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00:016 Uhr morgens in Mennedorf am Zürichsee. Denise Kaya-Dehlen ist auf dem Weg zum Training.
00:09Es ist kalt, es ist dunkel, ich bin alleine und es kostet mich immer wieder Überwindung.
00:16Das tägliche Training ist zur Routine geworden, ob Sommer oder Winter.
00:21Ich konnte mir niemals vorstellen, unter 20 Grad ohne Neoprenanzug zu schwimmen und das kommt nicht von heute auf morgen,
00:27es ist auch nicht nur Charaktersache.
00:28Das muss man auch aktiv trainieren, sich nicht von den Ausreden ablenken zu lassen.
00:36Motivation ist eine der psychologischen Prozesse und Mechanismen, die glaube ich so wichtig wie kaum ein anderer ist.
00:44Grundsätzlich kann man sagen, dass wir ohne Motivation als Spezies nicht existieren würden.
00:52Die Frage ist letztendlich, wie kann ich eventuell auch mit kleineren Stellschrauben das Verhalten in eine Art,
00:58bestimmte gewollte Richtungen drehen und lenken.
01:19Meine Lieblingsstrategie ist immer ein Ziel vor Augen haben, es nie vergessen, nie vergessen, warum man auch dieses Ziel erreichen
01:26will und mit kleinen Schritten anfangen, so wie ein Dominostein.
01:29Mit einem ganz kleinen Dominostein kann man so viel Großes Schritt für Schritt bewegen auf lange Sicht, wenn man genügend
01:36Ausdauer und Commitment zeigt.
01:38Denise Kaya-Dehlen hat schon mehrere Goldmedaillen in Freiwasserwettkämpfen gewonnen.
01:43Die 36-Jährige schwimmt mehr als 40 Kilometer in 24 Stunden, trotz giftigen Quallen im Nordkanal und gefährlichen Haien in
01:52Südafrika.
01:53Sie sucht die Herausforderung.
01:56Ich hatte einen Traum, Ärmelkanal, das ist Mount Everest für alle Schwimmer.
02:02Und ja, ich glaube, ich war schon eine ambitionierte Person und wollte immer so meine Träume verwirklichen.
02:08Und Ärmelkanal war für mich, oh wow, wenn ich das schaffe, dann habe ich alles erreicht, was ein Schwimmer erreichen
02:14kann.
02:14Ein wichtiger Moment des Trainings, ihr Dankbarkeitsritual. Denise konzentriert sich auf Positives.
02:22Leistungssportler haben sehr stark das Gefühl, dass sie mit Hindernissen umgehen können, dass sie auch schwierige Situationen meistern können.
02:30Und dass sie grundsätzlich in der Lage sind, durch ihr Handeln Einfluss zu nehmen auf die Umwelt.
02:37Meine persönliche Lieblingsstrategie ist es, sich zu überlegen, wie ich Versuchungen und Ablenkungen am besten vermeiden kann.
02:44Das kann bedeuten, dass ich, wenn ich arbeiten will, mein Handy in irgendeiner Schublade verstaue, damit ich da nicht dauernd
02:49drauf schaue.
02:50Oder dass ich, wenn ich mich gesund ernähren will, im Supermarkt jetzt möglichst darauf verzichte, Süßigkeiten einzukaufen.
02:57Und am besten diesen Gang gleich meide.
03:02Marie Hennecke lehrt an der Ruhr-Universität Bochum.
03:06Sie ist Professorin für Persönlichkeitspsychologie und forscht zu Selbstregulation und Motivation.
03:17Wir handeln, um unser Überleben zu sichern und auch unsere Fortpflanzung.
03:23Das heißt, unsere Motivation entspringt zu einem großen Teil biologischen oder physiologischen Bedürfnissen.
03:34Jetzt ist es natürlich so, dass wir als Menschen darüber hinaus auch sowas zeigen wie Leistungsstreben oder Machtstreben, Anschlussmotivation.
03:42Das müssen auch Zielzustände sein, die wir für wertvoll erachten, damit wir sie auch anstreben und dann eben auch ausdauernd
03:49dafür uns anstrengen.
03:51Denise möchte durch den Ärmelkanal schwemmen.
03:54Auch im Sommer liegt die Temperatur des Wassers bei maximal 16 Grad und die Strömung ist unberechenbar.
04:01Es sind sicherlich viele Bedingungen, die da günstig zusammenkommen müssen, damit Personen zu besonders herausragenden Leistungen imstande sind.
04:09Denise wächst als Kind türkischer Eltern in Hessen auf.
04:12Eine unbeschwerte Kindheit, bis sich die Eltern überraschend trennen und Denise mit ihrer Mutter nach Istanbul ziehen.
04:19Ein Schock für die Teenagerin.
04:22Die Mutter sucht nach Ablenkung für ihre Tochter und findet einen Schwimmverein.
04:28Wir hatten auch finanzielle Schwierigkeiten und da mussten wir was finden, was halt auch nicht so viel kostet und was
04:35stemmbar ist.
04:36Und wenn man dann im besten Team ist, dann musste man nichts bezahlen.
04:40Aber die Konsequenz war, man musste sechsmal die Woche trainieren, richtig heftige Trainings mitmachen und in allen Wettkämpfen mitmachen.
04:46Aber für mich war das natürlich ein Druck. Ich habe mich mit anderen verglichen.
04:49Ich war langsamer. Es gab viele Trainings, wo ich einfach geweint habe, das Training aufgebrochen habe, gesagt habe, ich schaffe
04:54das nicht, ich kann das nicht.
04:56Frustration statt Motivation.
05:00Und dann kam meine Mutter, hat gesagt, du kannst entscheiden, ob du hin willst oder nicht. Kein Druck, Druck ist
05:05raus.
05:06Und am vierten Tag bin ich tatsächlich hin und es war keine Frage mehr, ob ich zum Training soll oder
05:11nicht, weil das kam wirklich vom inneren Herzen.
05:13Das klingt erstmal wie eine gute Strategie, um sozusagen diesen extremen äußeren Druck und den äußeren Zwang herauszunehmen,
05:22der dann auch die Tätigkeitsfreude reduziert, also den Spaß an der Sache, den Spaß am Schwimmen.
05:29Intrinsisch motiviert handeln wir aus innerer Überzeugung und aus purer Freude an einer Sache.
05:35Sind wir dagegen durch äußere Anreize motiviert, sprechen wir von extrinsischer Motivation.
05:40Dazu gehören zum Beispiel ein höheres Gehalt, soziale Anerkennung oder auch die Angst vor Bestrafung oder die Angst davor, den
05:48Erwartungen anderer Personen nicht zu entsprechen.
05:54Im Malspielraum von Alexandra Gisling in Zürich.
05:58Einen kleinen magischen Raum, nennt die Künstlerin und Maltherapeutin ihr Atelier.
06:04Heute kommt eine Gruppe Grundschulkinder, die regelmäßig einmal die Woche bei Alexandra malen.
06:11Ich möchte den Kindern hier zeigen oder sie selbst entdecken lassen hauptsächlich, was für eine Kreativität und Schöpferkraft in ihnen
06:20steckt und dass sie damit alles erschaffen können.
06:25Dass ihnen niemand reinredet, herumkorrigiert, wo sie einfach dem folgen können, was sie gerne ausdrücken möchten.
06:36So, oder so.
06:40So, oder so.
06:47Alexandra gibt keine Themen oder Techniken vor.
06:50Stattdessen hört sie aufmerksam zu und kommentiert die kindlichen Werke nicht.
06:57Und wenn ein Kind nicht weiter weiss wie die kleine Franca,
07:00motiviert Alexandra es zum Ausprobieren.
07:07Heisst du, was zu malen?
07:11Was könntest du denn malen,
07:14die dich noch gar nie getraut hast zu malen vielleicht?
07:20Wo du einfach da jetzt irgendeine Farbe nimmst, die dir gefällt,
07:26und mit der einfach mal zum Papier gehst und schaust, was der Pinsel wetmalen will.
07:38Es reicht einfach mal, diesen Druck wegzunehmen und zu sagen, probier es einfach mal aus.
07:44Du kannst ja gar nichts Falsches machen.
07:45Es ist egal, was dabei herauskommt.
07:49Keine Erwartungen erfüllen müssen, kann die Motivation, aus sich selbst heraus zu handeln, verstärken.
08:00Alexandra erkennt sofort, ob die Bilder der Kinder deren eigener Inspiration entspringen,
08:05oder eher den Erwartungen anderer gerecht werden wollen.
08:11Das zum Beispiel ist ein Bild, das so ähnlich ganz viele Kinder malen.
08:15Die einfach das malen, was ihnen beigebracht wurde.
08:19Diese Blumen hier, die sehen einfach ganz stark aus.
08:23Dieses Bild hat für mich ganz viel Ausdruck drin.
08:25Man sieht, das Kind hat die Blume gemalt, so wie es ihm gefällt und nicht, wie es ihm jemand gezeigt
08:34hat.
08:35Die Proportionen stimmen nicht, es hat drüber gemalt.
08:39Das ist alles ganz egal.
08:41Es hat einfach eine Blume gemalt, aus sich heraus.
08:49Frei von Bewertungen finden die Kinder ihren persönlichen Ausdruck und sind so auch langfristig motiviert.
08:55Wir wissen, wenn man Kindern dafür, dass sie was malen, Belohnungen gibt, also kleine Anerkennungen,
09:03dass dann die Freude am Malen und auch die freiwillige Zeit, mit der man malt, reduziert wird.
09:08Das bezeichnet man in der Motivationspsychologie als einen Korrumpierungseffekt,
09:13weil eben diese intrinsische Motivation, etwas aus freien Stücken, aus sich heraus zu tun, weil es Spaß macht,
09:18durch diese extrinsische Motivation, also auch das Lob von außen, das vielleicht als kontrollierend empfunden wird,
09:25reduziert, korrumpiert wird.
09:30Denise fühlt sich heute im Wasser frei und sicher.
09:34Aber das war nicht immer so.
09:37Denn im Jahr 2008 hatte Denise ein einschneidendes Erlebnis, als sie an einem Auswahlschwimmen für die türkische Nationalmannschaft teilnehmen durfte.
09:49Ich war hochmotiviert. Mit allen anderen Schwimmern bin ich ins Wasser reingesprungen.
09:54Es war eisekalt. Und nach der ersten Runde habe ich gesehen, 70 Prozent der Schwimmer, alle sind rausgegangen, weil es
10:00so kalt war.
10:01Aber ich hatte noch meine Wettbewerberin vor Augen und sie war immer noch im Wasser.
10:04Und für mich war es so wichtig, in diese Nationalmannschaft reinzugehen, die zehn Kilometer zu schaffen.
10:09Ich habe all die Warnsignale, sage ich mal, ignoriert und bin weiter geschwommen, immer weiter geschwommen.
10:15Denise verliert wegen Unterkühlung das Bewusstsein.
10:20Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie ich aus dem Wasser rausgeholt wurde. Ich bin dann im Krankenhaus aufgewacht.
10:26Wichtig ist es sicherlich, bei einem Rückschlag erst mal zu fragen, woran lag es?
10:30Was ist die Ursache für den Rückschlag? Und kann ich diese Ursache kontrollieren?
10:33Kann ich selber was anders machen, mich auf irgendeine Art und Weise so verhalten, dass ich vielleicht das Hindernis beim
10:39nächsten Mal umgehe?
10:40Kaltwasser war für mich mit Todesangst verbunden.
10:43Das heißt, ich habe jahrelang nichts mehr gemacht, weil ich so Angst vor Kälte hatte.
10:49Denise bekämpft ihre Angst vor kaltem Wasser strategisch. Sie sucht sich ein Trainingsteam und setzt sich zunächst kleine Ziele.
10:59Schritt für Schritt, mal 30 Sekunden, 60 Sekunden, bis hin, dass ich komplett kalt duschen konnte.
11:07Und dann Schritt für Schritt, mittendrin im Winter, bin ich dann zu Seen gefahren.
11:12Drei Minuten geschwommen, fünf Minuten, ohne einen Euprenanzug, zehn Minuten.
11:16Heute habe ich zwölf Minuten geschwommen.
11:21Und, wie fühlst du dich?
11:23Ich kann nicht aufhören zu zitternden.
11:26Jedes Mal, als ich ins Wasser gegangen bin, hat mein Kopf gesagt, du stirbst, geh raus.
11:31Und da habe ich gemerkt, ich muss was mit meinem Kopf machen, meinen Kopf ändern, meine Gedanken und nicht nur
11:36meinen Körper.
11:37Denise bringt sich körperlich und mental in Topform.
11:45Sie startet 2022 das erste Mal bei der Weltmeisterschaft im Eisschwimmen.
11:52Heute ist Denise fünffache Weltmeisterin.
11:56Die Glückshormone nach dem Eisschwimmen, das ist immens. Das hält sogar einen Tag lang.
12:01Und es macht es sogar fast süchtig, weil man so krasse Hormone spürt, so einen Push.
12:06Ich habe das Gefühl, nach Eisschwimmen ist mein Kopf wie resettet, als ob man im Laptop auf Reset-Knopf drückt
12:14und nochmal einen Neustart macht.
12:16Welche Prozesse laufen in unserem Gehirn ab, wenn wir motiviert sind?
12:20An der TU Dresden lehrt der Kognitionspsychologe Thomas Goschke.
12:24Er kennt das bahnbrechende Experiment von US-Wissenschaftlern aus den 50er Jahren, die das Belohnungssystem im Gehirn erforschten.
12:33Wir haben Ratten untersucht und haben diesen Ratten Elektroden in eine bestimmte Hirnregion implantiert.
12:40Und über diese Elektroden konnten die Ratten sich selber über einen Hebel, den sie drücken konnten, diese Hirnregion selber stimulieren.
12:47Und das Frappierende, was man beobachtet hat, ist, dass die Ratten das quasi bis zur Erschöpfung gemacht haben.
12:52Die haben diesen Hebel hunderte, tausend Mal gedrückt, haben Futter stehen und liegen lassen, nur um sich diese Stimulation zuzuführen.
12:59Durch die Hirnstimulation wurde der als Glückshormon bekannte Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet.
13:06Die Forscher glaubten somit, das Belohnungssystem des Gehirns entdeckt zu haben.
13:10Heute weiß man, dass dieses Belohnungssystem eher ein Motivationssystem ist.
13:18Viele nachfolgende Experimente haben dann gezeigt, das hat viel weniger zu tun mit diesem Lustempfinden oder diesen positiven Gefühlen, die
13:27ich habe, wenn ich an der Belohnung komme.
13:28Sondern was dieses System eigentlich tut, es kündigt Belohnung an, es vermittelt die Erwartung einer Belohnung und damit auch sozusagen
13:37das Verlangen.
13:38Es ist im Grunde das System, was wir in der Psychologie Anreizmotivation nennen, dass ich etwas haben will, dass ich
13:43bereit bin, etwas zu tun, zu handeln, um eine Belohnung zu bekommen.
13:47Thomas Goschke geht mit seiner Forschung zur Selbstkontrolle einen Schritt weiter.
13:52Was passiert, wenn wir motiviert sind, ein langfristiges Ziel zu erreichen, aber in Konflikt mit einer spontanen Versuchung geraten?
14:02Der Jahreswechsel motiviert viele Menschen zu guten Vorsätzen.
14:072024 führt diese Liste in Deutschland der Wunsch nach weniger Stress an.
14:13Direkt dahinter drei Dauerbrenner.
14:15Mehr Zeit für Familie und Freunde, mehr Sport und eine gesündere Ernährung.
14:20Etwa die Hälfte der Befragten scheitert aber im Laufe des Jahres und ändert ihr Verhalten nicht.
14:27Wir würden natürlich gern verstehen, welche Gehirnmechanismen, aber auch welche kognitiven Strategien befähigen Menschen,
14:34zum Beispiel jetzt in solchen Konfliktsituationen eher den langfristigen Zielen nachzugehen und mitunter, wenn es denn mal nötig ist,
14:40die kurzfristigen Bedürfnisse auch zu unterdrücken oder zumindest aufzuschieben.
14:43Sie sehen auf dem Monitor gleich Zahlen. Und es sind unterschiedlich viele Zahlen.
14:47Das sind immer die Zahlen von 1 bis 4 und die können einmal, zweimal, dreimal oder viermal auf dem Bildschirm
14:52erscheinen.
14:52Die Aufgabe besteht darin, eine Taste zu drücken, die der Anzahl entspricht.
14:57Kleines Beispiel, da sehen Sie also die Zahl 2, aber Sie müssen die Taste 1 drücken, weil die Zahl eben
15:03nur einmal vorkommt.
15:04Also die Zahlen ignorieren, das ist manchmal ein bisschen schwierig, und nur auf die Anzahl reagieren.
15:09Und wichtig noch, versuchen Sie so schnell wie möglich zu reagieren, aber gleichzeitig auch so wenig Fehler zu machen wie
15:16möglich.
15:17Der Proband drückt automatisch die Zahl, die er sieht, weil unsere Gehirne Zahlen so verarbeiten.
15:24Um diesen automatisierten Vorgang zu unterdrücken, bedarf es kognitiver Kontrolle.
15:31Der Sinn der Aufgabe ist, einen ganz starken Handlungskonflikt zu erzeugen.
15:35Und diese Aufgabe haben wir dann im FMRT, im Scanner eingesetzt, um herauszufinden, was passiert im Gehirn, wenn die Personen
15:43in diesen Konfliktdurchgängen einen Fehler machen.
15:47Und wie wirkt sich das auf die kognitiven Kontrollsysteme im Gehirn aus?
15:52Dabei hat Thomas Goschke mit seinem Team vor allem zwei verschiedene Systeme im Gehirn ausgemacht, die unterschiedlich stark aktiv waren.
16:05Wenn die Personen einen Fehler machen, dann sieht man zunächst mal Aktivierung in einem System, das wird meist als Monitoring
16:11oder als Überwachungssystem bezeichnet.
16:13Das ist ein System, das registriert sozusagen, wenn man einen Fehler macht.
16:17Es registriert zum Beispiel aber auch schon, wenn nur ein Konflikt da ist.
16:19Und das Wichtige jetzt für die Selbstkontrolle ist, dieses System generiert sozusagen Signale, die dann dazu führen,
16:26dass in anderen Hirnregionen Systeme aktiviert werden, die kognitive Kontrolle vermitteln.
16:31Ich mache einen Fehler, das Überwachungssystem sagt, hallo, Alarm, Fehler gemacht.
16:36Das Kontrollsystem wird hochgefahren und führt dazu, dass ich im nächsten Versuchsdurchgang besser meine Aufmerksamkeit fokussiere und die automatisierte Reaktion
16:44besser hemmeln.
16:46Soweit die Ergebnisse aus dem Labor.
16:49Die Forschenden wollten dann wissen, ob diese Hirnaktivierung tatsächlich etwas damit zu tun hat, wie Menschen sich im Alltag verhalten.
16:58Wir haben die gleichen Versuchspersonen mit Smartphones ausgestattet und sie wurden eine Woche lang im Alltag, achtmal pro Tag, bekamen
17:07sie ein Signal und dann gab es einen kleinen Fragebogen.
17:10Und die Personen mussten sagen, habe ich gerade irgendein Bedürfnis gehabt, irgendwas zu tun, irgendein Verlangen.
17:14Sie mussten sagen, war das im Konflikt mit irgendeinem meiner langfristigen Ziele.
17:18Und sie mussten angeben, haben sie der Versuchung nachgegeben oder haben sie der widerstanden.
17:23Das eine interessante war, die Personen, die in unserer Laboraufgabe mit den Zahlen, wenn sie einen Fehler gemacht haben, eine
17:30schwache Aktivierung in dem Überwachungssystem haben.
17:34Und die dann eben auch in diesem Kontrollsystem, was für die Verhaltenshemmung verantwortlich ist, eine reduzierte Aktivierung haben.
17:40Das waren die Personen, die tatsächlich im Alltagshandeln häufiger Versuchungen nachgegeben haben und impulsiver gehandelt haben.
17:48Inwieweit ist unser Maß an Selbstkontrolle festgelegt? Bestimmen die Gene, wie beharrlich wir langfristige Ziele verfolgen können?
18:04Unsere Lieblingsstrategie ist, wenn sich ein Weg schließt, dass wir dann den anderen Weg finden und immer das Positive draus
18:10machen.
18:11Aber wir lieben es auch, im Team zu arbeiten. Weil im Team geht alles leichter, wir motivieren uns gegenseitig und
18:18im Team mit Freude kann man dann seine Ziele erreichen.
18:22Die Zwillinge Sarah und Leonie sind in Wolfrathshausen nahe München aufgewachsen.
18:27Sie haben beide Tourismusmanagement studiert, wohnen zusammen und leiten gemeinsam ihr Unternehmen Spatzenrikscher.
18:34Die Idee dazu hatten sie während der Corona-Zeit. Zunächst als Lieferdienst. Heute bieten sie auch touristische Touren im Umland
18:42an.
18:43Bei uns ist das ganz toll, weil wir ergänzen uns. Das heißt, ich fange eine Aufgabe an.
18:49Ich motiviere uns, dass wir jetzt starten. Und ich bin dann fürs Durchhalten zuständig und schaue, dass das möglichst sehr
18:58gut und perfekt ausschaut.
19:01So können wir dann das Beste draus machen. Wir kombinieren uns.
19:05Wenn ich mit anderen in einem Team arbeite und das funktioniert gut und man kümmert sich umeinander, man sorgt füreinander,
19:12man hat das gleiche Ziel,
19:13dann kann ein psychologisches Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit dadurch befriedigt werden.
19:19Und das ist was, was unserer Motivation sehr gut tut.
19:22Sarah und Leonie motivieren sich nicht nur gegenseitig, sondern auch andere. Sie geben Tanz- und Fitnesskurse.
19:37Die eine kann vormachen, die andere kann zur Person gehen, sie extra dann nochmal motivieren, kontrollieren.
19:45Und das ist halt das gewisse, genau, der gewisse Push-Faktor bei uns besonders.
19:51Im Team macht es auch mehr Spaß und das merken dann auch die Leute.
19:55Haben die Zwillinge mit ihrer Motivationskraft vielleicht einfach genetisches Glück gehabt?
20:02Es gibt sicherlich nicht das Motivationsgen. Wir wissen eigentlich, dass alle psychologischen Merkmale Polygen bestimmt sind.
20:10Wir wissen aber, dass Motivation durchaus auch durch Gene, aber eben auch durch Umweltbedingungen beeinflusst ist.
20:17Und wahrscheinlich ist das Verhältnis so etwa 50-50.
20:21Natürlich prägen die Menschen, die uns genetisch am nächsten sind, unsere Eltern, auch die Umwelt, in der wir aufwachsen.
20:28Aber was können wir unabhängig von unserem Erbgut tun, um unsere Motivation zu stärken?
20:34Ein Beispiel sind sogenannte präventive Strategien. Wir können versuchen, diese Situation gar nicht aufzusuchen.
20:39Also wenn wir beschlossen haben, weniger Fleisch zu essen und wir treffen uns mit Freunden, gehen wir ins vegetarische Restaurant,
20:44haben wir gar nicht mehr die Chance, Fleisch zu essen.
20:46Wenn ich jetzt sage, ich würde gerne mehr Sport treiben, dann ist das ein relativ schlechtes Ziel.
20:51Besser wäre es zu sagen, ich möchte dienstags und donnerstags ins Fitnessstudio gehen oder joggen gehen.
20:57Das heißt, Ziele setzen, Handlungspläne machen und auch mögliche Umgänge mit Hindernissen vorausplanen.
21:04Großer Gegensatz sind die interventionellen Strategien.
21:07Das heißt, ich bin jetzt bereits schon in der Situation, wo der Selbstkontrollkonflikt da ist.
21:11Also beispielsweise nochmal an das langfristige Ziel denken, sich nochmal klar machen, wie wichtig das ist.
21:16Vielleicht auch zu versuchen, Emotionen zu generieren, dass man sagt, wie schlecht werde ich mich nachher fühlen, wenn ich jetzt
21:21das wieder gemacht habe, was ich eigentlich nicht machen will.
21:25Lassen sich solche Gedanken kontrollieren?
21:28Können wir unser Gehirn trainieren wie einen Muskel?
21:31Der Mediziner Philipp Heiler nutzt in seiner Münchner Praxis für Neurofeedback die Eigenschaft unseres Gehirns, bis zum Lebensende flexibel und
21:40lernbereit zu bleiben.
21:42Die neuronale Plastizität.
21:48Neurofeedback ist eine Trainingsmethode für verschiedene Gehirnaktivitäten.
21:52Wir versuchen dabei, den Trainierenden in die Lage zu bekommen, zu lernen, einzelne Abläufe im Gehirn selbstständig zu beeinflussen.
21:59Seit knapp fünf Monaten trainiert Michelle Niesner einmal die Woche für eine Stunde.
22:06Ich habe mit Neurofeedback angefangen, weil ich gemerkt habe, dass ich wahnsinnige Konzentrationsschwierigkeiten habe.
22:12Es hat bei mir 2018 angefangen mit Panikattacken, die sehr schlimm geworden sind.
22:18Und daraus ist so ein sehr verschlechterter Allgemeinzustand resultiert und damit einhergehend eben auch Schwierigkeiten mit der Konzentration.
22:27Psychopharmaka waren für die zweifache Mutter keine Option.
22:30Michelle wollte selbst aktiv werden und ist auf die Methode des Neurofeedbacks gestoßen.
22:36Die Kosten von 100 Euro pro Termin werden nicht von ihrer Krankenkasse erstattet.
22:42Dann würden wir jetzt auch mit dem ersten Feedbackspiel loslegen.
22:45Gut, ja, bereit? Okay, wunderbar. Dann starten wir das nämlich gleich.
22:50Michelle schaut dabei entspannt auf den Monitor, während Philipp Heiler live ihre Gehirnaktivität misst und das jeweilige Spiel lenkt.
23:02Die Idee beim Neurofeedback ist, dass wir den Trainierenden eine ganz einfache Rückmeldung zeigen, ob ihr Gehirngrad in die richtige
23:09oder in die gewünschte Richtung geht oder eben nicht in die gewünschte Richtung.
23:12Wir haben verschiedene Parameter, die wir an unterschiedlichen Bereichen des Gehirns messen und dann definieren, soll dieser Parameter, soll diese
23:18Gehirnfrequenz eher mehr werden, nach oben gehen oder soll die nach unten gehen.
23:22Beispielsweise die Theta-Aktivität ist eine eher langsamere Aktivität.
23:26Wenn die im Bereich der Großhirnrinde auftaucht, bedeutet es, dass wir leichter ablenkbar sind oder den Faden verlieren und nicht
23:32mehr so fokussiert sind.
23:33Das bedeutet, bei den meisten Neurofeedback-Trainings wollen wir weniger Theta-Wellen haben, weil die Leute fokussiert sein sollten.
23:40Und dann ziehen wir eben eine Grenze, die ich jetzt einfach mal mit einem Mausklick zum Beispiel hier setze und
23:45sage, so liebes Gehirn, wir wollen gerne, dass du weniger Theta-Aktivität machst.
23:49Das bedeutet, immer wenn du unter meiner Grenze bleibst, kriegst du die Belohnung, zum Beispiel im Spiel fliegt deine Figur
23:54nach oben.
23:55Wenn du die Grenze überschreitest, dann gibt es keine Belohnung mehr.
23:58Dann fällt die Figur runter und wir sagen, nee, sorry, liebes Gehirn, du musst wieder was ändern.
24:03Den meisten PatientInnen gelingt es nach circa 15 bis 20 Sitzungen, bestimmte Gehirnareale wie gewünscht zu aktivieren.
24:11Es ist vor allen Dingen am Anfang schwer gewesen, wirklich zehn Minuten konzentriert ein Spiel zu spielen.
24:18So nach einer Stunde Neurofeedback bin ich dann auch nach Hause gekommen und habe gemerkt, ich kann mich jetzt nicht
24:23wieder an den Rechner setzen und was für meine Arbeit tun.
24:26Das war nicht möglich. Aber mit der Zeit habe ich diesen Erschöpfungszustand nicht mehr gehabt.
24:32Also im Gegenteil eigentlich. Also ich habe mich eher angeregt gefühlt.
24:36Bei neuen PatientInnen macht Philipp Heiler zunächst ein quantitatives EEG, um zu messen, an welchen Stellen im Gehirn welche Aktivitäten
24:45stärker oder schwächer sind.
24:48Im nächsten Schritt wird dann ein individueller Trainingsplan erstellt. Auch mit Übungen für zu Hause.
24:55Fehlende Antriebskraft ist häufig das Thema.
24:58Warum es mit der Motivation nicht klappt, dafür gibt es unterschiedliche Gründe.
25:02Das kann sein Ablenkbarkeit, Konzentrationsstörungen, Stress, Ängste oder auch einfach, dass ich nicht gut genug regenerieren kann dazwischen.
25:09Und diese Gründe erarbeiten wir mit den Leuten und richten dann das Neurofeedback genau auf diese Ursachen aus und versuchen,
25:15die zu verbessern.
25:16Seit ich jetzt im Neurofeedback bin und die Tools an der Hand habe, mich besser konzentrieren zu können, fällt es
25:21mir einfacher, Sachen zu machen, die ich vorher nicht so gerne gemacht habe oder vielleicht auch aufgeschoben habe.
25:26Und dadurch bin ich auf jeden Fall motivierter.
25:36Meine Lieblingsstrategie, ich stelle mir jetzt schon vor, wie es in der Zukunft sein wird.
25:40Wenn du ein Schiff bauen willst, dann erzähl den Leuten nicht, wie viel Holz sie brauchen, wie viel Nägel sie
25:44brauchen oder wie viel Zeit es kostet, bis sie dieses Schiff gebaut haben,
25:47sondern erzähl ihnen von den Abenteuern, die sie erleben, wenn sie dieses Schiff gebaut haben.
25:51Ich glaube, das war eine der größten Motivationen, Energien, die immer bei mir diese Kraft freigesetzt haben.
26:03Osman Zitir bereitet sich auf seinen Auftritt in der Aula des Bildungszentrums St. Konrad in Ravensburg vor.
26:10Vom Möbelverkäufer zum Comedian. Das Allround-Talent hat als Jugendcoach seine Berufung gefunden.
26:17Heute kommt ein ehemaliger Schüler zu Besuch. Dennis ist 25 Jahre alt, das letzte Treffen mit Osman Zitir liegt sieben
26:25Jahre zurück.
26:25Ja, endlich, endlich, ich will nur mal Zeit rekommend.
26:29Hey, gut siehst du aus.
26:32Danke, selber auch.
26:33Das letzte Mal saß du genau da, ja, in seinem Publikum, jetzt sehst du auf der Bühne, ist schon Hammer,
26:38oder?
26:38Dennis hatte in seiner Schule den Ruf eines auffälligen Problemschülers ohne Perspektive.
26:46Meine Situation damals war schwierig, weil ich einfach selber in einem Hause voller Gewalt aufgewachsen bin.
26:55Und einfach selber nicht mit mir klarkam, sei es zu Hause, als auch in der Schule.
27:02Und ich mir im Prinzip nur mit Gewalt zu helfen gewusst habe.
27:08Das war der erste Schüler, der mich so aggressiv angeschaut hat und bereit war, auf mich loszugehen.
27:13Das habe ich richtig gespürt.
27:14Und nachdem aber Dennis gemerkt hat, ey, es macht Spaß, es ist locker, es ist unterhaltsam.
27:18In dem Moment wurde dieses Eis gebrochen und plötzlich hatte Dennis auf mich aufgeschaut und war einfach offen.
27:24Ich brauchte damals jemanden, der an mich glaubt.
27:27Und ich habe in Osman einfach die Person gesehen im Laufe der Show, wo mir einfach das Gefühl gegeben hat,
27:36ich bin nicht irgendjemand, sondern ich bin genauso wie jeder andere in der Show trotzdem was Besonderes.
27:42Und ich bin nicht dieser kleine Junge, der gemobbt wird oder gehasst wird, sondern ich bin genauso wie ich bin.
27:50Er hat mir einfach damit unfassbar viel Kraft gegeben.
27:53Und ja, einfach auch mit einem Lächeln aus der Show zu gehen, was ich Ewigkeiten nicht mehr getan habe.
28:04Der Förderverein hat die Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Klassen zu Ossmans Bühnenprogramm voll motiviert eingeladen.
28:12Zu Beginn sucht der Jugendcoach den Kontakt zu seinem Publikum.
28:17Boah, Alter, heute habe ich mal null Bock. Null Bock. Gar kein Bock. Bock, Bock, Bock, Bock.
28:24Bock ist ein türkisches Wort. Wusstet ihr das? Bock ist ein türkisches Wort und heißt übersetzt, ist kein Witz, Kaka.
28:30Die Schüler kommen meistens mit einer negativen Grundeinstellung. Warum?
28:34Weil sie denken, wenn es die Schule organisiert hat, dann kann es nichts Gescheites sein.
28:37Und genau das ist die Herausforderung, dass ich dann mit meinem Programm dieses Eis breche, dass sie sich öffnen, dass
28:42sie ihre Gedanken öffnen.
28:43Und dann kann ich auch die wichtigen Botschaften so vermitteln, dass sie auch bereit sind, das anzunehmen.
28:49Osman Ziter erzählt den Jugendlichen aus seinem Leben als Hauptschüler mit Migrationshintergrund.
28:54Dabei scheut er sich auch nicht, über die Krebserkrankung seines Bruders zu sprechen.
29:01Beim allerersten Auftritt vor 300 Schülern habe ich lange überlegt, ob ich über diese Zeit erzählen soll, weil es ein
29:06krasser Einblick ist in mein Privatleben.
29:08Da habe ich gesagt, verdammt nochmal, ich muss über diese Zeit erzählen. Ich sage euch auch den Grund, warum.
29:12Weil das Leben ist nicht nur Comedy, das Leben heißt auch, wie gehe ich mit Rückschlägen, mit Schicksalsschlägen um.
29:17Und das ist vielleicht genau das, was in dieser Situation wichtig ist, bei der die Kinder andernfalls irgendwie sagen, kann
29:23ich mich nicht mit etwas anderem beschäftigen.
29:24Also wenn man Emotionen erweckt, dann hat man natürlich auch erstmal die Aufmerksamkeit derjenigen, die man da bewegt hat.
29:32Fang an zu träumen. Stell dir deine Zukunft vor, was du alles erreichen könntest.
29:37Du hast innerhalb von einem Jahr deine Noten auf 1,2 zu verbessern. Frage an dich, wie wird es sich
29:44fühlen?
29:45Wie wird es sich fühlen, wenn du genau das erreichen würdest?
29:47Das nennen wir episodisches Zukunftsdenken. Personen, die das sehr gut können, die also, wenn sie sich das vorstellen, das sogar
29:54schon vielleicht mit einer emotionalen Reaktion verbinden,
29:56die sind tatsächlich nachweislich effizienter darin, eigene Bedürfnisse herunterzuregulieren und eher an langfristigen Zielen zu folgen.
30:04Manchmal vergessen eure Eltern die allerwichtigste Frage zu stellen, nämlich, was möchtest du?
30:10Osman Zitir möchte die Jugendlichen dazu ermutigen, ihr Leben aktiv zu gestalten.
30:14Er spricht Themen wie Drogen, falsche Freunde und die permanente Ablenkung durch Social Media an.
30:22Ich gehe mal ganz kurz in Instagram rein. Oh mein Gott, oh mein Gott, was ist denn hier los?
30:27So viele Leute haben mein Bild geleitet, sofort neue Bilder posten. Bin am Lernen, Herstück lernen.
30:31Dank dir sind da draußen Millionäre und Milliardäre, weil du leider deine kostbare Zeit genau für diesen Mist investierst.
30:40Ich fand es einfach echt toll, dass er auch so Mut gibt und so. Ich fand das echt cool.
30:44Und dass man halt wirklich das machen soll, was man selbst gut findet und nicht unbedingt was anderes von einem
30:50erwarten kann.
30:51Man kann ja seine Stärken dann auch nutzen, um anderen zu helfen. Das ist schon wichtig.
30:55Der Dennis saß genauso wie ihr im Publikum und hat sich meinen Vortrag angehört.
31:00Und plötzlich hat es beim Dennis Klick gemacht.
31:03Und auf einmal hat er einen richtig krassen, positiven Weg eingeschlagen.
31:08Ich habe dann danach richtig Gas gegeben und habe die Schule dann anstatt mit einem Notendurchschnitt, wie ich vor einem
31:14Jahr stand, mit 4,8, habe ich dann meinen Notendurchschnitt verbessert, eben auf 2,4.
31:21Und das habe ich alles eben Ostmann Show zu verdanken.
31:25Früher wurde Dennis in der Schule gemobbt.
31:28Heute hat er als Pferdeflüsterer mehr als 50.000 Follower auf TikTok.
31:33Er hat einen festen Job und erwartet mit seiner Freundin ein Kind.
31:38Dennis hat seinen Weg gefunden.
31:41Ich glaube, je mehr man den vor Augen führt, was für Türen sich öffnen, was für Chancen sie haben, dass
31:47sie einfach einen Sinn haben, sich anzustrengen, ich glaube, dann macht es bei denen Klick.
31:51Aber solange sie diesen Sinn nicht haben, werden sie auch niemals diese Feuer freisetzen.
32:02Meine Lieblingsstrategie für kurzfristige Ziele, alles sofort machen.
32:07Alles, was weniger als zwei Minuten dauert, sofort angeben.
32:10Wenn es um langfristige Ziele geht, und das deckt sich auch mit unseren letzten Studienergebnissen,
32:16versuche ich meine Pläne und meine Ziele mit meinen Freunden zu teilen,
32:20weil ich weiß, ich bin Spott und Hema ausgesetzt, wenn ich denen dann nicht Folge leiste.
32:25Für mich persönlich klappt das sehr, sehr gut.
32:28Maximilian Hiller interessiert das Thema Motivation aus ökonomischer Sicht.
32:33Können zum Beispiel sogenannte Nudges, kleine Anstupser, Menschen dazu bewegen, ihr Verhalten zu ändern?
32:41Nudges sind überall im öffentlichen Raum zu finden.
32:43Hier ist er dafür angedacht, dass spontan und ad hoc Müll in den Mülleimer geworfen wird.
32:48Kennt jeder? Der Smiley.
32:50Ein Nudge kann auch eine simple Texttafel sein.
32:53Hier wurde diesen Monat schon einer abgeschleppt, hier parke ich nicht.
32:56Nudging ist ein sehr, sehr niederschwelliges Konzept und deshalb ist es auch so beliebt.
33:00Man darf sich aber von Nudging nicht erhoffen, dass es die ganz großen Probleme lösen kann.
33:05Nudging ist ein kleines Instrument, ein kleiner Baustein, um gewünschtes Verhalten zu fördern.
33:12Was wir nicht so genau wissen, darauf sind Nudges aber auch nicht wirklich angelegt, sind langfristige Effekte, ob es die
33:19gibt.
33:20Wenn ich zum Beispiel jemanden nudge in der Mensa, mittags Salat zu essen, weiß ich nicht, ob die Person dann
33:26aber abends sagt,
33:27heute Mittag habe ich ja Salat gegessen, dann kann ich ja heute Abend mir ein Dessert gönnen.
33:31Der Verhaltensökonom möchte wissen, ob und wie sich eine Gesellschaft zu langfristigen Verhaltensänderungen motivieren lässt.
33:41Und da geht es darum, wie wir mit ökonomischen Anreizen Menschen dazu motivieren können, gesündere Entscheidungen zu treffen.
33:49Das kann sein, häufig ins Fitnessstudio gehen, mal das Auto stehen lassen und zu Fuß gehen, mal das Fahrrad nehmen,
33:56also so ganz alltägliche Sachen.
33:58Das Thema, wie ich Leute motivieren kann, gesundheitsförderliches Verhalten wahrzunehmen, ist unfassbar wichtig.
34:05Regierungen und Entscheidungsträgerinnen sind sehr stark daran interessiert, auch aus finanziellen Aspekten,
34:11weil das sind am Ende Gelder, die auch Kassen entlasten sollen oder mit denen man Themen wie Prävention und Förderung
34:17halt stärken kann.
34:182022 sind in Deutschland mehr als 110.000 Menschen gestorben, deren Tod durch eine bessere Gesundheitsfürsorge potenziell vermeidbar gewesen wäre.
34:29Die Hauptursachen sind Rauchen, Alkohol, schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung.
34:36In der Altersgruppe bis 75 Jahre machen sie gut ein Drittel aller Todesfälle aus.
34:41Mehr als 1.000 Menschen aus dem Saarland haben bei der Salutogenese-Studie mitgemacht.
34:48Mit einem Fitnessarmband und einer App haben Maximilian Hiller und sein Team 18 Monate lang die Bewegungsdaten gesammelt
34:55und ausgewertet, welche Anreize am besten wirken.
34:58Geld, Spiele, Wetten oder auch Kommunikation.
35:06Menschen sind süchtig nach Feedback und vor allem nach einer ganz besonderen Sorte an Feedback.
35:11Wie gut bin ich im Vergleich zu meinen Freunden, wie gut bin ich im Vergleich zu meiner Altersgruppe, wie gut
35:16bin ich im Vergleich zur Top-Person?
35:19Die Ergebnisse der Studie widersprechen der gängigen Theorie, dass Menschen immer versuchen, ihren ökonomischen Gewinn zu maximieren.
35:29Eins der Hauptergebnisse ist, dass es nicht immer Geld sein muss.
35:34Im Regelfall funktioniert es sehr gut, wenn wir Menschen direkt danach fragen, möchtest du morgen dein Ziel erreichen?
35:40Wenn sie dann mit der Antwort Ja sich zu ihrem Ziel bekennen und ihren Plan mit uns teilen, dass sie
35:48morgen das Ziel erreichen möchten, brauchen wir keinen finanziellen Anreiz mehr.
35:51Kein finanzieller Anreiz hat es geschafft, alleine nur dieses Bekenntnis zum Ziel und zum eigenen Plan auszuperformen.
35:59Welche Bedeutung hat diese Erkenntnis in der Praxis?
36:03Ich habe mich gefragt, ob nachdem dann der Anreiz wegfällt, ob die Leute dann auch weiter sich bewegen oder ob
36:10dann die gar keine Motivation mehr haben, sich zu bewegen.
36:13Während der Zeit funktionieren sehr, sehr viele Interventionen. Aber was passiert eigentlich, wenn der Anreiz, wie du es gesagt hast,
36:20wegfällt?
36:21Gibt es einen lang anhaltenden Effekt? Gibt es eine sogenannte Habit-Formation, sagen wir im Fachwort?
36:27Eine Routine, die sich gebildet hat? Das ist auch der Wunschzustand.
36:31Gewohnheiten verändern ist ein extrem schwieriger Prozess in der psychologischen Praxis.
36:39Gewohnheiten sind recht starre Reizreaktionsmuster. Das heißt, sie entstehen, wenn ich in einer bestimmten Situation häufig dasselbe tue und irgendwann
36:48automatisiert sich das Ganze dann.
36:50Also Zähneputzen ist ein gutes Beispiel. Viele kennen das, sie kommen morgen ins Badezimmer und ohne großartig darüber nachdenken zu
36:56müssen, geht die Hand zur Zahnbürste.
36:58Die Neurobiologin Anne Greybeal hat untersucht, wie sich Gewohnheiten im Gehirn spiegeln.
37:05Sie ließ Ratten durch ein Labyrinth laufen, in dem ein Stück Schokolade versteckt war. Und maß dabei ihre Gehirnaktivität.
37:13Sobald sich die Klappe öffnete, erschnupperten sich die Tiere den Weg.
37:17In ihrem Gehirn waren die Regionen der Großhirnrinde, insbesondere der präfrontale Kontext, besonders aktiv.
37:26Je sicherer die Ratten den Weg fanden, desto weniger aktiv waren die Areale, die für komplexe Denkprozesse und Entscheidungen zuständig
37:34sind.
37:35Stattdessen arbeitete vor allem ein Bereich tief im Inneren des Gehirns, die Basalganglien.
37:41Dort werden Instinkte, Reflexe und eben auch Gewohnheiten gespeichert.
37:45Das Gehirn schaltete sozusagen in den Energiesparmodus.
37:48Sobald das automatisierte Verhaltensprogramme sind, ist natürlich ein Weg, diese Gewohnheiten wieder loszuwerden, umzulernen.
37:56Aber umzulernen ist natürlich selber ein schwieriger und langwieriger Prozess.
38:00Und das könnte natürlich eine Erklärung sein, dass man sagt, warum ist es schwierig, Gewohnheiten zu überwinden, dass man sie
38:08im Prinzip umlernen muss.
38:10In der bayerischen Gemeinde Assling hat die Firma Hoffmann & Vratni ihren Stammsitz.
38:16Sie ist einer der größten Fräsenhersteller in Deutschland.
38:21Elisabeth Rottmoser hat nach der Schule Floristin gelernt, wurde aber nach ihrer Ausbildung nicht übernommen.
38:28Jetzt arbeitet sie schon seit sechs Jahren in der Produktion.
38:31An den Umgangston musste sich die mittlerweile 25-Jährige erst gewöhnen.
38:38Mich hat darin auch sehr überrascht gehabt, dass wir eben alle per du sind.
38:42Also seitdem ich angefangen habe, waren alle per du, das wohl auch nicht normal ist.
38:47Und dass man eben das Gefühl hat, man ist auf der gleichen Ebene, dass man normal miteinander reden kann.
38:53Ob Führungskraft, Fachkraft oder Hilfskraft.
38:56Das Gehalt ist wichtig, aber darüber hinaus ist für die circa 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem die Atmosphäre am
39:04Arbeitsplatz ausschlaggebend.
39:09Was für mich tatsächlich sehr, sehr wichtig ist, dass man miteinander offen reden kann.
39:14Dass ich von meinem Chef nicht dieses typische Ich-Chef, du nix, kennt man vielleicht aus anderen Firmen.
39:23Da ist man irgendwie ganz anders unterwegs, wenn man vom Chef halt nicht so klein gehalten wird, sondern wenn man
39:30auch mal Ideen vortragen darf oder wenn einem was auffällt.
39:34Das ist für mich ganz elementar, dass einfach diese Grundharmonie auch in der Firma stimmt.
39:40Das ist für mich wirklich mit die Basis, damit ich mich wohlfühle.
39:44Wertschätzung ist die Grundvoraussetzung für ein langfristig produktives Arbeitsverhältnis.
39:50Und dabei ist auch wichtig, dass die sowohl von den Kollegen und Kolleginnen als auch von den Vorgesetzten kommt.
39:55Das heißt, in einem Unternehmen, wo das fehlt, werde ich nicht langfristig zufrieden, produktiv arbeiten.
40:02Zahlreiche Benefits machen das Arbeiten attraktiv.
40:05Vom personalisierten Thermobecher über einen Fahrtkostenzuschuss bis zum kostenfreien Mittagessen.
40:19Das ist sozusagen für das allgemeine Wohlbefinden wichtig.
40:23Und darüber hinaus geht es dann eben immer darum, individuelle Lösungen zu finden.
40:27Wenn jemand Schwierigkeiten hat, zum Beispiel mit der Arbeitszeit oder mit einer familiären Situation, eine finanzielle Notlage ist oder auch
40:36irgendwo im Kollegium Schwierigkeiten sind.
40:39Früher habe ich mal gesundheitliche Probleme gehabt und da haben die Vorgesetzten schon Verständnis gehabt für meine Probleme.
40:47Und da war auch nie die Frage da, dass ich wegen den gesundheitlichen Problemen aufhören könnte.
40:54Für mich war einfach klar, die Firma steht hinter mir und ich mache weiter.
40:59In einer aktuellen Umfrage unter Erwerbstätigen können sich in Deutschland nur noch knapp 16 Prozent der Befragten vorstellen, bis zum
41:08offiziellen Renteneintrittsalter zu arbeiten.
41:15Den Trend haben wir bei uns zum Glück gar nicht.
41:17Bei uns ist es eher so, dass Leute auch über das Renteneintrittsalter hinausarbeiten, auf Minijobbasis meistens, weil sie sagen, sie
41:25möchten den Draht auch in die Firma nicht verlieren.
41:27Auch bei Neueinstellungen entscheidet das Team nach einer Probezeit mit.
41:32Das Miteinander zählt.
41:35Ich finde zum Beispiel auch gut, dass die Firma anschaut, dass man Weiterbildungen in Zeit kriegt und auch wie man
41:40so andere Weiterbildungen selber machen mag, dass auch von hinter einem Stängern oder der Song kommen.
41:46Das machen wir miteinander, da helfen wir da, dass man weiter nach vorne kommt.
41:50Die Stimmung spiegelt sich im Social-Media-Auftritt.
41:54Motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen zu besseren Unternehmensergebnissen.
41:59Doch die bewusste Entscheidung für ein freundliches Klima ist in Unternehmen eher die Ausnahme.
42:05Das ist nicht normal. Also das, was wir hier erleben dürfen, das ist wirklich eine ganz große Seltenheit, dass jeder
42:11die Wertschutzung bekommt, die er braucht.
42:13Und auch die Motivation, die man im Arbeitsalltag braucht, um wirklich zu sagen, komm, wir gehen jetzt alle fürs gleiche
42:20Ziel und wir wollen alle am gleichen Strang ziehen.
42:23Sommer 2023. An der englischen Küste startet Denise das Abenteuer Kanalschwimmen.
42:31Die Durchquerung des Ärmelkanals.
42:35Ich bin mittendrin im Dunkeln gestartet und nach drei Stunden haben die Symptome angefangen.
42:40Ich hatte massive Schmerzen an der Hüfte, keine Energie mehr.
42:44Aber dann habe ich mich motiviert mit einem Sonnenaufgang. Ich wusste, nach fünf Stunden geht es hell.
42:48Man muss sich dann immer auf so ganz kleine Sachen fokussieren.
42:52Alle 45 Minuten haben die mir Getränke-Shakes gegeben und das war auch so eine Motivator.
42:58Ich hatte Momente, wo ich aufgeben wollte. Nach zehn Stunden habe ich Frankreich gesehen, bin geschwommen und geschwommen.
43:05Ich konnte nicht mehr richtig atmen, aber ich hatte das Ziel vor Augen.
43:16Und dann habe ich den Sand unter meinen Füßen gespürt, Schritt für Schritt versucht rauszugehen.
43:22Es war rutschig und dann als ich da war, das war für mich so ein Moment, ich hatte das Gefühl,
43:26ich kann die ganze Welt erobern.
43:28Niemand kann mir was tun. Ich bin so stark, so mächtig. Das war Glück pur.
43:3357 Kilometer in 15 Stunden und 8 Minuten bei 16 Grad kaltem Wasser.
43:40Denise hat ihr persönliches Ziel erreicht. Eine großartige Leistung.
43:47Ich war meine größte Hürde. Mein Kopf, meine Gedankengänge waren meine größte Hürde.
43:52Aber ich habe gelernt, dass mentale Stärke viel, viel mehr machen lässt mit unserem Körper.
43:58Die mentale Stärke ist mehr als 60 Prozent wichtiger als unsere körperliche Stärke, um die Ziele zu erreichen.
44:05Ich war meine größte Hürde.
44:35Ich war meine größte Hürde.
44:38You
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