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Die "M-Aktion": Erfahre in diesem Video, wie die Nazis systematisch den gesamten Hausrat von deportierten Jüdinnen und Juden raubten, Zehntausende Wohnungen plünderten und damit Millionen Reichsmark verdienten. Ich beleuchte, wie dieser gigantische Raubzug organisiert wurde, welche Firmen beteiligt waren und wie die Bevölkerung in Deutschland von den "Judenversteigerungen" profitierte. Ein wichtiges, oft vergessenes Kapitel deutscher Geschichte, das zeigt, wie tief die Verbrechen bis in die Mitte der Gesellschaft reichten.
#WeRemember #geschichte #antisemitismus #history #jewishhistory #gedenken #gegendasvergessen #mutzurwahrheit

Ein Beitrag von Deutschland Kultur zur Aktion M:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/m-aktion-im-dritten-reich-wie-die-nazis-moebel-zu-geld-100.html

Zu Kühne & Nagel:
https://jacobin.de/artikel/nagel-karl-heinz-michael-kuehne-nationalsozialismus-entnazifizierung-m-aktion

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/kuehne-nagel-nationalsozialismus-aufarbeitung-100.html

Das sind meine Themen:
00:00 Intro
00:18 Was war die Aktion "M"?
04:07 Die Aktion "M" in Bonn
05:25 Zwangsemigration & Judenhäuser
05:58 Bericht zur Aktion "M"
06:39 Die Rolle Alfred Rosenbergs
07:17 Durchführung & Bilanz der Aktion "M"
08:20 Versteigerungen der "Judenmöbel"
10:09 Gab es Rückgaben nach dem Krieg?

Hier der Link zur Folge von Reschke Fernsehen:
https://www.youtube.com/watch?v=KvzJjmshQqQ

Hier ist der Link zur 11km Podcast Folge:
https://www.youtube.com/watch?v=eCLetRtVS8Q&pp=ygUYcmVzY2hrZSBmZXJuc2VoZW4ga8O8aG5l

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Transkript
00:00Die M-Aktion. Dieses Thema ist durch Zufall auf meine Liste geraten, denn bisher hatte ich die vermutlich viele von
00:06euch noch nie von der M-Aktion gehört.
00:08Tatsächlich war dieser spezielle Raubschiff der Nazis besonders luxativ, denn es dusche in die Kriegskasse des Dritten Reich fast 16
00:16Millionen Reichsmark.
00:18Doch was war die Aktion M? M steht in diesem Fall mal nicht für Mord, sondern für Möbel.
00:23Die Jüdinnen und Juden, die aus dem Westen nach Osten in die Konzentrationslager depliziert wurden, konnten natürlich ihren Hausrat nicht
00:31verschwinden.
00:31Denn überhaupt war nur leichtes Gepäck, ebenso viel wie in einen Koffertasse und sich viele Juden und Jüdinnen selber tragisch
00:39konnten erlaubt.
00:40Der Rest des Hausrats blieb in der Wohnung zurück, also Möbel, Gardini, Küchengeräte etc.
00:47Doch was geschah mit den ganzen Sachen und wer profitierte von den Gegenständen aus den Wohnungen der ermordeten Jüdinnen und
00:53Jüdinnen?
00:53Weder im Osten noch im Reich.
00:55Noch in den besetzten Gebieten in Westeuropa wurde dieses Raubgut einfach so den Einheimischen überlassen.
01:01Im Gegenteil, zuerst profitierte DSF und der SD, also jene Terrororganisationen,
01:07die maßgeblich an der Ermordung des Südvoges in Europa beteiligt waren,
01:11von den zurückgelassenen Hauptsinnigkeiten der Ermordeten.
01:15Die wurden genutzt, um deren Büros in den besetzten Gebieten einzurichten.
01:18Und das Beste, die FSLs organisierte den Abtransport via Zug mittels einer Transportfirma.
01:25Die ist bis heute noch wie Prüner und Nagel.
01:28Das heute weltweit agierende Logistikunternehmen war damals dafür zuständig,
01:33die Raubgüter aus Frankreich und den Benelux-Ländern, also Belgien, Holland und Luxemburg,
01:38ins Deutsche Reich zu transportieren.
01:40Diese Episode aus der Firmengeschichte wurde in der Fernsehsendung Rechte Fernsehen
01:45und in einer dazugehörigen Podcast-Folge behandelt.
01:48Links sind in der Beschreibung.
01:50Vermutlich werde ich noch mindestens eine Folge zu dem Thema machen,
01:54denn gerade im letzten Jahrzehnt gab es große Fortschritte in der Forschung zu diesem Themenbereich.
01:59Deutsche Firmen, Banken und Versicherungen haben die Historiker-Kommissionen damit verauftragt,
02:04in ihrer Vergangenheit getragen und einige gehen ganz transparent mit diesem unügendlichen Kapitel
02:10ihrer Firmengeschichte um.
02:11Andererseits kühne und nagelnd, aber das nur am Rande.
02:15Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens auch der Begriff Arisierung.
02:20Denn bevor der Fördermord an den Jüdinnen und Juden Europas begann,
02:24hatten die Nationalsozialisten in Deutschland und Österreich bereits alle Juden aus dem wirtschaftlichen Leben verbannt.
02:29Nicht nur Behörden, auch private Firmen wurden mehr oder minder freiwillig arisiert.
02:34Auch kühne und nagelnd stellte einen langjährigen Mitarbeiter der Jüdewacht einfach vor die Tür, ohne Abfindung.
02:42Aber dazu mehr in einer anderen Folge.
02:44Hier soll es hauptsächlich um die eingangs erwähnte Aktion gehen.
02:48Und falls schon wieder einige darauf lauern, diese Verbrechen zu relativieren oder gar komplett zu leugnen,
02:54zum Glück für alle historisch Interessierten und jene, die die Verbrechen der Nazis juristisch aufarbeiten wollen,
03:00auch in diesem Fall haben die Nazis alles akribisch dokumentiert, bis zum letzten Porzellanservice, wortwörtlich.
03:08Diese unscheinbare Aufstellung stammt aus den Dokumenten, die beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess als Beweismaterial genutzt wurden.
03:16Insgesamt wurden im Westen 70.000 Wohnungen geplündert.
03:19Fast 27.000 Zugwaggons wurden mit Möbeln, Heimtextlinien und Geschirr beladet
03:25und 674 Züge mit dem Raubgut der europäischen Juden und Judinnen ins Reich geschickt.
03:32Allein 1.200 Waggons sind in den Jahren 1942 bis 1944, als die Deportationen stattfanden, in den Regierungsbezirksköln gelangt.
03:42Denn dort wurde das erste Sammellager im Reich eingerichtet.
03:45Im August 1944 fanden in den Messehallen perfekt Versteigerungen der sogenannten Judenmöbel statt.
03:53Die Bevölkerung, die in vielen Städten Deutschlands diese Möbel erwarb, wusste also sehr wohl um die Herkunft ihrer neuen Möbel.
04:01Zeitungsanzeigen ließen auf die Aktionen hin, siehe eine Auswahl aus den Bonner Generalanscheidern.
04:071878 Züge-Waggons wurden in Bonn, meiner Heimatstadt, ausgeladen und ergänzten das Raubgut,
04:12dass dem Bonner Finanzamt aus den Versteigerungen des Hab und Guts der Bonner Judinnen und Juden
04:17nach ihrer Deportation aus dem endelicher Lager zu Tüße kam.
04:21Denn Jukal waren die Finanzämter für die Versteigerung nicht zuständig.
04:25So findet sich in der Entnatifizierungsakte des Waren die Firmis folgende Aussage.
04:30Seit etwa Mitte 1940 und in den Jahren 1941-43 führte ich im Auftrag des Finanzamts Versteigerungen
04:38von Mobiliarvermögen, meist Möbel und Einrichtungsgegenstände, durch,
04:43die meines Wissens vorwiegend jüdischer Herkunft waren.
04:46Die Herkunft der Möbel nachzuprüfen, fiel jedoch nicht in meinen Aufgabenbereich als Versteigerer.
04:51Außerdem hätte ich im Einzelfall nicht feststellen können,
04:55inwieweit sie durch freiwillige Aufgabe ihrer Eigentümer in die Versteigerungsmasse gelangt waren.
05:00Der Gesamterlös dieser Versteigerungen allein in Bonn belief sich auf 320.000 Reichsmarks,
05:07die dem Finanzamt zugute kamen.
05:10Insgesamt wurden den Bonner Jüdinnen und Juden Grundstücke im Wert von 3 Millionen Reichsmarks,
05:15Vermögen und Sparguthaben im Wert von 58.000 und Wertpapiere in der Höhe von 98.000 Reichsmark gestohlen.
05:23Und Bonn war kein Einzelfall.
05:25So oder so ähnlich verlief es in allen Städten und Dörfern, in denen zuvor Jüdinnen und Juden gelebt hatten.
05:31Vor dem Krieg wurden sie entweder zur Emigration genötigt und mussten vorher ihr Vermögen abgeben,
05:36oder sie verloren ihre Wohnungen und Häuser, weil sie ab 1939 in sogenannte Judenhäuser umziehen mussten.
05:43Dort wurden fremde Familien zusammen zwangseitquartiert.
05:47Denn im April 1939 wurden mit dem Gesetz über die Mietverhältnisse der Juden das Mietrecht für Juden außer Kraft gesetzt.
05:55Doch zurück zur Aktion M.
05:58Dieser Raubzug brachte dem deutschen Staat über 28 Millionen Reichsmark.
06:03Die Auflistung ist so detailliert, dass sogar die Kisten mit Porzellan, Glas, Kleidung, Küchengeräten etc. angegeben werden.
06:10In einer Schauwerkstatt wurden sogar jene Möbel, die noch reparaturbedürftig waren, vor dem Verladen instand gesetzt.
06:17Springen wir zurück zum Anfang des Berichts.
06:20Anders als in den Ostgebieten, wo die Beute unter den einheimischen Bevölkerung und der SS aufgeteilt und der Raub ganz
06:26offen praktiziert wurde,
06:28sozusagen spontan, wurde hier penibel Busch geführt und geplant.
06:32Denn die M-Aktion wurde von Hitler persönlich am 31. Dezember 1941 genehmigt und ging zurück auf eine Initiative des
06:41Reichsleiters Alfred Rosenberg,
06:43der im Juli zuvor von Hitler zum Chef der Zivilverwaltung des Reichskommissariats Ostland ernannt worden war.
06:51Ein Gebiet, das heute in etwa dem Baltikum und Teilen Weißgrußlands entspricht.
06:55Zur Vorbereitung hatte Rosenberg ein Jahr davor den Einsatzstab für den systematischen Raub der Kunst- und Kulturgüter der europäischen
07:03Juden gegründet.
07:04Ende Dezember 1941 genehmigte Hitler schließlich die Sicherstellung von Möbeln und sonstigen Einrichtungsgegenständen aus unbewachten jüdischen Wohnungen für die Verwendung
07:15in die gesetzten Ostgebieten.
07:17Der Bericht über die Aktion M selbst ist vom 1. August 1944.
07:21Im August fanden die letzten Transporte aus dem französischen Durchgangslager Trois-Vieh statt.
07:28Der Raubflug im Westen war damit beendet und es konnte Bilanz gezogen werden.
07:33Selbst die relativ begrenzte Aktion in Frankreich und Benelux war eine große logistische Herausforderung.
07:39Allein in Paris wurden 38.000 Wohnungen erfasst.
07:43Die Wohnungen wurden von den deutschen Beamten versiegelt und in der Regel dauerte es nach dem Abtransport der jüdischen Bewohner
07:48drei Monate bis das Transportkommando die Wohnungen räumte.
07:52Bis zu 1.500 französische Arbeiter mit 150 LKWs waren täglich mit den Wohnungsräumungen beschäftigt.
08:00Zusätzlich waren in drei Sammellagern 800 jüdische Zwangsarbeiter damit beschäftigt,
08:05die reparaturbedürftigen Möbel wieder aufzubereiten.
08:09Zusätzlich wurden in Antwerpen 45 Schiffsladungen mit über 27.000 Tonnen an Hausrat nach Hamburg und andere Binnenhäfe im Deutschen
08:18Reich verschifft.
08:19Doch was geschah mit den Möbeln, nachdem sie im Reich angekommen waren?
08:23Geplant war eigentlich, dass die Möbel zur Einrichtung der neu eingerichteten Verwaltungslohs in den eroberten Ostgebieten genutzt werden.
08:31Oder die neuen arischen Siedler im Osten sollten damit ihr neues Heim bestücken.
08:35Doch die Bahnstrecken waren schon zu stark mit Soldaten- und Judentransporten überlastet.
08:41Die zunehmenden Bombenangriffe der Alliierten ließen es sinnvoll erscheinen, die Silbe direkt an Ausgebombte im Reich zu verteilen.
08:48Nun sollte die Aktion für die Stärkung der Kriegsmoral genutzt werden.
08:52Die Nazis waren sehr darauf bedacht, dass die Stimmung in der Bevölkerung nicht kippte und sich gegen die Regierung und
08:58den Krieg warnte.
08:59Ein ähnliches Szenario wie am Ende des Ersten Weltkriegs, als die Heimatfront zusammenbrach, sollte um jeden Preis verliehen werden.
09:07So wurde das Raubgut bei Judenversteigerungen kostengünstig an Bedürftige abgegeben.
09:12Die Einnahmen kamen dem Staat in Summe der Kriegskasse zugute.
09:15Das Raubgut wurde primär an Ausgebombte Familien, kinderreiche Familien und andere Bedürftige, natürlich nur aus der Volksgemeinschaft, versteht sich, versteigert.
09:27Die Annoncen im Bonner Generalanzeiger zeigen deutlich, an welche Zielgruppe sich diese Versteigerungen richteten.
09:34Diese sogenannten Judenversteigerungen hatten schon fast Tradition nach den Deportationen der einheimischen jüdischen Familien.
09:41Das Raubgut aus den dünnen Luftländern war unter den Namen Hollandmöbel und Hollandhus bekannt.
09:47Auch hier wussten die Beteiligten über die Herkunft der Möbel.
09:51Ebenso wie die Deportation nach Osteuropa war dies ein offenes Geheimnis.
09:55Auch wenn viele Möbel heute vermutlich längst auf dem Schwermill oder in der Müllpresse gelandet sind,
10:00kann es durchaus sein, dass Verwandte, Bekannte oder vielleicht sogar euer Erbstück im Wohnschimmer aus einer dieser Judenversteigerungen stammt.
10:08Ihr fragt euch sicher, ob niemand nach dem Krieg versucht hat, die Möbel an ihre vorherigen Besitzer zurückzugeben,
10:14sofern sie die Shoah überhaupt überlebt haben.
10:17Ähnlich wie beim Raub der Kulturgüter, also Gemälde, Skulpturen etc.,
10:21ist es auch bei den geraubten Möbeln äußerst schwierig, Nachforschungen über die Vorbesitzer anzustellen.
10:27Die meisten Unterlagen zur Aktion M wurden bewusst vernichtet und machten es den Besatzungsbehörden schwer,
10:34auch nur das Ausmaß der geraubten Möbel einschätzen zu können.
10:37Zwar gab es Aufrufe, Judenmöbel zu melden, doch wurde davon zum Beispiel gar nicht Gebrauch gemacht.
10:43So bleibt wie auch im Osten der Verbleib der meisten Hollandmöbel ungeklärt.
10:48Denn die Identität der Bewerber auf den Auktionen lässt sich nach so vielen Jahrzehnten nicht mehr klären.
10:53Ich hoffe, dass dieses wichtige Thema nicht in Vergessenheit gerät.
10:57Und auch wenn viele heute gern einen Schlussstrich unter unsere dunkle Vergangenheit ziehen wollen,
11:02zeigen solche Beispiele doch, wie wichtig es ist, sich auch mit den unschönen Details unserer Geschichte zu beschäftigen.
11:08Denn wenn wir nicht aus der Vergangenheit lernen, sind wir verdammt dazu, sie zu wiederholen.
11:13Und nur durch Beschäftigung mit den Fakten, Details und Mechanismen hinter der Verfolgung
11:18können wir aus der NS-Zeit lernen und konkrete Ziele formulieren,
11:22damit solche Verbrechen zumindest hier in Deutschland und Europa nicht wieder möglich werden.
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