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Mit Waffengewalt fordert Sonja Tauber von ihrem geschiedenen Mann, ihr das Ferienhaus in Spanien zu überschreiben. Thomas Tauber zeigt den Vorfall an. Kurze Zeit später ist er tot. Doch bei Frau Tauber findet Wolff nur eine Spielzeugpistole. (Text: Premiere)
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00:29Untertitelung des ZDF, 2020
00:46Untertitelung des ZDF, 2020
01:00Und diesmal bitte ich nicht. Ich fordere. Ich fordere, was mir zusteht, was du mir versprochen hast.
01:05Ich habe dir nichts versprochen.
01:07Du hast. Ich bring dich um, wenn du dein Wort nicht hältst.
01:11Sonja, mach dich nicht unglücklich.
01:14Oh, er hat Angst, dass ich mich unglücklich mache.
01:21Oh Mann, bist du ein Pharisäer.
01:25Davor solltest du Angst haben. Davor.
01:29Und die hast du auch.
01:32Ich sehe es dir an, gleich scheißt du dir in die Hosen.
01:37Ich knall dich ab.
01:42Sonja.
01:44Es ist mir ernst.
01:47Toternst.
01:50In drei Tagen komme ich wieder und dann gibst du mir die Schenkungsurkunde oder ich gebe uns den Tod.
01:55Bum.
01:57Bum.
02:01Schlaf mal.
02:06Sie war betrunken. Sie hat es nicht so gemeint.
02:08Und ich hatte auch nicht wirklich Angst.
02:13Doch, ich hatte Angst eben, weil sie betrunken war.
02:16Sie wissen, wie betrunken das sind. Sie tun Dinge, die sie nicht tun wollen.
02:19Ja, oder sie stolpert.
02:21Und ein Schuss löst sich.
02:23Sie kann gar nicht mit Waffen umgehen. Ich möchte bloß wissen, wo sie das Ding her hat.
02:27Was hat sie konkret von Ihnen verlangt?
02:30Ich habe ein Haus in Spanien. Ein sehr schönes Haus.
02:34Nach der Scheidung habe ich ihr eine halbe Million gegeben und habe zu ihr gesagt,
02:38wann immer es dir passt, kannst du in dem Haus leben.
02:41Wohlgemerkt, ich habe es ihr weder versprochen noch geschenkt.
02:45Ich habe nur gesagt, wenn immer du willst, kannst du dorthin.
02:49Sie hat dann ständig dort gelebt.
02:52Und jetzt habe ich ein neues Haus in Florida gekauft und möchte das Haus in Spanien verkaufen.
02:59Sie werden verstehen, dass ich mich zu dem emotionellen Aspekt der Sache nicht äußern möchte.
03:04Ich kenne Sie, ich kenne Ihre ehemalige Frau, wenn auch nur flüchtig.
03:10Juristisch allerdings ist das, was gestern Abend passiert ist,
03:13Haus Friedensbruch, Drohung, Nötigung und unerlaubter Waffenbesitz.
03:17Wenn Sie also Anzeige erstatten wollen und faktisch haben Sie das ja schon getan,
03:22indem Sie mir, einem Staatsanwalt, diesen Vorgang erzählt haben.
03:25Ich möchte nicht, dass Sonja ins Gefängnis kommt oder sowas.
03:28Ich möchte nur, dass sie zur Vernunft gebracht wird und dass man ihr diese verdammte Pistole abnimmt.
03:34Warum geben Sie das Haus nicht?
03:36Ich möchte das Haus in Florida mit dem Verkauf des spanischen Hauses finanzieren.
03:40Verstehe.
03:41Außerdem habe ich ihr damals eine halbe Million gegeben.
03:44Hat sie die nicht mehr?
03:47Irgendwelche Anlagenberater haben Sie darum geprellt.
03:52Vielleicht gebe ich ihr das Haus.
03:55Wenn sie es nicht kriegt, kriegt es eines Tages mein Bruder.
03:59Der ist noch verantwortungsloser als Sie.
04:08Kommissar Sawatzky, Kriminalpolizei.
04:11Sind Sie Frau Sonja Tauber?
04:14Nein.
04:16Und Frau Tauber bei Ihnen?
04:18Sie ist nicht da.
04:20Sie ist dir gemeldet?
04:22Ja.
04:23Ich habe einen Durchsuchungsbefehl für diese Wohnung.
04:28Hören Sie mal.
04:29Wenn etwas gegen Sonja Frau Tauber vor dich, dann können Sie doch nicht meine Wohnung durchsuchen.
04:33Wäre ich das andere Mahnung?
04:37Sie kommen hier nicht rein.
04:40Es wäre mir sehr unangenehm, Gewalt gegen Sie anwenden zu müssen.
04:45Das müssen Sie aber.
04:51Das wird Folgen für Sie haben.
04:57Sind Sie Sonja Tauber?
05:01Ja.
05:03Jeder hat das Recht, die Polizei zu bieten.
05:06Frau Tauber, ich muss Sie auffordern, die Waffe herauszugeben,
05:09mit der Sie gestern Ihren geschiedenen Mann bedroht haben.
05:12Das ist alles?
05:13Das ist im Moment alles, ja.
05:17Ja.
05:29Frau Tauber.
05:32Frau Tauber.
05:54Das ist ein Spielzeugpistole.
05:55Das vorhanden sei in dieser Spielzeugpistole schließt im Besitz einer Handfeuerwaffe nicht aus.
06:00Ich muss auf einer Durchsuchung der Wohnung bestehen.
06:03Tja.
06:07Dann viel Spaß.
06:10Wie lange werden Sie brauchen?
06:12Ich muss Sie mit, näher zu bleiben.
06:14Hm.
06:14Na, Sie können mich mal.
06:15Komm, Sonja.
06:18Schnüffeln Sie schön in der Unterwäsche.
06:20Die Gebrauchte ist im Wäschekorb.
06:23Lassen Sie aber kein Höschen mitgehen.
06:44Hallo, Frau.
06:45Hallo.
06:45Hallo.
06:47Was macht ihr denn hier?
06:48Wir müssen das Zeug, was wir Höhner zusammengeklaut hat, ja wohl zurückgeben.
06:54Ja, darüber habe ich mit Fried schon gesprochen.
06:57Mit Fried?
06:58Bist du verrückt?
07:00Fried ist Staatsanwalt.
07:02Wäre es nicht seine Pflicht, Anklage zu erheben, wenn er von einem Verbrechen erfährt?
07:08Verbrechen, jawohl, Verbrechen.
07:10Diebstahl ist ein Verbrechen.
07:12Verbrechen hin, Verbrechen her.
07:14Hast du jetzt auch noch an, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen?
07:16Könnt ihr mir mal erklären, was das hier soll?
07:18Verena wollte mir das Diebesgut zurückgeben.
07:21Sie meint, das meiste sah aus dem KDW.
07:23Und?
07:24Ja, was soll ich denn mit dem Kram machen?
07:26Ich kann ihn doch nicht einfach in die entsprechenden Regale zurückstellen.
07:30Na?
07:31Stell dich nicht naiver, als du bist.
07:34Ihr schickt das Zeug also mit der Post?
07:37Eingeschrieben, natürlich.
07:38Wenn doch was rauskommt, können wir beweisen, dass wir alles zurückgegeben haben.
07:47Ja, es ist eine wichtige Konferenz angesagt.
07:49Es sind Partner aus Paris, aus Los Angeles, aus Japan da.
07:52Und Herr Tauber kommt nicht.
07:54Um 10 Uhr war der Termin, jetzt ist es Viertel nach 11.
07:57Da muss was passiert sein.
07:59Er ist die Pünktlichkeit selbst.
08:00Ich bin seit 10 Jahren seine Sekretärin.
08:02Ich weiß, dass er gestern bei der Polizei war.
08:06Dann eben bei einem Staatsanwalt.
08:07Jedenfalls hat seine Ex-Frau gedroht, ihn zu erschießen.
08:10Und jetzt kommt er nicht zu der wichtigsten Konferenz des Jahres.
08:12Ich verlange...
08:14Ja, natürlich habe ich bei ihm zu Hause angerufen.
08:17Nichts.
08:17Ich habe auch sein Autotelefon angewählt.
08:19Es muss was passiert sein.
08:21Sie müssen unbedingt...
08:21Hast du eine Funkstreife bestellt?
08:23Ja.
08:24Was ist denn das für eine Frau?
08:27Diese geschiedene...
08:27Oh, das kannst du nicht.
08:29Der Kotzbocken ist ihre Freundin.
08:31Die, wo sie wohnt.
08:33Lesbisch?
08:35Weiß nicht.
08:36Eher, nein.
08:37Ich meine, die geschiedene eher nicht.
08:39Die andere eher ja.
08:42Spielzeugpistole.
08:42Hätte Tauber das nicht merken müssen?
08:44Nicht unbedingt.
08:46Die machen die Dinger verdammt echt nach.
08:47Wenn du sie in der Hand hältst, klar.
08:49Das Gewicht.
08:50Plastik.
08:50Plastik.
08:52Plastikparton.
08:54Aber als sie sie aus der Schublade nahmen
08:56und ich in den Lauf guckte...
08:58Ja, ich weiß.
09:18Ja, Kaiser der 31, Karl Tauber, oberstes Stockler.
09:24Ja, na klar, der ganze Haufen.
09:26Ja.
09:38Sie kommen.
09:42Wir waren zusammen.
09:44Gestern.
09:45Den ganzen Abend.
09:47Ja, wann bin ich vom Büro gekommen?
09:49Von halb sieben bis heute Morgen.
09:52Warum sagst du nicht, Sonja?
09:55Er ist tot.
10:00Tot.
10:04Frau Tauber, ich muss Sie bitten, mitzukommen.
10:06Wohin?
10:08Aufs Präsidium.
10:09Sind wir jetzt verhaftet?
10:10Frau Pohl, Sie haben doch mit der Sache gar nichts zu tun.
10:13Falls Sie das Alibi der Verdächtigen betreffend
10:15eine Zeugenaussage machen wollen,
10:16dann können Sie das auch später tun.
10:17Hören Sie, ich lasse Sonja jetzt nicht allein.
10:20Ich sage Ihnen, ob auf dem Präsidium oder anderswo,
10:22das, was ich Ihnen jetzt gesagt habe,
10:23Sonja war den ganzen Abend mit mir zusammen.
10:26Und deswegen gibt es keine Verdächtige.
10:28Jedenfalls ist Sonja keine.
10:31Frau Tauber, können wir gehen?
10:34Bin ich jetzt verhaftet?
10:36Nein, Sie sind vorläufig festgenommen.
10:38Ich komme mit.
10:40Ich habe es nicht getan.
10:42Sie kann es gar nicht getan haben.
10:44Wir waren den ganzen Abend, die ganze Nacht zusammen.
10:48Wann ist er gestorben?
10:49Ermordet worden?
10:50Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie müssen draußen warten.
10:51Lassen Sie nur.
10:53Wo waren Sie?
10:56In meiner.
10:57In unserer Wohnung.
11:01Wir haben zu Abend gegessen.
11:03Es gab Brote mit Lachs und weichgekochten Eiern darauf
11:06und dazu eine Flasche Wein.
11:08Und dann haben wir Fernsehen gesehen.
11:10Und was?
11:11Ja, wir haben so herumgeschaltet.
11:13Zuerst ein Pfeifel zwei,
11:15aber das nicht von Anfang an.
11:17Und dann irgendeiner von diesen unsäglichen Talkshows.
11:20Hilde Knef war dabei
11:21und der ehemalige Wirtschaftsminister.
11:23Wie hieß er doch gleich?
11:24Ja, und dann gab es Tennis.
11:26Aber das ist doch vollkommen egal.
11:28Ich kann es beschwören,
11:29wir waren den ganzen Abend zusammen.
11:31Sie bestreiten nicht,
11:32Ihren geschiedenen Mann vorgestern Nacht
11:34mit der Waffe in der Hand bedroht zu haben.
11:38Mit einer Spielzeugpistole.
11:40Ja, das hat doch die Polizei,
11:42dieser Kommissar dort überprüft.
11:44Kommissar Sawatzky hat lediglich festgestellt,
11:46dass eine Spielzeugpistole in der Wohnung war.
11:48Und keine andere Pistole.
11:51Er hat keine andere gefunden.
11:56Was wollen Sie damit sagen?
11:58Dass doch eine andere Waffe
12:00eine Schusswaffe in der Wohnung war,
12:02nur dass Ihr Kommissar
12:04es in zweistündiger Suche
12:06nicht finden konnte.
12:09Wollten Sie das unterstellen?
12:10Ja?
12:12Ihre Freundin hat mit der Pistole in der Hand gedroht,
12:15Herrn Tauber zu erschießen.
12:17Einen Tag später wird er erschossen.
12:19Ich heische um Verständnis dafür,
12:21dass wir auf den Gedanken kommen,
12:22Sonja Tauber könnte Ihre Drohung wahrgemacht haben.
12:26Sie durften diesen Gedanken haben, okay.
12:29Danke.
12:30Die Gedanken sind frei.
12:32Aber dieser Gedanke eben war falsch.
12:36Und deshalb möchten wir jetzt gehen.
12:39Warum sind Sie eigentlich nicht Rechtsanwältin geworden?
12:41Kennen Sie Katharina Kleis?
12:45Ja.
12:46Sie werden es mit ihr zu tun haben,
12:47wenn wir jetzt nicht gehen dürfen.
12:49Sie haben mich eingeschüchtert.
12:51Auf Wiedersehen.
12:52Oh nein.
12:53Wir sehen uns nicht wieder.
12:54Das war es ein für allemal.
12:56Ciao.
12:58Komm, Sonja.
13:11Haben Sie wirklich Angst vor Katharina Kleis?
13:15Ich Angst?
13:16Wie kommen Sie denn da auf?
13:18Ich hätte die nie laufen lassen.
13:22Erstens, Savatsky.
13:24Sie hat ein Alibi.
13:26Zweitens, Savatsky.
13:27Nur der, der läuft, kann sich verirren.
13:30Und drittens, sollten wir unserer Sache nicht so sicher sein.
13:34Wir sollten eine wichtige Frage nicht vergessen zu stellen.
13:37Cui Bono.
13:39Wem nützt dieser Mord?
13:40Wer ist Taubers Erbe?
13:42Sicher nicht seine geschiedene Frau.
13:45Mir hat er von einem Bruder erzählt.
13:47Und wenn ich mich recht erinnere, dann war das, was er gesagt hat, nicht sehr freundlich.
13:52Wollen Sie uns Beinarbeit aufhalsen in einem Fall, der klar ist?
13:55Ich, Wölfchen, habe es noch mit keinem Mord zu tun gehabt, der klar war.
13:59Es kommt darauf an, wer der Täter ist.
14:02Zeig mir die Tat und den Täter.
14:04Zeig mir den Hund auf dem Hof.
14:06Zeig mir im Auge des Hundes noch den Schrecken der Tat.
14:12Schiller.
14:18Schiller.
14:20Guten Tag, ich möchte an Peter Tauber sprechen.
14:24Weshalb?
14:24Wer sind Sie?
14:27Hauptkommissar Wolf, Kriminalpolizei.
14:30Leider Herr Tauber ist nicht da.
14:34Und wer sind Sie?
14:35Ich bin Galina.
14:37Galina Kutuzo, das Hausmädchen.
14:39Galina?
14:41Ich weiß, lateinisch heißt es Huhn.
14:43Aber ich bin kein Huhn.
14:46Darf ich einen Moment reinkommen?
14:47Ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen.
14:50Ja, bitte.
14:51Danke.
14:55Wo waren Sie gestern Abend?
14:57Hier.
14:59Oben in meinem Zimmer.
15:01Sie wohnen hier?
15:02Ja.
15:04War er zu Hause?
15:06Ja.
15:08Den ganzen Abend?
15:09Ja.
15:11Was hat er gemacht?
15:14Musik gehört.
15:17Und Sie?
15:18Fern gesehen.
15:20In Ihrem Zimmer?
15:21Ja.
15:23Und Herr Tauber war hier unten?
15:24Ja.
15:26Woher wissen Sie das?
15:27Weil ich die Musik gehört habe.
15:34Aber unten waren Sie nicht.
15:36Doch.
15:37Einmal.
15:39So gegen zehn.
15:40Da habe ich mir ein Glas Limo geholt.
15:42Da saß er da.
15:43Und hat die Musik gehört.
15:45Aber nach zehn.
15:47Danach waren Sie nicht mehr unten.
15:48Nein.
15:49Wann hat Herr Tauber aufgehört, Musik zu hören?
15:52Ich weiß nicht.
15:54So gegen eins bin ich schlafen gegangen.
15:56Da spielt er die Musik noch.
15:57Schöne Musik.
16:00Italienische Opern.
16:01Aida.
16:04Galina.
16:06Könnte es nicht doch sein, dass Herr Tauber gegen halb zwölf das Haus verlassen hat?
16:10Nein.
16:12Warum nicht?
16:13Er hätte die Musik ausgemacht.
16:15Warum?
16:17Er hätte sie ausgemacht.
16:19Lassen Sie Ihre Musik spielen, wenn Sie weggehen?
16:22Hat der Tauber ein Auto?
16:24In Deutschland hat jeder ein Auto.
16:28Hätte er damit wegfahren können, ohne dass Sie es bemerkt hätten?
16:31Nein.
16:32Warum nicht?
16:33Ich hätte es gehört.
16:34Das Anlassen, den Motor.
16:36Auch wenn Sie fallen gesehen haben?
16:40Ich hätte es gehört.
16:44Wo war das Auto geparkt?
16:54Da unten, vor der Garage.
17:01Nicht in der Garage?
17:03Nein, er ist zu faul.
17:04Er fährt jetzt nie rein.
17:06Sind Sie ganz sicher, dass das Auto da geparkt war?
17:12Ja.
17:14Sie zögern?
17:16Er steht immer da, wenn er zu Hause ist.
17:20Wenn etwas immer so ist, achtet man nicht mehr drauf.
17:24Ich danke Ihnen, Galina.
17:27Gern geschehen.
17:30Gern geschehen.
17:32Gern geschehen.
17:40Gern geschehen.
17:52Hallo, Anne.
17:54Na, mein Volk. Ich muss noch mal mit dir reden.
17:57Ja? Über Werin?
17:59Ja, sicher. Es muss doch etwas geschehen in dieser Diebstahlsache.
18:04Ich dachte, das Wichtigste ist geschehen.
18:06Ihr habt den Kram eingepackt und zurückgeschickt.
18:08Ja, aber damit ist es doch nicht getan.
18:11Na, Mann?
18:12Nein.
18:13Sie hätte es schon mal getan und sie kann es jederzeit wieder tun.
18:17Ist dir das klar?
18:20Ich habe mit ihr geredet. Sie wird es nicht wieder tun.
18:22Hast du damals nicht auch mit ihr gesprochen? Beim ersten Mal?
18:26Ja, schon.
18:28Und hat sie es nicht trotzdem wieder getan? Und diesmal gleich en gros?
18:32Also, was schlägst du vor?
18:35Sie muss zu einem Psychoanalytiker.
18:38Wir müssen die Gründe für ihre Kleptomanie herausfinden.
18:42Ellen, sie hat es mir erklärt.
18:43Es hat sie geärgert, dass sie beim ersten Mal erwischt worden ist.
18:46Und jetzt wollte sie beweisen, dass sie es auch kann, ohne erwischt zu werden.
18:49Und dazu brauchte sie gleich eine ganze Kette vom Beweisen? Ja?
18:53Ja, offensichtlich.
18:54Jetzt ist es bewiesen und damit hat die Sache ein Ende.
18:58Das möchte ich von einem Fachmann hören.
19:00Sie hat es meist im KDW geklaut.
19:03Ich arbeite im KDW. Und zwar in einer gehobenen Position.
19:07Wenn sie noch einmal bei uns klaut und die Sache fliegt auf, bin ich erledigt.
19:12Dann bin ich das Gespött aller Kollegen.
19:14Dann kann ich meinen Hut nehmen. Verstehst du das?
19:16Ja, jetzt verstehe ich.
19:18Deshalb die ganze Aufregung.
19:19Ach, komm mir nicht so, Wolf.
19:21Du erziehst das Kind. Und du erziehst es zu einer Diebin.
19:24Und wenn mir das nicht gefällt, wenn ich dich auffordere, Mittel dagegen zu ergreifen,
19:29dann wirfst du mir Selbstsucht vor? Das ist doch absurd.
19:32Sie wird es nicht wieder tun, das verspreche ich dir.
19:33Das kannst du nicht.
19:35Ich werde noch einmal mit ihr reden und dann sage ich dir, ob sie einen Therapeuten braucht oder nicht.
19:40Gut.
20:05Herr Thauber, was hat Sie veranlasst herzukommen?
20:09Mein Bruder ist ermordet worden.
20:11Und Sie waren schon bei mir zu Hause. Da nehme ich doch an, dass Sie mich sprechen wollen.
20:15Richtig. Die Vorladung für Sie ist gerade rausgegangen.
20:18Was wollen Sie mir sagen?
20:20Dass mein Bruder keine Frau mehr hatte, keine Kinder.
20:24Dass ich da alleine aber bin. Er war reich.
20:27Ein paar Millionen. Ich übersehe das noch nicht genau.
20:30Tja, falls Sie noch keinen Täter haben, ich käme natürlich in Frage.
20:35Sind Sie hergekommen, um ein Geständnis abzulegen?
20:37Ich bin hergekommen, um Ihnen zu sagen, dass ich es nicht getan hätte.
20:41Nie hätte tun können. Und dass es keinen Zweck hatte, mich zu verdämpfen.
20:46Stellen Sie sich vor, in meiner totalen Unwissenheit hätte ich genau das getan.
20:50Aber jetzt, wo Sie sich die Mühe gegeben haben, herzukommen und mir das zu sagen,
20:55lasse ich den Verdacht gegen Sie natürlich sofort wieder fallen.
21:01Das war vielleicht ein bisschen naiv von mir, hierher zu kommen, ehe die Einladung, die Vorladung, meine ich, da war.
21:07Trotzdem, ich habe es nicht getan.
21:10Das sagt Ihr Dienstmädchen Galina auch.
21:12Ja, ich weiß.
21:14Waren Sie vorgestern den ganzen Abend zu Hause?
21:17Ja.
21:18Galina ist sich da nicht so sicher.
21:20Doch, doch. Sie weiß das sehr genau. Und das hat sie Ihnen auch gesagt. Versuchen Sie nicht, mich zu blöffen.
21:25Sie glaubt zu wissen, dass Ihr Auto nicht weggefahren ist. Aber Sie hätten ein Taxi nehmen können.
21:31Na dann. Überprüfen Sie die Taxiunternehmen?
21:35Sie konnten mit der U-Bahn fahren.
21:37Na, schwerlich.
21:39Mein Haus ist ein ganzes Stück von der nächsten U-Bahn-Station entfernt. Das Haus meines Bruders auch. Außerdem muss
21:44man umsteigen.
21:46Nein, nein. Die U-Bahn hätte zeitlich nicht funktioniert.
21:49Ich meine, da Galina mich noch nachziehen und gesehen hat.
21:53Was denken Sie über Ihre Ex-Schwägerin?
21:56Sonja?
21:58Ich mag sie. Sie ist schön und...
22:01...heißblütig.
22:03Schade, dass die beiden sich auseinandergelebt haben.
22:06Könnte sie ihn getötet haben, Ihrer Meinung nach?
22:10Wo viel Liebe ist, ist auch viel Hass. Das wissen Sie doch.
22:14Aber ich möchte es Sonja nicht beschuldigen. Ich mag sie, wie gesagt.
22:18Jetzt, wo Ihr Bruder tot ist, ist sie ja frei.
22:22Stellen Sie sich vor, das ist mir auch schon dort in den Kopf gegangen.
22:27Ich habe gelogen.
22:31Nehmen Sie doch Platz.
22:36Ich habe meinen Mann doch mit einer richtigen Waffe bedroht.
22:39Ich hatte mir die Pistole in Spanien besorgt, als ich allein in unserem Haus lebte.
22:46Es gab so viele Einbrüche in der Gegend, da habe ich mir die Waffe besorgt für 50.000 Piseten.
22:56Und warum haben Sie sie mit nach Deutschland gebracht?
22:59Ich hatte Selbstmordgedanken.
23:03Ja.
23:05Ja, vielleicht habe ich sie mir nur deswegen besorgt.
23:09Naja, man weiß ja eigentlich nie, warum man Dinge tut.
23:12Letztlich.
23:13Und dann haben Sie Ihren geschiedenen Mann mit dieser Pistole bedroht?
23:16Ja.
23:22Und das Haus in Spanien wird sich gefordert.
23:24Ja, ich muss ja irgendwo leben.
23:26Und er hat es Ihnen verweigert?
23:28Nein.
23:29Er hat es mir versprochen.
23:31Ja, ich fliege morgen hin, ich ziehe wieder ein, das wollte ich Ihnen nur sagen.
23:35Und wo Sie die Waffe finden können.
23:38Ja?
23:42Ja, am nächsten Tag, am Tag, nachdem ich Karl die Szene gemacht hatte.
23:47Am Mittwochmorgen, da habe ich sie ins Wasser geworfen.
23:50In den Litzensee.
23:52Ja, ich hatte Angst, dass ich mit ihr etwas anstellen könnte gegen Karl oder...
23:59oder gegen mich.
24:05Ich habe sie ins Wasser geworfen.
24:25Und wie hat Hertha gespielt?
24:262-1 von 3.
24:28Scheiße.
24:34Ist das die Waffe?
24:36Ja.
24:39Herr Torber, Sie haben, als Sie gestern im Präsidium waren, vergessen, auf eine recht dramatische Verkettung von Umständen hinzuweisen.
24:46Aha.
24:48Aha.
24:49An demselben Tag, an dem Ihr Bruder ermordet wurde, am Morgen des selben Tages war der Gerichtsvollzieher bei Ihnen, in
24:55der Firma und im Haus.
24:56Und hat Ihnen alles gepfändet, was Sie besitzen.
24:59Ja.
25:01Das war bitter, können Sie mir glauben.
25:04In so einer Extremsituation kann man schon auf extreme Ideen kommen, nicht wahr?
25:09Sie meinen die, seinen Bruder umzubringen?
25:12Ja, zumal, wenn man den Bruder beerbt.
25:14Ich bin nicht auf die Idee gekommen.
25:17Trotzdem gibt es zeitliche Zusammentreffen Ihrer Notlage und Ihrer wunderbaren Errettung zu denken.
25:21Ich hoffe, das verstehen Sie.
25:22Nein, das verstehe ich nicht.
25:24Herr Tauber, ich will...
25:25Sie wollen mir einen Brudermord anlasten.
25:28Dieser Gedanke ist abscheulich und absurd.
25:30Und ich muss Sie bitten, diesen Gedanken nicht ein zweites Mal zu äußern, sonst wird es eng zwischen uns, Herr
25:34Hauptkommissar.
25:36Juristisch und...
25:37Und auch physisch.
25:40Ich habe ihn immerhin so weit aus der Fassung gebracht, dass er mir physisch mit Gewalt gedruckt hat.
25:44Der wäre ich nur zu gern dabei gewesen.
25:47Aber es nützt trotzdem wenig.
25:48Wir haben nichts Konkretes.
25:51Ja.
25:52Und ein Alibi ist schwach.
25:54Das Dienstmädchen sagt, sie hätte Musik aus seinem Zimmer gehört und behauptet, sie hätte gemerkt, wenn er weggefahren wäre.
26:00Dabei kann sie nicht mal mit Sicherheit sagen, wo sein Auto geparkt war.
26:03Auf einem zugegebenermaßen dicken Motiv und einem dünnen Alibi kann man keinen Indizienprozess aufbauen.
26:09Und dass er ihn Prügel angedroht hat, das hätte vor Gericht auch wenig.
26:13Ja, ich weiß.
26:17Wir haben Sie.
26:18Wen?
26:19Sonja.
26:21Karl Taubo ist mit Ihrer Pistole erschossen worden.
26:26Nochmal.
26:27Karl Taubo ist mit der Waffe erschossen worden, die wir aus dem Litzensee gefischt haben.
26:31Der ballistische Befund ist eindeutig hier.
26:37Was?
26:40Sie hat uns selbst die Waffe gezeigt?
26:43Ja.
26:46So blöd kann sie doch gar nicht sein.
26:48Sie hat wahrscheinlich gedacht, dadurch, dass die Pistole im Wasser gelegen hat, könnten wir nichts mehr feststellen.
26:53Nein, so dumm ist sie nicht.
26:54Ich habe schon viele intelligente Menschen Fehler machen sehen.
26:58Nein.
27:00Nein, nein.
27:03Die Sache schmeckt mir nicht.
27:05Ja, mir auch nicht.
27:08Aber hier, bei Sonja, haben wir was.
27:10Und da bei Peter Tauber haben wir nichts.
27:12Sie hat ihren Ex-Mann bedroht.
27:13Sie hatte eine Waffe.
27:15Und die Laboruntersuchung hat ergeben, dass Tauber mit eben dieser Waffe erschossen worden ist.
27:19Ich meine, viel mehr kann man einem Gericht nicht anbieten.
27:22Außer einem Geständnis vielleicht.
27:24Sie hat ein Alibi.
27:26Von einer sehr fragwürdigen Freundin.
27:28Es bleibt ein Alibi, Watzke.
27:31Wir werden sehen, ob Reapol die Schwurhand für Sonja hebt.
27:35Doktor, mein Bauch sagt mir, dass Sie gehörig auf dem Holzweg sind.
27:39Ihr Bauch, ja.
27:40Mein Bauch, ja.
27:43Könnte das sein, dass Sie Sonja Tauber als eine höchst faszinierende Frau empfinden?
27:47Und als eine Art Verschwendung, ein Frevel an der Natur, so viel Frau hinter Gitter zu stecken?
27:54Ich habe auch Argumente.
27:58Das und der suchen nach Argumenten.
28:01Aber wir können uns nur hierauf verlassen.
28:04Sonst sind wir geliefert.
28:30Wie fühlen Sie sich gegen drei Frauen?
28:31Drei?
28:32Ja, die Verteidigerin, die Angeklagte, die Hauptzeugin.
28:37Und wie fühlen Sie sich in Anwesenheit von Katharina Kleis?
28:40Ja, ich.
28:42Da kommt sie übrigens.
28:46Guten Morgen.
28:47Hallo, Katharina.
28:47Guten Morgen.
28:51Ach, das ist vergessen.
28:52Wirklich, Weißchen?
28:54Ja, so gut wie.
28:56Ich hatte übrigens Zeit, über eine vierte Frau, eine Fastfrau nachzudenken.
29:01Ja?
29:01Ich meine, Verena, ich hätte da eine einfache Erklärung für Ihre Diebstähle anzubieten.
29:07Da bin ich aber gespannt.
29:09Sie sagten, die meisten Stücke stammen aus dem KDW.
29:11Ja.
29:12Und Verenas Mutter arbeitet doch im KDW.
29:14Ja.
29:15Und diese Arbeit war doch einer der Gründe für das Scheitern Ihrer Ehe, nicht wahr?
29:20Ja.
29:20Also da liegt es doch auf der Hand.
29:22Das KDW hat Verena die Mutter gestohlen, also bestiehlt Verena das KDW.
29:29Nein?
29:30Doch, doch.
29:31Die Verteidigung hat das Wort.
29:37Hohes Gericht, ich will ohne ausschweifend zu werden, die Vorgänge um den Tod des Karl Tauber noch einmal chronologisch gliedern.
29:48Am Abend des 8.03. suchte meine Mandantin Sonja Tauber ihren geschiedenen Mann auf.
29:55Sie war sehr erregt, weil Tauber sie aufgefordert hatte, das ihm gehörende Haus in Spanien zu räumen.
30:04Sie hatte eine Pistole bei sich, die sie sich in Spanien zu ihrer Sicherheit besorgt hatte.
30:10Sie war angetrunken.
30:12In diesem Zustand flehte sie ihren geschiedenen Mann zunächst an, sie weiter in dem Haus wohnen zu lassen.
30:18Als das nichts nützte, bedrohte sie ihn mit der Pistole.
30:24Aber sie bedrohte nicht nur ihn, sie bedrohte vor allem sich selbst.
30:30Sie drohte Selbstmord zu begehen, wenn es keinen Ort mehr gäbe, wo sie bleiben könne.
30:36Am nächsten Tag suchte Tauber Staatsanwalt Dr. Fried auf, den er privat kannte.
30:43Er bat ihn zu veranlassen, die Polizei möge meiner Mandantin die Waffe abnehmen.
30:48Nicht so sehr, weil er Angst um sein Leben, sondern um das Ihre hatte.
30:56War es so, Herr Staatsanwalt?
30:58Woher wollen Sie das wissen?
31:00Bei diesem Gespräch war doch nur der nun tote Karl Tauber und ich anwesend.
31:04War es so, Herr Staatsanwalt?
31:09Ich werde später meine Ausführungen machen.
31:11Aber es ist richtig, dass er ebenso sehr um das Leben der Angeklagten fürchtete wie um sein eigenes.
31:17Danke.
31:19Am selben Morgen, als sie wieder nüchtern und zurechnungsfähig war,
31:23sah meine Mandantin selbst ein, wie gefährlich es war in ihrem labilen Zustand, eine Waffe zu besitzen.
31:30Sie ging deshalb zum Lietzensee und warf die Waffe weg.
31:37Beweis, ein Polizeitaucher hat die Waffe an der von Sonja Tauber gezeigten Stelle gefunden.
31:45Wollen wir den Taucher als Zeugen hören?
31:49Ich komme jetzt zum Abend des 9., dem Abend der Ermordung des Karl Tauber.
31:59Ich rufe dazu die Zeugin Rea Pohl.
32:02Die Zeugin Rea Pohl.
32:07Die Zeugin Rea Pohl.
32:30Sie sind vom Vorsitzenden belehrt worden, dass Sie hier die Wahrheit sagen müssen und darauf vereidigt werden können?
32:35Ja.
32:36Dann erzählen Sie uns jetzt wahrheitsgemäß, was Sie am Abend des 9.3. gemacht haben.
32:42Sie erinnern sich an diesen Abend?
32:43Ja.
32:45Warum?
32:46Weil am nächsten Morgen die Polizei bei mir war und mich verhört hat.
32:51Bitte.
32:54Ich hatte viertel nach sechs, halb sieben Redaktionsschluss.
32:57Ich bin Journalistin.
32:59War um sieben Uhr zu Hause.
33:01Meine Freundin Sonja Tauber, die bei mir wohnt, war da.
33:04Ich hatte Lachs mitgebracht, wir haben Brote gemacht.
33:08Und dann haben wir ferngesehen.
33:09Zuerst Nachrichten, dann quer rum und gegen eins, viertel nach eins, sind wir zu Bett gegangen.
33:15Sie haben die Wohnung nicht verlassen.
33:20Nein, nur...
33:22Was nur?
33:25Wir hatten gegen halb zwölf Hunger bekommen und ich habe eine Pizza geholt.
33:29Von wo?
33:31Von dem Italiener um die Ecke.
33:32Wie weit entfernt ist diese Ecke von Ihrer Wohnung?
33:37Fünf, acht Minuten.
33:39Sie haben die Pizza sofort bekommen?
33:42Ja, ziemlich schnell.
33:43Was heißt schnell? Fünf Minuten? Zehn Minuten?
33:47Nein, nicht so lange.
33:48Der Italiener ist acht Minuten von Ihrer Wohnung entfernt.
33:52Hinweg, Rückweg, sechzehn.
33:55Sie haben auf die Pizza gewartet, nicht ganz zehn Minuten, sagen wir neun.
34:00Sechzehn und neun sind fünfundzwanzig.
34:03Sie waren also circa fünfundzwanzig Minuten, vielleicht dreißig Minuten außer Haus.
34:07Nicht wahr?
34:08Herr Staatsanwalt, warum lassen Sie die Zeuge nicht unbeeinflusst Ihre Aussage machen?
34:12Der Staatsanwalt hilft der Zeuge nur, sich genau zu erinnern. Bitte.
34:19Wo war die Angeklagte, als Sie nach Hause kamen?
34:23Im Flur.
34:24In welchem Flur?
34:25Im Hausflur.
34:27Was hatte sie dort zu tun?
34:29Sie hatte Zigaretten geholt.
34:31Von wo?
34:32Vom Automaten oder vom Auto.
34:37Ich wiederhole.
34:38Als Sie mit der Pizza nach Hause kamen, trafen Sie die Angeklagte im Hausflur.
34:42Sie war von Ihrem Auto gekommen oder von der Straße.
34:46Haben Sie sie das gefragt?
34:48Sie hat nur gesagt, ich habe mir Zigaretten geholt.
34:52Dann frage ich Sie etwas anderes.
34:54Sie wohnen in der Heerstraße, nicht wahr?
34:57Ja.
34:58Der Ermordete wohnte am Kaiserdamm 31.
35:01Wie weit sind diese beiden Wohnungen voneinander entfernt?
35:05Weiß das jemand oder sollen wir einen Stadtplan holen?
35:09Ja, Herr Kommissar?
35:12Beide Straßen gehen vom Theodor-Heuss-Platz ab.
35:15Die Entfernung beträgt etwa drei Kilometer.
35:19Wie lange würden Sie brauchen von der einen zu der anderen Wohnung im Auto?
35:22Nachts.
35:23Ohne Verkehr.
35:26Sieben, acht Minuten.
35:28Danke.
35:29Ich habe keine weiteren Fragen mehr an die Zeugin.
35:46Na, Würfchen?
35:47Was sagen Sie jetzt?
35:50Ich habe etwas übersehen.
35:54Doktor, ich habe etwas ganz Entscheidendes übersehen, aber es will mir nicht in den Kopf.
35:58Was denn Entscheidendes?
35:59Es ist doch alles klar.
36:01Ich weiß, da ist noch was.
36:02Ich habe es gesehen, aber ich weiß nicht was.
36:05Also ich weiß, dass ich Ihr Alibi zerpflückt habe.
36:09Das macht trotzdem keinen Sinn.
36:11Nehmen wir also an, Sonja Tauber hätte ihren Ex-Garten am 9. erschossen.
36:15Dann muss sie die Waffe nach der Tat in den Litzensee geworfen haben.
36:18Und dann kommt sie zwei Tage später freiwillig zu uns und zeigt uns, wo die Pistole liegt?
36:22Nein.
36:23Nein, Doktor, das hat keine Logik.
36:25Vielleicht hatte sie den Drang zu gestehen.
36:27Warum hat sie da noch nicht gestanden?
36:28Und warum gesteht sie immer noch nicht?
36:30Nein.
36:48Angeklagte, Sie hatten ein Motiv.
36:52Verzweiflung, Enttäuschung, Hass auf den geschiedenen Mann.
36:56Der reich genug war, Sie in dem Haus in Spanien wohnen zu lassen, der Sie dennoch auf die Straße setzen
37:02wollte.
37:03Und Sie hatten eine Waffe.
37:05Aber Sie hatten nicht irgendeine Waffe.
37:08Sie hatten, wie der Experte hier eindeutig festgestellt und überzeugend dargelegt hat,
37:13Sie hatten die Tatwaffe.
37:14Sie haben sie aus Spanien mitgebracht.
37:16Wozu?
37:18In dem Einsamhaus in Spanien brauchten Sie sie vielleicht zu ihrem Schutz.
37:22Aber wozu brauchten Sie sie hier in Berlin?
37:24Wozu?
37:26Und Sie haben kein Alibi.
37:28Sie haben, wie die Zeugin Reapol, wie ihre Freundin Reapol eben ausgesagt hat,
37:34das Haus um halb zwölf verlassen.
37:36Um zehn vor zwölf wurde Karl Tauber erschossen.
37:39Sie hatten vor der Tür ein Auto, mit dem Sie die Wohnung des Ermordeten in wenigen Minuten erreichen konnten.
37:44Sie hatten das Motiv, Sie hatten die Waffe und Sie hatten die Gelegenheit.
37:48Sonja Tauber, warum machen Sie es dem Gericht so schwer?
37:51Warum erleichtern Sie nicht Ihr Gewissen?
37:53Warum legen Sie kein Geständnis ab?
37:56Ich habe es nicht getan.
38:05Hohes Gericht, entschuldigen Sie bitte.
38:16Ich habe, wie Sie wissen, als verantwortlicher Hauptkommissar den hier zur Verhandlung stehenden Mordfall untersucht.
38:22Sie haben Ihre Aussage bereits gemacht, Herr Hauptkommissar.
38:26Ja.
38:27Galina, kommen Sie bitte.
38:29Herr Vorsitzender, ich habe einen wichtigen Punkt übersehen.
38:32Ich habe einen entscheidenden Umstand außer Acht gelassen.
38:35Bitte gestatten Sie mir, das nachtragen zu dürfen.
38:37Bitte sehr.
38:39Ich war während meiner Recherchen auch im Hause des hier anwesenden Peter Tauber,
38:44dem Bruder und Erben des Ermordeten.
38:47Warum?
38:48Ich habe dort in einem Rahmen ein Foto gesehen.
38:51Aber erst heute, während der Verhandlung,
38:54weil sie die Haare wieder so trägt wie auf dem Foto,
38:57habe ich die Frau auf dem Foto als die Zeugin Rea Pol erkannt.
39:01Ja, und?
39:03Ich bin daraufhin sofort zu Peter Taubers Dienstmädchen Galina Kutusova gefahren
39:07und habe sie befragt.
39:10Galina, erzählen Sie dem Gericht jetzt bitte, was Sie mir eben gesagt haben.
39:14Diese Frau betreffend.
39:16Ehe Sie aussagen Galina Kutusova,
39:22muss ich Sie darüber belehren, dass Sie hier die Wahrheit sagen müssen
39:25und dass Sie auf das, was Sie aussagen, vereidigt werden können.
39:29Und dass auf eidlicher wie auf uneidlicher Falschaussage
39:34hohe Gefängnisstrafen stehen.
39:36Haben Sie das verstanden?
39:38Ja.
39:40Bitte nehmen Sie doch Platz.
39:43Und was wissen Sie also über die Zeugin Rea Pol?
39:47Sie ist die Freundin von Herrn Tauber.
39:51Gehen wir aber, Galina.
39:54Sie ist, sie ist die Geliebte von Herrn Tauber.
39:59Sie hat oft im Haus bei ihm,
40:04mit ihm geschlafen.
40:07Woher wissen Sie das?
40:10Ich habe Augen und Ohren.
40:13Ich danke Ihnen, Herr Hauptkommissar.
40:17Denn nun erscheinen die Dinge plötzlich in einem neuen Licht.
40:23Die Zeugin Rea Pol hat nämlich,
40:26indem sie das Alibi der Angeklagten zerstörte,
40:29auch ihr eigenes Alibi zerstört.
40:32Alles, was der Herr Staatsanwalt uns eben über die Zeit
40:35und die Entfernungen gesagt hat,
40:37gilt ebenso für die Zeugin Rea Pol
40:41wie für die Angeklagte Sonja Tauber.
40:43Nicht wahr, Herr Staatsanwalt?
40:45Sehr richtig.
40:46Aber wir wissen jetzt noch etwas mehr.
40:48Wir wissen jetzt, dass sie auch ein Motiv hatte.
40:51Ihr Geliebter, vielleicht ihr zukünftiger Ehemann,
40:54war der Alleinerbe des Ermordeten.
40:56Und es gilt ein Drittes.
40:59Die Zeugin wusste,
41:01dass Sonja Tauber ihren Ex-Mann bedroht hatte,
41:03dass jeglicher Verdacht
41:05auf Sonja Tauber fallen würde.
41:08Und es gilt ein Viertes.
41:12Rea Pol hatte Zugang zu der Tatwaffe.
41:17Ich möchte die Angeklagte noch einmal befragen.
41:20Bitte?
41:28Frau Tauber,
41:30Sie haben die Pistole wirklich in den Lietzensee geworfen.
41:34Ja.
41:36Am Morgen des 9.
41:37Ja.
41:38Sie waren dabei allein.
41:40Ja.
41:43Wusste Rea Pol,
41:46dass Sie die Waffe wegwerfen wollten?
41:49Ja, Sie hatten ja dazu gehört.
41:52Wirf die Waffe weg, hat sie gesagt.
41:54Du machst dich sonst unglücklich.
41:56Hätte Rea Pol Ihnen unbemerkt folgen können?
42:03Ja.
42:05Und so, behaupte ich,
42:09war es.
42:14Rea Pol hat Sonja Tauber eingeredet,
42:16sie müsse die Waffe wegwerfen.
42:18Dann ist sie ihr zum Lietzensee gefolgt,
42:21hat beobachtet, wo sie die Waffe hinwarf.
42:24Und als Sonja Tauber weg war,
42:26hat sie die Pistole aus dem seichten Wasser geholt.
42:29Am Abend des selben Tages
42:31hat sie unter dem Vorwand,
42:33eine Pizza zu holen,
42:34die Wohnung verlassen
42:35und Karl Tauber erschossen,
42:37damit ihr Geliebter das Erbe antreten konnte.
42:40Am nächsten Morgen hat sie die Pistole
42:42wieder in den Lietzensee geworfen
42:44und Sonja Tauber
42:47veranlasst der Polizei,
42:48die Stelle zu zeigen.
42:50Denn Rea Pol wusste ja,
42:51dass die Laboruntersuchung ergeben würde,
42:54dass Karl Tauber
42:55mit eben dieser Waffe
42:57erschossen worden war.
42:59Und damit,
43:01so glaubte die Mörderin,
43:05war Sonja Tauber überführt.
43:14Hohes Gericht,
43:15ich beantrage,
43:16die Mordanklage gegen Sonja Tauber fallen zu lassen.
43:20Ich beantrage,
43:21Mordanklage zu erheben gegen Rea Pol.
43:24Ich beantrage,
43:25Anklage wegen Anstiftung zum Mord zu erheben
43:28gegen Peter Tauber.
43:30Nein, nein, das stimmt nicht.
43:31Ich habe nichts davon gewusst.
43:33Sei still.
43:35Du hast doch gesagt,
43:36nur der Tod meines Bruders kann mich retten.
43:38Hast du doch gesagt.
43:39Wörtlich.
43:39Ja, das stimmt,
43:40das ist richtig,
43:41aber ich habe nicht gesagt,
43:43ich habe nicht gemeint
43:44und nicht gewollt,
43:45dass du es wirklich tust.
43:46Halt den Mund.
43:47Ich habe es für dich getan,
43:48du Fräckling.
43:49Das Geld wolltest du haben
43:50und dir die Finger nicht schmutzig machen,
43:52ja?
43:53Ich finde deine Tat ebenso abscheulich
43:55wie alle anderen hier,
43:56auch wenn sie für mich von Nutzen ist.
43:58Wissen Sie, Herr,
43:59ich bin,
44:01ich habe kein Verhältnis zu Geld.
44:02Ich bin zu großzügig.
44:04Sie hat genau gewusst,
44:05wenn ich das Erbe habe,
44:06dann hat sie es.
44:07Halt die Stimme.
44:07Du hast es nicht für mich getan,
44:08du hast es für dich getan!
44:16Ich danke dir herzlich, Wolf.
44:18Ich vielleicht noch mehr.
44:20Mir schaudert,
44:20wenn ich daran denke,
44:21dass ich im Begriff war,
44:22eine Unschuldige hinter Gitter zu bringen.
44:24Beinahe wäre es Ihnen gelungen.
44:25Ja.
44:25Ich war ja schon geschlagen.
44:27Ja,
44:28wir haben sie damit überführt.
44:30Aber wenn das
44:31und der
44:33dem da nicht das Letzte abverlangt hätten,
44:35dann hätte das hier nie
44:36die Erinnerung an das Foto
44:37ans Licht gebracht.
44:41Wollen wir nicht
44:41einen Kaffee trinken gehen?
44:43Ja, gerne.
45:06Wir sind ein Kaffee trinken.
45:34Untertitelung des ZDF, 2020