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00:47I was already there.
00:49That whole life is a journey.
00:51I would like to take you a little bit on my personal journey.
00:55We are all from birth to work.
00:58Everything begins with the first place of the first place of the living room.
01:02The uterus,
01:04a warm, warm,
01:06in the body of your mother.
01:08I have to say that.
01:13In this body,
01:14you go from a small bowl
01:16to a roundly worm
01:17with sharp extremities.
01:20And I think that...
01:22That I am.
01:24Oh my God.
01:26Well, before the mother starts,
01:29you have to go out.
01:30And the same thing is great.
01:31The children are so egoman
01:33like the parasites.
01:35They've been nine months around.
01:37And if they're right,
01:39they're right,
01:41they're right.
01:41That's still a large autant.
01:42Yes, they've been leaning into it in the airplane
01:46for the hand of the universe.
01:48And so
01:49It's probably a perturbation of the paradise.
01:52It's a clear use of enttickhhltrsreise.
01:57Man's just not right.
01:59You're right.
02:01blöd aus der Wäsche. Das ist so. Und dann denkt man, warum bin ich komplett eingegipst worden? Was
02:07soll das? Aber das war gar kein Gips, das war, es fühlte sich so an. Ja, aber als mich mein
02:13Großvater zum ersten Mal aus dem Keller holte, um zu gucken, ob ich den familiären Ansprüchen
02:18genügte, da trug ich diesen zeittypischen Raumanzug, so eine Art Kokon, wie in Insektenweben, um die
02:24Brut vor Fressfeinden zu schützen. Ich nehme an, das war auch der Grund, das war ja wie ein
02:32Sarkophag. Wenn ich das Foto sehe, frage ich mich, warum mich meine Eltern Dieter tauften
02:36und nicht Echnaton. So sieht man aus, zu Beginn der Lebensreise. Und diese Reise dauert dann,
02:45bis man seine letzte Ruhestätte findet, die der ersten, nur wenn es gespenstisch ähnelt,
02:50dunkel, muffig, schlechte Luft. Und dann hat man Zeit. Da liegt man ewig, da kann man
02:57sich dann ausruhen. Und zwischen diesen beiden Polen, Geburt und Tod, liegt das Leben, eine
03:02relativ kurze Zeit, die man nutzen sollte. Den Lebensraum sollte man erkunden, das eigene
03:08Biotop verlassen. Und das mache ich sehr gerne. Nachgucken, wie die Menschen so leben, nicht
03:13überall. Es sind ja Menschen auf dem ganzen Planeten. Spuren menschlicher Existenz findet
03:17man heute sogar im Odenwald auch. Also wirklich überall. Auch großartige Natur überall, nicht
03:26nur in Neuseeland oder auch in Botswana. Der hat den Blinker gesetzt hier. Oder im Rheinland,
03:35gibt es das auch, im Rheintal. Da, da, da trug ich die Haare noch offen. Das war in den
03:4170er Jahren. Ich gehöre ja im Grunde zur ersten Generation, der die Welt dann wirklich offen
03:46stand, die reisen konnte, ohne die Länder, die man besucht, zu überfallen. Das war schön.
03:51Das war ein großes Privileg.
04:01Ich bin ja aufgewachsen an dem Zeitalter der motorisierten Fortbewegung. Wir können uns
04:08durch die ganze Welt bewegen heute. Wir laufen, wir fahren, wir schwimmen, wir fliegen oder wir
04:12nehmen das da. Das ist das Fortbewegungsmittel der Wahl. Fast überall in der Welt, in diesem Fall
04:17in Sri Lanka. Das ist ein Tuk-Tuk. Irgendwie kommt man überall hin. Ich war schon, weiß nicht,
04:24wo einem die Schlangen nicht in den Schlafsack kriechen. Da fahre ich gerne hin. Aber da war
04:30ich leider auch schon. Wo einem die Schlangen in den Schlafsack kriechen. Man kriegt es oft zu spät
04:35mit. Ich will sagen, mir ist jedenfalls noch nie was Schlimmes passiert, zumindest nichts
04:39Wesentliches. Klar, war in La Paz, wollte mich mal ein Betrunkener hauen. In Kapstand wollte
04:46meine einer, mein Portemonnaie. In Indonesien hatte ich eine Speikobra im Hotelzimmer. In Chile entkamen
04:54wir nur sehr knapp. Da an diesem Gletscher, einem abbrechenden Gletscherteil. Und ich musste lernen,
04:59dass man in Mopti in Mali als Weißer besser nicht auf dem örtlichen Wochenmarkt Fotos
05:05machen sollte, wenn man mit komplettem Gebiss wieder nach Hause kommen will. Zumindest sollte
05:13man vorher fragen. Dann gucken auch alle freundlich. Und das ist ja dann auch in Ordnung. Dann freuen
05:18sie sich und lächeln und so weiter. In Kathmandu hat mir ein riesiger Makake in meinem Zimmer meinen
05:25Obstkorb leer gefressen. Und zwar während ich schlief, habe ich leider kein Foto von, weil
05:31er saß auf meinem Kamerasack da auf dem Beutel. Ich meine, man sollte auf Reisen durchaus mal
05:36kritisch darüber nachdenken, ob man unbedingt mit offenem Fenster schlafen muss. So ein Affer
05:41hat nämlich gigantische Reißzähne und er schmatzte auch sehr stark. Und dann bin ich aufgewacht
05:47und ein Makake, muss man dazu wissen, ist kein freundliches Äffchen, sondern ein Wildtier mit
05:52unberechenbaren Aggressionen. Hat er aber bereits weitgehend aufgegessen. Wahrscheinlich hat er
05:58deshalb darauf verzichtet, mir die Knochen zu brechen und ein paar Stücke rauszubeißen. Das war
06:02ihm zu aufwendig. Er schwang sich lässig durchs Fenster, über die Regenrinne aufs Dach. Weg
06:08war er. Sehr sportlich, muss man schon sagen. Affen können auch harmlos sein, aber unverschämt
06:15sind sie immer. Der hat mir in Thailand meine Cola weggetrunken, die dumme Sau. Das kann einem
06:23aber auch alles im Odenwald passieren, wie gesagt. Jedenfalls habe ich versucht, die Welt zu bereißen.
06:42Und zwar versucht, überall hinzukommen. Von Japan bis Peru oder von Zambia bis China. Über Georgien auch.
06:57Wunderschön, Georgien, herrliche Berge. Die höchsten Berge Europas übrigens, weil das viele gar nicht wissen.
07:03Die glauben immer noch, es ist der Mont Blanc. Das ist nicht der Fall. Und ich war im Iran, war
07:07ich auch.
07:08Und bin gekommen bis in die Berge des sagenhaften Saarlandes. Ja, ich habe das Saarland ohne Sauerstoffflasche
07:16habe ich es gereist. Ich habe im Saarland mit Eingeborenen gesprochen. Man versteht sie leider nicht.
07:29Das ist ein bisschen doof, aber es war großartig. Natürlich waren da teilweise Länder dabei auf meinen Reisen
07:37auch mit schrecklicher Geschichte. Aus Georgien kam Josef Stalin. Aus Kambodscha kam Pol Pot. Aus dem Iran der
07:43Ayatollah Khomeini. Aus dem Saarland Oskar Lafontaine. Das sollte einen nicht davon abhalten,
07:57da auch mal hinzureisen. Wenn man nur dahin fährt, wo heile Welt ist, da bleibt nicht viel ruhig.
08:02Da kann man eigentlich nur noch nach Mallorca. Vielleicht noch nach Spanien oder auf die Balearen
08:06oder dann noch an Ballermann. Aber ansonsten bleibt nicht viel. Das Reisen ist im Grunde, das muss ich dazu sagen,
08:14das, was mir meinen Beruf ermöglicht. Durch Reisen bekommt man Distanz zur eigenen Lebenswelt.
08:20Und ich bin schon als kleiner Junge sehr gerne gereist. Damals musste ich aus gesetzlichen Gründen
08:28noch meine Eltern mitnehmen. Ging nicht anders. Kann man ja nicht zu Hause allein lassen. Leider habe ich
08:34nur wenige Fotos aus dieser Zeit. Es gab ja noch keine Smartphones. Damals gab es 12er, 24er und 36er
08:41Filme. Und da musste man haushalten. Weil ich meine, was wäre das für eine Katastrophe gewesen,
08:46wenn der Film voll ist, ausgerechnet in dem Moment, wenn Tante Renate auf die Kreuzotter tritt.
08:51Das wäre blöd gewesen. Was ist denn ein Vergnügen wert, an das man sich nicht erinnert.
09:04Aber egal. Seitdem bin ich unterwegs und viele fragen dann, ist das nicht gefährlich? Unterwegs,
09:10immer ohne Eltern. Nein, ehrlich gesagt, gefährlich wäre es mit Eltern gewesen. Mein Vater war Jurist,
09:17der war Beamter. Wenn mein Vater in Rio de Janeiro einem bewaffneten Räuber die Übergabe des Portemonnaies
09:25verweigert hätte, weil der ihm keinen Empfangsbeleg unterschreiben wollte, es wäre schwierig geworden.
09:33Auf Reisen ist man relativ oft im rechtsfreien Raum. Da muss man lächeln, um nicht auf die Fresse
09:39zu kriegeln. Lächeln hilft nicht immer, aber sehr oft. Man muss halt wissen, was es jeweils im Land
09:45bedeutet. Lächeln bedeutet im Wesentlichen nämlich überall was anderes. In Äthiopien zeigt dann Lächeln an,
09:53was es auch bei uns anzeigt, Freundlichkeit hier. Es sagt, hier besteht keine Absicht zur Gewaltausübung.
09:59Das ist schön. In Rio de Janeiro bedeutet ein Lächeln, dass das Portemonnaie schon weg ist.
10:15Und in Japan zeigt ein freundlicher Gesichtsausdruck gar nichts, weil Lächeln da eine Bürgerpflicht ist.
10:21Da glotzt man nicht aus der Wäsche, als hätte man schlechte Laune. Da kann ein Lächeln bedeuten,
10:26ich respektiere dich. Es kann aber auch sagen, du bist hässlich und mein Tag wird besser sein,
10:30wenn du mir nicht mehr im Blickfeld stehst.
10:34Der Unterschied ist für Kulturfremde gar nicht zu verstehen. Aber das hier, das ist ein Gesichtsausdruck,
10:46der gerade noch geht in Berlin. Da denkt der Berliner schon, der nimmt was, aber nichts Schlimmes.
11:00Das tut er wohl nicht. Ich kenne den. Der ist drogenfrei. Lächeln ist eine Ansage. Ich tue dir nichts,
11:11dann tust du mir auch nichts. Das ist das Prinzip des Lächelns. Gelächelt wird überall auf der Welt.
11:17In Dakar, im Senegal. Das ist dann nett. Oder hier in Indien, Omka Respa. Nett, nett.
11:24Sofort ist eine andere Stimmung. Oder er hier in Kambodscha. Was für ein freundlicher junger Mann.
11:29Da sitzt nicht. Sofort hat man das Gefühl, da passiert nichts. Das ist das Schöne am Reisen,
11:35wenn sich völlig fremde, freundlich und offen begegnen. Wir Deutsche sind ja früher gerne mit dem Panzer ins Nachbarland gefahren
11:42und haben uns dann gewundert, dass wir nicht begeistert empfangen wurden.
11:46Außer in Österreich. Das war ja schon fast übertrieben, muss man sagen.
11:57Nachbarländer überfallen, das machen wir heute nicht mehr und das erhöht die Lebenserwartung.
12:01Der Mensch wird, wenn er nicht gerade Jahre im Schützengrahmen verbringt, in der Regel 80 oder 90 Jahre alt.
12:07Das ist eine erstaunliche Leistung für ein Wesen, dem man im Krabbelalter erstmal beibringen muss,
12:12nicht mit der Zunge in der Steckdose rumzulecken.
12:16Ich gehe bald wieder zur Darmspiegelung. Darmspiegelung ist übrigens gut.
12:20Ich gehe ja wie gesagt eigentlich drogenfrei durchs Leben, aber bei der Darmspiegelung,
12:25da gibt es immer Propofol. Nicht Propofol. Propofol. Versteht ihr das?
12:28Das ist, nicht den Propofol, das auch, aber das ist, nein, das ist.
12:35Manchmal kommt man durcheinander mit den Worten. Nein, Propofol.
12:41Propofol. Propofol.
12:42Propofol, das ist die Droge, die Michael Jackson so kinderlieb gemacht hat.
12:46Da kriegt man eine Dosis, dann fängt man erstmal ein bisschen an zu gackern,
12:51dann singt man ein paar zotige Lieder und dann pennt man weg. Das ist herrlich.
12:54Und währenddessen werden völlig unbemerkt die ganzen unangenehmen Wartungsarbeiten durchgeführt.
12:58Große Inspektionen, Ölwechsel, Dichtung, Überprüfen und so weiter.
13:02Was mich stört, ist, dass man immer vorher so eine Zettel unterschreiben muss.
13:07Irgendwo draufsteht, dass wenn der Arzt den Darm versehen nicht entfernt,
13:10dass man da nicht nachtragend ist oder dass wenn man stirbt,
13:14dass man da nicht gleich ein Fass aufmacht, sondern sagt, komm vor.
13:17So ein Darm, der Darm ist sowieso überschätzt.
13:22Ich bin in einem Alter, in dem man ja eigentlich keine nennenswerte Verdauung mehr hat.
13:25Das Essen betritt den Körper, geht durch bis zur Hüfte und sagt, hier bleibe ich.
13:35So, das hast du ja.
13:41Auf der einen Hüfte hängt die Pizza vom Montag und auf der anderen ein Haufen Kokoseeis.
13:46Und dann wird man entweder kugelrund oder man gibt das Essen auf.
13:49Oder man fängt an zu rauchen.
13:51Rauchen macht schlank, aber dann stirbt man früher.
13:54Ist auch blöd.
13:55Also in der Regel.
13:56Es gibt ja immer wieder Leute, die dann ankommen und sagen,
13:59ich kenne aber einen, der raucht, der ist 105 geworden.
14:02Siehste, siehste.
14:03Das ist Schwachsinn.
14:05Also, grundsätzlich kann man nicht mit einem Einzelfall kommen,
14:09um eine Wahrscheinlichkeitsrechnung zu widerlegen.
14:11Die meisten Nichtschwimmer sterben, wenn sie aus dem Boot fallen.
14:17Da kann man nicht sagen, aber mein Onkel Herbert ist auf eine Robbenbank gefallen.
14:21Das ist gar nicht gefährlich.
14:23Ja, Schwachsinn.
14:33Das ist übrigens hier in Namibia.
14:38Boah, seid ihr froh, dass es ein Foto ist.
14:40Die stinkt, die Robbenbank.
14:41Das hältst du nicht aus.
14:42Da ersolvst du lieber.
14:43Ganz ehrlich.
14:46Was wollte ich eigentlich sagen?
14:48Achso, ich mag diesen grundsätzlichen buddhistischen Gedanken,
14:50dass jeder für sich selbst verantwortlich ist und alles, was er tut, trägt bei zum großen Ganzen
14:56und wirkt wieder zurück auf dich.
14:59Das finde ich, das nennt man Karma.
15:01Ein gutes Karma zu sammeln ist wichtig.
15:04Man will ja nicht als Darmbakterie wiederkommen.
15:08Das stelle ich mir sehr erstrebenswert vor, das zu unterlassen.
15:13Die Buddhisten glauben, dass man dafür beten muss.
15:16Das ist Ansichtssache, aber die glauben, und das glauben ja auch viele in anderen Religionen
15:23und so weiter, jedes Mantra hilft, jedes Gebet hilft und deswegen wird immer gebetet.
15:28Im Buddhismus wird immer gebetet und weil man das gar nicht schafft, immer zu beten,
15:32weil man immer was anderes tun muss, einkaufen, Nagelflege, Popeln und so weiter,
15:35oder was der Mensch halt so macht, wenn der Tag lang ist.
15:38Deswegen werden die Gebete auf Fähnchen geschrieben, beziehungsweise das sind schon massive Fahnen hier.
15:44Und der Wind verteilt sie, auch bei schlechtem Wetter.
15:47Wunderschön, weil der Wind da auch immer weht.
15:51Bei Flaute muss man sich halt was anderes einfallen lassen.
15:54Da gibt es aber auch Möglichkeiten.
15:55Dafür gibt es dann die Gebetsmühle hier.
15:58Die muss man drehen, da stehen Mantras drauf.
16:01Mit einem Mal drehen sind ganz viele Gebete unterwegs durch die Luft.
16:05So meditiert es sich mit enormer Geschwindigkeit bei extremer Effizienz.
16:11Mönche machen auch gerne Mandalas, um den Geist zu lehren.
16:16Da war ich in Indien, in Nordindien, im Ladakh, wo auch nur Buddhisten leben.
16:20Und wenn ich den Geist völlig abstellen will, dann mache ich sowas wie Mandalas.
16:25Also in Indien.
16:26Zu Hause hier, ich gucke Fußball.
16:35Und wenn ich eine lange Meditation möchte, dann gehe ich ohne Handy aufs Klo.
16:40Jeder hat seins.
16:43Und das lernt man auf Reisen.
16:44Reisen öffnet den Geist.
16:47Auf Reisen lernt man nichts ist selbstverständlich.
16:49Alles ist überall anders.
16:51Selbst die Zeit, selbst die Zeit ist anders.
16:54Also nicht nur die Uhrzeit, die auch, aber vor allem das Zeitempfindenden.
16:59Da, in Afrika zum Beispiel, da nimmt man die Zeit langsamer wahr als in New York.
17:07Da verabredet man sich um 6.30 Uhr.
17:10Wenn man um 6.31 Uhr kommt, schickt man schon eine WhatsApp, damit der andere nicht erbost ist.
17:17In Afrika verabredet man sich anders.
17:19Festgelegt wird ein Treffpunkt an einem Baum, Anfang der Woche.
17:25Lachen Sie dich, das ist so.
17:26Hektiker legen noch einen bestimmten Tag fest, aber das sind schon, das gilt da schon als penibel.
17:33Morgens oder abends wird gar nicht festgelegt.
17:35Wird sich zeigen, es wird sich auch nicht zusammen telefoniert.
17:37Warte Zeit ist Quality Time.
17:40Und dann guckt man.
17:41Dann schaut man, wenn man damit fertig ist, guckt man wieder.
17:44So ist das.
17:46Die Menschen sind unterschiedlich.
17:48Und beim Reisen wird einem dann auch schlagartig klar,
17:52dass man mit diesen unterschiedlichen Menschen Weltprobleme nicht einheitlich für alle lösen kann.
17:58Wie soll das denn gehen?
18:00Im grünen Ortsverein sorgt man sich, dass es so wenig Parkplätze für Lastenfahrräder im Ortskern gibt.
18:05In Deshnok in Indien interessiert das keine Sau.
18:09Da sorgt man sich um die Fütterung der Kleinnager im örtlichen Rattentempel.
18:14Jeder hat andere Prioritäten.
18:17Menschen interessieren sich in unterschiedlicher Weise für den Fortgang der Welt.
18:21In Deutschland weinen die Jugendlichen, weil sie an den Untergang der Menschheit im Klimainferno glauben.
18:29In Arabien sagt man, Inschallah, Inschallah, bedeutet so viel, wie es der liebe Herrgott einrichtet, so wird es geschehen.
18:36Und dann ist gut, machst nichts dran.
18:40Irgendwo in der Mitte liegt, glaube ich, die Wahrheit.
18:42Also im islamischen Kulturbereich wird Schicksalhaftigkeit aber noch geduldet.
18:47Das finde ich auch gut.
18:48Da sagt man einfach, ja, das ist passiert.
18:51Bei uns gibt es für alles, muss ein Schuldiger gefunden.
18:54Kein Unfall, in dem ich die Schuldprozentgenau zwischen den Unfallparteien aufgeteilt wird,
19:00auch wenn der eigentlich Schuldige doch das Schicksal ist.
19:03Das Wetter, Scheiße oder Fuchs plötzlich oder Schnaps, weil man ja betrunken auch oft am Steuer einschläft,
19:11da kann man doch nichts für, ja, und das ist das Schicksal.
19:21Ich persönlich komme ja aus einer von Berlin aus gesehen sehr fernen Gegend, dem Rheinland,
19:27wo man sagt, jeder Jeck ist anders.
19:30Da hat man das schon geblickt, schon sehr früh, dass jeder Mensch eben,
19:34dass man das gar nicht miteinander, dass das nicht kompatibel ist.
19:38Aber das geht irgendwie.
19:41Das sagt dieser Satz.
19:42Jeder Jeck ist anders.
19:44Dann fährt man hinaus in die Welt und denkt, genau so ist es.
19:49Nichts geht über einen unvoreingenommenen Blick aus dem Fenster,
19:54der mit einem Stangen belohnt wird.
19:56Wie hier zum Beispiel im Oman.
19:59Man sagt ja, Reisen bildet.
20:01Das Wichtigste, was man beim Reisen lernt, ist, wie viel man nie begreifen wird.
20:07Man erkennt, wie unterschiedlich Lebenskonzepte sein können.
20:11Und das einem das seltsame Zuhause nur deshalb selten auffällt,
20:14weil man sich an die Verschobenheit der Verwandten gewöhnt hat.
20:18Überall auf der Welt gibt es unterschiedliche Vorstellungen von Politik, von Religion, von Kunst.
20:23Hier, das ist japanische Malerei des 17. Jahrhunderts.
20:28Das sieht extrem modern aus für uns.
20:31Bei uns kann man barocke Steinbildhauerei bewundern.
20:35Oder hier eine aserbaidschanische Installation.
20:40Oder Skulptur in Moldawien.
20:44Jeder Jeck ist anders.
20:45Die Welt sieht im Libanon erheblich anders aus als in Argentinien.
20:52Und die Menschen haben in Marokko ganz andere Sitten und Gebräuche als beispielsweise in Peru.
21:00In China sieht sogar die Vergangenheit anders aus als die Gegenwart.
21:06Was man auf der ersten Reise kennengelernt hat, erkennt man bei der zweiten schon gar nicht mehr wieder.
21:13Vor Jahren war die Luft in den Städten in China total beschissen, die Luft.
21:17Zwei-Tag-Mopeds und so die blauen Wolken hinter sich erzogen.
21:21Und ein Lärm.
21:22Inzwischen suchen da Elektroroller, die jeden Europäer über den Haufen fahren,
21:26weil der glaubt, was sich bewegt, kann man auch hören.
21:28Nein.
21:31Nein.
21:32Nein.
21:40Weil wir aus der Vergangenheit kommen.
21:43Die Welt sieht nicht nur woanders anders aus, selbst das andere ändert sich noch ständig.
21:48Die Welt ist eine Wundertüte, eine fantastische Theaterbühne.
21:51Und es ist so ein Jammer, dass uns unsere westliche Fortschrittsfeindlichkeit
21:55die Welt ausschließlich als apokalyptische Suizidmaschine wahrnehmen lässt.
21:59Ich möchte, wenn ich reise, auch einfach mal staunen über die Vielfalt der Welt
22:05und über das ganze Bizarre, was man auf Reisen sieht und lernt.
22:10Ich war viel in China.
22:12Der Chinese, das hört schon, wie die Landschaft da aussieht, Wahnsinn.
22:16Der Chinese hat eine unglaublich blumige Sprache.
22:19Wenn er in den Wald geht, sagt er nicht, ich gehe in den Wald.
22:22Er sagt wörtlich übersetzt, ich nehme ein Waldbad.
22:27Der Chinese besucht auch oft den Ort der inneren Glückseligkeit.
22:31Das ist beneidenswert.
22:32Denn bei uns gibt es Menschen, die nennen diesen Ort ganz profan Scheißhaus.
22:36Das ist nicht schön.
22:45Jeder Jeck ist anders.
22:47Der eine geht nicht ohne Krummsäbel aus dem Haus, der andere hat eine Kalaschnikow
22:51und der dritte bevorzugt die Pistole.
22:54Meine Erfahrung ist, oft steckt auch hinter einer automatischen Waffe ein liebenswerter Geist.
23:01Wenn nicht, hat man allerdings Pech gehabt.
23:12Wir können heute auf die Welt schauen, wie nie ein Mensch zuvor.
23:16Das ist doch toll.
23:17Wir können sogar fliegen.
23:18Wahnsinn.
23:19Für ein paar Ocken buchen wir uns einen Sitzplatz über den Wolken
23:23und schauen auf die Welt in einem Winkel, der früher Gott vorbehalten war.
23:28Und statt diesen Umstand zu feiern, jedes Mal, wenn wir in einem Flugzeug sitzen,
23:34beklagt sich die Pfeife in der Reihe vor mir,
23:36weil der Stuart bei einer kleinen Turbulenz ein bisschen Tomatensaft geschlabbert hat.
23:41Für solche Leute sollte es eine Klappe unter dem Sitz geben,
23:45die man bei jedem Bedarf öffnen kann.
23:56Um das Arschloch rauszugeben.
23:59Von mir aus mit Fallschirmen.
24:00Ich bin ja Humanist.
24:02Aber es gibt so viele Psychos auf der Welt.
24:05Aber, na gut, wer ist sich schon wirklich sicher, dass er nicht dazugehört?
24:14Ein guter Freund von mir betreibt Psychoanalyse.
24:16Und der sagt immer, der Unterschied zwischen einem ganz normalen Irren und einem Irren-Normalen
24:20besteht darin, dass beide Irre sind.
24:25Nur der eine hat mit seinem Wahn Probleme, aber der andere auch.
24:30Bloß er merkt es nicht.
24:33Freud teilte ja damals unsere Persönlichkeit ein in Ich, Über-Ich und Es,
24:38damit man als gespaltene Persönlichkeit wenigstens noch mit sich selber Skat spielen kann.
24:42Leider erreichen nur wenige Menschen einen Krankheitsgrad,
24:46in dem sich die einzelnen Teile so weit verselbstständigen,
24:49dass man sich selbst nicht mehr in die Karten gucken kann.
24:57Die psychoanalytische Grundsituation sieht ja aus wie hier im Sudan.
25:02Das sieht aus wie eine verlassene Praxis eines Psychiaters.
25:08Patient auf der Couch, Therapeut, saß sitzend dahinter, der Patient spricht
25:12und schon hat er das Gefühl, er ist immer noch bekloppt, aber er hat mal drüber geredet.
25:18Manchmal stellt sich auch die Frage, wer ist eigentlich wirklich der Verrückte,
25:21der Therapeut oder der Patient?
25:23Ich denke in der Regel beide.
25:25Die Welt ist nicht nur bei Bekloppten, anders als wir sie wahrnehmen,
25:30das wissen sogar Physiker.
25:31Physiker, E gleich mc², die berühmteste Formel der Menschheitsgeschichte.
25:36Bedeutet, Masse ist gleich Energie.
25:40Materie, wie wir sie wahrnehmen, gibt es nicht.
25:42Das ist physikalisch bewiesend.
25:44Dazu kommt, die Bausteine von allem sind so klein
25:47und zwischen den ganzen Protonen und Quarks ist unfassbar viel Platz.
25:51Wenn man sich einen Atomkern wie einen Golfball vorstellt,
25:54dann ist da ganz hinten irgendwo im Raum ein winziges Elektron, kleiner als der Golfball.
26:02Die physische Welt ist real so gut wie leer.
26:06Unsere Vorstellung von Substanz ist eine Konstruktion unseres Gehirns.
26:10Das ist nicht esoterisch, das ist Physik.
26:12Das sieht alles groß aus da draußen.
26:15Das ist übrigens nicht das Matterhorn, das ist Matscha Puschare.
26:19Nepal, 2000 Meter höher als das Matterhorn.
26:22Das besteht aus nichts.
26:24Der Mond, da war ich noch nicht.
26:28Den habe ich von unten fotografiert.
26:31Der sieht schwer aus, der hängt da in der Luft.
26:34Beziehungsweise, da ist ja keine Luft, nicht mal Luft.
26:36Der fliegt, beziehungsweise fliegt der über uns oder wir über ihm.
26:39Niemand weiß, wo im Weltall oben und unten ist.
26:42Der ist auch nicht dick, das sagt man ja auch nicht mehr.
26:45Dick, das verdanken wir der Quantenphysik, dass wir wissen, dick gibt es nicht.
26:49Genauso wenig wie übergewichtig, es gibt body positive.
26:52Ne, das ist...
27:02Oder mehrgewichtig, sagt man auch.
27:04Oder curvy, kräftig.
27:06Ne, korpulent.
27:07Also mollig, pummelig.
27:11Beleibt, beleibt, völlig vollschlank, üppig, gewaltig, gigantisch, monströs.
27:18Eine Tonne vor dem Herrn, der Mond ist fett wie ein Walfisch, das ist unfassbar.
27:23Aber beim Reisen müssen wir nicht Astronauten auf der Erde bleiben, um eine Wirklichkeit kennenzulernen, die es gar nicht gibt.
27:36Wir sollten deshalb die Fremdheit genießen und uns von der eigenen Verwirrtheit unterhalten lassen.
27:42Ich glaube, das ist auch ein Sinn, ein großer, ein wichtiger Sinn des Reisens.
27:47Als Reisender sieht man die Welt als Chaos, in dem alles zusammenhängt, so ein bisschen wie die Stromkabel, die überall
27:53auf der Welt in unentwirrbaren Knäueln an den Masten hängen.
27:56Und ab und zu springt die Sicherung raus, weil ein Vogel auf eine offene Stelle gekackt hat oder weil irgendwo
28:01jemand versucht hat, ein Rechenzentrum an einer Haushaltssteckdose zu betreiben.
28:05Aber es gibt auf der Welt beeindruckende Strategien, das Chaos zu besiegen, sich zu arrangieren, Ordnung zu schaffen.
28:14In Zentralafrika gibt es Dörfer, die sehen immer noch aus wie aus dem Almanach des Kolonialisten.
28:20Kreisrunde Lehmhütten, Strohdächer, herrlich.
28:22Und man assoziiert dann sofort, wenn man ehrlich ist, komm, so ein bisschen was herrlich rückständiges suchen.
28:30Nein, die haben da auf jedem Dorfplatz, nicht nur Internet, sondern auch hier in der Sahelzone ist das, eine Palaverhütte.
28:41Da treffen sich die Dorfbewohner, wenn es was zu besprechen gibt.
28:44Und da gibt es eine geniale technische Erfindung, die Sie auf diesem Foto auch sehen können.
28:49Diese Erfindung garantiert, dass die Diskussionen zivilisiert vonstatten gehen.
28:53Die Hütten haben ein sehr tiefliegendes, flaches und sehr schweres Dach.
28:59Und selbst wenn die Diskussionen lebhafter werden, die Aggression steigt.
29:04In diesen Palaverhütten kann niemand aufstehen und mit den Fäusten wedeln wegen der niedrigen Decke.
29:12Genial!
29:15Vielleicht ging es auch in unserem Bundestag gesittet dazu, wenn die Deckenhöhe im Reichstag nur 80 Zentimeter betragen wird.
29:32Leider geht es in Afrika nicht überall so entspannt so.
29:35Das muss man sagen, das geht im Straßenverkehr los.
29:37Ich habe aus zahlreichen Weltreisen eine ganz wichtige Erkenntnis mitgebracht.
29:42Der Fahrstil im Land ist ein direktes Spiegelbild des Zivilisationsgrades.
29:47Ganz hinten auf meiner sehr subjektiven Rangliste rangiert Bolivien.
29:52Meine These ist, dass der sehr verbreitete Geisterglaube da dazu führt, dass viele Fahrer das Schicksal entscheiden lassen wollen, ob
29:58man auf der Erde verweilt oder zu den verstorbenen Ahnen übersiedelt.
30:05Man liegt dann auch im Friedhof natürlich auch sehr landschaftlich schön in den Anden, das muss man schon sagen.
30:11Der Fahrstil grenzt an Todessehnsucht.
30:14Zu sagen, die Menschen fahren dort wie die Wildsau, wäre eine Beleidigung für unser heimisches Schwarzbild.
30:22Dort, wo die Menschen glauben, verliert das Jenseits offenbar seine Schrecken.
30:26Schon in der Tivanako-Kultur gab es offensichtlich romantisierende Vorstellungen vom Tod.
30:31Da in Bolivien, da gibt es Mumien im Jutebeutel, die davon zeugen, dass man sich das Jenseits ungefähr so vorstellte
30:37wie im Mutterbauch.
30:38Nur, dass man rausgucken konnte.
30:40Für den Schädel gab es so einen kleinen Ausguck.
30:43Oben, das Leben in Bolivien ist ohnehin sehr stark vom Tod geprägt, lauert überall.
30:49Als mich ein ortskundiger Begleiter ins Taxi zum Hotel setzte, gab er mir noch den Ratschlag, keinen Meter vor dem
30:56Hotel auszusteigen, wenn ich die Reise überleben wolle.
30:59Und dann fotografierte er das Taxi von allen Seiten und drohte dem Fahrer, dass er sollte ich jetzt nicht innerhalb
31:05der nächsten Stunde bei bester Laune telefonisch bestätigen, dass ich heil im Hotel angekommen bin.
31:10Dass er dann dafür sorgen würde, dass er vom Polizeipräsidenten persönlich erschossen würde.
31:16Und der Mann brachte mich sicher nach Hause und beachtete teilweise sogar die Ampelfasen.
31:29Ich bin kein großer Freund des Todes. Vielleicht halte ich mich auch deshalb wenigstens ab und zu an die Verkehrsregeln.
31:33Und das ist nicht überall so. Auch Mali ist zum Recht nicht berühmt für die Fahrkünste seiner Bewohner.
31:41Die Fahrfähigkeiten sind etwa auf dem gleichen Niveau wie die Straßen.
31:47Wir hatten da einen Fahrer und haben Sie Zeit, dann erzähl ich die Geschichte noch kurz.
31:53Wir dachten, der sieht genau wie wir, dass da in der Ferne ein Esel auf der Fahrbahn steht.
31:59Der stand da kurz vor Songo hieß der Ort, aber er fuhr, der fuhr weiter.
32:03Der fuhr und fuhr und wir näherten uns dem Esel und die Geschwindigkeit blieb gleich.
32:09Und mein Gedanke war, dass unser Fahrer wahrscheinlich einen magischen Trick kennt,
32:18mit dem er das Fahrzeug in die Luft über den Esel hinweg...
32:24Nein, nein, hatte er nicht. Ich muss an dieser Stelle zugeben, der Gedanke war auch nicht direkt realistisch,
32:29aber die Situation war völlig surreal. Der fuhr einfach weiter.
32:32Noch wenige Meter vor dem Esel habe ich mich gefragt, wann bremst der?
32:38Da dachte ich, und die Antwort war einfach. Gar nicht. Das war so.
32:45Es war ein richtig schwerer Schlag und ich dachte, oh Gott, dachte ich als erstes der arme Esel.
32:51Und ich wusste gar nicht, ob ich den Esel meinte oder den Fahrer, das weiß ich nicht mehr.
32:56Aber der Esel stand, das war wirklich so, er stand einfach auf, schüttelte sich
33:01und stellte sich exakt wieder an die Stelle, an der er gestanden hat. Das ist kein Scherz.
33:16Er fühlte sich offenbar als Sieger in dieser Auseinandersetzung und er hatte recht.
33:22Er stand unbeeindruckt stolz.
33:26Der Wagen im Arsch. Vollständig.
33:28Ja. Kühlung kaputt, Stoßstange verknotet, Motorhaube zerknittert.
33:32Wir mussten dann noch mit dem Wagen in die nächste Stadt kommen.
33:34Alle paar hundert Meter muss man Pause machen, damit der Motor ohne Kühlung nicht überhitzte und so weiter.
33:38Und irgendwann musste ich den Fahrer einfach fragen, warum er nicht gebremst hat.
33:43Und ich habe die Frage sehr höflich formuliert, weil er auch größer war als ich.
33:47Und meine einzige Kontaktperson in einer Gegend, in der man als Weißer nicht allein auf einer Landstraße zurückbleiben möchte.
33:56Und dann sagte er, dass er bis zum letzten Moment geglaubt hätte, der Esel würde zur Seite gehen.
34:04Ich glaube, wenn es wirklich so ist, wie es bei uns heißt, dass der Klügere nachgibt,
34:09dann muss man sagen, zwischen Esel und Fahrer unentschieden.
34:24Und dann sagt er noch, Hühner würden ja auch im letzten Moment wegfliegen.
34:28Ich wollte ihm noch erklären, dass Hühner keine Esel sind.
34:33Aber ich wusste, es hat keinen Sinn.
34:34Es hat keinen Sinn.
34:35Das wäre auch irgendwie, ja klar, es wäre schon wieder, ich will mich ja nicht benehmen wie so ein Kolonialist.
34:41Ich bin heute auch der Meinung, dass man nicht jedem Deppen mitteilen muss, dass er einer ist.
34:45Und vor allem dann, wenn es hoffnungslos ist.
34:48Für unsere Abiturienten, die in der Stadt aufgewachsen sind, muss ich jetzt an dieser Stelle erklären,
34:52Hühner sind keine Kunstflieger, aber ihre Flugfähigkeit ist erheblich ausgeprägter als die von Eseln.
35:08Stellen Sie sich auch manchmal die Frage, ob es im Universum intelligentes Leben gibt.
35:13Bei uns auf der Erde bin ich nicht sicher.
35:16Bekloptheit gibt es und zwar fast überall, wo auch Menschen sind.
35:19Wahrscheinlich ist einfach alles zu komplex, weil ja auch vermeintlich einfache Aufgaben unglaublich viel Hirnaktivität erfordern.
35:27Das überfordert die Menschen, zum Gehen zum Beispiel.
35:30Man denkt, das ist einfach, wir setzen einen Fuß vor den anderen und so.
35:34Aber da feuern Milliarden Neuronen, Muskelkoordination, Orientierung im dreidimensionalen Raum.
35:40Das Hirn muss rödeln und am Ende läuft man trotzdem wieder mit dem kleinen Zeh gegen die Türkante.
35:46Und dann steht man da.
35:53Der Schmerz steigt ganz langsam nach oben und man fragt sich, bin ich eigentlich bescheuert?
35:58Und das ist auf jeden Fall schon mal eine gute Frage.
36:02Die Frage ist natürlich auch, wäre mehr Intelligenz überhaupt wünschenswert?
36:06Haben die Menschen nicht mit ihrer scheinbaren Intelligenz schon furchtbaren Schaden angerichtet?
36:11Furchtbare Dinge erfunden.
36:12Ich meine nicht nur die Atombombe, sondern auch singende Schlümpfe oder Laubsauger.
36:19Aber der Mensch ist auch die einzige Kreatur, die in der Lage ist, Zeichensysteme zu entwickeln, um Ordnung in den
36:28Alltag zu bringen.
36:29In Tokio zum Beispiel kauft man einen Fahrschein für die Bahn.
36:34Der beinhaltet eine Sitzplatzreservierung.
36:36Auf dem Bahnsteig ist aufgedruckt, wo der Wagen hält, mit der Wagennummer.
36:42Genau welche Wagennummer wo.
36:44Es gibt in Japan gar keine Übersetzung für Begriffe wie umgekehrte Wagenreihung heute ohne Halb in Bochum.
37:00Bei uns ist es ja so, dass der Zug am Montag von Hamburg nach München gerne mal am Dienstag fährt.
37:05Und zwar von Aachen nach Leipzig.
37:09In Japan ist es so, wenn der Shinkansen mehr als 30 Sekunden spät ist, erscheint der Stationsvorsteher und entschuldigt sich
37:16durch zahllose Verbeugungen bei der Kundschaft.
37:18Ab drei Minuten Verspätung enthauptet er sich selbst mit einem riesigen Beil.
37:27Hat man mir gesagt. Ich habe es nie gesehen.
37:30Ich vermute, dass es im Japanischen einen Begriff gibt, der übersetzt lauten würde Shinkansen Verspätungsbeil oder so.
37:37Ich bin gerne als für die Küche gehofft.
37:38Nein, weiß ich nicht. Ganz so ist es wahrscheinlich nicht.
37:42Aber es funktioniert alles besser da.
37:43Man sieht, dass der Mensch global unterschiedliche Ordnungssysteme erfunden hat.
37:49Die Mönche in Myanmar ordnen ihren Alltag mit jahrhundertealten Verhaltensregeln.
37:55Und sie verzichten auf Besitz zum Beispiel.
37:58Die Frage ist doch, wie viel materiellen Wohlstand braucht der Mensch?
38:02In Deutschland gilt ein Herrenschuhschrank mit mehreren Paaren nicht als sonderlicher Luxus.
38:07Und in Peru dagegen wirkt man schon mit Chanel-Kostüm und Hermes-Tuch als exaltiert.
38:14Und wer mit den Manolo-Blanic-Pumps auf dem Kopfsteinpflaster umknickt, muss mit Helme rechnen.
38:21Eines der unglücklichsten Gesichter, das ich je gesehen habe, war das eines Jachtbesitzers,
38:26dessen dreistöckiges Luxusboot für alle sichtbar zwei Meter kürzer war, als das Schiff, das nebenan ankerte.
38:33Auch ein sehr großes Vermögen ist keine Versicherung gegen Schicksalsschläge.
38:39Nachgewiesenermaßen wächst das Lebensglück ja nicht mit dem Geldbetrag, der einem zur Verfügung steht.
38:43Im Gegenteil, ab einer gewissen Höhe des Einkommens sinkt das Glück sogar,
38:46weil die Vermögensverwaltung neue Sorgen generiert.
38:49Und dann fragt man sich, warum streben dann selbst Menschen,
38:52die bereits über exorbitantes Eigentum verfügen, die Mehrung ihres Besitzes an?
38:59Weil sich das menschliche Befinden eben nicht um das Ökonomische dreht,
39:03sondern um Bedeutung, Selbstwert, Anerkennung.
39:07Das Geld ist praktisch das, was das alles ausdrückt.
39:10Und deswegen machen die das.
39:12Und weil an den Ankerpunkten längere Yachten liegen, die es zu übertreffen gilt.
39:18Man kann sich als durchschnittlicher Arbeitnehmer kaum vorstellen,
39:21wie sehr es das Befinden wohlhabender Menschen beeinträgt,
39:24wenn sie spüren, wie arm sicherlich ihre Weißgold-Daytona-Rolex gegen eine Patek Philipp Nautilus wirkt.
39:33Es gibt Menschen, die in ihrer verzweifelten Selbststilisierung als Genussmensch
39:45einen Chateau-Petrus aus dem Pomerol von 1982 zum Abendessen entkorken,
39:51obwohl sie während der Corona-Pandemie ihren Geschmackssinn verloren haben.
39:58Das ist gut so.
40:04Das Lebensglück ist über die ganze Welt relativ gleich verteilt.
40:10Glückliche Menschen gibt es in Tokio wie im Jemen.
40:15In den USA gibt es glückliche Menschen genauso wie in Bhutan.
40:22Und woraus dieses Glück besteht, werden wir in diesem Leben wohl nicht mehr herausfinden.
40:27Da können wir uns noch so viel umschauen in der Welt.
40:30Da können wir uns umschauen in Nepal oder im Sudan.
40:34Wir sind die schlauesten Wesen auf diesem Planeten.
40:37Und ehrlich gesagt, das ist jetzt kein besonders anspruchsvoller Titel.
40:40Die Nächsten hinter uns sind Oktopus, Rausschwein und Pudel.
40:45Um die zu übertrumpfen, muss man jetzt nicht Einstein sein.
40:48Mit unserem hochentwickelten Gehirn sind wir in der Lage, Großvater zum Sipsisten eine Bauchtänzerin zu bestellen.
40:53Immerhin ist nicht viel, aber ist schon was.
40:58Und deswegen wollen die meisten von uns nicht auf ihr Gehirn verzichten.
41:01Im Gegenteil, wir sollten es pflegen und nicht ständig TikTok glotzen.
41:05Das Hirn ist empfindlich, ruckzuck ist kaputt.
41:07Da ist man total verblödet und muss den Rest seines Lebens damit verbringen, Katzenfilme zu gucken.
41:22Die Welt ist größer als ein Display und sie findet im Wesentlichen außerhalb des Smartphones statt.
41:29Ich kann Ihnen nur empfehlen, schauen Sie sich da draußen um.
41:33Fahren Sie nach Island oder was.
41:36Oder nach Mexiko.
41:39Vielleicht auch einfach mal an den Bodensee.
41:42Oder nach Chile.
41:46Hauptsache, Sie spüren, es gibt da draußen mehr, als sich mit dem Lastenfahrrad erreichen lässt.
41:53Ich wünsche gute Reise.
41:54Dankeschön.
41:55Vielen Dank.
41:57Vielen Dank.
42:12K�
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