00:00Die M-Aktion. Dieses Thema ist durch Zufall auf meine Liste geraten, denn bisher hatte ich die vermutlich viele von
00:06euch noch nie von der M-Aktion gehört.
00:08Tatsächlich war dieser spezielle Raubschiff der Nazis besonders luxativ, denn es dusche in die Kriegskasse des Dritten Reich fast 16
00:16Millionen Reichsmark.
00:18Doch was war die Aktion M? M steht in diesem Fall mal nicht für Mord, sondern für Möbel.
00:23Die Jüdinnen und Juden, die aus dem Westen nach Osten in die Konzentrationslager depliziert wurden, konnten natürlich ihren Hausrat nicht
00:31verschwinden.
00:31Denn überhaupt war nur leichtes Gepäck, ebenso viel wie in einen Koffertasse und sich viele Juden und Jüdinnen selber tragisch
00:39konnten erlaubt.
00:40Der Rest des Hausrats blieb in der Wohnung zurück, also Möbel, Gardini, Küchengeräte etc.
00:47Doch was geschah mit den ganzen Sachen und wer profitierte von den Gegenständen aus den Wohnungen der ermordeten Jüdinnen und
00:53Jüdinnen?
00:53Weder im Osten noch im Reich.
00:55Noch in den besetzten Gebieten in Westeuropa wurde dieses Raubgut einfach so den Einheimischen überlassen.
01:01Im Gegenteil, zuerst profitierte DSF und der SD, also jene Terrororganisationen,
01:07die maßgeblich an der Ermordung des Südvoges in Europa beteiligt waren,
01:11von den zurückgelassenen Hauptsinnigkeiten der Ermordeten.
01:15Die wurden genutzt, um deren Büros in den besetzten Gebieten einzurichten.
01:18Und das Beste, die FSLs organisierte den Abtransport via Zug mittels einer Transportfirma.
01:25Die ist bis heute noch wie Prüner und Nagel.
01:28Das heute weltweit agierende Logistikunternehmen war damals dafür zuständig,
01:33die Raubgüter aus Frankreich und den Benelux-Ländern, also Belgien, Holland und Luxemburg,
01:38ins Deutsche Reich zu transportieren.
01:40Diese Episode aus der Firmengeschichte wurde in der Fernsehsendung Rechte Fernsehen
01:45und in einer dazugehörigen Podcast-Folge behandelt.
01:48Links sind in der Beschreibung.
01:50Vermutlich werde ich noch mindestens eine Folge zu dem Thema machen,
01:54denn gerade im letzten Jahrzehnt gab es große Fortschritte in der Forschung zu diesem Themenbereich.
01:59Deutsche Firmen, Banken und Versicherungen haben die Historiker-Kommissionen damit verauftragt,
02:04in ihrer Vergangenheit getragen und einige gehen ganz transparent mit diesem unügendlichen Kapitel
02:10ihrer Firmengeschichte um.
02:11Andererseits kühne und nagelnd, aber das nur am Rande.
02:15Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens auch der Begriff Arisierung.
02:20Denn bevor der Fördermord an den Jüdinnen und Juden Europas begann,
02:24hatten die Nationalsozialisten in Deutschland und Österreich bereits alle Juden aus dem wirtschaftlichen Leben verbannt.
02:29Nicht nur Behörden, auch private Firmen wurden mehr oder minder freiwillig arisiert.
02:34Auch kühne und nagelnd stellte einen langjährigen Mitarbeiter der Jüdewacht einfach vor die Tür, ohne Abfindung.
02:42Aber dazu mehr in einer anderen Folge.
02:44Hier soll es hauptsächlich um die eingangs erwähnte Aktion gehen.
02:48Und falls schon wieder einige darauf lauern, diese Verbrechen zu relativieren oder gar komplett zu leugnen,
02:54zum Glück für alle historisch Interessierten und jene, die die Verbrechen der Nazis juristisch aufarbeiten wollen,
03:00auch in diesem Fall haben die Nazis alles akribisch dokumentiert, bis zum letzten Porzellanservice, wortwörtlich.
03:08Diese unscheinbare Aufstellung stammt aus den Dokumenten, die beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess als Beweismaterial genutzt wurden.
03:16Insgesamt wurden im Westen 70.000 Wohnungen geplündert.
03:19Fast 27.000 Zugwaggons wurden mit Möbeln, Heimtextlinien und Geschirr beladet
03:25und 674 Züge mit dem Raubgut der europäischen Juden und Judinnen ins Reich geschickt.
03:32Allein 1.200 Waggons sind in den Jahren 1942 bis 1944, als die Deportationen stattfanden, in den Regierungsbezirksköln gelangt.
03:42Denn dort wurde das erste Sammellager im Reich eingerichtet.
03:45Im August 1944 fanden in den Messehallen perfekt Versteigerungen der sogenannten Judenmöbel statt.
03:53Die Bevölkerung, die in vielen Städten Deutschlands diese Möbel erwarb, wusste also sehr wohl um die Herkunft ihrer neuen Möbel.
04:01Zeitungsanzeigen ließen auf die Aktionen hin, siehe eine Auswahl aus den Bonner Generalanscheidern.
04:071878 Züge-Waggons wurden in Bonn, meiner Heimatstadt, ausgeladen und ergänzten das Raubgut,
04:12dass dem Bonner Finanzamt aus den Versteigerungen des Hab und Guts der Bonner Judinnen und Juden
04:17nach ihrer Deportation aus dem endelicher Lager zu Tüße kam.
04:21Denn Jukal waren die Finanzämter für die Versteigerung nicht zuständig.
04:25So findet sich in der Entnatifizierungsakte des Waren die Firmis folgende Aussage.
04:30Seit etwa Mitte 1940 und in den Jahren 1941-43 führte ich im Auftrag des Finanzamts Versteigerungen
04:38von Mobiliarvermögen, meist Möbel und Einrichtungsgegenstände, durch,
04:43die meines Wissens vorwiegend jüdischer Herkunft waren.
04:46Die Herkunft der Möbel nachzuprüfen, fiel jedoch nicht in meinen Aufgabenbereich als Versteigerer.
04:51Außerdem hätte ich im Einzelfall nicht feststellen können,
04:55inwieweit sie durch freiwillige Aufgabe ihrer Eigentümer in die Versteigerungsmasse gelangt waren.
05:00Der Gesamterlös dieser Versteigerungen allein in Bonn belief sich auf 320.000 Reichsmarks,
05:07die dem Finanzamt zugute kamen.
05:10Insgesamt wurden den Bonner Jüdinnen und Juden Grundstücke im Wert von 3 Millionen Reichsmarks,
05:15Vermögen und Sparguthaben im Wert von 58.000 und Wertpapiere in der Höhe von 98.000 Reichsmark gestohlen.
05:23Und Bonn war kein Einzelfall.
05:25So oder so ähnlich verlief es in allen Städten und Dörfern, in denen zuvor Jüdinnen und Juden gelebt hatten.
05:31Vor dem Krieg wurden sie entweder zur Emigration genötigt und mussten vorher ihr Vermögen abgeben,
05:36oder sie verloren ihre Wohnungen und Häuser, weil sie ab 1939 in sogenannte Judenhäuser umziehen mussten.
05:43Dort wurden fremde Familien zusammen zwangseitquartiert.
05:47Denn im April 1939 wurden mit dem Gesetz über die Mietverhältnisse der Juden das Mietrecht für Juden außer Kraft gesetzt.
05:55Doch zurück zur Aktion M.
05:58Dieser Raubzug brachte dem deutschen Staat über 28 Millionen Reichsmark.
06:03Die Auflistung ist so detailliert, dass sogar die Kisten mit Porzellan, Glas, Kleidung, Küchengeräten etc. angegeben werden.
06:10In einer Schauwerkstatt wurden sogar jene Möbel, die noch reparaturbedürftig waren, vor dem Verladen instand gesetzt.
06:17Springen wir zurück zum Anfang des Berichts.
06:20Anders als in den Ostgebieten, wo die Beute unter den einheimischen Bevölkerung und der SS aufgeteilt und der Raub ganz
06:26offen praktiziert wurde,
06:28sozusagen spontan, wurde hier penibel Busch geführt und geplant.
06:32Denn die M-Aktion wurde von Hitler persönlich am 31. Dezember 1941 genehmigt und ging zurück auf eine Initiative des
06:41Reichsleiters Alfred Rosenberg,
06:43der im Juli zuvor von Hitler zum Chef der Zivilverwaltung des Reichskommissariats Ostland ernannt worden war.
06:51Ein Gebiet, das heute in etwa dem Baltikum und Teilen Weißgrußlands entspricht.
06:55Zur Vorbereitung hatte Rosenberg ein Jahr davor den Einsatzstab für den systematischen Raub der Kunst- und Kulturgüter der europäischen
07:03Juden gegründet.
07:04Ende Dezember 1941 genehmigte Hitler schließlich die Sicherstellung von Möbeln und sonstigen Einrichtungsgegenständen aus unbewachten jüdischen Wohnungen für die Verwendung
07:15in die gesetzten Ostgebieten.
07:17Der Bericht über die Aktion M selbst ist vom 1. August 1944.
07:21Im August fanden die letzten Transporte aus dem französischen Durchgangslager Trois-Vieh statt.
07:28Der Raubflug im Westen war damit beendet und es konnte Bilanz gezogen werden.
07:33Selbst die relativ begrenzte Aktion in Frankreich und Benelux war eine große logistische Herausforderung.
07:39Allein in Paris wurden 38.000 Wohnungen erfasst.
07:43Die Wohnungen wurden von den deutschen Beamten versiegelt und in der Regel dauerte es nach dem Abtransport der jüdischen Bewohner
07:48drei Monate bis das Transportkommando die Wohnungen räumte.
07:52Bis zu 1.500 französische Arbeiter mit 150 LKWs waren täglich mit den Wohnungsräumungen beschäftigt.
08:00Zusätzlich waren in drei Sammellagern 800 jüdische Zwangsarbeiter damit beschäftigt,
08:05die reparaturbedürftigen Möbel wieder aufzubereiten.
08:09Zusätzlich wurden in Antwerpen 45 Schiffsladungen mit über 27.000 Tonnen an Hausrat nach Hamburg und andere Binnenhäfe im Deutschen
08:18Reich verschifft.
08:19Doch was geschah mit den Möbeln, nachdem sie im Reich angekommen waren?
08:23Geplant war eigentlich, dass die Möbel zur Einrichtung der neu eingerichteten Verwaltungslohs in den eroberten Ostgebieten genutzt werden.
08:31Oder die neuen arischen Siedler im Osten sollten damit ihr neues Heim bestücken.
08:35Doch die Bahnstrecken waren schon zu stark mit Soldaten- und Judentransporten überlastet.
08:41Die zunehmenden Bombenangriffe der Alliierten ließen es sinnvoll erscheinen, die Silbe direkt an Ausgebombte im Reich zu verteilen.
08:48Nun sollte die Aktion für die Stärkung der Kriegsmoral genutzt werden.
08:52Die Nazis waren sehr darauf bedacht, dass die Stimmung in der Bevölkerung nicht kippte und sich gegen die Regierung und
08:58den Krieg warnte.
08:59Ein ähnliches Szenario wie am Ende des Ersten Weltkriegs, als die Heimatfront zusammenbrach, sollte um jeden Preis verliehen werden.
09:07So wurde das Raubgut bei Judenversteigerungen kostengünstig an Bedürftige abgegeben.
09:12Die Einnahmen kamen dem Staat in Summe der Kriegskasse zugute.
09:15Das Raubgut wurde primär an Ausgebombte Familien, kinderreiche Familien und andere Bedürftige, natürlich nur aus der Volksgemeinschaft, versteht sich, versteigert.
09:27Die Annoncen im Bonner Generalanzeiger zeigen deutlich, an welche Zielgruppe sich diese Versteigerungen richteten.
09:34Diese sogenannten Judenversteigerungen hatten schon fast Tradition nach den Deportationen der einheimischen jüdischen Familien.
09:41Das Raubgut aus den dünnen Luftländern war unter den Namen Hollandmöbel und Hollandhus bekannt.
09:47Auch hier wussten die Beteiligten über die Herkunft der Möbel.
09:51Ebenso wie die Deportation nach Osteuropa war dies ein offenes Geheimnis.
09:55Auch wenn viele Möbel heute vermutlich längst auf dem Schwermill oder in der Müllpresse gelandet sind,
10:00kann es durchaus sein, dass Verwandte, Bekannte oder vielleicht sogar euer Erbstück im Wohnschimmer aus einer dieser Judenversteigerungen stammt.
10:08Ihr fragt euch sicher, ob niemand nach dem Krieg versucht hat, die Möbel an ihre vorherigen Besitzer zurückzugeben,
10:14sofern sie die Shoah überhaupt überlebt haben.
10:17Ähnlich wie beim Raub der Kulturgüter, also Gemälde, Skulpturen etc.,
10:21ist es auch bei den geraubten Möbeln äußerst schwierig, Nachforschungen über die Vorbesitzer anzustellen.
10:27Die meisten Unterlagen zur Aktion M wurden bewusst vernichtet und machten es den Besatzungsbehörden schwer,
10:34auch nur das Ausmaß der geraubten Möbel einschätzen zu können.
10:37Zwar gab es Aufrufe, Judenmöbel zu melden, doch wurde davon zum Beispiel gar nicht Gebrauch gemacht.
10:43So bleibt wie auch im Osten der Verbleib der meisten Hollandmöbel ungeklärt.
10:48Denn die Identität der Bewerber auf den Auktionen lässt sich nach so vielen Jahrzehnten nicht mehr klären.
10:53Ich hoffe, dass dieses wichtige Thema nicht in Vergessenheit gerät.
10:57Und auch wenn viele heute gern einen Schlussstrich unter unsere dunkle Vergangenheit ziehen wollen,
11:02zeigen solche Beispiele doch, wie wichtig es ist, sich auch mit den unschönen Details unserer Geschichte zu beschäftigen.
11:08Denn wenn wir nicht aus der Vergangenheit lernen, sind wir verdammt dazu, sie zu wiederholen.
11:13Und nur durch Beschäftigung mit den Fakten, Details und Mechanismen hinter der Verfolgung
11:18können wir aus der NS-Zeit lernen und konkrete Ziele formulieren,
11:22damit solche Verbrechen zumindest hier in Deutschland und Europa nicht wieder möglich werden.
Kommentare