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KurzfilmeTranskript
00:00Musik
00:30Lassen Sie mich in Ruhe. Rufen Sie mich nicht mehr an. Nie mehr.
00:34Ich habe gewartet. Monate habe ich gewartet. Auf diesen Augenblick.
00:37Ich erinnere mich nicht. Ich erinnere mich an nichts. An gar nichts.
00:41Doch. Sie erinnern sich. An alles. An jede Einzelheit. Sie sind in Gefahr.
00:48Vertrauen Sie Ihrem Mann. Vertrauen Sie ihm wirklich.
00:51Hören Sie. Ich bin nicht mehr krank. Ich bin gesund. Mir geht's gut. Ich werde entlassen heute. Ich...
00:57Ich weiß.
01:01Sie sind hier. Sie sind da unten irgendwo. Ich will Sie sehen. Ich will Sie sehen.
01:11Kennen Sie mich noch? Ob Sie mich erkennen?
01:17Herr Blunker.
01:18Frau Dr. Degen.
01:20Kommen Sie.
01:22Ja, ich wollte meine Frau abholen.
01:24Ich muss noch kurz mit Ihnen sprechen. Mit Ihnen beiden, meine ich.
01:28Ja, klar. Natürlich.
01:30Morgen.
01:31Bringen Sie mir dann Ihre Blutwerte vorbei?
01:34Hol mal.
01:35Warten Sie.
01:36Sie sind früh dran.
01:39Je früher die Schlacht beginnt, desto eher gewinnt man Sie. Fechten wir es aus, Holmer.
01:44Das ist der Tag. Jetzt ist die Stunde. Auf ewige Freundschaft.
01:48Professor Tollesbach.
01:50Warum sind Sie eigentlich kein Professor? Bei dem, was Sie politiziert haben?
01:53Mein Klingerschild ist nicht lang genug.
01:56Ah, da ist es ja. Das Objekt unserer Begierde.
01:59Ja.
02:01Ich, ähm...
02:02Ich habe einen Fehler gemacht bei Judith.
02:04Helfen Sie mir, Kolmer. Es geht um Judiths Habilitation.
02:07Für Ihnen. Für Judith geht es um mir.
02:10Morgen.
02:11Morgen.
02:14Bitte nicht helfen.
02:16Ist so schon schlimm geworden.
02:25Herr Jablongka, die Entlassung Ihrer Frau zum jetzigen Zeitpunkt erfolgt gegen meinen Willen.
02:29Ihre Frau ist noch nicht stabil genug.
02:34Darf ich offen sprechen, Frau Jablongka?
02:36Da müssen Sie mich von der Schweigepflicht entbinden.
02:40Ja, gut.
02:43Ihre Frau ist latent suizidal.
02:45Bitte.
02:46Sie wissen, dass Ihre Frau unter Höhenangst leidet.
02:49Angst vor Brücken, vor Fahrstühlen, vor Hochhäusern.
02:52Sogar Angst davor, auf eine Leiter zu steigen.
02:54Diese Orte können suizidauslösend sein.
02:56Sie muss sie vermeiden. Unbedingt.
02:59Ja, natürlich.
03:00Ihre Frau und ich haben eine Therapie begonnen gegen Ihre Höhenangst.
03:04Aber die Ursache kennen wir noch nicht.
03:05Das heißt, Höhenangst ist nicht gleich Höhenangst.
03:09Die Ursache dafür liegt meist tief im Unterbewusstsein.
03:12Das kann ein Trauma sein, das man erlitten hat.
03:14Eine Verletzung, die die Seele nicht heilen kann.
03:16Ein Dilemma, aus dem man keinen Ausweg weiß.
03:19Was es bei Ihrer Frau genau ist, das können wir nicht sagen.
03:23Wir werden die Therapie ambulant fortsetzen.
03:26Ja, passen Sie gut auf Sie auf.
03:29Dankeschön, Frau Doktor.
03:31Wiedersehen.
03:33Wiedersehen.
03:34Danke.
03:36Danke.
03:41Ach, hier, das wurde gerade für Sie abgegeben.
03:47Für mich?
03:48Gebt es mir.
03:49Nein, nein, geht schon wieder.
03:52Tschüss.
03:52Wiedersehen.
03:55So, bitteschön.
03:56Danke.
03:57Wer hat das für Werden abgegeben?
03:59Ich bin ein älterer Herr mit so einer merkwürdigen Brille.
04:12Ist dir nicht gut?
04:13Soll ich anhalten, Karin?
04:20Karin, sag was.
04:25Sag es in Ordnung.
04:28Ich bin gesund.
04:41Karin?
04:43Karin?
04:44Karin?
04:44Lass mich los!
04:45Karin?
04:57Hilfe.
05:04Karin, lass!
05:12Hilfe.
05:17Niemand kann so verletzend Überlegenheit ausstrahlen.
05:20Niemand so facettenreich demütigen.
05:22Nicht mal du.
05:25Ruben, ich habe drei Kapitel meiner Habilitationsarbeit abgeliefert.
05:29Deine Kritik wurde immer ätzender und produktiver.
05:32Das sollte ich nicht.
05:33Das hast du nicht mal gemerkt.
05:35Das Problem ist doch...
05:36Judith, bitte.
05:37Lass uns noch mal...
05:38Dass es zwei Probleme gibt.
05:40Zwei?
05:40Hast du gerade zwei gesagt?
05:42Hast du eine Ahnung, was für Probleme ich habe?
05:44Hast du neben deinem Job habilitiert und dabei noch ein Kind großgezogen?
05:47Ja.
05:48Na bitte.
05:49Du wusstest, worauf du dich einfällst.
05:51Also, raus.
05:53Nein, Ola, bleib bitte hier.
05:54Ich brauche menschliche Unterstützung.
05:56Ich fühle mich wie ein Knochen, der zwischen zwei Hunde geworfen wurde.
06:01Zuletzt wusste ich nicht mehr, ob ich als Frau bestraft werde, die nicht mit ihrem wissenschaftlichen Betreuer schläft oder als
06:06Wissenschaftlerin, die schlechte Arbeit leistet.
06:09Das geht zu weit.
06:10Jetzt ist es raus.
06:11Werde ich hier vorgeführt?
06:13Ruben Donsbach, wissenschaftlich inkompetent, pädagogisch ein Versager, sexuell übergläufig.
06:17Zurück lief ich.
06:24Nicht mit mir.
06:32Auf ewige Feindschaft.
06:34Warum könnt ihr nicht einfach meine Entscheidung akzeptieren?
06:38Du nicht und er nicht.
06:39Ich sag was und es wird nicht gehört.
06:41Ich bin da und ich bin überhaupt nicht vorhanden.
06:43Ihr nehmt euch beide nichts, Colmar.
06:54Robert, so hoff er am Telefon, bringen.
06:57Ich komme, gerne.
07:01Weiterfahren, weiter.
07:02Was glauben Sie was das hier ist?
07:03Ein schöner Aussichtspunkt.
07:04Komm, weiter.
07:05Demenz ist eine Vollstrankheit in diesem Land.
07:07Was ist mit der Erze?
07:08Der Erze kommt gleich.
07:18Hallo.
07:18Hallo.
07:20Aufhauen, Verursacher ist vermutlich die junge Frau dort.
07:22Sie ist aus dem Pkw gesprungen, direkt vor den Lkw, der Not gebremst hat.
07:26Der Fahrer hat einen Schock und wird behandelt.
07:28Die junge Frau weigert sich behandelt zu werden.
07:31Sie soll auf der Straße gestanden haben, starre Vene Salzzeugen.
07:34Warum übernimmt das nicht die Unfallbereitschaft?
07:36Weil Sie um Hilfe geschrien hat.
07:37Danke, zu mir, ne?
07:38Nicht ausgeschlossen, dass der Mann Sie bedroht hat.
07:40Ich hole den Kaffee.
07:40Außerdem ist sie gerade aus der Psychiatrie entlassen worden.
07:43Kann sein, zu früh.
07:44Dann wäre das ärztliches Verschulden.
07:45Also guck dir die beiden mal an, ja, auf Kampf- und Abwehrspuren.
07:49Du hast schnell gefahren.
07:50Fahren ist gut.
07:52Gerast.
07:53Und das im Tiefschlaf.
07:56Frau Jablonka, das ist Dr. Colmar, unser Rechtsmediziner.
08:00Er wird Sie angucken.
08:01Guten Tag.
08:01Ich würde mir gerne Ihre Hände und Unterarme auf Verletzungen anschauen.
08:04Ich.
08:09Ihre Tasche.
08:12Die Schlüssel.
08:14Nicht.
08:15Das tut mir weh.
08:17Tja.
08:19Darf ich?
08:21Hallo, Joel Hofer, Zweite Mordkommissar.
08:23Danke, dass Sie mich angucken.
08:27Was ist mit Ihren Händen?
08:30Verkrampfung?
08:31Die Füße auch?
08:32Das Licht.
08:34Das ist wie ein Gewitter im Kopf.
08:38Was tun Sie?
08:39Etwas ganz einfaches.
08:40Meine Großmutter hat mir die Hand überhaupt auf den Hinterkopf gelegt.
08:42Das beruhigt noch mehr.
08:44Karin.
08:46Hanna Degen, Neurologin.
08:48Frau Jablonka ist meine Patientin.
08:49Robert Colmar, Rechtsmedizin.
08:52Ihre Großmutter hatte recht.
08:54Heute hat seinen Patienten oft eine halbe Stunde die Hand auf die Fontanelle gelegt.
08:57Um Sie zu beruhigen.
08:58Das ist eine uralte Erfahrung.
09:01Karin?
09:03Hören Sie mich?
09:09Das war doch Hans Geekmann.
09:12Was macht der denn hier?
09:14Man erkennt ihn wirklich nicht mehr.
09:18Kaffee zu der Ehe, Mann.
09:21Bleiben Sie sitzen.
09:28So, mal festdrücken, bitte.
09:30Ich nehme Sie mit in die Klinik.
09:32Nein.
09:34Keine Widerrede.
09:35Bitte, Tom.
09:37Der Fahrer ist zu schnell gefahren.
09:39Viel zu schnell.
09:40Sie steht unter Schock.
09:41Sie gehört in ärztliche Betreuung.
09:43Ich will nach Hause.
09:49Gut.
09:51Rufen Sie mich an, wenn es dir schlechter geht.
09:52Bei den kleinsten Anzeichen, egal wann.
09:55Und Sie kommen morgen nicht in die Klinik.
09:57Ich komme zu Ihnen.
09:58Verstanden?
10:09Und jetzt fährt sie nach Hause.
10:11Mit ihrem Mann.
10:16Spiele der Seele.
10:17Haben Sie das geschrieben?
10:18Ist ein Ladenhüter.
10:20Aber ich habe heute Abend eine Lesung.
10:21Da kann ich immer noch was verkaufen.
10:23Aha.
10:25Wird Anklage gegen Frau Jablonka erhoben?
10:27Nein, nicht bei einem Auffahrunfall mit vermutlich sehr stark überhöhter Geschwindigkeit.
10:33Diese Beugung und Streckung der Hände, ist das krampfinduziert?
10:37Was ist die Ursache?
10:38Angst.
10:39Angst ist ein schrecklicher Feind.
10:41Und er tritt in den seltsamsten Verkleidungen auf.
10:45Der Chef im Labor?
10:46Wie lief das Gespräch mit Donsbach?
10:50Judith hat es als große Männerunterdrückung Frauenspiel gespielt.
10:54Mit dem Ergebnis, dass sie jetzt auch auf mich wütend sein darf.
10:56Er hat einen Sündenbock zu haben, ist jetzt enorm wichtig für Sie.
10:59Und dafür bist du nochmal die Idealbesitzung.
11:01Sie steckt Meter tief in der Krise.
11:02Und ich muss tun, das würde ich nicht merken.
11:05Donsbach können wir abschreiben.
11:05Zu Donsbach später.
11:06Erstmal habe ich eine Idee.
11:08Ziemlich gewagt, zugegeben.
11:09Es kann eine Menge Schiefkinder sein.
11:10Wie das eben bei allen großen Ideen so üblich ist.
11:14Die betrifft übrigens uns beide.
11:16Du weißt, wovon ich rede?
11:18Das ist vielleicht doch nicht so eine gute Idee, Chef.
11:21Hast du eine bessere?
11:23Ich habe mit dem Pro-Rektor gesprochen, auch über Donsbach.
11:26Wollen wir reden?
11:30Ich habe eine Obdaktion.
11:33Außerdem muss ich den Sündenbock spielen.
11:48Danke.
12:05Hör auf, mich zu bevormunden.
12:07Hör auf, dich in meine Angelegenheiten einzumischen.
12:10Hör auf, mich zu provozieren.
12:12Ich habe nichts gesagt.
12:13Es reicht ja schon, der Tonfall, indem du nichts zu mir sagst.
12:16Und die Art, wie du mich nicht anguckst.
12:20Fred, bei dir alles in Ordnung?
12:22Klar.
12:22Und selbst?
12:23Bestens.
12:26Wir sollten versuchen, unsere Emotionen hier aus dem Raum zu halten.
12:30Jedenfalls solche.
12:31Wir hatten eine BRK von 2,1 Promille.
12:34Also eine ganze Menge Alkohol im Blut.
12:37Todesursache.
12:38Verbluten aufgrund der Durchtrennung beider Halsschlagadern
12:41durch ein scharfkantiges Metallstück
12:43infolge eines Auffahrunfalls
12:44unter Alkoholeinfluss mit vermutlich stark
12:46überhöhter Geschwindigkeit.
12:54Es gibt hier eine junge Frau, die glaubt, diesen Unfall verursacht zu haben.
12:59Sie ist selbstmordgefährdet.
13:00Heute Morgen hast du Psychiatrie entlassen worden.
13:02Und vermutlich ist es für sie wichtig zu erfahren,
13:05wie wenig Schuld sie an diesem Unfall hat.
13:08Möglicherweise überlebenswichtig.
13:10Entschuldigung.
13:12Fangen wir an?
13:17Essen ist fertig.
13:20Ich komm gleich.
13:38Letzte Einladung des Küchenchefs.
13:40Ich füll noch schnell eine Waschmaschine.
13:42Fünf Gänge.
13:43Je länger du brauchst, desto weniger werdens.
13:52Herzlich willkommen, ihr Doktor Jonas Uhls.
13:56Luhm von meinem Ex-Chef?
13:59Dr. Uhls war hier.
14:01Äh, nein, er hat sie geschickt.
14:03Aber er hat mehrmals noch ein Tür gefragt.
14:05Wirf sie weg, bitte.
14:06Was?
14:07Frag nicht, tu es einfach, bitte.
14:12Ich stelle sie vor die Tür.
14:15Karin?
14:35Du hast meine Post aufgemacht?
14:37Ja, ich dachte, wenn es was Wichtiges gibt,
14:41ich wollte sie nicht erst noch in die Klinik bringen.
14:44Jetzt komm essen.
14:44Und, war was Wichtiges dabei?
14:46Nein.
14:49Oder hat dich das hier interessiert?
14:53Ja.
14:55Ja, das, äh, das hat mich interessiert.
14:59500.000 Euro.
15:01Doch, ja.
15:02Du besitzt 500.000 Euro, von denen ich nichts weiß.
15:05Auf einem Konto, das ich nicht kenne.
15:06Ich hab natürlich auch keine Ahnung, von wem du sie hast oder wofür du sie bekommen hast.
15:09Ja, klar, natürlich hat mich das ein bisschen interessiert.
15:12Das gehört mir nicht.
15:13Ich hab's zurückgeschickt mehrmals.
15:14Tom, bitte.
15:15Sie haben's mir immer wieder überwiesen.
15:17Wer?
15:18Warum?
15:19Wofür?
15:19Als ob du das nicht wüsstest.
15:22Was?
15:23Was soll ich wissen?
15:25Wovon redest du?
15:28Karin, ich, ich hab das Gefühl, dass ich keinen Kontakt mehr zu dir bekomme.
15:34Ja, wir sprechen miteinander, aber nur noch in Rätseln, Andeutungen.
15:38Was ist das, was du denn mit dir rumschleppst?
15:40Was für ein Trauma oder was auch immer.
15:42Und woher kommt das Geld?
15:46Wie soll ich dir helfen, wenn du mir nichts erzählst?
15:50Vorhin, da ist ein Mensch gestorben.
15:52Warum bist denn du auf einmal aus dem Auto gesprungen?
15:54Na gut, wenn du krank bist, dann...
15:56Ich bin nicht krank.
15:58Warum redet ihr mir das alle ein?
16:00Was ist mit den Blumen?
16:02Was ist mit Dr. Ohls?
16:03Er hat erfahren, dass es dir nicht gut geht.
16:05Er hat gefragt, ob er helfen kann.
16:06Nichts weiter.
16:07Hast du ihn getroffen?
16:09Karin?
16:12Woher kommt das Geld?
16:13Hat er dir auch welches geboten?
16:15Wofür?
16:16Was wofür?
16:17Sag mal, bist du jetzt total verrückt geworden, oder was?
16:20Sag das nicht nochmal, ja?
16:22Sag das nicht nochmal, geh bitte.
16:24Geh raus, hast du gehört?
16:26Geh bitte raus.
16:27Karin, bitte.
16:29Karin!
16:30Wenn ihr Mann sagt,
16:32Mamilein, wo sind meine Schuhe?
16:34Oder Schnuckelchen, wenn ich dich nicht hätte.
16:37Also, Sie kennen das ja, der Gatte macht auf hilflos.
16:40Das heißt, er will versorgt werden.
16:41Im Grunde will er wieder Kind sein
16:43und Sie zu seiner Mami machen.
16:45Lassen Sie diese Rollenverteilung nicht zu.
16:48Niemals.
16:49Hören Sie?
16:50Auch wenn Sie dann das Sagen in der Ehe haben.
16:52Der Preis ist einfach zu hoch.
16:54Denn dann ist es vorbei mit dem Sex.
16:59Weil die Inzest-Schranke zwischen Mutter und Kind wieder in Kraft tritt.
17:02Unbewusst, natürlich.
17:04Aber deshalb haben mütterliche Frauen ein Problem.
17:08Sie werden nicht mehr gebumst.
17:10Und ich finde, es gibt schon zu viele mütterliche Frauen in diesem Land.
17:15Kaufen Sie mein Buch.
17:19Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
17:21Du bist großartig.
17:23In jeder Hinsicht.
17:25Ich erlaube mir das kurze Glück, dir zu glauben.
17:28Kann ich dich mitnehmen?
17:30Ich bleib noch ein bisschen.
17:36Gratuliere.
17:36Sie haben es gerade geschafft, dass ich heute Abend ein Buch lesen darf.
17:40Ich hoffe, Sie haben eins.
17:41Ansonsten ist hier ja reichlich Auswahl.
17:42Oh ja, aber vermutlich werde ich nicht recht bei der Sache sein.
17:46Schönen Abend.
17:48Ihnen auch.
18:01Karin Jablonka.
18:02Ich muss mit Ihnen reden.
18:04Dringend.
18:06Ja, jetzt noch.
18:09Ja, ja, ich weiß wo.
18:13Du willst weg?
18:15Jetzt noch.
18:16Ich muss noch was erledigen.
18:19Etwas sehr Dringendes.
18:20Ich komme mit.
18:23Es tut mir leid wegen vorhin.
18:25Das Geld, das...
18:26Frau Dr. Degen hat gesagt, du leidest an einem Trauma.
18:30Hat das Geld was damit zu tun?
18:32Du kannst es haben, alles.
18:33Ich brauche kein Geld.
18:35Ich will eine Antwort haben.
18:37Du kriegst sie.
18:38Wenn ich sie habe, kriegst du sie.
18:41Karin!
18:45Karin!
18:46Karin!
18:46Karin, mach die Tür auf!
18:50Ich habe eine Patientin.
18:53Sie ist Oberärztin in einer Kinderkrebsklinik.
18:56Sie wissen, was das heißt.
18:59Eine sehr schöne Frau.
19:02Sie war in 21 Jahren dreimal verheiratet.
19:06Und die ganze Zeit über hatte sie einen und denselben Geliebten.
19:11Ihren jeweiligen Ehemännern ist es nicht weiter aufgefallen,
19:14weil sie schon vor der Hochzeit gesagt hat,
19:16dass sie an jedem letzten Wochenende im Monat
19:18zur Weiterbildung muss.
19:22Tja, und da trifft sie dann ihren Geliebten.
19:25Seit 21 Jahren in einem kleinen Hotel in Brandenburg.
19:30Sie schlafen miteinander, reden, gehen spazieren.
19:35Und sie sagt, wenn sie ihn nicht hätte,
19:38hätte sie sich schon längst umgebracht.
19:42Wunderbare Geschichte.
19:44Ja, die es nicht geben würde, wenn sie ihn geheiratet hätte.
19:47Ihren Geliebten, meine ich.
19:50Frau Jablonka geht nicht an ihr Handy.
19:54Entschuldigung.
20:10Karin?
20:12Ach, Sie sind's.
20:14Ich weiß es nicht.
20:16Sie hat telefoniert und ist aus dem Haus.
20:21Nur, dass sie noch irgendetwas Wichtiges zu erledigen hat.
20:25Ich glaube...
20:26Was?
20:27Ich glaube, es hängt mit dem Kuvert zusammen,
20:29das sie heute im Krankenhaus bekommen hat.
20:34Nein.
20:35Ich weiß nicht, was drin ist.
20:38Sie hat es mitgenommen.
20:40Ja.
20:42Ich rufe Sie an.
20:46Sie ist weggerannt.
20:49Die Geschichte der Oberärztin, das ist Ihre Geschichte, nicht wahr?
20:54Sie waren vielleicht nicht dreimal verheiratet.
20:56Und wahrscheinlich sind Sie auch nicht 21 Jahre mit Ihrem Geliebten zusammen.
21:01Aber es ist Ihre Geschichte.
21:02Es ist die Geschichte, die wir uns alle wünschen.
21:09Schlafen Sie gut.
21:30Ja, bitte?
21:32Hier ist Karin Jablonska.
21:34Bitte, kommen Sie.
21:38Bitte schön.
21:40Was hat mein Mann mit Dr. Ohls gesprochen?
21:42Was heißt, ich bin in Gefahr?
21:44Und wie kommen Sie denn darauf, dass ich meinem Mann nicht vertrauen kann?
21:47Ich habe Sie was gefragt.
21:49Vielleicht wundert es mich, dass Sie noch leben.
21:51Was reden Sie denn da?
21:53Hier.
21:54Ihr Mann und Ihr alter Chef, Dr. Ohls.
21:59Wissen Sie überhaupt, mit wem Sie es zu tun haben?
22:02Um wie viel Geld es geht?
22:04Was für eine mächtige Lobby das ist?
22:06Wozu diese Leute in der Lage sind?
22:08Das sind Strategen.
22:09Die handeln langfristig.
22:11Die haben überall ihre Leute platziert.
22:13In der Politik, in den Medien.
22:14Ich habe vor drei Jahren gekündigt.
22:16Ich war arbeitslos.
22:17Ich war in der Psychiatrie.
22:18Ich bin nichts.
22:19Ich bin gar nichts.
22:20Ich bin eine kleine, verwirrte Sekretärin.
22:23An dem Tag, an dem ich entlassen werde, rufen Sie mich an.
22:26Mein Mann trifft sich mit Dr. Ohls.
22:29Warum?
22:30Warum ich?
22:30Und warum ausgerechnet jetzt?
22:32Weil der Bundestag in zwei Wochen über den Export von Kernkraftwerkstechnik entscheidet.
22:36Ein 12-Milliarden-Projekt.
22:39Übrigens, wissen Sie, wo Ihr Dr. Ohls inzwischen arbeitet?
22:42In der Energieaufsichtsbehörde.
22:45Außerdem hat er eine eigene Firma für Kernkraftwerkstechnik.
22:48Wollen Sie nicht Platz nehmen?
22:50Er hat also ein doppeltes Interesse daran, mit Ihrem Mann zu...
22:53Ich kann Ihnen nicht helfen, bitte.
22:54Doch, das können Sie.
22:55Hier.
22:57Todesfälle, Krankheiten, versteppte Schäden.
22:59Abgeschmetterte Klagen, versteppte Prozesse.
23:02Und nicht ein einziges Urteil zugunsten der Betroffenen.
23:04Nichts, gar nichts.
23:05Keine Abfindung, kein Schuldeingeständnis.
23:07Und das Argument der Gerichte ist immer dasselbe.
23:10Keine Kausalität.
23:11Das Gericht kann nicht zweifelsfrei feststellen,
23:13dass der eingetretene Körperschaden ursächlich mit einer Tätigkeit
23:16in einem Kernkraftwerk im Zusammenhang steht.
23:18Die Klage wird abgewiesen, die Kosten trägt der Kläger.
23:22Sehen Sie mich an.
23:24Ich bin so ein Geschädigter.
23:26Ich bin so ein Kläger.
23:28Kann ich was zu trinken haben, bitte?
23:30Das Einzige, wovor diese Leute Angst haben, ist Insiderwissen.
23:37Ein Insider.
23:39Jemand, der sagt, ich war dabei.
23:41Ich habe gesehen.
23:42Ich habe gehört.
23:44Ich kann beschwören.
23:45Jemand wie Sie.
23:46Jetzt ist Ihre Angst am größten.
23:48Unmittelbar vor der Bundestagssitzung.
23:50Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert.
23:52Es gibt Proteste dagegen.
23:54Ich kenne eine Reihe Journalisten, denen ich vertrauen kann.
23:56Nein, selbst wenn ich wollte, ist es zu spät.
23:58Ich bin krank.
23:59Ich bin in psychiatrischer Behandlung.
24:01Ich bin vor keinem Gericht mehr glaubwürdig.
24:03Doch, das sind Sie.
24:04Vielleicht nicht mehr lange, aber noch sind Sie es.
24:06Ich habe eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben.
24:09Und eine Abfindung bekommen.
24:11Ist es das?
24:12Nein, das ist es nicht.
24:13Ich habe das Geld zurücküberwiesen.
24:16Mehrmals.
24:16Ich will das gar nicht haben.
24:18Mehrmals?
24:18Was sagen Sie?
24:20Begreifen Sie denn nicht?
24:21Wenn Sie Ihre Abfindung zurückgeschickt haben,
24:23dann haben Sie nicht nur ein Problem.
24:24Sie sind eines.
24:25Was ist mit Ihrem Mann?
24:27Manipuliert er Sie?
24:28Tragt er Sie in die Angst?
24:29Vielleicht bezahlt ihn jemand dafür.
24:31Hören Sie, Sie müssen zu Hause ausziehen.
24:33Die Leute haben Sie im Visier.
24:35Und deswegen haben Sie nur noch die einzige Chance,
24:37mir zu helfen, mit uns an die Öffentlichkeit zu gehen.
24:41Ich muss jetzt gehen, bitte.
24:42Seien Sie doch nicht so verdammt naiv!
24:48Das ist er.
24:50Ja, der hatte hier ein Glasauge, oder was?
24:54Der stand doch hinter uns und hat uns angeglotzt.
24:57Der war im Unfallort.
24:59Stürz vom Balkon.
25:01Kein Hinweis auf Fremdverschulden?
25:03Die Örtliche hat ja nicht mal eine Mordkommission verständigt.
25:07Gickmann, Hans, Invaliden, Rentner, Schwerstbehindert,
25:10Todeseintritt vermutlich zwischen 23 und 01 Uhr.
25:14Selbstmord, Selbstmord, Fragezeichen, Unfall, Fragezeichen, Zufall, Fragezeichen.
25:20Zufall, Fragezeichen.
25:20Gestern noch ein Unfallort und heute tot.
25:23Ach, kein Zufall, fünf Ausrufezeichen.
25:26Sein letztes Handygespräch war gestern Abend am 21.30 Uhr mit Karin Jablonka.
25:31Guten Morgen.
25:33Entschuldigung.
25:35Wo ist das?
25:37Ein alter Mann, der das Glück verlassen hat.
25:40Endgültig.
25:44Karin Jablonka, 34 Sekretärin, hat bis vor drei Jahren in einem Kernkraftwerk gearbeitet.
25:51Arbeitslos, kinderlos, aber verheiratet.
25:54Keine Vorstrafen, aber ein Haufen Geld auf dem Konto.
25:58Das lebe das Deutsche Bankheimnis.
26:00Du brauchst nicht mal mehr eine richterliche Erlaubnis für eine Konteneinsicht.
26:03Alles gläsern.
26:04Handy, Konto, Computer, der gläserne Bürger.
26:07Wunschtraumen aller deutschen Innenminister.
26:08Man schämt sich ja schon, Kriminalwahnter zu sein.
26:11Wie viel?
26:11500.000, aber seit drei Jahren nichts angerührt.
26:14Ja, vielleicht möchtest du den Ehemann gerne anrühren.
26:17Vielleicht?
26:22Magenprobleme?
26:23Ich habe einen gusseisernen Magen.
26:26Wo ist die Schnittstelle, Etzel, zwischen Karin Jablonka und Hans Gickmann?
26:30Wo?
26:31Haben die zwei was gegeneinander oder gibt es einen dritten, der was gegen die beiden hat?
26:35Also, wo die Schnittstelle ist, weiß ich nicht so genau, aber das Klo, das ist da vorn.
26:40Und wie wäre es mit einem Arzt?
26:44Und Einriss der Orte im bogigen Teil.
26:48Todesursache, verbluten nach innen infolge eines stumpfen Thorax-Traumas.
26:55Kein Kratzer, nicht mal auf den Fingerbären unter einen Einriss.
26:59Kein Kratzer, nichts.
27:01Keine Kampfspuren, keine Abwehr oder Rettungsverletzung.
27:07Dafür ein operativ versorgtes Augenkarzinom.
27:11Multiple Primärkarzinome mit Metastasenstreuung.
27:16Lungenfibrose.
27:18Das Knochenmark.
27:21Blass.
27:23Ausgedünnt.
27:25Als Ursache für so ein Krankheitsbild kommt nur eines infolge.
27:30Radioaktivität.
27:31Aber er muss einer enormen Strahlungsexposition ausgesetzt gewesen sein.
27:35Was war er denn vom Beruf, Fred?
27:37Der hatte eine Leiharbeiterfirma.
27:40Ja, tja, wie kommt man da mit Radioaktivität in Kontakt?
27:46Tod?
27:49Kann ich Ihnen irgendwas anbieten?
27:51Ich, einen Kaffee.
27:54Nein, danke.
27:56Möchten Sie allein mit Frau Jablonka sprechen?
27:58Mir ganz recht, Fernando.
28:03Frau Jablonka, gestern haben Sie Hans Gickmann angerufen.
28:07Warum?
28:10Hat er sich umgebracht?
28:13Er ist vom Balkon gestürzt.
28:15Sie waren die Letzte, die mit ihm telefoniert hat.
28:20Gestern, gestern Abend.
28:23Karin?
28:25Geht es Ihnen gut?
28:27Frau Jablonka, wir haben Ihre Handyverbindung abgefragt.
28:29Hans Gickmann hat Sie gestern Morgen angerufen, in der Klinik.
28:32Aus einer Entfernung von nicht mal 100 Metern.
28:35Warum?
28:36Entschuldigung.
28:41Er hat Sie am Nachmittag angerufen und am Abend.
28:43Und er war am Unfallort.
28:45Das heißt, er muss Ihnen von der Klinik aus gefolgt sein.
28:47Warum, Frau Jablonka?
28:49Ich sollte ihm helfen.
28:51Frau Dr. Degen.
28:52Okay, wobei?
28:54Anwalt, nicht aufgeben.
28:56Versuchen Sie, sich zu erinnern.
28:57Versuchen Sie, Ihre Gefühle in Worte zu fassen.
29:01Wenn Ihre Tränen eine Stimme hätten, was würden Sie sagen?
29:08Sie würden...
29:10Frau Jablonka, wann haben Sie Hans Gickmann zum letzten Mal gesehen?
29:14Ich bin so fein, immer nur so fein.
29:18Geben Sie ein bisschen Zeit.
29:26Entschuldigung.
29:28Entschuldigung.
29:30Hm, ich war gestern gerade wieder da.
29:33Oh, oh, war da drin?
29:34Ah, nicht stören.
29:38Man denkt.
29:39Vier Tassen Kaffee habe ich schon reingebracht.
29:41Für jeden.
29:44Hübsches Kleid hast du da an.
29:46Gott und Halbgott stecken die Köpfchen zusammen da drin.
29:49Robert!
29:51Ich habe Myoglobin nachgewiesen, Verräterin.
29:54Robert!
29:55Robert!
29:57Hinter verschlossener Türe reden die beiden sowieso nur über eins.
30:01Du meinst über Sex?
30:03Ganz im Gegenteil, über mich.
30:05Judith!
30:06Judith!
30:10Oh, danke.
30:16Ausfällung von Myoglobin.
30:19Erhöhte Enzymwerte.
30:21Habt ihr über mich geredet?
30:24Beiläufig.
30:25Ich fahre jetzt mit Joe in Gickmanns Wohnung.
30:27Joe, geht's nicht gut so.
30:28Das weiß ich.
30:30Warum redet ihr nicht mit mir über mich?
30:32Weil ich für so ein hochsensibles Thema vielleicht nicht die richtige Gesprächspartnerin bin?
30:37Willst du mich erst entmündigen und dann adoptieren oder gleich?
30:40Da tritt die Inzestschranke in Kraft.
30:41Was für eine Schranke?
30:42Und ich erhoffe mir noch so viel von dir.
30:45Im Labor.
30:49Noch ein paar Zentimeter näher, du kannst mir die Nase wachsen.
30:51Entschuldige, ich war in Gedanken schon ganz im Labor.
30:54Also die Ausfällung von Myoglobin bedeutet Auflösung von Skelettmuskulatur.
31:00Das wiederum setzt ein Krampfgeschehen voraus.
31:02Ja.
31:04Aber wodurch wurde das Krampfgeschehen ausgelöst?
31:06Dann muss man mit einer speziellen Toxikologie ran.
31:09Ja.
31:11Dann bist du wieder da.
31:13Kommt drauf an, wie lange es dauert.
31:22Wo ist er?
31:23Okay.
31:27Den Kleidungsspuren nach ist er rückwärts rübergeklippt.
31:32Falls er selbst noch war, muss er zumindest...
31:36...die Fußgelenke durchgedrückt haben.
31:39Wegen der Brüstungshöhe und seiner Körpergröße.
31:43Ohnmacht scheidet aus, der wäre hier zusammengesackt.
31:46Unfall, ja klar.
31:50Jetzt ist es gesagt, du warst immer noch nicht bei Marz.
31:51Ja, ich hab...
31:52In einer halben Stunde hab ich einen Termin.
31:56Fremdtäterschaft?
31:57Der hat ja nicht mal reflexartig versucht, sich irgendwo festzuhalten.
32:01Wozu man eigentlich immer Gelegenheit hat.
32:02Selbst wenn einem Täter die Füße plötzlich hochreißt.
32:06Oder eine Täterin.
32:08Nehmen wir mal an, Karin Jablonka ist gar nicht so krank.
32:11Die Ärztin sagt, sie leidet an Höhenangst.
32:14Heben, sie wäre gar nicht in der Lage gewesen, den Balkon zu betreten.
32:18Das ist ein wunderbares Alibi.
32:19Was ist denn?
32:20Ja, die Lampen.
32:22Alle Strahler weisen in eine Richtung.
32:24Mein Gott, die örtliche hat den Aufwendort ausgelichtet.
32:27Das hat niemand was bemerkt.
32:30Außer ein alter Mann, der gehört dann will, dass die Musik plötzlich lauter gedreht wurde.
32:33Sehr kurz, sehr laut.
32:35Aber er ist sich nicht mal sicher, ob es hier bei Ginkmann war.
32:41Schmerzmittel, Beta-Blocker, Psychopharmaka.
32:46Seinen Hausapotheker hat er zum reichen Mann gemacht.
32:50Krankenakten, Anklageschriften, es geht immer um dasselbe.
32:54Einsatz von Leiharbeitern im Atomkraftwerk Hohe Nord, Einsatz von Leiharbeitern im AKW Bayerberg.
33:03Leiharbeiter? Einsatz von Leiharbeitern in Kernkraftwerken?
33:08Ginkmann war zwar Chef, hat aber selber mitgearbeitet.
33:10Er war schwerst krank.
33:12Multiple Karzinome, sogar das Knochenmark war geschädigt.
33:15Das heißt?
33:16Zweierlei.
33:17Dass die Schädigung von einer überdosis radioaktiver Strahlung stand.
33:21Und dass er der offensichtlich in einem Atomkraftwerk ausgesetzt war.
33:25Da gehen ja gleich noch ganz andere Türen auf.
33:27Karin Jablonke hat ja als Sekretärin des Direktors für Sicherheit gearbeitet.
33:31Im Atomkraftwerk Hohe Nord.
33:35Jedes Jahr von März bis November werden in deutschen Kernkraftwerken die abgebrannten Brennstäbe ersetzt.
33:40Bei den folgenden Wartungsarbeiten werden ca. 23.000 Leiharbeiter eingesetzt.
33:47Jährlich.
33:48Steht hier.
33:51Ciao, alles okay?
33:54Ciao.
33:57Kannst du mich fragen?
33:58Doch nicht einfach zum Arzt, ne?
34:02Ja.
34:11Hallo.
34:12Judith.
34:14Ich...
34:17Ah, nix.
34:21Tschüss.
34:22Tschüss.
34:32Also, die Karin Jablonke hat für das AKW Hohe Nord gearbeitet.
34:36Als Sekretärin des Direktors für Sicherheit.
34:39Der Hans Giedmann, der hat einen Vertrag mit dem AKW Hohe Nord über den Einsatz von Leiharbeitern.
34:45Daher kannten die beiden sich.
34:47Der Dr. Jonas Ohls, der damalige Chef für Sicherheit, der ist heute Direktor für Reaktorsicherheit bei der Deutschen Energiebehörde.
34:57Und das, ja, das ist kein Karrieresprung, das ist ein Raketenflug.
35:02Außerdem hat seine eigene Firma für Reaktorsicherheitstechnik.
35:07Jetzt macht sich so jemand ja aber nicht die Hände schmutzig.
35:09Das heißt, er muss einen Helfer gehabt haben.
35:10Wie wär's mit?
35:14Komm, ja, Blanca.
35:16Kannten sich alle.
35:44Ach, Edson hat gerade für dich angerufen.
35:48Der Unfall von Karin Jablonke war nicht einfach ein Unfall.
35:51Und Hans Giedmann ist nicht einfach so vom Balkon gestürzt.
35:54Wenn du mich nicht so ziehen würdest, dann könnte ich dir besser zuhören.
35:58Es ist höchst kompliziert, aber ganz einfach.
36:00Das Prinzip der doppelten Verneimung.
36:02Was passiert, wenn das, das lähmt, gelähmt wird?
36:05Es lähmt nicht mehr.
36:06Genau.
36:07Niedrig dosiertes Strichnien ist im Grunde harmlos.
36:09Es hat nur eine gefährliche Eigenschaft.
36:11Es schaltet die Hemmungsleiter der Nervenbahn aus.
36:13Das heißt, Scheinwerferlicht oder Schlüsselgeklapper oder Blitze vom Schweißen oder sowas schießen ungedämpft durch bis zum zentralen Nervensystem.
36:24Das heißt, jeder Lichtstrahl wird zum Schmerz und jedes Geräusch kann nicht in Wahnsinn treiben.
36:27Innerhalb von Minuten schaukelt sich diese Wirkung hoch und schließt verkrampft der gesamte Körper.
36:31Edson hat angerufen.
36:32Deswegen waren in Gickmanns Wohnung alle Lampen auf einen Punkt fokussiert.
36:36Deswegen hat er da aber kurz laute Musik gehört.
36:38Und deswegen haben wir in seinem Nierenskelett Gewebe gefunden.
36:41Als Gickmann an der Balkonbrüstung stand, war er faktisch bewegungsunfähig.
36:45Der konnte weder schreien noch mit den Armen rudern.
36:48Ein kleines Mädchen hätte ihn über die Brüstung schubsen können.
36:52Bei Karin Jablonka dasselbe.
36:54An der Unfallstelle wurde geschweißt.
36:55Die will ich bis auf den Panik versetzen, weil sie Brechnungskonzentrate im Körper hatte.
37:00So, wie lange können wir Strichnien am lebenden Organismus nachweisen?
37:08Bis zu drei Tagen.
37:10Die Wirkung setzt schnell ein. 10, 20 Minuten, je nach Dosierung.
37:13Edson hat in der Apotheke angerufen, in der Gickmann seine Rezepte einlöste.
37:17Bleibt eine Frage.
37:19Wer war in der Lage, beiden unbemerkt dieses Brechnungskonzentrate einzuverleiben?
37:25Auf den Rezepten steht seit Jahren der Name einer einzigen Ärztin.
37:30Dr. Hannah Degen.
37:45Oh nein.
37:47Oh doch.
37:48Kommen Sie, ich habe uns Kaffee mitgebracht.
38:02Nein.
38:03Frau Dr. Degen und die Patientin der Brotka sind außer Haus zur Konfrontationstherapie.
38:09Am Schiffsziebewerk.
38:10Danke.
38:14Konfrontationstherapie.
38:15Abfahrt Eberswalde.
38:18Ich habe keine Handynummer von Frau Jablonke.
38:21Eberswalde ist 20 Minuten entfernt.
38:23Zehn Minuten sind wir da.
38:26Therapieunfälle passieren.
38:29Und so bedauerlich wie es ist, dass eine suizidgefährdete Patientin stärkte,
38:33behandelnde Arzt und dafür natürlich nicht zur Verantwortung gezogen.
38:36Zehn Minuten, wirklich?
38:3715.
38:39Lächeln.
38:39Gerade weil es schwer fehlt.
38:42Wenn Sie später die Fotos sehen, werden Sie lachen über die Angst, die Sie mal hatten.
38:47So, wir haben das lang genug geübt.
38:51So.
38:55Ich gehe ein paar Schritte zurück.
38:57Ganz langsam.
38:59Nur ein paar Schritte.
39:01Ich bin hier, ich warte.
39:03Ich kann Sie jederzeit halten und Sie können sich jederzeit hinsetzen.
39:07Nein, ich kann mich nicht setzen.
39:10Die Zeit läuft.
39:11Zehn Minuten, Karin.
39:13Ruhig, ganz ruhig.
39:14Es kann Ihnen nichts passieren.
39:18Ruhig.
39:21Frau Dr. Degen, ich schaffe es nicht.
39:24Holen Sie mich weg, bitte.
39:27Das Gewitter im Kopf.
39:29Das tut so weh!
39:41Oh Gott!
39:43Warte auf die Einflusswagen!
39:44Ja!
39:45Ja!
39:47Oh, oh, oh, oh.
40:20Und beim nächsten Mal probieren wir den Trick mit der Fontanelle, ja?
40:25Einverstanden?
40:29Schließen Sie die Augen, ich werde ganz ruhig sein.
40:44Bitte.
40:48Warum? Warum?
40:50Warum?
40:51Warum?
40:52Was ist das für eine absurde Frage, zumal eine Psychologin?
40:56Wenn ich das wüsste, dann gäbe es meinen Beruf nicht.
41:00Warum?
41:01Wir lieben und hassen, darum.
41:03Stellen Sie sich vor, wir würden es nicht tun.
41:05Wie öde und langweilig wäre diese Welt.
41:07Eine Ärztin, die ihre Patienten ausspioniert und tötet?
41:09Was ist das für eine Ärztin?
41:11Und wenn sie es aus Liebe tut, was ist das für eine Liebe?
41:14Nein, komm mal.
41:15Ich habe das nicht aus Liebe getan.
41:17Ich habe nur nicht geschafft, es aus Liebe nicht zu tun.
41:20Das ist ein Unterschied.
41:22Das ist ein himmelweiter Unterschied.
41:25Ich hatte nicht die Kraft, es nicht zu tun.
41:27Verstehen Sie?
41:28Ja.
41:31Ja, vielleicht.
41:34Aber je mehr ich es verstehe, desto mehr verachte ich sie.
41:42Sie war ihm hörig.
41:43Aber das ist was, was du nie verstehen wirst.
41:47Nein.
41:48Das ist was, was du weißt, was du weißt.
42:19Das ist was, was du weißt.
42:19Untertitelung des ZDF, 2020
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