12:56Versicherung,
12:57die bescheinigten,
12:58dass US-Bürger
12:59finanziell oder auch
13:00für den Ruf
13:00der Einwanderer
13:01bürgten.
13:02Also brauchten
13:03Einwanderer,
13:04die in ein
13:04bestimmtes Land
13:05wollten,
13:06Verwandte und
13:06Beziehungen
13:07dorthin.
13:08Hier in Flüchtlingen
13:09machten vor allem
13:09ihre finanzielle
13:10Situation Probleme.
13:12Nicht wenige
13:12Einwanderungsländer
13:13machten zur Bedingung,
13:15dass die Flüchtlinge
13:16in der Lage waren,
13:17ihren eigenen
13:17Lebensunterhalt
13:18zu verdienen.
13:19Das schloss
13:20Alte und Kranke
13:21sowie minderjährige
13:22Kinder häufig
13:23von der Flucht aus,
13:24weshalb es auch
13:25in einigen Ländern
13:26spezielle Programme
13:27zur Aufnahme
13:28von Kindern gab.
13:29Erschwerend kam hinzu,
13:30dass die Juden
13:31vor ihrer Ausreise
13:32von den Nazis
13:33ausgeplündert wurden.
13:35Denn mit Einführung
13:36der Reichsfluchtsteuer
13:37im Mai 1934
13:38sicherte sich
13:39das Nazireich
13:40einen beträchtlichen
13:41Teil
13:42des jüdischen
13:43Vermögens.
13:44Im Januar 1939
13:45wurden jüdischen
13:46Flüchtlingen
13:47verboten,
13:48Schmuck und andere
13:49Wertsachen mit
13:49ins Ausland zu nehmen.
13:51Somit standen
13:52die Flüchtlinge
13:52meist mittellos da.
13:54Mitgesuche,
13:54die von Jüdinnen
13:55und Juden
13:56an den Papst
13:56gerichtet wurden,
13:58machen die verzweifelte
13:59Situation der
13:59Flüchtlinge deutlich.
14:01Hilde Schmahl
14:02schreibt am 11.
14:03November 1940
14:04an Papst
14:05Pius XII.
14:06Sie und ihr Mann
14:07sind beide jüdisch.
14:09gemeinsam mit ihrer
14:10kleinen Tochter
14:11entschloss sie sich
14:12im Oktober 1939
14:13dazu,
14:14nach Trieste
14:14auszuwandern
14:15und dort auf
14:16die Ausreisegenehmigung
14:18in die USA
14:19zu wagen.
14:20Heiliger Vater,
14:21da seine Heiligkeit
14:22große Güte
14:23und Hilfsbereitschaft
14:24für alle von
14:25Leid getroffenen
14:26Menschen bekannt ist,
14:27sage ich es
14:28seiner Heiligkeit
14:29um Hilfe für mich
14:30und meine kleine
14:31Familie zu bitten.
14:32Wir sind von
14:33unserer Vaterstadt
14:34Wien vor
14:34ca. 14 Monaten
14:36hierher gekommen,
14:37um hier mit
14:37unserem vierjährigen Kind
14:39unsere Quote
14:40für das
14:40amerikanische
14:41Einreisevisum
14:42abzuwarten,
14:43da mein Mann
14:43ehemaliger
14:44Kriegsgedienter
14:45und invalider
14:46Offizier
14:47als Jude
14:48seine langjährigen
14:48Vertretungen
14:49für reisdeutsche
14:50und tschechische
14:51Textilfabriken
14:52niederlegen musste
14:53und seine Existenz
14:54verlor.
14:55Wir besitzen bereits
14:56sechs Affidativs,
14:58allerdings nicht
14:59von Blutsverwandten,
15:00sondern aufgrund
15:00von Bittbriefen
15:01um Auswanderungsmöglichkeit
15:03von gutherzigen
15:04fremden Menschen
15:05erhalten.
15:05Jedoch
15:07trotz unserer
15:07größten Bemühungen
15:08negiert das
15:09amerikanische
15:10Generalkonsulat
15:11in Neapel
15:12das Visum
15:12selbst für
15:13meinen Gatten
15:14allein,
15:14da es die
15:15garantieren
15:15für zu schwach
15:16erachtet.
15:17Inzwischen
15:18wurde mein
15:19Mann interniert
15:19und unsere
15:20finanzielle Lage
15:21ist durch die
15:22lange
15:22Immigration
15:23triste.
15:24Unser innigster
15:25Wunsch ist es
15:25endlich eine
15:26Einreisemöglichkeit
15:27zu finden,
15:28um wieder
15:28arbeiten und
15:29um ein neues
15:31Leben
15:31aufbauen zu können.
15:32Meine Bitte an den
15:33Heiligen Vater geht
15:34dahin, falls auch
15:36für uns als Juden
15:37eine Möglichkeit
15:37besteht, in Amerika,
15:39Brasilien oder
15:40irgendwo wieder eine
15:41neue Heimat und
15:42bescheidende
15:43Existenzmöglichkeit
15:44zu finden,
15:45sich gütigst
15:46unser Anzunehmen.
15:47Ergebnis
15:48Hilde Schmarrn.
15:49Ich werde
15:50vermutlich noch
15:51ein Video
15:51zu dieser
15:52Thematik
15:52erstellen,
15:53denn es gibt
15:53ein relativ
15:54neues
15:54Forschungsprojekt
15:55in Münster
15:56zu diesen
15:56Quellen.
15:58Eine wichtige
15:59Entscheidung der
16:00Nazis erschwerte
16:01Flüchtlingen
16:01damals wie heute
16:02die Flucht.
16:03Der Entzug
16:04der Staatsbürgerschaft.
16:05Staatenbose
16:06sind sozusagen
16:07im Nimbus
16:07gefangen.
16:08Sie können
16:09weder aus
16:09noch einreisen,
16:10weil dazu
16:11Dokumente über
16:12ihre Staatsangehörigkeit
16:13benötigt werden.
16:14Schon im Juli
16:151933
16:16wurden
16:17osteuropäische
16:17Juden
16:18mit diesem
16:19Problem
16:19konfrontiert.
16:20Und 1938
16:21wurde mit der
16:23sogenannten
16:23Polenaktion
16:24ca. 17.000
16:26Juden
16:26ohne gültige
16:27Dokumente
16:27ins Niemandsland
16:29über die
16:29polnische
16:29Grenze
16:30gebracht.
16:31Diese Menschen
16:31konnten weder
16:32legal nach
16:33Polen
16:33einreisen,
16:34noch ins
16:34Deutsche Reich
16:35zurückkehren,
16:36obwohl sie
16:37doch Deutsche
16:37waren und
16:38seit Jahrzehnten
16:38in Deutschland
16:39lebten.
16:40Diese
16:40Beschränkungen
16:41schufen eine
16:41paradoxe
16:42Situation,
16:43in der die
16:43Verfolgung,
16:44die eine
16:44Flucht notwendig
16:45machte,
16:46sie gleichzeitig
16:47erschwerte und
16:48in manchen Fällen,
16:49wenn Flüchtlinge
16:50mittellos waren und
16:52keine Kontakte ins
16:53Ausland hatten,
16:54sogar unmöglich
16:54machte.
16:55Wie sich führte der
16:56Ausbruch des Zweiten
16:57Weltkriegs nicht nur
16:58zu einer verschärften
16:59Verfolgung der Juden in
17:01Europa,
17:01viele Länder verschärften
17:03ihre Einreiseregelungen,
17:04aus Angst vor deutschen
17:05Spionen.
17:06So stornierte
17:07Großbritannien alle
17:08ausstehenden Visa und
17:10beendete die
17:10Krieggrindertransporte.
17:12Im November 1941
17:13mit der Vorbereitung
17:14des Völkermords
17:15an den
17:16europäischen
17:16Juden verboten
17:18die Nazis
17:18jegliche
17:19Auswanderung von
17:20Juden in den
17:21von ihnen
17:21besetzten
17:22Gebieten,
17:22was die Flucht
17:23praktisch
17:24unmöglich
17:24machte und
17:25wollte man
17:26polemisch sein,
17:27das Flüchtlingsproblem
17:28für die
17:28Aufnahmeländer
17:29löste.
17:30Leider
17:31zeigen sich
17:31in den
17:32Reaktionen
17:32der
17:32Regierungen
17:33von heute
17:34ähnliche
17:34Tendenzen und
17:35Reflexe
17:36wie damals.
17:38Fließung der
17:38Grenzen als
17:39Antwort auf
17:40höhere
17:40Flüchtlingszahlen
17:41durch
17:42Schließen und
17:42Konflikte
17:43zahlt eine
17:44unilisale
17:44Antwort der
17:45Staatengemeinschaft
17:46zu allen
17:46Zeiten zu
17:47sein.
17:48Flüchtlingsschiffen
17:48wird ein
17:49sicherer Hafen
17:50verweigert,
17:50ähnlich wie bei
17:51der
17:51Odyssee
17:52der St.
17:52Louis,
17:53der wochenlang
17:54das Anregen
17:54im Hafen
17:55von Kuba,
17:56aber auch
17:56ein Ausweichen
17:57auf Kanada
17:58und die
17:58USA
17:58verweigert
17:59wurde.
18:00Konferenzen,
18:01die ähnlich wie
18:01die Konferenz
18:02von Yvian
18:03ergebnislos
18:04enden und
18:04zu keinen
18:05verpflichtenden
18:06Aufnahmenquoten
18:07führen.
18:07Hauptargument
18:08damals wie
18:09heute,
18:09es sind zu
18:10viele Flüchtlinge
18:11und die
18:11wirtschaftliche
18:12Belastung
18:12sei zu
18:13groß.
18:14Außerdem
18:14nehmen die
18:15Demokratien
18:15heute mehr
18:16denn je
18:17aus Angst
18:17vor einem
18:18Rechtsruck
18:18Rücksicht
18:19auf
18:19ausländerfeindliche
18:20Ressentiments
18:21und eine
18:22Stimmung
18:22in der
18:22Bevölkerung,
18:23die sich
18:23gegen
18:24Flüchtlinge
18:24richtet.
18:25Trotzdem
18:26konnten
18:26zumindest
18:27dem
18:27internationalen
18:28Recht
18:28einige
18:29Verbesserungen
18:29erreicht
18:30werden.
18:31In den
18:3130er und
18:3240er Jahren
18:33des
18:33letzten
18:33Jahrhunderts
18:34gab es
18:34kein
18:35spezifisches
18:35Flüchtlings- oder
18:36Asylrecht
18:37für politisch
18:38Verfolgte
18:38oder
18:38Minderheiten.
18:39Heute gibt es
18:40die
18:40Genfer
18:41Flüchtlingsprinvention.
18:42Sie definiert
18:43nicht nur,
18:43wer Flüchtling
18:44ist und wer
18:45nicht.
18:45Linksverbrecher
18:46und Verbrecher,
18:47die schwer
18:47Straftaten
18:48wie Mord
18:49begangen
18:49haben,
18:50werden zum
18:50Beispiel
18:51ausgeschlossen.
18:52Sie legt
18:52auch
18:52grundlegende
18:53Rechte
18:53fest,
18:54wie den
18:55Zugang
18:55zu Bildung,
18:56Arbeit
18:56und
18:56einem
18:57Rechtsbeistand.
18:58Das
18:58sogenannte
18:59Non-Refurment-Prinzip
19:02sichert
19:02politischen
19:03und aus
19:03anderen Gründen
19:05Verfolgten zu,
19:06dass sie nicht in ihr
19:07Heimatland zurückgeschickt
19:09werden, wenn ihnen dort
19:10Verfolgung, Feuter und Tod
19:11droht.
19:12Es gibt gesonderte
19:13Regelungen in der EU,
19:15wie der Pakt zu Migration und
19:16Asyl, der leider nur
19:18mäßig funktioniert,
19:19ebenso wie das
19:20europäische Asylsystem
19:21CEAS.
19:22Mit dem
19:23Refugee Act
19:24von 1980
19:25schufen die USA
19:26ebenfalls ein
19:27modernes
19:27Flüchtlingsgesetz,
19:28das sich auch endlich an den
19:30Vorgaben der Genfer
19:31Flüchtlingskonvention
19:32orientierte und die
19:34bisherigen Ad-hoc-Verfahren
19:35ablöste.
19:36Fast alle Staaten der Welt
19:38akzeptieren die Genfer
19:39Flüchtlingskonvention.
19:41Ein großer Erfolg.
19:42Nur Indien,
19:43Bangladesch,
19:44Pakistan,
19:45Sri Lanka,
19:46Malaysia,
19:47Indonesien,
19:48Eritrea,
19:49Libyen,
19:50die Mongolei,
19:52Kuba,
19:53Usbekistan
19:53und Guyana
19:55haben die
19:55Flüchtlingskonvention
19:56nicht unterzeichnet.
19:58Allerdings setzen
19:59sie nicht alle
20:00Staaten
20:00in gleichem
20:01Umfang um.
20:02So stehen
20:03für die Türkei
20:03nur eure
20:04Schälfteflüchtlinge
20:05unter dem
20:05Schutz der
20:06Genfer
20:06Konvention.
20:07Hier in
20:07Staaten fehlen
20:08auch schlicht
20:09politische
20:09Institutionen
20:10und die Mittel,
20:11um die
20:11Genfer
20:12Flüchtlingskonvention
20:13vollständig
20:13umzusetzen.
20:15Hinzu kommt
20:15eine völlig
20:16andere
20:16Dimension.
20:17Das
20:17Ausmaß und
20:18die
20:18Untersachen
20:19für
20:19Flüchtlingsströme
20:20ist größer
20:21und differenzierter.
20:22Der
20:23Zweite
20:23Weltkrieg
20:24führte zu
20:24rund 50
20:25Millionen
20:25Vertriebenen,
20:26während heute
20:27schätzungsweise
20:28mehr als doppelt
20:29so viele
20:29Menschen,
20:30123
20:31Millionen
20:32auf der
20:32Flucht sind.
20:33Die meisten
20:33davon
20:34übrigens
20:34Binnenflüchtlinge
20:35in Asien
20:36und Afrika,
20:37bevor jetzt
20:38wieder
20:38Schnappatmung
20:39bei bestimmten
20:39Personen
20:40entstehen,
20:41über die
20:41schiere
20:42Masse.
20:42Längst
20:43führen
20:43nicht mehr
20:43Alleinkrieg
20:44und
20:44Vertreibung
20:45zur
20:45Flucht.
20:46Klimawandel
20:46und
20:47Hungersnöte
20:47werden in
20:48Zukunft noch
20:49häufiger
20:49zu
20:49Flüchtlingswellen
20:50führen,
20:51insbesondere aus
20:52den Ländern
20:52des globalen
20:53Südens.
20:54Leider tut sich
20:55mit zunehmendem
20:55Druck durch erhöhte
20:56Flüchtlingszahlen
20:57eine
20:58Schluft zwischen
20:58Recht und
20:59Praxis auf.
21:00Zwar gibt es die
21:01Mittel, um
21:01Flüchtlinge vor
21:02Verfolgung und
21:03Gewalt zu schützen,
21:04in der Realität
21:05wird jedoch das
21:06Asylrecht von
21:07nationalen
21:08Bestimmungen
21:08eingeschränkt.
21:09Flüchtlinge
21:10werden zunehmend
21:11als
21:12Invasoren
21:12angesehen
21:13und sind
21:13ähnlich
21:14unerwünscht wie
21:15zu Zeiten der
21:15Flüchtlingskonferenz
21:16von Evian.
21:17Es ergeben sich
21:18ähnliche
21:19Probleme wie
21:191938.
21:21Lange
21:21Wartezeiten,
21:22hohe
21:23bürokratische
21:24Hürden und
21:25eine einheimische
21:25Bevölkerung,
21:26die zunehmend
21:27mit Ablehnung
21:28und Hass
21:28auf die
21:28Flüchtlinge
21:29reagiert.
21:30Ich wünsche
21:30das
21:31Fazit
21:31würde
21:31besser
21:32ausfallen.
21:32Aber
21:33anscheinend
21:33sind wir
21:34seit 1938
21:35nicht viel
21:35weiter
21:36gekommen,
21:36was die
21:37Situation
21:37von
21:38Flüchtlingen
21:38angeht.
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