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  • vor 5 Stunden
Oberinspektor Derrick - Horst Tappert /
Drehbuch - Herbert Reinecker /
Regie - Alfred Weidenmann

Kategorie

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TV
Transkript
00:00Musik
00:50Und die Graute
01:08Musik
01:09Musik
01:09Musik
01:09Musik
01:11Musik
01:30Wie lange wollen Sie bleiben, Herr Borgel?
01:32Ich bleibe eine Woche. Vielleicht auch zwei, oder? Noch länger. Es kommt ganz darauf an.
01:41Dann wünsche ich Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.
01:44Suite Nummer 3.
01:45Ich habe doch Fernsehen auf meinem Zimmer.
01:47Ja, natürlich.
01:48Könnte ich einen Videorekorder haben? Kann man so etwas anschließen?
01:51Das ist möglich für Ihre eigenen Kassetten?
01:53Ja.
01:54Wir haben einen Konferenzraum, der auch dafür vorgesehen ist.
01:57Nein, ich möchte mein Zimmer vorziehen und hoffe, dass es keine Schwierigkeiten macht.
02:01Macht es gleich.
02:12Musik
02:30Haben Sie noch einen Wunsch?
02:31Wie alt sind Sie?
02:3218
02:33Schönes Alter.
02:36Danke sehr.
02:38Ein Unglück. Ich möchte gerne etwas essen und etwas trinken.
02:43Und der Zimmerservice hat die Nummer 9.
03:01Sie kennen sich jetzt aus?
03:02Ich denke schon.
03:07Ist das recht?
03:08Gern.
03:10Der Wein?
03:11Bitte machen Sie ihn auf.
03:13Ein sehr guter Wein, den Sie da ausgesucht haben.
03:15Ich weiß, ich trinke ihn immer. Zu besonderen Anlässen.
03:31Hallo, Papa.
03:33Na, das ist eine Überraschung, hm?
03:35Und jetzt sagt nicht, dass es ein schlechter Einfall ist.
03:38Ich will dir nämlich zeigen, wie es mir geht.
03:43Also, mir geht es großartig.
03:45Ich bin fabelhaft untergekommen.
03:49Das Zimmer, was du siehst?
03:51In dem wohne ich.
03:57Und jetzt stehe ich hier erstmal.
04:02Und sag dir Dankeschön, dass du mir erlaubt hast, nach München zu gehen.
04:08Ich weiß noch nicht, dass du große Angst gehabt hast, dass ich hier verloren gehen könnte.
04:13Aber ich sag's dir gleich.
04:16München und ich haben sich gesucht und gefunden.
04:21Und jetzt siehst du mein Kollekheft.
04:24Ich habe mitten im Satz aufgehört, weil mir auf einmal die Idee gekommen ist, dir alles auf Video zu zeigen.
04:29Weißt du, es ist ein bisschen unordentlich hier.
04:31Aber ich habe der Versuchung widerstanden, dir ein aufgeräumtes Zimmer vorzuführen.
04:35Du hättest es gemerkt.
04:37Und ich habe dir eins versprochen, dass ich dich nie anschwindeln werde.
04:45Was ist denn hier los?
04:47Und das ist meine Wirtin, Frau Kramer.
04:50Ach, ich mache nur gerade für meinen Vater ein paar Videoaufnahmen, damit er weiß, wohin ich geraten bin.
04:55Bitte, Kramerin, sagen Sie mal was.
04:57Was soll ich denn sagen?
04:59Na, was für ein gutes Kind ich bin.
05:01Na, dass Sie das sind, das weiß Ihr Vater wohl.
05:04Na, sagen Sie es mal mit Ihren Worten. Und hier rein. Und kommen Sie mal ein bisschen näher.
05:09Also gut. Ihre Tochter, die Susanne, ist ein gutes Kind.
05:15Sie ist ein junges Mädchen von der Sorte, die es heute nur ganz selten gibt.
05:19Na, übertreiben sollten Sie aber auch nicht.
05:21Ich übertreibe ihn ja nicht. Aber nun stellen Sie das Ding mal ab.
05:41Ich danke Ihnen, Herr Schultz.
05:43Ja, ich suche einen Doktor Lessner.
05:45Hugo Lessner, erster Schultz.
05:47Danke vielmals.
06:05Sie wünschen?
06:06Ich hätte gern Doktor Lessner gesprochen.
06:12Haben Sie einen Termin?
06:14Nein, ich habe keinen Termin.
06:16Um was geht es denn?
06:17Es ist eine private Sache.
06:20Dann sollten Sie mir sagen, was Sie eine private Sache nennen.
06:23Sagen Sie meinen Namen? Ich heiße Borget.
06:27Ach, Sie meinen, er kennt Sie?
06:28Ich denke, er kennt den Namen.
06:32Warten Sie bitte.
06:40Ein Herr Borget von dich sprechen.
06:43Herr Borget?
06:44Er sagt, du kennst den Namen.
06:47Ich kenne einen, er kannte eine Susanne Borget. Meint er dich?
06:51Er hat nur gesagt, wie er selber heißt.
06:54Wie alt ist der Mann?
06:56Etwa 60.
06:57Könnte Ihr Vater sein.
07:01Du kennst doch Susanne, erinnerst du dich nicht?
07:03Ja, sie war deine Freundin.
07:04Ja, nicht lange, kein halbes Jahr.
07:06Was bei dir sehr lange ist?
07:08Wenn das Ihr Vater ist, was will er?
07:10Am besten du fragst ihn.
07:13Nein, er soll verschwinden. Ich habe keine Zeit.
07:16Aber das verstehe ich doch sehr gut.
07:18Ich muss mich entschuldigen, dass ich mitten in der Bürozeit gekommen bin.
07:22Sagen Sie ihm, ich hoffe, nicht allzu sehr gestört zu haben.
07:27Ich werde mich einfach mal wieder melden.
07:29Besten Dank.
07:33Aber bitte.
07:34Darf ich fragen, wie es ihm geht?
07:37Es geht ihm sehr gut.
07:40Sagen Sie ihm, dass ich das erstaunlich finde.
07:50Ist er weg?
07:52Ja, er ist weg.
07:53Hat er noch was gesagt?
07:54Ja, er hat gefragt, wie es dir geht. Ich sagte ihm gut.
07:57Und das fand er erstaunlich.
08:02So eine Frechheit.
08:14Ja, wer ist da?
08:16Spreche ich mit Dr. Lessner?
08:18Mein Name ist Borgelt.
08:27Borgelt steht da draußen.
08:30Was will der von mir?
08:34Ja, lass ihn rein und frag ihn.
08:35Dann wirst du erfahren, was er von dir will.
08:40Oder hast du Angst?
08:46Frag du ihn, was er will.
08:54Frag du ihn.
08:55Frag du ihn.
09:17Frag du ihn.
09:26Frag du ihn.
09:27Mein Name ist Borgelt.
09:29Ist es möglich, ein paar Worte mit Herrn Dr. Lessner zu sprechen?
09:34Darf ich Sie fragen, worum es geht?
09:36Ich wollte ihm nur eine Frage stellen.
09:42Bitte kommen Sie herein.
09:50Herr Dr. Lessner, nicht wahr?
09:53Ja, der bin ich.
09:55Wir haben uns noch nicht kennengelernt,
09:57obwohl ich Sie sehr gut kenne.
10:01Sie kennen mich sehr gut?
10:02Susanne, meine Tochter, hat Sie beschrieben.
10:06Sie seien jemand, der es versteht, mit Menschen umzugehen.
10:12Sie wollte, dass ich Sie sympathisch finde.
10:16Und ich fand Sie sympathisch.
10:20Das ist sehr schön.
10:22Das freut mich.
10:24Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?
10:26Nein, ich trinke in diesem Hause nichts.
10:29Ich bin nur gekommen, um Ihnen eine Frage zu stellen.
10:35Warum waren Sie nicht auf der Beerdigung meiner Tochter?
10:40Ich hatte natürlich von Susannes tragischem Tod gehört.
10:48Warum war ich nicht bei der Beerdigung?
10:51Wahrscheinlich, weil ich keine Zeit gehabt habe.
10:54Irgendwas muss dazwischen gekommen sein.
10:56Sie waren befreundet mit ihr?
10:59Ja.
11:00Aber auf eine Weise, so bin ich mit vielen Leuten befreundet.
11:05Sie hat sich hier sehr wohl gefühlt.
11:08Sie hat nur dieses Haus beschrieben, jedes Zimmer.
11:12Ich würde mich hier zurechtfinden mit geschlossenen Augen.
11:17Ich weiß, wo das Schlafzimmer liegt.
11:21Im ersten Stock.
11:23Ganz weiß.
11:26Bilder von Miro, die ihr besonders gut gefallen haben.
11:34Meine Tochter hat sie sehr gern gehabt.
11:36Und sie sagte, Vater, ich liebe ihn.
11:42Was für ein Wort, nicht wahr?
11:45Ich habe mal irgendwo gelesen, dass das Wort Liebe das Wort ist,
11:48das in der Welt am häufigsten falsch verstanden wird.
11:57Was hält man nicht alles für Liebe und ist doch etwas ganz anderes?
12:07Sie haben ihr Kokain gegeben.
12:11Ach, das ist es.
12:15Hören Sie.
12:17Ein bisschen Kokain ist eine Sache.
12:19Eine ganz andere Sache ist es, wie man damit umgeht.
12:25Dazu braucht man Beherrschung.
12:29Selbstkontrolle.
12:30Sowas in der Art.
12:32Und Susanne war da wohl nicht die Stärkste.
12:35Ja, die Stärkste war sie nicht.
12:37Sie war arglos.
12:42Wer arglos ist, ist nicht sehr stark.
12:46Nein, die Stärke in dem Sinne, wie Sie es meinen, die hatte sie nicht.
12:51Die Arglosen.
12:53Sie vertrauen.
12:55Und sie glauben.
12:57Und was sie glauben, stellen sie nicht in Frage.
13:04Sie haben einen arglosen Menschen umgebracht.
13:09Was reden Sie da?
13:12Ich habe niemanden umgebracht.
13:14Und was daraus geworden ist, damit habe ich nichts zu tun.
13:18Überhaupt nichts.
13:19Das ist nicht meine Sache.
13:21Und wenn Sie das weiter behaupten, dann werde ich gegen Sie vorgehen.
13:25Sie haben sie auf den Weg gebracht.
13:28Auf dem am Ende der Tod steht.
13:31Verschwinden Sie.
13:33Und laufen Sie mir nie mehr über den Weg.
13:34Keine Sorge.
13:36Wir werden uns nie wiedersehen.
13:45Was sagst du dazu? Der Mann ist doch verrückt.
13:47Ist er?
13:48Er ist ja nicht.
13:51Dieses Mädchen war arglos. Und du hast das gewusst.
13:54Ja, bist du jetzt auch verrückt?
13:56Nein, Albert. Aber ich werde dir was sagen.
13:59Mit allem, was dieser Mann gesagt hat, hat er recht.
14:03Er weint um seine Tochter. Mit jedem Wort, das er sagt, weint um sie.
14:08Immerhin hat er gesagt, ich werde ihn nie wiedersehen.
14:13Verbinden Sie mich mit dem Restaurant.
14:16Oder können Sie es übernehmen, mir einen Tisch im Restaurant zu bestellen?
14:19Eine Person auf den Namen Borgelt. In einer halben Stunde.
14:24Zehn Uhr dreißig.
14:27Ist das nicht zu spät?
14:29Danke.
15:04Danke.
15:06Danke.
15:11Sie waren mein Zimmerkerlern?
15:13Ja, ich war heute Mittag beim Zimmerservice.
15:15Sie haben mir einen sehr guten Wein gemacht.
15:17Sie haben ihn ausgesucht.
15:19Ich möchte heute Abend ausgezeichnet essen.
15:22Und da bin ich auf Ihre Hilfe angewiesen.
15:24Sehr gerne.
15:24Also dann mal ein Aperitif vorweg.
15:27Und dann stellen wir das Menü zusammen.
15:29Suppe, Vorspeise, Fisch, dann Fleisch.
15:32Dazu serviere ich Ihnen einen sehr guten Mosel.
15:34Ich komme von der Mosel, da versteht man sich auf einen.
15:37Und später dann einen roten.
15:39Geben Sie mir bitte die Karte.
15:41Sehr gerne.
15:42Für mich gibt es Rotweine der verschiedenen Art.
15:47Für leichte Stunden, in denen der Wein zu den Gesprächen passt.
15:51Für ernsthafte Stunden, in denen der Wein zwar da ist, sich aber nicht vordrängen darf.
15:58Und für Stunden des tiefen Nachdenkens, in denen der Wein und der, der ihn trinkt, so gut wie eins sind.
16:05Und welche dieser Stunden haben wir jetzt?
16:07Die des tiefen Nachdenkens.
16:14Rosanna?
16:21Kommst du?
16:23Ja, ich mach nur das Licht aus und lass die Jalousien runter.
16:58Ich komme.
16:59Ist irgendwas?
17:00Nein, ich habe draußen nur irgendein Geräusch gehört.
17:03Ich komme.
17:07Ich komme.
17:11Albert!
17:22Albert?
17:23Albert!입니다.
17:31Musik
18:00Nun ist es doch spät geworden
18:04Wie früh ist es?
18:06Kurz vor zwölf
18:08Tiefes Nachdenken
18:11Dabei vergeht die Zeit wie im Flug
18:19Und manchmal wacht man anders auf
18:24Als der, der man war
18:35Danke
19:04Spannung
19:13Ich bin ganz hilflos
19:20Erklärung, ich habe keine
19:27Das ist für mich alles unvorstellbar
19:31Ja, ich verstehe
19:33Darf ich fragen, wer Sie sind?
19:35Rosanna Wolf
19:36Und Ihre Beziehung zu dem Toten?
19:42Wir leben zusammen
19:43Ich wohne in diesem Haus seit einem halben Jahr
19:47Haben Sie, haben Sie vielleicht irgendeine Vermutung
19:51Wer geschossen haben könnte?
19:54Nein
19:56Ich denke an nichts anderes
20:00Wer hat das getan?
20:05Jemand wollte seinen Tod
20:09Dabei hätte er es einfacher haben können
20:12Wissen Sie, die Jalousien
20:13War nicht geschlossen
20:16Kletterte eine Hauswand hoch
20:18Wozu?
20:19Um ihn
20:20Um ihn
20:21In seinem Schlafzimmer zu erschießen
20:26Schauen Sie, jeder Mensch hat Gegner
20:27Er hat Konkurrenten
20:28Er hat
20:29Naja, er kennt Menschen
20:31Die nicht völlig seiner Meinung sind
20:33Also mit einem Wort
20:34Er hat Feinde
20:38Albert war überall beliebt
20:40Er hatte nur Freunde
20:42Das gibt's nicht
20:44Wissen Sie
20:45Er legte es darauf an
20:47Freunde zu haben
20:49Er war ein Lebenskünstler
20:52Zu leben hielt er für eine Kunst
20:54In der er sehr begabt war
20:58Sehr begabt
21:03Woran denken Sie jetzt?
21:10Ich überlege, ob das stimmt
21:11Was ich jetzt sage
21:13Wir hatten heute Abend Besuch
21:15Von einem älteren Herrn
21:17Der Vater einer früheren Freundin
21:19Von Dr. Lessner
21:22Er machte ihm Vorwürfe
21:25Er hielt ihn für schuldig
21:30Ich sage jetzt die Worte
21:31Die er gesagt hat
21:36Er hielt Dr. Lessner für schuldig
21:38Seine Tochter umgebracht zu haben
21:39Und das sagen Sie
21:41Er hatte nur Freunde
21:44Dieser Vorwurf ist natürlich unsinnig
21:47Albert hat niemand umgebracht
21:51Er hatte
21:53Vor einiger Zeit eine Freundin
21:55Ein junges Mädchen
21:57Sie ist in der Drogenszene umgekommen
22:01Selbstmord
22:01Und Ihr Vater
22:03Gab Dr. Lessner die Schuld
22:06Kennen Sie den Namen von diesem Mann?
22:09Borgert
22:13Dieser Mann hat ganz sicher mit dem Mord nichts zu tun
22:18Wissen Sie
22:19Er tat mir persönlich sehr leid
22:21Er war
22:23Innerlich sehr traurig und hilflos
22:27Er wollte wissen, warum Dr. Lessner nicht
22:29Zur Beerdigung seiner Tochter gekommen ist
22:32Wann war die?
22:33Vor zwei Wochen
22:35Und warum ist er nicht hingegangen?
22:40Es hat ihn nicht mehr interessiert
22:43Es tut mir leid, es so sagen zu müssen, aber
22:47So war es
22:49Sagen Sie
22:50Gab es heute Abend irgendwie Streit
22:53Oder hat dieser, wie heißt er
22:55Borgert
22:57Drogen geäußert?
22:59Nein
22:59Im Gegenteil
23:03Er sagte, sie sehen mich nie wieder
23:05Wo erreichen wir Borgert?
23:16Bilder in der Pinakothek
23:18Großartige Bilder
23:20Diese unglaublichen menschlichen Bemühungen
23:23Menschlichen Fleißes
23:24Also es sind Bilder dabei
23:26Beim Ansehen glaubt man
23:27Das Herz des Malers schlagen zu hören
23:29Und man fragt sich
23:31Wie hat es geschlagen?
23:33Voller Freude, voller Angst
23:35Glücklich oder traurig?
23:37Sie machen sich eine Menge Gedanken
23:39Wenn man lange genug lebt
23:41Bleiben sie einem nicht erspart
23:42Zuweilen erschrecken sie einen
23:51Leichtes Essen heute
23:54Bei uns in der Küche fragt man sich schon, wer sie sind
23:57Und alle strengen sich mächtig an, es ihnen recht zu machen
23:59Sagen Sie der Küche meinen Dank
24:01Ich fühle mich bei Ihnen hervorragend aufgehoben
24:06Sehr gut
24:25Jemand möchte mit Ihnen sprechen und fragt, ob er zu Ihnen raufkommen kann
24:30Worum es geht?
24:31Ich möchte mit ihm über seine Tochter sprechen
24:36Sagen Sie dem Herrn, dass ich ihn erwarte
24:55Oh, das tut mir leid
24:57Sie essen
24:57Das zerstöre ich
24:59Ich warte draußen, ja
25:00Nein, nein, ich habe gegessen
25:03Ich weiß nicht, wer Sie sind, aber Sie haben etwas gesagt, was Ihnen bei mir jede Tür öffnet
25:10Sie wollten über meine Tochter mit mir sprechen
25:13Ja, ich bin von der Kriminalpolizei, mein Name ist Derek
25:18Und ich habe gestern Abend schon von Ihnen, von Ihrer Tochter gehört
25:21Gestern Abend?
25:22Ja, Sie haben doch diesen Dr. Lessner, dem haben Sie doch einen Besuch gemacht
25:27Dr. Lessner, ja
25:29Ich habe diesen Mann kurz aufgesucht und ein paar Worte mit ihm gewechselt
25:33Die ihm möglicherweise nicht sehr gefallen haben
25:36Sie wissen, weshalb ich diesen Mann aufgesucht habe?
25:40Hat er darüber geredet?
25:42Nein, also das konnte er nicht mehr
25:43Ich habe ihn ja erst kennengelernt, als er schon tot war
25:47Als er tot war
25:50Ist er tot?
25:52Ja, er ist gestern Nacht in seinem Schlafzimmer erschossen worden
25:55In seinem Schlafzimmer?
25:57Ja
25:59Wo die Bilder von Miro hängen
26:03Wo die Bilder von Miro hängen?
26:06Woher wissen Sie das?
26:08Meine Tochter hat es mir erzählt
26:09Und sie auch beschrieben
26:11Weiße, leere Flächen, darin Farbtupfer und Linien
26:17Vor diesen Bildern ist er gestorben
26:19Ja
26:20Ja, ich meine, der Mörder hat ja immerhin drei Schüsse auf ihn abgegeben, nicht wahr?
26:25Und bei dieser Gelegenheit haben wir auch erfahren, weshalb Sie Herrn Lessner aufgesucht haben
26:30Und dann daraufhin habe ich Ihren Aufenthalt ermitteln lassen
26:34Ich habe ihm gesagt, Sie haben meine Tochter umgebracht
26:39Ja, das stimmt aber nicht
26:41Ihre Tochter hat Selbstmord begangen
26:45Dieses Mädchen, ja
26:48Sie mochte ihr Leben nicht mehr
26:52Und hat es beendet
26:56Sie hatte die Angewohnheit, sich selber mit einer Videokamera aufzunehmen
27:00Und sie schickte mir die Kassetten
27:02Darf ich Ihnen eine zeigen?
27:04Ja, bitte
27:06Wissen Sie, es spricht sich leichter
27:08Wenn man weiß, worüber man spricht
27:12Wollen Sie nicht etwas trinken?
27:14Oh nein, nein, danke
27:15Aber bitte nehmen Sie doch Platz
27:16Ja, danke sehr
27:28Hallo Papa
27:30Für heute habe ich mir den Hörsaal unserer Uni ausgesucht
27:37Also, es war höchste Zeit, dass ich dir auch mal von hier aus was sage
27:39Was machst du denn da? Selbstaufnahmen?
27:41Nein, verschwinde mal
27:42Ich spreche gerade mit meinem Vater und das störst du
27:44Na ja, dann grüß den schön von mir
27:48Also, ich wollte dir nämlich was sagen, Papa
27:52Ich habe das Gefühl, als mache ich jetzt ein ganz ernstes Gesicht
27:55Und du könntest Angst haben, es kommt jetzt was Unangenehmes
27:59Aber es ist nichts Unangenehmes
28:03Ich bin im Augenblick nur ein bisschen durcheinander, weil
28:06Ich nicht weiß, ob es richtig ist, was ich studiere
28:11Jura
28:13Armer Papa, du bekommst jetzt bestimmt Angst
28:16Nein
28:19Ich schaue auch nur mal in andere Colleagues rein
28:22Beispielsweise Biologie
28:24Ich habe ja gar nicht gewusst, wie toll Biologie ist
28:30Plötzlich wird mir klar
28:32Dass ich überhaupt keine Ahnung gehabt habe, wo ich eigentlich lebe
28:38Ich bekomme jetzt ein ganz anderes Drumherum-Gefühl
28:47Bestimmt ein komisches Wort, aber irgendwie richtig, finde ich
28:51Ich kriege einen Blick für das, jetzt sage ich es nochmal, Drumherum
28:59Und ich weiß jetzt auch, dass ich noch gar nicht weiß, wo eigentlich mein Platz ist
29:05Denn irgendwo gibt es ihn doch
29:08Den maximalen Platz für jeden
29:12Im ganzen Drumherum
29:17Das ist sie, meine Tochter, das war sie
29:23Sie lernte Dr. Lessner in jener Phase kennen
29:26In der sie bemüht war
29:29Ihren maximalen Platz in diesem ganzen Lebensdurmherum, wie sie es sagte, zu finden
29:34Eine Phase, in der junge Menschen, so wie ich es sehe, ziemlich schutzlos sind
29:41Der Mann, der vorgab, sie zu lieben, gewöhnte sie an Kokain
29:48Und sie werden sich doch erkundigt haben, wer dieser Mann ist
29:52Er hat einen festen Platz in der hiesigen Gesellschaft
29:55Man kennt ihn, man liest über ihn, besonders über seine Partys
30:00Und meine Kleine
30:04Sie war auf dem Weg abwärts, ohne es zu erkennen
30:08Auf einem Weg, auf dem am Ende der Tod stand
30:12Deswegen sagte ich gestern Abend zu Dr. Lessner
30:16Sie haben sie umgebracht
30:21Wann sind Sie nach München gekommen?
30:25Gestern Mittag
30:26Nur um Dr. Lessner aufzusuchen?
30:29Das war einer der Gründe
30:31Die anderen Gründe?
30:34Ich bin hier meiner Tochter
30:37Unglaublich nah
30:40Ich verstehe
30:45Herr Borgelt
30:47Wo waren Sie gestern zwischen 22 Uhr und Mitternacht?
30:53So, darf ich abräumen?
30:55Bitte kommen Sie herein
30:57Sie können gleich eine Frage beantworten
31:00Wo war ich gestern Abend zwischen 10 und 12 Uhr?
31:05Sie waren im Restaurant beim Essen
31:07Der Vater
31:09Als Lessner ermordet wurde, da saß er im Restaurant
31:13Der Vater
31:14Und du meinst, es ist eigenartig?
31:17Er hat mir eine Kassette vorgeführt
31:20Wo seine Tochter drauf war
31:22Und ich muss sagen, ein solches Mädchen zu verlieren, du
31:24Das, das muss ein unerträglicher Gedanke sein
31:29Wenn man es erkundigt
31:30Borgelt hat sein Geschäft in Bernkassel aufgelöst, verkauft
31:33Er hat alles aufgegeben
31:35Man kann auch so sagen
31:36Er hat Schluss gemacht
31:38Und dann fährt er nach München
31:39Mietet sich eine teure Suite in einem nobelen Hotel
31:42Und bestellt Festessen
31:45Ich begreif das nicht
31:55Wir sind da
31:56Nummer 79
31:59Wollen Sie sich darstellen?
32:02Warten Sie hier bitte
32:25Wollen Sie hier bitte
32:35Ja?
32:36Entschuldigen Sie, mein Name ist Borgelt.
32:41Und wer sind Sie?
32:43Ich sehe, dass Ihnen mein Name bekannt ist.
32:46Natürlich ist er mir bekannt. Was wollen Sie von mir?
32:48Ich bin nur gekommen, Ihnen eine Frage zu stellen.
32:54Warum waren Sie nicht auf der Beerdigung meiner Tochter Susanne?
32:58Vor drei Tagen ist mein Onkel erschossen worden, dem Sie dieselbe Frage gestellt haben.
33:02Kommen Sie mal rein.
33:13Was haben Sie mit dem Mord an meinem Onkel zu tun?
33:18Wollen Sie sich nicht?
33:30Und jetzt sagen Sie mir, was Sie wirklich von mir wollen.
33:34Meine Tochter hat sie mir ja beschrieben.
33:36Sehr freundlich, sehr liebevoll, ganz begeistert.
33:42Ich habe alles, was meine Tochter mir sagte, nie in Zweifel gezogen und freute mich für Sie.
33:48Ich dachte, nun, Sie macht Ihre Erfahrungen.
33:52Man findet ja nicht immer sofort den Menschen, der zu einem passt.
33:57Man geht durch Irrtümer hindurch.
34:03Sie waren ein Irrtum.
34:04Was werfen Sie mir vor?
34:07Tja, was?
34:10Kälte.
34:13Gefühlskälte.
34:14Und damit verbunden, totale Gleichgültigkeit gegen Ihnen.
34:21Ich sehe Sie an.
34:23Und ich weiß, dass ich recht habe.
34:26Bitte um Entschuldigung, ich wollte Sie nicht stören.
34:53Ja, Willisner?
34:55Rosanna?
34:57Borgelt war hier.
34:59Er hat mir die gleiche Frage gestellt.
35:02Warum ich nicht auf der Beerdigung von seiner Tochter war.
35:19Borgelt.
35:21Derrick, Sie sind also immer noch in München?
35:23Ja, ich bin noch hier.
35:25Das ist gut, ich hätte Sie gerne noch mal gesprochen.
35:28Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen?
35:30Wie wäre es mit heute Abend?
35:32Oder noch besser.
35:33Darf ich Sie zum Essen einladen?
35:36Oh, ja.
35:39Das ist eine gute Idee.
35:40Herzlich gerne, ja.
35:41Ich esse abends immer sehr spät.
35:43Wie wäre es gegen 10 Uhr?
35:45Ich weiß genau, wann Sie essen.
35:48Dann bis 10 Uhr.
35:53Er hat mich zum Essen eingeladen.
35:56Hat er gesagt, warum er noch in München ist?
35:59Nein, das hat er nicht.
36:19Ja, bitte.
36:21Ich komme hinunter.
36:41Ich freue mich, dass Sie meine Einladung angenommen haben.
36:43Aber die Freude ist ganz auf meiner Seite.
36:45Bitte nehmen Sie klar.
36:46Danke sehr.
36:48Ich habe uns ein Menü zusammengestellt.
36:51Hoffentlich findet es Ihren Beifall.
36:53Wir können anfangen.
36:56Sagen Sie, essen Sie jeden Abend so?
37:01Nein, nur an besonderen Tagen.
37:04Ah, ja.
37:05Und was sind für Sie besondere Tage?
37:08Die, die ich dazu mache.
37:11Ich freue mich, dass Sie mein Gast sind.
37:15Danke.
37:17Herr Borgel, es ist gut, dass wir heute Abend zusammen sind.
37:27Wissen Sie, Herr Borgelt, mir gehen die Bilder Ihrer Tochter,
37:32die Bilder, die Sie mir gezeigt haben,
37:35die gehen mir nicht aus dem Kopf.
37:37Ja, nicht wahr.
37:38Was meinen Sie, wie oft ich mir diese Bilder angesehen habe?
37:42Und dabei überstürzen sich die Gedanken
37:43oder kristallisieren sich auch zu einer Frage,
37:48wie schwer es heutzutage für junge Menschen ist,
37:51sich in dieser Welt zurechtzufinden.
37:53Für alle jungen Leute gibt es da einen kritischen Punkt.
37:57Die Welt macht Ihnen Angebote, alles liegt vor Ihnen,
37:59Sie brauchen nur zuzugreifen.
38:01Und zugleich wird Ihnen eine Aufgabe gestellt,
38:03eine schwierige Aufgabe,
38:05für die Sie nur unzureichend vorbereitet sind.
38:09Sie müssen unterscheiden können.
38:12Denn das Schöne ist nicht immer schön,
38:14das Gute nicht immer gut.
38:16und das, was vorgibt, wahr zu sein,
38:19ist nicht immer wahr.
38:23Langweilig Sie?
38:25Oh nein, nein, durchaus nicht, nein.
38:29Die Welt machte meiner Tochter Angebote
38:33und sie wählte.
38:34Das Schöne, das nicht schön war,
38:36das Gute, das nicht gut war
38:38und das, was sie für wahr hielt
38:42und nicht die Wahrheit war.
38:47Sagt Ihnen der Wein zu?
38:50Oh ja, das ist ein ausgezeichneter Mose.
38:54Ich bin da zu Hause, wissen Sie,
38:56ich kenne die Beine.
38:58Und doch, haben Sie dort alles aufgegeben,
39:00wie ich gehört habe.
39:02Ich habe ganz plötzlich die Lust verloren,
39:06mich für normale Geschäfte zu interessieren.
39:09Glauben Sie mir,
39:10es ist ein unglaublicher Moment,
39:13Dinge unwichtig werden zu sehen.
39:15Und zwar total unwichtig.
39:17Irrsinniges Erstaunen erfasst einen.
39:20Ja, also, es ist Ihnen ja nicht alles
39:24so total unwichtig geworden.
39:27Sie meinen jetzt,
39:29dieses Essen nehme ich an?
39:32Ja, ja, das meine ich.
39:34Wissen Sie,
39:38es sitzt noch jemand mit an diesem Tisch.
39:42Ja, ich verstehe.
39:45Herr Beric, Sie werden am Telefon verlangt.
39:52Entschuldigen Sie bitte.
39:54Aber das wird mein Büro sein.
40:00Kann ich jetzt den Rotwein haben?
40:06Gehen Sie bitte.
40:12Stefan?
40:13Ja, wir haben einen neuen Mord.
40:15Ein junger Mann ist in seiner Wohnung erschossen worden.
40:18Und jetzt sage ich dir seinen Namen.
40:20Manfred Lessner.
40:21Ja, der Neffe von Dr. Lessner.
40:23Der junge Mann wurde vor wenigen Stunden
40:25von Herrn Borgelt aufgesucht.
40:26Und auch er hat ihm die Frage gestellt,
40:29warum er nicht bei der Beerdigung
40:30seiner Tochter gewesen ist.
40:40Besten Dank für die Einladung.
40:42Aber das ist nun zu Ende.
40:44Auch für Sie zu Ende.
40:47Kennen Sie Manfred Lessner?
40:49Ja.
40:50Das ist der Neffe von Dr. Lessner.
40:53Als so sonnesüchtig wurde,
40:55hat er ihr Heroin besorgt.
40:57Es war zugleich sein Geschäft.
40:59Ich habe keine gute Meinung von ihm.
41:01Das wird ihn kaum interessieren.
41:03Der junge Meister ist eben erschossen worden.
41:06Er ist also tot?
41:08Sie haben ihn heute besucht.
41:10Ja, das ist richtig.
41:12Ich habe ihn gefragt,
41:14warum er nicht bei der Beerdigung
41:15meiner Tochter gewesen ist.
41:17Er hat die Frage nicht beantwortet.
41:20Ich fahre jetzt zum Tatort.
41:22Sie dürfen die Stadt nicht verlassen.
41:23Sie müssen sich zur Verfügung halten.
41:25Aber natürlich.
41:27Ich mache Ihnen keine Schwierigkeiten.
41:32Ich meine, da besteht doch kein Zweifel mehr.
41:34Borgl hat mit den Morden zu tun.
41:36Das ist doch kein Zufall.
41:38Entweder war er es,
41:38oder es war jemand anderer.
41:45Stefan.
41:46In seinem Auftrag.
41:48Jedes Mal, wenn es so weit ist,
41:50dieses Festmenü.
41:52Und diesmal hat er dich dazu eingeladen.
41:54Tja, irgendetwas dagegen zu sagen?
41:57Nein, wirklich nicht.
41:59Ja, was hast du denn für eine Meinung
42:00von dem Borgl?
42:01Weiß nicht.
42:02Kennen wir kaum.
42:03Er wirkt sympathisch,
42:04aber was heißt das schon?
42:06Nein, es geht ja jetzt um die Frage,
42:09wer ist Susanne Borgl eigentlich?
42:12Das heißt, wer war sie?
42:15Das ist alles über den Tod von Susanne Borgl,
42:18was wir bis jetzt erfahren konnten.
42:20Sie hat sich aus einem Fenster gestürzt,
42:22aus einem dritten Stock.
42:23Gehört zum Studio von einem Pornofilmer.
42:26Tja, das war ihre Endstation.
42:29Das ist ihr wohl klar geworden.
42:31Und hat das nicht mehr ertragen.
42:34Wenn du mehr wissen willst,
42:35hier haben wir die Berichte von einer Therapiegruppe.
42:38Das sind ehemalige Süchtiger,
42:39die haben sich zusammengeschlossen
42:40zu einer Gruppe,
42:41um ihren Leidensgenossen zu helfen.
42:44Sie haben sich auch um Susanne Borgl gekümmert.
42:49Dann kommen Sie nur herein in unser Büro.
42:53Wenn man Büro dazu sagen kann.
42:57Sie sehen, wir haben einen Schreibtisch,
43:00einen Telefon, einen Aktenschrank
43:01und genug Sekretäre.
43:03Um es genau zu sagen,
43:04einige wohnen auch hier.
43:06Das sind die Vögel,
43:07die noch zu schwach sind, um zu fliegen.
43:09Johannes, bringst du uns mal einen Kaffee?
43:12Wir haben auch eine funktionierende Kaffeeküche.
43:17Also,
43:20es geht um Susanne.
43:24Es geht um Susanne, ja.
43:30Die hat auch eine Zeit lang hier gewohnt.
43:33Wenn ich an sie denke,
43:35wird mir ganz schlecht.
43:37Weil wir dann nämlich versagt haben.
43:40Eine Zeit lang
43:42war Susanne ja clean.
43:45Irgendwie hat sie es reingekriegt
43:47in ihren Schädel.
43:49Am Anfang war da natürlich
43:51Heulen und Zähne klappern.
43:54Wie bei jedem Entzug.
43:57Sie können sich bestimmt vorstellen,
43:59wie schwer das ist,
44:01durchzuhalten.
44:08Sie halten sich mit den Fingerspitzen
44:12über dem Abgrund
44:12und
44:14dann fragen sie sich,
44:16deine Kraft,
44:17das bisschen, das du hast,
44:19geht das weg.
44:21Sie hat losgelassen,
44:22sehe ich das richtig?
44:23Ja.
44:26In diesem miesen Pornoladen.
44:29Da war ihr der freie Fall lieber.
44:33Und da haben wir dann,
44:35wie für jeden, der es nicht schafft,
44:37eine Katze hier angesteckt.
44:41Erzählen Sie mal mehr
44:42von Susanne Borgelt.
44:44Alles, was Sie wissen.
44:46Das ganze traurige Kapitel.
45:31Und dieser Kerl vom Pornoladen
45:33hat mich locker gelassen.
45:35Wollte sie für seinen Dreck da haben,
45:38hat sie auf der Straße abgefangen,
45:40das Geld schon in der Hand.
45:42Hat sie gesagt,
45:43behalt dein Scheißgeld.
45:44Und da hat er es anders gemacht.
45:47Er hat ihr den Stoff gleichgegeben
45:49und die Nadel dazu.
45:53Ziemliches Schwein, nicht wahr?
45:56Er ist schwach geworden
45:58und tat, was der wollte
45:59vor seiner dreckigen Kamera.
46:05Wissen Sie, wie das ist,
46:06wenn man sich vor sich selber ekelt?
46:09Da sagt er tot plötzlich.
46:12Komm,
46:13ich bin dein Freund.
46:18Sie hat ihn angerufen.
46:20Ich möchte mir
46:21Ihr Filmstudio mal ansehen.
46:24Bitte sehr.
46:27Sehen Sie sich nur alles an.
46:31Es ist bestens eingebaut.
46:34Technisch ist alles da.
46:36Zwei Kameras,
46:38ein Schneidetisch
46:38im Nebenraum.
46:40Ich biete es gern
46:41und sehr günstig an.
46:43Alle Kunden,
46:44die in diesem Studio gearbeitet haben,
46:46waren sehr zufrieden.
46:48Es eignet sich sehr gut für
46:51Privatfilme.
47:02Sie führen auf Regie?
47:04Ja, das mache ich alles.
47:06Ich produziere,
47:08mache Regie
47:08und bin mein eigener Verleiher.
47:14Sagen Sie mir nur,
47:14wenn Sie das brauchen.
47:21Bei Tonaufgaben
47:21keine Schwierigkeiten.
47:23Es will nicht los
47:23auf dem Hof.
47:34Ich wollte mir das
47:35nur mal ansehen.
47:37Jetzt habe ich es gesehen.
47:39Vielen Dank.
47:41Keine Ursache.
48:07Was gibt es denn heute Abend?
48:10Kalbfleischsuppe mit Pilzen.
48:12Sehzungen.
48:13Rebhuhn mit Linsenpüree
48:15und Quittengrat.
48:16Ich hätte gern
48:17ein Gläschen Champagner vorweg.
48:20Hast du die Nummer
48:21von den Pornoschuppenheim?
48:23Ja, Moment mal.
48:28Was hältst du eigentlich
48:29von diesen Therapieleuten?
48:31Imponierend.
48:34Melde sich niemand.
48:37Wir können die Werte
48:38etwas näher.
48:39Ja, noch näher.
48:40Komm.
48:41So, lass die Haare kriegen.
48:43Ja, so, okay.
48:46So, Andrea.
48:47Du studierst Staub?
48:48Geht mal Mühe.
48:49Ja, Moment bitte.
48:51Da kommst du eigentlich
48:51so schüchtern.
48:52Was ist denn?
48:53Du wirst am Telefon verlangt.
48:55Ich habe gesagt,
48:55kein Telefon jetzt.
48:57Wer ist denn dran?
48:59Kriminalpolizei.
49:00Ja, schau wieder los.
49:01Moment mal.
49:02Mach das Licht auf.
49:03Es kostet nur mein Geld.
49:09Herr Staub hier.
49:10Wer ist denn da?
49:11Kriminalpolizei.
49:12Moment mal bitte.
49:13Ich verbinde mit Herrn Derrick.
49:17Was wollen Sie schon wieder von mir?
49:19Moment.
49:20Ist jemand an der Tür?
49:22Ich stecke mitten in einer Produktion.
49:26Ja, warten Sie mal.
49:29Mach das Licht aus,
49:29habe ich gesagt.
49:35Hallo?
49:38Herr Staub ist erschossen worden.
49:40Er kommt schnell vorbei.
49:42Hören Sie, hier ist die Polizei.
49:44Keine Panik.
49:44Bleiben Sie ganz ruhig.
49:46Bleiben Sie dort, wo Sie sind
49:47und verändern Sie nichts.
49:49Wir kommen sofort vorbei.
49:52Rufst du Borgel dann?
49:53Ja.
49:56Geben Sie mir bitte das Restaurant, ja?
49:58Ja, Herr Borgel,
49:59das ist im Restaurant.
49:59Er isst gerade.
50:00Mein Name ist Derrick.
50:01Ich habe gestern Abend mit ihm gegessen.
50:03Sagen Sie ihm,
50:03ich komme noch vorbei
50:04zum Nachtisch.
50:08Guten Abend, Herr Borgel.
50:09Das ist gut.
50:11Sie sind noch beim Weinen.
50:12Ein Bordeaux.
50:14Ich habe schon ein zweites Glas bestellt.
50:16Das brauchen wir nicht.
50:18Gehen wir in Ihre Suite?
50:26Ich habe noch nicht alle Kassetten gesehen.
50:40Ich weiß, ich habe dir lange kein Film mehr geschickt.
50:49Weißt du, Papa?
50:51Ich habe irgendwie den richtigen Weg nicht gefunden.
50:57Er war da
50:59und dann war er wieder weg.
51:02Irgendwie
51:03kam ich mir vor,
51:04als hätte ich mich verlaufen.
51:06Ich wollte es dir immer recht machen.
51:07Ich wollte,
51:08dass du stolz bist auf mich,
51:09dass du sagen kannst,
51:10wenn dich jemand fragt,
51:11wie geht es denn der Susi,
51:12dass du dann sagen kannst,
51:13der geht es glänzend,
51:14im Moment nicht so gut,
51:15aber die schafft das schon.
51:19Du weißt,
51:20ich habe es eine Weile lang nicht geschafft,
51:22weil
51:23komisch,
51:24ich stand mir irgendwie selbst im Weg.
51:26Ich rannte immer gegen mich selber.
51:31Blödes Gefühl,
51:31sage ich dir.
51:37Aber jetzt,
51:39jetzt schaffe ich mich sozusagen beiseite
51:41und dann finde ich ihn schon wieder
51:43den richtigen Weg.
51:48Die Kassette ist noch nicht zu Ende.
51:51Das Wesentliche
51:52haben Sie gesehen.
51:53Ich möchte weitersehen.
51:57Herr Borgelt,
51:59ich kann die Kassette beschlagnahmen.
52:03Bitte geben Sie siehe.
52:16Ich bin jetzt wieder ganz optimistisch
52:18und das hat einen Grund.
52:20Kommst du mal bitte?
52:32Bin ich jetzt drauf?
52:33Ja, jetzt sind wir beide drauf.
52:36Los, jetzt sag mal was.
52:38Guten Tag, Herr Borgelt.
52:41Sie sehen, Susanne und ich sind Freundinnen.
52:44Ich habe sie...
52:46Darf ich das jetzt so sagen,
52:47wie es mir auf der Zunge liegt?
52:48Ja, klar.
52:50Also ich habe sie
52:51auf der Straße aufgelesen.
52:55Wie eine Katze,
52:56die sich verlaufen hat.
52:58Ich habe sie auf den Arm genommen
52:59und hierher gebracht.
53:02Und jetzt sage ich Ihnen,
53:03was Sie freuen wird.
53:04Als Vater.
53:05Und überhaupt.
53:07Weil die Susanne
53:08ein tolles Mädchen ist.
53:10Was?
53:11Ach, übertreib doch nicht.
53:12Ich übertreibe überhaupt nicht.
53:13Sie ist ein tolles Mädchen.
53:15Und weil sie
53:16eine Menge in sich hat,
53:18das wir nicht verloren geben.
53:21Also.
53:22Ich passe jetzt auf Sie auf.
53:25Dass ihr nichts mehr passiert.
53:27Und darauf gebe ich Ihnen
53:29eine Garantie.
53:32Mit den Typen von einst,
53:34die ihr das Genick brechen wollten,
53:36hat sie nichts mehr zu tun.
53:40Okay, Papa.
53:47Die Sache ist wohl klar,
53:49Herr Borg, nicht wahr?
53:53Ihre Tochter war in Obhut
53:55einer Therapiegruppe.
54:00Aber was sie Ihnen
54:02da sagen wollte,
54:03das war,
54:05okay, Papa,
54:07es ist alles okay.
54:09Du brauchst dir
54:10keine Sorgen zu machen.
54:11Du siehst,
54:12man hilft mir.
54:13Um mich herum
54:13sind nur Freunde
54:15und alle wollen mir helfen.
54:22Und da,
54:24da hat es dieser
54:25dreckige Pornofilmer
54:27doch tatsächlich geschafft,
54:28ihre Tochter
54:29wieder rückwällig werden zu lassen.
54:31Na ja.
54:33Er ist ja dafür bestraft worden.
54:36Man hat ihn soeben erschossen
54:39und sie wussten es.
54:41Sie wussten,
54:42dass er erschossen wird.
54:43Sie wussten immer,
54:44wer, wann, wo
54:45erschossen wird,
54:46nicht wahr?
54:47Und das haben sie gefeiert.
54:51Um Himmels Willen,
54:53das haben sie
54:55gefeiert
54:56wie ein Fest.
55:19kommen Sie herein.
55:28Ich weiß,
55:29was Sie sagen wollen.
55:32Okay.
55:34Papa,
55:36es ist alles okay.
55:44Waren Sie es,
55:45die es nicht ertragen konnte,
55:47wie dieses Mädchen
55:47ruiniert
55:48und in den Tod
55:49getrieben wurde?
55:57Ja.
55:59Ihr Vater konnte es nicht ertragen
56:01und ich konnte es nicht ertragen.
56:04Wir haben sie beide geliebt.
56:06Das gibt Ihnen nicht
56:08das Recht zu töten.
56:10Mord gegen Mord.
56:12Gewalt gegen Gewalt.
56:16Nein.
56:21Diese Rechnung geht nicht auf.
56:26Die Rechnung geht nicht auf.
57:01Die Rechnung geht nicht auf.
57:37Die Rechnung geht nicht auf.
57:54Die Rechnung geht nicht auf.
57:55Die Rechnung geht nicht auf.
57:56Untertitelung des ZDF, 2020
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