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00:00:00Sie lebten länger auf der Erde als moderne Menschen. Die Neandertaler.
00:00:13Neandertaler waren Überlebenskünstler. Sie behaupteten sich in einer gefährlichen Welt.
00:00:20Sie dominierten im Europa der Eiszeit.
00:00:23Furchtlose Jäger von überragender Stärke mit überraschend fortschrittlichen Werkzeugen.
00:00:30Sie besaßen wohl die effizientesten Techniken in der gesamten Steinzeit.
00:00:34Doch dann sind sie plötzlich verschwunden und niemand weiß, warum.
00:00:40Das ist immer noch eins der größten Rätsel.
00:00:43Gab es ein Aufeinandertreffen mit modernen Menschen?
00:00:50Dieser Neandertaler wurde wohl ermordet.
00:00:54Weltweit suchen Forscher nach Antworten.
00:00:56Ihre Funde lassen neue Schlüsse darauf zu, was das Schicksal unserer nächsten Verwandten besiegelt hat.
00:01:06Was ihnen geschehen ist, kann auch uns widerfahren.
00:01:09Gibraltar, die südlichste Spitze der iberischen Halbinsel.
00:01:28Die Mittelmeerküste ist hier von zahlreichen Höhlen durchzogen.
00:01:32Heute umspült das Wasser die Felsen.
00:01:39Doch vor 24.000 Jahren, kurz vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, lag der Meeresspiegel mehr als 30 Meter tiefer.
00:01:48Hier war Steppe.
00:01:50Die Heimat der letzten Neandertaler.
00:01:53Wenn wir uns die Stellen anschauen, an denen Fossilien von Neandertalern gefunden wurden, ragt Gibraltar heraus.
00:02:01Nirgendwo sonst gibt es eine derartige Funddichte pro Quadratkilometer.
00:02:10Gibraltar war ihre Festung.
00:02:15Hier haben sie über einen langen Zeitraum hinweg gelebt.
00:02:17Vermutlich haben die günstigen Lebensumstände dazu beigetragen, dass sie sich hier länger behaupteten als irgendwo anders.
00:02:28Hier inmitten der Kiefernwälder suchen die Jäger nach Beute.
00:02:37An den Stränden gehen Neandertaler auf Fischfang, wie viele Generationen vor ihnen.
00:02:43Was sie nicht ahnen, sie sind die letzten Vertreter ihrer Art.
00:02:50Dass eine benachbarte Gruppe weiter nördlich verschwunden ist und sie kurz davor waren auszusterben, das konnten sie nicht wissen.
00:03:00Einst lebten sie über ganz Europa und Asien verteilt.
00:03:04Nun gibt es nur noch wenige Clans im Süden der iberischen Halbinsel.
00:03:09Doch was führte letztlich zum Verschwinden der Neandertaler?
00:03:20Vielleicht bergen die Höhlen von Gibraltar einen Hinweis.
00:03:26Die Paläontologen Clive und Geraldine Finlayson erforschen diesen Ort seit vielen Jahren und führen umfangreiche Ausgrabungen durch.
00:03:33Diese Höhlen sind fast wie eine Neandertaler Stadt. Hier haben sie lange gelebt. Alle Höhlen waren bewohnt.
00:03:43In manche ist mittlerweile das Wasser eingedrungen und wir haben die Schwuren verloren. Aber es gibt noch viel Material zum Ausgraben.
00:03:49In den Höhlen suchen Archäologen nach Überresten aus der Zeit der Neandertaler.
00:04:02Alles an der Höhle passt zu den Neandertalern. Man bekommt ein Gespür dafür.
00:04:06Sie graben Knochen und Überreste aus, bergen Werkzeuge und Artefakte.
00:04:14Deren Formen und die Art der Bearbeitung sind typisch für die Neandertaler.
00:04:18Das ist ein Steinkern, von dem Steinplättchen abgeschlagen wurden.
00:04:26Diese Technik kann den Neandertalern zugeordnet werden.
00:04:32Mit jedem Fund gewinnen sie neue Einsichten.
00:04:35Das sind die Überreste eines Lagerfeuers der Neandertaler.
00:04:44Laut Radiokarbon-Datierung etwa 47.000 Jahre alt.
00:04:48In der Mitte sind deutlich Kohlerückstände zu erkennen.
00:04:51Eine hervorragende Quelle, weil wir solche Funde datieren und analysieren können.
00:04:55Die Kohle enthält Bestandteile der Pflanzen, die damals hier gewachsen sind.
00:05:01Vor 47.000 Jahren haben sie diesen Ort aus irgendeinem Grund gemocht.
00:05:05Vielleicht herrschte ein mildes Klima und sie waren an diesem Ort gut geschützt.
00:05:09Wir haben auch Überreste von Wild und anderen Tieren gefunden, die sie vermutlich hier an einem großen Feuer gegart haben.
00:05:21Über Generationen hinweg versammeln sich die Familien der Neandertaler am Feuer und bereiten gemeinsam ihre Mahlzeiten zu.
00:05:29Eine starke Gemeinschaft, weit entfernt von den primitiven Affenmenschen, für den Forscher die Neandertaler hielten, als sie 1856 in Deutschland das erste Skelett fanden.
00:05:42Andere Funde deuten auf eine reiche, vielfältige Kultur. Ein Aspekt, der erst in jüngster Zeit anerkannt wurde.
00:05:53Das ist ein sehr interessanter Knochen von einem Vogel, einem Aasfresser, der Knochen frisst.
00:06:06Er weist Schnittspuren auf. Die deuten darauf hin, dass er von den Neandertalern bearbeitet wurde.
00:06:12Aber gegessen haben sie sowas wohl nicht. Wahrscheinlich waren sie an den großen bunten Federn dieser Vögel interessiert.
00:06:17Vermutlich haben sie sich damit bekleidet.
00:06:24Auch andere Funde lassen vermuten, dass die Neandertaler ihre Körper mit Schmuck und Farbe verzierten und dadurch ihre Persönlichkeit zur Schau stellten.
00:06:33Das ist eine völlig neue Dimension. Wir hätten nie erwartet, solche Dinge hier zu entdecken.
00:06:47Offenbar hatten sie auch symbolische, abstrakte Vorstellungen von der Welt und haben sich mit Zeichen und Symbolen darüber verständigt.
00:06:54In den Tiefen der Höhle verbergen sich weitere Zeugnisse für die erstaunlichen Fähigkeiten der Neandertaler.
00:07:10Dieser Gang führt zu einer erst kürzlich freigelegten Kammer.
00:07:13Das muss ein bevorzugter Ort der Neandertaler gewesen sein. Hier gibt es Funde, mit denen wir noch vor wenigen Jahren niemals gerechnet hätten.
00:07:28Die erste bekannte Höhenkunst der Neandertaler.
00:07:33Eine Kreuzgravur, laut Radiokarbon-Datierung mindestens 39.000 Jahre alt.
00:07:39Wissenschaftler glauben, dass es ein Clan-Zeichen sein sollte. Vielleicht, um den Anspruch auf die Höhle zu markieren.
00:07:47Diese Kennzeichnung lässt vermuten, dass Neandertaler genau wie moderne Menschen in der Lage waren, abstrakt zu denken.
00:07:54Das stellt die Vorstellung in Frage, sie seien uns intellektuell unterlegen gewesen.
00:07:59Sie haben vielleicht nicht dieselbe Sprache gesprochen und stellten sich unter schönen Dingen wahrscheinlich etwas anderes vor als wir.
00:08:06Aber ich bin sicher, sie waren fähig zur Abstraktion und hatten ähnliche kognitive Fähigkeiten wie moderne Menschen.
00:08:14Jetzt entsteht ein ganz neues Bild von den Neandertalern. Sie sind uns Menschen viel ähnlicher als bisher angenommen.
00:08:25Aber warum und wie sind sie plötzlich aus dieser Welt verschwunden?
00:08:31Wer waren die Neandertaler?
00:08:34Ihre Geschichte beginnt vor 600.000 Jahren in Afrika.
00:08:43In Gestalt einer anderen Art.
00:08:46Den evolutionären Vorfahren sowohl der Neandertaler als auch der modernen Menschen, dem Homo heidelbergensis.
00:08:56Er gilt als erster Mensch, der Feuer genutzt hat und mit Holzspeeren auf die Jagd gegangen ist.
00:09:04Sie waren weiterentwickelt als die bisherigen Menschenarten, hatten größere Gehirne und verhielten sich Menschen ähnlicher.
00:09:14Aber sie hatten nicht die gleichen Spezialisierungen wie die Neandertaler und die modernen Menschen.
00:09:21Sie waren Vorfahren von uns beiden.
00:09:24Auf der Suche nach ergiebigeren Jagdgebieten ziehen einige von Afrika nach Asien.
00:09:33Andere lassen sich an unterschiedlichsten Stellen in Europa nieder.
00:09:37Auch im heutigen Heidelberg, wo 1907 ihre Knochen zuerst gefunden wurden.
00:09:42Als sie Afrika verließen und nach Zentralasien und Europa vordrangen, trafen sie auf ein viel raueres Klima.
00:09:52Es ist eine Zeit starker klimatischer Veränderungen.
00:09:56Infolge einer leichten Verschiebung der Erdachse rückt der Nordpol weiter von der Sonne weg.
00:10:02Die Polkappen dehnen sich aus und reichen bis nach Nordamerika und Nordeuropa.
00:10:09Auf der nördlichen Halbkugel fallen die Temperaturen um bis zu 20 Grad.
00:10:20Europa vor 300 bis 400.000 Jahren.
00:10:26Die Naturgewalten der Eiszeit formen eine ganz neue Art von Mensch.
00:10:33Den Homo Neandertalensis. Oder kurz, den Neandertaler.
00:10:40Europa und Zentralasien waren damals die kältesten Bereiche, in denen Menschen lebten. Sie haben sich entsprechend angepasst.
00:10:46Im Vergleich zu ihren afrikanischen Vorfahren besitzen sie eine hellere Haut.
00:10:53Sie kann das spärliche Sonnenlicht des Nordens besser aufnehmen.
00:10:58Das glatte, dicke Haar bietet zusätzlichen Schutz vor der Kälte.
00:11:04Der muskulöse Körper eignet sich gut für ein Leben in felsigem Gelände.
00:11:08Neben den körperlichen Anpassungen verschaffen sich Neandertaler auch durch Gruppenbildung viele Vorteile.
00:11:18Sie leben in eng verbundenen Clans, in denen sie sich gegenseitig beschützen und füreinander sorgen.
00:11:23Diese Menschen lebten Hunderttausende von Jahren unter schwierigsten Verhältnissen.
00:11:34Wegen der kurzen Lebenserwartung hing das Überleben der Kinder von der Gruppe ab, da die Eltern möglicherweise früh ausfielen.
00:11:44In Gemeinschaften trotzen die Neandertaler den harten Umständen und kommen in der Eiszeit zu wahrer Blüte.
00:11:53Zu Zehntausenden breiten sie sich in Europa, im Nahen Osten, in Zentralasien und sogar bis nach Sibirien aus.
00:12:04Sie waren mobil. Was sie brauchten, haben sie sich direkt vor Ort beschafft und aus Rohmaterial die benötigten Werkzeuge hergestellt.
00:12:13Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Kilometern führten sie sie mit sich.
00:12:17Mit diesen Wanderungsbewegungen versuchten sie, ihr Überleben zu sichern.
00:12:23In dieser eisigen Welt, in der es nur wenig Vegetation gibt, hängt ihr Überleben von der Jagd ab.
00:12:33Also folgen sie den Bisonherden und lauern kleinerer Beute auf, unter anderem wild.
00:12:39Gejagt wird mit der Stoßlanze.
00:12:48Eine starke Waffe, aber nur nützlich, wenn die Beute in unmittelbarer Nähe ist.
00:12:53So birgt jede Jagd ein hohes Risiko.
00:12:56Wenn man beim Jagen mit einer Lanze auf den Rücken eines Bisons springt, das nenne ich furchtlos.
00:13:11Bei jeder Jagd geht es um Leben oder Tod.
00:13:14Doch das frische Fleisch ist das Risiko wert.
00:13:17Neandertaler mussten die in der Umgebung gesammelte und erbeutete Nahrung höchst effizient nutzen und jedes einzelne Teil der getöteten Tiere verwenden.
00:13:29Zurück im Lager zerlegen die Jäger ihre Beute mit messerscharfen Keilmessern aus Feuerstein.
00:13:41Sie garen das Fleisch über offenem Feuer, um auch die zähesten Brocken besser verdauen zu können.
00:13:46Die Häute werden geschabt und gedehnt und liefern dann weiches, geschmeidiges Leder.
00:13:58Aus Häuten machten sie Kleidungsstücke und aus Steinen fertigten sie rasch Werkzeuge.
00:14:06Sie waren in der Lage, mit ihrer Umgebung fertig zu werden.
00:14:11Bis dahin können sich die Neandertaler behaupten.
00:14:16Doch eines Tages wird ihre Herrschaft bedroht.
00:14:22Durch eine andere Spezies.
00:14:24Unsere direkten Vorfahren.
00:14:27Die modernen Menschen.
00:14:32Vor 40.000 Jahren in der Eiszeit in Europa.
00:14:37Neandertaler haben hier 300.000 Jahre lang gelebt.
00:14:41Und sich perfekt auf die Umgebung eingestellt.
00:14:46Jetzt stehen sie vor ihrer grössten Herausforderung.
00:14:52Eine neue Art dringt in ihr Territorium ein.
00:14:58Der Homo sapiens.
00:15:01Der moderne Mensch.
00:15:02Wie der Neandertaler ist auch er der evolutionäre Nachfahre des Homo heidelbergensis.
00:15:10Vor 200.000 Jahren tritt er in den Savannen Afrikas erstmals in Erscheinung.
00:15:15Vor 80.000 bis 60.000 Jahren ziehen Gruppen dieser modernen Menschen Richtung Norden.
00:15:23Auf der Suche nach neuen Jagdgebieten wandern sie bis in den Nahen Osten und nach Asien.
00:15:30Einige ziehen nach Westen und dringen in die europäische Heimat des Neandertalers ein.
00:15:35Ihre Waffe, der Wurfschwer, mit dem sie aus der Distanz ihre Beute töten können.
00:15:43Auch in ihrer Erscheinung unterscheiden sie sich vom Neandertaler.
00:15:48Sie haben sich in Afrika entwickelt, wo Gewässer weit auseinanderlagen.
00:15:51Das begünstigte, eine natürliche Auslese hin zur Fähigkeit, lange Strecken schnell zurücklegen zu können, ein Ausdauerläufer zu werden.
00:15:58Und ihre leichte Ausrüstung konnten sie überall hin mitnehmen.
00:16:05Die Neuankömmlinge sind Jäger.
00:16:10Sie erheben Anspruch auf Land und Wild, das die Neandertaler für ihr Eigen halten.
00:16:19Immer wenn in der Geschichte Völker aufeinandertrafen, gab es meist Krieg.
00:16:23Da kommen Leute, versuchen uns das Land wegzunehmen. Dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen.
00:16:32Das ist überall passiert, wo der moderne Mensch auftauchte. Ich bin mir sicher, dass das auch in diesem Fall so war.
00:16:42Mehr als 100 Jahre lang galt dieser Zeitraum als Anfang vom Untergang der Neandertaler.
00:16:4710.000 Jahre nach der Ankunft des modernen Menschen war der Neandertaler in Europa größtenteils verschwunden.
00:17:01Für viele Wissenschaftler scheint das kein Zufall zu sein.
00:17:04Es heißt, die Neandertaler seien durch moderne Menschen ausgelöscht worden.
00:17:14Ein Fund, der zu einem der ältesten ungeklärten Fälle gehört, scheint diese Theorie zu stützen.
00:17:20Ein 40.000 bis 50.000 Jahre alter Rippenknochen eines Neandertalers, der in einer Höhle im Irak gefunden wurde.
00:17:31Er trägt die Spuren einer tödlichen Verletzung.
00:17:35Dieser Neandertaler wurde wohl ermordet. Aber wer hat ihn getötet?
00:17:41Es gibt nur zwei Verdächtige, die als Mörder in Frage kommen. Ein anderer Neandertaler oder ein Homo Sapiens.
00:17:50John Hawks ist forensischer Anthropologe.
00:17:53Im Neandertal-Museum in Mettmann hofft er, durch die Untersuchung alter Funde Antworten zu finden.
00:18:00An dieser Rippe ist eine breite Kerbe zu erkennen, die mit einer Steinspitze oder einer scharfen Kante zugefügt wurde.
00:18:07Die achte Rippe daneben ist kaum betroffen. Deshalb muss die Waffenspitze sehr klein gewesen sein.
00:18:14Das weist auf eine präzise geschliffene Klinge hin und damit auf eine ganz andere Waffe als die schwere Stoßlanze der Neandertaler.
00:18:27Eine kleine Spitze hat diese Verletzung in der Brust verursacht.
00:18:31Die Klinge ist im 45-Grad-Winkel eingedrungen. Die nach unten weisende Flugbahn lässt auf eine Waffe schließen, die über Kopf geworfen wurde.
00:18:42Diese Projektilspitze hat ein moderner Mensch hergestellt.
00:18:46Der Beweis für einen Konflikt zwischen den Arten.
00:18:56Bei dem der Neandertaler in diesem Fall unterlegen war.
00:19:03Andere Funde aber deuten an, dass diese Konfrontation nicht immer so einseitig ablief.
00:19:08Rekonstruktionen von Neandertalern zeigen, sie sind relativ klein, von untersetzter Statur, haben kurze Extremitäten und eine breite Brust.
00:19:20Überreste der Muskelansätze an den Knochen deuten auf enorme Kraft.
00:19:27Neandertaler nahmen es frontal mit zwei Tonnen schweren Bisons auf.
00:19:32Mit einem modernen Menschen hätten sie im Fall eines Angriffs leichtes Spiel gehabt.
00:19:38Neandertaler waren durchschnittlich 10 bis 13 Zentimeter kleiner als ihre modernen Herausforderer.
00:19:44Doch dank ihrer Muskelmasse waren sie genauso schwer.
00:19:48Die Brustmuskeln der Neandertaler waren doppelt so groß wie die eines durchschnittlichen modernen Menschen.
00:19:54Dank ihres muskulären Oberkörpers waren sie, so glauben Wissenschaftler, wohl 80 bis 90 Prozent stärker als der Homo sapiens.
00:20:02In das Territorium der Neandertaler einzudringen, konnte ein Risiko für den modernen Menschen darstellen.
00:20:10Vielleicht haben wir weniger Kämpfe gewonnen, als wir glauben. Sie kannten sich dort besser aus und waren erfolgreicher, als man denkt.
00:20:21Durch ihre Kraft sind Neandertaler bei gewaltsamen Zusammenstößen klar im Vorteil.
00:20:25Doch zum Überleben mussten sie auch eine Strategie entwickeln, um mit dem Klima der Eiszeit zurechtzukommen.
00:20:36Wer kann der extremen Kälte besser widerstehen?
00:20:40Der muskuläre, robust gebaute Neandertaler?
00:20:43Oder der große, schlankere Homo sapiens?
00:20:49Um das herauszufinden, machen amerikanische Wissenschaftler einen Test mit zwei Freiwilligen in einer tiefgekühlten Umgebung.
00:21:00Wir sind in einem Kryotherapiezentrum in Kalifornien.
00:21:03Hier wird Kälte eingesetzt, um Heilprozesse zu fördern.
00:21:06Jason und Matt besitzen eine unterschiedliche Körperstatur.
00:21:13Wir setzen sie jetzt minus 110 Grad Celsius aus, um herauszufinden, wie ihre Körper auf die Kälte reagieren.
00:21:20Ein Freiwilliger steht für den hochgewachsenen Homo sapiens, der andere für den stämmigen Neandertaler.
00:21:26Bevor sie der extremen Kälte ausgesetzt werden, schützen die beiden Hände, Gesicht und Kopf.
00:21:41Mit einer Wärmebildkamera halten wir ihren Zustand vorher und nachher fest.
00:21:47Zu Beginn wird die Temperatur der Haut gemessen.
00:21:5236 Grad.
00:21:5335 Grad. Ziemlich gleich.
00:21:58Okay, fangen wir an.
00:22:03Zuerst kommen sie 30 Sekunden in die Vorkammer.
00:22:08Hier wird der Körper akklimatisiert und auf die viel kältere Temperatur in der Hauptkammer vorbereitet.
00:22:15Gehen Sie jetzt in die Hauptkammer.
00:22:17Jetzt sind sie bei minus 110 Grad.
00:22:2621 Grad unter der niedrigsten jemals auf der Erde gemessenen Temperatur.
00:22:33Die Probanden müssen drei Minuten in der Kryokammer überstehen.
00:22:37Das ist möglich, aber eine extreme Herausforderung.
00:22:39Ein längerer Aufenthalt würde zu Unterkühlung, Schockzustand und sogar zum Tod führen.
00:22:46Die Mitarbeiter überwachen die Werte der Probanden.
00:22:58Fertig, kommen Sie jetzt wieder raus.
00:23:00Jetzt verlassen Sie die Kammer. Wir messen erneut die Hauttemperatur.
00:23:05Und?
00:23:0513 Grad.
00:23:0810 Grad.
00:23:11Der muskulöse Körper hat die Temperatur besser gespeichert.
00:23:17Die innere Temperatur, also die Muskeltemperatur von Jason, liegt mehrere Grad über der von Matt.
00:23:25Mit der Wärmebildtechnik werden die Vorteile eines stämmigen Körperbaus noch deutlicher.
00:23:31Die wärmsten Bereiche sind rot, die kältesten blau.
00:23:36Das ist noch nicht alles.
00:23:39Man sieht hier, dass sich Jason während der Minute, seit sie draußen sind, ziemlich schnell wieder aufgewärmt hat.
00:23:48Der muskulösere Körper erholt sich auch schneller. Aber warum?
00:23:54Rund um die Muskeln gibt es mehr Blutgefäße. Das Blut zirkuliert sehr schnell in diesen Bereichen.
00:24:02Neandertaler haben in einem kalten Klima gelebt und einen Körperbau entwickelt, der perfekt angepasst war an die eisige Welt.
00:24:13Sie besaßen überragende Kraft und Ausdauer.
00:24:15Und welchen Vorteil hat der moderne Mensch?
00:24:21Wahrscheinlich liegt er in der Gehirnleistung.
00:24:24Ein brutaler Typ, der seiner Partnerin mit einer Keule auf den Kopf schlägt und sie in eine Höhle zehrt.
00:24:31So stellte man sich den Neandertaler vor.
00:24:34Dieser Ruf reicht zurück bis zur Entdeckung dieser Spezies.
00:24:41Der erste Neandertaler wurde 1856 entdeckt. Damals galten die menschlichen Vorfahren bei den Europäern als primitive.
00:24:49Die Neandertaler passten genau in dieses Schema.
00:24:56Die wulstartigen Augenbrauen fielen den Wissenschaftlern besonders auf.
00:25:02Sie schienen das Merkmal einer nicht ganz menschlichen und weniger intelligenten Art zu sein.
00:25:09Aber worin unterscheidet sich das Gehirn eines Neandertalers von unserem?
00:25:13Dieser Vergleich hat bei dem Anthropologen John Hawks vor 20 Jahren das Interesse an den Neandertalern entfacht.
00:25:24Ich beschäftige mich mit den Neandertalern, seitdem ich die Graduierten Schule besucht habe.
00:25:30Das Spannende ist, dass sie uns so nah sind und dennoch gibt es diese Trennlinie zwischen ihnen und uns.
00:25:37Wenn man sich mit ihnen beschäftigt, betrachtet man sich indirekt auch selbst.
00:25:43Mit der 3D-Bildgebungstechnologie untersucht er Neandertaler-Schädel, die in Frankreich ausgegraben wurden.
00:25:51Mit dieser Technik kann man ins Innere der Schädel sehen, um Erkenntnisse zu sammeln über das Gehirn des Neandertalers.
00:26:00Wie eine 3D-Röntgenaufnahme erfasst der Laserscanner jedes Detail inner und außerhalb des Schädels.
00:26:07Wenn man dieses Stirnbein umdreht und die Innenseite betrachtet, sieht man einen Abdruck der Frontallappen in der Rückseite.
00:26:17Durch die Abdrücke an der Innenseite des Schädels können die Wissenschaftler die Größe der Frontallappen berechnen.
00:26:23Das Gehirnareal, in dem wichtige kognitive Prozesse ablaufen.
00:26:26Die Abdrücke der Frontallappen sehen aus wie bei uns.
00:26:33In den Frontallappen liegt der präfrontale Kortex, in dem kritisches Denkvermögen, Fähigkeiten zum Problemlösen und Kreativität angesiedelt sind.
00:26:45Hawks Analyse offenbart ein Gehirn, das dem unsrigen erstaunlich ähnlich ist.
00:26:49Die Hirnareale, die für Sprache und abstraktes Denken zuständig sind, scheinen die gleiche Größe und Proportion zu haben wie beim modernen Menschen.
00:27:03In einem Bereich jedoch gibt es einen auffälligen Unterschied.
00:27:08Die Rückseite des Hinterhauptbeins ist etwas ausgeprägter. Das lässt den Schluss auf andere Funktionen im hinteren Hirnbereich zu.
00:27:16Das Hinterhauptbein enthält den Occipitallappen.
00:27:21Dieser Bereich ist mit der Verarbeitung visueller Informationen befasst, wie Mustererkennung und Tiefenwahrnehmung.
00:27:29Diese Fähigkeiten versetzen Jäger in die Lage, Beute zu erkennen und mit höchster Präzision zu treffen.
00:27:37Der Neandertaler besaß also ein hervorragendes Sehvermögen.
00:27:41Ein möglicher funktionaler Unterschied im Vergleich zu uns.
00:27:46Aber das wahre Maß für die Gehirnleistung der Neandertaler liegt darin, wie sie sie angewendet haben auf ihre Überlebensmöglichkeiten in der harschen Umgebung.
00:27:56Und die Art und Weise, wie sie mit den Erfindungen ihrer menschlichen Rivalen Schritt gehalten haben.
00:28:02Ihre Werkzeuge sind hierfür die besten Beispiele.
00:28:05Für Laien wirken die Messer der Neandertaler grob und primitiv.
00:28:12Vor allem im Vergleich zu den präzise geschliffenen Klingen und Speerspitzen des modernen Menschen.
00:28:18Matten Aron will wissen, wie die Neandertaler ihre Werkzeuge hergestellt haben und wendet dazu ihre Methoden an.
00:28:28Diese Steinplättchen hier zu stellen scheint einfach, doch ich habe mehr als ein Jahr gebraucht, um die Technik der Neandertaler zu erlernen und anzuwenden.
00:28:41Das Schwierige an dieser Methode besteht darin, dass man eine präzise Geometrie in den Stein bekommen muss.
00:28:54Die Steinmetze schufen gezielt kleine Spalten und Ritze.
00:29:03In gewisser Weise sahen sie die zukünftige Klinge bereits im rohen Stein und bearbeiteten ihn entsprechend. Eine visionäre Technik.
00:29:13Aus einem einzelnen Stück Feuerstein konnte ein Neandertaler 50, 60 bis zu 70 Steinplättchen herstellen.
00:29:20Das war fast wie eine Art Fließbandproduktion.
00:29:28Ein Vergleich mit einem modernen Messer verdeutlicht die Effizienz eines Keilmessers der Neandertaler.
00:29:36Wer mit einem Metallmesser arbeitet, muss viel Kraft aufwenden.
00:29:41Das Steinmesser der Neandertaler schneidet dagegen ausgesprochen leicht.
00:29:58Die Messer der Neandertaler waren genauso scharf wie das, was wir heute haben.
00:30:03Das spricht für eine sehr entwickelte Technologie.
00:30:07In materieller Hinsicht nutzten sie, was verfügbar war.
00:30:10Die Steinmesser belegen, die Neandertaler waren dem modernen Menschen in technischer Hinsicht nicht unterlegen.
00:30:24In mindestens einem Fall haben sie mit ihrer Innovation unsere Art sogar übertroffen.
00:30:30Dieses unscheinbare Objekt, das 1963 in einem Bergwerk entdeckt wurde, ist ein technischer Meilenstein.
00:30:45Es ist 50.000 Jahre alt und trägt das Zeichen seines Besitzers, eines Neandertalers.
00:30:51Es ist wirklich ein sehr kleines, schwarzes, unscheinbares Ding. Aber es ist eine Sensation.
00:31:03Wir sehen hier Holzabdrücke.
00:31:11Wenn man das Ding umdreht, Abdrücke eines braunen Steins.
00:31:14Und im unteren Bild haben wir dann den Fingerabdruck des Neandertalers.
00:31:21Für den Chemiker Christian Wunderlich ist nicht bloß das Zeichen des Herstellers bemerkenswert, sondern die Substanz selbst.
00:31:33Die chemische Analyse ergibt, dass sie in der Natur nicht vorkommt.
00:31:37Damit ist sie das älteste synthetische Material der Welt.
00:31:43Sie wurde durch sogenannte trockene Destillation aus Birkenrinde gewonnen.
00:31:48Dieses Birkenpech ist der Superkleber der Eiszeit.
00:31:52Die Neandertaler nutzen ihn, um eine steinharte Verbindung zwischen den Steinklingen und den hölzernen Schäften zu schaffen.
00:31:59Ihre Stoßlanzen werden dadurch langlebiger und tödlicher.
00:32:02Am eindrucksvollsten an diesem bahnbrechenden Klebstoff ist jedoch das Verfahren seiner Produktion.
00:32:09Heute scheint dieser Prozess nur in der kontrollierten Umgebung eines Labors umsetzbar zu sein.
00:32:15Der Erfinder hat das Verfahren immer weiter verfeinert. Für uns ist das heute nur schwer zu erlernen.
00:32:23Birkenpech tritt erst aus, wenn die Rinde auf 340 bis 400 Grad erhitzt wird.
00:32:28Das Problem? An der Luft entzündet sich die Rinde bei sehr viel niedrigeren Temperaturen.
00:32:35Wie also haben die Neandertaler das gemacht?
00:32:40Christian Wunderlich und sein Kollege wollen Birkenpech herstellen und dazu nur das verwenden, was Neandertaler damals zur Verfügung hatten.
00:32:47Zuerst legen sie die Birkenrinde in einen Behälter wie dieses Gänseei.
00:32:57Dann wird ein leerer Behälter mit einer größeren Öffnung im Boden eingegraben.
00:33:02Er soll später das Pech aufnehmen.
00:33:04Anschließend stellt Wunderlich den Behälter mit der Birkenrinde obendrauf.
00:33:13Beide Behälter werden luftdicht mit Schlamm versiegelt, damit kein Sauerstoff eindringen und die Rinde entzünden kann.
00:33:20Sie stellen das Birkenpech her, um damit Gegenstände zusammenzukleben.
00:33:29Der Prozess ist sehr kompliziert und die Schritte müssen exakt eingehalten werden.
00:33:34Aber ihnen ist das offenbar über einen großen Zeitraum hinweg gelungen.
00:33:37Die Birkenrinde in dem Gänseei-Behälter wird mit heißer Kohle erhitzt.
00:33:46Wenn die Temperatur bis auf 400 Grad ansteigt, beginnt öliges Pech herauszuquellen.
00:33:57Der gesamte Vorgang dauert 20 bis 30 Minuten und wurde vor mehr als 200.000 Jahren erfunden.
00:34:04Ein Beweis für die Innovationskraft der Neandertaler.
00:34:12Wie moderne Menschen besitzen sie die Fähigkeit der Erfindung.
00:34:16Sie erkennen, welche Möglichkeiten die Natur bietet und gestalten sie zu ihrem eigenen Vorteil für ihr Überleben.
00:34:25Technologie ist im Prinzip die Fähigkeit, Anweisungen zu befolgen und umzusetzen, um etwas Nützliches herzustellen.
00:34:32Neandertaler besaßen diese Fähigkeit, lernten voneinander und setzten solche Prozesse um, lange bevor der moderne Mensch auf die Bühne trat.
00:34:42Daher bekommen wir wohl nur einen winzigen Einblick in die Gewandtheit, die Neandertaler vermutlich besaßen.
00:34:48Doch trotz all ihrer Raffinesse hat die Technologie der Neandertaler möglicherweise einen fatalen Nachteil.
00:34:58Fachleute sind heute der Überzeugung, Neandertaler waren ihrem Rivalen, dem Homo sapiens, körperlich überlegen.
00:35:05Und im Hinblick auf Intelligenz und Innovationskraft lagen sie mit ihm gleich auf.
00:35:12Aber warum sind sie verschwunden und der moderne Mensch hat überlebt?
00:35:18Ist die unterschiedliche Jagdtechnik der Grund dafür?
00:35:25Neandertaler greifen ihre Beute mit Stoßlanzen an, schweren, in der Hand gehaltenen Waffen.
00:35:31Moderne Menschen benutzen demgegenüber Wurfsperre.
00:35:45Waren die Neandertaler dem modernen Menschen bei der Jagd unterlegen?
00:35:49Im kalifornischen Petaluma unterziehen die Waffenexperten Mike Loutz und sein Kollege Scott Thomas die Waffen von Neandertalern und modernen Menschen einem Test.
00:36:07Das Ziel, eine Schweinehälfte.
00:36:15Zuerst der Wurfschwer des modernen Menschen.
00:36:19Wir sind hier nicht bei der Olympiade und müssen nicht hunderte Meter weit werfen.
00:36:26Es geht um die Jagd in der Gruppe.
00:36:28Ich will das Tier also nicht in weiter Ferne treffen, sondern relativ nah, in einer Entfernung von sechs bis acht Metern präzise erlegen.
00:36:38Das hier wäre eine durchaus denkbare Distanz.
00:36:41Wie der Neandertaler muss auch der moderne Mensch nah an seine Beute herankommen.
00:36:51Aber wie tödlich wirkt der Wurfschwer?
00:36:59Man sieht, dass die steinerne Spitze beim Auftreffen abgebrochen ist.
00:37:10Aber das ist nicht schlimm.
00:37:12Das Tier hat trotzdem Schaden genommen, weil die Spitze tief eingedrungen ist.
00:37:17Das sehen wir hier auf der anderen Seite ganz genau.
00:37:20Und wie tödlich wirkt im Vergleich dazu die Stoßlanze?
00:37:32Neandertaler jagten Großwild und große, aggressive Tiere wie Mammuts und Bisons.
00:37:37Die stürmten auf den Jäger zu. Da will man seine Waffe nicht wegwerfen.
00:37:46Diesmal stößt Lotz mit aller Kraft in der Art eines Neandertalers zu.
00:37:59Dieser Stoß sitzt. Die Lanze ist tief in die Schulter eingedrungen. Tiefer als der geworfene Speer.
00:38:06Natürlich kommt dem Wurfspeer die Geschwindigkeit zugute, aber selbst die relativ geringe Muskelkraft eines modernen Menschen wie mir reicht bei der Lanze aus, um den Körper zu durchdringen.
00:38:21Die Lanze scheint wirkungsvoller zu sein als der Speer.
00:38:27Lotz will sicher gehen.
00:38:29An der University of California in Berkeley vergleicht er die beiden prähistorischen Waffen mithilfe eines Ballistiktests.
00:38:38Mit einer Luftdruckkanone simuliert er die Kraft, mit der Neandertaler ihre Lanze stießen und moderne Menschen ihren Speerwaffen.
00:38:46Ein Block aus Gelatine ermöglicht eine klare Sicht auf die zerstörerische Kraft beider Waffen.
00:38:56Zuerst wird der Wurfspeer des modernen Menschen getestet.
00:38:59Der Speer sendet eine Schockwelle durch die gesamte Gelatine.
00:39:13Doch er dringt kaum tiefer ein als mit seiner Spitze.
00:39:17Jetzt ist die Lanze des Neandertalers an der Reihe.
00:39:20Das fügt schwere innere Verletzungen und Blutungen zu.
00:39:42Allein der starke Schock würde wohl schon zum Herzstillstand führen.
00:39:46In den Tests behauptet sich die Stoßlanze und ist im Wurfspeer nicht nur gewachsen, sie sticht als mächtigere Waffe hervor.
00:39:58Sie verkörpert damit eine Stärke des Neandertalers und keinen Nachteil, den der moderne Mensch angeblich ausgenutzt hat.
00:40:07Neandertaler haben sich an die Kälte angepasst und ihre Werkzeuge über 300.000 Jahre hinweg perfektioniert.
00:40:14Damit sind sie in der Eiszeit ganz klar im Vorteil.
00:40:20Die Neandertaler existierten noch lange Zeit, nachdem der moderne Mensch aus Afrika aufgekreuzt war.
00:40:27Der brauchte ziemlich lange, um sich in den bisherigen Lebensräumen der Neandertaler zu behaupten.
00:40:35Denn die beherrschten die Umgebung, in der sie lebten.
00:40:39Manche Leute denken immer noch, dass die Neandertaler unterlegen waren und unsere Ankunft sie vernichtet hat. Aber ich glaube, das ist totaler Unsinn.
00:40:52Heute geht man davon aus, der moderne Mensch hat den Neandertaler nicht ausgelöscht.
00:40:58Aber was geriet ihm dann zum Nachteil?
00:41:05Lange glaubten die Forscher, dass der Neandertaler im Vergleich zum modernen Menschen keine starken zwischenmenschlichen Beziehungen pflegte, die Sicherheit und Schutz boten.
00:41:15Doch auch diese Annahme ist nicht haltbar.
00:41:25Im Mettmann beweist das 60.000 Jahre alte Skelett eines Neandertalers, das nicht nur der moderne Mensch intensive soziale Bindungen unterhalten hat.
00:41:35Erstaunlich, hier liegt ein ganzes Skelett.
00:41:42Das Skelett ist ausgesprochen gut erhalten.
00:41:46Das Skelett ist vollkommen intakt, eingehüllt in Erde.
00:41:51Offenbar sind die Neandertaler die ersten Menschen, die ihre Toten begraben.
00:41:57Es wäre nicht so gut erhalten, hätte man den Körper nicht in ein Loch gelegt.
00:42:01Alles ist noch genau zu erkennen.
00:42:06Der rechte Arm liegt über der Brust.
00:42:09Als hätte man das extra so gemacht, bevor der Tote begraben wurde.
00:42:16Man hat ihn offenbar in eine Grabgrube gelegt und mit Lehm bedeckt, damit ihn Aasfresser und Hyänen in Ruhe lassen.
00:42:27Das ist nur ein Beispiel für ein Begräbnis der Neandertaler, von denen mittlerweile mehrere Bestattungsbräuche bekannt sind.
00:42:35Es gibt verschiedene Traditionen, genau wie bei lebenden Bevölkerungsgruppen.
00:42:43Die Körper liegen nebeneinander.
00:42:45Und ein großer Stein kennzeichnet die Grablege.
00:42:52Die Bedeutung ihrer Bestattungsbräuche ist zwar ein Rätsel, aber sie haben ihre Toten beerdigt. Und das sagt viel aus.
00:42:59Die Art und Weise, wie sie mit ihren Toten umgegangen sind, erscheint uns sehr menschlich.
00:43:11Wer seine Toten beerdigt, hat eine Vorstellung vom Leben nach dem Tod und er weist den Verstorbenen Respekt.
00:43:18Damit offenbaren sie ihre Menschlichkeit und das bringt sie uns sogar noch näher.
00:43:21Diese Entdeckungen werfen viele Fragen über unsere engsten menschlichen Verwandten auf.
00:43:29In welcher Beziehung stehen wir zu ihnen? Damals wie heute? Und worin sind wir den Neandertalern ähnlich?
00:43:39Das sind alles noch offene Fragen.
00:43:42Die Wichtigste, wenn sie uns so ähnlich waren, warum sind sie ausgestorben, während unsere Art überlebt hat?
00:43:53Durch einen Vulkanausbruch.
00:43:56Falsche Zeit, falscher Ort.
00:43:58Sie lebten länger auf der Erde als moderne Menschen.
00:44:22Die Neandertaler.
00:44:24Neandertaler waren Überlebenskünstler.
00:44:29Sie behaupteten sich in einer gefährlichen Welt.
00:44:32Sie dominierten im Europa der Eiszeit.
00:44:35Furchtlose Jäger von überragender Stärke.
00:44:39Mit überraschend fortschrittlichen Werkzeugen.
00:44:42Sie besaßen wohl die effizientesten Techniken in der gesamten Steinzeit.
00:44:48Doch dann sind sie plötzlich verschwunden und niemand weiß, warum.
00:44:52Das ist immer noch eins der größten Rätsel.
00:44:56Weltweit suchen Forscher nach Antworten.
00:45:00Ein moderner Mensch mit Zügen eines Neandertalers.
00:45:04Die Forscher finden Hinweise an völlig unerwarteten Stellen.
00:45:07In der Nähe eines alten Vulkans in Süditalien.
00:45:10Der Boden steigt an.
00:45:13Im Grönland-Eis.
00:45:16Weit weg von den Siedlungen der Neandertaler.
00:45:18Mehrere dünne Schichten.
00:45:25Die Funde lassen ganz neue Schlüsse zu.
00:45:30Nicht ein Krieg mit modernen Menschen setzte den Neandertalern ein Ende.
00:45:36Eine Apokalypse hat das Schicksal unserer nächsten Verwandten besiegelt.
00:45:42Was ihnen geschehen ist, kann auch uns widerfahren.
00:45:57Neue archäologische Funde widersprechen der herrschenden Ansicht.
00:46:01Neandertaler seien primitive, unintelligente Höhlenbewohner gewesen.
00:46:05Wir bekommen nur einen winzigen Einblick in die Gewandtheit, die Neandertaler vermutlich besaßen.
00:46:11Neandertaler waren uns offenbar sehr ähnlich.
00:46:13An einem weit entfernten, schwer zugänglichen Ort haben Archäologen etwas gefunden, das für eine klare Verbindung zwischen den Menschenarten spricht.
00:46:27In den Karpaten in Rumänien bereitet sich ein Archäologenteam darauf vor, an die Stelle einer bahnbrechenden Entdeckung zurückzukehren.
00:46:41Ein Ort, der beweist, moderne Menschen und Neandertaler haben einst in friedlicher Koexistenz gelebt.
00:46:51Der genaue Standort wird geheim gehalten, um die Stelle vor Fossilienjägern zu schützen.
00:46:572002 fanden Höhlenkletterer hier einen menschlichen Kieferknochen.
00:47:03Es folgte eine dreijährige Grabung unter Leitung eines auf Höhlenforschung spezialisierten Archäologenteams.
00:47:11Der Ort lag in absolut ursprünglichem, unverändertem Zustand vor.
00:47:19So was kommt im Leben eines Forschers nur selten vor.
00:47:29Die Funde deuten darauf hin, dass moderne Menschen und Neandertaler die Höhle gleichzeitig bewohnt haben könnten.
00:47:41Das Team folgt seinen eigenen alten Spuren durch die dunklen Gänge ins Innere der Höhle und quert einen unterirdischen Fluss.
00:47:55Je tiefer sie vordringen, desto enger wird die Höhle und der Wasserspiegel steigt an.
00:48:07Dieser kalte, nasse und sehr gefährliche Weg ist der einzige Zugang zur Höhle.
00:48:13Im trüben Wasser tastet sich das Team blind vorwärts und kann sich dabei nur auf die eigene damalige Erfahrung stützen.
00:48:34Auf der anderen Seite gelangen die Forscher in eine größere Höhle mit Gängen in kleinere Kammern.
00:48:45Sie untersuchen den Bereich und bewegen sich weiter in Richtung einer Kammer, die ihre größten Entdeckungen hervorbrachte.
00:48:54Doch der Zugang ist durch Hochwasser versperrt. Die darunter liegende Höhle ist geflutet.
00:49:10An so einer Engstelle ist man absolut auf sich gestellt. Wenn man stecken bleibt, gibt es kein Entkommen.
00:49:24Passiert irgendwas, ist man tot.
00:49:40Aus Sicherheitsgründen brechen die Forscher die Expedition ab.
00:49:47Doch 2003 gelang es dem Team, durch den gefährlichen Gang in die entlegene Kammer vorzudringen.
00:49:59Diese Aufnahme stammt von einer Expedition, die sich wirklich gelohnt hat.
00:50:04Tief im Inneren der Höhle gelangt das Team in eine Kammer, die sogenannte Galerie der Knochen.
00:50:16Überall auf dem Boden liegen Knochen von Bären und anderen großen Säugetieren. Beute der vorhistorischen Jäger.
00:50:24Ich habe bereits Sedimentproben genommen.
00:50:26Dazwischen liegen menschliche Überreste. Vorwiegend kleine Fragmente versteinerter Knochen. Ihr Alter, 40.000 Jahre.
00:50:39Das war absolut verrückt. Total spannend. Die Knochen sind in einem gut erhaltenen Zustand. Unglaublich, die Funde in dieser Höhle.
00:50:50Bei dieser Grabung macht ein Mitglied des Teams in einer dunklen Ecke eine Entdeckung.
00:50:59Das sieht aus wie von einem Menschen.
00:51:02Das Fragment eines Schädels. Erster Fund einer bahnbrechenden Entdeckung.
00:51:10Der Schädel ist was ganz Besonderes in der Geschichte der Menschheit.
00:51:15Er wird heute im Institut für Höhlenforschung in Bukarest aufbewahrt.
00:51:29Genau überwacht vom Paläontologen Silvio Konstantin.
00:51:33Der Schädel als Ganzes wirkt wie der eines modernen Menschen mit den Zügen eines Neandertalers.
00:51:48So etwas entdeckt man nur einmal im Leben. Dieser Schädel wurde aus 40 Teilen wieder zusammengesetzt.
00:51:55Drei Jahre brauchten Konstantin und sein Team, um den Schädel wieder exakt herzustellen.
00:52:00Er hat ein längeres Gesicht als moderne Menschen.
00:52:07Auch die Zähne sind anders.
00:52:12Sie sind zu groß für einen Homo sapiens und entsprechen eher den Zähnen eines Neandertalers.
00:52:21Ein Merkmal fällt besonders auf.
00:52:23Auf der Rückseite sieht man hier das Hinterhauptbein.
00:52:31Diese Vorwölbung schützt den Hinterhauptlappen, in dem visuelle Informationen verarbeitet werden.
00:52:37Der einzige Bereich, wo das Gehirn grösser ist als beim modernen Menschen.
00:52:40Das ist typisch für Neandertaler.
00:52:48Vielleicht die fehlende Verbindung zwischen Homo sapiens und Neandertaler.
00:52:54Für Konstantin eine spannende Hypothese.
00:52:58Hatten moderne Menschen Liebesbeziehungen mit Neandertalern?
00:53:07Dieser Schädel lässt die neue These zu, dass sich moderne Menschen und Neandertaler gekreuzt haben.
00:53:15Das führt zu bahnbrechenden Entdeckungen, die klären könnten, woher wir moderne Menschen kommen und wer wir heute sind.
00:53:22In welcher Beziehung stehen wir zu den Neandertalern?
00:53:35Für mich ist das eines der erstaunlichsten Rätsel, wenn es um die Klärung unserer Herkunft geht.
00:53:41An der Universität von Washington suchen Wissenschaftler nach Spuren der Neandertaler in der menschlichen DNA.
00:53:55Die DNA ist ein Molekül, das sämtliche Erbinformationen enthält.
00:54:00Man kann darin wie in einem Buch die Spuren der Vergangenheit lesen.
00:54:05Wir haben heute die Aufgabe, die Wörter in diesem Buch zu deuten.
00:54:08Die langen, gewundenen Stränge der DNA-Moleküle bestimmen den Aufbau und die Organisation des Organismus.
00:54:18Die gesamten genetischen Erbinformationen eines Lebewesens werden als Genom bezeichnet.
00:54:25Das Genom steuert die Umsetzung des Bauplans und die Physiologie des Organismus.
00:54:32Es bestimmt das Typische von Menschen und Neandertalern.
00:54:352010 entschlüsseln Forscher das Genom des Neandertalers und vergleichen es mit dem des modernen Menschen.
00:54:45Dabei machen sie eine überraschende Entdeckung.
00:54:51Im Prinzip haben alle Völker außerhalb von Afrika Vorfahren bei den Neandertalern.
00:54:56Die Anzahl der Gene variiert je nach Population, aber je Individuum stimmen 1,9 bis 2,1 Prozent des Genoms überein.
00:55:02Selbst unsere eigenen Zellen enthalten noch Spuren des Neandertalers.
00:55:10Wir haben diese DNA-Sequenzen direkt durch Hybridisierung geerbt, nicht bloß über gemeinsame Vorfahren vor einer halben Million Jahren.
00:55:22Die Hybridisierung oder Kreuzung erfolgt vor etwa 60.000 Jahren, als moderne Menschen erstmals auf Neandertaler treffen.
00:55:29Die Nachfahren der so entstandenen Mischlinge breiten sich aus und besiedeln große Teile der Erde.
00:55:36Doch wie die Neandertaler selbst, zieht es sie niemals nach Afrika.
00:55:42In Afrika findet man praktisch keine Neandertaler-Abstammung.
00:55:47Aki sucht mit seinem Team systematisch nach Teilen unserer DNA, die moderne Menschen von den Neandertalern geerbt haben.
00:55:542014 wird von Neandertaler-Knochen gewonnene DNA mit dem Genom von mehr als 700 lebenden Menschen verglichen.
00:56:09Interessant ist, die 2 Prozent Neandertaler-Gene, die ich geerbt habe, können sich von den 2 Prozent unterscheiden, die sie geerbt haben.
00:56:17Addiert man die verschiedenen Gene der Neandertaler zusammen, die bei heutigen Menschen noch vorhanden sind, zeigt das, wie viel von deren genetischem Erbe weiterlebt.
00:56:28Insgesamt können wir noch rund 30 Prozent des Neandertaler-Genoms in heutigen Menschen finden.
00:56:36Doch wo wird das Erbe der Neandertaler anschaulich?
00:56:39An ungefähr 10 Stellen des Genoms haben wir eine vorteilhafte Sequenz der Neandertaler geerbt.
00:56:48Dabei handelt es sich besonders häufig um Gene für Haare und Haut.
00:56:54Ein Gen beeinflusst zum Beispiel die Pigmentierung der Haut.
00:57:02Europäer und Asiaten könnten ihre helle Haut von den Neandertalern geerbt haben.
00:57:06Im Hinblick auf diese Stelle im Genom sind Europäer eher Neandertaler als Homo sapiens.
00:57:16Auch glattes Haar könnte von den Neandertalern stammen.
00:57:21Irgendein Aspekt der Haare oder Haut von Neandertalern war vorteilhaft für unsere Vorfahren.
00:57:28Vielleicht konnten sie damit in diesem eher kalten Klima besser überleben.
00:57:36Doch nicht alle von den Neandertalern geerbten Merkmale sind heute vorteilhaft.
00:57:45Möglicherweise spielen genetische Sequenzen der Neandertaler im Genom der Europäer eine wichtige Rolle beim Fettstoffwechsel.
00:57:51Sind sie verantwortlich für die weit verbreitete Fettleibigkeit?
00:58:02In der Eiszeit war diese Anpassung notwendig, um Fettreserven anzulegen und so die Überlebenschancen zu erhöhen.
00:58:09Vielleicht traf das auch auf unsere Vorfahren zu.
00:58:12Als wir uns in neue Gebiete ausgebreitet haben, konnten wir durch die Vermischung mit Neandertalern Gene übernehmen, die an diese Gebiete bereits angepasst waren.
00:58:26So konnten sich unsere Vorfahren schneller an diese sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen anpassen.
00:58:31Das macht das Verschwinden der Neandertaler noch mysteriöser.
00:58:39Warum hat der moderne Mensch mithilfe ihres genetischen Erbes überlebt, während die Neandertaler selbst ausgestorben sind?
00:58:46Das kann verschiedene Ursachen haben. Klima, Bevölkerung, Krankheiten, Nutzung der Ressourcen.
00:58:55Die Art ihres Verschwindens ist tatsächlich höchst rätselhaft.
00:59:00Sie konnten sich so lange behaupten und dann waren sie einfach weg.
00:59:04Vielleicht gibt es dort Hinweise, wo moderne Menschen und Neandertaler lebten.
00:59:09Vor 40.000 Jahren gibt es moderne Menschen in Afrika, Asien, Europa und Australien.
00:59:18Ihre Bevölkerungszahl wächst auf einige Hunderttausend.
00:59:23Bei den Neandertalern sind es nie mehr als Hunderttausend.
00:59:26Sie beschränken sich auf Gebiete in Europa und Asien.
00:59:29Das macht sie verwundbarer bei regionalen Ereignissen.
00:59:33Die Neandertaler waren in dieser Umgebung erfolgreich.
00:59:37Sie haben sich gut an die Kälte angepasst und hatten damit eine Zeit lang Erfolg.
00:59:43Aber gleichzeitig war es eine schwierige Lebenswelt.
00:59:49Sind die Umweltverhältnisse so rau geworden, dass auch die Neandertaler nicht mehr überleben konnten?
00:59:59Dieser See bei Down in der Eifel ist vulkanischen Ursprungs und enthält Sedimente aus der Zeit der Neandertaler.
01:00:06Sie lassen auf die Wetterextreme vor 100.000 Jahren schließen.
01:00:17Paläoklimatologen von der Universität Mainz bohren tief in den Grund des Sees, um Sedimentkerne zu entnehmen.
01:00:23Jede Schicht entspricht einem Jahr und dokumentiert die damaligen klimatischen Verhältnisse.
01:00:45Das Besondere an diesen Kernen aus den Seen der Mare ist, dass wir keinen Sauerstoff im Bodenwasser hier haben und deswegen jede einzelne Jahresschicht erhalten bleibt.
01:00:59Und wie in einem Tagebuch können wir Schicht für Schicht analysieren und Schicht für Schicht das Klima des jeweiligen Jahres rekonstruieren.
01:01:05Ein Meter Sediment spiegelt das Klima eines Zeitraums von 1000 Jahren.
01:01:14Dunkle Schichten enthalten Spuren verrotteter Pflanzen. Ein Hinweis auf Zeiten, in denen Wälder das Gebiet bedeckten.
01:01:22Hellere Schichten stehen für kalte Perioden mit kargem, gefrorenem Boden.
01:01:26Also wir sehen, dass es ganz schnelle Änderungen in dem Klima gegeben hat.
01:01:37Die warmen Phasen und die kalten Phasen wechseln ganz abrupt ab. Und in zehn Jahren springt das hier.
01:01:45Vor 40.000 Jahren verändert sich die Umgebung der Neandertaler abrupt.
01:01:50Ihre traditionellen Jagdgebiete verwandeln sich in eine Eiswüste.
01:01:56Doch das Schlimmste steht ihnen noch bevor.
01:02:10Im Norden fallen zahllose Neandertaler der Kälte zum Opfer oder verhungern.
01:02:18Andere besinnen sich auf die ältesten Überlebensstrategien ihrer Art.
01:02:22Sie ziehen hunderte Kilometer weit weg von ihren angestammten Gebieten.
01:02:35Doch das anhaltend harsche Klima fordert seinen Tribut.
01:02:40Die Zahl der Neandertaler geht auf kaum mehr als 20.000 zurück.
01:02:44Und die Population gerät gefährlich nahe an den Umkipppunkt, den sogenannten Tipping-Point.
01:02:52Ich vermute, dass die Bevölkerungsgruppen der Neandertaler stark verteilt und sehr, sehr klein waren.
01:02:59Das machte sie anfällig für zufällige Ereignisse wie einen Vulkanausbruch oder einen Tsunami an der Küste.
01:03:05Solch eine Katastrophe kann einen enormen Einfluss haben, wenn die Population so klein ist.
01:03:14Schon häufiger haben Vulkanausbrüche die Geschichte der menschlichen Zivilisation verändert.
01:03:1910. April 1815
01:03:28Der Ausbruch des Tambora auf der indonesischen Insel Zumbawa ist das größte derartige Ereignis in der bekannten Geschichte.
01:03:39Mehr als 10.000 Menschen kommen damals in seiner unmittelbaren Umgebung ums Leben.
01:03:44Die ausgestoßene Asche und das Gas umkreisen die Erde und verdunkeln die Sonne.
01:03:51Im folgenden Jahr gibt es keinen Sommer.
01:03:55Das verursacht Ernteausfälle und Viehsterben.
01:04:01Weltweit sollen 90.000 Menschen wegen nachfolgender Hungersnöte und Flutwellen gestorben sein.
01:04:06Selbst eine genetisch perfekt angepasste Bevölkerung kann über Nacht durch einen Vulkanausbruch ausgelöscht werden und für immer verschwinden.
01:04:17Egal wie genetisch fit sie sind.
01:04:21Hat ein Vulkanausbruch das Schicksal der Neandertaler besiegelt?
01:04:25Vielleicht liefert der grönländische Eisschild eine Antwort.
01:04:35Das Eis hier bildet ein gefrorenes Gewölbe.
01:04:40Die Schichten enthalten uralte klimatische Daten.
01:04:43In 3000 Metern Höhe, buchstäblich auf einem Berg aus Eis, befindet sich das Lager eines Forschungszentrums, das nur mit speziellen Air Force-Transportern erreichbar ist.
01:05:03Wissenschaftler wie Jim White führen hier tiefe Bohrungen durch, um Kernproben zu entnehmen.
01:05:09Stellen Sie sich vor, der Schnee würde hier niemals schmelzen und immer nur weiter anwachsen.
01:05:18In Grönland zum Beispiel fällt jedes Jahr ein Meter Schnee.
01:05:22Die Schichten enthalten Daten aus einer Zeit vor 150.000 oder 160.000 Jahren.
01:05:27Damit können wir rekonstruieren, unter welchen Umständen die Neandertaler gelebt haben.
01:05:32Anhand der im Eis eingeschlossenen Gase und Sedimente kann man Schlüsse ziehen auf die Geschichte des Planeten.
01:05:42Wir messen die Temperatur, die Menge des eingeschlossenen Staubes, ermitteln die Zusammensetzung der Atmosphäre, wie viel Methan, wie viel CO2.
01:05:51Bei einem starken Vulkanausbruch gelangen Asche und Sulfate in die Atmosphäre und wenn solche Sulfate an Orten wie Grönland oder der Antarktis niedergehen und im Eis eingeschlossen werden,
01:06:01können wir im Nachhinein feststellen, dass zu diesem Zeitpunkt ein Ausbruch stattgefunden hat.
01:06:11Die in Grönland gewonnenen Eiskerne werden in ein Tiefkühllager im tausende Kilometer entfernten National Ice Core Laboratory in Denver, Colorado gebracht.
01:06:21Hier lagern mehr als 18 Kilometer Eiskerne. Wertvolles Material für die Forschung.
01:06:32Geologe Jim White will einen Eiskern aus ungefähr der Zeit analysieren, in der die Neandertaler verschwunden sind.
01:06:42Dieser Kern ist etwa 39.000 Jahre alt.
01:06:46Ja.
01:06:49White gehört seit den 1980er Jahren zu den führenden Vertretern der Eiskernforschung. Er weiß, wie die eingefrorenen Hinweise zu deuten sind.
01:07:00Als dieser Schnee gefallen ist, lebten die Neandertaler. Das ist wirklich spannend.
01:07:05Er sucht nach Chemikalien und Verbindungen, die auf Vulkanausbrüche schließen lassen, wie Asche, Vulkangestein, Schwefelverbindungen,
01:07:18und hofft, dass sie in diesem Eiskern eingeschlossen sind.
01:07:21Dieser enthält mehrere Streifen, mehrere dicke Ebenen, die auf einen Vulkanausbruch deuten könnten.
01:07:35Hier sieht man einen Cluster dünner Schichten. Und hier hinten noch einen.
01:07:41Solche Cluster sind ungewöhnlich. Sie sehen aus wie dunkle Streifen mikroskopisch kleiner Ablagerungen.
01:07:53Das sehen wir uns im Labor auf jeden Fall genauer an. Sehr interessant.
01:07:57Im Labor wird der Eiskern Schicht um Schicht geschmolzen.
01:08:07Wir entfernen hier schrittweise den Schnee, der Woche um Woche, Monat um Monat und Jahr um Jahr gefallen ist, und analysieren ihn.
01:08:15Das ist so, als würde man die Seiten eines Buches durchblättern.
01:08:19In diesem Fall stoßen wir ungefähr alle 10 Zentimeter auf ein neues Jahr.
01:08:23Das ist ein ziemlich detaillierter Datensatz, den wir hier bekommen.
01:08:27Im Eis eingeschlossene Partikel und chemische Bestandteile werden isoliert und bewertet.
01:08:38Schließlich gibt das Eis sein lange gehütetes Geheimnis preis. Spuren eines Vulkanausbruchs.
01:08:47Das Eis enthält Sulfate von der Eruption. Asche ist in Grönland zwar nicht zu finden, aber die Schwefelstoffe.
01:08:53Der Ausbruch ereignete sich genau zur selben Zeit wie diese sehr starke Abkühlung, die wir hier im Eiskern haben.
01:09:00Ein deutlicher Hinweis auf einen starken Ausbruch mit weitreichenden Konsequenzen.
01:09:04Das war mit Sicherheit einer der größten Vulkanausbrüche in den letzten 100.000 Jahren. Eine sehr schwierige Zeit zum Leben.
01:09:15Ist das der entscheidende Beweis? Kann er das rätselhafte Verschwinden der Neandertaler erklären?
01:09:21In Süditalien haben Wissenschaftler den möglichen Übeltäter ermittelt.
01:09:33Einen der größten Vulkane der Erde und den größten in Europa.
01:09:40Der schlafende Riese soll vor 39.000 Jahren ausgebrochen sein.
01:09:46Und wacht möglicherweise bald erneut auf.
01:09:51Heute eine Bedrohung für Millionen von Menschen. Neapel steht auf unsicherem Boden.
01:09:57Der Vesuv nur neun Kilometer entfernt.
01:10:00Doch nicht er ist die größte Bedrohung für die vier Millionen Menschen in dieser Region.
01:10:08Unter der Erde lauert ein viel gewaltigeres Monster. Ein Supervulkan.
01:10:15Am Westrand der Stadt beginnen die Campi Flegrei, die flegreischen Felder.
01:10:20Das gefährlichste Gebiet mit vulkanischer Aktivität in Europa.
01:10:24Die Caldera hat einen Durchmesser von etwa 13 Kilometern und liegt zum größten Teil unter Wasser.
01:10:30In jeder Hinsicht außergewöhnlich.
01:10:34Wissenschaftler im Vulkanobservatorium in Neapel haben jeden Zentimeter dieses brodelnden Kessels im Blick.
01:10:42Durch die Messung der Gezeiten ermitteln sie das Niveau des Meeresbodens.
01:10:46Während Seismografen nach Hinweisen auf unterirdische Erdbeben suchen.
01:10:50Aus der Caldera steigen giftige Schwefelgase durch Risse im Gestein auf.
01:11:02Im Krater brodeln mehrere Schlammpools. Die aufsteigenden Schwefeldämpfe sind mehr als 200 Grad heiß.
01:11:10Es gibt alarmierende Hinweise auf zunehmende Aktivität.
01:11:19Der Gasfluss hat sich in den letzten Jahren dramatisch erhöht. Momentan hebt sich der Boden. Wir müssen das ständig im Auge behalten.
01:11:26In den letzten 30 Jahren hat sich der Boden bei den pflegerischen Feldern um fast zwei Meter gehoben.
01:11:37Zahlreiche Anwohner sind wegen der Aktivität des Vulkans bereits weggezogen.
01:11:41Kommen Sie, ich zeige Ihnen was.
01:11:51In diesem verlassenen Haus sehen Sie, wie aggressiv der Schwefel ist.
01:11:59Schwefel und Gase sind durch den Fußboden und in die Wände eingedrungen.
01:12:05Es ist sehr heiß. An die 90 Grad. Sogar 100.
01:12:09Noch mehr Hinweise gibt es weiter weg.
01:12:20In den Hügeln um Neapel suchen Antonio Costa und Roberto Issaia nach den Spuren einer urzeitlichen Eruption.
01:12:29Sie könnte möglicherweise das Verschwinden der Neandertaler erklären.
01:12:32Es geht um diese Schicht. Diese da.
01:12:45Die Steilhänge sind mehr als 60 Meter hoch. Sie bestehen aus Ablagerungen von einem einzigen Vulkanausbruch.
01:12:53Allein die Höhe deutet auf das gewaltige Ausmaß dieser Eruption.
01:13:01Das ist Asche. Vulkanasche.
01:13:15Die Asche dieses Hangs ist laut Radiokarbon-Datierung 39.000 Jahre alt.
01:13:20Genau in dieser Zeit sind die Neandertaler fast überall verschwunden.
01:13:29Sehr feine Asche wie diese hier hat sich im gesamten Raum des östlichen Mittelmeers verteilt.
01:13:36Sehr weit entfernt von den pflegeräischen Feldern.
01:13:40Aber war der Ausbruch stark genug, um die Neandertaler auszulöschen?
01:13:47Ich glaube, die Eruption in Italien war womöglich von großer Bedeutung.
01:13:52Meine Frage wäre, wie groß war sie? War sie stärker, als wir bisher dachten?
01:13:58Vielleicht liefert die Asche selbst die Antwort.
01:14:00Wissenschaftler messen die Stärke von Ascheschichten an Orten, die weit vom Vulkan entfernt liegen, um das Ausmaß des Ausbruchs zu berechnen.
01:14:14In Rumänien, 1100 Kilometer von den pflegeräischen Feldern entfernt, sucht der Geologe Daniel Wehres nach Asche der früheren Eruption.
01:14:25Unterstützt wird er von seinem Kollegen Ulrich Hambach.
01:14:30Ich nehme eine Probe.
01:14:38Das Material ist viel leichter als Loess.
01:14:44Das kann tatsächlich Vulkanasche sein.
01:14:50Es hat die Konsistenz von Vulkanasche.
01:14:53Ja, dieselbe Konsistenz.
01:14:54Neben Hambach und Wehres forschen auch andere Teams nach der Größe und den Auswirkungen dieses Ausbruchs.
01:15:02Vielleicht bringt diese Asche sie der Antwort einen Schritt näher.
01:15:11An dieser Stelle ist die Ascheschicht einen Meter zehn dick, nebenan noch mehr.
01:15:18Nach links, nahe der Mitte der Senke, die zurzeit von den Ablagerungen bedeckt ist.
01:15:22Sie messen die Höhe der Schicht und ermitteln so die Stärke des Ausbruchs.
01:15:29Hier, über 1100 Kilometer vom Vulkan entfernt, hat es noch mehr als einen Meter Asche geregnet.
01:15:36Falls dieses Material von der Eruption der phlegräischen Felder in Süditalien stammt, wie wir annehmen,
01:15:45dann muss sie noch stärker gewesen sein als bisher vermutet, obwohl sie schon jetzt zu den stärksten der letzten 200.000 Jahre zählt.
01:15:52Nicht nur Wehres und Hambach beschäftigen sich mit diesem Thema.
01:16:02Im gesamten Mittelmeerraum, bis hin nach Russland und Asien, haben Wissenschaftler Asche gefunden, die 39.000 Jahre alt ist.
01:16:13Die Proben werden an die Universität Bayreuth geschickt.
01:16:16Hier ermittelt Ulrich Hambach, ob die Asche vom Ausbruch der phlegräischen Felder stammt.
01:16:22Vulkanische Asche hat einen spezifischen chemischen Fingerabdruck, der eindeutig auf den zugehörigen Ausbruch verweist.
01:16:36Mit Hilfe von Elektronenmikroskop und Röntgenstrahlen erstellen Hambach und seine Kollegen von jeder Probe ein chemisches Profil.
01:16:45Wir sind sehr neugierig und hoffen, die Ergebnisse passen zur Eruption in Italien.
01:16:54Alle Ascheproben haben exakt die gleiche Zusammensetzung.
01:16:58Ein chemisches Profil, das nur mit einem einzigen Vulkanausbruch übereinstimmt.
01:17:03Dem Ausbruch der phlegräischen Felder vor 39.000 Jahren.
01:17:07Die Proben der untersuchten Stellen haben dasselbe Profil wie die Proben aus Russland bis hin nach Libyen.
01:17:18Jetzt nimmt das Ausmaß dieser Katastrophe Gestalt an.
01:17:21Bei dem Ausbruch gelangen Unmengen Asche in die Atmosphäre, die über drei Kontinente niederregnet, auch über dem Lebensraum der Neandertaler.
01:17:33Im Vulkan-Observatorium in Neapel arbeitet Antonio Costa an einer Computersimulation des Ausbruchs der phlegräischen Felder.
01:17:40Sie soll detailliert zeigen, was genau vor 39.000 Jahren passiert ist.
01:17:56Zum ersten Mal können wir die Dauer der Eruption abschätzen. Wir gehen davon aus, dass sie zwischen zwei und vier Tagen andauerte.
01:18:10Die stärkste Eruption in Europa in den letzten 200.000 Jahren.
01:18:29Pyroklastische Ströme gleiten mit bis zu 700 Stundenkilometern die Hänge hinab und entfalten eine ungeheure Zerstörungskraft.
01:18:36Die Kaskade aus Gas und geschmolzenem Gestein kann bis zu 800 Grad heiß werden.
01:18:49Wo die pyroklastischen Ströme hingelangten, wurde alles Leben unter einer meterhohen Schicht begraben.
01:18:56Eine pilzförmige Wolke vulkanischer Gase und glühender Asche steigt in die Erdatmosphäre auf.
01:19:23Eine dicke Ascheschicht legt sich über große Teile von Süd- und Osteuropa.
01:19:29Innerhalb von Tagen breitet sich die Wolke bis nach Zentralasien und in den Nahen Osten aus.
01:19:36Während sich die Populationen der modernen Menschen damals auf der ganzen Erde verbreitet haben,
01:19:41leben die Neandertaler nur in Europa und Zentralasien, in jenen Regionen, die am stärksten vom Ausbruch betroffen sind.
01:19:49Kaum einer kann der Katastrophe entgehen.
01:19:52Vier Millionen Quadratkilometer werden von einem halben Zentimeter Asche bedeckt.
01:19:59Wochenlang wird die Sonne durch die Aschewolke verdunkelt.
01:20:04In einem Gebiet von Russland bis nach Nordafrika regnet es Asche.
01:20:09Die Lebensbedingungen in Europa waren zuvor schon hart, dazu kam dann noch ein vulkanischer Winter.
01:20:19Überall, wo die Asche das Eindringen des Sonnenlichts verhindert, steht Neandertalern und modernen Menschen ein langsames und qualvolles Sterben bevor.
01:20:27Schon ein halber Zentimeter Asche konnte die spärliche Vegetation vernichten.
01:20:36Der schwefelhaltige Ascheschleier blockiert das Sonnenlicht.
01:20:40Giftiges Fluorid lässt Pflanzen absterben und verseucht das Trinkwasser.
01:20:47Wenn die Vegetation zugrunde geht, sterben auch die Tiere und Menschen.
01:20:53Zahlreiche Neandertaler darben dahin und verhungern.
01:20:56Andere leiden wegen schwerer Fluoridvergiftung an chronischer Müdigkeit oder Übelkeit und sterben letztendlich.
01:21:08Zuerst trifft es Alte und Kinder.
01:21:13Doch ohne Licht und Nahrung können auch die Starken nicht lange überleben.
01:21:17In den weiten Wäldern, jahrtausendelang die Heimat der Neandertaler, leben nur noch wenige Vertreter dieser untergehenden Art.
01:21:32In Gegenden wie Osteuropa dauerte es sicher ein Jahrhundert, bis das Ökosystem sich wieder erholt hatte.
01:21:38In weiten Teilen Europas werden moderne Menschen und Neandertaler vollkommen ausgelöscht.
01:21:49Nur in den entlegenen Regionen überleben einige wenige.
01:21:53Am längsten in der Gorham-Höhle im Küstengebirge von Gibraltar.
01:22:0515.000 Jahre leben sie hier weiter wie bisher, ohne zu wissen, sie sind die Letzten ihrer Art.
01:22:12Sie bestritten ihren Alltag so gut sie konnten, doch allmählich nahmen ihre Zahl ab, bis sie eines Tages einfach verschwanden.
01:22:22Nur noch ihre Höhlen sind übrig und ihre Spuren, die wir jetzt entdecken können.
01:22:31Wir, denen dasselbe Schicksal widerfahren kann.
01:22:35Auch heute noch, 39.000 Jahre nach dem katastrophalen Ausbruch, rumort es in den phlegräischen Feldern.
01:22:49Eine weitere Supereruption wird zwar nicht bald erwartet, aber wenn es dazu käme, würde ein ganzer Kontinent in Mitleidenschaft gezogen.
01:22:59Vulkanologen sind in höchster Alarmbereitschaft.
01:23:02Die Gas-Zusammensetzung enthält seit kurzem mehr magmatische Komponenten. Wir überprüfen das alle zwei Wochen.
01:23:12Auch wer weit entfernt von diesem Gefahrenherd lebt, hat allen Grund, beunruhigt zu sein.
01:23:19Denn er ist nicht der einzige aktive Supervulkan und auch nicht der gefährlichste.
01:23:24Auf dem gesamten Globus gibt es 23 Supervulkane. Fast jeder Kontinent ist betroffen.
01:23:34Der stärkste liegt in den Vereinigten Staaten.
01:23:36Der Yellowstone-Nationalpark umfasst eine Fläche von fast 9000 Quadratkilometern unberührter Wildnis und ist bekannt für seine Wildtiere und einzigartigen Naturwunder.
01:23:56Außerdem befindet sich hier die Hälfte der weltweit vorkommenden Geysire. Ein klarer Hinweis auf die unter der Oberfläche wütenden Kräfte.
01:24:06Das ist der größte aktive Supervulkan der Erde.
01:24:09In Yellowstone gab es in den letzten 2,1 Millionen Jahren drei Eruptionen. Mindestens zwei gelten als Supereruptionen, vielleicht auch alle drei.
01:24:21Die Geologen des Parks schätzen, dass der Vulkan alle 600.000 bis 800.000 Jahre ausbricht.
01:24:29Zuletzt vor 640.000 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit eines neuen Ausbruchs rückt näher.
01:24:35Die Magma-Kammer hat ein Stadium erreicht, in dem es zum Ausbruch kommen könnte.
01:24:43Nach geologischen Berechnungen hätte ein Ausbruch katastrophale Folgen.
01:24:52Sengend heiße Asche und geschmolzenes Gestein würden über dem Land niedergehen und meilenweit alles vernichten.
01:25:00Milliarden Tonnen vulkanischer Schutt würden in die Atmosphäre geschleudert.
01:25:04Und eine Aschewolke riesigen Ausmaßes bilden.
01:25:09Da der Wind diese Wolke mehr als 3000 Kilometer weitertragen würde, wäre schließlich der größte Teil Nordamerikas in einen Schleier aus Asche gehüllt.
01:25:20Es käme zu Ernteausfällen und das Vieh würde verenden. Bald gäbe es keine Lebensmittel mehr.
01:25:25Das Trinkwasser würde durch schädliche Schwefelverbindungen vergiftet.
01:25:33Nicht nur Straßen, sondern die gesamte Infrastruktur wäre unter Asche und Schutt begraben.
01:25:38Die Ostküste von der Versorgung aus den Großstädten abgeschnitten.
01:25:41Selbst die Überlebenden hätten keine Chance auf Rettung.
01:25:45Innerhalb von Wochen bräche die größte Supermacht der Erde zusammen.
01:25:48Und die Zerstörung ginge über Nordamerika hinaus.
01:25:54Bei einer Supereruption gelangen enorme Mengen Material in die Atmosphäre. Das hätte definitiv globale Auswirkungen.
01:26:01Rund um den Globus würde nur noch Dämmerung herrschen, weil das Sonnenlicht durch das vulkanische Material in der Atmosphäre abgelenkt wird.
01:26:13Eine Vorahnung auf die dunkelste Phase einer solchen Katastrophe.
01:26:19Der vulkanische Winter. Eine Periode, in der die Temperaturen stark abfallen und über Jahre auf diesem Niveau verbleiben können.
01:26:26Fachleute glauben, ein Ausbruch in Yellowstone könnte die gesamte Landwirtschaft der Erde vernichten.
01:26:32Extremer Lebensmittelmangel und Hungersnöte wären die Folge.
01:26:37Das Gefüge der menschlichen Zivilisation stünde auf dem Spiel.
01:26:41Aber es kann gut sein, dass wir aus demselben Grund überleben würden, wie nach der Eruption, die zum Aussterben der Neandertaler führte.
01:26:50Moderne Menschen besiedeln jeden Winkel der Erde.
01:26:53Sie überlebten eine Katastrophe, die zwei Kontinente verwüstet hat.
01:26:59Die Neandertaler nicht, denn ihnen fehlte die globale Ausbreitung.
01:27:04Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Eine Population hat es geschafft und das waren wir.
01:27:10Sie sind nicht wegen intellektueller Unterlegenheit ausgestorben.
01:27:14Sie lebten hunderttausend Jahre länger auf diesem Planeten als der moderne Mensch bisher.
01:27:21Wir verdanken ihnen unser Leben.
01:27:26Wir sollten ihnen dankbar sein, denn durch sie haben moderne Menschen überlebt, als sie aus Afrika in die neue Umgebung vorgedrungen sind.
01:27:33Sie sind wichtig für die menschliche Evolution.
01:27:35Wir tragen ihr Erbe bis heute in uns.
01:27:42Die Neandertaler haben sich 300.000 Jahre lang behauptet.
01:27:48Ob der moderne Mensch das auch schafft, weiß niemand.
01:27:51Der Homo sapiens ist die einzige Menschenart auf dem Planeten.
01:27:57Doch die Neandertaler leben in unserer DNA weiter.
01:28:00Vielleicht stärken sie unsere Fähigkeit, mit den irdischen Herausforderungen fertig zu werden
01:28:05und Ereignisse zu überleben, an denen sie zugrunde gegangen sind.
01:28:10Untertitelung des ZDF, 2020
01:28:40Untertitelung des ZDF, 2020