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  • vor 6 Minuten
Kaliningrad, 2016: Jahrzehnte nach Felix' Verschwinden erhält
Vater Eberhard einen rätselhaften Anruf aus Russland. Eine
Spur führt ihn zu Juri Senko - einem Mann, der einst für den
KGB gearbeitet hat und ungeahnte Details über den Fall
preisgibt. In einer Garage überreicht Senko ein Bernsteinbild.
Eine neue Spur? Die Ermittlungen führen zurück in die 1980er:
zu einem sowjetischen Armee-Krankenhau
.....

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Transkript
00:11Die Polizei hatte keine operative Einheit dabei in ihrer Ermittlungsgruppe.
00:17Da kam unweigerlich die Staatssicherheit ins Boot, denn die konnten observieren.
00:22Die konnten verbanzen, die konnten fotografieren, die hatten Operativkräfte, die hatten Technik und die haben observiert.
00:32Die Überprüfung der Staatssicherheit und auch der Polizei zur Person Soltanov haben ergeben, dass der alleine in Dresden war.
00:38Er hatte keine Familie mit, er hatte keine Frau mit, er lebte auch nur in einer Einzimmerwohnung.
00:41Es gab dort nichts, was auf den Aufenthalt eines kleinen Kindes hinweisen würde.
00:47Die Sichtung dieser ganzen Akten lassen den Schluss zu, dass die Staatssicherheit hier in Dresden ernsthaft an der Aufklärung gearbeitet
00:53hat.
00:54Behindert haben sie definitiv nicht.
00:56Nur auch für die Ermittler der Staatssicherheit war am Tor der Russen-Kaserne-Plus.
01:29Untertitelung des ZDF für funk, 2017
01:34Als bei uns feststand, dass es die Russen gewesen sein müssen, haben wir natürlich Rechtshilfeersuchen gestellt.
01:44In diesen Rechtshilfeersuchen sind ganz konkrete Fragen gestellt worden hinsichtlich des ausgesetzten Kindes.
01:52Und diese Rechtshilfeersuchen, die gingen über die große Schiene, also der Bezirksbehörde, der Kriminalpolizei, über den Bezirksstaatsanwalt und nach Wiensdorf.
02:15Hünsdorf ist eine Einrichtung der Russen gewesen.
02:18Da sind die hohen Offiziere gewesen.
02:21Dort sind die Militärstaatsanwälte und so weiter gewesen, die was zu sagen haben.
02:35Da hat die russische Garnison gesagt, da müsste man 30, 40 Offiziere abstellen, die sich um diese Geschichten kümmern.
02:42Das könne man nicht.
02:43Am 23. Januar, Oberst Herr Jochin, der stellverdienende Militärstaatsanwalt, teilt unter anderem mit,
02:50Es wird davon ausgegangen, dass die Entführer unter Mitnahme des Kindes aus der DDR bereits ausgereist sind und sich in
02:58der Sowjetunion aufhalten.
02:59Es mag sich daher erforderlich, zu überprüfen, wer seit dem 6. Januar aus der DDR ausgereist ist.
03:05Diese Aufgabe ist schwierig und sehr aufwendig und kann mit dem gegenwärtigen Personalbestand der Militärstaatsanwaltschaft nicht bewältigt werden.
03:13Er geht davon aus, dass zwischen der Kindesentführung und der Kindesaussetzung ein unmittelbarer Zusammenhang besteht und die Täter aus der
03:22GSSD stammen.
03:24Das schreiben die selber.
03:24Schreibt er selber.
03:26Wollen aber selber nicht weiter forschen. Das ist ja schon sehr schockierend.
03:31Es gab ganz oben einen Geldgeber, es gab einen Vermittler und es gab Soltanow.
03:39Und Soltanow war derjenige, der agiert hat und bezahlt worden ist.
03:44Am gleichen Tage, als der unbekannte Junge ausgesetzt wurde, nicht mal eine halbe Stunde später, fuhr der Zug von Dresden
03:52nach Brest.
03:53Und in diesem Zug saßen die Eltern von dem ausgesetzten Jungen mit Felix. Da bin ich mir hundertprozentig sicher.
04:04Aber als der Soltanow an seiner Anschrift observiert wurde, sind zwei Frauen mit einem kleinen Kind festgestellt worden.
04:13Das sind russische Frauen und die haben ein Baby dabei. Und die Beschreibung passt auf die Leute vom Tattager, als
04:20Felix entnommen wurde.
04:28Ich habe den Mann, der diese Observation geleitet hat, gefragt, warum habt ihr die nicht hochgenommen?
04:35Das durften wir nicht. Punkt.
04:38Also sie konnten so weit ran, aber dann, ja und dann?
04:42Da muss der lange Weg beschritten werden. Über den russischen Militärstaatsanwalt.
04:46Dann werden die einbestellt und dann darf man sich dazu setzen und den Fragen zuhören und Fragen stellen.
04:54Ob die dann beantwortet werden, weiß man nicht. Absolut frustriert.
04:59Also der Herr Schult, der ist so erzürnt davon gewesen, dass er welche Mittel auch immer gefunden hat, noch mal
05:08nach dem Kind zu gucken.
05:10Ja.
05:11Wir haben das Kind und die Mutter mitgenommen und festgestellt, das ist nicht das Kind.
05:16So, da haben wir uns entschuldigt. Vielmals und trotzdem wurden wir bestraft. Das heißt, ich wurde bestraft.
05:25Innerlich habe ich gedacht, naja, jetzt weiß du wenigstens Bescheid, dass es Felix nicht ist.
05:30Ich habe dabei festgestellt, dass der Geheimdienst der Russen, der KGB, hinter uns her war.
05:36Das heißt, nicht nur hinter uns her war, sondern auch hinter der Stasien.
05:40Da haben sich Leute beschwert, dass sie in den Briefkasten gucken.
05:45Darauf ist dann der KGB gekommen und hat gesagt, so geht's nicht, Freunde.
05:50Dann waren sie zwei Tage später verschwunden.
05:54Der KGB hat die Staatssicherheit Anfang der 50er Jahre nach eigenem Vorbild aufgebaut.
06:00Die Staatssicherheit hat den KGB, die Freunde, wie es so schön immer hieß, mit Informationen und über Operationen versorgt oder
06:08über andere wichtige Erkenntnisse, die sie hatten.
06:11Umgekehrt war das nicht immer so.
06:13So machte zum Beispiel der KGB in der DDR auch Operationen, über die die Staatssicherheit nicht informiert war.
06:22Es wurden Residentturen gegründet, wo der KGB saß.
06:32Wladimir Putin kam als KGB-Offizier 1985 in die Residentur nach Dresden und blieb dort bis Anfang 1990.
06:46Seine Aufgabe war die Rekrutierung von Informanten und Kontakthalten zur Stadtsicherheit.
06:54Er wird zum Oberstleutnant befördert und ist dann am Ende seiner Dienstzeit auch stellvertretender Leiter dieser Residentur.
07:08Der Fall Felix zieht sich ja dann bis ins Jahr 85 hin und ist es schon davon auszugehen, weil es
07:14ja ein sehr spektakulärer Fall war unter Beteiligung sowjetischer Militärangehöriger, dass Putin über diesen Fall zumindest erfahren hat.
07:32Hallo, Kugel, kommen Sie her.
07:33Herr Tück, grüßen Sie.
07:35Hallo, Herr Tochter.
07:37Fabian.
07:38Man hat intensiv nach ihrem Bruder gesucht, man hat jeden Stein umgedreht, der im Weg lag.
07:45Und selbst die Staatssicherheit, die auch recht früh informiert war, hat in keinster Weise gebremst.
07:49Man hatte mehr als tausend auffällige Personen in der ganzen DDR überprüft.
07:53Man hatte einen Tatverdächtigen, das war der Soltanov.
07:56Er war der Hauptbuchhalter der HO Spezial in Dresden, wo ausschließlich ja nur Sowjetbürger einkaufen durften.
08:04Die hatten ihn im Grunde genommen tagtäglich vor der Nase.
08:08Er bewegte sich ja in Dresden im Spezial, er war ja nicht in der Kaserne, man konnte ihn ja besuchen,
08:12wenn man wollte.
08:13Und man konnte ihn nicht festnageln, weil man nicht durfte.
08:21Dann ging wieder ein Rechtshilfeersuchen Richtung Garnision und da kam dann irgendwann die Antwort, der kann nicht mehr einbestellt werden,
08:31der ist in seiner Heimat abgeordnet worden.
08:46Dann hat man gesagt, Berlin, das Außenministerium, müsste an den Generalstaatsanwalt der UdSSR herantreten und müsste dem ein Rechtshilfeersuchen schicken.
08:58Das hat dann letztendlich der Generalstaatsanwalt der DDR untersagt.
09:02Er hat gesagt, das machen wir nicht.
09:05Der Fall ist ausermittelt, wir kommen da nicht weiter, Schluss.
09:15Was ist das hier?
09:16Der Martin.
09:17Das hat man hier schon so verdeckte Mittel, in dem man fotografiert.
09:22Ein fremdes Kind mitnehmen ist schon brutal, aber das eigene, selbst wenn es krank ist, dalassen, zurücklassen.
09:29Man weiß ja nicht, ob es wirklich gefunden wurde.
09:32Klar wurden Vorkehrungen getroffen, aber ob es jetzt wirklich in eine gute Familie kommt und schöne Lebensumstände.
09:37Das war aber Bankspiel dabei, das ist klar.
09:40Aber ich denke mal, die haben so gedacht, wir lassen ihn lieber zurück, in der Hoffnung, er wird in der
09:47DDR gesund und kommt gut unter und wir nehmen ein anderes Kind mit, das gesund ist, dass man uns nicht
09:54wegnimmt.
09:55Mit dem Kind kommen mussten sie, das war klar.
09:57Es war geboren, es war gestempelt, es gab entsprechende Papiere und als die DDR verlassen haben Richtung Sowjetunion, mussten die
10:04ein Kind mitnehmen.
10:04Und wenn sie ihn mitgenommen hatten, dann wäre vielleicht irgendein Amt gekommen in der Sowjetunion und hätte gesagt, der kommt
10:10in eine Heim, weil er so schwer krank ist.
10:13Der ist so schwer krank.
10:13Die haben ein blondes Kind mitgenommen. Ihr Ereignis war dunkelhaarig und dazu noch krank.
10:21Wenn man ein bisschen weiter denkt, die Offiziere waren häufig irgendwo zu Übungen im Gelände, Tage, Wochen lang.
10:28Die junge Frau hat viel Zeit und möglicherweise hat die Mutti von Martin einen Flirt gehabt mit irgendjemandem.
10:38Wenn da mal nicht verhütet worden ist, entsteht eben ein Kind, das dunkelhaarig ist.
10:43Der Vater ist blond, die Mutter ist blond und dann sagt der Vater, Moment mal, was ist denn hier passiert?
10:47Jetzt müssen wir mal ein Problem lösen. Wir brauchen ein blondes Kind.
10:52Denn das passt nicht nur in unserer Familie, was du hier ausgetragen hast.
10:56Und dann ist es auch noch krank.
10:58Ja, das kommt noch dazu.
11:00Was sich natürlich später herausgestellt hat, dass der das alles aufgeholt hat, was ihm mal passiert war.
11:07Also sehr tragisch auch, muss man ja sagen.
11:26Sie sind das Findelkind aus dem Pappkarton.
11:30Wann haben Ihnen Ihre Pflegeeltern die Geschichte das erste Mal erzählt?
11:35Ich war so circa 12, 13 Jahre alt und dann haben Sie es mir in einer ruhigen Minute dann erzählt.
11:43Haben Sie dann noch dieses Bild das erste Mal gesehen, wie Sie da eben gefesselt in diesem Pappkarton-Kinderwagen?
11:49Ja, das hatten sie mir auch gezeigt, die ganzen Bilder, die ganzen Unterlagen, alles dazu.
11:53Fanden Sie das als Kind dann einfach interessant oder waren Sie auch schockiert?
11:57Ja, teils, teils schockiert und eben auch interessant.
12:02Sie sind ja damals mit diesen Injektionsnarben gefunden worden. Haben Sie die immer noch?
12:07Ja, die habe ich immer noch.
12:08Können wir die mal sehen, dass man sich das insofern vorstellen kann, weil bei uns eben anders injiziert wird.
12:15Da an dieser Stelle. Und das war im Grunde auch typisch russisch?
12:19Ja, so wurde mir das auch gesagt.
12:21Ich habe ja hier, habe ich Injektionsnarben, hier und hier unten an dem Bein.
12:27Ich bin aber nun nicht mehr gar so stark zu sehen, ist durch die Zeit nur verblasst.
12:31Wahrscheinlich sind ja Ihre leiblichen Eltern davon ausgegangen, dass Sie irgendwie krank sind und dass es Ihnen irgendwie nicht gut
12:38geht.
12:39Und dass Sie deshalb eben ausgesetzt und unter Umständen, das liegt nahe, gegen Felix getauscht worden sind.
12:46Haben Sie denn irgendwelche gesundheitlichen Probleme?
12:48Also momentan bin ich krank gesund, also so wie es mit 25 Jahren üblich ist.
12:52Die Geschichte, die von den Felix und mir, die kann man nicht vergessen. Die wird mich auch mein ganzes Leben
13:00lang begleiten.
13:02Für mich existieren die Leute nicht. Sie haben sich vor 25 Jahren nie um mich gekümmert. Und jetzt brauchen sie
13:08sich um mich dann auch nicht mehr zu kümmern.
13:10Wann habt ihr denn den Martin überhaupt das allererste Mal getroffen?
13:14Ja, wir waren ja in den 2000er Jahren mit dem Bild-Zeitungsreporter zusammen.
13:19Der wollte ja auch nochmal recherchieren. Und der war auch an dem Martin dran.
13:24Und irgendwann haben wir dann gesagt, vielleicht können wir auch den Martin dazu bewegen, seine Eltern zu suchen.
13:31Und wie hat er darauf reagiert?
13:33Habt ihr die Frage ihm mal gestellt?
13:34Ja, eigentlich so wie man es jetzt gerade im Fernsehen gesehen hat, das war ihm jetzt schon ein bisschen Rille.
13:38Okay.
13:38Kann ich auch verstehen, weil der ist ja sehr verletzt gewesen von seinen Eltern.
13:43Für mich ist es absolut verständlich, dass er keinen Bock drauf hatte, seine Eltern kennenzulernen.
13:47Ja, nur das war ehrlich.
13:48Er war schwer enttäuscht, als er das erfahren hat. Da bin ich 100 Prozent sicher.
13:51Und ich denke, wo er groß geworden ist, da ging es ihm gut.
13:55Und diese Erinnerung wollte er für sich behalten und nicht durch vielleicht jetzt für ihn fremde Leute zerstören lassen.
14:03Hätte ich den Fall bearbeiten müssen, der hätte mich auch mächtig angefressen gemacht, denn unsere Tochter ist im Juno 84
14:09geboren.
14:10Man hat selber ein kleines Kind. Schuld hat er auch ein kleines Kind.
14:13Und er weiß, wo er ansetzen muss und kann nicht.
14:34Um zu Informationen zu kommen, musste man sich außerhalb des Protokolls begeben.
14:40Ansonsten schlief alles ein, so wie man es haben wollte. Und das wollte ich nicht.
14:49Der Herr Schulter hat wirklich versucht, in der Sache alles Mögliche möglich zu machen.
14:54Er hat sich also auch weitestens illegal verhalten.
14:58Er hat einen Fotografen kennengelernt, der bei der GSSD tätig war.
15:03Und mit dem ist er gemeinsam in dessen Fotolabor gegangen, um nach Fotos zu suchen.
15:08Auf dem Gelände, was strikt verboten war, dann auch für ihn war, am Kassandor die DDR zu Ende.
15:14Ja, das muss man klipp und klar so sagen.
15:17Seine Vorgesetzten waren nicht immer glücklich drum.
15:23Nachdem ein Jahr intensiv ermittelt wurde, wurde der Fall eingestellt.
15:33Da kam irgend so ein Oberstleutnant zu uns ins Haus mit dem Herrn Schuld zusammen.
15:44Es hat nie jemand gesagt, Frau Tschöck, wir finden Ihren Sohn.
15:56Denn Herrn Schuld hat es ja gewurmt, dass er den Fall nicht hat lernen können.
16:01Sicherlich gab es auch dann Schwierigkeiten mit Vorgesetzten.
16:03Und da hat er gesagt, da gehe ich nach Rostock, dort brauchen Sie jemanden in der Mordkommission.
16:06Und dort mache ich dann weiter und kann praktisch das hinter mir lassen.
16:122005 bin ich dann pensioniert worden.
16:15Der Fall beschäftigt mich bis heute.
16:19Und ich bin immer wieder froh, wenn da etwas geschieht.
16:24Auch wenn im Moment noch die Sache nicht geklärt ist.
16:34Vielleicht war noch ein Fünkchen Hoffnung da.
16:36Aber ich habe immer so gedacht, anscheinend passiert bei uns dieser schöne Zufall nicht.
16:41Bei uns geht es schief.
16:45Ich war damals ziemlich schnell schon wieder schwanger.
16:47Und wir haben gesagt, lass uns jetzt einfach nochmal halbwegs wieder eine gewisse Normalität an den Tag legen.
16:56Der zweite Sohn ist 1986 geboren.
16:591988 die Tochter.
17:021989, 1990 kam die Wende.
17:11Putin bekommt in Dresden mit, als die Bürger und Bürgerinnen die Stasi-Bezirksverwaltung Dresden stürmen.
17:20Und dann ziehen sie weiter zur KGB-Residentur, die ja nur um die Ecke war und wollen auch diese stürmen.
17:31Das konnte zwar verhindert werden, aber es machte Putin eben auch diesen Kontrollverlust bei diesem ganzen Zusammenbruch deutlich.
17:50Putin geht Anfang 1990 in die Sowjetunion zurück und kriegt da den Zusammenbruch des alten Systems mit.
18:01Was ihn unheimlich geprägt hat, schockiert hat, was er nie akzeptiert hat.
18:15Wir hatten total mit uns zu tun.
18:18Wir mussten neue Arbeit aufnehmen.
18:22Und irgendwann war es so weit, dass wir auch das wieder alles ordentlich bewerkstelligt hatten.
18:28Es setzte so ein gewisser Alltag ein.
18:32Es gab aber immer die Momente, wo wir an den Felix gedacht haben.
18:36Zur Einschulungsuntersuchung kam eine Karte.
18:39Das ist das Telegram.
18:40Ja.
18:41Wer der Erziehungsberechtigte, die Aufnahme ihres Kindes in unserer Schule steht bevor.
18:45Wir bitten Sie, uns zum umseitig genannten Zeitpunkt aufzusuchen.
18:49Schuluntersuchung müsste nicht hier stehen.
18:51Ach so, das müsste jetzt irgendeinen Betreff.
18:52Also ich hätte ihn ja dann dort vorstellen müssen.
18:54Und da sind wir auch gemahnt worden.
18:56Das wussten die aber nicht, dass es kein Kind gab.
18:59Nein, das wussten die nicht.
18:59Nein.
19:00Wir haben nämlich dann gesagt, den Felix, den müssen Sie mal rausnehmen.
19:03Wir haben den gar nicht.
19:04Wir können ihn nicht zur Schuluntersuchung bringen.
19:07Oder was noch alles kommt.
19:09Impfungen oder sowas.
19:11Kannst du dich denn eigentlich erinnern, wie wir es euch damals gesagt haben?
19:17Nein.
19:1898.
19:19Also dass es Weihnachten war, das weißt du.
19:22Aber über die Situation, die hast du irgendwie ausgeblendet.
19:25Also es war ja so, wir haben uns ja damit gequält, euch das mal zu sagen.
19:30Also es stand ja immer so im Raum.
19:34Der Zeitpunkt war mehr als reif.
19:39Und dann hat der Vater gesagt, also heute, heute sagen wir das auch.
19:43Und dann haben wir einfach gesagt, also ich, wir müssen euch nochmal was ganz Wichtiges sagen.
19:48Ich habe eigentlich noch einen großen Bruder, den haben sie uns damals einfach aus dem Kinderwagen rausgemaßt.
19:58Ich war es mir erleichtert, ich hatte es erst mal gesagt.
20:01Und dann war dir, du sagst, wie du sagst, ich bin spielen gegangen.
20:05Ich bin auch spielen gegangen, ja.
20:07Also du hast mich nie was gefragt.
20:10Und der Nadja hat ja dann mal erzählt, ich habe mir dann mal was rausgesucht.
20:14Meine Eltern hatten ein Kriminalbuch.
20:16Da waren die spektakulärsten Kriminalfälle der DDR aufgeführt.
20:21Und dieses Taschenbuch stand bei uns im Bücherregal.
20:23Und das habe ich mir geschnappt und habe mir die Geschichte durchgelesen.
20:27Und in diesem Moment, muss ich tatsächlich sagen, habe ich erst mal begriffen, was da passiert ist.
20:33Also dass es einen Austausch gab.
20:35Dass die Spur nach Russland führte.
20:37Dass die Türen relativ schnell geschlossen wurden.
20:40Und dass meine Eltern ja auch sehr, sehr viel versucht haben, unseren Bruder zu finden.
20:45Und das hat mich total mitgenommen.
20:48Aber das war der Moment, an dem ich einfach ein paar Hintergrundinformationen für mich herausgefunden habe.
20:55Was ist denn das eigentlich für ein BLT-Headship? Das ist mir vorhin schon aufgefallen.
21:00Das hat eine Geschichte.
21:03Vor ungefähr zehn Jahren, da rief ich eine Telefonnummer aus Russland an.
21:07Und da habe ich diese Telefonnummer unserem Freund André geschickt.
21:11Der ist in Russland, André?
21:13Ja. Und den habe ich die Nummer geschickt. Kannst du das mal anrufen?
21:16Das hat er gemacht.
21:17Und kam mit der Meldung, ein Juri Senko aus Kaliningrad.
21:22Er hatte ganz wichtige Informationen für uns.
21:24Sind Sie nach Kaliningrad, Eva?
21:26Ja.
21:27Auf unserer Homepage konnte ich sehen, aus welcher Region von welchen Provider Zugriffe erfolgt sind.
21:38Es schilderte sich heraus, dass eine ganz merkwürdige Webadresse immer wieder auftauchte.
21:45Und dieser Webadresse bin ich nachgegangen.
21:48Das Ergebnis war ein russisches Forum, in dem über unseren Fall diskutiert wurde.
21:55Dann fiel mir aber einer auf, der sich Condor nennt.
21:58Und dieser Condor schreibt, dass er in den Jahren 84, 85 bei der Militärstaatsanwaltschaft in Dresden gearbeitet hat
22:07und hat genau die Daten alle bestätigt, die wir kannten.
22:11Wir konnten feststellen, dass der Anrufer mit der russischen Nummer aus Kaliningrad
22:15und der Nutzung Forum, der sich Condor nennt, die gleiche Person ist.
22:22Und zwar Juri.
22:25Juri hat ganz offensichtlich ein hohes Interesse.
22:28An unserem Fall.
22:38Als Treffpunkt war ausgemacht ein Denkmal für die gefallenen Fliegeroffiziere,
22:43die in Afghanistan abgeschossen worden waren.
22:46Dort haben wir uns hinbegeben, André und ich, und haben auf Juri gewartet.
22:53Er kam mit einem alten Mercedes-Benz, 380.000 Kilometer auf dem Tacho,
22:59und dann ist er mit uns durch das Wohngebiet gefahren,
23:02bis wir endlich auf einem Garagenhof angekommen sind.
23:04und dann ist er mit uns durch das Wohngebiet gefahren.
23:42Und dann hat Juri gesagt,
23:44Ich habe da etwas.
23:47Und drückt uns eine Armbrust in die Hand.
23:54Wir haben unglaublich geschaut, was wird das jetzt hier?
24:03Ja, komm.
24:07Ja, super.
24:09Na, komm, komm.
24:14Komm, komm.
24:14Komm, komm.
24:20Dann fing an.
24:21Ich war in Drzdön, in der 9-10-jährigen Stiftung.
24:26Er, 1985, arbeitet in 10. Panzerdivision.
24:32Er sei in den 80er Jahren in Dresden stationiert gewesen
24:56offiziell bei der Militärstaatsenwaltschaft,
24:58aber in Wirklichkeit als KGB-Offizier.
25:02Und er bekam Ende Mai, Anfang Juni
25:05den Abschlussbericht zum Fall Felix auf dem Tisch.
25:36Untertitelung des ZDF, 2020
25:37Er fand diesen Bericht merkwürdig,
25:40hat sich die Verhandlungsplakate der Volkspolizei genommen
25:44und ist ins Krankenhaus gegangen, wo die Kinderstation war.
25:58Ja, das ist ziemlich viel.
26:21Ja, ich kann mich an diesen Jungen erinnern.
26:26Sлушайте, мне сейчас надо закончить пару дел.
26:29Давай...
26:29Подожди меня здесь.
26:30Хорошо, я быстро.
26:32Ich komme gleich zurück,
26:33ich muss mir noch etwas erledigen.
26:56Als Juri auf die Krankenschwester gewartet hat,
26:59kam ein höherer KGB-Offizier auf ihn zu.
27:05Und hat ihm gesagt, Juri, das klären wir hier für dich.
27:08Geh du bitte zurück in die Kommandantur.
27:24Und dann hat er uns noch einen Zettel in die Hand gedrückt,
27:27Maschinen geschrieben mit den vollständigen Namen der Krankenschwester.
27:30Name und Vorname.
27:34Das war merkwürdig,
27:35denn im Russischen spricht man sich üblicherweise nur mit dem Vornamen an.
27:46Woher weiß er diesen Familiennamen?
27:55Wir hatten uns in Vorbereitung auf die Reise gedacht,
27:58irgendein Gastgeschenk nehmen wir mit.
28:00Und es gab damals in Dresden ein Buch über Dresden,
28:04ein Bildband über Dresden mit russischer Beschreibung.
28:08Das haben wir mitgenommen.
28:09Und ich habe das dem Juri geschenkt.
28:12Er war sehr überrascht und sehr erfreut.
28:15Und hat spontan nach einer Bernstein-Applikation gegriffen,
28:21die neben der Werkbank hing.
28:28Auf dem Weg zum Flughafen kamen wir so ganz allmählich dazu,
28:31das Gesehene und das Gehörte ein bisschen zu verarbeiten.
28:34Und dann kommen einem so Gedanken in den Kopf.
28:37Und ich dachte, irgendwie sieht der Juri den Martin verdammt ähnlich.
28:43Wenn das nun wirklich der Vater ist,
28:46wollte er mich einfach mal kennenlernen als Vater von dem Kind,
28:50das er großgezogen hat.
28:52Diese Frage geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
28:55Ich habe mich geärgert, weil ich nicht sofort auf die Idee gekommen bin,
28:59ich hätte ihn mal fragen können.
29:00Sag mal, Freund, ist der Martin vielleicht dein Sohn
29:03und du willst mal den Vater von Felix kennenlernen?
29:05Gut, wenn der das Bild natürlich an der Hand hat,
29:07der von der Wand genommen hat,
29:08da könnte seine DNA da drauf sein, ne?
29:11Das wäre möglich, ja.
29:13Und diese DNA könnte man mit der DNA von Martin abgleichen,
29:16denn die wurde seinerzeit genommen,
29:18als die polizeilichen Ermittlungen noch liefen.
29:21Und diese DNA liegt vor.
29:23Ich nehme das mit und bringe das zur Charité
29:26und ich bin mir sicher, dass die was finden.
29:29Ja, ich hoffe natürlich auch,
29:30dass nach den zehn Jahren noch Buchstücken von Material da ist.
29:33Hält sich lange.
29:34Wirklich?
29:35Ja, vielleicht hält sich lange.
29:36Wenn es gut verwahrt ist, hält sich lange.
29:38Gut.
29:39Vielleicht ist dieses Bild
29:40der Schlüssel für die Lösung unseres Problems.
29:43Gut dann.
29:43Gute Reise, ja.
29:44Dankeschön.
30:03Tstar.
30:04Gute Reise, tja.
30:04Te merde.
30:04Dixi.
30:05T landlord der Beise.

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