- vor 5 Monaten
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00:00Guten Abend, meine Damen und Herren. Wir hatten in unserer letzten Sendung einige Tipps und
00:06Ratschläge gegeben, wie man sich im Urlaub vor Schaden bewahren kann. Vielleicht haben diese
00:12Ratschläge in einem oder anderem Fall geholfen, sodass die allermeisten von Ihnen unbeschadet
00:16zurückgekommen sind bzw. bei ihrer Rückkehr keine bösen Überraschungen erlebt haben.
00:23Unsere heutigen Themen befassen sich nun ausnahmslos mit Gefahren, die hier zu Hause
00:28drohen. Sie sind wieder recht unterschiedlicher Natur. Der erste Betrüger, vor dessen Praktiken
00:34wir Sie warnen möchten, fängt seine Opfer in der Regel ausgerechnet im Krankenhaus.
00:48Um Gottes Willen, was haben Sie denn gemacht? Ich weiß nicht. Plötzlich bin ich gefallen.
00:53Die ganze Treppe runtergeflogen? Weiß nicht. Oh, mein Rücken auf. Kann Sie aufstehen?
01:00Ich versuch's mal. Au, verdammt, nein. Kommen Sie, ich helf Ihnen. Au, au, au. Nee, bitte.
01:05Das war kein Zweck. Lassen Sie mich. So geht das nicht. Da muss ein Krankenwagen her. Wo ist denn
01:11hier ein Telefon? Das weiß ich nicht. Ist der besoffen? Nein, nein, der ist die Treppe runtergefahren.
01:16Ein Telefon ist oben an der Ecke, aber der Laden wird bestimmt auch ein. Lassen Sie mal,
01:20ich mach das schon. Im Zentrum einer süddeutschen Kreisstadt ereignet sich an einem Freitagnachmittag
01:26ein alltäglicher Unfall. Das Opfer, Karl Ruland, ein Mann von knapp 40 Jahren, hat Glück
01:32im Unglück. Hilfsbereite Passanten setzen sofort eine Rettungsaktion in Gang, sodass er nicht
01:37lange auf ärztliche Hilfe warten muss.
01:53Eine halbe Stunde später liegt Karl Ruland bereits in der Notaufnahme des Kreiskrankenhauses. Für den
02:00diensthabenden Arzt ist es jedoch nicht einfach, auf Anhieb eine eindeutige Diagnose zu stellen.
02:05Tja, Herr Ruland, Sie haben Glück. Ist nichts gebrochen. Ja, aber warum tut es denn dann so weh, Herr
02:11Doktor? Tja, ehrlich gesagt, das ist mir auch nicht so ganz klar. Aber es kann natürlich alle
02:17möglichen Ursachen haben. Eine Prellung oder eine Zerrung. Das kann so gemein wehtun? Doch,
02:23Herr Ruland, das wird oft unterschätzt. Sollte schon beobachtet werden, damit nichts zurückbleibt.
02:28Wie meinen Sie denn das? Wir könnten Sie jetzt nach Hause bringen lassen und Sie rufen dann Ihren
02:33Hausarzt. Wo wohnen Sie denn? Ach du, lieber Gott, das wird teuer. Ich wohne in der Nähe von
02:40Frankfurt. Ach so. Naja, dann ist es vielleicht doch besser. Wir behalten Sie erst mal hier. Am
02:45Montag sind dann auch die Kollegen da. Wir können uns das zusammen nochmal anschauen. Ja, Herr Doktor,
02:50das ist dann wohl doch besser. Das tut doch verdammt weh. Ich kann mich kaum rühren. Herr Doktor,
02:59da ist ein schwerer Unfall auf der Umgehungsstraße. Können Sie mit rausfahren? Ja, ist gut, ich komme.
03:03Also, der Herr Ruland bleibt dann übers Wochenende bei uns. Veranlassen Sie bitte
03:07alles Nötige. Wie viele Leute sind das denn da draußen? Drei, glaube ich. Angeblich zwei
03:11Schwerverletzte. Dann rufen Sie doch den Kollegen Kübler noch an. Auf Wiederschauen,
03:15dann Herr Ruland. Ja, auf Wiedersehen, Herr Doktor. Vielen Dank. Wir fahren dann gleich mal
03:18auf die Station. Die Tasche gehört Ihnen doch auch. Ja, ja. Ja, danke, Schwestern.
03:23Wir müssen uns nämlich ein bisschen beeilen. Das Zimmer wird gleich wieder gebraucht. Sie wissen
03:35ja, wie das ist. Am Wochenende ist immer alle handlos. Ausgerechnet, wenn wir etwas dünn
03:39besetzt sind.
03:43Nach der Aufnahme in das Krankenhaus wird der schmerzgeplagte neue Patient erstaunlich
03:47schnell wieder munter. Und er entpuppt sich gegenüber den übrigen Patienten sogar als
03:53ausgesprochene Stimmungskanone. Das sieht so unordentlich aus.
03:56Ich kenne auch noch einen. Also da sagt der Doktor, der Blinddarm ist raus, der Bauch
04:06ist zugenäht, aber wo zum Teufel ist meine Brille? Schade, dass ich am Montag schon entlassen
04:14werde. Das geht bestimmt eine lustige Woche hier drin. Sie sind wohl aus der Unterhaltungsbranche,
04:18wie? Sie werden lachen. Beinahe hätten Sie es getroffen. Das sagen Sie bloß. Ne,
04:23ne, ne, nicht Unterhaltungsbranche, aber Unterhaltungselektronik. Großhandel in Video- und Fernsehgeräten. Wollen
04:31Sie einen Lastwagen voll? Ach so ist das. Nein, nein, so viel brauche ich nicht. Man, das
04:35trifft sich ja gut. Ich will mir nämlich gerade einen Videorekorder kaufen. Aber ich weiß
04:39nicht, welches System das Beste ist. Doch, die sind eigentlich alle gleich gut heute. Da gibt
04:43kaum noch Unterschiede. Äh, wenn Sie da im Großhandel sind, kann man da nicht irgendwas machen? Ich
04:47meine, mit Prozenten und so. Äh, mit Prozenten nicht. Ich gebe ja sowieso zu Großhandelspreisen
04:52ab. Und das sind praktisch die halben Ladenpreise. Sagenhaft. Da siehst du, was die verdienen,
04:58die Kerle. Wie ist denn das? Könnte ich über Sie denn so einen Rekorder kriegen? Ich meine
05:03natürlich zum Großhandelspreis. Warum nicht? Bestellunterlagen habe ich ja immer dabei. Und
05:08schreiben kann ich ja noch. Und, äh, Kataloge zum Aussuchen, haben Sie sowas auch dabei?
05:12Klar. Moment. Warten Sie. Ja, hier. Aha. Bin immer bestens ausgerüstet. Altzeitbereit. Sonst
05:27läuft in diesem Geschäft nichts. Sagen Sie, was haben wir denn da für eine Lieferzeit? Tja,
05:31wenn ich nicht die blöde Treppe runtergefallen wäre, dann könnte ich die Bestellung heute noch
05:35rausgeben. Oder wäre sie Montag bei der Firma auf dem Tisch oder so. Aber die sind allen 14 Tage
05:42vielleicht. Das ist ja trotzdem ganz gut. Haben die vielleicht noch einen Prospekt für mich? Aber
05:48selbstverständlich. Hören Sie mal. Und Stereoanlagen, haben Sie die auch? Natürlich. Hier. Wenn Sie das
05:56mal so. Bitte. Ja. Die Mitpatienten halten es für einen glücklichen Zufall, dass sie Karl Ruhland im
06:04Krankenhaus getroffen haben. Denn so preiswert kommt man nicht alle Tage an die begehrten
06:10Geräte. Auch das Krankenhauspersonal zeigt bald Interesse an den günstigen Angeboten. So meine
06:20Herr, das Abendessen kommt. Na nun, was machen Sie denn da? Sie können die Arbeit wohl auch nicht
06:29lassen, wie? Nee, Schwester. So tief kann ich gar nicht fallen, dass ich die Arbeit vergessen. Haben Sie schon
06:36Videorekorder? Nein. Wieso? Dann greifen Sie bloß zu. So günstig kriegen Sie den nie wieder. Also ich habe hier
06:43damit nicht angefangen, Schwester. Ehrlich. Aber ich bin halt im Großhandel für Unterhaltungselektronik tätig. Ach so. Und da machen Sie ja gleich eine Filiale auf? Und alles zu Großhandelspreisen, Schwester. Das sind ungefähr 50 Prozent vom Ladenpreis. Ich habe mir ein Fernseher mit Stereo bestellt. Für 1100.
06:48Krass geschenkt. Und wie ist das mit dem Zahlen? Muss man das gleich haben? Ach wohl, eine kleine Anzahlung genügt. So etwa 20 Prozent. Den Rest können Sie später überweisen. Also da muss ich noch mit meinem Mann reden. Ach, wie schade. Ein Mann hat sie auch.
07:02Hätten Sie nicht gedacht, was? Aber im Ernst, ich rede mit ihm. Und Sie sind ja morgen auch noch da. Ich soll ja am Montag noch mal genau untersucht werden. Ja, ist gut. Aber nun räumen Sie hier mal die Sachen zusammen. Sonst gibt's nichts zu essen.
07:18Die zwanzigprozentigen Anzahlungen betragen im Einzelfall 200 bis 300 Macht. Guten Appetit. Da die meisten Patienten nicht so viel Geld bei sich haben, lassen Sie es sich von Freunden und Verwandten beim Besuch mitbringen.
07:45Nein, das kannst du ohne weiteres machen. Ja, und denk an das Geld, wenn du morgen kommst. Ja, ich kann's dir ja gleich sagen. Ich hab mir ja eine neue Stereoanlage gekauft.
07:55Ja, hier. Da ist so ein irrer Typ bei uns auf dem Zimmer. Mit dem haben wir viel Spaß. Der ist Großhändler für Fernseher und Videorekorder und so. Ja, genau. Die Anlage würde im Geschäft bestimmt das Doppelte kosten. Das ist doch prima, oder?
08:08Na, siehst du. Also dann bis morgen. Servus, du, ja.
08:15Am Samstag und Sonntag floriert dann während der Besuchszeit das Anzahlungsgeschäft im Krankenzimmer.
08:26Karl Ruhland nimmt einen Gesamtbetrag von über 2000 Mark entgegen.
08:35Stimmt. So, hier ist Ihre Quittung und der Durchschlag vom Bestellschrank.
08:42Ja. Ach, können Sie mir den Prospekt vielleicht nochmal geben? Ich möchte meiner Frau das Ding ja mal zeigen.
08:46Ja, Moment. Ich verliere hier schon langsam den Überblick. Ach nee, den hat ja vorhin einer aus dem Nachbarzimmer geholt.
08:55Aber der kommt bestimmt gleich wieder. Ja, macht ja nichts.
09:00Ah, da ist er ja schon. Wenn man von der Sonne spricht, schickt Sie Ihre Strahlen.
09:06Dann sagen Sie bloß, Sie haben auch noch keinen Fernseher.
09:08Doch, doch, schon. Aber meine Frau und ich, wir haben gedacht, so ein Videogerät, wenn das so günstig ist...
09:14Was dann her mit der Bestellung? Welchen wollen Sie denn haben?
09:18Den da. Den habe ich mir schon mal in einem Geschäft angeschaut.
09:21Ah, ein Spitzenmodell. Den hat sich die Schwester auch bestellt. Kompanier auf 1200.
09:28Aber nur, weil Sie ein Leidensgenosse sind.
09:30Ja, ja, ich weiß. Deshalb machen wir es ja.
09:33Das macht also eine Anzahlung von 240 Mark.
09:38Sie werden inzwischen gemerkt haben, meine Damen und Herren, der angebliche Großhändler hat den Unfall und die Verletzung nur vorgetäuscht.
09:46Es kam ihn nämlich nur darauf an, in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden, um dort seine Masche abzuziehen.
09:53Dass er bei der Aufnahme einen falschen Namen angegeben hat, versteht sich beinahe von selbst.
09:57Am Sonntag ist er dann mit dem ergaunerten Geld aus dem Krankenhaus verschwunden und hat die ausgefüllten Bestellformulare in die nächste Mülltonne geworfen.
10:08So geht es nun schon geraume Zeit.
10:10Der Mann reist von Stadt zu Stadt und versucht an den Wochenenden immer wieder aufs Neue mit seinem Trick zu landen.
10:16Das nächste Thema behandelt eine Falle ganz spezieller Art.
10:23Der Schaden, der den Betroffenen hier entsteht, ist in der Regel nicht materieller Art.
10:28Die Opfer werden vielmehr in strafbare Handlungen verstrickt, von denen andere ihren Nutzen haben.
10:33Das Schlimme daran ist, dass die ersten Kontakte zwischen Täter und Opfer so getarnt sind,
10:37dass ein argloser Mensch kaum eine Chance hat, zu erkennen, in welche Schwierigkeiten er hineinmanövriert wird.
10:44Umso wichtiger erscheint es mir, dass man die Methoden aufdeckt, mit denen die Betroffenen eingefangen werden.
10:51Noch zumal der gefährdete Personenkreis in neuerer Zeit beachtlich gewachsen ist.
10:56Schüler und Studenten gehören genauso dazu wie stellungssuchende Ingenieure und Wissenschaftler,
11:01wie Sekretärinnen und, wie in unserem folgenden Beispiel, Fremdsprachenkorrespondentinnen.
11:05So, jetzt ist meine Kleine wieder trocken. Und was machen wir jetzt?
11:14Oh, ich will, er kommt. Das ist bestimmt der Papa.
11:19Oh, das wird so fein.
11:22Aber Schürze, Linger.
11:23Hallo, ich will, guten Abend.
11:24Anni Scheller ist seit neun Monaten Hausfrau und Mutter.
11:28Sie hat ihren Arbeitsplatz als Fremdsprachenkorrespondentin in einem Berliner Motorenwerk aufgegeben,
11:34als das langersehnte Baby kam.
11:37Das Ehepaar Scheller glaubte, auch mit einem Gehalt gut auszukommen.
11:40Ein Trugschluss, wie sich dann herausgestellt hat.
11:44Frau Scheller hat sich deshalb entschlossen, eine Heimarbeit, eventuell als Übersetzerin, zu suchen.
11:53Und, gibt's was Neues bei dir?
11:54Nichts Besonderes, aber ist ja immer derselbe Trott. Und bei dir?
11:58Ich hab schon ein Angebot auf mein Inserat bekommen.
12:00Ja.
12:01Hier.
12:02Ich glaub, das sieht schon ganz gut aus.
12:06Von einem Institut hier in Berlin.
12:11Institut für internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik.
12:15Noch nie was davon gehört?
12:17Ist das alles, was gekommen ist?
12:18Bis jetzt, ja.
12:20Aber das ist eigentlich genau das, was ich gesucht habe.
12:22Übersetzung ein einschlägiger ausländischer Fachartikel auf Honorarbasis.
12:27Gute Verdienstmöglichkeiten.
12:31Erstattung aller anfallenden Unkosten.
12:33Und?
12:34Freie Zeiteinteilung steht auch da.
12:36Da hätt ich noch genügend Zeit für die Kleine.
12:41Was meinst du, ob ich einfach mal anrufen soll?
12:44Du sag mal, was denn das war der Vorball bei der Telefonnummer?
12:47Ich dachte, das sei Berlin.
12:48Wieso? Ist mir noch gar nicht aufgefallen.
12:50Du, das ist eine Ostberliner Nummer.
12:53Meinst du?
12:5500372?
12:56Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher.
12:59Kann man denn nach Ostberlin so telefonieren?
13:01Das ist genauso Selbstbetrieb wie nach Westdeutschland.
13:04Aber der Brief ist doch hier in Westberlin aufgegeben.
13:10Da ist doch eine Briefmarke von unserer Bundespost drauf.
13:12Hier, Joachim Ringelnatz.
13:13Das ist komisch.
13:15Ja.
13:16Ich kann ja einfach mal anrufen und fragen.
13:18Ich würde nur ein paar Tage warten.
13:20Ob nicht mehr was anderes kommt.
13:22Kann ich mal das Brot haben?
13:24Es kommt kein weiteres Angebot auf das Inserat, das Frau Scheller aufgegeben hat.
13:32Lediglich das Institut für internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik
13:36bietet Heimarbeit für Übersetzerinnen an.
13:39Und so wählt Frau Scheller ein paar Tage später die in dem Schreiben angegebene Ostberliner Telefonnummer,
13:45um sich bei dem Institut nach den Arbeitsmöglichkeiten zu erkundigen.
13:49Institut für internationale Zusammenarbeit, Goldmann.
13:52Guten Tag, hier ist Scheller.
13:54Ich glaube, ich habe von Ihnen einen Brief bekommen auf mein Inserat als Übersetzerin.
13:59Ach ja.
14:00Ja, ich erinnere mich.
14:02Sie sind Fremdsprachenkorrespondentin und suchen eine Arbeit, die Sie zu Hause machen können.
14:07Ja, richtig.
14:09Haben Sie denn sowas für mich?
14:10Ich meine, weil Sie doch in Ostberlin sitzen.
14:11Das spielt ja keine Rolle.
14:14Wir arbeiten international.
14:16Wir haben Korrespondentinnen in allen Ländern.
14:18Es gibt ja viele Pendler, die drüben im Westen arbeiten und hier bei uns wohnen.
14:23Oder auch umgekehrt.
14:24Ja, da haben Sie natürlich recht.
14:27Was war denn das?
14:29Sind Sie nicht allein?
14:30Das war meine kleine Tochter.
14:32Die macht ihre ersten Sprechversuche.
14:34Ach so.
14:36Ja, sagen Sie mal, bezahlt wird doch in D-Mark.
14:39Ich meine Westgeld.
14:40Selbstverständlich.
14:42Ja, und wie würde das Ganze funktionieren?
14:44Ich meine, was muss ich da im Einzelnen machen?
14:47Da steht in der Hauptsache um internationale Forschungsaufgaben.
14:50Zum Beispiel auf dem Gebiet der Ökonomie, also der wirtschaftlichen Ost-West-Beziehungen.
14:55Da sind wissenschaftliche Arbeiten zu übersetzen.
14:58Aber das ist am Telefon schwer zu erklären.
15:01Wenn Sie interessiert sind, können wir einmal einen Vorstellungstermin ausmachen.
15:04Ja, gern. Wo denn? Bei Ihnen drüben?
15:06Ja, ja, wir können uns hier treffen.
15:08Wie ist denn das? Dann muss ich mir doch einen Passierschein geben lassen und 25 Mark umtauschen.
15:13Das kriegen Sie doch wieder.
15:15Wir haben Ihnen ja geschrieben, dass wir Unkosten ersetzen.
15:19Wann haben Sie denn Zeit?
15:20Och, da könnte ich mich ganz nach Ihnen richten.
15:23Da durch die Arbeitsmarktsituation in West-Berlin wenig Aussicht auf eine Heimarbeit besteht, greift Frau Scheller das Angebot auf.
15:35Wenige Tage später trifft sie sich in einem Ost-Berliner Café mit zwei Vertretern des Instituts.
15:40Guten Tag.
15:46Wie sind Sie ja, Frau Scheller?
15:47Ja.
15:47Goldmann mein Name.
15:48Dann haben wir miteinander telefoniert.
15:50Ja.
15:50Darf ich Ihnen einen Sänger vorstellen?
15:52Herr Sänger ist für die Personalangelegenheiten im Institut zuständig.
15:55Frau Scheller, sehr erfreut.
15:56Bitte nehmen Sie doch Platz.
15:57Bitte.
15:58Darf ich Ihnen was zu trinken bestellen?
16:00Ein Kännchen Kaffee vielleicht?
16:01Danke, gerne.
16:02Ach, bitte bringen Sie doch noch ein Kännchen Kaffee für die Dame.
16:05Sie wären also an einer Mitarbeit interessiert.
16:10Sind Sie zurzeit nicht berufstätig?
16:12Nein.
16:12Wegen meiner Tochter habe ich aufgehört.
16:15Sie ist jetzt neun Monate und da möchte ich gerne Arbeit finden, die ich zu Hause erledigen kann.
16:19Wo waren Sie denn bisher beschäftigt?
16:21In der Auslandsabteilung der Motorenwerke Schmidt und Wengler.
16:24Dort habe ich die französische und englische Korrespondenz erledigt.
16:28Sehr schön.
16:30Da kennen Sie sich bestimmt auch mit dem wichtigsten technischen Vokabular aus.
16:33Im Bereich Technik fehlt uns versierte Übersetzerin ganz besonders.
16:37Ach ja?
16:39Hier in der DDR herrscht ja ganz allgemein Arbeitskräftemangel.
16:42Vor allem in den qualifizierten Berufen.
16:46Sie haben doch sicher auch Referenzen oder Zeugnisse?
16:49Ja, natürlich.
16:49Habe ich alles mitgebracht.
16:53Hier.
16:54Frau Scheller braucht sich ihrer Zeugnisse nicht zu schämen.
16:57Und die beiden Männer scheinen auch recht beeindruckt von den Fähigkeiten zu sein,
17:04die die früheren Arbeitgeber der Fremdsprachenkorrespondentin bescheinigt haben.
17:11Tja, wie ich das sehe, wären Sie für uns genau die richtige Mitarbeiterin.
17:14Ja, das sehe ich auch so.
17:15Herr Goldmann hat Sie ja sicher am Telefon schon über unsere Aufgaben informiert.
17:18Ja, das schon.
17:19Aber ehrlich gesagt, ich kann mir gar nicht recht vorstellen, wie das gehen soll.
17:23Ich meine, so über die Grenze?
17:24Das ist gar kein Problem.
17:26Wir sind eine internationale Forschungsgemeinschaft.
17:29Wir haben überall unsere Korrespondenten sitzen.
17:31Auch in West-Berlin.
17:33Sie brauchen dann später nicht immer hier rüber zu kommen.
17:35Sie können Ihre Arbeiten dann auch dort bei unserem Korrespondenten abliefern.
17:39Was sind das denn nun genau für Arbeiten?
17:41Brauchen Sie?
17:42Nein, danke.
17:43Aber ich darf, ja?
17:43Bitte.
17:44Danke.
17:45Es geht um den Austausch von wissenschaftlichen Informationen.
17:48Sie müssen Aufsätze und Artikel, die meistens in wissenschaftlichen Zeitungen in Englisch erscheinen, ins Deutsche übersetzen.
17:56Ja, dann würde mich natürlich auch noch interessieren, was ich dabei verdiene.
18:01Nun, die Bezahlung erfolgt nach Leistung.
18:03Das heißt, pro Übersetzung zwischen 700 und 1200 Mark.
18:06Oh.
18:07Dazu alle Unkosten.
18:09Also Fahrtkosten, Porto und was sonst noch so anfällt.
18:12Nicht schlecht.
18:14Da ist noch eins.
18:16Wenn Sie einverstanden sind, würden wir gerne erst mal testen, ob Sie mit der Thematik zurechtkommen.
18:20Das wäre sicher auch in Ihrem Interesse.
18:22Ach, Sie meinen, ich soll eine Probearbeit machen?
18:24Mhm.
18:25Genau.
18:26Wir werden Ihre Bemühungen selbstverständlich honorieren.
18:29700 Mark, wäre Ihnen das recht?
18:31Ja, selbstverständlich.
18:33Es handelt sich um die Übersetzung einer englischen Arbeit für unsere Institutszeitschrift zum Thema ökonomische Auswirkungen des Ost-West-Handels.
18:41Sie finden den Artikel in einer englischen Fachzeitschrift, die drüben in Ihrer Universitätsbibliothek ausliegt.
18:46Ich habe Ihnen hier mal aufgeschrieben, wie der Titel ist und so weiter.
18:51Die Fremdsprachenkorrespondentin ist mit dem Test einverstanden.
18:54Es geht ihr dabei nicht nur um das Honorar.
18:57Die in Aussicht gestellte Mitarbeit an den internationalen Forschungsprojekten hat auch ihren beruflichen Ehrgeiz geweckt.
19:06Ohne weiter darüber nachzudenken, überlässt sie den angeblichen Institutsvertretern auch ihre Zeugnisunterlagen, die sie später wieder zurückgehalten sollen.
19:15Die Übersetzung, die sie als Probearbeit anfertigt, macht Frau Scheller kaum Schwierigkeiten.
19:24Lediglich einige wissenschaftliche Ausdrücke muss sie im Wörterbuch nachschlagen.
19:29Darüber hinaus findet sie auch das Thema selbst recht interessant.
19:33Ach, wie weit bist du denn?
19:35Nur noch einen Absatz und dann muss ich das Ganze in die Maschine tippen, aber das ist ein Klacks.
19:40Du sag mal, meinst du, das ist wirklich das Richtige für dich?
19:44Tja, hast doch gesehen und sonst hat sich niemand gemeldet.
19:46Und ehrlich gesagt, das macht mir auch Spaß.
19:49Ja.
19:49Kannst du es ja nachher mal lesen?
19:50Okay, mach ich.
19:51Du, wenn alle Übersetzungen so leicht sind, dann ist das ganz schnell verdientes Geld.
19:55Für die acht Seiten habe ich zwei halbe Tage gebraucht und dafür 700 Mark.
20:03Ein paar Tage später liefert Frau Scheller ihre Probearbeit ab.
20:08Sie trifft sich mit dem Personalschef des Instituts wieder in dem Ost-Berliner Café.
20:14Ich muss sagen, Sie ordentlich, genau wie ich Sie erwartet habe.
20:17Haben Sie denn keine Probleme mit den technischen Fachbegriffen?
20:20Nö, eigentlich nicht.
20:22Es war richtig einfach.
20:23Außerdem hat mich das Thema auch interessiert, dann geht es noch schneller.
20:26Bevor wir es vergessen, hier ist Ihr Honorar.
20:30700 D-Mark steckt der Umschlag.
20:33Muss ja nicht gleich jeder sehen.
20:35Aber ich brauche noch eine Quittung von Ihnen.
20:37In puncto Geld geht auch bei uns nichts ohne Belege.
20:40Haben Sie noch Auslagen gehabt?
20:42Ja, Fahrtkosten und Visumgebühr.
20:45Ist gut, dann müssen wir da noch eine Spesenabrechnung machen.
20:48Noch weiß Frau Scheller nicht, dass der freundliche Herr keineswegs für ein wissenschaftliches Institut,
20:54sondern für einen östlichen Geheimdienst arbeitet und gerade dabei ist, sie als Agentin anzuwerben.
21:00Arglos unterschreibt sie eine Quittung für geliefertes Material und gibt damit dem Mann ein gefährliches Druckmittel in die Hand.
21:11Danke sehr.
21:14Hier habe ich schon den nächsten Auftrag für Sie.
21:16Vorausgesetzt, Sie sind nur noch Ihrerseits an einer weiteren Mitarbeit interessiert.
21:19Ja, sicher.
21:21Diesmal wird es vielleicht etwas schwieriger, aber dafür ist die Sache auch ein bisschen mehr, wie ein Tausender.
21:26Das Geld könnte ich schon gebrauchen.
21:28Aber worum geht es denn?
21:29Um eine größere Arbeit über die amerikanische Raumfahrtechnik.
21:31Da gibt es eine Artikelserie in einem wissenschaftlichen Magazin.
21:36Das können Sie sich beim Buchhandel bestellen.
21:38Kriege ich das so ohne weiteres?
21:40Selbstverständlich.
21:41Vielleicht dauert es ein bisschen, aber das macht nichts.
21:44Gut, ich setze mich dann gleich dran, sobald ich das Heft bekommen habe.
21:48Hier habe ich Ihnen wieder aufgeschrieben, wie der Titel von dem Aufsatz heißt.
21:52In Englisch.
21:53Ich rufe Sie nächste Woche mal an und erkundige mich.
21:57Noch erscheinen die Aufträge, die Frau Scheller in Ostberlin entgegennimmt, recht harmlos.
22:02Dabei wird es aber nicht bleiben.
22:04Als sie dann merkt, dass sie in eine Spionagetätigkeit gegen die Bundesrepublik verstrickt werden soll,
22:09weigert sie sich zunächst, weitere Aufgaben zu übernehmen.
22:12Daraufhin präsentieren die Herren in Ostberlin ihre Quittungen und Spesenabrechnungen.
22:16Sie drohen, diese Belege über die bisherige angebliche nachrichtendienstliche Tätigkeit
22:22den Behörden in der Bundesrepublik zuzuspielen.
22:25So wie unzählige andere Bundesbürger ist Frau Scheller also in eine raffiniert aufgebaute
22:31Zwickmühle manövriert worden.
22:33Manche geben den Druck nach und geraten immer tiefer in die Abhängigkeit ihrer Auftraggeber.
22:38Bis dann eines Tages die Sache platzt und nun zwangsläufig hier in der Bundesrepublik
22:43die Rechnung präsentiert wird.
22:45Das gezeigte Beispiel ist nur eine von mehreren Varianten der Anwerbung.
22:52Nach wie vor legt der Staatssicherheitsdienst seine Fallstricke mit Vorliebe auch bei Besuchen
22:56der DDR aus, auf der Leipziger Messe oder wenn ein Bundesbürger durch Gesetzesverstöße
23:01etwa Geschwindigkeitsüberschreitungen auffällt oder auch wenn Schüler und Studenten sich in
23:06Ostberliner Buchhandlungen preiswert mit sozialistischer Literatur eindecken.
23:10Eine moderne Masche sind auch Brieffreundschaften, die lediglich zum Zwecke der Agentenwerbung
23:16angeknüpft werden.
23:18Man kann in all diesen Fällen nur den guten Rat geben, sich möglichst früh hier in der
23:22Bundesrepublik den Behörden zu offenbaren, denn nur solange man sich auf seinen guten
23:26Glauben und auf seine Arglosigkeit berufen kann, passiert einem nichts.
23:32So und nun weiter mit unseren aktuellen Kurzwarnungen.
23:37Eine Meldung aus Stuttgart zeigt wieder einmal, dass es kaum einen aktuellen Vorgang gibt, der
23:43nicht auch von Betrügern ausgenutzt wird.
23:47Da schlagen zum Beispiel im Raum Stuttgart zwei Männer ganz offensichtlich aus der letzten
23:51Mehrwertsteuererhöhung ihren Vorteil.
23:54Ihre Masche, sie erscheinen meist bei älteren Menschen und nach telefonischer Vorankündigung
23:59bei ihren Opfern und geben sich als Mitarbeiter der Stadtwerke aus.
24:02Dann verlangen sie eine Nachzahlung für Strom, Gas und Wasser, die angeblich aufgrund der
24:08Mehrwertsteuererhöhung notwendig geworden sei.
24:11Sie fordern und bekommen meist Beträge um die 50 Mark.
24:17In den letzten Wochen sind die Männer aus dem Raum Stuttgart verschwunden.
24:20Es ist zu befürchten, dass sie heute in anderen Gegenden unterwegs sind.
24:24Das, meine Damen und Herren, ist, falls Sie es nicht wissen sollten, ein Potentiometer.
24:32Hobbybastler verwenden solche Teile, um elektrische Spannungen aller Art zu regulieren.
24:37Kostenpunkt in einschlägigen Geschäften etwa 1,50 Mark.
24:41Sie können für sein kleines Gerät aber auch 39 Mark ausgeben.
24:44Sie bekommen dann drei solche Drähte dazu.
24:47Angeboten wird das Ganze per Inserat als kompletter Einbausatz für Ihren Farbfernseher.
24:56Die Firma, die das Angebot macht, verspricht in Ihren Inseraten, dass Sie auf diese Weise
25:00im problemlosen Selbsteinbau Ihren Farbfernseher zu einem dreidimensionalen Gerät umrüsten können.
25:07Das Angebot ist nicht nur betrügerisch, sondern auch noch lebensgefährlich.
25:12Wer als Laie nämlich seinen Fernseher aufschraubt, legt hochspannungsführende Teile frei,
25:17deren Berührung tödlich sein kann.
25:20Vor der nächsten Warnung zum besseren Verständnis ein kurzes Wort der Erklärung.
25:26Der Bundesanzeiger, herausgegeben vom Bundesministerium der Justiz, ist ein öffentliches Organ,
25:31in dem unter anderem Eintragung und Veränderung des Handelsregisters veröffentlicht werden müssen.
25:36Eine clevere Firma in Frankfurt ist auf die Idee gekommen,
25:40diese Veröffentlichungen aus dem Bundesanzeiger auszuschneiden
25:44und sie den betreffenden Personen und Firmen zuzuschicken.
25:47Dazu ein als Rechnung aufgemachtes Angebot über 18,80 Mark bei den Empfängern entsteht.
25:53Und das ist sicher die Absicht.
25:55Der Eindruck, Sie bekämen einen nützlichen, vielleicht sogar notwendigen Nachweis
26:00Ihrer handelsgerichtlichen Eintragung.
26:02In Wirklichkeit ist der Ausschnitt mehr oder weniger wertlos.
26:05Der Bundesminister der Justiz hat die Firma in Frankfurt bisher vergeblich gebeten,
26:11diese Bauernfängerei zu unterlassen.
26:13Nachdem sie dieser Aufforderung nicht nachgekommen ist, führt er jetzt einen Prozess gegen dieses Unternehmen.
26:19Solange der allerdings nicht rechtskräftig entschieden ist, werden die dubiosen Ausschnitte weiter verschickt.
26:24Auch unser nächstes, wieder etwas detaillierter behandeltes Thema,
26:30ist ein Beleg dafür, wie sich Betrüger und schräge Geschäftemacher an jeden aktuellen Trend anhängen.
26:36Hausmusik zum Beispiel ist seit einiger Zeit wieder im Kommen.
26:40Und siehe da, schon häufen sich auf dem Musiksektor die Beschwerden über unseriöse Geschäftspraktiken.
26:45So haben wir vor nicht allzu langer Zeit über betrügerische Musikkurse berichten müssen.
26:51Heute wollen wir vor einer anderen Masche aus diesem Bereich warnen.
26:54Vor dem unreellen Handel mit gebrauchten Klavieren.
26:57Genau Harald, setz doch nochmal hier bei dem C ein, damit du ein Gefühl dafür bekommst.
27:13Siehst du, so müsste es klingen ungefähr.
27:16Der zwölfjährige Harald Keppler besucht ein Gymnasium in Bochum.
27:20Vor einigen Monaten ist dem Lehrer eine gewisse musische Begabung des Jungen aufgefallen.
27:25Haralds Eltern haben ihn daraufhin zu einem von der Schule in der Freizeit angebotenen Klavierunterricht angemeldet.
27:36Prima Harald, du musstest jetzt natürlich dranbleiben und zu Hause üben können.
27:39Mein Papa hat mir versprochen, dass wir ein Klavier kaufen, aber er hat nicht so viel Geld.
27:43Er hat gesagt, er sucht eins, was nicht so viel kostet.
27:45Dann sieh mal zu, dass das was wird. Das wäre schon gut für Sie.
27:47Sag ich gleich mal meiner Mutter, wenn ich zu Hause bin. Sie hilft mir bestimmt.
27:55Hallo!
28:11Hallo!
28:11Wommer hast du nicht aufgemacht? Ich habe schon Ewigkeit geklingelt.
28:14Tatsächlich?
28:16Ja, das kann schon sein. Ich hatte den Mixerlaufen in der Küche.
28:18Harald, bitte. Nimm dir ein Glas, ja?
28:32Aber wegen seiner Dumme will ich.
28:34Na, wie war es denn heute in der Schule? Bist du dran gekommen mit dem Gedicht?
28:47Ne, zum Glück nicht, aber in Latein. Da hat er wahrscheinlich ein Vokabeltes geschrieben.
28:50Der gemeine Kerl, ohne Ankündigung.
28:53Und wie war es?
28:53Nicht so toll, glaube ich. Zwei Fehler weiß ich schon und drei Vokabeln habe ich gar nicht.
28:59Aber im Klavierunterricht eben, da war es spitze.
29:01Der Frank hat gesagt, dass ich schon recht gut gespielt habe.
29:04Klasse! Das wird den Papa aber freuen, wenn er es hört.
29:09Außerdem meinte er, dass ich auch zu Hause spielen sollte.
29:12Wie weit ist es denn mit dem Klavier?
29:13Hat Papa denn noch immer keins gefunden?
29:15Doch, vielleicht.
29:18Er hat doch was in der Zeitung gesehen, Inserat.
29:20Er will ein Student wohl sein Klavier verkaufen.
29:23Super, wann kommt es denn?
29:25Ja, nun mal nicht so schnell.
29:27Wir müssen uns ja erst mal in Ruhe angucken.
29:29Wie siehst du denn aus?
29:31Wie denn?
29:32Bist du erst mal den Mund ab?
29:35Am folgenden Wochenende macht sich die Familie Kepler dann tatsächlich auf den Weg,
29:40um das gebrauchte Klavier zu besichtigen, das der Student in der Zeitung angeboten hat.
29:46Erwin Kepler arbeitet in der Lagerverwaltung eines Großbetriebes.
29:49Auch er möchte das musische Talent seines Sohnes fördern,
29:53aber das Einkommen der Familie zwingt ihn, jede größere Ausgabe sorgfältig zu überlegen.
29:59Da, Erwin, da ist es.
30:00181.
30:071500 Mark, so war in der Anzeige zu lesen, soll das angeblich gut erhaltene Klavier kosten.
30:13Erwin Kepler, der sich in den vergangenen Wochen etwas genauer informiert hat, weiß, dass dies ein günstiger Preis wäre.
30:20Denn neue Klaviere sind nicht unter 4000 bis 5000 Mark zu haben.
30:24So, da steht das gute Stück.
30:28In der Anzeige stand spielbereit. Darf der meinen Sohn mal probieren?
30:32Ich aber natürlich. Es soll doch für ihn sein, was?
30:34Ja, hauptsächlich schon.
30:35Na nun, wie klingt denn das?
30:50Wieso? Was meinst du?
30:52Na ja, er hat schon recht. Es klingt ein wenig verstimmt.
30:54Ich habe eine Weile nicht mehr drauf gespielt, seit ich es von meinem Übungsraum oben runtergeholt habe.
30:59Sie müssten es schon, wenn es einen endgültigen Platz bei Ihnen gefunden hat, mal ordentlich stimmen lassen.
31:03Das wäre alles.
31:05Aber das kostet dann doch normal Geld, oder?
31:07Ja, aber das ist doch nicht teuer. Das kostet ungefähr 80 Mark oder so.
31:11Na ja, sonst sieht es ja ganz ordentlich aus, oder?
31:15Ist ein Barry & Sons aus England. Das ist solide alte Handwerksarbeit.
31:20Nicht so wie die neuen Kaufhausklaviere.
31:22Passt sogar vom Holz her ganz gut in unser Wohnzimmer.
31:27Warum wollen Sie es denn verkaufen? Haben Sie keine Lust mehr zum Spielen?
31:30Nein, nein, ganz im Gegenteil. Ich mache im nächsten Jahr meine Examen.
31:33Ich will ja Musiklehrer werden.
31:35Und wissen Sie, ich habe eine kleine Summe Geld für meinen Großeltern geerbt
31:38und mir davon einen richtigen Konzertflügel zugelegt.
31:42Aha. Und den haben Sie jetzt oben in Ihrem Übungsraum?
31:46Ja, ja, genau. Und da habe ich mir gedacht, was soll das Klavier hier unten rumstehen?
31:50Wäre doch schade drum.
31:52In Ihrer Anzeige haben Sie geschrieben, 1500.
31:54Jetzt muss es noch gestimmt werden und der Transport. Kommt ja auch noch hinzu.
31:59Na ja, den müssten Sie schon bitte selbst bestellen und mir dann rechtzeitig Bescheid geben,
32:03damit ich auch zu Hause bin, wenn die Leute kommen.
32:05Ja, das ist klar. Aber nur noch mal wegen dem Preis.
32:091500, das Stimmen und der Transport, na, das summiert sich dann doch.
32:13Ich glaube, ich weiß schon, worauf Sie hinaus wollen.
32:16Na sag du mal, würdest du es denn gerne haben wollen?
32:18Ja, klar, wenn es richtig gestimmt wird.
32:20Okay, dann sagen wir 1400 Mark. Einverstanden?
32:25Abgemacht für 1400. Gut, und wenn es Ihnen recht ist, 400 Mark jetzt und den Rest dann, wenn Sie es holen.
32:32In Ordnung. Ein Check ist Ihnen recht, ja?
32:35Ja, natürlich.
32:36Herr und Frau Keppler verstehen nicht viel von Klavieren.
32:39Sie vertrauen auf die äußeren Umstände und gehen davon aus,
32:42dass ein Instrument aus Privatbesitz, das von einem angehenden Musiklehrer selbst benutzt worden ist,
32:48in Ordnung sein muss.
32:49So greifen Sie kurzentschlossen zu und organisieren in den nächsten Tagen auch den Transport in Ihre Wohnung,
32:56was noch einmal rund 200 Mark kostet.
33:00Bitte?
33:02Okay, vielen Dank.
33:03Die große Überraschung erleben Sie dann aber, als der Klavierstimmer zu Ihnen ins Haus kommt,
33:08um das Instrument spielbereit zu machen.
33:11Und du bist also der Künstler der Familie, hm?
33:18Oh, Gott, ja, Entschuldigung. Kommt gleich.
33:23Oh, Bayer, das klingt aber gar nicht gut.
33:25Naja, ist auch ein älteres Modell. London, um die Jahrhundertwende.
33:28Ach, du meine Güte. Das habe ich fast befürchtet nach den ersten Tönen.
33:41Was ist denn?
33:42Mit der Drahtgemode bist du nicht viel Freude haben, mein Junge.
33:45Ist denn was?
33:47Haben Sie das als Klavier gekauft zum Spielen oder eher als Antiquität zum Angucken?
33:51Zum Angucken? Nein. Der Harald soll darauf üben.
33:55Auch die Wirbel sind lose.
34:08Resonanzboden gerissen.
34:11Auch die Motten fehlen nicht im Filz.
34:13Da brauche ich gar nicht erst groß weiter nachzugucken.
34:17Ich würde das als Blumenbank benutzen oder als Hausbar.
34:20Also jetzt jagen Sie mir bloß keinen Schrecken ein.
34:23Wir haben einen 1.600 Mark dafür bezahlt. Mit dem Transport.
34:27Das glaube ich Ihnen gerne.
34:29Sie sind auch nicht die Einzigen, die auf solchen Sperremüll reingefallen sind.
34:32Kann ich denn da nicht drauf spielen?
34:34Klimpern ja, aber spiele nicht.
34:36Wenn die Mechanik locker ist und die Stimmwirbel keinen festen Halt mal haben,
34:41kann man das Instrument auch nicht mehr stimmen.
34:43Es hält die eingestellte Stimmung ja einfach nicht mehr.
34:45Ja, aber wie ist denn das mit dem Reparieren? Können Sie es nicht wieder in Ordnung bringen?
34:49Um Gottes Willen, das lohnt Sie nicht mehr, den Kasten richtig zu überholen.
34:54Falls das überhaupt geht, bei dem alten Holz.
34:57Es kostet bestimmt 2.000 Mark und mehr.
35:01Also das können Sie nicht mit mir machen.
35:02Ich will mein Geld wieder haben.
35:04Und die alte Schabracke, die können Sie sich bei mir wieder abholen.
35:06Hey, hey, hey, nun mal nicht so heftig, Herr Keppler.
35:09Was kann ich dafür, dass Sie mit dem Klavier nicht zurechtkommen?
35:11Was heißt hier nicht zurechtkommen?
35:12Der Klavierstimme hat gesagt, dass es nur ein einziger Schrotthaufen ist.
35:16Ja, aber Sie haben es sich vorher angeschaut, bevor Sie es gekauft haben.
35:19Und Sie wissen doch ganz genau, Herr Keppler,
35:21beim Kauf gebrauchter Gegenstände gilt unter Privatleuten folgendes Prinzip.
35:25Gekauft wie besichtigt.
35:27Das ist bei Klavieren nicht anders als bei Autos oder alten Häusern.
35:30Ach was, reingelegt haben Sie uns.
35:32Da wäre ich aber vorsichtig mit solchen Behauptungen.
35:36Wieso steht da eigentlich schon wieder so ein alter Kasten?
35:38Ich denke, Sie haben sich einen Flügel gekauft.
35:39Ja, und der steht oben in meinem Übungsraum.
35:43Das wissen Sie doch, Herr Keppler.
35:44Das hier, das hat dein Freund hier untergestellt.
35:47Erwin Keppler hat jetzt zwei Möglichkeiten.
35:49Entweder er findet sich mit dem Verlust ab
35:51oder er versucht, mit Hilfe eines Prozesses zu seinem Recht zu kommen.
35:56Die Aussichten dabei sind sehr ungewiss.
35:59Denn vor Gericht wird man ihm sagen,
36:00dass er den Kauf tatsächlich etwas leichtfertig abgeschlossen hat.
36:04Als Laie hätte er das Klavier vorher besser
36:06von einem Fachmann begutachten lassen sollen.
36:08Wenn man selbst in seinem Bekanntenkreis keinen solchen Experten hat,
36:13kann man bei der Industrie- und Handelskammer danach fragen.
36:16Die Gebühren für die Dienste eines vereidigten Sachverständigen
36:19betragen in der Regel pro Stunde etwa 40 Mark.
36:22Beim Kauf gebrauchter Klaviere empfiehlt sich
36:25solcher fachmännischer Rat heute ganz besonders.
36:27Denn, und damit komme ich noch einmal auf den gezeigten Fall zurück,
36:30Die Studentenbude, in der Herrn Keppler das wertlose alte Klavier
36:35angedreht worden ist, ist in Wirklichkeit eine geschickt getarnte
36:39Verkaufsstelle eines gewerbsmäßigen Importeurs.
36:42Er und manche seiner zweifelhaften Kollegen
36:44nutzen das steigende Interesse an Musikinstrumenten.
36:48Sie importieren im großen Stil, meist aus England und Amerika,
36:52Schrottklaviere, um sich hier unter dem vertrauenserweckenden
36:55Etikett deines Geschäftes zwischen Privatleuten zu verhökern.
37:01Und nun zum Schluss, wie üblich in dieser Sendereihe,
37:05wieder ein Experiment, in dem unsere Mitarbeiter selbst
37:08eine Gaunermasche ausprobiert haben, die in der letzten Zeit
37:11mehrfach erfolgreich angewendet worden ist.
37:14Es geht dabei jeweils um einen üppigen Auftrag
37:17für eine vermeintliche Vereinsfeier.
37:20Für die Gastwirte, die den Auftrag entgegennehmen,
37:23entpuppt sich das Ganze dann aber als übler Reinfall.
37:28Sehen Sie sich an, was Bernd Schröder und Hans P. Wunsch,
37:30der seine Kamera in der Aktentasche trug, erlebt haben.
37:34Ich wollte mal fragen, Sie machen auch Vereinsfeiern
37:36oder richten Vereinsfeiern aus, ja?
37:39Ja, genau.
37:40Ich rufe an vor dem Kegelverein und wir würden ganz gerne zu Ihnen kommen.
37:44Unser Mitarbeiter tritt diesmal als Sprecher eines Kegelclubs auf.
37:48Nachdem er sich telefonisch angekündigt hat,
37:50zahlt er bei der Post für die Gaststätte 15 Mark ein.
37:59Der Quittungsabschnitt wird verfälscht auf 1.350 Mark.
38:04Die Vereinsfeier würde aber, wie das Gespräch mit der Wirtin dann ergibt,
38:08nur rund 1.100 Mark kosten.
38:10250 Mark weniger, als die gefälschte Postquittung ausweist.
38:14Der Kassierer von uns hat das Ganze nämlich heute früh schon auf der Post eingezahlt,
38:19unsere ganze Kasse.
38:20Also das müsste heute wieder morgen wieder Post kommen.
38:22Wir haben das 1.350 Mark.
38:24Das müsste der Briefträger schon bringen morgen.
38:27Ja, das scheint mir zu viel zu sein.
38:29Aber weißt du, was noch dazu kommt?
38:31Wir müssen noch für den Vorsitzenden noch ein Geschenk machen.
38:35Der ist eine Pfeifenraucher.
38:37Die teuren Briehre, die kostet ja auch die 200 Mark.
38:40Ja, oder können wir vielleicht Folgendes machen,
38:42wenn wir von Ihnen vielleicht die 200 Mark kriegen könnten?
38:45Müssten wir ja, denn...
38:46Da würde ich hinten draufschreiben, 200 Mark erhalten
38:48und Ihnen die Quittung dalassen.
38:50Ja.
38:50Das bringt der Postbote ja morgen.
38:52Die Wirtin hat Verständnis für die scheinbare Klemme.
38:55Und da sie die Postquittung über 1.350 Mark gesehen hat,
38:59ist sie bereit, 200 Mark im Voraus zurückzugeben.
39:02Sie schreiben ja, dass Sie die 200 Mark erhalten.
39:05Aber ja, für die Kasse bei Ihnen.
39:06Der M200 erhalten.
39:10So, bitteschön.
39:11Danke, dass es wegfliegt.
39:14Widerschauen, danke.
39:15Das in Aussicht gestellte gute Geschäft hat also gewirkt.
39:19Das überzeugende Auftreten unserer Mitarbeiter natürlich auch.
39:22Danach machen sie sich auf den Weg zur zweiten Gaststätte.
39:26So, ich habe gerade mal beschlagen,
39:28das kommt etwa 1.000 Mark zusammen für Essen und Trinken.
39:31Da haben wir Ihnen ja viel zu viel überwiesen.
39:32Ja, und das hat er nämlich übersehen,
39:34wir müssen ein Geschenk noch machen für unseren Vorsitzenden.
39:35Und das ist die Frage, weil ich habe also auch nichts dabei.
39:38Wir wollten, dass der ist ein großer Pfeifenraucher, der Vorsitzende.
39:41Wir wollten dem eine neue Pfeife schenken.
39:42Das ist ja ziemlich...
39:43Das ist natürlich ziemlich teuer.
39:45Ich frage jetzt mal, weil das ja doch eine Differenz ist,
39:49ob Sie eventuell uns mit 100 oder 150 Mark aushelfen könnten.
39:53Geld kommt ja.
39:55Und mehr als 1.000 wird das ja nicht sein, die Rechnung.
39:57Ja, dann gebe ich Ihnen 150, denn unser Getränkemann kommt heute noch.
40:02Und der Boss ist noch nicht da, der muss sich auch immer alles gleich bezahlen.
40:05Ja, das müsste eigentlich reichen.
40:07Ich glaube auch, ja.
40:09Was haben wir zu zahlen für das Wasser?
40:101,90,3,20.
40:11Ja, das stimmt, stimmt das so.
40:14Ja, der ist aus dem Kahl.
40:15Das ist schön.
40:16Da gebe ich Ihnen das als 150 Mark zurück erhalten.
40:19Da gebe ich Ihnen das als Beleg quasi.
40:21Ja, alles gut.
40:22Ansonsten war es ja klar, also Sie haben es sich notiert, 20 Personen.
40:25Es steht im Buch.
40:26Es ist im Buch.
40:27Und so werden wir abgewählt, wenn das nicht funktioniert.
40:29Das wäre ich veranlassen.
40:29Im dritten Lokal kassieren Bernd Schröder und Hans P. Wunsch dann ebenfalls sehr schnell.
40:41Soll ich Sie noch irgendwie kratieren?
40:42Ich lasse Ihnen das, wenn Sie wollen, lasse ich Sie Ihnen da.
40:44Ich schreibe Ihnen, braucht 200 Mark erhalten.
40:45Ja, können wir dann abnehmen.
40:46Genau.
40:48Auch im vierten und letzten Versuch möchte die Wirtin gern das Geschäft mit dem Kegelverein machen.
40:53Sie zahlt.
40:54So, jetzt wollen Sie auch noch das Geld, nicht?
40:55Ja, ich kann Ihnen das gerne da lassen, wenn Sie wollen, den Beleg.
40:58Ja, lass es sagen.
40:58Ja, damit Sie, da wissen Sie genau, ja.
41:00Ich weiß es, ich weiß es, ich weiß es, ich weiß es, ich weiß es, ich weiß es, ich weiß es nicht.
41:02Äh, ja.
41:04Okay, gut.
41:05Dann sehen wir uns nächstes, also 19 Uhr hatten wir gesagt.
41:08Naja, hoffentlich quälte es einfach.
41:09Ja, wir sehen uns.
41:10Widerschauen, danke.
41:12Widerschauen.
41:15Eine Erklärung dafür, dass diese Masche so überraschend gut funktioniert hat, könnte sich natürlich hinter der Tatsache verbergen,
41:22dass größere Veranstaltungen, Betriebsfeste oder Vereinsfeiern heute nicht mehr so häufig sind
41:27und auch nicht mehr so üppig ausfallen, wie vielleicht noch vor drei oder vier Jahren.
41:32Da kommen die Gastwirte einem vermeintlich guten Kunden schon einmal entgegen, auch mit Bargeld.
41:38Ich glaube, und das ist wohl das Fazit für uns alle, das Experiment hat einmal mehr gezeigt,
41:43dass der Erfindungsreichtum von Gaunern und Kanoven nicht unterschätzt werden sollte.
41:47Und damit, danke fürs Zuschauen, auf Wiedersehen.