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00:08When a Kunst-UFO
00:10aus Beton, Marmor und Glas
00:13auf einem Berg landet,
00:14wo früher Mönche flanierten,
00:22dieses faszinierende Museum
00:24mit der Kunst geradezu flirtet,
00:31und ein Garten zum Tagträumen einlädt,
00:37dann ist es Zeit für den Museumscheck
00:40und ein paar erstaunliche Erkenntnisse.
00:47Herzlich willkommen am Niederrhein,
00:49liebe Zuschauerinnen und Zuschauer.
00:50Was fällt Ihnen als erstes ein,
00:53wenn Sie Mönchengladbach hören?
00:55Borussia, Bundesliga, oder?
00:57Und sonst?
00:58Dann habe ich heute eine Überraschung für Sie.
01:01Denn in dieser Stadt
01:02ist in den 1960er und 70er Jahren
01:04Kunstgeschichte geschrieben worden.
01:07Und 1982 wurde hier ein Museum eröffnet,
01:10das einen neuen Architekturstil
01:11und einen weltweiten Bauboom ausgelöst hat.
01:14Das Museum Abteiberg.
01:16Bis heute pilgern Architekturfans
01:18aus aller Welt hierher.
01:19Und Künstlerinnen und Künstler
01:21lieben dieses Haus als Ausstellungsort.
01:24Warum das so ist,
01:25das wollen wir uns heute mit Ihnen anschauen.
01:38Ein Haus für die Kunst der Gegenwart.
01:41Ganz anders, als man Museen bis dahin kannte.
01:44Ein Wiener Architekt durfte in Mönchengladbach
01:47das Museum neu erfinden.
01:51Geburtshelfer waren ein Direktor,
01:53der die moderne Kunst liebte,
01:55und ein Künstler,
01:56der in Düsseldorf die Revolution ausgerufen hatte.
02:01Entdecken werden wir dieses außergewöhnliche Haus
02:03mit einer der bekanntesten Komikerinnen Deutschlands,
02:06Lisa Feller,
02:07der Spezialistin für das alltägliche Leben.
02:09Wenn Lisa Feller lässig-locker
02:13von den kleinen Dramen des Alltags erzählt,
02:15kommt einem vieles sehr bekannt vor.
02:18Mordgedanken beim Autofahren,
02:21heikle Fragen von pubertierenden Kindern,
02:24das erste Date.
02:25Sie bringt's auf den Punkt.
02:30Du bist ja gerade mit deinem Programm
02:32Dirty Talk auf Tour.
02:33Warst doch schon hier in Mönchengladbach.
02:35Wie sind denn die Leute hier so drauf?
02:37Also ich war tatsächlich schon ganz oft in Mönchengladbach
02:39und es ist wirklich einer der schönsten Orte,
02:41um aufzutreten.
02:42Ja, tatsächlich,
02:43weil die Leute Bock haben zu lachen.
02:45Hier ist immer so ein bisschen,
02:46ich weiß nicht,
02:46ob das so die Rheinland-Ausläufer sind oder so.
02:49Es ist immer super.
02:50Wenn du auf Tour bist,
02:51hast du dann auch Zeit,
02:52zum Beispiel mal ins Museum zu gehen
02:54oder fällt das alles weg,
02:56sodass du dich auch ein bisschen umschaust?
02:57Meistens nicht tatsächlich.
02:58Ich komme, ich spiele, ich fahre wieder
03:00und dann finde ich das manchmal sehr, sehr schade.
03:02Auch gerade, wenn man gar nicht weiß,
03:04was in der Stadt passiert
03:05und dann sieht man irgendwelche Plakate,
03:06was gerade ist und man denkt, oh nein.
03:07Also hier warst du noch nie im Museum Abteilberg?
03:10Obwohl ich ja aus Düsseldorf bin.
03:11Es ist nicht weit
03:13und trotzdem war ich hier noch nie.
03:17Kunst ab den 1960er Jahren erwartet uns.
03:24Von der Popart bis zur Gegenwart.
03:31Von Andy Warhol bis Josef Beuys.
03:40Magische Räume in Grau von Gerhard Richter.
03:44Und in Gelb von Sigmar Polke.
03:47Es gibt ja hier keinen vorgegebenen Rundgang.
03:50Wie findest du das?
03:50Guck mal, hier war jemand aber sauer.
03:55Ich find das mit dem nicht vorgegebenen Rundgang
03:57ehrlich gesagt total super.
03:58Ich habe ja Bock, mich selber zu entscheiden.
04:01Ich kann verstehen, dass Leute sagen,
04:03ach irgendwie, ich will aber alles sehen.
04:04Ich brauche irgendwie ein Schild.
04:06Jetzt geht's da lang, jetzt geht's da lang.
04:07Es erleichtert und entlastet.
04:09Aber wie schön ist das,
04:10wenn du es selber entscheiden kannst.
04:11Ich find das von der Aussage her total gut.
04:21Hier sind wir bei der Popart
04:22mit diesem Stilleben von Tom Wesselman.
04:25Das müsste dir ja eigentlich gefallen.
04:27Es ist purer Alltag, die Popart.
04:28Ich finde den Alltag ja total spannend.
04:31Das ist ja auch Thema meiner Comedy.
04:33Weil im Alltag ja ganz viel drinsteckt.
04:36Das normale Miteinander.
04:38Wie gehen Menschen miteinander um?
04:39Wie gestaltet man sich den Alltag?
04:41Das ist so lustig,
04:42wenn ich zum Beispiel dieses Stilleben da sehe
04:43mit dem Obst.
04:44Wir hatten mal im Kunstunterricht
04:45die Aufgabe, auch ein Stilleben zu machen.
04:47Nehmt euch drei Alltagsgegenstände
04:50und schreibt dann den Text,
04:52warum ihr das so angeordnet habt.
04:53Ich bin jetzt eher Wortkünstlerin.
04:55Ich habe einen Text geschrieben,
04:57warum ich jetzt die Zitronenpresse,
05:00den Pfeifenputzer und die Orange
05:03da so hingelegt habe,
05:06dass ich eine Eins dafür gekriegt habe,
05:07obwohl ich wirklich nicht malen kann.
05:09Ich habe mich durch die ganze Schule durchgequatscht.
05:12Das kann ich mir gar nicht vorstellen.
05:13Das hat gut funktioniert.
05:15Das ist von George Siegel.
05:16Und das finde ich hat im Gegensatz
05:18zu so vielen anderen Arbeiten
05:20eher was Düsteres, was er da gemacht hat.
05:23Das ist auch eine ganz banale Szene.
05:24Der Mann sitzt ja einfach nur da.
05:26Und das ist doch interessant, ne?
05:29Das ist wieder so was,
05:30wenn man sich jetzt nicht beschäftigt damit,
05:32da denkt man,
05:33hat jetzt jemand beim Aufbau
05:35vergessen, das Fenster wegzunehmen?
05:38Oder gehört das dazu, ne?
05:40Ja, aber das kaputte Fenster
05:42macht ja einen Teil der Düsternis
05:45dieses Werks für mich aus, finde ich.
05:47Weil das Fenster ist ja offensichtlich kaputt,
05:49es ist nicht im Rahmen, es ist drangelehnt.
05:51Ich habe keine Ahnung, was er damit sagen wollte.
05:53Aber das finde ich eigentlich das Spannende an dieser Kunst.
05:56Du lässt es einfach auf dich wirken.
05:58Es wird ja hier auch nichts erklärt.
05:59Du lässt es auf dich wirken und guckst, was passiert.
06:02Ja, und interessant ist doch,
06:03dass das dann so unterschwellig arbeitet.
06:05Irgendwie hat man ein bisschen unwohles Gefühl.
06:08Man möchte sich jetzt nicht dazusetzen, zum Beispiel.
06:11Ja, da sind wir uns einig.
06:15Hier sind wirklich alle Größen der Pop-Art versammelt.
06:17Andy Warhol natürlich auch.
06:19Der, so sagt es die Legende,
06:22verzweifelt nach einem Thema gesucht hat,
06:24was er malen kann.
06:25Und dann hat eben seine Mutter
06:28Campbells Hühnersuppe serviert.
06:29Und dann hat er gesagt, das ist es.
06:32Ich kann das so nachvollziehen.
06:34Weißt du, wie oft ich irgendwie durch die Lande laufe
06:36und eine Idee für einen Text brauche.
06:38Und dann passiert irgendwas.
06:40Meine Bäckerei-Fachverkäuferin sagt was Lustiges.
06:43Und ich denke, daraus mache ich einen Text.
06:44Wie kommt das eigentlich, dass Alltag so spannend ist?
06:47Also so wie wir es hier in diesem Bild sehen,
06:48so wie es auch in deinem Programm ist.
06:49Warum ist Alltag so interessant?
06:51Weil es jeden betrifft.
06:52Die Leute hatten einfach diese Dosen zu Hause stehen
06:54und dachten, das sagt mir was.
06:55Und ich habe diese Dose plötzlich
06:56in einem anderen Zusammenhang gesehen.
06:59Alltag ist einfach nah.
07:01Und es bringt sofort was in dir zum Schwingen,
07:03weil du sofort andocken kannst.
07:08Erst hat er die Suppendose zur Ikone gemacht
07:10und dann sie.
07:11Ja, also das ist total irre.
07:14Das Bild kannte ich, bevor ich wusste, was Kunst ist.
07:17Also ich glaube, das ist wirklich
07:18eins der bekanntesten Motive.
07:19Es hing einfach bei jeder zweiten Wohnzimmerecke
07:23irgendwie über dem Esstisch
07:24in allen verschiedenen Farben,
07:26bis ich gerafft habe,
07:27das ist Marilyn Monroe, das ist Andy Warhol.
07:29Also wie verbreitet dieses Motiv auch ist.
07:32Warhol hätte auch gerne was Comic-mäßiges gemacht,
07:35aber das war schon belegt von Roy Wichtenstein,
07:38der das ja genial gemacht hat
07:40mit diesem Rasterdruck,
07:41den er dann malerisch umgesetzt hat.
07:43Und der hat auch genau dieses Frauenbild weitergetragen.
07:47Rote Lippen natürlich.
07:49Und beides irgendwie auch interessante Gesichtsausdrücke.
07:52Hier ist ja eher was Ängstliches drin.
07:55Hier ist, da weiß man nicht,
07:56irgendwie ist sie verzweifelt,
07:58sonnt sie sich.
07:59Sonnt sie sich, oder?
08:01Findest du?
08:01Sie hatte Abschiedsschmerz, weiß es nicht.
08:03Sie könnte auch untenrum gerade
08:06Männerfantasien Spaß machen.
08:08Ich finde, das steckt da auch drin.
08:11Stimmt.
08:12Also ohne das jetzt zu,
08:14also ich hoffe, du weißt, was ich meine.
08:17Aber kann auch sein,
08:18naja.
08:19Und das finde ich halt so spannend,
08:20weißt du, dann kannst du dir das aufhängen
08:21und sagst, wieso ist doch Kunst.
08:24Zum Frauenbild dieser Jahre passt,
08:27dass Künstlerinnen damals
08:29so gut wie keine Rolle gespielt haben.
08:31Das hat sich längst geändert.
08:35Mit Künstlerinnen wie Isa Gensken und Rebecca Horn.
08:44Sie zeigen ja hier im Museum
08:46auffallend viel Kunst von Frauen.
08:48Und das dann auch gleich ganz prominent
08:49hier in der großen Halle am Eingang
08:51mit den großen Gemälden von John Greenbaum
08:54und diesem merkwürdigen Motorrad
08:56von Alexandra Bicken.
08:58Das so aussieht, als hätte sich da jemand
09:00ganz massiv beim Zusammenbau vertan.
09:03Ja, es wird richtig körperlich, ne?
09:05Ja.
09:05Da hat man das Gefühl,
09:07dieses Motorrad ist etwas wie so ein Körper,
09:09der alles seine Innereien zeigt.
09:12Da sieht man diese Adern oder Nerven,
09:15die man aus solchen Kabeln herstellen kann,
09:17wenn man einfach das Motorrad andersrum zusammenbaut.
09:20Und hat dann auch ziemlich viel damit zu tun.
09:23Die beiden Künstlerinnen haben, glaube ich,
09:25hier plötzlich etwas gefunden
09:27wie einen gemeinsamen Zusammenhang.
09:50Was hier gerade geklappert hat,
09:52das ist dieses schwarze Becken
09:54von der Grand Dame der deutschen Kunst,
09:56Rebecca Horn, die vor kurzem ja gestorben ist.
09:58Ein schwarzes Becken,
10:00bei dem immer wieder Wellen erzeugt werden
10:02durch diesen Mechanismus, der klackert.
10:06Und dann auf einmal entstehen die tollsten Wellen
10:09und Lichtspiele.
10:10Wie reagieren die Menschen darauf?
10:12Es gibt immer wieder die tollsten Interpretationen,
10:16was es bedeutet,
10:17wenn so zwei Wellen aufeinander zukommen
10:19und dann irgendwann brechen sie aneinander.
10:22Und da gibt es einige,
10:23die interpretieren das sehr psychologisch.
10:26Dann gibt es einige,
10:28die sagen,
10:28nee, das ist noch richtig abstrakte Kunst.
10:30Und vielleicht ist es auch
10:31eine der abstraktesten Arbeiten
10:32wirklich von Rebecca Horn.
10:34Mussten Sie denn,
10:35wie so viele Museen,
10:36extra aufstocken,
10:38um viele Frauen zeigen zu können?
10:40Oder hatten Sie die schon immer in der Sammlung?
10:41Fast zehn Jahre
10:43haben wir nur Einzelausstellungen von Frauen gemacht.
10:47Weil es einfach sehr gute Künstlerinnen
10:50in verschiedenen Generationen gab,
10:52die wenig zu sehen waren zuvor.
10:55Und dann haben wir aus diesen Ausstellungen gekauft.
10:58Aber das hier haben meine Vorgänger schon erworben.
11:12Das sind jede Menge Promis
11:13auf diesen Bildern zu sehen.
11:15Aber ich glaube für dich nicht so sehr.
11:16Du bist zu jung.
11:18Ja doch, Romy Schneider kenne ich natürlich.
11:20Und gütige Beatrix kenne ich natürlich auch.
11:22Aber es geht jetzt nicht um die Promis
11:24auf diesen Bildern.
11:25Ja, ja, okay.
11:25Sondern es geht um die Körpersprache,
11:28die wir da sehen.
11:29Die Hamburger Künstlerin Marianne Wex
11:30hat sich zeitlebens damit befasst,
11:34mit der Körpersprache von Männern und Frauen.
11:37Und das ist sehr auffällig,
11:38wie unterschiedlich die ist, oder?
11:40Das ist natürlich hochspannend.
11:41Da steht ja auch die Hackordnung,
11:43Mann-Frau durch die Körperhaltung signalisiert.
11:45Okay, hier sehr raumgreifendes,
11:48breitbeiniges Sitzen.
11:49Und die Frauen alle sehr züchtig,
11:53Beine nebeneinander.
11:55Auch hier selbst die Kinder.
11:57Selbst die Kinder.
11:59Und das finde ich interessant.
12:00Sie wird ja auch,
12:00guck dir mal,
12:01wie sie von rechts und links,
12:02von den beiden Raumkreisern zusammengepresst wird.
12:05Da zusammengepresst wird.
12:06Das ist schon interessant beobachtet.
12:08Warum sitzt man denn so?
12:10Sitzt du bequem so?
12:11Also ich würde mich nie in der Öffentlichkeit
12:13so breitbeinig hinsetzen.
12:15Weil mir ist das beigebracht worden,
12:18dass man das nicht tut.
12:19Ah, okay.
12:21Aber es ist ja wirklich auffällig.
12:23Und ich glaube,
12:23das ist schon so hier.
12:24Mein Porsche,
12:25meine Luxuslimousine,
12:28mein Auto.
12:29Also das hat schon so was Besitzergreifendes.
12:31Ich glaube,
12:31das machen Männer gerne.
12:32Ja, die nehmen einfach gerne Frauen.
12:33Hier bin ich.
12:36Ist dir schon aufgefallen,
12:37dass hier erstaunlich viele Frauen
12:39zu sehen sind mit ihren Kunstwerken?
12:41Das ist wirklich besonders.
12:43Also finde ich richtig gut.
12:45Ja, ich meine,
12:46im Moment versuchen es ja alle
12:47in den Museen verzweifelt irgendwie
12:48Frauen zusammen zu glauben,
12:50die sie zeigen können.
12:51Hier gehen wir drum herum.
12:52Das ist auch Kunst.
12:53Das ist auch Kunst, oder?
12:54Das ist auch Kunst, ja.
12:54Das ist bloß hier einfach.
12:56Da haben wir ein ganz besonderes Werk
12:57von einer britischen Künstlerin,
12:59die heißt Fiona Barber,
13:01die tatsächlich mit diesem Werk 2001
13:03für den Turner-Preis,
13:04ganz wichtiger Kunstpreis,
13:06nominiert war.
13:08Und dieses Bild heißt
13:10Arse Woman in Wonderland,
13:12Arschfrau im Wunderland.
13:13Das ist die Abschrift
13:14eines Pornofilms.
13:16Also das, was sie da gesehen hat,
13:18einfach beschrieben.
13:19Und es ist kein normaler Pornofilm,
13:22sondern ein feministischer.
13:241998 gab es da noch nicht so viele davon,
13:27die von Frauen gemacht wurden.
13:29Aber ich glaube,
13:30wenn man in dem Text liest,
13:31stellt man keinen so großen Unterschied fest.
13:33Also ich habe jetzt mal versucht,
13:35mit dem linken Auge
13:36ein bisschen was zu lesen.
13:37Also ich habe jetzt nichts gefunden,
13:40wo gerade nicht was explizit beschrieben wird.
13:43Ich sehe Wörter,
13:44die ich auch noch gar nicht kenne.
13:45Also ich lerne richtig was dazu.
13:47Aber es ist natürlich auch
13:48eine sehr clevere Idee,
13:51das mal zu schreiben,
13:52was da zu sehen ist.
13:54Allein das finde ich schon ziemlich schlau,
13:57weil es ist natürlich völlig anders,
13:59das zu lesen,
14:00als es zu sehen.
14:00Ja, natürlich,
14:01weil das zu sehen kannst du nebenherlaufen lassen
14:03und kannst nicht nebenher lesen.
14:04Du musst es dir schon durchlesen.
14:06Aber es macht natürlich die Situation
14:08auch viel absurder,
14:09das, was du da siehst.
14:11Das stimmt.
14:17Von emanzipierten Künstlerinnen
14:19zu den männlichen Kollegen.
14:22Einige von ihnen wurden weltbekannt.
14:29Acht graue Bilder von Gerhard Richter sind das
14:32aus dem Jahr 1975.
14:34Warum sind die so wichtig für sein Schaffen?
14:37Er hat zu dieser Zeit, denke ich,
14:40einmal darüber nachgedacht,
14:41was ein Bild wirklich ist
14:42oder auch ein Gemälde
14:44und was die Aufgabe eines Gemäldes ist.
14:46Und es ging ihm wirklich darum,
14:48dass das einfach nur grau ist.
14:50Und das ist eine Auffassung,
14:54die er hatte zu einer Zeit,
14:55als die Fotografie
14:57eigentlich die Malerei abgelöst hat,
14:59als das Fernsehen
15:00wiederum die Fotografie
15:02zumindest in Konkurrenz brachte.
15:04Aber er steht nach wie vor dazu,
15:06weil ich meine,
15:06er war ja dann zwischendurch
15:07auch sehr bunt und so,
15:08also es gibt ja alles von ihm.
15:10Und da hatte er vielleicht
15:12auch selber eine schwere Phase.
15:14Das war eine Zeit,
15:15in der eigentlich viele Künstlerinnen
15:18und Künstler sich fragten,
15:20wie geht es mit dem Kunstmarkt weiter?
15:21Das war die Zeit der Ölkrise.
15:23Und es gab auch eine Frage,
15:27was für eine Kunst mache ich
15:28und warum?
15:29Und Gerhard Richter hat ja
15:30im Grunde sehr, sehr konsequent
15:33immer wieder überlegt,
15:34was ist ein Bild,
15:35was ist eine Malerei?
15:36Es ist pure Malerei.
15:38Es ist pure Malerei,
15:40aber ich würde auch sagen,
15:41es ist eben keine Malerei,
15:43weil er uns ja alles wegnimmt.
15:47Schon um 1910 war Mönchengladbach
15:50Avantgarde.
15:52Man sammelte die Expressionisten,
15:54bis die Nazis die moderne Kunst
15:57auch hier liquidierten.
16:02Ab 1967 setzte ein Museumsdirektor
16:06wieder auf die Kunst der Gegenwart.
16:10Wahrscheinlich sind Sie Johannes Kladders
16:12sehr, sehr dankbar für das,
16:13was damals passiert ist.
16:15Auf jeden Fall.
16:16Es ist schon sehr speziell,
16:18in einem Haus zu arbeiten,
16:20in dem so viel Geschichte drinsteckt
16:22und auch so viele Gedanken darüber,
16:24dass ein Museum anders sein soll,
16:26als man es bisher kannte.
16:28Und dass auch die Kunst
16:30so anders erscheinen kann,
16:32als man bisher dachte.
16:33Wie sind überhaupt
16:34die Mönchengladbacher damit umgegangen,
16:36mit dem, was hier auf einmal los war,
16:38was da für schräge Vögel waren,
16:39was für ungewöhnliche Kunst?
16:41Es waren einige extrem glücklich darüber,
16:45dass sich etwas entwickelte,
16:46dass etwas wie eine Befreiung stattfand.
16:49Es war ja eigentlich auch die Emanzipation.
16:51Zunächst mal in der Kunst,
16:53bevor man emanzipiert war im realen Leben.
16:56Frauen mussten ja ihre Männer
16:57noch um eine Unterschrift bitten,
16:59wenn sie arbeiten wollten oder ein Bankkonto eröffnen wollten.
17:01Und in dieser Zeit hatte die Kunst
17:04eine ganz, ganz tolle Identifikationsfunktion.
17:08Und Sie können sich vorstellen,
17:09Ausstellungseröffnungen waren
17:10die Kontakthöfe der damaligen Zeit.
17:13Es war der Ort, wo man sich traf,
17:15wenn man etwas anderes auch wollte.
17:22Das Geld war aber auch in der Museumsarbeit knapp.
17:25Sonst gäbe es nicht diese wunderbaren Schachteln, oder?
17:28Ja, also diese Schachteln waren eigentlich eine Notlösung.
17:31Und Beuys, der die erste Ausstellung machte,
17:35hatte gemeinsam mit Kladders wohl diese Überlegung,
17:39ein Katalog wird zu teuer.
17:41Ein Katalog muss ja gedruckt, gebunden werden.
17:44Und eine Schachtel kann man einfach füllen.
17:47Und die Vorläufer dieser Kataloge,
17:51dieser Kassettenkataloge, die jetzt weltberühmt sind,
17:54die waren die Fluxusschachteln.
17:56Also Schachteln, wo Künstlerinnen und Künstler
17:58einfach irgendetwas hineintaten.
17:59Manchmal war es wie eine Streichholzschachtel, wie hier oben.
18:03Oder es war auch ein Spiel.
18:07Und diese verschiedenen Materialien,
18:09wie zum Beispiel hier ein Filzstück von Beuys,
18:13war sogar dann ein Kunstwerk in diesem Katalog.
18:16Und in den meisten Fällen war es ein ganz, ganz günstiger Preis.
18:22Dann waren es 5 Mark und manchmal waren es 10 Mark.
18:29Ein kleines Original von Gerhard Richter
18:32gab es damals für unglaubliche 5 Mark.
18:36Die Kunstszene boomte.
18:38Mönchengladbach brauchte endlich ein passendes Museum.
18:42Es wird der erste große Bau des Wiener Architekten Hans Hollein.
18:48Ein Mammutprojekt am steilen Hang des Abteibergs.
18:54Außen eine Mischung aus Wolkenkratzer und Industriearchitektur.
19:03Über asiatisch anmutende Reisterrassen geht es in den Skulpturengarten.
19:11Innen ein Labyrinth aus Räumen und Treppen.
19:16Dafür gibt es 1985 den Pritzkerpreis, die höchste Auszeichnung für Architekten.
19:25Das Museum Abteiberg gilt als Startschuss und als Ikone der Postmoderne.
19:30Aber Hans Hollein hat sich ja gegen dieses Etikett Postmodern immer gewehrt.
19:34Was ist denn an dem Bau Postmodern?
19:36Und warum mochte er das nicht? Sie haben ihn ja noch kennengelernt.
19:39Ich glaube, er mochte es nicht, weil der Begriff Postmoderne
19:44irgendwann in den 1980er, 90er Jahren
19:47zu einem reinen Design- und Architekturbegriff wurde
19:50im Sinne von schöne Form und anything goes.
19:53Und was er gerade hier vor Augen hatte,
19:55war eigentlich eher eine Veränderung von Architektur,
19:58damit sie humaner wird und damit sie sinnlicher wird
20:02und man mehr Spaß auch in ihr hat.
20:06Das Einzige, was parallel war, war das Centre Pompidou in Paris.
20:09Die beiden Entwürfe wurden parallel auch schon,
20:12als sie noch längst nicht gebaut waren, gefeiert, viel diskutiert.
20:18Und das eine war eben wie eine Raffinerie.
20:20Und hier, das war eher wie ein Bergwerk.
20:23Also man geht ja auch wie in ein Bergwerk hinab.
20:26Und 70 Prozent dieser Schauräume hier sind unterirdisch.
20:32Jetzt geht es noch ein bisschen tiefer und wieder eine ganz andere Treppe.
20:37Ja, wie runter?
20:38Guck mal, hast du nicht sofort das Gefühl,
20:39wie er sich gegeben hat?
20:40Hast du nicht sofort das Gefühl,
20:42man muss mal kurz einmal Statue sein und dann weitergehen?
20:48Guck mal, hier sogar in der kleinsten Nische ist Kunst.
20:51So, it's really...
20:53Is that a microphone?
20:55Or what is that?
20:56I don't know what that is.
21:04Krass!
21:05That he's just hanging out here.
21:07Not in a glass vitrine.
21:10Yeah, exactly.
21:11That you don't think, if he fits?
21:13I'll try it out.
21:14Yeah.
21:18That's interesting,
21:19because these viereckigen,
21:21normalen Räume,
21:22they are of course,
21:24what you know.
21:25You don't think about the room
21:27about it.
21:28And here comes another Ebene,
21:30where you think,
21:31is there a sofa,
21:33is there a place?
21:34Oh, that's cool.
21:36That's cool, yeah.
21:43Bei klassischen Gemälden
21:44would probably be a lot of architecture,
21:46but with these, not so easy,
21:48I think it's just great.
21:49I think it helps.
21:51It fits together.
21:53But you have to be able to play it.
21:55Also, this room here,
21:58Mike Kelly, he's the artist,
22:00he made 2 Kunstaktions.
22:02That's totally aesthetic.
22:05And that's the difference.
22:06If you say,
22:07you have a sleeping bag,
22:09you have a table,
22:11you have a table,
22:11you have a little bit of color,
22:12you make something out there.
22:14There would be nothing out there.
22:16And here,
22:18something is there,
22:19where you say,
22:20that's art.
22:21For me.
22:31Now we're at the nouveau realisme,
22:33the new realisme.
22:34That was a art movement,
22:36which started 1960.
22:37They connected actually to Dada
22:38and connected to Dada.
22:39They connected to Dada.
22:40They connected to Dada,
22:41and old materials,
22:43and everything,
22:44what was so there was,
22:45from the everyday life,
22:46to art.
22:47The most famous was Jean Tangly,
22:49who built wonderful machines,
22:52which were still beweging.
22:54Can I press the button?
22:57Yes.
23:04Yes.
23:04Man freut sich,
23:05wenn sich was dreht.
23:06Man freut sich wie ein Kind.
23:07Es dreht sich,
23:08es bewegt sich,
23:09es wackelt,
23:09es macht Rache.
23:20Das ist der alte Bäcker, oder?
23:22Ah,
23:22und da finde ich zum Beispiel
23:23total interessant,
23:24wenn man denkt,
23:25so ein paar alte Bäcker,
23:26und man denkt sofort,
23:27wie haben die wohl geklingelt?
23:28Wozu haben sie den Menschen geweckt?
23:31Ja,
23:31also,
23:32warum musste da jemand aufstehen?
23:46Wir sind hier im Wohnzimmer
23:48von Erik und Dorothee Anders.
23:50Und bei diesem Ehepaar
23:51gibt es noch einen riesigen Kunstschatz
23:52zu entdecken,
23:53den sie gerade aufarbeiten.
23:55Was war das für ein Paar?
23:57Die Anders,
23:58die haben in den 60er Jahren,
24:00oder eigentlich auch schon davor,
24:02in Düsseldorf gelebt
24:03und ja,
24:04sind eben mit der Düsseldorfer Kunstszene
24:06in Kontakt gekommen.
24:07Er war mit den KünstlerInnen
24:09aus seiner Sammlung
24:10sehr eng befreundet.
24:12Und ja,
24:13es war dann eher so ein,
24:15ich brauche grad ein bisschen Geld,
24:17könntest du mir was geben,
24:18dafür bekommst du Kunst.
24:21Die Anders haben einfach alles gesammelt.
24:26Plakate,
24:27kuriose Dinge,
24:28Druckgrafik.
24:30Mehrere tausend Objekte
24:31wurden schon archiviert.
24:37Das ist Schokolade, ne?
24:39Das ist gegossen.
24:40Also es ist eine Plastik
24:41und die ist erstaunlich gut erhalten, oder?
24:44Für die vielen Jahrzehnte.
24:45Genau,
24:46also Schokolade und Vogelfutter.
24:48Es ist eine der sogenannten Vogelfutterbüsten.
24:52Und ja,
24:53also dafür,
24:54dass sie eben schon aus den 60er Jahren stammt
24:57und wahrscheinlich auch mal draußen im Garten,
24:59der Anders stand.
25:01Ja,
25:01das war so die Idee von Dieter Roth dahinter,
25:03dass durch das Vogelfutter
25:05man das rausstellt in den Garten
25:07und dann es ein Anflugbrett gab
25:09und die Vögel sich draufstürzen sollten,
25:12um das Selbstporträt von Dieter Roth
25:15dann nach und nach aufzufressen.
25:18Irgendwann haben die Anders das dann doch
25:19nach drinnen geholt.
25:21Das heißt aber,
25:21die hatten alle einen guten Humor.
25:22Das sind ja auch wirklich witzige Sachen.
25:24Also dieses Teleskop hier zum Beispiel,
25:26das ist doch ein Joint,
25:27was da drüber hängt, oder?
25:29Genau,
25:29das ist eine Arbeit von Robin Page.
25:31Das Survival Telescope heißt es.
25:34Da gibt es auch so einen Stempel auf der Bodenplatte,
25:37wo er eben erklärt,
25:38dass es doch toll wäre,
25:40wenn jedes Objekt wie ein Schiff
25:41mit einer Notfallalternative ausgestattet werden würde.
25:45Und dann hat Robin Page eben,
25:47ja, wie so ein Rettungsboot
25:49den Joint hier an das Teleskop drangehangen
25:51und ja, ist auch noch den Anders dann gewidmet.
25:57Was ist das? Eine Bratwurst?
25:59Genau, das ist die Bratwurst mit Henkel.
26:02Kann man immer dabei haben.
26:03Im Zweifel für den Notfall.
26:06Zum Schluss noch mein Highlight.
26:10Diese Bilder wurden 1986 in Venedig auf der Biennale gezeigt.
26:15Sigmar Polke bekam dafür den goldenen Löwen.
26:20Hier könnte man lange bleiben, um zu meditieren in diesem Raum, oder?
26:24Wie findest du den?
26:25Also, ich bin überrascht, wenn man wirklich mal da so jetzt drinsteht in dem Raum,
26:32wie schön ich das finde.
26:34Also, es hat wirklich was Beruhigendes, was Meditatives.
26:40Trotzdem total vielseitig.
26:45Das ist einerseits schon auch gemalt,
26:48aber es sind vor allem Chemikalien, die da drauf reagieren.
26:52Und die arbeiten wohl immer noch weiter auf diese Bilder.
26:55Da passiert immer.
26:55Also, die verändern sich immer noch ein bisschen.
27:05Vermisst du diese Erklärtexte, die dann irgendwo an der Wand sind,
27:08wie in anderen Museen meistens?
27:10Also, ja, ich weiß immer super gerne sehr viel über Sachen.
27:14Ich lese auch die meisten Texte in Museen tatsächlich.
27:17Ich auch, ja.
27:18Ja?
27:19Ich finde, hier merkt man, wenn es alleine schon so schön ist,
27:24verzeiht man das ein bisschen mehr und denkt,
27:26ja, aber ich gucke es auch gerne an.
27:36Wie fandest du es denn jetzt hier? Was nimmst du mit?
27:39Also, ich bin total überrascht, wie schön das alles zusammenpasst.
27:42Ja, also, was wir auch zwischendurch festgestellt haben,
27:45diese unglaublich interessante Architektur, die super mit der Kunst zusammenpasst.
27:49So was Räume sie auch mit einem machen, finde ich total interessant.
27:52Ich habe sofort Bock, zu Hause erst mal neu zu streichen.
27:55Ich glaube, ich mache alles grün.
28:01Mönchengladbach ist nicht nur im Fußballerste Liga, auch in der Kunst.
28:05Kaum zu glauben, dass dies das erste Großprojekt von Hans Hollein ist.
28:08Toll, wie raffiniert er dieses Gebäude für die Kunst geplant und umgesetzt hat.
28:13Mit schönen Blickeachsen, immer neuen Perspektiven und vielen ästhetischen Details.
28:20Das Museum ist die perfekte Bühne für diese herausragende Sammlung.
28:24So entsteht ein spannender Dialog zwischen Architektur und Kunst.
28:28Dass neben den vielen bekannten Künstlern auch erfreulich viele Künstlerinnen zu sehen sind,
28:33wie hier Isar Gensken, ist so zeitgemäß wie wichtig.
28:39Zugegeben, Sie müssen hier ganz genau hinschauen.
28:42Aber wenn Sie sich richtig auf die Kunst einlassen, können Sie auf die tollsten Gedanken kommen.
28:47Bei der Vermittlung ist allerdings noch Luft nach oben.
28:49Es gibt so viele spannende Kunstgeschichten zu diesen Werken, die den Zugang erleichtern würden.
28:55Und die würde ich hier gerne auch lesen.
29:01Wir wünschen dem Museum ab Teilberg ganz viele Besucher, denn die hat es einfach verdient.
29:06Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
29:07Musik
29:09Musik
29:11Musik
29:11Musik
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29:17Musik
29:20Musik
29:22Musik
29:24Musik
29:25Musik
29:26Musik
29:28Musik
29:28Amen.
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