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  • vor 2 Tagen

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🎈
Spaß
Transkript
00:10In diesem Pfad ging Karl Otto Herwig Abend für Abend, um sich aus dem Anblick dieser
00:18herrlichen Landschaft Anregungen für seine naturnahe Lyrik zu holen.
00:27Ja, seine Spaziergänge liefen ihn auch stets an diesem wunderschönen Gehöft vorbei.
00:34Eine wahrhafte Idylle, die er des Öfteren in seinen Gedichten besungen hat.
00:42Besonders schön, wie ich finde, eines, was dort auf jener Bank entstanden ist.
00:51Wenn abends der Bauer, nachdem er tagsüber das Feld bestellt, am Weizenglas sich gütlich hält,
01:01so tut er dies mit gutem Grund.
01:04Hat er denn nicht in mühsamer Arbeit, grabet, dem Boden Früchte abgetrotzt und soll sich
01:13jetzt versagen, was seine Magd ihm aufgetragen hat.
01:17Magd, ist das das so was?
01:18Ich trotz dem Gleibersatz genießen, in dem Wissen, dass seine Taten sinnvoll sind.
01:25Bitte, bitte, vielen Dank.
01:28Ah, da ist ja auch schon unser Bus.
01:31Auf geht's zur Höllenschlucht.
01:33Wo uns der Herr Florian Hafner, der diesjährige Stadtschreiber von Rosenheim,
01:39zum literarischen Höhepunkt, unserer Wanderung auf Herwigsschuren, erwartet.
01:47Kippe, Herrschaftszeiten.
01:48Koppinian.
01:49Kulturtourismus, eine prima Idee.
01:51Wir sitzen da wieder auf im Tierpark und das Geschwärter auf dem Hof umeinand.
01:55Die zehn Minuten hältst du schon aus.
01:56Das Ganze ist wichtig, weil jeder Tourist bringt Geld nach Rosenheim.
01:59Heutzutage musst du schon ein wenig mehr bieten als wie Zimmer mit Frühstück.
02:02Und überhaupt, war das kein Provinzdichter.
02:04Hast du wieder nicht aufgepasst in der Schule?
02:05Also.
02:06Psst.
02:07Jetzt kriegst du erst einmal ein wenig Nachhilfe.
02:09Also.
02:09In seiner Lyrik war er vor allem Naturbeschwörer, der Herr Wig.
02:13Seine Kritiker nannten ihn etwas abfällig Agrarromantiker.
02:16In seinen Romanen dagegen präsentierte er sich als messerscharfer,
02:20aber humorvoller Beobachter des voralpenländischen Menschenschlags.
02:24Geboren in Rosenheim, ist er dort im Januar 1976 gestorben.
02:28Mein Beileid.
02:31Kulturschuss hat einen Prospekt rausgebracht zum Bruckner seinen literarischen Abendspaziergängen.
02:36Na prima.
02:37Dann wird ja bald noch mehrer Leute hier schleppen.
02:39Die Leute fahren da voll drauf ab.
02:41Literatur und Originalschauplätze.
02:43Na, das ist doch schön.
02:58Also, diesen Ort hat Herr Wig in seinen letzten Jahren oft aufgesucht.
03:04Er hat ihm ja sogar eine Ode gewidmet.
03:07Bei Regen in der Höllenschlucht.
03:10Ja, das Wetter wie bestellt für uns.
03:13Ja.
03:15Herr Hafner!
03:17Ja, jetzt müsste der Hafner aber eigentlich da sein.
03:21Ich verstehe das nicht.
03:24Hafner!
03:28Hafner!
03:32Oh mein Gott!
03:37Ist das nicht ein herrliches Flecken?
03:39So friedvoll.
03:41So still.
03:43Und wie es riecht so.
03:46Gut.
03:48Ja.
03:49Bei uns durchsat einfach Ski.
03:53Der Moor.
03:58Der Moor.
04:01Michi, was gibt's?
04:02Kennst du die Höllenschlucht?
04:04Was freust du so?
04:05Freutage kennt ihr die Höllenschlucht.
04:06Doch hat's noch einen Abitrag.
04:08Einen Unfall?
04:09Ja, ist schon möglich.
04:10Auf den ersten Blick.
04:11Und auf den zweiten Blick?
04:12Wahrscheinlich auch.
04:13Wenn er nicht so gut geschult ist wie der Meinde.
04:16Also der Blick.
04:17Was?
04:17Verstehe kein Wort.
04:18Ja, hast du irgendwas entdeckt?
04:19Hast du was gesehen?
04:20Oder warum warst du da?
04:21Freilich habe ich was entdeckt.
04:23Spuren habe ich entdeckt.
04:24Und zwar wie von einem Eisen.
04:26So wie ein Hebel.
04:27Weißt du schon wie man?
04:28Und zwar in der Erde drin.
04:30Aber auch auf dem Stein.
04:33Möglicherweise.
04:33Was weißt du möglicherweise?
04:35Ja, die Spusse wird schon Klarheit schaffen.
04:37Hast du dich ja bestellt?
04:38Ja, logisch.
04:39Geh michi.
04:41Karbinian.
04:41Ich war als Kind so voll in der Höllenschlucht.
04:44Und mir dumm kommt zu einmal, wir werden uns gescheit.
04:46Und mir ist da irgendwas passiert.
04:48Ja, die waren felsenfest, die Flappen.
04:51Und jetzt ein paar Minuten so zu drunterhauen.
04:53Das kann doch nicht sein.
04:54Hast du den Linn schon angerufen?
04:56Ja, der ist gleich da.
04:57Ja, ist richtig gekommen.
04:59Bis gleich.
05:03Verbeiz mit der Idyll.
05:36Geben Sie mir den Schirm?
05:37Ja, super.
05:38Das ist eine eindeutige Sache, oder?
05:41Wenn es was die Todesursache angeht.
05:43Ja.
05:44Danke.
05:44Gerne.
05:46Übrigens, die Leiter, der hat den Tod extra herbringen lassen,
05:50damit der Leiter zu dem Abgrund hinüberkommt.
05:53Und da wäre er da gestanden und hätte seinen Vortrag vorgetragen.
05:57Einen Vortrag?
05:58Ja, und was glauben Sie?
05:59Das war der diesjährige Stadtschreiber von Rosenheim.
06:02Florian Hafner, 27 Jahre alt, von Berufsschrittsteller halt,
06:06war eigentlich aus München.
06:08Hat aber von der Stadt Rosenheim ein Stipendium bekommen,
06:11das einem hiesigen Dichter gebetet war.
06:13Moment.
06:14Ein Karl-Auto-Herwig, richtig?
06:16Ja, man kennt sich aus.
06:18Respekt.
06:19Ja, also jedenfalls, wo Sie da drüben stehen,
06:22und Sie hat sein Gedicht aufsagen,
06:23ist aber nicht mehr dazu gekommen,
06:25weil wir die Leute gekommen sind, ist es schon gelegen gewesen.
06:28Aha, und wo sind die Leute jetzt alle hin?
06:31Ja, was weiß ich nicht, daheim oder im Hotel vielleicht,
06:34die waren ja alle vollkommen geschockt.
06:35Haben Sie die...
06:36Personalien.
06:37Nein, Herr Lind.
06:38Entschuldigung.
06:40Und hier haben Sie als Kind immer gespielt, ja?
06:42Hat mir Herr Hofer erzählt.
06:43Ja, ganz viel.
06:46Was steht denn da auf dem Schild?
06:47Hüllenschlucht.
06:48Herr Mohr.
06:49Hüllenschlucht tut die Polizei nicht verboten.
06:51Sehen Sie?
06:52Oh nein, Herr Lind, das war doch damals noch gar nicht da gewesen.
06:55Da war ich noch nicht einmal bei der Polizei.
06:57Dann werde ich mal von weiteren Maßnahmen absehen.
07:02Das ist das Handy vom Toten.
07:04Was?
07:05Ah ja, danke.
07:11Der Kaffee ist fertig.
07:14Das ist nämlich Absicherung des Zugangs zur Tatort.
07:16Bravo.
07:18Michi!
07:19Ja, man hört.
07:21Was soll denn das?
07:22Los, ein Auto für die Absperrung.
07:24Wo seid ihr denn?
07:25Ich kann mich ja nicht zerreißen, bin ich.
07:27Ich bin gleich da.
07:28Wie geht's voran?
07:30Ja, eh ganz gut.
07:31Die Spuse ist eigentlich schon fertig.
07:33Was ist mit der Berg und des Toten?
07:34Das wollte ich dir gerade sagen.
07:36Der liegt praktisch schon am Tisch.
07:37Also bei der Frau Dr. Kern.
07:39Ich hab schon alles gemacht.
07:43Morgen, Frau Stocker.
07:44Guten Morgen.
07:46Guten Morgen.
07:48Was manipulieren Sie denn an der Uhr um den Abend?
07:50Haben Sie es nicht gemerkt?
07:51Die sind mir nachgegangen.
07:52Nein.
07:53Ja, weil Sie ja auch synchron mit ihr waren.
07:56Ja, so, so.
07:57Und jetzt hab ich ja ordentlich Dampf unterm Hintern gemacht.
07:59Dann ist sie aber nicht mehr synchron mit mir.
08:01Das stimmt, aber dafür haben wir jetzt ja der Feierabend.
08:03Dann kommen Sie wieder weg.
08:04Ach, ich hab ja hier noch das Handy vom Toten.
08:06Wenn Sie das bitte zur KTU geben würden.
08:09Ich?
08:09Ja, ich bin gestern Abend nicht mehr dazugekommen.
08:12Vielleicht finden wir was über die letzten Stunden vor seinem Tod heraus.
08:14Äh, selbstverständlich.
08:15Ach, übrigens, da drüben, da wartet ein Herr Bruckner
08:17wegen diesen Höllenschlucht-Geschichten gestern Abend.
08:20Ah ja, danke.
08:21Danke.
08:24Grüß Gott, Herr Bruckner.
08:26Grüß Gott, Herr Ofer.
08:28Da ist es nicht unfassbar.
08:30Grüß Gott, Herr Lind.
08:33Das muss ja passiert sein, als wir bei Ihnen auf dem Hof waren.
08:36Wahrscheinlich.
08:37So ein junger Mann, gibt es schon Erkenntnisse?
08:40Nein, die Untersuchungen laufen ja gerade erst an.
08:43Nehmen Sie doch bitte wieder Platz.
08:44Äh, Frau Stockel, bevor Sie rübergehen,
08:46könnten Sie uns noch zwei Kaffee?
08:48Äh, ja, gerne.
08:54Ich meine, weil Ihr Kollege, der Herr Mohr,
08:57der Herr Mohr so Andeutungen gemacht hat,
09:00ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist,
09:03er könnte ja auch nur ausgerutscht sein,
09:05bei dem Regen.
09:07Ja, ja, das ist durchaus möglich, Herr Rahm.
09:09Wir haben auch Spuren gefunden,
09:10die darauf hindeuten,
09:11dass diese Steinplatte absichtlich gelockert wurde.
09:14Mit Absicht?
09:15Aber wer sollte ihm so etwas antun wollen?
09:18Ein junger Literat, warum?
09:20Herr Bruckner,
09:21das Gedicht, das der Herr Hafner da oben vordrüber jetzt soll...
09:24Ode, Ode, Ode, Ode, Verzeihung, das ist natürlich ganz was anderes.
09:28Hat das immer ihr benommen, oder haben Sie sich da abgewechselt?
09:30Nein, nein, nein, nein, nein, das, das war sein Auftritt,
09:34seit er sein Stipendium vor einem halben Jahr angetreten hat.
09:38Ich hätte mich auch gar nicht so nah an den Abgrund herangewagt.
09:41Aber er hat das regelrecht genossen.
09:43Sie hätten die Gesichter sehen sollen,
09:45als er seinen Text vor den versammelten Honorationen der Stadt
09:48vorgetragen hat auf unserem Jubiläumsspaziergang,
09:51hoch über der rauschenden Tiefe,
09:55wie...
09:56wie ein Turmspringer.
09:59Ähm, er hatte ja auch eine Holzleiter,
10:01um möglichst nahe an diesen Vorsprung heranzukommen.
10:04Ja, ja, die habe ich gesehen.
10:05Danke.
10:06Danke.
10:07Äh, und Frau Stockl,
10:08wären Sie bitte so nett
10:09und würden Sie etwas über Florian Hafner in Erfahrung bringen?
10:12Ach, der junge Dichter?
10:13Genau, der.
10:15Selbstverständlich gerne, Herr Lind.
10:22Und Sie haben Herrn Hafner betreut?
10:25Als Vorsitzender der Karl-Otto-Herwig-Stiftung
10:27gehört das zu meinen Aufgaben, ja?
10:29Das heißt, Sie kannten ihn näher?
10:31Privat.
10:34Naja, äh...
10:35Ich habe seine Arbeiten gelesen, ja.
10:39Ich sitze ja auch in der Jury,
10:40die die Stipendien vergibt.
10:42Aber sonst beschenkt sich mein Kontakt
10:44zu den Literaten auf das organisatorische
10:48Terminabsprachen, Bankette, Lesungen, Empfänge.
10:52Und...
10:53Gibt es eigentlich so etwas wie ein
10:54Überblick über Hafners Aktivitäten?
10:56Lückenlos.
10:58Es wird alles protokollarisch festgehalten.
11:00Ich muss ja auch Rechenschaft ablegen
11:02über den Verbleib der Gelder.
11:05Und Herr Hafner hat im Herwig-Haus gewohnt?
11:09Ein wunderbarer Ort.
11:12Es ist ja auch noch einiges erhalten aus.
11:14Herwigs Zeit.
11:15Seine Schreibstube, seine Bibliothek.
11:20Haben Sie eigentlich das Haus schon mal besucht?
11:25Nein.
11:27Obst, wenn Sie uns auch einmal so eine schöne
11:28Gedeckentafel anbringen, dann bitte die dir...
11:29Ja, für Sie auf jeden Fall.
11:31Hier ermittelte zwischen den vorgeschriebenen
11:33Milchzeiten Kriminalhauptkommissar
11:35Korbin Jan Hofer.
11:36Sehr schön.
11:37Heute ist hier nicht nur die
11:39Stadtschreiberwohnung untergebracht,
11:41sondern auch unser Stiftungsbüro.
11:44Aber Sie wollen sich ja sicherlich
11:45zunächst einmal die Wohnung anschauen.
11:47Also bitte hier entlang.
11:50Das ist aber eine schöne Pergola.
11:53Ja, richtig.
11:55Da lässt es sich fein dicht in so eine Pergola.
11:57Ja, wenn man die entsprechenden Reime kennt.
11:59Na ja, in der schönen Pergola
12:02sitzt ganz brav die Nicola.
12:04Und kriegt Besuch von Carola.
12:06Und dann kommt noch die Viola.
12:08Und gleich darauf die Fabiola.
12:09Und die bringt den Gorgonzola.
12:12Der schmeckt sehr gut auf Rucola.
12:14Na, so geht's.
12:14So, meine Herren.
12:16Bitte.
12:19Schauen Sie sich in aller Ruhe um, ja?
12:21Also, ein Hund ist ja schon der Hafner, gell.
12:24Das haben Sie vom alten Güter hergesagt.
12:27Wer ist denn eigentlich das da?
12:29Der.
12:29Ja, das da.
12:31Steht doch da.
12:31Silke Sommer.
12:33Tatsächlich.
12:34Grüß Gott, hier spricht Silke Sommer,
12:36die Stimme von Radio Rosenheim.
12:37Tüpp, tüpp, tüpp, tüpp, tüpp.
12:39Das heißt öfter, gell?
12:42Ja, und schau, wer da ist, der Reischel.
12:45Mei, wie er das bloß immer schafft,
12:47dass er so fesch ausschaut.
12:49Vielleicht sollte immer ein anderes halt.
12:50Ja, nur umbinden.
12:532600 Euro.
12:55So was tragt er einfach so im Westentaschel spazieren.
12:57Tja, das könnte uns ja auf eine Spur bringen.
12:59Ja, vielleicht ist er ja damals dabei.
13:01Ja, hoffe ich.
13:05So, da rein, spaziert in die gute Stube.
13:11Der Bericht von der KTU-Berda
13:13ist natürlich genauso, wie ich es gesagt habe.
13:17An der Steinplatte ist manipuliert worden.
13:19Und zwar finden sich Spuren von einer Eisenstange,
13:23mittels derer die Steinplatte gelockert worden ist.
13:25Sodass der auf diese Weise
13:27aus seiner natürlichen Verankerung gelöste Stein
13:30einer vertikalen Belastung nicht standhalten konnte.
13:33Ja, auf gut Deutsch, Mord.
13:35Weil sobald sich da einer draufsteht, ist er unter.
13:37Ja, dass der Hafner das vorgetragen hat,
13:39war auf jeden Fall jeden Bekannte
13:41schon mal an der Tour teilgenommen hat.
13:43Ja, der konnte den Stein bearbeiten
13:44und in aller Ruhe abwarten,
13:46bis der Hafner wieder aufgetritt hat.
13:47Tja, das hört sich in der Zwischenzeit
13:49aber auch jemand anders auf diesen Felsen stellen können.
13:52Das Risiko hat der Täter wohl in Kauf genommen.
13:54Ja, schon, aber so viele rennen da auch nicht auf.
13:56Am Werktag.
13:57Traut sich ja keiner so weit vor.
13:59Außer mir.
14:00Um den Hafner.
14:02Was sagt eigentlich die KTU zu dem Handy?
14:04War nix.
14:05Das trocknet noch.
14:06Na super.
14:08Frau Stockl, haben Sie was?
14:10Ja.
14:11Mit dem Damenbild hat er es ganz schön kappt,
14:13der Herr Schriftsteller.
14:14Schauen Sie her.
14:14Auf jedem Bild hat er eine andere im Arm.
14:17Und wenn Sie mehr wissen wollen,
14:18ich hätte da eine ganz spezielle Quelle,
14:20die ich anzapfen könnte.
14:22Ach nee.
14:24Ja, und das habe ich rausbekommen.
14:27Steinmulti Auer stinksauer auf Stadtschreiber.
14:30Der Hafner hat sich nämlich über den Auer lustig gemacht,
14:33wegen seiner Afro...
14:36Afroismen.
14:36Gründlich.
14:37Lebensweisheit.
14:38Ja, genau.
14:39Ja, die hat er durch den Kakao gezogen,
14:41was eigentlich ganz schön blöd ist,
14:43weil der Auer hat ja den Hafner ernährt.
14:45Er ist ja auch der Hauptsponsor der Herwegstiftung.
14:49Der Auer?
14:50Ja, und deswegen war er sauer, der Auer.
14:53Und was bedeutet dieses Steinmulti?
14:55Ja, der hat ein recht lukratives Zementwerk
14:57und einen imposanten Steinbruch, ganz hier in der Nähe.
15:02Grüß Gott, Herr 80er.
15:03Grüß Gott, Herr Herr.
15:04Ah, sind wir schon wieder auf der Wand?
15:06Ja, ja.
15:09Der Stadtschreiberfall hält uns auf den Beinen.
15:11Ah, und wohin tragen diese Beine Sie nun?
15:13Zu Felix Auer.
15:14Ja, Felix Auer, den kenne ich.
15:18So ein bisschen eine tragische Figur hält sich für einen großen Philosophen,
15:23der durch seinen Beruf am Nachdenken gehindert hat.
15:26Sein Vater hat ihn schon früh in seine Zementfirma eingebunden.
15:29Na ja, aber zu einem Aphorismenband hat er es ja trotzdem gebracht.
15:32Haben Sie den gelesen?
15:33Nicht davon gehört.
15:34Er hat ihn im Eigenverlag rausgebracht,
15:37aber es ist aber ein Exemplar daheim mit persönlicher Widmung.
15:39Ja, und unser Mordopfer hat ihn in seiner Funktion als Stadtschreiber öffentlich verrissen.
15:45Woche für Woche, Spruch für Spruch.
15:48Der Auer hat sich gar nicht mehr beruhigen können.
15:50Und waren diese Verrisse wenigstens gerechtfertigt?
15:52Sagen wir mal so, die Gedanken, die der Auer da formuliert hat,
15:56in Steinmeister und das ist nicht.
15:59Willst du die Sprengung dann auch alles fertig am Nachdenken?
16:01Haben Sie das oben auch reingegangen?
16:03Grüß Gott.
16:09Grüß Gott, Herr Hofer.
16:10Grüß Gott, Herr Auer.
16:11Das ist mein Kollege Hauptkommissar Lindh.
16:15Guten Tag.
16:16Grüße.
16:17Sie werden es schon erfahren haben, Ihr Stipendial ist tot.
16:21Schlimm.
16:23Aber er war jetzt nicht speziell meiner.
16:26Ich unterstütze die Stiftung nach Kräften.
16:29Aber da bin ich nicht der Einzige,
16:30auch wenn ich mich ganz besonders für eine harmonische Ehe von Wirtschaft und Kunst einsetze.
16:34Wobei diese Ehe im Fall Hafner ja nicht so harmonisch war.
16:39Wer kann sich seine Künstler schon aussuchen?
16:42Sie sind doch in der Stiftung, die die Stipendien vergibt.
16:45Herr Hofer, ich bin ein Literaturinteressierter und habe da zweifellos meine Kenntnisse,
16:49aber in erster Linie bin ich Unternehmer.
16:52Möge der Dichter das Wort bearbeiten?
16:54Ich halte mich an Stein, das ist meine Devise.
16:57Apropos Metier.
16:58Die Steinplatte, mit der Herr Hafner in die Schlucht gestürzt ist,
17:02ist absichtlich gelockert worden.
17:03Ach.
17:04Was heißt, dass der Herr Hafner ermordet wurde?
17:07Insofern interessiert es natürlich schon der Konflikt, den Sie mit ihm hatten.
17:11Verstehe, verstehe, weil er sich mit meinen Aphorismen auseinandergesetzt hat.
17:16Ach, wissen Sie, es prallen so viele Anschauungen aufeinander.
17:20Platon, Aristoteles.
17:22Ich finde, man sollte das eher sportlich betrachten.
17:25Und das haben Sie getan?
17:27Es ist wahrscheinlich viel verlangt, Herr Auer, aber ein lückenloses Alibi über die letzten 24 Stunden vor Hafners Tod wäre
17:34hilfreich.
17:34Am Sonntagabend hielt die Steinplatte Hafners Vortrag noch stand.
17:3824 Stunden?
17:39Hm.
17:39Wissen Sie, wie viele Steinbrüche ich habe?
17:42Sie haben ja so keins.
17:42Das ist richtig.
17:44Ich denke, das war's fürs Erste, Herr Auer.
17:47Wir sehen uns wieder.
17:49Wiederschauen.
17:58Auer hier.
17:59Sie müssen mir helfen.
18:05Ich würde sagen, dann schauen wir jetzt einmal, wie der Bruckner sich die Barschaft im Hafen erklären kann.
18:10Der müsste um die Zeit im Haus sein, der Bruckner.
18:12Oh, wir sollten schon längst bei Frau Dr. Kern sein.
18:15Hm.
18:15Ja, pff.
18:16Arbeitsteilung.
18:17Gut.
18:21Ich setze Sie beim Bruckner ab.
18:22Ja.
18:29Ja, am besten kommen Sie gleich vorbei.
18:39Ist irgendwas?
18:40Nein, nur ein Bandant, der gefragt hat, ob er vorbeikommen kann.
18:43Ich bin drin und arbeite.
18:48Herzlich willkommen bei Radio Rosenheim.
18:50Ich bin Silke Sommer und freue mich, dass Sie auch heute wieder dabei sind.
18:55Dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben.
18:57Eingeschaltet haben.
18:59Auch Herr Lind.
19:01Guten Tag.
19:04Ich habe den jungen Mann noch mal untersucht.
19:06An der Todesursache selbst gab es ja nichts zu rütteln.
19:09Also einen Sturz aus dieser Höhe zu überleben.
19:12Das wäre ja ein Wunder.
19:14Dafür habe ich etwas über seine letzten Stunden in Erfahrung gebracht.
19:20Moment.
19:21Moment, ich will sehen.
19:21Oh, ja.
19:24Danke.
19:26Er muss eine leidenschaftliche Begegnung gehabt haben.
19:29Davon zeugen nicht nur die DNA-Spuren, die ich an ihm sichergestellt habe.
19:33Sondern auch diese Streifen hier.
19:37Die stammen eindeutig von Fingernägeln.
19:39Und zwar von sehr gut manikürten Fingernägeln.
19:42Und?
19:43Die Dame hatte einen eingerissenen Nagel.
19:46Dafür spricht diese Vertiefung hier.
19:50Wenn Sie also Hafners Geliebte finden wollen,
19:52dann müssen Sie nur auf Ihre Hände achten.
19:55Das ist schlau.
19:56Danke.
19:59Und weiterhin noch viel Glück, Herr Lind.
20:04Sag nichts.
20:05Vom Reichstil, oder?
20:08Weißt du, Michi, es gibt heutzutage wenige Menschen,
20:10die wissen, wie man einer Dame eine Freude macht.
20:13Ihr seid einfach ein Gentleman.
20:19Grüß dich.
20:21Was das komisch ist?
20:22Was denn?
20:23Das schaut genauso aus wie die, die gestern beschlagen haben.
20:26So, so.
20:27Von wem denn?
20:28Vom Reichstil.
20:29Nein, nicht vom Reichstil.
20:30Von ein paar Rutzlöffeln, die sie abgerissen haben im Stadtpark.
20:33Ja, Michi, das ist der Unterschied.
20:35Er gibt und du nimmst.
20:39Entschuldigung.
20:52Ah, und?
20:53Also, der Brugner hat keine Erklärung dafür,
20:55woher die 2600 Euro stammen könnten.
20:57Das monatliche Geld von der Stiftung,
20:59das hat der Hafner immer keine Überweisung gekriegt.
21:01Interessant finde ich, dass der Auer,
21:03der den Löhmanteil der Stiftung stellt, erwogen hat,
21:05sein Engagement zurückzuziehen.
21:07Wegen seines Streits mit Hafnern.
21:10Und, gibt's was Neues?
21:12Der Herr Reischl, wer da?
21:13Unser Haus- und Hofinformant.
21:15Ah, nirgends, kostet ja nix.
21:16Außer Zeit.
21:17Und die Rosen auch für den?
21:18Logisch.
21:20Auch noch Haus- und Hoflieferant.
21:29Wie geht's?
21:29Herr Reischl, wie geht's?
21:30Ja, die Herren Kommissare, grüß Sie.
21:33Unsere liebe Frau Stockl hat gemeint,
21:35ob ich vielleicht ein paar Interner oder so hätte,
21:38weil ich auf dem Foto da mit drauf bin.
21:40Aber mei.
21:41In der Hot Wolle ist es einmal so,
21:43da wärst du abgelichtet, ob du das willst oder nicht.
21:45Und von den Paparazzi kommen sie ja gar nicht beißen.
21:47Ja, ja, freilich.
21:48Jetzt zu den Internen aus.
21:50Ja, die, also die haben Sie schon ganz gern gesehen.
21:54Da haben die Oberschel richtig Besuch bekommen, gell?
21:56So haben die sich angegrinst.
21:58Ich mein, die Silke Sommer ist schon so ein Fetzen, gell?
22:01Silke Sommer?
22:02Ja, die Moderatorin vom Rani Rosenheim.
22:04Hab ich denn diesen Namen schon mal gelesen?
22:06Gelesen wahrscheinlich nicht.
22:07Eher gehört.
22:08Die hat ja jeden Abend ihre Sendung.
22:10Ist sozusagen on air, wie die Lateiner sagen, gell?
22:14Ah, ich weiß.
22:17Ja, genau.
22:19Florian Hafner, Begegnungen, gelesen von Silke Sommer.
22:22Ja, ja, ja.
22:24Ist die gute Dame alleinstehend?
22:26Also, wenn man so ausschaut, bestimmt nicht.
22:28Er da, das ist ihr Mann.
22:31Was?
22:32Der, der so krampfhaft wegschaut, ja?
22:35Herbert Sommer, eine Anwaltskanzlei hat er in der Altstadt von Rosenheim.
22:40Herr Hofer, Sie müssten den doch kennen.
22:42Eins, zwei mal gesehen, vielleicht bekannt, kommt er mir schon vor.
22:45Weil jetzt, was meinen Sie?
22:47Was hat der von dieser Zusammenarbeit gehalten?
22:50Also, wenn Sie mich da schlagen, ich weiß es nicht.
22:52Herr Reischl, ich kann dich auf nie bis jetzt bringen.
22:55Vielen herzlichen Dank.
22:56Nichts zu danken.
22:57Jederzeit und immer gern.
22:59Danke, wiederschauen.
23:01Frau Stockl, Sie haben wieder mal den richtigen Riecher gehabt.
23:04Ich glaube, ich habe Ihren Kollegen mit ein paar Insider-Tipps weiterhelfen können.
23:08Also, so wie ich die beiden Herren einschütze, haben die den Fall bald gelöst.
23:11Sagen Sie es.
23:12Ich wünsche.
23:13Ich danke, Herr Reischl.
23:17Übrigens, Sie kochen einen hervorragenden Kaffee.
23:26Jeder bockt ja nicht.
23:27Michi!
23:28Ja?
23:29Seid du so nicht, kommen wir her.
23:32Was ist denn?
23:34Stichwort Bayerische Agrarbank.
23:35Wo ist denn der?
23:36Da hat der Hafner sein Konto gehabt.
23:38Sei so gut, geh hin und frag, ob die ihm in letzter Zeit Geld ausbezahlt haben.
23:42Ja, ist recht.
23:43Halt.
23:44Noch was?
23:44Der Betrag ist 2600 Euro.
23:46Achso.
23:48Ach, und Herr Mohr, wenn die Frau Stockel bitte so nett wäre und sich mal hier die Sachen
23:52von Hafner vornehmen würde.
23:54Frau Stockel!
23:57Mir haben die Erzählungen auf Anhieb gefallen.
24:00Und dann war es ja auch eine Herausforderung für mich, mir die Texte stimmlich zu erarbeiten.
24:04Herr Hafner war mir da äußerst hilfreich.
24:08Sie haben sicher einige Zeit zusammen verbracht.
24:11Naja, die Betonungen festzulegen, den Rhythmus, die Melodiebögen, die den Sinnzusammenhang deutlich
24:17werden lassen.
24:18Da geht es um jedes Komma.
24:20Zeit, in der man sich auch näher kommt?
24:23Wie meinen Sie das?
24:24Herr Hafner war ein attraktiver junger Mann.
24:28Und deshalb gehe ich gleich mit ihm ins Bett, oder was?
24:30Das nicht, aber möglich ist alles heutzutage.
24:33Weiß Ihr Mann, dass Sie ihn betrogen haben?
24:36Wie bitte?
24:38Oder wo haben Sie sich den Fingernagel eingerissen?
24:42Ausgerechnet da, wo Ihr Ehering sitzt.
24:46Wir können natürlich gerne einen DNA-Test machen, wenn Sie das wünschen.
24:50Also, wo ist der Mann Bescheid?
24:55Ja.
24:56Und, was schließen Sie jetzt daraus?
24:58Wie lange ging das schon?
25:01Drei Monate.
25:03Herr Hofer, stimmt's?
25:05Richtig, Herr Sommer.
25:06Guten Tag.
25:06Guten Tag.
25:07Das ist mein Kollege Hauptkommissar Linde.
25:08Tag.
25:09Die Herren sind wegen des Todes von Florian Hafner hier.
25:12Sie wissen, dass ich ein Verhältnis mit ihm hatte.
25:14Ja, dass das mich zum Jubeln veranlasst hätte, davon kann keine Rede sein.
25:18Das Gegenteil ist allerdings auch nicht der Fall.
25:21Mich plagen weder tiefe Trauer noch ausgeprägte Hassgefühle.
25:25Das ist doch vermutlich, was Sie wissen wollen.
25:27Genau.
25:28Das sind Dinge, die passieren.
25:29Sie gehören zum Leben.
25:30Man kennt das.
25:31Und geht entsprechend offen und erwachsen damit um.
25:33Dann haben Sie bestimmt auch kein Problem, uns ganz offen zu sagen, wie Sie den Tag vor Hafners
25:37Tod verbracht haben.
25:38Da muss ich Sie an meine Sekretärin verweisen.
25:42Den Abend?
25:43Die Nacht?
25:43Da war ich hier.
25:45Können Sie das bezeugen?
25:46Ja.
25:47Waren Sie nicht auf Sendung?
25:49Ja, doch.
25:51Von 21 bis 23 Uhr.
25:56Danke.
25:57Tja.
25:59Das wär's dann fürs Erste.
26:00Sie halten sich bitte zu unserer Verfügung, falls noch Fragen auftauchen.
26:04Wir finden selbst raus.
26:05Danke.
26:05Bisschen.
26:07Ach ja, eins noch.
26:09War das nicht gerade der Herr Auer, der hier war?
26:12Ja, er ist ein Mandant von mir.
26:13In welcher Angelegenheit?
26:14Ich sehe keinen Grund, Ihnen das zu sagen.
26:16Ja, Herr Sommer vertritt mich.
26:18Oder jetzt muss man ja sagen, hat mich vertreten.
26:20Wollte mir Hafners Spott einfach nicht mehr länger bieten lassen.
26:23Dann hat Sie die Sache ja doch mehr aufgewühlt, als Sie uns heute Morgen erzählt haben.
26:27Der Wehr steht schon über den Dingen.
26:30Wie ist der Herr Sommer gegen den Hafner vorgegangen?
26:32Mit einer Unterlassungsklage.
26:34Aber glauben Sie, das hätte den interessiert?
26:37Was ihn natürlich noch mehr aufgeregt hat.
26:39Klar.
26:40Er lässt sich denn schon gerne vorführen noch dazu, wenn er in der Öffentlichkeit steht,
26:43so wie ich.
26:44Und wie blöd stehe ich denn da, wenn ich so einem auch noch den Lebensunterhalt finanziere?
26:47Wer bin ich denn?
26:48Und wie kann Ihnen der Herr Sommer jetzt helfen?
26:51Jetzt, wo der Herr Hafner tot ist?
26:53Ja, Sie waren doch sofort bei mir und haben mich mit Ihren Fragen bombardiert.
26:57Nach einem Alibi gefragt.
26:59Das ist unsere Pflicht?
27:00Ich weiß doch ganz genau, was Sie sich zusammen fantasieren.
27:04Das heißt also, der Herr Sommer vertritt Sie jetzt auch im Mordfall Hafner?
27:08Ja.
27:09Wenn es sein muss.
27:11Schauen wir mal.
27:13Herr Auer.
27:21Hier ist Silke Sommer.
27:22Ich begrüße Sie auch heute Abend ganz herzlich bei Radio Rosenheim.
27:27Haben Sie heute in den Spiegel geschaut und in Ihrem Gesicht ein Fältchen entdeckt,
27:31das gestern noch nicht zu sehen war?
27:32Was schaust du denn das so?
27:33Dann machen Sie sich zu viele Sorgen.
27:35Das zumindest behauptet der Briefschutz...
27:37Denkst du dich abfalten, gell?
27:39Schmarrn.
27:40Ich schaust eh aus wie jemand, der keine Sorgen hat.
27:42...gearbeitet hat, wie innere, seelische Vorbild, das Aussehen und die Erscheinung eines Menschen beeinflussen.
27:49Das Ergebnis...
27:50Ist das nicht Silke Sommer?
27:52Ja.
27:53Ich dachte, es ist erst um Helizidionser-Sendung.
27:56Das ist eine Wiederholungssendung von gestern Abend.
27:58Stimmt aber heute auch noch.
28:00Aha.
28:02Ja.
28:02Aber jetzt ist Schluss.
28:04Na!
28:05Doch!
28:08Habt ihr hier irgendwas anderes gemacht, außer Reidehören?
28:11Selbstverständlich.
28:12Ich hab den Korb vom Hafner durchgesehen.
28:14Desher sind die Verrisse vom Auer seinen Lebensweisheiten.
28:17Ich hab die alle kopiert und ihnen auf den Schreibtisch gelegt.
28:19Herzlichen Dank, Frau Stöckl.
28:20Gerne.
28:21Und ich war auf der Bayerischen Agrarbank, wegen den 2600 Euro.
28:25Die sind bestimmt von einem Scheck, den der Hafner eingelöst hat.
28:29Ausgestellt von der Karl-Otto-Herwig-Stiftung und unterzeichnet von Bruckner.
28:34Danke, Michi.
28:35Keine Ursache.
28:37Mir hat er erzählt, der Hafner wird per Verweisung geschaut.
28:41Wenn wir uns diesen Bruckner mal vorknöpfen müssen.
28:45Schreibt mir das halt nicht.
28:47Na, das machen wir erst morgen, würde ich sagen.
28:49War es schon zu spät?
28:50Für was sind wir überhaupt hergefahren?
28:53Keine Ahnung, Gewohnheit?
28:54Hm, was halten Sie für deine Abschlussbesprechung bei einem gepflegten Glas Weizenbier im Rosenkreu?
28:59Einiges, aber wir haben einen Deal und heute wäre das Times Square dran.
29:04Stimmt so.
29:05Danke.
29:06Und seid ihr jetzt am Fall Hafner dran?
29:09Das ist Betriebsgeheimnis.
29:10Tschüss.
29:11Servus, bis zum nächsten Mal.
29:14Ich meine nur, weil der letzte Woche da war und...
29:20Groß Rund.
29:21Das ist jetzt auch Betriebsgeheimnis.
29:23Na komm, Joe, erzähl dich nicht, erzähl halt.
29:26Der Hafner hat bei mir letzte Woche eine Lesung gegeben.
29:29Der Hafner, bei dir?
29:30Der Hafner.
29:34Man muss jungen Künstlern ein Forum geben.
29:38Oh, die Stimme.
29:41Worum geht's da?
29:42Na, das sind ziemlich erotisch angehauchte Geschichten.
29:47Also mir gefällt ja sowas.
29:48Und wem nicht?
29:49Ja, das ist also nicht schwer zu entretzen, wer mit der Stimme gemeint ist, wenn man sich
29:54die Geschichte anhört.
29:55Nämlich?
29:56Die Stimme von Radio Rosenheim.
29:58Silke Sommer.
30:00Und die war auch hier.
30:01Und was ein bisschen peinlich war, ihr Mann ebenfalls.
30:04Und Hafner?
30:05Der hat in aller Ruhe seine Geschichte fertig gelesen und sich dann an dem Bordeaux gehalten.
30:14Ah, spüren wir heute wieder mal Businessfrau.
30:17Aus der Steuerschutmacht.
30:18Guten Morgen.
30:19Guten Morgen, Schwesterherz.
30:21So sag ich mal, in eurem Prospektor über die Hemingstiftung steht da aber so wie die
30:24Höhe der Stiftungsgelder drin.
30:26Na, aber ich weiß, es ist zufällig trotzdem.
30:29Ja.
30:30Das sind 125.000 im Jahr.
30:33Das wirkt aber nicht als der Stadtschreiber, oder?
30:35Schmarrn, damit werden Empfänge gezahlt, Lesungen, alles Mögliche.
30:39Die Erhaltung des Herweghauses wird damit auch finanziert.
30:42Aha, und der Bruckner kann dann nach seinem Gutdünkel damit verfahren?
30:45Ja, aber der passt schon auf, dass er nicht zu viel ausgibt.
30:48Selter statt Sektor.
30:49Ganz genau.
30:51Außerdem ist er auch nicht sein Geld.
30:52Also kann er es nicht mit vollen Händen rausschmeißen.
30:58So, das muss ich aber.
30:59Fütti.
31:01Auf, auf.
31:05Und was ist mit meinem Frühstück?
31:07Kaffee ist in der Küche, die Eier sind im Stall.
31:10Im Stall, sehr witzig.
31:12Übrigens saß da was auf der Stirn.
31:14Was?
31:17Herrschaftszeit.
31:20Wenn nicht, was gibt's?
31:21Sind Sie fertig mit Frühstücken?
31:23Nein, die Eier sind noch im Stall.
31:25Aha.
31:26Aber ich fahre trotzdem gleich los.
31:28Na gut, dann werde ich die Zeit mal effektiv nutzen und fahre schon mal binnen Sommers vorbei, ja?
31:32Dass ich nicht sonderlich erbaut war, die Affäre meiner Frau in aller Öffentlichkeit breitgetreten zu sehen, ist doch verständlich.
31:36Aber dass ich deshalb einen Mordanschlag verübe auf Hafner.
31:40Na, so gut hätte ich meine Frau umbringen können.
31:44Die war ja an der Angelegenheit nicht minder beteiligt.
31:49Aber beides ist natürlich Unsinn.
31:54Herr Bruckner, jetzt hören Sie endlich auf zum Rumdrucksen und sagen Sie, wofür der Scheck war.
31:57Für besondere Leistungen.
31:59Welche Art?
32:00Hafner hat für mich mehrere Handschriften von Herwegs Briefen abgetippt.
32:03Dafür ist das Geld.
32:04Ja, da muss doch eine Rechnung existieren von Herrn Hafner.
32:06Ja, natürlich.
32:08Das heißt, nein, er hat sie noch nicht geschrieben.
32:10Aber den Scheck haben Sie bereits gegeben gehabt.
32:14Ja.
32:15Ich weiß nicht für was.
32:18Aber er brauchte das Geld dringend.
32:20Und das fällt Ihnen alles erst jetzt wieder ein.
32:23Wissen Sie was, Herr Bruckner?
32:24Ich glaube Ihnen kein Wort.
32:25Wir gehen jetzt in Ihr Büro und da werde ich mir einen Einblick in Ihre Buchführung verschaffen.
32:28Bitte, bitte?
32:31Ach, Sie glauben, der Herr Bruckner hat Stiftungsgelder unterschlagen?
32:35Glauben ist gut.
32:35Nicht. Diese Ablechnungen stimmen hinter und vorne nicht.
32:39Da sind Empfänge abgerechnet, an die sich einige der geladenen Gäste gar nicht erinnern können.
32:44Das haben Sie überprüft?
32:46Ja, zusammen mit dem Herrn Lindt. Stichprobenartig.
32:50Na schön.
32:51Also der Bruckner hat mir den Verwendungszweck seines Schecks für den Herrn Hafner nicht wirklich zwingend erklären können.
32:58Der Hafner wiederum war auf all diesen Empfängen.
33:00Und er hat in dem Haus gewohnt, in dem sich auch das Stiftungsbüro befindet.
33:04Von daher könnte er also auch diese Abrechnungen gekannt haben.
33:08Sie glauben, dass Hafner Bruckner erpresst hat?
33:11Wäre möglich.
33:12Ja gut.
33:13Dann bestellen wir nein.
33:16Aber Ihr Verdacht richtet sich gegen Herrn Sommer.
33:20Äh, ja.
33:22Einerseits.
33:23Er hat ein sehr starkes Motiv.
33:26Allerdings wird es schwer, ihm irgendwas nachzuweisen, solange wir nicht genügend Indizien haben.
33:29Ja, das Gleiche träfe ja auch auf Herrn Auer zu.
33:32Ja, freilich.
33:33Er hat ein genauso starkes Motiv.
33:35Und sein Alibi, zumindest was den späten Abend vor Hafners Tod angeht, ist genauso schwach wie das von Sommer.
33:40Sagen Sie, Sommer ist doch Auer als Anwalt.
33:42Ja, richtig.
33:43Das heißt, wenn wir Auer einbestellen, kommt Sommer auch.
33:45Ja, denke ich schon, ja.
33:47Ja, dann machen Sie das doch.
33:48Und dann sehen wir, was dabei rauskommt.
33:49Mit Brockner fangen wir an.
33:51Ja, es stimmt.
33:53Ich habe mir gelegentlich was abgezweigt von den Stiftungsgeldern.
33:57Na und?
33:57Wem hat das schon geschadet?
33:59Ich mache den Vorsitz jetzt seit fünf Jahren.
34:02Ehrenamtlich.
34:03Alles unentgeltlich.
34:04Und ich habe mich nicht geschont all die Jahre.
34:06Und wenn ich dann ein bisschen meine Pension aufstocke, nu?
34:09Pension aufstocken ist gut, Herr Brockner.
34:12Sie haben Rechnungen gefälscht.
34:13Das nennt man Betrug.
34:16Ja, glauben Sie, das ist so einfach, ja?
34:19Wenn man Jahr für Jahr sieht, wie sich zum Teil sehr untalentierte Skribenten hier einnisten
34:26und in Saus und Braus von den Fondgeldern leben?
34:29Das klingt aber sehr nach Neid.
34:31Nach Neid.
34:35Gut, nennen Sie es Neid, ja.
34:38So üppig habe ich als Lehrer nicht verdient, dass ich jetzt aus dem Vollen schöpfen könnte.
34:42Und die Pension, wie gesagt.
34:45Eben, eine Pension als Lehrer.
34:48Und dazu noch die Führungen.
34:50Aber der Erlös daraus kommt doch auch dem Fond zugute.
34:54Die Arme.
34:55Auf jeden Fall hat Florian Haftner ihre Betrügereien aufgedeckt und hat sie erpresst.
35:02Ja, ist doch mir egal, welche Konsequenzen es haben würde, wenn das auffliegt.
35:11Ich meine, eine Hafenstrafe in meinem Alter.
35:18Ich würde hier doch wahrscheinlich nicht lebend mehr herauskommen.
35:26Also habe ich gezahlt.
35:29Ja.
35:30Aus den Mitteln der Stiftung?
35:32Ja.
35:34Ja.
35:35Die Zahlung war natürlich keine Garantie für Sie.
35:40Haftner hat sogar schon angekündigt, dass das nicht der letzte Check gewesen sein wird, den er von mir erhält.
35:52Was Sie jetzt denken, das kann ich gut nachvollziehen.
35:56Aber nein, ich habe ihn nicht umgebracht.
36:02Ich habe den Stein nicht gelockert.
36:05Ja, wenn ich das getan hätte, ja, damit hätte ich doch überhaupt alles erst in Gang gesetzt.
36:10Dass Sie die Umstände seines Todes untersuchen und damit überhaupt erst hinter diese Unregelmäßigkeiten kommen.
36:20Das ist richtig.
36:22Es ist nur die Frage, ob Sie das vorher auch schon bedacht haben.
36:25Tja, ich schätze, wir müssen Sie erst mal in Untersuchungshaft behalten.
36:32Bitte.
36:39Frau Stocke, gibt es etwas Neues vom Auer?
36:41Ah, ja, der kommt, sobald sein Anwalt Zeit hat.
36:44Das habe ich mir gedacht.
36:46Haben Sie schon was von Haftners Handy gesprochen?
36:48Der Michi ist bei der KTU, um denen ein bisschen Druck zu machen.
36:51Sehr gut.
36:54Ich denke, wir sollten uns noch mal die Schlüge zusammen zur Grüße nehmen.
36:57Frau Stockel, wie meinen Sie das?
36:58Na, wie ich sage.
36:59Ja, Moment.
37:01Halt, die beiden Herren, die warten jetzt im Vernehmungsraum.
37:04Super, Frau Stockel.
37:05Sind Sie so nett und bestellen mir die Schlüge zusammen ins Präsidium?
37:08Und wohin?
37:08Ja, ins Büro.
37:09Gut.
37:13Frau Huberstockel, hier können Sie sich...
37:14Sie meinen, ich, äh, ja, arbeitslärmisch.
37:17Na gut, ich schaffe die beiden Herren auch alleine.
37:20Na, also.
37:24Herr Auer, Sie fühlten sich durch Haftners Kritik an Ihrem Aphorismenband beleidigt?
37:29Es tut nichts der Sache, ob Herr Auer sich beleidigt fühlte.
37:33Haftners Attacken waren beleidigend.
37:34Wir sind Sie noch nicht vor Gericht, Herr Sommer.
37:37Ich kann das durchaus nachvollziehen, dass man sich da verletzt fühlt,
37:40zumal Herr Haftner also ziemlich jeden Ihrer Sinssprüche gekontert hat.
37:45Unter anderem auch diesen,
37:48die Vernunft ist die kalte Schwester der Leidenschaft.
37:53Daraufhin schreibt Haftner...
37:55Ja, ja, ich weiß, was er geschrieben hat.
37:57Aber mich von ihm als warmen Bruder der Unvernunft bezeichnen lassen zu wissen,
38:01das geht dann wirklich zu weit.
38:05Ausgerechnet ich, wo ich eh schon dreimal verheiratet war.
38:10Sie haben ihn noch sicher zur Rede gestellt.
38:12Ja, aber so arrogant, wie der war.
38:14Herr Auer, das ist hier nicht von Belang.
38:16Da hat er noch von Zensur gesprochen
38:17und dass er das alles öffentlich machen wird,
38:20da habe ich mir gedacht, nein, so Bürschchen, so bitte nicht.
38:24Das heißt?
38:24Ja, ich habe dann Herrn Sommer konsultiert
38:26und er hat mir dann die Unterlassungsklage empfohlen.
38:30Mhm.
38:31Da haben Sie wohl auch Ihr eigenes Süppchen gekocht.
38:33Wen vernehmen Sie?
38:35Mich oder Ihnen?
38:36Schon gut.
38:38Herr Auer, wir haben
38:40einige Ihrer Bauarbeiter befragt aus dem Steinbruch.
38:43Ja, meine Bauarbeiter.
38:46Ja.
38:48Sie haben ja ziemlich vom Leder gezogen, als die Beleidigungen nicht aufführten,
38:52trotz der Klage.
38:54Zum Beispiel haben Sie gesagt,
38:56dass er sich auf eine harte Landung einstellen könne,
38:59wenn er so weitermacht,
39:00oder dass es auch noch ganz andere Mittel gäbe,
39:03als das Recht.
39:05Naja, noch einige solche Äußerungen von ihm,
39:07die man leicht als Drohung werten kann.
39:08Stimmt das?
39:11Warum haben Sie mir das...
39:13Ich würde gern mit meinem Mandanten allein sprechen.
39:16Nur zu.
39:23Sie wollten Ihren Mann verlassen?
39:25Ja.
39:26Er wollte mir meinen Fehltritt nicht verzeihen.
39:29Dabei war es gar kein Fehltritt.
39:31Sie haben Florian Haftner geliebt?
39:34Er war so verständnisvoll.
39:36So sanft.
39:38So zuversichtlich.
39:41Als mein Mann herausgefunden hat,
39:43dass es mit Florian und mir ernst ist,
39:46da war es nicht mehr zum Aushalten mit ihm.
39:47Er hat sich voll in diese Unterlassungsklage
39:50gegen Florian gestürzt.
39:51Er wollte ihn zerstören.
39:54Aus Rosenheim vertreiben.
39:56Aber ich wäre mit Florian gegangen.
39:57Darüber waren wir uns beide einig.
39:59War das Ihrem Mann klar?
40:02Bis für ein paar Tage nicht.
40:04Aber dann hatten wir Streit
40:06wegen irgendeiner Belanglosigkeit.
40:08Und dann habe ich es ihm gesagt.
40:09Und wie hat er darauf reagiert?
40:12Er war außer sich.
40:17Entschuldigen Sie.
40:20Diese Aussage belastet Sommer aber schwer.
40:23Nein.
40:24Trotzdem könnte ich genauso gut
40:25der Auer oder der Bruchung
40:26die Tat begangen haben.
40:27Dann werden die wohl kein Geständnis ablegen.
40:29Nein.
40:30Ist vielleicht auch gar nicht notwendig.
40:32Warum?
40:33Ich habe sämtliche Telefonnummern
40:34von Haftner sein Handy
40:35und alle ist im Essen.
40:37Und?
40:37Und eine davon ist besonders interessant.
40:40Abgeschickt am Tag vor seinem Tod
40:42an eine Dame in München.
40:43Pass auf.
40:44Hallo, mein Schatz.
40:45Ich habe es Silke gesagt,
40:47dass Schluss ist
40:47und ich mich für dich entschieden habe.
40:50Ich liebe dich.
40:51Bussi.
40:52Mit Y.
40:53Es war die richtige Entscheidung.
40:54Die richtige Entscheidung.
40:57Jetzt hat sie ihn, Mutti.
40:58Na, leider ein Wasser,
40:59dich das Alibi.
41:01Ja, für die letzten 24 Stunden
41:02vor dem Absturz.
41:04Mit einer Live-Sendung.
41:05Wer sagt denn,
41:06dass dies eine Live-Sendung war?
41:16Frau Sommer,
41:18wir haben bei Radio Rosenheim
41:19nachgefragt bezüglich der Sendung,
41:21die vorgestern Abend ausgestrahlt wurde
41:24und wegen der Sie angeblich im Studio waren.
41:27Man hat uns dort mitgeteilt,
41:29dass es sich um eine Reserve-Sendung gehandelt hat,
41:31die schon vor längerer Zeit aufgezeichnet worden ist.
41:34Und die wurde
41:35anstelle der ursprünglich geplanten Live-Sendung ausgestrahlt,
41:38die Sie ja nicht moderieren konnten,
41:40weil Sie sich an dem Abend freigenommen hatten.
41:42Kurzfristig.
41:43Es ist schwer,
41:44sich vorzustellen,
41:46für was Sie diese Zeit genutzt haben.
41:49Das Arschloch hat's verdient.
41:51Ich glaube,
41:52jetzt brauchen Sie einen guten Anwalt.
41:54Michi, abhören.
41:57Frau Sommer,
41:57will Sie bitte mitkommen?
42:05Für mich war es Ernst.
42:06Für ihn war es ein Spiel.
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