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Transkript
00:00Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:03Wenn Sie die einzelnen Sendungen dieser Reihe gelegentlich verfolgt haben,
00:06dann wissen Sie, dass wir immer wieder Tricks und betrügerische Machenschaften aufgreifen,
00:10die auf der Mitleidsmasche aufgebaut sind.
00:13Denn auf vielfältige Weise verstehen es Gauner der unterschiedlichsten Art,
00:17das menschliche Mitgefühl für ihre Zwecke auszunutzen.
00:21In unseren heutigen Beispielen ist das gleich zweimal der Fall.
00:25Im ersten, bei dem ein Rentnerehepaar betrogen und bestohlen wird,
00:29verschafft sich einer der Täter auf diese Weise zunächst nur Zutritt bei seinen Opfern.
00:38Ach je, du Gottfried, mir ist das Fensterleder runtergefallen.
00:44Wenn es weiter nichts ist.
00:48Wie hast du es?
00:50Gottfried Wallner und seine Frau Elisabeth wohnen in einem eigenen kleinen Haus
00:54in einer Gartensiedlung am Rande der Stadt.
00:56Beide sind 66 Jahre alt.
00:59Herr Wallner war bis zu seiner Pensionierung Verwaltungsbeamter.
01:02Die rund ums Haus anfallenden Arbeiten sind beiden eher willkommen als lästig.
01:07Ach sag mal, ist eigentlich der Briefträger schon da gewesen?
01:09Ich kann ja mal nachsehen.
01:11Gibst du mir einen Schlüssel bitte?
01:13Ja, Moment.
01:14Im März 1983 kommt es vor dem Haus der Wallners zu einer Begegnung,
01:19die das Rentner-Ehepaar für zufällig hält.
01:24Gottfried Wallner merkt nicht, dass es der Fremde, der vor seinem Haus auftaucht,
01:29darauf anlegt, mit ihm ins Gespräch zu kommen.
01:32Was haben Sie denn?
01:34Kann ich Ihnen helfen?
01:35Ich habe plötzlich so wahnsinnige Zahnschmerzen.
01:38Es ist wie ein Anfall.
01:39Ja, mein Gott, was macht man denn da?
01:41Hätten Sie vielleicht eine Tablette für mich?
01:44Jetzt fängt es gerade wieder an.
01:45Eine Tablette? Ja, da müsste ich mal meine Frau fragen.
01:47Ach, kommen Sie da erst mal rein.
01:49Was ist denn?
01:50Der Herr hat fürchtelige Zahnschmerzen, Anfall.
01:53Du hast ja immer alle an Tabletten in deiner Apotheke.
01:56Ja, selbstverständlich.
01:57Kommen Sie nur rein.
01:59Ich gehe gleich welche hole.
02:00Es ist mir richtig peinlich, dass ich Sie hier jetzt belästige.
02:03Oh, das muss Ihnen nicht peinlich sein.
02:04Mir ist das mal so ähnlich ergangen, sogar mitten in der Nacht.
02:07Hier geht's rein.
02:07Danke.
02:08Danke.
02:08Danke.
02:15Kommen Sie ins Wohnzimmer und setzen Sie sich erst mal.
02:17Es tut mir wirklich leid, dass ich Ihnen solche Umstände mache.
02:24Ach, was ist doch halb so schlimm.
02:26Hier habe ich die Tabletten.
02:28Das sind zwar nicht die stärksten, aber dafür können Sie gleich zwei nehmen.
02:31Lieber nicht.
02:32Man weiß ja nie, wie man sowas verträgt.
02:34Der fremde Mann macht einen sympathischen Eindruck.
02:41Danke.
02:42Gottfried, nimmst du die Tabletten gleich mit?
02:44Ja, bin ruhig weg.
02:49Machen Sie es ein bisschen bequem.
02:51Das Rentner-Ehepaar, das sich fürsorglich um ihn kümmert, wundert sich nicht weiter darüber, dass sich der Mann überraschend schnell erholt und sich dann als ziemlich gesprächig erweist.
03:02Wie fühlen Sie sich denn jetzt?
03:04Ach, es geht jetzt schon viel besser.
03:06Da bin ich aber froh.
03:07Schön haben Sie es hier.
03:11So was wünsche ich mir auch schon lange.
03:13Ein kleines Häuschen im Grünen und doch noch in der Stadt.
03:16Aber das kann man ja heute nicht mehr bezahlen.
03:17Wir sind doch sehr glücklich hier, obwohl das Haus ja schon etwas älter ist.
03:21Das macht doch nichts.
03:23Man muss halt immer alles in Schuss halten und ab und zu mal was erneuern.
03:26Ja, da haben Sie recht.
03:28Ihre Fenster wären eigentlich bald dran.
03:31Isolierverglasung würde sich bezahlt machen.
03:33Gut wär's.
03:34Im Winter zieht's nämlich ganz schön.
03:38Wenn Sie es genau nehmen, heizen Sie den Garten mit?
03:40Das schon.
03:42Aber hier, was meinen Sie, was das kostet?
03:44Für das ganze Haus.
03:46Die Scheiben allein wäre ja nicht das Schlimmste.
03:49Aber da müssten ganz neue Fensterstöcke rein.
03:52Das ist eine Mordsarbeit.
03:53Und das bei den heutigen Löhnen.
03:55Da könnte ich Ihnen einen guten Tipp geben.
03:57Es gibt jetzt jede Menge billige Arbeiter.
04:00Die Arbeitslosen.
04:00Da verdienen sich viele was nebenher.
04:03Und die sind nicht teuer.
04:04Ja.
04:05Und das Material?
04:07Das können Sie doch überall günstig kaufen.
04:09Ich habe einen Freund, der ist ein klassischer Schreiner.
04:11Aber die Firma hat dich gemacht.
04:13Er hat jetzt bei einem Bekannten eine neue Holzdecke reingebaut.
04:17Der ist praktisch für die Hälfte dran gekommen.
04:19Wirklich?
04:20Sagen Sie bloß.
04:22Macht der auch Fenster?
04:24Klar, der ist ein prima Handwerker.
04:26Wenn ich dem Bescheid sage, ich glaube, der käme sofort.
04:29Sicher, das wäre eine gute Gelegenheit.
04:32Aber das muss ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen.
04:34Ich kann ihm ja mal auf alle Fälle Bescheid sagen.
04:36Dann schaut er sich das an und macht Ihnen ein unverbindliches Angebot.
04:39Dann können Sie sich immer noch entscheiden.
04:42Dann kriege ich vielleicht tatsächlich neue Fenster, die nicht mehr ziehen.
04:46Sehen Sie, dann hätte sich Ihre Hilfsbereitschaft für Sie ja auch bezahlt gemacht.
04:49Oh, jetzt muss ich aber weiter.
04:52Es geht auch sehr viel besser.
04:54Vielen Dank nochmal für Ihre Hilfe.
04:55Gern geschehen.
04:56Herr Wallner ist zwar noch keineswegs entschlossen, sich neue Fenster einbauen zu lassen.
05:01Gegen ein günstiges Angebot hat er jedoch nichts einzuwenden.
05:05Also, auf Wiedersehen.
05:06Vielen Dank.
05:06Gern geschehen.
05:07Der angeblich arbeitslose Handwerker lässt nicht lange auf sich warten.
05:14Schon am nächsten Tag erscheint er in dem Haus am Rande der Stadt.
05:19Ja, bitte.
05:20Tag, Herr Wallner.
05:20Mein Name ist Hansen.
05:21Ich komme wegen der Fenster.
05:21Ach so, ja, kommen Sie durch, ja.
05:23Und schon nach einer kurzen Begutachtung erhält Herr Wallner einen Kostenvoranschlag, der sein Interesse erheblich steigert.
05:32Hier auf der Wetterseite müsste zwar noch ein Spezialanstrich drauf, aber das hätte auf den Preis weiter keine Auswirkung.
05:38Und wenn ich das Material noch zum alten Preis kriege, dann würde Sie die ganze Sache, also alle neuen Fenster, ungefähr 5700 Mark kosten.
05:48Das ist immerhin die Hälfte von dem, was Sie bei einer regulären Firma bezahlen müssen.
05:51Ja, schon, aber viel Geld ist es trotzdem.
05:56Bis wann würden Sie dann fertig sein damit?
05:59Es kommt drauf an, wann das Material kommt.
06:01Wenn ich es gleich bestelle, kann die ganze Sache in vier Wochen vergessen sein.
06:04Ja, wenn schon, dann wäre es mir recht, es ginge sehr schnell.
06:07Also gut, dann machen Sie mal eine kleine Anzahlung für die Materialbestellung und dann mache ich so schnell ich kann.
06:13Eine Anzahlung? Ja, muss das denn sein?
06:16Ja, das ist doch nur für das Material.
06:18Ich habe doch kein Geschäft.
06:19Bei so einer Bestellung muss ich eine Anzahlung machen.
06:21Ja.
06:21Wie viel braucht denn es denn da?
06:23Ach, nicht so viel.
06:25Ungefähr 500.
06:27500?
06:28Na gut, machen wir das.
06:29Ich stelle Ihnen auch eine Quittung aus.
06:31Und das wird ja dann verrechnet.
06:33Nachdem er sich dazu entschlossen hat, das günstige Angebot anzunehmen, gibt es für Herrn Wallner auch keinen Grund, die gewünschte Anzahlung zu verweigern.
06:41Er weiß natürlich nicht, dass der angebliche Schreiner die Anzahlung in erster Linie nur deshalb gefordert hat, um zu sehen, ob und wo die Wallners in ihrer Wohnung Geld aufbewahren.
06:54Vielen Dank, Herr Wallner.
06:56Ich komme dann morgen früh noch mal vorbei, ich nehme die genauen Maße.
06:59Für die Materialbestellung genügt.
07:01Gut, dann bis morgen.
07:03Bis morgen. Wir sind den ganzen Tag zu Hause.
07:05Der Mann hält sich an seine Verabredung.
07:11Am nächsten Tag kommt er in Arbeitskleidung und mit einem Werkzeugkasten zu den Wallners.
07:15So, da bin ich.
07:19Rein, die gute Stube.
07:20Können wir mal sehen, dass wir alles gut hinkriegen.
07:23Ja, wir haben schon etwas vorgearbeitet.
07:26Vorgearbeitet? Wie denn?
07:27Ja, die Gardinen abgenommen, die Blumen weggeräumt.
07:31Die Gardinen hätten Sie ruhig noch dran lassen können. Ich komme ja heute bloß zum Ausmessen.
07:34Ach, die mussten ja sowieso runter in die Wäsche.
07:37Tja, gut, dann fangen wir mal an.
07:38Ja, wenn wir Ihnen etwas anbieten können, eine Flasche Bier oder so.
07:41Oh nein, nein, nein, danke, so früh trinke ich noch nichts.
07:43Aber eine Zigarette wäre ganz gut.
07:46Ach, verdammt, die habe ich zu Hause vergessen.
07:49Also, wenn Sie eine Zigarette für mich hätten, würde ich nicht Nein sagen.
07:52Ach, das tut mir leid, mein Mann, raucht nicht mehr.
07:55Aber ich hole Ihnen gerne eine Schachtel.
07:57Vorne an der Ecke ist ein Kiosk.
07:58Das wäre wirklich nett.
08:00Ich bin nämlich leider süchtig, müssen Sie wissen.
08:02Hier, jetzt das Geld.
08:04Lassen Sie mal, ich mache das schon.
08:06Das wäre aber wirklich nicht nötig.
08:08Ach, dann machen Sie sich keine Gedanken.
08:10Naja, ich weiß, dass Sie eigentlich arbeitslos sind.
08:12Und da hat man es ja nicht so üppig.
08:14Da haben Sie allerdings recht.
08:20Ja, das gibt's doch gar nicht.
08:23Also, heute scheint der Wurm drin zu sein.
08:24Mein Zollstock ist weg.
08:26Den muss mir irgendjemand geklaut haben.
08:28Sagen Sie, Herr Wallner, haben Sie vielleicht einen Zollstock?
08:30Ja, im Keller.
08:32Moment, ich hol den rauf.
08:33Ja, das wäre nett.
08:34Ach, hat Ihr Mann doch wieder eingefangen, Frau Wallner.
08:43Nein, nein, nein.
08:44Die sind für den Handwerker.
08:46Wir lassen uns neue Fenster einbauen.
08:47Ach so.
08:48Also, tschüss, Frau Blaschke.
08:49Das wäre einer.
09:07Na, prima.
09:08Jetzt aber los.
09:09Ich habe schon lange genug Rumme getrönt.
09:10Ja.
09:10Die meisten von Ihnen, meine Damen und Herren, werden sich denken können, wie die Geschichte zu Ende gegangen ist.
09:27Der Trickdieb hat in aller Ruhe die Fenster ausgemessen und sich dann auf Nimmerwiedersehen verabschiedet.
09:32Herr Wallner merkte dann erst am nächsten Tag, dass seine Kassette mit rund 8.000 Mark verschwunden war.
09:38Der Mann mit dem Zahnschmerzen und der angeblich arbeitslose Handwerker sind ein eingespieltes Team, das die Polizei seit geraumer Zeit beschäftigt.
09:46In manchen Fällen müssen Sie sich zwar mit der Anzahlung begnügen, nicht selten treffen Sie aber, so wie bei den Wallners, auf beträchtliche Geldbeträge, die leichtsinnigerweise im Hause aufbewahrt werden.
09:57Nicht immer sind es neue Fenster.
09:59Der Trick läuft genauso gut mit günstig angebotenen Maler- und Tabiziererarbeiten, mit neuen Türen oder mit notwendigen Heizungsreparaturen.
10:06Und Zutritt verschaffen Sie sich, wie gesagt, meist mit der Mitleidsmasche.
10:12Auch in unserem zweiten Beispiel gehört das menschliche Mitgefühl gewissermaßen zum Handwerkszeug der Gauner.
10:19Der Fall ist im Übrigen in dieser Sendereihe insofern recht ungewöhnlich, als er das Schicksal einer jungen Frau schildert, die selbst als Täterin im Betrugsgeschäfte verwickelt war.
10:29Zuvor allerdings ist sie von zwielichtigen Geschäftemachern eingefangen und aufs Übelste hereingelegt worden.
10:35In diesem Brief hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben.
10:40Eine Geschichte, die vielen jungen Leuten vielleicht eine Lehre sein kann.
10:44Insbesondere jungen Leuten, die wie die Briefschreiberin arbeitslos sind und einen Job suchen.
10:50Wir wollen sie hier einmal Birgit Müller nennen.
10:52Sie schreibt, ich hatte mich auf eine Zeitungsanzeige gemeldet, in der junge Leute für eine leichte Reise- und Werbetätigkeit gesucht wurden.
11:01Eine Frau am Telefon sagte mir, dass die Stelle noch frei sei und ich mit dem nächsten Zug nach Darmstadt fahren soll.
11:07Ich könne bei unserem Bahnhof in Lüneburg auf meinen Namen eine Fahrkarte abholen.
11:11Na, kleines Fräulein, wo sollst du denn hingehen?
11:17Für mich ist eine Fahrkarte nach Darmstadt bestellt.
11:19Wie ist denn Ihr Name?
11:20Birgit Müller.
11:21Birgit Müller.
11:22Ja, da habe ich ein Fernschreiben.
11:25Einmal nach Darmstadt, zweiter Klasse und die Karte ist auch schon bezahlt.
11:29Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig.
11:32Endlich Arbeit.
11:33Seit über einem Jahr war ich arbeitslos.
11:36Dass ich von zu Hause weg musste, hat mich überhaupt nicht gestört.
11:39Im Gegenteil, ich wollte schon immer mal was von der Welt sehen.
11:45Sehr beeindruckt hat mich ja, wie das alles so toll geklappt hat.
11:49Mit der Organisation, meine ich.
11:51Zuerst das mit der Fahrkarte.
11:53Ich hätte nie geglaubt, dass man sowas machen kann.
11:56Und dann der Empfang in Darmstadt.
11:59Entschuldigung, bist du die Birgit aus Rüneburg?
12:01Ja, warum?
12:02Ich bin der Freddy.
12:04Ich soll dich hier abholen.
12:05Du kommst in unsere Kolonne.
12:07Du hast doch nichts dagegen, dass wir uns gleich duzen.
12:08Weißt du, das ist so üblich bei uns.
12:10Nee, aber wie hast du mich denn überhaupt erkannt?
12:13Tja, hier.
12:15Nein, im Ernst.
12:16Du hast doch am Telefon bei der Bewerbung gesagt,
12:18was du dir etwa anziehst und wie du aussiehst.
12:21Ach so, deshalb.
12:23Ja, und wie geht es jetzt weiter?
12:24Wir nehmen noch zwei neue mit, die müssen aber jeden Moment ankommen.
12:27Und dann fahren wir erst mal ins Hotel.
12:28Moment.
12:30Du bist doch sicher, der Hans?
12:31Ja.
12:32Ich bin der Freddy.
12:33Ich soll dich hier abholen für unsere Kolonne.
12:36Das war schon toll, wie der Freddy seine Leute auf Anhieb erkannt hat.
12:40Es herrschte auch gleich ein richtig familiäres Verhältnis.
12:43Nicht nur unter uns Neuen, sondern am Abend dann auch in der Kolonne.
12:47So, dann wollen wir mal.
12:48Das Hotel liegt ein bisschen außerhalb, aber mein Wagen steht hier gleich um die Ecke.
12:51Gleich nach dem Abendessen war dann im Hotel die erste Schulung.
12:59Der Kolonnenführer hat uns erklärt, was wir zu tun hätten und wie man es am besten anstellt.
13:04Es ging darum, für eine Zeitschriftenvertriebsfirma Abonnenten zu werben.
13:09Es gibt mehrere Arten, wie man die Leute überzeugen kann.
13:12Auf alle Fälle muss man reden können.
13:13Es dürfen keine Pausen entstehen.
13:14Ihr müsst den Mund aufkriegen.
13:16Am leichtesten macht es euch, wenn ihr als Studenten auftretet, die sich mit der Provision ihr Studium finanzieren.
13:22Das macht großen Eindruck.
13:23Bei meinen Eltern war neulich einer, der hat gesagt, er kommt aus dem Knast.
13:27Äh, Gefängnis.
13:29Und er müsste jetzt wegen der Resozialisierung Zeitschriften anbieten.
13:32Ja, ja, das ist eine beliebte Masche, aber wir arbeiten nicht damit.
13:36Die Story kommt nicht so gut an.
13:37Das gibt nur große Diskussionen und keine Aufträge.
13:40Merkt euch eins.
13:41Zeit ist Geld.
13:42Wer nach fünf Minuten keine Unterschrift hat, kriegt sie nie.
13:46Hier, Carola ist eine unserer Besten.
13:49Wir zeigen euch jetzt, wie man es macht und dann könnt ihr es selber üben.
13:53In einem regelrechten kleinen Theaterstück haben wir dann gelernt, auf was man alles achten muss.
13:58Und wie man die Leute rumkriegt.
14:03Guten Tag.
14:04Guten Tag. Entschuldigen Sie bitte die Störung.
14:05Ich möchte nichts haben. Ich habe schon alles. Vielen Dank.
14:07Ich habe wirklich schon alles.
14:08Aber vielleicht habe ich noch etwas für Sie, was Sie interessiert.
14:10Der Kolonnenführer hat den Kunden gespielt und die Carola die Werberin.
14:14Das war richtig interessant und spannend.
14:18Am nächsten Tag ging es dann los.
14:21Wir Neuen wurden eingewiesen.
14:22Ich durfte mit Carola gehen.
14:25Am Vormittag haben wir sieben Aufträge geschrieben.
14:28Carola hat mir zwischendurch immer ein paar Tricks verraten.
14:32Zum Beispiel, wie man in die Häuser reinkommt, ohne dass gleich alle Bewohner vorgewarnt werden.
14:36Und dann ist mir auch aufgefallen, dass sie den Leuten immer gesagt hat, dass sie die Hefte selbst vorbeibringt.
14:46Auf die Bestellzettel hat sie dann aber per Post draufgeschrieben.
14:50Den Leuten hat sie erklärt, das sei nur zur Sicherheit, falls sie mal krank wird oder Urlaub hat.
14:55Das war natürlich gelogen, denn wenn die Kunden das unterschreiben, dann kommen die Zeitschriften automatisch mit der Post und werden natürlich entsprechend teurer, wegen dem Porto.
15:05Bis zum Abend hatten wir dann zwölf Aufträge beisammen.
15:09Bei der Schulung sind wir dafür auch sehr gelobt worden.
15:15Mit der Carola war das alles recht einfach.
15:18Und ich hab mir gedacht, das schaffst du auch.
15:20Aber als ich dann zum ersten Mal allein losging, lief überhaupt nichts.
15:30Guten Tag, entschuldigen Sie wieder die Stimmung.
15:33Entweder schlug man mir gleich die Tür vor der Nase zu oder ich wurde beschimpft.
15:38So ging das wochenlang.
15:40In der ersten Woche habe ich kein einziges Abonnement verkauft.
15:44Am sechsten Tag hat mich dann der Kolonnenführer auf sein Zimmer bestellt.
15:47Ich wusste gleich, dass ich eine ziemliche Abreibung kriege.
15:50So geht es beim besten Willen nicht weiter.
15:53Du kannst nicht einmal dein Hotelzimmer zahlen, wenn du keine Aufträge reinbringst.
15:57Oder glaubst du etwa, dass dir das jemand schenkt?
15:59Vielleicht habe ich gerade eine Pechsträhne.
16:02Quatsch, Pechsträhne.
16:04Du strengst sie einfach nicht genug an.
16:05Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber es hat einfach nicht geklappt.
16:09Viele Leute sind inzwischen auch gleich sauer, wenn man an die Tür kommt.
16:13Ich habe mich kaum noch zurück zu unserem Bus getraut,
16:15denn ich habe schon geahnt, was am Abend los sein wird.
16:20Du glaubst doch nicht etwa, dass wir uns von dir an der Nase rumführen lassen, oder?
16:24Inzwischen hast du hier für die Hotelzimmer und für das Essen eine Menge Schulden.
16:27Ich konnte vor lauter Angst gar nicht mehr klar denken.
16:30Am liebsten wäre ich gleich zurückgefahren nach Hause.
16:33Aber ich hatte einen Vertrag unterschrieben und da stand drin,
16:36dass ich 3000 Mark zahlen muss, wenn ich fristlos abhaue.
16:39Was hast du dir dabei gedacht?
16:41Du musst dich mehr auf die Arbeit konzentrieren.
16:44Ich habe mindestens 50 Wohnungstüren am Tag abgeklappert.
16:49Vielleicht bist du einfach zu gehemmt.
16:54Da gibt es nur eins.
16:57Du musst auf Stummen gehen.
16:59Auf Stummen gehen? Was ist denn das?
17:01Ganz einfach.
17:01Du zeigst den Kunden diesen Zettel vor.
17:06Du hast aber keinen Ton reden dabei.
17:08Ich bin seit dem 10. Lebensjahr stumm.
17:12Bitte helfen Sie mir.
17:14Eine Firma bietet mir eine Lehrstelle,
17:17wenn ich 250 Zeitschriften verkauft habe.
17:20Das stimmt doch nicht.
17:22Das ist doch gelogen.
17:24Darf man denn das?
17:26Ach, was heißt denn hier dürfen?
17:27Du willst doch Geld verdienen, oder?
17:29Solange du dich nicht von der Polizei erwischen lässt,
17:32kann nichts passieren.
17:33Ich weiß nicht.
17:35Das ist deine einzige Chance.
17:39Du brauchst nur deinen Namen hier drunter zu setzen.
17:42Du wirst sehen, der Zettel wirkt Wunder.
17:49Mit dem Zettel hat es dann tatsächlich auch geklappt.
17:52Auf den Schwindel sind viele Leute reingefallen.
17:55Manche haben mir sogar noch ein Trinkgeld zugesteckt.
17:59Ich kam mir richtig schäbig vor.
18:00Aber ich hatte auch Angst,
18:02wieder ohne Aufträge heimzukommen.
18:03Das ist ja schrecklich.
18:05So ein junger Mensch.
18:07Kann man den das nicht heilen?
18:09Ich brauch die eigentlich nicht,
18:11aber naja, weil sie sind.
18:13Damit sie ihre Lehrstelle kriegen.
18:16Auf Dauer habe ich dann auch mit der Masche kein Glück gehabt.
18:19Nachdem ich ein paar Tage mit dem Trick unterwegs war,
18:22muss irgendjemand etwas gespannt
18:23und die Polizei gerufen haben.
18:25Guten Tag.
18:26Guten Tag.
18:26Sie sind Zeitschriftenwerberin?
18:28Dürfen wir mal bitte Ihren Ausweis senden?
18:34In welchem Hotel wohnt denn Ihre Kolonne?
18:36Darf ich mal bitte sehen?
18:37Sie machen aufs Sturm, wie?
18:46Haben Sie eine Reisegewerbekarte?
18:49Na, dann kommen Sie mal bitte mit aufs Revier,
18:51damit wir ein Protokoll aufnehmen können.
18:53Vielleicht finden Sie unterwegs auch Ihre Sprache wieder.
18:56Fünf Stunden musste ich auf dem Revier sitzen.
18:59Sie haben mir alle Unterlagen weggenommen
19:00und dann bei meinen Eltern angerufen,
19:02wegen der Überprüfung.
19:03Das war das Schlimmste.
19:11Als ich dann endlich gehen durfte,
19:12haben sie mir noch gesagt, dass mir eine Strafe blüht.
19:15Das hat mir dann gereicht.
19:17Dann hat es aber noch ein paar Tage gedauert,
19:19bis ich eine günstige Gelegenheit gefunden habe,
19:22von der Kolonne abzuhauen.
19:24Das war gar nicht so einfach,
19:25denn die haben auf jeden aufgepasst,
19:28vor allem auch auf das Gepäck im Hotel.
19:31Soweit der Brief der jungen Frau,
19:33die wir Birgit Müller genannt haben.
19:35Verdient hat Birgit an den betrügerisch erlangten Aufträgen
19:38im Grunde genommen nichts.
19:40Denn die Provisionen wurden gleich
19:41für die Hotel- und Verpflegungskosten einbehalten.
19:44Aber sie hat später zwei Bußgeldbescheide bekommen.
19:47Einen, um eine Bestrafung wegen Betruges abzuwenden
19:49und den anderen, weil sie ohne Reisegewerbekarte tätig war.
19:55Da die Firma keine Sozialbeiträge abgeführt hat,
19:57war auch die Mitgliedschaft in der Krankenkasse erloschen.
20:00Ich glaube, diese Fakten zeigen deutlicher
20:03als jeder Kommentar die Gefahren auf,
20:05in die man sich begibt,
20:07wenn man hofft, als Zeitschriftenwerber
20:08beruflichen Erfolg zu haben.
20:12Und nun wieder zu unseren aktuellen Kurzwarnungen.
20:15Zum Höhepunkt der Reisezeit
20:17wollen wir darin ein paar Tipps
20:19für den Urlaub geben.
20:21Wachsender Beliebtheit erfreuen sich
20:22die Autoreisezüge der Bundesbahn.
20:25Der Pkw wird verladen
20:26und man selbst fährt ohne Stress und Stau
20:28im bequemen Abteil
20:29oder nachts im Schlafwagen in den Süden.
20:32Dort kann es dann aber im wahrsten Sinne des Wortes
20:34sein böses Erwachen geben,
20:36wenn man Fotoapparate, Ferngläser
20:38oder andere Wertgegenstände
20:40sichtbar im Auto zurückgelassen hat.
20:43In jüngster Zeit haben sich nämlich
20:44einige Diebesbanden
20:45auf Autoreisezüge spezialisiert.
20:47Sie fahren nachts unbemerkt
20:49auf den Transportwaggons eine Strecke mit,
20:52leuchten in die Pkws hinein
20:53und knacken die Autos auf,
20:55in denen Sie lohnende Beute sehen.
20:57Auf dem nächsten Bahnhof,
20:58auf dem der Zug hält,
20:59verschwinden Sie dann wieder.
21:01Und wenn Sie dann
21:03an Ihrem Urlaubsort sind,
21:05lassen Sie sich auf der Straße
21:06oder in der Hotelhalle
21:07keinen Schmuck
21:08und keine angeblich wertvollen Uhren
21:10andrehen.
21:11Denn Sie können getrost davon ausgehen,
21:13dass weder der Schmuck aus Gold
21:14noch die Uhren wertvoll sind.
21:18Und achten Sie nicht nur
21:19auf Ihre Geldbörse
21:21und Ihre Brieftasche,
21:22sondern besonders auch
21:23auf Ihre Eurochecks.
21:26Denn mittlerweile gibt es überall Banden,
21:28die auf den Diebstahl
21:29und die Einlösung von Eurochecks
21:31spezialisiert sind.
21:32Wenn Sie Opfer
21:33eines solchen Diebstahls werden,
21:35geht es für Sie als Kontoinhaber
21:36praktisch nie ohne Beteiligung
21:38am Verlust ab.
21:40Selbst wenn man
21:41alle üblichen
21:42Vorsichtsmaßnahmen befolgt,
21:44also Check und Checkkarte
21:45getrennt aufbewahrt,
21:47Polizei und Bank sofort
21:48vom Verlust verständigt hat
21:49und auch sonst nicht fahrlässig
21:51mit den Schecks umgegangen ist,
21:53selbst dann muss man
21:54als Kontoinhaber
21:55in der Regel mindestens
21:5610 Prozent des eingetretenen Schadens
21:59selbst tragen.
22:01Und noch eins.
22:02Seien Sie im Urlaub
22:03ganz allgemein vorsichtig
22:04mit der Herausgabe
22:05Ihrer Heimatadresse,
22:06wenn Sie nicht Gefahr laufen wollen,
22:08dass Ihre Wohnung
22:09ausgeräumt wird
22:10und leer ist,
22:11wenn Sie nach Hause kommen.
22:14Der nächste Fall,
22:15meine Damen und Herren,
22:16verlangt wieder danach,
22:17etwas ausführlicher
22:18erklärt zu werden.
22:19Er ist in doppelter Weise
22:20lehrreich.
22:21Zum einen zeigt er eine Masche,
22:23auf die seit Jahren
22:24immer neue Opfer hereinfallen
22:25und zum anderen
22:26enthüllt er auch
22:27ein paar Finessen,
22:28vor denen man sich
22:29ganz allgemein
22:30bei Vertragsabschlüssen
22:31hüten sollte,
22:32weil sie sich später
22:33als juristische Fallstricke
22:35entpuppen.
22:36Besonders gefährdet
22:37sind wieder einmal jene,
22:39die in der gegenwärtigen
22:40wirtschaftlichen Situation
22:41nach einer zusätzlichen
22:42Verdienstmöglichkeit suchen.
22:44Da spielt es im Einzelfall
22:45keine Rolle,
22:46wie die finanziellen
22:47Schwierigkeiten
22:47entstanden sind,
22:48ob durch Arbeitslosigkeit,
22:49durch Krankheit
22:50oder, wie in unserem Beispiel,
22:52durch den Bau
22:53einer neuen
22:53Umgehungsstraße.
22:55Damit eröffne ich
22:56das neue Teilstück
22:57der Bundesstraße 51
22:58und wünsche allen,
23:00die sie benutzen werden,
23:01allzeit gute Fahrt.
23:03Eine neue Straße
23:04verändert vieles.
23:06Sie trägt Lärm
23:07und Abgase
23:07in eine bisher
23:08ruhige Landschaft
23:09und umgekehrt
23:11zieht Stille ein,
23:11wo bisher Verkehr herrschte.
23:13Manchmal
23:14eine tödliche Stille.
23:16Für diejenigen nämlich,
23:17die am Rande
23:18der alten Straße
23:19bisher ihr Auskommen hatten.
23:21Da fahren Sie hin.
23:23Jetzt kommt kein Mensch
23:24mehr hier vorbei.
23:25Komm rein,
23:25die leere Straße
23:26schlägt mir auf den Magen.
23:27Meinetwegen.
23:28Aber in der leeren Gaststube
23:30wird es auch nicht besser.
23:35Die Wirtsleute Gerd
23:37und Irmtraut Wieland
23:38fragen sich seit Beginn
23:40der Bauarbeiten,
23:41wie es mit ihrer Gaststätte
23:42weitergehen soll.
23:43Denn die neue Straße
23:44wird ihnen tatsächlich
23:46einen großen Teil
23:47der Gäste wegnehmen.
23:48Komm Irmtraut,
23:49wir trinken erst mal Schnaps.
23:52Sie haben viele Pläne
23:53geschmiedet
23:54in den vergangenen Monaten,
23:55aber alle wieder verworfen.
23:58Prost, Irmtraut.
24:04Also doch verkaufen.
24:07An den einzigen Interessenten,
24:09der da war?
24:10Der für alles nur halb so viel
24:11geboten hat,
24:12wie Schulden drauf sind?
24:13Ja, und wenn du doch
24:15irgendwo als Kellner arbeitest?
24:18Ich weiß, ich weiß,
24:20du willst selbstständig bleiben
24:22und du willst den Gasthof erhalten,
24:24weil er noch von deinem Vater ist.
24:28Also nun wirf mal die Flinte
24:29nicht gleich ins Korn.
24:30Ich wollte dir das da eher sagen,
24:32wenn alles perfekt ist.
24:33Aber pass mal auf.
24:36Ich habe mich in letzter Zeit
24:37ein bisschen gekümmert.
24:40Es gibt da einige Möglichkeiten,
24:41wie man sich ein zweites
24:42Bein aufbauen kann.
24:43Da kann die Wirtschaft
24:44nebenbei weiterlaufen
24:45und wir sind da nicht
24:45drauf angewiesen.
24:47Ich verstehe kein Wort.
24:48Moment.
24:50Hier, ich habe auf ein paar
24:51Anzeigen geschrieben.
24:52Das da ist das Beste.
24:53Ich habe mir auch schon
24:54die Unterlagen kommen lassen.
24:56Und das alles hinter meinem Rücken?
24:58Ach, verstehe das doch.
24:59Ich wollte dich doch überraschen,
25:01wenn alles perfekt ist.
25:03Also pass mal auf.
25:04Das ist der Alleinvertrieb
25:05für ein Indianerzelt für Kinder.
25:08Das wird im Versandhandel angeboten
25:09und das ist ein ziemlicher Renner.
25:12Ja.
25:13Willst du als Vertreter
25:14Klinken putzen gehen?
25:15Ich sagte doch,
25:17Versandhandel.
25:19Wir brauchen nur
25:20die Inserate aufzugeben.
25:22Dann kommen die Bestellungen zu uns
25:23und wir schicken dann
25:24die Dinger zu den Leuten.
25:26Per Nachnahme natürlich
25:26und das ist völlig ohne Risiko.
25:28Und von wem kriegst du die Zelte?
25:31Was kosten die?
25:32Wie geht das Ganze überhaupt?
25:34Die Einzelheiten,
25:35die muss ich noch klären.
25:37Wir können jedenfalls
25:38für unser Gebiet
25:38das Alleinvertriebsrecht erhalten.
25:41Die Firma India Zelt,
25:42die das vergibt,
25:43die sitzt in Wiesbaden
25:43und da fahre ich dann
25:44Ende des Monats mal hin.
25:45Wie geplant,
25:46fährt Herr Wieland
25:47wenig später nach Wiesbaden.
25:49Bei der Firma India Zelt GmbH
25:51wird er überaus freundlich empfangen.
25:54Unser Hauptgeschäftsführer,
25:55Herr Rössel,
25:56wird Sie selbst empfangen.
25:57Es dauert nur noch ein paar Minuten,
25:58wenn Sie so lange Platz nehmen möchten.
26:00Dankeschön.
26:01Darf ich Ihnen inzwischen
26:02einen Kaffee anbieten?
26:03Ja, klar.
26:06Gerd Wieland wäre sicher
26:07im höchsten Maße beunruhigt,
26:09wenn er wüsste,
26:10dass der Inhaber der Firma India Zelt
26:12mit vielen seiner Gebietsvertreter
26:13im Rechtsstreit liegt
26:15und entsprechende Erfahrungen
26:17im Umgang mit Gerichten hat.
26:22Er versucht deshalb gezielt,
26:24bei neuen Vertragsabschlüssen
26:25stets juristische Fallstricke einzubauen,
26:28die ihm bei der späteren
26:29Auseinandersetzung nützlich sind.
26:33Der Geschäftsablauf der Firma India Zelt
26:35gleicht mehr dem eines Anwaltbüros
26:37als eines Handelsunternehmers.
26:41In der Sache W. Mayer,
26:43der hat inzwischen einen Anwalt,
26:44da schreibst du den Anwaltsformbrief
26:46Nummer 3 mit folgendem Zusatz.
26:48Im Übrigen weisen wir darauf hin,
26:50dass in vergleichbaren Fällen
26:51mehrere Zivilgerichte
26:52zu unseren Gunsten entschieden haben.
26:55Ihr Mandant hat sich hier
26:56unter der Berufsbezeichnung
26:57Kaufmann eingeführt.
26:59Wir durften daher davon ausgehen,
27:01dass er in der Lage ist,
27:02Chancen und Risiken
27:03im Geschäftsleben
27:03realistisch einzuschätzen.
27:05Eine Aufklärungspflicht,
27:07wie Sie sie ins Feld führen,
27:09ragt uns dabei nicht.
27:12Herr Wieland weiß auch nicht,
27:14dass alle Besucher
27:15im Vorzimmer zunächst warten müssen,
27:18damit ihnen eine perfekte Komödie
27:20vorgespielt werden kann.
27:22Ja, Schilp ist hier
27:23von der Hauptverwaltung.
27:25Herr Rössel hat mich beauftragt
27:26zu fragen,
27:26ob Sie die Fertigung steigern konnten,
27:28so wie er es angeordnet hat.
27:31Ja, oh sehr gut,
27:32das wird Ihnen freuen.
27:34Danke, bestelle ich, wiederhören.
27:36Läuft gut das Geschäft, weh?
27:38Wenn das Produkt gut ist,
27:40dann ist doch das Geschäft gut.
27:42Im Fall Randers,
27:43der ist jetzt weich,
27:44dem machen wir das Vergleichsangebot.
27:46Wenn er 30.000 zahlt,
27:47kann er aus dem Vertrag raus.
27:48Und bei, Moment,
27:50wie heißt der?
27:51Wagner.
27:52Bei Wagner soll unser Anwalt
27:54einen Vollstreckungsbescheid beantragen.
27:56Da sind Mindestabnahmen
27:57für über 150.000 Mark aufgelaufen.
28:00Der hat zwar wahrscheinlich nichts,
28:01aber vielleicht gibt's was zu pfänden.
28:02und sonst soll er halt
28:04den Offenbarungseid leisten.
28:13India-Zelt GmbH Hauptverwaltung.
28:17Oh, da kann ich Ihnen leider
28:18gar nichts versprechen.
28:19Es sind...
28:20Nein, Herr Wolf.
28:23Es sind, soweit ich weiß,
28:24überhaupt nur noch
28:25zwei Vertriebsgebiete frei
28:26und die werden möglicherweise
28:28heute vergeben.
28:29Das war's dann erst mal.
28:30Ende des Bandes.
28:31Das war's dann erst mal.
28:34Ende des Bandes.
28:36So, Frau Schild,
28:36dann bitten Sie doch jetzt
28:37Herrn Wieland heran.
28:44Guten Tag, Herr Wieland.
28:45Guten Tag.
28:46Tut mir leid,
28:46dass Sie warten mussten.
28:47Bitte nehmen Sie Platz.
28:48Dankeschön.
28:50Ah, da ist ja das India-Zelt.
28:51Ja, das ist er.
28:52Unser Renner, Herr Wieland.
28:54Erlauben Sie,
28:55dass wir gleich zur Sache kommen.
28:56Wir sind beide Geschäftsleute
28:57und müssen mit unserer Zeit haushalten.
28:59Ich denke, wir verstehen uns.
29:00Aber natürlich ganz in meinem Sinne.
29:01Wir suchen einen Partner
29:02für eine solide Zusammenarbeit,
29:04flexibel, entscheidungsfreudig
29:06und auch bereit,
29:07sich für die Sache
29:08voll einzusetzen.
29:09Ich nehme an,
29:10dass diese Voraussetzungen
29:11zwischen uns klar sind.
29:12Natürlich.
29:12Ich war immer selbstständig.
29:13Gut, dann zum Produkt.
29:15Sie sehen es hier.
29:16Ohne Werkzeug in Sekunden
29:18auf- und abzubauen.
29:20Im Sommer im Garten,
29:21im Winter im Haus.
29:23Auf dem Klappmechanismus
29:24und das Innengerüst
29:24haben wir weltweite Patente
29:26und viele Auszeichnungen.
29:28Ich habe selbst in der Testphase
29:30in einem Monat
29:30in einer Stadt
29:313.500 Stück verkauft.
29:33Warum behalten Sie dann
29:34den Vertrieb nicht allein?
29:35Eine gute Frage,
29:36Herr Wieland.
29:37Sie denken kaufmännisch.
29:38Das gefällt mir.
29:39Ich will sie Ihnen gern beantworten.
29:41Um den Markt wirklich auszuschöpfen,
29:43bräuchte ich einen Stab
29:44von 200 Leuten.
29:45Und dann müsste ich auch
29:46noch einen Betriebsrat haben.
29:48Nein, nein.
29:48Ich arbeite lieber
29:49mit freien Partnern.
29:50Wie sieht denn das
29:51in der Praxis aus?
29:52Die Zusammenarbeit, meine ich.
29:54Das Zelt kostet den Endverbraucher
29:56378 Mark.
29:58Und Sie beziehen es bei mir
29:59für 178 Mark.
30:02Verdienstspanne also
30:03mehr als 100 Prozent.
30:06378 Mark?
30:07Ist das nicht ein bisschen teuer
30:08für ein Kinderspielzeug?
30:09Sie müssen sich von Ihrem
30:10Kaufhausdenken freimachen,
30:11Herr Wieland,
30:12wenn Sie groß verdienen wollen.
30:14Von 100 Leuten wollen wir
30:15nicht die 98,
30:16die sich das nicht leisten können.
30:18Wir wollen die restlichen zwei,
30:20die immer was Exklusives suchen.
30:22An den Zweien verdienen Sie gut.
30:24Lassen Sie andere
30:25an den 98 schlecht verdienen.
30:28Also wenn ich mir
30:28meine Kinder vorstelle,
30:30die hätten sicher
30:32einen Riesenspaß.
30:33Dann bitte schön,
30:33schauen Sie sich das mal an.
30:35Herr Rössel versteht es
30:36außerordentlich geschickt,
30:38seinen Besucher
30:38für das Geschäft einzunehmen
30:40und ihn auch zu überzeugen,
30:42dass es sich lohne,
30:43zunächst einmal
30:44eine erhebliche Summe
30:45zu investieren.
30:47Gut, die Lizenzgebühr
30:48von 20.000 Mark
30:49wird Sie am Anfang
30:50vielleicht etwas drücken,
30:51aber die haben Sie
30:52bald wieder drin.
30:54Also wenn ich Sie
30:55richtig verstanden habe,
30:56dann bekommen Sie von mir
30:5720.000 Mark Lizenzgebühr
30:58für den Gebietsschutz und so.
31:00Ja, wann und wie
31:01wird das wieder zurückgezahlt?
31:02Für jedes verkaufte Zelt
31:04vergüten wir Ihnen
31:0540 Mark extra.
31:07Das heißt,
31:07Sie bezahlen nicht,
31:08wie eigentlich im Vertrag vorgesehen,
31:10178 Mark,
31:11sondern nur 138.
31:14Und so lange,
31:15bis Sie Ihre 20.000 Mark
31:16auf Heller und Pfennig
31:17wiederhaben.
31:1820.000, warten Sie mal.
31:21Wie viel müsste ich dann
31:22verkaufen,
31:22bis ich die wieder drin habe?
31:2420.000 durch 40,
31:262.000 durch 4,
31:27das wären 500 Stück, oder?
31:29Genau.
31:30Haben Sie etwa die Absicht,
31:31weniger als 500 zu verkaufen?
31:32Nein, nein, wirklich nicht.
31:33Nur es ist sehr schwer
31:34für mich einzuschätzen.
31:36Läuft es denn bei den
31:37anderen Gebietsvertretern
31:38so gut?
31:38Da,
31:39lauter Leute,
31:40die heute aus dem Schneider sind.
31:42Wir sind mit der richtigen
31:42Einstellung an die Sache
31:43herangegangen
31:44und haben Sie durchgezogen.
31:46Also, wenn Sie wollen,
31:47dann schauen wir uns
31:48jetzt mal den Vertrag an.
31:49Ja, ist gut.
31:49Hier nehmen Sie ein Exemplar,
31:51dann geben wir es durch
31:51und wo es etwas zu ändern gibt,
31:53können Sie es gleich eintragen.
31:55Hier oben erst einmal
31:56Name und Beruf.
31:57Gerd Wieland,
31:58Kaufmann.
32:00Ich bin Gastwirt.
32:02Ach, Gastwirt.
32:04Das geht nicht, Herr Wieland.
32:06Ich verbrachte ja hier
32:07keine Gaststätte.
32:08Das ist ein Handelsgeschäft
32:09unter Kaufleuten.
32:11Also,
32:12schreiben Sie ruhig, Kaufmann.
32:14Herr Wieland weiß nicht,
32:16dass die Berufsbezeichnung
32:17Kaufmann
32:18in diesem Fall
32:19von ganz besonderer Bedeutung ist.
32:21Denn viele Schutzgesetze,
32:23die unerfahrene Menschen
32:24vor Übervorteilung bewahren sollen,
32:27gelten nicht für Geschäfte
32:28unter professionellen
32:30und entsprechend
32:31ausgebildeten Kaufleuten.
32:33In dem späteren Prozess
32:34wird Herr Wieland
32:35sich vorhalten lassen müssen,
32:37dass er sich,
32:37wie die Handschrift gelegt,
32:39selbst als Kaufmann
32:40bezeichnet hat.
32:42Hier steht was
32:42von einer Mindestabnahme
32:43von 3.000 Stück im Jahr.
32:46Das wären 250 im Monat.
32:48Sagen Sie mal,
32:48sind das nicht ein bisschen
32:49viel für den Anfang.
32:50Sagen Sie mir,
32:50wie viel Sie verkaufen wollen.
32:52600?
32:531.200?
32:53Na, 600 würde ich sagen.
32:55Höchstens,
32:55wenn es dann mehr werden.
32:56Gut, streichen Sie die 3.000.
32:58Schreiben Sie 600.
32:59Das ist kein Punkt,
33:00über den ich mich streite.
33:01Ich erwarte sowieso,
33:02dass Sie mehr verkaufen.
33:03Aber stecken auch noch andere
33:05juristische Fallstricke
33:06in dem Vertrag.
33:07Die mit eigener Hand
33:08vorgenommene Korrektur
33:09der Mindestabnahme
33:10auf 600 Zelte
33:11wird Herrn Wieland
33:13noch teuer zu stehen kommen.
33:15Vor Gericht
33:16wird Herr Rössel damit
33:16später belegen,
33:18dass er die Mindestabnahme
33:19seinem Gebietsvertreter
33:20keineswegs aufgezwungen hat,
33:23sondern dass sie
33:23nach dessen eigenen Wünschen
33:25festgesetzt worden ist.
33:26Wenn Sie recht ist,
33:27dann nehme ich den Vertrag
33:28erst einmal mit und schicke ihn
33:29und unterschrieben wieder zurück.
33:30Ich möchte mir das alles
33:31nochmal durch den Kopf gehen lassen.
33:32Aha,
33:33Sie tun sich ein bisschen schwer
33:35mit Entscheidungen, Lars.
33:36Nein, nein.
33:37Aber man will ja...
33:38Ich habe nichts dagegen,
33:39Herr Wieland.
33:40Aber ich habe noch
33:41genau zwei Gebiete frei.
33:43Und heute Nachmittag
33:44kommen noch zwei Herren,
33:45die mir beide
33:45bei den Vorgesprächen
33:46einen entschlussfreudigen
33:47Eindruck gemacht haben.
33:49Die 20.000 Mark
33:50für die Lizenzgebühr,
33:51die habe ich im Moment
33:51nicht bar auf der Hand.
33:53Da müsste ich erst einmal
33:53mit der Bank sprechen.
33:55Oh.
33:56Gibt es da Zweifel,
33:57ob Sie für 20.000 gut sind?
33:59Nein, nein, natürlich nicht.
34:0010.000 habe ich sowieso,
34:01aber die 10.000,
34:03die müsste ich von der Bank holen.
34:05Also.
34:06Herr Wieland lässt sich,
34:07wie viele vor ihm,
34:08unter Druck setzen.
34:10Er unterschreibt den Vertrag,
34:12ohne sich über die Tragweite
34:13dieser Unterschrift
34:14wirklich im Klaren zu sein.
34:20Auf Güte Zusammenarbeit,
34:22Herr Wieland.
34:26Einige Wochen später
34:27hat Herr Wieland erkannt,
34:29dass er die 20.000 Mark
34:30Lizenzgebühr
34:31zum Fenster hinausgeworfen hat.
34:35Trotz intensiver
34:37und teurer Werbebemühungen
34:38hat er kein einziges
34:40Zelt verkauft.
34:44Prost, Albert.
34:45Prost.
34:49Ist nett von dir,
34:50dass manchmal noch ein paar
34:51alte Freunde vorbeischauen.
34:53Dir geht es nicht so gut, was?
34:54Nee, wirklich nicht.
34:56Ich habe ein neues Geschäft
34:57angefangen,
34:57hier mit dem Zelt da.
35:00Und das geht schlechter
35:00als das alte.
35:01Ja, das ist was für Kinder, was?
35:03Tja, nur ist es viel zu teuer.
35:05Kein Mensch gibt
35:06für sowas 380 Mark aus.
35:09Inzwischen weiß ich auch,
35:10dass es andere gibt
35:10in den Kaufhäusern und so
35:11und die sind viel billiger
35:12und mindestens genauso gut.
35:13Du Papi,
35:14dürfen wir mal rein ins Zelt?
35:17Na klar,
35:17Kinder, geht noch spielen.
35:18Komm, ja, komm.
35:20Und deine Frau?
35:22Frag mich nicht.
35:24Die ist stinksauer.
35:26Eigentlich hat sie recht.
35:27Hätte ich nur auf sie gehört.
35:28Guten Tag.
35:30Herr Wieland,
35:31ich habe Sie einen Einschreibbrief
35:32mit Rigschein.
35:34Die schlimmste Überraschung
35:35steht Herrn Wieland
35:36aber noch bevor.
35:38Denn die Firma India Zelt GmbH
35:40gibt sich keineswegs
35:41mit der Lizenzgebühr zufrieden.
35:44Das ist ja unglaublich.
35:46Sie besteht auf der vertraglich
35:48vereinbarten Mindestabnahme
35:49und schickt
35:50entsprechende Rechnungen.
35:52Sag mal, ich glaube,
35:53ich spinne, du.
35:55Die haben doch nicht
35:56alle Tassen im Schrank.
35:5723.000 Mark
35:59für nicht eingehaltene
36:00Mindestabnahme.
36:01Geht's um die Zelte da?
36:03Ja, ich habe einen Vertrag
36:04unterschrieben,
36:04dass ich 600 Stück
36:06im Jahr abnehme
36:06und bisher habe ich noch
36:07kein einziges Stück verkauft.
36:08Und jetzt wollen die das Geld.
36:09Das ist ja ein dickes Ding.
36:11Du, das ist eine Schraube ohne Ende,
36:12wenn das so weitergeht.
36:13Der Vertrag,
36:13der läuft auf vier Jahre.
36:15Sag bloß,
36:17das würde ja bedeuten,
36:18dass du
36:184.600 Zelte abnehmen musst.
36:24Ja.
36:24Mein Gott,
36:26das darf ich
36:27der Ehemtritt
36:27gar nicht sagen.
36:30Sie tritt völlig durch.
36:332.400 Zelte
36:35zum Preis
36:35von rund
36:36170 Mark
36:37bedeuten
36:37eine Zahlungsverpflichtung
36:39von über
36:39400.000 Mark.
36:41Angesichts
36:41einer solchen
36:42Schuldenlast
36:43bietet die Firma
36:44dann in der Regel an,
36:45sich mit 30.000
36:46oder 50.000 Mark
36:47zufrieden zu geben,
36:48wenn diese sofort
36:49bezahlt werden
36:49und dafür
36:50keine Zelte
36:51zu liefern sind.
36:52Die meisten Betroffenen
36:54gehen auf dieses
36:55für sie
36:55befreiende
36:56Vergleichsangebot ein,
36:57obwohl sie dafür
36:58neue Kredite
36:59aufnehmen müssen.
37:02Wer wie Herr Wieland
37:03das Geld
37:03für den Vergleich
37:04nicht auftreiben kann,
37:06den verfolgt die Firma
37:06unnachsichtig
37:07mit Prozessen
37:08und Vollstreckungsbescheiden.
37:11Herr Wieland
37:11hat bis heute
37:12darunter zu leiden.
37:13Einen Arbeitsplatz,
37:14den er schließlich fand,
37:15hat er gleich wieder verloren,
37:17weil dort als erstes
37:18eine Lohnpfindung eintraf.
37:19Er lebt heute
37:20von der Sozialhilfe
37:21und ist für den Rest
37:22seines Lebens
37:23persönlich und wirtschaftlich
37:25ruiniert.
37:26Und das nur,
37:27weil er einmal
37:28eine Stunde lang
37:29den Finessen
37:29der ausgefeilten
37:30Verhandlungstaktik
37:31eines Wirtschaftskriminellen
37:33nicht gewachsen war.
37:35Sicher,
37:35nicht jeder Betrug
37:36hat so schwerwiegende Folgen,
37:38aber auch ein kleiner Verlust
37:40kann schmerzlich sein,
37:41wenn sie zum Beispiel
37:42Opfer der Masche werden,
37:44die wir jetzt
37:44in unserem Experiment
37:45getestet haben.
37:47Angewendet wird der Trick
37:48in erster Linie
37:49bei ausländischen Mitbürgern,
37:50die hier in Deutschland
37:51ein Einzelhandelsgeschäft,
37:53eine Gaststätte
37:53oder ähnliches betreiben.
37:57Und genau das
37:58waren auch unsere Ziele,
37:59Gaststätten und Geschäfte,
38:01die einen türkischen
38:02oder griechischen Chef haben.
38:04Ausgestattet
38:05mit amtlich wirkenden
38:06Formularen
38:07versuchten unsere Mitarbeiter
38:08angeblich fällige
38:10Gewerbesteuern
38:11im Voraus
38:11und in bar
38:12zu kassieren.
38:14Bernd Schröder,
38:15der sich dabei
38:15als städtischer
38:16Steuerbeamte ausgab,
38:17wurde von Wolfgang
38:18Kleist begleitet,
38:19der die versteckte
38:20Kamera bediente.
38:21Sind Sie der Chef?
38:23Ich bin der.
38:23Ja.
38:24Ich komme vom Steueramt,
38:25wegen der Gewerbesteuer.
38:27Eine Vorauszahlung
38:28für das erste Quartal
38:29müssen wir erheben.
38:30Ja.
38:30Das sind 240 Mark.
38:32240 Mark.
38:33Das wird angerechnet
38:34auf die laufenden
38:35Steuerzahlungen.
38:37Ja.
38:37Ich habe das,
38:38wie heißt das,
38:39nochmal das erklärt.
38:40Ja.
38:41Gewerbesteuer ist das.
38:42Sie müssten mir das
38:42240 Mark geben.
38:44Das wird dann angerechnet
38:45auf die Steuern,
38:45die Sie sowieso bezahlen.
38:46Ist es bar bezahlt oder?
38:47Ja.
38:48Das Kontonum?
38:49Nee, bar bezahlt.
38:50Ich müsste es haben.
38:52Das sichere Auftreten
38:53des angeblichen
38:54Steuerbeamten
38:55und seine scheinbeamtlichen
38:56Papiere
38:57zeigen Wirkung.
38:59Trotz einiger
39:00Verwunderung
39:00will der türkische Kaufmann
39:02lieber nichts falsch machen.
39:04Er bezahlt.
39:04240 Mark.
39:06Ich kann ihn nur ausgeben.
39:07Das ist wie viel?
39:09500, ja.
39:11500, 260 für Sie zurück.
39:12Gut, und das ist die
39:14Quittung für Sie.
39:16Schönen Dank.
39:17Wiedersehen.
39:17Wiedersehen.
39:18In einer griechischen Gaststätte
39:19haben sich unsere Mitarbeiter
39:20dann mit dem Wirt
39:21in ein Hinterzimmer
39:22zurückgezogen,
39:23denn die Steuerprobleme
39:24gehen die Gäste
39:25ja schließlich nichts an.
39:26Wir müssen jetzt neuerdings
39:27auf diesem Wege
39:28die Vorauszahlungen kassieren.
39:30Wir wissen ja,
39:30der Staat hat kein Geld,
39:31alle haben.
39:32Für wann ist das jetzt?
39:33Das ist für das erste
39:34Quartal,
39:3583.
39:36Was ist für 83?
39:37Erstes Quartal.
39:39Also jetzt Januar bis März.
39:42Auch hier kann Bernd Schröder
39:43ohne Schwierigkeiten
39:44die angeblich fälligen
39:46Steuern bar kassieren.
39:48Dann quittiere ich Ihnen
39:49das gerade noch.
39:56Ganz ist klein,
39:56sonst kann ich Ihnen
39:57noch ausgeben, ja?
39:58So, 230, ja,
40:08alles klar, gut.
40:10Besonders höflich
40:11und zuvor kommt dann
40:12die Aufnahme
40:12in einem griechischen Kaffee.
40:15Der Wirt bezahlt nicht nur,
40:17er lädt den vermeintlichen
40:18Steuerbeamten
40:19auch noch zu einer Tasse Kaffee ein.
40:23Bitte?
40:25Ich bin ein bisschen in Eile,
40:26aber ich komme gerne noch mal rein
40:27nachher in der Mittagspause,
40:28wenn ich darf.
40:28Mit der Mittagspause kommen,
40:29ja, ja, gut.
40:33So, dann darf ich Ihnen
40:34das da lassen?
40:35Nehmen wir das gerade.
40:35Ja, okay.
40:38Gut.
40:40Auch der nächste Fall
40:41in einem türkischen Geschäft
40:42bestätigt,
40:43dass sich kein Wirt,
40:44kein Geschäftsmann
40:45mit den deutschen Behörden
40:47anlegen will.
40:48So, das ist für Sie
40:49die Bestätigung, ne,
40:50240.
40:51Und wenn es zu viel ist
40:52bei der Abrechnung
40:53am Jahresende,
40:54bekommen Sie was raus.
40:55Wenn es zu wenig ist,
40:55müssen Sie halt etwas nachzahlen.
40:57Und noch einmal
40:58kassiert unser Mitarbeiter
40:59240 Mark.
41:01Angeblich als Gewerbesteuer
41:03Vorauszahlung.
41:0510 Mark, ja?
41:06Ja.
41:06Gut, und das ist Ihre Quittung.
41:08Gut, danke schön.
41:13Wahrscheinlich sind Sie,
41:14meine Damen und Herren,
41:15jetzt genauso verblüfft,
41:16wie wir es waren,
41:17als das Ergebnis
41:18unseres Experimentes
41:19feststand.
41:21Wir hätten ehrlich gesagt
41:22nicht geglaubt,
41:22dass unser falscher Steuerbeamter
41:24es so einfach haben würde.
41:26Wenn Sie also
41:27einen ausländischen
41:28Mitbürger kennen,
41:28der hier ein Geschäft betreibt,
41:30sprechen Sie ihn ruhig
41:31auf diese Gefahr an,
41:32die in unserem Experiment
41:33deutlich geworden ist.
41:35Wir haben unsererseits
41:37dafür gesorgt,
41:38dass in den Gastarbeitersendungen
41:39und in den ausländischen
41:40Zeitungen ebenfalls
41:41davor gewarnt wird.
41:43Man kann also hoffen,
41:45dass die echten Ganoven
41:46in Zukunft mit dieser Masche
41:47nicht mehr so leicht
41:48zum Zuge kommen.
41:50Das wär's für heute.
41:52Guten Abend.
41:52Guten Abend.
41:53is

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