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Transkript
00:00Seit jeher haben die Menschen zu den Sternen geschaut.
00:07Seit jeher hat uns das Universum fasziniert und Fragen aufgeworfen.
00:14Was ist noch da draußen? Wie ist das alles entstanden? Wo kommen wir her?
00:21Spricht man von Raumfahrt, dann denkt man an Astronauten und abenteuerliche Reisen zu fernen Welten.
00:26Doch die wirkliche Weltraumfahrt findet ganz in unserer Nähe statt. Im Erdorbit und unbemannt.
00:34Weit über 1000 Satelliten umkreisen unseren Planeten und liefern Bilder und Informationen genauer und schneller als je zuvor.
00:43Ohne Satelliten wäre das Leben in unserer modernen Welt undenkbar.
00:49Herzlich willkommen bei Space Time mit Ulrich Walter, Astronaut und Wissenschaftler.
00:54Er weiß, im Weltraum wartet Unglaubliches auf uns.
01:00Unser Alltag wird durch Satelliten bestimmt.
01:09Der Blick aus dem All auf die Erde.
01:11Die Lenkung von Datenströmen durch den Orbit.
01:14Das Versorgen der Menschheit mit Informationen.
01:18Das sind die wahren Errungenschaften der Raumfahrt.
01:21Mit hochsensibler Sensor- und Kameratechnik, Radarstrahlen und optischen Messverfahren vermitteln Satelliten uns aber auch Ansichten der Erde, von denen frühere Generationen noch nicht einmal träumen konnten.
01:35Wir haben in den letzten 10 bis 20 Jahren Großartiges in der Erdbeobachtung erreicht.
01:43Nehmen wir die optischen Teleskope.
01:46Die haben heute eine Auflösung von 20 bis 25 Zentimetern.
01:50Das heißt, wir können so kleine Details auf der Erdoberfläche sehen und das aus dem Weltraum.
01:55Wir können mit Radarstrahlen auf die Erde scheinen und sehen im reflektierten Strahlen nicht nur bei Tag, sondern auch bei Nacht.
02:04Wir können sogar durch Wolken schauen.
02:06Wir können mit Radarinterferometrie digitale Höhenmodelle bestimmen mit einer Genauigkeit von 10 Zentimeter.
02:14Wir können im Infraroten das Wachstum von Getreide sehen.
02:17Wir können also genau sehen, wann welches Getreide reif ist.
02:21Mit einem Wort, wir haben unsere Welt im Griff.
02:24Die Frage ist nur, brauchen wir das wirklich?
02:28Satelliten gehören zu den größten Erfindungen der Menschheit.
02:32Wir nehmen sie nicht wahr, aber sie beeinflussen in jedem Moment unser tägliches Leben.
02:38Doch Satelliten bestimmen nicht nur den Alltag in einer modernen Welt.
02:41Sie halten auch ein wachsames Auge auf unseren Planeten.
02:54Zirka 500 Millionen Quadratkilometer misst die Oberfläche der Erde und sie unterliegt einer ständigen Veränderung.
03:05Waren es in der Vorzeit vor allem die Zyklen der Eiszeit, die Klima und Ökosysteme beeinflussten,
03:12so formt mittlerweile der Mensch die Umwelt maßgeblich mit.
03:15Diese Veränderungen, von der Natur oder vom Menschen ausgelöst, werden von den Augen im All beobachtet.
03:23Erst die Weltraumfahrt ermöglichte uns diesen exakten Blick auf unseren Planeten.
03:32Die Begleiter im Erdorbit liefern uns ein digitalisiertes Bild des Zustandes von Mutter Erde.
03:41Sie können mit Erdbeobachtung direkt praktische Anwendungen machen, ob das nun in der Landwirtschaft ist,
03:47ob das für die Wettervorhersage ist, ob das bei der Bewältigung von Katastrophen der Fall ist.
03:53Also Erdbeobachtung ist mittlerweile so etwas wie eine neue Phase der Infrastruktur für das tägliche Leben.
04:02Seit den ersten Aufzeichnungen vom All aus werden die Daten gespeichert und immer wieder mit der Gegenwart verglichen.
04:10Es ist ein riesiger Wissensschatz, aus dem Naturforscher und Wissenschaftler sich bedienen.
04:19Wir haben hier die Möglichkeit, vor allem Veränderungen zu sehen.
04:23Das heißt, durch die regelmäßige Beobachtung der Gebiete sehen wir Veränderungsprozesse.
04:28Und diese Veränderungen gilt es zu analysieren, was sind die Ursachen dafür und wie geht es weiter in Zukunft.
04:36Herbst 1946.
04:38US-Army-Testgelände White Sands in der Wüste von New Mexico.
04:43Eine erbeutete deutsche V2-Rakete wird zum Start vorbereitet.
04:47Statt Sprengstoff transportiert die V2 eine 35-mm-Filmkamera.
04:50Hitlers ehemalige Vergeltungswaffe lieferte das erste aus dem All aufgenommene Bild der Erde.
04:59Den weltweit ersten Satelliten schossen 1957 die Sowjets in den Erdorbit.
05:05Sputnik markierte den Beginn eines neuen Zeitalters.
05:08Satelliten dienten zuallererst den Militärs.
05:12Mit ihren Kundschaftern im All blickten die US-Amerikaner tief in kommunistische Hinterhöfe.
05:18In gleicher Weise spähten die Sowjets den westlichen Klassenfeind aus.
05:22Es herrschte kalter Krieg.
05:23In den 60er Jahren ging es vor allem darum, in Nachbarsgarten schauen zu können.
05:29Das heißt, wenn man sich von der Erde in einen Orbit begibt und schaut von oben runter,
05:35dann kann ich natürlich mit einem Schlag überall dorthin schauen, wo ich von zu Hause aus nicht hingucken kann.
05:41Und das war natürlich sicherlich eine der Motivationen, das heißt einfach für die militärische oder für die Sicherheitsanwendung.
05:47Aber sehr schnell hat man erkannt, dass ein riesengroßer Vorteil in diesem Verfahren eben auch die Erfassung der irdischen Veränderungsprozesse liegt.
05:581960 schossen die Amerikaner TIROS-1, ihren ersten Wettersatelliten, in eine Erdumlaufbahn.
06:07Das Forschungsprogramm bestand aus zehn Satelliten, die den meteorologischen Dienst der USA täglich mit Aufnahmen von Wolkenformationen versorgten.
06:17Es war der Beginn der modernen Wetterbeobachtung.
06:24Erst der Blick aus dem All auf physikalische und chemische Vorgänge in unsere Atmosphäre
06:30ermöglichte es den Wissenschaftlern, globale Zusammenhänge im Wettergeschehen zu erfassen und zu bewerten.
06:36Wir konnten die Vorhersagequalität, auch die mittelfristige Vorhersagequalität, in den letzten Jahren deutlich, deutlich verbessern.
06:49Also in den letzten 10, 15 Jahren ist die Genauigkeit der Aussagen, die zum Beispiel den Zeitraum der nächsten drei bis fünf Tage betreffen, viel, viel besser geworden.
06:57Und das kommt vor allem eben durch die Satellitendaten und deren sehr genauen Blick und die Zustandsbeschreibung.
07:05Weltumspannend sammeln Satelliten Messdaten aus der Atmosphäre und von der Oberfläche unseres Planeten.
07:11Verarbeitet werden die Daten in Supercomputern.
07:14Algorithmen erstellen Modelle zum aktuellen Wettergeschehen.
07:17Und dabei geht es nicht nur um die Vorhersage für den nächsten Tag.
07:24Wettervorhersage brauche ich nicht, wenn es heute 25 Grad ist, morgen wird es 26 Grad.
07:28Die Wettervorhersage interessiert keinen.
07:30Aber wenn es heute 25 Grad ist und morgen kommt ein Tsunami und der bildet sich relativ schnell, die Wettervorhersage interessiert uns schon.
07:37Und das sozusagen weiter zu verbessern, sodass es wirklich keine Überraschung mehr gibt, dass man größere Vorwarnzeiten hat,
07:43Ich glaube, das werden wir in den nächsten Jahren erleben. Und das wird ein Kernprodukt sein von guten Satelliten, die uns Daten liefern.
07:53Wetter-Satelliten neuster Generation arbeiten mit vorher nicht geahnten Bildqualitäten.
08:00Der US-Satellit GOES-16 nimmt alle 15 Minuten ein hochauflösendes Bild der westlichen Hemisphäre auf.
08:07Und alle fünf Minuten eines der USA.
08:09Bei aktuellen Ereignissen, wie zum Beispiel Hurricanes, schickt GOES-16 alle 30 Sekunden ein Bild zur Erde.
08:20Was für Satellitentypen gibt es eigentlich und wo fliegen die?
08:24Nun schauen wir uns doch mal die Erde an.
08:26Da gibt es die einen Satelliten, die sogenannten geostationären Satelliten.
08:30Die haben einen Abstand von der Erdoberfläche von 36.000 Kilometer.
08:34Das ist ungefähr dieser Abstand hier.
08:37Warum ist der so besonders?
08:40Nun, in diesem Orbit bewegen sich die Satelliten um die Erde genauso schnell, wie sich die Erde um sich selber dreht.
08:48Das heißt, wenn ich irgendwo in Europa bin, dann kann ich meine Satellitenschüssel immer auf denselben Punkt ausrichten
08:54und sehe immer den Satellit am selben Punkt.
08:58Sehr wichtig für TV-Satelliten.
09:00Dazwischen in einem mittleren Bereich, im sogenannten Medium Earth Orbit, gibt es Navigationssatelliten.
09:07Zum Beispiel die GPS-Satelliten oder die europäischen Galileo-Satelliten.
09:11Ganz wichtig, und dort fliegen auch die meisten Satelliten, ist der sogenannte niedrige Erdorbit.
09:17Das ist ein Bereich von etwa 1 Zentimeter auf dieser Skala bis etwa 5 Zentimeter.
09:21Also etwa zwischen 400 und 1.000 Kilometer Entfernung von der Erdoberfläche.
09:28Warum so nah?
09:30Nun, Erdbeobachtungssatelliten müssen ganz nah an die Oberfläche rangehen, um eine höhere Auflösung zu haben.
09:37Und auch da gibt es unterschiedliche Satellitentypen.
09:40Denn es macht einen Unterschied, ob ich immer nur am Äquator entlang fliege, denn dann sehe ich eigentlich nur den Äquator.
09:45Nein, wenn ich die gesamte Erdoberfläche fliegen will, muss ich eine sogenannte Inklination fliegen.
09:52Also ein Orbit, der angestellt ist gegen den Äquator.
09:55Dann geht es nämlich auf die Nordseite und wieder auf die Südseite.
09:59Und weil sich die Erde drunter wegdreht, sehe ich viel mehr von der Erdoberfläche.
10:04Und die perfekten Erdbeobachtungssatelliten, das sind meistens alle, fliegen über die Pole.
10:09Denn wenn sich jetzt die Erde drunter wegdreht, dann sieht man wirklich die gesamte Erdoberfläche.
10:14Die aus dem All gewonnenen Informationen haben auch große wirtschaftliche Bedeutung.
10:21Mit dem Copernicus-Programm hat sich Europa ein eigenes Beobachtungssystem erschaffen.
10:27Eine leistungsfähige Infrastruktur für Erdbeobachtung und Dienstleistungen der Geoinformation.
10:35Mit Copernicus hat Europa ja eine große Unabhängigkeit auch von internationalen Erdbeobachtungsmissionen erreicht.
10:41Wir haben heute schon fünf Sentinel-Satelliten, so heißen diese Satelliten, also die Erdwächter übersetzt, im Orbit,
10:50die rund um die Uhr in verschiedenen Auflösungen und Frequenzbereichen die Erdoberfläche abtasten.
10:55Und die Europäische Union nutzt diese Daten für eigene Auswertprogramme für ihre nachgeordneten politischen Entscheidungen.
11:05Ob das nun im Bereich der Sicherheit ist, ob das im Bereich der Landwirtschaft ist, der Landoberfläche oder auch im Bereich der Klimaentwicklung.
11:12Da werden all diese Daten regelmäßig ausgewertet und Informationen hergestellt und erzeugt,
11:18die dann auch für die politische Entscheidungsbildung von Bedeutung sind.
11:21Mit den Sentinel-Satelliten, den Wächtern, will Europa mit eigenen Augen sehen, wie es um unseren Planeten bestellt ist.
11:37Rund um die Uhr schicken die Wächter ihre Daten zur Erde hinunter.
11:40Die Satelliten haben Parameter wie Temperatur, Waldbedeckung, Meeresströmungen, Vegetationsmuster, Verstädterung und die Zusammensetzung der Atmosphäre fest im Blick.
11:54Was ganz wichtig ist im ganzen Thema der globalen Erwärmung, ist die Messung von CO2 und anderen Treibhausgasen.
12:01Und das können wir eben auch mit Satelliten tun, um eben zu messen, wie ist die Konzentration, nimmt sie zu, nimmt sie ab, wie ist das regional unterschiedlich.
12:09Das Ganze wird natürlich verwendet, um Klimamodelle zu speisen, um dann eben auch Vorhersagen zu machen, wo geht es hin mit unserem Klima.
12:18Das Kopernikus-Programm verknüpft die Daten aus dem All mit Informationen vom Boden und liefert so ein detailliertes Bild der Erde.
12:27Und die Sentinel-Daten sind für jedermann frei zugänglich.
12:31Man kann jetzt wirklich konsequent auch flächenhaft eben überwachen und das eben noch viel besser mit den bestehenden Messnetzen integrieren, die es ja schon gibt.
12:42Also für viele Umweltparameter, die werden ja in Punktmessungen schon sehr gut erfasst.
12:46Aber das sind eben wieder diese Punktmessungen. Und jetzt kann man doch ein flächenhafteres Verständnis gewinnen.
12:52Mit Hochleistungsinstrumenten überwachen die Sentinel-Satelliten unseren Planeten.
12:59Der Großteil der Daten dient dem Umweltschutz.
13:03Klimaforscher analysieren mit den Informationen von Kopernikus die globalen Veränderungen in unserer Welt.
13:08Unsere Sentinel-Satelliten sind ja polarumlaufend. Das heißt, die fliegen alle 90 Minuten um die Erde.
13:15Wir sehen damit die Polkappen, sowohl Grönland als auch die Antarktis, alle 90 Minuten.
13:21Und sehen dort die Veränderungen des Meereises. Wir sehen, wie die Gletscher abschmelzen.
13:27Wir sehen, dass diese riesen Eiskappen im Norden wie im Süden mit erheblicher Geschwindigkeit abschmelzen.
13:33Und das führen wir natürlich auf den Klimawandel zurück.
13:36Die Sentinel-Daten bilanzieren auch den Eisverlust und Zugewinn in den Polregionen.
13:43Wichtige Faktoren für Klimamodelle und Klimaprognosen. Und die Überprüfung von deren Zuverlässigkeit.
13:51Natürlich gab es auch immer Klimaveränderungen in der Vergangenheit ohne den Menschen.
13:55Aber ich glaube, es spricht alles dafür und bin fest davon überzeugt, dass der Klimawandel durch den Menschen hervorgerufen wird zum großen Teil.
14:02Und mit den Satelliten können wir eben gut 50 Prozent der wichtigsten Parameter auch verfolgen und zeigen, hier passiert etwas.
14:11Ohne Unterbrechung scannen die Satelliten unseren Planeten.
14:15Ein Datenschatz, auf den auch in Zukunft zurückgegriffen werden kann.
14:19Schon in ein paar Jahren kann es Technologien geben, die aus den Informationen ganz neue Erkenntnisse gewinnen.
14:25Was will eigentlich das europäische Kopernikus-Programm?
14:30Nun, die ESA steht da in einer sehr langen Tradition.
14:33Wir machen schon seit Jahrzehnten Umweltbeobachtung.
14:36Und genau das soll Kopernikus weiterführen.
14:39Über die nächsten vielen Jahre sollen insgesamt etwa elf Satelliten in den Weltraum geschossen werden.
14:45Die Raumfahrtindustrie wird diese Satelliten entwickeln und dann dorthin schießen.
14:48Und wenn es Umwelt heißt, dann geht es nicht nur darum, ob irgendwo Urwälder abgeholzt werden, sondern es geht noch viel weiter.
14:56Zum Beispiel, wie fließen die Meereströmungen?
14:59Wie verändert sich die Atmosphäre?
15:02Welche Dunstteilchen oder Verunreinigungen in der Atmosphäre gibt es heute?
15:07Wo entsteht Ozon? Wo ist es zu wenig?
15:10Das alles ist Umwelt.
15:11Und wie gesagt, da steht die ESA in langer Tradition.
15:14Und deswegen meine ich, es sind 6,7 Milliarden Euro und so teuer ist dieses Programm sehr gut angelegt.
15:21Frühjahr 2015.
15:24Mehrere Erdbeben erschüttern das Land Nepal und die Himalaya-Region.
15:29Mehrere tausend Menschen finden den Tod.
15:34Hilfsmannschaften aus der ganzen Welt machen sich auf den Weg in die Krisenregion.
15:38Und auch die Augen im All wenden sich dem Katastrophengebiet zu.
15:44Innerhalb kürzester Zeit liefern die Satelliten Daten und hochauflösende Bilder.
15:50Wir wurden über das Geophon-Netzwerk, das seismische Netzwerk des Geoforschungszentrums Potsdam informiert über dieses Erdbeben.
16:00Und haben danach sofort begonnen, hier erste Satellitendaten aufzunehmen.
16:05Das THW ging in diese Region, ging nach Kathmandu und wir haben hier parallel Auswertungen erstellt.
16:14Das heißt, wir haben kartiert, wo sind die Schäden, welche Gebäude sind zerstört, welche Straßen sind nicht mehr befahrbar.
16:24Wir haben nicht nur nach Kathmandu geschaut, sondern wir haben auch Auswertungen für die entlegenen Bergregionen gemacht.
16:32Dort ist es nämlich infolge der Erdbeben zu Hangrutschungen gekommen.
16:36Dadurch wurden die Straßen teilweise verschüttet und waren nicht mehr passierbar.
16:42Und das war eine wichtige Information für viele Hilfsorganisationen, die eben in diese entlegenen Regionen gegangen sind.
16:47Erdbeobachtungssatelliten können im Katastrophenfall sehr schnell Informationen und hochauflösende Bilder der betroffenen Regionen bereitstellen.
16:57Regionale und politische Grenzen spielen dabei keine Rolle.
17:03Wenn wir über Klimaveränderung reden, wenn wir über globale Katastrophen oder irgendetwas denken, dann ist ein ganz wichtiger Punkt der internationale Austausch.
17:15Wir haben dort eine Charter gegründet vor vielen Jahren für Space and Major Disaster.
17:21Das heißt, wenn irgendwo in der Welt eine Katastrophe passiert, ein Lawinenunglück, ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch oder irgendetwas,
17:28dann sind die Beteiligten in dieser Charter, werden dann aufgerufen, Daten zu liefern.
17:34Und sie tun das unentgeltlich. Es kostet natürlich Geld zu Hause, aber unentgeltlich stellen sie Daten zur Verfügung, um Hilfsmannschaften zu helfen.
17:40Damit die Helfer vor Ort effektiver arbeiten können, stellt das Copernicus-Programm auch bereits aufgearbeitete Daten zur Verfügung.
17:52Da kann man natürlich mit Fernerkundung viel machen.
17:56Das setzt aber auch natürlich voraus, dass man die entsprechenden ausgebildeten Menschen hat,
18:02dass man auch eine Infrastruktur hat, um solche Auswertungen, wie sie jetzt inzwischen schon möglich sind, auch dann operationell zu nutzen.
18:09Satelliten sind zu unabdingbaren Helfern bei jeglicher Art von Katastrophe geworden.
18:16Ihre Bilder und dreidimensionalen Geländebeschreibungen vermitteln ein genaues Bild der Lage vor Ort.
18:22Für die Hilfsorganisationen, die in die betroffenen Gebiete gehen, ist es sehr wichtig, aktuelle Informationen zu bekommen.
18:33Wie ist die Schadenssituation vor Ort? Wo sind die schlimmsten Zerstörungen? Was ist das Ausmaß der Zerstörung?
18:39Auch eine andere Frage ist, wo sind Freiflächen, wo beispielsweise Zelte aufgebaut werden, um Versorgungsmaterial dort zu lagern oder eben auch die Bevölkerung in Zelten unterzubringen.
18:52All diese Informationen können wir mit unseren Satelliten aus dem All bereitstellen und durch aktuelle Karten den Hilfseinrichtungen zur Verfügung stellen.
19:02Aus dem All heraus erstellte Geländemodelle können Veränderungen am Boden genau aufzeigen und helfen so vielleicht, zukünftige Katastrophen zu verhindern.
19:18Konsequentes Beobachten, Auswerten, kleiner Vorzeichen erfassen kann dazu führen, dass man sicherer sagen kann, wo in welchen Hangbereichen vielleicht demnächst eine größere Bewegung zu erwarten ist, um die Leute zu warnen.
19:35Und vor allen Dingen die beste Frühwarnung oder Vorsorge ist natürlich, genau zu analysieren, wie groß könnte die maximale Massenbewegung sein und wie weit geht die Zone, wo die sich dann hin auslaufen würde.
19:50Doch nicht nur bei Naturkatastrophen leisten Satelliten wertvolle Dienste. Es ist der Mensch, der seine Umwelt am meisten bedroht.
19:58Die Auswirkungen seines Tuns werden von den Spähern im Orbit genau beobachtet und analysiert.
20:05Zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Eine riesige Fläche, die nur aus dem All heraus erfasst werden kann.
20:17Auch im Falle von menschengemachten Katastrophen oder Industrieunfällen können wir hier entsprechende Auswertungen machen.
20:23Nehmen Sie das Beispiel eines Tankerunfalls, einer Ölverschmutzung.
20:27Hier setzen wir vor allem wieder Radarsatelliten ein. Sie können mit Radarsatelliten sehr gut diese Ölteppiche detektieren.
20:37Dieser Ölfilm führt dazu, dass die Oberfläche etwas geglättet wird und das sehen wir in den Radardaten.
20:45Und damit können wir Auswertungen machen, können den aktuellen Zustand dokumentieren und eben auch die Ausbreitung dieses Ölteppichs
20:53z.B. über einen längeren Zeitraum dann beobachten und dokumentieren.
20:58Die Weltmeere stehen lückenlos unter der Überwachung von Satelliten.
21:03Eine große Gefahr sind Seebeben.
21:05Sie lösen Tsunamis aus, die verheerende Überschwemmungen bringen.
21:10Im Dezember 2004 bebte im Indischen Ozean der Meeresboden.
21:14Den dadurch entstandenen Riesenwellen fielen über 250.000 Menschen zum Opfer.
21:21Aufgrund dieser Katastrophe wurde ein weltweites Warnsystem installiert, das eine der größten Errungenschaften der Raumfahrt nutzt.
21:29GPS.
21:30Das auf Satelliten basierte Navigationssystem.
21:34Die Lage von Sensoren und Bojen wird durch GPS überwacht.
21:38Veränderungen in deren Lage lösen einen Alarm aus.
21:44Es sind die Navigationssatelliten im All, die das Leben auf der Erde wohl am meisten beeinflussen und verändert haben.
21:55Wie funktioniert nun genau so ein Satellitennavigationssystem?
21:59Nun schauen wir uns das europäische Galileo-System an. Das sehen wir hier.
22:04Ein Satellitennavigationssystem basiert auf der sogenannten Walker-Constellation.
22:09Was ist das? Nun, das ist eine bestimmte Anzahl von Orbits.
22:13In diesem Fall sehen wir hier drei Stück.
22:15Einer, zwei, drei.
22:19Und die insgesamt 30 Satelliten befinden sich auf diesen drei Orbits.
22:24Also im Mittel zehn Stück auf einem Orbit.
22:27Wobei allerdings nur neun wirklich aktiv ist und immer einer ist ein Ersatzsatellit.
22:32So, und die kreisen in gleichmäßigen Abständen auf diesem Orbit.
22:36Eine Walker-Constellation hat zudem die Eigenschaft, dass wenn ein Satellit an einer Stelle auf dem Orbit ist,
22:43der andere Satellit auf dem anderen Orbit eine bestimmte Distanz hat.
22:47Und diese Konstellation gewährleistet es nun, dass wenn ich auf der Erde bin und meine Position bestimmen will,
22:54ich immer mindestens vier Satelliten gleichzeitig sehe.
22:58Und wenn ich das sehe, passiert Folgendes.
23:01Jeder dieser Satelliten sendet ein Signal zur Erde.
23:04Mein Empfänger sieht diese vier Signale und macht daraus Folgendes.
23:09Mit drei Satelliten macht er über die sogenannte Triangulation seine sogenannte Positionsbestimmung.
23:15Aber dafür braucht er die exakte Zeit.
23:18Das heißt auf Mikrosekunden genau.
23:20Und die kriegt er über den vierten Satelliten.
23:23Und genau so funktioniert das Ganze.
23:24Das europäische Navigationssystem Galileo funktioniert grundsätzlich genauso wie GPS, verspricht aber Unabhängigkeit.
23:36Auch Russland und China haben eigene Systeme entwickelt.
23:40Moderne Geräte greifen auf die Daten aller Systeme zu.
23:44Die Genauigkeit ist enorm gestiegen.
23:46Wir arbeiten seit Ende der 90er Jahre in Kyrgyzstan und unsere erste GPS-Messung, da wusste man nicht, auf welcher Seite des Flusses man ist.
23:56Dann hat man das noch visuell mit der topografischen Karte, die man ausgedruckt dabei hatte, verglichen, wo die Koordinate lag.
24:02Also das waren die Anfänge.
24:04Der Mensch hat sich über Generationen daran gewöhnt, die Zeit genau zu erfassen.
24:09Mit den Navigationssystemen kommt nun der Ort hinzu.
24:12Erst seit es GPS gibt, haben wir ein weltweit einheitliches räumliches Referenzsystem.
24:20Und das ist Voraussetzung für jede globale Anwendung, denn wir müssen unsere Daten immer sehr genau räumlich verorten.
24:27Und deswegen, das wäre ohne GPS alles nicht denkbar.
24:30Die Satelliten im Weltraum bestimmen mittlerweile unsere Wege auf der Erde.
24:38Durch den Dschungel eines modernen Lebens und immer schneller wachsender Städte führen uns heute Rechenmodelle und Algorithmen.
24:45Wir haben uns abhängig gemacht von einem nicht mehr versiegenden Strom an Daten und deren weltweiten Vernetzung.
24:58Mathematik und Physik leiten uns über unsere Straßen.
25:02In Zukunft sogar autonom.
25:04Wir reden jetzt über so kleine Zeitsignale, dass die bereits durch die Relativitätstheorie verändert werden.
25:12Man muss also die Auswirkungen der einsteinischen Relativitätstheorie mit berücksichtigen.
25:18Also ist sozusagen unser GPS-System eine ständige Prüfung der Relativitätstheorie.
25:24Ohne die einsteinische Relativitätstheorie würde unser GPS-System nur auf Kilometer genau funktionieren.
25:31Die Genauigkeit, die wir heute haben von Metern, kommt dadurch zustande, dass wir die Korrekturen der Relativitätstheorie berücksichtigen.
25:37Das heißt, jeder testet heute in seinem Auto die Relativitätstheorie von Einstein mit einer hohen Genauigkeit und stellt fest, wow, sie scheint zu stimmen.
25:46Wir haben uns daran gewöhnt, unsere Position ständig neu bestimmen zu können.
25:50Dass Satelliten uns dabei helfen, ist uns oft gar nicht mehr bewusst.
25:56Und wir vergessen auch zu gerne, dass wir so jederzeit preisgeben, wo genau wir uns gerade aufhalten.
26:06Was ist denn jetzt die Positionsgenauigkeit, die ich mit einem GPS-System hinbekomme?
26:12Nun, das GPS hat eine theoretische Auflösung von etwa einem Meter.
26:17Aber die erreicht keiner. Warum nicht?
26:19Nun, es gibt eine sogenannte Ionosphären-Schicht um die Erde herum.
26:24Darin befinden sich hauptsächlich freie Elektronen und die bewirken kleinste Laufzeitunterschiede.
26:30Und Laufzeitunterschiede heißt Entfernungsunterschiede und damit Ungenauigkeiten in der Position, nämlich von ungefähr 15 Meter.
26:38Also mit diesem sogenannten offenen Standard, also das, was Sie zum Beispiel im Auto haben, kriegen Sie nur eine Positionsgenauigkeit von etwa 15 Meter hin.
26:46Es gibt aber Tracks, ein sogenanntes Overlay-System, das sogenannte EGNOS-System.
26:53Das sind zusätzliche Satelliten, die haben diese Korrekturdaten, nämlich die Ionosphären-Dichten und schicken sie an den Benutzer.
27:01Dazu braucht man natürlich einen eigenen Empfänger.
27:03Und dann kann man diese GPS-Daten korrigieren und hat dann eine Genauigkeit von etwa vier Meter.
27:09Die Flugsicherung, also die Flugzeuge, benutzen so ein System und fahren ganz gut damit.
27:15Wenn man es noch genauer haben will, zum Beispiel auf dem Boden, ein Bauer, der seine Saat ausbringt, der macht Folgendes.
27:22Er stellt sich einen eigenen Referenzsender in etwa 100 Meter Entfernung, ein sogenanntes Differential GPS.
27:28Und dieser Referenzsender muss nicht durch die Ionosphäre, sondern nur direkt zum Empfänger.
27:36Und deswegen bekommt man dadurch eine Genauigkeit von wenigen Zentimeter, meistens auf einen Zentimeter genau.
27:42Und das führt zu einer spurgeraden Linie des Traktors.
27:46Unser Galileo-System vereint beides in einem, sowohl das GPS als auch das EGNOS.
27:52Das heißt, im offenen Standard werden wir auch nur 10 oder 15 Meter Genauigkeit haben.
27:58Aber Galileo sendet zugleich auch hochgenaue Korrekturdaten.
28:02Und damit bekommt man auch etwa ein Zentimeter Genauigkeit.
28:06Aber solche Daten muss man dann kaufen.
28:11Aus dem Erdorbit heraus haben die Satelliten Küsten, Gebirge, Gletscher und Städte im Blick.
28:17Sie beobachten jeden Winkel des Planeten.
28:26Satelliten analysieren die Erdatmosphäre, überwachen den Zustand der Ozonschicht und registrieren jede Klimaveränderung.
28:34Der räumlich und zeitlich hoch aufgelöste Datenstrom aus dem All bietet Anwendungsmöglichkeiten, an die man vor zwei Jahrzehnten noch gar nicht gedacht hat.
28:43Der Sentinel-2-Satellit liefert Daten mit einer Auflösung von 10 Metern.
28:48Und das Instrument hat 13 spektrale Kanäle.
28:51Die messen im optischen Bereich und im nahen oder mittleren Infrarot.
28:55Diese verschiedenen spektralen Informationen erlauben uns abzuleiten, was wächst da.
29:00Verschiedene Getreidesorten.
29:02Und auch abzuleiten, in welchem Wachstumszustand ist dieses Getreide, was da wächst.
29:08Zum Beispiel besteht da Wasserstress oder muss da gedüngt werden.
29:10Das sehen wir alles in dem Signal, was wir vom Satelliten bekommen.
29:16Für eine auf bestmögliche Erträge ausgerichtete Welt sind die frei verfügbaren Daten aus dem All goldwert.
29:24Die Kameras und Sensoren der Satelliten registrieren nicht nur die globale Verteilung landwirtschaftlicher Nutzflächen.
29:31Sie registrieren auch, was darauf wächst.
29:35Ob ein Feld nass oder trocken ist.
29:38Und wie es um den Bedarf steht, die Felder zu düngen.
29:40Es gibt Firmen, die zum Beispiel die Sentinel-2-Daten nehmen und für die Überwachung des Wachstums in der Landwirtschaft eingesetzt werden.
29:53Das heißt, die nehmen diese Daten, die fügen GPS-Daten hinzu und diese Daten werden zum Beispiel in Traktoren eingespeist für das Stichwort Precision Farming.
30:02Das heißt, die geben Anleitungen, wo kann man besser bewirtschaften, wo kann man besser Dünger einbringen, wo wird Wasser benötigt, wo sind die Pflanzen unter Stress.
30:12All dies können wir aus den Satellitendaten ableiten und diesen Service verkaufen diese Firmen.
30:18Die Satelliten dokumentieren die Verfassung der weltweiten Waldbestände und die unterschiedliche Landnutzung.
30:24Kombiniert mit anderen Daten, zum Beispiel denen von Wettersatelliten, kann man auch Prognosen für die zukünftige Entwicklung erstellen.
30:35Vegetation ist in vielerlei Hinsicht ein Schlüsselelement auf dem Planeten Erde.
30:40Mal einfach angefangen, dort wo wir große Wälder haben, haben wir große Biodiversität.
30:45Wälder sind auch für das Klimasystem wichtig, weil sie auch wieder CO2 auf der Landoberfläche binden.
30:50Umgekehrt sind die landwirtschaftlichen Flächen natürlich für die Nahrungsmittelproduktion wichtig.
30:57Und die Balance zwischen ökologischen und naturökologischen Themen zu halten, das ist natürlich eine große Aufgabe für jedes einzelne Land und natürlich auch für Staatenverbünde.
31:09Satelliten helfen, die Prozesse auf unserem Planeten besser zu verstehen.
31:14Sie betrachten den Globus in seiner Gesamtheit.
31:17Die Wissenschaftler brauchen die Daten aus dem All, um den Zustand der Erde zu bestimmen.
31:22Man braucht genaue Daten, um dann auch diese vielen Modelle mit Daten testen zu können.
31:29Ich glaube, es ist unbestritten, dass es den Klimawandel gibt.
31:31Es ist unbestritten.
31:32Nur seine Auswirkungen, die werden ja in Modellen hochgerechnet.
31:37Diese Auswirkungen genau herauszufinden, dafür braucht man natürlich eine Datenbasis.
31:41Und sie können einfach keine guten Modelle machen, wenn sie nicht Daten haben, die absolut sicher sind und die stimmen.
31:49Die Erde ist ein lebendes Gebilde, das sich ständig verändert.
32:00Um die Topografie unseres Planeten exakt zu erfassen, startete das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR, seine Tandem-X-Mission.
32:09In einem komplizierten Weltraumballett umkreisen zwei nahezu baugleiche Satelliten die Erde und tasten die Oberfläche mit Radargeräten ab.
32:20Daraus entsteht ein weltumfassendes dreidimensionales Geländemodell in einer bis dahin nicht erreichten Präzision.
32:27Also 3D-Modelle braucht man für alles. Und bevor es die Fernerkundung da gab, wurden die 3D-Modelle kartiert.
32:38Also das ist ja der Ursprung aller Kartierung und die Fernerkundung ist ja praktisch die Nachfolge der klassischen Kartierung.
32:47Die Topografie, das Relief war für den Menschen schon immer das Allerinteressanteste.
32:52Tandem-X vermisst die Erde neu. Sämtliche Elemente der Erdoberfläche werden dabei erfasst. Bis hin zur Größe einzelner Bäume.
33:06Mit der Mission Tandem-X haben wir ein weltweit konsistentes, globales Höhenmodell erstellt, was in dieser Genauigkeit, und zwar in der Einheitlichkeit, einmalig ist.
33:18Es ist also von keinem anderen Höhenmodell überboten.
33:20Die gewonnenen Daten lassen sich mit anderen physischen und sozialökonomischen Informationen verknüpfen.
33:28Die Anwendungen gehen dabei weit über die Herstellung einer topografischen Karte hinaus.
33:34Die Beschaffenheit des Bodens lässt sich dabei ebenso ermitteln wie die Lage von Gewässern.
33:41Mit den hochauflösenden Daten können zum Beispiel Karten von potenziellen Überschwemmungsgebieten erstellt und hydrologische Abflussmodelle simuliert werden.
33:50Die beiden Radarsatelliten sehen durch Regengebiete hindurch und erkennen Wasserflächen besonders deutlich.
34:01Wasser wirkt wie ein Spiegel.
34:03Tag und Nacht und unabhängig von einer Wolkenbedeckung haben die beiden Satelliten unseren Globus gescannt und dabei eine umfassende Geländedatenbank des kompletten Planeten erschaffen.
34:18Die genaueste Karte der Welt.
34:23Wie funktioniert das Saar-Prinzip?
34:25Oder anders gefragt, wie kann man mit dem Saar-Prinzip Höhen messen?
34:30Nun schauen wir uns mal einen Berg auf der Erde an.
34:32Nehmen wir an, das ist die Erdoberfläche.
34:34Dann haben wir hier zum Beispiel einen Berg.
34:37So, und irgendwo hier oben fliegt der Satellit, das soll er sein, und der hat typischerweise Solarzellen, das sind jetzt die Solarpaneele, auf der linken und auf der rechten Seite.
34:52Was macht der Saar-Satellit?
34:54Nun, er schickt nacheinander Radarstrahlen zu verschiedenen Punkten, einmal zum Beispiel zum obersten Punkt, zur Bergspitze.
35:03Die werden von dort wieder zurück zum Satelliten reflektiert oder zum Fußpunkt und auch da wieder zurück.
35:10Und was der Satellit jetzt nun macht, ist, er analysiert die Laufzeit von der Spitze zurück und vom Fußpunkt.
35:17Und offensichtlich ist es jetzt so, dass diese Laufzeit wesentlich kürzer ist als die.
35:22Und daraus kann der Satellit indirekt die Höhe bestimmen.
35:27Die fliegenden Augen im All überwachen auch unsere Weltmeere.
35:32Sie sind oft die einzige Möglichkeit zu sehen, was auf den Weiten der Ozeane vor sich geht.
35:39Meeresschützer nutzen Satellitendaten, um Jagd auf Umweltsünder zu machen.
35:44Immer wieder spülen Tankschiffe aus Kostengründen Ölreste ins Meer, statt sie im Hafen zu entsorgen.
35:50Wir bekommen innerhalb von einer halben Stunde nach dem Satellitenüberflug eine erste Auswertung.
35:59Und in Deutschland ist es so, dass wir nach jedem Satellitenbild, was wir bestellt haben, ein Flugzeug bereit haben.
36:08Wir schicken dann gezielt den Flieger hin.
36:10Und wenn auf diesem Satellitenbild etwas zu sehen ist, dann wird das gezielt überprüft, um was es sich handelt.
36:19Die Radarsatelliten haben den Vorteil, dass sie sowohl Tag und Nacht, aber halt auch wolkenunabhängig arbeiten können.
36:27Also auch nachts finden wir unsere schwarzen Schafe.
36:29Eine andere Anwendung für die Signale aus dem All stellen sich Schiffsbauer und Reedereien vor.
36:38Der britische Hersteller von Schifffahrtstechnik, Rolls-Royce, arbeitet an einem System,
36:46mit dem sich Schiffe von einer virtuellen Brücke aus über die Ozeane steuern lassen.
36:56Grundvoraussetzung wäre nicht nur eine exakte Ortsbestimmung aus dem All,
37:00sondern auch hochauflösende Bilder in Echtzeit.
37:08Erdbilder gibt es heute in den unterschiedlichsten Auflösungen.
37:11Hier sehen wir zum Beispiel ein Video aufgenommen von der Raumstation.
37:15Einzelne Städte bei Nacht. Wir sehen fast die Hälfte der Erdkugel.
37:19Und die Blitze, die Sie hier sehen, das ist ganz typisch für die Nacht in den Tropen.
37:23Hier sehen Sie überall diese kleinen, hellen Blitze.
37:26Und jetzt fliegen wir übers Meer und man sieht einfach nur das Weiß der Wolken und das Blau der Meer.
37:30Also das ist ein ganz typischer Anblick nachts.
37:33Und hier oben sehen Sie den ganz kleinen grünen Streifen.
37:36Das ist so eine kleine Albedo, ganz auch typisch für die Nacht.
37:40Und dann gibt es noch diese ganz anderen Daten, die Google-Daten, die Sie ja auch kennen.
37:44Man sucht sich hinein, hier zum Beispiel jetzt Berlin,
37:47und kann jetzt wirkliche Details sehen von ein paar Meter Auflösung bis hinunter zu Zentimeter.
37:53Also ganz hohe Auflösung.
37:55Hier sieht man zum Beispiel einzelne Autos auf der Straße.
37:59Man kann so ein bisschen ihn überwischen, sieht einzelne Häuser, kann sich schauen, wo ist mein Haus.
38:04Das sind so die typischen Anwendungen bei solchen Bildern.
38:08Der Nachteil dabei, das sind Google-Bilder, ist, dass sie typischerweise einige Jahre alt sind.
38:13Das ist aber auch der Grund, warum sie jeder sehen kann.
38:15Und dann gibt es noch diese ganz anderen Bilder, die kosten Geld, zum Beispiel bei Digital Globe.
38:21Da hat man noch leicht höhere Auflösung, Sie sehen das, bis zu 20 Zentimeter.
38:26Die können Sie kaufen, die gibt es jeden Tag.
38:29Und da können Sie sehen, gibt es denn mein Boot noch da irgendwo im Mittelmeer?
38:34Ist das Boot des Nachbarn auch da?
38:36Also das sind all die Details und der Nutzen von solchen Erdbeobachtungsbildern.
38:44Ununterbrochen scannen Satelliten die Erde im gesamten Spektrum des Lichts.
38:48Sie beobachten mit Radar und Laser und erfassen die Vorgänge auf unserem Planeten in immer besserer Auflösung.
38:55Und die Wissenschaftler und Forscher ersinnen immer neue Verfahren, um dem Planeten auch noch die letzten Geheimnisse zu entlocken.
39:06Wir haben Biomasse, also das ist ein Satellit, der Biomasse messen wird.
39:10Dann haben wir Flex, der wird Photosynthese, Fluoreszenz aus dem Weltall messen.
39:15Das sind alles neue Technologien, die gerade erst im Aufbau sind.
39:18Das sind Dinge, da hätten wir vor zehn Jahren noch gesagt, wow, ob wir sowas jemals bauen können.
39:25Mittlerweile können selbst Sandstürme aus dem All heraus verfolgt werden.
39:30Satelliten beobachten den Wüstenstaub der Sahara auf seinem Weg um die Welt und erstellen davon exakte dreidimensionale Modelle.
39:38Nur eine von unzähligen Anwendungen, die Klima- und Naturforscher entwickeln.
39:43Immer mehr und immer feinere Daten werden gewonnen und archiviert.
39:48Die wertvollsten Daten sind die Daten der Vergangenheit, die ich auch in der Zukunft immer wieder zugreifen kann.
39:54Es ist eigentlich völlig egal, ob es nun räumlich sehr hochauflösende Daten sind oder zeitlich sehr hochauflösende Daten sind.
40:01Für jede unterschiedliche Fragestellung hat ein Satellit seine ganz besondere Stärke und seine besondere Nutzanwendung.
40:11Die kontinuierliche Überwachung aus dem All zeigt auch die rasant fortschreitende Urbanisierung der Welt.
40:17Die Einwohnerzahl der Wüstenmetropole Las Vegas hat sich in 20 Jahren mehr als verdoppelt.
40:23Der Markt von solchen raumfahrtgestützten Anwendungen, eben auch der Erdbeobachtung, aber eben auch Kommunikation und Navigation, ist stark gewachsen in den letzten Jahren.
40:36Es gibt diesen bekannten Begriff von New Space, dass so kleine Firmen zunehmend einsteigen, eigene Geschäftsfelder entwickeln,
40:44z.B. mit kleinen, sehr kompakten, leicht zu startenden Satelliten, die dann in den Orbit gebracht werden.
40:50Diese Technologien gehen davon aus, dass man die Daten, die man erzeugt, in irgendeiner Art und Weise auch verkaufen kann
40:58und durch den Verkauf dieser Daten Einnahmen erzielt werden.
41:03Die neue Generation von Minisatelliten, CubeSats, werden in der Erdbeobachtung eine immer größere Rolle spielen.
41:11Als Schwarm eingesetzt, ermöglichen sie ganz neue Beobachtungsszenarien.
41:16So könnte z.B. eine bestimmte Region mehrmals am Tag abgelichtet werden.
41:20Solche Aufgaben, wie z.B. von Massenbewegungsmonitoring, würden solche Daten natürlich sehr helfen,
41:30wenn sie auch wirklich archiviert werden für jeden Tag, weil dann kann man auch rückwirkend rekonstruieren,
41:35z.B. für entferntere Gebiete, wann ist jetzt das Ereignis aufgetreten.
41:39Also diese Verdichtung, die damit auch möglich ist in der zeitlichen Auflösung, ist sehr interessant.
41:47Nicht alles wird sich in kleinen Satelliten realisieren lassen.
41:50Sie sind natürlich technisch begrenzt, aber sie können wesentliche Lücken schließen,
41:55was v.a. auch die zeitliche Wiederholrate betrifft und sind daher eine interessante, ergänzende Entwicklung.
42:03Die kleinen Satelliten werden v.a. von Universitäten für Forschungsprogramme genutzt.
42:09Doch sie eröffnen auch ganz neue Geschäftsfelder.
42:12Automobilindustrie, Sicherheitsunternehmen oder Versicherungsgesellschaften
42:16haben großes Interesse an individuellen Daten aus dem All.
42:20Und vielleicht gibt es bald den ganz privaten Begleiter im Orbit, der einem ganz eigene Fotos zur Erde schickt.
42:29Spannend wäre natürlich Satellitenbilder in Echtzeit.
42:32Also sprich, dass sie sich sozusagen mit Google Earth eine Region angucken und da bewegt sich dann alles.
42:38Das wäre natürlich eine ganz andere Nummer.
42:40Also das heißt, sie könnten die Erde sozusagen in Echtzeit abscannen.
42:44Das hätte sicherlich wieder einen ganz eigenen Charme.
42:47Ja, aber da sind wir noch ein bisschen von entfernt.
42:51Erfolgreiche Versuche mit hochauflösenden Echtzeit-Videos aus dem All
42:55hat das kanadische Unternehmen Earthcast veröffentlicht.
43:00Die Auflösung aus 400 km Höhe ist so gut, dass sich einzelne Fahrzeuge problemlos erkennen lassen.
43:13Die Spezialkamera ist auf der Internationalen Raumstation montiert
43:17und zeigt einen Bildausschnitt von circa 5 mal 3 Kilometern.
43:22Earthcast will die Aufnahmen kommerziell vermarkten, aber auch Regierungsorganisationen zur Verfügung stellen.
43:29Um Menschen zu erkennen, reicht die Auflösung allerdings noch nicht.
43:32Es gibt einen Unterschied zwischen erkennen und identifizieren.
43:36Also aus dem Weltraum heraus eine Person zu identifizieren, zu sagen,
43:41sie waren jetzt da zu diesem Zeitpunkt, das ist mit den zivilen Erdbeobachtungsverfahren momentan nicht möglich.
43:47Und es gibt auch diese Grenze von 40 cm, die wird, denke ich, auch nicht deutlich weit unterschritten,
43:53wo man sagt, dass die Daten wirklich zivil verfügbar sind.
43:56Es gibt sicherlich im militärischen Bereich höhere Auflösungen,
43:59die werden aber eben nur ganz punktuell und ganz gezielt verwendet.
44:03Und diese Daten sind klassifiziert, die stehen auch in der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung.
44:09Big Brothers watching you. Aus dem All heraus.
44:13Wie hochauflösend Spionagesatelliten arbeiten, ist geheim.
44:17Und unterliegt staatlicher Kontrolle.
44:19Doch sicher ist, auch die Aufnahmetechnik von Privatanbietern wird immer besser.
44:24Was wird also die Erdbeobachtung in der Zukunft bringen?
44:27Nun, wir untersuchen so viele Eigenschaften unserer Atmosphäre, der Weltmeere,
44:33dass wir wirklich in Zukunft sozusagen das Husten der Erde wirklich mitbekommen werden.
44:38Das Zweite ist, die Radarauflösung wird immer besser, bis hinunter zu Millimeter.
44:43Das heißt, wir werden kleinste Details mitbekommen.
44:46Die Frage ist, ob wir solche Datenmengen überhaupt speichern werden.
44:50Und Ähnliches gilt auch in der Optik, das heißt in der optischen Auflösung.
44:54Was kann ich genau sehen?
44:56Aber da werden wir nicht wahrscheinlich unter 10 Zentimeter kommen.
44:59Denn in der Optik brauchen wir große Teleskope.
45:02Und je größer die Auflösung, je besser die Auflösung wird, umso größer müssen diese Teleskope sein.
45:08Das heißt, der Trend würde wieder zu größeren Satelliten gehen.
45:12Und da gibt es dann eine Grenze.
45:13Mit anderen Worten, werden wir in Zukunft einen Strafzettel aus dem Weltraum bekommen?
45:19Nein, aus zwei Gründen.
45:22Diese 10 Zentimeter Auflösung reicht nicht, um so kleine Nummernschilder zu sehen.
45:27Und zweitens, zum Glück stehen ja Nummernschilder senkrecht.
45:31Und der Satellit schaut von oben.
45:33Er wird also nie die Nummernschilder lesen können.
45:35Mit anderen Worten, Sie können auch in Zukunft ganz ruhig Autofahren.
45:39Erst seitdem die Menschheit in den Weltraum vorgestoßen ist, kann sie die Schönheit der Erde in ihrer Gesamtheit sehen.
45:50Der Blick aus dem All ermöglicht uns das Verstehen der globalen Zusammenhänge auf unserem Planeten.
45:57Und das ist erst der Anfang.
45:59Wir machen ja Forschung, gerade aus den Gründen, um Überraschungen zu finden auch.
46:06Wir wollen wissen, was ist los und was können wir davon lernen.
46:10Ich bin sicher, dass auch in der Erdbeobachtung solche Überraschungen noch kommen,
46:13dass wir Dinge, die wir heute noch gar nicht messen können, dass wir die in Zukunft aus dem All beobachten können.
46:19Satelliten haben unseren Alltag verändert.
46:24Sie bestimmen unser tägliches Leben.
46:27Die Wissenschaft und Forschung gewinnt immer tiefere Einblicke in das System Erde.
46:33Aber auch ganz neue kommerzielle Anwendungen werden sich aus den Daten aus dem All ableiten lassen.
46:38Die Fernerkundungsdaten werden vielleicht gar nicht mehr so eine Sonderstellung haben, wie sie sie heute noch haben,
46:44sondern sie werden eine Datenquelle unter vielen sein.
46:46In immer kürzerer Zeit werden wir immer mehr Daten unseres Planeten sammeln.
46:55Das Verknüpfen dieser Daten aus dem All mit auf der Erde gewonnenen Informationen wird zu ganz neuen Erkenntnissen führen.
47:06Ich glaube, Erdbeobachtungssatelliten haben zu einem umfassenden Verständnis unseres Planeten überhaupt erst beigetragen,
47:13weil sie ja die Erde sozusagen als Ganzes beobachten können und dadurch Informationen gewinnen können, die sie anders gar nicht erhalten.
47:21Deswegen glaube ich auch, dass jedes Bild, was unsere Erde wirklich im Fernsehen zeigt,
47:26auch der Menschheit immer wieder zeigt, wir sind auf einem relativ kleinen Planeten mit einer relativ dünnen Atmosphäre.
47:32Und wir sollten vielleicht vorsichtig sein, dass wir diesen Planeten, der, wenn wir im täglichen Leben uns befinden, so groß aussieht, vielleicht nicht überstrapazieren.
47:41Die Bestandsaufnahme aus dem All dokumentiert, wie sehr sich der Mensch die Erde zu eigen gemacht hat.
47:50Sie ermahnt uns, unsere Ressourcen zu schonen.
47:53Die gesammelten Daten dienen so auch als Beweissicherung gegenüber folgenden Generationen, den Institutionen und der Politik.
48:01Wohin wird die Reise in der Erdbeobachtung gehen?
48:05Nun nehmen wir zunächst die optischen Teleskope.
48:07Ich glaube, die Auflösung wird in die Richter von 10 Zentimeter gehen, aber nicht wesentlich darunter.
48:13Warum? Nun, weil die Teleskope dadurch wesentlich größer werden und jede Dimension von Satelliten sprengen.
48:20Im Radarbereich sieht es ein bisschen anders aus.
48:22Wir können bessere Auflösungen erreichen, ohne die Teleskope, ohne die Radarteleskope zu vergrößern.
48:28Aber macht das alles Sinn? Es ist fraglich, ob wir das alles wirklich wollen.
48:34Denn jede Verbesserung der Auflösung um einen Faktor 10 bedeutet eine Vergrößerung der Datenmenge um einen Faktor 100.
48:41Die Daten müssen irgendwo hin.
48:43Außerdem muss es irgendjemanden geben, der sich diese Daten anschaut und sagt, das ist genau das, was ich will.
48:49Also es ist fraglich, ob die Auflösung immer weiter und immer besser wird.
48:54Aber es wird interessant, was die Zukunft wirklich bringt.
48:58Satelliten lassen uns weltweit kommunizieren, schicken uns Fernsehsignale und vernetzen uns mit dem gesamten Globus.
49:09Die Augen im All helfen uns auch, unsere Welt besser zu verstehen.
49:14Doch die Flut von Informationen aus dem Erdorbit verrät vor allem eines, wie stark der Mensch seinen Planeten verändert.
49:22Die Flut von potatoes
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