00:00Heute gibt es wieder viele Ereignisse, die an diesem Tag im Dritten Reich geschehen sind und alle fanden am gleichen
00:05Tag im Jahr 1933 statt.
00:08So wurde am 14. Juli 1933 der Hitlergruß vom Innenminister zum deutschen Gruß erklärt.
00:15Das heißt, jeder musste fortan damit grüßen und seine Korrespondenz damit beenden, sofern er nicht in Verdacht geraten wollte, gegen
00:22das Regime zu sein.
00:23Hier einige Beobachtungen Viktor Klemperers zum deutschen Gruß, einem Juden, der in Dresden die Nazizeit dank seiner mutigen nicht-jüdischen
00:31Frau überlebte.
00:3220. Juli 1933, Donnerstag
00:36Es wird erwartet, dass man auch sonst diesen Gruß anwende, wenn man den Verdacht bewusster Ablehnung des neuen Systems vermeiden
00:43wolle.
00:43Zwang zum Hitlergruß, Zwang nur innerhalb der Dienststelle, bloß.
00:48Es wird erwartet, dass man den Gruß auch sonst anwende, um sich nicht dem Verdacht staatsfeindlicher Gesinnung auszusetzen.
00:55Sie erzählt mit Tränen in den Augen ein Kollege ihres Mannes Fall und Fall entlassen, weil er nicht mit Arm
01:02aufheben gegrüßt hat.
01:03Am gleichen Tag wurden auch wieder Gesetze gegen die Juden erlassen.
01:07Das Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit
01:12entzog vielen osteuropäischen Juden, die Anfang des 20. Jahrhunderts vor den Pogromen in Osteuropa geflohen waren, die deutsche Staatsbürgerschaft.
01:21Ein erster Schritt, um diese Juden ausweisen zu können.
01:24Aber es gab auch ein dunkles Kapitel in dieser Zeit, das nichts mit den Juden zu tun hatte.
01:29Und was uns daran erinnert, wie gefährlich es ist, wenn Wissenschaft und Ideologie eine unheilvolle Allianz eingehen.
01:36Das Nationalsozialistische Gesetz zur Verhütung Erbkrankennachwurfs, kurz GZVEN, wie ich es im Video der Einfachheit halber weiter nennen werde.
01:47Dieses Gesetz, das von 1933 erlassen wurde, war kein Zufallsprodukt, sondern tief in den pseudowissenschaftlichen Theorien der Eugenik verwurzelt.
01:56Lass uns gemeinsam entschlüsseln, was damals geschah und welche schrecklichen Folgen das für unzählige Menschen hatte.
02:02Das GZVEN trat am 1. Januar 1934 in Kraft und ermöglichte die Zwangssterilisation von Menschen, die als erbkrank eingestuft wurden.
02:12Über 400.000 Menschen fielen dieser brutalen Politik bis 1945 zum Opfer.
02:18Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.
02:21Um das Gesetz wirklich zu verstehen, müssen wir uns die ideologischen Grundlagen anschauen.
02:25Die Nationalsozialisten nutzten Konzepte wie die Eugenik und Rassenhygiene, die im 20. Jahrhundert auch international Verbreitung fanden.
02:34Der Begriff Eugenik wurde 1883 von Sir Francis Gordon geprägt, Rassenhygiene 895 von Alfred Plötz.
02:44Diese Ideen, die wir heute als Zeugewissenschaft entlarven, galten damals als moderne Wissenschaft.
02:51Befürworter glaubten, dass gesellschaftliche Probleme wie Kriminalität oder psychische Erkrankungen auf erbliche Faktoren zurückzuführen seien.
03:00Ihr Ziel, die genetische Verbesserung des Menschen durch positive Eugenik, Förderung der Fortpflanzung gesunder Individuen und negative Eugenik.
03:09Einschränkung der Fortpflanzung unerwünschter Gesellschaftssegmente.
03:14Hier kam die Volksgemeinschaft ins Ziel.
03:17In dieser kluten Ideologie hatte das Kollektiv Vorrang vor dem Einzelnen.
03:21Menschen mit geistigen, körperlichen oder sozialen Behinderungen wurden als fünfte Kolonne und wirtschaftliche Belastung dargestellt, die die Rassengemeinschaft bedroht.
03:32Adolf Hitler selbst forderte die Zwangssterilisation, um Fäden am Erbgut der deutschen Nation zu beheben.
03:38Es war eine erschreckende Entmenschlichung, die den Grundstein für weitere Betreutaten legte.
03:44Erst wurden Menschen als Last deklariert, dann war der Weg frei für ihre Eliminierung.
03:49Beginnend mit der Sterilisation stand der sogenannten Euthanasie, dem Mord an Kranken und Behinderten und schließlich dem Völkermord.
03:57Das GZVIN schuf ein Netz von sogenannten Erbgesundheitsgerichten, die über Sterilisationsanträge entschieden.
04:04Richter, Amtsärzte und medizinische Praktiker, oft NSDAP-Mitglieder oder Sympathisanten, bildeten diese Gerichte.
04:12Die Entscheidungen konnten zwar angefochten werden, doch wenn die Berufung scheiterte, war die Anwendung von Gewalt zulässig, um die Sterilisation
04:20durchzuführen.
04:21Dieses scheinbar akribische, rechtliche und administrative Gerüst verlieh einem zutiefst repressiven Programm einen Anschein von Legitimität.
04:30Es trug dazu bei, Menschenrechtsverletzungen zu normalisieren.
04:34Das Gesetz listet neun Bedingungen auf, die als Erbschrankheiten galten, darunter angeborener Schwachsinn, der über die Hälfte der Sterilisation als
04:44Grund diente, Schizophrenie, erbliche Blindheit oder Taubheit oder sogar schwerer Alkoholismus.
04:52Ab November 1933 wurde das Gesetz sogar auf die Kastration von Homosexuellen ausgeweitet, die nach § 175 verurteilt worden waren.
05:01Ein besonders perfides Beispiel für die Ausweitung dieser Politik waren die Rheinland-Bastarde.
05:07Das waren Kinder gemischter Abstammung von deutschen Zivilisten und französischen afrikanischen Soldaten.
05:15Obwohl die ursprüngliche Gesetzgebung keine rassischen Bestimmungen entzielt, wurden ab 1937 in einer geheimen Aktion rund 400 dieser Kinder zwangsterilisiert.
05:25Hier zeigte sich die Bereitschaft des Regimes, selbst seine eigenen rechtlichen Konstrukte für rassische Ziele zu missachten.
05:32Es war ein drastischer Schritt von eugenischen Bedenken hin zu direkter Rassenreinigung, der die späteren Völkermordpolitiken vorweg nah.
05:40Für die Opfer hatte die Zwangssterilisation verheerende Folgen.
05:44Festungsweise 5.000 bis 6.000 Frauen und etwa 600 Männer starben an Komplikationen während des Eingriffs.
05:52Viele weitere litten unter langfristigen Gesundheitsproblemen, psychischen Traumata und dem unwiederbringlichen Verlust der Fähigkeit, Kinder zu bekommen.
06:00Diese Menschen wurden ihrer körperlichen Autonomie beraubt, ihre Lebenspläne zerstört, ihre Würde mit Füßen getreten.
06:09Sie waren Opfer einer Ideologie, die den Menschen in wertvoll und lebensunwert einteilte.
06:15Die Anerkennung dieses Leids und die Entschädigung der Opfer waren ein langer und steiniger Weg.
06:20Erst 2007 erklärte der Deutsche Bundestag das Gesetz förmlich für verfassungsrechtlich nichtig.
06:26Doch die Entschädigung war oft unzureichend und die Opfer mussten viel zu lange auf Gerechtigkeit warten.
06:32Es zeigt eine zögerliche Aufarbeitung der medizinischen Verbrechen, die im Namen der öffentlichen Gesundheit begangen wurden.
06:39Es ist entscheidend zu verstehen, dass das nationalsozialistische Sterilisationsprogramm, so monströs es auch war, kein isoliertes Phänomen war.
06:49Eugenikbewegungen und Sterilisationsgesetze gab es im 20. Jahrhundert weltweit.
06:54In den USA, Kanada, Skandinavien.
06:57Die Nationalsozialisten verwiesen sogar explizit auf den Erfolg der Sterilisationsgesetze in Kalifornien als Inspiration.
07:06Das verdeutlicht, dass das Problem nicht allein die nationalsozialistische Ideologie war,
07:11sondern ein breiter globaler, wissenschaftlicher und sozialer Trend.
07:15Doch nirgendwo erreichte die Zahl der sterilisierten Personen das massive Ausmaß des nationalsozialistischen Programms.
07:22Die erschreckenden Enthüllungen über die nationalsozialistische Eugenik nach dem Zweiten Weltkrieg führten zu einem Paradigmenwechsel in den globalen ethischen Standards.
07:33Heute ist Zwangssterilisation im Völkerrecht explizit als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt und kann sogar als venozidale Handlung eingestuft werden.
07:43Wir dürfen niemals vergessen, wie anfällig Gesellschaften für solche Ideologien sind,
07:48wenn scheinbar harmlose Ideen radikalisiert werden und pseudowissenschaftliche Argumente als Vorwand für Menschenrechtsverletzungen dienen.
07:57Die Geschichte des GZVEN ist eine Mahn der Erinnerung daran, dass wir stets wachsam sein müssen,
08:03um unsere Demokratie und den Schutz der Minderheiten zu verteidigen.
08:07Denn nur so können wir verhindern, dass sich die Schrecken der Vergangenheit wiederholen.
08:11Was denkst du über die Rolle der Wissenschaft bei der Legitimierung solcher Verbrechen?
08:16Lass uns darüber in den Kommentaren sprechen.
08:18Lass uns darüber in den Kommentaren sprechen.
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