- vor 3 Wochen
Karneval 1988 in Köln: Die 24-jährige Mutter Petra Nohl feiert
mit Freundinnen in der Altstadt. Auf dem Heimweg wird sie
brutal angegriffen und erwürgt. Der Täter entkommt unerkannt.
mit Freundinnen in der Altstadt. Auf dem Heimweg wird sie
brutal angegriffen und erwürgt. Der Täter entkommt unerkannt.
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00:00Der Karneval. Tausende Menschen feiern ausgelassen auf den Straßen Ausnahmezustand.
00:05Genau in dieser Zeit wird eine junge Frau brutal ermordet.
00:09Und ihrer Tochter wird so ziemlich das Wichtigste genommen, was ein Kind haben kann, die Mutter.
00:1535 Jahre lang bleibt der Täter unerkannt.
00:18Mich hat dieser Fall nicht mehr losgelassen.
00:20Und ich frage mich, was macht das mit einem Menschen, wenn man erst Jahrzehnte später Antworten bekommt?
00:34Ja, super machst du das. Sehr gut.
00:38Möchtest du noch eins? Schau mal.
00:40Petra Null ist 24, gelernte Friseurin und seit über anderthalb Jahren Mutter.
00:45Genau, die Mama macht eins.
00:47Die kleine Kathi steht im Mittelpunkt ihres Lebens.
00:50Mit Mama. So.
00:56Stimmt, Papa. Mama kommt gleich hin, okay?
01:00Papa. Ja, Papa.
01:02Mir Papa war.
01:04Alle 14 Tage verbringt Kathi das Wochenende bei ihrem Vater.
01:08Das Ehepaar hat sich vor acht Monaten getrennt.
01:11Thorsten hat Petra wegen einer anderen Frau verlassen, bei der er inzwischen wohnt.
01:16Hallo Petra.
01:17Hallo Thorsten.
01:19Ist schön, dich zu sehen.
01:20Geht's dir gut?
01:22Ja, alles bestens.
01:25Thorsten, ich möchte, dass du dir eine eigene Wohnung suchst und unsere Tochter nicht mit so einer völlig fremden Frau
01:30nimmst.
01:32Ja.
01:33Das tut mir auch leid, dass du immer noch wegen Rita sauer bist.
01:36Darum geht's nicht.
01:37Es geht um unsere gemeinsame Tochter, nicht um mich.
01:40Kathi ist jedes Mal völlig durch den Wind, wenn sie von euch zurückkommt.
01:43Ich möchte, dass du eine Lösung findest.
01:46Zumindest für die Zeit, in der sie bei dir ist, ja?
01:48Ja, okay.
01:49Okay.
01:49Warte kurz.
01:56Gut, wir hier.
01:58Hallo.
01:58Ja, hallo, mein Schatz.
02:00Grüß dich, hallo.
02:01Ich hab dich so doll vermisst.
02:03Hast du den Schnuffi dabei?
02:04Schnuffi, komm mit.
02:05Sag tschau zur Mama.
02:07Tschüss, mein Schatz.
02:08Ciao.
02:08Ciao.
02:09Tschüss.
02:11Bis morgen.
02:12Bis morgen, ciao.
02:17Ciao.
02:18Ciao.
02:19Ciao.
02:24Ich kann mich überhaupt nicht an meine Mutter erinnern, leider.
02:27Ich war viel zu klein.
02:28Mein Vater hat mir viel über meine Mama erzählt.
02:31Sie war ein fröhlicher Mensch.
02:33Wenn sie in den Raum gekommen ist, hat sie alle Aufmerksamkeit aus sich gezogen, weil sie
02:36so fröhlich war, laut war.
02:39Und sie hat gut ausgesehen.
02:41Ich war das Wichtigste für meine Mutter.
02:43Sie hat alles darauf ausgelegt, dass es mir gut geht.
02:46Ich war ihr ein und alles.
03:06Petra beginnt wieder nach vorn zu schauen, genießt ihre freien Wochenenden und geht inzwischen
03:12auch wieder mit ihren Freundinnen aus.
03:14So wie am Karnevalssamstag, dem 13. Februar 1988.
03:19Oh, das sieht jäger aus.
03:22Und?
03:22Nehmt ihr mich so mit?
03:25Unbedingt, du Raubkätzchen.
03:29Komm, wir trinken jetzt mal was.
03:32Da sind die Gläser.
03:34Als waschechte Kölnerinnen wollen die drei gemeinsam Karneval feiern.
03:41Und was macht dein Ex-Mann heute so?
03:43Noch sind wir nicht geschieden.
03:45Und er wird wohl auf Kathi aufpassen müssen.
03:47Nichts mit Karneval.
03:48Hab ja kein Mitleid mit ihm.
03:50Die paar Wochenenden sind ja wohl ein Witz.
03:52Den Rest stemmst nämlich du alleine.
03:54Das wird nicht immer so bleiben, Petra.
03:57Irgendwo da draußen wartet genau der Richtige für dich und Kathi.
04:00Und genau den finden wir heute Abend.
04:04Auf uns und auf dem rauschenden Mädelsabend.
04:07Und auf deinen Traumfritzen.
04:12Es war Karnevalssamstag.
04:14Und sie haben sich dann verabredet, um ins Charivari zu gehen.
04:18Charivari war eine Diskothek.
04:19Sie haben sicherlich dort auch entsprechend ausgelassenen Karneval gefeiert.
04:22Alkohol wurde natürlich auch konsumiert.
04:27Petra Null lässt sich an diesem Karnevalsabend treiben.
04:36Genießt die Stimmung und tanzt im Laufe dessen mit mehreren Männern.
04:41Für die späteren Ermittlungen wird genau das noch eine Rolle spielen.
04:54Ich habe ein Schnauzbart.
05:04Danke.
05:05Hier geht was los, da bleibt kein Aufentraut.
05:08Hey!
05:10Das ist ein Schnauzbart.
05:15Er war doch ganz süß.
05:17Kupplerin, ich bin nicht auf der Suche.
05:19Ich will aber nur tanzen und Spaß haben.
05:21Okay.
05:22Ich sag das mal nicht zu laut.
05:26Hallo, Petra.
05:27Robert, hallo.
05:29Ich habe dich gar nicht gesehen.
05:31Ich schon.
05:32Sieht gut aus.
05:33Danke.
05:34Ich habe paar Mal versucht, dich anzurufen.
05:36Ich war viel unterwegs mit der Kneiden.
05:39Tanzen wir eine Runde?
05:41Später.
05:42Ich brauche eine Pause.
05:45Dann bis nachher.
05:47Ich komme noch mal vorbei.
05:49Hm?
05:51Ja, Polonaise?
05:53Ja, Polonaise.
05:59Nach der Trennung von ihrem Ehemann war Petra kurzzeitig mit Herbert zusammen.
06:04Er hatte sich mehr erhofft.
06:11Komm, lass uns noch weiterziehen.
06:14Im Backband ist bestimmt noch was los.
06:16Ja, nee, Petra, heute nicht.
06:19Ich bin reich für die Heimreise.
06:20Ach, nö, ihr könnt mich doch nicht an meinem freien Abend hängen lassen.
06:23Sorry, Petra, aber ich bin echt durch.
06:26Okay.
06:27Dann gehe ich eben alleine.
06:28Bettina ist bestimmt noch da.
06:29Uh.
06:33Vorausgesetzt, eines von euch leit mir ein bisschen Geld.
06:36Warte.
06:37Ja.
06:38Später.
06:42Hier.
06:43So viel.
06:44Na klar.
06:45Ich brauche doch nichts mehr.
06:47Aber du musst mir eins versprechen.
06:48Nimm dir bitte ein Taxi.
06:50Das sind keine zehn Minuten zu Fuß.
06:52Man, du hast recht.
06:54Es ist Karneval.
06:55Da sind genug komische Typen unterwegs.
06:57Okay, versprochen.
06:59Wir telefonieren morgen.
07:02Okay.
07:06Viel Spaß am Schönen.
07:08Wir haben dich lieb.
07:12Ciao.
07:14Viel Spaß.
07:20Hey, warte mal, warte.
07:22Gehst du schon?
07:23Ja, ich würde noch eins wegbekommen.
07:25Willst du nachkommen?
07:25Komm doch mit, umkümmer dich nicht rum.
07:30Bring doch eine mit.
07:33Stell dich dir so an.
07:36Du stehst wie die ganze Zigaretten.
07:48Der Weg war nicht sonderlich weit.
07:50Das sind ca. 15 Minuten maximal, denke ich, zu Fuß von der einen Disco zur anderen.
07:56Aber sie hatte halt gesagt, ein Taxi zu nehmen, was sie dann aber offensichtlich dann nicht gemacht hat.
08:12Der Weg von Petra Null führt über eine kleine Seitenstraße, an der am nächsten Morgen ein Karnevalsumzug vorbeiziehen soll.
08:28Bis zur Disco sind es keine 800 Meter mehr.
08:49Am nächsten Morgen machen Streifenbeamte einen Routinekontrollgang auf der Strecke, an der in gut zwei Stunden der Karnevalsumzug vorbeiziehen wird.
09:02Hast du das gehört?
09:03Ich glaube, es kommt von da.
09:04Ja, los.
09:04Komm mit.
09:07Was ist passiert?
09:08Da, da, da liegt jemand.
09:10Spatz.
09:10Hier bitte.
09:15Verständige die Einsatzzentrale.
09:20Einsatzzentrale für 21-11.
09:21Nur wenig später sind die Rettungskräfte und die Kripo vor Ort.
09:25Die Mordkommission Köln nimmt sofort die Ermittlungen auf.
09:29Ist sie stabil?
09:31Sie nehmen sie ins Krankenhaus mit.
09:32Okay.
09:33Da drüben?
09:34Da vorne, ja.
09:40Morgen.
09:42Morgen.
09:43Morgen.
09:44Wenn ihr damit fertig seid, klebt bitte die gesamte Kleidung der Frau ab, ja?
09:49Also, wenn ich mir das so ansehe, hat der Täter sicher Spuren hinterlassen.
09:52Kein Wunder, dass die Frau, die die Leiche gefunden hat, unter Schock steht.
09:56Wissen wir schon, wer sie ist?
09:57Die Spurensicherung hat weder Tasche, noch Geldbeutel, noch Ausweis gefunden.
10:01Leider.
10:02Was sagt die Notärztin?
10:03Sie sagt, die Todesursache sei massive Gewaltanwirkung.
10:06Vom Kopf über den Hals bis hin zum Bauch.
10:11Woran sie konkret gestorben ist, ist bei so vielen Verletzungen völlig unklar.
10:16Immerhin ist das Motiv ziemlich offensichtlich.
10:19Vielleicht auch nicht.
10:20Anzeichen einer Vergewaltigung konnte sie nämlich nicht feststellen.
10:23Bis auf das Shirt der Frau sitzt ihre komplette Kleidung absolut korrekt.
10:26Ja, und das Shirt kann auch im Kampfgeschehen hochgerutscht sein.
10:29Aber was wollte er dann von ihr?
10:30Ich meine, hinterm Bierstand, abgeschirmt von möglichen Zeugen, mitten in der Nacht.
10:36Wie gesagt, die Handtasche fehlt, der Geldbeutel fehlt, vielleicht war es Raubmord.
10:41Aber warum so viel Gewalt? Die Frau ist zierlich, da hätte auch weniger gereicht.
10:44Ja, absolut. Vielleicht steckt auch was anderes dahinter.
10:47Das werden wir erst erfahren, wenn wir die Tote identifiziert haben.
10:50Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir jede Fremdfaser sichern.
10:53Danke.
10:54Das ist vielleicht unsere einzige Chance, den Täter zu finden.
10:56Aber wir sollten uns beeilen. In knapp einer Stunde zieht hier der Karnevalszug vorbei.
11:07Man kann sich kaum ein schwierigeres Szenario vorstellen.
11:10Ein Mord direkt an der Zugstrecke. Dort, wo später mehrere tausend Menschen sein würden.
11:15Herr Weber, wir sind hier an der Stelle, wo Petra Nohl ermordet wurde.
11:19Dort drüben muss das gewesen sein.
11:21Ihre Kolleginnen und Kollegen kamen hierher, mussten und wollten die Spuren sichern.
11:26Wie hat sich die Situation dargestellt?
11:28Ja, also es war so, dass dieses Gebäude damals natürlich noch gar nicht existierte.
11:32Dahinter haben wir einfach den Zaun des Schulgeländes.
11:34Dann findet man die Leiche hinter dem Imbisswagen, der hier stand.
11:39Und dann musste man halt zusehen, wie man das alles gehandelt kriegt.
11:43In dem Wissen, dass kurz danach der Zug auch anläuft.
11:46Was wir wissen ist, dass der Täter Petra Nohl hier angegriffen hat.
11:50Aber von wo kamen die beiden?
11:53Also Petra Nohl und auch der Täter dürften beide aus dieser Richtung gekommen sein.
11:57Nämlich über die breite Straße, die direkt vom Charivari, vom Bierdorf hier in diese Richtung führt.
12:03Und hier in diesem Bereich muss er sie dann angegangen haben, weil es macht keinen Sinn, sie weiter vorne anzugehen,
12:09sondern erst hier im Bereich, wo die Wagen sind, möglicherweise auch bewusst deshalb diese Stelle ausgesucht.
12:14Vor dem Hintergrund, dass hier viel los sein würde, kurze Zeit später.
12:18Warum ist es so wichtig, die Spuren trotzdem sorgfältig zu sammeln?
12:22Ja, also man muss dann halt abwägen. Es muss schnell gehen einerseits, andererseits muss man nach wie vor sorgfältig vorgehen,
12:28weil einfach, wenn man Dinge nicht richtig sichert und bewertet, dann gehen die Dinge verloren und die sind unwiederbringbar verloren.
12:36Das ist natürlich ein großes Risiko, was man einkalkulieren muss.
12:39Und andererseits muss man schon zusehen, dass die Leiche halt relativ zügig dann auch hier wegkommt, klar.
12:46Und das wurde dann auch gemacht und interessanterweise ist dann der Leichenwagen mit dem Leichnam von Petra Nohl auch dann
12:54kurze Zeit noch im Zug mitgefahren.
12:56Und darüber haben die Medien natürlich am nächsten Tag berichtet.
13:12Als meine Mutter die Tür nicht geöffnet hat, hat sich mein Vater sofort Sorgen gemacht
13:16und konnte sich nur vorstellen, dass irgendwas passiert sein musste, weil sie immer sehr zuverlässig und pünktlich war.
13:26Währenddessen wird die Leiche in der Gerichtsmedizin untersucht und die Ermittler richten eine Mordkommission ein.
13:32Leute, hört mal zu. Das waren gerade die Kollegen von der Wache. Eine gewisse Familie Nohl hat sich bei denen
13:38gemeldet.
13:39Sie vermissen seit gestern ihre Ehefrau und Tochter Petra Nohl.
13:43Sie ist nach dem Partyabend mit Freundinnen nicht mehr nach Hause gekommen. Sie ist 24 Jahre alt, blond und zierlich.
13:51Ach, wie unsere Tote. Sollen wir eine Streife zur Familie schicken?
13:57Nein, macht ihr das bitte. Bringt den Vater und den Ehemann mit und fragt nach den Nummern der Freundinnen.
14:02Wir müssen die beiden so schnell wie möglich befragen. Und sagt dem Vater, er soll ein Foto von seiner Tochter
14:07mitbringen, damit wir das abgleichen können.
14:13Haben Sie ein Foto dabei?
14:15Ja, ja.
14:18Das ist meine Tochter.
14:24Was ist denn jetzt mit Petra passiert?
14:29Es tut mir leid, aber ihre Tochter wurde ermordet.
14:36Und weiter Fußgängerzone.
14:39Er ermordet.
14:42Aber warum wurde sie...
14:46Nein.
14:47Es gibt keine Hinweise auf ein sexuelles Motiv.
14:50Aktuell gehen wir von einem Raubmord aus.
14:53Ich verstehe das nicht.
14:56Peter war doch gestern mit Marlies und Tanja aus.
15:00Wieso wurde sie ausgeraubt?
15:02Er hat doch bestimmt gar nichts dabei gehabt.
15:04Wenn ich Sie vielleicht kurz fragen dürfte, Herr Null, ist Ihnen nicht aufgefallen, dass Ihre Frau heute Nacht nicht nach
15:11Hause gekommen ist?
15:13Petra und ich, wir wohnen ja gar nicht mehr zusammen.
15:16Wir haben uns vor acht Monaten getrennt und deswegen war ich ja gestern mit Kathi bei meiner... bei meiner neuen
15:22Freundin.
15:23Kathi?
15:24Unsere gemeinsame Tochter.
15:25Sie ist 20 Monate alt.
15:29Was soll ich der Kleine jetzt sagen?
15:31Was sag ich meiner Frau?
15:34Herr Haas, ich bringe Sie jetzt zu einer Kollegin und die geht mit Ihnen nach Hause und bleibt dort bei
15:41Ihnen und Ihrer Familie, solange Sie möchten, ja?
15:44Kommen Sie bitte. Kommen Sie mit.
15:50Herr Null, wenn Sie noch einen Augenblick bleiben, bitte.
15:52Ja.
15:56Sie haben demnach gestern Abend zusammen mit Ihrer Freundin auf Ihre Tochter aufgepasst, ist das korrekt?
16:01Ja.
16:02Also, ja, nicht so direkt.
16:04Was heißt nicht direkt?
16:07Neben der Wohnung von meiner Freundin, da ist eine Kneipe und da war es wegen Karneval halt recht laut.
16:13Die Kathi konnte da die ganze Nacht nicht schlafen, dann habe ich sie halt zu meinen Eltern gebracht.
16:17Entschuldigung, aber das klang gerade noch ganz anders, als der Schwiegervater da war.
16:20Ja, ich wollte es halt jetzt vor Manfred nicht sagen, weil sie eh schon schwierig genug ist seit der Trennung,
16:25ne?
16:25Weil Sie Ihre Frau verlassen haben.
16:27Ja, okay.
16:28Also nochmal zu gestern Nacht.
16:30Wie ging es weiter, nachdem Sie die Tochter zu den Großeltern gebracht haben?
16:33Also, wir sind halt auch losgezogen, meine Freundin und ich und waren in ein paar Kneipen, haben ein bisschen Karneval
16:41gefeiert.
16:41Wie lange waren Sie unterwegs?
16:44Nicht so lange, vielleicht bis halb zwei, zwei sowas, weil ich wollte ja am nächsten Morgen auch wieder früh aufstehen,
16:49um Kathi von meinen Eltern abzuholen, ne?
16:51Und Ihre Freundin war die ganze Zeit bei Ihnen?
16:53Ja.
16:54Und sind Sie auf der Kneipentour Ihrer Frau begegnet?
16:56Nee, weil wir waren ja die ganze Zeit in unserem Viertel.
17:00Und im Charivari, waren Sie da vielleicht?
17:02Nee, sicher nicht. Das ist ja so ein richtiger Aufreißerschuppen.
17:06Das habe ich der Petra aber auch immer wieder gesagt. Das wollte sie aber nicht hören.
17:12Mich würde es ja überhaupt nicht wundern, wenn irgendeiner der Typen, die da abhängen, ihr irgendwie hinterher ist, weil er
17:18mehr wollte und sie dann...
17:23In der Situation hier war es so, dass es ja auch eine Trennungssituation gab zwischen Petra und ihrem Ehemann,
17:29die auch mit Streitigkeiten, welcher Art auch immer, wohl einhergegangen ist.
17:33Und demzufolge wurde der Ehemann natürlich in die Ermittlungen mit einbezogen und auch hinsichtlich Alibi und Ähnlichem überprüft.
17:40Die Freundinnen sind natürlich als Personen auch befragt worden, insbesondere weil sie ja nun die waren, die sie als Letzte
17:47lebend gesehen hatten an dem Abend.
17:50Sie haben vorhin ausgesagt, dass Ihre Freundin an dem Abend mit einigen Männern getanzt hat.
17:54Ist ihr vielleicht einer von denen gefolgt?
17:57Das konnte ich von Herr Baus nicht sehen. Tut mir leid.
18:01Kein Problem. Wann sind Sie beide denn gegangen?
18:05Kurz nachdem Petra weg war. Das war vielleicht eine Viertelstunde später. Mehr nicht.
18:13Ist Ihnen auf dem Weg nach draußen einer dieser beiden Männer aufgefallen?
18:18Herbert oder der mit dem Schnauzer?
18:20Ich glaube, die waren schon weg. So genau weiß ich es nicht mehr. Der Laden war ja rappelvoll.
18:26Wir müssen diese Männer unbedingt finden, ob sie was mit dem Mord zu tun haben oder nicht.
18:29Vielleicht haben Sie vielleicht irgendwas. Nachnamen, Adressen.
18:33Herbert. Petras Ex. Der ist Handwerker in Deutsch. Das hast du mal erzählt.
18:38Und von dem anderen weiß ich nicht einmal den Vornamen.
18:42Können Sie uns irgendwas zu dem Mann mit dem Schnauzpaar sagen?
18:46Ich habe den schon öfter im Charivari gesehen.
18:48Also, auf Bildern würde ich den bestimmt wiedererkennen.
18:52Würden Sie sich zutrauen, unserem Zeichner den Mann zu beschreiben?
18:55Ja, sicher. Das traue ich mir zu. Ich würde alles tun, um Petras Mörder zu finden.
19:02Dann lass uns den Kollegen von der Phantom-Bildzeichnung gleich einbestellen.
19:05Dann werden natürlich Fahndungsplakate verteilt und dann macht es natürlich schon Sinn, wenn man sagt,
19:10okay, das Ganze ist jetzt an Karneval passiert und Karneval geht weiter.
19:14Dann macht es schon Sinn, wenn man diese Zeit auch nutzt und sofort die ersten Plakate rausbringt.
19:23Für das Fahndungsplakat interessiert sich auch ein Mann, der Petra Nuhl in der Tatnacht gesehen hat.
19:48Haben sich schon Zeugen gemeldet?
19:53Etliche. Bisher leider nichts Zielführendes dabei.
19:56Ich verstehe das einfach nicht. Wieso hat sie sich kein Taxi genommen? Sie hatte doch die 100 Mark von ihrer
20:00Freundin.
20:01Vielleicht hat sie einfach keins gekriegt. Ich meine, es ist Karneval, da sind Taxen genauso rar wie an Silvester.
20:06Hier ist der Obduktionsbericht.
20:08Was sagt die Rechtsmedizin?
20:10Keine Anzeichen einer Vergewaltigung, aber das ist noch die einzig gute Nachricht.
20:15Über 30 Verletzungen, die durch massive, stumpfe Gewaltanwirkungen entstanden sind.
20:20Er hat sie geschlagen, getreten, gewirkt, von der Brust über den Hals bis zum Kopf.
20:25Das ist noch heftiger, als wir vermutet haben.
20:27Ja, der Professor meinte, das waren flächenhafte Angriffe.
20:30Wie aus einem Guss, ohne Unterbrechung.
20:33So etwas hat er wohl in 40 Berufsjahren noch nicht gesehen.
20:36Todeszeit zwischen 4 Uhr und 4.45 Uhr.
20:40Um 4.15 Uhr ist Petra Nohl im Charivari los und war dann wahrscheinlich 10 Minuten später auf der Seitenstraße.
20:48Der Täter spricht sie an oder packt sie gleich am Arm.
20:52Guck mal.
20:55Sie hat Hematome am Oberarm und massive Verletzungen im Nacken.
20:59Vermutlich durch die Goldkordel, die sie um den Hals trug.
21:08Hey, was soll das?
21:12Panol wehrt sich.
21:13Der Täter zieht fest dazu, zerrt sie hinter den Bierstand.
21:17Und geht danach noch aggressiver vor.
21:21Er schlägt, tritt, wirkt sie so lange, bis sie schließlich tot ist.
21:28Ja, ca. 3 bis 8 Minuten hat der Todeskampf gedauert.
21:33Todesursache ist eine Kombination aus Ersticken und Verbluten.
21:38Traut ihr das dem Ehemann zu?
21:41Er hat sie verlassen, nicht andersrum.
21:43Warum sollte er und warum mit so viel Aggression?
21:46Spurentechnisch ist er sowieso raus.
21:47Ich hab vorhin mit dem Labor telefoniert.
21:49Die Handflächenabdrücke vom Tatort sind nicht seine.
21:52Und seine Freundin hat bestätigt, dass sie die ganze Nacht bei ihm war.
21:57Könnte aber auch ein Gefälligkeitsalibi sein.
22:06Mein Vater war total überfordert mit der Situation.
22:09Ich hab viel geweint, ich hab viel geschrien und hab der Schlag meiner Mutter vermisst.
22:14Mein Vater hat mich vor allem gewarnt, dass überall die Gefahr lauert.
22:19Der hatte mal gesagt, geh nicht in dunkle Gassen, damit dich keiner irgendwie in ein Auto zieht oder in einen
22:25Hauseingang zieht.
22:27Also ich hatte vor allem Angst.
22:29Das ist auch bis ins Erwachsenen in der Alter so geblieben.
22:33Weil ich glaub, wenn man so die Kindheit verbringt, das prägt einen.
22:45Während die Familie mit dem Tod der jungen Mutter klarkommen muss, haben die Kommissare die Männer aus der Disco ermittelt.
22:52Sie haben also gesehen, wie Petra Nohl den Mann mit dem Schnauzbart umarmt hat, mit ihm geflirtet hat.
22:58Ja.
22:59Laut unseren Informationen hat Petra Sie hingegen kurz davor abblitzen lassen. Waren Sie nicht eifersüchtig?
23:05Immerhin hatten Sie eine kurze Beziehung mit ihr.
23:09Naja, das war eher sowas wie eine Affäre.
23:12Ich meine, es war Karneval. Da flirtet man halt.
23:19Wollten Sie vielleicht mehr als nur einen Flirt und sind deshalb Petra Nohl gefolgt?
23:25Wieso belüstigt Sie das so? Sie wissen schon, dass wir es hier mit einem Mord zu tun haben.
23:31Ich bin ihr nicht gefolgt, sondern in die Kneipe nebenan zu meiner Freundin.
23:35Ach, und kann das irgendjemand außer Ihrer Freundin noch bezeugen?
23:38Wir sind danach mit Freunden weitergezogen. Also ja?
23:42Gut, dann hätte ich gern die Namen und die Telefonnummern von Ihren Freunden.
23:45Also letztendlich war irgendwann nichts mehr da.
23:47Sodass dann aber nach schon relativ kurzer Zeit, ich glaube es war ein halbes Jahr,
23:50auch keine Ermittlungsansätze mehr da waren. Und dann wird so ein Fall auch zunächst mal zumindest erstmal abgeschlossen.
23:58Und das, glaube ich, ist auf der anderen Seite, auf der Angehörigenseite durchaus noch mal schwieriger,
24:02damit dann letztendlich zu leben, klar zu kommen.
24:07Der Vater ist nie mit dem Mord an seiner ehemaligen Frau fertig geworden.
24:12Für meinen Vater war es ganz schwer, überhaupt Beziehungen zu führen in der ganzen Zeit.
24:16Er hat immer viel in der Vergangenheit gelebt und das hat ihn krank gemacht.
24:22Das ist wie, ja, wie so ein gebrochenes Herz. Und daran ist er auch gestorben.
24:35Ich bin früher immer zum Friedhof gegangen, weil ich da immer das Gefühl hatte, dass ich meiner Mutter ganz nah
24:41bin.
24:41Ich war meistens alleine da, ich wollte das auch so und hab dann immer laut auch mit meiner Mutter gesprochen.
24:48Ich war auch abends vorm Zu-Bett-Gehen, jeden Abend hab ich mit ihr gesprochen und hab mir ein Bild
24:52genommen und dann hab zu ihr gesprochen.
24:55Mehr als drei Jahrzehnte bleibt das Verbrechen an Petra Null ungeklärt, bis die Wende kommt.
25:01Tochter Kathi muss mit diesem Trauma leben.
25:05Ein vertrautes Gespräch zwischen Mutter und Tochter. Einfach mal gemeinsam lachen oder sich über Liebeskummer ausweinen, all das gab es
25:12für die Tochter von Petra Null nie.
25:14Wenn sie die Nähe zur Mutter suchte, dann blieb ihr nur der Grabstein.
25:18Ich treffe jetzt einen Experten für Traumatherapie hier in seinen Praxisräumen in der Nähe von Hannover.
25:25Hallo Herr Besser.
25:26Hallo Herr Ross.
25:27Man spricht ja sehr schnell von einem Trauma, aber was ist das eigentlich?
25:32Traumatische Erfahrungen sind bedrohliche Ereignisse, die einen Menschen in einen außergewöhnlichen Zustand versetzen.
25:38Streng genommen ist der Traumabegriff, benannt es jemand hat ein Trauma, er hat eine noch nicht verarbeitete seelische Wunde oder
25:45Verletzung.
25:46In dem Fall, über den wir sprechen, ist die Tochter des Opfers nicht mal 20 Monate alt.
25:52Was ist daran das Besondere?
25:55Dieser plötzliche, unerwartete Verlust einer wichtigen Bindungsperson ist für Kinder, aber auch für Erwachsene ein besonderer Schock.
26:03Wir sprechen dann von einem Bindungstrauma.
26:06Das, was bisher vertraut und Sicherheit gegeben hat, ist plötzlich nicht mehr da.
26:10Kinder können das gar nicht gut einarbeiten.
26:12Sie erleiden eine tiefe Verunsicherung und ängstliche Situation.
26:16Wo ist diese wichtige Bindungsperson?
26:18Mittlerweile ist die Tochter des Opfers ja schon eine erwachsene Frau.
26:22Wie hat sie dieses Trauma mit auf ihre Reise des Erwachsenwerdens mitgenommen?
26:28Naja, Menschen sind Überlebenskünstler.
26:30Sie hat das überstanden.
26:31Sie wird den Weg ins Erwachsenenalter geschafft haben, aber sie wird sozusagen in den weiteren Entwicklungsschritten zum Erwachsenen da sein,
26:38wird sie immer wieder Blockaden und Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel Ängste in der Dunkelheit haben.
26:44Denn früher war die Dunkelheit sicher, weil Mama hat vielleicht eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt.
26:48Und jetzt ist die Dunkelheit plötzlich ein unsicheres Milieu.
26:51Sodass dann auch der Erwachsene plötzlich, ohne dass was Bedrohliches passiert, Unsicherheit erlebt und bei Mord und Totschlag und solchen
26:57Dingen.
26:58Und der Täter ist nicht gefasst.
27:00Wird auch das Kind und die Jugendliche in der Fantasie immer wieder haben, könnte der Täter noch mal auftauchen.
27:05Das führt zu zusätzlichen Ängsten.
27:07Und das deckt sich genau mit dem, was die Tochter uns gegenüber erzählt hat.
27:11Sie ist sehr ängstlich aufgewachsen und sie hatte speziell immer Angst im Dunkeln.
27:16Und eine zusätzliche, sehr große Belastung.
27:19Der Täter blieb über 30 Jahre lang unentdeckt.
27:22Und die Tochter hatte nie eine Chance auf Abschluss, auf Klarheit.
27:26Erst jetzt, 34 Jahre später, wird der Fall neu aufgerollt.
27:34Die liegen jetzt seit 34 Jahren in der Asservatenkammer, Markus.
27:39Selbst wenn das Labor darauf noch Täter-DNA findet.
27:42Womit willst du sie abgleichen?
27:44Nach zehn Jahren werden sämtliche Daten gelöscht.
27:47Ich weiß.
27:48Und für einen Massengentest kriegen wir keine Genehmigung.
27:51Geschweige denn für die Untersuchung der Folien.
27:53Das ist viel zu aufwendig, sprich teuer.
27:56Eben.
27:57Und deswegen zäumen wir das Pferd von hinten auf.
27:59Wir liefern der Staatsanwaltschaft eine neuen Zeugen
28:01und bekommen dafür die Bewilligung,
28:04sämtliche Asservate nochmal auf links zu drehen.
28:07Klingt nach einem Plan.
28:08Lass mal bei den Zeitungen anfragen.
28:10Vielleicht bringen die ja was zum Jahrestag im Februar.
28:12Das ist mir zu spät und zu lokal.
28:15Wir brauchen ein größeres Publikum.
28:18Warum nicht mal wieder Aktenzeichen XY?
28:20Die machen auch Altfälle in ihrer Sendung.
28:23Mitte Februar steht der Höhepunkt der Karnevalszeit an.
28:26Wenig später läuft der Fall bei Aktenzeichen XY ungelöst.
28:33Auch die Tochter von Petra Null schaut die Sendung gemeinsam mit ihrem Mann.
28:38Sie ist inzwischen 36 Jahre alt und selbst Mutter einer kleinen Tochter.
28:43Zu dem Zeitpunkt habe ich mir gedacht, das ist so lange her,
28:46wenn es einer gesehen hätte oder es einen Mitwisser geben würde,
28:51der hätte sich ja schon längst gemeldet.
28:52Zum einen haben wir neue Methoden, um Spuren, Asservate vom Tatort zu untersuchen.
28:57Und zum anderen setzen wir natürlich eine gewisse Hoffnung in diese Sendung hier.
29:01Nicht nur Kathi verfolgt den Mordfall an diesem Abend.
29:05Ein Mann, der 34 Jahre geschwiegen hat, sieht ebenfalls zu.
29:10Mitwisser tatsächlich nochmal melden, weil die Last einfach zu groß ist.
29:13Damals ist die Polizei...
29:15Noch während der Sendung hat der Mann angerufen.
29:18Können Sie sich noch an den Moment erinnern?
29:20Ja, doch, kann ich mich sehr gut erinnern, weil der Kollegin vom Aufnahmeteam mit dem Zettel
29:24sofort zu mir kam und das ist immer der erste Hinweis, dass da ein durchaus wichtiger Anruf eingegangen ist.
29:30Es hat gezeigt, dass wir mit dieser Entscheidung, die sicherlich, ja, nicht ganz aus dem Bauch,
29:35aber mit aus dem Bauch getroffen wurde, wir hatten in diesem Fall sonst noch keine anderen
29:39Ansätze verfolgt, dass das genau die richtige Entscheidung war.
29:43Und dass wir damit zumindest eine gute neue Spur haben.
29:47Herr Weber, es rufen ja viele Menschen im Studio an und glauben, was zu wissen.
29:51Warum waren Sie sich so sicher, dass dieser Mann wirklich was weiß?
29:55Ja gut, er erinnert sich an Dinge, die 34 Jahre zurückliegen.
29:58Und er nannte schon ein, zwei Details auch, die genauer waren als jetzt der Film, den er vorher gesehen hatte.
30:05Also offensichtlich war der Film der Auslöser, aber er konnte da noch ein, zwei Dinge ergänzen,
30:09die recht detailliert waren und auch die Uhrzeit, das passte soweit alles zusammen, es war schlüssig.
30:14Also es ist ja schon für ihn ein besonderes Ereignis gewesen.
30:16Er hat sich ja, das war ja ein Mordfall, in dem er offensichtlich der Meinung war,
30:20dass sein Freund zumindest beteiligt war.
30:22Und das, glaube ich, vergisst man nicht, auch wenn man das vielleicht eine Zeit lang verdrängt.
30:26Und dann gibt es aber halt die Sendung mit dem Film und das war offensichtlich der Auslöser für ihn,
30:31zu sagen, so jetzt gehe ich dann doch.
30:33Und was er darüber hinaus dem Beamten dann erzählt hat, sollte in diesem Fall die entscheidende Wendung bringen.
30:42Herr Ahlfeld, erstmal danke, dass Sie zu uns gekommen sind.
30:46Ich wollte das jetzt auch endlich loswerden.
30:50Na, halt in Jahren.
30:57Okay, gut.
31:00Dann kommen wir zum Karnevalssamstag 1988.
31:03Sie waren an diesem Abend mit einem Kumpel unterwegs.
31:07Wo genau und wie kam es zur Begegnung mit Petra Nohl?
31:10An die einzelnen Kneipen kann ich mich nicht mehr erinnern.
31:14Das ist zu lange her.
31:15Waren Sie auch im Charivari und haben Sie Petra Nohl dort schon gesehen?
31:20Ich glaube nicht, dass wir in dem Abend noch in der Diskothek waren.
31:25Und selbst wenn, bewusst gesehen habe ich die Frau erst auf der Straße.
31:30Wir wollten nämlich nach Hause.
31:32Mit dem Taxi.
31:34Aber da haben schon ein paar andere Leute gewartet.
31:39Eine davon war die Frau vom Plakat.
31:44Ich weiß das deshalb so genau, weil mir dieses Leopardenhemd aufgefallen ist.
31:51Und die blonden Haare.
31:54Haben Sie oder Ihr Kumpel mit Petra Nohl gesprochen?
32:02Nein.
32:03Wir haben alle nur da gestanden und gewartet.
32:07Aber es war weit und breit kein Taxi zu sehen.
32:10Nur ein paar Minuten ist die Frau dann gegangen.
32:13Also wollte sie doch ein Taxi nehmen.
32:15Genau wie sie es ihren Freundinnen versprochen hat.
32:16Mhm.
32:18Und wie ging es danach weiter?
32:20Wir sind dann auch bald los.
32:22Zur U-Bahn.
32:24Auf dem Weg dahin ist mir die Frau dann nochmal aufgefallen.
32:28Weil sie genau in die gleiche Richtung gegangen ist wie wir.
32:31Ey, ich packe es nicht mehr zu laufen.
32:35Es ist schon kurz nach fünf. Ich nehme die U-Bahn.
32:37Ich warte jetzt nicht auf die U-Bahn. Ich laufe ein.
32:40Ja, okay. Dann lass die Tage nochmal was machen, ja?
32:42Ja, okay. Ciao.
32:43Ciao.
32:47Hatten Sie den Eindruck, dass er Petra Nohl da schon im Visier hatte?
32:50Nee.
32:52Könnte ich vielleicht einen Schluck Wasser haben?
32:53Ja.
32:54Klar.
32:55Wir haben mit der Frau ja nicht geredet.
33:00Und er hat auch keine Andeutung gemacht, dass er jetzt irgendwie hinterher will oder so.
33:05Sie sind einfach nur in die gleiche Richtung gegangen.
33:10Verstehe.
33:12Danke.
33:17Am nächsten Tag haben Sie dann das Verhandlungsplakat in der Stadt gesehen und sich an die Frau erinnert.
33:22Korrekt?
33:23Ich habe ihr Gesicht gleich wiedererkannt.
33:26Es hat ja auch alles gepasst.
33:28Von der Zeit und so.
33:31Kam Ihnen da dann der Verdacht, dass Ihr Kumpel was mit dem Mord zu tun hat?
33:35Eigentlich nicht.
33:38Erst später, als ich ihn wieder getroffen habe.
33:40Hey.
33:42Was ist denn mit deinen Haaren passiert?
33:43Das habe ich mir abgeschnitten.
33:47Du sag mal, kannst du dich an die Frau von gestern erinnern, vom Taxistand?
33:52Schau mal.
33:54Wurde gefunden, ermordet.
33:57Was hat das jetzt mit meiner Versuch zu tun?
33:59Nichts.
34:02Ich habe mir nur gedacht, vielleicht sollten wir zur Polizei gehen und denen sagen, dass
34:05wir sie gesehen haben.
34:06Ich fände es jetzt komplett.
34:07Ich gehe nicht zu den scheiß Bullen.
34:08Ja, okay.
34:09Beruhig dich.
34:12Weißt du, vielleicht sind wir die Letzten, die Sie lebend gesehen haben.
34:16Rainer, sorry.
34:18Ich habe gerade Stress mit einer Alten.
34:19Ich habe keinen Bock auf andere Probleme, okay?
34:21Alles klar.
34:26Er hat mir dann noch versichert, dass er mit der Sache nichts zu tun hat.
34:28Und mich gebeten, nichts zu sagen.
34:30Er konnte auch ganz schön aggressiv werden, wenn es nicht so gelaufen ist, wie er wollte.
34:35Sie hatten Angst.
34:36Und die haben Sie jetzt nicht mehr?
34:38Oder was ist der Grund, warum Sie bei der Sendung angerufen haben?
34:41Ich habe in all den Jahren gar nicht mehr daran gedacht.
34:47Das ist vielleicht auch irgendwo verdrängt.
34:52Aber als ich dann den Film gesehen habe, da ist alles wieder in mir hochgekommen.
34:58Ich wusste ja auch nicht, dass die Frau ein kleines Kind hatte.
35:02Okay, Herr Ahlfeld.
35:03Danke.
35:04Wir machen jetzt erst mal Schluss.
35:10Wären Sie bereit, uns den Namen Ihres Kumpels zu sagen?
35:18Frank.
35:20Frank Kaff.
35:23Er müsste jetzt so Mitte 50 sein, so wie ich.
35:26Aber ich habe keine Ahnung, ob er überhaupt noch in Köln wohnt.
35:31Nachdem wir den Namen bekommen hatten, war es dann für uns natürlich relativ einfach, weiter zu ermitteln.
35:37Zumal er ganz normal gemeldet war in Köln.
35:41Und auch feststellen, dass er dort an seiner Anschrift mit seiner Familie gemeldet war.
35:45Haben ihn dann aufgesucht und auch mit den Vorwürfen erst mal konfrontiert.
35:53Ja, bitte.
35:55Küppers, das ist mein Kollege Reuter. Wir sind von der Kripo.
35:58Sie stehen unter Verdacht, Petra Nohl am 14. Februar 1988 ermordet zu haben.
36:04Ermordet? Was?
36:06Petra Nohl? Nie gehört den Namen. Da müssen Sie sich irren.
36:10Kommen Sie bitte mit, Herr Kaff.
36:11Sie können gerne noch Ihre Sachen holen.
36:13Meine Kollegin begleitet Sie.
36:21Guten Tag. Was ist denn los, Frank?
36:23Mach dir keine Sorgen, Schatz. Ist eine Verwechslung. Bin gleich wieder daheim.
36:37Sehen Sie sich das mal an?
36:43Nie gesehen, die Frau.
36:45Aber wie gesagt, ist lange her.
36:47Keine Ahnung, wo ich an dem Abend überall war und wer mir dort begegnet ist.
36:51Ganz nüchtern war ich bestimmt auch nicht mehr.
36:53Ich meine, da trinkt ja jeder an Karneval.
36:56Ihr Alkoholpegel könnte auch erklären, warum Sie die Frau derart brutal getötet haben.
37:00Ich habe früher krumme Dinger gedreht. Okay.
37:03Da waren auch Drogen im Spiel.
37:05Von mir aus.
37:06Aber ich bin schon lange clean und gewalttätig. War ich noch nie.
37:11Da legen wir uns andere Informationen vor.
37:15Von wem?
37:17Hören Sie, da will mir einer was anhängen.
37:20Sich an mir rächen.
37:21Ich habe damit nichts zu tun.
37:22Und wer könnte das sein, der Sie da reinreiten will?
37:25Keine Ahnung.
37:26Müssen Sie ja wissen, wer Ihnen diesen Mist erzählt hat.
37:29Können wir ganz einfach klären, ob das Mist ist.
37:32Wären Sie zu einer Speichelprobe bereit?
37:34Kann ich danach gehen?
37:36Fürs erste Jahr.
37:38Okay.
37:42Ist diese Speichelprobe wirklich der Schlüssel im Fall Petranol?
37:47Sven Voss auf der Suche nach Antworten.
37:49Was kann die moderne Rechtsmedizin heute leisten?
37:52Ich bin hier am Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln
37:55und treffe gleich den Leiter der forensischen Molekulargenetik.
37:59Vorher aber muss ich mir diesen Anzug anziehen und auch einen Mundschutz,
38:03denn ich will ja keine Spurenträger mit meiner DNA kontaminieren.
38:07Deswegen Mundschutz an, Kapuze auf und los geht's.
38:18Hallo Herr Professor Kurz.
38:19Grüß Sie.
38:20Die Spuren, das war ja gar nicht so einfach, die zu bekommen,
38:24weil damals gab es noch keine DNA-Analyse vor über 30 Jahren.
38:28Wie haben Sie das gemacht?
38:29Na ja, die Spurenträger sind hier alte Fasersicherungsfolien,
38:33die in den 80ern verwendet worden waren,
38:35um eventuell Kleidungsfasern von Tatverdächtigen zu finden.
38:40Und diesen Folien haften dann auch die Hautzellen an.
38:44Und die gab es noch.
38:45Und die haben wir bekommen und die dann benutzt,
38:47um da von unserer Hautschuppen abzusammeln.
38:50Mit welcher Methode kamen Sie an die DNA von damals?
38:54Wir nennen das die Einzelhautschuppen-Analyse,
38:56weil wir wirklich einzelne Hautschuppen, über 4000 in diesem Fall,
38:59von solchen Folien abgesammelt haben
39:01und jede einzelne davon einzeln analysiert haben.
39:04Und wie das genau funktioniert, das sehen wir im Hintergrund bei der Kollegin.
39:10So, was sehe ich jetzt hier auf dem Monitor?
39:12Was Sie auf dem Monitor sehen, ist exakt das,
39:14was die Kollegin in ihrem Mikroskop sieht.
39:16Sie hat da eine Spurensicherungsfolie aufgelegt
39:19und geht die jetzt Millimeter für Millimeter durch,
39:22um Hautschuppen-verdächtige Partikel zu finden.
39:25Und das müssen Sie sich dann vieltausendfach vorstellen.
39:28Dann haben Sie die ganzen Dinge gepickt.
39:31Und was ist dann passiert?
39:33Aus jeder einzelnen Hautschuppe wird DNA extrahiert.
39:36Dann wird die Menge der DNA gemessen und auch der Zustand beurteilt.
39:39Und wenn das ausreichend DNA ist, dann erstellt man ein DNA-Profil
39:42und vergleicht das mit allen Vergleichsprofilen, die man hat.
39:45Und wenn es fremde DNA ist, dann muss man versuchen herauszufinden,
39:48wer Ursprung dieser Fremd-DNA ist.
39:56Herr Professor Kurz, Sie hatten also jetzt tausende Hautschuppen entnommen
40:01und Sie hatten die DNA des mutmaßlichen Täters.
40:05Wie viele Treffer gab es denn? Wie viele Übereinstimmungen?
40:07Also wir haben insgesamt sechs Partikel gefunden,
40:10deren DNA-Profil zu dem vom Tatverdächtigen gepasst hat.
40:13Sechs Partikel. Ist das viel? Es klingt nicht so viel.
40:16Ist natürlich von 4.000 in der Summe nicht viel,
40:18aber für den Fall ist es viel, weil das die einzige fremde Person war,
40:24von der überhaupt mehr als ein einziger Partikel gefunden worden ist.
40:27Und man kann ohne Übertreibung sagen, dass Professor Kurz und sein Team
40:31das entscheidende Puzzleteil geliefert haben,
40:33um nach mehr als drei Jahrzehnten den Mörder von Petra Nohl dingfest zu machen.
40:38Herr Kaff, Ihre DNA stimmt mit den Spuren am Opfer überein.
40:41Da stehen Sie unter dem dringenden Verdacht, Petra Nohl am Morde zu haben.
40:45Ich war das nicht. Da muss ja irgendwas mit Ihren Untersuchungen falsch gelaufen sein.
40:49Sie haben das Recht zu schweigen und sich einen Anwalt zu nehmen.
40:51Das kann doch nicht sein. Entschuldigung.
40:55Ich konnte das überhaupt nicht glauben.
40:57Das war wie in so einem Film.
40:59Auf den Tag genau, 35 Jahre später, wurde der Täter in Haft genommen.
41:03Das hat sich so angefühlt, als wäre das so ein Fünkchen Gerechtigkeit oder was,
41:08als hätte meine Mutter und mein Vater da oben irgendwie mitgewirkt.
41:10Dann habe ich mir auch direkt gedacht, oh Gott, was passiert jetzt?
41:13Wie geht es jetzt weiter?
41:14Kann man ihm das wirklich auch so nachweisen,
41:16dass er für Mord ins Gefängnis wandert?
41:21Trotz der Beweise gegen ihn,
41:22leugnet der Tatverdächtige weiterhin, Petra Nohl ermordet zu haben.
41:27Ein Dreivierteljahr später, am 4. September 2023,
41:31beginnt der Prozess vor dem Landgericht Köln.
41:33Frau Koch, Sie sind dran.
41:35Petra Nolls Tochter entscheidet sich, als Nebenklägerin aufzutreten.
41:39Komm uns bitte mit.
41:42Und dann saß er da, mir gegenüber.
41:44Das war wie so ein Stich ins Herz.
41:46Ich habe da hingeguckt und dann habe ich auch direkt wieder weggeguckt.
41:49Ich konnte ihn überhaupt nicht anschauen.
41:51Ich habe mir immer vorgestellt, dass das Letzte, was meine Mutter gesehen hat,
41:55sein Gesicht war.
41:56Und das war ganz schlimm.
41:58Und da ich auch selber Mama bin, habe ich mir immer vorgestellt,
42:02was ihr letzter Gedanke war.
42:03Sie wird halt total an mich gedacht haben.
42:04Sie wird halt gemerkt haben, dass sie da nicht mehr rauskommt,
42:07dass sie das nicht überleben wird.
42:09Und gedacht haben, oh Gott, was ist jetzt mit meiner Tochter?
42:14Obwohl die Beweislast aus dem Obduktionsbericht
42:17und der DNA-Analyse erdrückend ist,
42:20plädieren die Verteidiger des Angeklagten nach wie vor auf unschuldig.
42:23Ein Argument, was gegen einen anderen Täter gesprochen hat,
42:29war, dass von einer anderen Person als dem Tatverdächtigen
42:32ja überhaupt keine DNA gefunden worden ist.
42:34Im März 2024 fällt schließlich das Urteil.
42:39Lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes.
42:49Die Richterin sagte, dass er für schuldig gesprochen wird.
42:52Ich habe meine Hände gefaltet, nach oben geschaut
42:55und mit meinen Eltern irgendwie so innerlich gesprochen.
42:58Und die ganze Zeit gesagt, wir haben es geschafft.
43:01Wir haben es geschafft.
43:02Nach der Verhandlung, nach dem Ergebnis,
43:05kam sie dann und fiel mir um den Hals.
43:07Das war schon auch ein besonderer Moment.
43:12Dass nach so vielen Jahren, der noch bestraft wird dafür,
43:15da war nie dran zu denken.
43:17Und endlich, man hat nur gedacht, Gott sei Dank ist das jetzt so gekommen.
43:21Kurze Zeit später geht der Täter in Revision.
43:25Nach wie vor leugnet er die Tat.
43:27Wieder bangen und warten bei den Ermittlern,
43:30aber auch bei der Tochter.
43:32Doch dann wird die Revision abgelehnt.
43:34Am 23. Dezember 2024 meldet sich die Anwältin bei der Tochter
43:40und macht ihr, wie sie uns selbst gesagt hat,
43:43das schönste Weihnachtsgeschenk.
43:45Das war XY gelöst.
43:47Mein Name ist Sven Voss.