00:00Bei TÜV vor 88 Jahren wurde das KZ Buchenwald errichtet, nur wenige Kilometer von der Kulturstadt Weimar entfernt und mitten
00:08im Erholungsgebiet auf dem Ettersberg.
00:10Die SS wählte diesen Standort bewusst, um die kleinen Lager, die sie zuvor in Mitteldeutschland errichtet hatte, zu ersetzen.
00:17Als die ersten Häftlinge am 15. Juni 1937 dort eintrafen, mussten sie, wie viele Häftlinge in anderen Konzentrationslagern, erst einmal
00:27ihr eigenes Lager errichten.
00:28Und da Buchenwald wortwörtlich in einem Wald stand, musste zuerst das Gelände gebotet werden.
00:34Die Lager der SS hatten immer eine perfide Doppelfunktion.
00:37Sie waren nicht nur Orte, an denen politische Gegner und als arbeitsscheu oder asozial diffamierte Menschen weggesperrt wurden.
00:45Nein, sie sollten durch die unentgeltliche Arbeit der Häftlinge auch Gewinn erzielen.
00:50Speziell in Buchenwald wollte die SS die nahegelegenen Tonvorkommen ausbeuten, um Ziege zu produzieren.
00:56Das zeigt uns klar, die Konzentrationslager waren von Beginn an als Instrumente der Ausbeutung und der Vernichtung menschlicher Arbeitskraft konzipiert.
01:05Das Motto am Haupttor, jedem das Seine, fasst diese menschenverachtende Ideologie prägnant zusammen.
01:12Als hätten ihre Opfer die Misshandlungen und Entrechtung in den Konzentrationslagern der SS verdient.
01:17Ähnlich wie später in Auschwitz, dem berühmt-berüchtigten Konzentrationslager der Nazis in Polen, stiegen ab 1938 die Häftlingszahlen in Buchenwald
01:27explosionsartig an.
01:28Nach dem Novemberzugrund wurden viele hübsche Männer hier inhaftiert.
01:32Ziel war es, sie und ihre Familien zur Emigration zu drängen.
01:36Wenn sie versprachen, Deutschland zu verlassen, konnten sie damals noch das Konzentrationslager wieder verlassen.
01:42Andere Aktionen, beziehungsweise Razzien der Gestapo, die nichts anderes als die Jagd auf Menschen darstellten,
01:48wie die Aktion Arbeitsscheu-Reich, bei der angebliche Asoziale, Obdachlose, Arbeitslose und Sinti und Roma nach Buchenwald verschleppt wurden.
01:57Ein Jahr später, mit Kriegsbeginn, wurde das Lager zu einem europaweiten Sammelbecken für die Feinde der Nazi.
02:03Denn die großen Vernichtungslager im Osten waren noch nicht errichtet worden.
02:07Tausende Polen, Tschechen und Juden aus Österreich wurden hierher deportiert.
02:12Das änderte sich erst ab 1941, als der systematische Massenmord mit Erschießungen im Osten
02:18in der Errichtung erster Vernichtungslager wie Kelmo, Sobibor und Belzec begann.
02:23Allerdings blieb auch Buchenwald nicht von gezielten Tötungsaktionen verschont.
02:28Über 8000 sowjetische Kriegsgefangene wurden hier gezielt ermordet,
02:32mit Giftspritzen oder in einer eigens eingerichteten Genickschusseinlage.
02:37Gleichzeitig wurden immer mehr Zwangsarbeiter nach Buchenwald geschafft.
02:41Ab 1943 expandierte das System Buchenwald enorm.
02:45Es entstanden unzählige Außenlager, in denen die Arbeitskraft der Häftlinge rücksichtslos von Unternehmen und staatlichen Stellen ausgebeutet wurde.
02:54Mitte 1944 befand sich bereits mehr als die Hälfte der Häftlinge in diesen Außenlagern.
03:00Ähnlich wie Auschwitz war Buchenwald zu einem Ministart avanciert.
03:03Zwischen 1937 und 1945 wurden in Buchenwald und seinen Außenlagern rund 277.800 Menschen aus über 50 Ländern inhaftiert.
03:15Frauen, Männer, sogar Kinder im Alter von 2 bis 86 Jahren.
03:19Auch die Zahlen der Todesopfer sind erschütternd.
03:22Mindestens 56.000.
03:24Wer Inhaftierten überlebten die Deportation nicht.
03:27Viele Tausende starben nach der Weiterverschleppung in andere Lager.
03:31Hunger, Krankheiten, die Erschöpfung durch Zwangsarbeit und gezielte Tötung waren die Hauptursachen.
03:37Allein 1941 stieg die Sterblichkeitsrate in Buchenwald von 10% auf 19%.
03:45Nicht zu vergessen, die grausamen medizinischen Experimente, insbesondere zur Typhus-Impfstoffentwicklung, bei denen von 729 Versuchspersonen 154 starben.
03:57Auch wenn Buchenwald keine Gaskammern hatte wie Auschwitz-Birkenau, war es de facto ein Ort der Massenvernichtung durch Hungertod, Krankheit,
04:05Zwangsarbeit oder direkten kaltflüssigen Mord.
04:08Das einzig Positive in der Geschichte Buchenwalds, es war eines der wenigen Lager, in dem sich noch erfolgreich eine Widerstandsbewegung
04:16gewillt hatte, die das Lager noch vor der Ankunft der Amerikaner befreien konnte.
04:20Sie hatten am 8. April 1945 einen Geheimhilferuf an die US-Truppen abgesetzt.
04:27Als die SS-Männer jeden Mittag flohen, besetzten die bewaffneten Häftlinge das Lagertor.
04:32Überwältigend die letzten SS-Männer nahmen 125 von ihnen fest, öffneten die Tore und hüsten die weiße Flagge.
04:41Als die ersten amerikanischen Soldaten das Lager betraten, war es schon nicht mehr unter der Kontrolle der SS.
04:47Rund 21.000 Häftlinge erlebten an diesem Tag ihre Befreiung, darunter über 900 Kinder und Jugendliche.
04:54Die juristische Aufarbeitung ist wie bei vielen NS-Verbrechen weniger erfreulich.
04:59Der Buchenwald-Hauptprozess fand vom 11. April bis zum 14. August 1947 vor einem US-amerikanischen Militärtribunal in Dachau statt.
05:09Angeklagt waren zentrale Verantwortliche, darunter Lagerkommandanten, Ärzte, SS-Angehörige und sogar Funktionshäftlinge.
05:17Und als einzige Frau Ilse Kopp, die Witze des ersten Lagerkommandanten.
05:22Alle 31 Angeklagten wurden schuldig gesprochen, 22 von ihnen zum Tode verurteilt.
05:29Doch nur 11 von ihnen wurden tatsächlich gehemmt.
05:31Die übrigen Urteile wurden bis Mitte der 1950er Jahre in Haftstrafen umgewandelt.
05:36Oder sie erhielten eine Amnestie.
05:39Von rund 9.000 SS-Männern und Aufseherinnen, die in Hubenwald schnitten, wurden nach 1945 lediglich 79 verurteilt.
05:48Schlimmer als die nicht erfreugte juristische Aufarbeitung ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass die Sowjets das Lager wieder reaktivierten.
05:56Fünf Jahre von 1945 bis 1950 nutzte die Sowjetunion das Gelände als Speziallager Nummer zwei.
06:04Tausende weitere Menschen starben hier.
06:07Zum Teil wurden sogar ehemalige Häftlinge erneut hier interniert.
06:11Interessant ist die Darstellung von Hubenwald-Hüttel.
06:14Als eines der wenigen bekannten Konzentrationslager auf deutschem Boden erregt es immer noch das Interesse von Filmschaffenden.
06:21Zunächst gibt es die Filme, die in den Nürnberger Umfolgeprozessen der Siegermächte als Beweismaterial dienten.
06:28Diese Bilder werden viele von euch vermutlich als Dokumentation kennen.
06:31Aber ich möchte über zwei Filme sprechen, die sich dick mit dem Leben und Sterben in Hubenwald auseinandersetzen.
06:38Kleiner Disclaimer, die Bilder sind oft schwer zu ertragen, also sollten empfindliche Zuschauerinnen hier lieber weiterscoren.
06:47Da wäre zum Beispiel Nackt unter Wölfchen aus dem Jahr 2015.
06:51Dieser deutsche Fernsehfilm basiert auf dem Roman von Lomo Appitz, einem ehemaligen Rutenwald-Häftling.
06:58Die Geschichte dreht sich um den Zimmermann Pippich, der wegen seines Widerstands innerchiert wird.
07:03Er und andere Widerstandskämpfer versuchen ein kleines Kind vor der SS zu verstecken.
07:08Dieses Kind wird zum Symbol der Hoffnung in einem System, das darauf ausgelegt war, die Menschlichkeit zu zerstören.
07:17Von einem der polnischen Juden.
07:19Was für ein kleines Mann.
07:26Seid ihr verrückt?
07:32Was wollt ihr damit?
07:34Was sollen wir machen?
07:35Wir müssen melden was sonst.
07:37Das wäre sein Tod.
07:39Es gibt Kinder im Lager.
07:40Aber sieh älter.
07:42Er ins kleine Lager kommt, er ist viel zu klein und zu überlebend.
07:44Aber wenn sie sehen, sie schlagen einfach tot.
07:46Was wollt ihr machen?
07:48Ihn verstecken?
07:49Und dann gibt es noch die amerikanische Miniserie Holocaust von 1978.
07:55Diese Serie hat, auch wenn sie wegen gruber historischer Fehler und einer allzu plakativen Dramaturgie
08:00kritisiert wurde, den Begriff Holocaust in Westdeutschland erst so richtig bekannt gemacht wird.
08:06Einer der Hauptcharaktere, Karl Weiß, wird nach Buchenwald deportiert und dort, wo er nicht handelt.
08:12Die Serie verdeutlicht die brutale Ausbeutung der Gefangenen und die menschenverachtende Sicht der SS auf die ihnen anvertrauten Häftlinge.
08:20Natürlich gibt es auch unzählige Dokus, die sich mit dem Lager in Thüringen beschäftigen.
08:25Ganz besonders ergreifend ist The Boys of Buchenwald aus dem Jahr 2002.
08:30Dieser kanadische Film begleitet Kinderüberlebende des Lagers, darunter auch den weltbekannten Elie Wiesel,
08:36bei einem Wiedersehen 55 Jahre nach der Befreiung.
08:40Der Film zeigt, wie diese Jungen nach ihrer Befreiung in einem Waisenhaus in Frankreich lernen mussten, wieder Mensch zu sein.
08:47Ein hartes Wingen um Normalität nach unfassbarer Brutalität.
08:52Ein tief bewegender Blick auf die psychologischen Nachrückungen der Lagerhaft.
08:56Und ganz wichtig, die Arbeit der Gedenkstätten.
08:59Viele, so auch Buchenwald, veröffentlichen unschätzbar wertvolles Material aus ihren Marchiven,
09:04wie Interviews mit Überlebenden.
09:06Diese persönlichen Berichte sind von unschätzbarem Wert für die Erinnerungsarbeit.
09:10Sie vermitteln uns nicht nur Fakten, sondern vor allem die menschliche Dimension des Trauens.
09:15Und wer in Weimar unterwegs ist, kann auch ruhig einen Abstecher in die Gedenkstätte Buchenwald einplanen.
09:20Ich war selbst schon da und es macht einen immensen Unterschied,
09:23wenn man einmal an einem geschlossensten Ort war
09:26und sich selbst ein Bild von der unversparen Dimension dieser Lager machen kann.
09:30Was denkt ihr über die Gedenkstätten in Deutschland und Polen?
09:33Haben wir zu viele von ihnen oder tragen sie wie Buchenwald und Auschwitz zu einer lebendigen Erinnerungskultur bei?
09:40Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
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