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#Hörbuch #Deutsch
Gutes Hörbuch

Kategorie

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Musik
Transkript
00:00:14Ich blickte in eine magische Kristallkugel. Aus flatternden Nebelfahnen formierten sich Bilder.
00:00:20Eine düstere, erschreckende Welt. In der Ferne schimmerte ein heller Fleck,
00:00:25der rasend schnell näher kam. Ein Schacht. Am Ende dieses Schachtes breitete sich ein Gewässer aus.
00:00:34Darin lebte etwas. Ich erschrak. In den Fluten erkannte ich menschliche Leiber.
00:00:40Sie waren ebenso schwarz wie das Wasser. Immer wieder tauchten sie zwischen den knorrigen,
00:00:46herumschwimmenden Ästen auf. Ein Fluss der Unterwelt. Das war der Hades. Das Reich der Toten.
00:00:54Und dann sah ich mich selbst. Ein langes Tau baumelte von der fernen Schachtöffnung herab.
00:01:02An diesem Tau hing ich. Unter mir der Sumpf und unzählige Hände, die nach mir griffen.
00:01:08Die Schachtöffnung glitt zu und schloss sich, wie die Blende einer Kamera.
00:01:13Die Unterwelt würde mich niemals wieder freigeben.
00:01:35Regina Terser verschloss die Haustür hinter sich. Es war elf Uhr.
00:01:41Na, so spät noch allein unterwegs?
00:01:45Wer sind Sie?
00:01:47Nur ein harmloser Spaziergänger. Von mir brauchen Sie keine Angst zu haben.
00:01:53Warum erschrecken Sie mich dann?
00:01:55Oh, das war nicht meine Absicht. Entschuldigen Sie bitte.
00:01:59Was tun Sie hier um diese Zeit?
00:02:01Ich habe Ihnen doch bereits gesagt, ich mache einen Spaziergang.
00:02:05Ach, und nehmen Sie immer eine Gießkanne mit, wenn Sie spazieren gehen?
00:02:10Nein, nicht immer. Nur, wenn ich am Friedhof vorbeikomme.
00:02:14Am Friedhof? Sie wollen um diese Zeit noch auf den Friedhof?
00:02:18Ganz recht, ja.
00:02:20Aber warum das denn?
00:02:21Ich möchte ein Grab begießen.
00:02:23Blumen gießen. Um elf Uhr nachts.
00:02:26Nein, keine Blumen. Sie hören mir nicht richtig zu.
00:02:30Ich möchte ein Grab begießen. Und auch nicht mit Wasser.
00:02:35Sie lassen mich jetzt auf der Stelle in Ruhe. Oder ich schreie.
00:02:38Hier hört sich sowieso keiner.
00:02:40Lassen Sie mich los!
00:02:43Hilfe! Hilfe!
00:02:46Warum wirst du dich? Es hat doch keinen Sinn.
00:02:49Nein!
00:02:50Jetzt hör doch auf, Klingeln.
00:02:52Ich will doch nur dein Blut. Sonst nichts.
00:02:56Und wenn du weiter so zappelst, verschütteln wir noch alles.
00:03:01Nein!
00:03:06Verdammt! Wer wagt es?
00:03:07Ich! Das bist du!
00:03:11Er stach zu.
00:03:12Die Klingel bohrte sich bis zum Heft genau zwischen die Schulterblätter des mutigen Retters.
00:03:17Es kam kein Blut.
00:03:19Wie in eine flexible Wachsschicht war die Waffe gedrungen.
00:03:23Das kann nicht sein!
00:03:24Das ist unmöglich.
00:03:26Nichts ist unmöglich. Und du hast jetzt Sendepause!
00:03:31Wie geht es Ihnen?
00:03:34Ich...
00:03:35Ich weiß nicht.
00:03:37Wer sind Sie?
00:03:39Es ist alles gut.
00:03:40Sie brauchen keine Angst mehr zu haben.
00:03:42Es ist vorbei.
00:03:43Sie haben sich tapfer zur Wehr gesetzt.
00:03:45Vielen Dank.
00:03:48Es ist gut, dass Sie dazu gekommen sind.
00:03:52Ich war zufällig in der Nähe.
00:03:54Ich werde Sie zu einem Arzt bringen.
00:03:56Das ist nicht nötig.
00:03:58Ich glaube, ich bin mehr erschrocken.
00:04:00Nein.
00:04:02Sie haben in das Messer gegriffen.
00:04:03Auch Ihre Unterarme sind zerstochen.
00:04:05Sie bluten stark.
00:04:07Entschuldigen Sie bitte.
00:04:10Es geht nicht anders.
00:04:12Ich werde Ihnen ein neues Kleid kaufen.
00:04:14Das verspreche ich Ihnen.
00:04:15Es ist nicht schlimm.
00:04:16Wo finde ich hier den nächsten Arzt?
00:04:19Hier in Kumberg nicht.
00:04:20Im Umkreis von 20 Kilometern überhaupt nicht.
00:04:24Da müssen wir schon nach Grafenau.
00:04:26Gut.
00:04:26Dann gehen wir dorthin.
00:04:28Soweit ich weiß, gibt es da sogar ein Krankenhaus.
00:04:30Ich bringe Sie in die Ambulanz.
00:04:32Der Mann...
00:04:32Um ihn kümmere ich mich später.
00:04:34Sie sind jetzt wichtiger.
00:04:36Sie haben mir immer noch nicht gesagt, wer Sie sind.
00:04:39Ich heiße Regina.
00:04:41Mein Name ist Björn Hellmark.
00:04:43Es war nur die halbe Wahrheit,
00:04:45aber es hatte keinen Sinn, Regina Terzer,
00:04:47die volle Wahrheit zu sagen.
00:04:49Sie hätte sie nicht begriffen.
00:04:51Nicht Björn Hellmark war es,
00:04:52sondern Makabros,
00:04:54der Doppelkörper des Deutschen.
00:04:56Bringen Sie mich nach Hause.
00:04:58Ich fühle mich schon wieder besser.
00:05:00Das werden die Ärzte entscheiden.
00:05:03Plötzlich gab es einen Ruck,
00:05:05als würde ein harter Luftzug Sie treffen.
00:05:07Sie zuckte zusammen.
00:05:09Träumte sie?
00:05:10Die Umgebung hatte sich verändert.
00:05:12Wo sind wir?
00:05:14Schon da.
00:05:15Dies ist die Ambulanz.
00:05:16Ich habe gar nicht gemerkt,
00:05:18dass wir gefahren sind.
00:05:20Sie haben geschlafen wie ein Murmeltier.
00:05:22Warum tun Sie das alles für mich?
00:05:25Hätte ich Sie in Ihrem Blut liegen lassen sollen?
00:05:27Aber was hält Sie jetzt noch hier?
00:05:29Ich möchte mit Ihnen reden.
00:05:31Reden?
00:05:32Worüber?
00:05:33Der Überfall auf Sie, Regina.
00:05:35Das war kein Zufall.
00:05:37Der Mann hat ein bestimmtes Ziel verfolgt.
00:05:39Und ich möchte wissen, welches.
00:05:41Aber ich habe keine Ahnung.
00:05:44Wie ist er auf Sie losgegangen?
00:05:45Jetzt, da Sie danach fragen, fällt es mir wieder ein.
00:05:49Das Messer ist vor meinem Gesicht aufgeblitzt.
00:05:53Es wäre doch einfacher gewesen,
00:05:54es mir von hinten in den Rücken oder ins Herz zu stoßen.
00:05:57Wenn es ihm nur darauf angekommen wäre, mich zu töten,
00:06:00dann wäre es doch so am schnellsten gegangen.
00:06:04Ja, das denke ich auch.
00:06:06Mehr konnte Makabros nicht in Erfahrung bringen.
00:06:09Das Mädchen wusste wirklich nichts.
00:06:12Kaum war sie im Behandlungszimmer verschwunden,
00:06:14löste Björn Hellmark seinen Doppelkörper auf
00:06:17und schickte ihn erneut zum Ort des Geschehens.
00:06:32Verdammt!
00:06:33Kann ich Ihnen helfen?
00:06:35Was?
00:06:36Sie sind gestürzt.
00:06:38Ist alles in Ordnung?
00:06:39Ja, ja.
00:06:41Alles gut.
00:06:42Danke.
00:06:43Ich brauche keine Hilfe.
00:06:46Sind Sie sicher?
00:06:47Sie sehen nicht gut aus.
00:06:49Alter.
00:06:49Wenn ich sage, dass ich...
00:06:52Das heißt...
00:06:53Moment.
00:06:54Jetzt, wo Sie so fragen...
00:06:57Ja?
00:06:58Da wäre doch etwas,
00:07:00das Sie für mich tun könnten.
00:07:02Gerne.
00:07:02Was wäre das?
00:07:03Soll ich einen Arzt tun?
00:07:05Nein.
00:07:06Sie sollen meine Gießkanne füllen.
00:07:08Bitte?
00:07:10Aber ich verstehe nicht.
00:07:12Ich...
00:07:12Kommen Sie etwas näher zu mir.
00:07:14Dann erkläre ich es Ihnen.
00:07:16Ich weiß nicht.
00:07:17Sie benehmen sich sehr...
00:07:19Sie benehmen sich sehr...
00:07:20Merkwürdig.
00:07:22Alles ging blitzschnell.
00:07:24Der alte Mann hatte nicht den Hauch einer Chance.
00:07:27Die Messerspitze drang oberhalb der Nasenwurzel, genau zwischen den Augen ins Hirn des Alten
00:07:32und bereitete seinem Leben von einem Atemzug zum anderen ein jähes Ende.
00:07:39Ihr erster Stich muss ins dritte Auge.
00:07:42Obwohl nicht von kräftiger Statur, ging Hans Leibold in die Hocke und warf sich den Toten über die Schulter.
00:07:49So schnell es ihm möglich war, eilte er mit der Last den düsteren Friedhofsweg entlang.
00:07:54Die vorbereitete Stelle lag ganz hinten, versteckt hinter Bäumen und verwitterten Grabsteinen.
00:08:00Er ließ die Leiche sinken.
00:08:02Auf der ungepflegten Grabstätte vor ihm wuchsen Gräser und Unkraut, Löwenzahn und sogar Klee.
00:08:09Er ergriff die Gießkanne, dann das Messer.
00:08:14Ja, gib es mir, ja, gib mir dein Blut, gib es mir für ihn.
00:08:24Er goss das Blut des Alten auf die Erde des Grabs vor ihm.
00:08:29Einst auf der Erde musstest du gehen.
00:08:33Verbannt und gefoltert haben sie dich.
00:08:36Doch du würdest dich rächen.
00:08:38Das hast du versprochen.
00:08:41Ich bereite dir den Weg, Josef von Gadir, den man den Herrn der Toten genannt hat.
00:08:47Komm zurück, erneure den Fluch, nicht weiter seist du gewandt.
00:08:54Es rumurte unter seinen Füßen.
00:08:57Dann ragte eine Hand aus dem Erdspalt.
00:08:59Sie war groß und knochig und Reste alten, schwarzen Fleisches klebten daran.
00:09:05Ein Kopf stieg aus der sich öffnenden Erde.
00:09:08Ja, komm zu mir, Josef Borger.
00:09:12Der Unheimliche stieg vollends aus dem Grab.
00:09:16Du bist es doch, Bruder.
00:09:20Du bist Josef Borger, der Herr der Toten.
00:09:24Der bin ich?
00:09:26Ich habe dich erwähnt, damit du erneut über die Lebenden herrschen kannst.
00:09:31Ich danke dir.
00:09:33Tritt zu mir.
00:09:35Empfange deine Belohnung.
00:09:37Belohnung?
00:09:38Ich will keine Belohnung.
00:09:40Die Tatsache, dass du niedergekehrt bist, ist mir Belohnung genug.
00:09:44Tritt zu mir.
00:09:46Jaja, natürlich, Herr.
00:10:06Ich saß im Tanzsaal der Gastwirtschaft Bayerischer Hof.
00:10:09Seit Mittag hielt ich mich in Grafenau auf.
00:10:12Vor zwei Wochen hatte ich davon gehört, dass dort zwei Gräber aufgebrochen worden waren.
00:10:17Das war an sich nichts Besonderes.
00:10:19So etwas kam hin und wieder vor.
00:10:21Die Leichen aber waren verschwunden und blieben es.
00:10:25Leichenraub?
00:10:26Wozu?
00:10:28Sie sehen nachdenklich aus.
00:10:31Die schwarzhaarige Schönheit, die neben mir auf dem Barocker saß, hörte auf den Namen Antonia Harter.
00:10:38Und es war kein Zufall, dass ich umgehend ihre Nähe gesucht hatte.
00:10:42Antonia Harter war die Nichte eines Mannes, der Hans Leibold hieß.
00:10:45Und letztlich war es Al-Nafur, der mich bat, diesen Leibold unter die Lupe zu nehmen.
00:10:51Tja, und wenn der gute Al-Nafur um etwas bittet, dann springt Björn Hellmark.
00:10:57Sie denken wieder an Hans, oder?
00:11:00Ja, unter anderem.
00:11:01Er ist ein richtiger alter Spinner.
00:11:04Ich habe ein Faible für alte Spinner.
00:11:06Ach, tja.
00:11:08Für junge Frauen scheinbar nicht.
00:11:10Wie?
00:11:11Nein, nein, nein, das sehen Sie falsch.
00:11:13Es ist nur, ich bin uns einem bestimmten Grund hier.
00:11:16Quasi beruflich.
00:11:17Verstehen Sie?
00:11:18Sicher.
00:11:22Oh, kurz nach Mitternacht.
00:11:25Tja, die Zeit fliegt heute wieder.
00:11:28Kein Wunder bei diesem famosen Live-Act.
00:11:31Wie hieß die Band nochmal?
00:11:33Meier, irgendwas Kombo.
00:11:36Ach, Sie wollten doch noch die Bücher sehen, Björn, nicht wahr?
00:11:39Wenn es noch später wird, habe ich noch weniger Lust.
00:11:42Wollen wir nicht gleich aufbrechen?
00:11:44Das liegt ganz bei Ihnen.
00:11:46Ich bin dafür.
00:11:47Gut, dann los.
00:11:50Wir nahmen ein Taxi zum Haus, in dem Hans Leibold und Antonia Harter wohnten.
00:11:56Er ist nicht zu Hause, samstags nie.
00:11:59Wieso nicht?
00:12:00Keine Ahnung.
00:12:01Vielleicht hat er eine Freundin.
00:12:03So etwas kommt ja vor, selbst in diesem Alter noch.
00:12:06Er hat allerdings nie von ihr erzählt.
00:12:08Vielleicht geniert er sich auch.
00:12:10Und Sie haben nie danach gefragt?
00:12:12Nee, das tue ich nicht.
00:12:14Nicht bei ihm.
00:12:15Ich glaube, er ist da ein bisschen komisch.
00:12:18Mir reicht's, wenn ich die Nacht in seiner Wohnung verbringen darf.
00:12:21Mir interessiert mich nicht.
00:12:22Aber wir sollten uns endlich dieses dumme Sie abgewöhnen.
00:12:26So viel ich mich erinnere, haben wir mindestens dreimal Brüderschaft getrunken.
00:12:31Viermal?
00:12:31Na also, dann mal hereinspaziert.
00:12:35Ja.
00:12:36Nacht dir, Antonia.
00:12:45Die Luft ist ein bisschen muffig, aber das vergeht auch nicht.
00:12:48Selbst wenn den ganzen Tag über die Fenster geöffnet sind.
00:12:51Das liegt am Haus.
00:12:52Altbau.
00:12:53Hier ist überall der Schwamm drin.
00:12:57Na, hallo?
00:12:58Was ist?
00:12:59Kannst du den Lichtschalter nicht finden?
00:13:01Doch, doch.
00:13:02Aber das Licht geht nicht an.
00:13:05Wahrscheinlich ist eine Birne kaputt.
00:13:08Moment bitte.
00:13:09Ich mach's vor in einem Wohnzimmer.
00:13:11Nicht, dass du irgendwo dagegen stößt.
00:13:13Hier steht eine Menge altes Zeug rum.
00:13:15Ist mehr eine Rumpelkammer als eine Wohnung.
00:13:18Gut, ich warte hier.
00:13:28Es geht nicht.
00:13:30Der Strom muss ausgefallen sein.
00:13:32Oder die Sicherung ist rausgeflogen.
00:13:35So ein verdammter Mist.
00:13:37Ich achtete nicht mehr auf sie.
00:13:39Denn da war plötzlich ein anderes Geräusch, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog.
00:13:43Ein Atmen.
00:13:44Direkt neben mir.
00:13:53Aris Koller bewohnte mit seiner Frau Marta das letzte Haus in der Straße, die direkt zum abgelegenen Dorffriedhof führte.
00:14:01Koller ging nie vor ein Uhr nachts ins Bett.
00:14:03Er konnte ohnehin nicht schlafen.
00:14:05Er saß in dem bequemen, verschlissenen Sessel, einen altmodischen, runden Couchtisch neben sich, auf dem eine Flasche Wein und ein
00:14:13Glas standen.
00:14:13Mit leicht zittriger Hand griff er nach dem Glas und leerte den Rest mit einem Schluck.
00:14:20So, genug für heute.
00:14:23Schließt du noch die Haustür ab?
00:14:25Mach ich doch immer.
00:14:27Er drückte den Korken in den Flaschenhals und erhob sich.
00:14:30Wie jeden Abend nahm er den Schlüssel vom Brett, ging zur Eingangstür, warf einen letzten Blick durch das Fenster nach
00:14:37draußen und erstarrte.
00:14:39Ah! Marta! Marta!
00:14:43Ja, was ist denn los in drei Gottesnamen?
00:14:47Vom Friedhof! Die Toten! Sie ich kümmer!
00:14:51Du hast wieder zu viel getrunken!
00:14:54Ah!
00:14:55Während Alois Koller, ein Bayer durch und durch, seit jeher an übernatürliche Phänomene glaubte,
00:15:02hielt seine aus Münster stammende Frau Marta derartige Dinge für Spinnerei.
00:15:06Doch ihr Mann war nicht betrunken.
00:15:09Als Marta Koller aus dem Fenster sah, erkannte auch sie die wankenden Gestalten, die sich auf ihr Haus zubewegten.
00:15:16Sie sind gleich da!
00:15:18Wir müssen erfrieren!
00:15:19Aber wohin denn? Es gibt nur diese eine Straße.
00:15:24In den Kohlenkeller! Und dann durch den Schach zum Hof!
00:15:28Gut!
00:15:30Schneller, die sind gleich im Haus!
00:15:32Ich mach's ja schon!
00:15:34Unter!
00:15:35Ja!
00:15:36Ja!
00:15:41Flucht!
00:15:44Du streichst ihn!
00:15:45Was ist?
00:15:47Das scheiß Ding klemmt!
00:15:49Sie sind im Haus?
00:15:52Ich krieg die Klappe nicht auf! Verdammt!
00:15:54Sie kommen schon die Treppe herunter! Tu doch was!
00:15:58Hey, hey, da...
00:15:59Ich bin dabei! Verfliegst du mal!
00:16:04Endlich!
00:16:05Los!
00:16:05Du zuerst!
00:16:07Ja!
00:16:08Warte!
00:16:09Ich helfe dir!
00:16:12Ich bin auch wie!
00:16:13Jetzt du!
00:16:14Gut, komm!
00:16:18Alois!
00:16:19Auf Engelswelle!
00:16:21Alois!
00:16:21Lauf, Mutter!
00:16:23Lauf!
00:16:24Aber ich kann dich doch nicht so hinzurücken lassen!
00:16:27Was?
00:16:28Das musst du!
00:16:30Bringt in Sicherheit!
00:16:32Schnell!
00:16:34Sie rannte los, quer über den Hof zu dem verrosteten Tor, das zu einem alten Waldweg führte.
00:16:41Ohne Vorwarnung waren sie vor ihr aufgetaucht.
00:16:44Fünf grauenhafte Monster, lebende Tote.
00:16:48Wallende Gewänder hingen in Pfetzen an ihren verwesten Leidern.
00:16:51Eine Knochenhand schoss auf sie zu.
00:16:53Dürre Finger mit langen, spitzen Fingernägeln,
00:16:56groben sich wie Nadeln in das Fleisch ihres Armes.
00:16:58Das Nachthemd zerriss.
00:17:00Mit letzter Kraft setzte sie sich zur Wehr, entzog sich dem Griff der Untoten.
00:17:06Orientierungslos hastete sie vorwärts.
00:17:08Ein rückdurchzucht im Körper.
00:17:10Sie kam aus dem Tritt, stolperte.
00:17:12Sie war gegen irgendetwas gestoßen.
00:17:15Ein Brett schlug ihr an der Kopf.
00:17:17Dann ein zweites, ein drittes.
00:17:19Sie wurde begraben von Holz und Brett.
00:17:22Lasst sie liegen.
00:17:25Sie ist nicht wichtig für uns.
00:17:27Nehmt den Mann mit und dann fort von hier.
00:17:30Zur Höhle.
00:17:31Der unheimliche Zug bewegte sich durch die Nacht.
00:17:36Sie nahmen den schmalen Waldweg,
00:17:38den Martha Koller vergeblich zu erreichen versucht hatte.
00:17:41Er führte auf einen bewaldeten Hügel.
00:17:43Der Eingang einer Höhle kam in Sicht.
00:17:46Das Heer der Toten verschwand in der Dunkelheit.
00:17:49Dann ragte die Felswand vor ihnen auf.
00:17:53Der Anführer der makaberen Gruppe ging einen Schritt nach vorn.
00:17:57Er schritt durch das harte Gestein,
00:17:59als würde es gar nicht existieren.
00:18:01Das geheimnisvolle Reich jenseits der Felswand nahm sie auf.
00:18:05Einen nach dem anderen.
00:18:07Und auch der bewusstlose Alois Koller
00:18:10überschritt die Grenze der dritten Dimension
00:18:13in eine unfassbare, bedrückende
00:18:16und atembeklemmende Welt des Bösen und Unbegreiflichen.
00:18:20Dies war das Labyrinth der Toten.
00:18:34Makabros war an den Tatort zurückgekehrt.
00:18:37Der Täter war verschwunden.
00:18:39Makabros suchte die nähere Umgebung ab.
00:18:42Mehrfach erschien er an verschiedenen Stellen,
00:18:45tauchte auf wie ein Geist und verschwand wieder.
00:18:47Zuletzt untersuchte er den nahegelegenen Friedhof
00:18:50und er kannte sogleich, was geschehen war.
00:18:53Er musste zurück.
00:18:55Er hatte das Gefühl,
00:18:56dass die Gefahr für die junge Frau vielleicht doch nicht vorbei war,
00:18:59dass da noch etwas nachkam,
00:19:01was er jetzt noch nicht übersehen konnte.
00:19:04Herr Hellmark?
00:19:06Herr Hellmark?
00:19:08Wen suchen Sie denn, Schwester Fiona?
00:19:10Einen Mann.
00:19:11Groß, blond.
00:19:13Er hat eine junge Frau eingeliefert
00:19:15und wollte eigentlich hier warten.
00:19:17So, also ich habe niemanden gesehen
00:19:20und ich bin schon einige Minuten hier.
00:19:22Der Automat streikt mal wieder.
00:19:24Ich kann Ihnen einen Kaffee aus dem Schwesternzimmer...
00:19:28Akabros, ist doch...
00:19:30Wie geht es, Regina?
00:19:31Herr Hellmark? Aber wie...
00:19:33Ich habe Sie gar nicht kommen hören.
00:19:36Ich habe einen Rundgang durch die Gartenanlage gemacht.
00:19:39Mit Regina ist alles in Ordnung?
00:19:41Ja, deswegen wollte ich Sie ja sprechen.
00:19:42Dr. Hine hat ihr etwas gegeben,
00:19:45damit sie besser schlafen kann.
00:19:47Sie wirkt äußerlich zwar sehr ruhig,
00:19:49aber wir kennen das.
00:19:51Der Vater kommt erst nachher.
00:19:54Ach, na also.
00:19:55Alles wendet sich zum Guten.
00:19:57Wir haben Ihren Vermissten wieder
00:19:59und ich bekomme doch noch meinen Kaffee.
00:20:01Wie? Was?
00:20:03Ach so, ja.
00:20:05Wobei unserer sicher besser schmeckt als dieses Gebräu.
00:20:08Ich komme vielleicht später noch einmal darauf zurück,
00:20:10aber gleich ist meine Pause schon wieder vorbei.
00:20:12Man sieht sich.
00:20:14Ähm, ja.
00:20:15Bis später, Dr. Blum.
00:20:17Kann sie das Krankenhaus verlassen?
00:20:19Oder muss sie noch zur Beobachtung bleiben?
00:20:21Sie können sie mitnehmen.
00:20:23Wir haben leider auch gar kein Bett frei zurzeit.
00:20:26Aber sie sollte sich am besten sofort wieder hinlegen.
00:20:29Ist es weit bis zu ihrer Wohnung?
00:20:31Sie wohnt in Kumberg.
00:20:33Oh, dann wäre es sicher besser,
00:20:35wenn Sie für heute Nacht ein Hotelzimmer in der Stadt nehmen würden.
00:20:37Gut.
00:20:39So kam es auch.
00:20:41Makabros begleitete Regina Terse in das nächste Hotel
00:20:44und nahm dort ein Zimmer für sie.
00:20:47Das Mädchen bekam alles nur zur Hälfte mit.
00:20:49Das Medikament, das Dr. Hain ihr gegeben hatte,
00:20:52begann zu wirken.
00:20:54Regina schlief auf der Couch ein.
00:20:57Makabros hinterließ eine schriftliche Notiz für sie
00:20:59und legte den Zettel so auf den Tisch,
00:21:02dass ihr Blick darauf fallen musste,
00:21:03sobald sie wach wurde.
00:21:11Ich reagierte sofort.
00:21:13Durch Antonia wusste ich,
00:21:14dass ihr Onkel nicht zu Hause war.
00:21:15Also musste sich ein Fremder hier eingeschlichen haben.
00:21:18Ich wirbelte herum,
00:21:19meine rechte Schoss vor.
00:21:22Wo ich ihn getroffen hatte, wusste ich nicht.
00:21:24Aber dass ich ihn getroffen hatte, war eindeutig.
00:21:27Sieh nach der Sicherung, Antonia!
00:21:28Was ist denn los?
00:21:30Wir haben Besuch.
00:21:31Was?
00:21:32Wer ist es?
00:21:33Keine Ahnung.
00:21:34Kümmere dich um die Sicherung.
00:21:36Je eher wir wiedersehen, umso besser.
00:21:38Okay.
00:21:38Und nun zu Ihnen.
00:21:40Wer sind Sie und was haben Sie hier zu suchen?
00:21:44Hat es Ihnen die Sprache verschlagen?
00:21:45Ich hab's!
00:21:47Das Licht flammte auf.
00:21:49Vor mir am Boden lag ein älterer Mann
00:21:51mit einer Warze neben dem rechten Nasenflügel.
00:21:54Das ist doch hoffentlich nicht dein Onkel Hans.
00:21:57Nein, den kenn ich nicht.
00:21:59Wie kommt denn der hierher?
00:22:01Wer sind Sie?
00:22:03Was wollen Sie hier?
00:22:05Ich bin ein Freund von Herrn Leibold.
00:22:08Mein Name ist Franz Tschirner.
00:22:10Schön, das mag ja sein,
00:22:12aber das ist noch lange kein Grund,
00:22:13dass Sie in seiner Wohnung Versteck spielen
00:22:15und die Sicherung herausdrehen.
00:22:17Ich hab nicht...
00:22:18Ich meine, ich wollte nicht...
00:22:20Moment.
00:22:21Mir geht ein Licht auf.
00:22:23Sie wussten, dass ich hierher kommen würde, nicht wahr?
00:22:26Ich?
00:22:27Ja.
00:22:28Alter Lustmolch!
00:22:29Nein, nein, nein, nein, Fräulein Antonia.
00:22:31Bitte verstehen Sie das nicht falsch.
00:22:33Ich, äh...
00:22:33Ha!
00:22:34Was kann man daran falsch verstehen?
00:22:36Ich darf hier ein- und ausgehen.
00:22:38Ich habe sogar die Wohnungsschlüssel.
00:22:40Hier, bitte sehen Sie.
00:22:42Und ich wollte nichts von Ihnen.
00:22:44Das müssen Sie mir glauben, Fräulein Harter.
00:22:46Gut.
00:22:47Und was wollen Sie wirklich hier?
00:22:49Etwas holen.
00:22:50Und was?
00:22:51Das geht Sie nichts an.
00:22:52Das ist meine...
00:22:53Und Leiboldssache.
00:22:55Und Sie glauben, dass wir Ihnen das abnehmen?
00:22:57Der Schlüssel kann nachgemacht sein.
00:22:59Und dann die Sache mit dem Licht.
00:23:00Warum haben Sie die Sicherung herausgedreht?
00:23:04Ich, ich...
00:23:06Es hatte seinen Grund.
00:23:07Hey, was haben Sie da?
00:23:09Haltet!
00:23:10Das dürfen Sie nicht.
00:23:11Das ist mein Eigentum.
00:23:13Ein Aktenhefter?
00:23:14Kennst du ihn?
00:23:16Gehört er deinem Onkel?
00:23:17Das kann ich dir nicht sagen.
00:23:19So gut kenne ich mich hier nicht aus.
00:23:21Er gehört mir.
00:23:23Und jetzt geben Sie ihn mir zurück.
00:23:24Ich glaube, wir rufen die Polizei.
00:23:26Nein!
00:23:27Nicht die Polizei!
00:23:27Bitte!
00:23:28Ich werde Ihnen alles erklären.
00:23:30Aber lassen Sie die Polizei aus dem Spiel.
00:23:32Vorerst jedenfalls.
00:23:33Vielleicht kann ich der Polizei später einen Tipp geben,
00:23:35was auf dem Hauptfriedhof von Grafenau wirklich passiert ist.
00:23:38Sie haben vielleicht schon davon gehört?
00:23:40Die Sache mit dem Leichenraub?
00:23:43Möglicherweise haben wir das.
00:23:45Ja.
00:23:46Wissen Sie, das mit den aufgebrochenen Gräbern war wahrscheinlich Leibold.
00:23:53Leibold wollte die Toten rufen.
00:23:55Er hat etwas mit ihnen vor.
00:23:57Pfff, ein Verrückter.
00:23:59Das sehe ich anders.
00:24:01Sie glauben mir also?
00:24:02Das kommt darauf an, was Sie zu berichten haben.
00:24:05Aber ich schließe die Existenz übernatürlicher Mächte jedenfalls nicht von vornherein aus.
00:24:10Na, ich halte das für Blödsinn.
00:24:12Das ist doch bloß ein Vorwand.
00:24:14Mag sein.
00:24:15Antonia, würdest du dir etwas ausmachen, wenn ich zunächst allein mit Herrn Tschirner rede?
00:24:20Tch, meinetwegen.
00:24:21Ich bin eh müde.
00:24:23Dann mal viel Vergnügen, die Herren.
00:24:28Nun denn, Herr Tschirner.
00:24:31Dann schießen Sie mal los.
00:24:32Was wissen Sie?
00:24:34Nun, Hans und ich, wir waren Mitglieder eines magischen Zirkels.
00:24:40Für mich war das eigentlich eher ein Spaß, wissen Sie, anfangs jedenfalls.
00:24:44Aber Hans, der, na ja, der hat sich da richtig reingesteigert.
00:24:48Der Zirkel wurde sein Lebensinhalt.
00:24:50Und eines Tages, da...
00:24:53Ja, was geschah da?
00:24:55Wir haben irgendwann angefangen, in den Antiquariaten der umliegenden Städte sämtliche Bücher mit okkultem Inhalt aufzukaufen.
00:25:03Je älter die Wälzer, umso besser.
00:25:06Und in einem dieser Bücher da...
00:25:10Nun, da fanden wir dies hier.
00:25:14Eine Seite aus einem anderen Buch?
00:25:16Richtig.
00:25:18Irgendjemand hatte Sie darin vergessen.
00:25:20Sie vielleicht als Lesezeichen benutzt oder so.
00:25:23Ich besah mir die Seite genauer.
00:25:25Und erschrak.
00:25:27Ich kannte sie.
00:25:28Also nicht genau diese Seite.
00:25:30Aber ich erkannte, aus welchem Buch sie stammen musste.
00:25:33Aus der Chronik der Totenpriester.
00:25:36Ich hatte es selbst noch nie zu Gesicht bekommen.
00:25:39Aber Al-Nafur hatte mir bereits mehrere Male davon berichtet.
00:25:43Das Buch steht, laut seiner Aussage, in enger Verbindung zu Molochos, meinem Erzfeind.
00:25:49Dort wird ein Beschwörungsritual beschrieben.
00:25:53Hans war ganz wild darauf, es auszuprobieren.
00:25:55Aber er bezog uns andere nicht mehr in seine Pläne mit ein.
00:25:58Er begann auf eigene Faust zu handeln.
00:26:00Und als dann die Leichendiebstähle passierten, da...
00:26:04Da wussten Sie, dass er das Ritual tatsächlich durchführen würde.
00:26:07Richtig.
00:26:08Und ich wollte dies verhindern, Herr Hellmark.
00:26:12Darum habe ich mir einen Nachschlüssel machen lassen.
00:26:14Mein Vetter hat einen Schlüsseldienst und...
00:26:16Ersparen Sie mir die Details.
00:26:18Lassen Sie mich das Ganze abkürzen.
00:26:20Sie sind hier eingebrochen, um diese Unterlagen zu stehlen,
00:26:22um zu verhindern, dass Hans Leibold das Ritual ausführt
00:26:25und die Toten zum Leben erweckt.
00:26:28Genau.
00:26:29Ich wusste, dass er samstags nie im Haus ist.
00:26:31Und dass seine Nichte an den Wochenenden stets bis tief in die Nacht
00:26:35in irgendwelchen Diskus abhängt.
00:26:36Wer konnte denn ahnen, dass sie ausgerechnet heute früher zurückkommt?
00:26:40Tja.
00:26:41Daran bin ich schuld.
00:26:43Nun wissen Sie alles.
00:26:47Sehen wir uns dieses Blatt doch einmal genauer an.
00:26:50Sie kennen das beschriebene Ritual?
00:26:52Nur grob.
00:26:53Aber mir war klar, dass die Leichen vom Grafenauer Friedhof nicht gestohlen wurden.
00:26:58Nein, es war Hans, der sie mit eben diesem Text aus den Gräbern geholt hat.
00:27:04Hans Leibold hat einige Notizen in der Akte hinterlassen.
00:27:08Hier ist die Rede von einem Herrn der Toten.
00:27:10Ein gewisser Josef Burger.
00:27:13Er soll hier in der Nähe von Kumberg gelebt haben.
00:27:15Um 1700.
00:27:17Das hat Leibold wohl in der Chronik von Kumberg nachgeschlagen.
00:27:21So wie es aussieht, hatte er vor, diesen mit Hilfe des Rituals zu erwecken.
00:27:25Die beiden anderen waren wahrscheinlich nur eine Art Test, ob das Ritual funktioniert.
00:27:29Da man von den beiden Leichen nie wieder etwas gesehen und gehört hat,
00:27:33dürfte der Test eher fehlgeschlagen sein.
00:27:35Er wird sich nicht hundertprozentig an den vorgeschriebenen Ablauf gehalten haben,
00:27:39der sich äußerst makaber liest.
00:27:41Ein Stich ins dritte Auge, was immer das sein mag,
00:27:45durch das zunächst die Hirnmasse ausgelassen wird.
00:27:49Dann muss das Blut des Opfers aufgefangen werden.
00:27:52Anschließend gießt man beides auf das Grab desjenigen, den man erwecken will.
00:27:56Hm.
00:27:57Das also hatte er mit Regina Terser vor.
00:28:00Regina Terser?
00:28:02Ja.
00:28:03Kennen Sie sie?
00:28:04Naja, kennen wäre zu viel gesagt.
00:28:06Aber ich weiß, dass sie eine Freundin von Fräulein Harter ist.
00:28:10Ja, Hans Leibold hat jedenfalls erst vor wenigen Stunden versucht, Regina zu ermorden.
00:28:14Was?
00:28:15Ja, aber woher wissen Sie das?
00:28:18Das tut nichts zur Sache.
00:28:21Sitzt Sie bei der Polizei?
00:28:22Oder ein Geheimagent oder sowas?
00:28:25Eher sowas, ja.
00:28:27Die Aufzeichnungen gehen noch weiter.
00:28:30Hier schreibt Leibold, dass der Herr der Toten einmal erweckt,
00:28:33weitere Tote aus den Gräbern rufen wird, um mit ihnen ins Leichenlabyrinth zu gehen.
00:28:39Haben Sie diesen Begriff schon einmal gehört?
00:28:41Nein.
00:28:43Und wie steht es mit einer Stadt der Toten?
00:28:46Nein, auch nicht.
00:28:47Tut mir leid.
00:28:48Gut.
00:28:49Es ist spät geworden.
00:28:51Sie sollten in Ihre Wohnung zurückkehren und zu Bett gehen.
00:28:54Herr Tschirmer,
00:28:56bitte nehmen Sie Leibolds Unterlagen in Verwahrung.
00:28:58Passen Sie gut darauf auf.
00:29:00Aber ja doch,
00:29:01Sie können sich auf mich verlassen.
00:29:04Und
00:29:05was werden Sie tun?
00:29:07Ich suche nach der Stadt der Toten und diesem
00:29:10Leichenlabyrinth.
00:29:11Na, dann geben Sie gut auf sich acht.
00:29:26Aber auch ich unternahm in dieser Nacht nichts mehr.
00:29:29Ich kehrte zurück in mein Zimmer im Bayerischen Hof, duschte und legte mich schlafen.
00:29:34Am kommenden Morgen fuhr ich zum Polizeirevier von Grafenau.
00:29:38Ein gewisser Kommissar Gerlich war für die Sache mit dem Leichenraub zuständig.
00:29:43Ich wusste, dass es nicht leicht sein würde, ihn dazu zu bewegen, mit mir zusammenzuarbeiten.
00:29:48In Wirklichkeit war ich ja leider doch kein Geheimagent,
00:29:51sondern bloß ein reicher Playboy und Geschäftsmann aus Genf.
00:29:55Aber ich musste es versuchen.
00:29:56Und ich hatte Glück.
00:29:58Der Kommissar wollte mich gerade höflich hinauskomplimentieren.
00:30:01Da klingelte das Telefon in seinem Büro.
00:30:06Gerlich.
00:30:07Ich bin's, Maia.
00:30:09Ja, Maia, was gibt's?
00:30:10Die Martha ist bei mir.
00:30:12Aha, ja und? Was hat das mit mir zu tun?
00:30:15Der Alois ist verschwunden.
00:30:17Was soll das heißen? Verschwunden?
00:30:20Das weiß ich nicht.
00:30:21Bitte komm her und sprich du mit ihr.
00:30:24Sie redet immer wieder von Tode, die ihn mitgenommen hätten.
00:30:28Gut, ich komme.
00:30:29Gieß hier einen Obstler ein und sorg dafür, dass sie sich beruhigt.
00:30:32Wir finden den Alois, versprochen.
00:30:34Gut, bis gleich.
00:30:39Vielleicht ist an Ihrer komischen Geschichte doch was dran, Herr Hellmark.
00:30:43Ach, woher der plötzliche Meinungsumschwung?
00:30:46Es hat sich da etwas ereignet.
00:30:48Ich will mir das ansehen.
00:30:49Und Sie kommen mit.
00:30:51Sie sind ab sofort ein Verdächtiger.
00:30:53Ganz wie Sie meinen.
00:30:59Etwa zur gleichen Zeit fuhr Regina Terza mit einem Taxi zum Bahnhof.
00:31:04Sie wollte den Zug um 10.17 Uhr zurück nach Kumberg nehmen.
00:31:07Sie erreichte ihn gerade noch.
00:31:10Hastig stieg sie ein.
00:31:12Regina Terza blickte suchend durch die Glastür in ein Abteil.
00:31:15Dort saß eine Frau.
00:31:18Antonia.
00:31:19Regina.
00:31:21Ja, was machst du denn hier?
00:31:24Zufall oder Schicksal?
00:31:26Na, setz dich erst mal.
00:31:28Klar.
00:31:30Hey, was sind denn das für Verletzungen?
00:31:33Das sieht ja furchtbar aus.
00:31:34Was ist passiert?
00:31:37Das ist eine lange Geschichte.
00:31:40Regina Terza erzählte diese Geschichte.
00:31:43Antonia Harters Augen wurden immer größer.
00:31:47Und er hat das Hotel für dich bezahlt?
00:31:50Einfach so und dir noch ein neues Kleid kommen lassen?
00:31:54Ja, ganz genau.
00:31:56Das darf nicht wahr sein.
00:31:58Sie suchte in ihrer Handtasche und holte eine frische Zigarettenschachtel hervor, die sie aufriss.
00:32:05Wie heißt denn dieser großartige Wohltäter?
00:32:08Ein fantastischer Mann.
00:32:11Björn Hellmark.
00:32:15Sag das noch mal.
00:32:17Björn Hellmark.
00:32:18So, jetzt habe ich es noch mal gesagt.
00:32:21Kennst du ihn etwa?
00:32:22Und wann soll das gewesen sein?
00:32:24Es war gegen elf.
00:32:26Das kann nicht sein.
00:32:28Um elf Uhr habe ich mit Björn Hellmark getanzt.
00:32:31Dann hatte dein Kavalier zufällig den gleichen Namen.
00:32:35Moment, warte mal.
00:32:37Hier.
00:32:38Eine Polaroid-Aufnahme, die wurde gegen halb zwölf in der letzten Nacht gemacht.
00:32:42Da haben wir gerade eine Tanzpause eingelegt und unsere Drinks genossen.
00:32:46Ich habe einen Bekannten gebeten, eine Aufnahme von uns zu schießen.
00:32:50Das ist mein Björn Hellmark.
00:32:52Das ist auch meiner.
00:32:54Das kann doch alles nur ein Traum sein, oder?
00:32:56Kneif mich mal in den Arm, Antonia.
00:32:58Gern.
00:33:00Au, doch nicht so fest.
00:33:02Du hast es so gewollt.
00:33:05Antonia Harter erzählte alles, was sich in der Wohnung ihres Onkels zugetragen hatte.
00:33:11Zwei Hellmarks zur gleichen Zeit ist noch etwas faul.
00:33:17Entweder wir sind beide verrückt, oder wir hatten das Glück, an ein Zwillingspaar zu geraten.
00:33:22Und beide haben denselben Vornamen?
00:33:25Das ist komisch, stimmt.
00:33:27Naja, aber das können ja auch bloß beide so gesagt haben, um uns aufzuziehen.
00:33:32Das wäre eine Erklärung.
00:33:33Aber warum sollten Sie das tun?
00:33:36Keine Ahnung, da bin ich überfragt.
00:33:39Aber unsere Geschichten stecken so voll mit Unwahrscheinlichkeiten, dass es auf die eine auch nicht mehr ankommt, oder?
00:33:45Da hast du auch wieder recht.
00:33:56Kommissar Gerlich interessierte sich zunächst für Martha Koller.
00:33:59Er hoffte, die Frau sprechen zu können.
00:34:02Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht.
00:34:04Martha Koller lag in tiefer Bewusstlosigkeit.
00:34:07Der Arzt, der inzwischen aus einem Nachbardorf gekommen war, hatte seine Bedenken.
00:34:12Es sieht schlecht aus.
00:34:14Es grenzt an ein Wunder, dass sie überhaupt noch am Leben ist.
00:34:17Er wartete auf den Krankentransport.
00:34:19Martha Koller war böse zugerichtet.
00:34:22Die Rippen gequetscht.
00:34:23Eine angeknackst.
00:34:25Der rechte Oberschenkel gebrochen.
00:34:27Das Herz ist sehr schwach.
00:34:29Ich glaube kaum, dass sie es übersteht.
00:34:30Trotzdem, wenn sie aufwacht, will ich sie umgehend sprechen.
00:34:35In welche Klinik bringen sie sie?
00:34:37Maria Hilf.
00:34:38Gut, unterrichten Sie mich, sobald es Fortschritte gibt.
00:34:41Natürlich.
00:34:44Haben Ihre Leute schon irgendwelche Erkenntnisse?
00:34:46Ehrlich gesagt, nein.
00:34:48Es war kein gewöhnlicher Einbruch, denn es wurde nichts gestohlen.
00:34:52Die Zerstörungen lassen auf Vandalismus schließen, aber...
00:34:56Warum wurde Alois dann entführt?
00:34:58Das ergibt doch keinen Sinn.
00:35:00Vergiss nicht, dass Martha von Todi gesprochen hat, die ihn kalt haben.
00:35:04Was genau hat sie denn eigentlich gesagt?
00:35:07Nicht mehr.
00:35:08Nur, dass ihn die Toten kalt hätten.
00:35:11Kommen Sie, Herr Hellmark.
00:35:12Wir wollen uns mal auf dem Friedhof umsehen.
00:35:15Gesagt, getan.
00:35:16Nur wenige Minuten später standen wir auf dem nahegelegenen Friedhof.
00:35:20Um uns herum dutzende aufgewühlte Gräber.
00:35:24Und?
00:35:25Was halten Sie davon?
00:35:27Hat hier die nekrophil veranlagte Dorfjugend eine Party gefeiert?
00:35:30Was immer hier auch passiert ist.
00:35:32Ich weigere mich zu glauben, dass hier Leichen, Untote oder Zombies aus den Gräbern geklettert sind.
00:35:39Sehen Sie sich das einmal an.
00:35:41Hier.
00:35:42So wie es scheint, lagen unter den heutigen Grabstellen noch weitaus tiefere Stollen und Gräber.
00:35:48Das mag sein.
00:35:50Der Friedhof ist uralt.
00:35:55Was ist denn, Meyer?
00:35:57Da, da, da.
00:36:00Was da?
00:36:01Ein Zombie?
00:36:02Nein, das nicht.
00:36:04Der hier steht sicher nicht mehr auf.
00:36:06Ein alter Mann lag ausgeblutet in einem Erdloch.
00:36:09Er war noch keine 24 Stunden tot.
00:36:12Gerundes Blut bedeckte seinen dunklen Anzug.
00:36:15Ein Mord.
00:36:16Ja, ich denke, davon können wir ausgehen.
00:36:19Fröschel, Wanninger, holt die Leiche da raus.
00:36:21Die beiden Beamten sprangen in das Erdloch und wuchteten den Körper des alten Mannes nach oben.
00:36:27Gerlich untersuchte die Taschen seines Anzugs.
00:36:30Hm.
00:36:31Auch das war kein Raub.
00:36:33Brieftasche, Geld, Papiere, alles da.
00:36:37Ein Ferdinand Graubert aus Regensburg.
00:36:42Ja, kutz die Türken, Meyer, was ist denn nun schon wieder?
00:36:45Da liegt nur einer.
00:36:48Tatsächlich.
00:36:51Jetzt schlägt's 13.
00:36:52Der sieht ja aus, als hätten ihn die Ratten angefressen.
00:36:55Ich kenne ihn.
00:36:57So?
00:36:58Er ist es.
00:36:59Sein Name ist Hans Leibold.
00:37:01Ich kannte ihn nicht persönlich, aber ich habe Fotos von ihm gesehen.
00:37:04Was Sie wieder sehr verdächtig aussehen lässt, Herr Hellmark.
00:37:09Jetzt machen Sie sich doch nicht lächerlich.
00:37:11Sie glauben doch nicht, dass ein Mensch jemanden so zurichten kann.
00:37:15Vermutlich nicht, wobei...
00:37:17Ich habe mal einen Film über Kannibalismus gesehen.
00:37:20Die Opfer sahen sehr ähnlich aus.
00:37:23Gut, ganz so falsch liegen sie nicht.
00:37:25Und streng genommen waren es auch Menschen, die das angerichtet haben.
00:37:28Aber keine Menschen wie Sie oder ich.
00:37:30Wie meinen Sie das?
00:37:32Es waren die Leichen, Kommissar.
00:37:34Ah, ich verstehe.
00:37:36Die haben diesen Mann angefallen und angenagt.
00:37:39Ja, fragen Sie die Leute, Kommissar.
00:37:42Mit diesem Friedhof hat es etwas Besonderes auf sich.
00:37:44Ein Friedhof ist ein Friedhof.
00:37:48Nicht immer.
00:37:49Auf diesem Friedhof beispielsweise wurde ein Mann namens Josef Burga begraben.
00:37:54Das liegt ein Jahrhundert zurück.
00:37:56Sie werden lachen, aber ich weiß von Burga.
00:37:58Und zwar aus der Kriminalgeschichte.
00:38:00Demnach soll er rund 80 Menschen ermordet haben.
00:38:04Richtig.
00:38:05Um diesen Burga geht es.
00:38:07Man nannte ihn auch den Herrn der Toten.
00:38:10Burga ist zurückgekommen.
00:38:12Und mit ihm viele andere.
00:38:14Denken Sie daran, was Martha Koller gesagt hat.
00:38:16In Ihrem Haus waren Tote eingedrungen.
00:38:19Aber woher kamen diese Toten?
00:38:23Nun, natürlich von hier.
00:38:24Irgendjemand muss sie erweckt und aus ihren Gräbern geholt haben.
00:38:28Wir werden uns noch darüber unterhalten.
00:38:30Später.
00:38:32Es wäre mir angenehm, wenn Sie die nächsten Tage in meiner Nähe sein könnten.
00:38:35Ich würde eher sagen, in den nächsten Nächten, Kommissar.
00:38:39Wieso nicht denn? Nachts schlafe ich.
00:38:41Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir nicht zum Schlafen kommen werden.
00:39:11Darf ich Christine den Berg zeigen?
00:39:26Die blonde Frau blickte abwechselnd auf ihren Ex-Mann und auf ihren Sohn.
00:39:31Peter hat sie voriges Jahr entdeckt.
00:39:33Nicht weit von hier, da drüben auf dem Hübel.
00:39:36Heinz Guillaume deutete die Dorfstraße hinab.
00:39:39Es war eigentlich nicht verkehrt, die ersten Minuten ohne die Nähe der Kinder für sich zu haben.
00:39:44Schließlich war es das erste Mal, dass er und Edda seit ihrer Scheidung vor gut einem halben Jahr wieder zusammentrafen.
00:39:50Er kennt sich hier aus.
00:39:52Na schön, meinetwegen.
00:39:55Sie blickten den Kindern nach, wie sie Hand in Hand davonrannten, die Straße hinunter und auf einem Seitenweg schließlich verschwanden.
00:40:02So wie damals.
00:40:04Vielleicht könnten wir es einrichten, dass es wieder so ist, wenn wir versuchen, unsere Fehler und Schwächen zu beherrschen.
00:40:10So einfach wird es leider nicht sein, aber lass uns reden.
00:40:32Hier ist es.
00:40:33Auf Anib hatte er die Stelle wiedergefunden, wo die Höhle lag.
00:40:37Sie lasen die Warnhinweise auf dem Schild, doch Peter winkte ab.
00:40:42So schlimm ist das nicht.
00:40:44Ich war schon ein paar Mal drin.
00:40:46Kein Stein ist locker.
00:40:47Die Höhle ist nicht baufällig.
00:40:49Dann hast du Vater angelogen?
00:40:52Angelogen?
00:40:53Ich?
00:40:54So kann man das nicht nennen.
00:40:56Ich habe ihn geschont.
00:40:58Sonst macht er sich wieder unnötig Sorgen.
00:41:00Jetzt komm.
00:41:01Du willst da wirklich reingehen?
00:41:03Klar.
00:41:04Und du kommst doch mit, oder?
00:41:06Denkst du, ich hätte Angst?
00:41:08Sowas interessiert mich.
00:41:10Gibt es da drin ein Geheimnis?
00:41:12So genau habe ich die Höhle noch nicht erforscht.
00:41:15Aber möglich ist alles.
00:41:16Vielleicht stammt sie von Steinzeitmenschen.
00:41:19Vielleicht finden wir geheime Gänge.
00:41:22Er trat einen Schritt weiter vor, streckte den Kopf in das Innere der Höhle und ließ die
00:41:27Taschenlampe auflammen.
00:41:28Er ging hinein.
00:41:30Christine folgte ihm ohne zu zögern.
00:41:33Lautlos wanderte der Strahl über die zerklüfteten Wände.
00:41:36Dunkel und kantig ragten einzelne Steine aus der Wand.
00:41:40Der Boden war holprig.
00:41:43Ist sie tief?
00:41:45Psst.
00:41:45Nicht so viel reden.
00:41:47Die Schallwellen.
00:41:48Habt ihr davon noch nichts in der Schule gehört?
00:41:50Nein.
00:41:52Pass auf!
00:41:54Stoß nirgends dagegen.
00:41:56Bleib dicht hinter mir.
00:41:58Ich zeig dir ne ganz tolle Stelle.
00:42:00Da hinten.
00:42:00Wollen wir nicht lieber umkehren?
00:42:03Unsinn.
00:42:04Wir sind gleich da.
00:42:05Hast du Angst?
00:42:06Nein, aber was ist, wenn der Eingang plötzlich einstürzt?
00:42:12Quatsch.
00:42:14Warum sollte er einstürzen?
00:42:16Na, wegen der Schallwellen.
00:42:19Ich habe etwas übertrieben.
00:42:21So ein Berg ist stabil.
00:42:23Sie erreichten die hinterste Stelle.
00:42:26Dort hing ein gewaltiges Spinnennetz.
00:42:30Da passierte es.
00:42:31Im Dunkeln hinter Christine schoben sich zwei knochige, schrecklich anzusehende Hände aus der Felswand.
00:42:38Eine Hand legte sich auf ihren Mund, die andere riss sie nach hinten.
00:42:42Hey, Christine, was ist denn?
00:42:45Seine Augen weiteten sich.
00:42:47Was er sah, ließ ihm die Nackenhaare zu Berge stehen.
00:42:50Christine verschwand in der Wand.
00:43:04Wo ist Christine?
00:43:06Im Berg.
00:43:07Also in der Höhle.
00:43:08Sie.
00:43:09Sie.
00:43:10Jetzt mal ganz langsam.
00:43:13Beruhig dich.
00:43:14Und dann von vorn.
00:43:15Wo ist Christine?
00:43:17Wir waren in der Höhle und...
00:43:18Hatte ich dir nicht verboten, in die Höhle zu gehen?
00:43:20Ja, schon.
00:43:21Aber ich...
00:43:23Also wir...
00:43:24Gut, darüber reden wir später.
00:43:26Jetzt weiter.
00:43:26Was ist da passiert?
00:43:28Christine wurde in die Wand gezogen.
00:43:30Bitte?
00:43:30Was erzählst du denn da für einen Blödsinn?
00:43:33Du lässt den Jungen zu viel fernsehen, Heinz.
00:43:35Nein.
00:43:36Nein, es ist wahr.
00:43:37Da waren Hände.
00:43:39Totenhände.
00:43:40Und die haben deine Schwester in die Felswand gezogen?
00:43:43Ja.
00:43:44Genauso war's.
00:43:45Wir sehen sofort nach.
00:43:46Du führst uns hin.
00:43:48Ich will dir jetzt keine Vorwürfe machen, mein Bürschchen.
00:43:50Aber wir sprechen uns später.
00:43:52Guillaume holte die große Stablampe, die er im Handschuhfach deponiert hatte.
00:43:56Und gemeinsam gingen sie zur Höhle.
00:43:58Vor dem Eingang blieben sie stehen.
00:44:01Christine!
00:44:02Christine!
00:44:03Ich seh mich um.
00:44:05Ich komme mit.
00:44:14Es ist am Ende der Höhle gewesen.
00:44:16Du gehst mit.
00:44:17Du zeigst mir genau die Stelle, wo du Christine zurückgelassen hast.
00:44:21Aber ich hab sie nicht zurückgelassen.
00:44:23Hände haben sie durch die Wand gezerrt.
00:44:30Da war's.
00:44:31An genau der Stelle.
00:44:35Der Vater tastete die Wand ab.
00:44:38Kalt und hart waren die Felsen.
00:44:40Nirgends gab es ein Loch oder einen Spalt.
00:44:43Peter!
00:44:44Peter!
00:44:44Nun hör mir mal gut zu.
00:44:45Wer?
00:44:47Die Unheimlichen kamen aus allen Richtungen.
00:44:51Sie lösten sich aus der Nachtschwarzen Finsternis der geräumigen Höhle und kreisten die drei
00:44:56Menschen ein.
00:44:57Peter drückte sich an seinen Vater.
00:44:59Edda Guillaume ging einen Schritt zur Seite.
00:45:02Bleib dich zu sein.
00:45:03Heinz!
00:45:03Halt mich!
00:45:04Ich schaffe es nicht.
00:45:06Sie rennt zu stark.
00:45:07Edda Guillaume wurde durch die Wand gerissen.
00:45:10Heinz Guillaume ging zum Angriff über.
00:45:12Seine Hände griffen auf hartes, knochentrockenes Fleisch.
00:45:14Der Unheimliche bewegte sich.
00:45:17Seine Finger spreizten sich.
00:45:18Die trockene Haut knisterte.
00:45:20Heinz Guillaume wurde abgeblockt.
00:45:22Mehrere Hände griffen gleichzeitig nach ihm.
00:45:24Er schlug verzweifelt um sich und trat.
00:45:26Es knitschte und krachte in den Körpern, die er traf.
00:45:30Aber wie eine Wand rückten sie auf ihn zu.
00:45:33Lauf, Peter!
00:45:34Doch Peter wurde zurückgerissen und tauchte in der Felswand ein, wie in eine senkrecht stehende
00:45:39Wasserfläche.
00:45:41Heinz Guillaume wurde niedergeschlagen.
00:45:43Seine Haut platzte auf.
00:45:45Er blutete aus mehreren Wunden.
00:45:47Sie rissen ihn hoch.
00:45:48Er flog durch die Welt, glitt durch sie widerstandslos hindurch, torkelte und stürzte zu
00:45:54Boden.
00:46:00Heinz!
00:46:02Heinz!
00:46:03Er hörte die vertraute Stimme neben sich und er wusste nicht, ob Minuten, Stunden oder
00:46:08Tage vergangen waren.
00:46:09Edda!
00:46:10Er hob den Kopf.
00:46:11Seine sämtlichen Glieder schmerzten.
00:46:13Wo sind wir hier?
00:46:16Ich weiß es nicht.
00:46:18Ich hab für das alles keine Erklärung.
00:46:21Die Hauptsache ist, wir sind alle zusammen.
00:46:25Das sind wir aber nicht, Papa.
00:46:27Christine fehlt.
00:46:29Das stimmt.
00:46:30Mein Gott, wenn ihr bloß nichts passiert ist.
00:46:33Du wirst sehen.
00:46:34Es geht ihr gut.
00:46:35Wir werden sie finden.
00:46:36Wie sind wir durch die Wand gekommen?
00:46:38Was wollen diese unheimlichen Gestalten von uns?
00:46:42Keine Ahnung.
00:46:43Und es ist mir auch egal.
00:46:44Wir müssen Christine suchen.
00:46:46Sie ist hier irgendwo.
00:46:47Aber sie muss in ihrer Angst weitergelaufen sein.
00:46:50Aber was nützt es, wenn wir sie finden, Heinz?
00:46:52Wir können nicht zurück.
00:46:54Wir werden eine Möglichkeit finden.
00:46:56Nur nicht die Nerven verlieren.
00:46:57Hinter den Säulen ihrer Umgebung rührte sich etwas.
00:47:02Zerklüftete, verwüstete Gesichter tauchten auf und verschwanden wieder.
00:47:07Dunkle, leere Augenhöhlen gähnten in der pulsierenden, geisterhaften Dämmerung.
00:47:17Wir sind tot.
00:47:22Das ist die Wahrheit.
00:47:24Das ist die Hölle.
00:47:27Blödsinn.
00:47:29Und jetzt reiß dich zusammen.
00:47:30Bitte.
00:47:31Wir werden jetzt Christine suchen.
00:47:34Bleibt immer dicht zusammen.
00:47:35Habt ihr verstanden?
00:47:36Ja.
00:47:37Ja.
00:47:38Gut.
00:47:39Dann los.
00:47:44Die beobachten uns.
00:47:46Ja.
00:47:47Aber sie greifen uns nicht an.
00:47:49Einfach immer weitergehen.
00:47:51Mhm.
00:47:55Da vorne ist ein Licht.
00:47:57Sieht aus wie ein Loch in der Decke.
00:48:08Was ist das hier?
00:48:10Ich bin gleich wieder zurück.
00:48:12Ich sehe mich nur mal um.
00:48:14Bleibt wo ihr seid.
00:48:16Unternehmt auf keinen Fall etwas.
00:48:19Zwischen baumelnden Lianen, riesigen Spinnweben und knorrigen Baumstämmen suchte er nach einer Möglichkeit, die Höhle zu verlassen.
00:48:26Um ihn herum lebte die Luft wie in einem Dschungel.
00:48:30Es war heiß und stickig und jede Bewegung wurde zur Qual.
00:48:34In der dunklen Brühe an seiner Seite bewegte sich etwas.
00:48:39Eine menschliche Hand.
00:48:41Sie ragte wie anklagend aus der sumpfigen Brühe.
00:48:45Geh zurück.
00:48:46Damit würdest du nur beschleunigen, was sowieso dein Schicksal sein wird.
00:48:53Wer bist du?
00:48:54Wo sind wir hier?
00:48:56Dies ist das Land der Toten.
00:48:59Kein Sterblicher hat es je verlassen.
00:49:01Jeder, der das Labyrinth betritt, wird in diesem Meer enden.
00:49:06Ich bin der Herr der Toten.
00:49:09Alle, die du hier siehst, sind meine Untertanen.
00:49:13Sie sind nicht tot und doch leben sie nicht mehr.
00:49:15Keiner erinnert sich an seine Existenz.
00:49:18Sie werden für alle Zeit meine Puppen bleiben.
00:49:21Mein Spielzeug.
00:49:23Wer einmal in diesem See liegt, über den wird das große Vergessen kommen.
00:49:29Wenn es so ist, warum hinderst du mich daran, weiterzugehen?
00:49:32Warum?
00:49:37Auch das gehört zu meinem Spiel, zu meinen Ergötzen, eure Qual.
00:49:41Ihr werdet eurem Schicksal nicht entrinnen, aber warum sollte etwas gleich geschehen, was noch Zeit hat?
00:49:47Ihr werdet euch freiwillig in diesen Sumpf stürzen.
00:49:51Niemals.
00:49:53Eure Kräfte werden nachlassen.
00:49:54Ihr benötigt Essen und Trinken.
00:49:56Hier auf der anderen Seite der Welt brauchen wir so etwas nicht mehr.
00:49:59Eure Körper aber sind darauf angewiesen.
00:50:03Der Herr der Toten wandte sich um.
00:50:06Eben noch sah Heinz Guillaume ihn zwischen blattlosen, knorrigen Bäumen davongehen.
00:50:11Was für ein grausames Spiel hatte man sich für sie ausgedacht.
00:50:26Mittlerweile war es Abend geworden.
00:50:29Regina Tersa saß vor dem Kamin ihres Wohnzimmers und las.
00:50:32Nach einer guten Stunde legte sie das Buch zur Seite und erhob sich.
00:50:39Ist da jemand?
00:50:42Hallo?
00:50:43Verdammt.
00:50:45Ich höre sie doch.
00:50:47Jetzt sagen sie doch was.
00:50:48Au!
00:50:53Was wollen sie von mir?
00:50:56Ihr Lieber.
00:50:58Bitte?
00:50:59Sie sind ja wahnsinnig.
00:51:01Sie...
00:51:01Gut, schon gar nicht.
00:51:03Sie waren versprochen.
00:51:05Ach.
00:51:06Und wem?
00:51:07Dem Herrn der Toten.
00:51:09So?
00:51:10Davon weiß ich aber nichts.
00:51:12Deswegen erkläre ich es Ihnen ja.
00:51:16Wissen Sie, eigentlich könnte das alles schon vorbei sein.
00:51:19Aber Leibold hat einen dummen Fehler begangen.
00:51:22Er hat sie laufen lassen.
00:51:23Das bringt Unglück.
00:51:24Er hätte die Opfer nicht austauschen dürfen.
00:51:26Besser wäre es gewesen zu warten.
00:51:28Aber ich glaube, ich kann das wieder gerade biegen.
00:51:32Freuen Sie sich nicht zu früh.
00:51:34Früh?
00:51:35Sie haben...
00:51:38Das dauert noch ein bisschen.
00:51:40Eine Stunde muss ich Sie wohl hinhalten.
00:51:42Aber dann geht's ganz schnell.
00:51:44Das verspreche ich Ihnen.
00:51:46Sie werden keine Schmerzen haben.
00:51:50Aber was habe ich mit dem Herrn der Toten zu tun?
00:51:53Eine gute Frage.
00:51:56Eigentlich hätte es jeder sein können.
00:51:58Aber auf Sie ist nun mal die Wahl gefallen.
00:52:00Und dann gibt es kein Zurück mehr.
00:52:02Wenn man sich mal festgelegt hat...
00:52:04Das ist wie überall im Leben.
00:52:08Ihr drittes Auge und Ihr Blut waren maßgebend gewesen.
00:52:13Damit hätten sich für Leibold die Türen ins Jenseits geöffnet.
00:52:16Nun, ich werde nicht denselben Fehler machen.
00:52:19Ich werde sein Werk vollenden.
00:52:21Ich werde Ihr drittes Auge in das Labyrinth bringen
00:52:24und alle Geheimnisse über das Jenseits erfahren.
00:52:28Ah!
00:52:29Ah!
00:52:39Kommissar Gerlich und sein Assistent Schorl fuhren nach Kumberg zurück.
00:52:43Wie ausgestorben lag die Dorfstraße vor Ihnen.
00:52:47Ah!
00:52:48Das Nachtleben in Kumberg beginnt.
00:52:51Wie immer umwerfend.
00:52:53Ich glaube, ich hau mich gleich aufs Ohr, damit ich nicht vor Langeweile umkomme und...
00:52:57Hey!
00:52:57Was ist denn das?
00:52:59Was?
00:53:00Sehen Sie mal zu dem einsamen Haus dort.
00:53:02Da schleicht doch einer um.
00:53:04Tatsächlich!
00:53:06Aber das...
00:53:07Das ist ja...
00:53:09Ein Skelett?
00:53:10Mit einer Frau auf der Schulter!
00:53:22Stehenbleiben!
00:53:27Das gibt's doch nicht.
00:53:29Weg!
00:53:30Einfach verschwunden!
00:53:31Bleiben Sie im Wagenschaul, ich seh mich im Haus um.
00:53:36Schorl!
00:53:40Wo zum Teufel sind Sie?
00:53:41Das ist jetzt nicht der richtige Zeit...
00:53:43Er fuhr zusammen.
00:53:45Vor ihm stand ein Untoter.
00:53:48Zurück!
00:53:51Zurück oder ich schieße!
00:53:57Eine Kugel bohrte sich surrend in die Schädeldecke des lebenden Toten.
00:54:02Doch der Erfolg war gleich null.
00:54:04Gerlich wusste, wann es aussichtslos war.
00:54:07Er versuchte es kein weiteres Mal.
00:54:09Er lief davon.
00:54:20Er lief die Treppen hoch.
00:54:22Wenige Sekunden später stand er vor der Tür zu Helmarks Zimmer.
00:54:25Gerlich stieß sie auf.
00:54:27Im dunklen Raum sah er eine Gestalt am Tisch sitzen.
00:54:30Sie wandte ihm den Rücken zu.
00:54:31Helmark!
00:54:32Helmark, Sie müssen mir...
00:54:34Der Mann am Tisch rührte sich nicht.
00:54:36Er hatte die Figur Helmarks, aber sein Gesicht war nicht das des Mannes, den er am Tag kennengelernt hatte.
00:54:43Gerlich starrte auf einen Totenschädel mit glühenden grünen Augen.
00:55:00Schirners Arm flog hoch.
00:55:01Die Waffe wurde ihm aus der Hand gerissen.
00:55:04Schirner erinnut einen Stoß vor die Brust, ehe er begriff, wie ihm geschah.
00:55:08Herr Helmark, das ist nun das zweite Mal!
00:55:11So langsam fange ich an zu glauben, dass Sie mein Schutzengel sind!
00:55:14Er drückte ihr das Messer in die Hand.
00:55:17Es tut mir leid, dass ich erst so spät eingegriffen habe.
00:55:20Ich bin schon über eine Stunde hier, aber ich musste wissen, was er wirklich im Schilde führt.
00:55:26Sie kennen diesen Mann?
00:55:28Ja, flüchtig.
00:55:29Ich verstehe gar nichts mehr.
00:55:31Was hat der ganze Irrsinn zu bedeuten?
00:55:34Ja, es ist verwirrend.
00:55:36Ich werde Ihnen später alles erklären.
00:55:38Aber nun ist alles vorbei und Sie brauchen keine Angst mehr zu haben.
00:55:41Lassen Sie uns bitte einen Moment allein.
00:55:43Ich habe mit dem sauberen Herrn noch ein Hühnchen zu rupfen.
00:55:47Regina verließ den Raum, während Schirner sich aufrappelte.
00:55:50Makabros ging auf den Eindringling zu.
00:55:53Schirner hob den Blick.
00:55:54Seine Augen weiteten sich.
00:55:56Das Aussehen von Makabros veränderte sich.
00:55:59Die frische Gesichtsaard nahm eine fremdartige Blässe an.
00:56:02Die Augen schienen tiefer in die Höhlen zurückzuweichen.
00:56:05Aus dem Kopf Makabros wurde ein Totenschädel.
00:56:08Aber der Totenschädel entwickelte sich weiter.
00:56:11Eine schreckliche Fratze wurde daraus.
00:56:14Schirner sträubten sich die Haare.
00:56:16Seine Haut zog sich zusammen.
00:56:18Ein furchtbarer Schrei entfloh seiner Kehle.
00:56:20Und er wurde herumgewirbelt, als würde eine unsichtbare Hand ihn nach hinten reißen.
00:56:25Nur eine Sekunde dauerte dieser Zustand.
00:56:27Nur für den Bruchteil eines Augenblicks war auch auf Makabros Gesicht dieser schreckliche Ausdruck erschienen.
00:56:33Nun war es wieder ganz normal.
00:56:37Makabros ging in die Hocke und drückte den sich langsam Beruhigenden herum.
00:56:41Also doch.
00:56:43Ich habe es mir gedacht.
00:56:45So.
00:56:46Und was haben Sie sich gedacht?
00:56:48Sie sind nicht mehr der Franz Schirner, der mir heute früh begegnet ist.
00:56:52Etwas ergriff Besitz von Ihrem Geist und machte Ihnen klar,
00:56:55dass Sie Einblick in die Welt gewinnen könnten, von der auch Leibold geträumt hatte.
00:57:02Molochos, Dämonenherrscher und ständiger Beobachter der Geschehnisse auf der Erde,
00:57:05hat einen Dämon geschickt, der in ihren Körper fuhr.
00:57:09Das ist nicht wahr.
00:57:10Soll ich die Maske noch einmal aufsetzen?
00:57:12Nein, nein, alles, nur das nicht.
00:57:14Ich habe mir auch Gedanken über die Geschichte gemacht, Schirner.
00:57:17Ich bin zu dem gleichen Schluss gekommen wie Sie.
00:57:20Es durfte nicht so bleiben, was Leibold halbfertig zurückgelassen hatte.
00:57:24Wo Molochos Angst und Schrecken verbreiten will,
00:57:27möchte er das gründlich tun.
00:57:30Sie wollten ins Labyrinth der Leichenschirner.
00:57:32Nehmen Sie mich mit.
00:57:34Niemals!
00:57:35Gut, dann die Maske.
00:57:38Nein, um Himmels Willen, warten Sie!
00:57:40Sie sind hierher gefahren, um Regina Tarser zu töten.
00:57:43Ihr Ziel war das Leichenlabyrinth.
00:57:46Ich werde Sie begleiten.
00:57:48Diesmal hat Molochos einen Fehler begangen.
00:57:50Er hat sich den falschen Totenbeschwörer ausgesucht.
00:57:53Alle die Männer und Frauen, die in dieser Stunde auf dem Weg zum Leichenlabyrinth sind,
00:57:58werden nicht dort bleiben können.
00:57:59Ich werde Sie zurückholen.
00:58:01Das habe ich mir vorgenommen, Schirner.
00:58:03Ach, das werden Sie nie schaffen.
00:58:07Nie!
00:58:08Abwarten.
00:58:08Ich glaube, ich weiß jetzt, was hier gespielt wird.
00:58:11Und deshalb habe ich Hoffnung.
00:58:13Die Maske werde ich mitnehmen.
00:58:15Machen Sie also keinen Unfug.
00:58:17Ich wusste, dass ich mit hohem Einsatz spielte.
00:58:20Aber ich musste an ein bestimmtes Bild denken,
00:58:23das ich in der Kristallkugel gesehen hatte.
00:58:26Alles lief auf einen einzigen Punkt zu.
00:58:38Sie brauchen keine Angst zu haben.
00:58:39Es wird Ihnen nichts passieren, Kommissar.
00:58:41Einen Moment noch.
00:58:43Warten Sie noch einen Moment ab.
00:58:45Ich trug die Dämonenmaske.
00:58:47Damit Makabros dies im einige Kilometer entfernten Kumberg tun konnte,
00:58:51musste ich es hier tun.
00:58:52Das konnte ich Kommissar Gerlich natürlich nicht erklären.
00:58:55Ich musste ihn hinhalten,
00:58:57bis Makabros die Maske absetzen konnte.
00:59:00Und das war jetzt der Fall.
00:59:02Helmark?
00:59:03Ja.
00:59:04Ich bitte um Entschuldigung.
00:59:06Aber was ich getan habe, war unbedingt nötig.
00:59:09Wer sind Sie wirklich?
00:59:11Etwas stimmt doch nicht mit Ihnen.
00:59:13Was haben Sie vor?
00:59:14Was wissen Sie?
00:59:15Wo sind die Menschen aus dem Dorfwirtshaus?
00:59:17Ich werde Ihnen alles erklären.
00:59:19Aber nicht jetzt.
00:59:20Ich muss etwas erledigen.
00:59:21Wollen Sie mich begleiten?
00:59:22Sie wollen jetzt hinaus?
00:59:25Da draußen lauert der Tod.
00:59:27Nein, nein.
00:59:28Die Toten.
00:59:29Alles ist wahr, Herr Helmark.
00:59:31Die Toten sind aus Ihren Gräbern gestiegen.
00:59:34Sie haben meinen Kollegen ermordet.
00:59:36Und jetzt lauern Sie in der Dunkelheit und warten auf mich.
00:59:40Ich weiß.
00:59:41Und ich glaube, in meiner unmittelbaren Nähe sind Sie am sichersten.
00:59:45Gut.
00:59:46Ich vertraue Ihnen.
00:59:47Wohin gehen wir?
00:59:49Ins Herz des Bösen.
00:59:50Und dort werden wir dem Spuk ein Ende bereiten.
00:59:53Ihr Wort in Gottes Ohr, Herr Helmark.
00:59:55Ihr Wort in Gottes Ohr.
01:00:19Wir verließen den Gasthof.
01:00:21Sofort stießen wir auf die ersten Untoten.
01:00:25Bleiben Sie hinter mir.
01:00:27Sehen Sie mich nicht an.
01:00:28Ich werde die Maske wieder aufsetzen.
01:00:30Was ist denn das für ein schreckliches Ding?
01:00:32Wie gesagt, später.
01:00:34Jetzt tun Sie bitte, was ich gesagt habe.
01:00:37Ja, natürlich.
01:00:39Ich setzte die Dämonenmaske wieder auf.
01:00:42Dasselbe galt für meinen Doppelkörper,
01:00:43der zur selben Zeit mit Franz Tschirner unterwegs zur Höhle war.
01:00:47An beiden Orten zeigte die Maske Wirkung.
01:00:50Die unheilvollen Geister konnten sich nicht länger in den verwesten Körpern halten.
01:00:54Die Untoten warfen wie vom Blitzgefell zusammen.
01:00:57Zehn, fünf, zehn, zwanzig.
01:01:00Er wischte es auf Anhieb.
01:01:01Die anderen versuchten zu entkommen.
01:01:04Sie liefen auf den Höhleneingang zu.
01:01:06Ich nahm die Dämonenmaske ab.
01:01:08Kommen Sie!
01:01:09Wir müssen Sie alle vernichten!
01:01:13Wir spurteten los.
01:01:15Die ersten Leichen tauchten in der dunklen Höhle unter.
01:01:19Von der anderen Seite des Weges kamen Makabros und Tschirner gerannt.
01:01:23Aber das ist doch unmöglich.
01:01:27Wieso gibt es Sie zweimal?
01:01:29Tja, damit hätten Sie nicht gerechnet, Tschirner, was?
01:01:32Ich...
01:01:33Wo ist der Eingang ins Leichenlabyrinth?
01:01:34In der Höhle!
01:01:36Den rechten Gang entlang.
01:01:38An der hinteren Wand.
01:01:39Ist der Durchlass auch für mich passierbar?
01:01:41Ja doch, ja.
01:01:42Er ist offen.
01:01:43Für alles und jenen.
01:01:44Gut, gerlich.
01:01:46Nehmen Sie den Mann im Gewahrsam.
01:01:47Warum, erkläre ich Ihnen...
01:01:49Später.
01:01:49Schon klar.
01:01:50Genau.
01:01:51Sie bleiben jetzt besser hier.
01:01:54Die Höhle werden Makabros und ich allein betreten.
01:01:57Makabros?
01:01:57So nenne ich mein zweites Ich.
01:01:59Natürlich.
01:02:00Wie auch sonst.
01:02:03Makabros und ich betraten die Höhle.
01:02:06In der Düsternis schimmerten die gespenstischen Gesichter der verbliebenen Untoten wie phosphoreszierende Masken.
01:02:13Einige Skelette erreichten die Wand und tauchten darin ein.
01:02:17Wir folgten ihnen nach.
01:02:20Erneut legte ich die Dämonenmaske an.
01:02:23Grünlich-violette Wolken stiegen aus den Skeletten, wehten davon und lösten sich auf.
01:02:29Sie vergingen.
01:02:30Alle.
01:02:31Die Wirkung der Maske war hier, im Reich der Toten, noch weinausverheerender als in unserer Realität.
01:02:38Es dauerte nur Sekunden.
01:02:40Ich riss mir die Maske wieder vom Gesicht und löste Makabros auf.
01:02:45Mit großen Schritten rannte ich zurück zu der Stelle, an der ich das Leichenlabyrinth betreten hatte.
01:02:49Und prallte gegen das harte Felsgestein.
01:02:56Hast du geglaubt, dass du hier lebens wieder herauskommen wirst, Jörn Helmock?
01:03:01Nein!
01:03:03Denn dies ist doch keinem gelungen.
01:03:05Wir treten haben das Leichenlabyrinth schon viele.
01:03:09Aber niemand hat es jemals wieder verlassen.
01:03:15Doch es kam noch schlimmer.
01:03:16Die gigantische Säulenhalle schrumpfte.
01:03:19Die schwarzen, undurchdringlichen Wände rutschten auf mich zu, kamen näher und näher.
01:03:24In der wabernden Düsternis tauchten vereinzelt noch ein paar Gestalten aus dem Grab auf.
01:03:30Aber sie fielen.
01:03:31Sie torkelten kraft- und leblos durch die Dunkelheit.
01:03:35Ich begriff.
01:03:36Molochus hatte sie verlassen.
01:03:38Er löste dieses Reich auf.
01:03:40Josef Burga und seine Schergen hatten versagt.
01:03:43Und dies war ihre Strafe.
01:03:46In der Dunkelheit gluckerte es.
01:03:48Hohle Baumstämme wurden an die bezarren Ufer gespült.
01:03:51Arme ragten aus dem brodelnden Sumpf, der nur noch ein Schämen war.
01:03:56In der Ferne ein kreisrunder Lichtfleck.
01:04:00Grau und verwaschen.
01:04:02Ein Schacht.
01:04:03Dies war er.
01:04:04Der Punkt, auf den alles unweigerlich zusteuerte.
01:04:08Ja.
01:04:08Da war auch das Tau.
01:04:10Das rettende Tau.
01:04:12Ich musste es zu fassen kriegen.
01:04:14Viel Zeit blieb mir nicht.
01:04:15Ich sprang.
01:04:17Das Jenseitsreich löste sich auf.
01:04:20Das Loch über mir rückte in unendliche Ferne.
01:04:23Ich würde es nicht schaffen.
01:04:24Das war das Ende.
01:04:26Molochus hatte gewonnen.
01:04:30Hey, Sie!
01:04:31Geben Sie mir Ihre Hand.
01:04:32Schnell!
01:04:33Was?
01:04:34Wer sind Sie?
01:04:36Keine Fragen.
01:04:37Machen Sie!
01:04:37Ihre Hand, los!
01:04:40Ja!
01:04:44Mann, das war in letzter Sekunde.
01:04:48Wer auch immer Sie sind, ich danke Ihnen.
01:04:52Ich rutschte über den Schachtrand.
01:04:54Die Umgebung war mir fremd.
01:04:57Ich lag inmitten eines alten, verlassenen Hofes, in dem ein Brunnen stand.
01:05:02Um mich herum vier Menschen.
01:05:05Darf ich jetzt meine Frage noch mal stellen?
01:05:07Wer sind Sie?
01:05:09Das ist Heinz Guillaume.
01:05:11Ich bin seine Ex, äh, seine Frau.
01:05:14Und das sind unsere Kinder, Christine und Peter.
01:05:18Und, warum sind Sie hier?
01:05:20Eigentlich wollten wir Urlaub machen und gemeinsam überlegen, ob unsere Scheidung nicht vielleicht doch ein Fehler war.
01:05:26Ja.
01:05:27Und dann ist Christine in der Wand verschwunden.
01:05:30Einfach so.
01:05:31Ich verstehe.
01:05:32Sie sind da wohl hinterher, um sie zu suchen.
01:05:35Ganz genau.
01:05:36Ja, aber wie sind Sie, ich meine, wie sind Sie aus dem Labyrinth wieder herausgekommen?
01:05:41Wir haben nach Christine gesucht.
01:05:43Sie war es, die den Schacht gefunden hat.
01:05:46Allerdings war er verschlossen, bis, bis zu dem Moment, als die große Zerstörung begann.
01:05:52Um uns herum brach alles zusammen.
01:05:54Und plötzlich öffnete sich der Schacht.
01:05:57Tja, für die Zerstörung war ich verantwortlich.
01:06:00Vermutlich war dieser Schacht eine Art Hintertür.
01:06:04Ein zweites Tor zu unserer Welt, wenn den Bewohnern dieser Dimension der andere Ausgang versperrt ist.
01:06:11Was wollen Sie mit dem Stein?
01:06:14Testen, ob das Tor jetzt geschlossen ist.
01:06:20So wie es sich anhört, ja.
01:06:22Hoffentlich für immer.
01:06:27Gerlich informierte mich bei unserer Rückkehr, dass Martha Koller im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen war.
01:06:33Von ihrem Mann fehlte jede Spur.
01:06:36Wahrscheinlich war er mit den Untoten im Reich der Toten der Vernichtung zum Opfer gefallen.
01:06:40Es konnte nie geklärt werden, warum man ihn überhaupt entführt hatte.
01:06:45Vermutlich einfach deshalb, um ihn im Leichenlabyrinth quälen und sich daran ergötzen zu können.
01:06:51Am nächsten Morgen nahmen wir im Gasthof das Frühstück ein.
01:06:55Antonia Harter bediente uns.
01:06:57Sind Sie ganz allein hier?
01:06:59Was ist eigentlich mit Ihrem Bruder?
01:07:01Warum?
01:07:02Hat er wieder etwas angestellt?
01:07:04Er hat sich meiner Freundin mit dem gleichen Namen vorgestellt.
01:07:08Ja, sowas macht er öfter.
01:07:10Das findet er witzig.
01:07:12Na, er wird gleich kommen und mich abholen.
01:07:16Ein orangefarbener Lamborghini kam aus der Garage.
01:07:19Ein Mann, Hellmark bis aufs Haar gleichend, saß hinter dem Steuer.
01:07:24Hellmark drohte mit dem rechten Zeigefinger.
01:07:26Und das nächste, mein Bruderherz, stellst du dich nicht so vor, dass man meinen könnte, ich wäre es gewesen.
01:07:34Regina und Antonia blickten dem Sportwagen nach, der wenig später durch die Dorfstraße fuhr und in Richtung Regensburg verschwand.
01:07:42Björn warf einen Blick auf den Fahrer, der den Lamborghini an den Straßenrand steuerte.
01:07:47Und nun, Bruderherz, lassen wir den Unfug.
01:07:50Es ist Zeit, wieder an den Ernst des Lebens zu denken.
01:07:54Zukünftig? Hände weg von meinem Mädchen.
01:07:57Und nun, verschwinde!
01:07:59Makabros nahm es wörtlich.
01:08:01Der Wagen stand noch nicht richtig, als der Platz hinter dem Steuer schon wieder leer war.
01:08:06Björn nahm die Stelle hinter dem Lenkrad ein und startete.
01:08:10Er dachte an die zurückliegende Episode und wusste, dass sie eine von vielen sein würde.
01:08:15Die Zusammenstöße mit unsichtbaren Mächten, mit jenseitigen Welten und mit Molochos, dem Dämonenherrscher, würden nicht auf das beschränkt bleiben, was
01:08:25bis jetzt passiert war.
01:08:28Vielmehr wartete auf ihn.
01:08:50Vielmehr wartete auf ihn.
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