- vor 6 Wochen
Zwei brutale Angriffe, zwei ähnliche Opfer, ein Täter – doch
kein DNA-Treffer. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen tappt im
Dunkeln. Zwei Jahre später wird die Leiche von Aneta B. aus
dem hessischen Dillenburg in einem Waldstück bei Siegen in der
Nähe der Autobahn A 45 in Nordrhein-Westfalen aufgefunden. Und
wieder bleibt der Täter spurlos verschwunden. Erst als ein
Jahr später die Schülerin Anna S
.....
kein DNA-Treffer. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen tappt im
Dunkeln. Zwei Jahre später wird die Leiche von Aneta B. aus
dem hessischen Dillenburg in einem Waldstück bei Siegen in der
Nähe der Autobahn A 45 in Nordrhein-Westfalen aufgefunden. Und
wieder bleibt der Täter spurlos verschwunden. Erst als ein
Jahr später die Schülerin Anna S
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TVTranskript
00:11Also vom Datum her, vom Tage, glaube ich, war ein Sonntag. Ich bin halt nach Dillenburg gefahren,
00:19einfach so durch die Gegend gefahren. Bin hinten auf dem Parkplatz drauf gefahren und da stand
00:27ich in einer ziemlich ruhigen Ecke und alles. Ja, dann habe ich halt eine Zeit lang da gestanden.
00:46Montags bin ich ganz normal zum Tagesdienst erschienen und da hat mein damaliger Dienststellenleiter
00:52gesagt, da und da ist eine Vermisstensache. In diesem Fall war es so, dass die zunächst
00:58Vermisste mit ihrem Bruder und ihrer Schwester in einer Wohnung, in einem Mehrfamilienhaus
01:04in Dillenburg gewohnt hat. Dort hat sie schon ihr Bett fertig gemacht, um ins Bett zu gehen,
01:10hat dann abends nochmal die Wohnung verlassen und ist aber dann nicht mehr in der Nacht zurückgekehrt.
01:22Die Vermisste ist die 31-jährige Aneta B. Am nächsten Morgen versuchen ihre Geschwister,
01:29sie telefonisch zu erreichen. Doch am anderen Ende meldet sich ein fremder Mann.
01:42Er legt sofort wieder auf und schaltet das Handy ab.
01:48Unsere Versuche, dieses Handy zu orten, sind fehlgeschlagen. Das Handy blieb verschwunden,
01:54es wurde zunächst nicht mehr in Gang gesetzt, sodass man auch durch technische Überwachungsmaßnahmen
01:59dieses Handyanschlusses sind wir nicht weitergekommen. Eine dramatische Wendung hat dieser Vermisstenfall
02:07gemacht, als am 1.11. die Leiche einer Person gefunden wurde.
02:42Untertitelung im Auftrag des ZDF, 2020
02:49In einem Waldstück bei Siegen fanden die Polizeibeamten die Leiche einer Frau.
02:53Gestern Abend wurde sie entdeckt und heute Morgen suchten die Beamten fast drei Stunden
02:57den Bereich systematisch ab, um alle Spuren zu sichern.
03:01Für die Polizei deutet vieles darauf hin, dass die Frau durch massive Gewaltanwendung getötet worden ist.
03:18Das war ja erstmal auch für die Siegener eine unbekannte Tode, die dort im Wald lag,
03:23sodass erstmal festgestellt werden musste, wo kann denn diese, weil keine Ausweispapiere beim Leichnamen gefunden wurden,
03:30wo kann die denn herkommen.
03:32Da der Fundort in Eisern im Kreis Siegen liegt, hat die Kriminalpolizei in Nordrhein-Westfalen die Ermittlungen übernommen.
03:41Um die Identität der Frau zu klären, informiert sie nun auch die Polizeidienststellen der angrenzenden Bundesländer.
03:48Darunter die etwa 30 Kilometer entfernte Wache im hessischen Dillenburg.
03:53Als das in Dillenburg letztendlich bekannt wurde, dass dort oben eine Leiche gefunden worden ist,
03:58war dann sehr schnell klar, dass das genau diese Vermisstensache Anneta sein konnte.
04:04Die Zuständigkeit wechselt zurück nach Dillenburg, wo bereits im Fall Anneta B. ermittelt wurde.
04:14Unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Michael Michel gründet man hier die Soko Eisern.
04:26Das war die erste Sonderkommission, die ich geleitet habe.
04:30In dem Fall war das natürlich dann auch logistisch und administrativ eine Neuigkeit für mich.
04:39Das große Problem war, dass alles im nordrhein-westfälischen Zuständigkeitsbereich abgewickelt worden ist,
04:45sodass wir weder den Leichenfundort, zur Zeit des Auffindens der Leiche, sehen konnten,
04:52noch an der Obduktion teilgenommen haben oder irgendwelche Spuren untersuchen konnten.
04:59Die hessische Kripo verschafft sich einen Überblick über die bisherigen Ermittlungen.
05:05Wichtige Beweise sind mögliche DNA oder Faserspuren an der Kleidung des Opfers,
05:12die die Kollegen aus Nordrhein-Westfalen am Tatort sichergestellt haben.
05:16Diese Spuren, die in Nordrhein-Westfalen untersucht worden sind,
05:20sind nicht im GMI, also im Gerichtsmedizinischen Institut, untersucht worden,
05:24sondern bei einem privatwirtschaftlichen Institut für Blutgruppenforschung,
05:28die eigentlich von ihrer Hauptaufgabe sich mit Vaterschaftstests beschäftigen.
05:35Von daher war das, ich sag's mal vorsichtig, etwas unglücklich,
05:40diese Institution mit der Untersuchung eines doch so heiklen Spurenmaterials zu beauftragen.
05:46Das war wohl in Nordrhein-Westfalen aus der Not geboren, dass das in dieses Institut gegeben worden ist.
05:51Das hätten wir damals nicht empfohlen, würden wir auch heute nicht empfehlen,
05:55so was jemals durchzuführen, weil diese Institute eigentlich gar keine Erfahrung haben.
06:00Während die Ergebnisse aus dem Privatinstitut noch nicht vorliegen,
06:04warten die hessischen Ermittler auf den Befund der Gerichtsmedizin.
06:16Die Obduktion hat ein Drosseln ergeben, ein Erwürgen.
06:21Kehlkopf und Zungenbein waren gebrochen.
06:23Man konnte dann also Stangulationsmerkmale feststellen, sodass man auch hier von einem Gewaltdelikt ausgehen musste.
06:30Das hat die Obduktion, die in Ziegen durchgeführt wurde, ergeben.
06:33Dass da Geschlechtsverkehr stattgefunden hatte, das war aufgrund der Obduktion ermittelt worden.
06:40Ob das natürlich einvernehmlich war oder nicht einvernehmlich war,
06:44das gibt das Obduktionsergebnis zunächst mal nicht.
06:50Ob Aneta B. vergewaltigt wurde, bleibt unklar.
06:55Die Ermittler finden keine Hinweise, dass der Täter schon einmal zugeschlagen hat
06:59und auch keine Verbindung zu den beiden Fällen in Nordrhein-Westfalen.
07:10Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt von diesen Fällen nichts gehört.
07:14Köln und Düsseldorf, das sind von Dillenburg aus 150 Kilometer.
07:19So eine Serientat ist ja schon was sehr Seltenes.
07:21Es kommt öfters vor, dass dann wirklich, wenn es Serientäter gibt,
07:24die sich immer wieder im gleichen Milieu nach Opfern umschauen.
07:26Aber er hatte gar nicht so einen spezifischen Opfertypus.
07:29Also daraus hätte man jetzt noch nicht so viel lesen können, denke ich.
07:37Wenn man von einem Tötungsdelikt ausgeht, sind sicherlich 95 Prozent aller Tötungsdelikte,
07:42die sich im Nachhinein als solches rausstellen, sind Beziehungstaten.
07:48Wenn der Geschlechtsverkehr einvernehmlich war, könnte Anita B. ihren Täter gekannt haben.
07:55Die Ermittler konzentrieren sich deshalb auf das Umfeld des Opfers.
07:58Es gibt Anzeichen, dass sie nach ihrem Verschwinden noch eine Zeit lang lebte.
08:04Bei der Obduktion wird ja auch der Mageninhalt untersucht.
08:07Und in dem Mageninhalt waren noch Reste von Zitrusfrüchten zu finden.
08:15Das Letzte, was Anita B. am Tag ihres Verschwindens gegessen haben müsste, war ihr Abendessen.
08:21Doch das wäre längst verdaut gewesen.
08:24Was geschah also nach ihrem Verschwinden?
08:28Es wurden Umfeldbefragungen gemacht.
08:31Der Bruder wurde befragt.
08:33Die Lebensumstände der Geschädigten wurden abgeklappert.
08:37Wo hat sie sich aufgehalten?
08:38Welche Motive hat sie wegzugehen?
08:40Das sind so Standardmaßnahmen, die dann eben das Umfeld der gesamten Beteiligten aufhellen.
08:49Durch die Aussagen von ihrem Bruder und mit der zusammenlebenden Schwester
08:53wussten wir eigentlich relativ viel über das Opfer.
08:55Das Opfer hielt sich illegal in Deutschland auf, war eine polnische Staatsangehörige.
09:07Sie war sehr fleißig, hatte Putzstellen gehabt, war sehr, sehr zuverlässig gewesen, auch freundlich.
09:13Was sie aber auch war, wurde beschrieben, dass sie auch etwas ängstlich war, ängstlich gegenüber fremden Personen.
09:19Das, so unsere Auffassung später, hat natürlich auch begünstigt, dass der Täter die Kontrollausübung sehr, sehr leichter hatte, als wenn
09:28es ein wehrhaftes Opfer hätte.
09:30Dann stellte sich die Frage, hat das Opfer eine Verabredung gehabt oder ist sie unverabredet irgendwo hingegangen?
09:41Es war über die Geschwister bekannt, dass sie gelegentlich in eine Gaststätte in der Nähe des Hillenburger Bahnhofes ging.
09:48Und deswegen hatten wir zunächst vermutet, dass die sich von zu Hause dann abends nochmal in diese Kneipe begeben hat.
09:55Annettab war da sehr wohl bekannt in dieser Gaststätte, aber es gab keine Hinweise,
10:00dass sie seit dem Verschwinden von zu Hause auch an diesem Abend noch in dieser Gaststätte gewesen ist.
10:05Vor fünf Wochen, wir haben darüber berichtet, wurde in einem Wald bei Siegeneisern die Leiche einer Frau gefunden.
10:11Dennoch sind viele wichtige Fragen weiterhin ungeklärt. Wer war der Täter und wo lag das Motiv?
10:17Die Ermittler gehen bei der Suche nach Antworten jeder auch noch so kleinen Spur nach.
10:22Um mehr Licht ins Dunkel zu bekommen, haben die Ermittler jetzt die Koryphäe unter den Kriminalbiologen engagiert.
10:28Der Insektenforscher Marc Benecke aus Köln kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Kriminalpolizei nicht weiter weiß.
10:35Anhand der Insekten vom Fundort der Leiche kann er den genauen Todeszeitpunkt feststellen.
10:45Der Gutachter hat festgestellt, dass die Leiche mindestens fünf Tage an diesem Ort war, am Ablageort.
10:53Die Ergebnisse des Insektengutachtens und der Obduktion geben Gewissheit.
10:59Aneta B. ist seit ungefähr fünf Tagen tot. Verschwunden ist sie jedoch bereits vor acht Tagen.
11:09Das wurde bedingen, dass der Täter das Opfer mindestens zwei Tage lang in seinem Gewahrsam hatte, bevor er es dann
11:16getötet hatte.
11:17Das hat uns natürlich auch sehr überrascht, dass ein Täter über so eine lange Zeit ein Opfer kontrollieren und behalten
11:25kann.
11:26Es wurden an den Opfern keine Abwehrverletzungen festgestellt, bis auf einen Blutatmus am linken Arm und ein blaues Auge.
11:38Man weiß natürlich nicht, was da wirklich stattgefunden hat. Und es ist natürlich schon wahrscheinlich, dass sich die Frau gewehrt
11:44hat oder dass sie irgendwie versucht hat, ihm zu entkommen.
11:47Es kann natürlich auch sein, dass das Opfer tatsächlich sich gar nicht mehr gewehrt hat, weil man ja auch in
11:53so einen Freeze-Modus kommt, also so einfriert vor Schock.
11:56Kannte der Täter sein Opfer? Wo hat Aneta B. nach ihrem Verschwinden festgehalten? Ohne neue Hinweise kommen die Ermittler nicht
12:05weiter.
12:08Als sich plötzlich das Handy der Vermissten wieder ins Netz einwählt.
12:13In diesem Fall war es so, dass das Handy wieder in Betrieb genommen worden ist, allerdings nicht mit der Karte
12:19von dem Provider der Aneta, sondern mit einer fremden SIM-Karte.
12:23Und interessanterweise wurde dieses Handy fast in der Nachbarschaft der Aneta wieder in Betrieb genommen, sodass wir natürlich, ich weiß
12:32es noch wie heute, es war ein Freitagmittag, gedacht haben, jetzt haben wir den Täter, das Handy ist wieder aktiv,
12:38das muss er sein.
12:46Wir sind natürlich dann sofort mit mehreren Teams zu diesem Kunden des Providers gefahren, der diese Karte wieder in Betrieb
12:53genommen hat mit dem Handy.
13:02Als Michel und seine Kollegen den potenziellen Täter erreichen, stellt sich heraus, der Mann mit dem Handy ist der Hausmeister
13:09der örtlichen Schule.
13:11Sie liegt nur wenige Meter vom Wohnort des Opfers entfernt. Die Ermittler befragen den Verdächtigen.
13:18Die Ernüchterung war aber schnell da. Das war, so stellte sich relativ schnell raus, ein Unverdächtiger, der mit dem Fall
13:27im Prinzip nur ganz peripher was zu tun hatte.
13:30Und zwar dergestalt, weil er dieses Handy in der Nähe des Wohnortes, zwischen quasi Wohnort und Kneipe am Bahnhof, in
13:39der Nähe einer Schule gefunden hatte.
13:44Der Mann erklärt, das Handy habe in einem Gebüsch am Weg gelegen, der an der Schule vorbeiführt.
13:52Jetzt wussten wir zumindest schon mal, an welcher Stelle sich die Annäher an diesem Abend aufgehalten hat.
13:58Wobei es natürlich immer noch nicht feststand, hat sie das Handy zufällig im weiteren Weggehen verloren oder ist möglicherweise an
14:10dieser Stelle, wo das Handy gefunden worden ist, der Angriff des Täters auf das Opfer gewesen.
14:16Die Ermittler versuchen mit Hilfe der operativen Fallanalyse, Aneta B.s letzten Abend noch einmal zu rekonstruieren.
14:23Eine Fallanalyse kommt immer dann ins Spiel bei nicht geklärten Straftaten, wie Tötungsdelikten, Vergewaltigungen oder aber sonstigen Fällen von besonderer
14:34Bedeutung.
14:35Kernstück einer Fallanalyse ist die Tatrekonstruktion.
14:43Die Experten vermuten, dass Aneta B. an diesem Abend von ihrem Wohnhaus über einen Parkplatz auf einen schmalen Weg ging,
14:53der erst am Sportplatz und dann an der Schule vorbeiführt.
15:01Dort verliert sie ihr Handy und die Ermittler ihre Spur.
15:11Dieser Weg hätte sie auch zu ihrer Stammkneipe geführt, doch ob sie tatsächlich dorthin wollte, bleibt ungeklärt.
15:18Auch ihr Aufenthaltsort nach dem Verschwinden lässt sich nicht mehr nachvollziehen.
15:24Die Fallanalytiker gehen davon aus, dass der Täter Aneta B. nach ihrem Tod von Dillenburg über die A45 in Richtung
15:33Siegen transportierte.
15:35Bei Eisern verlässt er die Autobahn, fährt noch einige hundert Meter weiter und biegt dann in einen Waldweg ein.
15:42Bis zu der Stelle, an der ihre Leiche später gefunden wird.
15:59Die Aufwindensituation des Leichnams hat nahegelegt, dass die Leiche mit einem Pkw verbracht wurde, weil der enge Waldweg von einem
16:07größeren Fahrzeug definitiv nicht zu befahren war.
16:10Es war ein kleiner Waldweg und der musste ca. 500 Meter in den Wald fahren, um überhaupt einen geeigneten Abweigeort
16:16zu finden.
16:18Ein Weg zu schmal für einen Lkw.
16:25Dass der Täter ein Fernfahrer sein könnte und womöglich derselbe, der auch in Köln und Düsseldorf aktiv war, ahnt in
16:32Hessen niemand.
16:34Es gibt Datenbanken, die sowas erfassen. Tötungsdelikte, auch Tötungsdelikte mit unbekannten Täter.
16:42Im Bundesrat kann man Zusammenhänge erkennen. Das ist ein Analyseprozess, der innerhalb, da nennt sich die Weiglers Datenbank, die wird
16:50regelmäßig mit solchen Informationen gefüttert.
16:52Und wenn das Tatverhalten nicht gravierend abweichend ist, kann man erkennen, ob dort ein Tatzusammenhang besteht.
17:00Es ist natürlich schwierig, wenn der Täter abweicht. Diese Tatzusammenhänge hätten wir nie und nimmer herstellen können.
17:09Die Ermittler wissen inzwischen mehr über den Ort ihres Verschwindens und den Fundort ihrer Leiche.
17:15Dass beide Orte so nah beieinander liegen, obwohl Aneta B. mehrere Tage verschwunden war, deutet darauf hin, dass der Täter
17:23aus der Gegend kommen könnte.
17:24Man konnte anhand der Auffindesituation von einem Leichnam ausgehen davon, dass es zumindest kein Ortsfremder war.
17:33Denn dieses Waldgebiet zu finden, man musste schon ziemlich gezielt abfahren, in Siegeneisern.
17:40Man musste in den Wald fahren, man musste sich wieder zurechtfinden.
17:44Und das ließ darauf schließen, dass man tatsächlich irgendeinen Bezug zur Örtlichkeit hat.
17:51Könnte der Täter also doch aus dem direkten Umfeld des Opfers stammen?
17:55Auch Monate später bleiben viele Fragen offen.
18:00Was hat denn das Opfer veranlasst, um 23 Uhr nochmal die gemeinsame Wohnung vom Bruder und Schwester zu verlassen?
18:10Wenn sich eine Verabredung hatte, dann stellte sich die Frage, warum hat sich denn diese Person, mit der sie verabredet
18:16war, nicht gemeldet?
18:18Auch die Untersuchung des Handys von Anita B. ergibt, dass sie nicht verabredet war.
18:28Wir konnten es gänzlich nicht ausschließen, dass dort eine Täter-Opfer-Beziehung bestand.
18:35Wir sind aber dann in unserer Analyse eigentlich überzeugend dahin gekommen, dass es wohl eher ein unbekannter Täter war.
18:44Ein sogenannter Cruiser.
18:46Ein Cruiser ist eine Person, die durch die Gegend fährt und Ausschau hält nach einem geeigneten Opfer.
18:53Dem kommt es nicht so sehr darauf an, das Opfer vorher zu kennen oder irgendetwas,
18:57sondern eigentlich nur, es kann sein, dass er sie attraktiv fand.
19:04Es ist immer schwieriger, wenn keine Täter-Opfer-Beziehung besteht.
19:09Daher ist natürlich die DNA äußerst hilfreich und eigentlich ein Meilenstein in der Ermittlung.
19:16Bereits seit über einem Monat analysieren die Experten am Institut für Blutgruppenanalyse DNA-fähiges Material.
19:23Doch bis heute warten die Dillenburger Ermittler vergeblich auf Ergebnisse.
19:26Denn die könnten die Ermittlungen der Sonderkommission nach vorne bringen.
19:32Zumindest hätten wir vielleicht dann ein DNA-Muster eines Täters.
19:34Und wir könnten zumindest schon mal einen Abgleich starten mit eingelagerten DNA-Mustern innerhalb der BKA-Datei.
19:40Und das war halt das Tragische an dem Fall, dass dieses Institut leider keine Ergebnisse erzielen konnte.
19:45Das heißt, es gab keinen einzigen verwertbaren DNA-Befund und wir fingen praktisch jetzt bei Null an.
19:56Ich weiß, dass wir einen Anruf bekommen haben aus Dillenburg.
20:00Es wäre ein Mordfall, der in Nordrhein-Westfalen eigentlich passiert, in der Nähe von Siegen.
20:05Und sie hätten jetzt in Dillenburg die Ermittlungen übernommen.
20:07Und ob wir in diesem Fall nicht noch mal Kriminaltechnik untersuchen können.
20:19Was natürlich bei einem Sexualdelikt immer im Rahmen der Obduktion genommen wird, sind Abstrichproben.
20:24Und diese Abstrichproben sind in den Privatlabor schon untersucht worden.
20:27Und dann wird natürlich ein Großteil des Spurenmaterials verbraucht.
20:30Unglücklicherweise in dem Fall komplett verbraucht.
20:33Das heißt, die Abstriche standen uns nicht mehr zur Verfügung.
20:35Und was zusätzlich noch für uns immer wichtig ist, bei solchen Fällen, es gab Hinweise, dass das Opfer erwürgt worden
20:40ist.
20:41Es gab typische streifenförmige Drosselmarken am Hals.
20:44Und wenn jemand gewürgt wird, dann versucht diese Person, sich zu befreien.
20:48Und fasst dabei dem Gegenüber in Mund und Nase.
20:51Sammelt sich also auch biologisches Material möglicherweise unter die Fingernägel auf.
20:55Aber auch diese Fingernagelproben sind von dem Privatinstitut nahezu komplett verbraucht worden.
20:59Das heißt, wir hatten keine Spur mehr.
21:02Wir haben dann gesagt, okay, ist egal, wir versuchen auf jeden Fall da nochmal weitere Untersuchungen durchzufinden.
21:07Haben dann alles, was an Spurenträgern noch vorhanden war, angefordert.
21:11Wir haben uns dann an die Kleidung des Opfers gegeben.
21:14Und zwar das, was man am ehesten auf der Haut trägt.
21:16Und dann haben wir den BH des Opfers untersucht.
21:18Und da haben wir eine Spezialmethode, die wir damals gerade erst im Labor etabliert hatten, eingeführt,
21:23wo man halt latente Sekretspuren, sprich Spermaspuren, sichtbar machen kann.
21:28Und so eine Spur konnten wir wirklich glücklicherweise direkt im Bereich des Körbchens detektieren.
21:34Und daran eine männliche Fremdspur finden, unglücklicherweise auch wieder als Mischspur.
21:40Nur mit der Mischspur können die Ermittler keinen Abgleich vornehmen.
21:44Sie suchen nach weiteren DNA-Spuren.
21:47Ohne diese steht die Soko-Eisern vor dem Aus.
21:51Was sie nicht wissen, der Täter hat sein nächstes Opfer bereits gefunden.
22:077. Juli 2006.
22:09Die 18-jährige Anna S. verbringt den Freitagabend bei einer Freundin im Kasseler Vorort Waldau.
22:20Nur wenige hundert Meter von der Wohnung entfernt hält ein Lkw in einer Parkbucht an der Bundesstraße.
22:32Ja, ich stand jedenfalls da und bin dann ausgestiegen.
22:39Nochmal ein bisschen die Füße vertreten und alles.
22:50In der Nacht macht sich Anna S. auf den Heimweg.
22:57Gegen zwei Uhr läuft sie von der Wohnung zum Nachtschwärmebus.
23:01Was sie nicht ahnt, sie wird beobachtet.
23:15Da war dann, weiß ich nicht, auf der anderen Seite ein, lief da eine junge Frau.
23:22Ich weiß nicht, weiß nicht, was mich da geritten hat.
23:27Ich bin dann in den Lkw, hab da meine Handschuhe da rausgeholt und bin dann halt dem Mädchen hinterher.
23:47Ich kann mich noch sehr gut erinnern, hatte da Bereitschaftsdienst und dann kam der Anruf und dann sollte ich da
23:54an diesen Autobahnrastplatz fahren.
23:58Und der Leichnam lag dann eben an einer Stelle, die man gar nicht erst mal gesehen hat.
24:05Nämlich, man kann sagen, am Ende dieses Rastplatzes, also schon kurz bevor man wieder runterfährt, wenn man dann ein Stückchen
24:12hochgegangen ist, die Wiese, da in einem Gebüsch.
24:17Mein Name ist Dr. Marcel Fehoff und ich habe den Fall Anna als Rechtsmediziner betreut.
24:25In dem Moment, wo ich da war, war das Opfer noch gar nicht identifiziert.
24:29Man konnte also nur sagen, es war eine junge Frau.
24:33Vom Alter her irgendwo zwischen 16 und 25 hatten wir da erst geschätzt.
24:39Und ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass dann wirklich eine Vermisstenmeldung damit übereinkam, kurz bevor ich dann gefahren
24:49bin.
24:49Da wurde auch ein Bild durchgegeben, was man dann verglichen hat und dann kam man auf die Idee, dass es
24:54die Anna war.
24:59Es waren Hämatome am Hals erkennbar und, und das ist eben besonders wichtig, wenn es in Richtung Strangulation geht,
25:06es waren petichiale Blutungen in den Lidhäuten und den Augenbindehäuten zu sehen.
25:11Sodass also schon im ersten Angriff sozusagen der Verdacht sehr nahe lag, dass es sich hier um eine Strangulation handeln
25:19könnte, die todesursächlich war.
25:24Anna S. wird in die Gerichtsmedizin gebracht.
25:33Bei der Obduktion hat sich der erste Verdacht bestätigt, dass es also Gewalt gegen den Hals war, Strangulation war, es
25:41war keine Strangmarke, es waren offensichtlich die Hände.
25:44Was man aber noch festgestellt hat, waren weitere Hämatome am Körper, insbesondere auch an den Armen und das hat auf
25:52ein Kampfgeschehen hingedeutet.
25:53Die Obduktion hat weiterhin ergeben, dass postmortal, also nach dem Tode, noch Geschlechtsverkehr ausgeübt wurde.
26:00Auch das ist eine Besonderheit, die auch in Köln zu verzeichnen war, aber auch da kein zwingender Zusammenhang.
26:12Er hat sie erwürgt und dann vergewaltigt und war da sehr brutal, hat quasi die Leiche nochmal in dieser Form
26:18geschändet.
26:19Vielleicht deutet das auch so ein Hass auf Frauen an oder nochmal so eine Entwertung seines Opfers.
26:24Vielleicht aber auch so ein Ausprobieren und Experimentieren an diesem Leichnam.
26:32In diesem Fall war natürlich die Überlegung, wer macht so etwas, was könnte das für ein Täter sein?
26:40Und gerade diese sexuelle Manipulation, das was also über die Tötung praktisch hinausgeht, das war so der erste Hinweis darauf,
26:51das könnte jemand sein, der hat das nicht zum ersten Mal gemacht.
26:55Die Ermittler stehen im Fall Anna S. jedoch noch am Anfang.
27:00Bevor sie Verbindungen zu weiteren Taten herstellen können, müssen sie alle Spuren sichern.
27:06Am Fundort sucht die Kasseler Kripo systematisch nach Hinweisen auf den mutmaßlichen Täter.
27:13Der Parkplatz Scharfenstein ist gut besucht. Wie konnte der Täter hier unbemerkt bleiben?
27:19Man hatte die vage Vermutung gehabt, dass es tatsächlich auch ein LKW-Fahrer sein konnte, der die Tat verübt hat,
27:25da die Parkplatzsituation sonst ein Entdeckungsrisiko mit sich gebracht hätte.
27:30Der LKW könnte als Sichtschutz gedient haben.
27:36Auf dem Hügel, den Anna S. hochgetragen wurde, liegen ihre Kleidungsstücke verstreut.
27:41Die Ermittler vermuten, dass sie aus großer Höhe aus dem Fenster geworfen wurden.
27:51Doch wo könnte die Schülerin ihrem Täter, vermutlich einem LKW-Fahrer, begegnet sein?
27:58Der Parkplatz Scharfenstein an der A49 liegt etwa zwölf Minuten mit dem Auto von dem Ort entfernt,
28:05an dem die Schülerin am Vorabend auf dem Weg zum Bus war.
28:16Dort wurde zeitnah der Rucksack der Verstorbenen nebst einigen Sachen aufgefunden.
28:23Und so konnte man einen Zusammenhang zwischen der Auffindesituation auf dem Parkplatz
28:28und dem klassischen eigentlichen Tatort in der Nähe der Bushaltestelle herstellen.
28:34Aus dem Rucksack fehlen das Handy, die Geldbörse und der iPod des Opfers.
28:39Trotz mehrstündiger Suche bleiben die Gegenstände verschwunden.
28:45Wieder ein LKW-Fahrer, wieder ein Strangulationsopfer, wieder eine Vergewaltigung nach dem Tod.
28:52Aber wieder ein Opfer, das nicht ins Muster des Kölner Täters passt.
28:56Und wieder ein neues Ermittlerteam, das wegen der räumlichen Distanz keinen Zusammenhang erkennen kann.
29:03In Kassel setzen die Beamten auf die Analyse der Kleidung und der Abstriche, die sie an Körper von Anna S.
29:10sichergestellt haben.
29:15Sie werden ins hessische Landeskriminalamt geschickt.
29:22Zu Dr. Harald Schneider, der zu diesem Zeitpunkt gerade die Kleidung im Fall Anneta B. noch einmal untersucht.
29:33Zu unserer Überraschung hatten wir parallel dazu einen weiteren ungeklärten Mordfall einer jungen Schülerin in Nordhessen,
29:40den wir zeitgleich hier im LKA bei uns in der gleichen Fachgruppe, im gleichen Abteil, im gleichen Bereich untersucht haben,
29:45wo wir ein ähnliches Muster gefunden haben, wo aber die Fingernagelproben, die Abstrichproben, alles vorhanden war.
29:51Und das war letztendlich der wahre Gamechanger.
29:55Da hat Dr. Schneider die Sensation verkündet, mit der wir nicht in Ansätzen gerechnet haben.
30:00Das war letztendlich der Wege von der Wege von der Wege von der Wege von der Wege von der Wege
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30:06von der Wege von der Wege von der Wege von der Wege von der Wege von der Wege von der
30:07Wege von der Wege von
30:13Untertitelung des ZDF, 2020