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00:00Seit jeher haben die Menschen zu den Sternen geschaut.
00:06Seit jeher hat uns das Universum fasziniert und Fragen aufgeworfen.
00:12Was ist noch da draußen? Wie ist das alles entstanden? Wo kommen wir her?
00:20Es sind neue Wunderwerke, die bald in die Umlaufbahn und darüber hinaus aufbrechen werden.
00:26Es ist eine neue Raketengeneration. Die Kolosse stellen dann mit ihrer Effizienz und Power alle bisherigen Trägersysteme locker in den Schatten.
00:36Es sind die Arbeitspferde der Zukunft. Machbarkeit im ganz großen Stil ist dabei das Zauberwort, das die Konstrukteure und Ingenieure beflügelt hat.
00:49Herzlich willkommen bei Space Time mit Ulrich Walter, Astronaut und Wissenschaftler.
00:56Er weiß, im Weltraum wartet Unglaubliches auf uns.
01:05Sie heißen SLS, Falcon Heavy, Blue Origin, Ariane 6 oder Orion.
01:12Es sind Superraketen. Konzipiert, um Sonden, Satelliten und Menschen zu ehrgeizigen Zielen zu bringen.
01:18Milliardäre und Raumfahrtnationen greifen gleichermaßen nach den Sternen.
01:23Ein Limit kennen sie dabei nicht. Nur die technische Leistungsfähigkeit der neuen Antriebe setzt ihnen die Grenzen.
01:30Noch. Die Raumfahrt ist so spannend wie seit Jahrzehnten nicht.
01:34Fest steht, eine aufregende, geschichteschreibende Weltraumepoche steht vor der Tür.
01:39In der Raumfahrt beginnt ein neues, goldenes Zeitalter.
01:55Pioniergeist liegt in der Luft. Fast genauso wie in den 60er Jahren bei den Mondflügen.
02:00Was ist bisher passiert?
02:02Nun, nach den Mondflügen haben sich die Amerikaner gesagt, wir brauchen jetzt einen einfachen, schnellen Zugang zum Weltraum.
02:10Und deswegen haben sie das Shuttle entwickelt.
02:12Und mit dem haben wir dann auch die Raumstation gebaut.
02:16Aber mit der fliegen wir schon einige Jahrzehnte immer nur rund um die Erde.
02:20Und deswegen haben die Amerikaner vor kurzem gesagt, wir sind doch eigentlich Pioniere.
02:25Wir müssten wieder in die Tiefen des Weltraums fliegen.
02:28Und wir müssten den Weltraum kommerzialisieren.
02:31Und genau das wollen sie jetzt machen. Mit neuen Raketen.
02:36Und deswegen stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Aufbruch ins All.
02:40Mit Superraketen und neuen Raumschiffen wollen staatliche und private Raumfahrtunternehmen nun den Weltraum erobern.
02:54Keine Idee ist zu abwegig, kein Ziel zu vermessen.
02:57Die Technologie ist da. Der Ehrgeiz auch. Und die Erfahrung.
03:02Auch Europa mischt mit.
03:04Dank der ESA wird eines der spannendsten Projekte der NASA nun Wirklichkeit.
03:09Die USA bauen mithilfe von Europa gemeinsam die Superschwerlastrakete SLS mit dem Raumschiff Orion.
03:17Es soll Menschen wieder zum Mond bringen und zum Mars.
03:21Bis die Raumfahrttechnologie die Menschheit an ein neues Limit bringt, ist es nur noch eine Frage der Zeit.
03:27Die Tatsache, dass wir bei der SLS-Rakete das Service-Modul produzieren für die Orion-Kapsel, hat einen unglaublichen Wert.
03:42Das ist, glaube ich, in der Öffentlichkeit noch gar nicht gekannt worden.
03:45Als ich angefangen habe beim DLR, beim Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt, hatte ich ein Treffen mit dem NASA-Chef.
03:50Und habe gesagt, wollen wir nicht mal was zusammen machen.
03:53Und hatte gesagt, wir können alles zusammen machen, aber niemals auf dem kritischen Weg.
03:56Wir werden niemals akzeptieren, dass wir auf dem kritischen Weg von einem ausländischen Partner abhängig sind.
04:05Und dieses ist durchbrochen worden mit dem Service-Modul.
04:09Ohne uns fliegt SLS nicht.
04:11Und das ist ein ganz großer Schritt.
04:12Und wir sind darüber natürlich froh, weil es uns eine ganz tolle Gelegenheit für die Zukunft gibt.
04:18In Bremen entsteht das Versorgungsteil und somit das Rückgrat der Orion-Raum-Kapsel.
04:23Alles, was der Shuttle-Nachfolger braucht, um den Erdorbit zu verlassen, wird hier gefertigt.
04:29Im Rheinraum des Bremer Airbus-Werks montieren Techniker rund um die Uhr das Service-Modul ISM.
04:35Es basiert auf dem Versorgungsfrachter ATV, der die Besatzungen der ISS regelmäßig versorgt hat.
04:40Das sind ganz kurz gesprochen die Funktionen, die von dem Service-Modul geleistet werden.
04:47Nämlich Antriebssystem, zweitens die Stromversorgung und drittens die Ressourcen, die man dann in der Kapsel benötigt.
04:57Also Wasser, Sauerstoff, Stickstoff. Zentral ist natürlich das Antriebssystem.
05:02Das ist klar, um den Mond herumzufliegen. So ist es in der ersten Mission geplant.
05:11Um dann wieder die Kapsel sicher in Richtung Erde zu steuern, sodass sie dann sicher in die Atmosphäre eintreten und im Meer landen kann,
05:20braucht man natürlich ein sehr effizientes und sehr zuverlässiges Antriebsmodul.
05:25Und Stromversorgung ist, glaube ich, auch klar für die gesamte Avionik, für die Lebenserhaltung, Systemnavigation und natürlich die Ressourcen,
05:35um die Menschen, die dann dort diese Mission durchführen, entsprechend zu versorgen.
05:40Streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit unterziehen Spezialisten in Houston im NASA-Trainingszentrum, dem Johnson Space Center,
05:49währenddessen die Raumkapsel letzten Belastungstests.
05:53In einem gigantischen Tauchbecken, in dem Astronauten normalerweise Außeneinsätze an der Raumstation üben,
05:59kommt die neue Raumschiff-Generation per Kran angeschwebt.
06:02Hinter uns sehen wir die Orion-Kapsel. Die Orion-Kapsel ist die neue Entwicklung der NASA.
06:10Mit dieser Kapsel wollen wir Richtung Mond fliegen oder vielleicht sogar über den Mond hinaus.
06:15Diese Kapsel soll ab 2019 erst einmal unbemannt Richtung Mond fliegen, ab 2022, 2023 hoffentlich dann schon die allerersten Astronauten in dieser Kapsel Richtung Mond aufbrechen.
06:26Und nach ihrer Rückkehr im Meer niedergehen. Ganz so wie die ersten Kapseln der NASA in den 1960er Jahren.
06:35Denn im Gegensatz zum Shuttle kann die Orion ihr Landeziel nur begrenzt ansteuern.
06:40Nach dem korrekten, vorberechneten Eintrittswinkel in die Erdatmosphäre stürzt sie dann in den Pazifik.
06:46Eigentlich einfach, aber die letzten Bergungen liegen mehr als vier Jahrzehnte zurück.
06:51Alles muss wieder neu einstudiert werden. Vom Erreichen der Kapsel, dem Bergen der Astronauten und dem Abtransportieren des Raumschiffs zurück an Land.
07:09Bei der NASA in Houston ist der Stolz spürbar, der nun um sich greift.
07:14Nach dem Ende des Shuttle-Programms beginnt endlich eine neue Zeitrechnung für die Mitarbeiter.
07:19Der erste Flug wird die Crew um den Mond herumbringen. Zum ersten Mal seit dem Apollo-Programm. Ganz ähnlich wie bei der Apollo 8-Mission.
07:32In der Kapsel des Orion-Raumschiffs, dem Crew-Modul, haben bis zu vier Personen Platz.
07:38Das Crew-Modul ist nicht nur für Flüge zum Mond und Mars, sondern auch für die Landung auf Asteroiden konzipiert.
07:43Hier wird die Crew für 21 Tage zusammen sein und sich aufhalten.
07:52Die Verpflegung ist in Staubehältern untergebracht. Weiter unten sind die Müllbehälter und die Toilette.
08:01Längst sind die Besatzungen nominiert. Auf sie warten fantastische Ziele.
08:05Wo stehen denn gerade die großen Raumfahrtnationen Russland, China, Europa und die USA beim Bau ihrer neuen Raketen?
08:18Beginnen wir mal bei der USA.
08:21Da entwickelt die NASA gerade ihre neue Mond- und Marsrakete, die nennen sie ja SLS, zusammen mit der Kapsel obendrauf.
08:28Die heißt Orion. Und dann gibt es die beiden kommerziellen Unternehmen von Elon Musk.
08:34Diese Firma nennt sich SpaceX und baut die große Falcon Heavy und dazu die Dragon-Kapsel oder ein kleines Raumschiff.
08:43Und das hat sie ja schon bereits erfolgreich getestet.
08:46Und dann gibt es noch den Jeff Bezos und der baut gerade seine neue New Glenn, eine Rakete, die auch in den Weltraum fliegen soll.
08:53Und die Europäer? Nun, die basteln gerade an ihrer neuen Rakete.
08:58Die nennt sich Ariane 6, ist aber noch nicht so weit und wird demnächst fliegen.
09:04Und dann haben wir noch die Russen. Auch die bauen eine neue Rakete.
09:08Die nennt sich Angara. Ist so eine Art Baukastenprinzip.
09:13Also der Nachfolger von der Soyuz- und Protonrakete.
09:17Ja, und dann haben wir noch die Chinesen.
09:18Und auch die bauen neue Raketen. Und zwar neue Variationen von ihrem langen Marsch.
09:25Also ganz neue Raketen. Aber bis die alle zuverlässig funktionieren, das wird noch einige Jahre dauern.
09:34Die private Falcon 9 des US-Milliardärs Elon Musk setzt mit den wiederverwendbaren Triebwerken der ersten Stufe neue Maßstäbe.
09:43Bisher bringen die Antriebe nur die unbemannten Dragon-Nachschubkapseln zur Raumstation.
09:48Aber das ist erst der Anfang.
09:52Die Dragon soll später auch Astronauten zur ISS und noch viel weiter transportieren.
09:59Den Grundstein für alle SpaceX-Visionen hat dazu die Falcon 9 gelegt.
10:04Ihre orbitalen Bodendienste mit spektakulären Landungen ausgeglühter Antriebe funktionieren.
10:10Sie haben sich bereits bewährt.
10:12Sogar auf einer Plattform im Meer klappt die Rückkehr.
10:14Die neue Art, Raketen zu verwenden, soll nun auch für bemannte Flüge gelten.
10:20Der Falcon 9-Nachfolger, die Falcon Heavy, soll die Dragon-Raumschiffe bis zum Mond und zurückbringen.
10:26Allerdings wurde die ursprünglich geplante Landung der Kapsel mit Stützbeinen wieder verworfen.
10:31Die Kosten der Falcon 9-Rakete, welche eine ziemlich große Rakete ist, ist mit fast 800 Tonnen Schub die billigste Rakete der Welt.
10:46Und die kostet zurzeit 60 Millionen Dollar.
10:48Benzin und Sauerstoff verschlingen nur 200.000 Dollar.
10:57Ernsthaft, wenn wir die Rakete 1.000 Mal einsetzen, betragen die Hauptkosten für den Start nur 50.000 Dollar.
11:04Eine gewagte Prognose.
11:10Think Big, das ist die Rechnung von Elon Musk.
11:13Dafür setzt er auch auf große Raumschiffe.
11:16Seine geplante Big Falcon Rocket soll jeweils mehr als 100 Menschen zum Roten Planeten bringen.
11:22Dank recycelter Antriebe ließen sich so laut Musk die Kosten pro Mars-Passagier auf 140.000 Dollar drücken.
11:28Doch das sind vorerst reine Zukunftsvisionen.
11:33Wenn man heutzutage einen Fernsehsatelliten ins All schießen will, dann kann man zum Beispiel bei der Ariane Spass,
11:39das ist ein europäisches Unternehmen, anklopfen und sagen, wie teuer ist ein Schuss bei euch mit der Ariane 5?
11:46Und die wird antworten, das kostet so ziemlich genau 120 Millionen Euro.
11:52Übrigens, Flüge mit dem Shuttle damals oder mit der Saturn, die waren viel teurer.
11:57Wenn man allerdings heute zu Elon Musk geht und ihn fragt, hör mal, wie teuer ist ein Schuss bei dir mit der Falcon?
12:04Nein, dann wird er antworten, das kostet nur 60 Millionen Euro.
12:09Also nur halb so viel.
12:11Wie schafft der Kerl das, so günstig zu sein?
12:15Nun, er hat die gleichen Technologien wie alle anderen auch.
12:19Da gibt es keinen Unterschied.
12:20Wo allerdings der große Unterschied liegt, ist,
12:23Er sagt nicht, ich baue für jede Stufe eine neue Technologie mit neuen Antrieben,
12:28sondern er sagt, überall dieselbe Technologie, überall dieselben Antriebe.
12:34Er baut also gleich hunderte von Antrieben, die hat er in der großen Halle liegen.
12:38Und dann sagt er, jetzt nehme ich mal 30 Stück für den nächsten Flug.
12:42Und damit produziert er natürlich konkurrenzlos günstig.
12:46Und dabei macht er sogar noch Gewinn.
12:48Es gibt also heutzutage einige kommerzielle Unternehmen, die nicht nur günstig sind,
12:54sondern dabei auch noch Gewinn machen.
12:57Und sowas nennt man New Space.
12:59Command Engine start.
13:00Two, one.
13:06Blue Origin ist das New Space Unternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos.
13:12Es will mit Weltraumtouristen das große Geld machen.
13:15Die Trägerrakete New Shepard, eine Eigenentwicklung,
13:20soll Passagiere 100 Kilometer hoch an die Grenze zum Weltall schießen.
13:25Hierbei kann die gesamte Rakete wiederverwendet werden.
13:29Während die Insassen in der Kapsel unterwegs sind,
13:32landet der untere, verbrauchte Teil automatisch im eigenen Weltraumbahnhof,
13:36um erneut benutzt zu werden.
13:38Die Spacetouristen kehren dann, nach einigen Minuten in der Schwerelosigkeit,
13:51in der Kapsel an Fallschirmen zur Erde zurück.
13:54Noch ist unklar, wann genau der reguläre Flugbetrieb aufgenommen wird.
13:59Doch der Countdown für eine neue Generation an Antriebsstufen und Raumschiffen läuft.
14:11Saturn V und Shuttle, das war einmal.
14:14Der Weltraum ist für viele Unternehmen kein Prestigeobjekt wie früher für Machtblöcke oder Industrienationen,
14:20sondern ein gigantisches Geschäftsmodell.
14:22Der Wettbewerb im Trägerraketenbereich ist natürlich extrem hart.
14:28Wir haben nicht mehr nur einfach eine Saturn V hier und vielleicht eine Ariane V dort,
14:33sondern wir haben heute einen Markt, der sowohl öffentlich wie auch privat Dinge entwickelt.
14:41Also man muss allerdings auch sagen, dass auch der private Trägerraketenmarkt
14:44im Wesentlichen öffentlich finanziert wird.
14:47Also das darf man nicht unterschätzen.
14:49Die Ariane V, die wir derzeit fliegen und die Vega, sind zwar wesentlich öffentlich entwickelt worden,
14:56aber sie werden natürlich privat auch betrieben.
14:58Die Firma Ariane Spass ist eine private Firma.
15:01Der Druck ist groß, der Wettbewerbsdruck ist groß,
15:04weil eben jetzt auch Firmen wie SpaceX oder Blue Origin auf dem amerikanischen Bereich,
15:11aber wir haben auch andere Akteure weltweit, in den Markt drängen.
15:15Und deshalb ist das sehr schwierig.
15:18Nun, man muss unterscheiden zwischen zwei Dingen.
15:20Das eine ist die Wettbewerbsfähigkeit direkt, die wollen wir immer haben.
15:24Das andere ist aber auch die strategische Bedeutung, eine eigene Trägerrakete zu haben für Europa,
15:29um unabhängig zu sein.
15:31Wir wissen nicht, wie die politische Entwicklung hier und dort im Osten, im Westen sich entwickelt.
15:38Und da dann in dieser Situation auch eine Unabhängigkeit zu haben, ist eine strategische Bedeutung.
15:42Aber wir versuchen, wettbewerbsfähig zu sein.
15:45Ariane 6 wird 50 Prozent günstiger sein, AC Ariane 5.
15:49Das ist ein großer Schritt. Er reicht nicht aus für alle Zeit.
15:52Wir entwickeln auch derzeit schon die nächsten Generationen.
15:55Immer mehr Nutzlast muss ins All.
16:07Sogenannte Superschwerlast-Trägerraketen, wie die Big Falcon Rocket,
16:12sollen bisher für unmöglich gehaltene Mengen an Material Richtung Mond und Mars wuchten.
16:18Bis zu 150 Tonnen müssen sie der Gravitation entreißen.
16:23So die ehrgeizigen Pläne der amerikanischen, russischen und chinesischen Entwickler.
16:29Nur so lassen sich im All effektiv neue Außenposten etablieren.
16:33Und ihre Triebwerke müssen zu 100 Prozent verlässlich funktionieren.
16:39Für die zukünftigen Flüge zum Mond und dann zum Mars brauchen wir ganz einfach neue Antriebe.
16:45Aber die werden nicht komplett neu sein.
16:48Sie werden auf den bisherigen klassischen chemischen Antrieben beruhen.
16:53Sie müssen nur einfach stärker sein und vor allen Dingen, sie brauchen einen neuen Treibstoff, nämlich Methan.
16:59Warum Methan?
17:01Nun, wir wollen auf dem Mond und auf dem Mars auftanken, um dann wieder zurückzufliegen.
17:06Sonst müssten wir den ganzen Treibstoff von der Erde mitbringen.
17:09Das wollen wir nicht.
17:10Aber um vor Ort, um aus dem Regolith Treibstoff zu gewinnen, das funktioniert am besten halt, wenn wir Methan draus machen.
17:18Und deswegen halt Methan.
17:20Neue Antriebe also, die müssen wir vorher testen.
17:24Leider ist es nun so, dass es weltweit nur ein paar Testeinrichtungen für solche neue Antriebe gibt.
17:29Lampolzhausen bei Stuttgart.
17:38Hier hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt seine Testbasis für künftige Raketenkraftpakete.
17:46Beim Institut für Raumfahrtantriebe entlocken 200 Mitarbeiter den Prototypen die letzten Reserven.
17:54Befeuert vom Kostendruck der internationalen Konkurrenz versuchen die Ingenieure, die Leistung und Effektivität der künftigen Motoren in immer neuen Versuchsreihen zu optimieren.
18:10Nur wenn die Stufen verlässlich arbeiten, kann später auch ihr Trägersystem ein Erfolg werden.
18:15Ariane 6 wird billiger. Der Preis ist ja zugesagt von der Industrie.
18:20Und Ariane 6 wird erheblich billiger.
18:22Das wird 40, 50 Prozent billiger als das, was wir momentan haben.
18:26Also wenn Sie zuverlässig eine Rakete auf den Punkt fertig entwickeln wollen,
18:30greifen Sie in den meisten Dingen am besten auf Bewährtes zurück.
18:34Und trotzdem wird Ihr Endprodukt besser sein als das, was Sie vorher hatten.
18:38Weil es funktioniert überall im Motorenbau so.
18:41Bei Industrie-Gasturbinen, Flug-Gasturbinen und wahrscheinlich den Automotoren genauso.
18:48Wobei da die Entwicklungszyklen ja sehr, sehr viel schneller sind.
18:57Sogar sehr viel kürzer sind die Raketenentwicklungszyklen der Studenten für Luft- und Raumfahrt an der Technischen Universität in München-Garching.
19:06Ihre Experimentalraketen gehen dafür aber auch nie in Produktion.
19:09In erster Linie müssen alle Einzelteile zusammenspielen, damit die Rakete fliegt.
19:15Meistens reicht schon aus, dass eine Komponente versagt und das gesamte Trägersystem fällt auseinander.
19:19Aber grundsätzlich kann man schon sagen, dass vor allem in unserem Fall das Antriebssystem das Herz der Rakete ist.
19:25Und da ist auch am meisten Arbeit bei uns reingeflossen.
19:27Dabei kombinieren wir einen Feststoffantrieb mit einem Flüssigtriebwerk.
19:31Dadurch können wir die Komplexität etwas verringern.
19:33Allerdings arbeiten wir trotzdem schon seit 2013 an diesem Triebwerk und konnten es erst letztes Jahr erfolgreich testen.
19:39Man sieht daran ein bisschen, wie komplex diese Werkstücke sind, diese Antriebe.
19:46Ihr Labor an der TU München ist eine kleine, aber feine Raketenschmiede.
19:51Das jüngste Modell des Projekts Cryosphere soll bald bei Straubing aufsteigen.
19:55In 15 Sekunden wird es auf 30 Kilometer Höhe klettern, so die Berechnungen.
20:01Nach der getesteten Brennkammer tüfteln sie nun an den Tanks und der Struktur für die Flugversion.
20:07Bei uns war die größte Herausforderung, mit flüssigem Sauerstoff zu arbeiten.
20:11Einer der beiden Treibstoffkomponenten ist eben kryogener Sauerstoff, der erst bei minus 180 Grad Celsius flüssig wird.
20:18Und man muss extreme Sicherheitsvorkehrungen einhalten, weil Sauerstoff mit den verschiedensten Materialien,
20:23Exothermen verbrennen und teilweise zu Explosionen führen kann.
20:27Deswegen muss man immer sehr viel auf Sicherheit achten.
20:30Und das war so der kritischste Teil in der Triebwixentwicklung, den wir durchgeführt haben.
20:34Wenn es bei unserer aktuellen Physik bleiben sollte, werden wir wahrscheinlich in 100 Jahren immer noch mit Trägern wie die Ariane und die Soyuz fliegen.
20:42Wenn man bedenkt, dass unser Battleship ungefähr 10 Kilonewton schafft und ein normaler Träger einen Faktor 100 mindestens an Schub hat,
20:52wenn wir mit Ionenantriebe es nicht aus unserem Erdorbit schaffen.
20:56Der Schönste am Raketenstart ist in erster Hinsicht, dass die Rakete überhaupt fliegt.
21:00Da ist es keine Garantie, dass die Brennkammer auch funktionieren wird.
21:04Es kann auch gut sein, dass sie am Boden explodiert und haben aber gar keinen Flug.
21:07Aber auch, dass sie wieder landet, dass der Fallschirm funktioniert und dass wir sie bergen können und die Videos auswerten können und zusammen anschauen können.
21:15Ein gut gelungener Raketenstart findet jeder aufregend.
21:17In ihrem Berufsleben werden es die angehenden Ingenieure dann mit vermutlich 10 bis 100-fach stärkeren Antrieben zu tun haben.
21:38Chinas künftiges Flaggschiff, Langer Marsch 9, soll 2030 zum ersten Mal abheben.
21:48Das Reich der Mitte wird damit dann einen Supersternentransporter haben.
21:52Peking will damit ganz vorn in der Besiedlung und Industrialisierung unseres Sonnensystems dabei sein.
21:58Größere Raumschiffe brauchen größere Raketen.
22:03Soyuz 5 soll als neue Rakete dann das geplante russische Raumschiff Federasija ab 2024 ins All bringen.
22:11In Europas Raketenbahnhof im Dschungel von Französisch-Gurianer entsteht derweil die neue Startrampe für die kommende Ariane 6.
22:23Dank der neuen Anlage sollen Raketenstarts so wenig Zeit und Geld wie möglich kosten.
22:28Spektakulärer ist da der Spaceport America von Virgin Galactic im US-Bundesstaat New Mexico.
22:43Bald sollen von hier aus Touristen im raketenähnlichen Flugzeug Spaceship 2 zu einem kurzen Sprung ins All abheben.
22:50Seit SpaceX die erste private Flüssigtreibstoffrakete in den Orbit schoss, mischt die Falcon 9 mit ihrem extrem geringen Preis kräftig mit im Raumfahrtgeschäft.
23:00Ob Nachschubflüge zur Raumstation oder Satellitenstarts, SpaceX mit seiner Falcon 9 beherrscht immer wieder die Schlagzeilen.
23:09Sogar zum Mars will SpaceX.
23:11Noch aber existieren alle Pläne für Außenposten im All lediglich als Animation.
23:16Umsetzbar werden diese Visionen nur mit Superraketen sein, die extrem viel Material beispielsweise zum Mond oder weitertransportieren können.
23:28Mit diesem Shuttle sind wir jahrzehntelang in den Weltraum geflogen.
23:33Und es wurde nur zu einem Zweck gebaut, nämlich möglichst viel Nutzlast in den erdnahen Orbit zu bringen, insbesondere zur Raumstation und wieder zurück.
23:42Und deswegen hieß es übrigens Shuttle. Nämlich im Amerikanischen heißt Shuttle hin- und zurückbringen.
23:48Aber wir wollen über den erdnahen Orbit hinaus. Wir wollen zum Mond. Und das kann der Shuttle nicht.
23:54Also weg damit.
23:57Wir brauchen neue Raketen.
24:00Schwerlastraketen, die nicht nur zum Mond fliegen, sondern dort sogar eine Station bauen.
24:05Eine sogenannte Lunar-Orbit-Plattform, so heißt das Ding. Und darüber hinaus. Wir wollen sogar zum Mars.
24:14Und dazu brauchen wir eben diese ganz neuen Schwerlastraketen.
24:18Und wir brauchen neue Technologien. Zum Beispiel für Habitate. Wir müssen ja dort auch leben. Und Lebenserhaltungssysteme.
24:25Aber das ist riskant. Denn diese Systeme sind bis heute nicht zuverlässig.
24:29Ich lege ein offizielles Logbuch an. Mein Name ist Mark Wardney. Und ich lebe noch. Offensichtlich.
24:42Wer wird das Wagnis als erster riskieren und zum Mars aufbrechen?
24:46In der Hollywood-Produktion der Marsianer klappt das alles schon ganz gut.
24:50Die Menschheit hat eine domartige Basis errichtet. Doch die Lebensumstände sind weniger erfreulich.
25:01Zwar gibt es eine Atmosphäre, aber die ist lebensfeindlich.
25:04Und Wasser gibt es vielleicht nur in dicken Eisflötzen unter dem Boden.
25:08Im Habitat zu überleben, ist eine extrem schwierige Aufgabe.
25:12Dennoch, ob in China, den USA oder Europa. Überall laufen seit Jahrzehnten die Vorbereitungen,
25:19Menschen auf den verhältnismäßig nahen Nachbarplaneten zu schicken.
25:23Jede Nation, jedes Raumfahrtunternehmen weiß, wer immer auf dem Mars als erster eine Flagge hisst,
25:29wird technologisch im Weltraum die unangefochtene Nummer 1 sein.
25:33Noch Fragen, Neil Armstrong?
25:34Was treibt uns eigentlich zum Mars?
25:38Nun, wenn der erste Mensch seinen Fuß auf den Mars setzen wird, auf einen anderen Planeten,
25:44dann ist das ein Meilenstein in der Menschheitsgeschichte.
25:47Und ich garantiere Ihnen, Milliarden von Menschen werden zuschauen.
25:52Es gibt allerdings noch einen wissenschaftlichen Grund, einen fast philosophischen Grund.
25:57Nämlich die Antwort auf die Frage, sind wir allein im Universum?
26:03Der Mars könnte darauf eine Antwort geben.
26:07Denn wenn wir dorthin fliegen, nachgraben und wir würden außerirdisches Leben finden
26:12und sei es nur kleinste Bakterien, dann wäre das der Beweis,
26:17dass Leben dort draußen irgendwo immer entstehen kann.
26:21Und wir wären mit Sicherheit nicht allein im Universum.
26:25Was haben wir denn bisher gemacht?
26:27Nun, wir sind eigentlich immer nur um die Erde geflogen.
26:29Wir haben viele Raumstationen gehabt, seit Anfang der 70er Jahre.
26:34Da gab es die russische Sayut, Skylab, die amerikanische Raumstation.
26:38Danach kam die Mir-Station.
26:40Heute haben wir die Raumstation ISS und Tiangong.
26:44Gibt es da einen großen Unterschied?
26:46Nee.
26:47Und das war der Grund, warum wir jetzt zum Mars wollen.
26:49Noch aus Bunkern mit Fernrohren verfolgten die Raumfahrtpioniere die unwägbaren Starts in die Umlaufbahn.
27:07Mit der US-amerikanischen Weltraumstation Skylab ging die USA nach ihren Mondflügen an die Erforschung von Langzeitaufenthalten im All.
27:16Neun US-Astronauten sammelten nach und nach in der Orbitalbasis Erfahrungen über ein Leben auf Zeit fernab der Erde.
27:24Trotz etlicher Probleme blieb die Station bewohnbar.
27:28Zum ersten Mal war es über einen längeren Zeitraum möglich, die Sonne außerhalb der Erdatmosphäre durch ein Fenster zu beobachten.
27:35Die russische Mir war Ende des 20. Jahrhunderts dann die erste auf einen dauerhaften und wissenschaftlichen Betrieb ausgelegte Raumstation mit verhältnismäßig viel Platz und einer Dusche.
27:52Ein Versorgungsschiff rammte die Station. Es brannte.
27:55Die Orbitalstation bewies, der Aufenthalt im All ist voller Unwägbarkeiten.
27:59China ging Anfang des Jahrhunderts seinen eigenen Weg mit sogenannten Taikonauten.
28:06Die Fernsehbilder aus der Raumstation Tiangong I, übersetzt Himmelspalast, zeigten, dass man technologisch mit der Konkurrenz gleichgezogen und bewiesen hatte,
28:16auch das Reich der Mitte mischt unübersehbar mit bei der Eroberung des Weltraums.
28:21Tiangong II folgte inzwischen auf Tiangong I, die 2018 kontrolliert abstürzte und verglühte.
28:29Seit dem Jahr 2000 leben hier ständig Menschen.
28:33Die ISS, die internationale Raumstation, ist der bekannteste Außenposten der Menschheit.
28:39Für die Wissenschaft leistet das Wohnlabor 400 Kilometer über der Erde seither unschätzbare Dienste.
28:45Die Forschung weiß nun besser denn je, wie mühselig und riskant ein Leben außerhalb unserer Erde ist.
28:53Ob die ISS in wenigen Jahren wirklich außer Dienst gestellt und verglühen wird, ist offen.
28:59Der 100 Milliarden Euro teure Modulkomplex könnte noch bis weit in die 20er Jahre gebraucht werden.
29:08Gleichzeitig gibt es Pläne, in einer niedrigen Umlaufbahn ein Weltraumhotel zu betreiben.
29:13Für vier zahlende Touristen.
29:16Gebaut werden soll die Sternenherberge in Houston.
29:182022 soll es die ersten Gäste aufnehmen.
29:23Zwölf Tage Vollpension ohne Schwerkraft mit An- und Abreise für 10 Millionen Dollar.
29:29Ein schwereloser Urlaub.
29:31Schwerelosigkeit ist nach einer gewissen Eingewöhnungszeit zwar sehr schön, denn man braucht seinen Körper nicht mehr tragen, aber langfristig macht sie Probleme.
29:42Das beginnt mit der Körpertemperatur.
29:44Sie steigt nämlich so etwa um 1 bis 1,5 Grad.
29:48Und entsprechend muss die Raumtemperatur in der Raumstation angehoben werden.
29:51Aber das ist ja noch das kleinste Problem.
29:53Das größte Problem ist der Abbau der Knochen- und Muskelsubstanz.
29:58Die sieht man sofort im Urin, nämlich man sieht Kalzium, Kalk und eben Proteine.
30:03Ein deutliches Zeichen dafür, dass wir diesen Muskelschwund haben und den Knochenschwund.
30:08Und dagegen muss man was tun.
30:09Die NASA fordert von jedem Astronauten, dass er pro Tag mindestens zweieinhalb Stunden radelt.
30:15Was übrigens die Astronauten äußerst ungern machen, ist nämlich ziemlich anstrengend.
30:21Also wie auch immer, es muss geradelt werden.
30:24Jeder Mensch im Weltraum hat allerdings individuelle Unterschiede.
30:27Das heißt also, der eine baut mehr, der andere weniger Knochen- und Muskelmasse ab.
30:32Was ist denn nun der Normalwert?
30:34Nun, dazu bräuchte man eine Referenz, also einen Vergleich auf dem Boden.
30:38Und da bot sich vor kurzem ein Zwillingspaar an.
30:41Es gibt nämlich ein Astronautenzwillingspaar, Scott und Mark Kelly.
30:46Der eine flog in den Weltraum, dann aber gleich ein ganzes Jahr,
30:50während sein Bruder auf dem Boden blieb.
30:52Und dann konnte man direkt sehen, um wie viel die Knochen- und Muskelmasse schwindet.
30:57Scott Kelly ist mit 520 Tagen im All einer der erfahrensten Astronauten aller Zeiten.
31:032015 war er knapp ein Jahr im All.
31:07Sein letzter Einsatz auf der ISS dauerte 340 Tage.
31:12Im Gegensatz zu seinem Bruder Mark, der auf der Erde geblieben war,
31:16machten die Wissenschaftler nach seinem letzten Aufenthalt im Orbit eine erstaunliche Entdeckung.
31:227% seines Genmaterials waren im Vergleich zu seinem identischen Zwillingsbruder verändert.
31:27Die Veränderung der Genaktivität sei vergleichbar mit der, die bei Menschen unter Stress entstehe,
31:34etwa bei Bergsteigern, so die NASA.
31:39Und nicht nur das.
31:41Scott Kelly hatte weniger Muskeln, war aber um 4 cm gewachsen.
31:45Die Schwerelosigkeit war schuld.
31:47Scotts Erkenntnis, man muss die Ausdauer beibehalten, die nötig ist,
31:55um eine einjährige Mission mit derselben Energie und demselben Enthusiasmus,
32:00die man am Anfang hatte, bis zum Schluss durchzuziehen.
32:06Nach seiner Rückkehr plagten Kelly irdische Probleme.
32:10Drei Monate später schmerzten noch immer seine Beine und Füße.
32:13Sein Fazit, es ist einfacher, sich an ein Leben im All zu gewöhnen,
32:18als danach wieder an ein Leben auf der Erde.
32:27Der NASA-Roboter Walküre braucht sich über veränderte Erbsubstanz
32:32oder verkümmerte Muskeln keine Sorgen zu machen.
32:35Die Maschine auf zwei Beinen ist für Planeteneinsätze gedacht.
32:39Auch als Assistenzroboter für menschliche Teams auf dem Mars oder Mond könnte er nützlich sein.
32:45Dank Batterieversorgung arbeitet der 130 Kilo schwere Elektrodiener eine Stunde autonom.
32:52Außerdem benötigt der Roboter keinen Sauerstoff.
32:55Auch dieses Mars-Auto wartet bei der NASA in Houston auf seine erste außerirdische Mission.
33:05Volker Schmidt, Raumfahrtmanager beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt,
33:10ist überzeugt, dass es ohne Hilfsmaschinen bei der Eroberung des Alls nicht gehen wird.
33:14Das ist praktisch die Zukunft, die nach der Raumstation entweder in Richtung Mond oder in Richtung Mars
33:24oder in Richtung der sogenannten Near-Earth-Objects, Asteroiden gehen kann,
33:30wo man auf dem Asteroiden abgesetzt werden kann oder auch, wenn die Gravitation mehr ist, wo man fahren kann.
33:37Und da können die Astronauten dann sich bewegen auf der Oberfläche, können aussteigen, Proben nehmen,
33:45wieder einsteigen und praktisch abheben zum Mutterschiff zurück oder zur Basis zurück.
33:54Manche Leute sagen ja, müssen wir denn unbedingt beim Mann zum Mond oder zum Mars fliegen?
34:00Können wir das nicht nur robotisch machen?
34:01Nun schicken Sie mal einen Roboter zum Mond und wenn er zurückkommt, fragen Sie ihn,
34:06sag mal, wie war es denn da oben, was für Gefühle hattest du, als du auf die Erde zurückschautest?
34:12Kann das ein Roboter?
34:13Nee, das kann nur ein Mensch.
34:16Der Astronaut als Mensch ist Botschafter der Menschheit.
34:19Das ist ein sehr wichtiger Punkt.
34:21Und dann gibt es natürlich noch den Pioniergeist.
34:24Also wir wollen erobern.
34:26Wir flogen zum Mond und erst als wir da waren, hatten wir den Mond erobert.
34:31Nicht die unbemannten Missionen davor.
34:34Und genau das ist die Idee von Elon Musk.
34:37Er will der Pionier für den Mars sein.
34:40Die ersten Menschen, die erste Kolonie auf dem Mars bestellen.
34:45Die Falcon Heavy von SpaceX.
34:48Die Vision wurde im Frühjahr 2018 Realität.
34:52Bei ihrem Start zündeten gleich 27 Triebwerke.
34:55Es ist die stärkste Rakete der Welt.
34:57Nach ihrer Verwendung kehrten die Booster zurück zum Startplatz.
35:02Die Konstruktion soll unbemannt bis zum Mars fliegen.
35:07Susanna Randall, Astrophysikerin und Astronautenkandidatin, verfolgt das Vorhaben genau.
35:13Elon Musk hat ja ganz klar gesagt, sein Ziel ist der Mars.
35:17Im Moment baut SpaceX an der Big Falcon Rocket.
35:20Das ist eine riesige, große Rakete, die dann die Kapazität haben soll, zum Mars zu kommen.
35:26Und natürlich sind die Erfahrungen jetzt mit der Crew Dragon und mit der ISS sehr wichtig,
35:31um letztendlich den roten Planeten in Angriff zu nehmen.
35:33Bevor SpaceX wirklich Menschen zum Mars bringen kann,
35:37soll bei der Mission Red Dragon eine unbemannte Kapsel des Typs Dragon 2 mit einer Falcon Heavy zum roten Planeten starten und dort landen.
35:48Dann folgen Typen der künftigen Baureihe BFR, Big Falcon Rocket.
35:54Sie wird doppelt so stark sein wie die legendäre Saturn V der Apollo-Missionen.
36:03Also natürlich sind die Kapseln, die ich jetzt gesehen habe, für die kurze Reise zur ISS ausgelegt.
36:13Also ich kann sagen, dort würde ich keine sechs bis neun Monate verbringen wollen, die es ja braucht, um zum Mars zu kommen.
36:19Aber sicherlich die Technologie ist soweit.
36:23Wir müssen sehr viel Forschung noch betreiben, inwieweit der menschliche Körper auch diese lange Reise zum Mars überhaupt überstehen kann.
36:30Und das tun wir im Moment auf der ISS.
36:31Deswegen ist die ISS sozusagen der Stepping Stone zum Mars.
36:40Ab 2022 soll eine Big Falcon Rocket zum ersten Mal Fracht auf dem Mars absetzen.
36:48Zwei Jahre später will dann SpaceX die ersten künftigen Marsianer in eine neue Welt schicken.
36:55Für Fachleute ist überhaupt keine Frage, dass Elon Musk zum Mars fliegen wird.
37:06Denn er hat das richtige Konzept und ist einer der wenigen, die auch das Geld dafür auftreiben kann.
37:12Vielleicht wird er nicht alleine fliegen, sondern er wird wahrscheinlich mit der NASA fliegen.
37:16Aber was soll's?
37:18Die hat wenigstens eine Menge Erfahrung.
37:20Die einzige Frage, die bleibt, wann wird er denn eigentlich fliegen?
37:25Nun dazu muss man wissen, man kann eigentlich nicht täglich zum Mars fliegen, sondern der Treibstoffverbrauch halbiert sich alle 15 Jahre.
37:33Das nächste Mal, wo das möglich ist, ist im Jahre 2033 und dann erst wieder im Jahre 2048.
37:41So, und jetzt können wir kurz überlegen.
37:43Wir müssen vorher zum Mond, weil wir dort erstmal nachweisen müssen, dass die ganzen Technologien funktionieren.
37:49Das braucht ungefähr 10, 15 Jahre.
37:52Also das heißt, sie könnten es gerade schaffen, im Jahre 2033 zum Mars zu fliegen.
37:58Und wenn sie es bis dahin nicht schaffen, brauchen sie bis zum Jahre 2048.
38:04Wie alt werden dann die Astronauten sein?
38:07Nun, typisches Alter für gute, erfahrene Astronauten ist 50 Jahre.
38:12Also meine Vermutung ist, die werden 50 Jahre sein.
38:15Umgerechnet auf den heutigen Tag bedeutet das, diese Astronauten, die zum ersten Mal den Fuß auf den Mars setzen, sind heute entweder 30 Jahre oder 35 Jahre alt oder 20.
38:29Wie auch immer, der erste Mensch, der seinen Fuß auf den Mars setzt, lebt heute bereits unter uns.
38:36Wenn sich dem Mars statt Sonden Menschen nähern und ihn mit eigenen Augen erkunden, werden die größten technischen Anstrengungen der Menschheit benötigt, um dieses Abenteuer Wirklichkeit werden zu lassen.
38:53Die monumentalen Starts der Space Shuttles werden dann geradezu harmlos erscheinen, wenn die Menschen die neuen, ehrgeizigen Ziele fernab der Umlaufbahn ansteuern.
39:04Die Raumschiffe müssen extrem viel Schub entwickeln, um ihre enorme Tonnage der irdischen Schwerkraft zu entreißen.
39:12Fest steht schon jetzt, mit dem Aufbruch zum Mars beginnt eine völlig neue Ära der Raketentechnologie.
39:20Der Mars ist einfach eine ganz andere Herausforderung.
39:23Also zum Mond kann man sozusagen in Sommerferien fliegen.
39:25Eine Woche hin und zurück schafft man, ja, das haben die ja damals auch gemacht, die sind nur wenige Stunden auf dem Mond geblieben.
39:31Und man kann im Nachhinein auch nur sagen, gut so, dass sie es so gemacht haben, denn die ganze Strahlenbelastung und so weiter, das wurde damals total unterschätzt.
39:39Zum Mars zu fliegen und zurück, das dauert mit heutiger Technologie etwa zwei Jahre, weil wir auch nicht direkt zurückfliegen können.
39:46Mars und Erde haben eine andere Umlaufzeit um die Sonne.
39:49Und deshalb brauchen sie eine Reisezeit von zwei Jahren.
39:52Und das ist schon mal eine andere Größenordnung.
39:55Hinzu kommt die Frage, wenn sie auf dem Mars landen, dann wollen sie auch wieder weg.
39:59Das heißt, sie brauchen eine echte Rakete, um vom Mars wieder wegzufliegen, weil er etwa 40 Prozent der Anziehungskraft der Erde hat.
40:05Der Mond hat nur 16 Prozent. Das ist vergleichsweise einfach.
40:08Also der Mars ist eine andere Hausnummer.
40:10Knapp 60 Millionen Kilometer weit entfernt befindet sich das neue Ziel der bemannten Raumfahrt.
40:22Temperaturen von minus 150 Grad Celsius bis zu plus 20 Grad machen Flüge zum erdähnlichen Planeten zu einer besonderen Herausforderung.
40:32Eine Besiedlung ist möglich.
40:35Doch gefährlicher noch als seine dünne Atmosphäre und sein Klima ist es bisher gewesen, überhaupt auf ihm mit Erkundungsrobotern sicher zu landen.
40:43Dennoch, die künftigen Marsfahrer wird das nicht abschrecken.
40:46Sie wollen den irdischen Außenposten besiedeln, auch wenn das Risiko enorm ist.
40:51Wird die bemannte Raumfahrt am Mars enden? Nun, das wissen wir noch nicht.
40:56Aber was wir wissen ist, dass jeder Flug darüber hinaus wesentlich teurer kommen würde.
41:00Und deswegen konzentrieren sich die Ideen bereits jetzt schon darauf, wie wir die Technologien in der Raumfahrt verbessern können.
41:08Zum Beispiel mit neuen elektrischen Antrieben. Daran wird bereits gebaut.
41:13Oder zum Beispiel Nutzanwendungen. Also wie können wir Raumfahrttechnik auf der Erde anwenden?
41:19Und da hatte der Elon Musk eine gute Idee.
41:22Er will nämlich San Francisco mit einer superschnellen Bahn mit Los Angeles verbinden, dem sogenannten Hyperloop.
41:28Und daran arbeiten weltweit viele Studentengruppen. Und ganz vorne dabei ist eine deutsche Gruppe.
41:35Sehen so die Fortbewegungsgerätschaften der Zukunft aus?
41:44Ein Drittel Rakete, ein Drittel Zug, ein Drittel Flugzeug?
41:49In luftleeren Röhren sollen sie fast mit Schallgeschwindigkeit, ohne Luftwiderstand, dank Vakuum extrem schnell dahinsausen.
41:56Und so das Transportsystem revolutionieren.
42:00Hyperloop klingt simpel.
42:02Doch die Realisierung stellt an die Forscher ganz neue Herausforderungen.
42:06Um möglichst alle guten Ideen einzufangen, gibt es spezielle Wettbewerbe in den USA.
42:11Und da sind die Münchner Studenten der Technischen Universität immer ganz vorne mit dabei.
42:18Ihre Bob-ähnlichen Konstruktionen aus Titan und Carbon sind pfeilschnell.
42:2339 künftige Physiker und Maschinenbauer tüfteln an dem perfekten Antrieb und dem optimalen Design für das neue emissionsarme Massentransportmittel Hyperloop.
42:34Es ist eigentlich eine Kombination, also eher nicht eine Rakete, eher wirklich ein Fahrzeug.
42:42Er fährt auf Räder und fährt komplett elektrisch.
42:45Es ist eigentlich ein optimiertes E-Fahrzeug momentan.
42:49Ziel des ganzen Hyperloop ist eigentlich, jede Menge Technologien von anderen Transportmitteln einzubauen und neu zu kombinieren.
42:55Und wir zum Beispiel haben uns in dieser Anfangsphase sehr stark zum Beispiel von E-Fahrzeugen inspirieren lassen.
43:02Ihr siegreiches Modell, POT genannt, brachte es in Los Angeles auf 475 Stundenkilometer.
43:11Keine andere Entwicklung war besser.
43:14Die Mühen haben sich gelohnt, auch wenn es in ihrem Labor ohne Improvisieren nicht geht.
43:20Es ist natürlich schon noch extrem viel Infrastruktur, die dafür notwendig ist.
43:24Die ganzen Röhren, Schienen und dann die ganzen Röhren müssen auch noch evakuiert werden.
43:28Das ist wahrscheinlich das, woran es jetzt im Moment noch scheitert.
43:33An sich, die Prototypen, wird viel dran gebastelt, vor allem jetzt auch in dem Studentenwettbewerb.
43:38Aber an der Infrastruktur, da mangelt es noch im Moment.
43:44Wer weiß, vielleicht bauen sie in wenigen Jahren statt an Modellen am echten Hyperloop-Röhren-Express mit.
43:50Mit ihren Erfolgen und ihrer Erfahrung hätten sie das Zeug dazu.
43:54Für ihre Leistungen in der Hyperloop-Röhre erhielten die Münchner Superbastler zusätzlich einen Innovationspreis.
44:02Wir stehen am Anfang einer neuen Ära.
44:07Aufbruchstimmung liegt in der Luft, hin zu ganz neuen Zielen.
44:11Wir brauchen neue Raketen, Schwerlastraketen, die uns zum Mond bringen.
44:16Dort werden wir wahrscheinlich in den 20er Jahren sein.
44:19Und dort werden wir eine neue Raumstation bauen.
44:22Und dann geht es weiter in den 30er, vielleicht 40er Jahren zum Mars, um dort den ersten Fuß hinzusetzen.
44:28Und insgesamt, wir werden wieder in die Tiefen des Weltraums vorstoßen.
44:33Aber das wird nicht die NASA allein machen.
44:35Nein, es werden Studentengruppen dabei sein, es werden Raumfahrtunternehmen dabei sein.
44:41Überhaupt, die ganze Welt, alle Raumfahrtnationen werden mitmachen.
44:46Ein halbes Jahr wird der Flug dauern, um den Mars zu erreichen.
44:49Dann folgt die gefährliche Landung auf einem sehr stürmischen Himmelskörper mit gigantischen Bergen.
44:54Das anspruchsvollste, je entwickelte Fluggerät wird nötig sein, damit hier einmal Menschen aussteigen können.
45:01Und wenn man noch weiter wegfliegen will?
45:03Ein optimales Raumschiff müsste natürlich mehrere Bedingungen erfüllen.
45:06Das erste, es muss strahlungssicher sein. Das ist ein einfacher Punkt.
45:10Das zweite ist, es müsste die Gelegenheit haben, Gravitation zu simulieren.
45:15Entweder durch Zentrifugen oder wie auch immer wir das in der Zukunft machen können.
45:19Und dann müsste es einen Antrieb haben, der sehr viel besser, sehr viel schneller ist als das, was wir heute haben, um dann eben auch weitere Ziele zu erreichen.
45:29Also insofern, das sind so die Randbildungen, die man für ein solches Raumschiff haben müsste.
45:34Noch schöner wäre natürlich, wenn man interstellar reisen könnte durch Wurmlöcher.
45:38Aber das ist bisher ja außer in der Science Fiction noch nicht so richtig bewiesen worden.
45:42Doch allen Raketenbauern ist eines klar.
45:54Nur mit extremer Motorenleistung wird die Menschheit neue erdferne Ziele erfolgreich und dauerhaft ansteuern können.
46:02Die Trägerraketen, die sie brauchen, um Menschen zum Mond oder darüber hinaus zum Mars zu bringen,
46:14die müssen in der Lage sein, mehr als 60 Tonnen in den Orbit zu bringen.
46:19Also die Falcon Heavy ist beispielsweise in der Lage, 64 Tonnen in den Erdner an Orbit zu bringen.
46:25Die erste SLS, also die amerikanische Trägerrakete, die sich dann weiterentwickeln soll, im Prinzip zu so einer Nachbau der Saturn V,
46:35wird bei ihrem ersten Flug eine Nutzlastkapazität von etwa 70 Tonnen haben und dann in der Weiterentwicklung bis auf 140 Tonnen Nutzlastkapazität hochgehen.
46:45Gerade vor kurzem wurde bekannt, dass auch China plant, so bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts,
46:53eine solche große Trägerrakete langer Marsch 9 zu entwickeln, die in der gleichen Größenordnung liegt.
47:01Also sehen, um tatsächlich dann solche Szenarien zu bedienen, Menschen rückbringen auf den Mond,
47:08dort, um tatsächlich permanente Stationen einzurichten und in ferner Zukunft dann eine astronautische Mission zum Mars vorzubereiten.
47:19Dafür braucht man dann sehr große Trägerraketen mit diesen enormen Nutzlastkapazitäten über 100 Tonnen.
47:29Für den Raketenpionier Musk ist klar, dass in nur wenigen Jahren zigtausende Menschen zum Mars reisen werden.
47:38Der Aufbruch zu unserem roten Nachbarn sei ein großartiges Abenteuer.
47:44Für den SpaceX-Gründer, wie für viele andere Astronauten, Raumfahrtingenieure und Techniker ist es keine Frage.
47:52Wir werden Ziele im All erreichen und Vorhaben umsetzen, die sich vor einem halben Jahrhundert niemand hätte vorstellen können.