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  • vor 4 Monaten

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Transkript
00:00Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:02Der Alter hat seinen Fall gelöst, so wie es der Autor in seinem Drehbuch vorgesehen hatte.
00:08Das Drehbuch für die nächsten 30 Minuten basiert nicht auf dem Ideenreichtum eines Schriftstellers.
00:13Es wird von der Wirklichkeit diktiert, so wie seit nunmehr 20 Jahren in dieser Sendereihe Vorsichtfalle.
00:20Das ZDF hat uns zu diesem runden Geburtstag, wie Sie sicher bemerkt haben, einen neuen Vorspann, eine neue Musik und hier sogar ein neues Stehpult spendiert.
00:29Und wir werden in diesem Jahr sechsmal statt bisher viermal vor den Tricks von Neppern, Schleppern und Bauernfängern warnen.
00:36Die Maschen und die Gefahren, auf die wir Sie jetzt aufmerksam machen, sind, wie gesagt, leider alle der Realität unserer Tage entnommen.
00:44Aber diese Geschichten, die das Leben selbst schreibt, sind meist nicht weniger verblüffend als viele gut erfundene Krimis.
00:51Eines der frechsten Gaunerstücke, das mir seit langer Zeit untergekommen ist, ereignet sich vor einigen Wochen in einem Frankfurter Hotel.
00:59In der Halle, so wie fast jeden Morgen, lebhafter Betrieb.
01:06In einem bequemen Sessel ein unauffälliger Zeitungsleser.
01:12Eine Geschäftsfrau, die zum ersten Mal in diesem Hotel wohnt, kommt aus ihrem Zimmer in die Halle.
01:17Entschuldigen Sie, wo gibt's denn Frühstück bei Ihnen?
01:22Bitteschön, dort drüben ist das Restaurant und den Mantel können Sie gleich hier an der Garderobe abgeben.
01:27Danke.
01:28Bitteschön.
01:32Morgen.
01:32Morgen.
01:38Danke.
01:38Danke.
01:38Danke.
01:47Der Mann im Sessel interessiert sich offenbar nicht nur für das Neueste vom Tage.
01:53Noch ist aber nicht zu erkennen, worauf er es eigentlich abgesehen hat.
02:08Entschuldigen Sie, Frau, wenn ich Sie beim Frühstück störe.
02:10Es tut mir leid, aber Sie haben gerade eine falsche Garderobenmarke für Ihren Telsmantel bekommen.
02:15Ach ja?
02:16Ist mir gar nicht aufgefallen.
02:17Soll ich...
02:18Nein, nein, nein, bleiben Sie ruhig sitzen.
02:20Ich bringe das in Ordnung für Sie.
02:21Wenn Sie mir gerade die falsche Marke geben, dann tausche ich Sie ab.
02:24Ist aber nett von Ihnen.
02:25Dankeschön.
02:26Kleinen Moment.
02:27Ich bin gleich wieder da.
02:33Geben Sie mir bitte den Pilz von meiner Frau.
02:35Ich bringe ihn schon mal raus ins Auto.
02:42Bitte?
02:43Danke.
02:44Dankeschön.
02:47Der Unbekannte verschwindet.
02:50Die Dame im Restaurant wartet vergeblich auf die Rückkehr des Mannes, den sie für einen Hotelangestellten gehalten hat.
02:57Ein teurer Irrtum.
02:59Und der Tricktipp ist, soweit wir feststellen konnten, mit dieser Masche immer noch unterwegs.
03:04Das nächste Thema müssen wir etwas ausführlicher behandeln.
03:09Die Masche, vor der wir Sie dabei warnen wollen, gehört in die große Gruppe der Betrügereien mit Nebenbeschäftigungen.
03:16Natürlich sind in unseren filmischen Rekonstruktionen wieder alle Namen von Orten, Personen und Firmen geändert.
03:22Wir wollen niemanden persönlich, schon gar niemanden, der sein Gewerbe seriös ausübt, treffen.
03:28Es kommt uns nur darauf an, die Methoden zwielichtiger Zeitgenossen deutlich werden zu lassen.
03:35Der Kunde, der an diesem Morgen in Darmstadt eine Zeitung kauft, interessiert sich lediglich für den Inseratenteil.
03:40Telefondienst am eigenen Apparat, stundenweise nach Vereinbarung, Bestbezahlung, sehr gut.
03:57Der Mann ist zufrieden mit der Annonce.
03:59Der Köder für ein geschickt eingefädeltes Betrugsmanöver ist ausgelegt.
04:03Die Zeitung mit der vielversprechenden Anzeige erreicht an diesem Morgen zahlreiche Leser,
04:07die ganz gezielt nach Inseraten Ausschau halten, in denen Arbeit und Verdienstmöglichkeiten angeboten werden.
04:13Anneliese Meinberg ist eine dieser Leserinnen.
04:16Sie ist verheiratet und seit knapp einem halben Jahr sogenannte Nur-Hausfrau.
04:20Die Firma, bei der sie halbtags im Büro beschäftigt war, musste Personal einsparen.
04:25Und Anneliese Meinberg gehörte zu denen, die entlassen wurden.
04:29Rolf Grebenstein holt sich seine Zeitung meist zusammen mit den Frühstücksbrötchen.
04:37Der gelernte Autoschlosser bezieht seit zwei Jahren nach einem Berufsunfall Invalidenrente.
04:44Verständlich, dass auch er auf der Suche nach einer leichten Nebentätigkeit ist.
04:49Auch Jutta Simon liest dann diese Morgen aufmerksam die Zeitung.
04:53Die junge Frau hat erst kürzliche Lehrerexamen abgelegt.
04:56Eine Anstellung ist ihr für den kommenden Herbst in Aussicht gestellt worden.
04:59Bis dahin versucht sie mit Nebenbeschäftigungen über die Runden zu kommen.
05:03Reuter?
05:16Ach so, Sie rufen wegen dem Inserat an.
05:19Nein, nein, das habe ich nicht aufgegeben.
05:20Ich nehme nur die Anrufe entgegen.
05:22Ja, aber was heißt denn das Telefondienst stundenweise?
05:27Um was geht's denn da?
05:28Das kann ich Ihnen auch nicht sagen.
05:29Geben Sie mir doch bitte mal Ihre Telefonnummer und Ihren Namen.
05:32Herr Franke ruft Sie dann zurück.
05:34Ich nehme für ihn nur die Telefonate entgegen, weil er heute Vormittag selbst unterwegs ist.
05:38Auch Herr Reuter ist durch ein Inserat für den Telefondienst, den er hier versieht, angeworben worden.
05:43Von einem Mann, der sich bei ihm Gernot Franke genannt hat.
05:47Herr Reuter weiß nicht, dass dieser Name falsch ist und somit die Polizei die wirkliche Identität des Auftraggebers später nicht feststellen kann.
05:54Ja, es ist gut, Frau Simon. Der Herr Franke wird sich dann bei Ihnen melden. Auf Wiederhören.
06:04Ja, bitte.
06:06Hier, Franke. Frau Meinberg.
06:08Ach, wegen der Anzeige. Kommen Sie bitte rauf. Zwoter Stock.
06:11Danke.
06:12Der angebliche Gernot Franke hat dann, wie angekündigt, alle Interessenten angerufen, die sich auf das Inserat gemeldet hatten.
06:18Der Reihe nach besuchte sie dann am Nachmittag, um Ihnen sein etwas ungewöhnliches Angebot für eine lukrative Nebenbeschäftigung persönlich zu erläutern.
06:26Guten Tag, guten Tag.
06:28Entschuldigens, Frau Meinberg, ich bin ein bisschen zu früh.
06:30Das macht doch gar nichts. Ich bin eh zu Hause. Bitte schön.
06:32Danke.
06:34Hier, bitte.
06:35Danke schön.
06:36Sind Sie nachmittags immer im Hause? So zwischen halb zwei und halb sechs?
06:40Ja, zumindest kann ich mir das einrichten.
06:42Sehr gut. Das ist nämlich genau die Zeit, auf die es uns ankommt.
06:47Da könnten Sie für mich am Telefon so eine Art Schaltstation sein.
06:51Ja, um was geht es denn dabei eigentlich?
06:53Um Pferdewetten.
06:55Wetten? Du meine Güte. Davon verstehe ich überhaupt nichts.
07:00Das müssen Sie ja auch gar nicht, Frau Meinberg. Keine Angst.
07:02Ich erkläre Ihnen das. Die Rennen, die uns interessieren, die finden in Frankreich statt.
07:08In Frankreich haben Pferde Wetten ja eine große Tradition.
07:11Und wir, also die Firma, für die ich arbeite, wir wollen nun deutschen Interessenten die Gelegenheit geben,
07:16sich per Telefon an das Wettgeschäft in Frankreich anzuhängen.
07:19Ja, wie soll es eigentlich gehen? Soll ich da in Frankreich anrufen?
07:24Nein, nein, Frau Meinberg, das müssen Sie nicht. Sie warten bloß, bis Sie selber angerufen werden.
07:29Nein. Für Sie ist das natürlich mit keinerlei Kosten verbunden.
07:32Nein, Herr Grebenstein, das müssen Sie nicht.
07:34Sie warten bloß, bis Sie selber angerufen werden.
07:37Das ist natürlich für Sie mit keinerlei Kosten verbunden.
07:39Nein, das hätte ich mir auch gar nicht leisten können.
07:42Auslandsgespräche sind ja gleich so teuer.
07:44Passen Sie auf. Es läuft folgendermaßen.
07:47Am Nachmittag rufen bei Ihnen unsere Informanten aus Frankreich an.
07:50Von den einzelnen Rennplätzen.
07:52Aus Paris, Nuit, Versailles, Fontainebleau und so weiter.
07:55Ich weiß schon, was Sie fragen wollen.
07:57Keine Angst, die sprechen Deutsch.
07:58Da wird es überhaupt keine Probleme geben.
08:00Diese Anrufer nennen Ihnen dann die jeweiligen Favoriten.
08:04Und die müssen Sie aufschreiben.
08:07Also, zum Beispiel wird da einer sagen,
08:09Nuit, 17 Uhr rennen.
08:12Favoriten, Madeleine, Foyer de France und Cappuccino.
08:15Und wenn Sie Schwierigkeiten mit den französischen Namen haben sollten,
08:19da brauchen Sie sich keine Sorge zu machen.
08:21Die buchstabieren Ihnen das.
08:23Und außerdem haben alle Pferde Startnummern.
08:24Ach so.
08:26Dann rufen mich wahrscheinlich Ihre Kunden an, die wetten wollen,
08:29und fragen mich nach den Tipps aus Frankreich,
08:32um danach Ihre Einsätze zu machen.
08:34Genau.
08:35Genau so, Herr Grebenstein.
08:36Und wo werden die Einsätze abgegeben?
08:38Bei mir?
08:39Am Telefon?
08:39Richtig.
08:40Unsere Informanten aus Frankreich rufen kurz vor Rennbeginn noch einmal bei Ihnen an,
08:45um zu erfahren, wer welche Einsätze gemacht hat.
08:49Zum Beispiel Herr Müller für Nuit, 17 Uhr, 500 Mark auf Sieg für Madeleine.
08:54Ja, gut.
08:55Aber wie ist das mit dem Geld?
08:57Auch das ist ganz einfach.
08:59Allerdings brauchen wir dann noch einmal Ihre Hilfe.
09:01Sie müssen sich bitte ein Postcheckkonto einrichten.
09:04Auf dieses Konto fließen dann sowohl die Einsätze unserer Kunden aus Deutschland,
09:08als auch die Gewinne aus Frankreich.
09:09Aha.
09:10Und die werden dann von dem Konto an die Kunden wieder ausgezahlt.
09:13Genau.
09:14Das veranlasse ich.
09:15Da müssen Sie nur die entsprechenden Schecks jeweils unterschreiben.
09:18Gut.
09:19Und wie ist das mit meiner Bezahlung?
09:21Ihr Honorar für den Telefonservice kriegen Sie natürlich auch von diesem Konto.
09:25Da bleibt ja immer genug drauf stehen.
09:26Ihr Honorar für den Telefonservice kriegen Sie auch von diesem Konto.
09:30Da bleibt ja immer genug drauf stehen.
09:32Wie viel ist denn das?
09:34In der Anzeige haben Sie was von Bestbezahlung gesagt.
09:37Was heißt denn das?
09:38Mit Ihren Kolleginnen und Kollegen in den anderen Städten habe ich 20 Mark pro Stunde vereinbart.
09:43Für den Anfang.
09:45Wenn sich die Sache gut entwickelt, und das können Sie am besten beurteilen,
09:49dann müssen wir natürlich neu drüber reden.
09:5220 Mark pro Stunde, das heißt, ich verdiene am Nachmittag von halb zwei bis halb sechs 80 Mark?
09:58Richtig. Und das ist doch gar nicht so schlecht, oder?
10:02Das schon, aber sagen Sie, wie ist es mit den Steuern und so?
10:06Kriege ich da keine Schwierigkeiten?
10:08Ach was, das fällt doch gar nicht auf.
10:10Ist doch alles privat.
10:12Da gibt es keine Rechnung und nichts.
10:14Da geht kein Hahn danach.
10:15Ach ja, wenn das so ist.
10:17Aber sagen Sie, eines verstehe ich nicht.
10:20Warum machen Sie das nicht selber?
10:21Sie könnten ein Büro aufmachen mit ein paar Telefonen, dann brauchen Sie mich gar nicht.
10:26Erstens, wir wollen unseren Wettservice bundesweit anbieten.
10:31Und da müssen wir dezentralisieren, damit die Kunden nicht so lange Ferngespräche führen müssen.
10:36Und da ist es für uns natürlich billiger,
10:38wenn wir überall in den großen Städten jeweils einen freien Mitarbeiter haben.
10:41Und zweitens, mit Büros, da wäre das Ganze bald kein Privatgeschäft mehr.
10:47Da hätten wir wirklich bald das Finanzamt auf der Matte.
10:49Ach ja, verstehe ich.
10:51Gut, Frau Simon, dann ist ja alles klar.
10:54Dann brauchen Sie jetzt nur noch zu Ihrer Post zu gehen, um das Konto einzurichten.
10:58Ich rufe Sie dann nochmal an und erkundige mich nach der Kontonummer.
11:01In Ordnung. Das mache ich gleich morgen.
11:04Übrigens, es könnte sein, dass auf das Konto auch schon Gelder eingehen,
11:08bevor hier am Telefon was los ist.
11:10Wieso denn das?
11:11Na, wenn ich den Kunden Ihre Kontonummer durchgegeben habe,
11:14dann gibt es ja sicher welche, die Ihre Einsätze gleich deponieren wollen.
11:17Soll mir recht sein.
11:18Ist ja nie falsch, wenn Geld in der Kasse ist.
11:21Also, auf Wiederschauen, Frau Simon, und auf gute Zusammenarbeit.
11:26Die angeworbenen Telefonbesitzer eröffnen wie gewünscht ein Postcheckkonto.
11:35Ich habe hier ein paar Baueinzahlungen auf verschiedene Postcheckkonten.
11:38Das macht 3.000, je 1.000 Mark, eine Mark kommt es zu spüren.
11:44Nachdem der angebliche Herr Franke die Kontonummern abgefragt hat,
11:48sorgte er höchstpersönlich dafür, dass dort jeweils eine erste Zahlung eingeht.
11:52Die Telefonapparate bei seinen freien Mitarbeitern bleiben allerdings stumm.
12:06Doch dies ist für die angehörten Helfer kein Grund, misstrauisch zu werden.
12:10Denn erstens hatte Herr Franke ein langsames Anlaufen der Geschäfte angekündigt
12:14und zweitens ist ein Stundenhonorar vereinbart, unabhängig von der Zahl der Anrufe.
12:18Darüber hinaus verfehlen die ersten 1.000 Mark auf dem Konto ihrer Wirkung nicht.
12:24Sie sorgen für das nötige Vertrauen in das neue Geschäft.
12:26Und noch bevor der erwartete Telefonverkehr einsetzt,
12:33erscheint Herr Franke bei seinen Helfern zur ersten Abrechnung.
12:36Das ist also für die ersten vier Tage.
12:394 mal 80 sind 320 Mark.
12:42Die können Sie jetzt von Ihrem Konto abheben.
12:44Ach, das ist mir ja direkt peinlich.
12:46Ich habe doch noch gar nichts gemacht für das Geld.
12:48Warten Sie nur ab, das kommt schon noch.
12:50Und Sie sehen ja selber, die erste Wette ist schon gelaufen.
12:53Und sogar ohne Ihr Telefon.
12:56Von dem Rest muss ich jetzt 650 Mark auszahlen.
12:59Das bekommt dann der Kunde.
13:01Die darf man nicht lange warten lassen.
13:04Sonst spielen die nicht mehr mit.
13:05Also ehrlich gesagt, ich blick da noch nicht ganz durch.
13:09Brauchen Sie doch auch nicht.
13:10Ich mache das doch alles für Sie.
13:11Sie müssen bloß auf das Telefon aufpassen.
13:17Alles andere wickle ich schon ab.
13:19Wenn Sie mal bitte unterschreiben wollen.
13:22Die Checkkarte brauche ich dann natürlich auch noch.
13:26Ach, übrigens, es wäre nicht schlecht,
13:27wenn Sie noch ein paar Formulare unterschreiben würden.
13:29Da muss ich nicht ständig hier aufkreuzen.
13:32Ach, Sie meinen jetzt gleich?
13:34Bevor die Summe feststeht?
13:35Ja, ja, das machen wir bei allen unseren Telefonmitarbeitern so.
13:37Sie ersparen mir damit eine Menge Lauferei.
13:41Ich rufe Sie bloß an und dann sagen Sie mir,
13:43wer was eingesetzt hat und wie der Kontostand ist.
13:46Dann kann ich die Schecks nach den Gewinnlisten für die Kunden ausfüllen.
13:50Na gut, ist ja sowieso nicht mein Geld.
13:53Wie viel soll ich denn unterschreiben?
13:55Drei oder vier.
13:56Das genügt erst mal.
13:56Allein in einer Stadt sind diesem Betrüger 60 Frauen und Männer,
14:05die eine Nebenbeschäftigung gesucht haben, auf den Leim gegangen.
14:08Rund 200 Blankoschecks haben sie ihm anvertraut.
14:12Damit hat er die neuen Postcheckkonten der Telefonbesitzer nicht nur abgeräumt,
14:16sondern auch noch im durchschnittlichen 1.000 bis 2.000 Mark überzogen.
14:20Beute in dieser Stadt also etwa 90.000 Mark und er ist auch in anderen Städten aufgetreten.
14:27Offensichtlich ist der Mann mit den internen Gepflogenheiten im Postcheckverkehr gut vertraut.
14:32Er weiß wahrscheinlich, dass bei Barscheck-Auszahlung erst ab einer bestimmten Summe nachgefragt wird,
14:38ob der Scheck auch gedeckt ist.
14:39Und diese Schwelle hat er nie überschritten.
14:42Und nun zu einer Betrugsmethode von ganz anderer Machart.
14:47Es geht dabei im Einzelfall zwar um kleinere Beträge.
14:51Insgesamt aber ist der Schaden ebenfalls sehr beträchtlich.
14:54Geschädigt werden nämlich nicht nur die direkten Opfer,
14:58sondern auch behinderte Menschen,
15:00die eigentlich unsere uneingeschränkte Unterstützung bekommen sollten.
15:03Könnten Sie gut einen kleinen Moment Zeit für mich?
15:05Eigentlich nicht, ich muss gleich weg.
15:07Aber es geht um eine gute Sache, wo Sie sich nicht ausschließen sollten.
15:09Ich habe hier verschiedene Blindenwaren.
15:11Ich brauche aber eigentlich gar nichts.
15:14Das glaube ich Ihnen sogar.
15:15Aber schauen Sie, ein Stück Seife, ein paar Klammern.
15:19Ja, da ist es doch gut, wenn man einen kleinen Vorrat hat.
15:21Den habe ich schon.
15:22Ja, weil Sie einen Großheinkauf im Supermarkt machen.
15:25Das kriege ich immer wieder zu hören.
15:26Na ja, ist ja auch günstig und vernünftig, gleich ein bisschen mehr einzukaufen.
15:31Aber die Blinden und die Behinderten, die bleiben dabei auf der Strecke.
15:35Die werden ihre Sachen nicht mehr los.
15:37Na ja, es ist ja auch so einfach, die abzuschieben.
15:39So habe ich das nicht gemeint.
15:41Ja, aber Sie handeln danach.
15:43Oder glauben Sie mir, macht es Spaß, hier mit der schweren Tasche rumzulaufen und mich überall abwimmeln zu lassen?
15:48Ich mache das ja ehrenamtlich.
15:50Aber wenn das so weitergeht, dann hänge ich das bald an den Nagel.
15:53Dann haben die Blinden halt einen weniger, der sich für Sie einsetzt.
15:56Na gut, was haben Sie denn da?
16:00Erstklassige Blindenseife, handgemachte Bürsten, Scheuerlappen und hier die Klammern.
16:06Klammern brauche ich nicht.
16:07Geben Sie mir zwei Stück Seife.
16:09Und eine Scheuerbürste.
16:11Und eine Scheuerbürste.
16:13Was kostet das?
16:1518 Mark.
16:16Ist aber ein stolzer Preis, hören Sie mal.
16:18Ja, das müssen wir schon verlangen.
16:20Das ist ja schließlich keine Fließbandarbeit.
16:23Haben Sie schon mal zugeschaut, wenn Blinde arbeiten?
16:24Schon gut.
16:26Geben Sie hier.
16:28Wieder einmal ist der Betrüger am Ziel.
16:30Die Frau beruhigt durch einen kleinen Einkauf das schlechte Gewissen, das ihr der Mann eingeredet hat.
16:35Obwohl sie natürlich bemerkt hat, dass die Ware maßlos überteuert ist.
16:40Sie weiß nicht, dass der Vertreter die Artikel selbst billig im Großhandel eingekauft hat.
16:46Wie schon gesagt, geschädigt werden hier nicht nur die Leute, die sich an der Wohnungstür täuschen lassen,
16:50sondern auch die rund 1200 Blinden, die in den offiziellen Blindenwerkstätten gesetzlich geschützte Blindenware in Handarbeit herstellen
16:58und für diese Erzeugnisse nicht genug Absatz finden.
17:03Herbert Demmel, den wir deshalb zu uns in Studio gebeten haben, ist selbst blind und Landesgeschäftsführer vom Bayerischen Blindenbund
17:10sowie Vorstandsmitglied beim Verband für das Blindenhandwerk.
17:14Herr Demmel, Sie vertreten hier praktisch die Betroffenen.
17:17Welche Ratschläge würden Sie unseren Zuschauern geben?
17:19Herr Zimmermann, wenn ein Vertreter unmittelbar an der Haustüre Ware anbietet, ist immer Vorsicht am Platz.
17:29Es ist seit langem üblich, dass die Vertreter der anerkannten Blindenwerkstätten lediglich Aufträge entgegennehmen
17:36und die Ware dann später von der Blindenwerkstätte zugestellt wird.
17:41Außerdem muss die Blindenware, und zwar jedes Stück, das amtlich anerkannte, das gesetzlich geschützte Blindenwarenzeichen tragen,
17:52die zwei Hände, die nach der Sonne greifen.
17:55Schließlich haben die Vertreter der Blindenwerkstätte noch den von der zuständigen Behörde ausgestellten Blindenwarenvertriebsausweis bei sich.
18:06Dieser braune Ausweis trägt ebenfalls das Blindenwarenzeichen.
18:10Den sollte man sich besonders gut einprägen.
18:13Wenn ein Kunde bei einem Vertreter lediglich Artikel bestellt und dann die Ware geliefert bekommt,
18:23hat er eine Kontrollmöglichkeit, er hat eine Unterlage.
18:26Deshalb würde ich besonders auch warnen vor der Werbung telefonischer Aufträge.
18:32Und schließlich und endlich erkennt man betrügerische Vertreter auch am Warensortiment.
18:40So dürfen nach dem Blindenwarenvertriebsgesetz lediglich Bürsten und Besen, die Hand eingezogen sind,
18:47sowie Stuhlflecht- und Korbflechtartikel, Webwaren und Wäscheklammern in den Blindenwerkstätten hergestellt und vertrieben werden.
18:57Dagegen werden dort niemals Kosmetika oder Seifen hergestellt oder durch die Blindenwerkstätten verkauft.
19:07Die sogenannte Blindenseife gibt es nicht.
19:11Vielen Dank, Herr Demmel.
19:13Ich bin sicher, dass diese kurze, aber deutliche Aufklärung ihren Zweck nicht verfehlt.
19:19Der nächste Trick, den wir Ihnen vorstellen wollen, meine Damen und Herren, mutet beinahe wie eine Kuriosität an.
19:24Er zeigt, dass sich Gauner und Triktibe immer wieder etwas Neues einfallen lassen.
19:29Und dass die ausgewählten Opfer erst nach einer Reihe von Überraschungen dahinter kommen, wie sie hereingelegt worden sind.
19:38Rund 450.000 Fahrräder werden jährlich in der Bundesrepublik gestohlen.
19:43In einer Münchner Vorortstraße bietet sich für einen Dieb eine von vielen Gelegenheiten dazu.
19:48Elfriede Hollmann hat ihr Fahrrad unverschlossen vor dem Haus stehen gelassen, weil sie gleich noch einmal wegfahren will.
19:59Als die Frau kurz darauf den Diebstahl bemerkt, ist sie zunächst völlig ratlos.
20:04Sie hat das teure Fahrrad erst kürzlich zum Geburtstag geschenkt bekommen und denkt dann natürlich auch an die Vorwürfe,
20:09die sie von ihrem Mann wegen ihres Leichtsins bekommen wird.
20:12Instinktiv greift sie zum Telefon, nicht etwa um die Polizei, sondern um ihren Mann anzurufen.
20:36Schließlich verwirft sie den Gedanken aber doch wieder und wartet beunruhigt, bis er nach Hause kommt.
20:42Zu diesem Zeitpunkt steht, ohne dass Frau Hollmann diese neue Lage bemerkt hat, das Fahrrad wieder an seinem alten Platz.
20:58Wieder nicht abgeschlossen.
20:59Hallo, Liebling. Ich habe schon auf dich gewartet. Schön, dass du da bist.
21:07Schon wieder eine Hektik heute. Da ist dein Fahrrad noch draußen stehen. Und wieder nicht abgeschlossen.
21:12Das ist mein Fahrrad?
21:13Ja.
21:13Das kann nicht sein.
21:16Doch, wenn ich es dir sage, ist es nur passiert.
21:19Peter, komm nochmal.
21:23So, was ist denn?
21:25Du, das war weg. Ich wollte das gerade beichten, das hatte jemand geklaut.
21:29Das Fahrrad?
21:30Ja, ich habe überall geguckt, die Straße rauf und runter, das war wirklich weg.
21:34Der muss das zurückgebracht haben. Na Gott sei Dank.
21:37Was ist denn das?
21:45Das sind Theaterkarten. Verstehst du das?
21:48Nein. Aber was steht denn auf dem Zettel?
21:51Verehrte gnädige Frau, entschuldigen Sie, ich musste schnell ihr Fahrrad ausleihen. Das war ein Notfall.
21:56Ich konnte Ihnen in der Eile nicht Bescheid sagen. Die Theaterkarten sind als kleine Entschädigung gedacht.
22:01Viel Spaß.
22:02Was für ein Ding. Wer war denn das?
22:04Weiß ich nicht. Die Unterschrift kann ich nicht lesen.
22:08Kann ich auch nicht lesen. Aber ist egal, wenn das Fahrrad wieder da ist.
22:11Du, die Karten sind für den 14. Das ist nächsten Mittwoch. Hast du da Zeit?
22:16Die Zeit nehme ich mir. Dann machen wir uns einen schönen Abend. Das war schon links mal wieder fällig.
22:20Herr und Frau Hollmann haben sich zwar noch mehrfach über die ungewöhnliche Entschädigung für das ausgeliehene Fahrrad gewundert,
22:40dann freuen sie sich aber doch nach längerer Zeit wieder einmal ins Theater zu kommen.
22:44Doch der Freude folgt dann am selben Abend der Schock.
23:03Denn noch bevor im Theater der letzte Vorhang fällt, suchen Einbrecher das Haus der Hollmannsheim.
23:14Zielsicher und ungestört holen sie die Wertgegenstände zusammen
23:18und verschwinden damit in der Nacht.
23:23Nun, meine Damen und Herren, Sie haben sicher gemerkt, wann die Hollmanns den entscheidenden Fehler gemacht haben.
23:32Aber Hand aufs Herz. Wer hat nicht schon einmal ein überraschendes Geschenk freudig entgegengenommen,
23:38ohne lange darüber nachzudenken, ob es nicht etwa in der Absicht gemacht wurde,
23:42den gesunden Menschenverstand des Beschenkten auszuschalten.
23:45Also Vorsicht bei unerwarteten und eigentlich unbegründeten Wohltaten.
23:50Das, meine Damen und Herren, waren Tricks und Maschen, die wir filmisch rekonstruiert haben.
23:56Und nun, wie gewöhnlich, zum Schluss unserer Sendung wieder ein Experiment,
24:00bei dem unsere Mitarbeiter nach dem Vorbild echter Ganoven selbst erproben,
24:05wie leicht oder wie schwer es ist, seine Mitmenschen hereinzulegen.
24:10Bernd Schröder hat es diesmal in einem Supermarkt versucht, und zwar in dem Bereich außerhalb der Kassen,
24:16wo die Kunden zwar schon bezahlt haben, aber an einigen Extraständen noch letzte Kleinigkeiten einkaufen können.
24:23Ausgestattet wurde Bernd Schröder, wie immer, mit einem drahtlosen Mikrofon und beobachtet von versteckten Kameras.
24:35Das erste Opfer. Eine junge Frau macht noch eine Besorgung an einem der Stände.
24:40Ihren gefühlten Einkaufswagen lässt sie für einen Augenblick unbeaufsichtigt.
24:43Als die junge Frau zurückkommt, ist der Wagen mit Waren für 120 Mark verschwunden.
25:01Eine halbe Stunde später steht vor demselben Stand wieder ein herrenloser Wagen.
25:05Bernd Schröder braucht ihn nur wegzufahren. Keine Schranke hindert ihn mehr.
25:13Das Opfer reagiert überrascht und ratlos.
25:18Einem echten Ganoven würde es genügend Zeit lassen, mit dem Diebesgut zu entkommen.
25:22Der dritte Fall.
25:34Nur von unserer versteckten Kamera beobachtet gelingt es, den Wagen mit Einkäufen für 82 Mark aus dem Supermarkt zu schieben.
25:41Auch hier kommt die Reaktion der Betroffenen zu spät.
25:52Die Tüte im zurückgelassenen Einkaufswagen enthält nur Papierabfälle.
25:56Im nächsten Beispiel wäre der Schaden besonders hoch.
26:03Für die Autoreifen hat ein junger Mann an der Kasse 236 Mark bezahlt.
26:08Er versucht zwar den Dieb ausfindig zu machen, aber der Betrieb im Supermarkt lässt ihm keine Chance dazu.
26:20Die nächste Kundin scheint besonders vorsichtig zu sein.
26:23Aber unser Mann ist auch hier erfolgreich.
26:35Eine Einkaufstasche gefüllt mit Lebensmitteln und der Wohnungsschlüssel fallen ihm dabei in die Hände.
26:43Ein weiterer Versuch.
26:44Schlagfertig rettet Bernd Schröder die Situation, ohne dass die Frau Verdacht schöpft.
27:00Ebenso im folgenden Fall, in dem sich die Kundin mit einer freundlichen Entschuldigung zufrieden gibt.
27:10Und nun eine andere Variante des dreisten Trickdiebstahls.
27:14Die Eigentümerin der Handtasche müsste einen schmerzlichen Verlust tragen, wenn ein echter Ganovo zugegriffen hätte.
27:23Autopapiere mit Adresse, Wohnungsschlüssel und Bargeld befanden sich in der Tasche.
27:29Leicht ist auch der nächste Wagenumtausch. Niemand nimmt davon Notiz.
27:44Ergebens fragt sich die junge Frau, wo ihr Einkauf für nahezu 100 Mark hingekommen ist.
27:53Der letzte Anlauf.
27:55Obwohl die Kundin den Einkaufswagen ständig festhält, erbeuten wir die Handtasche mit Wohnungs- und Autoschlüssel,
28:00Checkheft und Checkkarte und 300 Mark Bargeld.
28:03Und, fast unglaublich, die junge Frau bemerkt den Verlust gar nicht.
28:13Wir haben sie rechtzeitig aufgehalten und entsprechend aufgeklärt.
28:18Erleichtert nahmen sie ihre Handtasche wieder entgegen und gab uns ihr Einverständnis,
28:22die Filmaufnahmen hier vorzuführen.
28:24Ich möchte mich bei der jungen Frau herzlich bedanken und natürlich auch bei den anderen,
28:29die ebenfalls zugestimmt haben, die Aufnahmen unseres Experimentes zu senden.
28:33Erst dadurch haben wir die Möglichkeit, Millionen von Zuschauern vor Trickdieben dieser Art zu warnen.
28:40So viel für heute.
28:41Die nächste Ausgabe von Vorsichtfalle steht am Freitag, dem 27. April im Programm.
28:46Bis dahin, guten Abend.

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