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Transkript
00:00Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:03Ich habe hier meinen Reisepass, ein wichtiges und nützliches Dokument.
00:08Es gibt nicht nur Auskunft über die Staatsangehörigkeit,
00:12sondern ist für Reisen nach Osteuropa oder in weiter entfernte Länder auch notwendig.
00:18Eigentlich ist es allgemein bekannt, dass man auf dieses Dokument gut aufpassen sollte.
00:23Dennoch erscheint es mir angebracht, heute auf diese Selbstverständlichkeit einmal hinzuweisen.
00:30Es gibt nämlich in neuerer Zeit ein paar schräge Typen, die es auf fremde Pässe abgesehen haben
00:36und damit allerlei in kriminelle Geschäfte machen.
00:39Die Folgen für die rechtmäßigen Passinhaber können dann sehr peinlich sein.
00:44Nicht nur wegen der Laufereien, die notwendig sind, um einen neuen Pass zu bekommen,
00:49sondern auch wegen ganz spezieller Gefahren, in die man geraten kann, meist ohne es zu wissen.
00:54Schauen Sie sich an, wie es ein paar Männern, alle zwischen 35 und 40, in München ergangen ist,
01:00die sich auf ein Zeitungsinserat gemeldet haben, in dem ein Job als Privatchauffeur angeboten worden ist.
01:08Danke. So, dann wäre unsere Runde wohl komplett.
01:12Und wir können jetzt damit anfangen, dass ich Ihnen erkläre, wie das alles so funktioniert bei uns.
01:36Entschuldigung, hier soll ein Bewerbungsgespräch einer Firma EuroDrive sein.
01:40Ja, das ist da hinten.
01:41Vielen Dank.
01:44Die einzige Bedeutung ist Führerschein-Klasse 3.
01:47Guten Tag.
01:49Guten Tag.
01:49Guten Tag.
01:50Entschuldigen Sie, dass ich ein bisschen zu spät komme, aber es war weit und breit, keinen Parkplatz zu finden.
01:55Aber das macht doch nichts. Wir haben gerade erst angefangen, Herr...
01:57Schmidt, Klaus-Peter.
01:58Ja, bitte nehmen Sie Platz, Herr Schmidt.
02:00Dankeschön.
02:01Ja, Herr Schmidt, ich habe den Herren gerade erklärt, dass wir, die Firma EuroDrive, hier in München, eine Niederlassung aufmachen.
02:09Ja. Unsere Kunden sind Wirtschaftsunternehmen, für die wir Chauffeurdienste ausführen, speziell Fahrten ins Ausland, hauptsächlich in die Ostblockländer.
02:19Ja, wo war ich stehen geblieben?
02:20Bei den Bedingungen. Führerschein und so.
02:23Ach so, einen Führerschein müssen Sie natürlich alle haben und dann, dann dürfen Sie nicht vorbestraft sein, das müssten Sie
02:28uns bitte unterschreiben.
02:30Tja, und gute Umgangsformen, das sollte eigentlich eine selbstverständliche Voraussetzung sein, denn schließlich haben Sie es mit den Leuten aus
02:39den Chefetagen zu tun.
02:41Eine Frage, die Unternehmen haben doch alle eigene Fahrer oder sogar Fuhrparks.
02:45Das ist richtig. Aber die werden immer mehr abgebaut, wegen der hohen Unterhaltskosten.
02:50Das haben wir in Frankfurt gemerkt. Da sind wir in eine echte Marktlücke gestoßen.
02:54Und wie läuft das so?
02:55Die Firmen mieten bei uns Wagen und Fahrer und bezahlen für die jeweilige Fahrt.
03:00Das ist für die unterm Strich dann billiger als ein eigener Fuhrpark.
03:03Was kann man denn da so verdienen?
03:06Nun, das ist unterschiedlich. Je nach Einsatz, aber so auf 15.000 bis 20.000 Mark im Monat kann man
03:14schon kommen.
03:15Brutto natürlich.
03:16Ist es nicht ein bisschen übertrieben?
03:18Aber wenn die Verhältnisse hier in München genauso sind wie die in Frankfurt, dann nicht.
03:22Das ist ja kaum zu glauben.
03:23Also, es wird natürlich auch ein harter Einsatz verlangt.
03:26Tag und Nacht abrufbereit. Auch mal schon eine ganze Woche unterwegs.
03:31Tja, da gibt es natürlich keinen Achtstunden-Tag.
03:34Ich wäre schon zufrieden, wenn es noch mal weniger ist.
03:365.000 oder 6.000.
03:38Nicht wahr? Das meine ich auch.
03:40So, ich gebe Ihnen hier mal Ihre Vertragsunterlagen.
03:44Bitte schön, wenn Sie das mal weiterreichen würden.
03:47Die Sie bitte ausfüllen und unterschrieben an unsere Frankfurter Zentrale zurücksenden.
04:22Sie haben doch alle hier Ihre Reisefesse?
04:23Ich schreibe mir jetzt noch Ihre Adressen auf und dann bekommen Sie die Pässe postwendend zurück.
04:30Auf die Rückgabe der Pässe warten die Bewerber noch heute.
04:34Und auch aus den hochdotierten Jobs ist natürlich nichts geworden.
04:38Die Firma EuroDrive existiert nämlich überhaupt nicht.
04:42Nun, werden Sie sich vielleicht fragen, was Gauner dieser Art mit den Reisepässen anfangen.
04:48Da gibt es viele Möglichkeiten.
04:50Kredite werden zum Beispiel auf die Namen der echten Passinhaber aufgenommen.
04:54Und die haben später das Problem, nachzuweisen, dass sie gar kein Geld bekommen haben.
04:59Auch berufsmäßige Zechpreller schlüpfen mithilfe unterschlagener Pässe gelegentlich in eine fremde Identität.
05:07In dem gezeigten Fall aus München hat die Polizei Anhaltspunkte dafür, dass die Pässe für Autoverschiebungen in die Türkei verwendet
05:15werden.
05:15Weil dort nämlich die Einfuhr von Kraftfahrzeugen mit einem hohen Zoll belegt wird, werden die Pässe der mit dem Auto
05:22einreisenden Touristen gestempelt und gelegentlich auch registriert.
05:26Wenn Sie dann ohne Auto das Land verlassen wollen, verlangen die Behörden bei der Ausreise den entsprechenden Betrag für den
05:32Einfuhrzoll.
05:33Um dieses Risiko zu umgehen, benutzen die Autoschmuggler, ebenfalls Männer zwischen 35 und 40,
05:39Bei der Einreise die unterschlagenen Pässe, in die Ihr Bild montiert worden ist.
05:45Bei der Ausreise mit dem Flugzeug legen Sie dann Ihren eigenen, ungestempelten Pass vor.
05:51Das kann für die echten Passinhaber, wenn Sie später in die Türkei fahren sollten, üble Folgen haben.
05:57Denn Ihr Name könnte dort in den Fahndungslisten stehen, weil nach Aktenlage ein Kraftfahrzeug illegal eingeführt worden ist.
06:04Und türkische Gefängnisse sind bekanntermaßen ja nicht sehr komfortabel.
06:11Übrigens, damit ich es nicht vergesse, wenn hier in dieser Sendung Namen von Personen und Firmen genannt werden, sind sie
06:18stets geändert.
06:19Denn es kommt uns ja nur darauf an, die jeweilige Masche deutlich zu machen, mit der einige schwarze Schafe durch
06:25die Lande ziehen.
06:28Zum nächsten Thema.
06:30Es ist vor allem zu den Rentenzahlterminen am Ende des Monats aktuell.
06:35Gefährdet sind insbesondere ältere Mitbürger, die wenig Vertrauen zum bargeldlosen Zahlungsverkehr haben und sich ihr Geld von der Post ins
06:44Haus bringen lassen.
06:49Tag Frau Christmann, hier ist Ihre Post. Und dann haben wir ja auch mal wieder den 30.
06:53Ja, darauf freue ich mich schon den ganzen Monat.
06:56Anna Christmann ist 75 Jahre alt und wohnt seit vielen Jahren allein in einer Zweizimmer-Altbauwohnung.
07:02Der Besuch des Briefträgers mit der Rente ist für sie stets ein Tag mit freundlichem Gesicht.
07:07Dass den Postbeamten bei einem der Zahltermine zwei Männer gefolgt sind, ist weder ihr noch dem netten Geldboten aufgefallen.
07:16So, hier sind 1234 Mark und 80. Ich habe es Ihnen wieder ein bisschen klein gemacht.
07:24Lieb von Ihnen, da brauche ich dann nicht zum Wechseln gehen.
07:27Naja, das ist doch unser Service für Sie. Also, Wiederschauen, bis zum nächsten Mal.
07:29Bis zum nächsten Mal. Ich freue mich schon.
07:31Ich freue mich schon.
08:08Guten Tag Frau Christmann.
08:09Guten Tag.
08:10Wir sind von der Kriminalpolizei Frau Christmann. Oberkommissar Winkler und das ist mein Kollege Schumann.
08:16Polizei? Ist denn was passiert?
08:19Nein, nein. Reine Routinesache.
08:21Dürfen wir denn mal einen Moment hereinkommen, Frau Christmann?
08:24Ja, natürlich. Bitte schön.
08:29Wissen Sie, wir sind vom Falschgeldkommissariat.
08:32Ja. Nehmen Sie doch Platz.
08:35Bei der Post sind eine ganze Menge falscher Hunderter aufgetaucht.
08:38Jetzt müssen wir alle Leute abklappern, die gestern und heute von der Post Geld bekommen haben.
08:43Da gehören Sie ja auch dazu.
08:44Ja. Der Geldbriefträger war gerade da.
08:47Ja, das wissen wir, Frau Christmann. Wir haben ihn unten getroffen. Der hatte noch zwei falsche Hunderter in der Tasche.
08:50Was Sie nicht sagen. Da hat er mir vielleicht auch schlechtes Geld gegeben.
08:55Genau deshalb sind wir hier. Dürften wir denn mal schnell das Geld überprüfen, das Sie bekommen haben?
09:00Na, wenn's sein muss.
09:05Da hab ich noch 500 da draußen liegen. Die sind für die Miete.
09:12Tja, der ist eindeutig falsch.
09:15Ja.
09:17Also bei dem kann man's nicht so genau sehen.
09:20Aber das Papier fühlt sich komisch an.
09:22Den müsste man mal im Labor untersuchen.
09:24Da haben Sie ja nochmal Glück gehabt, dass wir rechtzeitig gekommen sind.
09:26Sie hätten sich ja strafbar gemacht, wenn Sie das Geld weitergegeben hätten.
09:29Ach du liebe Zeit. Tatsächlich nicht.
09:32Ja. Können Sie die anderen Scheine auch nochmal rausholen?
09:50Ja, also das Beste, Frau Christmann, wird sein, wir lassen das Geld nochmal bei uns im Labor untersuchen.
09:55Wie? Wolle Sie denn das ganze Geld mitnehmen?
10:00Aber das brauch ich doch.
10:02In zwei Stunden haben Sie's wieder.
10:04Wenn's tatsächlich falsch Geld ist, tauschen wir's Ihnen sogar rum.
10:08Sie kriegen natürlich eine Quittung von uns und nachher bringen wir Ihnen das Geld wieder persönlich vorbei.
10:12Anna Christmann verlor an diesem Tag die Rente für einen ganzen Monat.
10:17So wie manche andere älteren Herrschaften, bei denen die Trickdiebe im Gefolge des Briefträgers ebenfalls aufgetaucht sind.
10:25Mit diesem Falschgeld-Trick legen Gauner im Übrigen nicht nur ältere Leute herein.
10:30Auch bei Ausländern, die sich im Umgang mit deutschen Behörden nicht so gut auskennen, sind sie oft erfolgreich.
10:36Man kann deshalb immer nur die Empfehlung wiederholen, sich von Besuchern den Dienstausweis zeigen zu lassen,
10:43wenn sie sich als Mitarbeiter von Ämtern und Behörden ausgeben.
10:46Und man sollte sich dabei auch ruhig Zeit lassen und genau hinschauen.
10:52Die Dienstmarke der Kriminalpolizei zum Beispiel sieht so aus.
10:56Auf der Vorderseite trägt sie einen Polizeistein und das Wort Kriminalpolizei.
11:03Auf der Rückseite das Wappen des jeweiligen Bundeslandes und die Dienstnummer.
11:10Jeder Polizeibeamte hat darüber hinaus noch einen Polizeidienstausweis, auf dem die Dienstnummer ebenfalls vermerkt ist.
11:21In Zweifelsfällen sollte man im Übrigen ruhig bei der jeweiligen Dienststelle anrufen.
11:26Echte Amtspersonen haben dafür immer Verständnis.
11:31Und nun geht es wieder einmal um einen vermeintlich sehr lukrativen Nebenjob.
11:37Das Bedürfnis nach Nebeneinkünften ist ja sehr groß.
11:41Kein Wunder also, dass sich auf diesem Gebiet besonders viele Schwindler und Betrüger tummeln.
11:47Um mögliche Vorbehalte oder auch die vielleicht vorhandene Skepsis der künftigen Opfer abzubauen,
11:54bedienen sie sich nicht selten der ausgeklügelten Methoden der modernen Massenpsychologie.
11:58Denn wenn erst einmal der gesunde Menschenverstand ausgeschaltet ist,
12:03haben sie, wie unser nächstes Beispiel zeigt, relativ leichtes Spiel.
12:10Sehen Sie sich diesen erfolgreichen jungen Mann an.
12:12Bis vor sechs Monaten war er noch Mr. Nobody.
12:16Heute ist er Gruppenleiter unserer Organisation, verdient im Monat mal eben dreieinhalbtausend nebenbei.
12:21Es dauert nicht mehr lange, dann kann er seinen eigentlichen Beruf an den Nagel hängen.
12:26Wenn er nämlich bei uns Direktionsassistent wird,
12:30dann ist er endgültig ein gemachter Mann.
12:39Und so erfolgreich wollen wir Sie, unsere neuen Partner, die wir Sie heute eingeladen haben, natürlich auch machen.
12:45Jeder Mensch kann mehr leisten, als er glaubt.
12:48Wir helfen ihm dabei.
12:53Unsere Produkte machen es Ihnen leicht, die Sympathie Ihrer Mitmenschen zu gewinnen.
12:57Die ABC-Kosmetiker haben in Amerika alteingeführte Konkurrenzartikel fast schon ganz aus dem Markt gedrängt.
13:03Vor allem durch unser System des Direktabsatzes.
13:0660 Prozent aller Kosmetiker werden dort inzwischen nicht mehr im Geschäft verkauft,
13:10sondern gewissermaßen von Kollegen zu Kollegen, am Arbeitsplatz und in Büros und in Fabriken.
13:17Da ist ein neues Zeitalter angebrochen.
13:19Man kauft nicht mehr unpersönlich bei Fremden, sondern bei seinen Freunden im Betrieb.
13:23Da hat man ja auch ein ganz anderes Verhältnis zu den Dingen.
13:27Angelika Bauer ist Sekretärin in einer Textilgroßhandlung.
13:31Sie wurde von einem früheren Schulkameraden zu einem Informationsabend in ein Nobelhotel eingeladen.
13:36Jahrelang hatte sie Werner Friedrichs nicht mehr gesehen, bis er sich unerwartet bei ihr gemeldet hatte.
13:41Er könne ihr, so hatte die Kontaktaufnahme begründet, zu einem sehr attraktiven Nebenjob verhelfen.
13:50Sie können ganz zuversichtlich an Ihre neue Aufgabe herangehen, denn wir können Ihnen eine Produktpalette anbieten,
13:56die qualitativ und vom Bedarf her nicht überboten wird.
14:00Zunächst war die junge Frau noch relativ skeptisch zu der Veranstaltung gegangen.
14:04Dort aber lässt sie sich von der optimistischen und euphorischen Stimmung anstecken.
14:09Diese Nachtcreme ist ein Hit auf dem Kosmetikmarkt.
14:14Und in einer Pause fallen die weiteren Erklärungen ihres Schulfreundes dann immer mehr auf fruchtbaren Boden.
14:21Willst du einen Kaffee?
14:22Oh ja, gerne.
14:28Mit Samen?
14:29Mhm, gerne.
14:31Danke.
14:32Du, ich hab's mir schon überlegt.
14:34Abnehmer gibt's in meinem Betrieb jede Menge.
14:36Die ganzen Mädels im Lager und in den anderen Büros.
14:39Sag ich doch.
14:40Und du hast bestimmt Freundinnen, die woanders arbeiten.
14:43Und du meinst nicht, dass der da drin übertrieben hat?
14:46Ja, ich meine von wegen fünfstellige Umsatzzahlen im Monat und zwei, dreitausend Mark Verdienst nebenbei.
14:53Ach was, das kommt leicht zu sagen.
14:54Ich hab in einem halben Jahr auch zweitausend gehabt.
14:57Ehrlich?
14:57Und dabei hab ich's als Mann viel schwerer als du.
15:00Doch von Frau zu Frau geht das doch alles viel einfacher.
15:02Ja, das kann schon sein.
15:04Und dann darfst du die Provision nicht vergessen, die du für jeden neuen Mitarbeiter kriegst, den du wirbst.
15:09Immerhin 700 Mark.
15:10Ach so, die kriegst du auch, wenn ich unterschreibe.
15:12Klar, das gehört zum System.
15:15Das ist ja das Tolle, dass das Geld auf verschiedenen Wegen reinkommt.
15:18Na ja, aber jeder neue Vertreter macht mir doch auch Konkurrenz.
15:21Das schon.
15:22Aber wenn du erst Gruppenleiter bist, dann wirst du an den Umsätzen von deinen Leuten auch beteiligt.
15:26Das macht das mehr als Wett.
15:28Tatsächlich?
15:28Toll!
15:29Dann brauchen wir ja nur noch das Formular auszufüllen.
15:35Der einzige Haken zu den 9000 Mark, den man da zahlen muss.
15:38Das verstehe ich eigentlich nicht ganz.
15:40Wofür ist denn das überhaupt?
15:41Hier, schau her.
15:42Da steht alles ganz genau drin.
15:453850 Mark für die Erstausstattung.
15:47Und da ist der Musterkoffer schon mit dabei.
15:49Und 5000 Mark als Kaution.
15:52Wofür ist denn die?
15:53Für das Know-how.
15:54Und schließlich repräsentierst du ja eine renommierte Firma.
15:57Und die muss ich absichern, damit mit ihrem Namen kein Schindluder getrieben wird.
16:01Ja, aber so viel Geld.
16:02In ein paar Monaten hast du das Spielen wieder drin.
16:04Aber so viel habe ich gar nicht.
16:06Wozu gibt es denn Banken?
16:08Du meinst, dass die mir das so ohne weiteres geben?
16:11Klar, habe ich doch auch gemacht.
16:14Die Zinsen kannst du sogar von der Steuer absetzen.
16:16Das sind Betriebskosten.
16:17Ja, ja, aber wollen die da nicht eine Sicherheit oder eine Rentabilitätsberechnung oder sowas?
16:22Ach, wo?
16:23Wenn du sagst, es ist für eine persönliche Anschaffung.
16:25Für Möbel oder so.
16:26Ist das überhaupt kein Problem.
16:28Du hast ja ein regelmäßiges Einkommen.
16:29Ja, das schon.
16:31Dann brauchst du jetzt nur noch hier zu unterschreiben.
16:32Und wenn du willst, gehe ich morgen mit dir hin zur Bank und helfe dir dabei.
16:36Vielleicht gar nicht so schlecht.
16:39Na gut.
16:40Dann geht mal hier.
16:48Die Sache mit dem Kredit hat tatsächlich reibungslos geklappt.
16:54Und eine Woche später startet Angelika Bauer in der Mittagspause im Kreise ihrer Kolleginnen dann ihre ersten Verkaufsversuche.
17:00Aber die Creme ist toll.
17:01Ja?
17:03Ey, was ist denn hier los?
17:06Das stinkt ja hier.
17:08Das stinkt nicht.
17:09Das duftet.
17:10Wo nichts Gutes gewöhnt hast.
17:12Brauchen Sie noch ein schönes Geschenk für Ihre Frau?
17:14Ja, was habt ihr denn da?
17:15Cremes, Parfums.
17:17Die Angelika ist in die Kosmetikbranche eingestiegen.
17:19Ach so, was soll sich meine Frau doch lieber selber kaufen.
17:21Ich verstehe nichts davon.
17:23Was kostet die denn?
17:24Nachtcreme?
17:2745 Mark.
17:29Was?
17:3045 Mark.
17:31Für das bisschen.
17:33Das Alabastergefäß allein kostet 17 Mark.
17:36Und was ist mit dem Parfum?
17:38Parfum?
17:3979 Mark.
17:41Also ehrlich gesagt, für den Preis, da kriege ich bei uns in der Parfümerie was Besseres.
17:46Du, entschuldige, aber ist mir echt zu teuer.
17:50Tut mir leid.
17:52Das große Geschäft, das Angelika Bauer sich erhofft hat, lässt auf sich warten.
17:57Wie sich herausstellt, sind die Kosmetikartikel zu teuer und damit kaum abzusetzen.
18:03Die Vertriebsfirma stört das nicht weiter.
18:06Ihr kommt es lediglich darauf an, immer neue Mitarbeiter zu gewinnen und von Ihnen zunächst einmal 5000 Mark Kaution und
18:12das Geld für die sogenannte Erstausstattung zu kassieren.
18:17Für die angeworbenen Vertreter besteht kaum eine Chance, das Geld zurückzubekommen, wenn sie merken, dass das Geschäft nicht läuft.
18:24Das Vertriebsrisiko liegt nach den abgeschlossenen Verträgen voll bei Ihnen.
18:29Die Rückzahlung der Kaution wird in aller Regel verweigert, weil die Firma vorgibt, wegen mangelnder Aktivitäten des Mitarbeiters selbst geschädigt
18:39worden zu sein.
18:39Also, wieder einmal Vorsicht bei Nebenjobs, bei denen zunächst einmal Geld verlangt wird und die eigene Verdienstmöglichkeit dann, wenn man
18:48genau hinschaut, im Grunde genommen nur aus Hoffnung und Spekulation besteht.
18:56Um verkaufte Hoffnungen geht es im Übrigen auch bei dieser Metallplakette, die zum Preis von 30 Mark verkauft wird.
19:03Ein Schlüsselanhänger, der bewirken soll, dass man seine Schlüssel automatisch zurückbekommt, wenn man sie verliert.
19:11Der mögliche Finder wird auf der Plakette nämlich aufgefordert, die Schlüssel samt Plakette in den nächsten Briefkasten zu werfen.
19:19Die Post, so wird dann unterstellt, schickt die Schlüssel weiter an den Rücksendendienst und der besorgt dann den Rest.
19:26Das Ganze ist noch mit einer 30 Jahre währenden Garantie ausgestattet und somit, möchte man meinen, die Gebühr von 30
19:37Mark wert.
19:40Die Sache hat allerdings einen ganz entscheidenden Haken.
19:44Der ominöse Schlüsselrücksendendienst hat vor ein paar Jahren nur drei Monate existiert.
19:51Die Post für das Unternehmen kommt seitdem mit dem Vermerk Firma erloschen zurück.
19:55Trotzdem wird der Schlüsselanhänger auch heute noch von Wiederverkäufern vertrieben, die nämlich größere Posten von diesen Plaketten eingekauft haben.
20:04Unser Foto von einem Schaufenster eines Haushaltswarengeschäftes zeigt es.
20:10Und jetzt gewissermaßen im Nachtrag zu einer früheren Sendung noch einmal zum Thema Erdstrahlen.
20:18Sie erinnern sich vielleicht, wir hatten Ihnen im Frühjahr ein Gerät vorgestellt, mit dem man sich angeblich vor dem negativen
20:24Einfluss von Erdstrahlen schützen kann.
20:27Eine entsprechende Expertise war damals allerdings zu einem vernichtenden Ergebnis gekommen.
20:34Hier haben wir zwei neuere Angebote, die ebenfalls Erdstrahlen abwehren sollen.
20:41Erstens eine etwa 50 Zentimeter lange Holzlatte, um die ein Elektrokabel gewickelt ist, von dem hier an der oberen Hälfte
20:52die Isolierung entfernt wurde.
20:54Preis 70 Mark, ich glaube, die Expertise erübrigt sich heute.
21:03Ähnlich verhält es sich zweitens mit dieser Tüte, in der sich ein Pfund Kieselgranulat befindet.
21:10Es wird wie die umwickelte Holzlatte auch von Wünschelroutengängern vertrieben, Kostenpunkt in diesem Fall 100 Mark.
21:17Das Päckchen soll man an gefährdeten Stellen ablegen, dann braucht man auf Besserung nur noch zu hoffen.
21:25Dass sie irgendwann einmal eingetreten sei, konnten wir allerdings nicht in Erfahrung bringen.
21:33Nun wieder zu einem ganz anderen Thema.
21:38Meine Damen und Herren, es ist schon oft beklagt worden, das immer unübersichtlicher werdende deutsche Steuerrecht.
21:44Die Bürger leiden genauso darunter wie die Finanzbeamten, denen die komplizierten Vorschriften immer mehr Arbeit machen.
21:53Die verbreitete Unkenntnis in Sachen Steuer bietet im Übrigen auch Gaunern und Betrügern manchen Ansatzpunkt für eine erfolgversprechende kriminelle Masche.
22:01Unser nächstes Beispiel zeigt es.
22:06Geben Sie mir bitte eine Schachtel Marlboro?
22:08Aber gern. Kleinen Moment bitte.
22:18Ich bin für 360.
22:20Ja, bitte.
22:21Dankeschön.
22:23Ach übrigens, Sie sind doch Frau Wiemann.
22:26Ja, wieso?
22:27Na, der Name ist mir so ins Auge gefallen.
22:29Wissen Sie, ich bin beim Finanzamt.
22:32Buchstabe W.
22:33Ach, du liebe Zeit, der kriegt mir ja direkt Angst.
22:36Halb so schlimm war Wiemann.
22:37Wir sind ja auch Menschen.
22:39War ja auch nicht so gemeint.
22:40Also eigentlich dürfte ich es Ihnen gar nicht sagen, aber damit Sie sehen, dass wir gar nicht so schlimm sind.
22:45Da ist eine Betriebsprüfung angesetzt bei Ihnen.
22:47Was? Um Gottes Willen bei mir?
22:49Sie kriegen aber noch Bescheid, wann der Kollege kommt.
22:51Aber ich habe meine Steuererklärung noch gar nicht abgegeben.
22:54Das spielt doch keine Rolle. Die Prüfung ist ja für zurückliegende Jahre.
22:58Naja, ich verstehe auch nicht viel davon.
23:01Na, wenn Sie wollen, sehe ich mir Ihre Akten mal an.
23:03Vielleicht kann man die Prüfung ja noch abwenden.
23:05Würden Sie das denn tun?
23:06Sag doch, wir sind auch Menschen.
23:08Das wäre schon gut, wenn das ginge. Das macht doch auch eine Menge Umstände.
23:12Aber da habe ich natürlich ein paar Unkosten.
23:16Unkosten? Wieso?
23:19Ach, ich verstehe.
23:21Ja, sehen Sie, ein gewisses Risiko gehe ich da schon ein.
23:24Wie viel wäre das denn?
23:25Ach, nicht so viel. 185 Mark. Und Sie können es sogar absetzen in Ihrer nächsten Erklärung.
23:30Denn ich mache als Nebenbeschäftigung auch noch Steuerberater.
23:33Ach so. Ich kriege dann also eine Quittung.
23:36Hm, selbstverständlich.
23:37Na gut.
23:39Ich schreibe es Ihnen gleich raus.
23:40Sie wollen das Geld gleich haben?
23:42Ja, natürlich, Frau Wiemer.
23:43Das müsste ich ja extra nochmal herkommen.
23:46Ja, aber das Ergebnis, ich meine, die Betriebsprüfung, ist das dann sicher, dass die aufgeschoben wird?
23:52Das geht schon in Ordnung, Frau Wiemer.
23:53Sonst könnte ich ja vorher gar nicht kassieren.
23:57Es klingt unglaublich, dennoch ist es wahr.
24:00Frau Wiemer hat die 185 Mark bezahlt, so wie im Übrigen eine ganze Reihe anderer kleiner Geschäftsleute,
24:07die sich alle von dem falschen Finanzbeamten ins Boxhorn jagen ließen.
24:12In manchen Fällen ist der Täter sogar ein zweites Mal gekommen, hat eine Steuerrückzahlung in Aussicht gestellt
24:18und, damit das alles reibungslos klappt, erneut diesmal sogar einen größeren Betrag kassiert.
24:25So, und nun zu unserem Experiment.
24:29Es ist diesmal von Spezialisten ganz besonderer Art durchgeführt worden, von Beamten der Münchner Taschendiebfahndung.
24:36Sie sind in die Rolle Ihrer Kundschaft geschlüpft, um Ihnen, meine Damen und Herren, zu zeigen,
24:41worauf Sie jetzt in der Adventszeit achten sollten, wenn Sie Ihre Weihnachtseinkäufe machen.
24:47Und dies sind einige der bevorzugten Tummelplätze der Taschendiebe.
24:51Belebte Fußgängerzonen,
24:56die Haltestellen von Bussen und Bahnen,
25:01die Kaufhäuser mit ihren Wühltischen
25:05und die Orte, an denen sich die Touristen drängeln, wie hier auf dem Münchner Marienplatz.
25:10Und, Achtung, der erste Fall.
25:13Ein Portemonnaie wird aus der Handtasche geangelt.
25:19Diese Mutter hat die Hände voll
25:21und die offene Tasche auf dem Rücken.
25:28Es hätte sich gelohnt.
25:31Ein Uralt-Trick, der eine rempelt und der andere klaut.
25:36Genauso alt das Ablenkungsmanöver.
25:39Von vorn die Frage nach dem Bahnhof, von hinten der Griff zur Brieftasche.
25:43Bei den Brunnen fragen Sie lieber noch mal, wenn Sie noch nicht.
25:55Straßenmusik, willkommene Verschnaufpause für gestresste Alltagsmenschen.
26:00Nur Taschendiebe machen keine Pause.
26:02Sie nutzen jede Situation für sich aus.
26:05Erfreulich am Rande, eine wachsame Passantin schlägt Alarm.
26:10Tatort, Rolltreppe.
26:12Quasi im Vorbeigehen, der zielsichere Griff in den Einkaufskorb.
26:23Nicht schlecht.
26:26Am Wühltisch dann die ganz coole Tour.
26:29Die Tasche wird einfach abgehängt.
26:35Geld, Papiere, Schlüssel, alles wäre im Ernstfall futsch gewesen.
26:44Taschendiebe machen es mit Gefühl im Gewühl.
26:48Tasche auf.
26:54Und weg ist das Portemonnaie.
26:56Und was für eins.
26:59Wie viel Geld hätten Sie denn drinnen gehabt?
27:011000 Mark wären es gewesen.
27:03Wäre ein ganz schöner Verlust für Sie.
27:06Sehr beliebt bei Taschendieben der Tatort Haltestelle.
27:10Das Opfer steigt ein, die Geldbörse bleibt da.
27:16Und sogar das gibt's.
27:18Eine durchsichtige Tragetüte wird aufgeschlitzt.
27:20Und um das Wesentliche erleichtert.
27:27Eindrucksvolle Bilder.
27:28Ich glaube, da werden Sie mir recht geben, meine Damen und Herren.
27:31Die Lehren daraus muss nun allerdings jeder für sich selbst ziehen.
27:34Mehr Vorsicht walten lassen,
27:36nicht so viel Bargeld spazieren tragen,
27:38um nur zwei Dinge zu nennen.
27:41Nachdenklich gemacht hat mich bei der ganzen Sache aber auch,
27:44dass nur in einem einzigen Fall
27:46eine Passantin Alarm geschlagen hat.
27:48Obwohl fast alle Diebstähle von Zeugen beobachtet worden sind.
27:53Etwas weniger Gleichgültigkeit
27:55sollte man sich da wohl wünschen.
27:58Denn Sie haben es gesehen.
27:59Es kann jeden sehr schnell treffen.
28:01Und das übrigens nicht nur
28:03zur Weihnachtszeit.
28:05So viel für heute.
28:07Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit
28:09und sage guten Abend und
28:11auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal.

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