- vor 2 Tagen
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00:00:00Wurde aus meinem Beruf quasi rausgecancelt.
00:00:02Der Grund ist, dass man mir gesagt hat, wegen meiner Haltung zu Israel, wegen meiner Videos,
00:00:07kann man nicht mit mir zusammenarbeiten.
00:00:08Schauspieler und Agenturen sagen ab.
00:00:10Der Druck ist riesig.
00:00:11Ich habe auch meine Sicherheit verloren, meinen normalen Alltag.
00:00:13Man zahlt quasi einen hohen Preis dafür.
00:00:16Ich denke nicht, dass die Positionen, die ich oder wir hier vertreten, dass die so radikal sind.
00:00:20Diese ganze Branche, die war immer schon sehr, sehr links.
00:00:22Einfach weil das cool war, weil das in Mode war.
00:00:24Ich habe diese ganzen Free Palestine Demos begleitet als Journalistin.
00:00:28Und dann gab es da eben diese Hardcore-Islamisten, die auf Arabisch toten Juden riefen.
00:00:33Und eben Lisa Marie und Tobias, ja so linke Studenten, die dann mitgröhlten,
00:00:38ohne überhaupt zu verstehen, was sie da auf Arabisch eigentlich mitgrölen.
00:00:40Es gibt zum Beispiel Viertel oder bestimmte Straßen in Neukölln, die ich gar nicht betreten dürfte.
00:00:45Die wären wirklich lebensgefährlich.
00:00:47Und nicht nur für mich, sondern für einige Menschen, die das hier machen.
00:00:49Es gibt einen Antisemitismus, den man immer wieder nicht ansprechen darf,
00:00:53der aus der arabischen Ecke kommt, der aber sehr ernst zu nehmen ist, weil er auch sehr gefährlich ist.
00:00:56Dieses Israel-Thema ist nicht mehr eins von vielen, ein unwichtiges Thema,
00:01:01was natürlich immer schon von längst besetzt war.
00:01:03Es ist das Hauptthema.
00:01:04Es ist das Hauptthema.
00:01:05Wenn wir jetzt nicht irgendwas machen, dann stehen uns düstere Zeiten leider bevor.
00:01:13Herzlich willkommen, liebe Zuschauer zu einem neuen Gespräch hier auf Apollo News.
00:01:16Heute bei uns zu Gast ist Sarah Maria Sander.
00:01:20Sie ist Schauspielerin und eine der ganz wenigen, wenn man so will, Influencer oder YouTuber in Deutschland,
00:01:26die dezidiert pro-israelisch oder jedenfalls nicht anti-israelisch ist.
00:01:30Und schlägt damit auch einige Wellen.
00:01:34Zum Beispiel gibt es eine große Auseinandersetzung um einen Film,
00:01:38in dem sie die Hauptrolle spielen sollte und aus dem sie quasi rausgestrichen wurde,
00:01:43eben wegen ihrer israelischen oder pro-israelischen Position.
00:01:47Und das, finde ich, ist ein ganz wichtiges und auch sehr spannendes Thema,
00:01:50denn in den vergangenen Jahren ist nicht nur in der Künstlerszene,
00:01:52sondern auch in diesem Land etwas gekippt, wo man immer wieder fassungslos davorsteht,
00:01:57in welcher Weise, insbesondere auf der Linken, dieses anti-israelische Thema zu dem Hauptthema geworden ist.
00:02:04Und darüber wollen wir heute sprechen. Also herzlich willkommen bei uns.
00:02:06Danke für die Einladung.
00:02:07Ja, vielleicht erzählst du erst mal unseren Zuschauern den aktuellen Stand von deinem Fall.
00:02:12Das ist ja wirklich, hat ja auch für viele Schlagzeilen gesorgt.
00:02:16Der Film Die Todessehnsucht der Maria Ohm.
00:02:19Du solltest die Hauptrolle spielen, hast auch wesentlichen Teilen das Drehbuch geschrieben
00:02:23und dann wurde alles anders.
00:02:27Dieser Fall ist so interessant, weil er so rahmt alles,
00:02:30was ich in den letzten zwei Jahren seit dem 7. Oktober gemacht habe.
00:02:33Weil das Drehbuch zu diesem Film habe ich geschrieben,
00:02:36ungefähr in der Zeit des 7. Oktobers, also Ende 2023.
00:02:40Und kurze Zeit danach ging ich ja nach Israel, um aus Israel zu berichten.
00:02:44Und der Grund, warum ich das gemacht habe, war,
00:02:47weil ich in meinem eigentlichen Beruf, der Schauspielerei, der Theater- und Filmwelt,
00:02:50gemerkt habe, die Branche ist so verschlossen gegenüber Israel,
00:02:53ist teilweise so links, so anti-israelisch eingestellt.
00:02:56Ich kann mit meinem eigentlichen Beruf in dieser Bubble überhaupt nichts beitragen
00:03:00und nicht helfen.
00:03:00Das war für mich ein sehr, sehr großer Motivator.
00:03:03Ich will irgendwas tun, ich will den Geiseln helfen, ich will für Aufklärung sorgen.
00:03:07Und jetzt, zwei Jahre später, passiert es plötzlich, dass wir vor Gericht stehen,
00:03:12gerade wegen dieses Filmes.
00:03:14Und der Grund ist, dass man mir gesagt hat, wegen meiner Haltung zu Israel,
00:03:19wegen meiner Videos, kann man nicht mit mir zusammenarbeiten.
00:03:21Schauspieler und Agenturen sagen ab und so weiter und so fort.
00:03:24Also das rahmt für mich alles so ein bisschen, was bei mir in meinem persönlichen Leben,
00:03:28in meinem Beruf passiert ist.
00:03:29Aber es zeigt für mich auch, was tatsächlich schiefläuft in dieser Branche
00:03:32und auch in der Gesellschaft.
00:03:34Wie ist der aktuelle Stand?
00:03:36Ich befinde mich in diesem Rechtsstreit jetzt seit fast fünf Monaten,
00:03:39also seit Ende des letzten Jahres bis jetzt.
00:03:41Und es ist ein sehr, sehr zäher und sehr, sehr schwerer Kampf.
00:03:46Mir war das vielleicht in dem Sinne nicht bewusst, wie lange das dauern wird.
00:03:49Und ich versuche trotzdem nicht zu bereuen, dass ich den Kampf überhaupt angefangen habe,
00:03:54weil zumindest habe ich der Produktionsfirma es nicht so einfach gemacht,
00:03:58mich aus diesen sehr niederträchtigen Gründen auszuschließen.
00:04:01Wir hatten vor einigen Tagen jetzt einen Termin im Kammergericht,
00:04:05weil die Produktionsfirma in Berufung gegangen ist.
00:04:08Ich weiß nicht, wie weit ich in die ganzen Details reingehen will,
00:04:11weil da gab es sehr, sehr, sehr verschiedene Stufen von diesem Gerichtsverfahren.
00:04:14Wir hatten einen Antrag im einstweiligen Verfügungsverfahren gestellt
00:04:20mit meinem Anwalt, weil wir die Dreharbeiten stoppen wollten.
00:04:23Ich hatte zwischenzeitlich auch den Drehbuchvertrag gekündigt.
00:04:27Das Landgericht in Berlin hat zwar gesagt,
00:04:31ja, dieser Ausschluss meiner Rolle, das war ein Vertragsbruch,
00:04:34das war rechtswidrig, aber die Kündigung wurde nicht akzeptiert,
00:04:37weil mein Co-Autor nicht zugestimmt hat.
00:04:40Dabei wurde ignoriert, dass dieser Co-Autor beteiligt war an meinem Ausschluss.
00:04:42Also alles eine sehr komplizierte Sache.
00:04:44Und die Gegenseite ist in Berufen gegangen vom Kammergericht
00:04:46und da hatten wir eben diesen Termin.
00:04:47Und leider, muss man sagen, hat das Kammergericht
00:04:49zugunsten der Produktionsfirma entschieden.
00:04:51Sie haben gesagt, dass Änderungen am Drehbuch,
00:04:53die zusätzlich noch gemacht worden sind,
00:04:56nicht so schlimm sind, branchenüblich.
00:04:58Und dass bei dem eigentlichen Thema,
00:05:01also bei meinem Ausschluss, die Dringlichkeit fehlt.
00:05:04Das heißt, uns bleibt jetzt eigentlich nur der Weg in die Hauptverhandlung.
00:05:08Und da muss ich entscheiden, ob das der richtige Weg ist,
00:05:11ob ich mir das leisten kann, kräftemäßig, finanziell.
00:05:14Es ist ein langer Kampf.
00:05:15Es ist sehr schwer.
00:05:17Und es offenbart, wie gesagt, in meinen Augen, was alles schiefläuft.
00:05:20Weil ich bin mir so sicher, dass ich nicht die Einzige bin,
00:05:22der sowas passiert.
00:05:23Ich bin vielleicht mit die Einzige,
00:05:25die diesen Weg gegangen ist, vor Gericht zu gehen.
00:05:28Aber das ist passiert, dass diese Branche ein Problem hat.
00:05:30Das ist offensichtlich.
00:05:31Und aber das heißt, es gibt jetzt eigentlich nur noch dieses Hauptverfahren.
00:05:33Aber ist das da nicht eigentlich erst beendet,
00:05:35wenn der Film quasi schon gedreht wird?
00:05:37Das dauert ja eigentlich sehr lange, oder?
00:05:39Schau mal, wir wollten, das war ein Wettlauf gegen die Zeit.
00:05:42Weil dieser Ausschluss ist passiert.
00:05:47Und gleichzeitig hat man uns vor vollendete Tatsachen gestellt,
00:05:50dass man gesagt hat, ja, wir fangen jetzt aber an zu drehen.
00:05:51Wir besetzen die Rolle neu.
00:05:54Und während man quasi gedreht hat,
00:05:56haben wir parallel mit meinem Anwalt Anträge gestellt.
00:05:58Das Landgericht hat leider am Anfang sehr, sehr spät terminiert,
00:06:02weswegen die Produktionsfirma einen Großteil des Filmes
00:06:04schon fertigstellen konnte.
00:06:06Und das Interessante war, dass dann dieses Argument,
00:06:08der Film ist quasi schon fertig,
00:06:10wurde dann quasi gegen uns verwendet.
00:06:12Und das ist diese Absurdität,
00:06:14das ist diese himmelschreiende Ungerechtigkeit,
00:06:18an der wir jetzt leider auch nicht sehr viel ändern können.
00:06:23Das, was mich am meisten schockiert,
00:06:25ist, dass es eigentlich keine Solidarität gab
00:06:28aus dieser Produktion, also von den Schauspielern,
00:06:32aber auch überhaupt sehr, sehr wenig Solidarität.
00:06:34oder Anteilnahme von Schauspielern, von Kollegen.
00:06:38Weißt du, bei anderen Themen ist man in dieser Bubble sehr, sehr laut.
00:06:42Und man geht sofort auf die Barrikaden
00:06:43und man zeigt sich und man erhebt seine Stimme.
00:06:46Wenn es um einen Ausschluss geht von einer Schauspielerin
00:06:49aufgrund ihrer pro-israelischen Haltung,
00:06:51ist es tutenstill.
00:06:53Und weißt du, das ist auch so ein Punkt,
00:06:55der mir sehr zu denken gibt.
00:06:57Ich kämpfe hier und ich habe das Gefühl,
00:06:59ich kämpfe eigentlich für einen kleinen Kreis
00:07:01von Menschen, die ähnlich denken wie ich,
00:07:04aber der Großteil der Branche,
00:07:05die ist vielleicht tatsächlich dagegen,
00:07:08dass Menschen wie ich in dieser Branche arbeiten.
00:07:10Weißt du, was ich meine?
00:07:11Und das ist sehr, sehr schwer zu akzeptieren.
00:07:12Ja, auf jeden Fall.
00:07:13Aber erzähl doch mal ein bisschen, wie das so ist,
00:07:15weil das kann man sich ja wirklich schwer
00:07:16als jemand, der nicht in dieser Branche ist, vorstellen.
00:07:18Ich meine, dass diese Künstlerszene und so weiter
00:07:20extrem anti-israelisch ist,
00:07:21das ist ja schon länger bekannt.
00:07:22Aber dass du jetzt schon gecancelt wirst,
00:07:25wirklich rausgeschrieben wirst aus deinem Film,
00:07:27weil du quasi in irgendeiner Form Israel verteidigst.
00:07:30Das ist ja schon wirklich eine neue Eskalationsstufe einfach und so.
00:07:34Und etwas, was man jetzt wirklich vor kurzer Zeit
00:07:35auch noch nicht für möglich gehalten hätte.
00:07:37Wie ist das passiert?
00:07:38Wie kamen die Leute auf die Zubass?
00:07:39Was gab es da für so Situationen?
00:07:41Wie kann man sich das vorstellen?
00:07:43Diese ganze Branche, weißt du,
00:07:44die war immer schon sehr, sehr links.
00:07:46Aber sie war links in meinen Augen
00:07:47nicht aus wirklicher Überzeugung
00:07:49und aus politischer Auseinandersetzung,
00:07:51wo man sagt, ich habe mich auseinandergesetzt.
00:07:54Aus einer bewussten Entscheidung heraus
00:07:56bin ich jetzt links politisch eingestellt,
00:07:58sondern einfach, weil das cool war,
00:08:00weil das in Mode war.
00:08:01Weil man dachte, man ist für die Menschlichkeit
00:08:04und für Menschenrechte und so weiter und so fort.
00:08:06Und als der 7. Oktober passierte,
00:08:10ist man sehr schnell dazu übergegangen,
00:08:12zu sagen, man ist jetzt für Palästina,
00:08:15man ist jetzt so, wenn man kämpft
00:08:16in diesen Widerstandskampf, Freiheitskampf,
00:08:18weil man ja ein guter Mensch ist,
00:08:21ein guter Künstler.
00:08:22Und Künstler sollten für die Menschen sein.
00:08:24Und man hat dann diese ganze Zeit
00:08:25absolut außer Acht gelassen,
00:08:27dass man seine Menschlichkeit
00:08:28und seine Moral komplett verloren hat,
00:08:30indem man zum Beispiel die Geiseln ignoriert hat,
00:08:32indem man Israel dämonisiert hat,
00:08:34indem man sich konsequent
00:08:35auf die falsche Seite der Geschichte gestellt hat.
00:08:37Und diese Indoktrination oder diesen Glauben,
00:08:43dass man ja wirklich für das Gute kämpft,
00:08:45das hat sich da so sehr manifestiert,
00:08:46dass es für Kollegen anscheinend vollkommen normal war,
00:08:49mir dann zu sagen,
00:08:50Sarah, wegen deiner Videos,
00:08:52ja, wir können nicht mit dir zusammenarbeiten.
00:08:54Weil genau das ist passiert.
00:08:55Ich habe ja dieses Drehbuch nicht alleine geschrieben,
00:08:57sondern mit einem Kollegen,
00:08:58mit Rainer Beguin,
00:08:59der auch Schauspieler ist.
00:09:01Und er war derjenige,
00:09:03der Erste eigentlich,
00:09:03der mich anrief und sagte,
00:09:04Sarah, deine Arbeit,
00:09:06ich habe Angst,
00:09:07dass wir Festivals nicht angenommen werden.
00:09:08Ich habe Angst,
00:09:09der Film wird einen Totalschaden.
00:09:11Schauspielagenturen,
00:09:12alle sagen ab,
00:09:13wir können keinen Cast zusammenstellen.
00:09:15Und das war eigentlich ein Kollege,
00:09:17ein Freund von mir,
00:09:19der anscheinend auch der Überzeugung war,
00:09:21dass das, was ich mache, schädlich ist.
00:09:23Und weißt du,
00:09:23wir reden immer so über meine politische Arbeit
00:09:25und so weiter
00:09:26und dass die irgendwie nicht in diese Branche passt.
00:09:28Wenn man sich anguckt,
00:09:28was ich zwei Jahre gemacht habe,
00:09:29ich habe mich für Geiseln eingesetzt,
00:09:31ich habe über Antisemitismus berichtet,
00:09:33über Israel bezogen Antisemitismus,
00:09:35ich war selber in Israel unter Beschuss.
00:09:37Es sind keine radikalen Positionen,
00:09:41die ich vertrete.
00:09:42Im Grunde bin ich sogar überzeugt,
00:09:44sind viele meiner Videos und Inhalte
00:09:45sogar weniger politisch
00:09:46als einfach nur sehr, sehr menschlich
00:09:48oder einfach, was weißt du,
00:09:50ich erzähle Geschichten von Menschen in Israel.
00:09:53Und dass allein diese Themen jetzt
00:09:55als Provokation gelten, ja,
00:09:57und als etwas,
00:09:57was in dieser Branche nicht stattfinden darf
00:09:59und man will nicht mit mir arbeiten,
00:10:01das zeigt, glaube ich,
00:10:02wie verblendet,
00:10:04wie infantil teilweise
00:10:07viele, viele Künstler
00:10:08und Filmschaffende in Deutschland sind.
00:10:10Und das ist sehr, sehr traurig,
00:10:12weil ich muss dir sagen,
00:10:12ich habe diesen Beruf früher sehr geliebt.
00:10:15Ich habe das ja, wie gesagt,
00:10:16auch studiert in Berlin.
00:10:17Ich habe im Theater gearbeitet
00:10:18und ich habe das auch aus Überzeugung getan,
00:10:20weil ich dachte,
00:10:21Schauspieler,
00:10:21die wollen auch mit ihrer Kunst
00:10:24oder mit ihrem Beruf
00:10:25auf Missstände aufmerksam machen,
00:10:28tatsächlich auch Geschichten erzählen,
00:10:29aber sie setzen sich auch damit auseinander.
00:10:31Und was ich jetzt mittlerweile merke,
00:10:33das ist nicht mehr der Fall.
00:10:34Die Schauspieler setzen sich
00:10:35mit nichts auseinander.
00:10:37Sie wollen politisch klingen,
00:10:40sie wollen Slogans von sich geben,
00:10:42aber sie haben überhaupt kein Background.
00:10:44Und das merkst du jetzt
00:10:47an allem, was mir passiert,
00:10:48weißt du,
00:10:48dass diese Oberflächlichkeit,
00:10:50die macht sich jetzt breit und sichtbar.
00:10:54Es ist sehr, sehr schmerzhaft.
00:10:55Ich kämpfe teilweise hier nicht nur
00:10:57um mein Buch als Urheberin,
00:10:58um meine Rolle,
00:11:00auch etwas um meine Würde.
00:11:01Und wie gesagt,
00:11:02ich kämpfe auch darum,
00:11:03dass das nicht so einfach geht.
00:11:05Weil ich habe das Gefühl,
00:11:06wenn man einer Produktionsfirma
00:11:10oder solchen Kollegen nicht zeigt,
00:11:11Leute, das kann man nicht akzeptieren.
00:11:14Man kann zumindest versuchen,
00:11:16gerichtlich dagegen vorzugehen.
00:11:17Dann wird das irgendwann zur Norm.
00:11:19Dann wird das irgendwann normal.
00:11:20Und das ist, glaube ich, fatal.
00:11:21Erzähl doch mal vielleicht noch mal
00:11:22ein bisschen was zu diesem Film.
00:11:23Das ist ja auch in Teilen autobiografisch.
00:11:26Du hast daran geschrieben,
00:11:27also es ist ja etwas
00:11:29sehr Wichtiges für dich,
00:11:30aber sicherlich auch einfach
00:11:30karrieretechnisch,
00:11:31auch finanziell.
00:11:34Und da bist du jetzt einfach
00:11:35relativ kurzer Zeit
00:11:36ja komplett rausgestrichen worden.
00:11:38Was bedeutet das?
00:11:39Es ist, weißt du,
00:11:40ich weiß nicht, ob Leute,
00:11:41die sich vielleicht nicht
00:11:42in diesen künstlerischen Kreisen bewegen,
00:11:44sich das vorstellen können.
00:11:45Aber ich glaube,
00:11:45jeder kann sich so rein empfinden
00:11:47in irgendetwas,
00:11:48was einem viel bedeutet,
00:11:48so ein Herzensprojekt.
00:11:49Man schreibt etwas,
00:11:51es ist, man legt da sehr viel
00:11:54von seinem eigenen Ich,
00:11:55von seinem eigenen Leben rein.
00:11:57Und es ist ein,
00:11:58dieses Drehbuch ist ein geistiges Eigentum
00:12:00quasi von mir,
00:12:01so blöd es jetzt auch klingt,
00:12:02ja, aber so bezeichnen wir es auch vor Gericht.
00:12:05Und dieses Drehbuch wurde vor allem
00:12:06von mir und dem Kollegen damals,
00:12:08als wir noch junge Schauspieler waren
00:12:09und freigearbeitet haben,
00:12:11nur geschrieben,
00:12:11weil wir gesagt haben,
00:12:12wir schreiben das
00:12:13und wenn wir schaffen,
00:12:14dass eine Produktionsfirma
00:12:15das verfilmen will,
00:12:16dann ist die einzige Bedingung,
00:12:17dass wir die Hauptrollen spielen,
00:12:18weil sie, wie gesagt,
00:12:19autobiografisch geprägt sind
00:12:20und so weiter.
00:12:22Und es war auch für mich
00:12:23als junge Schauspielerin
00:12:25ein sehr, sehr bedeutender Moment,
00:12:29einen Film zu machen,
00:12:30das auf meinem Buch basiert,
00:12:31wo ich die Rolle spiele,
00:12:32die ich für mich geschrieben habe.
00:12:33Also das ist ein sehr, sehr persönliches,
00:12:37sowohl für mein eigenes Leben,
00:12:38als auch für meinen Beruf
00:12:39Projekt gewesen.
00:12:41Und das alles wurde mir
00:12:43aus sehr niederträchtigen Gründen
00:12:44einfach so genommen.
00:12:46Und das größte Problem ist vielleicht,
00:12:51dass ich kann den Grund nicht akzeptieren.
00:12:53Verstehst du,
00:12:54wenn man mir gesagt hätte,
00:12:55man kann nicht mit dir arbeiten,
00:12:57weil du irgendwie,
00:12:58ich weiß nicht,
00:12:59deine schauspielerische Reistung ist schlecht.
00:13:01Ja, sogar das.
00:13:01Oder du passt vom Typ her nicht.
00:13:03Das sind alle so Sachen,
00:13:03da kann man nicht streiten.
00:13:04Aber hier war der Grund,
00:13:06und das weiß die Produktionsfirma,
00:13:07das weiß mein Kollege,
00:13:08weil das haben sie mir gesagt
00:13:09und geschrieben.
00:13:10Wir haben eine ganze Akte
00:13:12von Belegen,
00:13:13Gesprächsprotokollen,
00:13:14E-Mails,
00:13:14Beweisen,
00:13:15dass das tatsächlich so stattgefunden hat,
00:13:16haben sie gesagt,
00:13:17der einzige Grund ist,
00:13:19deine Haltung,
00:13:20deine öffentlichen Videos.
00:13:21Und das ist das,
00:13:23was das Ganze,
00:13:24glaube ich,
00:13:24was das Ausmaß,
00:13:26weißt du,
00:13:26der Ungerechtigkeit
00:13:28und dieser Dreistigkeit,
00:13:29glaube ich,
00:13:30noch mehr spürbar macht.
00:13:32Was steht da eigentlich dahinter?
00:13:33Ist das die Produktionsfirma,
00:13:35die quasi wirklich
00:13:37eine andere Überzeugung hat?
00:13:39Oder ist das,
00:13:40so klingt es ja an,
00:13:41wirklich der Druck,
00:13:42der dann aus der,
00:13:43ja,
00:13:44und das wäre ja dann nochmal
00:13:44viel struktureller,
00:13:45aus der Branche kommt.
00:13:47Also von Agenturen,
00:13:48die dann wirklich sagen,
00:13:49sie canceln das,
00:13:50dass sie dann nicht mehr
00:13:51zusammenarbeiten.
00:13:51Weil das wären ja dann,
00:13:52denke ich mir jetzt,
00:13:53auch Firmen,
00:13:54auch Agenturen,
00:13:54die durchaus irgendwie
00:13:56connected sind,
00:13:57das sind große Unternehmen,
00:13:58die eine Rolle spielen,
00:13:59in dieser Branche
00:13:59an großen Produktionen
00:14:01beteiligt sind und so weiter.
00:14:02Das Perfide ist,
00:14:03mir wurde gesagt,
00:14:05es seien die anderen,
00:14:06diese Agenturen und Schauspieler.
00:14:07Als ich aber damals gefragt habe,
00:14:09könnt ihr mir Namen nennen?
00:14:10Könnt ihr mir irgendeinen Kontext geben?
00:14:11Sagte man mir,
00:14:12man will die Leute nicht verpetzen,
00:14:14man nenne keine Namen,
00:14:15aber es seien wirklich
00:14:16alle großen Agenturen.
00:14:18Also ich zitiere,
00:14:18das hat man mir wirklich gesagt,
00:14:19es seien wirklich
00:14:19alle großen Agenturen.
00:14:21Sarah,
00:14:21glaub mir,
00:14:22es sind wirklich die großen Namen.
00:14:24Und mein Kollege
00:14:26hat wie gesagt,
00:14:27die Produzentin
00:14:27in dem Sinne da
00:14:28sehr, sehr unterstützt.
00:14:29Sie hat genau die gleiche Meinung vertreten,
00:14:31genau die gleichen Ängste geteilt.
00:14:32Es wäre schwer vorzustellen,
00:14:34dass das vollkommen
00:14:34aus der Luft gegriffen ist.
00:14:35Also dass da einfach
00:14:36nur eine Produzentin
00:14:37und ein Kollege
00:14:37einfach so ein Problem haben
00:14:39mit meinen Videos
00:14:40und das dann so sagen.
00:14:42Wahrscheinlich ist es tatsächlich so,
00:14:43dass sie Rückmeldungen
00:14:44bekommen haben
00:14:45von Agenturen und Schauspielern.
00:14:46Es ist ja auch so,
00:14:46ich habe ja im August 2025
00:14:49aber noch vor Vertragsunterzeichnung
00:14:50mit der Produktionsfirma
00:14:51ein Video gemacht,
00:14:52wo ich einen Teil
00:14:53der Schauspielbranche kritisiert habe,
00:14:55die damals so einen Gaza-Brief
00:14:56unterschrieben haben
00:14:57gegen Friedrich Merz,
00:14:58gegen Waffenlieferungen an Israel
00:14:59und da habe ich
00:15:00einem Teil der Branche vorgeworfen,
00:15:02dass sie in meinen Augen sehr,
00:15:04dass sie gegen Israel sind,
00:15:06weil es in Mode ist,
00:15:07dass sie gar keinen Mut haben
00:15:08und auch der moralische Kompass,
00:15:10weil dieser Branche
00:15:10total verbogen ist.
00:15:12Und ich kann mir schon vorstellen,
00:15:14dass ich da
00:15:16mir keine Freunde gemacht habe.
00:15:20Aber die Frage ist trotzdem,
00:15:22kann man das akzeptieren?
00:15:23Ist das, was ich gesagt habe,
00:15:24wirklich so,
00:15:25dass man mich dann ausschließen kann?
00:15:26Weißt du, was ich meine?
00:15:27Und am Ende des Tages
00:15:28bin ich vor Gericht
00:15:29gegen eine Produktionsfirma,
00:15:31weil mit der Produzentin,
00:15:33mit der Produktionsfirma
00:15:34habe ich ja den Vertrag geschlossen
00:15:35zusammen mit meinem Kollegen.
00:15:38Wer dahinter steckt,
00:15:40wer alles da noch beteiligt ist,
00:15:42das werden wir vielleicht
00:15:44irgendwann herausfinden,
00:15:45aber mir wurde gesagt,
00:15:46es sind die,
00:15:46es sind alle,
00:15:47es sind sozusagen fast alle.
00:15:48Ja, verstehe.
00:15:49Dann lass uns doch mal ein bisschen
00:15:50wirklich auf diese Künstler,
00:15:51auf diese Szene eingehen,
00:15:52weil das kann man sich,
00:15:53glaube ich,
00:15:53als Zuschauer
00:15:54und auch ich mir
00:15:55nicht vorstellen,
00:15:56weil das zeigt ja,
00:15:58wie radikal einfach
00:15:58auch diese Branche ist,
00:15:59also wie ein,
00:16:00welche politische Radikalität
00:16:02dort mainstream ist,
00:16:03weil das muss man
00:16:03nochmal unterstreichen.
00:16:04Es geht ja nicht um
00:16:04das Übliche,
00:16:05was wir vielleicht schon kannten
00:16:06nach dem Motto,
00:16:07okay, wahrscheinlich als Konservative,
00:16:09als Rechte hat man in dieser Branche
00:16:10wenig Glück
00:16:11und da wird man nichts werden.
00:16:12Das ist was,
00:16:13was wir, glaube ich,
00:16:14was man so akzeptiert hat
00:16:15oder was zumindest so,
00:16:17ja, was ist halt so
00:16:18seit vielen Jahren.
00:16:18Aber das ist ja
00:16:19ein neues Ausmaß an Intensität,
00:16:21weil das heißt ja,
00:16:22eine bis vor kurzem
00:16:23völlig normale Position
00:16:25im Sinne von,
00:16:26man verteidigt irgendwie
00:16:27oder rechtfertigt Israel,
00:16:30dass das schon
00:16:31zu einer unsagbaren,
00:16:33radikalen Position geworden ist
00:16:34innerhalb dieses Schauspielbetriebs.
00:16:35Also das heißt ja,
00:16:36diese Verschiebung
00:16:37ist ja verrückt eigentlich.
00:16:38Ja, ich könnte vielleicht
00:16:40ein bisschen aus meiner Erfahrung
00:16:42sprechen,
00:16:43um vielleicht den Zuhörern
00:16:44so ein bisschen zu schildern,
00:16:45wie so etwas eigentlich abläuft.
00:16:46Als ich damals
00:16:47im festen Ensemble war,
00:16:48im Theater,
00:16:49kurz nach der Schauspielschule,
00:16:51hat man als Schauspielensemble
00:16:53auch immer wieder
00:16:53so interne Treffen
00:16:55und immer wieder,
00:16:56wenn politisch irgendwas passierte,
00:16:57sagen wir zum Beispiel
00:16:58eine MeToo-Debatte
00:16:59oder Black Lives Matter
00:17:00oder irgendwas in diese Richtung,
00:17:02was ja auch
00:17:04grundsätzlich wichtige Themen sind.
00:17:05Ich streite das überhaupt nicht ab,
00:17:06aber man hat sich getroffen
00:17:07und man hat nicht
00:17:09inhaltlich richtig diskutiert,
00:17:11sondern man hat gesagt,
00:17:12was können wir machen,
00:17:12was können wir Cooles machen.
00:17:13Gibt es irgendwie eine Idee
00:17:15für ein Hashtag,
00:17:16für ein cooles Video,
00:17:16wir wollen uns positionieren,
00:17:17wir sind ja Schauspieler.
00:17:19Weißt du,
00:17:19also allein diese Auseinandersetzung
00:17:22mit politischen Themen
00:17:23war nicht,
00:17:23lasst uns mal gucken,
00:17:24was sind die verschiedenen Richtungen,
00:17:27ja,
00:17:27wie verhalten wir uns dazu,
00:17:29sondern wir müssen uns jetzt verhalten,
00:17:31wir müssen jetzt zeigen,
00:17:32was wir denken,
00:17:33ja,
00:17:33wir müssen ein Statement machen
00:17:35und so läuft es da,
00:17:37verstehst du,
00:17:37dieser Beruf ist teilweise,
00:17:40und das muss ich auch zugeben,
00:17:41es ist ja sehr,
00:17:41es ist ja sehr,
00:17:42eine,
00:17:43sehr selbstbezogen,
00:17:44ja,
00:17:44du stehst auf der Bühne,
00:17:45du bist der,
00:17:46der diese Kunst da verbreitet
00:17:47und so genau gehen diese Schauspieler
00:17:49oder viele Filmschaffende
00:17:50auch mit diesen politischen Themen um
00:17:52und wie gesagt,
00:17:54nach dem 7. Oktober
00:17:55sind ja wirklich alle Masken gefallen
00:17:56und dieser,
00:17:57dieser,
00:17:58dieser Palästina Solidarität,
00:18:01die wurde da verkauft
00:18:01in diesen Kreisen
00:18:02als etwas Humanes,
00:18:03als etwas Richtiges,
00:18:04als etwas Gutes
00:18:05und es ist für mich selber
00:18:07absolut schockierend,
00:18:08wie,
00:18:09wie,
00:18:09wie sehr diese Branche
00:18:10eingenommen wurde
00:18:11durch diesen Hass,
00:18:12der ja teilweise einfach nur
00:18:13Antisemitismus pur ist.
00:18:16Ich bin überzeugt,
00:18:17dass die meisten von diesen Leuten
00:18:20sich nicht auseinandersetzen,
00:18:21teilweise,
00:18:22entschuldige bitte,
00:18:23dass ich so arrogant das sage,
00:18:25aber ungebildet sind bei diesem Thema,
00:18:26sich aber auch nicht auseinandersetzen wollen,
00:18:28sehr arrogant sind
00:18:28und gleichzeitig aber zeigen wollen,
00:18:30wir sind sehr,
00:18:31sehr politisch.
00:18:33Und ich glaube,
00:18:34lange werden sie damit auch nicht fahren,
00:18:36weil ich höre,
00:18:36ich gebe sehr viele Vorträge
00:18:37im deutschsprachigen Raum
00:18:38mit ganz normalen Menschen,
00:18:39die überhaupt nichts
00:18:40mit dieser Künstlerbranche zu tun haben
00:18:42und die meisten merken es,
00:18:43die meisten merken,
00:18:44dass etwas nicht stimmt,
00:18:45die meisten haben so ein Unbehagen,
00:18:47wenn sie über diese Künstlerbranche
00:18:49in Anführungszeichen
00:18:50in Deutschland sprechen
00:18:51und ich glaube,
00:18:52diese Künstlerbranche
00:18:53hebt sich immer mehr ab
00:18:54zu etwas,
00:18:55weißt du,
00:18:55fast sowas Göttlichem,
00:18:56ja,
00:18:56was wir Schauspieler und Künstler,
00:18:58wir stehen über der Politik,
00:18:59wir stehen über den normalen Menschen,
00:19:01aber das ist in der Arroganz,
00:19:03Dreistigkeit
00:19:03und wie gesagt,
00:19:04auch teilweise Ignoranz
00:19:05und so ungebildet wie die sind,
00:19:08kann man das kaum mehr überbieten.
00:19:10Ja.
00:19:10Also du siehst,
00:19:11ich rede sehr, sehr hart,
00:19:12aber weil ich einfach
00:19:13aus dieser Branche komme
00:19:14und weil ich mir das Recht nehme,
00:19:15weil ich selber quasi Teil davon war.
00:19:17Ja.
00:19:17Berichte uns mal mehr,
00:19:18weil ich glaube,
00:19:18das ist auch etwas,
00:19:19was viele sich bis heute
00:19:21nicht so verstanden haben ist,
00:19:23was wir hier auch im Umgang
00:19:25mit der radikaleren Linken
00:19:26in Berlin erlebt haben,
00:19:28ist,
00:19:28dieses Israel-Thema
00:19:29ist nicht mehr
00:19:30eins von vielen,
00:19:32ein unwichtiges Thema,
00:19:33was natürlich immer schon
00:19:34von längst besetzt war.
00:19:35Es ist das Hauptthema.
00:19:36Es ist das Hauptthema.
00:19:37Also es ist das,
00:19:37hier in Berlin,
00:19:38das Hauptthema
00:19:39der radikalen Linken,
00:19:40es ist das Hauptmobilisierungsthema
00:19:42und es gibt dort eine,
00:19:44ja,
00:19:44ganz neue eigentlich Radikalität,
00:19:46die also wirklich
00:19:48vieles überbietet,
00:19:49was man sich bisher
00:19:50so erinnern,
00:19:51er vorstellen konnte.
00:19:52Ja, ja.
00:19:52Ich glaube,
00:19:53ein Teil des Erfolges
00:19:55dieser sogenannten
00:19:56Palästina-Bewegung
00:19:57ist,
00:19:57dass die
00:19:59Palästina-Bubble,
00:20:00ja,
00:20:00also die Propaganda,
00:20:01die sie gemacht haben,
00:20:02auch auf Social Media,
00:20:03auch lange noch
00:20:04vor dem 7. Oktober,
00:20:05war sehr, sehr effektiv.
00:20:07Das heißt,
00:20:07es gibt so viele
00:20:10Videos,
00:20:11so viele Formate,
00:20:12wo eben über
00:20:13Palästina gesprochen wird
00:20:14und das ist so,
00:20:16das war wirklich
00:20:16so, so klug gemacht,
00:20:17dass ich meine das jetzt
00:20:18sehr, sehr zynisch,
00:20:19es wurde so gut aufgebaut,
00:20:20dass es, glaube ich,
00:20:21sehr, sehr leicht war,
00:20:24diese Künstler,
00:20:25die sehr, sehr links
00:20:26und sehr, sehr infantil
00:20:27teilweise sind
00:20:29und einen großen Teil
00:20:30auch der Studenten
00:20:31da mit reinzuziehen,
00:20:32dass die der Überzeugung waren,
00:20:33wie gesagt,
00:20:34ich wiederhole mich ein bisschen,
00:20:35dass das richtig ist
00:20:36und dass das menschlich ist
00:20:37und dass das etwas Gutes ist.
00:20:39Was wir aber merken,
00:20:40da hast du vollkommen recht,
00:20:41ist, dass das seit zwei Jahren
00:20:42zu einem Hauptthema geworden ist,
00:20:44was vorher vielleicht
00:20:45nicht so sichtbar war.
00:20:46In Berlin,
00:20:47bei den Linken,
00:20:48wenn man das Thema,
00:20:50das Israel-Palästina-Thema
00:20:51wegnehmen würde,
00:20:52ich weiß nicht,
00:20:53ob die Linke dann so erfolgreich wäre.
00:20:55Man hat das Gefühl,
00:20:55dass sie gerade ihren ganzen Erfolg,
00:20:57ihre Wählerschaft,
00:20:58die vor allem, glaube ich,
00:20:59auch aus sehr jungen Studenten,
00:21:00aus linken Studenten eben besteht,
00:21:03verlieren würden,
00:21:03wenn das Thema plötzlich
00:21:05nicht mehr aktuell wäre
00:21:06oder wenn sie ein anderes Thema
00:21:07sich suchen müssen.
00:21:08Also es ist auch ein Thema,
00:21:09das unfassbar viele Menschen zieht
00:21:10und es stellen sich sehr,
00:21:14sehr viele Fragen.
00:21:14Ist das ein alter Semitismus,
00:21:17Antisemitismus,
00:21:17der jetzt plötzlich offengelegt wird?
00:21:20Glauben die Menschen wirklich an all das?
00:21:23Ist das irgendwas,
00:21:24irgendein versteckter Judenhass?
00:21:25Was ist das?
00:21:26Und da kann man, glaube ich,
00:21:27sehr, sehr lange
00:21:28und auch sehr philosophisch
00:21:29darüber reden,
00:21:30was Fakt ist.
00:21:31Es hat Wirkung gezeigt.
00:21:33Es hat sich durch alle Gesellschaftsschichten
00:21:37irgendwie gezogen
00:21:37und es ist, wie gesagt,
00:21:39wirklich ein Trend geworden,
00:21:40wo es absolut normal ist,
00:21:42mit eben so einem Palästina-Pin rumzulaufen,
00:21:45mit Free Palestine
00:21:45und Israel ist böse
00:21:47und man wirft mit diesen Begriffen um sich,
00:21:50die ja jetzt auch gerade
00:21:50sehr, sehr in Mode sind,
00:21:53Antikolonial,
00:21:53also der Kampf gegen Kolonialismus,
00:21:56der Kampf gegen Rassismus.
00:21:58Wieder, der Kampf gegen Rassismus,
00:22:00ein sehr wichtiges Thema.
00:22:01Nur das Problem ist,
00:22:03diese jungen linken Menschen denken,
00:22:05indem sie Israel dämonisieren,
00:22:08kämpfen sie gegen koloniale,
00:22:11rassistische Ideen.
00:22:12Und das ist so ein Trugschluss.
00:22:14Es ist wirklich,
00:22:17mir fehlen manchmal die Worte zu beschreiben,
00:22:19wie verblendet
00:22:20und wie naiv ich diese Generation finde.
00:22:22Und was kann man dem entgegenwirken,
00:22:26wenn du mich fragen würdest?
00:22:27Ich weiß es nicht.
00:22:27Das ist extrem schwer.
00:22:28Ich glaube, Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung,
00:22:30aber vor allem muss von diesen jungen Menschen
00:22:31auch irgendwann die Einsicht kommen,
00:22:33dass sie sich auf so einem falschen Weg befunden haben.
00:22:37Und bis das kommt,
00:22:38das kann lange dauern.
00:22:39Du hast gerade schon angesprochen,
00:22:40diese Symbole,
00:22:40auch das ist ja omnipräsent,
00:22:41also dieses Palästina,
00:22:42also dieses Tuch und die Flagge,
00:22:44das sind ja eigentlich die Symbole der Linken.
00:22:45Es ist auch der Versuch.
00:22:46Ja, ist krass, das zu sagen.
00:22:48Aber in Berlin sieht man es ja auch,
00:22:49die Versuchen,
00:22:50die quasi in diesen migrantischen Milieus
00:22:53und Bezirken,
00:22:53also Neukölln und so weiter,
00:22:54zu verschieben.
00:22:55Das waren ja eigentlich eher Bezirke,
00:22:56die früher eher so CDU, SPD gewählt haben,
00:22:59relativ mittig.
00:23:00Und die jetzt aber über eben dieses Palästina-Thema
00:23:03jetzt tatsächlich so in Richtung auch Linkspartei
00:23:05immer weiter gebracht werden.
00:23:07Das ist ja die spannende Frage.
00:23:11Dass die Linke, wie gesagt,
00:23:12irgendwie am Rande auch anti-israelisch ist,
00:23:14ist ja alt.
00:23:15Aber dass dieses Thema so mobilisieren kann,
00:23:18also dass es für Leute wirklich entscheidend ist,
00:23:20welcher Partei sie ihre Stimme geben,
00:23:23ausgehend von dieser Frage.
00:23:24Das ist ja eigentlich die wirklich spannende Frage.
00:23:26Aber das zeigt ja,
00:23:26wie tief dieser Israel-Hass verankert schon ist,
00:23:30dass das eben ausschlaggebend ist,
00:23:31welche Partei du wählst
00:23:33oder mit wem du zusammenarbeitest.
00:23:35Und das Absurdeste ist ja,
00:23:37dass eine linke Partei
00:23:39oder Menschen,
00:23:40die sich der linken Politik näher fühlen,
00:23:45mit islamistischer Hamas-Propaganda sympathisieren,
00:23:48ohne es zu merken.
00:23:49Es war für mich immer absolut so,
00:23:51ich dachte, versteht ihr überhaupt, was ihr tut?
00:23:53Ich habe in Berlin immer wieder mal
00:23:55diese ganzen Free-Palestine-Demos begleitet
00:23:58als Journalistin,
00:23:58um darüber zu berichten.
00:24:00Und dann gab es da eben diese Hardcore-Islamisten,
00:24:03die auf Arabisch wirklich
00:24:05toten Juden riefen
00:24:07und einfach Hamas-Propaganda verbreiteten.
00:24:11Und eben Lisa Marie und Tobias,
00:24:14ja so linke Studenten,
00:24:16die dann mitgröhlten,
00:24:17ohne überhaupt zu verstehen,
00:24:18was sie da auf Arabisch eigentlich mitgrölen.
00:24:21Und die dann irgendwie auch so sagen,
00:24:23ja, für Rechte von Frauen,
00:24:25von queeren Menschen,
00:24:26wo ich mir denke,
00:24:26wisst ihr überhaupt,
00:24:27neben wem ihr steht?
00:24:28Wisst ihr überhaupt,
00:24:29dass Frauenrechte,
00:24:30Rechte von Schwulen,
00:24:32dass zum Beispiel in einem
00:24:33von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifen
00:24:35mit Füßen getreten werdet?
00:24:38Also wisst ihr,
00:24:38dass ihr eigentlich mit euren eigenen Feinden
00:24:40da marschiert?
00:24:41Verstehst du,
00:24:41es ist eine solche Verblendung.
00:24:43Es ist linke Ideale
00:24:46mit islamistischer Propaganda
00:24:47zusammengemischt.
00:24:49Das zeigt,
00:24:50glaube ich,
00:24:50diesen ganzen Missstand
00:24:51unserer Gesellschaft.
00:24:52Und was Propaganda,
00:24:53das ist auch ein ganz wichtiges Thema,
00:24:55denke ich immer,
00:24:55was diese Propaganda bewirken kann.
00:24:57Und das,
00:24:58auch wenn viele dann sagen,
00:24:59ach Sarah,
00:25:00diesen Vergleich,
00:25:00das ist ein bisschen zu krass.
00:25:02Aber ich bin,
00:25:03ich denke,
00:25:03man muss diese Vergleiche
00:25:04immer wieder versuchen zu ziehen.
00:25:05Das erinnert uns wieder
00:25:06an dunkle Zeiten,
00:25:07an 1933,
00:25:08wo eben Propaganda
00:25:09gerade auch junge Menschen
00:25:11und Studenten in Deutschland
00:25:12übrigens sehr mobilisiert hat.
00:25:13Und diese Gefahr
00:25:14sind wir uns nicht bewusst.
00:25:15Absolut,
00:25:15man muss ja vorsichtig sein.
00:25:16Aber ich finde eben auch,
00:25:16also für mich,
00:25:17der frappierende Vergleich,
00:25:19wo man sich wirklich erinnert fühlt,
00:25:20ist,
00:25:21dass wir das ja auch
00:25:22so ein bisschen falsch sehen.
00:25:23Eigentlich im Dritten Reich
00:25:24oder in der späten Phase
00:25:25der Weimarer Republik
00:25:26wird uns ja heute so vermittelt
00:25:27nach dem Motto,
00:25:28die Nazis haben den Deutschen
00:25:29diesen Antisemitismus
00:25:30so ein bisschen untergejubelt
00:25:31oder es war so heimlich.
00:25:32Der Antisemitismus war ja damals,
00:25:34und das ist ja das wirklich Erschreckende,
00:25:35das Wahlkampf-Mobilisierungsthema
00:25:37der Nazis,
00:25:37mit dem sie es geschafft haben,
00:25:39so verschiedene politische Strömungen
00:25:40auch so zu vereinigen
00:25:41unter diesem Antisemitismus.
00:25:43Und das ist eigentlich,
00:25:44finde ich,
00:25:44das Erschreckende jetzt,
00:25:45dass dieses,
00:25:46wie auch immer man das sieht,
00:25:47dieses Anti-Israelische und so weiter,
00:25:49dass es eine Kraft hat,
00:25:51dass es für Leute
00:25:51das wichtigste Thema wird,
00:25:52dass Menschen
00:25:53ihre Wahlentscheidung
00:25:54in Deutschland
00:25:55davon abhängig machen,
00:25:57wie irgendwie das
00:25:58zum Israel-Konflikt,
00:25:59was ja objektiv
00:25:59erstmal völlig irrelevant ist,
00:26:01aber dass das das Hauptthema wird.
00:26:03Ja,
00:26:03und das ist eben das,
00:26:04was du gerade sagst,
00:26:05wo ich eben mich traue,
00:26:06diese Parallelen zu machen,
00:26:08nicht um zu sagen,
00:26:09es ist genauso,
00:26:10um Gottes Willen,
00:26:10das ist nicht genauso.
00:26:11Aber
00:26:12ich will die Menschen
00:26:14immer so ermahnen,
00:26:14erinnert euch,
00:26:15erinnert euch
00:26:16und seht,
00:26:16was gerade passiert.
00:26:17Weil,
00:26:18wie du sagst,
00:26:18wenn man sich darüber Gedanken macht,
00:26:20ist das so,
00:26:21so absurd,
00:26:22dass eben,
00:26:22wie du sagst,
00:26:23plötzlich das Thema,
00:26:24wie eine Partei zu Israel steht,
00:26:26in Deutschland Ausschlag geben wird,
00:26:28dass eben linke Studenten
00:26:29damit mit Islamisten
00:26:30zusammen marschieren.
00:26:31Wie konnte es soweit kommen?
00:26:33Und da nehme ich auch
00:26:34ein bisschen in die Verantwortung,
00:26:36vielleicht auch die Regierung,
00:26:37die Politik,
00:26:38die Bildung,
00:26:38dass die das nicht zu,
00:26:40nicht ernst genug nimmt in meinen Augen.
00:26:43Dass wir zu wenig,
00:26:44ich habe das in einem Video mal gesagt,
00:26:45das wurde, glaube ich,
00:26:46ein bisschen missverstanden.
00:26:47Ich habe mal gesagt,
00:26:47wir haben zu wenig Angst.
00:26:49Aber mit Angst meine ich nicht,
00:26:50ach,
00:26:50wir sollten jetzt in Panik verfallen.
00:26:51Ich meine so eine Art gesunde Angst.
00:26:53Wir sollten das sehr,
00:26:56sehr ernst gerade alles beobachten
00:26:58und sagen,
00:26:58wenn wir jetzt nicht irgendwas machen,
00:27:01sei es Aufklärung,
00:27:02sei es in die Bildung investieren,
00:27:03sei es irgendwie diese linken Studenten
00:27:04versuchen irgendwo abzuholen,
00:27:07dann stehen uns düstere Zeiten leider bevor.
00:27:09Und ich sage dir ehrlich,
00:27:11und ich weiß,
00:27:11ich bin nicht die Einzige,
00:27:12viele,
00:27:13viele jüdische Freunde und Bekannte in Berlin
00:27:15denken ähnlich,
00:27:15wenn die Linke hier in Berlin
00:27:18mehr zu sagen hat,
00:27:20ja,
00:27:20also auch an die Spitze kommt,
00:27:22haben viele,
00:27:23viele Juden hier Angst.
00:27:24Überleg dir das mal.
00:27:25Und dann denken die meisten,
00:27:27die meisten Juden denken eh
00:27:28seit dem 7. Oktober
00:27:29und das ist nicht metaphorisch gesagt,
00:27:30die sitzen wirklich auf gepackten Koffern
00:27:32und denken darüber nach,
00:27:33wann sie auswandern müssen.
00:27:35Aber viele sagen eben auch,
00:27:36wenn die Linken hier mehr Kraft bekommen
00:27:38und die Linken so bleiben,
00:27:40wie sie jetzt gerade sind.
00:27:41Die Linkspartei.
00:27:42Entschuldigung,
00:27:42die Linkspartei, ja.
00:27:43Die Linkspartei,
00:27:44wenn die so bleibt,
00:27:46wie sie ist
00:27:46oder wie sie jetzt war
00:27:48seit dem 7. Oktober,
00:27:49dann haben wir Angst,
00:27:49hier zu bleiben.
00:27:50Und das ist erschreckend.
00:27:51Ja, erzähl doch nochmal ein bisschen
00:27:52wirklich aus dieser jüdischen Sicht auch,
00:27:55weil,
00:27:56ja,
00:27:56ich würde auch immer von der Außensicht sagen,
00:27:57das wurde auch immer
00:27:58dann ab und an mal so diskutiert
00:27:59und lange muss man ja sagen,
00:28:01ja,
00:28:01der Antisemitismus wächst und so,
00:28:03aber es ist ein sehr,
00:28:03ein Randphänomen.
00:28:04Aber ich würde eben auch,
00:28:05finde jetzt so seit ein,
00:28:06zwei Jahren,
00:28:07diese Dominanz dieses,
00:28:08dieses Themas
00:28:09und auch wie gesagt,
00:28:10dieses völlige,
00:28:11das völlige Desinteresse eigentlich
00:28:12auch an so einer gewissen Abgrenzung
00:28:14mit diesen paar Mastreiken.
00:28:15Also das ist ja nicht nur so,
00:28:17ist das jetzt Antisemitismus,
00:28:18sondern es ist auch so,
00:28:18es ist denen so ein bisschen egal,
00:28:20würde ich zumindest sagen.
00:28:20Ja,
00:28:20das ist auch diese Rückkopplung,
00:28:22so nach dem Motto,
00:28:22ich lasse mir doch hier nicht vorschreiben,
00:28:24was ich denke,
00:28:25nur weil ihr dann sagt,
00:28:26das wäre antisemitisch und so weiter.
00:28:29Wie groß ist wirklich eigentlich
00:28:30so die Sorge in diesen,
00:28:32in dieser,
00:28:33in den jüdischen Gemeinden
00:28:35vor diesem Szenario,
00:28:36also wirklich vor,
00:28:38vor so einer Welle
00:28:39und natürlich auch jetzt schon,
00:28:41sozusagen einfach,
00:28:41was auf den Straßen los ist.
00:28:43Die Angst ist massiv
00:28:44und es ist wirklich nicht übertrieben.
00:28:47Ich habe im Zuge meiner Arbeit
00:28:50so viele Menschen kennengelernt,
00:28:52so viele jüdische Menschen.
00:28:52Ich habe natürlich sehr viele Freunde
00:28:53und Bekannte,
00:28:54aber zusätzlich noch so viele Juden
00:28:56in ganz Deutschland kennengelernt.
00:28:59Jeder,
00:28:59wirklich jeder,
00:29:00denkt ernsthaft darüber nach,
00:29:02ist es sicher zu bleiben?
00:29:05Wenn ich bleibe,
00:29:06wie wird die Zukunft aussehen?
00:29:07Wenn man noch keine Kinder hat,
00:29:08überlegt man sich,
00:29:09ist es gut und richtig
00:29:11in Deutschland
00:29:12eine Familie zu gründen
00:29:13und wenn man Kinder hat,
00:29:14wäre es besser auszuwandern
00:29:16nach Israel
00:29:17oder sonst wohin.
00:29:19Weißt du,
00:29:19es gibt so einen alten Witz,
00:29:21einen jüdischen Witz
00:29:22aus der Zeit der Shoah,
00:29:23dass ein Jude so ein Globus hat
00:29:25und sagt so,
00:29:26wohin?
00:29:26Weil kein Ort ist sicher.
00:29:28Aber dieses Gefühl
00:29:30ist irgendwie wieder da.
00:29:31Und es ist wirklich,
00:29:32wirklich nicht übertrieben.
00:29:33Ich habe eine gute jüdische Freundin,
00:29:35die hat hier einen Friseursalon in Berlin
00:29:37und sie hat mir erzählt,
00:29:38sie hatte eine deutsche Kundin
00:29:39und die deutsche Kundin
00:29:40sieht irgendwie ihren Davidstern
00:29:41und fragt,
00:29:42da sind sie jüdisch
00:29:42und dann fängt sie an
00:29:43so ein bisschen zu erzählen,
00:29:44dass sie tatsächlich Angst hat
00:29:45und überlegt mit ihrer Familie
00:29:47auszuwandern
00:29:47und dann sagt diese deutsche Frau,
00:29:49ach ist das wirklich so schlimm
00:29:50mit dem Antisemitismus?
00:29:51Es ist mir gar nicht aufgefallen
00:29:52und das war jetzt vor kurzem
00:29:55und das ist genau der Punkt.
00:29:57Wenn es dich nicht betrifft,
00:29:58kann man sich zurückziehen,
00:29:59es fällt nicht auf.
00:30:01Es ist so ein bisschen
00:30:02eine Gleichgültigkeit da,
00:30:03aber alle Juden spüren es.
00:30:06Jetzt werden mir wieder
00:30:07manche Juden sagen,
00:30:08ich kann nicht für alle Juden sprechen,
00:30:09das stimmt.
00:30:10Das ist jetzt
00:30:11vielleicht übertrieben von mir
00:30:12zu sagen, alle,
00:30:12aber wirklich der Großteil
00:30:14denkt so
00:30:16und sie fühlen sich auch
00:30:17alleine gelassen.
00:30:18Sie fühlen sich auch alleine gelassen,
00:30:19weil wenn wir jetzt
00:30:20diese Demos wieder anschauen,
00:30:21diese ganzen Palestine-Demos
00:30:22oder diese ganzen Bewegungen,
00:30:23die konnten zwei Jahre
00:30:25fast stattfinden.
00:30:28Es gab ja die Polizei,
00:30:29da war ich der Polizei
00:30:29auch dankbar in Berlin,
00:30:30die ist teilweise auch hart durchgegriffen.
00:30:36Aber im Grunde konnte es stattfinden,
00:30:37die Uni-Besetzungen konnten stattfinden,
00:30:39immer wieder gab es
00:30:40komplette Fehltritte
00:30:41auch bei den Politikern zu Israel.
00:30:42Die Linkspartei hat sich
00:30:43also wirklich Sachen erlaubt,
00:30:45die teilweise mich sehr
00:30:48an Antisemitismus erinnert haben
00:30:49und so weiter und so fort.
00:30:50Also man fühlt sich allein gelassen
00:30:52und natürlich haben wir
00:30:53ein großes Problem mit,
00:30:54es gibt einen Antisemitismus,
00:30:56den man immer wieder
00:30:57nicht ansprechen darf,
00:30:58der aus der arabischen Ecke kommt,
00:31:00der aber sehr ernst zu nehmen ist,
00:31:01weil er auch sehr gefährlich ist.
00:31:03Und wenn man das immer wieder
00:31:04zum Tabuthema macht,
00:31:05dann kannst du dir vorstellen,
00:31:06dass sich viele Juden
00:31:06dann noch mehr im Stich gelassen fühlen.
00:31:08Und diesen Antisemitismus
00:31:09darf man nicht kleinreden,
00:31:11weil er eben teilweise
00:31:12sehr, sehr radikal ist,
00:31:13sehr, sehr gewaltbereit.
00:31:15Also ich kann selber von mir erzählen,
00:31:16durch meine Arbeit,
00:31:17die ich begonnen habe,
00:31:20bräuchte ich eigentlich Polizeischutz.
00:31:22Also ich bin mit dem LKA
00:31:23in regelmäßigen Gesprächen,
00:31:24ich werde bedroht,
00:31:25Morddrungen,
00:31:26mein ganzer Alltag hat sich angepasst.
00:31:29Ja, ich kann mich in Berlin
00:31:30nicht einfach so frei,
00:31:31normal bewegen.
00:31:33Und so geht das sehr, sehr vielen,
00:31:35die sich öffentlich positionieren.
00:31:37Also sag mal,
00:31:38was passiert denn?
00:31:39Wie kann man sich das vorstellen,
00:31:40diese Bedrohungslage bei dir?
00:31:41Es gibt zwei verschiedene,
00:31:42also es gibt verschiedene Aspekte,
00:31:44aber sagen wir mal,
00:31:44die zwei großen Blöcke.
00:31:45Das ist einmal das,
00:31:46was im digitalen Raum stattfindet
00:31:49und einmal was im realen Leben
00:31:50quasi stattfindet.
00:31:51Im digitalen Raum
00:31:51sind wirklich alle Grenzen gesprengt.
00:31:54Also da haben die Leute
00:31:55überhaupt keine Scham mehr.
00:31:56Und das sind tägliche hunderte,
00:32:00manchmal sogar explizite Morddrohungen,
00:32:03Hassnachrichten,
00:32:03wo auch explizit auf die Schoah,
00:32:05auf den Holocaust,
00:32:06auf Hitler verwiesen wird.
00:32:07Also da schreibt zum Beispiel jemand,
00:32:11du Zionistin,
00:32:12ja Free Palestine
00:32:12und hätte Adolf Hitler
00:32:13dich mal vergast.
00:32:14Also da gibt es überhaupt
00:32:16keinen Anstand mehr.
00:32:18Ja, da sind alle Masken
00:32:18sind gefallen.
00:32:19Und auch eben sehr viele Nachrichten,
00:32:22die explizit aus Berlin
00:32:23zu kommen scheinen,
00:32:24zumindest schreiben die Menschen das,
00:32:25wenn ich dich in Berlin sehe,
00:32:27bringe ich dich um
00:32:27oder werde ich dich vergewaltigen
00:32:29oder reiße ich dir den Kopf ab.
00:32:31Ich finde dich in Berlin
00:32:32oder ich habe dich in Berlin gesehen.
00:32:33Und das ist natürlich,
00:32:35das ist so ein Problem
00:32:36im digitalen Raum,
00:32:37weil es löst auch
00:32:38sehr viel Paranoia aus.
00:32:39Du weißt nie,
00:32:40schreiben die Menschen das,
00:32:41nur meinen sie das,
00:32:42sind die wirklich in Berlin,
00:32:43finden sie einen.
00:32:43Und das ist zusätzlich
00:32:44zu dieser ganzen Bedrohungslage
00:32:45natürlich ein sehr, sehr großer Druck.
00:32:46Und dann gibt es noch im realen Leben,
00:32:49dass man tatsächlich einfach
00:32:50auf der Straße erkannt wird,
00:32:51verfolgt wird,
00:32:52in der U-Bahn,
00:32:55bedrohliche Situationen es gibt.
00:32:56Und ich, wie gesagt,
00:32:57ich schränke meinen Alltag so ein,
00:32:58dass ich gar nicht
00:32:59in diese Situationen komme.
00:33:00Aber das ist,
00:33:02es ist schrecklich,
00:33:03es ist schrecklich.
00:33:04Und es hört auch nicht auf.
00:33:07Also jetzt ist Israel
00:33:09und Palästina verschwindet
00:33:10ein bisschen,
00:33:12gerät ein bisschen in den Hintergrund,
00:33:14andere Themen kommen
00:33:14in den Vordergrund.
00:33:16Aber dieser Hass
00:33:18und dieser Wahn,
00:33:19der ist ja nicht weg.
00:33:20Und von wem,
00:33:20was sind das für Leute,
00:33:21woher kommt das?
00:33:23Nun, wenn wir ehrlich sind,
00:33:24zum größten Teil,
00:33:25vor allem nach dem 7. Oktober,
00:33:26kam das aus der,
00:33:28aus der,
00:33:28aus der arabischen Ecke.
00:33:30Warum weiß man das?
00:33:30Das weiß man,
00:33:31weil wir die Menschen
00:33:32teilweise auch auf Arabisch schreiben,
00:33:33arabische Namen haben
00:33:34oder das offen auch,
00:33:35auch zugeben.
00:33:37Und es ist ein riesiges Problem
00:33:39in Berlin.
00:33:40Also es gibt zum Beispiel
00:33:40Viertel oder bestimmte Straßen
00:33:42in Neukölln,
00:33:44die ich gar nicht betreten
00:33:46wollen würde,
00:33:47aber auch gar nicht
00:33:47betreten dürfte.
00:33:48Die werden wirklich,
00:33:50ich denke,
00:33:50ich übertreibe nicht
00:33:51lebensgefährlich.
00:33:52Und nicht nur für mich,
00:33:52sondern für einige Menschen,
00:33:53die das hier machen,
00:33:55öffentlich zu Israel stehen
00:33:56und dann auch jüdisch sind.
00:33:58Und der andere Teil
00:33:59sind vor allem eben
00:34:01auch diese,
00:34:01diese linken Studenten.
00:34:03Das ist auch keine
00:34:03homogene Masse,
00:34:04ja, aber das sind halt eben,
00:34:06die kommen dann auch
00:34:07aus diesen Kreisen.
00:34:11Rechten Antisemitismus
00:34:11gibt es selbstverständlich auch.
00:34:13Aber ich muss dir ehrlich sagen,
00:34:14er ist im Vergleich
00:34:15zu diesen anderen Blöcken
00:34:17in meiner Erfahrung
00:34:17zumindest in Berlin
00:34:19gering.
00:34:20Das würde mich
00:34:21auch mal interessieren,
00:34:21also weil das ist ja immer
00:34:22so die jüdische Perspektive,
00:34:23gibt es ja auch Umfragen,
00:34:24die zeigen eigentlich
00:34:24die Bedrohungslage aus Sicht
00:34:26von Juden geht eben
00:34:26hauptsächlich Deutschland
00:34:27schon eben aus diesem
00:34:29arabisch-muslimischen Bereich aus,
00:34:30wird vielleicht so ein bisschen
00:34:31flankiert, kann man sagen,
00:34:32politisch von so einer Linken,
00:34:33die da so wegschaut oder so,
00:34:34aber die Gewalt
00:34:35unmittelbar geht eigentlich
00:34:36aus dieser Richtung aus.
00:34:38Und das wird ja aber trotzdem,
00:34:40so wenn man so die
00:34:41politischen Sonntagsreden anhört,
00:34:42bis heute eigentlich
00:34:43nicht anerkannt, oder?
00:34:44Also wir reden ja dann doch
00:34:45immer nur oder immer noch
00:34:46vorwiegend über
00:34:47Rechten Antisemitismus.
00:34:49Richtig, ja.
00:34:50Weil es ist ein Tabuthema,
00:34:52weil man sich nicht traut,
00:34:55Dinge anzusprechen,
00:34:56weil man das Gefühl hat,
00:34:57man wird sofort in irgendeine
00:34:59rechtsradikale Schublade gesteckt.
00:35:01Aber das ist ein riesengroßes Problem.
00:35:03Weil wenn man das nicht anspricht,
00:35:05wird das Problem nicht gelöst,
00:35:06es wird nur noch größer.
00:35:07Und mich wundert es immer,
00:35:09weißt du,
00:35:10wenn ich zum Beispiel
00:35:11Themen wie Islamismus anspreche
00:35:13und Menschen dann sagen,
00:35:14ich sei islamfeindlich.
00:35:16Wenn Menschen nicht unterscheiden können,
00:35:18dass es eine Religion gibt,
00:35:19Islam,
00:35:20es gibt Islamismus,
00:35:22dann haben diese Menschen
00:35:23ein Problem.
00:35:24Wenn Menschen nicht unterscheiden können,
00:35:25dass man,
00:35:26wenn man zum Beispiel
00:35:26das Thema anspricht,
00:35:27muslimischer,
00:35:27arabischer Antisemitismus,
00:35:29dass man nicht gleich
00:35:31gegen alle Ausländer ist,
00:35:32dann ist das nicht,
00:35:33da verstehst du,
00:35:34das ist das Problem von denen,
00:35:35die nicht differenziert denken können,
00:35:37die nicht diese Komplexität
00:35:38verstehen können.
00:35:39Und das ist für mich völlig absurd,
00:35:41dass selbst Politiker
00:35:42in ihren Sonntagsreden
00:35:43oder in Talkshows
00:35:44nicht den Mut haben
00:35:45und den Intellekt zu sagen,
00:35:47wieso lassen wir uns denn einschüchtern
00:35:49von denen,
00:35:50die uns irgendwie
00:35:52ja einen Maulkorb verpassen wollen.
00:35:55Das ist doch eigentlich
00:35:55vollkommen absurd.
00:35:57Es ist so blöd,
00:35:59muss man sagen,
00:36:00und so naiv,
00:36:00so zu denken.
00:36:01Aber es ist eine große,
00:36:03große Feigheit.
00:36:04Es ist leider eine große,
00:36:05große Feigheit.
00:36:06Und ich warte
00:36:08auf mutige Politiker,
00:36:09die sich,
00:36:10es gibt die,
00:36:11das muss man sagen,
00:36:12aber es sind leider immer noch
00:36:12sehr vereinzelte Stimmen,
00:36:13die sich trauen,
00:36:14das anzusprechen,
00:36:18die einfach die Gefahr erkennen,
00:36:20die Ansthaftigkeit erkennen.
00:36:21Weil im Augenblick ist das so,
00:36:22ich habe das Gefühl,
00:36:23die Klügeren quasi,
00:36:26die sind so tolerant,
00:36:28die auch so tolerant sind
00:36:30gegenüber denen,
00:36:31denen, die,
00:36:33weißt du,
00:36:33die sehr,
00:36:34wie soll ich denn das
00:36:36politisch korrekt sagen,
00:36:36nicht die sehr blöd sind,
00:36:37aber weißt du,
00:36:38die sehr in ihrer Arroganz
00:36:40so ignorant sind.
00:36:41Und dann geben wir denen
00:36:42irgendwie Raum
00:36:43und sprechen diese Themen nicht an.
00:36:44Also,
00:36:45es ist fatal.
00:36:46Und ich denke,
00:36:47es wird gerade
00:36:48so ein Fokus gelegt
00:36:49auf den rechten Antisemitismus.
00:36:50Es ist auch richtig,
00:36:51man muss darüber sprechen.
00:36:54Aber das ganze andere
00:36:56riesige Feld
00:36:57von arabisch-muslimischem
00:36:58Antisemitismus,
00:36:59von linken Antisemitismus,
00:37:00das kommt überhaupt nicht vor.
00:37:02Und das verfälscht die Realität,
00:37:04zumindest aus meiner Erfahrung,
00:37:06in den Großstädten
00:37:06und vor allem in Berlin,
00:37:08was hier tatsächlich abgeht.
00:37:10Ja, also das finde ich eben
00:37:11auch so interessant,
00:37:12weil du hast eigentlich
00:37:13diese Gewaltbereitschaft
00:37:16aus dieser arabischen Community,
00:37:17finde ich,
00:37:18die ist ja auch total offensichtlich.
00:37:19Also, wenn man in Berlin
00:37:20wirklich diese Sonnenallee lang geht
00:37:21und die einfach die Dichte
00:37:22an Palästina-Flaggen
00:37:24und so weiter sich anschaut,
00:37:26dann spürt einfach jeder,
00:37:27dass du jetzt dich nicht
00:37:29mit der Israel-Flagge,
00:37:30sage ich jetzt mal,
00:37:31du würdest wirklich
00:37:32keine drei Minuten überleben,
00:37:33die du da langläufst.
00:37:34Das ist,
00:37:35also jeder,
00:37:36der da mal war,
00:37:36würde ich sagen,
00:37:37spürt das so,
00:37:38ja,
00:37:38und das ist irgendwie
00:37:41ziemlich klar.
00:37:42Und was ich irgendwie krass finde,
00:37:43ist,
00:37:44es bricht so weg,
00:37:46die,
00:37:47also was bis vor kurzem
00:37:48ja so ein ganz klarer Konsens war,
00:37:49also wir sind gegen Antisemitismus,
00:37:51dass alle Leute verurteilt das
00:37:52und so weiter.
00:37:52Und ich habe das Gefühl,
00:37:53es gibt so ein Rutschen gerade,
00:37:55weil ganz viele,
00:37:56gerade eben in diesem linken Bereich,
00:37:57da so weggucken
00:37:58oder dann mit so Sachen anfangen wie,
00:38:00naja,
00:38:00die muss man ja verstehen,
00:38:01die sind ja auch die Opfer,
00:38:02die Palästinien sind ja geflohen,
00:38:04die sind ja selber,
00:38:04ihre Familien sterben dort und so.
00:38:06Also,
00:38:06es gibt da so ein ganz,
00:38:08so ein ganz eigentlich Missrutschen
00:38:10und das gipfelt jetzt,
00:38:11finde ich,
00:38:11in diesen neuen,
00:38:12in Berlin,
00:38:13diesen Graffitis,
00:38:14wo ja da teilweise
00:38:14das direkt in so
00:38:16Kill-All-Schuss
00:38:17und so weiter übergeht
00:38:18und auch diese Hamastra-Ecke,
00:38:21die dann so als Symbol,
00:38:22ja eigentlich komplett offenen Antisemitismus,
00:38:24so einen Mord an den Juden
00:38:24erstmal beinhalten,
00:38:25aber so rein diffundieren
00:38:27plötzlich auch
00:38:28in so einen weiteren linken Symbol-Kitsch.
00:38:31Ja, ja.
00:38:31Das meine ich ja,
00:38:32diese jungen Menschen,
00:38:33weißt du,
00:38:33die sind so verfangen
00:38:35in dieser Propaganda
00:38:38oder in dieser Indoktrination,
00:38:39die sie sich selber teilweise gestrickt haben,
00:38:41die merken nicht,
00:38:43dass sie,
00:38:45sorry,
00:38:45dass ich das so sage,
00:38:46aber zu ihren Großeltern fast werden,
00:38:47ja,
00:38:48oder dass sie quasi
00:38:49sich genau dem annähern,
00:38:50was sie eigentlich bekämpfen wollen,
00:38:52dass sie so einfach
00:38:52blanken Antisemitismus übergeben
00:38:54und weißt du,
00:38:56du hast gerade Neukölln angesprochen,
00:38:57man merkt auch,
00:38:58was merkt man noch
00:38:58auf der Sonnenallee,
00:38:59man merkt eine,
00:39:00so eine Art von Dreistigkeit
00:39:02oder so eine Art von,
00:39:04ja,
00:39:05wir können,
00:39:05wir machen das so,
00:39:06weil wir kriegen,
00:39:07also wir dürfen das auch,
00:39:08also wir haben überhaupt
00:39:09keine Schranken,
00:39:10verstehst du?
00:39:11Es ist teilweise,
00:39:11wie die Leute
00:39:12mit Polizien,
00:39:13mit der Polizei hier reden,
00:39:15weil bei Protesten,
00:39:16da ist null Respekt,
00:39:18null Angst,
00:39:20weder vor dem Staat
00:39:20noch vor der Polizei,
00:39:21man soll jetzt nicht Angst
00:39:22vor der Polizei
00:39:22und dem Staat haben,
00:39:23aber weißt du,
00:39:23aber irgendein grundlegender Respekt
00:39:25sollte in einer Gesellschaft,
00:39:26einfach in einer demokratischen
00:39:27Gesellschaft vorhanden sein,
00:39:28der ist weg
00:39:29und bei diesen jungen Menschen,
00:39:31die du gerade angesprochen hast,
00:39:32da ist wirklich da,
00:39:33es gibt teilweise keinen Anstand mehr,
00:39:35keinen Skrupel mehr,
00:39:37Sachen zu sagen,
00:39:37die vor zwei,
00:39:38drei Jahren noch
00:39:40undenkbar waren,
00:39:42undenkbar und
00:39:43wie du gerade beschrieben hast,
00:39:45diese,
00:39:45die,
00:39:45die,
00:39:46die Palästinenser,
00:39:47die werden hier dauernd
00:39:48als so ein Opfer
00:39:48stilisiert,
00:39:49ja die Armen,
00:39:50die,
00:39:50man entmündigt sie fast,
00:39:52ja man hat schon fast
00:39:53die Hamas-Terroristen,
00:39:54die die Kibbutzim
00:39:55überfallen haben,
00:39:56entmündigt,
00:39:57ach die konnten ja nichts dafür,
00:39:58die wurden ja so unterdrückt,
00:40:00die konnten nichts dafür,
00:40:01dass sie Kinder
00:40:02abgeschlachtet haben,
00:40:03ja,
00:40:03dass die Häuser
00:40:05verbrannt haben,
00:40:06mit Menschen drin,
00:40:07ach die Armen,
00:40:08wo ich mir denke,
00:40:09in welcher kranken Welt
00:40:10leben wir,
00:40:11dass wir
00:40:13islamistische Terroristen,
00:40:14ja,
00:40:15als Opfer
00:40:16stilisieren
00:40:17und
00:40:17diesen jüdischen Staat
00:40:19konsequent
00:40:20dämonisieren,
00:40:21also es ist so
00:40:22eine verkehrte Welt,
00:40:23es ist immer wieder,
00:40:24sage ich in meinen Videos auch,
00:40:25dieser moralische Kompass
00:40:26ist
00:40:27absolut verdreht,
00:40:28zerbrochen,
00:40:30wir,
00:40:30wir,
00:40:31wir,
00:40:31wir verlieren alle unsere Menschlichkeit,
00:40:33unseren Anstand,
00:40:33die das ist
00:40:34und ich glaube,
00:40:35ich glaube,
00:40:36das ist eigentlich
00:40:36das größte Problem,
00:40:38wir verrohen,
00:40:39so,
00:40:39vielleicht ist das das Wort,
00:40:40ich habe das Gefühl,
00:40:40wir verrohen in der Gesellschaft
00:40:41und deswegen ist das alles möglich
00:40:45und,
00:40:45weißt du,
00:40:46ich frage mich immer wieder,
00:40:47es ist,
00:40:47nicht alle sind so
00:40:48und es gibt auch einen großen Teil
00:40:49in Deutschland,
00:40:50das merke ich auch,
00:40:51die sehr,
00:40:51die schon sehr besorgt sind,
00:40:53die wissen nur nicht so richtig,
00:40:53was man tun soll
00:40:54und dann,
00:40:55dann entscheiden sie sich eher
00:40:56für Gleichgültigkeit
00:40:56und für Distanz,
00:40:57aber ich denke,
00:40:58vor allem in einem Land
00:40:59wie Deutschland,
00:41:00mit unserer Geschichte,
00:41:02wieso,
00:41:03wieso schockiert das,
00:41:04nicht noch mehr Leute
00:41:05und zwingt es sie,
00:41:06nicht weißt du,
00:41:07etwas zu tun,
00:41:08lauter zu werden,
00:41:09weil wir haben doch
00:41:11eine Verantwortung,
00:41:12verstehst du
00:41:12und wir sind wirklich gerade,
00:41:14wir steuern auf eine,
00:41:15auf etwas so was,
00:41:17was sehr,
00:41:18sehr düster aussieht
00:41:19und ich würde mir so sehr wünschen,
00:41:20weil das würde auch Stimmen,
00:41:22das würde auch mir helfen
00:41:23oder Juden helfen
00:41:24oder Israelis helfen
00:41:25oder auch
00:41:26israel-solidarischen Journalisten helfen,
00:41:29dass man das Gefühl hat,
00:41:29man hat mehr,
00:41:30man hat mehr Leute mit sich
00:41:32und man hat mehr Politiker mit sich.
00:41:33Tja,
00:41:34das ist für mich auch eine spannende Frage,
00:41:35über die wir jetzt einmal für dich sprechen müssen,
00:41:36ist,
00:41:37du hast ja,
00:41:38also wo man diese Dominanz
00:41:40des Palästinensischen
00:41:41ja immer mehr sieht,
00:41:41ist auf Social Media
00:41:42und hat natürlich dann auch
00:41:43bei jungen Leuten,
00:41:44also ich würde sagen,
00:41:44auf Social Media
00:41:45hast du eine totale Dominanz,
00:41:47sozusagen diese anti-israelischen Erzählung,
00:41:50sehr radikal
00:41:50und wie gesagt,
00:41:51also du bist jetzt wirklich
00:41:52auch die einzige
00:41:53irgendwie so Influencer
00:41:54mit irgendeiner Reichweite
00:41:55in Deutschland,
00:41:55die mir jetzt einfühlen würde,
00:41:56die so dezidiert
00:41:57so pro-israelisch
00:41:58als ihren Hauptinhalt hat.
00:42:01Und ich habe das Gefühl,
00:42:03aber erst mal ist die Frage so,
00:42:05wie konnte das entstehen,
00:42:06aber ich habe das Gefühl,
00:42:06diese Dominanz ist teilweise so stark,
00:42:08auch gesellschaftlich,
00:42:09dass es,
00:42:10dass es,
00:42:12auch Politiker und so weiter,
00:42:15immer mehr so schon
00:42:16darauf verzichten eigentlich,
00:42:17sich noch so wirklich so
00:42:18bei Israel zu positionieren,
00:42:19weil der Druck
00:42:20wirklich schon enorm ist.
00:42:21Ja, der Druck ist riesig.
00:42:23Du siehst das ja sogar
00:42:24in meinem Fall, ja.
00:42:25Ich wurde aus meinem Beruf
00:42:26quasi rausgecancelt, ja,
00:42:27weil das ist ja nicht nur
00:42:29dieser einer Gerichtsfall
00:42:30mit dem Film,
00:42:31das ist ja eigentlich auch
00:42:31mein Beruf als Schauspielerin
00:42:32und wenn man mir sagt,
00:42:33niemand will mehr mit dir arbeiten,
00:42:34du hast in dieser Branche
00:42:35nichts verloren,
00:42:36dann habe ich quasi
00:42:37meinen eigentlichen Beruf verloren, ja.
00:42:39Ich habe dir beschrieben,
00:42:41wie ich bedroht werde,
00:42:41also ich habe auch
00:42:42meine Sicherheit verloren,
00:42:43meinen normalen Alltag.
00:42:45Man zahlt quasi
00:42:46einen hohen Preis dafür,
00:42:48was vollkommen absurd ist,
00:42:50weil ich denke nicht,
00:42:52dass die Positionen,
00:42:52die ich oder wir hier vertreten,
00:42:54dass die so radikal sind,
00:42:55für den jüdischen Staat
00:42:57sich einzusetzen,
00:42:58den 7. Oktober
00:42:59als das zu benennen,
00:42:59was es ist.
00:43:00Aber ja,
00:43:01du hast vollkommen recht.
00:43:02Ich habe auch das Gefühl,
00:43:02dass viele Politiker,
00:43:05führende Persönlichkeiten
00:43:06Angst haben davor.
00:43:07Nur die Frage ist,
00:43:09wohin bringt uns diese Angst?
00:43:10Weil wenn wir alle jetzt
00:43:10anfangen, Angst zu haben
00:43:11und niemand etwas sagt,
00:43:13dann lassen wir
00:43:15die Kontrolle
00:43:16bei denen,
00:43:17die das schamlos ausnutzen
00:43:18und die die Dominanz
00:43:19gerade über uns haben.
00:43:23Und diese Naivität
00:43:25in Deutschland
00:43:25und diese Blindheit,
00:43:28die macht mich
00:43:30wirklich sprachlos.
00:43:31Weil, weißt du,
00:43:32am Ende wird das auch
00:43:33nicht nur die Juden treffen.
00:43:35Das wird,
00:43:36diese Entwicklung gerade wird,
00:43:39das wird sehr, sehr vieles
00:43:41erschweren in diesem Land
00:43:42und auch unser demokratisches
00:43:43Zusammenleben.
00:43:45Deswegen glaube ich
00:43:46und bin ich der festen Überzeugung,
00:43:47wir sollten eigentlich
00:43:48ziemlich bald unsere Angst
00:43:50über Bord werfen
00:43:51und ich habe ja vorhin gesagt,
00:43:54wir sollten mehr Angst haben,
00:43:54aber wie gesagt,
00:43:55das ist eine andere Art von Angst.
00:43:56Erstmal sollten wir Angst haben
00:43:57vor der Zukunft
00:43:58und dann sollte daraus
00:43:59aber etwas entstehen
00:44:00wie Verantwortung
00:44:01und so ein Wille,
00:44:02etwas zu ändern.
00:44:03Ne, also ich meine,
00:44:04das muss man vielleicht
00:44:05auch nochmal sagen
00:44:06und das, sage ich mal,
00:44:07merken wir jetzt auch
00:44:08an unserer Arbeit so,
00:44:10ist,
00:44:11ich meine,
00:44:11wir haben ja viel
00:44:12mit Ausschluss
00:44:13und so weiter zu tun
00:44:13und wir haben auch schon
00:44:15mit dem LKA Kontakt gehabt
00:44:16und mit der Antifa
00:44:16und so
00:44:17und was mich wirklich
00:44:19so sprachlos gemacht hat,
00:44:20ist,
00:44:20ich hätte,
00:44:21also wie gesagt,
00:44:22zum Beispiel
00:44:22aus den Auseinandersetzungen
00:44:24mit der Antifa
00:44:24bei uns,
00:44:25die ja auch immer wieder
00:44:26versucht hat,
00:44:26aus unseren Büroräumigkeiten
00:44:27hier aus Berlin
00:44:28zu vertreiben
00:44:28und so
00:44:28und ich hätte immer gedacht,
00:44:30ja, okay,
00:44:30klare Sache,
00:44:31wir sind rechts
00:44:32und deswegen ist der Vorwurf
00:44:34Rassismus
00:44:34und Klimaleugnung
00:44:36oder was auch immer
00:44:37so kommt
00:44:37an Vorwürfen
00:44:38und was ich festgestellt
00:44:39habe ist,
00:44:40in den letzten
00:44:40ein bis zwei Jahren
00:44:41es hat sich gedreht,
00:44:41ja,
00:44:42also,
00:44:43ich muss fast sagen,
00:44:44ja,
00:44:44der Hauptvorwurf,
00:44:45also die Hauptbedrohung
00:44:46in gewisser Hinsicht
00:44:47kommt eigentlich
00:44:48so über dieses,
00:44:50ja,
00:44:51Vorwurf,
00:44:52Unterstützung
00:44:52der rechtsextremen
00:44:53Regierung Netanjahu,
00:44:54also,
00:44:54also,
00:44:55diese Israel-Fragestellung,
00:44:57also,
00:44:57das ist schon echt krass
00:44:58und viele,
00:45:00das ist ja auch immer so,
00:45:01viele kritisieren uns ja
00:45:01dann auch immer so
00:45:02auch von rechts
00:45:03und sagen,
00:45:03ja,
00:45:03Apollo wird aus Israel
00:45:04finanziert und so weiter,
00:45:05ne,
00:45:05weil sie nur noch
00:45:06dieses Bild haben,
00:45:07so,
00:45:07ja,
00:45:07irgendwie Zentralrat
00:45:08der Juden
00:45:08in Deutschland
00:45:09und so weiter,
00:45:09klar,
00:45:12ich muss sagen,
00:45:13für uns,
00:45:15für publizistisch,
00:45:16gibt es,
00:45:16würde ich sagen,
00:45:17kein Thema,
00:45:18was so unopportun ist,
00:45:20also,
00:45:20wo du so wenig mitgewinst
00:45:22und so viel mitverliest,
00:45:23wo du so viel Gegenwind bekommst,
00:45:25wie skurriler und absurderweise
00:45:27dieses Thema Israel,
00:45:29und das ist so gekippt
00:45:30in den letzten ein bis zwei Jahren,
00:45:32das finde ich selbst
00:45:32jedes Mal wieder unglaublich,
00:45:33weil ich eigentlich dachte,
00:45:34das ist so ein Thema,
00:45:35wo wir jetzt eigentlich
00:45:36sehr common sense
00:45:37so unterwegs sind,
00:45:39viel weniger kontrovers
00:45:40eigentlich sind,
00:45:40im Verstand würde auch sagen,
00:45:42das ist absolut common sense.
00:45:43was vor kurzem
00:45:44ja auch noch so war,
00:45:44wo wir weit weniger
00:45:45kontrovers sind
00:45:46als bei anderen Fragen.
00:45:46Ja.
00:45:47Mittelabend,
00:45:47es hat sich so gedreht,
00:45:48es gibt kein,
00:45:48ich will wirklich bei uns,
00:45:49es gibt kein Thema,
00:45:51wo wir,
00:45:52was so unopportun ist,
00:45:53aus wirtschaftlichen,
00:45:54aber auch so aus Ausschlussgrund,
00:45:56wie dieses Israel-Thema.
00:45:57Und das ist echt richtig absurd,
00:45:58das glaubt auch keiner,
00:45:59aber es ist wirklich absurd.
00:45:59Ja, ja.
00:46:00Es ist absurd.
00:46:00Und weißt du,
00:46:01dann fragt man sich immer,
00:46:02wie konnte das geschehen?
00:46:04Wir sind in einer Zeit,
00:46:05die so viele Ähnlichkeiten aufweist.
00:46:07Wie gesagt,
00:46:10darf die Shoah mit nichts vergleichen.
00:46:12Ja, die steht für sich.
00:46:15So zynisch und traurig das jetzt klingt.
00:46:18Aber trotzdem,
00:46:19wir merken es nicht mehr.
00:46:21Verstehst du,
00:46:21wir merken nicht,
00:46:22wie diese Propagandamaschinerie
00:46:24irgendwie ins Rollen geraten ist
00:46:26und ziemlich großen Einfluss gewonnen hat.
00:46:28Wir merken nicht mehr,
00:46:30dass wir irgendwie plötzlich Graffitis haben
00:46:32mit Kill All The Jews,
00:46:34die irgendwie normal geworden sind.
00:46:35Und ja,
00:46:35wir merken nicht,
00:46:37dass das irgendwie ein Riesenproblem ist,
00:46:40dass,
00:46:41wenn Journalisten über Israel positiv berichten,
00:46:43dass sie dann ausgeschlossen werden
00:46:44oder gecancelt werden.
00:46:47Es ist,
00:46:48ich denke,
00:46:49das Einzige,
00:46:50was man dem entgegenwirken kann
00:46:51und wir als Journalisten
00:46:53oder als Influencer,
00:46:55ja,
00:46:55oder wie auch immer du das nennen willst,
00:46:57wir haben ein Tool,
00:47:00ein Handwerk
00:47:00und das ist Aufklären.
00:47:01Wir können mit Menschen
00:47:02in Verbindung treten
00:47:03und wir können mit unserer eigenen Recherche
00:47:06ihnen sagen,
00:47:08ey,
00:47:08so und so sind diese Sachen,
00:47:10das und das ist geschehen
00:47:11und ich glaube,
00:47:11das kann sehr, sehr helfen,
00:47:12weil ich glaube,
00:47:13ich bin der festen Überzeugung,
00:47:14die meisten,
00:47:16die,
00:47:16ich weiß gar nicht,
00:47:17ob die so glühende Antisemiten sind,
00:47:18die sind einfach unfassbar verblendet
00:47:19und wissen zu wenig,
00:47:21waren vielleicht auch noch nie in Israel,
00:47:22haben sie auch mit der Shoah
00:47:23nicht auseinandergesetzt,
00:47:24weil was passiert auch in Deutschland oft?
00:47:26Man sagt ja oft,
00:47:27es ist genug erinnert worden,
00:47:29man hat genug aufgearbeitet
00:47:31und man behandelt diese Erinnerungstage,
00:47:36wo man den toten Juden gedenkt,
00:47:38auch immer so heilig
00:47:41und man will sich erinnern
00:47:43und im Andenken,
00:47:44aber wenn man sich nur an die toten Juden erinnert
00:47:46und die lebenden Juden komplett ignoriert,
00:47:49dann hat man leider zu wenig
00:47:51oder gar nichts aus der Geschichte gelernt
00:47:52und ich frage mich,
00:47:53hat man wirklich sich genug auseinandergesetzt?
00:47:56Hat man das wirklich?
00:47:59Weil wenn man das hat,
00:48:00wie kann man dann jetzt an diesem Punkt sein?
00:48:01Verstehst du?
00:48:02Und ich glaube,
00:48:02gerade eine jüngere Generation,
00:48:04ich glaube,
00:48:04die hat sich nicht genug auseinandergesetzt
00:48:05und ich glaube,
00:48:06was auch passiert ist,
00:48:07ich weiß,
00:48:07das wollen immer viele nicht hören,
00:48:09weil das bedeutet sich auch selber
00:48:10in der Familie den Spiegel vorhalten,
00:48:12man hat auch viel verdrängt,
00:48:13man hat viel geschwiegen,
00:48:14man hat vielleicht auch
00:48:16zu wenig aufgearbeitet,
00:48:18nicht alle,
00:48:19aber vielleicht hätte das ein bisschen geholfen,
00:48:21so für diese Generation,
00:48:24die danach kamen,
00:48:26sensibler zu sein,
00:48:27gebildeter zu sein bei diesen Themen,
00:48:29weil was auch Israel
00:48:30und den jüdischen Staat betrifft,
00:48:31ohne jetzt eine historische Ausuferung zu machen,
00:48:33aber wenn Menschen überhaupt nicht wissen,
00:48:36wie das entstanden ist,
00:48:37was für eine Bedeutung das hat
00:48:38und so weiter und so fort,
00:48:40es ist sehr, sehr einfach,
00:48:42dieser Propaganda da zum Opfer zu fallen
00:48:44und es ist,
00:48:45weißt du,
00:48:45es ist einfach zu sagen,
00:48:47Israel ist der Böse
00:48:47und die armen Palästinenser,
00:48:48es ist einfach
00:48:49und die Menschen,
00:48:50wir leben dabei in einer Zeit,
00:48:51wo wir uns alles sehr einfach machen wollen
00:48:53mit diesem TikTok ja,
00:48:54mit diesem Social Media,
00:48:55das alles sehr schnelllebig ist
00:48:56und wir leben, glaube ich,
00:48:59hier auch trotz allem sehr, sehr privilegiert,
00:49:01das heißt,
00:49:01die junge Generation hat irgendwie,
00:49:03hat natürlich Probleme,
00:49:04aber hat trotzdem, glaube ich,
00:49:05im Großen und Ganzen ein gutes Leben
00:49:07und wir haben eigentlich auch
00:49:08eine Demokratie in Deutschland,
00:49:10ja,
00:49:10es ist für mich immer so irre,
00:49:11weil manche sagt,
00:49:11man hat hier keine,
00:49:13man wird hier dauernd,
00:49:16die Linken sagen das ja immer lustigerweise,
00:49:17die werden dauernd zensiert,
00:49:19ja,
00:49:19sie dürfen nichts sagen,
00:49:20aber sie grölen die ganze Zeit
00:49:21ihre Slogans rum,
00:49:21ja, also man hat es eigentlich sehr, sehr gut
00:49:24und man will es sich irgendwie einfach machen
00:49:26und jetzt kommt eben dieser Israel-Hass hinzu
00:49:28und am Ende sind es irgendwie wieder die Juden,
00:49:30also es ist wirklich ein Phänomen
00:49:32und man hat seit Jahrhunderten,
00:49:33seit Jahrtausenden immer wieder gefragt,
00:49:35warum ist dieser Antisemitismus immer das,
00:49:37was irgendwie die Menschen verbindet,
00:49:38nur vielleicht werden wir bis zu unserem Lebensende
00:49:40das nie irgendwie erfahren,
00:49:41aber es ist tatsächlich ein Bindeglied,
00:49:43was wir gerade sehen.
00:49:44Genau, also das muss ich sagen,
00:49:44finde ich auch,
00:49:45so vorab hier in unserer viel gerühmten,
00:49:48so vermeintlichen Erinnerungskultur ist,
00:49:50es wird immer so viel gedacht
00:49:51und so viel rumgelabert,
00:49:52aber es wird halt echt wenig,
00:49:54finde ich,
00:49:55so verstanden
00:49:56oder auch über die Frage gestellt,
00:49:57was ist eigentlich wirklich passiert
00:49:58und das fängt ja schon an
00:49:59unter einfach dieser Subsumierung
00:50:00Antisemitismus,
00:50:01ist so Rassismus,
00:50:02Menschenfeindlichkeit
00:50:03und so weiter
00:50:03und da wird ja überhaupt nicht
00:50:04so über dieses Phänomen
00:50:05wirklich nachgedacht,
00:50:06das ist ja wirklich
00:50:07ein herausgehobenes Phänomen
00:50:08in der Geschichte.
00:50:09Das ist ja nicht wie Fremdenfeindlichkeit,
00:50:11die es überall irgendwie gibt,
00:50:12die sozusagen aus dem Ablehnung
00:50:14aus dem Fremden logischerweise kommt,
00:50:15sondern der Antisemitismus
00:50:16richtete sich ja erstmal irgendwie
00:50:18gegen den Nachbarn und so weiter,
00:50:20der ja fast künstlich erstmal
00:50:22aus der Gesellschaft
00:50:23herausdefiniert werden musste.
00:50:24Also der sah ja nicht anders aus,
00:50:25da konnte man ja nicht sagen,
00:50:27andere Hautfarbe und so weiter.
00:50:28Also es ist ja ein ganz eigentümlich
00:50:29merkwürdiges Phänomen,
00:50:30was ja dann auch,
00:50:31wenn man sich dann mit diesem
00:50:35Antisemitismusvorlauf,
00:50:35das Dritte Reich beschäftigt,
00:50:36aus so einem Neid kommt,
00:50:38weil die Juden ja quasi
00:50:39wohlhabender waren
00:50:40und so weiter und so weiter.
00:50:42Wie auch immer man das sieht,
00:50:44man muss ja erstmal erkennen,
00:50:45dass dieser Antisemitismus
00:50:46wirklich seit hunderten Jahren
00:50:48ein herausgehobenes Phänomen ist,
00:50:50ein Phänomen ist,
00:50:51was immer wieder so ganz eigentümlich
00:50:53in so revolutionären Momenten,
00:50:54Umbrüchen auftaucht,
00:50:56was so ein,
00:50:56ja wirklich so ein Vorbote
00:50:58auch sozusagen des
00:51:00Zivilisationszusammenbruchs
00:51:00oder Bruchs ist.
00:51:01Also so ein ganz eigentümliches,
00:51:03spezielles Phänomen,
00:51:04was wirklich was anderes ist,
00:51:05als eben so einfach Rassismus
00:51:08oder Hautfarbenrassismus,
00:51:10Ausländerfeindlichkeit und so.
00:51:11Und all das, finde ich,
00:51:13hat die deutsche Gesellschaft,
00:51:15insbesondere, finde ich,
00:51:15die deutsche Linke,
00:51:17überhaupt nie verstanden,
00:51:18nicht realisiert
00:51:18und darüber wird auch
00:51:19überhaupt nicht mehr nachgedacht.
00:51:20Es wird einfach so abgehandelt
00:51:21nach dem Motto,
00:51:22das war damals so Rassismus,
00:51:24böse, Punkt.
00:51:25Ja, oder beziehungsweise
00:51:26man hat ja genug Mahnmale.
00:51:27Genau, man hat.
00:51:28So, man hat ja genug Mahnmale.
00:51:29Wir haben ja,
00:51:29wir haben uns doch schon
00:51:30an diese toten Juden erinnert.
00:51:31Wir haben ja genug Mahnmale,
00:51:32dann können wir ja auch
00:51:33jetzt mal Israel kritisieren.
00:51:34Das Recht haben wir uns
00:51:34ja dadurch so gebaut.
00:51:35Es ist ja schon gut jetzt
00:51:37so ungefähr, weißt du.
00:51:38Und ich habe das Gefühl,
00:51:39man hat,
00:51:40um es sehr metaphorisch auszudrücken,
00:51:42den Juden nie verziehen,
00:51:43dass sie jetzt,
00:51:43ach, jetzt haben sie
00:51:44einen eigenen Staat,
00:51:45ach, jetzt haben sie
00:51:46die Dreistigkeit,
00:51:46sich auch noch selber
00:51:47zu verteidigen, ja,
00:51:49und selber ihre,
00:51:50also autonom zu sein.
00:51:52Nee, nee, nee,
00:51:53Freunde, das dürfte nicht.
00:51:54Und deswegen hat sich
00:51:54dieser alter Antisemitismus
00:51:55dann in diesen Israel-Hass,
00:51:57weißt du, verwandelt.
00:51:58Weil was ist Israel auch?
00:52:00Es ist nicht nur
00:52:01ein Sicherheitsgarant, ja,
00:52:03also damals während der Schoah
00:52:05hatten die Juden
00:52:06keinen eigenen Staat,
00:52:07keine eigene Armee.
00:52:09Und nach der Schoah
00:52:11wird das jüdische Volk
00:52:13nie wieder wehrlos sein
00:52:14und nie wieder wehrlos
00:52:15in Gaskammern gehen.
00:52:16Und das jüdische Volk
00:52:16wird sich verteidigen.
00:52:17Genau das,
00:52:18der Grund war genau,
00:52:20weil es gemerkt hat,
00:52:21wenn es sich nicht verteidigen kann,
00:52:24werden andere es nicht verteidigen.
00:52:25Im Gegenteil.
00:52:26Sie werden versuchen,
00:52:26es auszulöschen.
00:52:28Und das jüdische Volk
00:52:29wurde fast ausgelöscht.
00:52:30Dass Israel überhaupt existiert,
00:52:32ist ein Wunder.
00:52:34Und seit der Staatsgründung
00:52:35wird versucht,
00:52:36von den Nachbarstaaten
00:52:37diesen Staat auszulöschen.
00:52:38Und ich glaube,
00:52:40dieser starke Jude,
00:52:42der sich verteidigen kann,
00:52:43der selber Entscheidungen trifft,
00:52:45das ist etwas,
00:52:46was viele irgendwie,
00:52:47die können damit
00:52:47irgendwie nicht leben.
00:52:48Und das ist fast
00:52:49wie pathologisch.
00:52:50Das löst
00:52:51dieses Misstrauen aus.
00:52:54Oder manchmal sogar eben,
00:52:55der dann bis zum Hass geht,
00:52:57bis zum Israel-Hass.
00:52:59Und ja,
00:53:00du hast es vollkommen
00:53:00richtig ausgedrückt.
00:53:01Man erinnert sich,
00:53:02aber man hat sehr,
00:53:02sehr wenig verstanden.
00:53:03Man vergisst immer,
00:53:05wie du das sehr schön ausgedrückt hast,
00:53:06dass das Nachbarn waren,
00:53:07dass das Freunde waren.
00:53:09Ja, wenn man,
00:53:10ich recherchiere so viel,
00:53:11zu so vielen Geschichten,
00:53:12die während der Shoah entstanden sind.
00:53:15Man denkt ja immer,
00:53:15man hat so viel erzählt,
00:53:16aber man hat noch nicht mal angefangen.
00:53:18Es gibt so viele Geschichten,
00:53:19so viele Schicksale,
00:53:20die noch erzählt werden müssen.
00:53:21Und da war ein Thema,
00:53:22über das ich erzählt habe,
00:53:24war diese Enteignungen,
00:53:25wo die Juden deportiert wurden
00:53:27und am nächsten Tag
00:53:28fand eine Auktion statt
00:53:29in deren Wohnung,
00:53:30wo deren Eigentum
00:53:31in einer Auktion
00:53:33an die Nachbarn
00:53:34versteigert wurde.
00:53:35Also so Tassen
00:53:35für ein Schnäppchen,
00:53:37einen Mantel.
00:53:38Überleg dir mal,
00:53:39wie verroht damals
00:53:40die Gesellschaft sein konnte,
00:53:42dass du plötzlich,
00:53:43dass dein Nachbar,
00:53:44vielleicht dein Freund,
00:53:44vielleicht dein Arbeitskollege
00:53:45deportiert wird,
00:53:46in die Gaskammer geschickt wird
00:53:48und du am nächsten Tag
00:53:48in seine Wohnung gehst,
00:53:50um an einer Auktion teilzunehmen,
00:53:51um sein Eigentum
00:53:52für ein Schnäppchen zu bekommen.
00:53:53Also es ist absurd.
00:53:55Und warum ich darüber erzähle,
00:53:57auch heute,
00:53:59heutzutage finden
00:53:59sehr absurde Situationen statt,
00:54:01wo man wirklich manchmal
00:54:02die Menschen so wachrütteln will
00:54:03und sie fragen will,
00:54:05merkt ihr eigentlich,
00:54:05was passiert?
00:54:07Und das ist eben dieser Kreis,
00:54:08verstehst du?
00:54:09Der leider sich schließt
00:54:10und der sich leider wiederholt.
00:54:12Und das Einzige,
00:54:14was wir machen können,
00:54:14ist immer wieder
00:54:15darauf aufmerksam zu machen.
00:54:16Und ich nehme da wirklich
00:54:17immer wieder die Politik
00:54:18und die Regierung
00:54:19auch in die Verantwortung,
00:54:20weil die könnten auch
00:54:21Wegweiser sein,
00:54:22aber sie müssen sich trauen,
00:54:24sie müssen den Mut haben.
00:54:25Und weißt du,
00:54:26wenn einzelne Personen mutig sind,
00:54:29dann kann man das
00:54:30nicht so oft hier abwerfen,
00:54:31dass man sagt,
00:54:31ja, die kümmern sich schon drum,
00:54:33die sagen schon die Wahrheit,
00:54:34wir trauen uns nicht.
00:54:35Nein, wir müssen,
00:54:36wir müssen,
00:54:37weil es,
00:54:38ich will nicht sagen,
00:54:39es ist noch nicht zu spät,
00:54:40aber wirklich,
00:54:41es ist,
00:54:41wir müssen das jetzt machen
00:54:42und nicht verschieben.
00:54:43Es ist jedenfalls sehr ernst,
00:54:45also wird jedenfalls,
00:54:45finde ich,
00:54:45immer noch weit zu wenig auch gesehen,
00:54:47auch wirklich was auf deutschen Straßen
00:54:49teilweise wirklich konkret los ist.
00:54:51Lass uns nochmal über einen konkreten Fall reden,
00:54:53den du ja auch gerade,
00:54:54worüber du gerade auch berichtest,
00:54:56in Halle.
00:54:56Ja.
00:54:57Was ist da los?
00:54:59Erzähl das doch vielleicht einmal,
00:55:00weil das auch, finde ich,
00:55:00sehr, sehr so beispielhaft ist.
00:55:02In Halle gibt es eine Kunsthochschule,
00:55:04die heißt,
00:55:06gebe ich in Steinburg,
00:55:07so heißt die, glaube ich, genau.
00:55:09Und diese Kunsthochschule
00:55:10ist in den letzten zwei Jahren
00:55:11immer wieder mal mit so Antisemitismus-Vorwürfen
00:55:13konfrontiert gewesen.
00:55:15Da ging es einmal um Flugblätter,
00:55:18um Plakate,
00:55:18die sehr anti-israelisch waren,
00:55:19aber auch um ein konkretes Kunstwerk.
00:55:22Da war eine Palästina-Flagge zu sehen
00:55:24neben einem Schweinekopf.
00:55:25Also die Hochschule hatte intern schon
00:55:27damit zu kämpfen.
00:55:28Ja, auch die Presse hatte darüber berichtet.
00:55:31Und die jüdische Gemeinde in Halle,
00:55:33mit der ich auch sehr,
00:55:33in sehr gutem Kontakt stehe,
00:55:35die wollte eigentlich die Hand ausstrecken,
00:55:38der Kunsthochschule,
00:55:39und wollte sagen,
00:55:40nach allem, was passiert ist,
00:55:41lasst uns doch trotzdem versuchen,
00:55:42in den Dialog zu gehen.
00:55:43Und die Synagoge,
00:55:44die Gemeinde hat dann solche
00:55:46Synagogenbesuche organisiert,
00:55:47zusammen mit dem Studierendenrat
00:55:49der Kunsthochschule,
00:55:50wo sich Studenten anmelden konnten,
00:55:52die Synagoge besuchen konnten,
00:55:54jüdisches Leben kennenlernen sollten.
00:55:55Und im Gegenzug sollte die Gemeinde
00:55:58und auch ich,
00:55:59deswegen weiß ich über diesen Fall
00:56:00ein bisschen mehr Bescheid,
00:56:01eingeladen werden,
00:56:02Mitte Mai in die Kunsthochschule,
00:56:04wo wir eben über Antisemitismus,
00:56:05auch israelbezogen Antisemitismus
00:56:07sprechen sollten
00:56:07und die Studenten Fragen stellen sollten.
00:56:09Und vor einigen Tagen
00:56:11tauchten plötzlich überall
00:56:13auf dem Gelände,
00:56:14auf dem Campus dieser Hochschule
00:56:15Flugblätter auf,
00:56:17die betitelt waren mit
00:56:18die Burg,
00:56:19so heißt die Kunsthochschule,
00:56:20unterstützt Genozid.
00:56:21Und was das Schockierende war
00:56:23in diesem Flugblatt,
00:56:24dort wurde explizit gefordert,
00:56:25dass die jüdische Gemeinde
00:56:27ausgeladen wird,
00:56:28dass die Zusammenarbeit
00:56:29mit der jüdischen Gemeinde
00:56:30unterbunden werden soll.
00:56:31Die jüdische Gemeinde wurde
00:56:33als eine rassistische,
00:56:34faschistische und zionistische
00:56:36Organisation betitelt.
00:56:38Und das Krasse war einfach,
00:56:41dass hier wirklich
00:56:42alle Masken gefallen waren.
00:56:43Also man sprach nicht mal mehr
00:56:44darüber die bösen Zionisten,
00:56:46sondern man sagte klipp und klar,
00:56:48die jüdische Gemeinde in Halle
00:56:50soll ausgeladen werden.
00:56:53Und die Hochschulleitung,
00:56:56das ist mein letzter Kenntnisstand,
00:56:58die haben zwar versucht,
00:56:59die Plakate zu entfernen
00:57:00und so weiter und so fort,
00:57:01aber in meinen Augen
00:57:02es reicht nicht mehr,
00:57:03dass Rektoren, Professoren
00:57:04einfach sagen,
00:57:05ja wir machen die Plakate schnell ab
00:57:07und das sind ja gar nicht wir.
00:57:09Es passiert in euren Räumen,
00:57:10es passiert auf eurem Gelände,
00:57:11es ist eure Studierendenschaft
00:57:12und man muss zugeben,
00:57:13dass ihr ein immenses
00:57:16Antisemitismusproblem habt
00:57:17unter euren Studenten.
00:57:19Und dieser Fall zeigt wieder,
00:57:21wie verruht die junge Generation
00:57:25geworden ist,
00:57:26weil sie Synagogenbesuche,
00:57:28also eine Kooperation
00:57:29mit der jüdischen Gemeinde
00:57:30und mit Studenten,
00:57:32plötzlich verkauft als rassistisch,
00:57:37zionistisch, faschistisch
00:57:37und fordert,
00:57:39dass die jüdische Gemeinde
00:57:39ausgeladen wird.
00:57:40Ich frage mich,
00:57:40was ist der nächste Schritt?
00:57:41Dass wir offen irgendwann sagen,
00:57:43ohne Angst,
00:57:45mit Juden soll man nicht studieren,
00:57:47jüdische Gemeinden
00:57:48wird der Zutritt grundsätzlich verwertet.
00:57:50Was ist, weißt du,
00:57:52wie geht es weiter?
00:57:53Ich denke,
00:57:54die Hochschulleitung
00:57:55und nicht nur in Halle,
00:57:57das ist ja nur ein Symbol,
00:57:58das passiert an so vielen Hochschulen,
00:57:59Universitäten und Einrichtungen in Deutschland.
00:58:01Sie muss Verantwortung übernehmen,
00:58:03man muss mit den Studenten reden,
00:58:05man muss sagen,
00:58:05so,
00:58:07das ist die Grenze.
00:58:08Und wir müssen etwas tun,
00:58:09wir müssen aufklären,
00:58:11wir müssen,
00:58:12ich weiß nicht was,
00:58:13aber man muss es ernst nehmen,
00:58:14man darf es nicht unter den Teppich kehren.
00:58:16Ich finde diesen Fall so spannend,
00:58:17weil das bis vor kurzem
00:58:19ja in dieser anti-israelischen Linken
00:58:21so immer Usus war,
00:58:22dass da feinsäuberlich
00:58:23darauf geachtet wurde,
00:58:24zu sagen,
00:58:25wir sind ja nur gegen Israel,
00:58:26nicht gegen die Juden.
00:58:27Wir haben ja dies und das
00:58:28und dann wurden noch
00:58:29jüdische Israelkritiker eingebunden.
00:58:31Also das war ja durchaus
00:58:32immer ganz,
00:58:33war man immer bestrebt darum,
00:58:34sozusagen diese Form zu wahren.
00:58:36Und das ist jetzt,
00:58:37finde ich,
00:58:37eben das Neue,
00:58:38dass das jetzt so langsam wegbricht,
00:58:39sondern dass man so mit gewisser
00:58:41Selbstbewusstsein eben sagt,
00:58:42naja,
00:58:42auch die jüdische Gemeinde,
00:58:43muss ich mal positionieren,
00:58:44ist schon auch Teil des Zionismus
00:58:46und so weiter und so weiter.
00:58:48Und das ist einem zumindest eben
00:58:50so auch vollkommen egal ist.
00:58:51Ja,
00:58:52und das meine ich,
00:58:52das ist dieses,
00:58:53dieses kranke Selbstbewusstsein
00:58:55und das konnte aber nur gedeihen
00:58:56und entstehen,
00:58:57dieses Selbstbewusstsein
00:58:57bei diesen Menschen,
00:58:58weil sie zu lange ohne Konsequenzen
00:59:01das andere gemacht haben,
00:59:02wo sie mehr vorsichtiger waren,
00:59:03ja,
00:59:03wo sie mehr so gesagt haben,
00:59:04wir sind ja nur gegen Zionismus,
00:59:05gegen Israel.
00:59:06Und da haben viele jüdische
00:59:07und israelische Menschen
00:59:09immer wieder gesagt,
00:59:10Leute,
00:59:10das ist der Weg
00:59:11bis zum richtigen,
00:59:12blanken Antisemitismus
00:59:13ist dann nicht mehr weit
00:59:14und die wurden irgendwie nicht gehört.
00:59:16und jetzt sind wir halt
00:59:16an dem Punkt,
00:59:17wo so ein Flugblatt
00:59:18überall auf dem Hochschulgelände
00:59:20von Studenten
00:59:21verbreitet werden kann.
00:59:22Und das Interessante ist,
00:59:23was sie dann auch nochmal
00:59:24in diesem,
00:59:25in diesem Schreiben
00:59:27gesagt haben,
00:59:29es wäre doch viel besser,
00:59:30man würde
00:59:32antizionistische
00:59:32jüdische Stimmen
00:59:33sprechen lassen.
00:59:34die akzeptieren wir.
00:59:36Da entscheiden Leute,
00:59:38welche Juden quasi zumutbar sind
00:59:40für eine deutsche Kunsthochschule.
00:59:42Die Juden,
00:59:43die in die Agenda passen,
00:59:45in das Narrativ,
00:59:45in unser Weltbild,
00:59:46die dürfen sprechen,
00:59:47weil die nützlich sind für uns.
00:59:49Und die anderen Juden,
00:59:50die werden des Hauses verwiesen,
00:59:52die dürfen nicht mehr sprechen,
00:59:53die sollten am besten
00:59:54überhaupt irgendwo weggehen.
00:59:56Und wieder frage ich mich,
00:59:57ist dieser Vergleich
00:59:59zu sehr dunklen Zeiten,
01:00:00zu den 30er Jahren,
01:00:01wirklich so weit hergegriffen?
01:00:04Oder
01:00:05wird es nicht
01:00:06mittlerweile richtig
01:00:07offensichtlich,
01:00:07dass es da Parallelen gibt
01:00:09und dass die
01:00:10junge Generation
01:00:11das gar nicht mehr merkt?
01:00:12So, das ist es.
01:00:14Ich frage mich ja sozusagen,
01:00:15was kann jetzt eigentlich
01:00:16die deutsche Gesellschaft
01:00:16da erwidern?
01:00:17Weil eine Sache muss man
01:00:17ja vielleicht dazu auch mal sagen,
01:00:18das ist ja ein gesamteuropäisches Phänomen.
01:00:20Also das ist ja jetzt
01:00:21nicht spezifisch deutsch,
01:00:22sondern das ist in Frankreich
01:00:23wahrscheinlich sogar noch
01:00:25weitaus fortgeschrittener.
01:00:25Vielleicht sogar schlimmer, ja.
01:00:26Oder weitaus fortgeschrittener.
01:00:27Was gibt es jetzt eigentlich
01:00:28an Möglichkeiten dagegen?
01:00:30Weil ich würde sagen,
01:00:32eine Hoffnung,
01:00:33die man zumindest
01:00:33haben konnte,
01:00:34die man in Amerika sieht,
01:00:36die aber da natürlich
01:00:38jetzt auch unter Druck kommt,
01:00:39ist die Frage,
01:00:40ob es nicht eine
01:00:42relativ starke,
01:00:43stabile,
01:00:44projüdische Rechte gibt,
01:00:46die das aufhalten kann.
01:00:48Das war zumindest etwas,
01:00:49wo man jetzt in Amerika
01:00:50bis vor kurzem ja dachte,
01:00:51dass die Republikaner
01:00:52zumindest so das Bollwerk
01:00:54eigentlich gegen diese Entwicklung
01:00:55wären.
01:00:56auch das gerät da jetzt
01:00:57allerdings so ein bisschen
01:01:00auf die schiefe Ebene.
01:01:01Aber was sind eigentlich
01:01:02überhaupt noch sozusagen
01:01:03die wirklich stabilen Stimmen
01:01:04in Deutschland?
01:01:05Von wo können die kommen,
01:01:06die dem jetzt noch etwas
01:01:07entgegensetzen können?
01:01:09Weil ich glaube,
01:01:09vieles,
01:01:09diese ganze Bewegung
01:01:10ist ja sehr stark,
01:01:11wir sehen ja noch gar nicht,
01:01:12also da kommt ja noch
01:01:13auch viel wirklich auf uns zu.
01:01:14Das ist ja erst
01:01:15im Anfang immer noch.
01:01:16Ja,
01:01:17es ist eine sehr,
01:01:17sehr schwierige Frage
01:01:18und ich gebe auch zu,
01:01:20es gibt wahrscheinlich auch Experten,
01:01:21die darüber vielleicht
01:01:22besser sprechen können als ich,
01:01:24aber meine persönliche Meinung ist,
01:01:25ich glaube,
01:01:26die Mitte der Gesellschaft,
01:01:27aber auch politisch,
01:01:28die müsste mutiger werden,
01:01:31die muss endlich den Mund aufkriegen
01:01:33und die muss klarer sprechen,
01:01:37weil wenn die Mitte,
01:01:39also die Mitte,
01:01:40die ich konservativ,
01:01:41ja nicht lauter werden
01:01:42und eher sich sozusagen
01:01:44den Linken oder den linken
01:01:47Politikern mehr beugen,
01:01:48dann wird auch aus Frust
01:01:53die so rechtsradikalere Stimmen
01:01:55werden dann auch mehr gewählt
01:01:57und ich glaube,
01:01:59ich glaube nicht,
01:02:00dass das,
01:02:01ich glaube nicht,
01:02:01dass es die Lösung ist,
01:02:02dass man quasi jetzt
01:02:03wie so zwei Armeen gründet,
01:02:05die gegeneinander kämpfen.
01:02:06Kann vielleicht funktionieren,
01:02:08wie gesagt,
01:02:08ich bin da kein Politikwissenschaftler
01:02:11oder Experte darin,
01:02:13aber ich glaube,
01:02:14es muss in so vielen,
01:02:18Aspekten in der Gesellschaft
01:02:19und in der Politik ankommen
01:02:22und es ist sehr, sehr schwierig,
01:02:23ich werde viel,
01:02:24ich gebe viele, viele Vorträge
01:02:25und oft fragen mich vor allem Deutsche,
01:02:27Sarah, was können wir denn tun?
01:02:28Und ich wünschte,
01:02:29ich hätte die Antwort für jeden.
01:02:30Es ist sehr, sehr schwierig.
01:02:32Es erfordert eben sehr, sehr viel Mut,
01:02:34sehr viel Auseinandersetzung,
01:02:35aber was kann ich sagen?
01:02:36Ich kann sagen,
01:02:37dass jeder in seinem Kreis,
01:02:38ja, ob es jetzt ein politischer Kreis ist,
01:02:40ob es in einem Arbeitsfeld ist,
01:02:42ob es irgendetwas ist,
01:02:43wo man in irgendeiner Weise
01:02:45auf Menschen Einfluss haben kann,
01:02:47dass man in diesem Kreis,
01:02:48in diesem Wirkungskreis etwas tut
01:02:50und sich traut,
01:02:51da mutiger zu sein
01:02:53und traut, lauter zu sein
01:02:56und das ernst nimmt.
01:02:57Vielleicht auch die unterstützt,
01:02:58die das ohnehin schon machen,
01:02:59weißt du?
01:03:01Ich will nicht,
01:03:02also klar,
01:03:03ich will diesen Podcast
01:03:03auch nicht so pessimistisch enden,
01:03:04weil das ist überhaupt nicht meine Art.
01:03:05Ich bin sehr optimistisch
01:03:06und ich mache auch immer weiter.
01:03:07Ich bin auch sehr, sehr hartnäckig.
01:03:08Also ich werde auch,
01:03:09solange ich hier bleiben kann
01:03:10und es sicher ist,
01:03:12werde ich dafür kämpfen,
01:03:13dass sich etwas verändert
01:03:14und werde aufklären.
01:03:16Aber es stagniert gerade,
01:03:19weißt du?
01:03:19Es stagniert gerade sehr
01:03:20und ich bin immer wieder
01:03:22in der Hoffnung,
01:03:23dass die Politik aufwacht,
01:03:25dass sie nicht so feige ist,
01:03:27aber im Augenblick,
01:03:29leider,
01:03:30sieht es nicht so sehr danach aus.
01:03:32Ich weiß,
01:03:32es ist keine zufriedenstellende Antwort.
01:03:33Das Problem ist,
01:03:34weißt du,
01:03:34es gibt keine zufriedenstellende Antwort.
01:03:36Man muss einfach sehr, sehr viel machen.
01:03:37Aber ich nehme schon so ein bisschen mit
01:03:38aus den Gedanken,
01:03:38und das würde ich auch sehr sagen,
01:03:39ist dieses,
01:03:41sage ich mal,
01:03:42Lautwerden,
01:03:42das ist ja auch so abgegessen,
01:03:44weil das jahrzehntelang,
01:03:45ja, wir müssen laut werden
01:03:46gegen Antisemitismus.
01:03:46Ja, du hast recht.
01:03:47Und das war so eine,
01:03:47nee, ich meine,
01:03:48es war früher so eine Alibi-Veranstaltung,
01:03:50was halt jeder gemacht hat,
01:03:51weil es ja kostenlos war.
01:03:52Es war gratis mutig in Deutschland
01:03:53zu sagen,
01:03:54gegen Antisemitismus,
01:03:55sage ich jetzt mal,
01:03:55vor zehn Jahren.
01:03:56Das war so,
01:03:57hat jeder mal so,
01:03:58immer so alibimäßig gesagt.
01:03:59Und ich würde aber sagen,
01:04:00jetzt ist diese Bewegung in Deutschland,
01:04:01und die ist schon so massiv
01:04:02und so aggressiv,
01:04:04dass es schon jetzt
01:04:05zu Einschüchterungen kommt.
01:04:06Richtig.
01:04:06Und diese,
01:04:08und ich denke,
01:04:08dagegen muss es eine
01:04:10offensivere Positionierung geben.
01:04:11Und ich würde eben sagen,
01:04:14dieses Aufstehen,
01:04:14Flagge zeigen und so weiter,
01:04:15das ist eben nicht mehr
01:04:16gerade möglich.
01:04:16Du bringst mich auf den Gedanke, ja.
01:04:17Sondern das muss es wirklich wieder geben.
01:04:19Und dieses,
01:04:19ich sage mal einfach ganz,
01:04:20ganz einfach gesagt,
01:04:21das Pro-Jüdische,
01:04:23ja, was vielleicht bis vor kurzem
01:04:24so ein Nonsens war,
01:04:25wo man dachte,
01:04:26jeder ist ja pro-Jüdisch.
01:04:26Ja.
01:04:27Dieses Pro-Jüdische ist wieder
01:04:28eine politische Frage geworden.
01:04:29Es ist wieder eine politische Meinung geworden,
01:04:32die kontrovers ist in gewisser Hinsicht,
01:04:34wenn man es ehrlich meint.
01:04:35Und die wieder,
01:04:36die aber eine offensive Vertretung braucht
01:04:38in Deutschland,
01:04:39würde ich sagen.
01:04:40Ja.
01:04:40Das ist sehr gut,
01:04:41dass du mir den Spiegel vorhältst,
01:04:43weil ich selber mich manchmal,
01:04:44dadurch,
01:04:44dass ich eben so viel mit Menschen
01:04:46in Kontakt bin und immer wieder,
01:04:47diese Fragen beantworte,
01:04:48mich selber in Floskeln verliere.
01:04:49Du hast recht,
01:04:49dieses,
01:04:50man muss laut sein
01:04:51und Stimme zeigen
01:04:53und da sein
01:04:54und Zeichen setzen.
01:04:55Das ist eigentlich alles Blödsinn,
01:04:57weil wenn man immer wieder Zeichen setzt
01:04:58und dir irgendwie,
01:04:58das ist leer,
01:05:00was soll das heißen?
01:05:01Es ist einfach so schwer,
01:05:02das in Worte zu packen,
01:05:03weißt du,
01:05:03weil es gibt so viele Baustellen.
01:05:05Es gibt auf der einen Seite die Bildung,
01:05:07es gibt die Politik,
01:05:08es gibt sicherheitstechnisch in Deutschland,
01:05:11weißt du,
01:05:12mit all diesen Gefahren,
01:05:13die wir gerade nicht ernst nehmen,
01:05:14es sieht sehr, sehr schlimm aus.
01:05:16Und vielleicht was helfen kann,
01:05:18das denke ich mir immer,
01:05:19vielleicht die Menschen,
01:05:20die hier nicht jüdisch sind,
01:05:21ja die Deutschen,
01:05:22die normalen Bürger,
01:05:24vielleicht sollten die auch an ihre Zukunft denken,
01:05:25weil wie gesagt,
01:05:26dieser Antisemitismus
01:05:27oder dieser ganze Israel-Hass
01:05:28oder auch diese ganzen linken,
01:05:30radikalen linken Ideen
01:05:31oder all das,
01:05:32was aus der radikalen
01:05:33arabisch-muslimischen Ecke kommt,
01:05:34das ist ein Problem für uns alle,
01:05:36für unser demokratisches Zusammenleben.
01:05:39Wollt ihr so eine Zukunft,
01:05:41wollt ihr so eine Zukunft für eure Kinder,
01:05:43für euch selbst,
01:05:43wollt ihr diese gesellschaftliche Entwicklung
01:05:45und vielleicht,
01:05:46wenn man mehr tatsächlich auch an sich denkt
01:05:48und denkt,
01:05:49was wollen wir für eine Zukunft,
01:05:50was wollen wir für ein Land,
01:05:51was für Werte wollen wir verteidigen,
01:05:53weil das ist ja das,
01:05:54wir haben vollkommen verloren,
01:05:55diesen Gedanken,
01:05:56für was wollen wir eigentlich kämpfen,
01:05:57das merkst du ja auch an der ganzen Debatte
01:05:59um die Werbpflicht,
01:06:00für was sollten wir überhaupt kämpfen,
01:06:02wir wissen überhaupt nicht,
01:06:03für was wir stehen,
01:06:05wie wir leben wollen,
01:06:06was uns wichtig ist,
01:06:07vielleicht sollten wir anfangen,
01:06:08darüber mal nachzudenken,
01:06:09weil ich glaube,
01:06:10dann kommt das ganz automatisch,
01:06:11dass es einen aufregt,
01:06:13dass es so viel Antisemitismus gibt,
01:06:14so viel Israel-Hass,
01:06:15weißt du,
01:06:15weil das hängt alles miteinander zusammen,
01:06:18so,
01:06:18um vielleicht so ein bisschen
01:06:19mit diesen ideologischen Gedanken zu enden,
01:06:21aber das wäre vielleicht auch eine Idee.
01:06:23Vielen Dank für das Gespräch.
01:06:24Vielen Dank für die Einladung.
01:06:26Sehr gerne.
01:06:27Sarah, Maria, Sandak,
01:06:28finden Sie auf Social Media,
01:06:29können Sie sich gerne mal anschauen,
01:06:31da machst du viel Content
01:06:33und ich muss wirklich sagen,
01:06:34du bist wirklich einer der wenigen,
01:06:35die wirklich dezidiert auf diese Fragen
01:06:37sich eigentlich sozusagen
01:06:37in den sozialen Netzwerken
01:06:38so unterwegs sind,
01:06:40das muss man wirklich sagen,
01:06:40also ich kenne jedenfalls nicht viele andere.
01:06:42Ansonsten hoffe ich,
01:06:43hat es Ihnen gefallen.
01:06:43Bis zum nächsten Mal.
01:06:44Vergessen Sie nicht,
01:06:44unabhängig Journalismus,
01:06:45all das, was wir tun,
01:06:46gibt es kostenlos für alle,
01:06:47dank Ihrer finanziellen Unterstützung.
01:06:50Werden Sie vielleicht Freund von Apollo News
01:06:51oder was auch immer Sie tun können,
01:06:53um uns zu unterstützen.
01:06:54Wir leben nur davon,
01:06:55das hilft uns sehr.
01:06:56Vielen Dank
01:06:56und bis zur nächsten Woche,
01:06:58bis zum nächsten Mal.
01:07:06Bis zum nächsten Mal.