- vor 2 Tagen
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KurzfilmeTranskript
00:28Untertitelung. BR 2018
00:44Kommst du?
01:19Wie alt ist er?
01:22Ungefähr drei Monate.
01:23Wie lange liegt er hier schon?
01:25Sein Tod ist vor ca. zwölf Stunden eingetreten.
01:29Kennst du die Todesumersache?
01:31Ist schwer zu sagen.
01:33Es gibt keine Anzeichen äußerlicher Gewaltanwendungen.
01:36Aber du weißt ja selbst,
01:37in solchen Fällen liegt trotzdem oft eine innere Verletzung vor.
01:43Irgendwelche Spuren?
01:45Bei dem Regenspuren zu sichern, ist so gut wie unmöglich.
01:48Das Kind war hier in diese Decke gewickelt.
01:53Warum eingepackt, obwohl er tot war?
01:55Leider ist kein Etikett oder irgendwas dran,
01:57was auf die Herkunft schließen lässt.
01:59Sieht aber hochwertig aus.
02:01Können wir ihn jetzt mitnehmen?
02:03Moment noch.
02:06Kannst du mich kurz mit ihm allein lassen?
02:33Wer hat ihn gefunden?
02:34Lina Ulrich, Tierpflegerin.
02:43Vielen Dank.
02:46Entschuldigen Sie, dauert auch nicht lange.
02:49Können Sie mal was zu den Sicherheitsvorkehrungen des Geheges sagen?
02:53Sicherheitsvorkehrungen?
02:54Dafür haben wir leider kein Geld.
02:56Es gibt den Zaun da hinten, aber...
02:59Also kann man hier jederzeit rein?
03:01Ja.
03:03Passiert da nicht öfter was?
03:05Doch, manchmal kommen hier nachts Jugendliche und Junkies zum Vandalieren.
03:09Ich hab jeden Morgen Angst, dass irgendwas mit den Tieren ist, aber...
03:15Kann es sein, dass Sie das Kind tagsüber schon mal gesehen haben?
03:19Dass die Eltern öfter mit ihm hier waren?
03:26Schauen Sie mal, sehen Sie meine Kollegin da hinten?
03:28Diese Decke.
03:29Können Sie sich vielleicht an die erinnern?
03:33Ja, hier.
03:35Nachmittags war hier öfter so eine junge Frau mit Kinderwagen.
03:38Und auf dem Kinderwagen da lag so eine Denkermuppe.
03:43Die Augen waren noch etwas größer.
03:48So?
03:50Und noch ein bisschen weiter auseinander.
03:57Wahrscheinlich wieder junge Eltern, die mit dem Kind völlig überfordert waren.
04:00Aber warum das Kind in die Krippe legen, ausgerechnet?
04:04In solchen Fällen landen die doch in der Mülltonne oder sonst wo.
04:08Vielleicht war der Täter dazu nicht fähig.
04:10Vielleicht war die Krippe eine Art Geschenk an das tote Kind.
04:13Weil es den Ort so liebte.
04:15Ein Akt aus Mutterliebe?
04:17Mutterliebe?
04:19Würde eine Mutter, die ihr Kind wirklich liebt, sich so von ihm trennen?
04:22Es einfach zwischen den Tieren liegen lassen?
04:25Aus Panik?
04:26Da hättest du doch einen Notarzt angerufen.
04:28Nee, das passt alles nicht zusammen.
04:30Der exponierte Ort war Absicht.
04:32Ich glaube ja eher, jemand wollte, dass das Kind gefunden wird.
04:35Soll ich das an die Presse geben?
04:40Nee, zeig das erst mal auf dem Kinderwagenhof rum.
04:42Vielleicht erkennst du dort jemanden.
04:44Das Kind ist an einer Hirnblutung gestorben.
04:48Ursache dafür könnte ein Schütteltrauma sein.
04:50Ist aber nicht zwingend.
04:52Einen direkten Schlag kann ich aber ausschließen,
04:53weil es keine frischen Hämatome gibt.
04:56Gibt's alte?
04:57Ja, es gibt zwei kleine Druckstellen an den Beinen,
04:59aber die kann man auf dem Röntgenbild nicht mehr sehen.
05:03Aber solche Stellen können schon beim Wickeln oder beim Tragen entstehen.
05:07Klingst ja nicht besonders überzeugt von deinem Befund.
05:10Nein.
05:11Weil hier einfach alles viel zu vage ist.
05:13Bei einem Kind in diesem Alter ist der Körper so sehr in der Entwicklung,
05:15theoretisch könnte die Blutung die verschiedensten Gründe haben.
05:19Hohes Fieber, Stoffwechselstörungen, alles Mögliche.
05:22Wie lange brauchst du, um das rauszufinden?
05:24Ich muss noch ein paar Tests durchführen.
05:26Das wird dauern.
05:28Ja, Esther, was gibt's?
05:42Hey.
05:42Hallo.
05:43Eine andere Mutter vom Kinderbauernhof hat sie auf dem Phantombild erkannt.
05:46Sie heißt Jenny Breuer.
05:48Laut Melderegister wohnt sie hier.
05:50Das ist nicht unbedingt eine Gegend, wo man seine Kinderbrust ziehen will.
05:53Ich glaub, das kann sich hier keiner aussuchen.
06:01Da vorne.
06:20Frau Breuer?
06:23Frau Breuer?
06:33Frau Breuer?
06:36Frau Breuer?
06:39Können Sie mich hören?
06:44Sie hat Puls.
06:45Schmerztabletten.
06:47Scheiße, die sind leer.
06:48Ich ruf einen Krankenwagen.
06:49Okay.
06:51Keine Zahnsteck.
06:53Schmerztabletten.
07:00Führst du mit und sagst mir Bescheid, wenn sie aufwacht.
07:03Okay.
07:25Kinderwagen für 899 Euro.
07:35Nach mehr Verhaufforderung ordnen wir die zwangsweise Prüfung ihres Lebensumfeldes
07:40für den 25. Juni an.
07:50Mit deinen Notinformationen zur Babyklappe.
08:10Hallo?
08:13Hallo?
08:15Hallo?
08:15Hallo?
08:19Hallo?
08:48Ja?
08:52Wer sind Sie denn? Wo ist Jenny?
08:54Schumann, RKA.
08:57Was ist passiert?
08:58Wo ist Hannes?
09:00War Hannes Frau Breuers Sohn?
09:03War? Wieso war?
09:06Können Sie mir bitte erst mal sagen, wer Sie sind?
09:10Martha Fischer, ich bin nicht wahr, die Pflegemutter von Jenny. Was ist mit Hannes?
09:16Kommen Sie rein.
09:24Kommen Sie.
09:29Heute Morgen wurde ein Säugling tot aufgefunden. Wir gehen davon aus, dass es Hannes ist.
09:36Was ist passiert? Wo ist Jenny?
09:40Ich weiß nicht, was passiert ist. Sie war schon bewusstlos, als ich hier ankam. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht.
09:47Wie lange waren Sie Jennys Pflegemutter?
09:50Bis vor einem halben Jahr. Da ist sie 18 geworden. Sie wollte ausziehen. Ich habe ihr geholfen, die Wohnung zu
09:58finden.
09:59Wann haben Sie Jenny und Hannes das letzte Mal gesehen?
10:04Weiß ich nicht mehr. Es ist ein paar Tage her.
10:07Ist Ihnen da irgendwas aufgefallen? War was anders als sonst?
10:13Anders.
10:17Nein, hier schaut es immer so aus. Ich komme einfach nicht zurecht.
10:24Jenny war allein erzielt?
10:26Ja.
10:27Was ist denn mit dem Vater?
10:28Ich kenne ihn nicht. Sie möchte nicht sagen, wer sie ist. Sie hat ihn auch nicht in die Geburtsurkunde eintragen
10:33lassen.
10:33Vielleicht weiß sie selber nicht, wer sie ist.
10:35Hm.
10:37Jenny hatte eine Menge Probleme. Jetzt kriegt sie auch noch das Kind.
10:40Was für Probleme? Drogen?
10:41Ja, auch das.
10:43Was hat sie genommen?
10:45Speed Ecstasy.
10:46Auch während der Schwangerschaft?
10:47Ich weiß nicht. Ich hoffe nicht.
10:50Haben Sie sie denn finanziell unterstützt?
10:53Nein.
10:54Ich weiß nicht, was sie macht mit dem Geld.
10:57Ja.
10:57Wenn ich mir das Kinderzimmer angucke, würde ich sagen, sie hat fast alles für Hannes ausgegeben.
11:02Das ist es nicht, was ein Kind braucht.
11:06Sie haben überhaupt keine Ahnung. Der Hannes ist ein Schreikind.
11:09Da braucht es ganz viel Erfahrung, um mit sowas umzugehen.
11:11Die Jenny ist überhaupt nicht dazu in der Lage.
11:15Haben Sie sie deswegen beim Jugendamt angezeigt?
11:18Was?
11:24Natürlich weiß ich das nicht. Diese Arschlöcher. Das kann doch nicht wahr sein.
11:27Hören Sie mal, ich muss ganz schnell zu ihr.
11:30Ich glaube, das wird jetzt noch ein bisschen dauern, bis da jemand hin darf.
11:33Was ist das für ein Blödsinn? Die braucht jetzt jemanden.
11:37Es gibt tatsächlich etwas, das Sie für Jenny tun könnten.
11:41Die Leiche muss identifiziert werden.
11:52Die Leiche muss identifiziert werden.
12:00Guten Tag. Schumann, LKA.
12:03Ja, was ist denn?
12:04Ist Ihnen in letzter Zeit irgendwas Ungewöhnliches aufgefallen bei Ihrer Nachbarin, Frau Breuer?
12:09Ja, und ob. Seitdem das Kind da ist, kann man es ja kaum noch aushalten. Tag und Nacht Geschrei.
12:14Und wenn es mal nicht kreischt, dann stampft die da die ganze Zeit im Kreis.
12:18Haben Sie gehört, dass Frau Breuer ihr Kind mal angeschrien hat?
12:21Nein, dass nicht das Kind macht, Rabatz.
12:24Ja gut, ab und zu habe ich es auch mal streiten hören.
12:27Haben Sie gesehen, mit wem?
12:28Nein, keine Ahnung. Die hat öfter mal Besuch.
12:33Und Sie haben nicht zufällig gehört, worum es in dem Streiten ging?
12:36Nein.
12:38Weiß halt keiner, was sie mit ihrem Kind gemacht hat, dass es die ganze Zeit so laut schreien muss.
12:43Man will ja einfach mal seine Ruhe.
12:47Der Kleine ist tot.
12:49Na dann.
13:05Hey, hier ist Mario. Wenn du eine Message habt, knallt sie drauf.
13:26Max, kannst du mir mal bitte die Fotos, die da drauf sind, ausdrucken und find mal raus, wer dieser Mario
13:31ist.
13:31Jenny Breuer hat seit gestern öfter versucht, ihn zu erreichen.
13:34Ja, vielleicht der Vater von dem Kleinen.
13:36Kann sein. Weißt du inzwischen mehr über sie?
13:39Naja, diverse Jugendstrafen, Nadendiebstahl.
13:43Dann hat sie mal Drogen genommen und ist mit einem gestohlenen Wagen gegen einen Baum gefahren.
13:46Ist aber immer mit einem blauen Auge davon gekommen?
13:48Ja.
13:49Wovon hat sie gelebt?
13:50Hartz IV.
13:51Keine Nebeneinkünfte?
13:53Auf ihrem Konto kommt sonst nichts an.
14:25Entschuldigung.
14:30Ja, Esther?
14:33Okay.
14:36Jenny ist wieder beim Bewusstsein.
14:41Kommen Sie.
14:51Frau Breuer?
14:55Sind Sie von der Polizei?
14:58Ja.
14:59Mein Name ist Schumann.
15:03Lassen Sie mich gehen.
15:04Ich hab nichts gemacht.
15:07Frau Breuer, wissen Sie, was mit Ihrem Sohn Hannes passiert ist?
15:15Sie...
15:16Sie wissen's also?
15:20Was soll ich wissen?
15:21Na ja, dass er verschwunden ist.
15:24Hat es doch jemand gesehen.
15:25Was gesehen?
15:27Wer mit ihm weg ist.
15:32Entschuldigung.
15:33Ich glaube, ich verstehe jetzt nicht genau, wovon Sie sprechen.
15:35Von dem Wichser, der Hannes mitgenommen hat.
15:37Mitgenommen?
15:38Ja, geklaut, entführt.
15:42Ist das auf dem Kinderbauernhof passiert, gestern Abend?
15:46Ja.
15:47Klar.
15:49Dass ich weggepennt bin.
15:53Aber ich dachte, das wissen Sie alles.
15:55Nein, das höre ich zum ersten Mal.
15:57Warum sind Sie dann hier?
16:08Nein.
16:09Schicks.
16:12Esther?
16:14Willst du Dr. Tetschner?
16:20Kleines...
16:21Kleines...
16:22Kleines...
16:23Kleines...
16:24Kleines...
16:25Kleines...
16:26Put...
16:27Kleines...
16:28Kleines...
16:29Kleines...
16:29Leise...
16:31Kleines...
16:32Kleines...
16:43Kleines...
16:45Was ist eigentlich mit Jennys leiblicher Mutter?
16:49Die gibt es nicht mehr. Die ist tot. Die ist schon gestorben, als Jenny Seeks war.
16:53Ich weiß auch gar nicht, ob sie sich an die wirklich erinnert.
16:56Und der Vater?
16:58Der ist im Knast. Immer wieder. Ich meine, öfter drin ist draußen.
17:01Damals war es schwere Körperverletzung, deswegen ist sie zu mir gekommen.
17:05Der hat seinen Frust an dem Kind ausgelassen, aber ich glaube, dass sie trotzdem sehr an ihren Vater hinkriegt.
17:10Und die Liebe, die Anerkennung, die sie gebraucht hat, hat sie sich dann später bei anderen Männern gesucht?
17:18Jenny ist immer so unvorsichtig mit Männern.
17:24Hat sie Ihnen eigentlich einen dieser Männer vorgestellt? Hatte sie einen festen Freund?
17:30Nein, so etwas wie eine feste Beziehung, das ist ihr bis jetzt nicht gelungen.
17:35Ich meine, das sind auch immer so Typen, wie von der Straße aufgelesen, meine Entschuldigung.
17:39Es ist fürchterlich von mir, dass ich das sage, aber genau so ist es.
17:43Sagt Ihnen der Name Mario was?
17:46Nein, wer ist das?
17:48Der Vater vielleicht?
17:52Jenny hat behauptet, ihr Sohn Hannes sei gestern Abend aus seinem Kinderwagen entführt worden.
17:58Haltet Sie das für möglich?
18:02Weiß nicht, halten Sie es für möglich?
18:07Jenny und Sie, was haben Sie für ein Verhältnis?
18:13Es ist schwer, eine Bindung zu einem Kind aufzubauen, das nicht das eigene ist.
18:19Jenny war acht, als sie zu mir gekommen ist. Das ist alles gelaufen, Anprägung.
18:25Wie viele Pflegekinder haben Sie noch?
18:28Ich habe keins mehr, Jenny war das Letzte.
18:32Vor zwei Jahren ist mein Mann gestorben, danach bin ich in meinem alten Beruf zurück.
18:36Ich bin Familienberaterin beim Jugendamt.
18:39Ja.
18:39Ich habe Soziologie und Erziehungswissenschaften studiert, aber ich wollte nicht am Schreibtisch schützen.
18:43Ich wollte Kindern konkret helfen.
18:46Sie müsste bald mit Jenny sprechen.
18:49Ich rufe Sie an.
19:01Sind Sie sicher, dass er es ist?
19:05Frau Fischer hat ihn identifiziert.
19:12Scheiße.
19:13Wenn Hannes tatsächlich so plötzlich verschwunden ist, warum haben Sie eigentlich nicht die Polizei gerufen?
19:18Dann hätte doch das Jugendamt sofort wieder auf der Matte gestanden.
19:23Dann.
19:26Sie hätten ihn mir weggenommen.
19:30Hatten Sie schon länger Probleme mit dem Jugendamt?
19:33Die sind auf einmal bei mir aufgetaucht.
19:36Haben komische Fragen gestellt, aber ich habe doch gar nichts gemacht.
19:47Ein kleines Kind zu versorgen, das ist keine einfache Aufgabe.
19:55Hannes hat bestimmt sehr in Ihren Nerven gezerrt.
19:58Ist Ihnen das zu viel geworden?
20:00Wollten Sie ihn weggeben?
20:01Niemals.
20:02Ich habe Hannes geliebt.
20:05Wer ist dieser Mario, den Sie mit Ihrem Handy so oft angerufen haben?
20:09Der Vater des Kindes?
20:12Nein.
20:13Wir haben uns erst vor einem Monat kennengelernt.
20:16Er mochte uns.
20:19Wissen Sie, wo ich ihn finden kann?
20:21Scheiße, ich habe noch nicht meine Adresse.
20:27Wenn er nicht der Vater des Kindes ist, wer ist es dann?
20:31Ist doch egal.
20:36Das war ein One-Night-Stand.
20:38Ein Unfall.
20:41Spielt keine Rolle.
20:47Der Anschluss gehört Mario Höpfner, 23.
20:50Mehrfach vorbestraft.
20:52Der handelt mit Drogen.
20:54Schreib ihn zur Fahndung aus.
20:55Habe ich gemacht.
20:58Gab so Jenny Breuer diese seltsame Geschichte mit der Entführung?
21:00So seltsam ist die gar nicht.
21:02Guck mal.
21:06Das ist Marcel Pohl, vier Monate alt.
21:08Er verschwand aus seinem Kinderwagen, während die Mutter angeblich auf Toilette war.
21:13Das war vor acht Monaten in der Hasenheide.
21:16Vor einem halben Jahr wurde Chantal Klein, fünf Monate alt, aus einem Auto am Görlitzer Park entführt.
21:24Beide Fälle sind immer noch ungeklärt.
21:26Beide Kinder immer noch verschwunden.
21:28Was steht in den Akten über die Eltern?
21:31Sozial schwache Familien, die Mütter alleinerziehend in beiden Fällen, eine mit Drogenproblemen.
21:38Haus in der Heide, Garlitzer Park, jetzt der Bauernhof am Engelbecken, sind alles Drogenumschlagplätze.
21:44Und alles Plätze, an denen Mario Höpfner schon verhaftet wurde.
21:48Und was sollte er mit den entführten Babys wollen?
21:50So eine Art Menschenhandel.
21:52Dafür müsste er sehr gut vernetzt sein.
21:54Ich glaube eher, dass wir es hier mit einem kleinen Drogendealer zu tun haben.
21:57Mario Höpfner ist ja nicht der Einzige, der sich für Jenny und ihr Kind interessiert hat.
22:30Ja, das stimmt.
22:30Der Vater des Kindes hatte sich an uns gewandt. Er zeigte eine mögliche Vernachlässigung an.
22:35Der Vater?
22:37Ich dachte, in der Geburtsurkunde ist gar keiner eingetragen.
22:39Ja, das stimmt. Aber inzwischen hatte er Klage eingereicht und kämpft um das Sorgerecht.
22:44Und deswegen haben Sie gleich so einen Druck auf Frau Breuer ausgeübt?
22:47Wenn alles in Ordnung gewesen wäre, hätte sie ja nichts zu befürchten gehabt.
22:52Die Aufgabe meines Amtes ist nicht, die Mütter zu schonen, sondern die Kinder zu schützen.
22:56Und angesichts von Frau Breuer ist Femke angehalten.
22:58Meines Wissens nach ist Frau Breuer mittlerweile clean.
23:02Wissen Sie eigentlich, wie viele Problemfälle es in diesem Bezirk gibt?
23:06Diese Stadt wächst ständig. Wir bräuchten dringend mehr Sachbearbeiter.
23:10Aber die Kassen sind leer.
23:11Nur wenn was passiert, wer ist schuld? Das Jugendamt.
23:14Wir.
23:16Ich.
23:18Gut.
23:19Wie heißt denn nun dieser angebliche Vater?
23:39Ja, bitte?
23:40Schumann, LKA. Wohnt hier Felix Reus?
23:52Ich bin seine Mutter, Petra Reus.
23:55Ich würde gerne mit ihm reden. Ist er zu Hause?
23:57Er ist oben in seinem Zimmer.
24:00Worum geht es denn?
24:18Wer sind Sie denn?
24:19Mein Name ist Schumann, LKA.
24:22Sind Sie der Vater von Hannes Breuer?
24:25Ja.
24:27Ich habe leider eine traurige Nachricht.
24:33War es im Unfall?
24:35Das wissen wir noch nicht.
24:37Was ist mit Jenny?
24:39Machen Sie sich Sorgen um sie?
24:42Ja, sie ist, sie war immerhin seine Mutter.
24:47Sie haben sie doch verklagt.
24:51Sie wollte nicht, dass ich das Kind sehe.
24:53Wollten Sie das denn?
24:55Sicher.
24:58Jenny meint, Sie waren ein One-Night-Stand.
25:03Sagt sie das, ja?
25:05Stimmt das nicht?
25:06Für einen One-Night-Stand ist sie mir ziemlich hinterhergelaufen.
25:11Hat sie Ihnen auch von ihrer Schwangerschaft erzählt?
25:15Ja.
25:16Und?
25:18Sie hat mich einfach total überfahren.
25:20Wann haben Sie es sich anders überlegt?
25:21Vor oder nach der Geburt?
25:24Danach.
25:26Dem Jugendamt gegenüber haben Sie behauptet,
25:28dass Jenny Hannes vernachlässigt hat.
25:31Wie kamen Sie darauf?
25:33Sie haben Hannes doch noch nie gesehen.
25:35Sie war total verstrahlt.
25:36Sie hat weiter Party gemacht.
25:37Ich habe sie nachts in einem Club getroffen.
25:38Haben Sie versucht, sie zu unterstützen?
25:41Ihr Geld gegeben?
25:41Nein, ich studiere noch.
25:44Ja.
25:46Jura, da ist doch so eine kleine Sorgerechtsklage
25:49eine prima Fingerübung für Sie.
25:51Wie bitte?
25:54Wo waren Sie gestern zwischen 17 und 19 Uhr?
25:59Hier, ich habe gelernt.
26:01Haben Sie Zeugen dafür?
26:03Meine Mutter.
26:04Danke.
26:06Das reicht mir fürs Erste.
26:15Danke.
26:21Es reicht mir fürs Erste.
26:23Danke.
26:32Es reicht mir fürs Erste.
26:56Ja?
27:05Wo ist er?
27:06Da drüben. Der mit der Sonnenbrille. Mario Höpfner.
27:12Sind unsere Kollegen in Position?
27:14Ja.
27:23Wenn er abhaut, Zugriff.
27:26Stand-by an alle.
27:35Mohammed, German.
27:38Hatsung.
27:39Loving her!
27:45Holla!
27:47Holla!
27:49Holla!
27:51Holla!
27:53Holla!
27:53Holla!
27:53Holla!
27:54Holla!
28:16Scheiße!
28:18Ich hab ihn verloren.
28:34Sie sind festgenommen. Los, spuck das Zeug aus. Hier, spuck aus.
28:41Okay.
28:57Haben Sie eins von diesen Kindern mal gesehen?
29:02Nein.
29:05Warum haben Sie sich an Jenny Breuer angemacht?
29:09Sie sagen, dass sie Hilfe brauchen.
29:13Erklären Sie mir das mal genauer. Woher kennen Sie sich?
29:17Ich hab sie da Engelbecken gesehen. Sie hatte irgendwie Stress mit dem Kinderwagen.
29:22Ich hab ihr geholfen, Hannes nach Hause zu bringen. Dann war sie auch gleich nett zu mir.
29:27Also für Sie war sie sowas wie eine leichte Eroberung. Und die Begegnung purer Zufall.
29:33Ja.
29:37Sie haben sie vorher nie gesehen? Obwohl Sie quasi jeden Tag mit Ihrem Kinderwagen am Engelbecken vorbeikamen?
29:44Hören Sie, ich mag Jenny. Okay? Ich hab's auch cool mit Hannes.
29:48Deswegen haben Sie dann auch gleich erstmal alle Ihre Anrufe ignoriert, weil Sie es so cool fanden.
29:58Ich wollte es einfach ein bisschen langsamer angehen lassen.
30:02Oder hat Hannes Sie genervt mit seinem Geschrei? Wollten Sie ihn loswerden?
30:05Was? Nein, ich wollte ihn nicht loswerden. Ich wollte einfach mal Zeit mit einer Frau verbringen, ohne dass die ganze
30:11Zeit ein Kind rumschreit.
30:13Das kaufe ich Ihnen nicht ab. Sie haben schon gemerkt, dass bei Jenny was zu holen ist. Sie haben den
30:19teuren Kinderwagen gesehen, die Ausstattung vom Kinderzimmer. So blöd sind Sie nicht.
30:28Okay, ich hatte Jenny schon länger im Auge gehabt. Einmal war auch eine ältere Frau bei ihr, da beim Kinderbauernhof.
30:36Die sah aus, als ob sie Kohle hätte.
30:38Martha Fischer? Die Pflegemutter von Jenny? Nein, von der war sie nur genervt.
30:43Wissen Sie, wer die Frau war? Nein, keine Ahnung. Jenny hat's mir nicht gesagt.
30:50Die Sache mit Jenny, das ist zu kompliziert gewesen. Okay, ich bin raus aus der Nummer. Ich habe eine neue
30:56Freundin, ohne Kind. Bei der war ich auch gestern den ganzen Tag gewesen.
31:03Das ist so ein Arschloch.
31:10Stimmt. Aber ist er noch ein Psychopath, der kleine Kinder geführt? Ich glaube nicht.
31:17Ich habe mit den Müttern gesprochen, deren Kinder entführt wurden. Die kennen ich nicht.
31:21Und sonst? Irgendwelche Gemeinsamkeiten?
31:25Naja, die leben in ähnlichen Verhältnissen wie Jenny. Total versiffte Wohnungen. Die Mutter von Chantal Klein, ich glaube, die hat
31:31sie komplett aufgegeben. Die war so zugedröhnt, die hat schon bei der ersten Frage angefangen zu weinen.
31:36Was ist mit der Mutter von dem anderen Kind?
31:38Die hatten auch zwei ältere Kinder, von zwei verschiedenen Vätern, aber die kümmern sich überhaupt nicht. Kein Unterhalt, keine Unterstützung.
31:45Die Mutter ist komplett überfordert. Ey, wie die die Kinder anschreit. So hart.
31:51Also wenn beide Mütter Höpfner nicht kennen, dann gibt's vielleicht doch keinen Zusammenhang zwischen den Fällen.
32:00Nicht nur die Gefäße im Kopf sind geplatzt, auch die Fußsohlen und an den Oberarm.
32:06Und das bedeutet?
32:10Ich tendiere zu einer Überhützung. Allerdings kann ich Fieber ausschließen. Es ist fast, als hätte jemand den Kleinen in einen
32:18Backofen gelegt.
32:20Oder ihn in der glühenden Sonne liegen gelassen?
32:26Möglich.
32:30Gibt's irgendwelche Hinweise darauf, dass Hannes durch den Drogenmissbrauch seiner Mutter während der Schwangerschaft geschädigt wurde?
32:35Nein, nichts.
32:40Ich hab ihn nicht in der Sonne stehen lassen. Das ist doch Quatsch. Das würde ich nie tun.
32:46Mario hat gesagt, er hat sie mal mit einer Frau auf dem Kinderbauernhof gesehen. Wer war denn das?
32:53Keine Ahnung, wen Sie meinen.
32:57Ich frag mich nur, woher Sie das Geld hatten für die ganzen Sachen, die Sie Hannes gekauft haben.
33:06Wussten Sie, wer die Anzeige beim Jugendamt gegen Sie erstattet hat?
33:12Der Vater des Kindes.
33:14Felix Reuss.
33:16Was?
33:18Nein.
33:22Er bestreitet, Sie unterstützt zu haben. Aber wer war es dann?
33:28Seine Mutter.
33:31Petra Reuss.
33:36Aber sie hatte Forderungen.
33:40Ja, klar.
33:43Sie wollte ihren Enkel regelmäßig sehen.
33:45Und das haben Sie gestattet?
33:48Gegen Bezahlung?
33:49Nein.
33:51Ja, wir haben uns zwei-, dreimal verabredet.
33:54Und dann hat sie aber angefangen, sich in irgendwelche Dinge einzumischen.
33:59Würde mir dann zu viel.
34:01Haben Sie noch mal was von Felix gehört?
34:06Ja.
34:06Ja.
34:08Irgendwann ist er zu mir gekommen.
34:10Er hat gesagt, dass ich seine Mutter in Ruhe lassen soll.
34:14Er dachte, ich nehme sie aus.
34:16Wollt er seinen Sohn sehen?
34:19Nein.
34:21Meines wird ihn nicht interessiert.
34:29Kommen Sie rein, ich bin hinten im Garten.
34:39Kommen Sie rein, ich bin hinten im Garten.
34:42Sie haben ihren Enkel sehr geliebt.
34:44Sie hätten gerne mehr Kontakt gehabt, oder?
34:50Natürlich.
34:53Er war so ein wunderbarer kleiner Kerl.
34:57Hatten Sie Angst, dass Jenny sich nicht richtig um ihn kümmern wird?
35:00Ja.
35:02Und Sie sehen, ich hatte Recht.
35:04Sie haben Ihren Sohn dazu gedrängt, bei einem Jugendamt Anzeige zu erstatten.
35:08Für das Sorgerecht zu kämpfen.
35:11Sie haben geglaubt, dass der kleine Hannes es hier bei Ihnen besser haben würde.
35:15Ich hätte auf ihn aufgepasst.
35:17Ich wäre für ihn da gewesen.
35:20Ich hätte alles dafür getan, dass er...
35:24Wissen Sie ja nicht, wie unsicher Jenny war?
35:27Wie fahrig?
35:29Hat sie ihm denn nicht gesagt, dass er ein Schreikind war?
35:31Dass sie kaum geschlafen hat?
35:33Sicher.
35:35Aber da war dann auch noch dieser Freund.
35:37Mario Höpfner?
35:39Ich habe ihn zwar nur einmal für einen Augenblick gesehen, aber...
35:42Ich sag Ihnen, der war doch nicht koscher.
35:44Ich habe Jenny gesagt, sie soll sich von ihm fernhalten.
35:46Aber sie hat ja nicht auf mich gehört.
35:49Ich hatte allen Grund Angst, um Hannes zu haben.
35:51Auch gestern Abend?
35:55Waren Sie da vielleicht nochmal auf dem Kinderbauernhof?
35:57Weil sie Hannes wiedersehen wollten.
36:00Und als sie gesehen haben, dass Jenny eingeschlafen war, haben sie ihn einfach mitgenommen.
36:03Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.
36:05Ich war gestern Abend hier.
36:07Allein mit ihrem Sohn?
36:09Als einzigem Zeugen?
36:10Ja.
36:21Irgendwas ist schiefgegangen bei der Entführung.
36:24Er hat den Täter überrascht.
36:26Er hat ihn aus dem Konzept gebracht.
36:31Vielleicht der Tod des Kindes.
36:35Ja.
36:37Aber was, wenn das gar keine Absicht war?
36:40Und der Täter wusste, er kann jetzt nicht die Polizei rufen, er kann nicht den Notarzt rufen.
36:44Also hat er das Kind zurückgebracht.
36:47Und warum hat er ihn dann in die Krippe gelegt?
36:52Vielleicht wollte er ihn ja auch der Mutter zurückbringen, in der Hoffnung, sie würde sich um alles kümmern.
36:57Aber Jenny war eben aufgewacht und schon weggelaufen in Panik.
37:01Das sind alles Gedanken, die zur liebenden Großmutter passen würden.
37:06Ja?
37:07Genau.
37:09Nehmt ihr nochmal Petra Reuss unter die Lupe?
37:11Und ihren Sohn?
37:12Okay.
37:23Ich muss meine frische Luft haben.
37:47Was ist denn noch deine erste Erinnerung?
37:50Also das Erste, was du wirklich wahrgenommen hast?
37:53Was hängen geblieben ist?
37:58Keine Ahnung.
38:00Kannst du es sagen?
38:02Bei mir war es, glaube ich, meine Mutter. Meine Mutter beim Bügeln.
38:07Beim Bügeln?
38:08Mhm. Und ich musste immer Abstand halten, weil sie Angst hatte, dass ich mich verbrenne am Eisen.
38:13Und? Hast du auf sie gehört?
38:15Nee, natürlich nicht. Ich war klein, dickköpfig und, ja, musste es selber herausfinden.
38:22Wie alt warst du da?
38:24Drei, vier, alles andere davor, weg.
38:32Jetzt fällt mir auch was ein.
38:35So, mit fünf oder so habe ich gedacht, ich wäre bei der Geburt vertauscht worden. Oder adoptiert.
38:41Jedenfalls konnten diese merkwürdigen Leute unmöglich meine Eltern sein.
38:44Na klar. Klassiker.
38:47Ja, die Eltern kann man sich nicht aussuchen.
38:57Am Nachmittag von Hannes Tod hat Petra Reus 1.000 Euro von ihrem Konto abgehoben.
39:02Du hast ja gesagt, dass sie Jenny unterstützt.
39:04Bruno, ich habe das Krankenhaus am Telefon.
39:06Die wollen wissen, ob es für Jenny Breuer nun einen Haftbefehl gibt oder nicht.
39:13Warum?
39:14Weil sie sich sonst entlassen müssen.
39:20Was ist mit Suizidgefahr? Wäre das nicht ein Grund, sie da zu behalten?
39:24Nicht ohne gerichtliche Anordnung. Soll ich schnell versuchen, eine zu bekommen?
39:29Nee.
39:36Tag. Ist Jenny da?
39:38Sie schon wieder. Lassen Sie sie doch in Ruhe.
39:41Was wollen Sie? Gibt es was Neues wegen Hannes?
39:45Nein.
39:46Ich habe nur ein paar Fragen zu Petra Reus.
39:50Wer ist das?
39:52Hannes Großmutter.
39:59Verstellt Sie das, wenn ich ein bisschen Milch abpumpe, falls Hannes gleich wach wird?
40:04Hannes?
40:11Nein, natürlich nicht Hannes.
40:15Aber ich muss abpumpen. Sie sind noch so voll.
40:19Sie gewöhnen sich nicht so schnell um.
40:23Ich würde jetzt echt gerne meine Ruhe haben.
40:25Dann gehe ich schon mal ins Bad und packe alles zusammen.
40:27Nein, das mache ich selber.
40:29Ich weiß doch, was du brauchst.
40:30Kann ich vielleicht einmal ausnahmsweise selber bestimmen, was ich brauche und was nicht?
40:37Sie ziehen zu Frau Fischer?
40:39Ja, für ein paar Tage.
40:41Bis sie das alles normalisiert hat, ist besser so.
40:44Martha glaubt einmal besser zu wissen, was gut für mich ist.
40:47Sie gibt auch so lange keine Ruhe.
40:49Es ist ihre Lieblingsbeschäftigung, mir zu sagen, was ich alles nicht kann.
40:52Jenny, ich versuche einfach, dir zu helfen.
40:54Ja, dann gut, dann pack im Bad.
41:08Wann hatten Sie das letzte Mal Kontakt zu Petra Reus?
41:11Das weiß ich nicht mehr.
41:14An dem Tag, als Hannes verschwunden ist, haben Sie sie da gesehen?
41:20Haben Sie Geld von ihr bekommen?
41:23Nein.
41:24Wenn es so wäre, würde ich es Ihnen doch sagen.
41:29Was war denn das eigentlich zwischen Felix und Ihnen?
41:34Es war in einem Club.
41:36Er war großzügig, charmant, sah gut aus.
41:41Solche Typen quatschen mich eigentlich nicht an.
41:45Aber wo hätte ich denn wissen sollen, dass er wie ein Kind ist und nichts auf die Reihe kriegt?
41:52Immerhin macht er jetzt sein juristisches Staatsexamen.
41:55Tja, und selbst das geht nicht ohne Mutti.
41:59Voll peinlich.
42:01Wie?
42:03Naja, er bezahlt jemanden, damit er vorher die Fragen bekommt.
42:07Das Geld ist von Mama.
42:09Die rettet ihm immer den Arsch.
42:20Wo ist Jenny?
42:22Warte, dort unten.
42:24Haben Sie wirklich nichts gewusst von Petra Reus?
42:28Nein, aber es gibt ja wohl eine Menge, wovon ich nichts wusste.
42:34Eigentlich, also, im Grunde bewundere ich Jenny.
42:38Das sind zwei Großmütter.
42:40Beide haben ständig an ihr gezerrt und gezogen, haben sie kritisiert, für unfähig gehalten.
42:45Aber sie hat das alles tapfer hingenommen.
42:49Und dann hat sie sich sehr liebevoll um ihr Kind gekümmert.
42:53Wissen Sie, was für eine Verantwortung man als Pflegermutter trägt?
42:56Man ist dauernd damit beschäftigt, das auszubügeln, was die Eltern verbockt haben.
43:01Ich glaube, Jenny hätte von Ihnen einen emotionalen Halt gebraucht.
43:04Das wird trauen, dass sie eine gute Mutter sein kann.
43:07Sie mal, vielleicht habe ich Fehler gemacht, aber Sie erzählen mir hier nicht, was ich hätte tun sollen.
43:29Also gut, ja, ich war an dem Nachmittag unterwegs.
43:32Für wen war das Geld?
43:37Wollen Sie vielleicht doch zu Jenny, mir einen Deal anbieten wegen Hannes?
43:41Und dann haben Sie ihn da liegen sehen in seinem Kinderwagen, unbeaufsichtigt?
43:44Nein, so war das nicht.
43:46Wie war es dann?
43:52Ich musste Schulden bezahlen.
43:55Sie haben Schulden?
43:56Nein.
43:58Mein Sohn.
44:00Bei dem, der ihm seine Prüfungsaufgaben liefert?
44:02Was Sie wissen davon?
44:08Ich konnte ihn noch nicht im Stich lassen.
44:10An dem Staatsexamen hängt zu viel.
44:13Und zum Tatzeitpunkt haben Sie dann das Geld übergeben?
44:16Ich war zusammen mit Felix dort.
44:17Er kann nicht beim Kinderbauernhof gewesen sein.
44:20Dachten Sie wirklich, dass Felix sich irgendwann für seinen Sohn erwärmen würde?
44:24Ich weiß das nicht.
44:26Ich weiß nicht, warum der so ist.
44:30Vielleicht habe ich da als Mutter auch versagt.
44:50Ich weiß nicht, warum der so ist.
45:22Ich glaube nicht, dass Jenny Hannes mal eine Babyklappe abgeben wollte.
45:27Die hat nicht nach dem letzten Ausweg gesucht.
45:29Das ist überhaupt nicht ihre Art.
45:31Im Gegenteil, die wollte Hannes eine gute Mutter sein.
45:35Wie viele solcher Babyklappen gibt es denn in Berlin?
45:38Nur noch vier.
45:40Ich dachte, die wären schon abgeschafft.
45:42Ob das mir irgendwo gehört.
45:44Ja, die sollen auf lange Sicht durch eine vertrauliche Geburt ersetzt werden.
45:51Martha Fischer hat mal ein paar Jahre in der Aufklärungsarbeit über Babyklappen gearbeitet.
45:56Ich habe das in ihren Arbeitsnachweisen vom Jugendamt gelesen.
46:00Das wird erklären, woher diese Broschüre stammt.
46:04Ist wieder ein Kind verschwunden.
46:06Am Gleisdreig.
46:07Was?
46:08Ja.
46:09Scheiße.
46:10Kannst du stehen?
46:12Ja.
46:12Hallo.
46:14Ist sie das?
46:16Ja.
46:21Frau Hage?
46:22Ja.
46:25Mein Name ist Schumann.
46:27Wir werden alles tun, um ihren Sohn zu finden.
46:30Ja.
46:31Das sehe ich.
46:32Ich habe den beiden da drüben schon genau gesagt, was passiert ist.
46:35Und?
46:35Tun die was?
46:36Nee.
46:37Stehen bloß blöd rum.
46:39Wo waren sie denn, als ihr Sohn verschwunden ist?
46:41Na, nur kurz beim Kiosk da drüben.
46:44Er hatte Durst.
46:45Und Heiren hat geschlafen.
46:48Könnte ihn denn jemand mitgenommen haben, den Sie kennen?
46:51Sein Vater zum Beispiel?
46:52Ach, Quatsch.
46:56Waren Sie denn öfter hier an dieser Stelle mit Ihrem Sohn?
46:59Na ja, klar.
47:00Jeden Tag.
47:03Ist Ihnen da vielleicht jemand aufgefallen?
47:05Jemand, der Sie angesprochen oder beobachtet hat?
47:11Eventuell dieser Mann?
47:13Ist das einer von diesen Kinderschändern, ja?
47:15Die frei herumlaufen, obwohl die eigentlich in den Knast gehören?
47:18Hat der mal einen Teil drin?
47:20Verdammt doch mal, was machen Sie denn noch hier?
47:22Jetzt tun Sie doch endlich was.
47:24Frau Hager, ich verstehe, dass Sie Angst um Ihren Sohn haben.
47:27Scheiße.
47:29Haben Sie jetzt jemanden, der sich um Sie kümmert?
47:32Ja, was kümmern?
47:34Wollen Sie mir jetzt wieder diese dumme Kuh vom Jugendamt auf den Hals hetzen, ja?
47:38Nee, danke.
47:39Hatten Sie Ärger mit dem Jugendamt?
47:47Ja, das stimmt.
47:49Wir haben der Familie Hager bereits in der Vergangenheit eine Familienberatung zukommen lassen.
47:53Wie genau sahen die aus?
47:55Bei Familie Hager mangelt es bereits an grundlegenden Dingen, wie der Organisation eines familiären Alltags, von der Hygiene ganz zu
48:02schweigen.
48:04Besonders mangelte es wohl an der Entziehungskompetenz.
48:08Unsere Familienberaterin hat sich vor Ort ein Bild der Situation gemacht und gemeinsam mit den Hagers an Lösungsansätzen für deren
48:14Konflikte gearbeitet.
48:16Wer war denn diese Familienberaterin?
48:21Martha Fischer.
48:27Können Sie mir mal die Akten der anderen beiden verschwundene Kinder raussuchen?
48:30Ja, natürlich.
48:33Und Martha Fischer war in all diesen Familien?
48:37Ja, als Familienberaterin, ja.
48:40Sie hat die Zustände gesehen und hat sich entschlossen zu handeln.
48:44Was hat sie mit den ganzen Kindern gemacht?
48:46Was wollte sie von denen?
48:47Sie hat Robin Hood gespielt.
48:49Sie hat ja auch gesagt, Jenny kam viel zu spät zu ihr.
48:52Und den entführten Kindern wollte sie einfach einen besseren Start ins Leben ermöglichen.
48:57Aber wo und mit wem?
48:59Vielleicht waren die Kinder jemandem versprochen.
49:01Martha Fischer hat sich für Babyklappen engagiert.
49:04Und die Kinder, die dort abgegeben werden, die stehen frei zur Adoption.
49:08Für Eltern, deren Tauglichkeit vorher vom Staat auf Herz und Nieren geprüft wurde.
49:14Ich habe jetzt endlich ein Ergebnis.
49:16Ich weiß, woran Hannes gestorben ist.
49:17Und?
49:18Der Hitzeschlag stimmt, aber er wurde durch eine ectodermale Dysplasie ausgelöst.
49:22Das ist ein sehr seltener genetischer Defekt.
49:24Er betrifft die Schweißdrüsen.
49:26Hannes konnte nicht schwitzen.
49:27Er hat sich schon bei kleinsten Temperaturschwankungen überhitzt.
49:30Und das hat niemand vorher gemerkt?
49:32Das war kaum möglich, wie gesagt.
49:33Das ist ein seltener Defekt.
49:34Aber es erklärt, warum Hannes so viel geschrien hat.
49:38Dann hätte er ja jederzeit sterben können.
49:40Ja, leider.
49:42Jede innige Umarmung, jeder warme Raum waren ein Risiko.
49:48Und bei der Entführung wurde er wahrscheinlich fest in seine Decke gewickelt.
49:52Dem sollte ja nichts passieren.
49:54Bruno, Martha Fischer ist jetzt da.
50:02Sie war zu Hause.
50:03Aber von Jenny Breuer und Tyron Hager keine Spur.
50:06Überall in ihrer Wohnung waren Kindersachen verteilt.
50:09In einem Zimmer stand sogar ein Babywett.
50:11Offensichtlich dazu gedacht, dass es auch benutzt wird.
50:20Tyron Hager wurde nur knapp 48 Stunden, nachdem Hannes gestorben war, entführt.
50:26Haben Sie das für Jenny gemacht?
50:30Haben Sie wirklich geglaubt, Sie könnten Jennys Schmerz lindern,
50:34indem Sie einfach ein Ersatzkind in den Arm drücken?
50:37Sie kann eine gute Mutter sein, das weiß ich.
50:40Das haben Sie aber lange bezweifelt.
50:43Genau wie bei den anderen Müttern, deren Kinder Sie entführt haben.
50:46Sie haben das nicht gesehen, was ich gesehen habe.
50:49Sie haben nicht die Kinder gesehen, die da schreien.
50:52Wenn sie Durst haben, Hunger, die schreien vor Sehnsucht nach Nähe.
50:56Ich hatte Angst, um ihr Leben.
51:01Das war mit dem Jugendamt.
51:03Soll das ein Witz sein? Die machen doch nichts.
51:06Die sitzen an ihren Schreibtischen, dann wird ein Vermerk getippt,
51:09dann wird geredet und geredet.
51:10Da macht ja keiner was. Ich war verantwortlich.
51:14Also mussten Sie handeln?
51:16Ja, ich habe gehandelt. Ja, das stimmt.
51:20Wo sind die Kinder?
51:23In Familien, wo sie geliebt werden, wo sie als Wunschkinder aufwachsen.
51:32Frau Fischer, diese Broschüre hier, die bei Jenny lag, die ist von Ihnen.
51:38Sie betreiben Aufklärungsarbeit für Babyklappen.
51:41Ja, zum Wohl der Kinder.
51:44Damit überforderte Mütter da ihr Kind abgeben können, in sichere Hände,
51:49ohne dass jemand blöde Fragen stellt und anonym.
51:53Haben Sie die entführten Kinder bei der Babyklappe abgegeben?
51:59Sie haben das alles genau geplant, oder?
52:04Sie wussten, dass die Herkunft der Kinder, die dort abgegeben werden, nicht zurückverfolgt wird.
52:08Sie wussten auch, dass die Abstimmung mit den Vermisstenmeldungen nur innerhalb eines Bundeslandes stattfindet.
52:14Sie mussten also eigentlich nur so einen kleinen Ausflug machen mit den Kindern,
52:18wie sie das auch mit Hannes machen wollten.
52:19Und dann haben sie wirklich erst im Krankenhaus begriffen, wie sehr sie Jenny Unrecht getan haben.
52:27Sie haben gesehen, dass Jenny was mit Hannes verbindet, das sie nie mit ihr hatten.
52:33Ach so, ja.
52:38Wann haben Sie gemerkt, dass mit Hannes was nicht stimmt?
52:44Im Auto, da wollte ich ihn anschnallen, da hat er nicht mehr geatmet.
52:48Ich dachte, ich hätte ihn natürlich sofort ins Krankenhaus bringen müssen.
52:53Aber ich...
52:55Ich weiß nicht, ich bin sonst zu.
52:58Da war ich komplett...
53:01Das habe ich ihn zurückgebracht zum Kinderbauernhof.
53:04Ich dachte, wenn ihn gleich jemand findet, dann...
53:12Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich weiß es nicht.
53:20Ich habe sie gebeten, zu Hause zu bleiben.
53:21Ihm war zu warm in ihren Armen.
53:23Oh.
53:25Hannes hatte einen genetischen Defekt.
53:27Er hat einen Hitschlag bekommen.
53:30Was?
53:33Wo ist Tyron?
53:35Frau Fischer.
53:38Wo kann Jenny mit ihm sein?
53:39Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.
53:42Ich habe sie gebeten, zu Hause zu bleiben.
53:50Ich habe ihre Wohnung überprüfen lassen, aber da ist sie auch nicht.
53:57Vielleicht ist sie dort, wo sie immer mit Hannes war.
54:05Entschuldigung.
54:06Ich weiß es nicht, ich habe ihn schon mal gesehen.
54:08Ja, tut mir leid.
54:12Nicht gesehen?
54:13Nein, nicht gesehen.
54:14Schau, ich schau.
54:18Komm.
54:22Nein, wann ich wiedersehe.
54:29Sie ist nicht hier.
54:44Hallo, Frau Breuer.
54:51Ich möchte, dass Sie ihn seinen Eltern zurückgeben.
54:55Ich weiß, Martha meint es nur gut, aber es ist nicht dasselbe.
55:00Es ist nicht richtig.
55:21Frau Hager?
55:23Moment, ich komme gleich.
55:25Ich komme gleich.
55:28Bitte.
55:28Es wäre gut.
55:32Na, komm her.
55:35Du hast dir wieder angestellt, hm?
55:38Kleiner Racker.
55:40Wiedersehen.
55:42Wiedersehen.
55:52Wissen Sie schon, wo die anderen Kinder sind?
55:56Wir wissen zumindest, wo Martha Fischer sie abgegeben hat.
56:00Wir werden alles tun, um sie zu finden.
56:05Mir fehlt Hannes so sehr.
56:08Immer wenn wir zusammen waren, das war so intensiv, so anders als alles andere.
56:15Ich wusste, dass nicht nur ich lieb ihn, sondern er liebt mich auch.
56:23Das kann ihn keiner nehmen.
56:27Ich bin sicher, sie werden ihre zweite Chance bekommen.
56:32Was ist mit dem Gendefekt, wenn das wieder passiert?
56:36Na, es ist ein Familienscreening.
56:39Das muss ja nicht an Ihnen liegen.
56:44Danke für alles.
56:48Das muss ja nicht an Ihnen sein.
57:18Das muss ja nicht an Ihnen sein.
57:48Untertitelung des ZDF, 2020
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