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00:07We sit on it.
00:11We drive.
00:17We have it deep in the body.
00:24We are at home.
00:26We are at home.
00:36And sometimes we are just pure nature.
00:41Design is everywhere.
00:43The man is just doing everything.
00:46He usually doesn't think about it.
00:51How much design moves us and moves, we want to experience with you today.
00:56Welcome to Weil am Rhein.
00:59We are in the three-Länder-Eck.
01:02In the southern southwestern Deutschlands.
01:04The Schweiz and Frankreich are right around the corner.
01:08In this idyllic landscape is one of the oldest and most important design museums in the world.
01:15It's time to see it together.
01:17We will see it together.
01:18Also auf ins Vitra Design Museum.
01:43Auf dem Riesengelände werden Möbel der Firma Vitra produziert.
01:47In den öffentlichen Bereichen ist über die Jahre ein Dorado für Design- und Architekturfans entstanden.
01:59Mit einer schillernden Sammlung, spannenden Sonderausstellungen und regelrechten Architektur-Ikonen.
02:09Von wegen Provinz. Basel liegt direkt daneben.
02:13Und man hat ja schon früh international gedacht und mutig Zeichen gesetzt.
02:17Die Stararchitektin Saar Hadid konnte hier endlich einen ihrer spektakulären Entwürfe tatsächlich bauen.
02:26Im Mittelpunkt steht das Vitra Design Museum des Amerikaners Frank Gehry.
02:31Zur Zeit dreht sich dort alles um deutsches Design von 1949 bis 1989.
02:41Lauter Alltagsgegenstände aus West und Ost.
02:47Ich freue mich schon sehr auf diese ganz besondere Zeitreise.
02:50Zumal nicht nur ich ein großer Design-Fan bin, sondern auch unser Gast, der Schauspieler Henry Meyer.
03:03Geboren in Dresden, aufgewachsen in Radebeul und von dort über ziemlich viele Bühnen zwischen Hamburg, Frankfurt, München, Wien und Oberhausen.
03:14Dazwischen Rollen in Kino und Fernsehen.
03:18Inzwischen ist Henry Meyer am Theater Freiburg.
03:24Na Henry, kommen da nostalgische Gefühle hoch?
03:27Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Also ich habe nie einen Trabi besessen.
03:31Ich bin oft drin gefahren, ja.
03:32Es war ja so die Regel, dass man zur Geburt schon eine Anmeldung für den Trabi bekam.
03:37Weil das ja 15 bis 18 Jahre gedauert hat.
03:40Und deswegen schenkte man schon den Babys, wenn sie zur Welt kamen, eine Anmeldung für den Trabi.
03:45Er ist irgendwie trotzdem cool vom Design her.
03:53Ich bin sehr gespannt, wie wir beide zusammen durch diese Ausstellung gehen, denn wir sind ein Jahrgang.
03:59Ich bin ein Kind des Westens, du ein Kind des Ostens.
04:02Du kennst das ja alles, was da drin ist.
04:04Einiges, ja.
04:05Dann nix wie rein.
04:06Dann gehen wir mal rein.
04:09So.
04:151949 teilen sich die Wege der Deutschen.
04:18Zwischen West und Ost trennt sie ab 1961 eine unüberwindbare Grenze.
04:27Ja, guck mal, ich habe auch noch so einen.
04:30Hier, altes Foto und hier hinten ist das Visum.
04:381989.
04:391989 noch bekommen, dass man in den Westen durfte.
04:42Ja, genau.
04:42Wie denkst du denn heute an die Zeit zurück, als du in der DDR groß geworden bist?
04:47Wie war das?
04:48Ja, das war eine schöne Zeit.
04:52Ja?
04:52Mit vielen Mängeln natürlich, ja.
04:53Aber ich denke, dass wir trotzdem reich waren.
04:56Ich bin aber sehr froh, dass die Mauer wieder gefallen ist.
04:58Wenn du auf das deutsch-deutsche Design guckst, das ist ja erstaunlich, wie viele Gemeinsamkeiten es hier gibt.
05:04Also, wenn wir hier zum Beispiel das Senftenberger Ei angucken.
05:08In der Tat, ja.
05:09Ich meine, das sind zwei benachbarte Länder und die haben sich alle beeinflussen lassen vom Bauhaus und haben immer wieder
05:15aufeinander geguckt.
05:17Also, das Senftenberger Ei zum Beispiel hatte mein Vater.
05:20Das war ein beliebtes Tauschobjekt auch.
05:23Das Witzige ist ja, das wurde im Westen entworfen, dann war die Produktion zu teuer, dann hat man es im
05:27Osten hergestellt.
05:28Ja, absolut witzig.
05:29Den Austausch gab es eigentlich auch immer.
05:32Die Tradition, du hast gesagt, Bauhaus, Werkbund ist ja die gleiche im Osten wie im Westen.
05:37Eben, die Wurzeln sind die gleichen.
05:38Das ist Kult gewesen von Dieter Rams, dem braunen Designer, so ein Weltempfänger.
05:43Sowas hätte ich gerne gehabt, aber ich hatte ein Radio, das sah aus wie dieses DDR-Radio.
05:48Das war dann das, was du im Quelle-Katalog für kleines Geld bekommen hast.
05:51Aber das war vielleicht sogar aus dem Osten.
05:53Kann sein.
05:54Da wurde ja viel hergestellt, was dann später in den Westen verkauft wurde für Devisen.
05:59Aber ich finde das schon in der Sachlichkeit super.
06:03Das erinnert mich ein bisschen so an Funkgeräte, so auch aus dem Militär.
06:07Aber hier zu dem Sternradio Elite in Dresden hat man selbst da schlechten Empfang bekommen bei RTL.
06:15Also das ging immer so, der Musiktitel fing an und dann war nichts mehr.
06:20Und dann fing es wieder...
06:21Das Schlimmste war, wenn die die Titel angesagt haben, dass man den Titel nicht gehört hat.
06:26Aber man wollte ihn haben.
06:27Man wollte ihn haben, den Titel, natürlich.
06:29Mit einem Kassettenrekorder, mit einem Mikrofon da dran gehalten und lause Zeug.
06:41Das ist eine tolle Wand, finde ich. Das ist ein Ratespiel im Grunde. Welches Design ist Ost und welches ist
06:48West?
06:49Ja.
06:49Und da kann man teilweise wirklich ins Grübeln kommen.
06:52Also eins ist für mich ganz einfach, dieses Radio da oben stand bei uns in der Küche.
06:56Ist nicht dein Ernst.
06:57Das ist von Braun.
06:58Das ist West.
07:00Auch Braun wieder.
07:01Ich ärgere mich, wie eben da.
07:02Das war das Design-mäßig das Tollste.
07:05Ich ärgere mich heute noch, dass wir es, als es nicht mehr ging, einfach weggeschmissen haben.
07:07Hast du weggeschmissen?
07:08Die beiden Fernseher?
07:09Was würdest du sagen? Welcher ist West, welcher ist Ost?
07:11Das ist ziemlich einfach, weil da steht Braun drauf.
07:15Da habe ich es ein bisschen einfacher gehabt.
07:17Und der ist aber Ost und der ist eigentlich genauso schön.
07:19Und der sieht doch cool aus, oder?
07:20Und den kennt man, ne?
07:22Den kennst du vor allen Dingen.
07:23Ja, der Schneewittchen sagt.
07:24Ich kenne diesen Fotoapparat da.
07:27Ja.
07:27Ich weiß jetzt nicht mehr genau die Marke, aber das ist...
07:30Der ist Ost.
07:31Ja, der ist absolut Osten.
07:33Und dieser sehr schöne Schrank?
07:34Der sehr schöne Schrank ist aus den Hellerauer Werkstätten Dresden.
07:39Du wirst es nicht glauben, aber der steht bei mir zu Hause in Merzhausen, wo ich jetzt lebe.
07:44Den habe ich schon mehrere Jahre mit mir herumgeschleppt.
07:47Meine Mutter hat das damals gekauft.
07:48Der ist von 1962 und ich bin 63er Jahrgang.
07:51Also das ist wirklich ein Knaller, dass der im Museum steht.
08:05Das finde ich total faszinierend.
08:07Das ist Ost-Werbung, aber sieht aus, als wäre es in Italien, oder?
08:11Ja, absolut.
08:12Ja, man wollte den Ost-Leuten suggerieren, man darf nach Italien fahren mit so einem schicken Auto.
08:17Aber das war natürlich nicht möglich.
08:20Was ist das für einer?
08:21Das ist ein Wartburg, ein 311er Wartburg.
08:24Das ist auch ein Gefährt.
08:26Aber ein raffiniertes Teil.
08:27Absolut.
08:28Was ist das?
08:28Das ist so eine Kinderschaukel, das hast du vor allem im Kindergarten gehabt.
08:32Da konntest du dich reinsetzen und schaukeln.
08:35Dann drehst du das Ding um und du siehst, da dreht sich natürlich der Sitz mit.
08:39Ja.
08:40Und dann kannst du dich auch so reinsetzen und durch die Gegend.
08:42Was ist ein Wagen?
08:43Cool.
08:44Also wirklich eine tolle Idee.
08:45Tolle Idee.
08:46Und die Kinder waren glücklich.
08:54Die Ausstellung ist zusammen mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden entstanden.
08:59Dort hat das Kunstgewerbemuseum so ziemlich alles zum DDR-Design.
09:07Das ist ja die erste große Ausstellung über ost- und westdeutsches Design.
09:10Wie kommt das?
09:11Das ist die erste umfassende Ausstellung zu diesem Thema.
09:15Es sind über 30 Jahre nach der Mauer frei.
09:17Und manchmal braucht man ein bisschen Zeit, bevor man dann wirklich alles auf den Tisch legen kann.
09:23Und sagen kann, okay, was ist denn passiert in diesen 40 Jahren der Teilung?
09:28Und es ist auch ein sehr emotionales Thema für viele Menschen.
09:33Es ist auch sehr politisch geladen.
09:36Nun denkt man, als Westdeutsche eigentlich immer im Osten war im Grunde nur Mangelverwaltung.
09:42Ist das ein Vorurteil oder ist da was dran?
09:45Also tatsächlich wollen wir nicht leugnen, dass es in der DDR wirklich Schwierigkeiten gab, Alltagsobjekte zu bekommen.
09:53Also es gab nicht einen Überfluss an Objekten oder an Marken oder Produkte wie zum Beispiel in der Bundesrepublik.
10:00Das wollen wir nicht leugnen.
10:01Aber es gab auch tolle Designobjekte, die langlebig sein sollten.
10:04Weil das ist natürlich ein großes Ziel.
10:06Wenn man nicht viel produzieren kann und nicht viel auf den Markt bringen kann,
10:10dann sollte das, was tatsächlich auf den Markt kommt, gut funktionieren.
10:15Also diese Vorurteile von Wegwerfkultur oder einfach eine billige Produktkultur etwa,
10:20wollen wir mit der Ausstellung komplett dekonstruieren, wenn man so sagen kann.
10:26Sehen Sie bei dem ostdeutschen Design eine besondere Qualität oder was, was wirklich anders ist?
10:30Ja, also was man über ostdeutsches Design tatsächlich schon sagen kann, ist, dass man mit sehr wenig sehr viel geschafft
10:38hat.
10:38Wir haben zum Beispiel eine Bücherreihe von Lotter Reier, die sogenannte Schwarze Serie.
10:46Und diese Bücher sind mit Fotomontage gemacht, mit Schwarz und Weiß.
10:50Wir haben sie neben die Surkamp-Edition von Willi Fleckhaus gestaltet, 1963.
10:56Ganz berühmtes deutsches Designobjekt.
10:59Aber die Schwarze Reihe zeigt einfach, also der Designer damals hatte keine Farbfotografie,
11:05weil das sehr teuer war in der DDR und hat sich entschieden, einfach mit Schwarz-Weiß Fotomontage zu arbeiten.
11:11Und daraus entsteht so ein wahnsinnig schönes poetisches Grafikkonzept,
11:17die es tatsächlich wahrscheinlich nicht gegeben hätte, wenn man alle indlose mögliche Optionen hätte.
11:37Was sagen dann all diese Objekte, gerade hier die aus Plastik, über den Zeitgeist aus damals in den 60ern?
11:42Das ist eine sehr experimentelle Zeit gewesen.
11:46Also das zeigt die hoffnungsvolle Zukunft, die man durch die neuen Materialien wie Kunststoff bauen kann.
11:53Und es gibt Objekte, die wirklich an so Weltall erinnern.
11:59Gibt es in der Ästhetik klare Parallelen, wo Sie sagen, das ist typisch deutsch, egal ob es aus dem Osten
12:06oder aus dem Westen kann?
12:07Ja, also deutsches Design kommt aus das Ingenieurwesen.
12:10Schick und klar und sauber und reduziert, also das ist schon deutsches Design.
12:24Jetzt sind wir in den 80er Jahren gelandet.
12:27Hier, das hat bei uns für Aufregung gesorgt.
12:29Der erste grüne Minister, Joschka Fischer, bei seiner Vereidigung.
12:34Und mit weißen Turnschuhen, hat man damals noch gesagt.
12:37Im Grunde war er der Trendsetter, er hat die weißen Sneaker salonfähig gemacht.
12:40Ja.
12:41Und so andere Jacken auch, oder? Die hatten immer so die Anzüge.
12:46Und das sah ein bisschen nach Altkleider.
12:47Naja, das findest du ja.
12:49Aber du warst ja zu dieser Zeit eher hier, im Palast der Republik in Erichs Lampenladen.
12:54In Erichs Lampenladen, ja.
12:56Hat man das wirklich gesagt in der DDR?
12:58Natürlich hatte man das gesagt.
12:59Weil das Foyer, wie du da siehst an der Decke, ist doch ganz großartig mit den Lampen ausgestattet, die hinter
13:04dir übrigens hängen.
13:06Aber es war halt immer überfüllt, deswegen kann man ja nie rein in den Jugendtreff.
13:10Das war ja eine erstaunliche Mischung dieser Palast der Republik.
13:13Da gab's ja alles.
13:14Ja.
13:14Das war ja in erster Linie der Sitz der Volkskammer.
13:18Also es war ein grandioses Foyer.
13:20Also es war echt ein Hammer.
13:22Das war das absolute Kultobjekt für Honecker und Konsorten.
13:26Aber wurde dann auch vom Volk auch angenommen.
13:29Das war 1985.
13:31Ich war 1979 das erste Mal in diesem Palast der Republik.
13:34Da war das Pfingsttreffen der FDJ und da spielten die Pudis.
13:39Sagt ihr was, oder?
13:40Ja klar.
13:40So eine alte Rockband.
13:41Und das war natürlich ein Knaller, das da zu erleben, in Erichs Lampenladen.
13:45Aber dann wurde der Palast der Republik ja abgerissen.
13:49Vor allem wegen der Asbestbelastung hieß es.
13:51Hieß es.
13:51Aber der Asbest wurde ja vorher rausgenommen.
13:53Hätte man den stehen lassen sollen, deiner Meinung nach?
13:56Ich bin da sehr zwiegespalten.
13:58Also ich finde schon, dass man den hätte als architektonisches Kulturdenkmal stehen lassen sollen.
14:04Weil es gehört halt zur DDR-Geschichte auch.
14:07Und hiermit endet natürlich diese Ausstellung mit dem Mauerfall.
14:10Dann gab es ja nur noch ein deutsches.
14:12Damit endete die DDR, genau.
14:14Und wie fandst du jetzt diese Ausstellung hier?
14:16Die Ausstellung finde ich grandios.
14:18Sie lädt ein, über viele Dinge nachzudenken.
14:21Und sie ist auf Augenhöhe, die Ausstellung.
14:24Ost und West bewegen sich auf absoluter Augenhöhe.
14:29Als in Berlin die Mauer fällt, wird in Weil am Rhein das Vitra Design Museum gegründet.
14:35Als eine von der Firma unabhängige Stiftung.
14:39Für den Star-Architekten Frank Gehry beginnt mit diesem Gebäude eine Weltkarriere.
14:47Dieser Bau ist ja wirklich ein Statement hier an einer viel befahrenen Straße.
14:52Ist eigentlich eine Skulptur auch nach außen, oder?
14:54Ja, absolut. Der Bau ist eine Museumsskulptur.
14:59Und das entsprach auch dem damaligen Zeitgeist.
15:02Es war die Zeit von neuen privaten Museen.
15:05Es war ein neues Kulturverständnis, was offen, demokratisch, progressiv, unkonventionell sein sollte.
15:11Und dieses Gebäude transportierte das.
15:14Und das ging dann auch durch alle Medien.
15:15Weil man natürlich so einen Museumsbau seit Frank Lloyd Wrights Guggenheim Museum eigentlich nicht gesehen hatte.
15:20Aber das Interessante daran ist, dass eigentlich das alles nicht nur Oberfläche ist, sondern jedes Detail, was Sie hier nach
15:27außen sehen, hat eine Funktion.
15:29Also der Turm ist der Aufzugsturm.
15:31Dieses Vordach ist ein Dach, unter dem sich Gruppen sammeln können, wenn Sie auf Führungen warten.
15:37Diese geschwungene Rampe ist das Treppenhaus.
15:40Also keine Form, die Sie an diesem Gebäude sehen, ist einfach nur ausgedacht, sondern jeder hat was mit dem Inneren
15:46zu tun.
15:47Ist das schwierig zu bespielen, wenn es so verwinkelt ist nach außen und so viele verschiedene Formen hat?
15:56Oder sind Sie glücklich damit?
15:57Wir sind total glücklich mit dem Gebäude. Es ist überhaupt nicht schwierig zu bespielen.
16:00Man denkt das vielleicht, wenn man es von außen sieht, so eine Museumsskulptur, das kann doch nicht so funktional sein.
16:07Dieses Gebäude ist hoch funktional.
16:101981 wurden die Produktionsstätten durch einen Großbrand zerstört und man begann, modern zu bauen.
16:18Zum Beispiel dieses sehr ungewöhnliche Feuerwehrhaus der britisch-irakischen Architektin Zaha Hadid.
16:28Ich habe Zaha Hadid damals interviewen dürfen hier fürs Fernsehen, als der Bau fertig war.
16:34Sie war unfassbar glücklich, dass sie endlich mal einen Bau realisieren durfte.
16:38Aber da gehörte damals schon Mut dazu, ihr diese Chance zu geben.
16:41Natürlich, also das, was Zaha Hadid vorher veröffentlicht hatte, galt eigentlich als unbaubar.
16:47Aber sie wurde weltweit gefeiert, aber niemand hat sich getraut.
16:50Genau, es gibt ja solche Architekturstars eigentlich immer wieder.
16:53Also Stars, die vieles gezeichnet haben, vieles veröffentlicht haben und die eigentlich schon legendär sind, bevor sie überhaupt gebaut haben.
16:59Und das war bei Zaha Hadid genauso der Fall.
17:02Aber sie wollte natürlich bauen.
17:04Und das hier gab ihr wirklich zum ersten Mal die Gelegenheit zu zeigen, es ist machbar.
17:09Es widerspricht nicht den Gesetzen der Statik und der Konstruktion.
17:13Und danach ging ja ihre Karriere auch los.
17:15Aber ich finde immer noch, dass das eines ihrer besten Gebäude ist.
17:18Inzwischen wird die Feuerwache als Veranstaltungsraum genutzt.
17:24Eines der letzten großen Bauprojekte war das Schaudepot der bekannten Schweizer Architekten Herzog und Demeron.
17:32Es entstand 2016 für die umfangreiche Designsammlung.
17:38Auf den ersten Blick ist das Schaudepot ja eine sehr große Backsteinscheune.
17:44Sehr schlicht.
17:45Wo ist der Reiz?
17:46Da muss man wahrscheinlich genau hinschauen, oder?
17:48Ja, der Reiz liegt in den Proportionen.
17:50Das Statement, dass so ein großes Gebäude kein einziges Fenster hat.
17:53Und dann liegt der Reiz natürlich an der Fassade.
17:56Also dass dafür diese durchschlagenden Ziegelsteine verwendet werden,
18:01die eigens hier auf der Baustelle geteilt wurden und die so eine Art Relief ergeben.
18:06Wie so eine Art Schildkrötenpanzer um das Gebäude herum.
18:10Und dann hat das Ding auch viele innere Werte, oder?
18:12Natürlich, ja. Das Gebäude wurde für die Sammlung gebaut.
18:17Und das heißt, es muss einen wehrhaften Charakter haben.
18:21Es soll ja das zeigen, was drinnen passiert.
18:23Und was drinnen passiert ist, dass dort wirklich Ikonen des Möbeldesigns gezeigt werden,
18:28die Schutz brauchen, die klimatische, konservatorische Bedingungen brauchen.
18:33Und all das drückt dieses Gebäude mit seinem abweisenden Äußeren quasi aus.
18:39Im Innern der Backsteinburg kein kuscheliges Möbelhausambiente,
18:45sondern der spröde Charme einer imposanten Lagerhalle.
18:50In den Hochregalen 400 Designklassiker vom 18. Jahrhundert bis heute.
18:57Und das ist nur ein Bruchteil der Sammlung.
19:02Ganz schön verrückt, was sich Designerinnen und Designer alles zum Thema Sitzen ausgedacht haben.
19:07Nichts scheint so inspirierend zu sein wie der Stuhl.
19:12Von total bequem bis Bandscheibenvorfall.
19:14Von puristisch bis barock.
19:20Und hast du schon den perfekten Stuhl gefunden?
19:22Absolut.
19:24Also für mich ist einer der perfektesten ist der hier.
19:27Der Barcelona.
19:27Der Barcelona Sessel, ja.
19:29Der ist toll.
19:30Und den hätte ich gern, aber ist wahrscheinlich mit Kostenvermögen.
19:33Könnte ich mir nicht leisten.
19:35Ich mag das auch.
19:36Diese Bauhausmöbel mag ich sehr gern.
19:37Ey, das ist großartig, ja.
19:39Man kann nur nicht auf allen so wirklich gut sitzen.
19:41Das hast du erwähnt.
19:42Vassili zum Beispiel ist es schwierig.
19:45Ist nicht so der...
19:46Auch die Corbusier-Liege ist schwierig, wenn man etwas größer ist.
19:50Also für mich ist die problematisch.
19:52Und auf dem hier, den hätte ich gerne.
19:55Tatsächlich.
19:55Unglaublich schön.
19:56Das ist eine Skulptur.
19:57Absolut.
19:58Aber Sitzen will ich nicht drauf.
19:59Skulptur im Raum.
20:00Da muss man schon irgendwie polstern.
20:03Aber dann ist natürlich wieder die Originalität weg.
20:06Auch bei den Großvätern.
20:07Man sieht, wo es herkommt irgendwie.
20:09Wenn du zum Beispiel den weißen hier vergleichst mit dem da, ist schon irgendwo Ähnlichkeit.
20:14Die Verwandtschaft ist da.
20:15Und dass sie das dann natürlich mit Stahlrohr und Leder dann so fortgesetzt haben.
20:20Die Bauhausleute ist...
20:21Aber man sieht hier so schön, dass es eigentlich dieselben Ideen sind.
20:25Ja, eben.
20:25Das meine ich.
20:26In anderen Materialien.
20:27Die Großväter haben es vorgelegt und dann sind sie später mit anderem Material rangegangen
20:32und haben ganz andere Sachen erzählt.
20:44Wann haben die Menschen eigentlich beschlossen, dass sie nicht mehr auf dem Boden sitzen wollen
20:47und haben den ersten Stuhl gebaut?
20:50Ganz genau kann man es natürlich nicht sagen.
20:52Aber Stühle gibt es schon seit ca. 5000 Jahren.
20:56Viele Kulturen sitzen heute noch natürlich viel auf dem Boden.
21:00Und Stühle für die breite Masse haben sich eigentlich erst im Zuge der Industrialisierung etabliert.
21:05Vorher waren Stühle, also mit Lehne erhöht zu sitzen, wirklich der Oberschicht vorbehalten.
21:12Dem Adel oder dem gehobenen Bürgertum.
21:14Es war ein Zeichen von Status und von Macht.
21:16Sie sammeln ja Möbel aller Art.
21:18Aber Stühle sind immer die Lieblingsobjekte der Designer und Designerinnen gewesen.
21:23Auch Tische nicht, die Sie ja hier auch vereinzelt zeigen.
21:27Ja, Stühle sind für Möbeldesigner und Designerinnen natürlich eine besondere Herausforderung.
21:31Also sie haben erstmal eine besondere Statik, die man austarieren muss.
21:37Und Stühle sind die Objekte, die dem menschlichen Körper am nächsten sind.
21:43Sie haben genauso Beine, sie haben einen Rücken, sie haben oft auch Füße und sie sind dem Körper sehr nah.
21:49Wir lassen uns auf ihn nieder, das machen wir auf einem Tisch ja nicht.
21:59Was macht ein Stuhl eigentlich zum Designerstuhl?
22:03Die meisten Stühle, die wir heute als Designerstühle bezeichnen, weisen einfach eine unglaubliche Innovation auf.
22:09Sie waren immer am Puls der Zeit.
22:12Die Designer haben mit neuen Materialien experimentiert, wie man das hier sehen kann, mit Schaumstoffen.
22:17In den 1960er Jahren.
22:19Und sie haben ein Gleichgewicht von Funktion und Ästhetik erreicht,
22:25die den Stuhl dann auch zu einem zeitlosen Objekt gemacht hat.
22:28Wenn ich mir jetzt den da oben angucke, Blow, den man von vielen Filmen kennt,
22:34wo Leute im Pool glücklich auf diesem Sessel schwimmen, das hat sich ja nicht durchgesetzt letztendlich.
22:40Oder gibt es den heute noch?
22:42Den gibt es heute nur noch als Vintage oder eben als Nachbauten.
22:46Also dieses Objekt ist wirklich innovativ, weil es der erste Stuhl ist, wo man auf Luft sitzt,
22:53wo man überhaupt keine tragende Struktur mehr hat.
22:55Was sich, wie man leicht sehen kann, natürlich am Schlauchboten orientiert hat.
23:00Aber was eben zeigt, wie mit PVC damals experimentiert wurde.
23:06Und es war ein Verkaufsschlager Ende der 60er Jahre.
23:09Dieser Stuhl hier ist eins Ihrer Lieblingsobjekte in der Sammlung.
23:13Und den lieben auch Millionen Eltern und Kinder. Der Triptrap.
23:17An dem Triptrap ist besonders, dass er ein Beispiel ist für inklusives Design.
23:21Dass erstmals auch Kinder mitgedacht werden.
23:24Der ist in der Höhe mehrfach verstellbar. Er kann nicht kippen.
23:28Und besonders ist dieses Brett, wo die Kinder ihre Füße abstellen können, dass sie nicht baumeln, sondern stabil sitzen können.
23:37Und er wächst mit.
23:38Richtig. Und es ist ein wirklich nachhaltiger, stabiler Entwurf, der ja auch immer Generationen weiter vererbt wird.
23:47Fast so schön wie Erichs Lampenladen.
23:50Ein Blick ins Depot zeigt die Vielfalt der Sammlung des Vitra Design Museums.
23:56Rund 20.000 Objekte sind über die Jahre zusammengekommen.
24:01Auch die Nachlässe einiger berühmter Designer werden hier verwahrt.
24:05Zum Beispiel der amerikanischen Designlegenden Charles und Ray Eames.
24:10Von ihnen stammt diese Ikone.
24:13Der Eames Lounge Chair.
24:16Wie der entstanden ist, erfährt man auch.
24:20Hier unten gibt's spannende Workshops rund ums Möbelbauen und Design.
24:25Damit wir verstehen, womit wir uns umgeben, wie die Dinge gemacht werden und woraus sie bestehen.
24:34Mit Design verbinden wir das angenehme Leben, die praktischen, schönen und besonderen Dinge, die uns umgeben.
24:42Inzwischen verlieren sie ihre Unschuld und wir fragen nach den Folgen unseres Konsums.
24:50Frau von der Leyen hat ein neues Bauhaus gefordert.
24:55Das helfen soll, die Welt zu retten. Kann Design helfen, die Welt zu retten tatsächlich?
25:00Ich glaube, Design kann einen Beitrag leisten, wenn man Design eben in diesem weit gefassten Verständnis anschaut.
25:09Wenn man Design eben nicht nur als das schöne Produkt anschaut.
25:12Wenn man wirklich akzeptiert und sich auch dementsprechend verhält, dass Design sich mit Produktionszusammenhängen befassen muss,
25:20mit den Materialien, die verwendet werden, mit dem, was mit dem Objekt passiert, wenn es auf dem Müll landet.
25:25Dann wird Design wirklich relevant. Und das ist jetzt nur ein Ausschnitt. Da geht es nur um Nachhaltigkeit.
25:31Man könnte die gleichen Beispiele zum Thema von Gleichberechtigung, von Diversität, von vielen anderen wirklich drängenden Fragen in der Gesellschaft
25:40bringen.
25:41Und dann sieht man, Design hat eine Relevanz, aber Design wird die Probleme niemals alleine lösen können.
25:47Ich glaube, Design war lange Zeit wirklich ein Teil des Problems, was wir hier auf der Welt im Moment haben.
25:54Und jetzt geht es darum, dass es auch Teil der Lösung werden muss.
25:58Und da müssen Designer, genauso wie Politiker, Architekten, Künstler und alle, die irgendwie kreativ arbeiten, zusammenwirken.
26:12Auch das ist Design. Ein blühendes Kunstwerk des Niederländers Piet Audolf, der Poet und Philosoph unter den Gartengestaltern.
26:24Ist das nicht herrlich hier?
26:26Es ist wunderschön. Also dieses Meer an Blüten und Natur mitten dieser Gebäudekomplexe ringsherum, es ist einfach ein Traum.
26:38Der Piet Audolf, der hat eine ganz tolle Idee, finde ich. Er sagt, ein Garten ist eigentlich was, was uns
26:43als Menschen unser eigenes Leben vorführt.
26:46Also vom Frühling, wo alles erwacht, die Geburt bis zum Winter dann den Tod. Und wenn man in einem Garten
26:53lebt, dann kann man das eben mit etwas Glück 70, 80 Mal in seinem Leben erleben.
26:59Wie alles kommt und dann wieder vergeht.
27:02Und dann auch wächst. Ich meine, wie lange braucht so ein Baum zu wachsen?
27:05Hier ist wohl das Schöne auch, dass ohne Unterbrochen irgendwas blüht.
27:09Und guck dir mal das an hier, diese Bienen, die da drin sind. Das ist noch ein Zufluchtsort für Bienen.
27:16Da drüben stehen die Bienenstöcke.
27:18Es ist ganz toll, wie die das angelegt haben.
27:21Wie hat es dir überhaupt gefallen hier im Vitra Design Museum?
27:25Grandios. Also ich muss wirklich die Superlative zu den Superlativen greifen.
27:30Wir haben ja noch nicht mal alles gesehen. Aber das, was wir zusammen erlebt haben, ist einfach ein absoluter Knaller.
27:35Und ich kann Leuten nur empfehlen, hierher zu kommen. Ein superschönes Gelände.
27:55Wohnen, das tun wir alle. Auch deshalb ist das Vitra Design Museum ein ganz besonderes Erlebnis,
28:00weil alles, was wir hier sehen, ganz viel mit uns zu tun hat.
28:04Und sie machen einen Ausflug in die neuere Architekturgeschichte mit kühnen Werken, die heute schon Klassiker sind.
28:11Mein Favorit, das Feuerwehrhaus von Sahara Ditt.
28:16Dasselbe gilt natürlich für die Designsammlung, die zu den größten und besten der Welt gehört.
28:21Dazu die Sonderausstellung, die spannende Fragen zum Design stellen und zur Welt, in der wir leben.
28:26Und die werden ja immer wichtiger.
28:29Wahrscheinlich werden sie nach einem Besuch hier ihre Umwelt mit ganz anderen Augen sehen.
28:33Vielleicht richten sie ihre Wohnung neu ein oder sie fragen sich, wie der Stuhl eigentlich entstanden ist, auf dem sie
28:39sitzen.
28:40Diese Mischung aus drinnen und draußen hier ist einfach toll.
28:43All die Architektur-Ikonen und dann noch dieser paradiesische neue Garten von Piet Adolf, der zeigt, Design ist einfach überall.
28:54Es lohnt sich also absolut nach Weil am Rhein zu kommen.
28:58Und wenn sie ein bisschen mehr Zeit haben, die wunderbare Schweizer Fondation Bayerler liegt, wie so vieles hier, gerade um
29:04die Ecke.
29:04Sie können sogar auf einem Kunstwanderweg hin spazieren.
29:07Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
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