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KurzfilmeTranskript
00:00:02Musik
00:00:48Hallo Sie, was machen Sie denn da? Das ist mein Grab!
00:00:51Geht's doch raus da, aber schnell!
00:00:53Sonst passiert da was.
00:00:56Da drüben stehen überall genug Bänke zum Ausruhen.
00:00:59Jede Woche fehlt mir nämlich was.
00:01:01Meine kleine Silbertanne zum Beispiel, die hatte ich mir aus dem Elbtal mitgebracht.
00:01:04Was wollen Sie denn damit sagen?
00:01:07Ach, gehen Sie weg, ich weiß Bescheid.
00:01:09Tun Sie doch nicht so scheinheilig.
00:01:11Verschwinken Sie lieber.
00:01:12Wissen Sie, was Sie sind?
00:01:14Eine ganz unverschämte Person.
00:01:18Und ich rate Ihnen gut, sich die Leute vorher besser anzusehen, ehe Sie sie beleidigen.
00:01:23Da, die Narzissen habe ich Friedhelm hingestellt, weil er sie so gern hatte.
00:01:27Das habe ich ihr gemacht.
00:01:28Friedhelm?
00:01:30Wieso?
00:01:31Kennen Sie denn meinen Mann?
00:01:33Ich kenne Sie zum Beispiel überhaupt nicht.
00:01:36Kollegin sind Sie nicht?
00:01:38Die Verwandtschaft hatte Friedhelm keine.
00:01:39Ist das eine...
00:01:40Weitläufige Cousine, ich weiß.
00:01:43Was denn, und das sind Sie?
00:01:45Na sowas.
00:01:46Warum haben Sie sich denn dann in den zehn Jahren nicht bei uns blicken lassen?
00:01:49Ach, Friedhelm hielt nichts von Verwandtschaft.
00:01:52Ich weiß.
00:01:56Übrigens, mein Mann mochte Narzissen überhaupt nicht.
00:01:58Die waren ihm zu billig.
00:02:00Doch.
00:02:02Friedhelm liebte Sie.
00:02:03Weil Sie so nach Frühling riechen.
00:02:05Was Sie nicht sagen.
00:02:07Wann wollen Sie denn das festgestellt haben?
00:02:09Das kann doch höchstens zu seiner frühesten Kindheit gewesen sein.
00:02:12Denn mit zehn Jahren ist Friedhelm bereits mit seinen Eltern vom Dorf in die Stadt gezogen.
00:02:16Und zwar mit keiner Cousine.
00:02:18So, und jetzt machen Sie, dass Sie hier wegkommen.
00:02:20Sonst rufe ich den Friedhofsverwalter.
00:02:23Hier, nehmen Sie Ihr Grünzeug wieder mit.
00:02:25Versuchen Sie den Trick woanders.
00:02:27Man kauft sich irgendwo einen Billigen Strauß,
00:02:29macht sich an einen Grab zu schaffen, von dem man schnell den Namen abliest
00:02:31und tauscht dann unbeobachtet die Sträuße aus.
00:02:33Ja, ja.
00:02:34Hören Sie doch auf.
00:02:34Aber nicht mit mir, meine Damen.
00:02:36Hören Sie doch auf.
00:02:37Ich bin auf der Durchreise hier.
00:02:40Ich wohne in Mecklenburg, behagen.
00:02:42Wollen Sie meinen Ausweis sehen?
00:02:45Wenn der Friedhelm heute Geburtstag hat...
00:02:47Natürlich, da steht es ja.
00:02:49Ich weiß aber noch mehr von Ihrem Mann als nur seinen Geburtstag.
00:02:53Noch mehr?
00:02:55Was denn?
00:02:56Von wem denn?
00:02:58Na, von Ihren Nachbarn zum Beispiel.
00:03:01Nachbarn?
00:03:02Wir wohnen seit drei Jahren im Hochhaus.
00:03:06Ach, wissen Sie was?
00:03:09Mein Mann hat heute Geburtstag.
00:03:11Ich möchte gerne mit ihm alleine sein.
00:03:14Wir waren zehn Jahre verheiratet.
00:03:16Glücklich verheiratet.
00:03:19Und ich wäre auch gern noch zehn Jahre länger mit ihm verheiratet gewesen.
00:03:23Ich auch.
00:03:30Ja, ja, es stimmt.
00:03:31Ich bin's.
00:03:33Ich war auch zehn Jahre mit Friedhelm verheiratet.
00:03:36Glücklich verheiratet.
00:03:37Und ich wäre auch gern noch zehn Jahre länger mit ihm verheiratet gewesen.
00:03:42Wissen Sie, wenn ich jetzt nicht so traurig wäre, dann würde ich laut rauslachen.
00:03:48Wissen Sie, was Sie sind?
00:03:51Geschmacklos.
00:03:52Einfach geschmacklos.
00:03:55Ausgerechnet heute hierher zu kommen.
00:03:57Was wollen Sie denn hier?
00:04:00Sehen Sie denn nicht, wie ich leide?
00:04:03Sich freuen, dass ich ihn auch nicht mehr habe.
00:04:05Oder was hat Sie sonst hierher getrieben?
00:04:09Ich sagte es Ihnen doch schon.
00:04:11Ich bin auf der Durchreise hier und habe anderthalb Stunden Zeit bis zum nächsten Zug.
00:04:15Und in der Zeit wollte ich unbedingt Friedhelm's Grab besuchen.
00:04:19Zufrieden?
00:04:22Ja.
00:04:23Sehr schön.
00:04:25Fast wie ein Blumenladen.
00:04:27Was wollen Sie denn damit sagen?
00:04:31Dass jeder sehen kann, wie sehr Sie Ihren Mann geliebt haben.
00:04:34Ja.
00:04:36Jeder, der hier vorbeikommt, bleibt erst mal stehen.
00:04:39Er hatte seinen Garten so gerne.
00:04:42Und hier hat er nur auch wieder sein kleines Gärtchen.
00:04:46Ich war Papa.
00:04:47Ein schönes Gärtchen.
00:04:50Übrigens, jetzt erkenne ich Sie wieder.
00:04:51Und wissen Sie woran?
00:04:53An Ihrem Leberfleck über der Lippe.
00:04:57Das war schon auf Ihrem Hochzeitsfoto drauf.
00:05:00Übrigens die einzige Ähnlichkeit von damals.
00:05:04Wie kommen Sie denn zu meinem Hochzeitsfoto?
00:05:06Mein Gott, nur setzen Sie sich doch wieder, wenn Sie schon so viel Zeit haben.
00:05:13Vorsicht, meine Kiefernhecke.
00:05:14Die hat mich 280 Mark gekostet.
00:05:16Ja, ja, ich sehe mich schon vor.
00:05:20Haben Sie das Hochzeitsfoto noch?
00:05:21Ach nein, ich habe genug andere Fotos von Friedhelm.
00:05:25Bunt Fotos und Dias.
00:05:27Alles nach Jahrgängen geordnet.
00:05:30Nur die letzten Jahre zählen, verstehen Sie?
00:05:32Wir waren glücklich.
00:05:35Ja, doch das kann ja kaum sein.
00:05:41Sonst hätte er sich ja nicht von Ihnen getrennt.
00:05:44Mein Gott, nun scharen Sie doch nicht so mit den Füßen.
00:05:46Da habe ich gestern erst gehauen.
00:05:51Ich glaube übrigens, dass Friedhelm seine glücklichsten Jahre mit mir verliebt hat.
00:05:59Wie kommen Sie denn darauf?
00:06:01Natürlich waren die letzten zehn Jahre mit mir die glücklichsten.
00:06:04Ach, wie haben wir friedlich zusammengelebt.
00:06:07Immer nur wir drei.
00:06:09Friedhelm, ich und unser Kind.
00:06:11Und immer nur im Haus und im Garten.
00:06:14Ich las ihm jeden Wunsch von den Augen ab.
00:06:17Alles wurde so gemacht, wie er es wollte.
00:06:20Er hat geschuftet für zwei und immer nur für die Familie.
00:06:23Ich brauchte nie mitzuarbeiten.
00:06:25Oh nein, das wollte unser Papi nicht.
00:06:27Bis jetzt muss ich arbeiten gehen.
00:06:29Ach, wenn mein Guter das wüsste.
00:06:32Ich habe auch nicht gearbeitet, als ich mit Friedhelm verheiratet war.
00:06:36Ich hätte es ganz gern gemacht, aber ehrlich gesagt, ich hatte gar keine Zeit dazu.
00:06:42Hm?
00:06:46Denn sein Mittagessen muss er ja haben, pünktlich um zwölf.
00:06:49Bei seiner schweren Arbeit und bei Arzt so gern.
00:06:56Abwechslungsreich, Kost mit viel Gemüse.
00:06:59Putzen allein dauert ja schon zwei Stunden, jedenfalls bei mir.
00:07:02Den Konserven wollte er ja nicht.
00:07:05Und das Fleisch einkaufen jeden Tag, das haben wir auch viel Zeit in Anspruch.
00:07:08Davon kann ich auch ein Lied singen.
00:07:11Beim Düchsenfleisch vernimmt ihn das schon.
00:07:13Und die Kalldaunen säubern, die er so gerne aßt.
00:07:16Und die grünen Heringe ausnehmen.
00:07:18Und die rohen Klöße vorbereiten.
00:07:20Und die Kirschen entkernen für Nachtisch.
00:07:22Und morgens die Milchsuppe.
00:07:23Sagen Sie, haben Sie die auch immer so ganz klein geschnitten, die Kalldaunen?
00:07:28Ja, wie für Ragu so klein.
00:07:31Und süß-sauer.
00:07:33Natürlich, und mit Bratkartoffeln, ja, ja.
00:07:36Iih, wie das immer stammt, wenn man die kochte.
00:07:38Ja, einfach widerlich.
00:07:40Und dieses Möhrenschaben täglich.
00:07:43Und das Reiben und das Auspressen.
00:07:45Meine Hände, die waren schon ganz braun von den ollen Möhren.
00:07:48Hatten Sie denn keinen Entsafter?
00:07:51Nein.
00:07:54Aber seinen Möhrensaft kriegt er trotzdem täglich.
00:07:57Das war doch wohl selbstverständlich.
00:07:59Und auch, dass das Essen dampfend auf den Tisch stand, wenn er zur Tür reinkam.
00:08:03Und dass wir alle auf Zehenspitzen schlichen, wenn er sein Mittagsschläfchen hielt.
00:08:06Dachten Sie, war mir was anders?
00:08:08Am Essen habe ich nie gespart.
00:08:10Und auch sonst nicht, ich weiß.
00:08:12Ach, und jetzt wollen Sie wohl was erben, hm?
00:08:16Pflichtteil abkassieren.
00:08:17Hm, leider gar nichts drin.
00:08:22Sagen Sie mal, wie kommen Sie denn plötzlich auf sowas?
00:08:24Weil irgendetwas dahinter steckt, dass Sie heute hierher kommen.
00:08:28Denken Sie, ich weiß nicht, was mit Ihnen los war?
00:08:31Worunter Friedhelm so gelitten hat, in den zehn glücklichsten Jahren seines Lebens,
00:08:35wie Sie vorhin so sinnig bemerkten.
00:08:37Er war sehr unglücklich mit Ihnen, er hat es mir oft erzählt.
00:08:40Alles Geld zum Fenster raus und fort.
00:08:42Und er hat gut verdient.
00:08:44Sechs mal sechs ist 36, ist der Mann auch noch so fleißig.
00:08:48Mein Gott, sind Sie gemein.
00:08:51Reisen und Ausgehen war eben damals Friedhelms ein und alles.
00:08:54Das hielt ihn nicht zu Hause.
00:08:56Weil ihr kein Zuhause hattet.
00:08:58Da war es ja in jeder Kneipe besser als bei euch.
00:09:00Er hat es mir oft erzählt.
00:09:01Zwei Leerzimmer mit geschenkten Möbeln.
00:09:03Reden Sie mir doch nicht.
00:09:04Sie waren doch daran schuld, dass ihr es zu nichts gebracht habt.
00:09:07Er hat darunter sehr gelitten.
00:09:10Friedhelm und gelitten, dass ich nicht lache.
00:09:12So ein flotter Kerl, wie der damals war.
00:09:16Ach, wo sind wir nicht überall gewesen?
00:09:19Sobald der Frühling kam, da packte ihn sein Wandertrieb, sein Reisefieber.
00:09:23Wo sind wir nicht überall gewesen?
00:09:25Diese herrlichen Sonntagsausflüge.
00:09:28Und im Sommer auf der Rennbahn und im Herbst auf dem Fußballplatz.
00:09:32Neipen hoch die Tassen.
00:09:33Und einmal sogar eine Reise mit dem Flugzeug.
00:09:36Na klar.
00:09:37Immer schön großkotzig.
00:09:40Und zu Hause mit dem Hintern auf zerschlissenen Stühlen.
00:09:44Und er wanderte so gern.
00:09:47Ich erwähne ihn ja, aber er, ach er.
00:09:50Kein Berg war ihm zu hoch und kein Wasser war ihm zu tief.
00:09:55Alle liebten so sein Scherze.
00:09:59Nur einmal, da ist ihm das Lachen vergangen.
00:10:03Und das war der Anfang vom Ende.
00:10:05Jedenfalls für mich.
00:10:07Das passierte bei einem Brigadevergnügen auf dem Elbdampfer.
00:10:12Ich hatte gerade die Karten gelöst.
00:10:14Und da sagt doch dieser dämliche Kartenverkäufer zu Friedhelm,
00:10:19na gehen Sie doch durch, gehen Sie doch durch.
00:10:21Ihre Mutter hat schon gelöst.
00:10:24Alle lachten darüber.
00:10:26Bloß Friedhelm nicht.
00:10:29Dann hat er mich den ganzen Tag so abschätzend von der Seite angeguckt.
00:10:37Ach, ich war ganz traurig.
00:10:41Denn bis jetzt hat es ihm doch nichts ausgemacht, dass ich sechs Jahre älter ein bisschen dick war.
00:10:47Damals konnte ich ja noch nicht ahnen, dass es mit Ihnen zusammenhing.
00:10:51Mit mir?
00:10:52Ach, reden Sie doch keinen Stuss.
00:10:55Friedhelm hatte das Leben mit Ihnen gründlich satt, das war's.
00:10:58Nur Sie wollten doch immer raus und fort, er doch nicht.
00:11:01Friedhelm sehnte sich nach Häuslichkeit.
00:11:04Als ich ihn heiratete, musste ich ihn erstmal neu einkleiden, so abgerissen war er.
00:11:09Und mit dem Kneipensitzen und Ausgehen wurde Schluss gemacht.
00:11:13Und mit dem Reisen auch.
00:11:15Nirgends wird so viel Geld ausgegeben wie in Hotels und Restaurants.
00:11:19Sagte Friedhelm, wie haben wir gespart?
00:11:23Wozu verreisen, wenn man's zu Hause so gemütlich hat?
00:11:27Und wer kocht schon so gut wie du?
00:11:30Was haben wir uns alles angeschafft?
00:11:33Eine Neubauwohnung mit allem Komfort.
00:11:36Einen Kleingarten mit Bungalow.
00:11:39Ja, angeschafft und angeschafft.
00:11:43Wenn jemand kam und klingelte, sagte Friedhelm immer, bitte treten Sie doch ein.
00:11:47Und das klang sehr stolz, dieses, bitte treten Sie doch ein.
00:11:52Sie müssen mal unsere Wohnung sehen.
00:11:54Rundherum Velour-Tapete.
00:11:56Neue Schrankwand.
00:11:58Großer Teppich.
00:11:59Neue Küche.
00:12:00Bad gefließt.
00:12:01Davon hat er ja jetzt was.
00:12:05Mein Gott, sind Sie gemein.
00:12:13Sparen und anschaffen.
00:12:15Von seinem Geld, wenn er nicht wollte, um jeden Groschen zetern?
00:12:19Wir haben ja doch gleich davon gerannt.
00:12:22Und es war ja immer nur sein Geld.
00:12:24Seins, seins.
00:12:25Was denken Sie denn, was ich durchgemacht habe?
00:12:28Alles da.
00:12:29Nur Friedhelm nicht mehr.
00:12:32Und so plötzlich, nachmittags besuche ich ihn noch im Krankenhaus.
00:12:37Er sollte entlassen werden.
00:12:39Er saß auf der Bettkante, puppenlustig.
00:12:43Und schekerte mit der Schwester rum, nur um mich zu ärgern.
00:12:45So war er ja immer.
00:12:46Und sagte zum Abschied ganz glücklich.
00:12:49Ach, Ilse Mäuslein, ab morgen wieder bei dir in unserer schönen Wohnung.
00:12:53Zehn Tage hier, das reicht mir nun völlig.
00:12:56Ich gehe vergnügt nach Hause, lenke mich noch ein bisschen lang und plötzlich klingelt's Sturm.
00:13:02Ich hoch, ein Schreck, ein Schreck, ein Schreck.
00:13:20Dann habe ich ganz laut geschrien im Haus.
00:13:23Später war mir das peinlich.
00:13:27Das Telegramm guckte halb aus dem Briefkasten raus.
00:13:32Friedhelm Mayer, 17 Uhr an Embolie, verstorben, Elisabeth Krankenhaus.
00:13:40So war das.
00:13:42Das war vor einem Jahr und zwei Monaten.
00:13:45Das habe ich durchgemacht.
00:13:50Und Sie?
00:13:52Sie saßen in Ihrem Mecklenburg und ließen es sich wohl sein.
00:13:56Ich konnte gar nicht weinen, so groß war der Schock.
00:13:59Ich habe immer nur mit dem Kopf geschüttelt.
00:14:01Als ich wieder hochlief.
00:14:03Das ging noch ganz lange so.
00:14:05Ich habe immer nur mit dem Kopf geschüttelt.
00:14:06Manchmal dachte ich, ich schnapp über.
00:14:10Wissen Sie was?
00:14:12Ich habe auch ganz schrecklich weinen müssen, als ich vorhin in diesem Hügel sah.
00:14:19Am liebsten hätte ich ihn rausgerissen aus seinem Grab.
00:14:24Nichts passt weniger zu Friedhelm als dieser Hügel.
00:14:30Ich trage ihm auch nicht mehr das Geringste nach.
00:14:35Das haben Sie ihm denn nachzutragen, he?
00:14:38Sie sind doch in völliger Freundschaft auseinandergegangen.
00:14:41Besitz geteilt und auseinander.
00:14:43Sagen wir mal lieber Schulden geteilt und auseinander.
00:14:49Woher muss er sich ja noch das neue Motorrad anschaffen, um jemanden immer heimzufahren.
00:14:54Naja, der Weg nach Gorschmitz war ja auch ziemlich weit.
00:14:58Und an der lange, finstre Wald, da klammert man sich eben richtig fest an den Mann, nicht wahr?
00:15:05Da fragt man ja auch nicht, ob der Mann verheiratet ist.
00:15:09Friedhelm war so ein Kavalier.
00:15:11Da konnte niemanden was abschlagen.
00:15:13Das war ja bekannt.
00:15:16Nur mich hat er nie mitgenommen auf diesem Motorrad.
00:15:19Hätte ja auch komisch ausgesehen.
00:15:22Als ich erfuhr, wofür der es brauchte, da hab ich dem Ding vielleicht einen Tritt versetzt.
00:15:27Na, der hat ganz schön geguckt, als er abends die Beule im Schutzblech sah.
00:15:33Naja, später nach dem Unfall, da sind ja noch mehr reingekommen.
00:15:39Friedhelm, der lag da wie so eine Padde und ließ sich nicht mehr von mir bemuttern.
00:15:44Dann stieß er mich weg, weil er sich Gedanken machte über seine Mitfahrerin und nicht über seine zerschundenen Beine.
00:15:52Ach, am liebsten da hätte ich damals Giffen genommen, als er mich um die Trennung bat.
00:15:58Reden Sie doch nicht.
00:15:59Sie waren doch sofort mit der Scheidung einverstanden.
00:16:03Was blieb mir denn übrig, wenn er mich in guter Erinnerung behalten sollte?
00:16:09Außerdem war da noch etwas.
00:16:13Elfriede, sagte Friedhelm damals zu mir,
00:16:16bitte sperr dich nicht, gib nach.
00:16:19Du kriegst das Kind dafür.
00:16:21Ganz und gar, das kriegst du schriftlich.
00:16:23Ich misch mich nie mehr ein und bezahl pünktlich.
00:16:26Bitte gib nach vor Gericht.
00:16:27Ich möchte schnellstens wieder heiraten,
00:16:29weil was Kleines unterwegs ist und ihre Eltern schon Skandal machen.
00:16:34Das ist doch allerhand.
00:16:36Mir hier solche Märchen aufzutischen mit ihrem Kind.
00:16:39Ihr Kind, jawohl, das hatten Sie mit in die Ehe gebracht.
00:16:42Und es war hoch anständig von Friedhelm, dass er überhaupt weiter bezahlte.
00:16:46Ja, ja.
00:16:48Das Kind habe ich mit in die Ehe gebracht, das stimmt.
00:16:53Und mein alter Vater war sehr begeistert.
00:16:57Als ich plötzlich geschieden, ohne Geld, mit Kind, in Mecklenburg wieder auftauchte und in seiner alten Karte wohnen wollte.
00:17:05Aber dass ich damals nach Mecklenburg flog, war meine einzige Rettung.
00:17:11Heute bin ich Märkerin, Brigadier.
00:17:14Am Anfang habe ich Mist geschaufelt.
00:17:17Schwer genug war es schließlich.
00:17:19Brigadier zu werden, ist heutzutage nicht mehr so einfach.
00:17:23Aber ewig Mist schaufeln wollte ich ja nun auch nicht gerade.
00:17:26Na ja, da habe ich mich eben ein bisschen angestrengt.
00:17:28Und heute bin ich Brigadier.
00:17:30Aber am Anfang, mit dieser Sehnsucht nach dem Kerl.
00:17:39Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
00:17:43Und da wurde es ein Bier und noch ein Bier und noch ein Schnaps und noch ein Schnaps.
00:17:49Und dann sagte mein Kleiner mal,
00:17:52Mama, bei uns ist immer so liederlich.
00:17:55Und du gefällst mir gar nicht mehr.
00:17:57Immer so rot im Gesicht.
00:17:59Und heute Abend ist Elternversammlung.
00:18:01Da musst du diesmal hingehen, da kannst du nicht wieder fehlen.
00:18:04Und hübsch aussehen, wie damals, als Papa noch da war.
00:18:08Ich und hübsch.
00:18:10Na ja, aber mein Kleiner, das fand das eben.
00:18:14Da gab ich mir einen Ruck und machte mich fein für diese langweilige Elternversammlung.
00:18:19Mein Kleiner, der sah beim Gedichtaufsagen ganz stolz und dankbar zu mir hin.
00:18:26Und da habe ich mir geschworen,
00:18:28mich mehr um das Kind zu kümmern und Friedhelm zu vergessen.
00:18:32In meinem Leben hatte sich alles viel zu viel um Friedhelm gedreht.
00:18:36Und der Junge musste sich ja schließlich auch damit abfinden, ohne Papa auszukommen.
00:18:41Anfang da hat er oft geheult.
00:18:43Was jammern Sie denn hier rum mit Ihrem Arbeiten gehen?
00:18:47Denken Sie, das Grab zahlt sich von alleine?
00:18:50Das geht nämlich weit über meine Verhältnisse, das können Sie mir glauben.
00:18:53Die plötzliche Beerdigung, die große Feier, das Riesengrab und die Bepflanzung.
00:18:59Ja, aber wozu denn auch das große Grab?
00:19:03Wozu, wozu? Weil ich so kopflos war.
00:19:05Und weil er es so schön haben sollte wie möglich.
00:19:08So schön wie möglich.
00:19:10Da haben Sie ja recht.
00:19:12Aber dieser riesige Platz,
00:19:15da muss man doch dauernd was hinstellen.
00:19:18Sonst wirkt das doch so kahl.
00:19:20Und möglichst immer was Frisches.
00:19:22Ja, ja.
00:19:23Das stimmt.
00:19:25Ich muss jetzt auch arbeiten gehen und es fällt mir entsetzlich schwer,
00:19:28das können Sie mir glauben.
00:19:29Ich war Lageristin,
00:19:31aber das kann ich nicht mehr machen nach zehn Jahren Pause.
00:19:33Da muss ich mich erst wieder einarbeiten.
00:19:36Da bin ich erst mal zur Ausgabe gegangen.
00:19:39Und das gefällt mir nicht,
00:19:41denn ich bin irgendwie menschenscheu geworden in den zehn Jahren.
00:19:45Finde schwer Kontakt.
00:19:47Es ist zwar mein alter Betrieb,
00:19:48aber es ist alles so verändert, so rationalisiert.
00:19:53Da muss man ständig seinen Kopf anstrengen.
00:19:56Am Abend, da wirbelt es nur so hier drin,
00:19:58weil man das Denken nicht mehr gewöhnt ist.
00:20:01Aber ich brauche das Geld.
00:20:03Dringend.
00:20:04Sehr dringend, wie Sie sehen.
00:20:06Man sollte hier noch Büsche anpflanzen.
00:20:08Ich habe an meinem Haus so schöne Stauden und Koniferen stehen.
00:20:12Und Rosen, jede Menge.
00:20:13Ihr Haus?
00:20:14Wie kommen Sie denn zu einem Haus?
00:20:16Haben Sie wieder geheiratet?
00:20:18Ach was, wieder geheiratet.
00:20:22Wen denn nachfriedhelm?
00:20:25Natürlich, wenn ich wollte.
00:20:27Denn wenn man ein bisschen was hat,
00:20:29ein bisschen was kann, ein bisschen was darstellt,
00:20:31dann kann man auch ruhig ein bisschen dick sein.
00:20:33Aber trotzdem, ich bin allein geblieben.
00:20:35Ich habe ja meinen Sohn.
00:20:37Jedenfalls ist das mein Haus.
00:20:39Es war die alte Karte von meinem Vater.
00:20:41Ich habe sie umgebaut, mit meinem Sohn zusammen.
00:20:44Vorderfront, große Fensterei,
00:20:47neuer Ofen, neuer Zaun,
00:20:48moderner Vorbau, schöner Garten
00:20:50und alles selbst gemacht.
00:20:52Ich kann jetzt malern und mauren und tischlern
00:20:54und klempnern und dachdecken.
00:20:57Wenn das Friedhelm wüsste,
00:20:59der behauptete nämlich immer,
00:21:00ich hätte zwei linke Hände.
00:21:02Warte mal, ich muss doch ein Foto mithaben von dem Haus.
00:21:07Ja, natürlich.
00:21:09Ein Farbfoto sogar.
00:21:10Und davor mein Sohn in NVA-Uniform.
00:21:13Der ist in Carmens jetzt.
00:21:14Ich komme nämlich gerade von dort.
00:21:16Mein ganzer Stolz, der Junge.
00:21:18Ich habe auch ein Foto.
00:21:20Von unserem Bungalow.
00:21:22Auch in Farbe.
00:21:23Und meinen Heiner davor.
00:21:25Heiner?
00:21:27Meiner heißt auch Heiner.
00:21:29War das Friedhelms ein Fall?
00:21:32Oh, mein Gott.
00:21:33Friedhelms oder Meiner.
00:21:34Das weiß ich jetzt nicht mehr so genau.
00:21:37Jedenfalls hatte Ihr Sohn ja nichts mit Friedhelm zu tun.
00:21:44Mein Gott.
00:21:48Friedhelm.
00:21:50Friedhelm?
00:21:52In NVA-Uniform?
00:21:55Nein.
00:21:58Heiner.
00:22:03Du, Deiner ist aber auch ein hübscher Junge.
00:22:07Nur.
00:22:11Weißt du, was ich mir vor der Entbindung für mein Kind gewünscht habe?
00:22:15Alles von Friedhelm.
00:22:16Nur nicht.
00:22:17Nur nicht seine roten Haare, ja.
00:22:19Ja.
00:22:23Na ja, aber trotzdem.
00:22:26Sein eigenes Kind zu verleugnen.
00:22:28Man soll ja Toten nichts Schlechtes nachsagen.
00:22:30Aber mir immer zu erzählen, es wäre nicht sein Kind.
00:22:32Bin ja völlig erschossen.
00:22:34Ich habe das wirklich nicht gewusst.
00:22:36Ach.
00:22:37Er wird wahrscheinlich nie gesagt haben, dass es nicht sein Kind ist, sondern immer nur.
00:22:42Ich hätte es mit in die Ehe gebracht.
00:22:44Oder du hast nicht richtig zugehört oder nicht darüber nachgedacht.
00:22:47Ist ja auch egal.
00:22:47Trotzdem.
00:22:48Sein eigenes Kind verleugnen.
00:22:52Komm, lassen wir doch die alten Geschichten.
00:22:54Wir hatten eine Abmachung getroffen und Friedhelm hielt sich streng daran.
00:22:58Das war doch gut so.
00:22:59Und mein Heiner ist ein großes Glück für mich.
00:23:01Ach, meiner auch.
00:23:02Mein Gott, wenn ich das Kind voriges Jahr nicht gehabt hätte.
00:23:06Ein lieber Junge.
00:23:08Und nur eins in der Schule.
00:23:09Fünfte Klasse.
00:23:11Erst hatte ich ja ein paar Schwierigkeiten mit ihm.
00:23:13Er wollte auch in keinen Kindergarten.
00:23:14Ein bisschen altklug.
00:23:15Na ja, immer unter Erwachsenen.
00:23:18Man hat ihn auch oft gehänselt.
00:23:20Rotwiener und so.
00:23:22Na ja, das kennst du ja.
00:23:23Ja.
00:23:24Aber jetzt, ich habe nur Freude mit ihm.
00:23:28Und was meinst du, wie der Fußball spielt?
00:23:30Aktiv in der richtigen Mannschaft.
00:23:32Meiner auch, du.
00:23:33Meiner auch.
00:23:34Du, jeden Sonntag bin ich auf dem Fußballplatz.
00:23:37Du, sag mal.
00:23:38Hat dein Sohn nie Sehnsucht nach seinem Vater gehabt?
00:23:42Das schon.
00:23:46Aber wie das so geht.
00:23:49Mecklenburg ist weit.
00:23:50Und die neuen Freunde.
00:23:52Und die neue Schule.
00:23:53Und der Opa.
00:23:57Und auch ein bisschen Wut, dass sein Vater sich so gar nicht mehr meldete.
00:24:01Sich so streng an diese Abmachung hielt.
00:24:05Aber ich finde es besser so.
00:24:08Der Junge wäre sonst nie zur Ruhe gekommen.
00:24:12Schon möglich.
00:24:14Es ist ja so vieles im Nachhinein besser, als man es im Augenblick begreifen will.
00:24:20Weißt du was?
00:24:22Wenn mein Heiner jetzt in September Hochzeit macht, dann kommst du hoch zu mir mit deinem Heiner.
00:24:28Und dann nimmst du auch gleich ein paar Büsche mit.
00:24:31Im Rucksack.
00:24:31Das macht sich einwandfrei.
00:24:33Ich habe auch altes Spielzeug noch tadellos erhalten.
00:24:35Das kann dein Heiner dann sichten.
00:24:38Also, nimm dir ein paar Tage Urlaub, wenn der Junge Ferien hat.
00:24:40Den muss ich sowieso mal kennenlernen.
00:24:42Und du mein.
00:24:42Ist das dein Ernst?
00:24:45Ach, Elfriede, ich fühle mich manchmal so einsam.
00:24:48Und immer diese Grübelei über Friedhelms Tod.
00:24:51Und keiner, der das richtig versteht.
00:24:53Ich ja.
00:24:55Also komm zu mir und spann mal aus.
00:24:58Mein Heiner, der fährt dann sowieso zu seinen Schwiegereltern nach Dresden.
00:25:01Und wir sind allein...
00:25:02Was ist denn dein Heiner?
00:25:031,84.
00:25:05Und Schuhgröße?
00:25:0643.
00:25:08Ach, Elfriede, ich habe so schöne Sachen da von Friedhelm.
00:25:10Fast noch neu.
00:25:12Und in der Größe, da würde es prima hinkommen.
00:25:14Es quält mich sowieso, wenn ich sie da hängen sehe.
00:25:17Es macht mich manchmal fix und fertig.
00:25:19Und dein Heiner?
00:25:21Würde er sie nehmen?
00:25:23Ach, Ilse.
00:25:24Das wäre aber schön.
00:25:26Weißt du, der ist ja so sparsam, der Junge.
00:25:29Aber NVA.
00:25:31Unverlobt.
00:25:31Und bald Hochzeit.
00:25:32Und AWG.
00:25:34Na klar, nimmt er die.
00:25:36Aber ja, du.
00:25:37Wie viel Zeit hast du denn noch?
00:25:39Gerade noch so viel Zeit, um in Ruhe zum Bahnhof zu gehen.
00:25:42Ich muss los.
00:25:45Schade.
00:25:46Du könntest doch hierbleiben, bei mir übernachten, die Sachen aussortieren und gleich was mitnehmen.
00:25:51Wie wäre denn das?
00:25:53Es ist lieb von dir, Ilse, aber es geht leider nicht.
00:25:55Ich muss morgen wieder arbeiten.
00:25:58Ein andermal.
00:25:59Und außerdem bist du erst mal dran mit deinem Besuch.
00:26:01Na gut, dann schicke ich dir was.
00:26:02Sag mal, wo wohnst du überhaupt?
00:26:03Weißt du was?
00:26:04Ich bring dich zum Bahnhof.
00:26:06Na herrlich, dann können wir gleich nachgucken, welchen Zug du nimmst.
00:26:09Dieser hier ist ungünstig.
00:26:10Du musst gleich früh fahren.
00:26:14Du?
00:26:16Das mit den Narzissen, das stimmt ja wirklich.
00:26:19Ach, entschuldige, Elfriede, ich hab noch was vergessen.
00:26:22Ach.
00:26:26Hier, mein Guter.
00:26:28Deine Geburtstagssträuße.
00:26:31Was wolltest du sagen mit den Narzissen?
00:26:34Ja, das stimmt ja wirklich.
00:26:36Nur hat es Friedhelm mir selber zum Geburtstag geschenkt.
00:26:39Ich glaube, weil sie nicht so teuer waren.
00:26:42Und damit ich nicht die Gekränkte spiele, hat er immer behauptet,
00:26:46sie würden härtlicher nach Frühling riechen, als jeder andere.
00:26:51Die da bedeuten liebevolle Erinnerung.
00:26:55Was meinst du, was ich nach denen erfolglos ungerannt bin?
00:26:58Du kennst doch unsere Blumenlehnen.
00:27:00Mein Heiler hat sie mir gesorgt und mitgelehnt.
00:27:04Für sein Papa.
00:27:05Wir haben es própria.
00:27:05Wir haben es ja ja.
00:27:07Ich weiß mich nicht.
00:27:08Wir haben es ja.
00:27:13Wir haben es ja.
00:27:16Ich weiß nicht.
00:27:18Wir kommen.
00:27:20Ich meinen es ja.
00:27:21Es ist ja mein Papa.
00:27:21Wir kommen.
00:27:21Wir kommen.
00:27:23Wir kommen.
00:27:27Wir kommen.
00:27:32Viuk-Or voor legalworden.
00:27:34Wir suchen.
00:27:47Musik
00:28:25Morgen. Na, ausgeschlafen?
00:28:35Bisschen schmal die Liege, was?
00:28:53Die Kopfschmerztabletten.
00:28:58Möchte ich die zuhause liegen lassen?
00:29:03Vielen Dank für das Quartier. Ich muss jetzt gehen.
00:29:07Das Regen wird gerade sehr stark.
00:29:08Vor allem ist das Öl.
00:29:11Das Öl?
00:29:16Sagen Sie, ich räume in die Laufe aus?
00:29:18Ich wollte mit dir frühstücken.
00:29:20Zu zweit macht's doch mehr Spaß.
00:29:24Komm, setz dich erst mal.
00:29:26Nachher kannst du ja gehen.
00:29:28Du wirst nicht nur deinen guten Anzug versauen.
00:29:31Ich heiße übrigens Willi.
00:29:33Wir haben gestern Brüderschaft getrunken.
00:29:37Kann ich mich erinnern.
00:29:39Was ist los mit mir?
00:29:41Nicht viel, ehrlich gesagt.
00:29:44Was erzähl ich?
00:29:46Nichts Spezielles.
00:29:48Ich bin schon aus und vorbei und begraben.
00:29:52Na ja,
00:29:53Rudi hätte das nicht tun sollen.
00:29:55Er hätte dich nicht an unseren Tisch lotsen sollen.
00:29:58Aber wo kommt ihr denn an,
00:30:00dass die paar Schnäpse umhauen?
00:30:02Das ist gut gemeint.
00:30:04Kann keinen Leiden ziehen.
00:30:05Ja, nun war's deine Feier gestern.
00:30:07Davon sagt er mir,
00:30:09Willi, dort sitzt einer.
00:30:11Der muss mit an unseren Tisch.
00:30:13Der sieht so traurig aus.
00:30:20Es wird kotzen wie das regnet.
00:30:23Macht sich jemand doch nicht Sorgen.
00:30:25Nein.
00:30:26Das ist doch erst mal was.
00:30:27Vielleicht hört's bald auf.
00:30:46Warte, auf der Liege sitzt nicht schlecht.
00:30:48Ich hol dir einen Glattstuhl.
00:30:49Lass mal, das geht schon.
00:30:50Ach, ganz verstaubt.
00:30:52Ist lange nicht benutzt worden.
00:30:53Warte.
00:30:54Hier muss irgendwo ein Handfeger liegen.
00:30:56Hier muss doch keiner.
00:30:58Das verstehe ich nicht.
00:30:59Hier liegt keiner.
00:31:00Na dann lass es sein.
00:31:02Ja, dann kommt mir keiner.
00:31:05das verstehe ich nicht.
00:31:10Ich kann hier.
00:31:13Klar.
00:31:13Aber Kaffee, hm.
00:31:15Danke.
00:31:16Danke.
00:31:19Danke.
00:31:22Danke.
00:31:30Danke.
00:31:32Danke.
00:31:32Danke.
00:31:35Also.
00:31:43Das ist doch ein Handtuch.
00:31:49Dann nehmt schon.
00:31:50Eine ziemliche Männerwirtschaft hier.
00:31:52Meine Frau, die würde schön schimpfen, wenn sie das Handtuch sehe.
00:31:56Die hat sie immer umgetauscht.
00:31:57Jede Woche.
00:31:59Ich vergesse das andauernd.
00:32:02Aber ansonsten alles tiptop hier.
00:32:04Wir haben uns das eingeteilt früher.
00:32:06Meine Frau die Laube und ich den Garten.
00:32:10Guck mal mit ans Fenster.
00:32:13Alles selbst gepflanzt.
00:32:15Das Edelobst.
00:32:17Der von der Erste, das ist ein Cox-Orange.
00:32:19Jedes Jahr ein Apfel am anderen.
00:32:22Und ohne Magen natürlich.
00:32:24Und daneben der Kleine, das ist eine Butterbärme.
00:32:28Gellerts-Butterbärme.
00:32:29Die wird aus dem Winter weich.
00:32:31Und da drüben, das kannst du aber schlecht sehen,
00:32:33das ist eine Renette.
00:32:35Ich mach mal eine Schloss-Äpfel und Birnen.
00:32:38Wo kommt das halt doch hin?
00:32:40Ich hab auch ne Menge Gemüse in den kleinen Tannen.
00:32:44Sellerie, Radieschen, Bohnen, Gurken,
00:32:46Schwiebeln,
00:32:48Rosenkohl, Blumenkohl,
00:32:49Petersilie.
00:32:50Nur mit den Tomaten.
00:32:53Mit den Tomaten hab ich kein Glück mehr.
00:32:54Da kann ich machen, was ich will.
00:32:55Die bleiben glitzeklein.
00:32:57Also dass ich nicht zur Ruhe komme, ja?
00:32:58Warum wachsen auf meinem Boden so kleine Tomaten?
00:33:01Du kannst recht, musst doch irgendeinem was liegen.
00:33:04Hätt ich sie mal gestern abgenommen.
00:33:05Heute kriegen die den Rest.
00:33:07Aber gestern hab ich ja das Dach gestreckt.
00:33:10In orange.
00:33:12Seht herrlich aus.
00:33:14Was?
00:33:15Orange?
00:33:16Ja, hier.
00:33:18Guck das mal an, mein Junge.
00:33:22Guck das mal an, mein Junge.
00:33:45Was bist du?
00:33:49Plattengießer.
00:33:50Aha.
00:33:52Und wo?
00:33:53Rat mal, wo man Platten gießt.
00:34:00Werktagsplattengießer und Sonntagslaubenpieper.
00:34:04Und sonst?
00:34:06Hast du Kinder?
00:34:09Natürlich.
00:34:11Zwei Söhne.
00:34:13Mhm.
00:34:14Und was machen die?
00:34:15Dasselbe wie ich.
00:34:18Ach.
00:34:19Alle beide?
00:34:21Ja.
00:34:22Du bist zufrieden, ja?
00:34:24Nö.
00:34:24Oder kommt dir im Leben nicht manchmal vor wie eine Garnrolle, die abgespult wird und du möchtest das aufhalten, dieses
00:34:31sture, ereignislose, sture Abspulen aufs Ende?
00:34:38Wie soll man das aufhalten?
00:34:41Ja.
00:34:44Ja.
00:34:45Wie soll man das aufhalten, das ist ein Ereignis los?
00:34:47Das kommt ganz darauf an, was einer unter Ereignis versteht.
00:34:51Neun Stern am Himmel oder eine Blüte am selbstgepfupften Baum.
00:34:57Und stur und blöde.
00:35:25Und stur und blöde.
00:35:27Dafür habe ich kein Verständnis.
00:35:29Das glaube ich dir.
00:35:33So?
00:35:35Hast du etwa mit den Gedanken gespielt?
00:35:39Und spielst du auch noch?
00:35:43Nein, nein.
00:35:45Nein, nein, bleib hier.
00:35:46Ich habe es doch nicht so gemeint.
00:35:48Komm, komm, komm.
00:35:48Lass mich raus, du Blöde.
00:35:49Lass mich raus.
00:35:50Nein, du setzt dich wieder.
00:35:51Ich alter Esel.
00:35:53Wie bin ich bloß drauf gekommen?
00:35:55Guck doch mal, Junge.
00:35:56Guck doch mal, wie das regnet.
00:35:57Komm, setz dich wieder hin.
00:36:15Ich war es wohl noch nie am Ende.
00:36:18Am Ende, am Ende.
00:36:21Ihr immer mit euren großen Boten.
00:36:25Wann ist man schon am Ende?
00:36:28Ist dir jemand umgebracht?
00:36:31Aber dazu zieht man wohl keinen schwarzen Anzug an, wie?
00:36:43Hör auf mit dem schwarzen Anzug.
00:36:48Ja, du musst erst mal was Richtiges essen.
00:36:51Dann geht es dir wieder besser.
00:36:57Du gehst also Platten.
00:36:59Tag für Tag.
00:37:02Platten.
00:37:05Ich habe auch mal so etwas Ähnliches gemacht.
00:37:08Das waren Tage.
00:37:11Grauenhaft, grauenhaft.
00:37:13Wie habe ich die große Uhr in der Werkhalle gelassen?
00:37:15Ich dachte, das gibt es doch nicht.
00:37:16Das darf doch nicht wahr sein.
00:37:18Nur fünf Minuten vergangen.
00:37:20Die ist kaputt, die Uhr.
00:37:21Die muss kaputt sein.
00:37:24Und du gießt Platten Tag für Tag.
00:37:28Platten?
00:37:30Das ist schon wahr.
00:37:32Jeden Tag dasselbe.
00:37:33Platten gießen, Platten gießen.
00:37:35Na und?
00:37:36Im Grunde genommen wiederholt sich jede Arbeit.
00:37:38Jede.
00:37:40Ob ich an der Taktstraße stehe oder am Operationstisch.
00:37:45Taktstraße und Operationstisch.
00:37:46Mann, oh Mann, dieser Vergleich.
00:37:50Weißt du, was bereits bei der einfachsten Blinddarmoperation passieren kann?
00:37:53Wenn der Appendix schon perforiert ist?
00:37:55Wie viel Intuition, wie viel Risikobereitschaft in solchen Augenblicken von einem Arzt abverlangt werden?
00:38:00Oder wenn er gar retroperitoneal liegt?
00:38:02Denn jeder menschliche Körper ist anders.
00:38:04Wenn der Blinddarm retroperitoneal liegt, Mann, Letalität 1 zu 100, ja wirklich 1 zu 100.
00:38:09Ja, ja.
00:38:10Da liegt es ganz allein bei dem Chirurgen, was er tut, welche Einfälle er hat, welche Lust.
00:38:15Und dann die Zeit.
00:38:17Kannst du dir einen Arzt vorstellen, der im Operationssaal an die Uhr sieht, ob seine Arbeitszeit schon um ist?
00:38:22Dem fliegt die Zeit davon und dem Anästhesisten erst.
00:38:24Und dann die Verantwortung.
00:38:27Wenn plötzlich während der Operation Herzstößstand eintritt, ja was denn dann?
00:38:30Was denn dann?
00:38:32Da gibt es nur eins.
00:38:33Operation Unterbrechen und Herzdruckmassage.
00:38:35Und bei Unfällen manchmal mit der bloßen Hand, verstehst du?
00:38:38Brustkorb aufgemacht mit der bloßen Hand.
00:38:40Ach komm, Scheiße.
00:38:42Ganz große Scheiße im Vergleich.
00:38:49Trotzdem.
00:38:51Plattengießen ist wichtig.
00:38:53Sonst hättest du ja nichts zu wohnen.
00:38:56Die neuen Krankenhäuser, die werden auch davon gebaut.
00:39:00Oder steht ein viel gepriesener Operationstisch unter freiem Himmel.
00:39:05Jeder Arbeit ist wichtig.
00:39:07Ja, aber dein ist nicht bewundernswert.
00:39:10Aber vielleicht ist es bewundernswert, dass ich sie täglich mache.
00:39:15Wenn sie nicht bewundernswert ist.
00:39:19Grunde genommen muss ich auch aufpassen, nun kann ich schlafen.
00:39:24Also Willi, pass mal auf.
00:39:26Du hast da sicher schon mal im Fernsehen Operationen gesehen.
00:39:29Nee, hab ich nicht.
00:39:30Verdammt mal, wozu hast du denn deinen Fernseher?
00:39:33Für den Sport natürlich, was?
00:39:34Ja, ja, ja.
00:39:35Fußball.
00:39:36Eine herrliche Einrichtung.
00:39:38Tote Kreativität, da kannst du die anderen antreiben, beleidigen, beschimpfen.
00:39:42Fußball.
00:39:44Ja, da ist doch gut, dass Magdeburg nicht mehr Meister ist.
00:39:46Und Jena hat sich gut gehalten, die mischen oben noch ganz schön mit.
00:39:49Jena?
00:39:50Ja.
00:39:51Glücksklub, Mann.
00:39:51Glücksklub.
00:39:52Du hast doch keine Ahnung.
00:39:53In Magdeburg, da sind die Besten drin.
00:39:55Hoffmann, Pomeranke, Sparwasser, so eine Techniker, so eine Schützen.
00:39:58Jena.
00:39:58Ja, kämpferisch kannst du sagen, was du willst, eine gute Mannschaft.
00:40:01Die jungen Leute sind prima.
00:40:02Rabte, vergraben die, eine tolle Angriffswoche.
00:40:04Ist doch kein Vergleich mit Magdeburg.
00:40:05Ja, was war denn mit Eindhoven?
00:40:06Mit Eindhoven?
00:40:07Ja.
00:40:07Großes Pech, Mann, Pech.
00:40:09Noch drei Minuten vor Schluss, vier zu zwei.
00:40:12Aber nur mit Magdeburg hatten die solche Mühe, nur mit Magdeburg.
00:40:14Die anderen wurden doch ganz locker ausgeschaltet, ganz locker.
00:40:17Ja, du bist also ein Magdeburger.
00:40:18Und du studierst nur im Jena.
00:40:20Komm, komm, bleiben wir lieber bei dir.
00:40:23Nur ruhig, ruhig doch mal endlich raus damit.
00:40:25Lass mal die Katze aus dem Sack.
00:40:26Bist doch sicher irgendwo ganz dicke da.
00:40:29Steck doch was dahinter, was du so bescheiden tust.
00:40:31Na?
00:40:32In der Parteiarbeit vielleicht?
00:40:34Oder vaterländischer Verdienst auch?
00:40:36Noch mehr?
00:40:38Rück doch mal raus damit.
00:40:39Du ehrst dich?
00:40:41Ich bin nur viermal Aktivist geworden.
00:40:43Was heißt nur?
00:40:44Unser Kombinat hat 10.000 Arbeiter.
00:40:47Da kann nicht jeder mit Mörtern rumremmen.
00:40:49Ist auch Glückssache manchen erwischt sehen.
00:40:51Wer keinen Orden kriegt, der muss auch weiterarbeiten.
00:40:54Und zwar ordentlich weiterarbeiten, bis zur Rente.
00:40:56Dann kann ich dumm tun.
00:40:59Wenn du es drauf anlegst, mir meine Arbeit zu vermiesen, gib es auf.
00:41:11Das schaffst du nicht.
00:41:12Du wirst es nie begreifen.
00:41:21Übrigens, wenn du so gut angeschrieben bist, kannst du mich doch sicher in deinem Betrieb unterbringen.
00:41:30Hör mal, ich denke, du studierst noch.
00:41:34Ja, ich brauch Geld ziemlich schnell.
00:41:40Als ungelernter Arbeiter und einer, der dauernd zu Urstatt keine gute Empfehlung war.
00:41:47Geld.
00:41:49Du brauchst da so Geld?
00:41:51Ja, lass mal.
00:41:53Und deine Eltern?
00:41:55Es fehlte noch.
00:41:56Nee, nee, nee.
00:41:58Meine Mutter hat Kummer genug.
00:42:00Oh, da kann ich jetzt mit gar nichts kommen.
00:42:05Na ja, meine kleine Schwester.
00:42:09Genau vor einem halben Jahr ging es los mit ihr.
00:42:12Auf dem Rummel.
00:42:14Ich habe sowieso was gegen Kettenkarussells, aber ich hampe, man konnte ja doch nichts abschlagen.
00:42:20Sie wäre bei einem Haus im Korb gerutscht.
00:42:22Dann sackte ganz zusammen.
00:42:23So schlecht wurde ihr plötzlich.
00:42:24Mir blieb vor Angst die Luft weg.
00:42:28Ja, und dann zu Hause.
00:42:32Immer Kopfschmerzen und Rückenschmerzen in Intervallen.
00:42:37Dann zwei Tage nichts, Ruhe, Gut.
00:42:41Und schließlich das Ganze von vorne.
00:42:43Wie habe ich meiner Mutter zugesetzt?
00:42:45Ich sage, lass ein Enzephalogramm machen.
00:42:46Die Sache ist gefährlich.
00:42:48Aber nein, die Kleine weint so.
00:42:50Und meine Mutter kriegt Zustände schon bei dem Wortkrankenhaus.
00:42:54Na ja, und dann, wie es so kommt.
00:42:57Plötzlich mit Rotkreuzfahren und Blaulicht.
00:43:04Du lieber Gott.
00:43:07Deine kleine Schwester ist gestorben.
00:43:13Du sagst das Schwarze an so.
00:43:17Nein.
00:43:19Doch, auf mit dem Quatsch.
00:43:20Sie ist nicht tot.
00:43:21Sie lebt.
00:43:21Sie wird durchkommen.
00:43:23Sie wird durchkommen?
00:43:25Na, was hast du denn da gestern begraben?
00:43:27Was denn?
00:43:29Mann, ich hab meine Zukunft begraben.
00:43:31Meine ganze Zukunft aus und vorbei.
00:43:33Ich bin durchs Physikum gefallen.
00:43:36Weißt du, was das heißt, Physikum?
00:43:38Keine Ahnung.
00:43:39Durchs Physikum gefallen heißt, ich kann nicht Arzt werden.
00:43:42Verstehst du das Einzige, was ich werden möchte?
00:43:44Arzt nichts anderes sonst als Einzige.
00:43:47Lieber Gott, Menschenskind, das hast du dir doch selber zuzuschreiben.
00:43:51Hättest du nur besser lernen brauchen, statt rumzupummeln.
00:43:53Sie kann seine Anatomie, was?
00:43:55Na klar, wenn es sein muss.
00:43:57Durch eine Prüfung gefallen, Menschenskind.
00:43:58Und ich war voller Mitleid.
00:44:00Dachte dauernd an Tod und begraben und dann sowas.
00:44:03Durch eine Prüfung gefallen, statt ordentlich zu lernen, dieser Faulpilz.
00:44:07Man kann nicht alles lernen, Mensch.
00:44:10Was weißt denn du vom Studium und von Studenten?
00:44:14Alles Biertrinker, die die Zeit durchschlagen, was?
00:44:17Rumbummler, ja?
00:44:17Rumbummler.
00:44:18Mann, ich hab gelernt, oh und wie.
00:44:22So ist es ja, ich hab gelernt.
00:44:25Weißt du, was die Spezialstrecke ist?
00:44:27Jeder Prüfer hat eine, jeder.
00:44:29Und Lippert hat eine ganz besondere und ich war darauf vorbereitet wie kein anderer.
00:44:32Ich wusste alles bis ins Kleinste, bis ins Allerkleinste.
00:44:35Branchogene Organe, Kiembögen, knöcherne Gewebstreifen zu den Kiemspalten,
00:44:39Hammer, Amboss, Meckerscher, Knorpel, Steigbügel, Zungenbeinteile und so weiter.
00:44:42Ich wusste alles.
00:44:45Aber wir waren wie üblich zum vierten Prüfungszimmer.
00:44:48Und vor mir war eine dran, die immer Glück hatte, nicht?
00:44:51Das gibt's eben im Studium, das ganze Studium lang.
00:44:54Die und die anderen zwei, die kriegten die Spezialstrecke
00:44:56und mich fragt er nach der Uhreniere.
00:45:01Die anderen machten ganz blöde Gesichter.
00:45:03Ich natürlich das Blödeste.
00:45:05Die Uhreniere.
00:45:07Stammelte irgendwas zusammen.
00:45:09Beim zweiten Prüfer, da hatte ich dann Schleier vor den Augen,
00:45:12weil es nur noch 5-5-5 dröhnte in meinem Kopf.
00:45:15Und bei der Leiche da überging mich Lippert meistens schon,
00:45:18weil aus Zeitersparnis, denn ich war ja für ihn ein klarer Fall.
00:45:23Ein Durchfall.
00:45:26Bis Dezember darf man wiederholen.
00:45:28Und gestern hätte mich Professor Schneider geprüft.
00:45:31Denn Lippert war seit Wochen krank, das wusste ich.
00:45:34Ich also ganz früh aus dem Haus mit Schwung und Zuversicht.
00:45:39Bloß allein sein, kein Messin, durch die Straßen gehen, Ruhe,
00:45:43die Zeit abwarten und dann ins Institut.
00:45:46Da sehe ich Lippert, wie er frisch vergnügt,
00:45:50pfeifend aus dem Waschraum kommt.
00:45:52Und höre ihn zu Schneider sagen,
00:45:55vielen Dank, Herr Kollege, vielen Dank.
00:45:57Die Prüfung übernehme ich natürlich wieder.
00:46:08Ich habe dich durchgedreht, nicht?
00:46:14Das Haus.
00:46:17Ratte weg.
00:46:22Der hat umsonst auf mich gewartet.
00:46:26Das wird er mir nie verzeihen, nie.
00:46:35Ich habe eben einen toten Vogel in der Tasche.
00:46:40Das gibt es eben.
00:46:42Es stimmt eben, was viele von mir sagen.
00:46:45Toten Vogel in der Tasche.
00:46:48Kennen Sie den Ausdruck nicht?
00:46:53Sagt mal, von denen, die ziemlich viel Pech haben.
00:46:55Kein Glück bei Prüfung.
00:46:58Das braucht man eben.
00:47:00Ich jedenfalls nicht nur Fleiß.
00:47:04Ach, lernen, lernen, placken, wie es da gibt's auf.
00:47:08Das wirst du nie begreifen.
00:47:28Was ist denn so spät schon?
00:47:40Ich muss noch mal zur Telefonzelle.
00:47:46Wir setzen zwischen unser Essen auf.
00:47:51Hier, das ist den Streichhölzer.
00:47:54Salzen durch nachher selber.
00:47:56Gehen im All mein Regenwasser zum Händewaschen.
00:47:59Das Telefon ist von einer Kantine höchstens eine Minute von hier.
00:48:02Ich bin gleich wieder zurück.
00:48:15Ich bin gleich wieder zurück.
00:48:47Ich bin gleich wieder zurück.
00:48:58Wo willst du denn hin, Mensch, Kind?
00:49:00Bleib hier.
00:49:01Ich hab mit dir zu reden.
00:49:06Setz dich hin, mein Junge.
00:49:08Ich hab mit dir zu reden.
00:49:09Es ist was Ernstes.
00:49:11Nur halt dich fest.
00:49:12Deine Wiederholungsprüfung bei Lippert findet jetzt statt.
00:49:15Heute, in einer halben Stunde genau.
00:49:16Die Prüfung ist verschoben worden.
00:49:19Dein Lippert hat gestern in den Internat angerufen.
00:49:21Aber du warst ja nirgends auffindbar,
00:49:23weil du dich den ganzen Tag rumgetrieben hast.
00:49:24So ist das.
00:49:25Also, nur nichts wie hin.
00:49:27Was?
00:49:29Die Wiederholungsprüfung?
00:49:30Ja, nicht heute statt.
00:49:31Ja.
00:49:33Woher weißt du denn das?
00:49:34Ich hab angerufen.
00:49:36Wo?
00:49:38Beim Institut?
00:49:39Ja.
00:49:42Bist du wahnsinnig geworden?
00:49:44Dich in meine Angelegenheiten zu mischen?
00:49:46Bist du wahnsinnig geworden?
00:49:48Du, ich bring dich um, du Idiot.
00:49:50Mich so zu blamieren, Mensch.
00:49:51Wieso denn blamieren?
00:49:52Ich hab als Vater angerufen.
00:49:53Du, Isel.
00:49:55Ich hab gar keinen Vater.
00:49:56Vater, Vater, das wissen die doch nicht.
00:49:57Ich bin auch gleich unterbrochen worden.
00:49:59Du hast jetzt Prüfung, Mensch.
00:49:59Wach auf, Junge.
00:50:00Du hast Prüfung.
00:50:01Und komm, schnell.
00:50:02Ja, dann kann.
00:50:03Wir müssen uns beeilen, wenn wir's noch schaffen wollen.
00:50:04Was heißt wir?
00:50:06Du bleibst in deiner Laube.
00:50:08Ich geh allein.
00:50:09Ich bring dich doch bloß bis zum Taxiplatz, Junge.
00:50:11Du bleibst hier.
00:50:12Gib die Tür frei.
00:50:14Unrasiert und glitschnass.
00:50:15Was soll denn der Lippert von dir denken?
00:50:16Lass dich doch hinbringen, Junge.
00:50:17Bitte, lass dich hinbringen.
00:50:19Warte doch.
00:50:20Warte doch, Junge.
00:50:21Komm doch unter meinen Schirm.
00:50:24Warte doch.
00:50:26Junge.
00:50:32Nee, Willi.
00:50:34Nee, Verständnis hat doch seine Grenzen.
00:50:37Wat ist dir da nur eingefallen?
00:50:39Beherbe es diesen besoffenen Kerl
00:50:41und schleppst ihn heute durch die Gegend.
00:50:44Mensch, hast selber keine Kinder
00:50:46und erhörst dich mit Fremden rum.
00:50:49Das muss man sich mal vorstellen.
00:50:52Konnt ich ahnen, dass die Laube in die Luft fliegt?
00:50:55Konnt ich das?
00:50:56Ich hab dich gleich gewarnt, mein Lieber.
00:50:58Der Campingkocher war ernst unzulässig.
00:51:01Propanias ist gefährlich.
00:51:02Quatsch.
00:51:04Als ob du nicht wenigstens Zeit gehabt hättest,
00:51:06nochmal umzukehren und dein Essen auszumachen.
00:51:09Nee, das hatte ich eben nicht.
00:51:11Das hatte ich nicht.
00:51:12Hast du mich deshalb hergerufen,
00:51:14weil du ihn zum Anschreien brauchst?
00:51:16Weil du nicht richtig zuhörst, Rudi.
00:51:17War nämlich noch nicht am Ende.
00:51:19Die schöne, schöne Laube.
00:51:21Hörst du endlich zu, oder nicht?
00:51:22Schon gut.
00:51:24Dieser Mensch war also durch die Prüfung gefallen
00:51:26und musste sie wiederholen.
00:51:28Und wie er es nur erfuhr,
00:51:30da konnte er auch froh sein und hingehen.
00:51:32Aber wie der aussah,
00:51:34als ich ihm sagte, deine Prüfung ist verschoben worden.
00:51:36Wie der aussah.
00:51:38Keine Ahnung, was er wirklich dachte.
00:51:40Ob er kneifen wollte oder nicht, jedenfalls.
00:51:42Bei ihm ist alles drin.
00:51:43Ich habe ihn bis ins Institut gebracht.
00:51:50Der reinste, der reinste Ringkampf vor der Taxe.
00:51:54Aber dann kam er plötzlich ganz ruhig.
00:51:58Er gab mir vom Sekretariat sogar die Hand.
00:52:00Er bedankte sich fürs Hinbringen.
00:52:02Dann ging er rein und kam wieder raus.
00:52:05Dann sagte er, der Professor sei noch nicht da.
00:52:07Ah, da müsst ihr warten.
00:52:09Gut, ich sage dir, der und warten.
00:52:10Ich stellte mich ans andere Ende des Ganges.
00:52:12Und wartet auch.
00:52:13Was haben mich da stehen?
00:52:14Und gab mir so ein paar Mal so ein Zeichen.
00:52:15Also, du hau doch nur endlich ab.
00:52:17Ich blieb.
00:52:19Ich wurde mir ganz schwummrig,
00:52:20weil ich an meine kochenden Kartoffeln dachte
00:52:22und an meine neuen Döpfe
00:52:23und mir ausrechnen konnte,
00:52:24wie lange Wasser braucht,
00:52:25bis es verdampft.
00:52:27Aber was tun?
00:52:28Da setze ich mal in meine Lage.
00:52:30Diesen Littert hätte ich am liebsten hinten reingetreten,
00:52:32als er so langsam den Gang lang geschlendert kam.
00:52:35Ich hörte, wie er sich entschuldigte
00:52:37und den Jungen irgendwo mit rein nahm.
00:52:39Nur endlich konnte ich zu meiner Laube.
00:52:41Konnte ich ahnen,
00:52:42dass mir der Kocher einen Streich spielt
00:52:43und alles in die Luft jagt?
00:52:45Eigentlich schon.
00:52:47Die schöne Laube.
00:52:48Und erst noch so frische Strichen.
00:52:51Willi, hat sich das gelohnt?
00:52:56Und du denkst, er hat bestanden?
00:52:57Ganz bestimmt.
00:52:59Da bin ich sicher.
00:52:59Und warte es drauf, dass er herkommt.
00:53:01Wieso denn, was soll er denn hier die Prüfung?
00:53:03War heute Mittag, jetzt ist das Abend.
00:53:05Wenn er sie bestanden hat,
00:53:06dann sitzt er irgendwo mit seinen Kumpels um und soll.
00:53:09Den kann ich vergessen.
00:53:11Weil hiervon weiß ich ja nichts.
00:53:13Und wenn schon.
00:53:14So eine alte Laube, was macht er schon?
00:53:17So denkt die Jugend heute.
00:53:19Selber schuld, der Opa.
00:53:21Was mischt er sich in meiner Angelegenheit?
00:53:22Geht ihr noch einen Dreck an?
00:53:24Willi, komm, es wird jetzt kühl.
00:53:27Morgen helfe ich weiter.
00:53:28Wir kriegen das Ding schon wieder hoch.
00:53:47Na gut, dann bleib.
00:53:52Ich hier jedenfalls.
00:54:09Hey, Sie!
00:54:10Wo ist denn bloß diese Laube mit dem blödsinnig-orangenen Dach geblieben?
00:54:14Seit einer Stunde renne ich jetzt durch die Kolonie und suche diese verfluchte Laube.
00:54:19Wissen Sie vielleicht, wo der Garten ist?
00:54:22Der Mann heißt Willi und ist Plattengießer.
00:54:25Mehr weiß ich nicht von ihm.
00:54:46Wissen Sie vielleicht, wo der Garten ist, wo der Garten ist, wo der Garten ist, wo der Garten ist.
00:55:27Ja, hier ist Lotte.
00:55:29Na, wie geht's?
00:55:31Ja, wollt euch einen guten Rutsch ins Neujahr wünschen.
00:55:35Ja, und dass ihr dieses Jahr endlich euren Anbau fertig kriegt.
00:55:40Ja!
00:55:43Na, wo soll ich schon sein, Trudel?
00:55:45Heiligabendsilvester mache ich doch immer hier ein paar Sonja allein zuhause.
00:55:53Und wo soll ich schlafen?
00:55:55Sieh mal, hast doch sicher das ganze Haus wieder voll.
00:55:57Was?
00:55:59Alle schon blau?
00:56:01Oh, das kann ich mir denken, ja.
00:56:08Na ja, vielleicht nächstes Jahr, hm?
00:56:12Ja, wenn ihr euren Anbau fertig kriegt.
00:56:15Sch, sch, sch.
00:56:17Sch, sch.
00:56:18Nein!
00:56:18Nein!
00:56:19Warte mal, Trudel.
00:56:20Die Katze ist wieder da.
00:56:21Warte mal.
00:56:22Der beim Apparat.
00:56:23Sch, sch.
00:56:24Nischli, frag du!
00:56:25Lass mal dich wieder blicken!
00:56:27Hey!
00:56:31Tudel?
00:56:32Ja, ich bin's wieder.
00:56:34Ach, was?
00:56:36Da füttert die doch dauernd.
00:56:38Wer?
00:56:39Na, Busners Klaus.
00:56:41Ja, da ist doch unser neuer Trapo jetzt.
00:56:43Da wusstest du noch nicht?
00:56:45Ja, ja.
00:56:47Unser kleiner Wichtigtor, hm?
00:56:50Wo er jetzt ist?
00:56:51Ach, draußen auf dem Bahnsteig.
00:56:53Da wurde er rausgerufen.
00:56:54Hm?
00:56:56Na klar!
00:56:57Hab ich ne halbe Flasche mit.
00:57:00Na klar!
00:57:01Aber der doch nicht.
00:57:02Verstehst du?
00:57:03Immer korrekt.
00:57:05Haha!
00:57:05Er ist im Dienst.
00:57:07Jetzt könnte ja was passieren, ja.
00:57:10Zum Lachen, nicht?
00:57:12Hier auf unserer Klitsche, ja.
00:57:15Du, ich glaube, er kommt.
00:57:16Mach's gut, Trudel, hm?
00:57:17Und feiert doch schön.
00:57:18Ich muss ihn hin.
00:57:20Der braucht nicht gerade zu wissen,
00:57:21dass ich ein Ferngespräch führe.
00:57:22Verstehst du?
00:57:23Grüßt mir alle schön.
00:57:24Und heute, heute, heute fürs neue Jahr!
00:57:29Bitte.
00:57:37Entschuldigung.
00:57:42Nehmen Sie Platz.
00:57:47Bleiben Sie sitzen.
00:57:52Wen bringst du denn da angeschläpst?
00:57:57Der ist mir soeben vom Zugpersonal des 1732 übergeben worden.
00:58:02Er hat die Notbremse gezogen.
00:58:04Na und?
00:58:06Was geht denn uns da dann?
00:58:07Hör zu.
00:58:08Ich komm jetzt rein und erklär dir alles.
00:58:12Lass ihn inzwischen nicht aus den Augen, ja?
00:58:15Ganz unauffällig.
00:58:17Aber so, dass er nicht weglaufen kann.
00:58:40Nein, Lotte, darum geht's nicht.
00:58:43Ich möchte nur den Fall alleine lösen.
00:58:46Ganz alleine.
00:58:48Na dann.
00:58:51Bitte, bitte.
00:58:53Ich will dir nicht im Wege stehen.
00:58:55Ich nicht.
00:59:02Aber denkt dran.
00:59:03Solche Typen muss man überrumpeln.
00:59:06Und wenn das nichts fruchtet, sie mit Angst erpressen.
00:59:10Mach was, Lotte.
00:59:12Das geht auch mit Verständnis.
00:59:14Mit gut zureden.
00:59:17Mit Geduld.
00:59:19Gott, versuch dein Glück.
00:59:21Aber ich sag dir gleich, das wird nicht so, dass ihr immer alles besser wissen müsst.
00:59:25Immer alles besser.
00:59:26Ich hol ihn jetzt, Lotte.
00:59:28Muss schon sehen.
00:59:29Wenn er erst warm ist, wird er schon reden.
00:59:33Moment noch.
00:59:35Muss erst, wie sie mein Portemonnaie in Sicherheit bringen.
00:59:38Und dass wir uns recht verstehen.
00:59:40Alles auf deine Kappe, lieber Klaus.
00:59:42Der kann ja plötzlich einen Tobsuchtsanfall kriegen und ja alles zertrümmern.
00:59:46Aber der doch nicht.
00:59:48So ein schwacher alter Mann.
00:59:49Na hey, was läuft denn nun mit mir?
00:59:52Soll ich das alles kurz und klein schlagen?
00:59:54Ihr sich jemanden um mich kümmert?
00:59:56Aber Opa, doch nicht gleich so aufgeregt.
01:00:00Ist doch gar kein Grund vorhanden.
01:00:04Na komm, hier ist warm.
01:00:07Dann zieh deinen Mantel aus und setz dich, Opa.
01:00:09Ich bin nicht jung, Opa.
01:00:11Verzeihung.
01:00:12Ich würd sie ja gern beim Namen nennen, wenn ich ihn wüsste.
01:00:18Wie heißen sie denn?
01:00:19Um mich reinzuregen, musst du etwas früher aufstehen, mein Name.
01:00:22All right.
01:00:25Bin ich, Herr Junge.
01:00:27Bin dann Sportpolizist.
01:00:31Unser Bahnhof gehört nämlich mit zu meinem Revier.
01:00:35Und das ist die Leiterin des Fahrkartenschalters.
01:00:41Jetzt zu ihrer Vernehmung.
01:00:42Sie, Sie wollen also Ihren Namen nicht sagen.
01:00:46Und auch nicht Ihre Adresse.
01:00:54Nein?
01:01:02Und warum haben Sie die Notbremse gezogen?
01:01:06War Ihnen schlecht?
01:01:11Es gäbe milderne Umstände.
01:01:13Plötzliches Übelsein, Angstgefühl.
01:01:15Das kommt schon vor.
01:01:17Besonders in Ihrem Alter.
01:01:21Äh, doch.
01:01:22Das kann sogar sehr leicht vorkommen.
01:01:28Nun reden Sie doch endlich, lieber Mann.
01:01:31Wenn Sie alles sagen, wird's nicht so schlimm, das verspreche ich Ihnen.
01:01:36Sie haben doch nur Angst vor der Geldstrafe, nicht wahr?
01:01:38Nö, ich bezahle alles.
01:01:40Und den Schaden der Reifenden, wie bezahlst du den, ha?
01:01:43Die verpassten Zuganschlüsse, die hier platzende Westerfeiern?
01:01:47Es war gar keiner im Zug, nur ein Liebespärchen.
01:01:51Und das war ganz froh über die Geigenfrist.
01:01:53Ach, reden Sie doch nicht.
01:01:55Der Soldat hatte mächtige Schwierigkeiten durch Sie.
01:01:58Der Zugführer musste ihm sogar eine schriftliche Bescheinigung
01:02:01über die Verspätung des Zuges ausstellen,
01:02:03weil er pünktlich an seinem Standort sein musste.
01:02:06Trotzdem hat er Sie gefreut.
01:02:08Und das Wittchen erst.
01:02:09Die war schon ganz verhüllt vor Trennungsschmerz.
01:02:12Die wurde plötzlich richtig hübsch,
01:02:14als er mal aufhörte zu flippen.
01:02:20Eure Notbremsen müssen übrigens alle geölt werden.
01:02:23Die ziehen sich verdammt schwer, die Dinger.
01:02:25Sie haben also die Notbremse dem Liebespärze, die wir gezogen?
01:02:29Nö, wer sagt denn das?
01:02:33Warum dann?
01:02:38Also wenn Sie sich weiter so bockbeilig anstellen, lieber Mann,
01:02:41dann wird das nicht nur den einfachen Preis kosten,
01:02:43sondern das Doppelte oder das Dreifache.
01:02:45Warum wollen Sie denn Ihr Geld unbedingt zum Fenster rauswerfen?
01:02:50Und seien Sie doch vernünftig.
01:02:53Bitte.
01:02:54Es ist doch mein Geld.
01:02:56Und es geht Sie einen Dreck an, was ich damit mache.
01:02:59Ich hab's gespart, Mark für Mark, und es geht Sie einen Dreck an.
01:03:04Na, Opa, auf dem Teppich bleiben, ja?
01:03:07Wo sind Sie denn, deine Riesensommen, mit denen du ja rumwerfst?
01:03:11Auch ein Bier und Schnabel, die alte Ente.
01:03:13Ich muss doch sehr bitten, ja?
01:03:16Also so kommen wir doch nicht weiter, lieber Mann.
01:03:18Ich hab doch gleich gewusst, das schaffst du nicht.
01:03:20Das ist ein Fall für die Kripo, Klaus.
01:03:22Den kriegst du niemals weit.
01:03:23Ach, Kripo.
01:03:24Mach ihm doch keine Angst, Lotte.
01:03:27Nein, nein.
01:03:29Ich hab Geduld.
01:03:31Schließlich haben wir doch heute Silvester, nicht wahr?
01:03:36Natürlich, ich hab's.
01:03:39Silvester.
01:03:45Sie, Sie leben jetzt allein.
01:03:48Sie dachten plötzlich an früher, ganz früher.
01:03:52Immer Menschen um sich rum.
01:03:54Kinderreiche Familie, volle Stuben.
01:03:56Silvesterstimmung.
01:03:57Ströme von Alkohol.
01:04:00Das will ich meinen, bei mir gab's nie ein trockenes Schiff.
01:04:03Und heute einsam und verlassen.
01:04:06Raus aus der Wohnung und unter Menschen.
01:04:09Aber wohin?
01:04:10Zum Bahnhof.
01:04:12In den Zug gestiegen.
01:04:14Und alleine.
01:04:16Bis auf das Liebespaar.
01:04:19Völlig alleine.
01:04:21Notbremse.
01:04:22Warst du?
01:04:26Na, nicht ganz.
01:04:28Aber das mit den vollen Stuben stimmt.
01:04:31Und das Kinderreich auch.
01:04:33Ich hatte fünf Schwestern.
01:04:35Und war der einte Junge.
01:04:38Und das jüngste Kind.
01:04:40Können Sie sich vorstellen, wie ich geliebt worden bin?
01:04:43Und heute haben Sie niemanden mehr.
01:04:45Nur noch.
01:04:45Na ja, solche, die auf meinen Tod warten.
01:04:47Und mit solchen kann man sich doch nicht an einen Tisch setzen.
01:04:51Ich kriegte keinen Bissen runter heute.
01:04:54Nicht einen Bissen.
01:04:56Alles wie zugeschnürt.
01:04:59Ja.
01:05:00Diese Bande.
01:05:02Über einen alten Mann herfallen.
01:05:04Ihm alles nehmen.
01:05:06Was er liebt.
01:05:09Wie könnte ich da was essen?
01:05:12Mit denen noch was essen?
01:05:17Aber nun sind Sie hungrig, was?
01:05:20Sie armer.
01:05:22Klauschen, du wohnst doch nicht allzu weit.
01:05:25Könntest du nicht was holen?
01:05:29Na schon.
01:05:32Aber...
01:05:33Da müsste ich euch einschließen.
01:05:36Gott, wenn es sein muss, dann tu, was du nicht lassen kannst.
01:05:40Beeil dich nur. Lass ihn nicht länger hungern.
01:05:50Dann.
01:05:52Jetzt sind Sie gerade selbstgemachte Sätze.
01:05:55Na ja, wenn sie gut ist.
01:05:58Aber wie gesagt...
01:06:00Verrollt deine Kleid.
01:06:01Nun mach's schon.
01:06:20Setzen Sie sich.
01:06:24Ach...
01:06:25Kleiner Kirschgefällig?
01:06:28Ich weiß, ich fahr jetzt nichts für Männer.
01:06:31Aber in der Not muss der Deibel fliegen.
01:06:37Auf sie und ihre Kinder.
01:06:39Fui Deibel.
01:06:41Nicht auf die, nur nicht auf die.
01:06:43Ja, ja.
01:06:44Die undankbaren Kinder.
01:06:47Dann hat sie großgezogen,
01:06:49alle sind sie reingesteckt.
01:06:51All sich vom Munde abgespart und nur im Alter.
01:06:55Fui Deibel.
01:06:58Haben Sie auch Kinder?
01:07:00Nein, Gott sei Dank nicht.
01:07:04Aber...
01:07:05Man hört zu allerhand.
01:07:08Immer dasselbe.
01:07:10Wir brauchen Sie nichts zu erzählen.
01:07:12Ich weiß Bescheid.
01:07:13Keine Zeit, die Bande.
01:07:15Keine Zeit.
01:07:17Ich hab ein kleines Haus im Erzgebirge.
01:07:20Nur ganz nah am Hang.
01:07:21Natürlich bleibt der Wind da oben.
01:07:23So warm wie in der Neubauwohnung ist er nicht.
01:07:25Warum auch?
01:07:27Und der Abort ist auf dem Hof.
01:07:28Was macht der schon?
01:07:30Aber die verblägt und verweichlicht.
01:07:33Auch die Kinder schon.
01:07:34Opa kommt zu uns.
01:07:36Aber das ist schön dabei.
01:07:37Die riecht so nach Ziegenmilch.
01:07:40Wissen Sie, wie gesund die ist?
01:07:42Und Fernsehen hast du auch nicht.
01:07:45Jeder Fernsehquatsch ist ihnen besser als das Wort eines alten Mannes.
01:07:50Opa sei doch endlich still.
01:07:51Sagt schon der Kleinste, wenn er in die Röhre starrt und hält meinen Mund zu.
01:07:58Manchmal denke ich, ich könnte tot um, vor allem im Hintergrund.
01:08:01So wird gar keiner merken.
01:08:02Hauptsache ich bin spiel.
01:08:05Das Geräte eines alten Mannes langweiligt sie.
01:08:08Dabei kenne ich so viele Geschichten von früher.
01:08:12Vor allem von früher.
01:08:13Aber die immer nur von heute.
01:08:15Heute!
01:08:17Opa, stell lieber das Fernseher an und geh schlafen, wenn du nicht zu dir willst.
01:08:31Ich höre sehr gerne Geschichten von früher.
01:08:36Ja.
01:08:37Und eine menschliche Stimme ist durch nichts zu ersetzen.
01:08:40Nicht durch Fernsehen, nicht durch Radio.
01:08:43Mir fehlt vor allem seine Stimme in der Wohnung.
01:08:46Vor allem die Stimme.
01:08:48Mein Mann hatte eine sehr feine Aussprache.
01:08:52Sehr deutlich, wissen Sie?
01:08:54Ja.
01:08:56Das hat er sich im Dienst angewöhnt.
01:08:58Ankunftszeiten, Abfahrzeiten, Signale, Verspätungen.
01:09:03Er sprach sehr pronunziert.
01:09:08Hä?
01:09:10Pronunziert.
01:09:12Und laut.
01:09:14Ah.
01:09:15Seine Stimme übertrifft alle Bahnhofsgeräusche.
01:09:18Müllos.
01:09:20Ja, ich spreche ein bisschen unsäglich.
01:09:24Und das ist auch schön.
01:09:27So natürlich.
01:09:28Ja, durfte ich bitte.
01:09:32Vielleicht noch.
01:09:32Sagen Sie mal, wenn Sie von oben aus dem Erzgebirge kommen,
01:09:42standen Sie da vielleicht aus der Gegend Eibenstock-Krittersgrün?
01:09:47Ja.
01:09:47Das kenne ich nämlich wie meine Westentasche.
01:09:51Oder...
01:09:52Bernstein, Älterlein?
01:09:54Ach, herrlich die Gegend.
01:09:55Einfach herrlich.
01:09:57Oder...
01:09:58Lauter.
01:10:00Das schönste Städtchen.
01:10:02Dazwischen.
01:10:03Genau dazwischen.
01:10:05Zwischen Lauter und Älterlein?
01:10:08Dörfen?
01:10:12Na sowas.
01:10:13Na, das kenne ich auch.
01:10:14Und wie.
01:10:15Jedes rausfasst.
01:10:16Na du da, Lüttchen.
01:10:18Da schaue ich aber.
01:10:19Jedes rausfasst?
01:10:20Hohoho.
01:10:24Ja, ja.
01:10:26Ich habe ein gutes Gedächtnis.
01:10:28Das kommt vom Fahrplanlesen.
01:10:32Sagen Sie mir eine Strecke.
01:10:33Und ich nenne Ihnen sämtliche Beine.
01:10:38Das kommt vom Thema ab.
01:10:40Bleiben wir lieber bei Dörfel.
01:10:43Wenn Sie von Dörfel sind und das Haus am Hang steht.
01:10:51Und dann ist es hier das am Dorfeingang neben dem Friedhof.
01:10:56Och nein.
01:10:58Nein, doch nicht diese miese Bude.
01:11:01Nein, nein.
01:11:01Meinen steht am letzten Hang.
01:11:03Fast am Dorfausgang.
01:11:05Haus Besenbinder.
01:11:0618er Dreierbord.
01:11:07Ja, ja, ja, ja.
01:11:09Das hübsche kleine Fachwerkhaus.
01:11:17Na.
01:11:19Denn Prost, Herr Besenbinder.
01:11:22Prost.
01:11:23Ach, Frau Wiese.
01:11:27Erraten.
01:11:28Besenbinder.
01:11:29Sie sind eine schlaue Frau.
01:11:31Von Ihnen kann man lernen.
01:11:33Sag ich doch.
01:11:35Dass dieser Grünling sieht es nicht ein.
01:11:38Na ja, die Jugend ist ja sonst nicht schlecht.
01:11:42Nicht nur.
01:11:44Alles weiß sie besser.
01:11:45Alles weiß sie besser.
01:11:47Alles weiß sie besser.
01:11:48Nichts weiß sie besser.
01:11:49Gar nichts.
01:11:50Sober Ratschläge.
01:11:51Das ist alles.
01:11:53Opa sei vernünftig.
01:11:54Nimm dir Mieter an.
01:11:56Opa sei vernünftig.
01:11:57Verbrach dein Land.
01:11:59Opa sei vernünftig.
01:12:00Schaff die Katzen ab.
01:12:01Ach, warum?
01:12:03Weil ich jeden Tag ins Dorf gehe frisches Fleisch hole?
01:12:06Was können die Katzen dafür, dass ich vor sich hingestürzt bin?
01:12:11Die Wege sind nun mal so steil bei uns.
01:12:13Gibt doch Steile zum Friedhof zum Beispiel.
01:12:16Aber deshalb die Gräber einnehmen lassen.
01:12:19Statt zu kommen und mir zu helfen, fünf Gräber zu pflegen.
01:12:23Und junge Mieter ins Haus nehmen.
01:12:26Und die Eier aufladen.
01:12:27Da wäre ich doch dumm.
01:12:30Und das Land verpachten.
01:12:32Die Wiese liegt nun mal am Artenhaut.
01:12:35Da könnte ja kommen, der Herr Schwieger sohn.
01:12:37Und die Wiese auch.
01:12:38Und würde ihm gut tun.
01:12:39Diesen Fettsack.
01:12:40Und die Kinder alle.
01:12:41Äh.
01:12:43Ziegenmilch.
01:12:44Verwöhnt nach Strich und Fahnen.
01:12:46Holen keine Milch mehr von den Ziegen.
01:12:49Kein Quark davon.
01:12:50Der ist doch so gesund.
01:12:52Doch heute nun.
01:12:53Das muss man sich mal vorstellen.
01:12:55Heute.
01:12:55Ausgerechnet heute.
01:12:57Am heiligen Silvestertag.
01:12:59Da wird man abgeholt.
01:13:01Im Auto abgeholt.
01:13:04Scheinheitlich weggelotzt.
01:13:07Als ging es nur um eine Feier.
01:13:09Nur um Opa wieder ein Vergnügen zu machen.
01:13:12Die meinen angenehmen Abend zu bereiten.
01:13:14Schön der Tisch gedeckt.
01:13:17Bequemsten Stuhl für Opa rangerückt.
01:13:21Doch kaum habe ich den ersten Bissen im Mund.
01:13:24Da geht das wieder los.
01:13:26Das Trommelfeuer.
01:13:27Gräber.
01:13:28Katzen.
01:13:28Haus.
01:13:29Wiesen.
01:13:32Doch damit ist noch nicht Schluss.
01:13:35Nun soll ich meine Ziegen verkaufen.
01:13:37Weil keiner mehr die Milch.
01:13:40Ich und ohne Ziegen.
01:13:42Nein.
01:13:44Was so viel ist, ist so viel.
01:13:46Ich rausch und fahr von denen.
01:13:48Die will hier um.
01:13:50Opa sei vernünftig, sei vernünftig.
01:13:53Denn was steckt dahinter?
01:13:55Alles kostet so viel, weil sie gierig sind aufs Erbe.
01:14:01Opa sei vernünftig.
01:14:02Ja.
01:14:02Vorwand.
01:14:03Nicht als Vorwand.
01:14:06Sparen.
01:14:07Nicht als Sparen.
01:14:08Ja, das habe ich heute auch gedacht.
01:14:10Sparsam sein.
01:14:12Vernünftig sein.
01:14:13Für euch vernünftig.
01:14:16Euch werde ich's geben.
01:14:17Jetzt werde ich ganz unvernünftig sein.
01:14:20Ja und alles auf den Kopf hauen und und und und und.
01:14:24Die Notbremse ziehen.
01:14:28Ja.
01:14:30Das habe ich schon so oft gedacht.
01:14:32Wenn ich die roten Digger sah.
01:14:35Mal sehen, was mir dann geschieht.
01:14:37Und nun der Würfel auf den Rosen.
01:14:39Das war ja heute richtig interessant.
01:14:42Das tut mir gar nicht leid.
01:14:43Nein, nein.
01:14:44Im Gegenteil.
01:14:45Ihre Tochter wird staunt.
01:14:50Und ihr Flieger so der.
01:14:52Der wird den Mund gar nicht wieder zukriegen.
01:14:55Opa, Opa, was hast du uns angetan?
01:14:58Die Notbremse.
01:15:01Und was das kostet.
01:15:03Deine Unfallung.
01:15:05Was das kostet.
01:15:08Ich höre Sie richtig.
01:15:12Das möchte ich auch erleben.
01:15:16Wissen Sie was?
01:15:17Ja.
01:15:20Lassen Sie sie herkommen.
01:15:22Wo wohnt denn Ihre Tochter?
01:15:23Doch nicht allzu weit.
01:15:24Oh, ja ganz in der Nähe.
01:15:26Nur ein paar Kilometer hier, dem Neubauviertel.
01:15:28Sie hat auch Telefon.
01:15:30Eins, zwei, sieben.
01:15:33Na wartet.
01:15:34Euch werden wir bestrafen.
01:15:37Einen kleinen Denkzettel verpassen.
01:15:40Dem Opa alles nehmen und dann auf die Straße jagen.
01:15:43So was Herzloses.
01:15:44Wie heißt denn Ihre Tochter?
01:15:45Müller.
01:15:46Annelies Müller.
01:15:50Bahnhof Gröbersand.
01:15:52Frau Müller.
01:15:53Würden Sie sich bitte hierher bemühen und wenn möglich die Papiere Ihres Vaters mitbringen.
01:15:58Zwecks Ermittlung der Personalien.
01:16:00Keine weitere Auskunft.
01:16:02Schreien Sie nicht so.
01:16:05Mit einer Taxe?
01:16:07Ihr Mann.
01:16:08Bier getrunken.
01:16:10So.
01:16:11Wie lange wird das dauern?
01:16:13Das werden Sie alles hier erfahren.
01:16:15Keine weitere Auskunft.
01:16:16Tut mir leid.
01:16:17So.
01:16:21Das wär's.
01:16:23Da sieht man's wieder.
01:16:26Bier getrunken.
01:16:29Feiern vergnügt.
01:16:35Was gibt es bloß für Menschen?
01:16:38Sie tun mir ja so leid.
01:16:41Sie tun mir so leid.
01:16:45Ja.
01:16:49Ja.
01:16:51Und wie steht's mit der Hauswirtschaft?
01:16:55Mach ich gern, Herr Wiesenwinder.
01:16:57Mach ich gern.
01:17:00Und wie steht's mit den Katzen?
01:17:05Ziegen?
01:17:08Mag ich sehr, Herr Wiesenwinder.
01:17:10Mag ich sehr.
01:17:12Na.
01:17:14Und wie steht's denn mit dem Erzgebell?
01:17:18Na, das find ich schief.
01:17:20Das find ich schief.
01:17:22Und die kleinen Häuser?
01:17:24Auf Mangen?
01:17:27Ach, die lieb ich so.
01:17:29Die lieb ich.
01:17:33Frau Wiese, es sieht günstig aus für uns.
01:17:41Ich bin ein Menschenkenner.
01:17:48Nein.
01:17:49Es ist feiraunt.
01:17:56Es ist feiraunt.
01:18:27Untertitelung des ZDF, 2020
01:18:50Untertitelung des ZDF, 2020
01:19:07Untertitelung des ZDF, 2020
01:19:57Untertitelung des ZDF, 2020
01:20:26Untertitelung des ZDF, 2020
01:20:44Untertitelung des ZDF, 2020
01:21:25Untertitelung des ZDF, 2020
01:21:55Untertitelung des ZDF, 2020
01:22:15Untertitelung des ZDF, 2020
01:22:30Untertitelung des ZDF, 2020
01:23:02Untertitelung des ZDF, 2020
01:23:54Untertitelung des ZDF, 2020
01:24:24Untertitelung des ZDF, 2020
01:24:39Untertitelung des ZDF, 2020
01:24:41Untertitelung des ZDF, 2020
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