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02:48Ah, eine Fahrkarte.
02:50Wird auf der Fähre von Karlshorst abgestempelt.
02:54Entschuldigung, lassen Sie uns kurz einen Moment allein, bitte.
02:58Oh, sorry.
03:02Der Tote ist Anatody Erfimov, russischer Staatsbürger, geboren 1967 in Kirov, wohnhaft in St. Petersburg.
03:12Der Akku vom Handy hat keinen Saft mehr. Geld, Hotel und Kreditkarte sind noch da. Er hat im Urban Hotel
03:18gewohnt.
03:20Die wahrscheinliche Todeszeit ist gestern Abend. Die Erde unterhalb des Körpers ist noch relativ trocken.
03:25Getötet wurde er durch einen Schlag auf den Kehlkopf. Dazu braucht man nicht viel Kraft.
03:29Und der Kehlkopf bricht in sich zusammen, man erstickt. Und das war's.
03:34Da vorne haben wir sich überlagernde Fußspuren in der Ecke. Wahrscheinlich gab's dann eine Rangelei.
03:38Checkst du bitte mal die Überwachungskameras hier rund um den Park?
03:41Ja, klar.
03:42Gestern war der 23. Februar. Der Tag des Verteidigers des Vaterlandes. Ist ein wichtiger Feiertag für die Russen.
03:51Da ehren sie ihre gefallenen Soldaten.
03:54Viele Russen, ehemalige Soldaten oder deren Angehörige kommen dann zum Ehrenmal, um ihrer Toten zu gedenken.
04:00Die Sowjetsoldaten waren früher hier in Karlshorst stationiert.
04:05Wahrscheinlich ist das Opfer mit der Fähre rüber.
04:08Man hat sich dann beim Ehrenmal mit seinem Mörder getroffen.
04:11Können wir mal ganz kurz die Hotelkarte sehen?
04:14Ja.
04:43Können wir mal ganz kurz.
05:12Können wir mal ganz kurz.
05:40Können wir mal ganz kurz.
05:44Der Rekord am Markt will sie die Dämmeren klang, wo sie zu Hause sind.
05:52Wo sie zu Hause sind.
05:59Wo sie zu Hause sind.
06:13Das war eine meiner Lieblingsbands.
06:44Mensch, wenn ich an die Zeiten zurückdenke.
06:46Sobald sein Pass zurückreicht, war das zumindest nicht in den letzten zehn Jahren.
06:50Kann es mal jemand ausmachen, das ist echt schlimm.
06:58Warum schmeißt du eine Kassette, die als Geschenk verpackt ist, in den Mülleimer?
07:02Vielleicht war es ein Geschenk an Ihnen?
07:05Der Ehrentag, diese Rosenblätter, die Kassette klingt alles auf jeden Fall sehr persönlich.
07:11Entschuldigung Leute, aber ich habe einen Arzttermin, ich muss los.
07:14Ist das was Ernstes?
07:15Nee, aber ich konnte es nicht verschieben.
07:17Sorry.
07:21Paul Hartmann, Berlin Property Consulting.
07:25Das war ja gar nicht wegen des Ehrentages hier, sondern einfach nur beruflich.
07:43Wir haben mit Herrn Nefimow alles geschäftliche eigentlich immer per Skype und E-Mail erledigt.
07:48Und warum wollte er diesmal persönlich kommen?
07:51Keine Ahnung, wir waren auch überrascht.
07:53Und da haben Sie nicht nachgefragt?
07:57Meinen Sie, dass ein Tod irgendwas mit unserem Geschäft zu tun hat?
07:59Das können wir Ihnen im Moment noch nicht sagen.
08:02Besteht vielleicht Gefahr für mich.
08:04Oder einen der Mitarbeiter.
08:06Warum geht es denn bei Ihrem Geschäft?
08:09Wir sind auf Stadtverdichtung spezialisiert.
08:11Es geht dabei um den Ausbau einiger Innenhöfe im Bezirk Neukölln.
08:15Damit macht man sich bestimmt nicht allzu viele Freunde.
08:17Nehme ich an.
08:18Leider.
08:19Aber die Verdichtung ist ein ganz normaler Prozess.
08:21Das können Sie in jeder Stadt der Welt sehen.
08:23Entschuldigen Sie.
08:28Ich muss jetzt wirklich dringend los.
08:29Die Bewohner waren...
08:31Eigentlich wollte Herr Nefimow heute persönlich mit Ihnen reden.
08:34Wir sind Bewohnern? Auf Deutsch?
08:36Ja, er spricht...
08:38Sehr gut Deutsch.
08:39Er war in den 80ern in der DDR stationiert.
08:42Also dann, Wiedersehen.
08:44Ah, wissen Sie was?
08:45Wir begleiten Sie.
08:48Ich glaube, das ist für Sie, dass wir Ihnen nichts bringen.
08:52Kommen Sie.
08:58Danke.
09:07Das Bezirksamt, das mag zwar unser Bürgerbegehren abgelehnt haben, aber wir haben die
09:11nötigen Unterschriften.
09:14Herr Bayram, was soll das bringen, die ganze Sache vor das Landgericht zu ziehen?
09:17Sie werden auch dort verlieren.
09:19Aber noch haben wir nicht verloren.
09:20Und überhaupt, wo ist denn Ihr russischer Investor?
09:23Wo ist er?
09:24Sie haben gesagt, wir können heute mit ihm sprechen.
09:26Da hat wohl jemand Angst, sich hier seiner Verantwortung zu stellen.
09:28Herr Efimow, Herr Efimow lässt sich ausdrücklich bei Ihnen allen entschuldigen.
09:33Er ist in Moskau am Flughafen hängen geblieben.
09:37Hören Sie doch auf.
09:38Sie und Ihre Investoren, Sie wollen sich hier die Taschen füllen.
09:40Warum sonst wollen Sie auch noch den Rest der Häuser hier sanieren?
09:43Wir schaffen hier neuen Wohnraum, den die Stadt Berlin dringend braucht.
09:46Und die Modernisierungsumlage auf die Miete wird später absolut im Rahmen bleiben.
09:50Das verspreche ich Ihnen.
09:52Na, was macht Ihr denn hier?
09:53Ihr gehst also zum Arzt, oder?
09:58Das ist halt mein Kiez.
10:00Außerdem, die Initiative, die Efim gestartet hat,
10:02hat mehr als 10.000 Unterschriften gegen die Bebauung gesammelt.
10:04Da will ich halt solidarisch sein.
10:07Und da hat Ihr dein Arzt ein Rezept gegen verschrieben?
10:11Kommen Sie doch mit Ihren Bargern.
10:13Aber nur über meine Leiche.
10:15Nun gut, ich sehe, das hat momentan hier keinen Sinn.
10:18Vielen Dank trotzdem für Ihre Aufmerksamkeit.
10:22Ich komme gleich.
10:34Ist ja nicht so optimal gelaufen.
10:36Ne. War leider zu erwarten.
10:39Ich habe Ihnen ja gesagt, dass eigentlich Herr Efimow mit den Leuten hier reden wollte.
10:44Deswegen ist er extra nach Berlin gekommen?
10:46Irgend ein paar renitenter Mieter?
10:48Es erschien mir, ehrlich gesagt, auch etwas seltsam.
10:51Ich dachte deshalb, er kommt, um den Fonds aus dem Geschäft zu ziehen,
10:54weil ich den ganzen Ärger hier nicht in den Griff kriege.
10:56Das hat er aber nicht gemacht, oder?
10:58Nein.
10:59Ich habe Herrn Efimow vorgestern Abend am Flughafen abgeholt.
11:03Wir waren essen.
11:04Er hat nichts gesagt.
11:06Was haben Sie nach dem Essen gemacht?
11:09Efimow ist danach ins Hotel.
11:10Und wir waren für heute hier verabredet.
11:11Keine Ahnung, was er in der Zwischenzeit gemacht hat.
11:14Und sonst irgendwelche Leute, die Ihnen negativ aufgefallen sind?
11:16Angreiflichkeiten oder sowas?
11:18Sie haben ja selbst gesehen, wie emotional hier alle sind.
11:20Ich hatte Herrn Bayram und den anderen gesagt, dass einer der Investoren in Berlin sein wird heute
11:24und sie vielleicht mit ihm sprechen könnten.
11:26Ich dachte, das würde alle eher etwas beruhigen.
11:28Riecht Ihnen jetzt eigentlich das Geschäft weg?
11:31Nein, ich schätze mal, irgendjemand anderes von der russischen Seite wird die Sache weiterführen.
11:36Wir haben ja einen Vertrag mit der Firma, nicht mit Herrn Efimow.
11:41Ich muss jetzt leider los.
11:42Danke, Herr Hartmann.
11:47Er, so einen Bayram, hat also gewusst, dass Efimow in Berlin war?
11:51Ja, und die 10.000 anderen Unterzeichner wahrscheinlich auch.
11:53Viel Spaß beim Überprüfen.
11:56Vielleicht war er doch hier, um aus dem Vertrag auszusteigen.
12:00Dann hätte Herr Hartmann bestimmt ein kostspieliges Problem gehabt.
12:09Was ist denn mit den Unterlagen von Efimow aus Russland?
12:12Ich habe jetzt die Personalakte bekommen.
12:14Absolut denke ich. Also du bist da völlig auf dem Holzweg.
12:19Das sind Fakten.
12:21Bloß, weil du diesen Ersung kennst, darfst du ihn doch jetzt nicht aus dem Täterprofil ausschließen.
12:25Ich bin nicht parteiisch, Michalski. Ich finde einfach, dass dieser Hartmann das bessere Motiv hat.
12:34Alles klar, Wolf? Alles gut.
12:36Die Überprüfung von Ersung Bayram hat allerdings ergeben, dass er für uns kein Unbekannter ist.
12:41Er hat ein knappes Jahr wegen Körperverletzung und Raub im Jugendstrafvollzug gesessen.
12:45Na ja, und dass er jetzt verdächtig ist, das passt der Frau Kleinefeld nicht.
12:58Das ist ja alles komplett in Russisch. Wie schnell können wir das übersetzen lassen?
13:04Anatolye Fimow.
13:11Krass, Frau Czernay, Sie sprechen in Russisch.
13:14Ja, Herr Schatz, die Klassenbeste.
13:16Chapeau.
13:19Also, Anatolye Fimow diente von 1985 bis 1988 bei der Berlinskaya. Stationiert war er in Berlin Karlshorst.
13:30Was ist die Berlinskaya?
13:32Sowas wie das Gegenstück zur Berlin-Brigade im ehemaligen Westsektor.
13:36Wenn ich mich richtig erinnere, war die Garnison damals auch für die Bewachung des Ehrenmals zuständig.
13:47Er war als einfacher Soldat bei der Ehrenwache.
13:521988 wurde er wegen Trunkenheit im Dienst unehrenhaft aus der Armee entlassen und nach Russland zurückgeschickt.
13:59Wegen Trunkenheit im Dienst?
14:01Steht hier so.
14:02Also, deswegen wäre bei uns keiner aus der Truppe geflogen?
14:06Na ja, das war damals relativ üblich als Begründung, um Soldaten, die in der DDR straffällig geworden waren, aus der
14:11Schusslinie zu nehmen.
14:13Und die haben die dann einfach zurück in die Sowjetunion geschickt?
14:15Einfach weiß ich nicht, aber zumindest hatten die DDR-Behörden so keinen Zugriff mehr auf die betreffende Person.
14:20Ja, und die Kommandanten hatten keinen Ärger, die Akte wurde geschlossen und die Freundschaft zum großen Bruder, die blieb bestehen.
14:28Ich dachte, die DDR hatte genau wie wir ein eigenes Rechtssystem, wenn man es so nennen konnte.
14:32Die Sowjetarmee hat sich trotz Souveränität und Stationierungsabkommen mit der DDR nicht an die Regelung gehalten.
14:38Bis 1994, also bis zu ihrem Abzug, hatten sie immer das Selbstverständnis einer Besatzungsmacht.
14:44Inge, ich brauche so schnell wie möglich Einsicht in die Akten, die von der damaligen Behörde für diesen Fall angelegt
14:49wurden.
14:49Ja, das heißt dann Militärarchiv und BSDU, vielleicht haben die noch was.
14:54Was ist mit der Familie?
14:56Jefimovs Ehefrau wirkte schockiert am Telefon. Sie hätte gar nicht gewusst, dass er nach Berlin geflogen ist.
15:04Ihr hätte er gesagt, er fliegt nach Moskau. Und über seine Zeit in Berlin damals hätte er zu Hause nie
15:10gesprochen.
15:31Der Todeszeitpunkt gestern lag zwischen 16 und 18 Uhr. Wie schon vermutet ist das Opfer an dem zertrümmerten Killkopf erstickt.
15:37Ein Mangel an essentiellen Fettsäuren hat zu großflächigen Hautekzemen geführt.
15:43Die Vernarbungen sind wahrscheinlich Resultat einer Superinfektion der betroffenen Hautpartien.
15:48Zudem zeigen die Knochen Anzeichen von Osteoporose und er hatte Diabetes.
15:52Hm.
15:54Wir haben in seinem Hotelzimmer Insulin, Schmerz und Vitaminmittel gefunden.
15:57Er muss lange Zeit unter starkem Nährstoffmangel gelitten haben.
16:00Ein Großteil seiner Zähne sind Implantate.
16:03Ich denke, das ist auch auf den Mangel zurückzuführen.
16:05Kommt das aus seiner Zeit als Soldat?
16:08Nehme ich an, ja.
16:11Ja, die Bedingungen in den Kasernen damals waren ja auch katastrophal.
16:16Massenunterkünfte, ungenießbares Essen.
16:18Systematische Gewalt der höheren Ränge gegenüber den Soldaten.
16:22Auf jeden Fall wurde er heftig geprügelt.
16:24Die mehrfachen Rippenbrüche hier und der Schlüsselbeinbruch stammen wahrscheinlich genau aus dieser Zeit.
16:30Ist auch alles schlecht verheilt.
16:31Kein Wunder, dass so viele Soldaten disertiert sind oder sich das Leben genommen haben.
16:44Ersun Bayram, 25 Jahre und wie gesagt kein Unbekannter bei uns.
16:48Er war Mitglied einer Neuköllner Jugendgang, wurde mehrfach von der Schule verwiesen
16:52und von der Polizei wegen Ladendiebstahl und Bedrohungen mit einem Messer einkassiert.
16:57Dann ging er schließlich für 10 Monate wegen Körperverletzung in den Jugendknast.
17:01Mag sein, aber auf mich wirkt er nicht wie ein Mörder, nur weil er in einer Jugendgang war.
17:05Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass er eine ziemlich intensive kriminelle Vergangenheit hat, Frau Kleinefeld.
17:10Aber eine Jugendstrafe ist ein bisschen dünn, um sie jetzt als Indiz für einen Mord anzuführen, Herr Michalski.
17:15Ich verstehe nicht, warum du bei dem Typen deine Professionalität feindest.
17:19Du bist doch keine Polizeischülerin mehr.
17:22Verena, kommst du bitte mit? Ich möchte mich nochmal mit Ersun Bayram unterhalten.
17:27Ja, gerne.
17:43Ersun hat nichts mit dem Tod dieses Mannes zu tun.
17:47Er hat aus seiner Zeit im Gefängnis gelernt und uns versprochen, solche Dummheiten nicht mehr zu machen.
17:53Er arbeitet sehr hart auf dem Großmarkt.
17:56Jeden Tag bei den Blumen.
17:59Kommst du mal bitte?
18:08Möchten Sie?
18:09Danke.
18:10Bitte.
18:13Vielen Dank.
18:16Danke.
18:21Hatte Ihr Sohn eigentlich noch Kontakt zu seiner Jugendgruppe?
18:24Nein.
18:25Nein.
18:27Hi.
18:29Hallo, Verena.
18:34Danke, Herr Bayram.
18:35Wir haben noch ein paar Fragen mit Sie.
18:37Kannst du uns erklären, wo du das hier hörst?
18:41O, was ich nicht, was meine Vater nicht einmal zu denken ist?
18:43Mesut?
18:44O, was ich nicht sagen?
18:45Nein, nur noch nicht.
18:48Warum, was ich nicht sagen?
18:49Was ich nicht sagen?
18:49Wer geht es nicht.
18:50Ich mache es nicht.
18:52Oh.
18:52Oh!
18:53Oh.
18:53Oh, oh!
19:01Oh.
19:12Scheiße!
19:18Ja?
19:19Die Fahndung nach Erso im Beiraum ist raus.
19:21Aber wie konnte der überhaupt abhauen?
19:23Das kann dir Verena gleich erzählen.
19:25Die ist auf dem Weg zu euch.
19:26Und da bin ich aber mal gespannt.
19:29Was mit dem Alibi von Paul Hartmann?
19:31Der war zur Tatzeit bei seinem Notar im Büro.
19:34Inge hat das gecheckt.
19:36Gut, dann streichen wir den erst mal von der Liste.
19:38Was hat die Nachfrage beim Militärarchiv ergeben?
19:41Also in Freiburg ist nichts, aber beim BSTU, da sind Unterlagen im Archiv.
19:45Okay.
19:46Okay.
20:20Danke.
20:29Viele der Akten sind durch die Wirren der Wendezeit ganz verloren gegangen oder nur noch teilweise erhalten.
20:36Kaffee?
20:39Danke.
20:40Nein.
20:54Therese Stein gegen Anatoly Iphimov.
20:59Trunkenheit, unerlaubte Kontakte zu einer Zivilperson, Rücksendung, Einmalzahlung 1000 Mark an T.Stein, Ermittlungen eingestellt.
21:17Therese Stein ist in diesem Sommer im Alter von 79 Jahren verstorben.
21:22Gab es einen Ehemann oder Kinder?
21:24Der Ehemann ist schon seit einigen Jahren tot, aber es gibt eine Tochter, Helga Stein.
21:31Sie ist Pastorin an der St. Markus Kirchengemeinde in Pankow.
21:35Dort hat er auf Therese Stein zuletzt gewohnt.
21:37Okay, danke dir.
22:15Guten Tag, Schumann, der LKA.
22:18Hallo.
22:22Sind wir uns nicht bei der Fähre am Tatort begegnet?
22:25Direktion 6, Abschnell 65. Wir sind für den Park zuständig.
22:28Max Stein, Polizeimeister. Das kann ich wie Sie tun.
22:32Habe ich was falsch gemacht?
22:34Sind Sie der Sohn von Helga Stein?
22:37Ja.
22:38Ich würde gerne mit Ihrer Mutter sprechen.
22:41Okay, kommen Sie rein.
22:45Mama, kommst du mal bitte?
22:50Guten Tag.
22:52Guten Tag, Frau Stein.
22:53Mama, das ist Kommissar Schumann.
22:55Sind Sie denn Kollegen von Max?
22:57So ähnlich. Wir haben den gleichen Arbeitgeber.
23:00Was kann ich denn für Sie tun?
23:01Kennen Sie Anatoliy Efimov?
23:04Ein toter Mann, den wir gestern früh und bald beim russischen Ehremann gefunden haben.
23:09Kannst du ihn?
23:11Nein, der Name sagt mir nichts.
23:13Und Ihnen?
23:15Nein, sonst hätte ich ja gestern vor Ort schon was gesagt.
23:17Aber wie kommen Sie überhaupt darauf, dass es da eine Verbindung geben könnte?
23:20Ich dachte nur, weil Ihre Mutter, Therese Stein, 1988 eine Strafanzeige gegen ihn gestellt hat.
23:27Eine Strafanzeige?
23:30Also, ich weiß nichts von einer Anzeige.
23:33Soll das was mit dem Tod dieses Mannes zu tun haben?
23:37Meine Mutter ist vor einem halben Jahr gestorben.
23:40Und 1988 ist sehr lange her.
23:43Dürfte ich mir bitte trotzdem kurz Ihr Zimmer anschauen?
23:45Vielleicht hilft mir das weiter.
23:47Ihre Mutter hat doch hier gewohnt.
23:48Ja, sie hat hier gewohnt, aber in dem Zimmer wohnt jetzt Max.
23:51So, musst du nicht los?
23:58Mein Zimmer.
24:01Es war ein bisschen ein Durcheinander.
24:03Und bitte.
24:16Durcheinander?
24:19Die Schrankwanz ist das Einzige, was noch von Großmutter heißt.
24:22Warum sind Sie eigentlich wieder bei Ihrer Mutter eingezogen?
24:27Ich wollte Sie nach Großmutter das Tod nicht alleine lassen.
24:30Außerdem mag ich es hier.
24:32Schön ruhig.
24:34Ich habe vorher an der Leipziger Straße gewohnt.
24:37Es war fast wie an der Autobahn.
24:40Gratuliere.
24:41Danke.
24:47Es ist mein erster Schultag mit Mama und Großmutter.
24:50Ich muss los.
24:59Halten Sie uns auf dem Laufenden?
25:02Sicher.
25:11Ich müsste jetzt rüber in die Kirche, Herr Schumann.
25:17Darf ich?
25:27Und dass Ihr Sohn jetzt wieder hier bei Ihnen wohnt, ist das in Ordnung für Sie?
25:31Ja, Berlin ist teuer geworden.
25:34Und das Zimmer war frei.
25:37Danke fürs Tragen.
25:39Aber ich weiß überhaupt nicht, wie ich Ihnen helfen kann.
25:42Wie gesagt, ich kannte den gar nicht, diesen Yifimov.
25:45Ich glaube Ihnen nicht, dass Sie nichts von der Strafanzeige gewusst haben.
25:49Sicher.
25:49Es gab damals keine Verhandlung.
25:51Aber es wurde eine Abfindung von Tausend Ostpark an Ihre Mutter gezogen.
25:54Es war also keine Kleinigkeit.
26:02Wie gesagt, ich weiß nichts von einer Anzeige.
26:06Meine Eltern haben nie mit mir über ihre persönlichen Angelegenheiten geredet.
26:10Und schon gar nicht, wenn es um die Besatzungszeit oder politische Dinge ging.
26:17Meine Mutter hat als kleines Mädchen den Einmarsch der Russen in Berlin miterlebt.
26:24Daher hatte sie wohl auch immer starke Vorbehalte gegen die Russen.
26:28Was ist 1988 passiert?
26:32In den Unterlagen steht etwas von Trunkenheit und einem unerlaubten Kontakt zu einer Zivilperson.
26:39Was genau war damit gemeint?
26:42Keine Ahnung.
26:46Okay.
26:47Wir fordern gerade die Originalunterlagen aus dem Militärarchiv in Moskau an.
26:53Die sind nicht geschwärzt, die lassen wir übersetzen und dann schaue ich einfach mal wieder hier vorbei.
26:59Herr Schumann.
27:04Ich denke, dass meine Mutter damals vergewaltigt wurde.
27:12Von Anatoly Yifimov?
27:13Ich weiß nicht, wie der Mann hieß.
27:16Diese ganze Geschichte.
27:18Es war bei uns absolut tabu, darüber zu reden.
27:22Und meine Mutter hat mir nie genau erzählt, was da eigentlich passiert ist.
27:25Aber ich konnte mir das nach und nach zusammenreimen.
27:28Das geschah wohl auf dem Heimweg von der Arbeit.
27:33Das muss schrecklich gewesen sein.
27:35Meine Mutter war danach wie...
27:39verwandelt.
27:51Was ist das?
27:54Ein Geschenk.
27:59Mit Musik aus der damaligen DDR.
28:02Anatoly Yifimov war aus persönlichen Gründen hier.
28:06Vielleicht ist er gekommen, um sich jetzt nach dem Tod ihrer Mutter zu entschuldigen?
28:11Für das, was er ihr und ihre Familie angetan hat?
28:17Wer weiß, wen dieser Mann hier alles kannte.
28:20Und meine Mutter hat ihm bestimmt nicht hinterher noch eine Kassette geschenkt.
28:23Außerdem ist sie tot.
28:27Entschuldigen Sie mich jetzt, Herr Schumann.
28:28Ich muss weitermachen.
28:38Helga Stein hält es für möglich,
28:40dass die Militärbehörde der DDR damals wegen der Vergewaltigung ihrer Mutter Therese Stein
28:45gegen Anatoly Yifimov ermittelt hat.
28:48Das wäre Grund genug gewesen für die Sowjets,
28:51den Fall auf ihre Art zu lösen.
28:53Die Akten zu schüllen und Yifimov wegzuschicken.
28:56Kannten Helga oder Max Stein Anatoly Yifimov?
29:00Angeblich beide nicht.
29:02Wer hat denn diese Zahlung von 1000 Mark an Therese Stein veranlasst?
29:09Oberleutnant Koroljow.
29:11Mikhail Koroljow.
29:12Kannst du mal rausfinden, was der jetzt genau macht und wo er sich aufhört?
29:17Irgendwie war dieses Gespräch komisch.
29:19Irgendwas passt da nicht.
29:21Vielleicht kann uns ja dieser, wie heißt der?
29:23Koroljow.
29:24Koroljow, vielleicht kann der uns ja erzählen, was damals passiert ist.
29:29Einer meiner Informanten hat mir gesteckt, wo er so ein Bayram ist.
29:34Bayram sitzt im hinteren Bereich der Bar, versucht sich Geld zu nennen.
29:37Komm, gehen wir.
29:56Die Bundeswehr.
30:01Braveineole.
30:03Ich bin hinter ihm.
30:04Der Haupt herz acontece nicht mehr.
30:05Vielleicht?
30:10Einfach nicht mehr.
30:11Shinnear Sohn 2 Re입니다.
30:12Einer wände, wo er sich ging vielleicht suchen?
30:32So, ganz ruhig jetzt hier.
30:37Ja.
30:47Entschuldige bitte.
30:49Alles gut.
30:50Mich hat wahrscheinlich genauso reagiert.
30:54Sehen Sie sich das Bild ruhig ganz genau an.
31:01Ich habe diesen Mann nie getroffen.
31:03Sie wussten aber, dass er in der Stadt ist.
31:06Ja.
31:07Aber ich habe ihm nichts getan.
31:10Ihren Eltern haben Sie auch erzählt,
31:11sie würden jetzt auf dem Großmarkt arbeiten
31:13und ihre alten Freunde nicht mehr treffen.
31:17Das sind aber keine Blumen.
31:20Also, warum sollte ich Ihnen glauben?
31:24Soll ich sagen, es war dumm von mir, okay?
31:26Ja, das stimmt, es war dumm.
31:28Sie haben sich damit nämlich zum Hauptverdächtigen gemacht.
31:32Ich habe diesen Mann nicht getötet.
31:34Warum auch?
31:36Diese Immobilienfuzzis sind wie die Pest.
31:37Wenn der eine weg ist, dann kommt der nächste.
31:39Und die Politik tut einen Scheiß dagegen.
31:41Die haben nämlich alle selber Immobilien
31:42und freuen sich über die Wertsteigerung ihrer Boden.
31:45Dann wundern sich alle, warum die Leute jetzt diese rechten Penner wählen.
31:49Haben Sie denn ein Alibi für die Tatzeit?
31:55Verstehe. Und wo?
32:00Hermannplatz.
32:02Es wird seinen Eltern aber nicht gefallen.
32:16Bruno, ich bin spät geworden, aber ich habe doch noch was gefunden.
32:20Auf einer russischen Homepage von Veteranen, die hier stationiert waren.
32:24Das ist Jefimov und das ist Korolev, sein Vorgesetzter.
32:32Die Moskauer Kollegen haben Informationen über ihn geschickt.
32:37Ich habe dir eine Übersetzung reingelegt.
32:41Korolev wurde 1955 in Kirov geboren, in demselben Ort wie Jefimov.
32:47Und beide waren in Berlin-Karlshorch stationiert.
32:51Jefimov wurde 1988 entlassen.
32:54Ja, und Mikhail Korolev ist 1994 aus der Armee als Oberleutnant ausgeschieden,
33:01ist aber in Berlin geblieben.
33:02Er hat ein Import-Export-Unternehmen gegründet
33:05und dank seiner Kontakte hier mit so ziemlich allem gehandelt,
33:08was die Armee damals zu verkaufen hatte.
33:11Sag mal, wie weit seid ihr jetzt mit dem Laptop von Jefimov?
33:16Die Kollegen sind noch am Auswerten.
33:18Das dauert, ist eben alles auf Russisch.
33:20Naja, kann ja auch nicht jeder Klassenbeste sein.
33:44Herr Korolev?
33:47Schon mal in LKA.
33:49Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen.
33:54Haben Sie sich hier zum Gedenken mit Anatoly Jefimov getroffen?
33:58Nein.
33:59Ich wusste ja gar nicht, dass sie in der Stadt war.
34:02Wann haben Sie sich denn zum letzten Mal gesehen?
34:04Oh, das sollte Ende der 80er Jahre sein.
34:11Kurz bevor er zurück in die Sowjetunion geschickt wurde.
34:14Nach der Vergewaltigung von Therese Stein.
34:17Vergewaltigung?
34:19Es gab keine Vergewaltigung.
34:23Soweit ich mich erinnere, in der Anzeige ging es um Trunkenheit im Dienst.
34:29Und um einen verbotenen Kontakt zu einer Zivilperson.
34:33Ja, wissen Sie, Herr Schumann, wie es damals war.
34:40Wir waren die Besatzer.
34:43Und sehr viele Menschen haben uns dafür gehassen.
34:46Und diese Vergewaltigung war die Erfindung dieser Frau.
34:51Weil die gegen die Beziehung war.
34:53Welche Beziehung?
34:55Nach der Beziehung ihrer Tochter und Anatoly Jefimov.
35:00Moment.
35:03Es ging gar nicht um Therese Stein, sondern um ihre Tochter Helga.
35:06Sie wurde vergewaltigt?
35:08Ich weiß jetzt nicht mehr, wie das Mädchen hieß.
35:12Auf jeden Fall, Vergewaltigung war die Idee dieser Mutter,
35:15die unseren Ruf schädigen wollte und uns erpressen wollte.
35:19Deswegen wurden wir 1.000 Mark gezahlt.
35:23Wissen Sie, es fällt mir schwer zu glauben, dass die sowjetische Armee sich erpressen ließ.
35:29Ich habe das veranlasst, um Anatoly zu beschützen.
35:34Warum denn?
35:37Sie haben den Bericht geschönt und die Anzeige begraben.
35:42War das nicht auch riskant für Ihre Karriere?
35:45Anatoly und ich teilten die gleiche Heimat.
35:50Und das bedeutet für uns etwas, Herr Schumann.
35:54Warum sind Sie eigentlich in Berlin geblieben, wenn Ihnen die Heimat so viel bedeutet?
36:01Russland war damals schwach, chaotisch.
36:05Die Führung hat uns verraten.
36:08Die guten Offiziere, die nach Hause kamen, standen vor dem Nichts.
36:12Es gab keine Wohnung, denn unsere Privilegien wurden gestrichen.
36:16Die Kameraden mit den Familien standen einfach auf der Straße,
36:20haben kaum genug zu essen gehabt.
36:25Es war eine Schande, wie unser Vaterland sich benommen hat.
36:30Aber jetzt haben Sie ja wieder einen starken Mann in Moskau.
36:35Keine Sorge, Herr Schumann.
36:37Meine Gebeine werden in der Heimat beigesetzt.
36:41Aber bis dahin machen Sie weiter Geschäfte mit dem alten Feind.
36:45Äh, bis zuerst gesagt war, das Geld macht alle Ungleichheiten gleich.
36:55Es gibt Leute, die bezahlen für Geld jeden Preis.
37:00Schuppenhaue.
37:18Warum ist der Filmhof zurück nach Deutschland?
37:21Nach über 30 Jahren.
37:26Sag mal, Inge, kannst du auf Efimovs Laptop noch mal was prüfen?
37:32Sicher.
37:33Dann schick doch bitte mal, ob auf dem Rechner irgendwo der Name Max Stein auftaucht.
37:37Okay.
37:39Paul Hartmann ist hier. Von dieser Immobilienfirma.
37:46Ja, ich denke, damit sind ja dann alle Formalitäten erledigt.
37:49Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.
37:51Herr Hartmann.
37:52Was verschafft uns die Ehre?
37:54Das werden Ihnen Ihre Kollegen sicher gleich selbst berichten.
37:57Ich wollte die Gelegenheit aber nutzen, um abzuklären,
37:59ob es weitere Neuigkeiten über den Mörder von Herrn Efimov gibt.
38:01Oder ob ich und meine Mitarbeiter sich weiter Sorgen machen müssen.
38:05Ich kann Ihnen natürlich keine Details aus einer laufenden Ermittlung nennen.
38:08Aber ich denke, weder Sie noch Ihre Mitarbeiter sind in Gefahr.
38:12Gut, vielen Dank.
38:14Dann vielen Dank für die Kooperation und einen schönen Tag.
38:21Was wolltet ihr denn von euch?
38:24Paul Hartmann hat Ersun Bayram einen Top-Anwalt besorgt, der ihn aus der Urhaft geholt hat
38:28und ihn jetzt wegen der Drogensache vor Gericht vertritt.
38:31Jetzt rate mal, was der Preis dafür war.
38:33Ersun Bayram hat seine Initiative zurückgezogen.
38:36Die Sache geht nicht mehr vor Gericht.
38:38Ich fasse es nicht. So ein Arsch!
38:53Herr Schumann, was kann ich denn noch für Sie tun?
38:56Sie haben mich angelogen, Frau Stein.
38:58Was meinen Sie?
39:00Sie hatten eine Beziehung mit Anatoly Efimov.
39:02Ja, ich kannte ihn. Aber wir hatten keine Beziehung. Sind Sie jetzt zufrieden?
39:08Und warum die Lüge mit Ihrer Mutter und der angeblichen Vergewaltigung?
39:12Weil ich diese ganze Geschichte nach so vielen Jahren nicht noch mal hochkommen lassen möchte.
39:16Verstehen Sie das denn nicht?
39:17Meine Mutter konnte es einfach nicht ertragen, dass mir ausgerechnet ein russischer Soldat den Hof gemacht hat.
39:22Sie hat die Russen einfach gehasst.
39:24Also hat sie die Vergewaltigung wirklich nur erfunden?
39:29Sie wollte ihr Leben lang nie mit mir darüber sprechen.
39:33Aber Sie und Efimov waren ein Paar.
39:39Hat Anatoly Efimov Kontakt zu Ihnen aufgenommen?
39:42Ist er deshalb nach Berlin gekommen?
39:44Um in die Kassette zurückzugeben?
39:46Nein.
39:49Sind Sie sicher?
39:50Ja. Gehen Sie es bitte.
39:53Hatte Ihre Mutter doch einen Grund zur Anzeige?
39:55Hat Efimov Sie vergewaltigt?
39:58Nein.
40:01Warum denn die 1000 Mark?
40:02Keine Ahnung. Ich war nicht dabei.
40:06Es war ein Schweigegeld. Aber wofür?
40:08Ich weiß es nicht, Herr Schumann. Wie oft soll ich Ihnen das noch sagen?
40:12Anatoly war nicht hier und es hat mir auch niemand irgendeine Kassette gebracht.
40:16Gehen Sie jetzt bitte.
40:25Der Name Max Stein ist in Efimovs Laptop aufgetaucht. Er hat ihm eine E-Mail geschrieben.
40:31Sehr geehrter Herr Efimov, ich schreibe Ihnen aus Berlin. Ich weiß nicht, ob Sie der Anatoly Efimov sind, den ich
40:39suche.
40:39Wenn Sie allerdings zwischen 1985 und 88 in Karlshorch stationiert waren und eine Helga Stein kannten, würde ich mich freuen,
40:49Sie kennenzulernen.
40:52Max hat seinen Vater gesucht und hat ihn im Internet gefunden.
40:56Anatoly Efimov.
40:57Helga Stein hat ja zugegeben, dass Sie und Efimov ein Paar waren.
41:03Vom Alter her würde es passen. In der Geburtsekunde steht, dass der Vater unbekannt war.
41:07Aber warum hat Helga Stein ihrem Sohn nicht gesagt, wer sein Vater ist?
41:11Dafür gibt es nur einen Grund. Sie und Koroljev lügen.
41:16Helga wurde vergewaltigt, nicht ihre Mutter. Und das Kind dieser Vergewaltigung ist Max.
41:22Und du meinst, er hat es rausgekriegt?
41:45An Ihnen ist ja ein Scharfschätze verloren gegangen.
41:48Hallo, Herr Schumann.
41:50Ja, es ist mir immer leicht gefallen, das Schießen.
41:54Sie kannten den Toten sehr wohl, Herr Stein.
41:58Anatoly Efimov ist sogar nur wegen Ihnen nach Berlin gekommen.
42:03Sie haben die E-Mails gefunden.
42:05Haben wir.
42:07Sie haben es nicht für notwendig gehalten, uns zu informieren?
42:12Es tut mir leid.
42:14Aber als er nicht zu unserer Verabredung erschienen war und dann tot im Park lag,
42:19ich wollte da nicht reingezogen werden.
42:21Das kann ein Nachspiel für Sie haben.
42:23Ja, ich weiß.
42:25Es war nicht die Klügstaktion.
42:29Wo waren Sie denn zum Zeitpunkt des Todes von Herrn Efimov?
42:33Wir waren an dem Nachmittag in seinem Hotel verabredet.
42:36Er ist nicht aufgetaucht.
42:37Im Hotel?
42:40Nicht am Ehrenmal?
42:42Die Dame an der Rezeption müsste Ihnen das bestätigen können.
42:48Seit wann hatten Sie eigentlich die Vermutung, dass er Ihr Vater sein könnte?
42:55Nach dem Tod meiner Großmutter habe ich in ihren Unterlagen die Strafanzeige gefunden.
43:01Das Meister war zwar geschwärzt, aber der Name Efimov stand da.
43:04Den habe ich dann im Internet recherchiert und ihm diese Mail geschrieben.
43:09Haben Sie mit Ihrer Mutter darüber gesprochen?
43:11Nein.
43:13Nein, ich wollte Efimov erst mal alleine treffen.
43:15Sehen, wie es so ist.
43:16Fragen, was damals passiert ist.
43:19Sie wollten die Antworten von ihm selbst halten.
43:22Wer Ihre Mutter nie mit Ihnen darüber gesprochen hat.
43:30Meine Mutter ist, wie meine Großmutter, eine sehr, sehr distanzierte Frau.
43:37Und es gab nie eine Bestätigung, kaum einen Kuss oder eine Umarmung.
43:42Ganz so, als ob Sie Angst gehabt hätten, dass ich Sie mit irgendwas anstecken könnte.
43:47Die Wettkämpfe, die Polizeilaufbahn.
43:50Alles nur, um die Zuneigung Ihrer Mutter zu gewinnen?
43:57Sie wissen, dass Sie jetzt vorläufig suspendiert werden.
44:00Wieso?
44:02Ich weiß doch nicht einmal, ob Anna Dolly Efimov überhaupt mein Vater war.
44:06Wieso soll ich da nicht weiterarbeiten können?
44:07Weil Sie persönlich in den Fall involviert sind.
44:09Aber ich bin doch nicht in die Ermittlungen eingebunden.
44:11Aber Sie hatten Kontakt zu dem Opfer.
44:13Das müssen wir Ihrer Dienststelle melden.
44:16Ja, das muss ich nicht in den Tag kommen.
44:26Einmal fassen.
44:28Tiefen Blute fühlen.
44:33Dies ist mein Um, es ist nur durch dich.
44:46Betty ist eine schöne Frau
44:49Dass nicht nur ich sie liebe
44:51Weiß ich ganz genau
44:53Und doch was geht in Ordnung
45:00Oh, wir finden uns irgendwo
45:03Wenn einer von uns mal wieder völlig am Ende ist
45:06Und ziehen uns wieder hoch
45:25Ja, danke. Schönen Tag noch.
45:28Die Dame an der Rezeption hat bestätigt,
45:30dass Max Stein gegen halb fünf im Hotel war.
45:33Aber wie lange, konnte sie nicht sagen.
45:35Heißt also, er könnte es theoretisch gewesen sein.
45:39Das hier sind alles Lieder aus der DDR.
45:42Über die Liebe, über die Freiheit.
45:46Was hatten diese beiden bei dem Ehrenmahl zu suchen?
45:49Bei Koroljow ist es klar, der ist Nationalist.
45:51Aber Efimov?
45:53Der hat eine Kassette mit Liebes- und Freiheitsliedern
45:56über Jahrzehnte lang aufbewahrt und abgespielt.
45:59Hat sie mit Rosen als Geschenk verpackt.
46:01Er hat sich damals unerlaubterweise von seiner Truppe entfernt,
46:05um sich mit Helger Stein zu treffen.
46:06Auch das war strengstens verboten.
46:09Dazu seine Verletzung, die Mangelerscheinung.
46:12Also, Anatoly war in meinen Augen alles andere als ein strammer Patriot.
46:18Er war verliebt.
46:20Wahrscheinlich viel zu weich für das Leben in der Kaserne.
46:24Eher jemand, der seine große Liebe wieder treffen wollte.
46:27Und er könnte vielleicht auch seinen Sohn kennenlernen.
46:31Das passt alles nicht zusammen.
46:37Warum hat Koroljow überhaupt die Bezahlung
46:40von diesem Schweigegeld veranlasst?
46:43Wofür wurde das bezahlt?
46:45Wissen wir, wo er zum Tatzeitpunkt gewesen ist?
46:55Danke, dass Sie sich heute noch mal mit mir hier treffen.
46:58Ich komme sowieso gerne her.
47:01Dieser Ort lässt einen immer wieder die Größe der Geschichte spüren.
47:06Hat dieser Ort Sie am 23. auch nicht mehr losgelassen?
47:11Als Anatoly Yefimov am späten Nachmittag hier starb,
47:15haben Sie hier mit ihm verabredet?
47:16Natürlich war ich an dem Tag hier
47:18und habe unsere gefallenen Kameraden gehört.
47:23Ich bin 65 Jahre alt, Herr Schumann, und es war kalt.
47:26Ich habe natürlich nicht getroffen
47:28und Nachmittag war ich wieder zu Hause allein.
47:33Sagt Ihnen der Name Max Stein etwas?
47:35Nein.
47:36Ah, ist das der Mann, der Anatoly getötet hat?
47:39Nein.
47:41Das ist der Junge, der aus der Vergewaltigung entstand.
47:44Oh Gott, ich habe Ihnen schon gesagt, es gab keine Vergewaltigung.
47:49Wofür haben Sie das Schweigegeld eigentlich damals wirklich gezahlt?
47:53Und das habe ich auch Ihnen tausendmal erklärt.
47:57Um den Ruf unserer Armee und Anatoly zu schützen.
48:00Jetzt hören Sie auf damit.
48:02Um den Ruf der sowjetischen Armee zu schützen,
48:05hätten Sie niemals irgendjemandem irgendwas gezahlt.
48:08Es ist die Vergangenheit, Herr Schumann.
48:12Die DDR gibt es nicht mehr.
48:14Wir sind abgezogen und haben euch Deutschen die Freiheit geschenkt.
48:17Und es ist weit mehr, als Sie jemals hoffen dürften.
48:23Es muss Sie sehr getroffen haben,
48:26dass jemand aus Ihrer Heimatstadt,
48:28jemand, den Sie unter Ihre Fittiche genommen hatten,
48:32Sie so enttäuscht hat.
48:34Anatoly in Chimov war nicht wie Sie.
48:37Er war kein harter Soldat, kein glühender Patriot.
48:41Er war jung, sanft
48:44und hatte sich in eine Feindin verliebt.
48:47Und dafür hatten Sie Ihre eigene Vorstellung von Bestrafung, stimmt's?
48:51Wir waren nicht die Täter.
48:54Wir haben euch von den Nazis befreit
48:57und den Preis dafür haben Sie nie wirklich bezahlt.
49:00Schauen Sie sich um.
49:02Über 7000 gute Männer liegen hier begraben.
49:08Und jetzt hat ein weiterer guter Soldat hier sein Leben gelassen.
49:13Es gibt nur eine vernünftige Erklärung,
49:17warum Sie damals das Schweigegeld an Therese Stein gezahlt haben.
49:22Sie waren der Vergewaltiger von Helga Stein.
49:27Und mit dem Geld haben Sie sich damals freigekauft.
49:55Mit dem Geld haben Sie sich heute machen.
49:58Ansonsten
49:59Objekt
50:29Untertitelung des ZDF für funk, 2017
50:47Untertitelung des ZDF für funk, 2017
51:01Untertitelung des ZDF für funk, 2017
51:05Untertitelung des ZDF für funk, 2017
51:31Untertitelung des ZDF für funk, 2017
51:33Und dann, dann hat er mich von Anatoly weggerissen und dann, ich weiß nicht, wie lange ich einfach nur so
51:44da lag
51:45Ich verstarf vor Angst
51:47Ich wollte nur, dass es endlich vorbei ist
51:55Der Offizier war Michal Krolyov
52:03Meine Mutter hat damals behauptet, dass Anatoly sie vergewaltigt hat
52:08So ist sie losgeworden
52:10Und hat dafür gesorgt, dass unsere Beziehung auseinander ginge
52:14Sie wollte sogar, dass ich Max abtreibe
52:44Ich treibe
52:47Verena?
52:57Jan?
52:58Wir konnten jetzt die Kameras am russischen Herrn mal auswerten
53:01Und?
53:02Um 16.22 Uhr taucht Michal Krolyov auf
53:05Um 16.23 Uhr, also nur eine Minute später
53:09Taucht Iafimov auf, schaut sich um
53:11Als er nach jemandem Ausschau hält
53:13Und geht in dieselbe Richtung ab wie Krolyov
53:15Krolyov und Iafimov haben sich also dort getroffen
53:17Und zwar zur Tatzeit
53:18Helga Stein hat mir gerade gestanden, dass Krolyov sie damals tatsächlich vergewaltigt hat
53:23Wir geben eine Fahndung nach ihm raus, okay?
53:31Bruno?
53:34Bruno?
53:36Scheiße
53:39Krolyov ist da
53:41Der geht in die Kirche zu Helga Stein
53:43Fordert Verstärkung an
54:05Ich lasse mir nicht meine Ehre
54:07Alles, was ich hier aufgebaut habe
54:10Mein ganzes Leben ruinieren
54:12Wegen einer alten Geschichte aus einer anderen Zeit
54:15Das alte Geschichte
54:17Du hast mich vergewaltigt
54:19Du hast Anatoly die Pistole an den Kopf gedrückt
54:22Du hast einen Sohn, den ich all die Jahre...
54:25Das wusste ich alles nicht
54:26Und jetzt ist es zu spät
54:27Ich bin alt
54:28Ich kann nichts für ihn tun
54:30Und diese Geschichte muss da bleiben, wo sie ist
54:32In der Vergangenheit
54:34Und dafür bin ich bereit zu kämpfen
54:36Mit allen Mitteln, verstehst du?
54:39Verstehst du?
54:41Krolyov, die Waffe runter!
54:47Was machen wir jetzt?
54:50Sie will nicht sterben
54:52Und ich auch nicht
54:53Und die ganze Geschichte ist verjährt
54:55Ich verhafte sie wegen des Mordes an Anatoly Efimov
54:59Der ist nicht verjährt
55:02Schwach
55:04Schwach
55:04Ganz schwach, Herr Schumann
55:06Dafür haben Sie nicht mal einen einzigen Beweis
55:09Doch
55:10Mich
55:10Max
55:13Erfimov hat ihn kontaktiert
55:16Er wollte, dass er endlich die Verantwortung übernimmt
55:18Aber dazu war er zu feige
55:20Da hat er seinen alten Kumpel lieber umgebracht
55:24Das ist also mein Sohn
55:27Und jetzt will er sich wieder drücken
55:33Krolyov, zum letzten Mal
55:35Legen Sie die Waffe auf den Boden
55:37Und nehmen Sie ganz langsam die Hände über den Kopf
55:40Max die Waffe runter, sofort
55:47Du sprichst und handelst nicht, als wärst du mein Sohn
55:52Du schaffst es nicht abzudrücken
55:53Das sehe ich in deinen Augen
55:55Wobei du das auch gerne tun würdest
55:57Also
55:59Bist du doch der Sohn von diesem Feigling
56:02Der sein Vaterland verraten hat
56:05Wegen dieser billigen Schlampe
56:10Der sein Vaterland verraten hat
56:49Kein Notarzt, sofort
56:56Bruno
57:03Einschuss im Herzbereich
57:05Hat viel Blut verloren, aber er wird durchkommen
57:08Der Zustand ist stabil
57:09Sie werden ihn jetzt abtransportieren
57:11Ich hätte es gerne verhindert
57:14Aber jetzt kann Max nur noch hoffen
57:15Dass Krolyov durchkommt
57:17Was hättest du denn tun können?
57:20Die Schatten der Vergangenheit kannst du nicht aufhalten
57:25Was ist denn jetzt mit dir los?
57:27Fängst du an Bücher zu lesen?
57:29Roter Schatten, ziemlich spannend
57:32Oh cool
57:35What's?
57:38Kannst du das für dich?
57:40Nein
57:40Wenn man sicherlich Focus nie erinnert hat
57:43Ich lasse dir wohl nicht
57:46Abandon Sie
57:46Was bist du
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