- vor 6 Monaten
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00:00Guten Abend meine Damen und Herren, Sie werden es vielleicht bemerkt haben, die Programmplanung hat uns einen neuen Sendetermin beschert.
00:07Zum ersten Mal seit mehreren Jahren wird diese Sendereihe wieder im Abendprogramm ausgestrahlt.
00:12Für viele Zuschauer sicher eine günstigere Zeit, um unsere Warnungen und Ratschläge zu verfolgen.
00:18Wie Sie an den Vorspannszenen gesehen haben, sind es wieder sehr unterschiedliche Maschen und Tricks, die wir Ihnen heute vorstellen.
00:24Gemeinsam ist Ihnen allerdings eins. Mit großer Raffinesse verstehen es Schwindler und Geschäftemacher, die Leichtgläubigkeit und die Unerfahrenheit ihrer Mitmenschen auszunutzen.
00:35Insbesondere in den Bereichen, in denen sich der Normalbürger recht wenig auskennt.
00:41Im ersten Beispiel gelingt es den Tätern sogar, ihre Opfer nicht nur übers Ohr zu hauen, sondern sie auch noch zu Komplizen bei ihrem Betrugsmanöver zu machen.
00:51Hast du auch alles? Geld, Medikamente, Krankenscheine?
00:55Mensch, den Krankenschein habe ich völlig vergessen. Der muss noch drin im Wohnzimmer sein.
00:59Warte, ich hole ihn dir.
01:01Walter Dreyer macht sich für einen Arztbesuch fertig.
01:05Er besitzt einen kleinen Aussiedlerhof in der Nähe einer niedersächsischen Gemeinde.
01:10Seit mehreren Jahren beschränkt sich sein Beitrag zur täglichen Arbeit auf dem Hof jedoch mehr auf leichte Beschäftigungen.
01:16Da ist er.
01:17Denn er leidet unter chronischem Asthma.
01:19Oh, das wird das Taxi-Seite. Ich habe es für halb zwei bestellt.
01:23Pünktlich für die Bundesbahn.
01:27Zwei- bis dreimal im Jahr muss Walter Dreyer zur Routinekontrolle zum Arzt.
01:32Da es ihm wegen der gelegentlich auftretenden Asthma-Anfälle zu gefährlich ist, selbst zu fahren, lässt er sich von einem Taxi abholen.
01:40Das Ehepaar Dreyer hat zwei erwachsene Kinder, die ebenfalls noch im Hause wohnen.
01:47Die Tochter Anna arbeitet als Lehrerin in der nahen Stadt.
01:51Ihr Bruder erledigt zusammen mit einem Gehilfen die landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Hof.
01:56Die Arztbesuche kosten Walter Dreyer jedes Mal einen halben Tag.
02:06Aber sie bieten dem aufgeschlossenen Landwirt auch die seltene Möglichkeit zum interessanten Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten.
02:14Auch diesmal findet Walter Dreyer schnell einen Gesprächspartner, der sogar an derselben Krankheit leidet.
02:24Bei mir hat es mit dem Asthma ja schon vor 20 Jahren angefangen.
02:29Haben Sie wenigstens einen Grund gefunden?
02:31Wahrscheinlich eine Allergie oder was Genaues weiß man dann nicht.
02:35Und bei Ihnen?
02:37Genauso.
02:39Auf einmal war es da.
02:40Naja, kommt ganz plötzlich.
02:42Zuerst habe ich ja noch an eine Erkältung gedacht.
02:45Ich habe meinen Brusttee getrunken.
02:47Aber als ich dann plötzlich fast am ersticken war, hat meine Frau den Notarzt gerufen und der hat mich dann aufgeklärt.
02:52Nachdem er mir erstmal eine gehörige Portion Sauerstoff verpasst hatte.
02:57Haben Sie auch Asthma-Liquid verschrieben bekommen?
03:00Naja, das kenne ich.
03:02Habe ich auch.
03:04Aber im Vertrauen, mir hilft das nicht.
03:08Ich schwöre auf was ganz anderes.
03:10Auf was denn?
03:11Ich habe mir eine Arznei aus Asien kommen lassen.
03:15Tropfen gegen Asthma.
03:16Die nehme ich jetzt schon seit einem halben Jahr.
03:18Und? Helfen die?
03:20Ich bin ja immer ein bisschen skeptisch bei so ausländischen Sachen.
03:25Man liest ja in der letzten Zeit sehr viel davon, aber eigentlich nichts Gutes.
03:30Sie denken jetzt wahrscheinlich an die Wunderheiler da auf den Philippinen.
03:34Nee, nee.
03:35Die Tropfen kommen aus Zeylon.
03:38Walter Dreyers Interesse an dem asiatischen Medikament wird umso größer, je mehr sein Gesprächspartner es lobt.
03:44Wie sich dann jedoch herausstellt, kann man nur auf Umwegen an das Mittel herankommen.
03:50Was man special weiß.
03:53Es ist auf rein pflanzlicher Basis hergestellt.
03:56Das kriegt man gar nicht hier in der Boteke.
03:57Das muss man direkt bestellen bei einem Arzt in Sri Lanka.
04:00Sri Lanka?
04:01Ja.
04:02Wo ist denn das?
04:03So heißt Zeylon heute.
04:06Was kostet sowas?
04:07Im Moment weiß ich das gar nicht so genau.
04:11Es ist natürlich schon etwas teurer als die Sachen, die man hier kauft.
04:13Herr Dreyer, bitte.
04:15Ja.
04:16Ich gebe mir mal meine Karte.
04:18Wenn Sie mich anrufen, dann gebe ich Ihnen die Adresse von dem Arzt durch.
04:20Ja, das ist nett.
04:21Ich glaube, ich habe sogar noch einen Bestellschein zu Hause.
04:24Vielen Dank.
04:25Bitte.
04:26Bitte.
04:26Vielen Dank.
04:56Und da bringt der Briefträger die Antwort.
04:59Guten Tag, Frau Dreyer.
05:00Ich habe hier ein paar Briefe für Sie.
05:01Da ist sogar ein Luftfaustbrief dabei.
05:03Luftfaust?
05:04Ja.
05:05Ah ja.
05:06Ja, der ist aus Sri Lanka.
05:08Da hat mein Mann nämlich was bestellt.
05:09Ach so?
05:10Aber ich dachte, das wäre ein Päckchen.
05:11Nee, ein Päckchen habe ich halt nicht dabei.
05:12Kommt vielleicht morgen mit.
05:13So, ich muss weiter, Frau Dreyer.
05:15Wiedersehen.
05:15Wiedersehen.
05:15Ja, meinst du nicht, wenn du die Liese da rausnimmst und dahinter stellst, dass du dann...
05:27Da ist ein Brief gekommen aus Sri Lanka.
05:29Aha, sind die Tropfen schon da?
05:31Nein, nur der Brief.
05:32Das ist ja alles in Englisch.
05:51Da verstehe ich ja kein Wort davon.
05:52Gott sei Dank, hier ist was in Deutsch.
05:57Scheint eine Gebrauchsanweisung zu sein.
06:02Also schon wieder in Englisch.
06:05Sieht nach Reklame aus.
06:07Die Anna, die kann uns das bestimmt übersetzen.
06:10Die muss ja bald aus der Schule kommen.
06:15Da steht, dass ihr jetzt erst mal bezahlen müsst.
06:17Und die das Medikament abschicken, wenn das Geld da ist.
06:20120 Dollar.
06:22Wie viel ist das denn?
06:24Also ein Dollar ist ungefähr 2,50 Mark.
06:27Das sind 240 Mark.
06:29Und nochmal die Hälfte von 120 sind 300 Mark.
06:32Ganz schön teuer, das Zeug.
06:34Tja.
06:35Naja.
06:37Ach, hier steht auch noch was mit dem Zoll.
06:39Das Mittel wird bei Ihnen mit dem Namen Skin Lotion No. 8 ankommen.
06:45Die Flasche enthält aber die bestellte Medizin Liquor Special.
06:50Geben Sie den Inhalt der Flasche.
06:52Bei Ihrem Zoll als Skin Lotion an und tauschen Sie dann das falsche Label, den falschen Aufkleber, gegen den beiliegenden richtigen aus.
07:02Ja, ist das also ein Aufkleber?
07:06Was heißt eigentlich Skin Lotion?
07:09Auf Deutsch Hautpflegemittel.
07:11Also ein Kosmetikartikel.
07:12Das ist aber komisch.
07:14Warum soll man denn was anderes angeben?
07:17Da wird man ja richtig zum Lügen aufgefordert.
07:19Naja, wahrscheinlich ist das wegen den Zollbestimmungen.
07:23Ich glaube, Arzneimittel dürfen überhaupt nicht eingeführt werden.
07:26Das mag ja sein.
07:28Aber es scheint zu funktionieren.
07:30Andere haben die Medizin ja auch.
07:32Du, ich weiß nicht.
07:33Ganz korrekt scheint es nicht zu sein.
07:35Aber wenn es doch hilft.
07:37Naja, wenn du meinst.
07:38Also, dann muss ich jetzt erstmal das Geld hinschicken.
07:42Und dann werden wir ja sehen.
07:45Ein paar Wochen später liegt dann auf dem Zollpostamt tatsächlich für Walter Dreyer ein Päckchen aus Sri Lanka zur Abholung bereit.
07:53Bitte schön.
07:54Guten Tag.
07:55Ich möchte hier dieses Päckchen abholen.
07:58Dürfte ich mal bitte Ihren Personalausweis sehen?
08:01Danke.
08:08So, gehen Sie bitte hier zum Ausgabescheiter.
08:10Der Kollege wird Sie weiter bedienen.
08:12Vielen Dank.
08:16Ja, bitte.
08:18Ich möchte das Päckchen abholen.
08:20Tja, Moment bitte.
08:22Walter Dreyer hat zum ersten Mal mit dem Zoll zu tun.
08:29Da er sich von dem Heilmittel eine Linderung seines Leidens erhofft,
08:32befolgt er die Anweisungen aus dem Luftpostbrief ziemlich genau.
08:36Das kommt aus Sri Lanka.
08:38Was ist denn da drin?
08:39So ein flüssiges Hautpflegemittel.
08:42Aha, Kosmetikartikel.
08:44Steht hier auf der Zollinhaltserklärung auch drauf für 120 Dollar.
08:48Tja, dann wollen wir mal sehen, ob das auch stimmt.
08:52Skin Lotion Nummer 8.
09:04Das, was das besteht, ist hier gar nicht angegeben.
09:07Ist in der Alkohol drin?
09:08Nein, glaube ich nicht.
09:10So viel ich weiß, ist das auf rein pflanzlicher Basis.
09:14Nee, Alkohol ist da nicht drin.
09:16Riecht süßlich, so ein bisschen nach Vanille.
09:20Sehen Sie.
09:22Dann kriege ich 84 Mark 34 von Ihnen.
09:32Was, wozu denn das?
09:3315 Prozent Einfuhrzoll, darauf dann noch die Mehrwertsteuer 13 Prozent.
09:38Ihr langt aber hin.
09:39Das sind die Zollvorschriften.
09:41Knapp 400 Mark hat Herr Dreyer damit für das Medikament ausgegeben.
09:47Und zunächst scheint es tatsächlich eine Linderung der Atembeschwerden zu bringen.
09:51Doch einige Wochen später hat Walter Dreyer erneut einen Asthmaanfall.
09:58Mitten in der Nacht muss seine Frau den Notarzt rufen, der auch sofort kommt und Herrn Dreyer behandelt.
10:06Aber der Atem geht noch sehr schwer.
10:14Fühlen Sie sich wieder etwas besser, Herr Dreyer?
10:15Geht schon wieder.
10:21Ich verschreibe Ihnen jetzt mal ein schnell wirkendes Medikament vor sich selber.
10:25Was nehmen Sie denn so?
10:29Haben Sie noch Asthma Liquid?
10:31Ja, da habe ich noch eine ganze Flasche.
10:34Was ist das denn hier?
10:35Das ist auch gegen Asthma.
10:37Habe ich mir aus Sri Lanka kommen lassen.
10:42Hilft hervorragend.
10:43Liquor Special.
10:44Ich glaube, ich habe da neulich was in einer Fachzeitschrift gelesen.
10:49Seit wann nehmen Sie das schon?
10:51Seit Januar.
10:54Was halten Sie davon?
10:56Nicht viel.
10:56Wenn ich mich recht erinnere, ist das eine Mischung aus Cortison und verschiedenen Pflanzenderivaten.
11:02Und ist das nicht gut?
11:04Ich würde zu größter Vorsicht raten.
11:07Es mag am Anfang zwar gut sein gegen Asthma,
11:09aber wegen der hohen Dosis Cortison ist es bei uns in Deutschland gar nicht zugelassen.
11:14Warum denn nicht, wenn es so gut wirkt?
11:19Es hat ganz gravierende Nebenwirkungen.
11:22Bei längerer Einnahme kann zum Beispiel die Nebennierenrinde geschädigt werden.
11:26Und das hat dann verheerende Auswirkungen auf den Wasserhaushalt.
11:30Weiß denn Ihr Hausarzt, dass Sie das nehmen?
11:32Nein.
11:35Das habe ich von einem Bekannten empfohlen bekommen.
11:38Das habe ich mir gedacht.
11:40Also wenn überhaupt, sollte man das nur unter strengste ärztliche Aufsicht nehmen.
11:44Abgesehen davon sind diese ausländischen Sachen auch viel zu teuer.
11:48Warum haben Sie eigentlich Ihren Arzt nicht vorher zumindest gefragt?
11:53Der Hausarzt hätte seinen Patienten sicher sofort von dem asiatischen Arzneimittel abgeraten.
11:58Es gibt immerhin drei gute Gründe dafür.
12:01Erstens kann dieses Medikament, wie Sie gehört haben, zu ganz beträchtlichen Nebenwirkungen führen.
12:06Zweitens ist es viel zu teuer.
12:09Und drittens schließlich ist die Einfuhr von Arzneimitteln in die Bundesrepublik genehmigungspflichtig.
12:15Der Arzt in Sri Lanka stiftet seine Kunden somit zu strafbaren Handlungen an,
12:20die saftige Geldbußen, unter Umständen sogar Freiheitsstrafe zur Folge haben können.
12:24Nun aber zu unserem nächsten Beispiel.
12:30Wie so oft wird auch hier dem Betroffenen zunächst einmal etwas vorgegaukelt.
12:34Die Vision vom großen, schnell verdienten Geld.
12:38Mensch Kinder, ist das eine Luft heute.
12:40Fantastisch.
12:41Also, auf geht's wieder.
12:42Keine Möglichkeit.
12:43Der Münchner Arzt Dr. Franz Baumann und seine Frau Vera haben bei einem kurzen Winterurlaub
12:52in den Bayerischen Bergen eine neue Bekanntschaft gemacht.
12:55Brigitte und Jochen Siebner aus Frankfurt.
12:58Dr. Baumann, ein begeisterter und routinierter Skifahrer, besitzt in München eine gutgehende
13:03Praxis für Allgemeinmedizin und Homöopathie.
13:07Brigitte Siebner, eine attraktive junge Frau, ist eine gute und ausgesprochen mutige Skiläuferin,
13:12so dass sich nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen beeindruckt nach ihr Umdrehen.
13:19Vera Baumann, die Frau des Münchner Arztes, ist bei den Abfahrten etwas mehr auf Sicherheit bedacht.
13:25Sie hat im vergangenen Winter einen leichten Skiunfall gehabt und möchte seitdem nichts mehr riskieren.
13:31Jochen Siebner, der ebenfalls einen eher bedächtigen Stil fährt, hat sich bei seinen neuen Bekannten
13:36als Diplomingenieur vorgestellt.
13:38Er glänzt vor allem durch schlagfertige Redegewandtheit und abends an der Bar durch spendierfreudige Geselligkeit.
13:45Das war wirklich ein klasse Tag heute.
14:11Wer hat das allen gut getan?
14:13Ja, wenn du das sagst als Mediziner, dann muss es ja was tun.
14:17Dann haben wir uns sicher auch einen anständigen Schluck verdient.
14:20Wichtig.
14:20Kommt ihr mit an die Bar?
14:22Also ich nicht, ich freue mich jetzt auf ein heißes Bad.
14:24Auch wenn du rauf gehst, dann gehe ich auch nicht mehr.
14:26Ihr Männer habt durchaus sicher alleine was zu erzählen.
14:29Ich denke schon.
14:31Also Franz, packen wir es.
14:32Packen wir es ja an.
14:32Bei einem persönlichen Gespräch zwischen den beiden Männern zeigt sich Jochen Siebner plötzlich von einer ganz neuen Seite.
14:42Mit ungewohntem Ernst gesteht er dem Münchner Arzt, dass ihn eine große Sorge drückt.
14:47Weißt du, es ist ganz gut, dass wir mal allein sind.
14:51Ich wollte dich die ganzen Tage schon mal um einen Rat fragen.
14:54Wegen meiner Frau.
14:55Wegen deiner Frau?
14:57Was ist mit Brigitte?
14:58Ich glaube, sie übernimmt sich.
15:01So forsch wie sie sich gibt, das ist sie nicht.
15:03Im Gegenteil, sobald sie zu Hause ist, baut sie total ab.
15:06Würdest du sie nicht wiedererkennen?
15:08War sie schon mal beim Arzt deswegen?
15:09Nein, das ist es ja gerade.
15:11Sie klagt über allerlei Beschwerden, aber wenn ich sage, jetzt gehst du mal zum Arzt, dann bockt sie.
15:16Ja, das gibt's.
15:18Aber das muss ich doch überwinden lassen.
15:19Ich habe mir halt gedacht, nachdem ich euch kennengelernt habe...
15:24Und ich Arzt bin, dass ich sie mir mal ansehe.
15:26Ja.
15:27Nur weiß ich nicht, wie wir es anstellen sollen.
15:30Ja, ich rede halt mit ihr und versuche, dass sie zu mir in die Praxis kommt.
15:33Ihr wolltet doch sowieso auf eurer Rückreise in München Station machen.
15:37Danke.
15:38Hoffentlich hast du Glück, dass sie es tut.
15:41Also, der Blutdruck ist auch in Ordnung.
15:47Ausgesprochen gut sogar.
15:49Na, Gott sei Dank.
15:51So.
15:53Kannst du jetzt wieder anziehen?
15:53Brigitte Siebner hat sich dann, wieder erwarten, doch nicht weiter gesträubt,
15:57auf der Rückreise den Münchner Arzt aufzusuchen.
16:01Dr. Baumann kann jedoch auf Anhieb keinen Krankheitsbefund feststellen.
16:05Wir müssen natürlich noch die Laborwerte abwarten, aber ich glaube nicht, dass da noch was nachkommt.
16:11Da wird sich der Jochen bestimmt noch mehr freuen als ich.
16:14Der hat ja schon gedacht, weiß Gott, Wunder, was ich habe.
16:16Wo ist er denn jetzt?
16:18Im Hotel.
16:18Er hat eine Besprechung und heute Abend hat er noch einen geschäftlichen Termin.
16:21Ja, ja, die Vera hat mir schon erzählt, dass ihr beiden Frauen heute Abend allein ins Theater geht.
16:25Bei mir klappt es leider auch nicht.
16:28Damit müssen wir uns wohl abfinden, dass ihr Männer nie Zeit fürs Privatleben habt.
16:31Sag ihm doch, er soll mich anrufen.
16:33Vielleicht können wir es beide einrichten, dass wir euch nach der Vorstellung abholen.
16:36Mach ich.
16:37Es wird bestimmt nett.
16:38So, jetzt muss ich leider weitermachen.
16:40Also, tschüss dann.
16:42Wiedersehen und grüß schon inzwischen.
16:43Bis heute Abend.
16:48Während die beiden Frauen im Theater sind, kommt es dann zu einem Treffen zwischen Jochen Siebner und Dr. Baumann.
16:53Den geschäftlichen Termin am Abend haben die Männer nur vorgegeben, um sich ungestört über das Ergebnis der Untersuchung unterhalten zu können.
17:02Ich zahle dann die Rednerin.
17:04Guten Abend.
17:04Danke.
17:05Schon länger gewartet?
17:06Nicht so schlimm.
17:08Komm, wollen wir uns da rübersetzen?
17:09Ja.
17:10Braucht ja nicht jeder zuzuhören.
17:12In Ordnung.
17:14Du, ich will dich zwar nicht drängen, aber sag mir bitte gleich, was mit Brigitte los ist.
17:19Ich meine ganz ehrlich, ich bin ein Mensch, der die Wahrheit sagt und auch die Wahrheit hören.
17:23Kein Grund zur Aufregung.
17:25Ich kann dich beruhigen.
17:26Deiner Frau fehlt nichts.
17:28Im Gegenteil.
17:29Alle Werte sind ausgesprochen gut.
17:32Aber, wieso hat sie dann immer so abgebaut?
17:36Das mag eine kurze Störung gewesen sein.
17:38So was gibt's.
17:40Zur Zeit ist es jedenfalls völlig okay.
17:42Mein Gott, du, da bin ich aber erleichtert.
17:44Ich habe mir ehrlich Sorgen gemacht.
17:47Du, das müssen wir begießen.
17:48Herr Ober, eine Flasche Champagner.
17:51Wir haben was zu feiern.
17:52Ist du doch recht.
17:53Sicher.
17:54Den besten, den Sie haben und ein paar Appetit-Tappen dazu.
17:56Sie wissen schon.
17:57Ja, natürlich.
17:58Jochen Siebner hat sich auch bei früheren Gelegenheiten recht spendabel gezeigt.
18:02Der Arzt weiß, dass sein neuer Bekannter dazu neigt, das Geld mit vollen Händen auszugeben.
18:07Er muss es, so schließt Franz Baumann daraus, relativ leicht verdienen.
18:12Heute könnte ich das Ganze lokal einladen.
18:14Ja, jetzt übertreib mal nicht.
18:17Ja, danke.
18:18Nein, wirklich, Franz.
18:19Ich bin so froh, dass du die Brigitte dazu gebracht hast, sich untersuchen zu lassen.
18:23Und dass nun auch noch alles okay ist.
18:27Ich möchte dir irgendwas Gutes tun.
18:32So, danke.
18:34Also dann erst mal Prost.
18:35Ich kann mir zwar denken, dass es dir bei der Praxis finanziell nicht schlecht geht,
18:47aber wie wäre es denn?
18:49Würden dir ein paar leicht verdiente Tausende nicht trotzdem Freude machen?
18:52Tumme Frage.
18:53Wer wird da schon Nein sagen?
18:54Gut, dann lass ich dich bei mir mitfahren.
18:56Von nächster Woche an.
18:58Was mitfahren?
18:59Was meinst du damit?
19:01Mein Totesystem.
19:04Totesystem?
19:04Willst du mich auf den Arm nehmen?
19:06Nein, im Ernst.
19:08Oder wovon glaubst du, lebe ich so gut?
19:10Sag bloß vom Toten.
19:11Erzähl mir ja nicht, du hast ein todsicheres System.
19:13Ja, so ist es, mein Lieber.
19:15Ich bin keine Spieler Natur.
19:17Ich auch nicht.
19:18Aber ich mache das eben mit System und Verstand.
19:21Hier, schau her.
19:22Das sind die Gewinne von den letzten Wochen.
19:246.000 Mark, 4.500, 8.000 und hier 10.000 Mark.
19:36Glaubst du es nun?
19:37Das gibt's doch nicht.
19:40Doch.
19:41Und das ist erst der Anfang.
19:44Die dicken Fische, die kommen erst.
19:48Wir freuen uns, dass Sie mit Ihrem Spielabschnitt oben angegebene Summe gewonnen haben.
19:52Hierzu sprechen wir Ihnen unsere herzlichen Glückwünsche aus.
19:54Und was glaubst du wohl, um was für eine Summe es sich anmacht?
19:57Hier.
19:5975.000 Mark.
20:01Und jetzt mein bestes Stück.
20:04120.000 Mark.
20:07Und das alles in den letzten zwei Monaten.
20:10So kannst du die Daten ansehen.
20:13So was.
20:15Das ist ja ein tolles Ding.
20:17Und du meinst, ich könnte da auch mitmachen?
20:20Normalerweise nutzt man ein gutes System natürlich nur für sich selbst, aber
20:23du hast mir so geholfen.
20:25Und mich so erleichtert.
20:27Da würde ich eine Ausnahme machen.
20:29Und wie ginge das?
20:31Du brauchst mir nur zu sagen, wie viel du einsetzen willst.
20:34Den Rest mache ich dann schon.
20:36Also, das muss ich mir jetzt doch überlegen.
20:40Was willst du setzen?
20:415.000 Mark, 8.000.
20:43Hoppla, hoppla, nicht so schnell.
20:45Nichts für ungut, aber wir wollten morgen zurückfahren nach Frankfurt.
20:49Na gut.
20:49Wie wäre es, wenn du vor eurer Abreise auf einen Sprung in meine Praxis kommst?
20:53In Ordnung.
20:55Dann können wir jetzt ausdringen und dann die Damen vom Theater abholen.
20:58Hier sind 2.000 Mark.
21:08Mehr möchte ich für den Anfang nicht riskieren.
21:09Das verstehe ich, mein Freund.
21:10Aber du brauchst dir keine Gedanken zu machen.
21:13Da hole ich trotzdem ganz schön was raus für dich.
21:16So, jetzt muss ich mich aber beeilen.
21:18Brigitte ist sicher schon unruhig.
21:19Die steht unten im Parkverbot.
21:21Wiedersehen, Jo.
21:23Komm gut heim.
21:23Mach's gut.
21:24Grüß Vera von mir.
21:25Und wie gesagt, ich rufe dich gleich an, wenn ich weiß, wie viel du kriegst.
21:28Ja, sicher.
21:28Das ist noch klar.
21:30Nachdem sich Dr. Baumann dann tatsächlich mit 2.000 Mark an dem angebotenen TOTOSystem beteiligt hat,
21:36erlebt er zunächst einige Tage voller neuer Zweifel.
21:47Dann aber wird auch er von der Qualität des geheimnisvollen Systems überzeugt.
21:52Vera, jetzt kann ich endlich dein Wirtschaftsgeld aufbessern.
22:02Ich hab 500 Mark gewonnen.
22:04Wieso denn das?
22:05Ja, mit dem Jochen.
22:07Der hatte ein sicheres TOTOSystem.
22:09Dem hab ich 2.000 Mark mitgegeben und jetzt hab ich die ersten 500 gewonnen.
22:12Was?
22:13Du spielst TOTO?
22:15Da staunst du, was?
22:16Wenn das so weitergeht, werde ich meinen Einsatz vielleicht sogar erhöhen.
22:19In den folgenden Monaten hat der Münchner Arzt seinen Einsatz mehrfach erhöht.
22:25Und er hat auch stets über den Einsatz hinaus gewonnen.
22:31Gelegentlich hat ihm Jochen Siebner die Gewinne sogar persönlich ausgezahlt.
22:35So ist seine anfängliche Skepsis völlig abgebaut,
22:38als ihm sein Wettpartner schließlich vorschlägt,
22:41nun endlich das ganz große Geschäft zu machen.
22:43Also, die Konstellation ist nicht oft so günstig.
22:48Das gibt eine Gewinnquote von mindestens 60 Prozent.
22:51Wenn wir da jeder mit 400.000 Mark reingehen, dann...
22:54400.000 Mark?
22:55Wie stellst du dir das vor? Die hab ich nicht rumliegt.
22:57Die Bank gibt dir das doch für die paar Wochen.
23:00Wie hoch sagst du? 60 Prozent?
23:02Ja.
23:03Das sind 240.000 Mark.
23:05So schnell kannst du das mit deiner Praxis nicht verdienen.
23:08Da hast du schon recht.
23:09Also, wie ist es?
23:11Na gut, ich bin dabei.
23:14Ich schreib dir einen Check aus.
23:16Ruf morgen früh die Bank an, dann kannst du ihn einlösen.
23:31Sie werden es sich denken können, meine Damen und Herren.
23:34Diesmal ist der frühere Ski- und spätere Wettkamerad
23:37mit den 400.000 Mark auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
23:40Der Arzt, der seine Praxis in Wirklichkeit natürlich in einer anderen Stadt hat,
23:45ist nicht der Einzige, der von diesem Betrügerpärchen hereingelegt worden ist.
23:49Hausfrauen, Handwerksmeister und Topmanager aus der Wirtschaft
23:51sind den beiden auf den Leim gegangen.
23:55Der attraktiven Frau des Betrügers war dabei stets die Rolle zugedacht,
23:59Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu bekunden.
24:01Oder, wie im Falle des Arztes, eine Situation herbeizuführen,
24:04in der der Gauner so tun konnte, als fühle er sich zu besonderem Dank verpflichtet.
24:10Zur Klarstellung vielleicht noch Folgendes.
24:13Es gibt durchaus Systemwetten.
24:15Die Lotto-Gesellschaften haben auch welche im Angebot,
24:17die durch größere Einsätze entsprechend mehr Spiele
24:20und damit mehr Gewinnmöglichkeiten erfassen.
24:23Im gleichen Verhältnis hierzu steht aber das Risiko des Einsatzverlustes.
24:28Was es aber effektiv nicht gibt, sind Wettsysteme mit einer wie auch immer gearteten Gewinngarantie.
24:35An dieser ernüchternden Wahrheit führt kein Weg vorbei,
24:38auch wenn von hoffnungsvollen Spielernaturen oder, wie in unserem Fall, von Betrügern
24:43immer wieder einmal das Gegenteil behauptet wird.
24:46Unsere aktuelle Kurzwarnung steht heute ganz im Zeichen der allgemeinen Wirtschaftssituation.
24:52Zwei Millionen Arbeitslose, eine Million Kurzarbeiter,
24:55das bedeutet unter anderem auch gute Chancen für zwei spezielle Sorten von Betrügern.
25:00Für die unseriösen Vermittler von Heim- und Nebenverdiensten
25:03und für betrügerische Kreditvermittler.
25:07Eine angeblich in Genf einsässige Firma mit dem schönen Namen
25:10Kontinentale Europäische Kredit- und Leasing AG
25:14verschickte in den vergangenen Wochen und Monaten zum Beispiel
25:17viele tausend solcher vorgedruckter Kreditangebote
25:20an Privatpersonen hier in der ganzen Bundesrepublik.
25:23Großzügig werden darin Darlehen und Kredite bis zu 60.000 Mark
25:28zu einem super Zinssatz angeboten.
25:30Und dann als besondere Überraschung der Köder,
25:34es geht angeblich ohne Schufa,
25:37ohne Rückfragen beim Arbeitgeber,
25:39ohne Bürgen.
25:41Lediglich eine Bearbeitungsgebühr von 50 Mark
25:43sei notwendig, um an das gewünschte Geld
25:45zu den guten Konditionen zu kommen.
25:48Keiner, der diese 50 Mark gezahlt hat,
25:50hat jedoch bis heute einen Kredit erhalten.
25:53Den Hintermännern der groß eingelegten Schwindelaktion
25:55kommt es offensichtlich nur auf die Bearbeitungsgebühr an.
25:59Interpol Schweiz hat dem BKA nämlich mitgeteilt,
26:02dass die Firma unter der angegebenen Adresse in Genf
26:04überhaupt nicht existiert.
26:08Massenweise wird jetzt in den Zeitungen,
26:11versteckt unter den Stellenangeboten,
26:13auch wieder Nebenverdienst und Heimarbeit angeboten.
26:15Wenn man sich auf so eine Anzeige meldet,
26:17dann bekommt man in aller Regel wertlose Ratschläge,
26:21wie zum Beispiel in dieser Broschüre.
26:24Verschickt per Nachnahme zum Preis von 30 Mark.
26:28Ein wirklicher Nebenverdienst ist darin nicht angeboten.
26:32Lediglich die Anschriften von Firmen,
26:34die ihrerseits Nebenverdienste versprechen,
26:37aber erst gegen weitere Gebühr
26:39Informationsmaterial schicken wollen.
26:41Wenn man sich darauf einlässt
26:43und bei einer dieser Firmen bestellt,
26:45bekommt man mit ziemlicher Sicherheit
26:47ebenfalls nur wertloses Papier,
26:49aber keinen Nebenjob.
26:52Die nächste Warnung,
26:53die wir wieder etwas umfassender
26:55mit den Erlebnissen eines Betroffenen untermauern wollen,
26:58ist zwar auch von brennender Aktualität,
27:00allerdings nicht erst seit wenigen Wochen,
27:02sondern schon seit Jahren.
27:04Eingefangen werden mit dieser Masche
27:06vor allem junge Menschen,
27:08die von Zweifeln am Sinn des Lebens
27:10und von inneren Unsicherheiten geplagt werden.
27:13Die Geschäftemacher,
27:14die das mangelnde Selbstvertrauen
27:16dieser jungen Menschen ausnutzen,
27:17sind im weitesten Sinne
27:19zu der überall wuchernden Sektenbewegung zu zählen.
27:23Das vor allem deshalb,
27:24weil sie sich selbst
27:25um einen betont religiösen Anstrich bemühen.
27:28Wenn man genau hinsieht,
27:30geht es aber eigentlich nur
27:31um den Absatz von pseudowissenschaftlichen Büchern
27:33und fragwürdigen Schulungskursen.
27:40Werner Lachmann ist 24 Jahre alt
27:48und arbeitet schon seit seiner Lehrzeit
27:50als Speditionskaufmann
27:51in einer Frankfurter Firma.
27:54Bei den Kollegen ist er zwar sehr geschätzt,
27:56aber sie beobachten,
27:58dass er in neuerer Zeit
27:59im Umgang mit schwierigen Kunden
28:00leicht die Geduld verliert.
28:02Aber das ist doch Unsinn, Herr Hansen.
28:05Ich kann doch nicht hell sehen.
28:06Ich kann Ihnen nur sagen,
28:07der Wagen ist unterwegs.
28:09Wie?
28:10Ja, das habe ich Ihnen doch gesagt.
28:11Er wird bestimmt
28:11zum vereinbarten Zeitpunkt da sein.
28:14Ja.
28:14Auf Wiedersehen, Herr Hansen.
28:17Ich halte das nur aus,
28:18dieser ewige Schwachsinn.
28:21Über jeden Dreck regen sich die Leute auf,
28:23als ob es nichts Wichtigeres gäbe.
28:24Das dürfen Sie nicht so eng sehen.
28:26Es denkt halt jeder
28:26nur an seine eigenen Probleme.
28:28Ja, das ist es ja.
28:29Aber was wirklich alle angehen sollte,
28:31das kümmert die Leute nicht.
28:35Werner Lachmann gehört zu jenen jungen Menschen,
28:38die mit der Monotonie ihres Alltags unzufrieden
28:40und deshalb wachsenden Zweifeln
28:43am Sinn ihres Lebens ausgesetzt sind.
28:46Also ich könnte so nicht leben.
28:49Auch mit seiner Freundin Susanne Seliger
28:51kommt es deshalb immer öfter zu Spannungen.
28:54Das Mädchen arbeitet als Verkäuferin
28:56und wartet nach Feierabend,
28:58meist in der Nähe ihres Geschäftes,
28:59in der Fußgängerzone auf Werner Lachmann.
29:04Hallo.
29:05Wie geht's denn?
29:07Du guckst ja so finster.
29:08Hast du Ärger gehabt?
29:09Ach was Ärger.
29:10Es ist halt immer wieder derselbe Mist.
29:12Na, spuck schon aus.
29:13Weißt du, das bringt ja doch nichts.
29:15Wo wollen wir hingehen?
29:16Mit der Naune.
29:16Das Schlimme ist,
29:17dass ich den Leuten nie meine Meinung sagen kann.
29:19Das verstehe ich nun gar nicht.
29:20Quatschen immer so kariert daher.
29:22Da komme ich immer erst hinterher drauf,
29:23wenn es zu spät ist,
29:24was ich eigentlich sagen wollte.
29:25Ach komm, hör doch auf.
29:26Das geht doch jedem mal so.
29:28Jetzt gehen wir erst mal eine Pizza essen.
29:30Werner Lachmann ist nicht nur
29:31mit vielen seiner Zeitgenossen unzufrieden,
29:34sondern auch mit sich selbst.
29:36Vor allem leidet er darunter,
29:37im entscheidenden Augenblick
29:39oft nicht die richtigen Worte zu finden.
29:42So ist er ein besonders gut geeigneter Kandidat
29:44für einen jungen Mann,
29:45der mitten in der Fußgängerzone
29:47ein interessant erscheinendes Angebot zu machen hat.
29:50Darf ich Sie einladen
29:51zu einem kostenlosen Persönlichkeitstest?
29:55Persönlichkeitstest?
29:56Was ist das denn?
29:56Da können Sie prüfen,
29:57wie es in Ihnen aussieht
29:59und ob Sie Probleme haben
30:00und wie Sie sie lösen können.
30:02Komm, lass uns weitergehen.
30:03Nee, das ist vielleicht gar nicht so blöd.
30:06Und kostet ja nicht.
30:08Eben.
30:09Da würde ich ruhig mitmachen.
30:11Denn nur wenn Sie sich selbst kennen,
30:13lösen Sie Ihre Probleme.
30:15Ja, und wie geht das?
30:16Sie brauchen das hier nur auszufüllen.
30:19Das können Sie in aller Ruhe zu Hause machen
30:20und bringen es dann in unserem Büro vorbei.
30:23Ja, und das ist wirklich kostenlos?
30:25Ja, selbstverständlich.
30:27Werner Lachmanns Interesse ist geweckt.
30:30Er hat kaum eine Chance zu erkennen,
30:32dass es den Veranstaltern
30:33des sogenannten Persönlichkeitstestes
30:35nur darauf ankommt,
30:37Menschen einzufangen,
30:38die sie für ihre weiteren Pläne
30:40für geeignet halten.
30:42Wir wollen uns mit diesem Test
30:43ein Bild von den Menschen machen.
30:45Wenige Tage später sitzt er dann
30:47mit dem ausgefüllten Formular
30:48einem Mann gegenüber,
30:50der sich betont religiös gibt.
30:53Er hat sich als Beauftragter
30:54einer internationalen Glaubensgemeinschaft
30:56vorgestellt und versteht es,
30:58auf den jungen Speditionskaufmann
31:00einen ausgesprochen sympathischen
31:02und überzeugenden Eindruck zu machen.
31:04Tja, Ihre Antworten, Herr Lachmann,
31:11vermitteln mir ein recht typisches Bild.
31:14Sie sind sehr idealistisch
31:16und aufnahmefähig,
31:18im Grunde genommen aber
31:19etwas zu gut für diese harte Welt.
31:22Ja, wissen Sie,
31:24mir fallen die richtigen Worte
31:25halt immer zu spät ein
31:27und das ärgert mich dann.
31:29Ja, ja.
31:30Das ergibt sich hier auch
31:32aus dem Test.
31:35Es fehlt Ihnen etwas an
31:36Selbstsicherheit
31:38und innerer Überlegenheit.
31:41Aber da können wir Ihnen
31:43bei Ihren positiven Grundanlagen
31:46selbstverständlich helfen.
31:48Glauben Sie?
31:50Aber ihr wisst doch, Herr Lachmann,
31:52sehen Sie,
31:54wir kümmern uns wirklich
31:56um die Seele der Menschen
31:57und nicht um ihre
31:59oberflächliche äußere Schale.
32:02Der Geist, wissen Sie,
32:05ist nämlich alles.
32:07Wenn er klar ist
32:08und aufgebaut wird,
32:10kann er den Körper
32:11total beherrschen.
32:14Ehrlich?
32:15Sie müssen nur wollen.
32:17Und Sie wollen doch, oder?
32:18Ja, ja, das schon, ja.
32:20Sehen Sie,
32:21da haben Sie schon gewonnen.
32:23Das ist der erste Schritt
32:24zu Ihrer neuen
32:26inneren Sicherheit.
32:28Ich rate Ihnen,
32:30an unserem Kommunikationskurs
32:31teilzunehmen.
32:32Der hilft Ihnen bestimmt weiter,
32:34so wie ich Sie einschätze.
32:36Ein Kurs?
32:38Und kostet das was?
32:40Nun, das schon.
32:41Aber das ist nicht
32:42der Rede wert.
32:43Bei dem inneren Fortschritt,
32:45den Sie dabei erreichen,
32:47620 Mark.
32:48Ja, das ist aber schon,
32:51eine ganze Menge Geld.
32:53Na gut.
32:54Aber im nächsten Monat
32:55wird er um 5% teurer.
32:57Sie sollten sich schnell
32:58entschließen.
33:00Bedenken Sie,
33:00den ersten Schritt
33:01haben Sie doch schon getan.
33:02Ja, aber...
33:03Ich helfe Ihnen gleich
33:04beim Ausfüllen des Antrages.
33:05Der Beauftragte der
33:06Pseudoreligiösen Gemeinschaft
33:08weiß, wie er junge Menschen
33:09in der Situation
33:10Werner Lachmanns
33:11ansprechen muss.
33:15Es fällt ihm nicht schwer,
33:16seinen Besucher
33:17zur Unterschrift zu bewegen,
33:19die gleichzeitig
33:19die Beitrittserklärung
33:21zu der sektenartigen
33:22Vereinigung
33:23bedeutet.
33:23Am Ende unseres Kurses
33:34werden Sie feststellen,
33:36wie sehr Sie an
33:36Überlegenheit gewonnen haben.
33:39Sie werden merken,
33:40dass Ihr Geist Sie in die Lage
33:41versetzt,
33:42alle Ihre Probleme
33:43spielen zu lösen.
33:45Sie befinden sich dann
33:46auf der ersten Stufe
33:47zu einem neuen,
33:48ausgefüllten Dasein.
33:50Ihre eigene Welt
33:50wird Licht und schön.
33:51Der sogenannte
33:53Kommunikationskurs,
33:54den Werner Lachmann,
33:56sowie alle anderen
33:56Teilnehmer auch,
33:57vor Beginn bezahlen musste,
33:59entpuppt sich als
34:00Aneinanderreihung
34:01hochtrabender Phrasen.
34:04Den meisten Teilnehmern
34:05ist es jedoch zunächst
34:06nicht möglich,
34:07dies zu erfassen.
34:08Ihr Wille,
34:09zu neuen Erkenntnissen
34:10zu kommen,
34:11ist größer
34:12als Ihre
34:12natürliche Skepsis.
34:16Auch dann,
34:18als der Heilslehrer
34:19neue Geldausgaben
34:20ankündigt.
34:21reiten können.
34:23Und auch eine weitere
34:24große Hilfe kann ich Ihnen
34:25bieten.
34:26Der Weg zu Ihrem
34:27neuen Dasein
34:28wird sehr viel leichter,
34:30wenn Sie die Schriften
34:31unseres großen
34:31Lehrers
34:32und Missionars
34:33studieren.
34:34Was kosten die denn?
34:36Das Grundlagenwerk
34:37unserer Gemeinschaft
34:39kostet 55 Mark.
34:41Und dieses Buch hier,
34:43Der Weg zum
34:44Höheren Sein,
34:45kommt auf 125 Mark.
34:47Warum sind die Bücher
34:48denn so teuer?
34:50Um das Kursziel
34:50nicht zu gefährden,
34:52greifen alle Teilnehmer
34:52noch einmal in die Tasche
34:54und kaufen
34:55die teuren Bücher.
34:57In den folgenden
34:58Wochen opfert
34:59Werner Lachmann
35:00für das Studium
35:00dieser Bücher
35:01seine ganze Freizeit.
35:03Immer in dem Glauben,
35:05zu größerer
35:05Selbstsicherheit
35:06und damit letztlich
35:07auch zu beruflichem
35:08Erfolg zu kommen.
35:09Du, jetzt habe ich
35:17aber keine Lust mehr,
35:18bei so schönem
35:19Wetter daheim zu hocken.
35:20Wenn ich das
35:21jetzt hier nicht
35:21durcharbeite,
35:22habe ich das ganze
35:22Geld aus dem Fenster
35:23geschmissen.
35:24Na, wenn schon.
35:25Du willst doch auch,
35:26dass ich weiterkomme.
35:27Schon?
35:28Aber ob das
35:29der richtige Weg ist?
35:30Bestimmt,
35:30verlass dich drauf.
35:32Es dauert ja auch
35:32nicht mehr lange,
35:33da bin ich fertig
35:33mit dem Kurs.
35:37Noch bevor der Kurs
35:38beendet ist,
35:39wird Werner Lachmann
35:40dann aber von dem
35:41freundlichen und
35:42überzeugend sprechenden
35:43Beauftragten der
35:44Glaubensgemeinschaft
35:45auf die nächsthöhere
35:47Stufe seiner
35:48vermeintlichen
35:48Entwicklung eingestimmt.
35:50Überlassen wir nicht
35:50einfach sich selbst.
35:53Wenn Sie jetzt
35:54aufgeben würden,
35:55das wäre wirklich
35:56eine Sünde,
35:57Herr Lachmann.
35:59Sie haben doch
36:00die erste Ebene
36:00der Klarheit
36:01mit Leichtigkeit
36:02erreicht.
36:04Die Brücke
36:05zum Glück
36:06und zu ihrer
36:07inneren
36:08Sicherheit
36:08liegt vor Ihnen.
36:10Sie sind doch
36:11jetzt schon
36:11ein ganz anderer
36:12Mensch geworden.
36:13Wollen Sie
36:13das alles
36:14wieder aufgeben?
36:15Nein,
36:16das natürlich
36:17nicht.
36:18Ich fühle ja auch,
36:19dass ich mich
36:20jetzt schon
36:20sehr viel leichter
36:21tue.
36:21Na,
36:21sehen Sie.
36:22Aber die
36:246.000 Mark
36:24für den nächsten
36:25Kurs,
36:26wo soll ich die
36:27denn hernehmen?
36:27Aber das ist
36:28doch eine
36:28Kleinigkeit.
36:29Sie verdienen
36:30doch nicht schlecht.
36:31Da kriegen Sie
36:32jederzeit Kredit.
36:34Ein Kredit?
36:35Sicher.
36:35Von Ihnen,
36:36von der
36:36Überlebensgemeinde?
36:37Nein,
36:38das natürlich
36:38nicht.
36:39Aber wir
36:39kennen Bankinstitute,
36:41die Ihnen
36:41sofort ein paar
36:42tausend
36:42Macht geben.
36:44Die sind
36:44unserer Gemeinde
36:45sehr verbunden
36:45und haben
36:46schon vielen
36:47jungen Menschen
36:47geholfen.
36:48Ja,
36:49und Sie meinen,
36:50das wäre
36:50wirklich möglich?
36:51Aber sicher.
36:53Wir lassen doch
36:53einen Mitglied
36:54unserer Gemeinde
36:55nicht im Stich.
36:55Der Manager
36:56der Sektor
36:57hat Kontakt
36:58zu einem
36:58Kreditbüro.
37:00Da sich
37:00Werner Lachmann
37:00nach wie vor
37:01an die Hoffnung
37:02auf ein
37:03ausgefüllteres
37:04Leben
37:04klammert,
37:05nimmt er
37:06den
37:06angebotenen
37:06Kredit
37:07an,
37:08ohne sich
37:08an den
37:08hohen
37:09Zinsen
37:09und den
37:10Tilgungsverpflichtungen
37:11zu stören.
37:12Sehen Sie,
37:13Herr Lachmann,
37:13das geht bei uns
37:13ganz unbürokratisch.
37:15Wenn Sie
37:15wieder mal was
37:15brauchen,
37:16wir sind
37:17immer für Sie
37:17da.
37:17Ja,
37:18danke.
37:19Das ist ja
37:20wirklich leichter
37:21gegangen,
37:21als ich gedacht
37:21habe.
37:22Wunderbar,
37:23Herr Lachmann,
37:24schon ist
37:25der Kurs
37:25bezahlt.
37:27Es ist
37:28unglaublich,
37:29meine Damen und
37:29Herren,
37:29aber es ist
37:30leider die
37:30Realität
37:31unserer Tage.
37:32Viele,
37:32meist junge
37:33Menschen,
37:34haben noch
37:34höhere Kredite
37:35aufgenommen,
37:36um sich
37:36von den
37:37Lehrern
37:37der Sekte
37:38mit wertlosen
37:39philosophischen
37:40Phrasen
37:41vollstopfen
37:41zu lassen.
37:43Mittlerweile
37:43gibt es
37:44in der
37:44Bundesrepublik
37:45spezielle
37:45Beratungsstellen,
37:46bei denen man
37:47in Sachen Sekten
37:48Rat und Hilfe
37:49erhalten kann.
37:51Anschriften
37:52kann man
37:52bekommen bei der
37:53Aktion
37:54Bildungsinformation
37:54in Stuttgart.
37:57Und nun
37:58wieder unser
37:59Experiment.
38:00Der Versuch
38:01also,
38:01eine Gaunermasche
38:02zu testen
38:02und das Ganze
38:03mit versteckten
38:04Kameras
38:05zu beobachten.
38:07Diesmal
38:08geht es
38:08um
38:09Sammelbüchsen,
38:10die,
38:10wie Sie sicher
38:11wissen,
38:11von gemeinnützigen
38:12Hilfsorganisationen
38:13in Geschäften,
38:14Gaststätten und
38:15Bankfilialen
38:15aufgestellt werden,
38:17in der Hoffnung,
38:18dass die Kunden
38:18das Wechselgeld
38:19für den guten Zweck
38:20opfern.
38:21So wie ein paar
38:22echte Ganoven,
38:23die seit geraumer Zeit
38:24die Polizei
38:24beschäftigen,
38:25hat sich Bernd Schröder
38:26diesmal auf den Weg
38:27gemacht,
38:28um solche Büchsen
38:29schlicht und ergreifend
38:30einzusammeln.
38:31Angeblich,
38:32weil Inventur
38:33gemacht werden sollte.
38:34Als Legitimation
38:35legte er dabei
38:36ein kleines,
38:37selbstgebasteltes
38:38Ausweiskärtchen vor,
38:39in dem sich noch nicht
38:40einmal ein Lichtbild
38:41befand.
38:43Guten Tag.
38:44Guten Tag.
38:44Ich muss die Büchsen
38:45ankassieren.
38:46Wir machen Inventur
38:47für das Hohlekreuz.
38:49Kriegen Sie wieder
38:49morgen.
38:50Alles klar.
38:52Na ja,
38:52es kommt wieder was rein.
38:54Wiederschauen.
38:55Der Trick
38:55funktionierte von Anfang
38:57an beinahe wie von
38:58selbst.
38:58Im zweiten Fall
38:59eine Apotheke.
39:00Hier stand zwar
39:01eine andere
39:02Sammelbüchse,
39:03aber der Erfolg
39:04war der gleiche.
39:04Die Beträge
39:10in den einzelnen Büchsen
39:11sind zwar nicht
39:12gewaltig,
39:13aber für einen
39:14echten Ganoven
39:15würde es sich
39:15im Laufe des Tages
39:16doch zusammenleppern.
39:18Noch zumal es
39:19manchmal nur
39:20eine Aktion
39:20von wenigen
39:21Sekunden war.
39:22Ich wollte nur
39:23die Spendenbüchse
39:24abholen.
39:25Dankeschön.
39:25Auch in Banken
39:31und Sparkassen
39:31hat unser Mann
39:32dann seinen
39:32Trick
39:33versucht.
39:38Eigentlich ein
39:38sicherer Platz
39:39für fremdes Geld,
39:40sollte man meinen.
39:42Ganz kurz,
39:43wir nehmen die
39:43gerade mit,
39:44machen Inventur,
39:44Sie kriegen sie
39:45morgen zurück,
39:45die leeren.
39:45Ja,
39:45alles klar.
39:46Okay,
39:46alles klar.
39:49Es bedurfte
39:50keiner Überredungskünste,
39:51um den Spendenbehälter
39:52aus der Bank
39:53mitnehmen zu dürfen.
40:02Dann geriet
40:02Bernd Schröder
40:03aber an
40:04eine kritische
40:04Geschäftsfrau,
40:06der die simple
40:06Ausweiskarte
40:07ohne Bild
40:07ein bisschen
40:08zu wenig war.
40:09Guten Tag.
40:11Diese Büchse
40:12müsste ich mal
40:13mitnehmen,
40:13die kriegen sie
40:14morgen leer wieder.
40:15Wir machen
40:15Inventur.
40:16Darf ich Ihnen
40:16gleich meinen Ausweis
40:17mal zeigen?
40:17Gerne?
40:18Ja?
40:19Ist ja gar nicht
40:20so sehr viel drin, ne?
40:21Im Kassbild,
40:22nichts dabei.
40:23Nee,
40:23das geht schon
40:24in Ordnung so.
40:24Wir sammeln das ja
40:25im ganzen Bezirk.
40:27Im Prinzip
40:28haben Sie schon
40:28recht,
40:29aber das genügt.
40:30Sie sehen,
40:30das ist unterschrieben
40:31von unserem
40:31Geschäftsführer.
40:33Ja,
40:33man muss
40:33holler.
40:33Ja,
40:34das haben Sie
40:34völlig recht
40:34im Prinzip.
40:36Okay,
40:37das geht schon klar.
40:38Ja,
40:38danke schön.
40:40Wiederschauen.
40:41Man sieht,
40:41gutes Zureden
40:42hilft auch hier.
40:44Und manchmal
40:45trifft man auch
40:45auf besonders
40:46nette Menschen.
40:47Guten Tag.
40:48Ich komme vom Roten Kreuz,
40:49wir tauschen die gerade aus,
40:50wir stellen sie morgen
40:51wieder leer hin.
40:51Ja?
40:52Okay.
40:52Ich lege noch drei
40:54Merk dazu,
40:56wenn die Kunden
40:57schon nichts reinlegen.
40:58Herzlichen Dank.
40:59Bitte.
40:59Wieder schauen.
41:00Morgenschein,
41:00das ist leer.
41:01Ja, leer, ne?
41:02Ungewöhnig auch der letzte Fall.
41:10In einem Papierwarengeschäft.
41:12Keiner da.
41:14Willen wir einfach mit?
41:17Es ist niemand zu sehen
41:18und es kommt auch niemand,
41:20dem unser Mann
41:21seine Geschichte
41:21hätte erzählen können.
41:22Ein besonders niederträchtiger Trick,
41:31wie mir scheint.
41:32Es ist gar nicht so sehr
41:32die Höhe der Beute,
41:33als vielmehr die Gemeinheit
41:35ausgerechnet Spendengelder
41:36zu stehlen.
41:37Umso wichtiger
41:38erschien es uns,
41:39diese üble Masche
41:40bloßzustellen.
41:41Und ich bin eigentlich
41:42ganz sicher,
41:43dass alle Geschäftsleute,
41:44denen Sammelbüchsen
41:45anvertraut sind,
41:46künftig besser
41:47darauf aufpassen,
41:48damit das Geld
41:48auch dort landet,
41:49wo es landen soll.
41:51Und damit auf Wiedersehen
41:53bis zum nächsten Mal
41:55wieder samstags um 19.30 Uhr
41:56und zwar am 16. Juli 1983.