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  • vor 7 Wochen

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Transkript
00:00Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:03Jedes Ding hat bekanntlich seine zwei Seiten.
00:07Obwohl bestimmt jedem diese Weisheit geläufig ist,
00:10denkt man aber im entscheidenden Moment leider doch nicht daran.
00:14Das ist längst eine allgemeine menschliche Erfahrung,
00:16eine Erfahrung, die sich Nepper, Schlepper und Bauernfänger immer wieder zunutze machen.
00:23So gelingt es ihnen auch immer wieder,
00:24im Prinzip nützliche Einrichtungen und Gegenstände für ihre Untaten zu missbrauchen.
00:29Dies ist zum Beispiel ein sogenannter Tintenlöschstift oder auch Tintenkiller genannt.
00:37Er ist für etwa 1,50 Mark in jedem Schreibwarenladen zu haben
00:40und vor allem bei Schulkindern sehr beliebt.
00:44In der Hand von Gaunern und Betrügern kann er aber, wie die Erfahrung der Kripo leert,
00:49zu einem Werkzeug für allerlei kriminelle Taten werden.
00:52Viele Hausfrauen im süddeutschen Raum,
00:55die kürzlich von einem Vertreter für Haushaltsartikel besucht wurden,
00:59haben natürlich nicht daran gedacht, dass es solche Werkzeuge gibt.
01:03So Frau Schneider, schon erledigt.
01:06Schauen Sie es mal an.
01:08Jetzt können Sie den Wasserstrahl beliebig dirigieren.
01:10Und auch die Stärke verstellen?
01:12Selbstverständlich.
01:13Ja, sehen Sie?
01:14Ihre Salatbeter werden sich freuen.
01:17Und die Erdbeeren sind auch nicht so schnell zermatscht.
01:19Ja, sag ich doch.
01:21Und das zum Sonderpreis von 9,90 Mark.
01:23Frau Schneider hat ein scheinbar günstiges Angebot genutzt.
01:27Für 9,90 Mark erwirbt sie bei einem Vertreter einen Schwenkkopf für ihren Wasserhahn,
01:31der normalerweise fast das Doppelte kostet.
01:33Können Sie auf 20 Mark rausgeben?
01:36Das könnte ich schon, aber das darf ich leider nicht.
01:39Wie?
01:39Ja, ich darf kein Bargeld nehmen.
01:41Wissen Sie, das ist eine befristete Werbeaktion.
01:44Da soll nur bargeldlos bezahlt werden.
01:46Warum denn das? Verstehe ich nicht.
01:47Na, ich auch nicht.
01:48Aber die wollen es halt so.
01:50Ich darf nur Schecks nehmen.
01:52Sie haben doch Euro-Schecks.
01:53Ja, ja.
01:55Aber für so eine kleine Summe?
01:58Vorschrift, Frau Schneider.
02:00Na, meinetwegen.
02:02Hier, nehmen Sie den.
02:12Danke.
02:13Ahnungslos füllt Frau Schneider den Scheck mit dem Füllfederhalter aus,
02:17den ihr der Vertreter reicht.
02:189,90 Mark?
02:20Ja.
02:20Sie weiß nicht, dass der Scheck erst bei der Bank vorgelegt wird,
02:30nachdem der Mann ihn zu Hause auf raffinierte Weise verfälscht hat.
02:35Mit einem Tintenkiller lässt er den handschriftlich ausgefüllten Betrag verschwinden
02:39und setzt danach mit der Schreibmaschine eine neue, weitaus höhere Summe ein.
02:50Lediglich die Unterschrift lässt er stehen.
03:01Sie können sich vorstellen, was Frau Schneider für einen Schreck bekommen hat,
03:05als von ihrem Konto nicht 9,90 Mark, sondern 2.599 Mark abgebucht worden sind.
03:12Da die Unterschrift auf dem Scheckformular eindeutig echt war,
03:15hatte sie auch kaum eine Chance, die Bank für den Verlust verantwortlich zu machen.
03:18Denn dort wird in erster Linie auf die Echtheit der Unterschrift geachtet.
03:23Frau Schneider hätte den Betrug verhindern können,
03:26wenn sie nicht den bereitwillig gereichten Federhalter benutzt hätte.
03:29In diesem Federhalter befand sich nämlich eine einfache Tinte,
03:32die mit dem Tintenkiller leicht gelöscht werden kann.
03:36Deshalb empfiehlt es sich ganz allgemein,
03:38beim Ausfüllen von Schecks und anderen Dokumenten
03:41grundsätzlich nur Dokumenten echte Tinte oder Kugelschreiber zu benutzen.
03:46Ein geringer finanzieller Mehraufwand, der sich mehr als bezahlt machen kann.
03:52Der nächste Trick, vor dem wir Sie warnen möchten,
03:55gehört in die Gruppe der Betrügereien mit Existenzgründungen.
04:00Tausende von Bürgern haben in der Vergangenheit ihre Ersparnisse verloren,
04:03weil sie sich Luftschlösser vorgaukeln ließen,
04:06die in der Realität des Alltags wie Seifenblasen zerplatzt sind.
04:11Mit Recht ist deshalb in den letzten Jahren die allgemeine Skepsis
04:15vor unerprobten Geschäftsideen gewachsen.
04:18Aber auch das ist für gerüste Betrüger kein unüberwindliches Hindernis.
04:23So bieten sie, wie der nächste Fall zeigt,
04:25in vermehrtem Umfang Existenzen an,
04:27die den Anschein erwecken, als hätten sie sich seit Jahrzehnten bewährt.
04:31Wenn ich nicht aus Altersgründen
04:32und wegen meiner Gesundheit jetzt ein bisschen langsamer treten müsste,
04:37würde ich das Geschäft natürlich nicht aufgeben.
04:40Schließlich hat es uns das halbe Leben lang gut ernährt.
04:43Ich habe gar nicht gewusst,
04:44dass man mit solchen Fußmatten überhaupt was verdienen kann.
04:47Doch, das ist schon ein gutes Geschäft.
04:49Ich habe immer gedacht, die werden von den Autofirmen hergestellt.
04:52Ja, das stimmt schon.
04:53Aber die machen nur die Erstausstattung.
04:55Aber mit deinem Römer geht es wirklich nicht mehr.
04:57Und allein schaffe ich es auch nicht.
04:59Ich habe es nämlich im Kreuz.
05:01Das ist ja das Dumme.
05:03Du hast ja recht.
05:05Das ist jetzt was für jüngere Leute.
05:08Haben Sie denn so etwas Ähnliches schon mal gemacht?
05:11Ich nicht.
05:12Es soll auch mehr eine Arbeit für meine Frau sein.
05:14Ich bin bei der Bundeswehr, Zeitsoldat.
05:16Ich war früher in der Textilbranche,
05:18bevor unsere Tochter gekommen ist.
05:20Da hatten wir mit so ähnlichen Maschinen schon zu tun.
05:22Ach ja.
05:23Und dann haben Sie wegen dem Baby aufgehört?
05:26Und jetzt suche ich eben wieder eine Arbeit,
05:28aber eine, die ich zu Hause machen kann.
05:30Am besten wäre ja eine Existenz,
05:32in die ich später auch einsteigen könnte,
05:33wenn ich bei der Bundeswehr fertig bin.
05:35Tja, da wäre ja unsere Fußmattenproduktion geradezu ideal.
05:40Sie könnten sich zu Hause in Ruhe einteilen
05:42und immer gerade so viel produzieren,
05:44wie Sie eben Lust haben.
05:45Absatzprobleme gibt es keine?
05:47Ach wo?
05:48Wenn Sie ordentliche Arbeit leisten,
05:50können Sie so viel verkaufen, wie Sie wollen.
05:52Außerdem kriegen Sie von uns unseren gesamten Kundenstamm.
05:55Was sind denn das für Leute, die Sie da beliefern?
05:57Tankstellen vor allem,
05:59aber natürlich auch Autozubehörgeschäfte.
06:01Die Adressen bekommen Sie dann bei Vertragsabschluss.
06:047000 Mark, sagen Sie, kostet die Maschine.
06:07Die ist aber nicht mehr ganz neu.
06:09Da würde sie auch das Doppelte kosten.
06:11Das ist bestes Fabrikat.
06:14Und in dem Preis ist dann ja auch alles mit drin.
06:16Das ganze Material, was Sie hier sehen,
06:18Kundenadressen und unser Fachwissen natürlich auch.
06:21Kommen Sie, das ist ganz einfach.
06:25Hier haben wir zum Beispiel eine Schablone für den Fort Fiesta.
06:29Sie legen die Schablone auf das Material,
06:32zeichnen ringsherum an und schreiten dann das Stück aus.
06:36Dann brauchen Sie nur noch das Bandrum rumzunähen
06:39und auf die angezeichneten Stellen die Absatzschule.
06:43Wie viel haben Sie denn da in der Stunde geschafft?
06:46So, je nach Typ 15 bis 18.
06:49Aber ich mache das ja auch schon eine ganze Weile.
06:52So viel werde ich wohl nicht gleich schaffen.
06:53Aber trotzdem, das haben Sie bald raus.
06:56Na, Günter, was meinst du?
06:59Hört sich eigentlich alles ganz gut an.
07:02Rita und Günter Hafner haben seit geraumer Zeit
07:06nach einer Möglichkeit gesucht,
07:07ihre Finanzen mithilfe einer selbstständigen Tätigkeit aufzubessern.
07:11Mit einer eingeführten Autofußmattenfabrikation,
07:14die von einem älteren Ehepaar namens Klotz angeboten wird,
07:17sehen Sie sich nach mehreren ungünstiger erscheinenden Angeboten
07:20am Ziel Ihrer Wünsche.
07:27Für 7000 Mark erwerben Sie eine Industrienähmaschine,
07:31das noch vorhandene Material
07:33und das gesamte Know-how des bisherigen Firmeninhabers.
07:41Wenn der Papa kommt, dann können wir essen, ja?
07:43Ich bin gleich fertig.
07:50Hallo, ihr beiden.
07:52Wieder fleißig?
07:53Mareike?
07:56Hier ist es gleich mal wieder.
08:02Kein, mein Schatz.
08:04Wie läuft's bei dir?
08:05Hast du wohl bald genug, was?
08:06Ja, heute habe ich ziemlich viel geschafft.
08:08Komm, dass es gut sein.
08:08Wenn es ein paar weniger sind, macht es auch nichts.
08:10Du, den ersten Posten habe ich fast fertig.
08:14Am Sonnabend können wir los in die erste Runde beim Kunden machen.
08:17Ich bin schon gespannt.
08:18Ich auch, aber mal was Näherliegendes.
08:21Ich habe einen Morskuhldampf.
08:22Wie sieht es mit dem Abendessen aus?
08:23Ich habe es schon aufgesetzt.
08:25Ich mache nur noch die eine hier fertig, dann können wir essen.
08:27Na gut, ich nehme die Kleine inzwischen mit.
08:28Das verstehe ich nicht.
08:38Sie haben doch bei Herrn Klotz die Fußmatten auch bezogen.
08:41Wir haben das Geschäft von Herrn Klotz übernommen.
08:43Ich kenne Ihren Herrn Klotz nicht.
08:45Aber das gibt's doch nicht.
08:47Aber da war doch neulich schon einer da.
08:48Mit derselben Masche.
08:50Hat auch was von Herrn Klotz erzählt und von Geschäftsübernahme.
08:53Wie?
08:54Hat er auch solche Fußmatten angeboten?
08:56Aber natürlich, genau solche Dinge, wie Sie da haben.
09:00Entschuldigen Sie, ich muss ja weitermachen.
09:0238,50 Mark.
09:04Du, der hat uns reingelegt.
09:05Dann steige ich aufs Dach.
09:06Der wird mich kennenlernen.
09:08Wollen wir gleich hinfahren?
09:09Ja, sofort.
09:10Lassen wir uns nicht machen.
09:11Nur mal langsam.
09:13Überlegen Sie, was Sie sagen.
09:14Da gibt's nichts zu überlegen.
09:15Sie haben uns übers Ohr gehauen.
09:17Von wegen aus Altersgründen.
09:18Ein eingeführtes Geschäft mit allen Informationen.
09:21Na und?
09:22Stimmt doch.
09:23Ich habe Sie doch eingewiesen in die Herstellung von Autofußmatten.
09:26Ja.
09:26Aber nicht nur uns.
09:28Wie viele Leute haben Sie denn Ihr Geschäft verkauft, mit dem Sie angeblich all die Jahre
09:31so gut gelebt haben?
09:33Wie viele von den alten Maschinen haben Sie ja noch im Keller stehen, die Sie vielleicht
09:35noch anderen Leuten andrehen?
09:36Von Konkurrenzfreiheit war nirgendwo die Rede.
09:39Ich kann die Herstellung von Autofußmatten so oft verkaufen, wie ich will.
09:42Das glauben Sie doch wohl selbst nicht.
09:44Ich will jedenfalls mein Geld wiederhaben.
09:46Und zwar die gesamten 7.000 Mark.
09:48Und Ihre Maschine können Sie wieder abholen.
09:50Das Material auch.
09:51Das taugt sowieso nichts, wie ich inzwischen weiß.
09:53Einen Dreck werde ich tun.
09:54Wir haben einen Vertrag und den habe ich erfüllt.
09:59Wenn ich mein Geld nicht zurückkriege, zeige ich Sie an.
10:02Den Prozess gewinne ich.
10:03Da können Sie Gift draufnehmen.
10:05Komm, Rita.
10:05Wir haben hier nichts mehr verloren.
10:07Das Ehepaar Hafner hat das Geld nicht zurückgehalten.
10:12So kommt es dann tatsächlich zu einem Prozess vor dem Landgericht.
10:16Und es sieht so aus, als ob der Schaden, den die Hafners erlitten haben, wieder gut gemacht
10:20werden muss.
10:22Im Rechtsstreit gönnt der Hafner als Kläger gegen Elfriede Klotz als Beklagte.
10:30Als Beklagte erscheint dort Frau Klotz.
10:34Denn nach dem Kaufvertrag, den die Hafners abgeschlossen haben, ist sie und nicht ihr Mann
10:39der offizielle Geschäftspartner.
10:40Der Klage wird stattgegeben.
10:44Die Beklagte hat gegen Rückgabe der Industriemaschine und der Herstellungsmaterialien an den Kläger
10:507000 D-Mark nebst 4% Zinsen zu zahlen.
10:55Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Beklagte.
10:59Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar.
11:01Die Hafners bekommen also ihr Recht.
11:06Aber das Urteil ist, wie sich bald herausstellen wird, nur eine immaterielle Genugtuung.
11:14Frau Klotz, die offizielle Geschäftspartnerin, lebt mit ihrem Mann in Gütertrennung und erklärt
11:19sich selbst als mittellos.
11:21Sie legt vor dem Amtsgericht eine entsprechende eidesstattliche Versicherung ab, sodass der Anspruch,
11:26den die Hafners vom Gericht zugesprochen bekommen haben, letztlich ins Leere geht.
11:31Aber es kommt noch schlimmer.
11:35Trotz der für sie günstigen Kostenentscheidung müssen die Hafners ihren eigenen Anwalt selbst bezahlen.
11:44Und drei Monate später kommt schließlich auch noch ein recht unangenehmer Brief der Justizkasse.
12:01Günter Hafner muss die Gerichtskosten in Höhe von 296 Mark bezahlen.
12:07Eine Tatsache, die er nur schwer begreifen kann und die sicher auch das Rechtsempfinden vieler unserer Zuschauer verletzen wird.
12:14Wir haben deshalb Herrn Dr. Kellner zu uns ins Studio gebeten, Vorsitzender Richter am Landgericht München I.
12:20Herr Dr. Kellner, muss sich in einer solchen Situation der rechtssuchende Bürger von der Justiz nicht im Stichgelast fühlen?
12:29Eigentlich nicht von der Justiz, eher vom Gesetzgeber.
12:31Richtig, aber das läuft doch für die Betroffenen auf dasselbe hinaus.
12:34Das stimmt.
12:35Die Zahlungsverpflichtung beruht auf § 49 Gerichtskostengesetz.
12:39Danach muss ein Kläger, selbst wenn er den Prozess gewonnen hat, für die Kosten einstehen, wenn diese beim verurteilten Beklagten nicht zu holen sind.
12:50Hintergrund dieser gesetzlichen Regelung ist der im Prinzip vernünftige Gedanke des Staates,
12:56bei zivilen Rechtsstreitigkeiten den Bürger so gering wie möglich mit Kosten zu belasten und dafür die Prozessbeteiligten heranzuziehen.
13:06Damit trägt der Bürger, der sich gegen Übervorteilung zur Wehr setzen will, aber doch ein recht beachtliches Prozessrisiko, von dem er in aller Regel nichts weiß.
13:14Ja, leider. Aber natürlich gehört es zu den Aufgaben eines Anwalts, seinen Mandanten auf dieses Risiko hinzuweisen.
13:22Nach unserer Erfahrung hapert es mit dieser Aufklärung aber doch recht oft.
13:25Das kann ich nicht beurteilen. Als Richter habe ich allerdings schon häufig das Gefühl, dass die Prozessparteien das Kostenrisiko einfach verdrängen.
13:33Im Übrigen kann ein Kläger, wenn er den Prozess gewonnen hat, sich die Kosten gegen den Beklagten festsetzen lassen.
13:42Das bedeutet, dass sich sein Anspruch um den Kostenbetrag erhöht. Und dieser Anspruch bleibt dann 30 Jahre lang bestehen.
13:50Tja, das ist in aller Regel aber natürlich ein schwacher Trost.
13:53Deshalb empfiehlt es sich eben immer wieder, von vornherein etwas vorsichtiger zu sein und insbesondere Verträge auch auf ihre Erfüllbarkeit und ihre realen Hintergründe hin zu überprüfen, bevor man sie unterschreibt.
14:07Vielen Dank, Herr Dr. Kellner.
14:10Und nun, meine Damen und Herren, zu einem Thema, über das man in neuerer Zeit wieder sehr viel hören und lesen kann.
14:17Erdstrahlen und ihre Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden.
14:21Die einen halten das Ganze für ausgemachten Unsinn, die anderen glauben, dass hier ein wichtiges, unerforschtes Gebiet vor uns liegt.
14:28Die allgemeine Unsicherheit lässt natürlich nicht nur Raum für allerlei Spekulationen, sondern auch für zwielichtige Geschäftemacher.
14:37Ich habe hier zum Beispiel ein Entstörgerät. Es ist an die Steckdose anzuschließen und soll den schädlichen Einfluss von Erdstrahlen mindern.
14:47Kostenpunkt 200 Mark.
14:49Das Innenleben des Kastens lässt dann allerdings große Zweifel aufkommen, ob dieses Geld gut angelegt ist.
14:59Das Elektrokabel endet an einer sogenannten Lüsterklemme, ohne dass es irgendwo angeschlossen ist.
15:07Dann gibt es in dem Kasten noch ein paar Kupferdrahtringe und zwei Magnete.
15:12Die gesamte Anordnung ist nach dem Urteil eines Fachmanns der Technischen Universität München äußerst leihenhaft und in keiner Weise geeignet, besondere elektrophysikalische Wirkungen auszulösen.
15:25Weder in positiver noch in negativer Hinsicht.
15:31Ich glaube, dieses Urteil spricht für sich selbst.
15:36Und nun zum nächsten Thema, meine Damen und Herren.
15:38Wir leben in einer Zeit, in der auch handwerkliche Leistungen immer teurer werden.
15:44Daran hat man sich inzwischen gewöhnt.
15:47Wenn aber zwei Männer für eine Stunde Arbeit an einem Haus rund 1000 Mark verlangen und auch bekommen, dann sprengt das doch den üblichen Rahmen ganz gewaltig.
15:57So etwas gelingt natürlich auch nur mithilfe eines ganz üblen Tricks.
16:01Eines Tricks, von dem vor allem ältere Menschen bedroht sind, die gewisse Schwierigkeiten haben, ihr Grundstück oder ihr Haus in Schuss zu halten.
16:11Rosalene Bach lebt seit Jahren allein in dem Haus, in dem sie vor fast 80 Jahren geboren wurde.
16:17Sie hat sich bisher nicht entschließen können, in ein Altenheim zu gehen, obwohl ihr Elternhaus für sie eigentlich inzwischen zu groß ist und auch immer wieder teure Reparaturen anfangen.
16:26Und wer einen Blick dafür hat, der sieht das dem Haus und dem Grundstück auch an.
16:34Guten Tag!
16:43Guten Tag!
16:44Guten Tag!
16:46Viel Arbeit jetzt mit dem Haus, wie?
16:48Na, da haben Sie recht. Aber was nützt?
16:52Müssen Sie das alles alleine machen? Haben Sie keinen Mann?
16:56Nein, der ist schon lange tot.
16:58Dann haben Sie wohl auch die Dachinne schon lange nicht mehr sauber gemacht.
17:01Na, wie stellen Sie sich denn das vor? Wie soll ich denn darauf kommen?
17:06Sie nicht, aber wir. Wir sind darauf spezialisiert. Wir helfen Ihnen gerne. Dürfen wir mal reinkommen?
17:11Ja, wenn Sie wollen. Bitte.
17:17Die beiden jungen Männer, die Rosa Lehnbach im Spätherbst vergangenen Jahres in ein Gespräch ziehen, geben sich als Bauhandwerker aus.
17:24Sie bieten an, Dachwänden zu reinigen und auch andere Reparaturen preiswert durchzuführen.
17:31Ich kann ja nicht alles alleine machen.
17:34Hier sind die Dachwände aus.
17:35Die sind hier verstopft, nicht?
17:37Ja, da läuft sie auch immer runter.
17:39Die Terrasse da, die müsste auch mal ausgebessert werden.
17:43Das ist ja richtiggehend gefährlich, wenn Sie mal stolpern.
17:45Ja, ja, ich weiß. Aber wenn man erst mal anfängt, dann sieht man überall, wo es nötig wäre.
17:51Und ich, ich muss halt ein bisschen sparen.
17:55Ach, da machen Sie sich mal keine Sorgen. Wir sind wahnsinnig billig, weil wir auf eigene Rechnung arbeiten.
18:01Was, was würde das denn so ungefähr kosten? Ich meine die Dachrinne und die Terrasse.
18:06Na ja, es kommt darauf an, wie viel Material wir brauchen, aber so 700, 800 Mark müssen Sie rechnen.
18:15Mann, na also das ist zu teuer.
18:19Wenn Sie das vor dem Winter nicht machen lassen, dann kann Ihnen da alle anpassieren.
18:24Dann wird es im nächsten Jahr noch viel teurer.
18:26Na ja, da haben Sie allerdings auch wieder recht.
18:28Ja, wir sind gerade in der Gegend. Und morgen hätten wir auch Zeit.
18:33So billig macht Ihnen das keiner.
18:36Na ja, ist gut. Dann müssen wir auch.
18:39Rosa Lehnbach weiß, dass es sich nicht auszahlt, notwendige Reparaturen aufzuschieben.
18:45Auf Wiedersehen.
18:46So gibt sie den beiden Männern den besprochenen Auftrag.
18:50Und sie braucht am nächsten Tag auch nicht lange zu warten, denn die angeblichen Handwerker kommen sogar früher als erwartet.
19:06Guten Morgen, Frau Lehnbach. Da wären wir also.
19:09Guten Morgen.
19:10Ach, Sie sind aber früh dran. Mit Ihnen habe ich ja noch gar nicht gerechnet.
19:16Sie wissen doch, Morgenstund hat Gold im Mund.
19:19Na, da haben Sie recht. Aber das hört man auch nicht mehr oft heute.
19:23Ja, wollen Sie etwa mit dem ganzen Zeug hier durch?
19:27Nein, nein, Frau Lehnbach. Wir gehen natürlich außenrum. Wir wollen Ihnen keinen unnötigen Dreck machen.
19:31Und das ist nett von Ihnen.
19:48So, dann wollen wir mal gleich loslegen.
19:51Was ist denn das? Haben Sie das Geld im Haus?
19:52Nein, da bin ich dann noch gar nicht zugekommen.
19:56Sie haben doch aber ausgemacht, dass Sie gleich Fahrt bezahlen.
19:58Ja, ja, das ist schon richtig. Aber ich habe doch gar nicht mit Ihnen so früh gerechnet.
20:03Sie haben Sie vorgezogen, weil der nächste Kunde ein bisschen weiter weg wohnt.
20:06Aha. Na, dann gehe ich jetzt gleich zur Bank, ja?
20:09Wir brauchen Sie auch nicht.
20:10Machen Sie die Terrassentür ruhig zu, damit der Dreck nicht reinkommt.
20:14Gut.
20:14Acht, neun, neunundzwanzig, vierzig, sechzig, achtzig, eintausend.
20:28Wollen Sie verreisen, Frau Lehnbach?
20:30Nein, ich habe die Handwerker im Haus und die muss ich gleich bezahlen.
20:34Oh je, da gibt es Dreck.
20:35Zum Glück nicht. Die arbeiten draußen.
20:39Na ja, da geht es ja. Auf Wiedersehen, Frau Lehnbach.
20:41Auf Wiedersehen.
20:42Während Frau Lehnbach bei der Bank ist, arbeiten die beiden Männer am Haus nach eigenen Gesetzen.
20:52Mit handwerklicher Kunst hat diese Arbeit allerdings sehr wenig zu tun.
21:01Komm, pass an.
21:12Vorsicht! Nicht heraustreten!
21:22Ja, um Gottes Willen, was haben Sie denn da gemacht?
21:25Da dürfen Sie jetzt 24 Stunden nicht drauftreten.
21:28Deshalb haben wir eine Plane drüber gespannt.
21:30Zum Zahlen komme ich dann vorne an die Tür.
21:32Ja, was denn? Sie sind schon fertig?
21:34Ja, alles tipptopp.
21:37Ja, und mit dem Dach auch?
21:39Na klar. Wissen Sie, uns geht es flott von der Hand.
21:43Wenn wir arbeiten, dann arbeiten wir.
21:45Ja, und was wird mit der Plane?
21:48Die holen wir ab, wenn wir wieder mal in der Nähe sind.
21:51Ist gut. Ich komme dann mit dem Geld an die Haustür.
21:53So, wie viel macht das denn nun zusammen?
22:05920. Ich habe die Rechnung schon fertig gemacht.
22:08Was? Aber Sie haben doch was von 700 bis 800 Mark gesagt.
22:13Das schon, aber wir haben doch noch ein bisschen mehr Material gebraucht.
22:17So genau kann man das vorher nie abschätzen.
22:18Ja, da haben Sie aber Glück gehabt, dass ich etwas mehr Geld von der Bank gebracht habe.
22:24Sie wissen doch, Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige, Frau Lehnbach.
22:27Die flotten Sprüche gehören mit zur Masche, mit der die Betrüger bei ihren Opfern zunächst Sympathie
22:33und damit natürlich auch Zahlungsbereitschaft erzeugen.
22:38Dass Sie hier reingelegt worden sind, merken die Betroffenen, so wie Frau Lehnbach in unserem Beispiel,
22:42denn erst, wenn Sie die Plane, die natürlich nicht wieder abgeholt wird, von der Terrasse abheben.
22:49Dann zeigt sich, dass die Männer allenfalls ein bisschen Pfusch abgeliefert haben,
22:54dass ihre Arbeit an der Dachrinne nicht besser war, versteht sich beinahe von selbst.
22:59Um es nun aber mit aller Deutlichkeit zu sagen, meine Damen und Herren,
23:02so wie immer in unserer Sendung haben wir auch in diesem Fall die Betrugsmethoden
23:07einiger windiger Geschäftemacher aufgezeigt, die nicht zu verwechseln sind,
23:11mit der Arbeit seriöser Firmen oder Handwerksbetriebe.
23:15Namen und Adressen sind natürlich auch wie immer geändert.
23:18Bezogen auf den gezeigten Fall bedeutet das die Empfehlung,
23:23Reparaturaufträge nur an Handwerker zu vergeben, die man selbst kennt
23:26oder deren Existenz und Adresse man überprüft hat, etwa anhand des Branchenverzeichnisses.
23:34Wenn dann eine Arbeit einmal schlecht ausgeführt wurde,
23:37dann kann man sie entsprechend reklamieren und sich gegebenenfalls auch an die Handwerkskammer wenden.
23:42So, mit unserem letzten Thema, meine Damen und Herren, wird jetzt eine Zielgruppe angesprochen,
23:50zu der ich aufgrund meines gesunden Appetits leider auch gehöre.
23:55Die etwas übergewichtigen.
23:59Man bietet uns ja zur Abhilfe eine ganze Menge an.
24:02Allerlei Abmagerungskuren, unzählige Diäten, Arzneimittel und natürlich auch körperliche Betätigung.
24:10Die Erfolge sind, nun ja, höchst unterschiedlich.
24:13Da fühlt man sich dann natürlich angesprochen, wenn man in seinem Briefkasten einen solchen Prospekt einer holländischen Firma findet.
24:22Ärzte empfehlen die neue Schlankpille aus dem Meer.
24:26Kein Hungern, kein Turnen, keine Diät.
24:30Einfach einnehmen und sofort abnehmen.
24:33Der mühelose Weg zur Traumfigur.
24:35Ein paar Zeugen sind abgebildet, die den mühelosen Weg mit Erfolg gegangen sind.
24:40Und auf der Rückseite ein leibhaftiger Professor, der selbst 21 Pfund abgenommen hat.
24:48Die Preise für die Wunderpille sind am gewünschten Erfolg orientiert.
24:53Bis 15 Pfund Gewichtabnahme 39 Mark, bis 25 Pfund 69 und bis 40 Pfund und mehr 99 Mark.
25:03Wir haben einen der Kunden, die diese Wunderpillen bestellt haben, aufgesucht.
25:07Und zwar Herrn Hermann de Boer in Damme bei Oldenburg.
25:13Ich bin jetzt 59 Jahre und habe jahrelang 156 Pfund gewogen.
25:21Aufgrund dessen, dass ich wohl mit der Verpflegung nicht so aufgepasst habe, habe ich 4 Pfund zugenommen.
25:27Ich wiege jetzt also 160 Pfund.
25:29Als eines Tages eine Postwurfsendung ins Haus flatterte, habe ich mir diese Wunderpillen für 39 D-Mark bestellt, die per Nachname dann kassiert wurde.
25:42So, und sind Sie denn nun mit dem Ergebnis zufrieden?
25:44Ich bin überhaupt nicht zufrieden, denn entgegen diesem Prospekt, der von 10 Pfund in der Woche Abnahme sprach, habe ich nicht ein einziges Gramm abgenommen.
25:57Was haben Sie denn dann gemacht? Haben Sie sich beschwert?
26:00Nein, das habe ich nicht getan. So etwas bringt ja nichts.
26:03Ich habe mir gedacht, ich schreibe lieber Ihnen, damit Sie andere Menschen vor dieser holländischen Firma warnen.
26:10Bevor wir das tun, wollten wir sicher gehen, dass wir es nicht mit einem Einzelergebnis zu tun haben.
26:17Wir haben die Wunderpillen im Deutschen Arzneiprüfungsinstitut analysieren lassen.
26:21Dr. Steinigen, der Leiter des Instituts, hat Folgendes festgestellt.
26:25Die Meeresalben-Extrakt-Traschitten, die auch als Alben-Extrakt-Tabletten vertrieben werden,
26:32bestehen fast ausschließlich aus Quellstoffen, die aus Meeresalben gewonnen werden.
26:37Appetit-Zügler, Abführmittel oder andere Wirkstoffe wurden nicht festgestellt.
26:45Der stoffliche Wert der kleinsten Packung, die für immerhin 39,50 Mark verkauft wird,
26:52beläuft sich auf nicht viel mehr als 1 Mark.
26:55Eine Abnahme des Körpergewichts ist ohne gleichzeitige Einschränkung der Kalorienzufuhr,
27:03das heißt ohne Einschränkung der Ess- und Trinkgewohnheiten, mit Sicherheit nicht möglich.
27:08Die vielversprechenden Aussagen in den Werbeprospekten und Werbeanzeigen sind in diesem Zusammenhang
27:16völlig aus der Luft gegriffen, unhaltbar und irreführend.
27:21Da die Vertriebsfirma, die mit diesen unwahren Versprechungen auf dummen Fang geht, im Ausland sitzt,
27:26ist ihr mit Hilfe der deutschen Polizei und der deutschen Rechtsprechung nur sehr schwer beizukommen.
27:32Es bestätigt sich also wieder einmal, Wunderpillen, mit denen man von heute auf morgen ohne Schaden zu nehmen,
27:38beliebig abnehmen kann, gibt es nicht.
27:40Wer dies verspricht, kann eigentlich nur darauf aus sein, nicht ihr Gewicht, meine Damen und Herren,
27:46sondern den Inhalt ihres Portemonnaies zu schmälern.
27:50In diesem Sinne verabschiede ich mich bis zur nächsten Sendung.
27:53Vorsicht, Falle! Guten Abend!

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