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Transkript
00:00Ich kann mich absolut nicht frei bewegen und vor allem natürlich nicht, seit ich mich entschlossen habe, das öffentlich zu
00:07machen, also meine Position öffentlich zu machen, mich gegen diesen israelbezogenen Antisemitismus einzusetzen.
00:14Und da nehme ich persönlich sehr in die Verantwortung auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, weil in meinen Augen hat er
00:22eben nicht dazu beigetragen, dass die Deutschen wirklich informiert wurden oder sich ein Bild machen konnten, sondern es wurde so
00:29oft mit Halbwahrheiten gearbeitet oder Kontext weglassen.
00:32So habe ich alle meine ehemaligen Kollegen und Freunde, die nicht jüdisch waren, verloren. Und die haben einfach aufgehört, ab
00:39einem bestimmten Punkt mit mir zu kommunizieren. Einfach, weil ich mich eben öffentlich für Israel eingesetzt habe.
00:52Willkommen zu einer neuen Folge von Schülerfragen. Was ist? Ich habe heute eine junge, erfolgreiche Schauspielerin aus Deutschland bei mir
00:58zu Gast, die auch Journalistin ist. Eine seltsame Kombination. Ich freue mich, Sarah Maria Sander zu Gast zu haben.
01:05Vielen Dank für die Einladung.
01:06Ja, Sie sind Schauspielerin. Sie haben an der Volksbühne gespielt in Berlin. Sie haben in verschiedenen Produktionen gespielt. Und Sie
01:14sind Jüdin. Das macht die Sache etwas speziell. Wie fühlen Sie sich so allgemein in Deutschland?
01:20Ach, wow. Eine schwere Frage. Wissen Sie, seit dem 7. Oktober 2023 hat sich tatsächlich für, glaube ich, alle Juden
01:29in Deutschland und überhaupt in der Welt alles verändert.
01:31Bis zu diesem Datum muss ich sagen, habe ich das Jüdischsein auch im Kontext meines Berufes im Theater und im
01:40Film eher als etwas betrachtet, was etwas Besonderes ist, aus was ich Inspiration schöpfe.
01:46Aber mit dem 7. Oktober und allem, was danach kam, war ziemlich klar, dass ich mit meiner Position als jüdischer
01:54Mensch, der sich auch noch laut und öffentlich für Israel einsetzt,
01:57eigentlich in dieser Branche inoffiziell als wie eine Art Schattenfigur dargestellt bin oder als jemand, der da nicht wirklich dazugehört.
02:08Und das habe ich jetzt in diesen zweieinhalb Jahren sehr, sehr stark erfahren, dass diese Branche tatsächlich nicht so ganz
02:16kompatibel da ist mit dieser Haltung, die ich habe, mit dem, was ich als jüdischer Mensch vertrete.
02:22Und das ist, glaube ich, ein großes, großes Problem. Und allgemein, wie ich mich als jüdischer Mensch in Deutschland fühle,
02:26nun, es ist extrem bedrohlich.
02:30Und ich glaube, die meisten, wenn nicht alle Juden hier in Deutschland, fragen sich, wie lange das noch gut geht
02:36und sitzen buchstäblich auf gepackten Koffern.
02:39Und es ist nicht mehr so eine Frage, ob es passiert, sondern sozusagen, wann es passiert, wann man Deutschland verlassen
02:44muss.
02:45Und deswegen ist meine Arbeit für mich auch so wichtig, weil ich sehr, sehr gerne vor allem die Menschen hier,
02:49die nicht jüdisch sind, darüber aufklären möchte, an welchem Punkt wir gerade uns befinden.
02:53Müsste man konsequenterweise nicht sagen, wann man Deutschland wieder verlassen muss?
02:57Ja, ja, sozusagen. Es ist wirklich sehr, sehr tragisch und traurig und eigentlich auch entsetzlich, weil ich hier viele Parallelen
03:06sehe zu einer sehr, sehr dunklen Zeit, die wir eigentlich in Deutschland nie wieder haben wollten.
03:11Und vielleicht einer der größten Parallelen ist, dass ein Großteil der Gesellschaft das irgendwie nicht wahrnimmt oder nicht wahrnehmen will
03:17und dass da eben sehr viel Gleichgültigkeit ist.
03:20Und das ist sehr, sehr erschreckend, weil, wie gesagt, alle Freunde, die ich hier in Berlin habe, aber auch deutschlandweit,
03:26die jüdisch sind, die teilen alle dieses gleiche Gefühl, dass die Bedrohungslage so schwer geworden ist
03:33und das Sicherheitsgefühl eben so bedrohlich wahrgenommen wird, dass wir wieder an diesem Punkt sind, wo wir denken, wann müssen
03:40wir Deutschland verlassen.
03:42Wovon fühlen Sie sich am meisten bedroht?
03:46Wissen Sie, es kommt aus sehr, sehr verschiedenen Milieus und Szenen, aber aus meiner Erfahrung, weil ich hier in Berlin
03:54lebe und das hier alles wahrnehme,
03:57ist das vor allem in meinen Augen aus dem linken Milieu und aus dem muslimisch geprägten Milieu.
04:03Natürlich gibt es auch Antisemitismus aus einer rechtsradikalen Ecke.
04:07In meiner Erfahrung ist das aber nicht das Bedrohliche, was ich hier wahrnehme, sondern es sind vor allem, wie gesagt,
04:13im Zuge des 7. Oktobers die arabische muslimische Szene,
04:17die sich sehr radikalisiert hat und die linke Szene.
04:20Mit links meine ich sowohl die Studenten, die sich links einordnen, als aber auch die Partei, muss man sagen, als
04:27auch überhaupt diese linksradikaleren Strömungen.
04:28In meinen Augen kommt da der bedrohlichste Antisemitismus.
04:34Das Interessante ist ja, dass Sie in der Kunst- und Kulturbranche eigentlich in einer Branche arbeiten,
04:40die sich sehr viel auf Toleranz und Weltläufigkeit, Weltoffenheit zugute hält, aber bestimmte Positionen für nicht akzeptabel findet.
04:52Das ist ja genau das Paradox, dass diese Branche oder dieser Beruf von Künstlern, der steht ja eigentlich für Menschlichkeit,
04:58ja für den Kampf für Gerechtigkeit, für den Einsatz auch für Minderheiten.
05:02Ich werde nicht lügen, vielleicht als ich noch ein bisschen jünger war, war das auch mein Anspruch, Schauspielerin zu werden,
05:07um Geschichten zu erzählen, um Geschichten zu erzählen, die nicht gehört werden, um Menschen eine Stimme zu geben und so
05:12weiter.
05:12Aber ich habe gemerkt, dass da sehr viel Selbstinszenierung ist.
05:16Das heißt, man gibt vor, man ist besonders politisch, man setzt sich für Minderheiten ein, für politische Themen.
05:21Man will so sehr zeigen, wie sehr man politisch ist, was für ein guter Mensch man ist,
05:26aber wenn es jetzt um dieses konkrete Thema geht, um Juden, um Israel, da hat man irgendwie alles über Bord
05:33geworfen.
05:33Und da ist dieser moralische Kompass dieser Branche komplett kaputt gegangen
05:37und hat sich halt gezeigt, wie selbstverliebt tatsächlich ein großer Teil dieser Branche ist,
05:44wie sehr die sich um sich selbst kreisen.
05:47Und eben die Juden und auch die Israelis, die am 7. Oktober abgeschlachtet worden sind,
05:53die waren plötzlich wie entmenschlicht.
05:55Es gab kein Mitgefühl, im Gegenteil, es wurde sehr viel gehetzt, sehr viel dämonisiert.
05:59Und mich schockiert das sehr, weil diese Kulturbranche sich eben für sehr, sehr moralisch überlegen hält
06:05und für, wir stehen über den Dingen, über der Politik, wir sind der Kompass, wir geben den Ton an,
06:11haben aber in meinen Augen seit zweieinhalb Jahren mindestens komplett versagt.
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06:42Was denken Sie, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie nie wieder ist jetzt hören als Parole?
06:48Das ist eine leider komplett leere Parole geworden. Komplett.
06:52Also es ist genauso wie mit der Staatsräson und mit auch Teilen unserer Erinnerungskultur.
06:57Es sind leider leere Worthülsen geworden.
07:01Es sind Sätze geworden, die man quasi sagen muss, aber die nicht mit Leben gefüllt werden.
07:07Weil diese nie wieder Parolen, die bringen ja nichts, wenn man auf der einen Seite sagt, man gedenkt den toten
07:14Juden,
07:14aber die lebenden Juden im Jetzt, die ignoriert man, das nimmt man nicht wahr.
07:18Oder beziehungsweise hilft man sogar, dass die Bedrohung für diese lebenden Juden noch schlimmer wird.
07:24Also es hat leider zum Großteil überhaupt keine Substanz und keine Bedeutung mehr.
07:29Sie melden sich da relativ häufig und relativ klar und dezidiert zu Wort.
07:33Und wir können da mal reingucken, was Sie zum Beispiel auf Ihrem Insta-Kanal haben.
07:37Der israelbezogene Antisemitismus, das ist die Grundlage für die Bedrohung meines Lebens in Deutschland aktuell.
07:44Es sind die Menschen, die mich als Zionistin wahrnehmen und dann mir drohen, mich und meine Familie zu töten.
07:51Es sind Menschen, die mir dreckige Jüdinnen hinterherrufen und gleichzeitig Free Palestine rufen.
07:56Es sind einige Politiker, die den Antisemitismus zwar anprangern, aber das nicht in Verbindung mit dem Hass auf Israel bringen.
08:03Es sind die Hochschulen, die wegblicken, wenn linke Demonstranten diese unter Intifade rufen, besetzen.
08:09Und es sind auch einige Medien, die Israel immer wieder dämonisieren und diesen Hass in der Gesellschaft weiter schüren.
08:15Und ich als junge Jüdin frage mich, warum das, diese Realität nicht im Zentrum jeder Debatte steht.
08:22Die Frage ist, wenn Sie das so erleben und wir haben hier auch in Kreuzberg gesehen, dass der 7. Oktober
08:30gefeiert wurde, regelrecht auf den Straßen.
08:34Meiden Sie bestimmte Stadtviertel? Können Sie sich in Berlin frei bewegen oder verzichten Sie dann darauf, sichtbar Davidstern zu tragen?
08:44Ich kann mich absolut nicht frei bewegen und vor allem natürlich nicht, seit ich mich entschlossen habe, das öffentlich zu
08:51machen, also meine Position öffentlich zu machen, mich gegen diesen Israel bezogenen Antisemitismus einzusetzen.
08:59Es gibt Bezirke in Berlin, die nach meinem Empfinden für mich sogar lebensgefährlich wären.
09:05Vielleicht denken jetzt manche, ich übertreibe, aber die reine Masse an Hass und Morddrohungen und Nachrichten, die mich erreichen oder
09:15teilweise auch die Situationen, die auf der Straße dann passieren,
09:19die empfinde ich wirklich als bedrohlich für mein Leben und meine Sicherheit.
09:23Und das sind eben Bezirke wie natürlich Neukölln, Teile von Kreuzberg und in dieser konkreten Ecke in der Stadt.
09:31Und mein Leben hat sich grundlegend verändert. Also ich lebe sehr, sehr zurückgezogen, sehr eingeschränkt, achte sehr, sehr auf meine
09:38Sicherheit.
09:39Mit Davidstern oder erkennbar jüdisch auf der Straße in Berlin zu sein, ist gefährlich.
09:46Seit eben zweieinhalb Jahren, natürlich auch schon davor, aber seit zweieinhalb Jahren ist es besonders deutlich geworden.
09:54Also ja, es ist extremst einschränkend, extremst bedrohlich.
09:58Und ich würde mir sehr wünschen, dass Menschen, die nicht jüdisch sind, vielleicht ein bisschen mehr begreifen, was die Realität
10:04gerade ist von Juden in Berlin und in ganz Deutschland.
10:07Jetzt beschäftigt sich die Politik ja seit Jahr und Tag mit dem Thema.
10:11Wir erinnern uns, dass gerade Kulturstaatsministerin Claudia Roth ehedem mit der Documenta Probleme hatte.
10:18Wir erinnern uns, dass der Berliner Kultursenator Jochialo versucht hat, eine Art Bekenntnis gegen den Antisemitismus zu etablieren bei Förderempfängern.
10:29Er ist daran gescheitert. Da war dann die Freiheit der Kunst das entscheidende Argument, der interessanterweise Kultursenator der Linken, Klaus
10:41Lederer, ist, wenn ich es richtig weiß, aus seiner Partei ausgetreten, wegen des grassierenden Antisemitismus.
10:47Jedes Mal zur Berlinale kann man eigentlich die Uhr nachstellen. Gibt es irgendeinen antisemitischen Skandal?
10:53Wie milieuprägend ist eigentlich Antisemitismus in Kunst und Kultur?
10:58Er hat sich, also dieser Antisemitismus oder diese moderne Form des Antisemitismus hat sich so verankert jetzt in diesen Milieus
11:07und in dieser Szene, dass meine Befürchtung ist, dass die meisten das gar nicht mehr wahrnehmen.
11:11Weil eben dieser Antisemitismus nicht mehr mit Stiefeln und mit Hackenkreuzen kommt und nicht offen sagt, wir sind gegen die
11:18Juden, sondern weil er sich eben tarnt.
11:19Und man sagt eben, wir haben nichts gegen die Juden, wir haben nur was gegen die bösen Zionisten, wir haben
11:24nichts gegen Juden, wir haben nur was gegen Israel, gegen die Politik und so weiter.
11:27Wenn man das aber analysiert, ist das am Ende des Tages immer noch der alte, wohlbekannte Judenhass.
11:34Und ich glaube, das ist das Problem, dass diese Milieus das nicht mehr wahrnehmen oder zumindest so tun, als ob
11:39sie es nicht mehr wahrnehmen.
11:40Und all das, was Sie gerade aufgezählt haben, es gibt viele Versuche. Ich nehme das auch durchaus wahr.
11:44Und ich nehme auch wahr, dass ein Teil der Gesellschaft, sogar ein Teil der Politiker, man merkt, dass sie das
11:50ernst nehmen wollen und dass sie etwas versuchen.
11:52Es bleibt leider in meinen Augen zu oft bei diesen Versuchen und man gibt zu schnell auf.
11:58Also man lässt sich auch zu schnell einschüchtern von zum Beispiel einer sehr linken studentischen Szene oder der Kulturszene.
12:08Und man sieht ab, da wirklich härter durchzugreifen und zu sagen, wir haben uns jetzt entschieden, wir machen was dagegen.
12:15Und das ist in meinen Augen das größte Problem, wenn man jetzt auch die Universitäten zum Beispiel anschaut, wie viele
12:20Demonstrationen da stattgefunden haben,
12:23wie viele Verwüstungen von Schulgebäuden, wie viele Unibesetzungen.
12:27Also Dinge, die einfach absolut alle Grenzen überschritten haben.
12:31Und Konsequenzen gab es in meinen Augen sehr, sehr wenige.
12:36Es wiederholt sich immer, immer wieder, wie Sie gerade gesagt haben, auf irgendwelchen Filmfestivals gibt es immer und immer wieder
12:43diese Palästina-Projekt.
12:47Es wird nicht besser, es verankert sich noch tiefer, es beißt sich quasi noch mehr fest, weil wir nicht entschlossener
12:56handeln,
12:57sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik. Und das nehme ich als riesengroßes Problem da wahr.
13:01Fand ich extrem spannend, weil Sie gesagt haben, wir sind eigentlich darauf konditioniert,
13:07dass Antisemitismus in Springerstiefeln und mit Hakenkreuzbinde daherkommt.
13:13Und in diesen Milieus hat man ja den Eindruck von sich, die Selbstwahrnehmung, man sei extrem progressiv.
13:20Aber zum Beispiel Israel wandle heute eigentlich auf den Spuren der früheren Nazis.
13:25Das ist eine ganz eigentümliche Verkehrung, die da eingesetzt hat.
13:30Sie haben die Hochschulen angesprochen. Wir haben noch einen kurzen Ausschnitt von Ihrem Account, wo es auch um Hochschulen geht.
13:36Studenten einer deutschen Hochschule hängen im Jahr 2026 Flugblätter auf, in denen gegen eine jüdische Gemeinde mobilisiert wird.
13:44Und ich frage mich an diesem Punkt, wie weit sind wir in diesem Land eigentlich gekommen?
13:49Oder anders gefragt, wie tief sind wir gesunken?
13:52Ja, Sie haben an der Hochschule Ernst Busch studiert. Ich gehe mal davon aus, dass Schauspielstudenten da anders drauf sind.
14:00Wissen Sie, damals, als ich studiert habe, da ist es mir nicht so aufgefallen, weil da war die politische Lage
14:09in Israel ein bisschen ruhiger.
14:10Da war das Thema Israel nicht so in den Nachrichten.
14:13Und es ist nicht aufgefallen. Aber jetzt, wenn ich jetzt auch sehe, wie nicht nur meine frühere Hochschule, aber auch
14:21andere Kunsthochschulen auf all das reagieren und was dort alles passiert,
14:26muss ich leider feststellen, dass Studenten, die Schauspiel studieren, Theater studieren, Kunst studieren, da sich leider gar nicht groß unterscheiden.
14:35Im Gegenteil, es gibt sehr, sehr viele Fälle, wo gerade an Kunsthochschulen dieser neue, in Anführungszeichen, Antisemitismus besonders grassiert und
14:44besonders sichtbar wird.
14:45Und das ist auch leider eine traurige Parallele, auch zu sehr dunklen früheren Zeiten.
14:53Es ist sehr, sehr traurig. Ich muss dazu noch sagen, seit ich diese Arbeit begonnen habe, also seit ich öffentlich
14:58mich für Israel einsetze,
14:59ich war ja auch viele, viele Monate in Israel, habe viele eigene Reportagen gemacht und das ist quasi zu meiner
15:04Hauptarbeit jetzt geworden,
15:08habe ich alle meine ehemaligen Kollegen und Freunde, die nicht jüdisch waren, verloren.
15:13Und die haben einfach aufgehört, ab einem bestimmten Punkt mit mir zu kommunizieren.
15:17Einfach, weil ich mich eben öffentlich für Israel eingesetzt habe.
15:21Und das waren nicht diese, wissen Sie, diese offensichtlichen Antisemiten.
15:26Im Gegenteil, das waren Menschen, mit denen ich befreundet war, mit denen ich gearbeitet habe, auf der Bühne, vor der
15:31Kamera.
15:32Und plötzlich ist irgendwas passiert, dass sie aus dem Leben verschwanden, komplett gleichgültig waren und dann natürlich sehr palästina-solidarisch
15:39geworden sind.
15:40Und da frage ich mich, nehmen wir eigentlich auch wahr, wie gefährlich diese Art von Propaganda ist?
15:44Und was meine ich mit Propaganda? Dieses Narrativ von einem Palästiner, das unterdrückt wird, von dem bösen, zionistischen Israel,
15:54das hat sich ja aufgebaut über viele Jahre, über Social Media, über die Medien und so weiter.
15:59Und das hat sich eben so festgebissen, dass die Menschen, glaube ich, selbst wenn sie deine Freunde und Kollegen sind,
16:04überzeugt sind,
16:05dass du der böse Zionist bist und dass es richtig ist, jetzt für ein freies Palästiner zu demonstrieren.
16:10Und das ist eben diese Gefahr, die von so einer Gehirnwäsche tatsächlich, entschuldigen Sie bitte diesen harten Ausdruck, aber so
16:16nehme ich das wahr, ausgeht.
16:18Konnten Sie mit diesen ehemaligen Freunden darüber sprechen?
16:23Tatsächlich fast gar nicht, weil da wirklich ein kompletter Abbruch jeglichen Kontakts stattgefunden hat.
16:30Und eben, wenn ich dann beobachtet habe, was diese Personen dann wiederum ein bisschen öffentlich so teilen,
16:35dann war das ziemlich klar, in welche Richtung sie sich bewegen.
16:38Und Gespräche waren kaum möglich.
16:41Und die Gespräche, die möglich waren, da habe ich leider auch schnell bemerkt,
16:45dass die Menschen da wie eine Mauer aufbauen.
16:48Und da kommt sehr, sehr wenig an.
16:50Und gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, nicht nur an meinen Kollegen und Freunden,
16:53sondern überhaupt auch an den ganzen Studenten an den Universitäten,
16:56sie wissen erstaunlich wenig, also geopolitisch, historisch, geschichtlich.
17:00Man hat überhaupt keine Grundlage aufgebaut und springt aber auf diesen Palästina-Zug auf,
17:08ohne, also mit fast gar keinen Kenntnissen.
17:11Und das werfe ich den meisten vor, dass sie denken, sie können sich äußern.
17:14Äußern kann sich jeder in diesem Land, ja.
17:16Aber dass sie diese Arroganz und Ignoranz haben,
17:19wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte,
17:21ohne sich tatsächlich mit irgendwas wirklich auseinanderzusetzen.
17:24Das ist ein interessanter Punkt.
17:26Der Nahostkonflikt begleitet ja eigentlich jeden,
17:28der Nachrichten hört, seit Menschen gedenken fast in der Nachkriegszeit.
17:33Und für die meisten sind die Details zu kompliziert.
17:37Also Yom Kippur-Krieg und was da alles.
17:40Dann gab es Camp David-Abkommen, Verhandlungen und wer da.
17:43Alles relativ unübersichtlich.
17:45Trotzdem haben aber viele eine relativ klare Meinung,
17:48die oftmals durch Bilder geprägt wird.
17:51Und gerade jetzt ist World Press-Foto des Jahres
17:53ein nachweislich gefälschtes Bild aus dem Gaza-Krieg geworden.
17:59Da läuft man natürlich gegen Mauern,
18:02wenn man die Hintergründe nicht in der Öffentlichkeit vermittelt bekommt
18:06und andererseits aber zugegebenermaßen ergreifende Fotos präsentiert bekommt.
18:11Wie kann es eigentlich dazu kommen, dass so einseitig berichtet wird?
18:16Eigentlich mangelt es ja nicht an vermeintlichen Nahost-Experten.
18:20Nun, das Problem ist, dass die meisten Nahost-Experten,
18:23die in vielen deutschen Talkshows sitzen,
18:27ja gut, sie nennen sich selber Experten,
18:29aber wenn man denen ein bisschen zuhört,
18:31fragt man sich, wie sie zu diesem Titel gekommen sind.
18:33Und diese Nahost-Experten zum Großteil haben die eine Meinung
18:38und eine Auslegung des Konfliktes.
18:40Und diese Experten werden dann zugelassen.
18:43Andere Stimmen, die andere Perspektiven vielleicht möglich machen würden,
18:47die werden teilweise überhaupt gar nicht eingeladen
18:50und finden gar nicht in diesem öffentlichen Diskurs statt.
18:52Weswegen natürlich ein Eindruck entsteht,
18:54dass all diese Nahost-Experten die Wahrheit sagen.
18:56Und das ist eben ein riesengroßes Problem.
18:58Und was Sie mit den Bildern angesprochen haben,
18:59wir leben in einer Zeit, vor allem mit Social Media,
19:02aber auch mit einer großen Macht der Medien sozusagen,
19:05wo Bilder sehr, sehr schnell Wirkung zeigen.
19:09Also die Menschen werden sehr, sehr schnell emotionalisiert.
19:11Viele Menschen, die sind ja so hier entfernt eigentlich
19:15von Kriegsgeschehen und die lassen sich eben sehr schnell emotionalisieren
19:19und können dann gar nicht mehr differenzieren.
19:20Und die palästinensische Seite sozusagen hat dieses Spiel mit Bildern
19:26sehr, sehr klug geführt.
19:30Als es in den Nachrichten war mit der Aushungerung der Zivilgesellschaft
19:35im Gazastreifen und diesem haltlosen Völkermordvorwurf,
19:40da hat man diese ganzen Vorwürfe mit Bildern, Videos, alles unterfüttert.
19:44Und das hat bei Menschen Emotionen ausgelöst.
19:46Das Problem war nur, dass sie nicht verstanden,
19:48dass sehr, sehr viele Bilder und Videos erstens fake waren,
19:52dass die inszeniert waren.
19:53Und zweitens haben sie auch die andere Seite gar nicht gesehen.
19:56Zum Beispiel die Grolltaten des 7. Oktober.
19:58Und all das, das tauchte buchstäblich bei vielen jungen Menschen
20:01in dem Feed von Social Media überhaupt nicht auf.
20:04Und natürlich hat das sehr, sehr geholfen,
20:06dass dieser Hass auf Israel noch mehr gewachsen ist,
20:10dass dieser israelbezogene Antisemitismus
20:13gar nicht mehr wahrgenommen werden konnte,
20:15weil man eben so emotionalisiert war.
20:17Und da nehme ich persönlich sehr in die Verantwortung
20:21auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk,
20:24weil in meinen Augen hat er eben nicht dazu beigetragen,
20:26dass die Deutschen wirklich informiert wurden
20:30oder sich ein Bild machen konnten.
20:31Sondern es wurde so oft mit Halbverhalten gearbeitet
20:34oder Kontextweglassung.
20:35Man hat jetzt nicht direkt gelogen,
20:37aber man hat es in so einem Rahmen präsentiert,
20:39der für Menschen, die sich damit nicht auskennen,
20:41überhaupt keine Chance gegeben hat,
20:43sich irgendwie selber eine Meinung zu bilden
20:45oder das ganze Bild zu sehen.
20:46Und das hat man konsequent in meinen Augen gemacht.
20:50Und wir sehen jetzt quasi die Konsequenzen all dessen.
20:56Also mir hat ein Mitarbeiter aus dem ARD-Studio in Israel
21:01unter der Hand und ganz geheim gesagt,
21:04also wir haben hier Bilder gezeigt von Lastwagenkonvois,
21:08die nicht nach Gaza reingelassen wurden.
21:10Wir haben aber nicht gezeigt,
21:11dass sie bereits hinter der Grenze in Gaza waren
21:14und dass sie eben nicht von den Israelis aufgehalten wurden.
21:17Und da ist natürlich eine seltsame Verschiebung am Werk,
21:20die man sich eigentlich auch schwer erklären kann,
21:22zumal ja viele Korrespondenten sehr jung sind
21:24und eigentlich von irgendwelchen Stereotypen
21:27unbelastet sein sollten.
21:28Kann man sich das irgendwie erklären?
21:29Im besten Fall sollten die Journalisten oder Reporter
21:33dort sozusagen keine Vorbelastung haben
21:37und über alles berichten.
21:38Aber das ist tatsächlich nicht passiert.
21:39Und das Beispiel, was Sie gerade genannt haben,
21:41das ist sehr prägend.
21:42Da gibt es sehr, sehr viele Beispiele in diese Richtung,
21:44dass man eben beschlossen hat,
21:46wo man hinsieht und wo man nicht hinsieht.
21:49Auch mit den Bildern über die hungernden Menschen da,
21:53wie Sie gesagt haben,
21:53da sind erstens viele Fake gewesen.
21:55Man hat aber zum Beispiel auch nicht gezeigt,
21:56einen anderen Teil von Gaza,
21:58den man bei Social Media übrigens auch öffentlich zugänglich finden konnte,
22:01wo in dieser gleichen Zeit Cafés aufgemacht wurden,
22:04wo Lebensmittel einfach verrotteten,
22:06weil die weggeschmissen wurden.
22:08Ja, also dieses ganze Bild hat man nicht gezeigt.
22:10Und man hat eben mit diesem Narrativ und mit dieser Rahmung
22:14ein Bild erzeugt, das eben zu dieser Dämonisierung führen konnte.
22:18Die ganzen Bemühungen von Israel,
22:21diese ganzen Tonnen, Millionen von Tonnen von Lebensmitteln,
22:24die an die Grenze gebracht wurden,
22:25die zugelassen worden sind,
22:27all das geriet in den Hintergrund.
22:28Und wissen Sie, was noch so dramatisch ist?
22:31Erst kamen Nachrichten raus und wurden überall verbreitet,
22:35wie Israel bombardiert ein Krankenhaus,
22:36Israel lässt keine Lebensmittel rein.
22:38Und das wurde so dramatisiert,
22:40der Aufschrei war riesig und Israel und Genozid und so weiter.
22:43Und als Israel dann wenige Zeit später
22:45dann für Aufklärung gesorgt hat,
22:47zum Beispiel, dass sich unter einem bestimmten Krankenhaus
22:49oder Schule ein Terrornetzwerk befunden hat,
22:52Eingänge zu tunneln,
22:53dass die Hamas da Waffen gehortet hat und so weiter,
22:56dass die Lebensmittel reingelassen worden sind.
22:58Das wurde da zwar auch,
22:59war irgendwie auch eine Mitteilung in den Nachrichten,
23:01aber das hat die Leute dann nicht mehr interessiert,
23:03weil das Eigentliche war schon in der Welt
23:05und das war das, was quasi dann geblieben ist.
23:08Aber kann es nicht auch sein,
23:09dass eine durch 80 Jahre Wohlstand und Frieden geprägte Unkenntnis
23:16und ein tiefsitzender, wie soll man sagen,
23:19Harmonie und Friedenswille dazu führt,
23:21dass die Deutschen gesagt haben,
23:22ja gut, da ist ein Krankenhaus drüber,
23:23kannst du nicht bombardieren.
23:24Also der existenzielle Kampf Israels ist, glaube ich,
23:29hier nur schwer nachvollziehbar.
23:30Und es kommt aus meiner Sicht noch ein zweiter Punkt hinzu.
23:34Die Deutschen sind mehrheitlich der Ansicht,
23:37irgendwie werden schon beide schuld sein.
23:39Und dann gibt es ja noch die Siedler.
23:41Und das ist so eine Schleife, wo man dann sagt,
23:45ja, andererseits kannst du auch keinen Bildern trauen.
23:49Und dann sind das ja Journalisten gewesen,
23:51die mit den Israelis reingegangen sind.
23:52Also wer weiß, was das wieder bedeutet.
23:54Und da sind wir schon bei einem Level von Leuten,
23:56die gewillt sind, sich damit zu beschäftigen.
23:58Alle anderen gucken die Bilder
24:00und haben ja ohnehin genug zu tun.
24:02Also es ist eine schwierige Gemengelage in Deutschland,
24:04gegen die man schwer ankommt.
24:05Ja, es ist sehr schwierig,
24:07weil da wirklich eine große Vereinfachung,
24:09also der Wunsch nach Vereinfachung besteht,
24:11Dinge ganz einfach zu begreifen.
24:13Aber der Nahe Osten und vor allem das,
24:15was dort passiert, ist eben auf der einen Seite
24:18überhaupt nicht einfach
24:19und auf der anderen Seite aber wiederum doch sehr einfach.
24:22Und da gebe ich immer oder versuche ich immer,
24:24dieses Beispiel zu geben,
24:25was vielleicht manchen Menschen
24:26ein bisschen die Augen öffnen kann.
24:28Die meisten Israelis, die haben einen einzigen Wunsch.
24:31Die haben einen Wunsch, in Frieden zu leben
24:33und nicht getötet zu werden
24:34und einfach nur zu leben, in Frieden mit ihren Nachbarn.
24:37Das Problem ist,
24:38wenn man diese Terrororganisationen als Nachbarn hat,
24:41als unmittelbare Nachbarn,
24:43das ist ja auch vielen gar nicht bewusst,
24:44wie klein Israel ist,
24:46einfach von der Fläche
24:47und wie nah alles beieinander ist.
24:49Was soll man dann tatsächlich tun,
24:51wenn es Nachbarn gibt,
24:52die einen einzigen Wunsch haben
24:54und zwar die Auslöschung deiner Familie,
24:57deines ganzen Volkes,
24:58deines ganzen Landes,
24:59die dich töten wollen.
25:00Und das haben wir ja am 7. Oktober ja auch gesehen.
25:02Die Kibbutzim im Süden,
25:03das waren eigentlich Kibbutzim
25:05und Menschen, die dort gewohnt haben,
25:06die eigentlich sehr,
25:07sehr auch an Friedensbewegungen beteiligt waren.
25:10Sie wollten Frieden mit ihren Nachbarn,
25:12mit der Gesellschaft in Gaza
25:13und die viele palästinensische Araber,
25:15die beteiligt waren an den Gräueltaten.
25:17Das waren teilweise Menschen,
25:19die auch diese Menschen in den Kibbutzim kannten.
25:22Das heißt,
25:22das hat auch noch einmal gezeigt,
25:24wie es ist extrem,
25:26eine sehr, sehr schwere Frage,
25:28wie Frieden möglich ist.
25:29Aber in meinen Augen beginnt er damit,
25:31dass unsere Nachbarn in Israel
25:33einmal vielleicht aufhören,
25:35Israel auslöschen zu wollen.
25:38Und dass diese ganze Indoktination,
25:39die im Gazastreifen ja passiert,
25:41auch durch die Hamas,
25:42wo Kinder aufwachsen,
25:43mit diesem Glauben,
25:45es ist richtig,
25:46als Erwachsener Juden zu töten.
25:48Dann stirbst du als Märtyrer.
25:49Und das ist deine ganze Lebensphilosophie.
25:51Das muss man erst mal bekämpfen,
25:53bevor man überhaupt über andere Fragen nachdenkt.
25:55Wenn man das in irgendeiner Weise
25:57der deutschen Gesellschaft hier klar machen könnte,
26:00wäre es, glaube ich,
26:01nicht so einfach,
26:01auf diesen Zug der Hetze und des Hasses aufzuspringen.
26:04Ein Problem bestand, glaube ich, darin,
26:06dass die israelische Botschaft in Berlin
26:08ausgewählten Journalisten
26:09tatsächlich Filmmaterial
26:10vom Angriff auf die Kibbutzim gezeigt hat,
26:14dass diese Bilder aber so grausam sind,
26:16dass man sie wirklich nicht
26:17in der Öffentlichkeit verwenden kann.
26:19Das ist also wirklich unerträglich.
26:22Das andere ist,
26:23ich glaube,
26:23es macht auch keiner Urlaub ins Derod,
26:25wo in früheren Zeiten
26:27eigentlich es schon völlig normal war,
26:29auf dem zentralen Platz
26:29mehrere Betonbunker zu haben
26:31und vom Kinderspielplatz direkt bei Alarm,
26:34wenn wieder irgendeine Rohrbombenrakete kam,
26:37in diese Bunker zu rennen.
26:39Das ist natürlich ein anderes Lebensgefühl,
26:41als wenn man in Kreuzberg sitzt
26:43und das Weltgeschehen kommentiert.
26:45Richtig, absolut.
26:47Welche Rolle spielt denn Migration
26:50für Ihre Lage in Deutschland?
26:53Also ich habe immer so ein bisschen das Gefühl,
26:55der Zentralrat der Juden
26:57vermeidet die direkte Benennung
26:59von eingewandertem Islamismus in Deutschland
27:04für den Antisemitismus.
27:06Es gab mal eine Kritik von Herrn Schuster
27:08an Angela Merkels Politik,
27:10die der dann auch umgehend
27:12wieder zurückgenommen hat.
27:14Also ich traue mich, diese Dinge anzusprechen,
27:16weil ich denke, wenn wir daraus ein Tabu machen
27:18oder darüber nicht sprechen,
27:20machen wir das Problem nicht kleiner,
27:21sondern wir ignorieren es,
27:22bis das Problem so groß ist,
27:23dass wir keine andere Wahl haben,
27:25als darüber zu sprechen.
27:26Also ich denke,
27:27es ist extrem wichtig, darüber zu sprechen.
27:28Und es ist die Realität,
27:31dass ein Großteil des modernen Antisemitismus,
27:34der Bedrohung für Juden in Deutschland
27:36aus einer arabisch-muslimisch geprägten Szene kommt.
27:40Das ist einfach Fakt.
27:42Das haben wir gesehen.
27:42Sogar am 7. Oktober selbst,
27:45wo hier in Bezirken wie Neukölln
27:47Süßigkeiten verteilt wurden,
27:48wo die Gräueltaten gefeiert wurden.
27:50Das haben wir immer wieder gesehen
27:51an den sogenannten Palästina-Protesten,
27:54wo sehr viele Muslime oder Araber beteiligt waren
27:59und auf Arabisch die Auslöschung Israels gefordert haben.
28:03Und das sehe ich persönlich an der Bedrohungslage,
28:06den Hassnachrichten, den Morddrohungen,
28:08die eben zum größten Teil von diesen Menschen kommen.
28:12Das ist einfach ein Fakt.
28:13Das können wir nicht ignorieren.
28:15Das heißt nicht, dass jeder Einzelne so denkt.
28:18Das bedeutet das nicht.
28:19Aber was bringt es uns darüber,
28:22nicht zu sprechen,
28:23aus Angst um Gottes Willen,
28:24dass wir irgendwie diesen Rassismusvorwurf dann bekommen?
28:27Wenn wir das ignorieren, wird es nur noch schlimmer.
28:30Und man muss ja einen Unterschied machen
28:34von Muslimen oder Arabern,
28:37die das nicht unterstützen,
28:38die einfach nur ein friedliches,
28:40demokratisches Zusammenleben wollen,
28:42aber eben auch von einem Großteil aus dieser Community,
28:45die sich radikalisiert hat
28:46und die eben diesen Hass verbreitet.
28:50Deswegen, ich bin ein sehr großer Befürworter,
28:52dass man sich traut, darüber zu sprechen,
28:54dass das nicht sofort in eine Schublade gedrängt wird,
28:57dass man da nicht sofort wie so einen Maulkorb bekommt.
28:59Wir müssen einfach als Gesellschaft,
29:01auch in der Politik,
29:04eine Sprache dafür finden,
29:06die wir leider, muss ich sagen, nicht gefunden haben.
29:09Und wir lassen es auch sehr, sehr einschüchtern.
29:11Und ich merke,
29:11ich habe ja auch in Berlin hier teilweise
29:13diese hasserfüllten Demos begleitet,
29:15also aus journalistischer Sicht mit der Kamera.
29:17Und die Arroganz oder diese Dreistigkeit,
29:22mit denen diese Menschen auch der Polizei gegenüber treten
29:26und den Journalisten,
29:27das hat Ausmaße angenommen,
29:30die keine Grenzen mehr kennt.
29:31Also diese Menschen haben so ein Selbstbewusstsein,
29:34so eine Arroganz und so eine Dreistigkeit.
29:36Und wir lassen uns so einschüchtern davon,
29:38da ist wirklich etwas komplett aus dem Gleichgewicht geraten.
29:41Das scheint mir irgendwie auch so ein blinder Fleck
29:44in der deutschen Öffentlichkeit zu sein.
29:45Karl Lagerfeld hat ja mal gesagt,
29:46man kann nicht immer sonntags nie wieder rufen
29:49und dann Millionen Menschen,
29:52die Israel auslöschen wollen, ins Land lassen.
29:54Ist relativ verdruckst in der Öffentlichkeit
29:56nur diskutiert worden.
29:58Und man hat immer Angst,
29:59kollektiv jemanden zu verdammen.
30:01Also spart man sich lieber die Debatte.
30:04Was mich mal noch interessieren würde,
30:06ganz persönlich,
30:07wenn man als Kind jüdisch aufwächst in Deutschland,
30:12wann merkt man, dass man irgendwie anders ist
30:15oder dass man in einer Sonderrolle ist?
30:18Als vierjähriges Kind kommt man sich ja nicht anders vor.
30:21Da klärt man ja genauso auf Bäume wie alle anderen.
30:24Also dringt das irgendwann ins Bewusstsein?
30:26Oder wie haben Sie das wahrgenommen?
30:29Ich glaube, das ist sehr, sehr individuell,
30:31muss ich sagen,
30:31weil es kommt immer auch darauf an,
30:33oder ich glaube sogar,
30:34es kommt am meisten darauf an,
30:35in welchem Umfeld man groß wird in Deutschland.
30:38Also sei es in der Stadt, auf dem Land.
30:41Wie ist die Gesellschaft in diesem Umfeld?
30:44Wie nimmt sie das wahr,
30:47dass da eine jüdische Familie ist?
30:49Und das ist, glaube ich, sehr, sehr individuell.
30:51Ich hatte, muss ich sagen,
30:54doch sehr viel Glück sozusagen.
30:56Es gab immer wieder kleinere Vorfälle.
30:58Aber in meiner Kindheit und Jugend
31:00war dieser Antisemitismus nicht so,
31:03war nicht so schlimm, sage ich mal so.
31:06Es gab immer wieder auch Vorfälle,
31:08vor allem in der Schule und so weiter.
31:10Aber es hielt sich wirklich in Grenzen.
31:12Aber das ist meine Erfahrung.
31:13Ich habe auch Freunde, die in meinem Alter sind,
31:16die vielleicht eher in der Großstadt
31:18auch aufgewachsen sind
31:19und die von ganz anderen Erfahrungen berichten.
31:23Wo teilweise sie mir auch sagen,
31:24dass dieser Antisemitismus,
31:26der aus der arabischen Ecke kommt,
31:27auch teilweise damals schon spürbar war.
31:30Menschen, die dann eher in anderen Bundesländern aufwachsen,
31:32erzählen mir,
31:33dass das vielleicht eher aus einer rechtsradikaleren Ecke kommt.
31:35Also es kommt wirklich sehr, sehr darauf an,
31:38in welchem Umfeld man aufwächst.
31:42Was man aber immer gespürt hat,
31:43oder was ich immer gespürt habe,
31:44ist, dass bei vielen Deutschen
31:46so eine Art Berührungsängste sind.
31:48Oder dass man,
31:49wenn man jetzt einen neuen Menschen getroffen hat,
31:52als Kind, als Jugendlicher und erfahren hat,
31:53man ist jüdisch, hat diese Verbindung,
31:55dass man wie,
31:56das wurde auch wie so ein Tabuthema behandelt.
31:58Also selbst das Wort irgendwie,
32:00du bist Jude, du bist Jüdin,
32:02das fiel sehr vielen Menschen schwer auszusprechen.
32:05Es war sehr, sehr schwer darüber zu sprechen,
32:07weil ich habe das Gefühl,
32:08dass die Menschen dann gleich das Gefühl haben,
32:10man will sie irgendwie angreifen,
32:11wegen der deutschen Vergangenheit und so weiter.
32:13Also es gab wirklich,
32:15man wusste nicht wirklich,
32:16wie man darüber spricht.
32:18Man hat sich irgendwie Mühe gegeben,
32:20da nicht auf den Schlips zu treten und so weiter.
32:22Wie gesagt,
32:23in meiner Wahrnehmung hat sich aber alles,
32:25und es tut mir leid,
32:26dass ich immer wieder bei diesem 7. Oktober spreche,
32:28aber ich denke wirklich,
32:29dass er für die Juden in Deutschland
32:30wirklich ein Moment war,
32:31der historisch ist,
32:32der alles wirklich für immer verändert hat.
32:36spätestens da spürst du es überall.
32:40Und wie gesagt,
32:40diese Bedrohungslage ist da.
32:42Und Freunde,
32:43die jetzt schon Kinder haben,
32:44also jüdische Freunde,
32:46die Kinder haben,
32:47die bringen ihren Kindern bei,
32:48wenn sie nicht an eine jüdische Schule gehen,
32:50dass sie nicht sagen,
32:51dass sie Juden sind,
32:52dass sie ihnen erklären,
32:56wie man wegrennt
32:56oder wie man sich versteckt
32:58und so weiter und so fort.
32:59Also wir leben jetzt in einer Zeit,
33:01wo es, glaube ich,
33:03vor allem für jüdische Kinder
33:05sehr, sehr schwer ist.
33:07Sehr, sehr schwer.
33:07Und ich bin quasi in dem Sinne,
33:09traue ich zu sagen,
33:10dankbar,
33:11dass ich früher Kind war,
33:13in einer Zeit,
33:14wo es noch nicht so offensichtlich war.
33:16Dem entnehme ich,
33:17dass es für Sie keine Option ist,
33:19das Jüdischsein irgendwie
33:21so im Alltag wegzuschummeln.
33:23Sie haben ja jetzt keinen Namen,
33:24dem man das direkt anmerken würde.
33:27Wenn Sie jetzt keinen Davidstern umhecken hätten,
33:29würde man jetzt das nicht zwingend erkennen
33:31im Straßenbild.
33:33Wissen Sie,
33:34alles, was ich tue,
33:35das klingt jetzt so ein bisschen idealistisch,
33:36aber ich glaube wirklich daran,
33:37nicht nur für mich,
33:38sondern wirklich für,
33:41es ist ein Versuch,
33:42auch den Juden in Deutschland
33:43in irgendeiner Weise zu helfen.
33:44Weil wenn wir an den Punkt kommen,
33:46wo es besser ist für Juden in Deutschland,
33:48nicht zu zeigen,
33:49dass sie jüdisch sind,
33:50zu verstecken,
33:50dass sie jüdisch sind,
33:52dann,
33:54das ist fatal,
33:55weil dann befinden wir uns
33:57schnurstracks wieder
33:57in Richtung der 30er Jahre,
34:00wo wir eigentlich nie wieder hinwollten.
34:02Weil es ist nicht die Lösung zu sagen,
34:05zeig einfach nicht,
34:06dass du jüdisch bist,
34:07versteck,
34:07dass du jüdisch bist
34:08und dann ist alles gut.
34:09An dem Punkt waren wir schon mal
34:11und das hat nie zu etwas Gutem geführt.
34:13Und ich denke,
34:13solange Juden hier in Deutschland sind
34:16und hier leben wollen,
34:19müssen sie in Freiheit leben,
34:21müssen sie sich,
34:21dürfen sie sich nicht verstecken,
34:24müssen und dass wir an diesem Punkt sind
34:27und dass ein Großteil der Gesellschaft
34:28das nicht als Schock wahrnimmt
34:30und nicht als etwas wahrnimmt,
34:31was man unbedingt jetzt bekämpfen muss,
34:34das stimmt mich sehr, sehr nachdenklich.
34:36Weil selbstverständlich,
34:37das sagen auch viele Juden,
34:38wenn es nicht mehr auszuhalten ist,
34:40gehen wir nach Israel.
34:41Diese Möglichkeit gibt es.
34:42Diese Möglichkeit hatten die Juden
34:45während der Shoah,
34:46während des Holocaust ja nicht.
34:47Jetzt gibt es Israel.
34:48Aber die Frage ist,
34:49müssen sie nach Israel,
34:50weil sie es hier nicht mehr aushalten,
34:52weil das zu bedrohlich ist für ihr Leben
34:54oder gehen sie nach Israel,
34:56weil sie das möchten?
34:56Das ist ein sehr, sehr großer Unterschied
34:58und dafür kämpfe ich.
35:00Und für mich, wenn sie fragen,
35:01gibt es überhaupt keine Option,
35:03quasi das zu verstecken.
35:05Ich könnte das nicht mit meinem Gewissen
35:06oder mit meiner Einstellung,
35:08könnte ich das nicht vereinbaren.
35:09Ist ja interessant,
35:10dass wir in einer Gesellschaft leben,
35:11die eigentlich bei jeder Gelegenheit
35:13Vielfalt predigt,
35:14aber dann stillschweigend
35:17Übereinkünfte pflegt,
35:17wer nicht dazu gehört.
35:19Also AfD-Wähler gehören nicht dazu,
35:21Rechte sowieso nicht.
35:22Und naja,
35:24also Freunde Israels
35:25muss man auch erst mal gucken.
35:26Das ist schon eine eigentümliche Lebenslüge,
35:29habe ich so ein bisschen den Eindruck.
35:31Lassen Sie uns kurz über die Rolle
35:33der deutschen Politik sprechen.
35:34Es gibt ja seit Jahr und Tag
35:35einen Antisemitismusbeauftragten.
35:37Seit einiger Zeit gibt es auch
35:38einen Beauftragten
35:39für antimuslimischen Rassismus.
35:43Und es gibt jede Menge Gedenktage
35:45und Orte,
35:46es gibt Stolpersteine,
35:48wo gedacht wird.
35:49Also am Gedenken mangelt es erst mal nicht.
35:52Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht
35:55die deutsche Politik?
35:56Sind das viele hohle Rituale
35:58oder ist da ernsthaftes Gedenken
36:02und ernsthafte Konsequenz auch draus?
36:05Wir haben ja auch schon
36:05die Staatsräson angesprochen.
36:06Ja, also ob dahinter
36:10ernsthaftes Gedenken steht,
36:13glaube ich schon,
36:13weil ich kann nicht
36:14anderen Menschen vorwerfen,
36:15dass sie das nur so tun,
36:17damit das gut aussieht.
36:18Ich kann es nicht sagen.
36:19Bei manchen denke ich manchmal,
36:20dass das nur gemacht wird,
36:22um das quasi abzuhaken.
36:23Bei manchen sehe ich aber durchaus,
36:25dass da der Wunsch schon da ist,
36:26etwas zu tun
36:27und Respekt der Vergangenheit zu zollen
36:29und sich zu erinnern.
36:30Das Problem ist,
36:31dass die allermeisten Erinnerungsrituale
36:34wirklich Rituale geworden sind.
36:36Und auch das Wort Staatsräson
36:38und nie wieder ist jetzt all das,
36:39das hat absolut gar keine Bedeutung
36:42in vielen Fällen,
36:42weil es eben keine Konsequenzen gibt
36:44und weil man sich gleichzeitig
36:45von bestimmten Milieus und Szenen
36:47so einschüchtern lässt,
36:48auch politisch gesehen einschüchtern lässt,
36:50wahrscheinlich so Angst hat,
36:51irgendwie Wähler zu verlieren
36:52oder ich weiß es nicht,
36:54dass daraus keine Konsequenzen folgen.
36:57Und man hätte so viele Dinge,
37:01Härte durchgreifen können.
37:02Man hätte so viel schneller
37:04als zum Beispiel diese ganzen Demonstrationen
37:08auch teilweise,
37:10muss ich in meiner Ansicht nach sagen,
37:12auch verbieten sollen,
37:13weil das hat alle Grenzen
37:14der Meinungsfreiheit überschritten
37:16ab einem bestimmten Punkt.
37:18Und das ist nicht passiert.
37:20Und das sehen wir auch
37:22an der jetzigen Debatte,
37:23wo es um Iran, Israel und so weiter geht.
37:26Man ist so extrem vorsichtig,
37:28man will so sehr diplomatisch sein
37:29und man will so sehr Frieden und Gespräche
37:32und niemanden einschüchtern
37:34und niemanden irgendwas Falsches sagen.
37:36Aber so funktioniert das nicht,
37:38weil unsere,
37:39quasi die Toleranz von den klugen Menschen
37:42wird dann quasi nur missbraucht
37:44von denen, die das dreist ausnutzen.
37:46Und da wird dieser Begriff
37:48auch der Meinungsfreiheit
37:50und der Freiheit in der Demokratie
37:53bis ins Lächerliche gezogen.
37:55Verstehen Sie?
37:55Und dann der Effekt
37:57oder die Konsequenz ist nicht,
37:58dass da wir die Meinungsfreiheit verteidigen,
38:01sondern dass wir einfach
38:01Hass und Hetze gedeihen lassen.
38:04Und das ist unfassbar fatal.
38:08Nehmen Sie dem Kanzler
38:09seine Bewegtheit,
38:11seine Tränen ab,
38:13wenn er beim jüdischen Kultusverein
38:15in München spricht
38:16oder bei der JU in Darmstadt
38:18und dann wenig später
38:20die Waffenlieferung an Israel,
38:22aus meiner Sicht eine Zäsur,
38:25in deiner deutschen Nachkriegspolitik aussetzt?
38:29Oder sind das zwei Dinge,
38:30die ganz offensichtlich
38:31bei Ihnen getrennt ablaufen?
38:33Das wirkliche Bewegtsein
38:35und das politische Taktieren?
38:38Irgendwas läuft da definitiv getrennt ab,
38:40weil wenn man beides nebeneinander stellt,
38:42kann man nicht so nicht,
38:43also ich kann nicht ganz nachvollziehen,
38:45wie beides nebeneinander funktionieren kann.
38:47Ich glaube ihm schon,
38:49weil ich sehe überhaupt keinen Grund,
38:51dass er das jetzt vorspielen soll.
38:53Man hat, glaube ich, auch gesehen,
38:54dass er wirklich bewegt war.
38:55Ich glaube schon,
38:56in diesem Moment waren das
38:57aufrichtige, richtige Emotionen.
38:59Auf der anderen Seite frage ich mich,
39:01genauso wie Sie sich gerade fragen,
39:02wie dann eben das andere möglich war.
39:05Und da ist, glaube ich,
39:06dieser, dieser,
39:08da fehlt irgendwie es an Verständnis,
39:10was,
39:11wie Israel mit Juden zusammenhängt
39:14und wie diese Selbstverteidigung
39:16auch mit unserer ganzen Erinnerungskultur
39:19zusammenhängt.
39:20Weil während der Shoah,
39:21während des Holocaust,
39:22hatten die Juden keinen eigenen Staat.
39:24Sie waren sozusagen wehrlos
39:26und sind leider wehrlos
39:28in diese Gaskammern gegangen.
39:30Und nach der Shoah
39:32wurde Israel gegründet.
39:33Und der Grund ist auch,
39:35dass Juden,
39:36dass dieses Volk nie wieder wehrlos ist
39:38und sich selbst verteidigen kann.
39:39Und das ist existenziell wichtig,
39:41weil die Geschichte uns gezeigt hat,
39:43dass Juden immer wieder,
39:44auch von Europa,
39:45immer wieder verraten wurden.
39:47Das dann schließlich
39:47zu diesem Zivilisationsbruch
39:49der Shoah geführt hat.
39:51Die Selbstverteidigung Israels,
39:52das hängt zusammen sozusagen
39:54mit dieser Erinnerungskultur,
39:56die man ja hier so sehr feiert
39:57und in den Vordergrund stellt.
39:59Und da als,
40:00wenn eine Regierung
40:01oder eine Partei
40:02oder ein Politiker dann sagt,
40:04aber Waffenlieferung nach Israel,
40:05das machen wir dann nicht,
40:06dann frage ich mich wirklich,
40:08wie geschichtsvergessen kann man sein
40:11und wie wenig Verständnis
40:12man haben kann.
40:13Verstehen Sie also,
40:14da gibt es große,
40:15große Diskrepanzen.
40:16Es ist immer heikel,
40:19mit Juden über Israel zu sprechen,
40:21weil man dann im Grunde genommen
40:24so ein bisschen unausgesprochen sagt,
40:26ja, also ihr seid zwar Deutsche,
40:28aber irgendwie gehört ihr ja auch zu Israel.
40:31Aber ich habe mit Michael Wolfs
40:32so zwei große Interviews gemacht,
40:35wo ich auch über die Rolle
40:37von Benjamin Netanyahu gesprochen habe.
40:38und da sagte er in der Tat,
40:42so stark wie Netanyahu
40:44in Israel polarisiert,
40:46sei er skeptisch,
40:48ob er dort noch eine produktive Rolle
40:49spielen könne,
40:50so stark wie er vom Ausland
40:52angefeindet werde.
40:53Es gibt ja sogar
40:54einen internationalen Haftbefehl
40:55gegen ihn.
40:58Verleite ihn das gewissermaßen
40:59schon wieder zur Solidarität
41:01und man kann ja nicht anders,
41:03als wenn man die Dauer
41:04der Regentschaft von Netanyahu anguckt,
41:07ihn zu den prägenden Figuren
41:10im gesamten Nahen Osten
41:12zu zählen,
41:14nicht zuletzt jetzt beim Angriff
41:16auf den Iran,
41:16der ja ganz stark von Israel
41:17ausgegangen ist.
41:19Wie sehen Sie die Figur
41:21Benjamin Netanyahu?
41:22Ist er ein Feindbild des Westens,
41:25wenn man sich anguckt,
41:26diesen Haftbefehl?
41:27Oder ist er jemand,
41:29der die Stärke Israels zusammenhält,
41:33auch mit sehr seltsamen
41:34Koalitionspartnern?
41:36Also schauen Sie,
41:37es gibt auf der einen Seite
41:38diese Wahrnehmung dazu,
41:39was Netanyahu hier im sogenannten
41:41Westen ja gemacht worden ist.
41:43Und was da passiert ist,
41:45das ist ja nicht passiert,
41:46dass man sich wirklich nur kritisch
41:47mit einem Politiker
41:48auseinandergesetzt hat,
41:49sondern er wurde dämonisiert.
41:51Das ist ja der Teufel schlechthin
41:52für sehr, sehr viele Menschen
41:54hier im Westen.
41:57Und das ist ein in dem Sinne
42:00großes Problem,
42:01weil da wurde gar nicht mehr
42:02so drauf geachtet,
42:03ach, was macht dieser Mensch politisch?
42:04Man kritisiert bestimmte Entscheidungen,
42:07sondern er war wirklich
42:08das Böse schlechthin.
42:10Und das ist in meinen Augen
42:11eine Katastrophe gewesen,
42:12weil das zeigt auch wieder,
42:14wie besessen und versessen
42:16man auf dieses Thema Israel ist.
42:18Kein anderes Land
42:19hat die gleiche Obsession erfahren
42:21wie Israel und wie Netanyahu.
42:25Interessanterweise brechen da
42:26manchmal auch Dämme,
42:28wo man den Eindruck hat,
42:28da ist etwas Unterbewusstes
42:30nach vorne getreten,
42:32bei Karikaturen,
42:33wo Netanyahu dann plötzlich
42:34wieder die klassische
42:35Hakennase hat.
42:36Absolut.
42:36Wo man zusammenzuckt und
42:38der Zeichner muss es
42:40beim Zeichnen gemerkt haben,
42:41aber er hat es nicht gemerkt.
42:42Absolut, absolut.
42:43Also da, wie gesagt,
42:44da wurde jede Grenze
42:46wurde da überschritten.
42:49Es ist überhaupt kein Geheimnis,
42:51dass Netanyahu auch in Israel
42:53sehr, sehr umstritten ist
42:54und dass vor allem
42:54innenpolitisch gibt es
42:55extrem viele Probleme.
42:58Was aber die Außenpolitik
42:59oder beziehungsweise auch
43:00das Sicherheitsinteresse
43:02Israels betrifft,
43:03muss man trotzdem rein,
43:05also ganz sachlich feststellen,
43:07dass es viele Entscheidungen gab,
43:09die sehr, sehr richtig waren.
43:11Man erinnert sich auch an die
43:12Pager-Attacke,
43:13wie stark die Hezbollah
43:15im Libanon geschwächt ist,
43:16wie stark das Mullah-Regime
43:18im Iran geschwächt ist.
43:20Da waren so viele,
43:23und das sage ich hier offen,
43:24sehr kluge Entscheidungen,
43:26außenpolitisch, geopolitisch gesehen,
43:29unter der Regierung von Netanyahu
43:32dabei gewesen,
43:33die, glaube ich,
43:34auch in die Geschichtsbücher
43:35eingehen werden.
43:37Die Frage ist,
43:39schauen Sie,
43:40ich glaube,
43:40die meisten Menschen hier,
43:41die sprechen ja nicht mehr Hebräisch
43:42und setzen sich tatsächlich
43:43nicht wirklich tiefgehend
43:44mit der Politik
43:45in Israel auseinander.
43:47Die verstehen das meiste nicht,
43:49aber sie sagen,
43:49Netanyahu ist das,
43:51Netanyahu ist dieser Teufel
43:52und so weiter.
43:53Aber es fehlt tatsächlich
43:53an Auseinandersetzung.
43:54Ich würde es diesen Menschen abkaufen,
43:56wenn sie sich tatsächlich
43:56mit der Innenpolitik
43:57auseinandersetzen würden,
43:58aber das passiert ja nicht.
44:00Und deswegen ist da,
44:01muss man da verschiedene
44:02Eben quasi trennen.
44:03Diese eine,
44:05in Anführungszeichen,
44:06westliche Kritik an Netanyahu,
44:07die in manchen Fällen,
44:08wie Sie gesagt haben,
44:09manchmal sogar blanker Antisemitismus
44:10ist und einfach eine Dämonisierung,
44:12weil man ohnehin Israel hasst.
44:13Und eine differenzierte Kritik,
44:16die absolut gerechtfertigt ist
44:17und die die Israelis
44:18ja selbst andauernd machen.
44:19Das vergisst man ja auch.
44:21Israel ist eine so lebendige Demokratie.
44:23Ich war im Zuge meiner Arbeit
44:24sehr oft auch in der Knesset,
44:25habe Sitzungen angehört,
44:26wie die Menschen da miteinander
44:27und Politiker auch diskutieren,
44:29debattieren.
44:30Das ist vielleicht
44:30eine lebendigere Demokratie,
44:32als wir sie hier in Deutschland ausleben.
44:34Da wird so viel gestritten
44:35und so viel protestiert
44:37und widersprochen und so weiter.
44:39Aber das nimmt man ja hier gar nicht wahr.
44:41Man hat hier den Eindruck,
44:42es gibt diesen Netanyahu,
44:43das ist quasi wie so ein Führer
44:46und dann gibt es dieses Volk,
44:48das ihm dann gehört.
44:50Also es ist eine wirklich,
44:51wenn man sich mal durchliest,
44:53was es für Vorstellungen von Israel,
44:56der Regierung Netanyahu,
44:57hier im Westen gibt,
44:57dann ist das absolut absurd,
44:59wenn man die Realität in Israel kennt.
45:01Also es ist komplex.
45:05Ob das noch eine Zukunft hat,
45:06vor allem nach so vielen Jahren
45:07der Regierung, ist fraglich.
45:09Aber das sollen dann bitte
45:10auch die Israelis entscheiden,
45:11weil es ist ja auch nicht so,
45:12dass die Israelis sich hier
45:14in unsere Politik einmischen.
45:16Wissen Sie, diese Obsession mit Israel,
45:18das ist, als ob in Israel
45:20dauernd im Fernsehen eine Debatte lief,
45:22wie Deutschland hier politisch steht,
45:26wie Friedrich Merz sich denn macht.
45:29Und zwar 24 Stunden sieben.
45:30Das wäre vollkommen absurd.
45:32Aber in Deutschland zu der Hochzeit,
45:34also als das noch sehr aktuell war
45:35mit Gaza, mit Israel,
45:38ununterbrochen Debatten über Israel,
45:40über Netanyahu.
45:41Also es war wirklich,
45:42es war obsessiv.
45:43Und das hat vieles, glaube ich,
45:46offengelegt und dass da eben
45:47mehr dahinter steckt.
45:48Sie haben die Pager-Attacke angesprochen.
45:50Es gibt eine, wie ich finde,
45:51sehr spannende und sehenswerte
45:52Dokumentation im ZDF
45:54über Operation Apollo, heißt die.
45:56Richtig.
45:57Wo Sie auch drin vorkamen.
45:59Ich habe jetzt Ihren Part
46:00nicht gefunden mehr in der Mediathek.
46:03Da wurde leider,
46:03ist leider viel im Schnitt
46:04zum Opfer gefallen.
46:06Aber wir hatten ein sehr,
46:06sehr langes Interview.
46:08Und auch mit meinem Kollegen
46:09und Partner Alon David,
46:11der ein Freijournalist ist
46:12in Deutschland und in Israel.
46:14Der Hintergrund ist,
46:15dass ich,
46:15als ich beschlossen habe,
46:17nach Israel zu gehen,
46:17um Reportagen,
46:18Interviews zu führen,
46:19Videos zu machen,
46:21hat mich Alon David,
46:22der ein Deutsch-Israeli ist,
46:24in den Norden Israels genommen,
46:25ins Kibbutzdan.
46:26Das ist unmittelbar an der Grenze
46:27zum Libanon.
46:28Und wir waren dort monatelang
46:29unter Hezbollah-Beschuss
46:30und haben auf Deutsch berichtet
46:31und haben quasi in dieser Zeit
46:33auch alles mitbekommen,
46:34als diese Pager-Attacke war.
46:36Und dementsprechend haben wir viel
46:37bei dieser Produktion auch mitgeholfen,
46:40mitgearbeitet und so weiter.
46:41Aber diese Attacke
46:42und überhaupt das Vorgehen
46:44gegen die Hezbollah,
46:45das da wirklich,
46:47ich muss sagen,
46:47wirklich Hut ab,
46:48wie klug,
46:52wie zielführend und modern
46:54teilweise dieser Kampf
46:55da tatsächlich war,
46:56in meinen Augen.
46:57Und wissen Sie,
46:57dort im Norden Israels
46:58unter dem Hezbollah-Beschuss
47:00und da gab es viele Situationen,
47:01die lebensgefährlich waren,
47:02weil die Hezbollah hat ja
47:04absolut alles beschossen,
47:05keine Militäreinrichtung,
47:06sondern zivile Einrichtungen,
47:07Häuser, wo wir waren,
47:09hat mir noch einmal vor Augen geführt,
47:10was für ein schwerer Kampf
47:12das ist gegen eine Terrororganisation.
47:13Und wenn du dich im Norden Israels
47:14an der Grenze zum Libanon
47:16und der Hezbollah-Beschuss befindest,
47:18dann denkst du nicht daran,
47:19ach, könnten wir vielleicht
47:20jetzt mit der Hezbollah
47:21oder mit der Regierung
47:22im Libanon reden,
47:22dann betest du und hoffst du,
47:24dass die israelische Armee
47:25stark genug ist,
47:26das zu bekämpfen
47:27und dich zu verteidigen.
47:29Und da kommen wir wieder dazu,
47:30wie privilegiert manche Menschen
47:32in Deutschland sind,
47:33die einfach kein Verständnis haben,
47:35wie es ist,
47:35in so einem kleinen Land zu leben,
47:36umgeben von islamistischen
47:38Terrororganisationen,
47:39die dich töten wollen.
47:41Jetzt ist Ihre Passage
47:42ganz sicherlich nur
47:43aus Gründen des Schnitts
47:45und der Länge dahin fallen.
47:46Gibt es so etwas wie
47:48jüdische Cancel Culture
47:49in Deutschland,
47:50anti-israelische Cancel Culture?
47:53Ja, also bei der konkreten
47:54Reportage sicherlich nicht,
47:56weil das war ein ganz,
47:56ganz tolles Team.
47:58Aber grundlegend absolut,
48:00absolut.
48:00Also ich erlebe das ja selbst.
48:02Mein Hauptberuf,
48:03das habe ich ja hier studiert
48:05in Berlin,
48:05das war mein Beruf.
48:06Ich war Schauspielerin
48:07am Theater,
48:08im Film.
48:09Und nach dem 7. Oktober,
48:11seit ich mich so öffentlich
48:11positioniert habe,
48:12bin ich komplett ausgeschlossen worden.
48:14Sogar,
48:15das ist jetzt ein bisschen
48:16durch die Medien gegangen,
48:17habe ich aktuell
48:17ein Gerichtsverfahren.
48:19Da ging es um ein Filmprojekt,
48:21für das ich das Drehbuch
48:22geschrieben habe,
48:23wo es einen Vertrag gab,
48:25wo zugesichert war,
48:26vertraglich,
48:27ich spiele die Hauptrolle,
48:28ich habe das Mitspracherecht.
48:29Und da wurde ich von der Produktion
48:31ausgeschlossen,
48:31aus diesem Vertrag,
48:32weil man mir gesagt hat,
48:34ach, deine öffentliche Arbeit,
48:36deine Position,
48:37oh, das ist ein Risiko
48:39für Filmfestivals,
48:40Schauspieleragenturen
48:41wollen nicht mit dir arbeiten.
48:42Wir können nicht
48:43mit dir zusammenarbeiten.
48:44Und was ich erlebe,
48:45erleben sehr, sehr viele
48:47israelische Künstler
48:49oder auch jüdische Künstler,
48:51die sich offen
48:52für Israel einsetzen.
48:55Ja, ich muss sagen,
48:57ich erlebe das,
48:58ich sehe das,
48:58es gibt eine Cancel Culture,
49:00dass bestimmte Positionen
49:01und Stimmen,
49:02wenn sie jüdisch sind
49:04und sich zu Israel beziehen,
49:06aus dem öffentlichen Raum
49:07verschwinden müssen.
49:09Iris Berben
49:09analysiert sich relativ klar.
49:12Ist das eine Ausnahme?
49:14Leider, leider.
49:16Es gibt, es gibt,
49:17das will ich auch immer
49:17an dieser Stelle sagen,
49:18ich sage nicht,
49:18dass es überhaupt
49:19keine Personen gibt.
49:20Es gibt bekannte,
49:23auch Künstler,
49:25filmschaffende Schauspieler,
49:26die etwas versuchen,
49:27die sich einsetzen
49:28und die teilweise
49:29ja auch nicht jüdisch sind.
49:30Aber es sind wenige.
49:31Ich muss sagen,
49:32es sind wirklich,
49:32wirklich wenige.
49:33Und man muss dazu sagen,
49:35man fragt sich vielleicht manchmal,
49:36warum nicht noch mehr jüdische
49:37oder israelische Künstler
49:39da lauter werden.
49:40Das Problem ist,
49:41viele haben Angst,
49:43weil wenn sie nicht
49:44einen bestimmten Status haben,
49:45wo sie sich quasi
49:46das leisten könnten,
49:47würden sie ja
49:48ihren Beruf verlieren
49:49und würden ihre
49:50Lebensgrundlage verlieren,
49:51würden keine,
49:52keine Engagements mehr bekommen.
49:53Und da stellt sich natürlich
49:54die Frage,
49:54mache ich das?
49:56Riskiere ich da
49:57meinen Beruf
49:58und mein Leben
49:58oder mache ich das nicht?
49:59Ich habe mich dazu entschlossen,
50:00aber diese Entscheidung
50:02hat mich sehr, sehr viel gekostet,
50:04meinen eigentlichen Beruf,
50:06meinen Kollegen,
50:07meinen Freundeskreis,
50:08meine Sicherheit.
50:09Es hat alles
50:10auf den Kopf gestellt.
50:11Und ich verstehe auch,
50:12wenn vor allem Juden sagen,
50:14wir haben Angst,
50:15das zu tun.
50:16Aber viele eben,
50:17die nicht jüdisch sind,
50:17da hätte ich mir schon
50:19sehr gewünscht,
50:19dass es da mehr Stimmen
50:21gegeben hätte.
50:22Letzte Frage,
50:23hat jüdisches Leben
50:24eine Zukunft
50:25in Deutschland
50:26und in Europa?
50:28Sehr schwere Frage.
50:30Wenn es so weiter geht,
50:32wie es jetzt gerade aussieht
50:33und wenn man nicht härter
50:35durchgreift,
50:36muss ich leider sagen,
50:37sieht es nicht so gut aus.
50:39Es sieht nicht gut aus,
50:41weil es dann darauf hinausläuft,
50:43dass man, wie gesagt,
50:43sich entweder verstecken muss,
50:45dass man jüdisch ist
50:48oder Polizeischutz braucht
50:50oder eben auswandern muss.
50:52Ich sehe noch Hoffnung,
50:53weil ich sehe auch
50:53im Zuge meiner Arbeit,
50:54ich komme mit vielen Deutschen
50:56auch in Kontakt,
50:56ich gebe viele Vorträge,
50:57ich sehe,
50:58es gibt viele Menschen
50:59in Deutschland,
51:00die das wahrnehmen
51:01und die was dagegen tun wollen
51:02und die das nicht hinnehmen wollen.
51:04Man muss jetzt irgendwie
51:04sich nur zusammenschließen
51:05und sehen,
51:06was können wir tatsächlich tun?
51:07Wir können wieder Politik,
51:09der Zivilgesellschaft
51:09klarer machen,
51:11dass das etwas getan werden muss.
51:13Und ich glaube nur,
51:15wenn wir dann langsam hoffen,
51:16und ich jetzt bald aufwachen,
51:18weil langsam wird es wirklich
51:19sehr, sehr knapp,
51:20hat jüdisches Leben eine Zukunft,
51:22aber es muss sich was ändern.
51:25Sehr, sehr viel.
51:27Haben Sie vielen Dank.
51:28Danke.
51:28Das war Schülerfragen,
51:29was ist mit Sarah Maria Sander,
51:32die uns erklärt hat,
51:33welche Zukunft jüdisches Leben
51:35in Deutschland und Europa
51:36überhaupt noch hat,
51:38warum viele Juden
51:39auf gepackten Koffern sitzt
51:40und das ist auch eine
51:41anti-israelische Cancel Culture.
51:44Es gibt ein Gespräch,
51:44nachdem man vielleicht
51:46sich eine Runde Zeit nehmen sollte
51:48und es sacken lassen.
51:49Haben Sie vielen Dank.
51:50Vielen Dank, Ihnen.
51:51Sandra Maria Sarah.
51:51Danke.
51:52Vielen Dank.

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