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Erfahre alles über die Geschichte des "Haus der Kunst" in München! Wie wurde dieses Gebäude zum Schaufenster der NS-Propaganda, mit der berüchtigten „Entarteten Kunst“-Ausstellung? Und danach zu einem lebendigen Zentrum für zeitgenössische Kunst? #geschichte #history #geschichtedeutschlands #münchen #gegendasvergessen #deutschegeschichte #gedenken #mutzurwahrheit

Beitrag zur Online-Ausstellung mit Kunstwerken der Großen Deutschen Kunstausstellungen:
https://zeitgeschichte-online.de/geschichtskultur/der-mythos-des-banalen

Zur Online-Ausstellung:
https://www.hausderdeutschenkunst.de/
https://www.gdk-research.de/db/apsisa.dll/ete

Deutschlandfunk Kultur Beitrag zum 80-jährigen Jubiläum:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/80-jahre-haus-der-kunst-schwieriger-umgang-mit-der-ns-100.html

Ein Beitrag von 1962 mit Hitlers Rede zur Eröffnung und Original-Kommentar zur Ausstellung "Entartete Kunst":
https://www.ndr.de/geschichte/ndr_retro/Haus-der-deutschen-Kunst-in-Muenchen,kulturimnorden214.html

Das sind meine Themen:
00:00 Intro
00:35 Das Bauprojekt "Haus der deutschen Kunst"
02:00 Die "Große deutsche Kunstausstellung"
03:22 Ausstellung "Entartete Kunst"
05:46 Keine Künstlerproteste, stattdessen "innere Emigration"
06:00 Nach 1945

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Transkript
00:00Münchner werden dieses Gebäude vermutlich kennen. Das Haus der Kunst, ein internationales Zentrum für zeitgenössische Kunst.
00:07Aber wusstet ihr, dass dieser Ort auch eine dunkle Geschichte in sich trägt?
00:11Eine Geschichte, die uns schmerzhaft vor Augen führt, wie gefährlich es ist, wenn Kunst zum Handlanger einer Ideologie regattiert wird.
00:19Heute schauen wir uns an, wie die Nationalsozialisten dieses Haus als ihr Schaufenster für sogenannte deutsche Kunst missbrauchten
00:26und wie es heute zu einem Mahnmal gegen eben jenes verbrecherische Regime geworden ist.
00:32Es gibt einige überraschende Fakten zu entdecken.
00:35Wir schreiben das Jahr 1933. Der Grundstein für das, was einmal das Haus der deutschen Kunst werden sollte, wird persönlich
00:43von Adolf Hitler gelegt.
00:45Das ist kein Zufall, denn das hier ist kein kleines Bauprojekt.
00:48Es ist das erste monumentale architektonische Statement der Nazis.
00:53Das neue Gebäude sollte den durch einen brandzerstörten Münchner Glaspalast ersetzen, aber mit einer ganz anderen, neuen Botschaft.
01:02Einer von Hitlers Lieblingsarchitekten, Paul Trost, entwirft einen Bau im neoklassizistischen Stil, oft als totalitärer Klassizismus bezeichnet.
01:12Die massive Steinbauweise soll Ewigkeit stärken und die angebliche Unvergänglichkeit der NS-Ideologie verkörpern.
01:20Im Inneren roter Marmor aus Tegernsee. Klingt dramatisch, oder? Das sollte es auch sein.
01:26Die starre Symmetrie, die edlen Materialien, alles darauf ausgelegt, die nationalsozialistischen Ideale von reiner, arischer Kunst zu feiern.
01:34Dieses Gebäude war nicht nur ein Ort für Kunst, es war Kunst als Propaganda.
01:39Ein Werkzeug, das uns heute noch die Macht von Symbolen vor Augen führt.
01:43Hitler selbst sah sich als oberster Kunstkritiker und war überzeugt, dass unsere Gebäude entstehen, um unsere Autorität zu erhöhen.
01:51Er meinte, deutsche Kunst sei die stolzeste Verteidigung des deutschen Volkes.
01:56Was für eine zynische Sicht auf die eigentlich universelle Sprache der Kunst.
02:00Ab 1937 wurde das Haus zur Bühne für die große deutsche Kunstausstellung.
02:06Achtmal fand sie bis 1944 statt.
02:09Hier zeigt sich, wie wichtig die Kunstausstellungen für die Propaganda waren.
02:12Denn von den achtmal, die die Ausstellung stattfand, liegen fünf Ausstellungsjahre im Krieg.
02:18Die letzte sogar noch im letzten Kriegsjahr.
02:20Die Kunstausstellungen stellten eine ähnliche Ablenkung von den Kriegsentbehrungen dar, wie das Kino.
02:25Doch wer durfte entscheiden, was ausgestellt wurde?
02:28Erst eine Jury, unter anderem Mietlers Live-Fotograf Heinrich Hoffmann und der Direktor des Hauses, Karl Kolb.
02:35Und surprise, surprise, am Ende entschied immer der Führer persönlich.
02:39Hier wurde die Kunst gezeigt, die der nationalsozialistischen Ideologie entsprach.
02:44Realismus, Naturalismus, hauptsächlich Landschaften, Porträts, Tierdarstellung, Themen wie Militärszenen, Porträts des Führers, klar.
02:53Aber auch deutsche Landschaften, die Blut- und Bodenideologie und traditionelle Szenen wurden verherrlicht.
03:00Sogar unverfängliche Seestücke bekamen Titel wie Das neue Deutschland, um sie ideologisch aufzuladen.
03:06Trotz allem strömten hunderttausende Besucher in die große deutsche Kunstausstellung.
03:11Allein die erste zog 600.000 Menschen an.
03:14Aber war das echte Begeisterung für die Kunst der Nazis oder eher ein Ausdruck des gleichgeschalteten Kulturlebens in Deutschland?
03:22Nur einen Tag nach der ersten großen deutschen Kunstausstellung und quasi direkt um die Ecke,
03:27eröffnete am 19. Juli 1937 die entartete Kunstausstellung.
03:33Diese zeitliche und räumliche Nähe war eine gezielte, zynische Propagandastrategie.
03:38Hier sollte ein schlager Kontrast geschaffen werden.
03:42Die gute, gesunde NS-Kunst gegen die als entartet verleumdete moderne Kunst.
03:48Doch was war entartet?
03:50Alles, was nicht ins Weltbild der Nazis passte.
03:52Kubismus, Expressionismus, neue Sachlichkeit, Dadaismus.
03:57Josef Goebbels höchstpersönlich ordnete diese Raw Show an.
04:01Die Werke wurden aus deutschen Museen konfisziert und dann chaotisch und viel zu eng aneinander aufgehängt.
04:07Zusätzlich mit beleidigenden Slogans versehen, um das Publikum zum Spot zu animieren.
04:13Es sollte ein Gefühl des Ekels und der Empörung erzeugt werden.
04:17Der größte Clou dieser Ausstellung war ein noch größerer Publikumserfolg als die Ausstellungen der Nazikunst.
04:24Über zwei Millionen Besucher in München, über drei Millionen insgesamt während der Tour durch Deutschland und Österreich.
04:30Es war die bis dahin meistbesuchte Ausstellung moderner Kunst.
04:35Eine morbide Neugier, die Angst vor dem Falschen oder einfach das Bedürfnis, das Verbotene zu sehen.
04:41Das Regime nutzte diese Zahlen, um seine kulturelle Säuberung zu rechtfertigen.
04:46Der Umgang mit dieser entarteten Kunst zeigt aber, wie zynisch und auch pragmatisch das System mit seiner Ideologie umging.
04:53Viele der konfiszierten Werke wurden nicht einfach zerstört.
04:56Nein, sie wurden im Ausland verkauft oder gegen andere Kunst getauscht.
05:00Das Regime nutzte diese entartete Kunst als eine Art Währung, um sich zu finanzieren oder andere Werke zu erwerben.
05:08Ein Beweis dafür, dass selbst in der ideologischen Verblendung ein eiskalter Pragmatismus steckte.
05:14Doch wie erging es den Künstlerinnen und Künstlern, die diese Werke geschaffen hatten?
05:18Wenn sie nicht schon gestorben waren, wie Franz Marc, der im Ersten Weltkrieg gefallen war,
05:23Künstlerproteste im klassischen Sinne waren im NS-Regime lebensgefährlich.
05:27Berufsverbote, Verfolgung, sogar Mord, wie bei Otto Freundlich, der im KZ Lugin-Maidanik ermordet wurde.
05:34Tausende Kunstwerke wurden geschlagnahmt.
05:37Darunter von Koryphäen wie Emil Nolde, der mit 1052 konfiszierten Werken der am häufigsten gekoffene Künstler war.
05:45Innere Immigration, das heimliche Weiterschaffen im Geheimen, war für viele Kunstschaffende ein Ausweg.
05:52Es war ein Überlebenskampf, der zugleich die künstlerische Integrität bewahrte.
05:56Für viele war der Akt des Schaffens an sich schon Protest.
05:59Nach 1945 durchlief das Gebäude eine radikale Wende.
06:05Zuerst wurde es von den US-Besatzungs-Truppen als Offizierscasino genutzt.
06:10Nazi-Symbole wurden entfernt, der Namenszusatz der Deutschen gestrichen.
06:14Im Inneren gab es sogar ein Basketballfeld.
06:17Diese doch sehr profane und pragmatische Nutzung sollte dem ideologisch aufgeladenen Raum seine heilige Aura nennen.
06:24Nach 1946 wurde es zum Haus der Kunst und entwickelte sich zu einem Gegenentwurf zur NS-Kunstpolitik.
06:30Ausstellungen von entarteter Kunst wie der Blaue Reiter oder Picasso-Retrospektiven suchten aktiv den Anschluss an die internationale Moderne.
06:38Heute hat das Haus der Kunst keine eigene Dauerausstellung.
06:42Es ist ein dynamischer Ort für temporäre und Wanderausstellung mit klarem Fokus auf zeitgenössische Kunst.
06:48Es geht um die Zusammenarbeit mit lebenden Künstlern, darum den kunsthistorischen Kanon neu zu bewerten und visionäre Praktiken mit neuen
06:57Experimenten zu verbinden.
06:58Und das Wichtigste, seit Mitte der 1990er Jahre setzt sich das Haus der Kunst aktiv und transparent mit seiner eigenen,
07:07belasteten Vergangenheit auseinander.
07:09Es hat seine Archive wichtige Publikationen veröffentlicht und macht detaillierte Informationen online zugänglich.
07:16Das Haus der Kunst in München steht heute als ein physisches Denkmal für die Macht der Propaganda und die Zerstörung
07:23der Kunstfreiheit durch total militäre Regime.
07:26Seine monumentale Architektur erinnert uns daran, wie feinbar unschuldige Gebäude für digitalsten Zwecke missbraucht werden können.
07:34Heute ist das Haus der Kunst ein Ort der Rejection und der Förderung zeitgenössischer Kunst.
07:40Er zeigt uns, wie ein Ort für dunkler Vergangenheit durch bewusste Neuausrichtung und transparente Auseinandersetzung zu einem Symbol für kulturelle
07:49Erneuerung ernen kann.
07:51Was denkst du über das Haus der Kunst? Sollten NS-Gebäude lieber abgerissen oder neu genutzt werden?
07:57Teile ich deine Gedanken in den Kommentar.
07:59Alles.
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