- 7 hours ago
Category
📺
TVTranscript
00:06Bloß keine Klischeebilder, sagt meine Redakteurin.
00:09Und auf keinen Fall ein Depri-Film.
00:12Aber mal ehrlich, genau so fühlt sich Einsamkeit eben an.
00:18Das bin ich.
00:19Ich bin einsam.
00:20Und kaum jemand hätte das gedacht.
00:23Und das ist meine beste Freundin.
00:26Auch sie ist einsam, ohne dass ich es weiß.
00:28Ich habe mich, glaube ich, vorher noch nie so doll alleine gefühlt.
00:31Was hättest du da von mir als Freundin gebracht?
00:34Ja, das ist eine total gute Frage.
00:36Das hier ist nicht nur ein Film über Einsamkeit.
00:38Es ist auch einer über Freundschaft und über das Davonlaufen.
00:41Ich bin aus Leipzig weggezogen, weil ich gemerkt habe,
00:45die Stadt ist für mich so konnotiert mit Einsamkeitsgefühlen,
00:48dass ich da nicht sein kann.
00:49Ein Film über Neuanfänge.
00:51Und die Frage, ob man damit seine Einsamkeit loswerden kann.
00:56Was mich am meisten einsam fühlen lässt, ist einfach diese emotionale Distanz in der Gesellschaft.
01:02Das ist so eine ganz starke Schwere, die auf einem lastet.
01:06Das ist auch manchmal dieses Nicht-bei-sich-selber-Ankommen.
01:08Aber was heißt das, bei sich selbst ankommen?
01:13Egal ob Single oder vergeben.
01:15Mama, Papa, unter Freunden, in der Familie oder mitten in der Menschenmenge.
01:21Dieses Gefühl von Einsamkeit, kennen wir das nicht alle?
01:25Und tun wir dann nicht so, als wäre nichts und schauen weg?
01:28Warum eigentlich?
01:35Diesmal schaue ich nicht weg.
01:37Bin schonungslos ehrlich mit mir.
01:39Und natürlich habe ich Gedanken wie, was denken Leute, die mich kennen?
01:43Die, mit denen ich gearbeitet habe, wenn ich von meiner Zeit in Bremen erzähle.
01:48Damals will ich es nicht ganz wahrhaben.
01:50Viereinhalb Jahre habe ich in dieser wunderschönen Straße hier gewohnt.
01:54Ich hatte eine tolle Wohnung, einen super Job.
01:56Ich war finanziell sicher.
01:58Aber was mir gefehlt hat, war Anschluss.
02:00Und ich fühle mich verdammt einsam.
02:08Zur selben Zeit, knapp 400 Kilometer entfernt, geht es meiner besten Freundin Anne in Berlin ganz ähnlich.
02:14Hallo.
02:15Guten Morgen.
02:21Während ich in meinem neuen Job durchstarte, erlebt Anne einen der härtesten Einschnitte ihres Lebens.
02:26Ihre Mutter stirbt.
02:27Und das ausgerechnet, während Anne mit ihrem ersten Kind schwanger ist.
02:31Ich habe mich, glaube ich, vorher noch nie so doll allein gefühlt.
02:33Ich war auch traurig in der Zeit natürlich, weil meine Mama gestorben war.
02:37Und das war irgendwie, ja, da kam viel mit, viel zusammen.
02:41Aber du sitzt, also am meisten einsam habe ich mich echt immer entweder bei Spaziergängen
02:47mit diesem Kinderwagen, wo du irgendwie stundenlang, eigentlich würdest du gerne schlafen,
02:51aber das Kind schläft halt nicht, wenn du schläfst.
02:54Und Elliot hat halt super gut in diesem Kinderwagen geschlafen.
02:57Und da habe ich stundenlang bei egal welchem Wetter halt mit diesem Kinderwagen rumgelaufen,
03:01wie so ein Zombie durch irgendwelche Parks.
03:04Und du schiebst halt die ganze Zeit dieses Kind durch die Gegend und siehst so andere Mütter,
03:08die auch an dir vorbeilaufen und ihr guckt halt beide so latent verzweifelt die andere an.
03:13Aber lauft halt auch beide weiter, weil du weder Kraft hast, die anzusprechen,
03:16noch Lust hast, jetzt irgendwie mit einem völlig neuen Menschen in Kontakt zu treten.
03:21Also irgendwie saß ich dann da schon oft und habe gedacht, so hat mir das nicht vorgestellt.
03:28Verrückt. Da erleben wir beide diese Einsamkeit und wissen es nicht voneinander.
03:33Anne und ich kennen uns aus dem Studium. Fast 20 Jahre Freundschaft verbindet uns.
03:38Wir haben so viel zusammen erlebt. Die letzten Jahre hatten wir weniger Kontakt.
03:43Hallo Maus. Guten Morgen. Hallo.
03:48Hä?
03:51Hallo.
03:53Hast du die Tante Lea gesehen?
03:55Hallo. Ja. Ja? Ist das eine Überraschung zu Gast heute Morgen?
03:59Guten Morgen.
04:01Annes Mann Adria ist gerade in Elternzeit und übernimmt morgens die Kids.
04:08Anne erlebt ihre Elternzeit viel schwerer als gedacht. Vor allem fehlt ihr ihre Mutter.
04:13Bei der Beerdigung ihrer Mutter bin ich nicht dabei und werde später noch erfahren, ob sie mir das Übel nimmt.
04:19Glaubst du es wäre anders, wenn sie nicht gestorben wäre?
04:22Ja, ich glaube schon, dass so ein bisschen dieser Telefonhörer, den du in die Hand nehmen kannst,
04:30Mama kannst du halt irgendwie immer anrufen, ne?
04:34Ich glaube schon, dass das nochmal was macht.
04:36Und gerade in diesem Moment, wo du selber Mama wirst, hast du auch gefühlt, brauchst du deine Mutter mehr?
04:44Mehr als vorher, finde ich.
04:47Adria ist Spanier und lebt seit über zehn Jahren in Berlin.
04:50Seine Familie in Barcelona.
04:53Auch er fühlt sich in seiner Elternzeit einsam.
04:55Eine super strange Mischung zwischen Stress und Langeweile.
05:02Allein zu fühlen und plötzlich, also extrem Freude.
05:14Du bist mit deinen Lieblingsleuten, aber fühlst du dich irgendwie allein.
05:21Er erzählt vom Schlafmangel und davon, dass er kaum Zeit hat, sich um sich selbst zu kümmern.
05:26Du bist frustriert auf dich und du vermisst dich.
05:32Ich glaube, das ist die tiefste Schicht von Einsamkeit, wenn du allein bist und auch dich vermisst.
05:43Es ist für mich total krass, weil genau, also von außen betrachtet habt ihr alles.
05:50Haben wir auch. Alles. Voll.
05:52Und dann ist so dieser Clash von, oh ihr fühlt euch einsam.
05:58Verrückt.
05:59Obwohl ihr eine Familie habt, obwohl ihr zwei Kinder habt. Total verrückt.
06:02Und obwohl wir auch also materiell alles haben. Eine Beziehung, die sogar ganz gut funktioniert.
06:09Ein Umfeld, das eigentlich liebevoll ist. Freunde, mehr als das wir sehen könnten.
06:15Und trotzdem kann man sich einsam fühlen.
06:18Was die beiden nicht haben, Familie vor Ort.
06:23Heute arbeitet Anne im Homeoffice. Sie leitet die Kampagnenabteilung einer großen Umweltorganisation.
06:34Ich muss leider sofort in den nächsten Korn.
06:37Alles gut, alles gut.
06:39Wir quatschen später, okay? Ja klar, bis nachher.
06:41Am Nachmittag gehen wir spazieren und sprechen über ihre Einsamkeit in der Elternzeit.
06:46Was hättest du da von mir als Freundin gebraucht?
06:52Ja, total gute Frage.
06:58Ich weiß gar nicht, ob man da als Außenstehender so viel machen kann in dem Moment.
07:03Ich glaube, Fragen ist halt immer total gut.
07:09Ob es gegen diese Einsamkeit hilft, ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
07:12Ich glaube, da muss halt auch jeder so ehrlich sein und das zulassen dann auch.
07:17Und auch eben zugeben, dass es dir in dem Moment gar nicht so gut geht.
07:21Hätte ich, glaube ich, gar nicht gekonnt.
07:24War ich gar nicht so weit, das überhaupt selber zu verstehen.
07:28Hast du das heute noch? So Momente von Einsamkeit?
07:36Ja.
07:37Es kommt immer wieder mit Kindern, finde ich.
07:40Und so dieser Spruch, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen, da ist ja voll was dran.
07:46Da ist so krass was dran, finde ich.
07:48Ich würde mir heute echt, also ich meine, Adria und ich überlegen das ja auch immer wieder,
07:52gerade wieder ganz aktiv nach dieser zweiten Elternzeit.
07:56Wie wollen wir weitermachen? Können wir so in der Stadt weitermachen?
08:00Ich glaube ehrlich gesagt nicht.
08:02Wie weitermachen?
08:03Diese Frage treibt auch mich in Bremen um.
08:06Als ich erkenne, wie einsam ich bin, fällt es mir irre schwer, es auszusprechen.
08:11Wem soll ich es denn sagen? Und vor allem wie?
08:14Hey, ich bin übrigens einsam.
08:19In Bremen arbeite ich viel und verlasse Hals über Kopf die Stadt.
08:23Ich ziehe nach Bayern, ans andere Ende von Deutschland.
08:34Gute Morgen.
08:35Durch meine Recherchen treffe ich auf Jaro. Auch Jaro spricht offen über Einsamkeit.
08:40Also es gibt Momente, in denen ich mich so voll einsam fühle, so generell.
08:45Aber oft habe ich das Gefühl, es ist eher die Angst in mir davor, mich einsam fühlen zu können.
08:52Jaro ist 27, arbeitet in einer Gärtnerei und wohnt neu in Freiburg in einer WG.
08:59Den Morgen beginnt Jaro mit Zeit für sich.
09:13Es sieht gar nicht so aus, Jaro, als wärst du hier erst vor kurzem eingezogen.
09:18Ja, das stimmt. Wollt ihr auch was frühstücken?
09:22Ich esse voll gerne und hab's mit dir. Du auch?
09:25Einen Löffel, aber ich bin eigentlich nicht fein.
09:28Okay. Dann nehme ich einen größeren Topf.
09:32Die anderen Menschen aus der WG schlafen noch. Jaro kocht für alle. Es gibt Griesbrei.
09:38Einsamkeit kennt Jaro aus Pandemiezeiten. Damals studiert Jaro in Leipzig Kulturwissenschaften.
09:44Ich bin aus Leipzig weggezogen, weil ich gemerkt habe, die Stadt ist für mich so konnotiert mit Einsamkeitsgefühlen, dass ich
09:50da nicht sein kann.
09:52Vor allem während der Pandemie wird vielen bewusst, dass Einsamkeit Menschen jeden Alters treffen kann.
09:57Ich will wissen, wie genau sich Einsamkeit für Jaro anfühlt.
10:01Es ist wie so, als ob dann da so eine Hand reinfährt und das so kurz so hoch so anlupft.
10:10Da ist dann diese Nervosität und auch diese Angst für mich zu spüren, wenn ich denke, ich fahre jetzt nach
10:17Hause und dann ist da niemand und ich mir eigentlich Kontakt wünsche.
10:24Und es ist wie so dann an dieser Stelle recht dunkel in mir.
10:30Jaro sagt, das Zusammenleben in der WG hilft.
10:34Das ist übrigens Remu.
10:36Remu? Ja, aber wir sind uns noch nicht sicher, ob wir ihn behalten.
10:39Ein WG-Wurm? Ja, eine WG-Schlange.
10:44Ich finde, er hat was von einem Wurm.
10:46Das stimmt. Wir dachten, er ist eine Schlange.
10:50Er ist gut, wenn man sich einsam fühlt, dann kann man sich auf das Sofa legen und er passt ganz
10:56gut hier so hin.
10:58Jaro nimmt gerade an einem Tanz-Workshop teil. Weil wir dort aber nicht drehen dürfen, bin ich im Schwarzwald unterwegs.
11:08Verschiedene Menschen aus der Y-Kollektiv-Community schicken mir nach einem Aufruf Sprachnachrichten.
11:17Ich sitze jetzt den siebten Tag nach Silvester alleine hier auf dem Land meiner neuen Heimat.
11:24Ich habe eine Katze auf dem Schoß, die mir gerade ein bisschen Wärme und Nähe gibt.
11:29Aber bin sonst ganz schön allein hier gerade.
11:32Einsamkeit wird ja oft so dargestellt, als ob man alleine ist.
11:35Ich habe aber das Gefühl, es muss es gar nicht sein, sondern es ist auch manchmal dieses Nicht-bei-sich
11:41-selber-Ankommen.
11:42Was mich am meisten einsam fühlen lässt, ist einfach diese emotionale Distanz, die ich oft so verspüre in der Gesellschaft.
11:51Es ist so eine ganz starke Schwere, die auf einem lastet.
11:54Allein sein tut gut, Einsamkeit tut weh.
11:58Und ich bin super gerne allein, ich komme auch allein sehr, sehr gut klar.
12:01Weil ich finde, das ist auch etwas Freiwilliges, was man auch haben sollte,
12:04was für mich auch viel mit Selbstliebe und Selbstfürsorge zu tun hat.
12:07Aber Einsamkeit ist genau das Gegenteil.
12:10In Europa fühlt sich mehr als die Hälfte der Menschen zwischen 18 und 30 Jahren einsam,
12:15ergibt eine Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2024.
12:21Nach dem Tanzen treffe ich Yaro wieder.
12:23Wie war es tanzen?
12:27Ich habe ein bisschen gebraucht, um heute reinzufinden, weil ich gestern noch ein auffüllendes Telefonat hatte.
12:36Und es ist dann durch so Musik und Tanz wieder so ein bisschen hochgekommen.
12:45Magst du mal erzählen, was auffüllend war?
12:48Nein.
12:49Okay.
12:51Erzählen will Yaro nicht, was los ist.
12:53Vielleicht ist aber Tanzen, denn das Tanzen hilft Yaro generell gegen Einsamkeit.
13:21Ja, wo geht es besser? Nur ein bisschen Traurigkeit ist noch da.
13:25Was macht dich traurig?
13:28Ich glaube, dass ich meine Beziehungsperson, die in Berlin wohnt, gerade früh vermisse.
13:37Ja.
13:53Aber irgendwie gehört das Vermissen, dachte ich gerade, doch auch zum Thema Einsamkeit.
14:01Ja, voll.
14:03Ich merke, dass da irgendwas auch schambehaftet ist.
14:07Jemanden zu vermissen ist irgendwie wie so schwach sein.
14:30Und nicht stark und selbstständig.
14:37So, ja.
14:39Für mich ist jemanden vermissen eine Stärke.
14:42Weil dann stehe ich total zu dieser Verbindung.
14:46Hm.
14:49Ja, so habe ich das noch nicht gesehen, aber...
14:55Macht Sinn für mich.
14:57Und wenn ich mir vorstelle, jemand sagt zu mir, ich vermisse dich.
15:01Oh, das ist doch richtig schön, oder?
15:03Ja, voll.
15:04Ja, das zu hören finde ich natürlich auch schön.
15:06Das zu sagen ist schwieriger.
15:08Was haben wir da nur für einen seltsamen Anspruch an uns selbst?
15:12Immer stark sein, es alleine schaffen, bloß keine Schwäche zeigen.
15:16Hi.
15:18Ich bin zum Abendessen eingeladen.
15:20Auf Mallorca.
15:23Hallo.
15:25Meine Lieblingsfamilie ist für eine Woche dort.
15:30Aber das Haus ist gut.
15:31Wow.
15:33Hola.
15:36Hola.
15:37Hola.
15:37Sie wollen herausfinden, ob Mallorca eine Alternative zu Berlin ist.
15:41Hi.
15:43Der große Vorteil auf Mallorca, hier wäre Adrias Familie um die Ecke.
15:48Oh, ein Papagei.
15:49Wow.
15:57Deine Tasche.
15:58Ja, das geht.
16:04Komm, mein Glas ist gut.
16:06Tu.
16:21Erzähl mal, wie waren die ersten Tage hier?
16:26Schön.
16:27Es ist ein Gefühl, als ob man noch mal Teenager wäre oder sowas.
16:32Weil es sowas Abenteuerliches irgendwie hat, irgendwo anzukommen, wo du die ganze Zeit denkst, könnte das mal mein Zuhause sein?
16:41Ist das irgendwie, ne? Also irgendwie so mehr als ein Urlaub, es hat sowas Kribbeliges irgendwie.
16:45Wie merkst du das?
16:47Ja, dass wir die Orte halt irgendwie anders angucken, ne?
16:49Ob man sich vorstellen kann, hier zu leben.
16:51Mhm.
16:52Ist was anders als in Deutschland?
16:56Ja.
16:56Die sind schon entspannt.
16:57Die sind sehr, sehr nett.
17:00Also alle Begegnungen, die wir hatten bisher, waren sehr, sehr nett.
17:04Die sind sehr aufgeschlossen für mich.
17:05Und es ist halt generell so ein bisschen entspannter.
17:09Die quatschen ein bisschen mehr.
17:11Ja.
17:13Und das Wetter.
17:14Und das Wetter, ja.
17:15Ist schon geil.
17:15Ja, klar.
17:18Adri, sag mal, wie ist das hier für dich?
17:22Hier in Mallorca?
17:23Ja.
17:25Ganz schon gut.
17:27Fühlst du dich hier anders zu Hause als in Berlin?
17:30Ja.
17:31Ja?
17:32Ja.
17:33Und was ist das?
17:35Es ist viel einfacher für mich zu überlegen, wie kann ich wohin kommen und viel mit der Sprache.
17:45Ich habe viel mehr verschiedene Versionen von meinem Selbst auf Spanisch und Katalanisch.
17:51Und dann ist es die Landschaft und die Häuser.
17:57Die du mehr als zu Hause definierst, oder?
18:00Ja.
18:01Ja, auf jeden Fall.
18:02Am nächsten Tag kommt Adrias Schwester Gala mit Kind und Mann zu Besuch.
18:06Sie wohnen in der Nähe von Barcelona.
18:08Der Flug nach Mallorca dauert nur etwa eine halbe Stunde.
18:11Wie fühltest du, dass dein Bruder sich näher zu dir fühlt?
18:16Oh, es fühlt sich besser.
18:22Es fühlt sich besser zu Hause.
18:25Es fühlt sich jetzt schon seit sechs Monaten oder sieben.
18:29Oh!
18:34Hola, mi amor!
18:37Buon dia!
18:40Hola!
18:42Quante!
18:43Rico y pico!
18:45Rico y pico!
18:47Hola, amor!
18:48Ein halbes Jahr haben sie sich nicht gesehen.
18:50Papa!
18:51Papa!
18:52Du kannst gehen!
18:53Ja, ich habe ihn auf Instagram gesehen.
18:57Ich mache meinen Beveli auf Instagram.
18:59Ja.
19:00Gala, du ihn erinnert?
19:02Ja, viel.
19:03Natürlich.
19:04Und jetzt sind wir in Februar.
19:07Du verabschiedst in Februar nach Berlin.
19:09Heute.
19:10Heute, ja.
19:11Heute.
19:12In 2011.
19:15Ja.
19:16Ja, ich erinnert ihn viel.
19:18Und jetzt noch mehr.
19:21Weil es wäre...
19:24Wie soll ich sagen?
19:26Wie soll ich sagen?
19:27Ich weiß nicht, wie soll ich sagen.
19:28Ja, es wäre jetzt mit Kindern.
19:30Ja.
19:30Es wäre eine ganze neue Reihe in unsere Verhältnisse.
19:34Ja, genau.
19:35Genau.
19:55Während die anderen schon ins Restaurant gehen, schaue ich mir mit Anne Immobilien an.
20:03This is really cool.
20:05I mean, something here...
20:08I wouldn't say no, if I could pay.
20:11Okay, wait, what's that?
20:13It's 190 m².
20:15It's a really cool thing.
20:17The 30 m² are the Terrace.
20:19Yeah.
20:20That's awesome.
20:22With an outside kitchen.
20:24So, it's really cool.
20:26Very nice.
20:27What's your budget?
20:32I don't know.
20:34How is the stand?
20:37We both find it cool.
20:39I have a lot.
20:40I have a lot of stress about my job.
20:44Okay.
20:45That's a fuller Faktor for me.
20:46I really like that, what I do.
20:49And that you can't do it.
20:51That's a real life, what you would do.
20:54That's a real life, what you would do.
20:56In Berlin weißt du schon, das Kind geht mir da in die Schule.
20:59Mein Job kann ich mir auch schon ungefähr ausrechnen, wo es irgendwann mal hingeht.
21:02Also ich habe so eine Idee, wie mein Leben in zehn Jahren aussieht.
21:05Und hier hast du halt null.
21:06Ich weiß überhaupt nicht, wie mein Leben in drei Jahren aussehen würde.
21:10Man kann ja mal träumen.
21:12Realistisch wäre erstmal was zur Miete, bevor an Kaufen überhaupt zu denken ist.
21:23Glaubst du denn, dass die Einsamkeit hier weggehen würde?
21:28Glaube ich ehrlich gesagt nicht, ne.
21:30Also ich glaube, das ist halt anders, ne.
21:32Du kriegst vielleicht was, kriegst vielleicht ein Stück näher Familie.
21:36Ein bisschen mehr diesen mediterranen Lifestyle, wo die Leute sehr aufgeschlossen sind.
21:41Aber du würdest ja auch einiges, also ich würde auch einiges zu Hause zurücklassen, ne.
21:44Meine Freunde.
21:46Ich weiß nicht, ob die Einsamkeit weggeht.
21:48Ich glaube, es ist eher so ein Tauschhandel, es ist was anderes.
21:50Aber ich glaube weg.
21:53Weg geht es nur, wenn man, wahrscheinlich ist es was, was aus einem selber rauskommt.
21:56Auch ganz viel, würde ich denken.
21:59Seit ich von Bremen nach Bayern gezogen bin, setze ich mich viel mit meiner Einsamkeit auseinander.
22:03Und finde, ganz unerwartet, ein neues Zuhause.
22:07Elisabeth ist meine Vermieterin und ich mag es, Zeit mit ihr zu verbringen.
22:13Und sag mal, du wohnst ja hier schon ganz schön im Wald.
22:16Mhm.
22:17Fühlst du dich hier manchmal einsam?
22:19Nein.
22:21Und warum nicht?
22:22Erstens bewohne ich das Haus nicht alleine.
22:26Da ist der Hund dabei.
22:28Dann habe ich Untermieter, das sind die Siebenschläfer.
22:31Die sind unter dem Fürsch, die Siebenschläferfamilie.
22:33Der ist auch mit mir eingezogen.
22:35Okay.
22:37Spinnen habe ich en masse.
22:39Das ganze Jahr.
22:40Ja.
22:41Und dann hat man ja Nachbarn.
22:44Die haben wir auch schon Jahrzehnte gekannt.
22:48Wie lange wohnst du hier?
22:4925 Jahre.
22:5025 Jahre.
22:52Wir kochen Riebler.
22:53Ein bisschen wie Kaiserschmarrn.
22:55Nur mit Kartoffeln und nicht süß.
23:02Warum glaubst du denn, dass die Menschen auf dem Dorf weniger einsam sind?
23:06Ja, weil sie sich alle kennen.
23:09In der Stadt bist du anonym.
23:12Nimm jetzt mal an.
23:13Ja, klar.
23:14Ich habe fünf Jahre in München studiert.
23:15Da bin ich ja mit nicht arm warm geworden.
23:17Da will ja keiner Kontakt aufnehmen, weil er ja so eine Reizbeflüttung hat.
23:21Er kann ja nicht jetzt mit seinen Leuten auf einmal oder 50 was anfangen.
23:25Aber es hat ja auch eine gewisse Enge im Dorf.
23:28Nein, alles hat seine Fugel und Nachteile.
23:30Also wenn du halt den einen dann nicht leinkommst, dann sollst du auch damit zurechtkommen.
23:35Das stimmt schon.
23:36Wenn ich an Bremen zurückdenke, dann war es genau das.
23:38Also dann ist es genau das, dass ich habe mich alleine gefühlt.
23:42Ich war anonym und gerade mit so Dingen wie, eigentlich brauche ich dich Hilfe.
23:47Ich weiß gar nicht, wen ich fragen kann.
23:48Jetzt darfst du die anderen gar nicht da, aber zuerst ist der Öl einer.
23:52Stimmt nicht.
23:52Da waren Menschen, die ich hätte fragen können.
23:55Und ich habe es einfach nicht gemacht.
24:00Zum Abendessen kommen Melli und Daniel.
24:03Fünf Monate lang sind sie meine Nachbarn und richtig gute Freunde geworden.
24:18Ich habe mir einen richtig ausgelassenen Abend gewünscht.
24:22Der ist halt auch total traurig.
24:25Aber ganz so locker wird es dann doch nicht.
24:27Es ist nämlich mein letzter hier.
24:30Du noch nicht.
24:34Äh, Scheiße.
24:37Du darfst aber nie zum Wohlen anfangen, gell?
24:39Nein, nein.
24:40Ich ziehe weiter, weil ich mich auch hier immer wieder einsam fühle.
24:46Das sind die alten Filmen gewesen.
24:47Wer nie fortkommt, kommt nie heim.
24:49Ja, man muss aber echt, um wieder heim kommen zu können, muss man fortgehen.
24:53Ja, machen wir fort, sonst hat man von nichts Ahnung.
24:55Ob ich wiederkomme?
24:57Wer weiß.
24:58Aber die Zeit hier, die bleibt.
25:08In Karlsruhe treffe ich Anne noch einmal.
25:11Gemeinsam besuchen wir den Friedhof, auf dem ihre Mutter beerdigt ist.
25:17Wie fühlst du dich?
25:19Es ist immer möglich, hier hinzulaufen.
25:21Annes Mutter ist an einem Baum beigesetzt.
25:24Anne war das letzte Mal zur Beerdigung vor fünf Jahren hier.
25:27Warte mal, ich muss noch eins hier entkippen.
25:29Wir müssen wahrscheinlich da lang.
25:32Das ist diese Beerdigungshalle, nennen wir es.
25:35Dass ich damals bei der Beerdigung nicht dabei bin, kann ich nicht ändern.
25:39Aber ich kann jetzt mit Anne da sein.
25:42Ich habe zwei weiße Rosen noch gebracht.
25:45Eine für dich, eine für mich.
25:47Für Uschi.
25:48Mach.
25:49Jetzt?
25:50Ich krieg auch schon ein Räuschen.
25:53Ihre Mutter kommt damals ins Hospiz und stirbt überraschend in der ersten Nacht.
25:59Du kannst dich, glaube ich, vorbereiten, wie du willst auf sowas.
26:01Aber in dem Moment, wenn die anrufen, wenn dieses Telefon klingelt,
26:05kannst du gar nicht beschreiben.
26:07Das ist ein totaler Schockstarre.
26:09So, hä?
26:10Also dieses Gefühl von, ich habe gedacht, ich habe jetzt noch irgendwie Zeit,
26:14mich zu verabschieden, noch mal Fragen zu stellen.
26:16Das ist, glaube ich, so etwas Typisches, dass du immer denkst,
26:18ich hätte noch so viele Sachen fragen wollen.
26:20Was hättest du denn noch fragen wollen?
26:24Das ist ja totaler Blödsinn, so typische Sachen,
26:26die deine Mama noch fragen wollen, das eine Rezept,
26:28was du immer gekocht hast, wie geht das?
26:31Kleine Sachen, kleine Sachen irgendwie.
26:34Ich habe auch ganz oft danach gedacht, ich habe sie gar nicht gefragt,
26:37wie das ist, für sie zu sterben, ob sie Angst hat,
26:41also irgendwie verdrängst du das ja, solange du kannst,
26:43willst ja über diesen Tod nicht sprechen.
26:46Ja, kleine Sachen.
26:50Oh, jetzt werde ich voll dran.
26:52Scheiße.
26:58Boah, ich habe mir mal so ein bisschen Mega drauf gemacht,
27:00ich habe schon gedacht.
27:01Das geht wahrscheinlich nicht ganz.
27:05Ah.
27:06Ja.
27:09Ich habe Taschentücher eingepackt.
27:11Gut, das habe ich vergessen, da habe ich vorher schon auch gedacht.
27:17Ja.
27:21Das war für mich, also für mich irgendwie auch krass, dass ich damals nicht da sein konnte.
27:26Mir hat es einfach richtig leid getan, dass ich nicht da war.
27:31Ja, das wäre auch schön gewesen, Schatz, aber ich weiß ja, du wärst gekommen, wenn du gekonnt hättest.
27:36Mir tut es gut, mit Anne endlich so offen über diese Zeit zu sprechen.
27:40Ich habe mich halt so krass verschlossen und mich so eingeigelt.
27:44Ich habe auch Adria mal gar nicht an mich reingelassen, ich habe immer nachts geheult.
27:48Alleine?
27:48Mhm.
27:51Ja, und irgendwie konnte ich das nicht und dann hatte ich dieses krasse Gefühl mit dem Kind.
27:56Also dieses, ich habe mir so gewünscht, dass er seine Oma kennenlernt, dass sie ihn kennenlernt.
28:03Ja.
28:04Und ist das auch, wo die Einsamkeit so entstanden ist?
28:09Ja, in der Zeit habe ich mich krass einsam gefühlt.
28:12Ich glaube auch, weil ich schon immer ja jemand bin, der alles so krass mit sich selber ausmacht.
28:16Ja, und heute denke ich mir oft, sie hat mir halt auch eine krasse Chance gegeben dadurch.
28:20Ich habe eine Therapie gemacht, die hätte ich vorher nie gemacht.
28:22Ich habe mich viel krasser mit mir auseinandergesetzt.
28:24Ich habe mir auch viel mehr getraut, mich zu öffnen und nicht mehr so stark zu sein.
28:27Ich bin froh, dass wir darüber sprechen, wie einsam sie war, wie einsam ich war und auch wie hilflos.
28:46Einsamkeit kann krank machen, kann aber auch eine Chance sein, sich selbst zu reflektieren und daran zu wachsen.
28:53Von Anne will ich vor allem noch wissen, wie es aussieht mit Mallorca.
28:56Was machen denn die Pläne?
28:59Hm, wir haben gerade den Sommer gebucht.
29:02Mhm.
29:03Okay.
29:06Der Winter steht, fahren wir auch sechs bis acht Wochen.
29:09Ihr meint das echt ernst?
29:10Mhm. Also irgendwas passiert.
29:12Weiß man nicht genau, ob jetzt, ob in fünf Jahren so, haben wir auch gesagt, wer weiß wann, aber Schritte
29:19machen.
29:19Ein kleines Schrittchen in die richtige Richtung und dann mal gucken.
29:23Etwas wird passieren.
29:24Ja, glaube ich schon.
29:26Ja, krass.
29:30Eigentlich könnte dieser Film hier enden, aber ich will euch noch erzählen, wie es bei mir weitergeht.
29:35Ich hab's ja zum Flieger.
29:37Ja, ich geb's los.
29:38Ich geb's los.
29:39Mein Sommer?
29:41Griechenland.
29:42Sonne.
29:44Leben.
29:45Arbeit.
29:46Und vor allem genießen.
29:51Ich weiß, dass die Einsamkeit nicht weggeht, wenn ich davor weglaufe.
29:56Jetzt, wo ich mich ihr stelle, erkenne ich, ich hab mich selbst einsam gemacht.
30:00Und ich will was ändern in meinem Leben.
30:03Mich einlassen auf alte Freunde und neue Menschen.
30:06Und vor allem auf mich selbst.
30:29Einsamkeit betrifft viele, aber kaum jemand spricht darüber.
30:33Das wollen wir ändern.
30:34Das Y-Kollektiv startet gemeinsam mit SWR Doku das Projekt Exit Einsamkeit.
30:39Gemeinsam mit euch erforschen wir die Einsamkeit und wollen herausfinden, wann fühlst du dich einsam?
30:44Was hilft dir? Und was fehlt?
Comments